Archive for Dezember 2008

Die FURIOS – Generation Golf Reloaded

Dezember 23, 2008

Nachdem im letzten Semester mein Ansatz die Notwendigkeit eines zusätzlichen, „unabhängigen“ Hochschulmagazins noch vor dessen Erscheinen in Frage zu stellen („Studierende wollen FU-Zeitung rausbringen“), teilweise auf heftige Reaktionen gestoßen war, galt die Kritik unlängst umgekehrt meinem Vorgehen auf das Erscheinen der ersten FURIOIS-Ausgabe auf Uni-Mailinglisten hinzuweisen.

Die FURIOS-Macher würden den Campus ohnehin schon mit Werbung für ihre fragwürdige Publikation zupflastern, da bräuchte es nicht auch noch Hinweise auf Mailinglisten, diese sein für andere, wichtigere, (hochschul)politische Themen gedacht.

Dem lässt sich natürlich entgegnen, dass die FURIOS mit dem Anspruch ein neues, unabhängiges, studentisches Campusmagazin an der FU zu sein natürlich auch eine hochschulpolitische Relevanz hat. Dies bezieht sich nicht einmal zwangsläufig auf den Inhalt, allein das Erscheinen des Magazins als solches und der erwähnte Anspruch der Blattmacher lassen es doch sinnvoll erscheinen, sich die Publikation einmal näher anzusehen.

Wenn man darüber hinaus das Magazin aber auch inhaltlich ablehnt (wie es einige KommilitonInnen schon kurz nach dem Release taten), ist es nur noch umso wichtiger, diese inhaltiche Stoßrichtung auch zu thematisieren und kenntlich zu machen, was genau hier eigentlich so fragwürdig wirkt. Und der erste Schritt in dieser Richtung ist natürlich überhaupt auf das Erscheinen dieser ersten Ausgabe hinzuweisen.

Wie berichtet stand das Heft beim Release leider noch nicht vollständig als PDF zur Verfügung. Hier hat die Redaktion nachgebessert, die erste Ausgabe kann inzwischen auf der Website heruntergeladen werden.

Noch besser wäre wie ausgeführt ein Content Management System, welches dann z.B. auch die Möglichkeit bieten würde jeden Artikel einzeln zu lesen und auch zu kommentieren. So viel Interaktion ist aber offenbar nicht beabsichtigt, die FURIOS versteht sich primär eindeutig als Printmagazin. Ein Ansatz der im Web 2.0 Zeitalter etwas antiquiert wirkt – das lässt sich dann auch nicht durch eine Facebook- und StudiVZ-Präsenz kaschieren.

Pralles Selbstverständnis

In den „Mediadaten“ erfährt man über FURIOS: „Als studentische Zeitschrift einer der größten und impulsivsten Universitäten Deutschlands, in einer Stadt, die an
Tempo und Vielfalt kaum zu überbieten ist, positioniert sich FURIOS als einzigartiges Kommunikationsmittel (…) Hauptzielgruppe: Studenten sind jung, trendbewusst und kaufkräftig. Sie sind zukünftige Fachexperten und setzen neue Maßstäbe.“

Okay, der Ton dient der Gewinnung von Anzeigekunden, über die sich die FURIOS auch finanzieren möchte. Da kann man schon mal etwas dicker auftragen. Doch auch sonst mangelt es den FURIOS-Machern sicherlich nicht an Selbstbewusstsein.

Am liebsten zitieren die FURIOSis ein inzwischen berüchtigten taz-Kommentar von Christian Füller, in dem dieser von „altbackenen AStA-Fritzen“ schwadroniert („Sie haben nichts zu sagen – außer die Vergangenheit anzubeten“) und am Ende fragt: „Wann setzt sich endlich eine Studierendenschaft als politische Kraft an der Uni durch, die wieder etwas zu sagen hat? Die das akademische Leben spannender macht, die interessante Zeitungen herausgibt und nicht bloß rechts (Landowsky, Diepgen) oder links ist (ehemals Rabehl etc.)?“ („Berlin profitiert vom Label Elite“, taz, 04.12.08).

Und das mit der „interessanten Zeitung“ haben die FURIOSis natürlich dankbar aufgegriffen, in der festen Überzeugung, zumindest diesen Bestandteil von Füllers „Forderungskatalog“ erfüllt zu haben. Die zu klärende Grundsatzfrage wäre demnach, ob die FURIOS wirklich so „interessant“ ist, wie ihre Macher offenbar glauben.

Hilfe die Christen kommen

Für den größten Aufschrei unter der linken, politisch-aktiven, asta-nahen Studierendenschaft sorgte nicht mal so sehr der asta-kritische Artikel (wie man vermuten könnte), sondern neben dem Porträt von NofU-Legende Hans Eberhard Zahn besonders der Beitrag über christlich engagierte KommilitonInnen an der FU und wie schwer sie es hier haben.

Beim genaueren Hinsehen wird aber deutlich, dass die Story so provokant nun auch nicht ist. Sie plätschert eher so vor sich hin, man „lernt“ im Wesentlichen: Auch Christen sind nur Menschen und manchmal eben auch noch StudentInnen.

Nur im letzten Absatz wird dann wirklich etwas offensiver gestichelt. Der bekannte, 2007 verstorbene fundamentalistisch-evangelikale Prediger Jerry Falwell findet Erwähnung und ein gewisser Ben schwärmt davon, dass „Dr. Falwell“ ihn und seine christlichen KommilitonInnen an einer evangelikalen US-Uni dazu auffordere „‚Champions for Christ‘ und die besten der Welt in unseren Gebieten zu sein“. Kommentar der FURIOS-Autoren dazu: „Das hat uns dann doch nachdenklich gemacht. Wann hat einem jemand an der FU so viel Selbstbewusstsein mit auf den Weg gegeben?“.

Da bricht dann offenbar der Sarkasmus durch. Natürlich ist es provokant zu suggerieren, ein ultrakonservativer und christfundamentalistischer Prediger würde Studierenden mehr Selbstbewussstsein mit auf den Weg geben, als die „weltliche“ FU Berlin. Aber es ist letztlich eine recht durchsichtige Provokation, die auch nicht wirklich von der inhaltlichen Schwäche des Artikels ablenken kann.

Die zentrale Frage, wie viel Religion es an einer modernen, sich den Idealen der Wissenschaft, Emanzipation, Freiheit und Aufklärung verpflichtet fühlenden Hochschule geben sollte (Warum z.B. keine Gottesdienste?) wird eingangs zwar durchaus angeschnitten, dann aber leider nicht weiter ausgeführt.

Der NofU Messias

Auch fast schon religiös ist offenbar die Bewunderung des FURIOS-Autors und LHG-Mitglieds Björn Stephan für die NofU-Legende Hans-Eberhard Zahn. Björn idealisiert Zahn in seinem Artikel zum letzten aufrechten Demokraten, der selbst als die 68er auf dem Höhepunkt waren und quasi West-Berlin der SED ausliefern wollten, standhaft blieb und seinen Widersachern die Stirn bot.

Erst im letzten Absatz tritt Björn auf die Bremse und verhindert durch einen kritischen Hinweis auf die NofU-Methoden, dass der Beitrag vollends zur einseitgen Geschichtsklitterung mutiert.

Doch die Frage lautet am Ende auch hier ganz nüchtern: Welchen Erkenntnisgewinn bringt der Artikel eigentlich? Die FU hat Kubicki als Vorzeige-Antikommunisten ausgegraben um das Jubiläum zu zelebrieren, die FURIOS nun Zahn. Wirklich neu ist das alles nicht.

Bieder-reaktionäre Ausrichtung

Nein, die FURIOS ist nicht das Anti-AStA-Heft schlechthin, aber eine Negativfixierung auf alles traditionell Linke – bei gleichzeitiger Zelebrierung bürgerlicher Wertvorstellungen – zieht sich schon wie eine Linie durch das Blatt.

Obwohl dem Selbstverständnis nach ein 68er-Sympathisant wurde der Fotograf Axel Benzmann damals als vermeintlicher „Springer Fotograf“ vom Internationalen Vietnam-Kongress ausgeschlossen. Die fiesen 68er bewarfen den guten Zahn auch mit Farbbeuteln und überhaupt, das mit dieser Mao-Bibel war ja wohl rückblickend doch eher ein schlechter Witz.

Klar erscheint vieles was die 68er fabrizierten heute irrsinnig und fatal. Doch warum sich nur auf diese negative Seite konzentrieren?

Statt sich einmal auf diese andere, linke, vermeintlich rein nostalgisch und überholt wirkende Perspektive wirklich einzulassen und zu thematisieren warum sie streckenweise eine langsame Renaissance erlebt, feiert man lieber einen Buchbeitrag des neo- und wertkonservativen Historikers Paul Nolte, fühlt sich in die gutbürgerliche Dahlemer Villenwelt ein, idealisiert Zahns Anti-68er Position und fokussiert sich auf die tendenziell natürlich immer noch eher konservativ christlich-studentische Strömung an der FU.

