Archive for Februar 2008

Bologna brennt – aber nur ein bisschen

Februar 15, 2008

Spiegel Online berichtete gestern über einen Projektbericht der „Hochschul-Informations-System GmbH“ (HIS), welche ähnlich umstritten wie das CHE ist und deren Veröffentlichungen daher immer mit besondes kritischem Blick zu lesen sind.

Obwohl von Spiegel Online als Aufmacher gewählt wurde, dass die BA-Abbrecherquote laut Bericht überraschend hoch sei, wird im Artikel selbst dann fleißig relativiert:

„Der Zwischenstand: In Deutschland verabschieden sich besonders viele Studenten ohne Abschluss von der Hochschule. Studieren jetzt wirklich mehr Leute zu Ende als bisher? Laut der Hochschul-Informations-System (HIS) hat sich die Abbrecherquote der deutschen Studenten deutlich verringert, sie liegt bei 20 Prozent. Doch die neuen Bachelor-Studiengänge bedeuten keineswegs für alle Fächer eine Verbesserung. An den Unis scheiterte von den Studienanfängern der Jahre 2000 und 2004 insgesamt jeder vierte Bachelor-Student, an den Fachhochschulen waren es sogar 39 Prozent.

‚Die hohen Abbrecherquoten können aber nicht dazu dienen, das Konzept der neuen Studienstrukturen oder sogar den gesamten Bologna-Prozess in Frage zu stellen‘, sagt HIS-Projektleiter Ulrich Heublein. Er weist auf die ‚Anfangs- und Umstellungsschwierigkeiten‘ hin, die so ein gravierender Umbruch eben mit sich bringe. Insgesamt gebe es eine positive Entwicklung, ‚wir haben nur noch einige Sorgenkinder.‘

Denn von Fach zu Fach ist es sehr unterschiedlich, wie viele Studenten aufgeben. So ist die Quote der Studienabbrecher in den Geisteswissenschaften deutlich gesunken. Sie liegt immer noch bei 27 Prozent, bei der letzten Studie waren es aber noch fünf Prozent mehr. ‚Ich habe den Eindruck, dass der Berufsbezug, den die Fächer neuerdings bekommen haben, eine wichtige Rolle spielt‘, so Heublein: Die Orientierungslosigkeit, die früher oft zum Abbruch geführt habe, falle weg; der Bachelor schaffe einen klareren Rahmen.“ („Überraschend viele Abbrecher im Bachelor-Studium“, Spiegel Online, 14.02.08)

Man kann dies durchaus positiv sehen, da hier offenbar versucht wird den Sachverhalt auszudifferenzieren. Es wird unterschieden zwischen Fächern bei denen die Abbrecherquote beim BA gestiegen ist und solchen bei denen sie gesunken ist, zwischen Universitäten und Fachhochschulen, zufriedenen Absolventen und unzufriedenen Abbrechern, usw.

Gleichzeitig wirkt das Ganze dadurch aber auch schwammig. Es gibt zwar Probleme, aber eigentlich keine richtigen. Der Bologna Prozess funktioniert nicht wie die Reformer es sich gedacht hatten, gleichzeitig verweisen die Ergebnisse aber angeblich nicht darauf, dass der Bologna Prozess als solcher in Frage gestellt werden müsste. Es brennt zwar, aber alles ist unter Kontrolle.

Es bleibt der ungute Eindruck zurück, HIS versucht die eigenen, negativen Ergebnissen zu relativieren. Man sollte sich die 20 Seiten des Projektberichts, der die „Ergebnisse einer Berechnung des Studienabbruchs auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006“ präsentiert, sicherlich noch mal genau ansehen. Im Netz kann der Bericht hier heruntergeladen werden.

FU verlost BA-„Restplätze“

Februar 14, 2008

„Einmalig“ bekommen Studierende die ihr Modul für das kommende Semester wechseln möchten die Chance, einen der übrig gebliebenen „Restplätze“ in einer Verlosung zu ergattern. Wörtlich heißt es auf der offiziellen FU-Website:

„In einigen Modulangeboten können einmalig zum Sommersemester 2008 Restplätze im 1. Fachsemester verlost werden. Dieses Angebot richtet sich an Studierende, die an der Freien Universität Berlin immatrikuliert sind und das Modulangebot wechseln möchten.“ („Bewerbung für Modulangebote zum Sommersemester 2008“, FU Berlin)

Anträge können vom 15.02. bis zum 03.03. online ausgefüllt werden. Einigen Studierenden die ihr Modulangebot wechseln wollen kann so sicherlich durchaus geholfen werden, das Problem der zu hohen Hürden beim Fachwechsel als solches wird dadurch aber natürlich nicht gelöst. Der AStA stellt fest:

„Einigen FU-Studierenden wird damit sicher der Weg zum Wunschfach offenstehen, andererseits wird auf den ersten Blick klar, dass diese Aktion der FU das eigentliche Problem nicht löst. Es handelt sich nur um Restplätze, die Zahl der Plätze pro Fach liegt mehrheitlich im einstelligen Bereich, also wird es wohl deutlich einen deutlichen Überhang an Bewerbungen geben.

