Archive for the ‘Exzellenzinitiative’ Category

Alte Exzellenzinitiative mit Problemen, neue wird gestartet

Januar 21, 2009

Wie der Tagesspiegel heute berichtet, startet die nächste Exzellenzinitiative vermutlich im Herbst 2010. Im Früjhar 2011 fällt die Entscheidung welche Projekte und Universitäten in die engere Wahl kommen, im Sommer 2012 steht dann fest welche Unis ihren Elite-Status behalten und welche neu in den exklusiven Kreis aufgenommen werden.

Der Umstand, dass hier bereits ausgezeichnete (und mit zusätzlichen Mitteln versorgte) Elite-Unis gegen solche Hochschulen antreten, die diesen Status noch nicht haben, sorgt natürlich für Probleme. Doch in einem weiteren Tagesspiegel-Artikel wird skizziert, wie die Kommission das lösen möchte. Es soll unterschiedliche Gewichtungen geben:

„Bei der Konkurrenz um den Elite-Status sollten die aktuellen Elite-Unis vor allem daran gemessen werden, ob ihr ‚Entwicklungsgradient deutlich nach oben weist‘. Das soll etwa daran festgemacht werden, ob sich die Unis bei den Drittmitteln verbessert haben oder ihre Forscher mehr Auszeichnungen als früher gewinnen. Bei neuen Bewerbern sollte dagegen das Zukunftskonzept stärker gewichtet werden. Darin müssen die Universitäten erklären, wie sie den Sprung in die internationale Spitze schaffen.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Das Budget des Wettbewerbs von derzeit 1,9 Milliarden Euro soll laut der Kommission um 30% erhöht werden um so auch alle neuen Vorhaben finanzieren zu können.

Während aber auf der einen Seite schon die nächste Exzellenzinitiative geplant wird, hat man auf der anderen Seite noch mit den Folgen der ersten zu kämpfen. Obwohl für insgesammt 4000 Forscher neue Stellen geschaffen wurden, konnten bisher nur 1500 besetzt werden. Angeblich weil es an qualifizierten BewerberInnen mangelt. Dies geht aus einem ersten Bericht der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Bewertung der Exzellenzinitiative hervor, auf den der Tagesspiegel Bezug nimmt.

„Die wenigen qualifizierten Bewerber drohen den Universitäten weggeschnappt zu werden: So können die Hochschulen oft noch immer nicht mit den Stellenangeboten aus der Industrie mithalten – die Stipendien für Doktoranden sind von der DFG auf 1500 Euro pro Monat gedeckelt.

Außeruniversitäre Institute und ausländische Hochschulen buhlen ebenfalls um die Forscher, Konkurrenten sind zudem andere im Elite-Wettbewerb erfolgreiche Projekte. Cluster und Graduiertenschulen würden sich teilweise gegenseitig Kandidaten abspenstig machen, heißt es. Der Erfolg sei für manche Unis nachgerade kontraproduktiv: Die Konkurrenz sei so erst auf ihre Forscher aufmerksam geworden.

(…) Auch im Rahmen der neuen W-Besoldung könnten Hochschulen oft keine international wettbewerbsfähigen Gehälter zahlen. Womöglich werde die Exzellenz-Initiative daher nur dazu führen, die besten inländischen Wissenschaftler an wenigen Standorten zu konzentrieren – nicht aber dazu, herausragende Persönlichkeiten aus dem Ausland nach Deutschland zu ziehen, folgern die Autoren.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Na wer hätte das gedacht, der verschärfte Wettbewerb zwischen den Universitäten führt nicht automatisch ins Land von Milch und Honig. Einerseits reichen die Mittel immer noch nicht dazu aus international wirklich zu den Top-Unis aufzuschließen und dazu „Spitzenkräfte“ einkaufen zu können, andererseits konzentrieren sich aber die besten „inländischen Wissenschaftler“ an den wenigen „exzellenten“ Standorten in Deutschland. Was sich über kurz oder lang auch verheerend auf jene Universitäten auswirken dürfte, die den Elite-Status nicht zuerkannt bekommen.

Diese Erkenntnis führt nun aber nicht dazu, dass die Entscheidungsträger den Sinn und Zweck der Exzellenzinitiaive generell hinterfragen und die negativen Auswirkungen dieser Zwei-Klassen-Hochschullandschaft auf das Bildungssystem fokussieren. Wie oben ausgeführt geht man viel mehr dazu über nach altem Muster eine weitere Exzellenzinitiative ins Leben zu rufen, die dann die beschriebenen Probleme sicherlich nur noch weiter verschärfen wird.

Peter-André Alt bald Kalif anstelle des Kalifen?

Oktober 29, 2008

Prof. Dr. Peter-André Alt, Literaturwissenschaftler an der FU, wurde eine ganz besondere Ehre zuteil. Er wird der neue Direktor der Dahlem Research School:

„Der Präsident der Freien Universität, Prof. Dr. Dieter Lenzen, erklärte, mit der Berufung von Peter-André Alt sei eine Persönlichkeit gefunden worden, die der Dahlem Research School und mit ihr dem in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Zukunftskonzept International Network University der Freien Universität Berlin eine überzeugende Zukunftsperspektive eröffnet. Alt werde dazu beitragen, den Dialog zwischen Wissenschaftlern aller Fächer an der Freien Universität zu fördern.“ (FU Pressemitteilung Nr. 324/2008, 24.10.08)

Alt leitet bereits die frisch ins Leben gerufene Friedrich Schlegel Graduate School of Literary Studies, ein literaturwissenschaftliches Projekt, das im Zuge der Exzellenzinitiative bewilligt wurde.

Alts mustergültige Arbeit im Sinne des Präsidiums soll ihn gerüchteweise nun auch zu einem der potentiellen Nachfolger von Dieter „Eames Chair“ Lenzen gemacht haben. Allein schon aus Altersgründen wird Dieter Lenzen vermutlich keine dritte Amtszeit als FU-Präsident absolvieren. Und auch wenn seine zweite Amtszeit erst 2011 beendet sein wird, denkt man offenbar schon jetzt über mögliche Nachfolger nach.

Eindeutige Belege dafür, dass Alt als Favorit gehandelt wird, gibt es freilich noch nicht, doch die Gerüchteküche an der FU kocht.

Die „Berlin Research University“ ist tot – es lebe das „Berlin International Forum for Excellence“

Juni 11, 2008

Wie unter anderem Tagesspiegel und taz gestern berichteten, hat der Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner vorgestern auf eine Pressekonferenz einen Kompromiss in Sachen „Superuni“ bekanntgegeben.

Vor mehr als einem Jahr stellte Zöllner seinen Plan einer Forschungsuniversität vor, die alle exzellenten Bereiche der Berliner Universität bündeln sollte (siehe „Berlin Research University – Die konsequente Weiterentwicklung des Exzellenzgedankens“).

Doch Zöllners Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe. Zuerst wurde befürchtet, sein Vorschlag könne die Aussichten der Berliner Unis in der Exzellenzinitiative erfolgreich zu sein schmälern („Killt Zöllners Superuni die Exzellenzaussichten der Berliner Unis?“), danach ließ insbesondere der Präsident der inzwischen zur Exzellenz geadelten FU durchblicken, dass er von dem Konzept wenig halte („Killt Lenzen mit seinen neuen Muskeln jetzt Zöllners Superuni?“) und es kam zu einem Showdown im FU-Kuratorium („High Noon im FU-Kuratorium“).

Das Grundproblem von Zöllners Superuni war, dass sie den Berliner Unis Kompetenzen entzogen und die Spitzenforschung in die neue Superuni ausgelagert hätte. Sicherlich nicht ganz zu unrecht wurde daher befürchtet, dass die Unis „ausbluten“ würden. Weiterer Streitpunkt war, dass die neue Superuni die „strategische Forschungsplanung für Berlin“ übernehmen sollte und den Unis damit faktisch hätte vorschreiben können, in welche Richtung ihre Forschung gehen soll bzw. wo Forschungsschwerpunkte zu setzen sind.

Spätestens nachdem die FU dann durch ihr Bestehen in der Exzellenzinitiative noch mehr Selbstvertrauen und Einfluss getankt hatte, war Zöllner chancenlos. Es ging letztlich nur noch darum, wie der „Supersenator“ da ohne allzu viel Gesichtsverlust wieder rauskommen konnte.

Der Kompromiss sieht nun vor, dass aus der ursprünglich geplanten „Superuni“ eine „Superstiftung“ wird, statt der „Berlin Research University“ soll es ein „Berlin International Forum for Excellence“ geben. In diesem Forum werden sowohl die vier Berliner Unis (FU, HU, TU und UdK) vertreten sein, als auch die vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen: Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Leibniz-Gemeinschaft.