Diese Mixtur aus 68er-Bashing und neu entdecktem Konservatismus gibt dem Blatt ganz offensichtlich eine politische Leitlinie – obgleich seine Macher das vermutlich verneinen würden.

Ode an die Langeweile

Nun wäre diese politische Leitlinie vielleicht sogar ein Bereicherung (da sie einen Gegenpol zum AStA und seinen Umkreis bildet), wenn die Autoren sie noch klarer und konsequenter verfolgen würden. Doch wie weiter oben im Detail bereits ausgeführt, bleibt die Provokation bei näherer Betrachtung oberflächlich und der inhaltliche Erkenntnisgewinn unterm Strich recht gering.

Einleitend geht es im Magazin um eine ironische Annäherung an den Empörungs-Kult, dem die FU-Studierende gerne anheim fallen. Als Beispiel dient die Krux mit den Schließfächern in der Philologischen Bibliothek. Witzig geschrieben, doch letztlich natürlich völlig trivial. Man hätte alternativ z.B. thematisieren können, wie Studierende bestimmter Fachrichtungen während der Prüfungsphase wegen Überfüllung von der Benutzung der Bibliothek ausgeschlossen wurden. Stattdessen macht man sich in der FURIOS-Redaktion eben lieber über KommilitonInnen lustig, die diese und andere wirkliche Mißstände empörend finden und diese Empörung zum Ausdruck bringen. Über diese Arroganz kann man sich ärgern, doch das wirkliche Problem ist eher die dahinter liegende Inhaltsleere.

Dann lernt die Leserschaft, wer bei der BVG die Person hinter der Stimme ist und dass es an der FU mehr als ein Archiv gibt. Ein weiterer Autor schreibt über die Universität Haifa, doch auch hier erfährt der/die LeserIn nichts wirklich Erhellendes. Usw., usf. Wo die Fähigkeit (oder der Wille) zur Provokation schwindet, gleitet das Magazin endgültig in die Belanglosigkeit ab.

Finanzierung

Nach Informationen von FUwatch haben FURIOSis sowohl den AStA als auch das Präsidium mit einer Bitte um finanzielle Unterstützung kontaktiert. Sei es, dass die Gespräche scheiterten bzw. wenig Erfolgsaussichten zu annehmbaren Bedingungen hatten und/oder sich die FURIOS-Redaktion bei beiden Varianten ohnehin nicht so wohl fühlte – am Ende entschied man sich auf jeden Fall für einen dritten Weg, bei dem die „Ernst-Reuter-Gesellschaft der Ehemaligen der Freien Universität“ (ERG) den Großteil der Finanzierung übernahm und der Rest durch Werbepartner beigesteuert wurde.

Die ERG fühlt sich der FU sehr eng verbunden, sie ist die offizielle Alumni-Organisation der FU mit einer Postanschrift in der Kaiserswerther Straße und einem Büro in der Habelschwerdter Allee. Sie ist ein Teil der „FU-Maschinerie“ und gleich der FU-Administration um eine positive Auswirkung der FU bemüht. So etwas wie eine kritische Distanz zur FU-Hochschulpolitik ist jedenfalls nicht erkennbar.

Und wenn in der FURIOS nun eine Story über den FU-Alumni Zahn erscheint, die von der Stoßrichtung sehr an die offizielle FU-Geschichtsschreibung erinnert (d.h., 48 gut, 68 nicht so gut), wirkt das natürlich etwas unglücklich. Man hätte dem Porträt von Zahn zumindest das eines weiteren Alumni aus der 68er-Generation gegenüberstellen können.

Unterm Strich ist die „ERG-Lösung“ aber natürlich dennoch besser, als eine Variante bei der die finanziellen Mittel direkt vom Präsidium gekommen wären. So lässt sich vielleicht doch leichter eine Unabhängigkeit nicht nur gegenüber dem AStA sondern auch gegenüber dem Präsidum sicherstellen.

Ideal wäre sicherlich eine Finanzierung allein durch Werbepartner (vorausgesetzt, es gibt etliche und nicht einen zentralen von dem man dann abhängt). Dies war ganz offensichtlich (noch) nicht zu schaffen – ohne einen Geldgeber wie die ERG ging es nicht. Zu hoffen bleibt aber, dass sich das in Zukunft ändert. Alternativ könnte man vielleicht die Produktionskosten senken (das Magazin muss allein wegen der Papierbeschaffenheit, dem Hochglanz, etc. ein kleines Vermögen in der Herstellung gekostet haben).

Fazit

Mit diese ersten Ausgabe haben die FURIOS-Autoren ein modernes Hochglanz-Campusmagazin kreiert, sprachlich und vom Layout her sicherlich ausgereifter als alles was der AStA oder ein FU-Blog (inkl. diesem hier) je produziert hat. Ferner haben einige Artikel kurzfristig für Aufregung unter StudentInnen, besonders unter den linken, asta-nahen, gesorgt. Ob dieser „PR-Coup“ zur Erregung von Aufmerksamkeit im Detail wirklich so geplant war, lässt sich schwer beurteilen, ein Erfolg war er jedoch in jedem Fall.

Doch jenseits der ein oder anderen provokanten Artikel-Trimmung, wirkt die FURIOS merkwürdig bieder und – noch fataler – auch ziemlich fade und inhaltsleer. Der Erkenntnisgewinn ist bei den meisten Artikeln gering bis nicht vorhanden. Im letzten Semester fand in einem Kommentar noch die „Freitag“ als Beispiel Erwähnung (wenn auch nicht dezidiert als Vorbild für die FURIOS, sondern als vermeintlich ausgewogene, politische Publikation), die FURIOS geht jedoch wie damals schon von mir befürchtet eher in Richtung „Monopol“.

Obwohl weder die Redakteure noch die Leserschaft der so genannten „Generation Golf“ angehören, liest sich die FURIOS letztlich genau so. Man begreift sich nicht als primär politische Blatt, oder will gar – Gott bewahre – zur Politisierung von irgendwem beitragen. Und geht es doch mal um Politik, dann ist der Tonfall eben eher konservativ, manchmal auch sarkastisch; eine Abgrenzung von den 68ern ist in jedem Fall en vogue.

Primäres Ziel ist aber offenbar, dass das Magazin unterhaltsam sein soll – auf keinen Fall möchte man riskieren, dass die Artikel durch eine inhaltliche Überladung irgendwie verkrampft wirken könnten. Alles muss locker, flockig und am Ende eben auch glatt sein.

Angesprochen werden sollen offensichtlich KommilitonInnen, die sich mit Hochschulpolitik gar nicht näher auseinander setzen wollen, die bei allen Schwächen ihre FU eigentlich ganz gerne haben, mit ihrem Studium unterm Strich zufrieden sind und bei der Idee sich z.B. mit der neusten Bachelorumfrage (oder den Demokratisierungsideen innerhalb der FU während der 60er) auseinanderzusetzen wohl eher nur genervt mit den Augen rollen. Schöngeister also, die nie die wirklich häßliche Seite der FU mit ihrer antidemokratischen Führungsspitze zu gesicht bekommen haben oder diese einfach konsequent ausblenden.

Anders als man bei der LHG glaubt, impliziert die Ansicht, dass dieses „Projekt“ überflüssig ist noch lange nicht eine Verneinung der „Pressefreiheit“. Es ist nur einfach bedauerlich, dass es offenbar an der Einsicht mangelt, dass die gegenwärtige Situation an der FU wenn dann ein Blatt bräuchte, das mehr und nicht weniger politisch ist, das deutlich mehr auf Substanz setzt.

Festzuhalten bleibt, dass man trotz der vermeintlichen und viel beschworenen Einseitigkeit von AStA-Publikationen in „FU60: Gegendarstellungen“ zumindest inhaltlich deutlich mehr über Geschichte und Gegenwart der FU erfährt, als in dieser FURIOS-Ausgabe, die sich ja auch dem FU-Jubiläum als Schwerpunkt widmet.

Zu hoffen bleibt, dass sich die FURIOS in künftigen Ausgaben wirklich drängenden hochschulpolitischen Themen widmet: Ein Rückblick auf den alternative Bildungsgipfel, die Bachelorumfrage, die Hochschulverträge, die SFB-Kritik, die Einstein Stiftung, etc. Es gibt so viele interessante und wichtige Themen, die ja keineswegs nur für eine Minderheit an der FU relevant sind. Anfangen könnte man z.B. mit einer kritischen Betrachtung der FU-Führung, die über zusammengebastelte Lenzen-Interviews und Kärcher-Metaphern hinausgeht.

Dass das eintritt ist aber wohl leider eher unwahrscheinlich, es entspricht augenscheinlich nicht dem Selbstverständnis der FURIOS. Selbst wenn es zu einem der genannten Punkte eine Analyse gibt, bleibt auch diese vermutlich an der Oberfläche um „lesbarer“ zu sein.

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Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Dezember 21, 2008

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.

