Wenn Schafe Identität schaffen

In einem sehr guten, ausführlichen Artikel rechnet der Kommilitone Ralf Hutter in Telepolis mit den diversen Hochglanz-Uni-Magazinen ab, die an Hochschulen ausliegen (siehe dazu auch kurz „Institutstag – Ein kurzer Rückblick“, zweiter Absatz).

Bahnbrechend neue Erkenntnisse fördert der Artikel dabei zwar nicht zutage (er bestätigt im Wesentlichen, was jeder sich denken kann, der einmal einen Blick in so ein Magazin wirft), erstmals werden besagte Uni-Magazine aber etwas systematischer unter die Lupe genommen und der Leser bekommt auch einen Einblick in die redaktionelle Arbeit (wenn man es denn so nennen kann) hinter diesen Broschüren.

„Im Folgenden wird, nach einer Vorstellung der analysierten Titel, auf drei Aspekte Bezug genommen: Die mangelhafte, oft gar nicht vorhandene Trennung von Inhalten und Werbung; die Perspektiven auf Bildungs- und Hochschulpolitik; und die allgemeinere, v.a. auf die Welt der Lohnarbeit bezogene, Ideologieproduktion.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Dadurch dass Ralf zwischendurch auch immer wieder bizarre Fallbeispiele zitiert, ist der Text auch nie zu trocken:

„Eine Professorin für Design von der FH Dortmund initiierte letztes Jahr ein Projekt, im Zuge dessen Schafe auf dem Campus gehalten werden. „Die Idee zum Kauf der Schafe entstand durch einen Besuch an unserer Partnerschule in Moskau, die ein eigenes Haustier, eine Katze besitzen. Wir haben das Phänomen des dadurch entstehenden Gefühls der Verortung, der Zugehörigkeit bei den Studenten wie auch den Lehrenden gesehen und sagten uns: ‚Das brauchen wir auch.'“

(…) Ungeahnte Zusammenhänge zwischen Mensch und Tier werden offenbar: „Schafe schaffen Identität und Zugehörigkeit und dies in einer Zeit, in der manche Menschen Unsummen an Kilometern zurücklegen und die Zeit, die man in andere Lebewesen investiert meist über Mail, Handy und Palm definiert wird“.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Doch natürlich geht es in diesen Gazetten nicht nur um solchen surrealen Klamauk, Ralf zeigt auch auf, wie vermeintlich unideologisch Aufmachungen hier Ideologie transportieren.

„Auf dieser Linie ist generell auch Unicum. Auslandsaufenthalte, Praktika schon im Studium, ständiges Denken an den Lebenslauf – eben die totale Verwertbarkeit – werden durchweg als unhinterfragbare Lebensbestandteile und -bedingungen dargestellt.“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Ralf kommt abschließend zu dem Ergebnis:

„Obwohl nicht alle in diesem Artikel formulierten Vorwürfe auf alle behandelten Zeitschriften zutreffen und auch keine exakte Darstellung, keine wissenschaftliche Inhaltsanalyse geleistet werden sollte, dürfte doch klar geworden sein, dass die den Studierenden in Deutschland angebotenen Periodika ihnen wenig wirklich Gutes bringen. Salopp ausgedrückt: Es handelt sich um Jugend gefährdende Schriften, die unsere Kids ideologisch versauen!“ („Jugend gefährdende Schriften“, Telepolis, 27.04.08)

Der Artikel ist zwar etwas länger (für Telepolis), jedoch definitiv lesenswert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: