Archive for April 2008

Protokolle der dezentralen VVs

April 30, 2008

Wie berichtet, gab es in der Woche zwischen dem 21.04. und 25.04 in den Fachbereichen / Instituten der FU dezentrale VVs als erste Phase des Protestsemesters. Hier nun die Ergebnisse in Form von Protokollen:

Protokolle:

Weiteres Infomaterial:

Am 07.05. wird es dann von 14-16 Uhr eine Gesamt-VV im Hörsaal 1A der Silberlaube geben. Vorher soll noch eine zweite OSI/PuK-VV stattfinden, deren Termin aber noch nicht feststeht bzw. wieder verschoben wurde.

Advertisements

Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory

April 29, 2008

Nachdem ich wegen der aktuellen Titelstory, „Die Turbo-Uni“, nach Jahren das erste Mal wieder eine Printausgabe des Spiegels erworben hatte (das letzte Mal kostete er noch 5 DM), war ich dann doch etwas enttäuscht wie relativ dünn der Artikel für eine Titelgeschichte war.

Immerhin: Die desaströsen Ergebnisse der Bologna Reform werden klar benannt, empirisch untermauert (z.B. anhand der auch hier bereits schon angesprochenen HIS-Studie) und mit zahlreichen Fallbeispielen flankiert.

Zur Sprache kommen so ziemlich alle zentralen Probleme: Statt der angestrebten internationalen Vergleichbarkeit ist diese jetzt nicht mal mehr innerhalb von Deutschland gewährleistet, da jede Uni ihre „eigene Reform“ mit eigenen Studiengängen durchführt; sechs semestrige Bachelors werden im europäischen Ausland oft nicht anerkannt (weil dort acht Semster Standard sind); die Abbrecherquote wurde in vielen Studiengängen nicht wie geplant gesenkt, sondern hat sich im Gegenteil noch erhöht; die Studierenden fühlen sich überfordert und suchen mehr als zuvor psychologische Hilfe auf; viele Studierende wollen können aber kein Praktikum im Ausland machen, da ihr Studiengang zu dicht aufgebaut ist; Studierende ohne finanzielle Hilfe ihrer Eltern werden mehr denn je benachteiligt, denn nebenher noch einen Job zu bewältigen ist nahezu unmöglich; die Mehrheit will nach dem BA noch einen MA machen, doch das Gros der Ressourcen wurde in den BA gepumpt, weshalb eben nicht jeder einen MA draufsatteln kann; es mangelt an Dozierenden in der Lehre, obwohl mehr denn je Betreuung wichtig wäre; viele Studierende fühlen sich eingeengt und wie in der Schule; insgesamt sinkt die Anzahl der Studienbeginner_innen in einigen Bundesländern, obwohl Deutschland mehr Akademker_innen bräuchte (hier also „Standortlogik“).

Etwa in der Mitte des Artikels drehen die Autoren (es sind derer sechs) dann aber die Stoßrichtung um 180°: Die Wirtschaft habe zwar immer noch Vorbehalte, weil junge Absolvent_innen ohne genügend Praxiserfahrung auch nicht das Gelbe vom Ei sind, insgesamt stehen sie der Entwicklung aber positiv gegenüber, der BA findet zunehmend Akzeptanz. Wenn jemand dem alten humboldt’schen Ideal hinterher trauert, sind das eher die Dozierenden. 46% der Studierenden sind dagegen trotz aller Kritik, Leistungsdruck, Umstellungs-Chaos, etc. mit dem neuen System zufrieden – angeblich mehr als in den alten Studiengängen. Und so geht es dann munter weiter, der AStA der Uni Hamburg wird als Prototyp eines modernen neuen AStAs skizziert (mit Corporate Idenity, Office, etc.), Unternehmensberater und Banken feiern die neuen BA-Absolvent_innen regelrecht, usw.

Der Artikel endet schließlich damit, dass selbst Dozierende die dem alten humboldt’schen Ideal noch nachtrauern aus pragmatischen Gründen kapitulieren und sagen, die Bedingungen haben sich nun mal geändert und sie hätten gar nicht anders gekonnt, als die Unis diesen neuen Bedingugen anzupassen.

Natürlich kann man dem Spiegel vorwerfen, dass er hier einen anfangs sehr kritischen Artikel gegen Ende auf ein „Es-ist-nicht-schön-aber-muss-eben-einfach-sein“ runterdrückt.

Nur sind diese Befürworter_innen ja keine Phantome, nicht nur in der Wirtschaft, auch unter den Studierenden findet der verschulte Bachelor eben durchaus Akzeptanz, so nach dem Motto, je schneller ich mit der Uni fertig, desto besser. Und wenn es in der „Übergangsphase“ Pannen gibt, nimmt man diese letztlich genauso hin, wie die Verschulung, die viele Studierende neuerer Generation eben durchaus auch als entlastend wahrnehmen.

Und wenn darauf verwiesen wird, das Verhältnisse, die die Studierenden in den 70er und 80er Jahren noch zum Aufstand getrieben hätten, heute von einer breiten Masse weitgehend und unter ein wenig Nörgeln hingenommen werden, wer wollte da widersprechen? So aktiv manche Protestbewegung auch sein mag, wie verhält sich denn das Verhältnis von Teilnehmenden zu Nicht-Teilnehmenden? Wie lange dauert so eine aktive Protestphase im Schnitt an?

Fazit

Jemandem der sich mit dem Bologna Prozess befasst oder selbst von ihm betroffen ist, bringt diese Titelgeschichte wenig neue Erkenntnisse. Die Fakten und die Argumente sind bekannt und konnten in letzter Zeit z.B. in der Berliner Regionalpresse nachgelesen werden. Dennoch hat der Spiegel natürlich auch recht, wenn er sagt, für das Ausmaß dieser Reform und die Probleme die sie erzeugt, ist die öffentliche Aufmerksamkeit bisher noch verhältnismäßig gering gewesen. Und wenn nun Leute durch diesen Spiegeltitel an eine Problematik herangeführt werden, die ihnen bis dato wenig oder gar nicht bekannt war, ist das sicherlich erst einmal ein Zugewinn.

Für eine Titelstory hätte man die Sache jedoch trotzdem noch ausführlicher darstellen können und vielleicht auch mal ein paar neue Fakten rechechieren können, die dann selbst unmittelbar Beteiligten noch nicht geläufig gewesen wären.

Wenn Schafe Identität schaffen

April 28, 2008

In einem sehr guten, ausführlichen Artikel rechnet der Kommilitone Ralf Hutter in Telepolis mit den diversen Hochglanz-Uni-Magazinen ab, die an Hochschulen ausliegen (siehe dazu auch kurz „Institutstag – Ein kurzer Rückblick“, zweiter Absatz).

Bahnbrechend neue Erkenntnisse fördert der Artikel dabei zwar nicht zutage (er bestätigt im Wesentlichen, was jeder sich denken kann, der einmal einen Blick in so ein Magazin wirft), erstmals werden besagte Uni-Magazine aber etwas systematischer unter die Lupe genommen und der Leser bekommt auch einen Einblick in die redaktionelle Arbeit (wenn man es denn so nennen kann) hinter diesen Broschüren.

„Im Folgenden wird, nach einer Vorstellung der analysierten Titel, auf drei Aspekte Bezug genommen: Die mangelhafte, oft gar nicht vorhandene Trennung von Inhalten und Werbung; die Perspektiven auf Bildungs- und Hochschulpolitik; und die allgemeinere, v.a. auf die Welt der Lohnarbeit bezogene, Ideologieproduktion.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Dadurch dass Ralf zwischendurch auch immer wieder bizarre Fallbeispiele zitiert, ist der Text auch nie zu trocken:

„Eine Professorin für Design von der FH Dortmund initiierte letztes Jahr ein Projekt, im Zuge dessen Schafe auf dem Campus gehalten werden. „Die Idee zum Kauf der Schafe entstand durch einen Besuch an unserer Partnerschule in Moskau, die ein eigenes Haustier, eine Katze besitzen. Wir haben das Phänomen des dadurch entstehenden Gefühls der Verortung, der Zugehörigkeit bei den Studenten wie auch den Lehrenden gesehen und sagten uns: ‚Das brauchen wir auch.'“

(…) Ungeahnte Zusammenhänge zwischen Mensch und Tier werden offenbar: „Schafe schaffen Identität und Zugehörigkeit und dies in einer Zeit, in der manche Menschen Unsummen an Kilometern zurücklegen und die Zeit, die man in andere Lebewesen investiert meist über Mail, Handy und Palm definiert wird“.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Doch natürlich geht es in diesen Gazetten nicht nur um solchen surrealen Klamauk, Ralf zeigt auch auf, wie vermeintlich unideologisch Aufmachungen hier Ideologie transportieren.

„Auf dieser Linie ist generell auch Unicum. Auslandsaufenthalte, Praktika schon im Studium, ständiges Denken an den Lebenslauf – eben die totale Verwertbarkeit – werden durchweg als unhinterfragbare Lebensbestandteile und -bedingungen dargestellt.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Ralf kommt abschließend zu dem Ergebnis:

„Obwohl nicht alle in diesem Artikel formulierten Vorwürfe auf alle behandelten Zeitschriften zutreffen und auch keine exakte Darstellung, keine wissenschaftliche Inhaltsanalyse geleistet werden sollte, dürfte doch klar geworden sein, dass die den Studierenden in Deutschland angebotenen Periodika ihnen wenig wirklich Gutes bringen. Salopp ausgedrückt: Es handelt sich um Jugend gefährdende Schriften, die unsere Kids ideologisch versauen!“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Der Artikel ist zwar etwas länger (für Telepolis), jedoch definitiv lesenswert.

Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal

April 27, 2008

Stellungnahme des stellvertretenden Leiters der Universitätsbibliothek, Jirka Kende, zum Bibliotheksskandal. Die Zitate auf die Herr Kende sich bezieht, wurden mit den entsprechenden FUwatch-Beiträgen verlinkt.