Mensa I offenbar kurz vor der Schließung

Dezember 20, 2008

Wie LHG, DEFO und die FSI Wiwiss berichten, soll die Mensa I in der Van’t-Hoff-Straße im Juli 2009 geschlossen werden, so dass sie den Studierenden dann ab dem WS 09/10 nicht mehr zur Verfügung stände. Nur der Betrieb der unteren Etage soll dann zunächst (sic!) noch weiterlaufen.

Geplant ist eine Sanierung des Gebäudes für angeblich 3 bis 4 Millionen Euro. Die Angaben des dafür vorgesehenen Zeitraums variieren zwischen einem (DEFO) und zwei (LHG) Jahren. Nach der Sanierung soll das Gebäude durch die FU anderweitig verwendet werden. Es ist also nicht vorgesehen, dass dort dann wieder eine Mensa ihren Platz findet.

Nur in der unteren Etage soll auch nach der Sanierung eine Cafeteria ihren Raum finden (auch diese Angabe ist aber noch nicht sicher). Diese wird aber von den unmittelbar betroffenen Studierenden – hauptsächlich nutzen Rechts- und WirtschaftswissenschaftlerInnen die Mensa I – nicht als adäquater Ersatz angesehen. Genauso wenig wie andere Cafeterien oder Imbissbuden im Umkreis.

Es kursieren mehrere Gründe für die Schließung. So sagte ein Herr Gabriel vom Studentenwerk Berlin (welches die Mensa betreibt) gegenüber der LHG „die Auflagen der Aufsichtsbehörde für Gesundheit sein für das Studentenwerk Berlin immer schwieriger zu erfüllen“ (LHG, 17.12.08). Als weiterer Grund wird angeführt, dass die Ausnutzung der Mensa angeblich zu gering sei. Sie sei für deutlich mehr Studierende ausgelegt worden, als heute dort noch erscheinen.

Doch selbst bei vermeintlich zu geringer Auslastung ist die Mensa schon heute häufig überfüllt. Und auch das Argument, die Gesundheitsauflagen sein nur noch schwer zu erfüllen, klingt etwas vorgeschoben. Man würde sich hier zumindest etwas detailliertere Informationen wünschen: Was genau sind das für Auflagen, die angeblich kaum noch zu erfüllen sind?

Es dürfte in jedem Fall interessant sein zu sehen, was die FU zukünftig in dem Gebäude anstelle der Mensa unterbringen möchte. Vielleicht wird dann deutlicher, worum es hier wirklich geht. Doch dazu ist bisher noch nichts bekannt.

Nicht nur ist der Weg zur Hauptmensa in der Silberlaube für die betroffenen Studierenden weiter, jene die den Weg trotzdem antreten verursachen dann dort natürlich auch einen vermutlich nicht unbeträchtlichen Mehrbetrieb. Es würde dann also deutlich voller in der Hauptmensa, die bereits schon jetzt einen hohen Publikumsverkehr hat.

Zu hoffen bleibt daher, dass sich die Studierenden noch rechtzeitig gegen die Schließung wehren, also Protest organisieren können. Skandalös ist in jedem Fall einmal mehr, wie hier eine die Studentenschaft direkt betreffende Entscheidung an ihr vorbei gefällt wurde, also ohne sie zu informieren geschweige denn um ihre Meinung zu fragen.

Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 19, 2008

Rund um die Debatten zum SFB 700 wird der Tonfall am OSI immer giftiger, die Fronten scheinen zunehmend verhärtet. Während eine lose Gruppe Studierender die gegen Prof. Risse und andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete „Entbettungsaktion“ einiger SFB-KritikerInnen („Anti-SFB-Protest am OSI“) in einem offenen Brief scharf verurteilte („Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest“), es in der letzten Fachbereichsratsitzung im Vorfeld der Berufung Zürchers und Chojnackis zu einer hitzigen Diskussion kam („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“), flogen auch am Freitag vergangener Woche auf einer Diskussionsveranstaltung zur SFB-Forschung wieder die Fetzen.

Während es im „Berufungsskandal“ um eine fragwürdige Ausdehnung des Bereichs „Internationale Beziehungen“ im Kontext des SFB 700 auf Kosten der „Politischen Theorie“ als weiteren zentralen politikwissenschaftlichen Kernbereich am OSI geht, die Kritik also eine „inner-universitäre“ ist, ging es am letzten Freitag um eine kritische Beleuchtung der Außenwirkung von einigen Forschungsansätzen innerhalb des SFBs. Konkret meint dies den Vorwurf, am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) würde auch „Kriegsforschung“ betrieben. Dazu wurde der Publizist und Rechtsanwalt Detlef Hartmann von einer Gruppe sfb-kritischer Studierender aufs Podium eingeladen.

Doch bevor die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, gab es um sie bereits die ersten Auseinandersetzungen, die hier noch einmal wiedergegeben werden sollen.

Der Eklat um die Raumvergabe

Obwohl der Raum (Ihne21, HS B) für diese Diskussionsrunde – welche am Freitag den 12.12. staffinden sollte – bereits am 26.11. beantragt wurde, und auch keine reguläre Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt in dem Hörsaal stattfand, wurde das Antragsverfahren verschleppt, wie die studentische Vorbereitungsgruppe in einer Rundmail ausführt. Weiter heißt es dort, der zunächst zuständige Angestellte habe bereits bei der ersten Anfrage gesagt, die Raumvergabe für diese Veranstaltung sei „ein heikles Thema“.

Nachdem der Antrag eine Weile ruhte, kam zu Beginn der Woche, in der die Veranstaltung stattinden sollte endlich Bewegung in die Sache. Es folgte ein kleines Hin und Her Spiel, bei dem die Raumvergabe zunächst verweigert, zwischenzeitlich wieder in Aussicht und am Donnerstagnachmittag schließlich doch noch endgültig verneint wurde.

Der besagten Rundmail der studentischen Vorbereitungsgruppe zufolge hatten „verschiedene Personen“ aus der Administration vertraulich die Information durchsickern lassen, dass über die Kritik unerfreute Professoren Druck ausgeübt hätten, um die Veranstaltung zu verhindern. Weder die InformantInnen noch die besagten Professoren wurden hier jedoch namentlich genannt.

In einem weiteren auf Mailinglisten kursierenden Dokument das die geplante Anmoderation skizziert ist die Rede davon, die Raum-Zusage sei an die Frage gekoppelt worden, wie sich die Studierenden auf der vorhergehenen FBR-Sitzung am Mittwoch verhalten (so nach dem Motto, wer am Mittwoch nicht lieb ist, kriegt am Freitag keinen Raum). Wie eingangs bereits erwähnt gab es während dieser Sitzung einige hitzige Auseinandersetzungen – nicht nur zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern auch zwischen verschiedenen Professoren („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Jedenfalls waren die KommilitonInnen der studentischen Vorbereitungsgruppe auf keinen Fall bereit, sich dieser „Maßregelungsklausel“ zu unterwerfen.

Ob es nun Professoren waren die im Hintergrund Druck ausübten oder die Studierenden auf der FBR-Sitzung am Mittwoch nicht nett genug waren oder die Verwaltung einfach Angst hatte, die ohnehin angespannte Situation könne auf solch einer Diskussionsveranstaltung endgültig eskalieren: Am Donnerstagnachmittag stand fest, dass der Raum nicht bereitgestellt würde, die Veranstaltung demnach also kurzfristig hätte ausfallen müssen.

Einige engagierte Studierende wollten sich aber nicht geschlagen geben und versuchten noch vor Beginn der Diskusssionsveranstaltung während der vorhergehenden Lehrveranstaltung in den Raum zu gelangen, offensichtlich um ihn so für die anschließend geplante Diskussionsrunde in Beschlag nehmen zu können. Die FU-Administration bekam jedoch offenbar Wind von diesem Vorhaben und schickte Sicherheitspersonal. Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen die in den Raum gelangen wollten, wurden gestoßen und an ihrer Kleidung weggezerrt, wie die FSI OSI berichtet („Das Klima am OSI wird immer giftiger“, FSI OSI, 17.12.08).

Einzig allein die Anwesenheit einiger Professoren (darunter nach FSI-Angaben Funke und Ladwig) konnte die Situation entschärfen. Die Veranstaltung fand schließlich doch noch statt – sogar im größeren Hörsaal A. Dennoch wurde natürlich dann auch hier noch einmal thematisiert, wer eigentlich hinter dem Versuch gesteckt hatte, die Veranstaltung im Vorfeld zu kippen.

So kam in der Veranstaltung (direkt oder indirekt) der Vorwurf auf, die besagten Dozierenden kämen aus dem SFB und hätten durch eine Intervention eine ihnen unliebsame Diskussionsveranstaltung verhindern wollen. Dies wurde von Dr. Marianne Beisheim stellvertretend für den SFB entschieden zurückgewiesen. Sie könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand aus dem SFB versucht habe, diese Veranstaltung zu sabotieren. Die Antwort bestand neben Applaus auch aus teils höhnischem Gelächter der SFB-KritikerInnen, die dieser Verlautbarung offensichtlich nicht so recht glauben wollten.