„Durch eine starke Stimme der Unis in der Stiftung sollen diese ihre Forschungsfelder verknüpfen und gemeinsame Empfehlungen für eine strategische Forschungsentwicklung aussprechen – etwa ob künftig verstärkt Forschung zu Nanotechnologie oder Stadtsoziologie gefördert werden soll. Wollen die Unis von den Forschungsgeldern etwas abbekommen, müssen sie sich dann allerdings auch daran halten.“ („Die Superuni geht stiften“, taz, 10.06.08)

Wohlgemerkt, „Empfehlungen“. Die Entscheidungen der neuen „Superstiftung“ sind also nicht bindend, wie insbesondere auch Lenzen betonte:

„Die Stiftung gibt ‚Empfehlungen zu Entwicklungsperspektiven für den Forschungsstandort Berlin‘. Auch diese Formulierung scheint FU-Präsident Lenzen nicht recht geheuer zu sein. ‚Empfehlungen können nie determinierend sein. Wenn doch, werden sie von den Institutionen unterlaufen‘, pochte Lenzen auf die Autonomie der Unis. Man werde sich an die Empfehlungen der Superstiftung ’nicht sklavisch binden‘. Die Hochschulen müssten selbst entscheiden, ob sie ihre Berufungen an die Empfehlungen der Superstiftung anpassen und ihre Mittel entsprechend konzentrieren könnten.“ („Zöllners Superstiftung“, Tagesspiegel, 10.06.08)

Für die Jahre 2008 und 2009 will das Land Berlin der Stiftung je 35 Millionen Euro zur Verfügung stellen, für 2010 und 2011 je 45 Millionen Euro, was über einen Zeitraum von vier Jahren also immerhin insgesamt 160 Millionen Eure wären. Die taz betont jedoch:

„Doch dieses Geld ist kein zusätzliches Forschungsgeld, sondern längst Bestandteil der mittelfristigen Haushaltsplanung des Landes. Strittig war bislang, wie diese Mittel an die Unis kommen. Jetzt steht fest: Ein Großteil wird über die Stiftung an die Unis fließen.

Weil die vier Berliner Universitäten hier auf Augenhöhe mit den vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen sitzen, heißt das vor allem: Unter dem neuen Stiftungsdach werden nun auch neue Verteilungskämpfe stattfinden – allerdings mit anderen Mitteln. Denn wer an den Universitäten künftig von den Forschungsgeldern profitieren will, kann die Gelder nur im Verbund mit anderen beantragen.“ („Die Superuni geht stiften“, taz, 10.06.08)

Innerhalb der Stiftung wird es also zur Verteilungskämpfen und „Allianzen“ der verschiedenen Mitglieder kommen. Bevor es soweit ist, müssen die Unipräsidenten die Pläne aber erst noch durch die universitären Gremien bringen. Der Tagesspiegel prognostiziert hier Schwierigkeiten, weil auch die Verhandlungen der neuen Hochschulverträge anstehen und die Superstiftung neue Risiken birgt:

„Weil sie sich mit der Superstiftung neue Risiken aufladen – es ist noch offen, wie das Projekt nach 2011 weiterfinanziert wird – könnten sie [die Gremien, Anm. FUwatch] ihre Zustimmung davon abhängig machen, ob sie mit den neuen Hochschulverträgen zufrieden sind.“ („Zöllners Superstiftung“, Tagesspiegel, 10.06.08)

Zumindest an der FU (und man kann dies sicherlich auch auf die anderen Berliner Unis übertragen) ist diese Problematik aber sehr relativ, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass das Präsidium nahezu alles was es durch Gremien bekommen will auch durchbekommt. Die Frage ist also eher, ob Lenzen diesen Kompromiss wirklich will.

Selbst wenn der Kompromiss aber Realität wird und Berlin damit am Ende Dank der neuen Superstiftung „zu einem der wichtigsten Forschungsstandorte der Welt“ wird, bleibt einmal mehr die Frage, was das der Lehre nutzen wird, bei der die Defizite zur Zeit wesentlich eklatanter sind, als in der Forschung.

Bedingt bessere Forschung tatsächlich auch bessere Lehre? Oder wird eine immer stäkere Konzentration auf den Bereich Forschung nicht eher zunehmend dazu führen, dass der Bereich Lehre immer stärker ins Abseits gerät?

Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester

Februar 1, 2008

Der Hörsaal 1a war gut gefüllt auf der gestrigen Vollversammlung (VV), insgesamt wollen KommilitonInnen zwischen 300 und 400 Personen ausgemacht haben. Ob die Zahl stimmt sei dahingestellt, voll war es auf jeden Fall und das Feedback sehr stark.

Nachdem es am Vormittag schon zahlreiche Aktionen gegeben hatte, wie etwa „Elitekicken“ mit überdimensionierten Fußbällen, startete die Vollversammlung um 14:15 mit dem Einzug des Dieter Lenzen Fanclubs (DLFC). Es gab eine kleine Theateraufführung bei der der DLFC – unter Buhrufen aus dem Auditorium – Lenzen pries und vermeintliche Störer abtransportieren ließ, die dann auch mal mit ein paar Wurfgeschossen zurückschlugen.

Dann wurde es ernster, in einigen einleitenden Worten fasste die VV-Leitung noch einmal zusammen, worum es bei diesem Protest geht. Bibliotheksskandal, die Unstudierbarkeit der BA-Studiengänge, die negativen Auswirkungen der Exzellenzinitiative, die Scharenberg-Affäre, etc.

Der weitere Verlauf der VV war dann sehr offen gehalten, es ging zunächst einfach nur darum, jedem Anwesenden der das Bedürfnis verspürte die Plattform zu bieten, darzulegen unter welchen Problemen er bzw. sein Institut / Fachbereich zur Zeit zu leiden hat. Dabei kamen dann auch Probleme von kleineren Fächern wie der Religionswissenschaft und der Indologie zur Sprache, die bisher beim Protest oft vernachlässigt worden waren.

Während Institute und Fächer mit noch verhältnismäßig vielen Dozierenden und Studierenden zumindest noch eine Chance haben, sich gegen die Kürzungen des Präsidiums zu wehren, werden kleinere Fächer und Institute noch rücksichtsloser an die Wand gedrückt, weil man hier von noch weniger Widerstand ausgeht.

Es kamen dann zentrale Probleme zur Sprache, wie etwa der unhaltbare hohe Workload beim BA oder die viel zu starke Selektion bei der MA-Zulassung, die dazu führen würde, dass der Leistungsdruck beim BA extrem hoch sei. Ferner natürlich der Bibliotheksskandal, bei dem es nicht nur um die Bücher geht, die jetzt ausgesondert werden sollen, sondern auch darum, dass es zukünftig in der neuen Bib nicht genügend Platz für Neuanschaffungen gibt ohne immer wieder erneut alte Bücher auszusondern. Überspitzt: Für jedes neue Buch was vorne ankommt, fliegt hinten ein altes raus.

Anschließend gab es dann sehr detaillierte, teilweise bizarre Diskussionen. Zum Beispiel zur Frage, wie nun die Videoüberwachung des Foyers der OSI-Bib zu werten ist (siehe „OSI-Bibliothek nun videoüberwacht“). Während die Mehrheit der Anwesenden diese Videoüberwachung unmöglich fand, bekannte sich ein Kommilitone dem seine Brieftasche aus einem Spind geklaut worden war dazu, dass die Videoüberwachung auf seinen Protest hin eingeführt worden sei, weil er sich beschwert hatte, man müsse doch da mehr aufpassen (ohne allerdings konkret Kameras zu fordern).

Vom Auditorium erntete er überwiegend Hohn in Form von Ohhh-Rufen, so nach dem Motto, er solle sich halt nicht so anstellen, wenn seine Brieftasche geklaut würde. Es stellt sich an solchen Punkten natürlich immer die Frage, wie die Spötter wohl selbst reagieren würden, wenn es ihr Portemonnaie oder ihr Laptop gewesen wäre, den ihnen jemand aus dem Spind geklaut hätte. Der Diebstahl war bekanntlich kein Einzelfall und sinnvolle Alternativen zur Videoüberwachung hatte auch niemand vorzubringen.

In einer weiteren wüsten Diskussion ging es gegen das SAP Campus Management, wobei es den Beteiligten schwer fiel, ihre Bedenken zu konkretisieren. Am Ende wurde dann das Campus Management mit dem Blackboard gleichgesetzt, eine Kritik die eigentlich das Blackboard betraf wurde im Kontext einer Kritik des Campus Managements diskutiert.

Während eine Kommilitonin darauf beharrte, Course-LeiterInnen könnten im Blackboard nach wie vor sehen, welcher Studierende was angeklickt hat, meinte eine andere, Dozierenden würde diese Funktion definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen (tatsächlich hängt es vermutlich vom Institut / FB ab, inwiefern Dozierende diese Funktion nutzen können oder nicht, siehe „Statistik-Modul in Blackboard deaktiviert“).

Es kamen dann natürlich ein paar Redebeiträge, die einfach auf jeder echten VV kommen müssen. Zum Beispiel der Aufruf, dass wir als Studierende uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren dürften, sondern uns auch mit anderen protestierenden Gruppen, wie etwa den Bochumer Nokia-Angstellten, SchülerInnen oder Hartz4-EmpfängerInnen, solidarisieren sollten, damit diese sich dann umgekehrt auch mit uns solidarisieren. Dass die Massen auf Anti-Hartz4-Demonstrationen 2005 gerne „Wir sind das Volk“ grölten (was auf 1989 anspielen sollte, aber eben auch klar zwischen Deutschen und Nichtdeutschen differenzierte), dass es bei den Anti-Nokia-Protesten darum geht, den deutschen Standort vor einem Ausverkauf nach Rumänien zu bewahren, usw., stieß hier offenbar keinem bitter auf (nun ja, fast keinem).