Liebe Blog-LeserInnen,

verzeihen Sie bitte den etwas länglichen Beitrag, aber der Sachverhalt ist zu komplex, um ihn nur mit zwei Sätzen kommentieren.

Der sog. „Bibliotheksskandal“ beruht auf Falsch- bzw. Desinformation, nicht nur durch Weglassen von Informationen, sondern vor allem durch die im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehenden Zahlen. Wer behauptet, dass von den 1.1 Mio. Titeln der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken 500.000 oder 600.000 ausgesondert werden sollten, weiß entweder nicht, wovon er redet, oder sagt bewusst die Unwahrheit. Dass die „…anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib (dies) bestätigten…“, vermag ich nicht zu glauben. Hier wird offensichtlich mit unseriösen Zahlen Stimmung gemacht, aus welchen Beweggründen auch immer.

Tatsache ist, dass im Rahmen der Überlegungen zur Verbesserung der Studiensituation und zur Schaffung von zukunftsfähigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse in einem Szenario die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken in die UB erwogen wurde.

Neben Schaffung von 500 modern ausgestatteten Arbeitsplätzen und Gruppenarbeitsräumen sah das Konzept vor, die neuere sozialwissenschaftliche Literatur in einem großzügig ausgebauten Freihandbereich der UB aufzustellen und durch ausgedehnte Öffnungszeiten entsprechend den Bedürfnissen der Studierenden zugänglich zu machen und so auch im Bereich der Garystrasse die Bedingungen für die Literaturversorgung dauerhaft zu optimieren.

Im Rahmen dieser Überlegungen wurde aufgrund von begründeten Schätzungen ermittelt, dass es rd. 350.000 – 400.000 ältere Titel gibt, die innerhalb der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken und/oder mit dem Bestand der räumlich benachbarten UB dublett sind. Gleichzeitig zeigte sich, dass rd. 40 % dieser zwischen der UB und den sozialwissenschaftlichen Bibliotheken *dubletten* älteren Bestände innerhalb der letzten 10 Jahre weder in der UB noch in den Fachbibliotheken ein einziges Mal genutzt wurden. Deshalb wurde begründet angenommen, dass die Aussonderung von schätzungsweise 140.000 *dubletten* Titeln nicht die geringste Beeinträchtigung der Benutzung zur Folge haben würde.

Die relativ hohe Anzahl der Dubletten war nicht überraschend und ist darauf zurückzuführen, dass die UB seit eh und je einen sozialwissenschaftlichen Sammelschwerpunkt hatte, weshalb sich die Bestände bei einer Integration auch gut ergänzen würden. Und dass die Sozialwissenschaftler schon immer intensiv die UB genutzt haben, zeigt auch die Tatsache, dass von den überhaupt genutzten dubletten Beständen rd. 24 % in beiden Bereichen, rd. 12 % in den sozial-wissenschaftlichen Bibliotheken, aber fast 22 % nur in der UB genutzt wurden.

Beide Bereiche haben in den früheren Jahren sehr viele identische Titel erworben. Das war auch gut so, denn Mehrfachexemplare wurden in diesen Massenfächern natürlich gebraucht, die „1-Buch-Ideologie“ war schon früher und ist auch noch heute noch bei 30.000 Studierenden unsinnig und wurde weder von der UB noch von sonst irgendeinem Bibliothekar an der FU jemals vertreten. Vielgefragte neue Literatur sollte vielmehr sooft wie nötig vorhanden sein, sei es als Einzelexemplare in mehreren Bibliotheken, sei es als Mehrfachexemplare in der Lehrbuchsammlung.

15 – 20 Jahre später stellt sich aber die Frage anders – braucht man heute noch z.B. die „Einführung in die bibliothekarische Datenverarbeitung aus den 70er Jahren in 18 Exemplaren, wie noch heute in den Magazinen der FU-Bibliotheken vorhanden? Damals war es sicher richtig und wichtig – würde aber heute nicht 1 Archivexemplar genügen?

Um es noch einmal klarzustellen: das Szenario sah vor, dass 1. jeder Titel mindestens einmal erhalten bleibt, d.h. die Titelvielfalt um keinen einzigen Titel verringert wird, 2. nur ältere und nicht mehr genutzte *und gleichzeitig mehrfach vorhandene* Titel ausgesondert werden, 3. Klassiker, wichtige fachrelevante Autoren, Nachschlagewerke etc. selbstverständlich von der Aussonderung ausgenommen bleiben und gleichzeitig 4. viel gefragte Titel in Mehrfachexemplaren in der Lehrbuchsammlung der UB bereitgestellt werden (wie z.B. für Jura, wo manche Titel mit bis zu Hundert Exemplaren den Studierenden zur Verfügung stehen).

Die Aussonderung von mehrfach vorhandener, älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur ist keineswegs ein „Bibliotheksskandal“, sondern ein normaler bibliothekarische Vorgang, der nicht nur an der FU, sondern in allen Bibliotheken weltweit laufend geschieht und bei Integration von größeren Beständen natürlich quantitativ vermehrt auftritt. In manchen Bundesländern gibt es sogar verpflichtende Regeln, nach den einzelne Schwerpunktbibliotheken mit verteilten Zuständigkeiten ältere Literatur bestimmter Fächer für die Region archivieren und die der Fächer außerhalb ihrer Zuständigkeit laufend aussondern müssen. Die einzige Alternative ist ein laufender Ausbau von Bibliotheksflächen, der auf Dauer – außer bei den Staats- bzw. Nationalbibliotheken – nicht zu finanzieren ist.

Auch an der FU werden die finanziellen Mittel immer knapper, daher der laufende Konzentrationsprozess im Bibliotheksbereich. Nicht nur im Hinblick auf die Baukosten, sondern vor allem auch im Hinblick auf den laufenden Betrieb können mit dem Ausbau von wenigeren, dafür aber gut ausgestatteten Standorten mit langen Öffnungszeiten starke Synergieeffekte erzielt werden. Dass diese Strategie am ehesten die Gewähr bietet, langfristig auch unter erschwerten Rahmenbedingungen optimale bibliothekarische Dienstleistungen anzubieten, dürfte jedem einleuchten.

Die Leiterin des Bibliotheksbereichs, Frau Zehrer, hat sich mit allen Kräften wie kaum ein anderer Bibliotheksleiter für den Ausbau ihres Bereichs eingesetzt, insbesondere im Rahmen der laufenden Integration von immer weiteren Fachbibliotheken in die beschränkten Räume des Fachbereichs. Die Vorwürfe von Gero Neugebauer gegen sie sind daher gelinde gesagt schäbig, der sog. „Ausraster“ von Herrn Naumann gut nachvollziehbar.

Auch die Behauptungen von Gero Neugebauer, „Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist“, ist blanker Unsinn.

Weder ist Stellenkegel der UB gefährdet noch braucht die UB die Sozialwissenschaften zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung. Die UB ist auch ohne der Sozialwissenschaften mit ihren über 2,5 Mio. Büchern nicht nur die mit Abstand größte Bibliothek der FU und wickelt nach wie vor knapp die Hälfte der konventionellen Benutzung des gesamten Bibliothekssystems ab; ihre Bedeutung liegt darüber hinaus vor allem in der Bereitstellung von elektronischen Medien mit rd. 500 Online-Datenbanken, 16.000 elektronischen Zeitschriften und Tausenden von E-Books und im Angebot zentraler Dienstleistungen, sei es des integrierten Bibliothekssystems Aleph mit Onlinekatalog für alle FU-Bibliotheken, sei es der Digitalen Bibliothek mit dem Volltext-Linkingsystem SFX, dem Dokumentenserver oder der Universitätsbibliographie u.a.m. Ohne die UB ist keine einzige FU-Bibliothek in der Lage, auch nur einen einzigen Tag zu arbeiten und ihre Dienstleistungen anzubieten. Soviel nur zur Bedeutung der UB.

Die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken hätte auch für die UB einen enormen Aufwand bedeutet. Aber im Hinblick auf die Schaffung von zukunftsträchtigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse und im Interesse der hier arbeitenden Studierenden, haben wir uns für das Szenario begeistern können. Es versprach, trotz der ab 2009 absehbar noch engeren finanziellen Rahmenbedingungen auch für die Studierenden an diesem Standort optimale Arbeits- und Benutzungsbedingungen zu schaffen und gute bibliothekarische Dienstleistungen auf Dauer zu erhalten.

Alles in allem hatten die o.g. Überlegungen zum Ziel, im Bereich der Garystrasse ähnliche attraktive Arbeitsbedingungen für die Studierenden zu schaffen, wie sie zurzeit auf dem Obstbaugelände entstehen bzw. bereits entstanden sind.

Dass dies manch einem oder einer aufgrund partikularer Interessen nicht so wichtig erscheint, kann ich noch verstehen. Dass die Studierenden dem Angebot einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nichts abgewinnen können und dies gar als „Bibliotheksskandal“ brandmarken, verstehe ich allerdings nicht.

Aus meiner Studentenzeit weiß ich, dass man manchmal ein Thema braucht, wo man richtig draufhauen kann, um zu zeigen, dass man noch da ist und ein Wörtchen mitreden will. Ich meine aber, dass man sich mit dem sog. Bibliotheksskandal ein falsches Thema ausgesucht hat.

Jirka Kende

Laßt Sven gehen!

April 26, 2008

Die Kommilitonin Therese Anders berichtet im LHG Blog, dass Juniorprofessor Sven Chojnacki schon Ende letzten Jahres einen Ruf auf die W2-Professur für Internationale Politik und Internationale Gesellschaft an der Uni Kiel erhalten hat.

Und einige OSI-Studierende versuchen nun offenbar zu verhindern, dass Prof. Chojnacki diesem Ruf folgt, in dem sie eine Unterschriftenaktion gestartet haben, in der das Präsidium und der Fachbereich aufgefordert werden, Porf. Chojnacki ein „angemessenes Gegenangebot“ zu unterbreiten.