Fakt ist: Es existiert soweit FUwatch bekannt nichts, was eine Verwicklung von SFB-WissenschaftlerInnen in die Affäre um die Raumvergabe belegen würde. Und auch die studentische Vorbereitungsgruppe oder andere SFB-KritikerInnen haben während der Diskussionsveranstaltung nichts vorgebracht, was die These SFBler sein in den Vorgang um die versuchte Raum-Verhinderung verstrickt untermauern würde.

Dennoch muss die Blockadehaltung was die Raumvergabe für diese Veranstaltung angeht aber natürlich irgendwo ihren Ursprung haben.

In jedem Fall verdeutlicht diese Vorgeschichte – neben anderen Entwicklungen – aber, warum es bereits vor dem Start der Veranstaltung so eine vergiftete Atmosphäre gab. Doch auch die Gegenseite zeigte sich über bestimmte Vorkommnisse empört.

Der Eklat um den Titel

Bereits der Titel „Who the fuck is SFB 700?“ qualifizierte die Veranstaltung für einige offenbar als unbrauchbar ab. Die Verwendung des F-Wortes ist vielleicht drastisch, derb, meint aber in diesem Kontext natürlich nur so viel wie „Wer zum Teufel ist eigentlich…“.

Eine vielleicht etwas provokative Wortwahl für eine aber natürlich durchaus legitime Frage. Wer oder was ist eigentlich der SFB? Was genau geschieht dort? Hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen war das Anliegen dieser Diskussionsveranstaltung.

Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung

Einige DiskussionsteilnehmerInnen empfanden es aber auch als skandalös, dass im Vorfeld auf einem die Veranstaltung bewerbenden Flyer im Hintergrund die Gedenktafel die am Eingang der Ihne22 angebracht ist zu sehen war. Die Gedenktafel erinnert daran, dass in dem Gebäude bis 1945 das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ untergebracht war, wo unter anderem jene menschenverachtende Rassenforschung geplant wurde, die später vom KZ-Arzt Josef Mengele in die Tat umgesetzt wurde.

Die Empörung bezieht sich also darauf, dass hier nach Ansicht der Flyer-KritikerInnen die Arbeit des SFB durch das Abbilden dieser Gedenktafel auf dem Einladungs-Flyer in die Nähe von NS-Verbrechen gerückt wurde.

Ein Vorwurf, den die InitiatorInnen von sich weisen. Es wäre ihnen nur um den letzten Satz auf der Tafel gegangen: „Wissenschaftler haben Inhalt und Folgen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu verantworten“. Und tatsächlich, sieht man sich den Flyer genau an, fällt auf, dass der letzte Satz optisch hervorgehoben wurde, sich vom Rest der Tafel abhebt. Fraglich ist jedoch, ob alle Flyer-KritikerInnen dies als Argument gelten lassen. Auch der letzte Satz auf dieser Tafel steht in einem Kontext zum Rest des Textes, wird aus diesem hergeleitet.

Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR

Dezember 16, 2008

Wie der Kommilitone Günter Barsch im Tagesspiegel berichtet, hat eine Mehrheit in der letzten Sitzung des Fachbereichsrats (FBR) PolSoz („Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“) die Berufung von Sven Chojnacki (Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung) und Christoph Zürcher (Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik) beschlossen. Günter fasst die dieser Entscheidung vorausgegangene Auseinandersetzung wie folgt ganz treffend zusammen:

„Das Gremium bestätigte damit eine Entscheidung, die in den Semesterferien aufgrund eines Studenten-Vetos vertagt, dann aber im September gefällt wurde – allerdings ohne Beteiligung mehrerer Professoren, die von ihrem Recht Gebrauch machen wollten, an den Personalentscheidungen mitzuwirken.

In Protestschreiben an Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner beklagten die Professoren sowie Studentenvertreter und die Frauenbeauftragte des Fachbereichs außerdem, dass Struktur- mit Personalentscheidungen verquickt wurden. Zudem sei versucht worden, die Berufungen ohne öffentliche Ausschreibung in den Ferien ‚durchzuboxen'“. („FU-Politologen einigen sich über Professuren“, Tagesspiegel, 12.12.08)

Wie Günter weiter berichtet, hat Dekanin Prof. Riedmüller deutlich gemacht, dass der Wissenschaftssenator die Berufungsliste keineswegs wegen Verfahrensfehler zurückgewiesen habe, was die Senatsverwaltung gegenüber dem Tagesspiegel dann auch bestätigte. Zöllner habe lediglich dazu geraten, die Abstimmung erneut durchzuführen zu lassen – „im Sinne des Klimas am Institut“ (zitiert nach ebd.).

In einem Eintrag im Hauptstadtblog hat Günter inzwischen weitere Details zu der Abstimmung im FBR veröffentlicht („Kein Kompromiss bei FU-Politologen“, hauptstadtblog.de, 13.12.08). Für die Berufung Chojnackis sprachen sich demnach 24 TeilnehmerInnen aus, 13 stimmten gegen die Berufung, eine Person enthielt sich. Für Christoph Zürchers Berufung stimmten 19 TeilnehmerInnen, 17 dagegen und 2 enthielten sich. Insgesamt waren also offenbar 38 stimmberechtigte Personen anwesend (32 ProfessorInnen, 3 Studierende und 3 wissenschaftliche MitarbeiterInnen). Die Abstimmung war nichtöffentlich.

Hitzige Debatte im Vorfeld

Unmittelbar vorausgegangen war der Abstimmung eine teils hitzig geführte Debatte zwischen den beiden Lagern. Relativ ausführlich kann man dies im FSI OSI Blog nachlesen:

„Schnell wurde klar, dass es für viele der Anwesenden nicht nur um die erneute Entscheidung über zwei umstrittene Berufungsverfahren ging. Viele der das Verfahren kritisierenden Profs (…) kritisierten vor allem die oft informelle aber mächtige Einflussname der im Sonderforschungsbereich und den Internationalen Beziehungen tätigen KollegInnen (…)

Weiterhin stellten sich viele Redebeiträge gegen eine Verlagerung des Schwerpunktes des OSI als ganzem hin zu einem ‚reinen IB-Institut‘ (Bolle). Allerdings blieb es während der öffentlichen Debatte sehr oberflächlich und kam eher nur zu Äußerungen allgemeinen Unwohlseins über die Situation.“ („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Tenure Track als letzte Rettung der Vollprofessur Ideengeschichte?

Dass es am Ende dennoch für eine Mehrheit für beide Berufungen gereicht hat, führt man bei der FSI OSI primär darauf zurück, dass in Aussicht gestellt wurde, die neue Juniorprofessur Ideengeschichte mit Tenure Track auszustatten (wie das bei der Juniorprofessur „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“ (Ladwig) zur Zeit ja bereits der Fall ist). Tenure Track bietet den Vorteil, dass eine normalerweise befristete Juniorprofessur hier nach einem bestimmten Zeitraum automatisch zur Vollprofessur wird. Den Stimmberechtigten wurde also in Aussicht gestellt, dass es doch noch eine Vollprofessur Ideengeschichte geben kann, was die zentrale Forderung der KritikerInnen war.

Ob die neu auszuschreibende Juniorprofessur allerdings wirklich mit Tenure Track versehen wird, soll am morgigen Mittwoch (17.12.) im Institutsrat (IR) geklärt werden. Dieser tritt um 9 Uhr in der Ihne21 Hörsaal B zusammen, um unter anderem auch die „Ausschreibung und Berufungskommission der Juniorprofessur ‚Politische Theorie und Ideengeschichte'“ zu diskutieren. Auf studentischer Seite ist man immer noch skeptisch, ob das in Aussicht gestellte Tenure Track wirklich in die Ausschreibung gelangt und einen verbindlichen Charakter erhält. Ein möglichst zahlreiches Erscheinen auch von Studierenden erscheint auf der morgigen IR-Sitzung daher mal wieder dringend nötig.

Zürcher der „Problem-Prof“

Auffällig bei der Abstimmung war, dass das Ergebnis im Falle Zürchers doch deutlich knapper ausfiel als bei Chojnacki. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt.

Zunächst wäre zu nennen, dass die Grundlage der beiden „verschlankten Berufungsverfahren“ eine so genannte „Rufabwehr“ war. Zürcher und Chojnacki hatten angeblich beide einen Ruf von einer anderen Universität erhalten, um sie an der FU zu halten mussten ihnen zügig unbefristete Stellen angeboten werden. So das Argument der Berufungsbefürworter.

Im Fall von Chojnacki lässt sich das leicht belegen, er hatte einen Ruf der Uni Kiel erhalten. Zürchers Ruf von einer anderen Uni blieb jedoch „geheim“, er lag angeblich nur dem Präsidium vor, niemand der Anwesenden im FBR hatte ihn je zu gesicht bekommen, was zumindest einigen Abstimmungsberechtigen offenbar recht suspekt erschien.