Zu den weniger realistischen und zielführenden Forderungen zählte natürlich auch die, dass grundsätzlich jeder an der Hochschule lernen, lehren und partizipieren können sollte, was einen völlig offenen Zugang zur Hochschule ohne jegliche Hürde wie Abi oder ähnliches voraussetzt. Solchen Forderungen fehlt natürlich etwas das Auge für das konkret und unmittelbar Umsetzbare, sie sind aber nötig damit das Auditorium sich in eine Protesteuphorie hinein steigern kann (der natürlich insbesondere junge KommilitonInnen sofort verfallen, da sie noch nicht die Katerstimmung kennen, wenn der Protest mal wieder schneller als erwartet zum Erliegen kommt).

Dennoch gab es aber natürlich auch Pragmatiker unter den RednerInnen, die auf eine Konkretisierung drängten. In diesem Kontext wurde auch festgestellt, dass es neben den 1.000 Studierenden die jetzt bereits heiß auf den Protest sein, auch noch 29.000 andere gäbe (wohl eher 33.000 aber egal), die man erst noch erreichen müsse. Und wie das zu schaffen sei, dazu müsse man jetzt erst einmal konkret Strategien entwickeln. Andere meinten dagegen, man müsse schon hier und jetzt etwas mit den 1.000 anfangen, es sei immerhin schon ein Erfolg, dass man diese 1.000 hätte mobilisieren können.

Ein Kommiltone stellte die These auf, dass es nicht mehr als 1.000 Studierende sein, da die anderen sich nicht trauten für die VV (oder den Protest) ihre Seminare zu verlassen, da dort bekanntlich Anwesenheitslisten geführt würden. Es kam dann zu einer Diskussion, wie das nun sei, ob eine VV wirklich als Entschuldigung für das Fernbleiben in einer Lehrveranstaltung gilt oder nicht. Einige meinten ja, andere sagten dies sei Sache des Dozierenden. Oder aber: Die VV gilt zwar als Entschuldigungsgrund, selbst das entschuldigte Fehlen sei aber nun mal ein Fehlen und hier dürfe eben im Semester eine bestimmte Anzahl von Fehlzeiten in einer LV nicht überschritten werden.

Es war nicht das erste und letzte Mal, dass auf dieser VV etwas Konfusion über das offizielle „Reglement“ in einem bestimmten Sachverhalt herrschte (was als Indiz dafür gewertet werden kann, dass es der Veranstaltung etwas an der Präsenz von erfahrenen Studierenden mangelte).

Jedenfalls erscheint mir die These recht gewagt, dass es nur deshalb nicht mehr als 1.000 Protestwillige auf der VV gab, weil die anderen sich wegen der Anwesenheitspflicht in ihren regulären Lehrveranstaltungen nicht trauten, auf die VV zu kommen. Denn selbst in Zeiten, in denen es diese verschärfte Anwesenheitspflicht noch nicht gab, erschienen doch auf den VVs nie mehr als die viel zitierten „üblichen Verdächtigen“. Man kann in Hochzeiten des Protests mehr als 1.000 für Protestaktionen mobilisieren, doch der Zeitkorridor dafür ist sehr begrenzt. Ob mit oder ohne Anwesenheitspflicht, die Masse der FU-Studis interessiert sich schlicht weg nicht für einen Protest, jedenfalls nicht für einen, der über symbolische Aktionen und einen begrenzten zeitlichen Rahmen hinausgeht.

Treffender halte ich die ebenfalls vorgebrachte These, dass das „Reservoir“ an Protestwilligen dadurch beschränkt wird, dass zunehmend nur noch Leute an die Unis kommen, die den Leistungsgedanken schon während ihres Abis verinnerlicht haben und nicht mehr in Abrede stellen. Diese erklären sich dann nicht mit KommilitonInnen solidarisch, die Anwesenheitslisten verschwinden lassen, sie sind auch nicht empfänglich für Ideen des zivilen Ungehorsams und sie sind nur sehr eingeschränkt für einen größeren und etwas länger andauernden Protest zu gewinnen.

Solange es nicht wirklich einen großen Knall gibt (wie etwa eine unmittelbar bevorstehende Einführung von Studiengebühren) wird es schwer, um nicht zu sagen unmöglich werden, an der FU einen echten Massenprotest loszutreten, der maßgeblich über die genannten aktiven 1.000 hinauskommt. Von daher wäre es schon der bessere Ansatz zu überlegen, was können diese 1.000 konkret machen, anstatt darauf hinzuarbeiten, dass sich die restlichen 33.000 irgendwann anschließen. Denn letzteres wäre – man muss es leider so krass sagen – Zeitverschwendung.

Es wurden dann, soweit ich das überblicke, drei Beschlüsse gefasst:

  1. Auf der heutigen VV wird keine Resolution zur Abstimmung gestellt, dies soll dann erst auf einer kommenden VV im kommenden Semester passieren.
  2. Das kommende Semester wird zum Protestsemester erklärt. Wie genau dieser Protest aussieht, ob er einen Streik beinhaltet, wird auf kommenden VVs beschlossen.
  3. Die kommende VV im nächsten Semester wird eine „normale VV“, keine Streik-VV.

Es ging hier also darum, ob die VV schon jetzt eine Resolution mit Forderungen diskutieren und zur Abstimmung stellen soll, oder ob dies nicht erst im nächsten Semester passieren soll, wenn hoffentlich noch mehr Studis auf der VV anwesend sein werden. Es wurde sich dann für letztere Variante entschieden.

Durchgesetzt hat sich der Ansatz, dass das nächste Semester ein Protestsemester wird, ohne näher zu spezifizieren, was genau das heißt. Die vorgebrachte Alternative, gleich die ersten beiden Woche des nächsten Semesters mit einem Ausstand zu beginnen, wurde als zu überhastet und zu polarisierend abgelehnt. Wenn es zu einem Streik kommen sollte, dann soll dieser erst im nächsten Semester beschlossen werden.

Fazit

Positiv war an der VV sicherlich, dass hier die vielen Probleme benannt wurden und dadurch jedem klar werden musste (sofern es ihm noch nicht klar war), dass es so nicht weitergehen kann, Protest also notwendig ist. Eher negativ zu bewerten ist der Umstand, dass es nur sehr wenige Lösungsvorschläge gab, wie man diesen Problemen konkret begegnen soll, wie der Protest sich ausgestalten soll. Allerdings war das – soweit ich es verstanden habe – auch nicht der Anspruch dieser VV.

Allein die Tatsache, dass man den Hörsaal voll gekriegt hat, die Studierenden sich über ihre Probleme ausgetauscht haben und ihre Bereitschaft zum wie auch immer gearteten Protest artikuliert haben, wird als Erfolg gewertet. Okay, das kann man sicherlich so stehen lassen.

Es dürfte aber spannend werden, ob sich diese erzeugte Protesteuphorie tatsächlich über die Semesterferien hinweg halten kann. Denn das wäre dann wirklich ein Novum: Eine Proteststimmung, die über die Ferien nicht abkühlt, sondern im nächsten Semester nahtlos am Aktionstag anknüpfen kann. Falls das tatsächlich gelänge, wäre es schon ein ziemlich beeindruckender Stunt. Eine andere Frage wäre dann, ob der Protest tatsächlich etwas bewirken kann.

Der Aktionstag kommt

Januar 30, 2008

Morgen ist es soweit, der Aktionstag kommt. Inzwischen findet sich im offiziellen Blog des Aktionstages sogar ein extra Eintrag mit Button der dann zu einer Terminübersicht weiterleitet. Demnach sieht der geplante Ablauf zur Zeit wie folgt aus:

Ab 10 Uhr: Zentraler Infopunkt im Foyer – Silberlaube. Kaffee & Kuchen und Raum zum Austausch.

Ab 10 Uhr: Screening des letzten Studiobühnen Festivals am Institut für Theaterwissenschaft.

Ab 10 Uhr: 2x Filmvorführung: ‚Kick it like Frankreich!‘ im Henry-Ford-Bau, Hörsaal A.

10-12 Uhr: Autonomes Seminar: ‚Einblicke in Lenzens Bildungs- und Unikonzept‘, K23/11 Silberlaube.

11:00 Uhr: Workshop zum Thema: ‚Ab jetzt keine Ausländer mehr. – Die neue Studierfähigkeitsprüfung (TestAS) für Bildungsausländer in BWL / VWL ab WS 08/09. Wo kommt das her? Wo führt das hin? Und wie kriegen wir’s wieder weg? Treffpunkt um 11 im Hörsaalgang bei den Wirtschaftswissenschaftlern (Garystr. 21).

Ab 11 Uhr: Kreativwerkstatt: Transparente und Schilder für die Demo basteln. Hier wird Raum sein zu basteln, zu malen, zu schreiben… seid kreativ! (Stoffe und Farben sind vorhanden – wer aber selbst noch was auftreiben kann soll dies mitbringen). Ort: tba.

12:00 Uhr: Bodo Zeuner hält noch einmal seinen Vortrag: ‚Die FU vor dem Börsengang‘, Philosophisches Institut.

13:45 Uhr: Der Chor der Studiobühne singt vor der Mensa (Silberlaube).

14:00 Uhr: Vollversammlung, Silberlaube Hörsaal 1a.