Argumentativ wird dies gestützt durch die Verdienste die Chojnacki um seine exzellente Lehre erworben hat. Nicht nur bekam er vom OSI-Club den „LorBär“ für „herausragende Lehre“ (von Studierenden durch eine „Postkartenaktion“ gewählt), nein, auch die Kommunikations- und Informationsstelle der FU schreibt in einer ihrer legendären Tagesspiegel-Beilagen, wie beliebt Chojnacki bei den Studierenden ist.

Dass man das als belobigend gemeinte „leistungsfördernde Klima“ (Zitat Studierende in LorBär-Begründung) auch kritisch hinterfragen kann – für den modernen OSI-Studierenden undenkbar. Immerhin fordert Chojnacki in seinen Seminaren z.B. 10 Exzerpte für einen Teilnahmeschein (siehe „Seminar-Blog am OSI“).

Doch wenn ich Zeit und Muße habe, diesen unverhältnismäßigen hohen Leistungsanforderungen gerecht zu werden, was interessieren mich da die KommilitonInnen die vielleicht auch Interesse an der Lehrveranstaltung haben, aber in ihrem Leben noch etwas anderes tun müssen, die LV daher nach der ersten Sitzung gleich wieder verlassen? Ich meine, kann mir doch ganz recht sein, wenn der gute Prof. Chojnacki zu Beginn seiner LV die Anzahl der TeilnehmerInnen soweit runter selektiert, dass er anschließend dann seine „herausragende Lehre“ durchziehen kann. Der Rest verschwindet dann eben in umso mehr überfüllten Alternativ-LVs von weniger selektiv eingestellten Dozierenden, nicht mein Problem.

Und genau das ist die egozentrische, elitäre Denke, die dann dazu führt, dass Professoren wie Sven Chojnacki von einem offenbar nicht unwesentlichen Teil der OSI-Studierendenschaft so umschwärmt werden.

Zu klären wäre in diesem Kontext auch, wo sich Prof. Sven Chojnacki eigentlich positioniert hat, als die ATASP-Clique versucht hat Teilnehmerbeschränkungen für Seminare durchzusetzen (siehe hier und hier). Chojnackis Name fällt in diesem Kontext nicht, doch FALLS er die Teilnehmerbeschränkungs-Fraktion unterstützt hat, mit ihr sympathisiert hat, würde auch das eine Unterstützung für seinen Verbleib am OSI natürlich fraglich erscheinen lassen.

Die Aktion für einen Verbleib Chojnackis am OSI wäre überhaupt nur dann zu unterstützen, wenn kein Ersatz für ihn vorgesehen ist. Denn trotz aller Kritik: Die Lehre am OSI ist so dünn besetzt, dass es kaum vertretbar wäre, den Abgang eines Dozierenden wie Chojnacki zu fordern, wenn nicht absehbar ist, dass dieser einen Nachfolger bekommt. Soll die Juniorprofessur im Falle eines Abgangs Chojnackis allerdings neu besetzt werden, könnte man getrost ausrufen „Laßt Sven gehen!“.

Theoretisch. Faktisch ist es so oder so utopisch, dass es auch eine Unterschriftenaktion FÜR einen Abgang Chojnackis geben wird.

SFB Governance in der Kritik

April 25, 2008

Der Journalist Harald Neuber hat sich in einem Telepolis-Artikel mit dem zunehmenden Kontrollverlust von Staaten in ihren urbanen Zentren (z.B. Favelas in Brasilien) und den entsprechenden Gegenstrategien befasst. Analog dazu wirft er auch einen Blick auf die Außenpolitik, wo er ähnliche Muster entdeckt. Ausführlich ist er dabei auf den neuen Sonderforschungsbereich für Governance (SFB 700) an der FU eingegangen.

Neuber kritisiert die so genannten „embedded scientists“, Wissenschaftler die durch ihre Arbeit das fragwürdige (da gewaltsame, militärische) Vorgehen von Machtzentren in Krisenregionen legitimieren.

„(…) Aus der Nähe zwischen wissenschaftlichem und außenpolitischem Interesse wird bei den Verantwortlichen [des SFB 700, Anm. FUwatch] kein Hehl gemacht. Eines der ersten Forschungsprojekte befasste sich mit der Frage, ob ‚externe Akteure zur Entstehung eines lebensfähigen afghanischen Staates beitragen‘ können.

Mit der Frage ist auch die Berliner Republik befasst, schließlich sind am Hindukusch bis zu 3500 Bundeswehrsoldaten stationiert. Der ‚SFB 700‘ arbeite daher konsequenterweise mit der Bundesregierung zusammen, sagt Zürcher, ‚weil wir an denselben Fragen interessiert sind‘. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde eine breit angelegte Befragung der Bevölkerung in Afghanistan zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchgeführt.

(…) Spannend ist, wie diese ‚embedded science‘ den (vom Westen erklärten) ‚failed states‘ ihre staatliche Souveränität aberkennt. Gescheiterte Staaten, in denen ‚externe Akteure‘ – etwa in Form von militärischer Besatzung – dauerhaft präsent sind, hätten mit dem klassischen souveränen Nationalstaat nicht mehr viel gemein, sagt Zürcher (…)

(…) Auch wenn der ‚Sonderforschungsbereich 700‘ erst am Anfang seiner Arbeit steht, ist eine Gefahr nicht von der Hand zu weisen. Es ist die Gefahr, dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen.

Anders als das klassische Konzept der nachholenden Entwicklung zielt diese nicht mehr auf den Anschluss der Märkte der Schwellen- und Entwicklungsstaaten an den industrialisierten Norden ab. Sie versucht lediglich, die Stabilität in den Peripherien so weit zu garantieren, dass sie in die globalen Märkte eingebunden bleiben können, also wirtschaftliche Interessen eingebunden werden können.“ („Staat im Rückzug“, Telepolis, 06.04.08)

Tatsächlich ist kaum von der Hand zu weisen, dass die Gefahr besteht, „dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen“. Nur, dass die Gefahr besteht, bedeutet noch nicht, dass „der Ernstfall“ bereits eingetreten ist.

Was kann Neuber im Fall des SFB wirklich als Fakten vorweisen?

„Failed states“ wird nach seiner Meinung „ihre staatliche Souveränität“ aberkannt. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn Neuber deutlich gemacht hätte, was seiner Meinung nach „staatliche Souveränität“ eigentlich ausmacht. Wenn ein Staat derart demontiert ist wie etwa Somalia, erscheint es dann nicht legitim ihn als „failed“ zu klassifizieren? Welche Elemente eines souveränen Staates kann Somalia denn noch vorweisen?

Zürchers Definiton von „failes states“ erscheint durchaus brauchbar: „Solche Staaten können kein legitimes Gewaltmonopol aufrechterhalten und ihre Bürger nicht mehr vor inneren und äußeren Bedrohungen schützen, sie können politische Ziele nicht mehr durchsetzen und sie sind nicht mehr in der Lage, den Menschen ein gewisses Maß an materieller Grundversorgung, Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und sozialer Sicherung zu garantieren.“

Problematischer ist der zweite von Neuber angesprochene Punkt, der auf die Zusammenarbeit zwischen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Sonderforschungsbereich verweist. Wenn der SFB in Aghanistan Befragungen der Bevölkerung zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchführt und die Bevölkerung die Programme mehrheitlich als positiv auffasst, könnte dies in der Tat dazu beitragen den gegenwärtigen Einsatz in Aghanistan zusätzlich zu legitimieren, also die momentane Außenpolitik der BRD stärken.

Man müsste dann jedoch genau hinsehen, ob der SFB seine Befragungen von Anfang an so gestaltet, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer positiven Resonanz der Bevökerung auf die deutsche Außen- und Militärpolitik zu rechnen ist. Anders gesagt, konstruiert der SFB seine Feldforschung absichtlich so, dass die Ergebnisse die Außenpolitik der Bundesregierung in einem positiven Licht dastehen lässt oder ist seine Feldforschung so offen gehalten, dass theoretisch auch ein negatives Licht auf die Intervention der BRD in Afghanistan fallen könnte?

Neuber kann hier zur Zeit einfach noch nicht so viel belastendes Material vorweisen, er hat aber sicherlich recht, dass man zukünftig das Wirken des SFB genauer beobachten sollte. Der Artikel macht deutlich, dass sich auch die kritische Studierendenschaft an der FU intensiver als bisher mit der Arbeit des SFB auseinandersetzen muss.

Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015

April 24, 2008

Der Kommilitone Stefan berichtet in einem unter anderem im FSI Blog veröffentlichten Bericht über die letzte Sitzung des Kuratoriums am 04.04.08, in der es einmal mehr um die „Bibliotheksfrage“ ging.

In einem Vortrag von Prof. Lehmkuhl (FU-Vizepräsidentin) den diese während der Sitzung hielt, erläuterte sie die „dezentrale Zentralisierung auf mittlerer Ebene“. Ein Konzept das vorsieht, die Anzahl der Bibliotheks-Standorte an der FU stark zu reduzieren und gleichzeitig einige wenige Zentral-Bibliotheken zu schaffen. Von den 142 Bibliotheken über die die FU im Jahr 1985 noch verfügte, werden im Jahre 2015 dadurch nur noch neun (sic!) übrig sein.

Dies allein wäre nicht so dramatisch, würden dabei nicht auch systematisch Bücher aussortiert. Im Fall der PolSoz-Bibliothek sollen laut Prof. Lehmkuhl von insgesamt 320.000 vorhandenen Dubletten 130.000 aussortiert werden. Was deutlich weniger wären als bisherige Zahlen vermuten ließen – sofern nicht noch weitere hinzukommen. Selbst diese 130.000 wären aber sicherlich ein klarer Verlust.