Es besteht darüber hinaus rechtlich aber auch noch ein Unterschied, ob ein Kandidat wie im Falle Chojnackis vom Juniorprofessor zum Vollprofessor erhoben wird oder aber er wie Zürcher bereits eine befristete Vollprofessur inne hatte und nun eine entfristete Stelle antreten soll.

Wolf Dermann hatte in einem FUwatch-Kommentar unlängst verdeutlicht, dass das Berliner Hochschulgesetz sehr wohl und ausdrücklich vorsieht, dass ein bereits an der Uni tätiger Juniorprofessor zum Vollprofessor „befördert“ werden kann (auch auf eine völlig neue Professur), ohne sich dafür einem Berufungsverfahren stellen zu müssen (§ 94, Abs. 2, Satz 2 BerlHG). Nach § 101, Abs. 5, Satz 1-2 BerlHG wäre die Berufung Chojnackis nur dann nicht möglich, wenn er seit seiner Promotion an der FU nicht mindestens zwei Jahre außerhalb der FU wissenschaftlich tätig gewesen wäre. Er war jedoch zwischendurch länger als WiMis am WZB.

Wolf hatte aber in einem Nachtrag auch eingeräumt, dass der Fall Zürcher anders liegt. Denn dieser war ja bisher nicht Juniorprofessor sondern bereits befristet als W2-Voll-Prof tätig.

Unklar ist nach wie vor auf was sich das Rechtsgutachten das der AStA in Auftrag gegeben hatte im Detail stützt. Denn dieses hatte ja offenbar beide Berufungen als rechtwidrig eingestuft. Im Kern der Argumentation geht es aber wohl darum, dass erst eine Stelle im Strukturplan eingerichtet sein muss, bevor über ihre Besetzung entschieden wird – was hier nach Einschätzung der Gutachter nicht der Fall war. Stattdessen stand die Besetzung der Professuren mit Zürcher und Chojnacki bereits fest noch bevor der neue Strukturplan verabschiedet wurde („Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“).

Von studentischer Seite wurde Zürcher darüber hinaus auch für seine Forschungsarbeit am SFB kritisiert, die FSI OSI führt aus:

„So hatte Zürcher auf einer Afghanistanreise nachweisbar sowohl für den Sonderforschungsbereich geforscht als auch eine Auftragsarbeit für das Bundesverteidigungsministerium erstellt.

Diese Umfrage, die den Studierenden in Papierform vorlag, legitimiert den Einsatz der Bundeswehr im Ausland und fordert indirekt zur Entsendung von mehr Truppen auf. Zwar wurde dieser Vorwurf der Verstrickung des SFB mit Auftragsforschung zurückgewiesen, da das eine öffentliche Forschung sei und das andere Privatsache. Überzeugend wirkte das Argument auf uns Studierende jedoch nicht. („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Trotz all dieser Bedenken reichte es jedoch wie ausgeführt auch für Zürcher am Ende. Auch seine Professur erhielt die benötigte Mehrheit.

Wie wird es jetzt weitergehen?

Zürcher war zu Beginn des Semesters kurzfristig (d.h. ungeplant) ins Ausland entschwunden („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), wird nun aber vermutlich die Berufung annehmen und zum nächsten Semester ans OSI zurückkehren.

Doch was ist mit Chojnacki? Der war ja bereits einem Ruf aus Kiel gefolgt (Personalmeldungen der Uni Kiel, August 2008). Cancelt er also seine Tätigkeit dort und kehrt ans OSI zurück? Und wenn nicht, wird die für ihn geschaffene Professur mit einer andere Person besetzt?

Die „Studentische Initiative für politische Theorie am OSI“ – und andere am Erhalt bzw. der Neubesetzung einer Vollprofessur Ideengeschichte interessierte Personen – werden nun versuchen sicherzustellen, dass die Juniorprofessur tatsächlich mit Tenure Track ausgestatett wird, da jetzt nur noch so am Ende tatsächlich auch eine Vollprofessur stehen kann.

Fazit

Die nach Meinung vieler Beobachter fragwürdige Berufung der beiden Professuren ohne Ausschreibung, die erneute Aufwertung des ohnehin schon dominanten Bereichs IB am OSI bei zeitgleichem Abbau der Ideengeschichte hatte an der FU („Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und über die FU hinaus („Widerstand gegen Abwertung der Ideengeschichte am OSI“) für viel Kritik gesorgt.

Nachdem der Versuch die beiden neuen Professuren in der Ferienzeit unter Abwesenheit vieler abstimmungswilliger Professoren „durchzuwinken“ gescheitert war, Chojnacki nach Kiel gegangen war und Zöllner die Liste zurückgewiesen hatte, sah es für einen Augenblick wirklich so aus, als hätten die KritikerInnen in dieser Auseinandersetzung die Oberhand gewonnen. Nüchtern muss man nun bilanzieren: Dem war offenbar nicht so. Die beiden Professuren wurden nun doch beschlossen.

Zu hoffen bleibt, dass Chojnacki jetzt wenigstens so konsequent ist und in Kiel bleibt. Bei Zürcher könnte man darauf spekulieren, dass der Vorgang wie hier eine befristete Stelle entfristet wurde (bzw. wie ein befristeter Prof ohne Berufungsverfahren auf eine neue entfristete Stelle „geschoben“ wurde) sich am Ende doch noch als rechtlich nicht haltbar herausstellt. Da die beiden neuen Professuren so eindeutig mit den beiden Personen verzahnt wurden, würden dann wohl auch die beiden Stellen verschwinden. Oder aber, sie existieren vielleicht doch weiter, als unbesetzte Geisterprofessuren im OSI-Strukturplan…

Darüber hinaus wird sich erst noch erweisen müssen, ob die „Tenure Track Option“ eine ernst gemeinte Offerte war oder man die KritikerInnen mit der Möglichkeit dieser Option nur ruhig stellen wollte und in Wahrheit nicht wirklich vorhat, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track zu koppeln und damit den Weg zu einer Vollprofessur zu bereiten.

Update 17.12.08

Der Blogeintrag wurde auf Basis von Informationen aus dem FSI OSI Blog redigiert und erweitert. Dies betrifft insbesondere die Tenure Track Thematik und die damit verbundende Frage, ob aus der Juniorprofessur Ideengeschichte nicht doch noch eine Vollprofessur werden kann.

Notstand in der Linguistik

Dezember 12, 2008

Die FSI Anglistik berichtet im FSI Blog von einem „Notstand in der Linguistik“. Ein Professor (Ekkehard König) geht nach diesem Semester in den Ruhestand, seine Stelle wurde aber erst jetzt neu ausgeschrieben und wie üblich dürfte sich das Berufungsverfahren in die Länge ziehen. Mit König gehen auch die meisten seiner MitarbeiterInnen, was zu einem „absoluten Notstand an Lehrenden und Prüfungsberechtigten für die Linguistik“ führen wird:

„Die Folge: das Lehrangebot für die Linguistik wird deutlich unter dem in der Studienordnung festgelegten Soll liegen und zusätzlich kaum von prüfungsberechtigten Dozierenden angeboten werden. Damit wird es fast unmöglich werden, eine BA-Arbeit in der Linguistik zu schreiben bzw. eine/n Prüfer/in für das Fachgebiet Linguistik zu finden.

Dies ist ein Anliegen, das alle Studierenden betrifft – BA, MA, aber besonders Magister und altes Lehramt, da sich zur Zeit eine besonders große Menge an Studierenden prüfen lassen möchte/gezwungen ist, die Prüfung so schnell wie möglich abzulegen; die Frist für Magister- und Lehramtstudierende ist Ende 2010.“ („FSI Anglistik: Notstand in der Linguistik“, FSI Blog, 09.12.08)

Gerade vor dem Hintergrund, dass die noch in den alten Studiengängen studierenden KommilitonInnen bis 2010 fertig sein müssen, ist diese Situation natürlich absolut fatal. Die FSI weist auch darauhin, dass so die Regelstudienzeit nicht mehr einzuhalten sein wird, was inbesondere für Studierende die Bafög erhalten zu einem Problem wird. Die FSI sieht sogar die „Linguistik als integralen Bestandteil des Studiengangs Englische Philologie in ihrer Gesamtheit am Institut gefährdet“.

Gefordert wird daher eine beschleunigte Neubesetzung der dringend benötigten Professur, sowie die Einstellung von zusätzlichen, prüfungsberechtigten Dozierenden. Ist dies nicht möglich sollte die Prüfungsordnung dahingehend geändert werden, dass auch nicht habilitierte DozentInnen eine Prüfungsberechtigung erhalten. In Zukunft sollten Stellen früher ausgeschrieben werden.

Um diese Forderungen durchzusetzen hat die FSI eine Unterschriftenliste initiiert. Die Listen liegen im Café (JK 29/231) und im Büro der studentischen Studienberatung (JK 29/202) aus. Zu hoffen bleibt, dass die Listen dann auch tatsächlich etwas bringen.