Zudem sagt die Ankündigung nichts darüber aus, ob auch für diese Aktion weiterhin die zwei-Semester Regel gilt. Die besagt nämlich, dass zwischen Kernfach und Modulangebot nicht mehr als zwei Semester Abstand liegen dürfen. Neben den hohen NC´s ist es vor allem diese unnötig repressive Regelung, die viele Studierende bisher vom Fachwechsel abgehalten hat.“ („Fachwechsel an der FU: Restplätze werden verlost“, AStA FU, 13.02.08)

Die Probleme beim Fachwechsel in den neuen BA-Studiengängen sind inzwischen hinlänglich bekannt (siehe z.B. „Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister“) und ein Abbauen der Wechselhürden wäre sicherlich eine wichtige Voraussetzung für einen Rückgang der Abbrecherquote.

Zugangsbeschränkung für PhilBib nun wirklich

Februar 13, 2008

In einer über Mailing Listen verbreiteten (und im BBFB-Blog dokumentierten) Email informiert der Kommilitone Mathias, dass die Zugangsbeschränkung für die Philologische Bibliothek ab heute (13.02.) wirklich gilt. In einer offiziellen Mitteilung auf der Website der Bibliothek heißt es:

„Wegen nicht ausreichender Arbeitsplatzkapazität muss der Zugang zur Bibliothek vom 13.–22.2.08 in der Zeit von 9.00 – 17.00 Uhr leider eingeschränkt werden.

Diese befristete Zugangsbeschränkung ist notwendig, um den Nutzern in der Bibliothek weiterhin die Wahrnehmung ihrer Aufgaben in Studium, Lehre und Forschung im rechtlich gebotenen Umfang zu ermöglichen.

Eine die Platzzahl übersteigende Nachfrage einerseits und im Besonderen die Nutzung der Bibliothek durch die Studierenden des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften und des Zentralinstituts Lateinamerika-Institut während der gegenwärtigen Prüfungsphase andererseits waren gegeneinander abzuwägen und in einen angemessenen Ausgleich zu bringen.“ (Mitteilung der Philogischen Bibliothek, 12.02.08)

Die Zugangsbeschränkung gilt also vorerst „nur“ bis zum 22.02., da das Problem aber nicht gelöst wird, steht zu befürchten, dass es jeweils in der Zeit der Prüfungen auch in kommenden Semestern erneut zu einer solchen Zugangsbeschränkung kommen wird.

Wie berichtet, sollte die Zulassungsbeschränkung eigentlich bereits ab dem 04.02. gelten. Damals entbrannte eine Debatte darüber, wer eigentlich eine solche Beschränkung verfügen dürfe und ob sie überhaupt rechtens sei (siehe dazu ausführlich bibliotheksrecht.blog.de).

Nach Angaben von Mathias waren es dann auch diese juristischen Probleme die neben der „politischen Lage“ dazu geführt haben, dass die Leitung der PhilBib davon abgesehen hat, die Beschränkung wie geplant bereits zu Beginn des Monats umzusetzen.

Nachdem das Dekanat PhilGeist die Linie der PhilBib-Leitung aber unterstützt hat und nun auch das FU-Präsidium nach Prüfung der „Sachlage“ sein Okay gegeben hat, steht die Zugangsbeschränkung ab dem heutigen Mittwoch.

Treffen zur Nachbereitung des Aktionstages und Vorbereitung des Protestsemesters

Februar 12, 2008

Wie berichtet wurde auf der VV am Aktionstag beschlossen, dass das nächste Semester ein „Protestsemester“ werden soll, ohne allerdings näher zu spezifizieren, was genau das heißt. Um sich darüber klar zu werden, sollen bereits gleich zu Beginn des kommenden Semesters „lokale“ Vollversammlungen an Instituten und Fachbereichen stattfinden, sowie dann natürlich auch wieder eine Gesamt-VV.

Auf diesen Vollversammlungen soll eine Resolution mit den Forderungen und Ziele des studentischen Protests zur Diskussion gestellt werden, für die allerdings schon vorher Entwürfe erarbeitet werden müssen, um erst mal überhaupt eine Grundlage zu bekommen. Die Resolution „live“, also erst direkt während der VVs und ohne jegliche Vorbereitung auszuarbeiten, ist nur schwer durchführbar. Natürlich werden die Punkte diskutiert, ggf. geändert / ergänzt und dann in einer Abstimmung abgelehnt oder angenommen. Zumindest ein Grundgerüst sollte allerdings schon vorher bestehen.