16:00 Uhr: Demo! Selber einen Redebeitrag leisten? Einfach per Email Kontakt aufnehmen. Die genaue Route der Demo findet ihr hier. Start: Vor der Silberlaube.

17:30 Uhr: VoKü – Essen für alle! (Du willst mithelfen? Dann reicht ne Email)

Ab 18 Uhr: Party! – Den Tag ausklingen lassen, sich austauschen, weiteres Planen… Und einfach mal wieder feiern!“

Auffällig ist, dass ausgerechnet das OSI hier kein einziges Mal als Veranstaltungsort genannt wird. Bedenkt man, dass das OSI ja doch irgendwie immer der Kern jeder Protestbewegung an der FU war, wirkt das schon komisch. Andererseits geht es ja darum, möglichst viele Studierende einzubinden und hier bietet sich natürlich die Rost- und Silberlaube als natürlicher, geographischer „Knotenpunkt“ schon an.

Neben diesen offiziellen Veranstaltungen gibt es aber wie der Name des Tages ja schon suggeriert zahlreiche dezentrale Aktionen (von 10 bis 14 Uhr). Vorgeschlagen wurde unter anderem (O-Ton Protokoll):

  • „Elite kicken: mit einem Fußball auf eine Elitesymbol schießen
  • Dosenwerfen auf Lenzenbild
  • Auftritt in Anzug/Kostüm um für Studiengebühren zu werben
  • Gefakte Schlacht zwischen Lenzenfanclub und Aktionstagteilnehmern
  • Veranstaltung eines Elitewettbewerbs, bei dem durch verschiedene Kürzungsmaßnahmen nach und nach die einzelnen Studenten rausfliegen
  • In einer großen Kiste die Forderungen sammeln und im Rektorat abgeben
  • Diskussionsveranstaltung
  • Spontandemo
  • Eventuell auch wieder den Musikwagen wie am 29.01.08
  • Mit Mitarbeitern aus Verwaltung, Bib. und Studentenwerk zusammen arbeiten und Aktionen machen
  • Symbolisierung der Zusammenlegung von Instituten – nach dem Motto: Wie viele Leute passen auf eine abgesteckte Fläche“

Ob diese Aktionen tatsächlich alle stattfinden ist noch ungewiss, es handelt sich hier wie gesagt nur um Vorschläge. Und wo genau die Aktionen stattfinden werden, wird dann erst sehr kurzfristig z.B. auf Flyern zu erfahren sein.

FUwatch steht unterdessen bereits mit Pressevertretern in Kontakt und hilft diesen mit (hoffentlich) brauchbaren Hinweisen bei ihrer Berichterstattung über die Hintergründe des Aktionstages.

Sechstes studentisches Strategie- und Protesttreffen

Januar 21, 2008

Nach dem ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften studentischen Strategie- und Protesttreffen zur Planung des Aktionstages am 31.01. folgt in dieser Woche das sechste.

Inzwischen steht fest, dass es unter anderem auch ein Seminar zu Lenzens Bildungsideal geben wird. Ferner wurden Dozierende angefragt, am 31.01. Reden zu halten z.B. bei der Demo oder der Vollversammlung. Der Kern des Aktionstages besteht aber aus dezentralen Aktionen, die von diversen Klein- und Kleinstgruppen durchgeführt werden zu sollen. Zu diesen einzelnen „Events“ wird dann auf unterschiedlichen Flyern aufgerufen werden.

Für diese dezentralen Aktionen ist unter anderem angedacht: „Elite kicken: mit einem Fußball auf eine Elitesymbol schießen“, die „Symbolisierung der Zusammenlegung von Instituten“, ein „Auftritt in Anzug/Kostüm um für Studiengebühren zu werben“, „Dosenwerfen auf ein Lenzenbild“ und eine simulierte „Schlacht zwischen dem Lenzenfanclub und AktionstagteilnehmerInnen“.

Daneben sind aber auch mehr inhaltliche Aktionen geplant, die weniger mit Spaßguerilla-Taktiken zu tun haben, wie z.B. die Einbeziehung von MitarbeiterInnen aus Verwaltung, Bibiliothek und dem Studierendenwerk in eine Diskussion. Aber auch eine allgemeine, offene Diskussionsveranstaltung findet sich auf dem Plan wieder, vermutlich im Kontext der VV. Ferner wird es wie berichtet eine Demo als Abschluss geben.

Auf dem Aktionstag-Blog gibt es jetzt neu auch die ersten Flyer (Vorderseite hier, Rückseite hier). Auch der offizielle Aufruf des Plenums kann heruntergeladen werden und sollte auf Bitten der OrganisatorInnen verteilt werden.

Das nächste und letzte Treffen vor dem Aktionstag findet am kommenden Donnerstag, den 24.01. wie immer um 18:00 Uhr in der Silberlaube (Raum KL 25 / 134) statt. Auch Studierende die sich bisher nicht in den Organisationsprozess eingebracht haben, können dies nach wie vor tun und dort erscheinen.

Die „Exzellenzinitiative Lehre“ – Geschichte eines Schattendaseins

Januar 18, 2008

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels findet sich ein Artikel, der das Schattendasein der „Exzellenzinitiative für die Lehre“ beschreibt. Ähnlich wie zuvor beim Elitewettbewerb für die Forschung soll es hier nun um einen Wettstreit um die beste Lehre gehen. Initiator ist der „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“, dessen Konzept aber offenbar nicht besonders beliebt ist. Auch ist die finanzielle Summe um die es hier geht eher nur symbolisch, wenn man sie mit den Aufwendungen aus der „ersten“ Exzellenzinitiative vergleicht:

„Klar scheint bisher allein, dass der Lehrwettbewerb nur mit einem Bruchteil des Geldes dotiert sein wird, der für die jüngst entschiedene Exzellenzinitiative für die Forschung zur Verfügung stand. Fünf Millionen Euro will der Stifterverband für die Lehre ausgeben – für die Forschung wurden dagegen von Bund und Ländern 1,9 Milliarden Euro verteilt.“ („Symbolischer Wettbewerb“, Tagesspiegel, 18.01.08)

Der Stifterverband ist zuversichtlicht, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) weitere 5 Millionen Euro draufpacken wird. Die KMK scheint hingegen nicht übermäßig begeistert von der Idee:

„Intern ist zu hören, dass jedenfalls kein Wettbewerb empfohlen werde, wie ihn der Stifterverband wolle. Das Grundproblem seien die katastrophalen Betreuungsverhältnisse von bis zu 100 Studierenden auf einen Professor. Daran könne man nur etwas ändern, wenn die Hochschulfinanzierung durch die Länder massiv aufgestockt werde. Damit sei derzeit nicht zu rechnen.

Auch Kramp-Karrenbauer [die Präsidentin des KMK, Anm. FUwatch] glaubt nicht an eine Exzellenzinitiative für die Lehre: ‚Wenn man einen solchen Wettbewerb will, muss er ordentlich ausgestattet sein.‘ Als Ministerin aus einem finanzschwachen Land werde sie ihren Kollegen sicherlich nicht vorschlagen, Millionenbeträge dafür zur Verfügung zu stellen. Sie sei allerdings gespannt auf die Vorschläge, die der Wissenschaftsrat demnächst vorlegen will – vor allem auf solche, die keine finanziellen Folgen hätten.“ („Symbolischer Wettbewerb“, Tagesspiegel, 18.01.08)

Den 1,9 Milliarden für die Forschung stünden nach dieser Idee also 5 bzw. 10 Millionen für die Lehre zur Verfügung und selbst das stößt auf Widerstand, was für ein Witz. Und selbst wenn die Summe massiv augestock würden, hätte man das alte Problem, dass jene Universitäten das Geld bekommen, die in der Lehre ohnehin schon besser als der Rest abschneiden, während andere Unis deren Lehre besonders desolat ist, gar keine Zuschüsse bekämen.

Umgekehrt kann man aber auch nicht einfach der schlechtesten Uni die meisten Mittel zuweisen, weil so die Motivation wegfällt, den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen und wieder mehr auf eine gute Lehre zu achten. Man müsste die Bezuschussung sicherlich schon an bestimmte Auflagen binden, sonst versackt das Geld ganz einfach wieder.

Sicherlich kann man bei einer „Exzellenzinitiative Lehre“ genauso wie bei einer „Exzellenzinitiative Forschung“ grundsätzlich die Spaltung der deutschen Hochschullandschaft in ein Zwei-Klassen-System monieren. Dennoch ist der Gedanke, dass es nicht reicht sich ständig nur auf die Forschung zu konzentrieren, während die Lehre vernachlässigt wird, als solcher natürlich erst einmal richtig.

Der Artikel zeigt aber deutlich auf, dass entgegen allen anders lautenden Beteuerungen niemand wirklich ein Interesse daran hat, die Lehre an den deutschen Hochschulen nachhaltig zu stärken. Dies ergibt sich allein schon aus den verhältnismäßig bescheidenen Summen, die hier diskutiert werden.

Fünftes studentisches Strategie- und Protesttreffen

Januar 13, 2008

Nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten studentischen Strategie- und Protesttreffen zur Planung des Aktionstages am 31.01. folgt nun das fünfte.