Obwohl der Stellenabbau natürlich auch große Institute hart trifft, fällt er für kleinere oft noch deutlich fataler aus, weil diese dann kaum noch den Lehrbetrieb aufrecht erhalten können. Zuletzt waren es Studierende der Romanistik, die gegen einen Stellenabbau protestierten („RomanistInnen wehren sich mit offenem Brief gegen Stellenkürzung“).

Der hier vorliegende Fall ist natürlich insofern anders, als dass ja keine Stelle gestrichen werden soll, ihre Neubesetzung nur vermutlich zu lange dauern wird und viel früher hätte eingeleitet werden müssen.

Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest

Dezember 11, 2008

Es gibt Neues von der legendären Mailingliste der „Nachwuchsgruppe Sektion IB der DVPW“. In einem an Dr. Lars Brozus und Prof. Thomas Risse adressierten und an die „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB700“ gerichteten offenen Brief, protestiert eine Gruppe die sich schlicht die „Unterzeichnenden“ nennt gegen den Anti-SFB-Protest am OSI:

„Wir streiten nicht ab, dass die Verantwortung der Wissenschaft bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft ein überaus wichtiges und diskutierenswertes Thema ist. Es besteht bei jeder wissenschaftlichen Arbeit die Möglichkeit, dass Erkenntnisse ge- oder missbraucht werden, um politische oder militärische Ziele und Methoden durchzusetzen bzw. zu legitimieren. Die Lösung für dieses Problem kann nicht das Ende jeder Forschung sein. Es muss vielmehr eine offene und ehrliche Diskussion über ihre Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen geben, die auch vor der Verantwortung der Beteiligten nicht haltmacht.

Wir sind allerdings empört und verärgert, dass bei den jüngsten Demonstrationen indirekte Drohungen gegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB ausgesprochen wurden und dabei der SFB-Sprecher persönlich diffamiert wurde. Das Recht auf freie Meinungs-äußerung soll, kann und darf nicht dazu verwendet werden, die Würde der Person zu verletzen. (…)“

Man wolle zwar niemand mundtot machen, aber Kritik müsse in einer „konstruktiven und respektvollen Art und Weise“ vorgebracht werden. Der Brief der auf den 21.11. datiert spielt offensichtlich auf die so genannte „antimilitaristische Entbettungsaktion“ vom 12.11. an, bei der eine Papp-Figur mit dem Gesicht des SFB-Sprechers Thomas Risse zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet und Federn lassend am OSI-Eingang „ausgestellt“ wurde. Ferner wurden blutige Kissen an den Türen der Büros der „verantwortlichen ForscherInnen des SFB 700“ (O-Ton Indymedia) befestigt.

Die Aktion war zweifellos drastisch und wurde auch auf FUwatch kritisch betrachtet („Anti-SFB-Protest am OSI“). Dem steht gegenüber, dass die Aktion bewusst Studierende aufrütteln sollte, die sich mit dem Sachverhalt bisher gar nicht oder zu wenig auseinandergesetzt hatten. Die symbolische Aktion wurde darüber hinaus mit Flyern begleitet auf denen Interessierte auch nachlesen konnten, worum es hier inhaltlich geht.

Dass die „Unterzeichnenden“ in ihrem Brief zu der Einschätzung kommen, dass es eine „offene und ehrliche Diskussion über die Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen der Forschung“ des SFB geben sollte, ist sicherlich löblich. Nur passiert genau das eben am OSI bisher nicht, es gab bis dato keine wirkliche Debatte die sich auch kritisch mit der Forschung des SFB 700 auseinandersetzte. Also ist eines der Ziele der SFB-KrtikerInnen zunächst einmal auch Aufmerksamkeit für den Sachverhalt zu erzeugen.

Die Frage ist, wie ernst es den „Unterzeichnenden“ mit einer kritischen SFB-Auseinandersetzung ist. Der Brief ist von insgesamt 15 Personen unterzeichnet. Darunter Natascha Braumann, studentische Mitarbeiterin bei Risse, Mathias Großklaus, studentischer Mitarbeiter bei Börzel, Manuel Domes, studentische Hilfskraft bei Zürn, Matthias Conrad, studentischer Mitarbeiter am SFB, Philip Schleifer, studentischer Mitarbeiter bei Liese, Adrien Detges, als Alumni am JMC geführt, Susanne Langsdorf, MAIB Studentin, etc., pp.

Insgesamt alles IB-affine Studierende und Mitarbeiter, einige davon direkt mit dem SFB bzw. mit am SFB forschenden Dozierenden verbunden. Und keiner von ihnen ist bisher sichtbar dadurch aufgefallen, dass er/sie sich kritisch mit den Vorgängen am SFB auseinandersetzt. Vermutlich wüssten viele von ihnen gar nicht von der zunehmenden Kritk am SFB, wenn es nicht auch solche Aktionen wie die von ihnen als empörend empfundene gäbe.

Verweis auf Trenkamps Tätigkeit für die FU-Pressestelle vom Netz genommen

Dezember 10, 2008

Wie FUwatch unlängst feststellte, war der heutige SPON-Journalist und OSI-Alumnus Oliver Trenkamp nach Angaben der FU auch für die „Kommunikations- und Informationsstelle“ an der FU tätig. Erwähnenswert ist dies insofern, als dass diese Tätigkeit zum einen in Trenkamps kurzem Lebenslauf bei Spiegel Online nicht auftaucht und zum anderen, da er unlängst einen Artikel auf SPON veröffentlichte, der die Festlichkeiten zum 60. Jubiläum auch etwas kritischer sieht.

Eine aufmerksame FUwatch-Leserin hat nun festgestellt, dass der Verweis auf Trenkamps FU-Tätigkeit urplötzlich aus dem Netz verschwunden ist und sich nur noch im Google-Cache wiederfindet. Trenkamp hatte in 2005 und 2008 insgesamt drei Artikel im FU-eigenen Wissenschaftsmagazin „fundiert“ publiziert („Justitia und die Speichel-Spur“, „Stolz und Vorurteil“, „Glücksfinder“). Diese Artikel als solche sind auch noch vorhanden, nur eben nicht mehr die Angaben zu Trenkamp als Autor.

Der Hinweis auf Trenkamps Tätigkeit für die Pressestelle der FU ist sicherlich brisanter als die Tatsache, dass er in „fundiert“ veröffentlicht hat. Denn das Wirken in einer Pressestelle die als PR-Instrument das hinter ihr stehende Organ positiv dastehen lassen möchte passt nur schwer in die Vita eines Journalisten der sich als unabhängig und kritisch versteht. Hat also Trenkamp selbst die Löschung des Verweises im Webangebot der FU erbeten? Oder war es wie die erwähnte FUwatch-Leserin vermutet vielleicht die FU selbst, der es peinlich war, dass ein heute kritisch über sie berichtender Journalist früher mal in ihrer Pressestelle tätig war? Waren die Informationen am Ende gar unrichtig und wurden deshalb entfernt?

Natürlich könnte das Verschwinden der entsprechenden Einträge zum Autoreninfo (es gibt zwei, 2005 wurde Trenkamp als Mitarbeiter der Pressestelle und Journalist geführt, 2008 als Politikwissenschaftler und Journalist) durchaus auch Zufall sein. Denn die Websiten die sich mit dem Background der Autoren der fundiert-Beiträge befassen sind alle aus dem Netz genommen worden. Gut denkbar, dass es sich hier um ein normales Update des Webauftritts gehandelt hat, da sich die Vita der Autoren weiterentwickelt und keiner Lust hat die entsprechenden Websites ständig zu aktualisieren. Etwas merkwürdig bleibt der Vorgang aber dennoch…

Die erste FURIOS ist da

Dezember 9, 2008

Am Montag erschien endlich die lang erwartete erste Ausgabe des FURIOS getauften, neuen studentischen FU-Magazins. Ähnlich wie der AStA mit seinem Magazin „FU60: Gegendarstellungen“ haben auch die FURIOS-Macher das 60. Jubiläum der FU zum Schwerpunkt ihrer ersten Ausgabe erkoren.

Anders als das erklärte Vorbild, die „Unaufgefordert“ (UnAuf) die an der HU erscheint und inzwischen auf eine durchaus beachtliche Anzahl von Ausgaben verweisen kann, wollten die Macher der FURIOS sich allerdings nicht von finanziellen Zuwendungen einer StuPa-Mehrheit abhängig machen (welche sie vermutlich auch gar nicht bekommen hätten).

Nach Berichten der taz steht die UnAuf auf der Kippe, da das HU-StuPa erstmals kein Zeitschriften-Haushalt für das kommende Jahr beschlossen hat. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung mit dem RefRat bei der es nach taz-Angaben um Binnen-Is und eine fragwürdige Berichterstattung im Fall einer mutmaßlichen sexuellen Belästigung durch einen Professor geht („Geld nur für genehme Berichterstattung“, taz, 27.11.08). Der Artikel zeigt aber auch den Hintergrund eines schon lange schwelenden Konflikts zwischen UnAuf und RefRat auf.