Und um diesen Prozess der Ausarbeitung einer möglichen Resolution einzuleiten, gibt es am Donnerstag (14.02.) im Philosophisches Institut (Habelschwerdter Allee 30) ab 15 Uhr ein erstes Treffen zur Nachbereitung des Aktionstages und Vorbereitung des Protestsemesters. Der voraussichtliche Ablauf des Treffens gestaltet sich wie folgt:

15:00 Uhr: Rückblick und Diskussion des Aktionstags, Ausblick Sommersemester 2008

16:00 Uhr: Politische und Theoretische Eckpunkte der Resolution / Debatte

17:30 Uhr: VoKü, Pause, Entspannen

18:30 Uhr: Organisation der weiteren Arbeit, Entwurf einer Kampagne, Bildung / Weiterarbeit von AGs

Soll der Protest wirklich gleich zu Beginn des nächsten Semester starten und so direkt an den Aktionstag in diesem Semester anknüpfen, ist es natürlich wichtig, dass möglichst viele Studierende zu diesem und den nächsten Vorbereitungstreffen erscheinen und sich in die AGs einbringen, damit die Sache über die Ferien hinweg nicht versackt.

Geheimoperation an der FU: Scheich Al Maktum erhält „Ehrenmedaille“

Februar 11, 2008

Bereits vor der Ankunft von Scheich Muhammad ibn Raschid Al Maktum, Emir von Dubai und Premierminister, Verteidigungsminister sowie Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), in Berlin im Zuge seines Staatsbesuchs, gab es Gerüchte, der Scheich würde auch an der FU eine Auszeichnung im Henry-Ford-Bau entgegennehmen.

Und tatsächlich erhielt Al Maktum dann am letzten Donnerstag (07.02.) die Ehrenmedaille der FU für „seine Verdienste als Förderer der Wissenschaft“. In seiner Laudatio betonte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die „aktive und kreative Bildungspolitik“ für die sich der Preisträger verantwortlich zeichne:

„Die mit zehn Milliarden Dollar ausgestattete Stiftung des Scheichs finanziere ‚vorbildliche Forschungsprogramme in der Region‘ sowie Stipendien für Studenten und Wissenschaftler. Dadurch sichere Maktoum ‚das Wachstum in einer Region, in der die Bodenschätze nicht ewig reichen werden‘. Deutschland sei ‚als einer der besten Forschungs- und Ausbildungsstandorte der ideale Kooperationspartner für die emiratische Bildungs- und Wissenschaftspolitik‘, sagte Glos, der das Publikum zu Beginn mit ‚Salamaleikum‘ begrüßt hatte.“ („Freund der Forschung“, Tagesspiegel, 08.02.08)

Weiterhin heißt es, „Ein- und Auszug der emiratischen Delegation wurden vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht“ (ebd.). Wäre die Auszeichnung öffentlich angekündigt worden und nicht nur für VIPs offen gewesen, wäre das mit den „stehenden Ovationen“ wohl nicht ganz so glatt gelaufen. Denn wie der AStA in einer Pressemitteilung zurecht betont, weisen die VAE erhebliche Defizite in punkto Menschenrechte und Rechtsstaat auf:

„In einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch über die Situation von ArbeitsmigrantInnen aus Bangladesch, Indien und Pakistian aus dem Jahr 2006 wird von systematischer Lohnausbeutung und tötlichen Arbeitsbedingungen gesprochen. Der Versuch einer gewerkschaflichen Organisierung für bessere Arbeitsbedingungen wird mit dem Entzug der Arbeitserlaubnis und der damit verbundenen Abschiebung bestraft.

Amnesty International erhält immer wieder Berichte über Folter und Misshandlungen von Inhaftierten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es handelt sich dabei meist um ArbeitsmigrantInnen aus den südostasiatischen Ländern. Folter und Misshandlungen finden meist in der ersten Zeit der Inhaftierung statt.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind nach wie vor Gesetze in Kraft, die Frauen diskriminieren. Dazu zählt das Staatsbürgerschaftsgesetz: Frauen – anders als Männer -, die mit einem Ausländer verheiratet sind, können ihre Staatbürgerschaft nicht auf ihre Kinder übertragen. Für die betroffenen Kinder hat diese Vorschrift zur Folge, dass sie in ihrem Aufenthaltsrecht und im Arbeitsleben sowie beim Zugang zu den Bildungseinrichtungen mit erheblichen Nachteilen konfrontiert werden.“ („Goldmedaille für Menschenrechtsverletzer“, AStA FU Presseerklärung, 08.02.08)

Zu nennen wären weitere Kritikpunkte wie etwa Zensurmaßnahmen, das Anklagen von Vergewaltigungsopfern oder allgemein eine Rechtssprechung basierend auf der Schari’a. Das alles interessiert aber offenbar nicht, da die VAE 1) als reich gelten und reiche Personen / Staaten müssen generell umgarnt werden (damit man was abkriegt) und 2) es geschafft haben nicht im Kontext von radikal-islamistischem Terrorismus genannt zu werden.