Nachdem das eigentliche Webforum (fu-aktionstag.carookee.de) noch nicht richtig funktioniert, gibt es jetzt auch einen Blog extra für den Aktionstag: http://aktionstag.blogsport.de/.

Dort kann man in einem aktuellen Eintrag nachlesen, dass das nächste Treffen am Donnerstag den 17.01. um 18:00 Uhr im Raum KL 25 / 134 in der Silberlaube stattfinden wird. Dort soll dann „besonders die weitere Planung des Aktionstages besprochen“ werden.

Desweiteren wird auf dem Blog unter „Hintergründe“ auf die Abschiedsvorlesung von Prof. Zeuner verwiesen, der die aktuelle Misere der FU zusammenfasste.

Unter „Termine und Ablauf“ gibt es dann sogar einen ersten groben Ablaufplan:

„24.-31.1.2008: Mobilisierungsaktionen an der ganzen FU

Donnerstag, 31.1.2008: Uniweiter Aktionstag
– ab 10 Uhr: Infos, Kaffee und Versammlungen in der Silberlaube
– 10-14 Uhr: dezentrale Aktionen an der gesamten Uni
– 14 Uhr: Vollversammlung
– 16 Uhr: Demonstration (?)
– anschließend Volxküche und Party im Keller des Philosophie-Instituts…“

Was konkret unter „Mobilisierungsaktionen“ im Vorfeld bzw. unter „dezentralen Aktionen“ am Tag selbst zu verstehen ist, wird offenbar (noch) nicht verraten bzw. steht noch nicht genau fest.

„Mobilisierungsaktionen“ meint aber vermutlich, man tingelt durch die Lehrveranstaltungen um die Leute direkt auf den Tag aufmerksam zu machen und „dezentrale Aktionen“ meint ein wenig symbolische Action an verschiedenen neuralgischen Punkten des Campus‘.

Fünfte OZ-Ausgabe die bisher deutlich beste

Januar 8, 2008

Wie berichtet, ist im Dezember die lang erwartete fünfte Ausgabe der OSI-Zeitung (OZ) erschienen.

Und wie gleich bei der Veröffentlichung vermutet, ist sie tatsächlich die bisher beste. Die Artikel sind solide recherchiert und aufgebaut. Die quantitative Ausdehnung von 16 auf 20 Seiten geht mit einer qualitativen einher und erscheint daher angebracht.

Mein Lieblingsartikel ist Stefan Hernádis Abrechnung mit dem „Prinzip Bolle“. Bolle und seiner Truppe obliegt seit dem Ausscheiden Altvaters die unumstrittene Oberhoheit über die Bereiche „Internationale Politische Ökonomie“ und „Politische Ökonomie“. Die gruseligen Konsequenzen kann man bei Stefan gut nachlesen. Etwas zu kurz kommen vielleicht die persönlichen Defizite Bolles, nur am Ende schimmert anhand eines Beispiels sein immer mal wieder durchbrechender Machismo durch.

Hervorhebenswert ist auch die Titelgeschichte von Christa Roth und Laurence Thio. Systematisch gelingt es den beiden AutorInnen den Mythos zu demontieren, es ginge bei den Zielvereinbarungen zwischen Präsidium und OSI nicht um die Struktur des Instituts. Denn natürlich ist die Struktur erheblich von den Zielvereinberungen betroffen. Auch ihren zweiten zentralen Punkt, dass die dog-eat-dog Kämpfe innerhalb des OSIs bzw. innerhalb des FBs letztlich nur zu einer Schwächung der eigenen Position gegenüber dem Präsidium führen, können sie deutlich aufzeigen.

Der dritte Artikel der mir wirklich gut gefallen hat, war der von Richard Oelmann zur „Exzellenzalternative“ (mit zwei wunderschön passenden Fotos von Valentin). Natürlich beschreibt er nichts fundamental Neues, wenn er feststellt: „Bestimmte Zweige der Lehre und Forschung werden mit der Rechtfertigung einer klaren Profilbildung zwangsläufig verdorren. Dieses Verfahren ignoriert die unterschiedlichen Motivationen der Studierenden. Im Grunde ist es ein Raussschmiss“. Aber manchmal tut es auch gut einen schon bekannten Gedankengang so auf den Punkt gebracht vorzufinden, wie hier. Der Artikel ist eine sehr deutliche Absage an eine Hochschulpolitik der Ökonomisierung, Entmündigung und Verschulung. Als Alternativen nennt Richard konsequenterweise Ansätze von Schülern und Studierenden sich ihr Wissen selbst und gegenseitig beizubringen. Daneben scheint z.B. auch noch die Wissensallmende durch.

Interessant wenn auch nicht ganz so überzeugend ist Richards zweiter Artikel, in dem er aus der Praxis als Deeskalationstrainer im Nahen Osten berichtet. Die beiden Fraktionen sind sich so spinnefeind, dass ein gemeinsames Forum (was offenbar die Kernidee war) nicht zu stande kam und jede Seite stattdessen nur für sich trainierte. Richard resümiert: „Vom Sinn des Projekts war keine Seite zu überzeugen“. Anschließend führt er im letzten Absatz jedoch aus, wie hilfreich das im Studium erworbene theoretisch Wissen war. So konnte er das „Geschehen besser einordnen“, „seine Schlüsse ziehen“, seine „eigene Rolle reflektieren“ und „Verbesserungsvorschläge“ einbringen. Nur das Abschmieren des Projekts konnte er trotz dieser Kenntnisse offenbar nicht verhindern. Was sicherlich verständlich in so einer verfahrenen Lage ist, aber eben trotzdem etwas seinem Ansatz am Ende des Artikels widerspricht, die Wichtigkeit der theoretischen Kenntnisse zur Einflussnahme auf die Praxis hervorzuheben.

Die beiden Interviews mit Prof. Schreurs und dem Dieter Lenzen Fanclub (DLFC) waren nicht unbedingt bahnbrechend, allerdings doch informativ (was Schreurs angeht) bzw. unterhaltsam (was den DLFC). Das Interview mit dem DLFC legitmiert sich allein durch die zunehmende öffentliche Präsenz, die dieser neue „Fanclub“ durch seine Aktionen sicherstellt. Schreurs biedert sich für meinen Geschmack etwas zu stark an, wenn sie das Potential der Studierenden lobt, welches ihrer Meinung dazu führen wird, dass die FU in 5 bis 10 Jahren mit Harvard in einer Liga spielt, selbst wenn die finanzielle Kluft immer noch immens ist. Das nackte Potential der Studierenden soll also finanzielle Defizite ausgleichen und die FU in die Harvard-Liga kicken. Sicherlich haben FU-Studierende Potential, nur hat das Erlangen einer Reputation wie sie heute Harvard vorweisen kann nicht unbedingt etwas mit dem Potential der Studierenden zu tun. Es geht doch bei Harvard gerade darum, dass man es geschafft hat, wenn man dort einen Abschluss hat, egal wie und egal ob man Potential hat oder nicht.

Gerrit vereint in seinem Artikel über den schwierigen Umgang der FU mit der eigenen Geschichte gleiche mehrere Konflikte in der jüngeren Vergangenheit. Der ewige Namenstreit um den Henry-Ford-Bau, Lenzens „Freiheitsdenkmal“ und die zu schwache Auseinandersetzung mit dem ehemaligen „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ im Kontext der FU-Dauerausstellung „Zukunft von Anfang an“. Natürlich hätte man jedem dieser Konfliktpunkte auch einen eigenen Artikel widmen können, doch das hätte man sicherlich nicht in einer Ausgabe unterbringen können. Insofern ist der Artikel positiv, weil es Gerrit durch eine Zusammenfassung dieser Konflikte gelingt sichtbar zu machen, dass sich die FU offenbar nicht vereinzelt sondern ganz generell schwer damit tut, die dunklen Seiten ihrer eigenen Geschichte (oder die ihrer Gebäude) aufzuarbeiten.

Die beiden schwächsten Artikel in der Ausgabe sind dagegen m.E. die beiden über Sciences Po. Christa Roth kritisiert die Kommunikationsdefizite hinsichtlich der Neuordnung des Verhältnisses zwischen OSI und Sciences Po. Im wesentlichen geht es bei ihrer Kritik darum, dass eine FU-Website die aktuell sein sollte, dies nicht ist. Bedauerlich, aber nicht unbedingt der zentrale Kritikpunkt an dem man so einen Artikel aufmachen sollte. Christa hätte auch tiefer ansetzen können und z.B. die Frage aufwerfen können, ob es nicht sinnvoll wäre die Kooperation mit dem Sciences Po generell in Frage zu stellen. Rein theoretisch wäre es doch auch denkbar stattdessen z.B. mit der „Université Paris I Panthéon-Sorbonne“ zu kooperieren, oder nicht?

Besonders auch vor dem Hintergrund des zweiten Artikels, einem Erfahrungsbericht über das Sciences Po von Florian Schatz und Stefan Beutelsbacher. Auf schockierende Weise machen diese deutlich, was für eine eklig elitär-reaktionäre Institution Sciences Po ist, in der „Form vor Inhalt geht“. Sie verraten dem Leser allerdings nicht, ob die positiven Eindrücke (die es sicherlich auch gab) nicht trotz dieser Widrigkeiten und dem exorbitanten Leistungsniveau überwiegen. Der Artikel wirkt abschreckend was einen möglichen Auslandsaufenthalt am Sciences Po angeht. Trotzdem sagen die Autoren aber ja nicht explizit „Tut es nicht“ oder bringen Alternativen ins Spiel. Beide Artikel leiden jedenfalls darunter, dass weder der elitäre Habitus des Sciences Po noch die Kooperation mit einem solchen Institut offen in Frage gestellt werden. Selbst wenn ein Erasmus-Aufenthalt und ein Doppel-Abschluss nicht dasselbe sind, hätte man doch wenigstens bei einem der beiden Artikel etwas weiter ausholen können.