Um nicht in vergleichbare Konflikte mit dem AStA FU zu kommen, versuchte die FURIOS-Redaktion erst gar nicht, von dort Mittel zu erbeten. Man suchte sich die Geldgeber lieber woanders. Im Editorial hat die Redaktion nun bekanntgegeben, dass die erste Ausgabe der FURIOS von der „Ernst-Reuter-Gesellschaft der Ehemaligen der Freien Universität“ finanziert wurde. Ob das nun wirklich die bessere Wahl war, um sich die Unabhängigkeit zu bewahren? Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch dies sicherlich noch einmal Gegenstand einer ausführlichen Rezension auf FUwatch sein.

Die FURIOS verfügt auch über eine Website in modernem Design: www.furios-campus.de. Mit einem netten Script kann man sich hier durch ein paar Beispielseiten des Magazins klicken. Dabei handelt sich es jedoch nur um JPEGs von denen die meisten zu klein gehalten sind, als dass man sie wirklich angenehm lesen könnte. Das ist aber wohl auch so gewollt, es geht nur um eine Vorschau.

Um eine PDF-Version zu finden, muss man schon etwas tiefer graben. Versteckt im „Presse“-Unterverzeichnis gibt es dann zumindest eine PDF-Vorschau-Version die einige Artikel enthält. Eine PDF-Datei der Endversion mit allen Artikeln sucht man dagegen vergeblich. Noch besser wäre sicherlich ein modernes Content Management System, bei dem sich dann jeder einzelne Artikel individuell ansteuern und z.B. auch kommentieren lässt. So viel Interaktion ist von der Redaktion allerdings wohl nicht vorgesehen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Zurückhaltung in Sachen Online-Verfügbarkeit dann eine entsprechend hohe Anzahl an Print-Ausgaben gegenübersteht. Denn ein Campus-Magazin, das man nicht auf dem Campus findet, wird sich nur schwer durchsetzen.

Natürlich gibt es zur ersten Ausgabe auch eine Release-Party. Die findet am kommenden Freitag, den 12.12. um 18:15 Uhr in der Rostlaube, Raum JK 28/130 statt. Und wer bis dahin keine FURIOS-Ausgabe ergattern konnte, kriegt vielleicht dort eine.

Update 10.12.08

Richtigstellung: Anders als oben dargestellt, hatte die FURIOS-Redaktion zunächst versucht auch beim AStA eine finanzielle Unterstützung zu erbeten.

Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt

Dezember 8, 2008

Obwohl Prof. Chojnacki bereits einem Ruf an die Uni Kiel gefolgt ist und Prof. Zürcher kurzfristig alle seine Lehrveranstaltungen in diesem Semester abgesagt hat und seither nicht mehr gesehen war („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), verfolgt der Fachbereichsrat (FBR) PolSoz offenbar weiterhin die mehr als umstrittene Berufung der beiden Professuren.

„Das von Dekanin Barbara Riedmüller vorangetriebene ’schlanke Berufungsverfahren‘ war damit begründet worden, dass Chojnacki und Zürcher beide einen Ruf an andere Universitäten erhalten hätten, aber an der FU gehalten werden sollten. Mittlerweile hat jedoch Chojnacki das OSI verlassen und eine Professur in Kiel angenommen, so dass eine ‚Rufabwehr‘ gar nicht mehr möglich ist.

Im Falle Zürchers gibt es Hinweise, dass er gar keinen Ruf einer anderen Universität als Vollprofessor erhalten hat. Zudem gibt es offenbar Unregelmäßigkeiten mit der Bewerbung Zürchers am OSI: Einem studentischen FBR-Vertreter konnte nur ein Lebenslauf, aber kein Bewerbungsschreiben vorgelegt werden.“ (Flyer der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“)

Darüber hinaus hatte Wissenschaftssenator Zöllner die ihm vorgelegte Berufungsliste mit dem Hinweis auf Verfahrensfehler abgelehnt und eine erneute Abstimmung gefordert:

„Wissenschaftssenator Zöllner kritisierte die ‚politische Kultur‘ am OSI, auch weil im vergangenen Semester ProfessorInnen die Möglichkeit der Stimmabgabe im Berufungsverfahren verweigert wurde. Die Streichung der Vollprofessur ‚Politische Ideengeschichte‘ im OSI-Strukturplan, um zwei für Chonjacki und Zürcher maßgeschneiderte Konfliktforschungs-Professuren zu schaffen, hatte in Wissenschaftlerkreisen für Aufregung gesorgt.“ (ebd.)

Am kommenden Mittwoch (10.12.08) soll in der FBR-Sitzung um 9 Uhr in der Ihne21, Hörsaal B nun in einem zweiten Anlauf erneut versucht werden, die beiden Professuren durchzuwinken.

Was das jetzt noch überhaupt bringen soll, wenn Chojnacki bereits weg und Zürcher wohl auch am gehen ist, bleibt unklar. In jedem Fall hätte die Einrichtung der Professuren aber wohl den endgültigen Untergang der Vollprofessur Ideengeschichte zur Folge.

Es empfiehlt sich daher dem Aufruf der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“ zu folgen und möglichst zahlreich am Mittwoch zur besagten FBR-Sitzung zu erscheinen, um Protest gegen die Berufungen zum Ausdruck zu bringen und eine Diskussion am Institut über den Strukturplan einzufordern.

Kürzungen bei Grundhaushalt und Leistungsmitteln

Dezember 5, 2008

Die anstehende Neuverhandlung der Hochschulverträge steht seitens der Berliner Unis unter dem unguten Vorzeichen erhöhter Ausgaben, vor allem durch gestiegene Energiekosten und Tarifzahlungen (Gehälter). Die Unis benötigen dringend mehr Zuschüsse, der Senat wird diese mit hoher Wahscheinlichkeit aber nicht im benötigten Umfang bewilligen (siehe „Die Unis brauchen 10 Prozent doch Sarrazin will nur 2 geben“). Diese Erwartung plus einem unguten Abschneiden der FU bei der Leistungsmittelvergabe führt nun schon jetzt zu einer erneuten Sparrunde an der Exzellenzuni.

Neben dem so genannten Grundhaushalt der 70% des Gesamthaushalts ausmacht und direkt mit dem Berliner Senat ausgehandelt wird, bilden so genannte Leistungsmittel weitere 30% des Gesamthaushalts der FU. Die Höhe dieser Leistungsmittel ergibt sich aus einem Wettbewerb mit den anderen beiden großen Berliner Unis, der HU und der TU. Hier hatte die FU nun das Nachsehen, wie der Tagesspiegel bereits vor einem Monat berichtete:

„(…) Die Grundlage für die Berechnung der 2008 vergebenen Gelder allerdings sind Leistungsdaten von 2006. Die Ergebnisse aus dem Elite-Wettbewerb im letzten Herbst – die FU wurde als einzige Berliner Hochschule zur Elite-Uni gekürt – spiegeln sich daher noch nicht in der Geldverteilung wider.

Der Senat vergibt einen Teil seiner Zuschüsse – in diesem Jahr 30 Prozent – auf der Basis von Leistungen in Forschung und Lehre sowie Gleichstellung. Die Daten veröffentlichte der Senat jetzt im Internet. Insgesamt erhält die HU von den anderen Unis 1,3 Millionen Euro. Die TU muss 239 000 Euro abgeben, die FU 1,1 Millionen. Der größte Teil des HU-Gewinns geht auf die Forschung zurück, bei der vor allem die Drittmittel der Unis gewertet wurden. Hier war gleichzeitig der FU-Verlust am größten.

FU-Präsident Dieter Lenzen erklärte, der Generationswechsel mache seiner Uni zu schaffen. Derzeit müssten hundert Professuren neu besetzt werden. Neue Professoren bräuchten zudem einige Zeit, bis sie erfolgreich Drittmittel einwerben. Die Vorbereitung des Elite-Wettbewerbs hätte zudem zahlreiche Kräfte gebunden.“ („Humboldt liegt beim Senat vorn“, Tagesspiegel, 05.11.08)

Trotzt ihres Sieges im Exzellenzwettbewerb muss die FU hier also zunächst einmal hinter der HU und der TU zurückstecken und daher 1,1 Millionen Euro abgeben, d.h., einsparen. Doch damit nicht genug, neben diesen 1,1 Millionen hat sich die FU Berichten aus dem FB PhilGeist zufolge selbst noch einmal zusätzlich die Sperrung von 15 Millionen Euro bei der Grundfinanzierung auferlegt.

Diese als „strukturelles Defizit“ bezeichneten 15 Millionen Euro hat die FU angeblich schon länger vor sich hergeschoben, in der Hoffnung, in Zukunft höhere Zuschüsse vom Land Berlin zu bekommen. Nun sieht die FU jedoch nur noch wenig Chancen, dass das im Zuge der Neuaushandlung der Hochschulverträge tatsächlich passieren wird und hat daher beschlossen, sofort die nötigen Kürzungsmaßnahmen einzuleiten.