Für die FU scheinen einzig die Kooperationsmöglichkeiten zu zählen, wie z.B. beim Online-Masterstudiengang „International Relations Online“ den die FU zusammen mit dem Gulf Research Center (GRC) in Dubai anbietet. Wie berichtet handelt es sich hierbei um einen sehr exklusiven und zulassungsbeschränkten Studiengang für finanzstarke KommilitonInnen. Verantwortlich an der FU: Prof. Segbers (siehe „Segbers goes Dubai“). Gerüchten aus dem letzten Sommer zu folge, soll es um diesen Studiengang nicht allzu gut stehen, doch dazu gibt es von offizieller Seite natürlich nichts zu hören.

Erst am Wochenende ließ der Tagesspiegel in seiner berühmt berüchtigten FU-Beilage (siehe „FU Werbung im Tagesspiegel“) mal wieder den alten Frontstadtmythos aufleben: die FU als antikommunistisches Bollwerk, strikt dem Freiheitsgedanken verpflichtet. Wie Hohn wirkt dieses freiheitliche Ideal vor dem unkritischen Umgang der FU mit solchen fragwürdigen Herrschern wie Scheich Al Maktum.

Dass sich der Tagesspiegel auch jenseits seiner FU-Beilage der FU-Führung innigst verbunden fühlt, macht ein Pressespiegel über die FU-Auszeichnung Al Maktums im AStA-Blog deutlich. Während nicht nur die taz sondern selbst die Berliner Morgenpost es noch schafft, in ihrer Berichterstattung auch kritisch über den politischen Hintergrund in den VAE zu berichten, ist der Tagesspiegel damit offenbar überfordert. Hier begnügt man sich mit Hofberichterstattung im Sinne des FU-Präsidiums.

Karneval vor der Philologischen Bibliothek

Februar 6, 2008

Wie angekündigt haben FU-Studis am Rosenmontag vor der Philologischen Bibliothek ihren ganz eigenen Karneval gefeiert und mit Luftballons und Konfetti gegen die Zugangsbeschränkung zur PhilBib auf Studierende des FB PhilGeist protestiert.

Nach Angaben des BBFB-Blogs wurden dabei auch Flyer mit dem Eintrag im FSI Blog zur Zugangskontrolle verteilt.

Weniger begeistert zeigten sich dabei offenbar einige FU-Angestellte, die dem Spuk ein Ende bereiten wollten, was ihnen nach Angaben des BBFB-Blogs aber nicht gelang. Ganz soweit wie am Aktionstag in der vorherigen Woche gingen die Verantwortlichen demnach nicht, dort hatte man wie später auf der VV verlautbart wurde im Angesicht der Proteste einfach die PolSoz Bibliothek frühzeitig geschlossen.

Herrfischer ist nach Silberlaube.de umgezogen

Februar 5, 2008

Herrfischer, als stilistisch sicherlich subtilster Blogger in der FU-Blogosphäre, betreibt seine Einblicke in den Studienalltag an der FU jetzt auf einem neuen Blog unter Silberlaube.de.

Spektakulär ist hier schon auf den ersten Blick das neue Logo des Blogs, ein „Mashup“ aus einem Foto der Kuppel der Philologischen Bibliothek und einem Bild von Camille Flammarion aus dem 19. Jahrhundert. Wobei letzteres auch das Logo der „Dahlem Konferenzen“ ist, wie Herrfischer ausführt.

Neben seinen eigenen Eindrücke des Alltags an der FU publiziert Herrfischer auch Gastbeiträge, wie aktuell etwa eine Reihe der Kommilitonin Kerstin Maria Koster über ihre Eindrücke von der Universität Cambridge. In einer weiteren Reihe, den „Dahlem Pendlern“, stellt Herrfischer neuere Repräsentanten der studentischen Hochschulpolitik vor.

Rosenmontag an der FU

Februar 4, 2008

Der Zugang zur Philologischen Bibliothek ist ab heute mal wieder auf KommilitonInnen beschränkt, die dem Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften angehören. „Nur so können wir unseren Studierenden, die auf die Nutzung der Präsenzbestände in der Bibliothek angewiesen sind, in der Prüfungszeit angemessene Arbeitsbedingungen ermöglichen“ heißt es in einer kursierenden Rundmail.