Dieser Kritik ungeachtet bleibt dennoch festzuhalten, dass sich die aktuelle OZ-Ausgabe besser liest und informativer ist, als die vier Ausgaben zuvor. Die Steigerung von einer Ausgabe zur nächsten bleibt also erhalten; zu hoffen bleibt daher, dass Nummer 6 nicht erst wieder im Juli erscheint, sondern es wie im letzten Jahr eine Zwischenausgabe im Februar geben wird. Themen gäbe es zumindest mehr als genug: Die Affäre Scharenberg, der Bibliotheksskandal (in Nummer 5 nur leicht angeschnitten), die „Frühjahrsoffensive“ (alias der „Aktionstag“), der Skandal um den „Studienerfolgsbericht“, usw.

Viertes studentisches Strategie- und Protesttreffen

Januar 7, 2008

Nach dem ersten, zweiten und dritten studentischen Strategie- und Protesttreffen zur Mobilisierung für den Aktionstag am 31.01. folgt nun das vierte.

In der über Emailverteiler in Umlauf gebrachten Einladung heißt es:

„Zur Organisation haben sich bereits drei Arbeitsgruppen gebildet, die sich um die Inhalte, Mobilisierung und Logistik des Aktionstages kümmern. Die Arbeitsgruppen haben sich in den vergangenen Wochen Gedanken darüber gemacht, was am 31.1. geschehen soll, und werden ihre Ergebnisse beim nächsten Treffen zur Diskussion vorstellen.“

Im Wesentlichen geht es dabei um die folgenden Fragen:

  • Wie wird die Mobilisierung aussehen?
  • Welche Inhalte wollen wir vertreten?
  • Wie läuft die Organisation?
  • Wie geht es nach dem Aktionstag weiter?

Interessierte sollten sich um am Donnerstag, den 10.01. um 18 Uhr in der Silberlaube im Raum KL 25 / 134 einfinden.

Inzwischen gibt es unter http://fu-aktionstag.carookee.de/ auch ein Forum für den Aktionstag, in dem man alles wichtige nachlesen und sich auch selbst einbringen kann. Dort findet sich im öffentlichen Bereich z.B. schon „FAQs zur Bibliothekszusammenlegung“.

Besonders der Hinweis in der Einladung, dass „auch für das Sommersemester 2008 bereits viele Dinge in Planung [sind]“, ruft indessen nicht nur Begeisterung hervor. Die LHG befürchtet, die „Streikmaschine“ sei schon länsgt wieder angelaufen:

„Klar niemand redet vom Streik (vgl.: ‚Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!‘), aber erst einmal ein ‚Aktionstag‘ und dann ist ‚für das Sommersemester schon einiges geplant‘ – völlig ergebnisoffen natürlich. Wer den verlinkten Beitrag im Blog der FSI Geschichte liest, sieht genau, wie viel schon vorgeplant ist und dass die scheinbar offenen Fragen nach ‚Aktionsformen und Inhalten‘ tatsächlich längst beantwortet sind und man nur noch ein paar mehr Leute braucht, um sie umzusetzen.“ („Die Streikmaschine läuft an“, LHG Blog, 06.01.07)

Schön wär’s, aber wie in der Vergangenheit schon ausgeführt, braucht es m.E. immer noch einen Aufhänger, einen besonders krassen Skandal, der das Faß dann zum Überlaufen bringt. Im „Warnstreik 2005“ lag das durchaus in der Luft, ich bin mir nicht sicher, ob es jetzt auch in der Luft liegt. Und selbst wenn es gelingt auf dem Aktionstag eine aktivistische Stimmung zu erzeugen, wie will man die wirklich über die Ferien hinweg ins nächste Semester transportieren? Vermutlich müsste man dann im Sommersemester ohnehin noch mal bei Null anfangen, weil sich die Gemüter abgekühlt haben.

Gründe für den Protest gibt es durch Lenzens Gewurste genug, doch rein strategisch ist dieser Aktionstag so kurz vor Ende des Semesters immer noch ein Mysterium für mich. Offenbar will man sich nicht erst im neuen Semester langsam steigern, sondern diesen Aufbauprozess bereits in diesem Semester beginnen, die Infrastruktur an den Start kriegen. Okay. Doch noch mal: Wie soll die auf dem Aktionstag erzeugte Proteststimmung nahtlos über die Ferien gerettet werden?

Advent, Advent, die Lehre brennt

Dezember 21, 2007

Wie der Tagesspiegel heute berichtet wird die „Eliteuni“ FU im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie gegenüber TU und HU im Bereich Lehre deutlich zurückgefallen ist:

„Die Freie Universität wird im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie in der Lehre gegenüber der TU und der HU weniger leistungsfähig ist. Das teilte Dieter Lenzen, Präsident der FU, am Mittwoch im Akademischen Senat der Hochschule mit. Es handle sich um einen ‚massiven Einbruch‘, die Summe entspreche 40 Mitarbeiterstellen. Berlins Unis erhalten einen wachsenden Teil ihres Landeszuschusses im Wettbewerb untereinander – im Jahr 2008 bereits 30 Prozent. Zu den Leistungskriterien des Senats gehört auch die Zahl von Absolventen, die die Unis in der Regelstudienzeit zum Ziel führen.

Das FU-Präsidium will nun eine ‚Qualitätsoffensive Lehre‘ starten. In den Zielvereinbarungen mit den Fachbereichen sollen jeweils bestimmte Maßnahmen festgelegt werden. In einem Papier mit Eckpunkten schlägt die Uni-Leitung ein ‚Self-Assessment-Verfahren‘ für Studienbewerber und studienvorbereitende Brückenkurse vor. Mentoringprogramme und die Studienfachberatung sollen ausgebaut werden. Die Fachbereiche sollen sicherstellen, dass Studierende nicht bestandene Prüfungen zeitnah wiederholen können. Die Fachbereiche sollen sich auch flexibler verhalten, wenn es darum geht, externe Bewerber zu Masterstudiengängen zuzulassen.“ („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Den Grund für das Problem sieht man laut Tagesspiegel besonders im „Drei-Fach-Bachelor“ bei dem die Studierenden drei verschiedene Fächer („Modulangebote“) studieren, was angeblich einfach organisatorisch und personell nicht machbar ist. Außerdem wählen die verrückten Studierenden einfach immer die falschen Kombinationen.

„(…) Als sich die FU für den Drei-Fach-Bachelor entschied, geschah dies, um die kleinen Fächer besser in die Studienreform integrieren zu können. Die Kapazitäten in den kleinen Fächern reichen oft nicht, um Studienangebote mit 60 Leistungspunkten bereitzustellen. Auch könnte die Schwelle für Studierende, ein Orchideenfach wie ostasiatische Kunstgeschichte zu wählen, kleiner sein, wenn es im Studium nur mit 30 Leistungspunkten als eines von zwei Nebenfächern zu Buche schlägt. Aus Sicht des Präsidiums wäre es jedoch eine bessere Lösung, wenn sich fortan jeweils zwei kleine Fächer zusammentun und sich auf ein gemeinsames Angebot mit 60 Punkten verständigen. („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Mit anderen Worten die „Qualitätsoffensive Lehre“ wird darauf hinauslaufen, dass die Fächer mit geringer ökonomischer Verwertbarkeit abgewertet werden. Es darf sich studienordnungsmäßig einfach nicht mehr lohnen „Orchideenfächer“ wie Kunstgeschichte zu studieren, dann werden diese spinnerten BA-Studis schon noch einsehen, dass sie mal besser BWL studieren.

Die FU-Führung gerät ins Schwimmen und hatte bereits Mitte November im Akademischen Senat einen zehn Punkte-Plan zur Verbesserung der Lehre vorgestellt:

  1. System der Mentoringprogramme in allen Fachbereichen verstärken.
  2. Studienfachberatung: alle Lehrenden halten einmal in der Woche eine Sprechstunde, nicht nur einmal im Monat.
  3. Bachelor: Anerkennungspraxis der Scheine von anderen Unis liberalisieren – Bologna soll Mobilität steigern und nicht senken.
  4. Übergänge: Fachbereiche sollen im Rahmen von Studienverlaufsplänen den Wechsel im ersten Semester liberalisieren, Geschlechterstereotype sollen aufgebrochen werden.
  5. Status von ausländischen Studierenden: Zulassungspraxis für Masterstudiengänge fördern, auch aufgrund des Zukunftskonzepts der International Network University.
  6. Einführungswochen sollen in einzelnen Fächern ernster genommen werden und bereits vor Beginn des Semesters stattfinden.
  7. Einführung zentraler Studien- und Prüfungsbüros in den Fachbereichen—verlässliche und ausreichende Öffnungszeiten.
  8. Wiederholungsleistung von Prüfungen soll zeitnah ermöglicht werden.
  9. Flächendeckende Evaluationen in den Fachbereichen für jeden Studiengang einen Studiengangsleiter an den Fachbereichen, der die inhaltliche Weiterentwicklung des Studiengangs und das Lehrangebot plant.