Doch es ging ja im Fall der PolSoz-Bib nicht nur um das Aussortieren der Bücher, sondern auch um die Auflösung und Integrierung der Bib in die UB. Nach den Plänen des Präsidiums soll die PolSoz-Bib bis 2012 noch an ihrem derzeitigen Standort bleiben, bis 2015 soll sie dann in die bis dahin ausgebaute Universitätsbibliothek (UB) integriert werden. Zwischen Henry-Fordbau, Ihnestr. 22 und Rotem Cafe soll zudem ein komplett neues Gebäude entstehen, in das dann der Freihandbestand inklusive Lesesaal für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften kommt.

Kritik an den bis dato nicht vorhandenen bzw. erst nachgereichten Informationen über das Projekt konterte Frau Lehmkuhl mit dem Hinweis, dass das Präsidium dem Dekanat des FB PolSoz schon im November vorgeschlagen habe, eine gemeinsame Informationsveranstaltung zu den Plänen des Präsidiums zu machen, was aber vom Dekanat offenbar nicht gewollt war.

Stefan stellt zurecht fest: „Inwiefern eine solche Darstellung angesichts eines ansonsten scheinbar allmächtigen Präsidiums plausibel erscheint, kann man sicher in Frage stellen. Die Rolle des Dekanats des FB Pol.soz. im gesamten ‚Bibliotheksskandal‘ kriegt aber mit Sicherheit momentan noch viel zu wenig Beachtung“.

Unklar ist nach wie vor, ob das Aussortieren von Büchern schon begonnen hat. Offiziell wird dies anscheinend verneint, andererseits wird von Bib-MitarbeiterInnen berichtet, dass bereits Bücher ausgesondert wurden – wenn auch nicht viele.

Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung

April 23, 2008

Gestern fand wie angekündigt die OSI/PuK-Vollversammlung statt. Der Hörsaal A des OEI war gut besetzt, wenn auch nicht überfüllt. Schätzungsweise zwischen 80 und 90 Studierende waren anwesend, wobei es eine sehr starke Fluktuation gab. Diese Zahl ist zwar nicht bahnbrechend, es waren jedoch mehr gekommen, als ich vermutet hatte.

Der „neue SDS“ hatte sich vor dem Eingang groß aufgebaut und bewarb mit Flyern und einer Zeitung massiv seinen „1968 Kongress“ der Anfang Mai in Berlin stattfindet. Eine Vollversammlung für solche „parteilichen“ Werbezwecke zu nutzen hinterlässt immer einen faden Geschmack, ist aber bei VVs nun mal gang und gäbe (irgendwelche Flyer von irgendwelchen Gruppierungen kriegt man immer in die Hand).

Anwesend waren neben den Studierenden auch drei MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek, die ausführlich über die drohende Zwangsintegrierung in die UB berichteten. Der Bibliotheksskandal wurde dann auch das zentrale Thema der VV.

Exkurs: Der Bibliotheksskandal

Der so genannte Bibliotheksskandal oder auch Bibliotheksstreit wurde bereits im letzten Semester ausführlich diskutiert.

Im Wesentlichen geht dabei um Pläne des Präsidiums die neue PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) aufzulösen und in die Universitätsbibliothek (UB) zu integrieren, was bedeuten würde, dass der Fachbereich erstens keine eigene Fachbibliothek mehr hätte und zweitens mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Dieses Vorhaben erfährt Unterstützung durch das Dekanat des FBs, treibende Kräfte sind hier insbesondere Prof. Dr. Barbara Riedmüller (Dekanin) und Detlef „Don“ Brose (Verwaltungsleiter), sowie durch die Leitung der PolSoz-Bibliothek in Person von Sabine Zehrer. Im letzten Semester stellten sich auch Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl, Vizepräsidentin der FU, und Prof. Dr. Ulrich Naumann, leitender Direktor der Universitätsbibliothek, als zentrale Akteure heraus, die diese Fusion aktiv vorantreiben möchten.

Demgegenüber steht ein Großteil der Belegschaft der PolSoz-Bibliothek, die strikt gegen eine Aussonderung von Büchern und gegen eine Integrierung der Fachbibliothek in die UB ist. Ebenfalls ablehnend stehen dem Plan etliche Mitglieder des OSI-Institutsrats (IR) und des Fachbereichsrats (FBR) gegenüber, die von diesem Vorhaben offenbar nicht offiziell bzw. erst sehr spät erfahren haben.

Als zentraler Sprecher der Kritiker stellte sich ferner Dr. Gero Neugebauer heraus (siehe dazu den legendären Schlagabtausch mit Prof. Naumann hier und hier), Mitarbeiter am Otto-Stammer-Zentrum (OSZ), welches unmittelbar von der räumlichen Expansion der UB betroffen wäre (die sich zwangsläufig aus der Bib-Fusion ergeben würde). Und natürlich die Studierenden, die auch kein Interesse daran haben können, so viele Bücher zu verlieren.

Die Entscheidung trifft der FBR, dieser soll sich an die Empfehlung einer extra zu diesem Zweck gegründeten „Bibliothekskommission“ halten, in der nach Intervention durch die Studierenden auch eben jene vertreten sind (je ein Kommilitone / eine Kommilitonin aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Publizistik und ich glaube auch dem OEI).

Zum gegenwärtigen Stand im Bibliotheksskandal

Die anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib bestätigten noch einmal, dass der Gesamtbestand von zur Zeit etwa 1,1 Millionen Büchern um 500.000 oder 600.000 reduziert werden soll, was dann in der Tat einer Halbierung des Bestands entsprechen würde.

Die anvisierte „Ein-Buch-Politik“ sei fatal, da etwa ein Buch das heute noch je einmal in der UB und in der PolSoz-Bib vorhanden sei, dann eben nur insgesamt einmal zur Verfügung stehen würde. Auch Bücher danach auszusortieren, dass sie schon lange nicht mehr ausgeliehen wurden, sei kein vernünftiges Kriterium, da auch alte Themen ein Comeback erleben können (Beispiel „Contergan“). Insgesamt sein die Kriterien nach denen die Bücher dann aussortiert würden, aber bis heute ohnehin nicht wirklich ganz klar.

Die Kommission habe bisher nur ein einziges Mal getagt, dort sein nur zwei Studierende anwesend gewesen, was die Bib-MitarbeiterInnen bemängelten, da sie sich hier mehr Unterstützung durch die Studierenden wünschten. Das nächste Mal tagt die Kommission am 07.05., also just am Tag der Gesamt-VV. Es wurde den MitarbeiterInnen versichert, dass die Präsenz von Studierenden in dieser Sitzung der Kommission erheblich höher sein wird.

Doch die Auseinandersetzung tobt nicht nur auf der offiziellen Seite, das Dekanat versucht parallel die Kritiker der Bib-Fusion vor vollendete Tatsachen zu stellen. So berichteten die Bib-MitarbeiterInnen z.B., dass der Verwaltungsleiter Detlef Brose einfach die Schlösser eines Kellerraums austauschen ließ, als die PolSoz-Bibliothek dort aus Kapazitätsmangel bzw. Restrukturierung des Magazins Bücher zwischengelagert hatte. Anschließend konnte dann keinE Bib-MitarbeiterIn mehr an die Bücher heran.

Das Vorhaben extra MitarbeiterInnen für den Prozess des Aussortierens einzustellen scheiterte vorerst am Personalrat, der die entsprechenden Stellenausschreibungen cancelte. Ohne dieses Personal haben die Befürworter der Fusion allerdings schlicht weg keine Möglichkeit, das Aussondern der Bücher zu starten. Dennoch sein bereits Bücher weggeschafft worden, dies sein aber nicht viele gewesen.

Ingesamt fühlen sich die MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek durch Herrn Brose und andere Befürworter durch die „Räume gedrängt“. Mit allen Mitteln werde versucht, die Fusion durchzusetzen und Räume in der Ihne21 freizuschaffen. Das Endziel, da waren sich die anwesenden Bib-MitarbeiterInnen sicher, sei es eine Ihne21 ohne jegliche Bibliothek zu schaffen.

Nicht ganz klar wurde die Rolle des Sonderforschungsbereich (SFB) Governance und Prof. Dr. Thomas Risse als dessen „Ziehvater“. Angeblich hat der Versuch auf biegen und brechen Räume in der Ihne21 freizustellen (und die Bibliothek plattzumachen) auch etwas mit dem SFB zu tun, da dieser noch Räumlichkeiten benötigt.

Insgesamt würden Herr Brose und andere Befürworter der Fusion nicht die Notwendigkeit einer FB-Bibliothek für den Lehr- und Forschungsbetrieb erkennen, sondern sie nur als unnötigen Kostenfaktor sehen.

Was tun im Bibliotheksskandal?

Diskutiert wurde dann auf der VV natürlich auch, was man tun könnte, um die Integrierung der PolSoz-Bib in die UB zu verhindern. Konsens war zunächst natürlich, dass die Studierenden mehr Präsenz in den Gremien, besonders aber natürlich in der Bibliothekskommission zeigen müssten. Dabei sollte man nicht nur passiv anwesend sein, sondern auch mit Nachdruck versuchen die eigenen Positionen deutlich zu machen.

Es wurde weiter vorgeschlagen, alle alten und ewig nicht mehr ausgeliehenen Bücher auszuleihen, um das Argument vom Tisch zu kriegen, diese würden nicht mehr gebraucht und sein veraltet.

Ein weitergehender Vorschlag war dann, grundsätzlich alle ausgeliehenen Bücher nicht mehr wiederzugeben und einfach einzubehalten, denn dann könnte erst einmal nichts aussortiert werden. Problem war hier, dass die Bib-MitarbeiterInnen die automatisierten Mahnverfahren nicht unterbinden können, die rebellierenden Studierenden also in jedem Fall mit Mahnverfahren zu rechnen hätten, wenn sie die Bücher einfach einbehalten.