Denn so architektonisch schick die Philologische Bibliothek auch sein mag, sie bietet den Studierenden einfach nicht genügend Platz zum Arbeiten. Also wird ein Zwei-Klassen-System aufgebaut, welches nach Studierenden die Zutritt erhalten und solchen die ihn nicht erhalten, differenziert. Ein ähnliches Schauspiel gab es bereits im August 2006 (siehe „Wir müssen leider draußen bleiben“) und seither hat sich offenbar nichts getan, das Problem ist immer noch das Gleiche.

Da diese Regelung diesmal ausgerechnet am Rosenmontag in Kraft tritt, fühlten sich einige Studierende offenbar an die Losung „Wolle mer se reinlasse?“ erinnert. In einer eindeutig zweideutigen Einladung heißt es:

„Vielleicht bringt ihr am Rosenmontag Konfetti, Pappnasen und ein Fässchen Kölsch mit in die Silberlaube, das könnte eine lustige Stunksitzung werden. Am Faschingsdienstag wird der Spaß natürlich fortgesetzt, Gerüchteweise verteilt dann Professor Emeritus Wolf-Dieter Narr aus dem FB PolSoz den Orden ‚Wider den tierischen Ernst‘ an die Verwaltung des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften…“ („Wolle mer se reinlasse? – Philologische Bibliothek macht dicht“, FSI Bog, 31.01.08)

Da kann dann natürlich auch der DLFC nicht einfach nur stillschweigend daneben stehen:

„Danach starten alle Studierenden des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften unter der Führung von von Vizekönigin Ursula ‚Bärchen‘ Lehmkul eine Polonaise von der Silberlaube durch die Zedat bis ins Präsidialamt: Jetzt geht sie los… mit ganz großen Schritten … Hakt euch unter! Der Wachschutz wird natürlich während der ganzen Festtage in Karnevalsuniform antreten und mit Gummihupen für Ordnung sorgen.“ („Die FU Berlin: Ein Käfig voller Narren“, DLFC Blog, 02.02.08)

Es sieht also ganz nach einer karnevalistischen Woche an der FU aus….

Der Aktionstag in der Presse und in der FU-Blogosphäre

Februar 2, 2008

Das mediale Feedback auf den Aktionstag fiel recht bescheiden aus. In der Lokalpresse widmeten weder taz noch Tagesspiegel oder Berliner Zeitung dem Aktionstag einen Artikel, einzig die Berliner Morgenpost brachte einen eher minimalistisch gehaltenen Beitrag. Auch ein weiterer Artikel im Neuen Deutschland greift die Geschehnisse um den Aktionstag nur relativ kurz auf.

Einzig ein Artikel in der Online-Ausgabe der ZEIT des Kommilitonen Stefan Kesselhut beleuchtet ausführlich auch die Hintergründe des Aktionstages. Auch hier wird noch einmal die Geschichte um das Campus Management aufgewärmt, was mich als jemanden der sich bekanntlich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt hat (siehe „Überblicksseite SAP Campus Management“), schon auf der VV irritierte. Es ist als wenn man eine Zeitreise ins Jahr 2005 machen würde, die Kritik wurde seit damals nicht weiter ausgebaut (etwa durch empirisches Belegen der Auswirkungen des CM auf den Studienalltag).

Ansonsten erörtert Stefan einige der zentralen Probleme: Lenzens Führungsstil allgemein, die Defizite in der Lehre (gegenüber TU und HU), den „Studienerfolgsbericht“ und die Scharenberg-Affäre. Unterlegt werden die Passagen dabei immer wieder mit Zitaten von Prof. Funke, was untermauert, dass es nicht nur die Studierendenschaft ist die hier Bauchschmerzen hat, sondern durchaus auch ein Teil der Dozierendenschaft. Den Bibliotheksskandal hat Stefan nicht mit eingebaut, vermutlich weil er diesem vor kurzem schon einen eigenen Artikel gewidmet hatte.

Ingesamt hätte das Medienecho auf den Aktionstag sicherlich größer ausfallen können.

Etwas ausführlicher wurde der Aktionstag erwartungsgemäß in der FU-Blogosphäre rezensiert. Eine längere Kritik hat Mathias im FSI OSI-Blog publiziert. Wie sich den Kommentaren entnehmen lässt, sorgte insbesondere Mathias kritische Betrachtung des Solidarisierungsaufrufes („latent völkisch“) mit den Nokia-Beschäftigten für Furore. Tatsächlich erscheint es legitim zu hinterfragen, mit wem man sich hier solidarisieren soll. Mit Gewerkschaften und ihrer „Standort Deutschland“ Argumentation? Wohl kaum. Der Hinweis auf eine verkürzte Kapitalismuskritik ist hier schon ganz richtig. Richtig ist aber genauso der Hinweis, dass es auf diesen Solidarisierungsaufruf keine Gegenrede gab – ohne Frage ein Versäumnis.