(nach: „Evaluation statt Mitbestimmung – Neues aus dem Akademischen Senat (14.11.07)“, FSI Blog, 21.11.07)

Im FSI Geschichte Blog wird die Kritik an diesen 10 Punkten treffend zusammengefasst:

„Aber was steckt eigentlich hinter den ‚Zehn Punkten‘? Letztendlich nur eine etwas weichere, flexiblere Handhabung des Bestehenden. Eine radikale ‚Reform der Reform‘ hin zu mehr Wahlfreiheit für Studierende, weniger verschulten Inhalten und natürlich mehr Mitbestimmung bei der Gestaltung des Studiums und der Studienordnungen bleibt aus. Doch wäre dies das einzig notwendige. Auch die beste Evaluation degeneriert letztlich zum Kontrollinstrument, wenn die Umfrageergebnisse geheimgehalten werden und die Studierenden bei den aus der Evaluation folgenden Reformprojekten nicht mitreden dürfen.“ („Zehn Punkte für den Bachelor? Eine Blamage und keine Reform“, FSI Geschichte Blog, 14.12.07)

Wie der oben zitierte Tagesspiegel-Artikel deutlich macht, geht es sogar ganz im Gegenteil darum die Wahlfreiheit noch stärker als ohnehin schon einzuschränken und die Studiengänge noch weiter zu verschulen.

Als weitgehend gescheitert muss inzwischen aber nicht nur die BA-Einführung als solche betrachtet werden, sondern auch der Versuch die katastrophalen Zustände zu deckeln. Der berüchtigte „Studienerfolgsbericht“ (siehe „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“) ist inzwischen online verfügbar und es gibt immer mehr Artikel in den Medien zu dem Sachverhalt (Pressespiegel zum Beispiel im AStA Blog).

Drittes studentisches Strategie- und Protestreffen

Dezember 11, 2007

Nach dem ersten und zweiten gesamtuniversitären Strategie- und Protesttreffen folgt am Donnerstag den 13.12.07 um 18 Uhr nun das dritte in der Silberlaube KL 25/134.

Auf dem letzten Treffen wurde ein Aktionstag am 31. Januar 2008 beschlossen. Dieser bedarf einer vorausgehenden Mobilisierung, insbesondere aber natürlich auch einer konkreten Zielsetzung. In der Einladung zum dritten Treffen heißt es daher:

Themen: Welche Themen soll der Aktionstag setzen, bzw. was muss vorbereitet werden?

Mobilisierung: Wie werden wir für diesen Tag mobilisieren?

Aktionen/Organisation: Welche Aktionen soll es geben, welche Räume brauchen wir, etc.?

Und: Euer Ding!

Plus: Wie geht es danach weiter?

Fast könnte man meinen, hier einen „Abwärtstrend“ was die Dauer des Protestes angeht ausmachen zu können: War es 2003/2004 wenigstens noch ein halbwegs „echter“ Studierenden-Streik, war es 2005 schon nur noch ein einwöchiger „Warnstreik“, und 2008 wird es dann nur ein einziger Aktionstag.

Zwar betonen die OrganisatorInnen, dieser Aktionstag sei erst der Anfang, aber wenn man dann in der Einladung förmlich spürt, was für ein ungeheurer Kraftakt es offenbar ist, überhaupt KommilitonInnen in einer angemessen Anzahl für diesen einen Tag zu mobilisieren („versucht Leute zu mobilisieren, die letztes Mal noch nicht da waren…“), dann wirkt das jetzt schon deprimierend.

Was nach wie vor fehlt ist ein „Aufreißer“, ein ganz bestimmtes Thema das wirklich so unter den Nägeln brennt, dass es die Studierenden regelrecht in den Protest treibt (z.B., wenn bekannt würde, dass die Einführung von Studiengebühren in Berlin unmittelbar bevorsteht). Liegt ein solcher ganz konkreter Anlaß nicht vor, wird die Mobilisierung nur schleppend verlaufen.

Aktion gegen SPD-Landesparteitag erzeugt nur wenig Aufmerksamkeit

Dezember 5, 2007

Die Kommilitonin Anna Panek hat bei Indymedia und in der „jungen Welt“ eine Zusammenfassung des jüngsten Studierenden-Protests zum SPD-Landespartei in der Silberlaube (siehe auch „Studierende wollen SPD ihren ‚Dank‘ aussprechen“) verfasst.

„Kritisiert wurde mit der Aktion die Hierarchisierung von Hochschulen und die zunehmende Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft. So berichtete ein Student der FU, auf deren Campus solle eine Privatuni eingerichtet werden – Ergebnis einer Kooperation zwischen FU und Klett-Verlag. Eine Konsequenz sei die Verdrängung des Fachbereichs Ethnologie: Umzug in kleinere Räume, Verlust der Bibliothek, Seminarräume, die kaum noch den Namen verdienen.“ („Zöllner sucht die ‚Super-Uni'“, junge Welt, 19.11.07)

„Daß der Landesparteitag, in dessen Verlauf Bildungssenator Jürgen Zöllner sich für dei Bündelung exzellenter Berliner Forschungsbereiche in einer gemeinsamen Tochterinstitution der universitären und außeruniversitären Einrichtungen aussprach, von den Studenten nicht besucht werden konnte, daß hierin die Tendenz zum Ausschluß kritischer studentischer Stimmen aus der Diskussion um die Umgestaltung, Straffung und Marktorientierung der Bildung deutlich wurde, wurde von den Studierenden laut, wiewohl zunächst ungehört, beanstandet. Die generelle Kritik der studentischen Aktion richtete sich v.a. gegen die mangelnde Transparenz bei der Wettbewerbsantragsstellung.“ („Zweite Schlacht um die Exzellenz / Berlin“, Indymedia, 17.11.07)

Insgesamt war die Aktion nur bedingt erfolgreich, wie offenbar selbst die Beteiligten einräumen. Die SPD konnte ihren Parteitag ohne Beeinträchtigungen durchziehen und die mediale Resonanz des Protests beschränkte sich auf die beiden Artikel der Kommilitonin Panek.

Der DLFC kriegt Post von seinen Metafans und eine Watsche von Herrn Fischer

Dezember 3, 2007

Der Dieter Lenzen Fanclub (DLFC) bekommt inzwischen selber Fans („Metafans“, die nicht nur Dieter „The Priest“ Lenzen verehren, sondern auch den DLFC als solchen). In einem Eintrag zitiert der DLFC aus einem Brief den er von Schülern des John-Lennon-Gymnasiums bekommen haben will. Diese schlagen darin ihren Eintritt in den DLFC vor und verdeutlichen anhand der Schilderung eines gescheiterten Tortenattentats auf Lenzen in ihrer Schule (der war dort geladen), wie naheliegend doch offenbar ein prä-universitärer Ableger des DLFC sein muss.

Da der DLFC bekanntlich Satire betreibt, lässt sich nur schwer einschätzen, inwiefern diese Story stimmt oder zwecks Eigenpropaganda doch nur frei erfunden wurde. Der in die Story eingebaute Rotary-Verweis ist vermutlich eine Anspielung auf die Denkmal-Geschichte. Und ist Lenzen inzwischen wirklich dazu übergegangen, Eröffnungsreden in Gymnasien zu halten? Ist der Direx des John-Lennon-Gymnasiums wirklich Rotarier? Und wieso findet sich über dieses „Megaevent“ kein Hinweis auf der Website des Gymnasiums? Müsste der Tagesspiegel nicht darüber berichten, wenn „The Priest“ plant irgendwo irgendwem die Hand zu schütteln? Foppt der DLFC seine Leser oder wurde er von den Gymnasiasten gar selbst gefoppt?

Wie auch immer, denkbar wäre es natürlich, dass der DLFC mit seinen Aktionen eine Art Vorbildfunktion für junge Nachwuchsstudierende und Gymnasiasten hat, die einen ähnlichen Blickwinkel auf Lenzen haben.

Weniger glücklich scheint dagegen Herr Fischer zu sein, bei ihm kommt der DLFC im Vergleich mit der „Leuphana-Truppe“ (siehe dazu auch: „Die schöne neue Uni-Welt“, Telepolis, 19.11.07) schlecht weg. Tatsächlich lassen sich Defizite in Sachen Kommunikationsguerilla beim DLFC kaum übersehen (und mal ehrlich, das ach so tolle „Corporate Design“ der FU scheint doch förmlich nach einer echten Parodie-Website zu betteln; da könnte man wirklich ansetzen).

Natürlich lässt sich Herr Fischer auch nicht lumpen und hat gleich mal vorgemacht, wohin die Reise z.B. gehen könnte, indem er Blofeld in einer Fotomontage den Kopf von Lenzen verpasste. Und verdammt, die Ähnlichkeit ist einfach nicht zu leugnen… Gleichwohl Herr Fischer das wohl auch nicht als Ausgangspunkt für eine unterhaltsamere Satire verstanden wissen will (als Ansatz schwebt ihm wie erwähnt eher „Leuphana“ vor).