Da die Bib-MitarbeiterInnen die Bibliothek aus arbeitsrechtlichen Gründen angeblich nicht selbst bestreiken bzw. besetzen können, sollten dies vielleicht die Studierenden im Form eines Warnstreiks tun, war ein weiterer Vorschlag aus dem Plenum. Durch eine vorübergehende Schließung der Bibliothek könnte man vielleicht noch stärker auf das Problem aufmerksam machen.

Wichtig sei auch noch mehr Studierende auf den Bibliotheksskandal aufmerksam zu machen, Unterschriftenlisten rumgehen zu belassen, um zu untermauern, dass nicht nur die anwesenden 80 oder 90 Studis ein Problem mit der Bücher- und Bibliotheksaussonderung haben.

Auch die Medien sollen verstärkt auf den Missstand aufmerksam gemacht werden (obgleich diese schon im letzten Semester teilweise ausführlich über den Skandal berichtet haben, was keinem der Anwesenden präsent zu sein schien; soll heißen, sie werden nicht berichten, wenn es nichts wirklich essentiell neues in der Sache gibt).

Anwesenheitslisten

Auch wenn der Bibliotheksskandal klar das dominierende Thema war, wurden auch einige andere Probleme angesprochen, darunter auch das Problem mit den Anwesenheitslisten. Kontrovers diskutiert wurde hier, ob die Dozierenden nun wirklich verpflichtet sein, diese Listen zu führen oder ob ihnen dies freigestellt ist und sie selbst entscheiden könnten, wie sie die regelmäßige Anwesenheit feststellen. Unklar war, an welcher Stelle das genau festgelegt wird, es wurden mehrere Quellen genannt.

Während die einen das Problem in den Dozierenden sahen, die Listen führten, obwohl sie das keineswegs zwangsläufig müssten, argumentierten die anderen, das eigentlich Problem sein die Studienordnungen, die festlegten, dass die Anwesenheit – wie auch immer – zu kontrollieren sei bzw. bestimmte Fehlzeiten nicht zu überschreiten sein.

Lesenswert ist zum Thema sicherlich der „kleine Leitfaden für Anwesenheitslisten“, den die FSI OSI unlängst veröffentlichte.

Ökonomie am OSI

Kurz angesprochen wurde auch das Problem „Ökonomie“ am OSI, also dass der Bereich Politische Ökonomie so von Prof. Bolle dominiert wird, dass das was Prof. Lütz macht auch nicht viel besser sei (siehe auch: „Susanne Lütz am OSI“), es somit keine brauchbaren Alternativen in dem Bereich gäbe.

Hier wurde vorgeschlagen, dass man verstärkt versuchen sollte, studentische LVs anzubieten, die dann auch ins Vorlesungsverzeichnis aufgenommen werden sollten, also eine offizielle Alternative darstellen könnten. Dass das mitunter äußerst schwierig ist und die Verantwortlichen solchen selbstverwalteten Seminaren sehr skeptisch gegenüber stehen, wurde leider nicht weiter thematisiert.

Campus Management

In einem einzelnen Wortbeitrag wurde kurz angemerkt, dass man auch das Campus Management hinterfragen und kritisieren müsste. Das wurde jedoch nicht weiter spezifiziert.

Das Präsidium dehnt seinen Einfluss aus

In einem längeren Beitrag führte der Kommilitone Fabian aus, wie das Präsidium versucht seine Kompetenzen systematisch auszubauen und auch auf Entscheidungsprozesse Einfluss zu nehmen, die eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fallen.

Am Beispiel des Bibliotheksskandal könne man gut erkennen, wie das Präsidium hinter dem Rücken der eigentlich zuständigen Gremien versucht hätte, seine Vorstellungen durchzusetzen. Es habe keine offiziellen Infos über die geplante Bücheraussonderung gegeben, dies sei erst aufgeflogen, als MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib es nach Außen getragen hätten.

Ein weiteres Beispiel sein die so genannten Zielvereinbarungen, die zwischen den Fachbereichen und dem Präsidium getroffen werden und die die fachliche Ausrichtung der FBs festsetzen (welche Mittel für was). Auch hier sei erkennbar, dass das Präsidium zunehmend versuche die FBs in seinem Sinne zu steuern, die Fachbereiche also stark an Autonomie einbüßen würden und dezentrale Strukturen durch einen immer stärker werdenden Zentralismus ersetzt würden.

Fabian betonte die Notwendigkeit der Studierenden in die Gremien zu gehen, um diese Prozesse viel stärker als bisher zu dokumentieren und sich dann ggf. eben auch offensiv einzubringen.

Kritik an Dozierenden in FBR und IR

Kritisiert wurde der Umstand, dass Dozierende im Fachbereichsrat oder den Institutsräten zwar öfter auch gegen einige Initiativen des Präsidiums sein, ihre Position dann jedoch nicht nachdrücklich genug durchzusetzen versuchten, sozusagen immer nur „Widerstand mit halber Kraft“ leisten würden. Zu wünschen wäre, dass die Dozierenden hier in Zukunft energischer einschreiten würden.

Kritisiert wurde der IR des OSI aber z.B. auch dafür, dass er das ihm zur Verfügung stehende „Kontingent“ an Lehraufträgen angeblich nicht einmal ausschöpfen würde. Man also theoretisch durchaus mehr Lehraufträge erteilen könnte.

PuK Master

Das einzige angesprochene reine „PuK-Thema“ betraf den neuen Master der in einer Rekordzeit von 4 bis 6 Wochen aus dem Boden gestampft wurde – nachdem das Präsidium Druck gemacht hatte, die Publizistik möge doch endlich einen MA anbieten.

Obwohl auch Studierende an dem Ausarbeitungsprozess beteiligt waren, wurden ihre Positionen wenig bis gar nicht berücksichtigt. Bemängelt wurde auf der VV insbesondere, dass der neue Studiengang kaum Wahlmöglichkeiten biete.

Abschluss

Auch wenn betont wurde, dass eine solche dezentrale VV im Gegensatz zu einer Gesamt-VV keine „offizielle“ Veranstaltung ist, war es doch Konsens, dass es eine Pressemitteilung und ein Ergebnis im Namen einer „OSI/PuK-VV“ geben sollte. Zu einer Abstimmung über Beschlüsse oder Forderungen kam es indes nicht.

In der kommenden Woche soll es erneut eine dezentrale OSI/PuK-VV geben, auf der dann – so die Hoffnung – noch mehr Personen da sind, und man unter Umständen auch Forderungen / Beschlüsse zur Abstimmungen stellen will.

Fazit

Wozu genau es nächste Woche eine weitere OSI/PuK-VV geben soll, ist mir persönlich nicht ganz klar geworden. Die eigentliche jetzt noch anstehende Arbeit eignet sich eher für AGs. Eine Beschlussfassung hätte man auch bereits gestern bei einem stringenteren Ablauf gewährleisten können (es gibt offenbar auch schon so etwas wie ein Papier, das deshalb als angenommen gilt, weil es keinen Widerspruch zu ihm gab (???)). Statt mehr Studierende werden meiner Einschätzung nach nächste Woche eher weniger kommen, aber gut, wir werden sehen.

Denkbar wäre aber natürlich, dass dann nächste Woche auch andere Themen genauer diskutiert werden, denn gestern drehte sich bis auf wenige Ausnahmen alles um Anwesenheitslisten und den Bibliotheksskandal. Ohne Frage ist besonders letzter Punkt ein gravierender, dennoch gibt es sicherlich auch noch weitere Probleme, die man zum Gegenstand des Protestsemesters machen sollte.

Es kann natürlich auch sein, dass bestimmte „globale“ Probleme wie etwa die Auswirkungen der misslungenen Bologna Reform dann eher auf der Gesamt-VV thematisiert werden.

Ansonsten hat diese VV was die Informationen und die mögliche Lösungsansätze angeht ehrlich gesagt auch nicht so viel neues gebracht. Der „Frontverlauf“ im Bibliotheksskandal war bereits vorher sattsam bekannt, hinzugekommen sind nur ein paar häßliche Details (Schlösser werden ausgewechselt, etc.). Auch die Ideen für Gegenstrategien brachten nichts generell neues.

And the flames went higher…

April 22, 2008

Wie schon am Ende des letzten Semesters deutlich wurde („Bologna brennt – aber nur ein bisschen“) häufen sich jetzt Berichte, die der Bologna Reform in Deutschland ein eher schlechtes Zeugnis ausstellen (siehe dazu auch „Bologna wackelt“ im FSI Blog). Und auch in anderen europäischen Staaten wächst der Widerstand gegen Bologna (siehe dazu z.B. „Von Bologna nach Barcelona“, AStA FU Blog).

Die taz berichtete unlängst, dass die Zahl der psychotherapeutischen Beratungen an Berliner Unis in nur zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen sei – was auf die neuen BA-Studiengänge zurückgeführt wird:

„(…) Denn mit der Einführung der Bachelorstudiengänge stieg die psychische Belastung der Nachwuchsakademiker. ‚Wir beobachten, dass der Beratungsbedarf stark ansteigt‘, sagt Sigi Oesterreich, Psychotherapeutin bei der Beratungsstelle des Studentenwerks, das Studenten aller Berliner Universitäten betreut. Im Jahr 2005 gab es 1.000 Neuanmeldungen, letztes Jahr seien es schon 1.440 gewesen. ‚Diese Entwicklung führen wir auf die Einführung des Bachelor-Systems zurück‘, sagt Oesterreich. („Der Bachelor stresst die Studierenden“, taz, 12.04.08)

Selbst der Tagesspiegel kommt nicht umhin, zunehmend kritisch über den Bologna Prozess und hier insbesondere über die Bachelor-Einführung zu berichten. Am 18.04. war die zu große Arbeitsbelastung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Thema:

„60 Prozent der Bachelor-Studierenden an der Freien Universität seien bereits mit ihrem Studium im Rückstand, schätzt Lars Kubina, der Vorsitzende des studentischen Fachschaftsrats. Die Studierenden müssten 60 bis 70 Stunden pro Woche für ihr Studium aufwenden. ‚Das ist kaum zu schaffen‘, sagt Kubina.