Weniger Zustimmung findet bei mir Mathias Kritik an der Personifizieung, denn eine abstrakte Kritik, die sich immer nur gegen „das System“ richtet ohne beteiligte Akteure auch mal namentlich zu benennen, bleibt letztlich zahnlos (weil sie bedingt durch ihre Abstraktheit ins Leere zu laufen droht). Natürlich lässt sich die Misere in der sich die FU befindet nicht allein auf die Person Lenzens reduzieren (wir hatten hier in den Comments unlängst z.B. die Rolle des Senats bei der BA-Einführung), aber er war die zentrale Figur, er hat wie kein FU-Präsident vor ihm seine „Zukunftsvision“ gegen alle Widerstände vorangetrieben.

Ebenfalls kritisch, wenn auch oberflächlicher setzt sich Thomas im LHG-Blog mit dem Aktionstag auseinander. Die Unsinnigkeit des Aktionstages scheint ihm allein schon durch Prof. Schreyöggs Unterfangen belegt, den Aktionstag mit dem Karneval gleichsetzen zu wollen. Erst im zweiten Teil des Blog-Eintrags setzt er dann an, das Scheitern des Aktionstages untermauern zu wollen; mit dem Hinweis, die dezentralen Aktionen am Vormittag hätten unter geringer Resonanz gelitten, ergo sei – gemessen am materiellen und zeitlichen Aufwand – das Ziel, die Studierenden zu politisieren nicht erreicht worden.

Keine Ahnung was bei den dezentralen Aktionen los war, ich kann nur sagen, betrachtet man dann die nachmittägliche VV, trifft dies sicherlich nicht zu, denn dort war die Resonanz enorm. Dort steigerten sich die Beteiligten in eine regelrechte Protesteuphorie, die essentiell ist, um den Protest weiter auszubauen. Ein endgültiges Urteil lässt sich erst im nächsten Semester fällen, weil dann offenkundig wird, ob die durch den Aktionstag generierte Protesteuphorie angehalten hat oder nicht. Für den Augenblick aber gilt: Der Aktionstag wollte mobilisieren und er hat mobilisiert.

Und wer immer noch Zweifel am Erfolg des Aktionstages hat, der sollte mal einen Blick in den BBFB-Blog werfen, dort findet man statt eines Berichts einfach eine Reihe von Fotos veröffentlicht. Auf diesen wird ziemlich deutlich, dass sich die OrganisatorInnen sicherlich nicht über mangelnde Resonanz beklagen konnten.

Der FSI Geschichte Blog greift die Zusammenfassung der VV durch FUwatch auf. Hier besonders den Hinweis, es habe der VV an der Präsenz von erfahrenen Studierenden gemangelt, die sich mit dem offiziellen „Reglement“ auskennen (wann ist eine VV „rechtskräftig“, wie genau lauten die Regeln bei Fehlen in LVs wenn man eine VV besucht, dürfen Dozierende in Blackboard kontrollieren, wer was anklickt, usw.). Das braucht es alles gar nicht findet der Autor, denn Fragen zur „Rechtskräftigkeit“ einer VV hätten in der Vergangenheit nur „weitere Ängste geschürt und die Spontanität des ganzen abgewürgt“ und bei der Anwesenheitsfrage dürfe man nicht „in einen legalistischen ‚Darf ich das überhaupt‘-Diskurs verfallen“.

Fakt ist, dass wir heute an einem Punkt stehen, an dem Studierende Dozierende darüber aufklären, wenn andere Studierende fehlen, dass Listenverschwindenlasser angefeindet werden und dass, wie der Autor schreibt, Ausgänge bewacht werden, damit niemand vorzeitig abhaut. „Solidarisch-aufmüpfiger Umgang“ wie ihn der Autor fordert, ist hier für viele inbesondere jüngere KommilitonInnen leichter gesagt als getan. Wenn die betroffenen KommilitonInnen dann wissen, es gibt da irgendwo eine Regel, die ihr Fehlen während einer VV als entschuldigt ausweist, kann ihn dies helfen Hemmungen abzubauen. Zumindest für einen ersten Schritt, wäre dies vielleicht ganz nützlich.