Die verschiedenen Fachbereiche der FU wurden aufgefordert zu prüfen, wo die Gesamtsumme von nun mehr 16,1 Millionen Euro eingespart werden kann – und zwar noch in diesem Semester.

Allein der Fachbereich PhilGeist soll 400.000 Euro einsparen. Insbesondere die Stellen der personengebundenen studentischen Hilfskräfte und die der sonstigen MitarbeiterInnen geraten daher nach einem Bericht aus dem Fachbereich in den Mittelpunkt der Kürzungspläne. Ähnliche Szenarien sind sicherlich an anderen Fachbereichen zu erwarten.

Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 4, 2008

Wie der FSI Blog berichtet (und wie es auf zahlreichen Flyern am OSI nachzulesen ist) findet am Freitag, den 12.12. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit dem Publizisten Detlef Hartmann im Hörsaal B der Ihne21 zum Thema „Who the fuck is SFB 700?“ statt. Über den SFB heißt es auf dem Flyer:

„Vier Unis, zwei weitere Forschungseinrichtungen und fünf FU-Institite sind beteiligt / Über die Hälfte aller OSI-Professuren ist involviert / Neue Profs werden auf Kompatibilität mit IHM geprüft / ER hat ein MILLION€NBUDGET von der Deutschen Forschungsgesellschaft / 30 Promovierende werden auf IHN konzentriert / Die Vollprofessur Politische Ideengeschichte wurde IHM geopfert / Die Ihnestr. 26 wurde für IHN geräumt / Räume der OSI-Bibliothek will er AUCH haben…“ (Einladungs-Flyer)

Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner „Kriegsforschung“ ausgesetzt (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“ und „Anti-SFB-Protest am OSI“).

Der Gastredner, Detlef Hartmann, gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an und hat mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ eines der bisher zentralen Papiere zur SFB-Kritik verfasst.

Noch interessanter wäre die Veranstaltung natürlich, wenn man Hartmann auf dem Podium einen namenhaften Repräsentanten des SFB gegenüberstellt. Davon ist jedoch auf dem Flyer keine Rede, woraus sich schließen lässt, dass die InitiatorInnen entweder keine entsprechenden Anfragen gemacht haben oder aber, dass es solche Anfragen gab, niemand aus dem SFB jedoch willens war, sich der Kritik zu stellen.

Einen Besuch Wert ist die Veranstaltung aber sicherlich auch so und vielleicht erscheinen ja doch noch ein paar SFB-Verteidiger.

FU feiert sich mit PR-Film selbst, 68er wieder außen vor

Dezember 3, 2008

Nicht nur der RBB beschäftigt sich zum 60. Jubiläum der FU mit der Gründerzeit, auch die FU selbst hat einen Film produziert, in welchem die eigene Geschichte beweihräuchert wird.

„Der Film greift mehrere Stationen der Geschichte der Freien Universität auf: die Gründung im Jahr 1948 auf dem historisch bedeutsamen Wissenschaftscampus Dahlem, die Achtundsechziger-Bewegung, die Veränderungen nach dem Fall der Mauer und die Auszeichnungen im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Dabei war die Freie Universität mit mehreren Graduiertenschulen und Clustern sowie mit ihrem Konzept einer internationalen Netzwerkuniversität erfolgreich.“ („Neues Filmporträt der Freien Universität Berlin“, campus.leben, 31.10.08)

Wie vom traditionell „proprietär-lastigen“ CeDiS eigentlich auch nicht anders zu erwarten, wird das elfminütige Video nur im „Windows Media Video“ (WMV) Format über das „Microsoft Media Server Protokoll“ (MMS) als Stream bereitgestellt.

Die Dokumentation zielt im Kern darauf ab, eine durchgängige Erfolgslinie von der FU-Gründung 1948 bis zur Exzelleninitiative 2007 zu ziehen. Oliver Trenkamp fasst das in einem SPON-Artikel so zusammen:

„Die FU feiert diese Geschichte jetzt mit viel Pomp und Pathos. Zu ihrem 60. Geburtstag hat sie sogar einen Werbefilm produzieren lassen, der einen Bogen spannt von der Gründung 1948 bis zur Exzellenzinitiative 2007 – da bekam die FU das Elite-Siegel. Alles wirkt sehr geradlinig, zielstrebig, erfolgsorientiert. Tenor: Eigentlich waren wir immer schon spitze.“ („Student Nummer eins“, Spiegel Online, 02.12.08)

Das Ganze hat System, erst vor kurzem veröffentlichte die FU eine Pressemitteilung in der auf drei neue Bände über die Wissenschaftsgeschichte der FU hingewiesen wurde, die von Siegward Lönnendonker und Stanislaw Karol Kubicki herausgegeben wurden. Titel des ersten Bandes: „Die Freie Universität Berlin 1948–2007. Von der Gründung bis zum Exzellenzwettbewerb“.

Lönnendonker, der von der FSI Geschichte als „ein weiterer nach rechts gewendeter Alt-68er“ beschrieben wird, machte im RBB Film keine gute Figur bzw. hatte zumindest offenbar kein Problem mit der dort verkürzten und tendenziell negativen Darstellung der 68er Proteste an der FU. Der FU-Werbefilm ist dagegen noch stärker als die RBB-Doku auf Kubicki zugschnitten, der als erster an der FU immatrikulierter Student und Kämpfer gegen die Auswirkungen des Realsozialismus an der HU in den Gründerjahren, zu einer Art Jubiläums-Maskottchen der FU stilisiert wird.

Im SPON-Artikel wird dagegen zumindest auch auf die sicherlich kritisch zu sehende Mitgliedschaft Kubickis in der berüchtigten „Notgemeinschaft für eine freie Universität“ (siehe dazu auch langzeitstudis-Blog) hingewiesen:

„Zusammen mit anderen Profs gründet er [Kubicki, Anm. FUwatch] die ‚Notgemeinschaft für eine freie Universität‘, eine ziemlich konservative Runde. ‚Ihr Ziel: die Öffentlichkeit fortlaufend über die Lage der von ‚Unterwanderung und Terror bedrohten Hochschule‘ zu informieren‘, schreibt der SPIEGEL. Man führt Buch über linke Veranstaltungen und verfasst Namenslisten mit angeblichen Verfassungsfeinden. Über ihre eigenen Mitglieder schweigt die ‚Notgemeinschaft‘ sich aus – die Bedrohung durch Linke sei zu groß. Kubickis Stimme klingt noch heute abfällig, wenn er auf die 68er angesprochen wird.“ („Student Nummer eins“, Spiegel Online, 02.12.08)

So kann es dann auch wenig überraschen, dass den 68ern im PR-Streifen der FU sogar noch weniger Platz eingeräumt wird, als in der RBB-Dokumentation:

„Der FU-Jubiläumsfilm überspringt diese Epoche fast komplett. Wenige verschämte Sätze ringt sich ein Sprecher aus dem Off ab: ‚Ein zentraler Ort der Auseinandersetzungen zwischen den Generationen‘ sei die Uni gewesen. ‚Obwohl man heute auch den politischen Übereifer erkennt, gingen damals von Dahlem wichtige Impulse aus für mehr Offenheit, Gleichberechtigung und Demokratie in Deutschland.‘ Schnitt: Mauerfall. Schnitt: Exzellenzinitiative und Sektgläser. 40 Jahre in vier Sekunden.“ („Student Nummer eins“, Spiegel Online, 02.12.08)

Die moderne FU, also eine an der der Präsident durch die FTD und das CHE auch schon mal zum „Hochschulmanager des Jahres“ gekürt wird, hat mit ihrem Werbefilmchen einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie wie vermutlich keine zweite deutsche Uni auf der PR- und Marketing-Orgel zu spielen weiß. Es wird eine durchgehende Linie von der Gründung als antikommunistisches Bollwerk im Jahre 1948 bis hin zur perfekt marktgerechten und leistungsorientierten Exzellenz-Uni im Jahre 2007 gezogen. Die Epoche der 1968er, und hier besonders die zwischenzeitlichen Fortschritte hinsichtlich der Teil-Demokratisierung der FU, passt da nicht so ganz ins Bild und wird entsprechend marginalisiert.

SPON muss man zumindest zugestehen, dass diese geglättete Historie nicht einfach 1:1 übernommen wird, sondern auch ein paar kritische Anmerkungen fallen. Bemerkenswert in diesem Kontext: Der Autor des SPON-Artikels und OSI-Absolvent, Oliver Trenkamp, war auch mal „Mitarbeiter der Kommunikations- und Informationsstelle der Freien Universität“, also eben jener Stelle an der FU die für solche Werbearbeiten zuständig ist, die Trenkamp jetzt im SPON-Artikel durchaus auch kritisch betrachtet.