(…) Lutz Kruschwitz, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses des Fachbereichs, sagte auf Anfrage, auch er beobachte, dass viele Studierende nur an drei und nicht wie vorgesehen an fünf Klausuren pro Semester teilnähmen. Doch sei die Arbeitsbelastung für die Studierenden nicht zu hoch. Der ‚workload‘ sei mit 8,25 Stunden pro Tag zu bewältigen. Ein Großteil der Studierenden jobbe aber – nicht immer aus Not, sondern um sich einen hohen Lebensstandard leisten zu können.“ („Der Bachelor als Bürde“, Tagesspiegel, 18.04.08)

Während man hier noch versucht das Problem von offizieller Seite zu leugnen (Workload ist nicht zu hoch; jobben für einen „hohen Lebensstandard“, usw.) ist man an anderer Stelle immerhin schon soweit, eine Zielverfehlung einzuräumen, wie ein weiterer Artikel vom 19.04. deutlich macht:

„Die Rektoren von 258 deutschen Hochschulen treffen sich an diesem Montag in Jena zu ihrer zweitägigen Jahresversammlung. Das Thema: die Qualität des deutschen Hochschulsystems. Ein Ziel der Umstellung auf Bachelor-Abschlüsse war es, die Abbrecherquote zu senken. Doch laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) ist dieser Anteil in den straff organisierten Bachelor-Studiengängen zu hoch.

‚Oftmals wurden die Inhalte, die früher in einem Studiengang mit neun Semestern vermittelt wurden, in sechs Semester gepackt‘, bemängelte Wintermantel. Das überfordere viele Studenten. ‚Es kann nicht sein, dass die Zahl der Studienabbrecher auf diesem hohen Niveau bleibt.'“ („Hochschulrektoren sorgen sich um Zahl der Studienabbrecher“, Tagesspiegel Online, 19.04.08)

Selbst das HIS ist also inzwischen dahinter gekommen, dass die Bologna Reform die Abbrecherquote nicht senken konnte, sondern sie im Gegenteil weiter in die Höhe treibt. Grundsätzlicher Konsens scheint dabei zu sein, dass ein wesentlicher Teil der Lösung darin bestehen muss, die Lehre zu stärken. Wie, wo, wann und in welchem Umfang wird allerdings nie konkretisiert.

Selbst wenn nun aber die Lehre massiv ausgebaut würde, würde dies das Workload-Problem noch nicht lösen. Den Inhalt eines alten neun- oder zehn-semestrigen Magister/Diplom-Studiums in ein sechs-semestriges Bachelor-Studium zu stopfen ist in der Tat Irrsinn. Vergleichbare Probleme lassen sich bei der G8-Reform der Gymnasien erkennen.

Das vermutlich größte Problem wird allerdings wohl nie gelöst werden können, da es von den Verantwortlichen nicht als solches wahrgenommen wird: die Verschulung des universitären Studiums. Zwar gibt es auch hier inzwischen Dozierende die das stark bemängeln, doch scheinen sie nicht die tonangebenden Kräfte zu sein. So kann man in einem weiteren Artikel vom 21.04. nachlesen:

„‚Bachelor und Master rücken dankenswerterweise die Studierenden in den Mittelpunkt der Hochschulen.‘ Das erklärte Imke Buß vom bundesweiten ‚Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften‘ (FZS) jetzt in Bonn auf einer Tagung der Initiative ‚Promoting Bologna in Germany‘, die die Hochschulreform unterstützt.

Die neue Studienstruktur mit Lernbausteinen (Modulen) und Leistungspunkten in jedem Semester gebe nicht zuletzt den Professoren klare Unterrichtsziele vor und erhöhe damit die Qualität der Lehre. Verschulung ist für Buß kein Schimpfwort, wenn damit eine klare Studienorganisation mit inhaltlichen Variationsspielräumen gemeint sei. Alle Bologna-Unterstützer aus Hochschulen und Unternehmen stimmten der Studentenvertreterin zu.“ („Bachelor-Fans ziehen Bilanz“, Tagesspiegel, 21.04.08)

Falls es noch irgendwelche Zweifel daran gab, dass der FZS am Ende ist, so sollten sie spätestens mit diesem Statement von Imke Buß hinfällig sein. Ich meine ein „freier Zusammenschluss von Studteninnenschaften“ der Lobbying für eine Reform betreibt, die für die Studierenden quer durch die Republik zur Crux geworden ist, ist eigentlich obsolet.

BA und MA „rücken die Studierenden in den Mittelpunkt der Hochschulen“? Studierende werden durch die Reform stärker denn je entmündigt, die Lehre dümpelt vor sich hin, der Workload explodiert, die Verschulung macht den BA zur erweiterten gymnasialen Oberstufe, die psychotherapeutischen Beratungen steigen durch den Druck um 50%. Und was denn für „inhaltliche Variationsspielräume“? Träum weiter, Buß.

Die Woche der kleinen Vollversammlungen

April 21, 2008

Am heutigen Montag beginnt die erste Phase des Protestsemesters (siehe „Planung für das ‚Protestsemester'“): Zwischen dem 21.04. und 25.04 sollen in den Fachbereichen / Instituten der FU dezentrale VVs stattfinden, um zunächst „lokal“ Ideen zu sammeln und Probleme zu diskutieren.

Den Auftakt bildet heute (21.04.) eine VV des Instituts für Philosophie in der ehemaligen Philosophischen Bibliothek, Habelschwerdter Allee 30 um 14 Uhr.

Danach gibt es ab 16 Uhr einen „Protest-Semester-Auftakt-Frühstücks-Brunch“ im Roten Café.

Am Dienstag (22.04.) gibt es dann um 12 Uhr die OSI/PuK-VV, die voraussichtlich definitiv im OEI im Hörsaal A stattfinden wird.

Update: Die Vollversammlung der KommilitonInnen der Geschichte und Kunstgeschichte findet dann am Mittwoch (23.04.08) von 12-14 Uhr im Raum A 124 des Friedrich-Meinecke-Instituts (FMI) (Koserstr. 20) statt.

Susanne Lütz am OSI

April 20, 2008

Man glaubt es kaum, aber nach einer Ewigkeit ist nun endlich wieder die Professur „Internationale Politische Ökonomie“ (IPÖ) am OSI besetzt. Die Anhörungen im entsprechende Berufungsverfahren fanden bereits im Wintersemester 05/06 statt. Nachdem Prof. Susanne Lütz als Nachfolgerin von Prof. Elmar Altvater schon vor einiger Zeit feststand, ist sie ab diesem Sommersemester nun auch wirklich am OSI vertreten.

Auch auf der OSI-Homepage ist Prof. Lütz schon verzeichnet – allerdings nur mit einer sehr rudimentären Site. Anzunehmen ist, dass das in naher Zukunft noch etwas ausgebaut wird.

Eine Vita findet sich zur Zeit noch auf ihrer alten Website an der Fernuni Hagen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind demnach „Vergleichende Politikfeldanalyse“, „Governance und Policy-Making im Mehr-Ebenen-System“, „Vergleichende politische Ökonomie“. Als Forschungsschwerpunkte werden genannt: „Internationale und nationale politische Ökonomie“, „Internationale vergleichende Politikfeldanalyse“, „Regulative Politik in verschiedenen Politikfeldern“, „Staats- und Steuerungstheorie“, „Institutionelle Theorien der Politik“.

Ihren Einstand gibt Prof. Susanne Lütz am OSI in diesem Semester mit gleich drei Lehrveranstaltungen: „Einführung in die internationale politische Ökonomie“ (V), „Governance von Finanzmärkten“ (HS) und „Transnationale Regulierung von Märkten“ (PK).

Die erste Wahl war Prof. Lütz aus Sicht der linken (engagierten, progressiven) OSI-Studierendenschaft sicherlich nicht. Die hätte auf dem Stuhl von Prof. Altvater lieber eine Person gesehen, die einen ähnlich kritischen Blick auf die Prozesse in der IPÖ hat, wie eben dieser. Der Kommilitone Stefan Hernádi brachte es in der letzten OZ-Ausgabe wie folgt auf den Punkt:

„Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass die Lehre der Ökonomie am OSI derzeit hauptsächlich unter dem Dach des neoliberalen Mainstream stattfindet. Das wird sich mit der Berufung der ‚governance‘-Spezialistin Susanne Lütz als Nachfolgerin Elmar Altvaters für die Professur der Internationalen Poltischen Ökonomie garantiert nicht ändern, sondern eher noch verstetigen.“ („Das Prinzip Bolle“, OSI-Zeitung, 5. Ausgabe, 12/07, S. 9)

Sorge um zu wenig Zulauf braucht sich Prof. Lütz deshalb aber nicht machen, ihre Lehrveranstaltungen werden vermutlich ähnlich gut gefüllt sein, wie die vom Kollegen Bolle – allein schon (aber nicht nur, wie man auch deutlich sagen muss) wegen der von Stefan beschriebenen Alternativlosigkeit im Bereich Ökonomie am OSI. Es bleiben nur ein paar letzte Fluchtinseln wie etwa die LVs von Hasko Hüning oder Prof. Hermann Adam, dem letzten Keynesianer.

Auch das Kalkül, dass Prof. Bolle im Bereich Ökonomie durch das Hinzukommen von Prof. Lütz vielleicht nicht mehr ganz so präsent sein würde, ist nicht wirklich aufgegangen. Das VV listet ihn allein schon mit 5 Lehrveranstaltungen, hinzu kommen vermutlich etliche seiner Getreuen. Es wurde lediglich die klassische Einteilung wieder aufgenommen: Prof. Bolle konzentriert sich auf die Politische Ökonomie, Prof. Lütz auf die Internationale Politische Ökonomie.