Und was das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs angeht, so ist es sicherlich nicht die blödeste alle Ideen, dass auf einer VV die Entscheidungen im Namen der Studierendenschaft treffen will, auch ein gewisser Mindestprozentsatz der Studis vertreten ist. Und ist dies nicht der Fall, dann sollte eben in der Resolution auch nicht stehen „Die Studierendenschaft der FU fordert…“, sondern abgrenzend z.B. „Die protestierenden Studierenden der FU fordern…“. Anstatt sich die Unterstützung der systemkonformen Mehrheit der Studis herbeizufabulieren, könnte man doch mal den Schritt wagen, und sich klar von dieser lossagen. Die Idee die „Spaltung“ zu überwinden, hat in der Vergangenheit eher dazu geführt, dass man versucht hat die „Spaltung“ zu kaschieren.

Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester

Februar 1, 2008

Der Hörsaal 1a war gut gefüllt auf der gestrigen Vollversammlung (VV), insgesamt wollen KommilitonInnen zwischen 300 und 400 Personen ausgemacht haben. Ob die Zahl stimmt sei dahingestellt, voll war es auf jeden Fall und das Feedback sehr stark.

Nachdem es am Vormittag schon zahlreiche Aktionen gegeben hatte, wie etwa „Elitekicken“ mit überdimensionierten Fußbällen, startete die Vollversammlung um 14:15 mit dem Einzug des Dieter Lenzen Fanclubs (DLFC). Es gab eine kleine Theateraufführung bei der der DLFC – unter Buhrufen aus dem Auditorium – Lenzen pries und vermeintliche Störer abtransportieren ließ, die dann auch mal mit ein paar Wurfgeschossen zurückschlugen.

Dann wurde es ernster, in einigen einleitenden Worten fasste die VV-Leitung noch einmal zusammen, worum es bei diesem Protest geht. Bibliotheksskandal, die Unstudierbarkeit der BA-Studiengänge, die negativen Auswirkungen der Exzellenzinitiative, die Scharenberg-Affäre, etc.

Der weitere Verlauf der VV war dann sehr offen gehalten, es ging zunächst einfach nur darum, jedem Anwesenden der das Bedürfnis verspürte die Plattform zu bieten, darzulegen unter welchen Problemen er bzw. sein Institut / Fachbereich zur Zeit zu leiden hat. Dabei kamen dann auch Probleme von kleineren Fächern wie der Religionswissenschaft und der Indologie zur Sprache, die bisher beim Protest oft vernachlässigt worden waren.

Während Institute und Fächer mit noch verhältnismäßig vielen Dozierenden und Studierenden zumindest noch eine Chance haben, sich gegen die Kürzungen des Präsidiums zu wehren, werden kleinere Fächer und Institute noch rücksichtsloser an die Wand gedrückt, weil man hier von noch weniger Widerstand ausgeht.

Es kamen dann zentrale Probleme zur Sprache, wie etwa der unhaltbare hohe Workload beim BA oder die viel zu starke Selektion bei der MA-Zulassung, die dazu führen würde, dass der Leistungsdruck beim BA extrem hoch sei. Ferner natürlich der Bibliotheksskandal, bei dem es nicht nur um die Bücher geht, die jetzt ausgesondert werden sollen, sondern auch darum, dass es zukünftig in der neuen Bib nicht genügend Platz für Neuanschaffungen gibt ohne immer wieder erneut alte Bücher auszusondern. Überspitzt: Für jedes neue Buch was vorne ankommt, fliegt hinten ein altes raus.

Anschließend gab es dann sehr detaillierte, teilweise bizarre Diskussionen. Zum Beispiel zur Frage, wie nun die Videoüberwachung des Foyers der OSI-Bib zu werten ist (siehe „OSI-Bibliothek nun videoüberwacht“). Während die Mehrheit der Anwesenden diese Videoüberwachung unmöglich fand, bekannte sich ein Kommilitone dem seine Brieftasche aus einem Spind geklaut worden war dazu, dass die Videoüberwachung auf seinen Protest hin eingeführt worden sei, weil er sich beschwert hatte, man müsse doch da mehr aufpassen (ohne allerdings konkret Kameras zu fordern).

Vom Auditorium erntete er überwiegend Hohn in Form von Ohhh-Rufen, so nach dem Motto, er solle sich halt nicht so anstellen, wenn seine Brieftasche geklaut würde. Es stellt sich an solchen Punkten natürlich immer die Frage, wie die Spötter wohl selbst reagieren würden, wenn es ihr Portemonnaie oder ihr Laptop gewesen wäre, den ihnen jemand aus dem Spind geklaut hätte. Der Diebstahl war bekanntlich kein Einzelfall und sinnvolle Alternativen zur Videoüberwachung hatte auch niemand vorzubringen.

In einer weiteren wüsten Diskussion ging es gegen das SAP Campus Management, wobei es den Beteiligten schwer fiel, ihre Bedenken zu konkretisieren. Am Ende wurde dann das Campus Management mit dem Blackboard gleichgesetzt, eine Kritik die eigentlich das Blackboard betraf wurde im Kontext einer Kritik des Campus Managements diskutiert.