FaKo-Tag im KuBiZ

November 29, 2007

Am 08.12. findet ab 10 Uhr im KuBiZ in Weißensee ein FaKo-Tag statt, zu dem explizit nicht nur FSIler eingeladen sind, sondern alle Interessierten. Der geplante Tagesablauf gestaltet sich wie folgt.

10:00 – 11:00 Auftaktplenum

11:00 – 13:00 Workshops I (Exzellenz/Elite, MA-Einführung, Gestaltung der Ini-Broschüre und -Werbekram I)

13:00 – 15:00 Gemeinsames Kochen (und Essen)

15:00 – 17:00 Workshops II (Gestaltung Ini-Broschüre und -Werbekram II, evtl. 40 Jahre ’68, evtl. Verknüpfung Hopo mit Stadtpolitik, das neue „Super-Denkmal“ neben dem HFB)

17:00 – 18:00 Abschlussplenum

Zweites großes Strategie- und Protesttreffen

November 27, 2007

Wie angekündigt, fand letzte Woche das erste „große“ Treffen diverser hochschulpolitisch aktiver Gruppierungen an der FU statt, um gemeinsam Strategie- und Protestkonzepte zu entwerfen.

Inzwischen liegen auch die Ergebnisse dieses Treffens vor, die z.B. im BBFB-Blog nachgelesen werden können:

„Unser gemeinsames Ziel ist, im nächsten Sommersemester eine größere studentische Protestbewegung von unten auf die Beine zu stellen!

Die Formen zur Mobilisierung einer solchen Protestbewegung wurden diskutiert, viele sprachen sich hier für eine aktionsorientierte Kampagne aus. Wie eine solche Kampagne generell aussehen könnte, wurde vielfältig diskutiert und in Stichpunkten zusammengefasst:

Perspektiven: Kampagne, Protest, SoSe 2008, ’40 Jahre 68′, Politisierung, …

Themen: Ökonomisierung der Universitäten, Elite, soziale Selektion, Studiengebühren/konten, Überwachung, System Lenzen, prekäres Studieren, Berliner Hochschulgesetz, Freiräume an der Uni, Qualitätsoffensive in der Lehre, …

Aktionsformen: In die Hörsaale gehen, subversive Kommunikationsguerilla, Teach-Ins, Dieter-Lenzen-Fanclub, Vollversammlungen, Streik, Besetzung, Demo, Volksbegehren, …“

Auf dem Treffen fiel allerdings noch keine Entscheidung, was davon konkret umgesetzt werden soll, wie genau die Kampagne nun aussehen soll. Doch die Zeit drängt, da das alles bereits im kommenden Sommersemester stattfinden und von langer Hand geplant werden soll.

Daher sind alle Interessierten eingeladen, am kommenden Donnerstag (29.11.) beim zweiten Treffen mitzuwirken, welches um 18 Uhr in der Silberlaube im Raum KL 25/134 (gegenüber der EWI-Bibliothek) stattfinden wird.

Hartmann erneut an der FU

November 26, 2007

Nachdem Prof. Dr. Michael Hartmann bereits im letzten Jahr an der FU war, um über das Thema „Wer wird Elite? Bologna, Exzellenz-Initiative und Studiengebühren: Zwischen Sinn und Selektion – soziale Folgen aktueller hochschulpolitischer Reformprozesse“ zu referieren (siehe „Zusammenfassung des Hartmann-Vortrags“), wird er auch dieses Jahr wieder einen Vortrag an der FU halten.

Am kommenden Mittwoch, den 28.11., wird es im Institut für Philosophie um das Thema „Vom Unsinn der Exzellenzinitiative“ gehen. Die Veranstaltung findet um 16 Uhr in der Habelschwerdter Allee 30 im Kontext des „Tags der Philosophie“ statt.

„Großes“ Treffen am Donnerstag

November 20, 2007

Am Donnerstag (22.11.) wird es um 18 Uhr ein „großes“ Treffen aller hochschulpolitisch aktiven Gruppierungen an der FU in der Silberlaube im Raum L115 (neues Seminarzentrum, wo früher die Mensa war) geben.

In der über Mailinglisten verbreiteten Einladung heißt es:

[Wir] haben überlegt, dass wir es toll fänden, wenn es ein Treffen von all den Leuten, die letztes Semester viel hochschulpolitisch gemacht haben (Fanclub, Unternehmen-Uni versetzen, Hamburger Gruppe, Volksbegehren-Gruppe, G8-Gruppen, Studierbarkeitsumfrage, Inis, Cafes und alle, die ich vergesse…) und auch allen, die neu Lust dazu haben, geben könnte.

Um gemeinsam zu überlegen, was wir Fu-weit (oder auch einzelne Institute oder Gruppen zusammen) dieses Semester oder auch nächstes Semester an Aktionen, Aktionswochen, Texten… noch so gemeinsam machen können oder wollen.

Es geht hier also um ein Koordinierungs- und Austausch-Treffen möglichst aller an der FU hochschulpolitisch tätigen Gruppen, um für die Zukunft gemeinsame Strategien zu entwicklen, Bindungen zu knüpfen, Informationen auszutauschen, Projekte vorzustellen, usw.

Einen ähnlichen Ansatz gab es im Dezember 2005 schon mal beschränkt auf das OSI. Damals sollte mit dem „OSI Forum“ eine regelmässig tagende, informelle Institution geschaffen werden, auf der alle OSI-Studierende ihre Probleme vortragen können und die verschiedenen, politisch aktiven Gruppierungen sich austauschen können. So wollte man unter anderem verhindern, dass jede Gruppe wie bisher ihr eigenes „Süppchen kocht“ ohne von anderen Gruppen mit eventuell ähnlichen Zielen etwas mitzubekommen. Die Sache verlief jedoch nach ein paar Sitzungen weitgehend im Sande (von einer einzigen Comeback-Sitzung im Feburar 2007 mal abgesehen).

Dennoch ist die Idee eines solchen „großen“ Treffens mit möglichst vielen hochschulpolitisch aktiven StudentInnen und Gruppen sicherlich grundsätzlich richtig. Als schwierig dürfte sich jedoch auch heute noch der Versuch erweisen, diese Veranstaltung in relativ kurzen Abständen zu wiederholen (was ja zumindest eine denkbare Option wäre).

Zwei Veranstaltungen mit Alex Demirovic

November 19, 2007

Die studentische Hochschulgruppe „Die Linke.SDS“ organisiert am morgigen 20.11. sowie nächste Woche am 27.11. jeweils eine Veranstaltung mit dem kritischen Wissenschaftler Alex Demirovic.

Am morgigen 20.11. gibt es eine Diskussion mit dem Titel „Auf der Suche nach dem Bildungsauftrag“ an der HU, um 18 Uhr im Raum 1.103 des Seminargebäudes Hegelplatz in der Dorotheenstraße 24. In der Einladung heißt es:

„Hochschulen erfüllen bestimmte gesellschaftlich relevante Aufgaben. In mancherlei Hinsicht gelingt ihnen dies nur unzureichend. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche ‚Reformen‘ angestoßen, die noch immer andauern. Deren vorhergesagte Durchführungs- und Folgeprobleme lassen sich mittlerweile – zum Leidwesen von Lehrenden und Lernenden – hinreichend beobachten: Verschärfte soziale Selektion, Ausbau der Chancenungleichheit, Demokratieabbau, roter Teppich für elitäres Gedankengut usw. Demgegenüber werden kritische Wissenschaft und gesunde Öknomisierungsskepsis zunehmend verdrängt.

Welche Aufgaben können Wissenschaft und Hochschule unter dem Druck der wirtschaftlichen Verwertbarkeit, des Wettbewerbs (Beispiel Exzellenzinitiative) und der Wiedereinführung von Eliten noch erfüllen? Müssen Hochschulen auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren – und wenn ja, wie? (Einladung von „Die Linke.SDS HU“)

In der darauffolgenden Woche, am Dienstag den 27.11., ist Alex Demirovic dann an der FU, um 18 Uhr im Raum K 25/11 der Silberlaube. Titel dieser Veranstaltung: „Auf dem Weg zum Überwachungsstaat?“ In der kurzen Einladung heißt es nur:

„Referat & Diskussion von Prof. Alex Demirovic wird der Frage nachgehen, wie der Ausbau des ‚Sicherheitsstaates‘ einzuordnen ist. (Einladung von „Die Linke.SDS FU“)

Beide Veranstaltungen klingen vielversprechend und sind sicherlich einen Besuch wert.

Studierende wollen SPD ihren „Dank“ aussprechen

November 16, 2007

Am morgigen Samstag (17.11.) findet in der Silberlaube der Landesparteitag der Berliner SPD statt.

Da es am selben Tag ein „Festbankett“ der Berliner „Studi-Vertretungen“ zu den Ergebnissen der Exzellenzinitiave geben soll, haben die besagten „Vetretungen“ beschlossen, ihre Feier mit der der SPD zusammenzulegen.

Da die SPD an der Exzellenzinitiative nicht ganz unbeteiligt war, will man so die Chance ergreifen und den anwesenden Sozialdemokraten „für ihre Mitwirkung an der Exzellenzini danken“, wie es in einem über Email-Listen verteilten Aufruf heißt.

Was immer das konkret heißen mag, es soll morgen um 14 Uhr an der Silberlaube losgehen…