Neue Benutzungsordnung der Philologischen Bibliothek

April 19, 2008

Eine weitere „JPEG Mail“ (siehe auch „‚Qualitätsoffensive Lehre‘ im Original“) die Mathias mir in den Ferien mit Bitte um Veröffentlichung zugesendet hat, hatte die Änderungen der Benutzungsordnung der Philologischen Bibliothek zum Inhalt.

Am Ende der Vorlesungszeit des letzten Semesters kam es (erneut) zu einer länger andauernden Auseinandersetzung darüber, welche Studierenden während der Prüfungszeit Zugang zur Philologischen Bibliothek bekommen und welche nicht („Zugangsbeschränkung für PhilBib nun wirklich“).

Während die Bibliothek normalerweise allen Studierenden offen steht, werden die Arbeitsplätze während der Prüfungszeit oft sehr knapp, weshalb man dazu übergehen wollte, fachbereichsfremden KommilitonInnen für diesen Zeitraum den Zugang zur Bibliothek zu verwehren.

Doch waren sich die Verantwortlichen selber nicht ganz sicher, inwiefern eine solche Beschränkung überhaupt rechtens ist (die Problematik wird hier ausführlich dargestellt: bibliotheksrecht.blog.de). Am Ende stand die Zugangsbeschränkung dann aber doch.

In den Semesterferien wurden dann schließlich auch die notwendigen Änderungen der Benutzungsordnung durch den FBR erlassen. Aus diesem neuen Teil der Ordnung geht unter anderem hervor, wie die Zugangs-Staffelung nach bestimmten Dozierenden- / Studierenden-Gruppen aussieht.

Das Papier kann hier heruntergeladen werden.

Ringvorlesung 2008 des OSI-Clubs

April 18, 2008

Der OSI-Club hat mich gebeten, auf seine alljährliche Ringvorlesung hinzuweisen. Einer Bitte der ich gerne nachkomme, erscheint das Thema in diesem Jahr, „Medien/Demokratie – Politik und Journalismus in Berlin“, doch vielversprechend.

Wie für die Ringvorlesungen des Clubs typisch (oder für den Club allgemein), setzt man stärker auf Personen aus der beruflichen Praxis als aus dem akademischen Betrieb. Es geht also um Praxisnähe, weniger um eine rein theoretisch-wissenschaftlich fundierte Reflexion. Dies kann man natürlich kritisieren, doch hat man ja rein akademische Vorträge am OSI zu genüge, da kann es nicht so grundverkehrt sein, Personen aus ihrer vielleicht eher weniger akademischen beruflichen Praxis berichten zu lassen.

Natürlich setzt sich der Club wie meist bei seinen Ringvorlesungen hier der Gefahr aus, „Namedropping“ zu betreiben, also Personen aufgrund ihres Namens oder aber ihrer Stellung einzuladen, was noch nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass sie auch wirklich etwas Interessantes zu sagen haben.

Dieser sabinechristian’sche Reflex, demnach man einem Spitzenpolitiker, Gewerkschaftsführer, Intendanten, Chefredakteur, Vorstandsvorsitzenden, usw. allein schon wegen seiner beruflichen Stellung Kompetenz, Aussagekraft, Substanz, etc. zuschreibt, mutet manchmal leicht absurd an.

Wurde etwa Renate Künast als Rednerin geladen, weil man von ihr weiß, dass sie sich tiefergehend mit der Thematik der Ringvorlesung auseinandersetzen kann, oder wurde sie primär vielleicht nur einfach deshalb eingeladen, weil sie Renate Künast ist?

Sicher ist: Läd man Personen mit einem klar parteipolischen Hintergrund ein (und davon gibt es einige auf der Vortragsliste), so muss man natürlich immer damit rechnen, dass diese ihre Parteipolitik auch in ihren Vortrag einfließen lassen (direkt oder indirekt), also die ihnen gebotene Plattform nutzen, um einmal mehr ihre Parteipolitik zu transportieren. Dies kann mitunter recht nervtötend und wenig erhellend sein.

Unklar ist also noch, ob dieses Konzept des OSI Clubs, einfach Politiker und Journalisten abwechselnd (oder nahezu abwechselnd) einen Vortrag halten zu lassen, aufgeht. Thematisch ist die Ringvorlesung aber auf jeden Fall sehr interessant und man sollte ihr zumindest eine Chance geben.

Sie findet ab dem 28.04. jeweils am Montag von 18 bis 20 Uhr im Hörsaal A der Ihne21 statt.

Den ersten Vortrag hält der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey, mit dem Titel „Beschleunigung, Vertiefung, Vereinzelung – Medien und Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung“. Eine komplette Liste aller Redner samt Lebenslauf und Vortragsthema findet sich auf der Website des Clubs.

Freiraumtag der PuKs

April 17, 2008

Wie bereits im letzten Semester berichtet (hier und hier) setzen sich die KommilitonInnen aus der Publizistik seit ihrem Umzug von Lankwitz nach Dahlem dafür ein, auch hier bei uns ihre „Freiräume“ zu erhalten, die sie früher in Lankwitz hatten.

Konkret geht es dabei um die Wiedereröffnung des legendären studentischen Café Tricky, das bei den PuK in Lankwitz nicht nur zum Relaxen und Quatschen diente, sondern auch einen Anlaufpunkt für Erstsemester bot und es engagierten Studierenden darüber hinaus auch ermöglichte, autonome Seminare, Themenabende, usw. zu veranstalten. Mit dem Umzug nach Dahlem fielen die entsprechenden Räumlichkeiten weg, die man sich nun wieder erkämpfen möchte.

Zu diesem Zweck gibt es am heutigen Donnerstag (17.04.) ab 10 Uhr einen so genannten „Freiraumtag“, der auf der Grünfläche zwischen OSI und OEI stattfinden soll. Im FSI Blog kann man nachlesen:

„Einerseits wollen wir damit der Forderung nach einem neuen Cafe Tricky in Institutsnähe Nachdruck verleihen, andererseits den Rahmen der eigenen Kreativität aufzeigen als auch anregen, über die Grenzen des Freiraums zu reflektieren. Damit unterstützen wir das im letzten Semester beschlossene Protestsemester und die (Ziele der) Freiraum-Kampagne ‚Wir bleiben alle‘“ (FSI Blog, „FSI PuK: Freiraum-Aktionstag am 17.04.2008“, 15.04.08).

Wer Zeit und Lust hat, sollte sich einbringen, der Freiraumtag geht vermutlich bis in den Abend.

Re: Meine Armut kotzt mich an

April 16, 2008

Auf Spiegel Online erschien gestern ein Artikel in dem die FU-Kommilitonin „Julia“ exemplarisch beschreibt, wie das prekäre, studentische Leben in Berlin aussieht.

Bedrückender als die Tatsache, dass Studierende wie Julia irgendwo am Existenzminimum leben müssen, erschien mir dabei, dass sie sich für ihre Armut so sehr schämt; dass sie sich ihrem Freundeskreis nicht offenbaren kann, weil dieser für ihre Situation wenig oder gar kein Verständnis aufbringen kann, sondern lieber „Unterschichtenwitze“ reißt.

Hier wäre meine Frage: Was für Leute nennt Julia eigentlich ihre Freunde? Ich persönlich kenne einige KommilitonInnen und auch AbsolventInnen, die in prekären Verhältnissen leben. Die haben kein Problem damit offen auszusprechen, dass ihre finanzielle Situation es nicht zulässt, dieser oder jener Freizeitaktivität nachzugehen. Dann macht man eben etwas anderes, es muss ja nicht gleich eine Location sein, wo allein der Eintritt 20 Euro kostet und die Julia unbedingt besuchen will, nur um ihre Freundin „richtig“ einladen zu können.

Wenn „Julia“ tatsächlich an der FU studiert, sollte sie vielleicht mal Lehrveranstaltungen von z.B. Irmtraud Schlosser oder Rolf-Dieter Hepp besuchen, dort würde sie dann auch schnell auf Studierende treffen, bei denen prekäre Lebensverhältnisse nicht tabuisiert, sondern diskutiert werden und wo sie als selbst Betroffene statt Ausgrenzung Solidarität erfahren würde.

Sie würde dann unter Umständen auch erkennen, dass sie die Aggressionen die durch ihre persönliche Situation bedingt sind (so suggeriert es der Artikel) auch anders abbauen kann, als durch joggen. Zum Beispiel könnte sie sich in Initiativen engagieren, die sich gesellschaftspolitisch genau gegen eben jene Verhältnisse richten, die sie so runterziehen.

Selbst wenn sich dadurch nicht unmittelbar etwas an Julias persönlicher Situation ändert, würde sie vermutlich feststellen, dass ein solches Engagement zusammen mit Gleichgesinnten etwas sehr Befreiendes haben kann, etwas was ihrer Wut ein konstruktiveres Ventil verschafft, als drei Mal um den Block zu rennen.

Natürlich geht das nicht, ohne dass Julia dabei auch versucht, über ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Sie selbst benennt teilweise die Widersprüche nach denen sie lebt: „Obwohl ich gern Adidas, Bench und Diesel bei mir im Schrank hängen hätte, rege ich mich oft über andere auf, die kleidungstechnisch aus diversen hippen Modezeitschriften stammen könnten.“

Dieser sehr materialistisch orientierte Lebenswandel als Ziel (Markenklamotten tragen wollen, Besuch von vermeintlich hippen und teuren Szeneclubs, usw.) schimmert bedauerlicherweise an etlichen Stellen im Artikel durch. Hier sollte sich Julia dann schon mal die Frage stellen, ob das wirklich die richtigen „Idealvorstellungen“ sind, denen sie nachtrauert.

Zusammenfassend: Wenn Julias Freunde sich wirklich so verhalten, wie sie sie beschreibt, wäre ihr zu wünschen, dass sie sich neue sucht. Statt mit aller Macht geheim zu halten, in was für einer finanziell angespannten Situation sie lebt, sollte sie damit offensiver umgehen und sich mit Mitmenschen (darunter auch KommilitonInnen) in ähnlicher Lage oder zumindest mit mehr Verständnis für eine solche Lage zusammenschließen. Sie sollte ferner ihre Wertevorstellungen kritisch hinterfragen, wenn diese Markenklamotten, Wellness-Urlaub und teure Szeneclubs als ein absolutes Muss vorsehen.

„Qualitätsoffensive Lehre“ im Original

April 15, 2008

Der Kommilitone Mathias mailte mir in den Ferien das Originalpapier des Präsidiums zur „Qualitätsoffensive Lehre“ mit der Bitte, es online zu stellen, da er es nur in eingescannter Form als doc-Datei hatte, die faktisch aber nur aus zwei größeren JPEG-Dateien bestand, womit die doc-Datei zum Rummailen auf Verteilern etwas zu sperrig war (zumindest verweigerte offenbar die FaKo-Liste die Annahme wegen der Dateigröße). Statt nun die JPEGs zu veröffentlichen habe ich es kurzerhand abgetippt, es kann jetzt als pdf hier heruntergeladen werden.

Das Papier ist schon etwas älter, datiert auf Dezember letzten Jahres. Obwohl inhaltlich längst bekannt, war es offenbar bisher zumindest im Netz nicht zugänglich.

Damals versuchte das Präsidium eine Antwort auf die teilweise katastrophalen Ergebnisse seiner eigenen Erhebungen zu finden. Siehe dazu den legendären „Studienerfolgsbericht“ und den so genannten „Folgebericht“ (Exmatrikuliertenbefragung).

Der Tagesspiegel ging bereits damals in einem Artikel ausführlich auf dieses Konzept einer „Qualitätsoffensive Lehre“ ein („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07) und auch FUwatch berichtete („Advent, Advent, die Lehre brennt“).

Das Papier bietet also inhaltlich wenig Neues; es ist dennoch ganz gut Schwarz auf Weiß zu haben, was die FU-Leitung plant, da sie sich dann natürlich auch irgendwann an diesen gesteckten Zielen messen lassen muss bzw. man sich kritisch mit den Ideen auseinandersetzen kann.

Ansonsten basieren die in der „Qualitätsoffensive Lehre“ genannten Ideen offensichtlich auf dem bereits Mitte November vom AS entwickelten „zehn Punkte-Plan“ (siehe dazu „Evaluation statt Mitbestimmung – Neues aus dem Akademischen Senat (14.11.07)“, FSI Blog, 21.11.07 sowie „Zehn Punkte für den Bachelor? Eine Blamage und keine Reform“, FSI Geschichte Blog, 14.12.07).

Planung für das „Protestsemester“

April 14, 2008

Das neue Semester bricht heute an (präziser: die Vorlesungszeit) und engagierte KommilitonInnen haben in den Ferien versucht, die im letzten Semester geformte Proteststimmung am Leben zu erhalten und organisatorische Vorarbeit zu leisten.

Wir erinnern uns: Im letzten Semester gab es eine Gesamt-VV, die das nun laufende neue Sommersemester per Beschluss zum „Protestsemester“ erklärte. Unklar blieb damals aber noch, was genau unter einem „Protestsemester“ zu verstehen ist, wie lange der Protest dauern soll, welche Aktionformen es geben soll, usw.

Am 10.04. kamen nun die verschiedenen AGs zu einem Aktionstreffen zusammen, um den Stand der Dinge zu erörtern. Demnach lässt sich der geplante Ablauf des „Protestsemesters“ zur Zeit wie folgt skizzieren:

1. Phase: Dezentrale VVs

In der nächsten Woche (21.04. bis 25.04.) finden die schon letztes Semester vorgeschlagenen dezentralen VVs statt. D.h., die Fachbereiche respektive Institute organisieren jeweils ihre eigene VV, deren Ablauf frei gestaltet werden soll. Es geht zunächst darum, Ideen und Probleme zu sammeln und zu diskutieren.

Im Protokoll des Aktionstreffens heißt es: „Einstieg vielleicht mit BA/MA, Studienordnung, Zielvereinbarungen, Institutszusammenlegungen, -umzüge, Bib, Studiengebühren, Fächerstreichungen, Lernatmosphäre, welches Wissen wird geschaffen, welche Profs werden berufen“.

2. Phase: Die große VV

Nach den „lokalen“ VVs wird es eine Gesamt-VV am 07.05. um 14-16 Uhr im Hörsaal 1A der Silberlaube geben. Auf dieser großen VV sollen dann die Ergebnisse der kleinen VVs vorgestellt werden und Beschlüsse für einen gesamt-universitären Protest gefasst werden.

Als Vorlauf zu dieser Gesamt-VV sollen auf der FAKO-Fahrt (25.04 bis 27.04.) bereits die Ergebnisse der kleinen VVs gesammelt, geordnet und zusammengeführt werden. Nach Möglichkeit soll dabei ein Minimalkonsens als Ausgangspunkt für die VV gefunden werden. Im Protokoll heißt es: „Gemeinsame Ziele, gemeinsame Probleme –> gemeinsam nach Lösungen suchen; Gruppenzusammenhalt schaffen?!“.

3. Phase: Die Vorbereitungswoche

Auch ohne VVs steht bereits jetzt fest, dass es im Mai eine Aktionswoche geben wird. Worum es dabei inhaltlich genau geht und was für Aktionen veranstaltet werden sollen, wird dann aber erst auf den oben beschriebenen VVs bzw. in den AGs entschieden.

Der Aktionswoche geht jedoch eine Vorbereitungswoche voraus, die vom 13.05. bis 16.05. dauert (12.05. ist Pfingstmontag). Es sollen in dieser Woche zwei studentische Camps aufgebaut werden an der Silberlaube und auf dem Campus Lankwitz. Bereits in dieser Vorbereitungswoche soll es dann schon Workshops, andere Veranstaltungen und Aktionen geben. Im Zentrum steht jedoch die Idee, die Studierenden zu informieren und die Aktionswoche vorzubereiten (Materialien erstellen, etc.).

4. Phase: Die Aktionswoche

Zeitgleich mit dem geplanten SchülerInnenstreik findet dann vom 19.05. bis 23.05. die eigentliche Aktionswoche statt. Dort soll es dann wie von anderen Aktionswochen / -tagen schon bekannt diverse kritische Veranstaltungen und Protestaktionen geben.

Offenbar hat man in einem offenen, ersten Brainstorming kurz festgehalten, worum es dabei unter anderem gehen könnte: „Datenschutz / Überwachung, kritischer Campusrundgang (mit Prof. Wippermann), Lenzens Bildungskonzept, Studierendenproteste in Griechenland, BerlHG, Studiengebührenboykott in Freiburg, Gender, Jubiläen, Kameraspaziergang, Reader: Bibliotheksschließungen“.

Als mögliche Redner wurden unter anderem bereits Prof. Michael Hartmann, Prof. Grottian und Prof. Narr genannt. Weiterhin wurde beschlossen, dass es eine Zeitschrift und eine Art KVV geben soll.

Auch eine Mailingliste namens „aktions2wochen“ gibt es schon, man kann sie über lists.riseup.net abonnieren. Die Website für den Protest wird unter uniprotest.de erscheinen.

Fazit

Die Vorbereitungen für das „Protestsemester“ sind schon relativ weit fortgeschritten, was einerseits Wasser auf die Mühlen der Protest-Kritiker bedeuten dürfte, da diese dann wieder argumentieren, die VVs würden eigentlich nur nachträglich absegnen, was in Wahrheit schon längst beschlossene Sache ist. Allerdings gab es ja nicht zuletzt auch deshalb bereits eine Gesamt-VV im letzten Semester, auf der die AktivistInnen das offizielle „Go“ für ihre Planungen (im Kontext eines gesamt-universitären Protests) erhielten.

Andererseits wäre es auch fatal gewesen, wenn man mit der gesamten Planung erst irgendwann jetzt zu Beginn des Semesters begonnen hätte. Die Idee war ja gerade, Planung und Organisation schon im letzten Semester bzw. in den Ferien anlaufen zu lassen, damit man jetzt im April nicht wieder bei Null anfangen muss und Zeit verliert. Und das hat offensichtlich auch ganz gut geklappt.

Natürlich scheint dieser „Masterplan“ schon noch einige zeitliche Schwachpunkte zu haben. Zum Beispiel die Lücke zwischen der Gesamt-VV (07.05) und der Aktionswoche (19.05. bis 23.05.). Man hat dann offenbar gesagt, es gibt dazwischen noch eine Vorbereitungswoche, in der es aber auch schon Aktionen und Veranstaltungen geben soll, womit es folglich eigentlich zwei Aktionswochen sind – die auch entsprechend gefüllt werden wollen.

Selbst wenn es nun aber zwei Aktionswochen sind (plus vorhergehende VVs), erscheint der ursprüngliche Begriff „Protestsemester“ immer noch etwas hochgegriffen. Was passiert denn dann zwischen Ende Mai und Mitte Juli? Sicherlich ist der Grundgedanke, dass sich aus der Aktionwoche vielleicht eine Form von Protest entwickelt, der dann über die Woche hinausgeht. Doch ob das so hinhaut?

De facto gab es aber auch gar keine andere Option, denn man hätte in den Ferien ja kaum ein ganzes „Aktionssemester“ durchplanen können, das wäre schon recht größenwahnsinnig gewesen. Von daher ist der beschrittene Weg es zunächst mit einer Woche zu versuchen, aus der sich dann ggf. auch mehr entwickeln kann, sicherlich der richtige.

Das nächste Vorbereitungstreffen findet jetzt am Donnerstag (17.04.) auf der Wiese zwischen OEI und OSI im Kontext des Freiraumtags der PuKs ab 16 Uhr statt. Wer Interesse am Protest hat bzw. sich informieren will, sollte dort vorbeischauen.