Während eine Kommilitonin darauf beharrte, Course-LeiterInnen könnten im Blackboard nach wie vor sehen, welcher Studierende was angeklickt hat, meinte eine andere, Dozierenden würde diese Funktion definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen (tatsächlich hängt es vermutlich vom Institut / FB ab, inwiefern Dozierende diese Funktion nutzen können oder nicht, siehe „Statistik-Modul in Blackboard deaktiviert“).

Es kamen dann natürlich ein paar Redebeiträge, die einfach auf jeder echten VV kommen müssen. Zum Beispiel der Aufruf, dass wir als Studierende uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren dürften, sondern uns auch mit anderen protestierenden Gruppen, wie etwa den Bochumer Nokia-Angstellten, SchülerInnen oder Hartz4-EmpfängerInnen, solidarisieren sollten, damit diese sich dann umgekehrt auch mit uns solidarisieren. Dass die Massen auf Anti-Hartz4-Demonstrationen 2005 gerne „Wir sind das Volk“ grölten (was auf 1989 anspielen sollte, aber eben auch klar zwischen Deutschen und Nichtdeutschen differenzierte), dass es bei den Anti-Nokia-Protesten darum geht, den deutschen Standort vor einem Ausverkauf nach Rumänien zu bewahren, usw., stieß hier offenbar keinem bitter auf (nun ja, fast keinem).

Zu den weniger realistischen und zielführenden Forderungen zählte natürlich auch die, dass grundsätzlich jeder an der Hochschule lernen, lehren und partizipieren können sollte, was einen völlig offenen Zugang zur Hochschule ohne jegliche Hürde wie Abi oder ähnliches voraussetzt. Solchen Forderungen fehlt natürlich etwas das Auge für das konkret und unmittelbar Umsetzbare, sie sind aber nötig damit das Auditorium sich in eine Protesteuphorie hinein steigern kann (der natürlich insbesondere junge KommilitonInnen sofort verfallen, da sie noch nicht die Katerstimmung kennen, wenn der Protest mal wieder schneller als erwartet zum Erliegen kommt).

Dennoch gab es aber natürlich auch Pragmatiker unter den RednerInnen, die auf eine Konkretisierung drängten. In diesem Kontext wurde auch festgestellt, dass es neben den 1.000 Studierenden die jetzt bereits heiß auf den Protest sein, auch noch 29.000 andere gäbe (wohl eher 33.000 aber egal), die man erst noch erreichen müsse. Und wie das zu schaffen sei, dazu müsse man jetzt erst einmal konkret Strategien entwickeln. Andere meinten dagegen, man müsse schon hier und jetzt etwas mit den 1.000 anfangen, es sei immerhin schon ein Erfolg, dass man diese 1.000 hätte mobilisieren können.

Ein Kommiltone stellte die These auf, dass es nicht mehr als 1.000 Studierende sein, da die anderen sich nicht trauten für die VV (oder den Protest) ihre Seminare zu verlassen, da dort bekanntlich Anwesenheitslisten geführt würden. Es kam dann zu einer Diskussion, wie das nun sei, ob eine VV wirklich als Entschuldigung für das Fernbleiben in einer Lehrveranstaltung gilt oder nicht. Einige meinten ja, andere sagten dies sei Sache des Dozierenden. Oder aber: Die VV gilt zwar als Entschuldigungsgrund, selbst das entschuldigte Fehlen sei aber nun mal ein Fehlen und hier dürfe eben im Semester eine bestimmte Anzahl von Fehlzeiten in einer LV nicht überschritten werden.

Es war nicht das erste und letzte Mal, dass auf dieser VV etwas Konfusion über das offizielle „Reglement“ in einem bestimmten Sachverhalt herrschte (was als Indiz dafür gewertet werden kann, dass es der Veranstaltung etwas an der Präsenz von erfahrenen Studierenden mangelte).

Jedenfalls erscheint mir die These recht gewagt, dass es nur deshalb nicht mehr als 1.000 Protestwillige auf der VV gab, weil die anderen sich wegen der Anwesenheitspflicht in ihren regulären Lehrveranstaltungen nicht trauten, auf die VV zu kommen. Denn selbst in Zeiten, in denen es diese verschärfte Anwesenheitspflicht noch nicht gab, erschienen doch auf den VVs nie mehr als die viel zitierten „üblichen Verdächtigen“. Man kann in Hochzeiten des Protests mehr als 1.000 für Protestaktionen mobilisieren, doch der Zeitkorridor dafür ist sehr begrenzt. Ob mit oder ohne Anwesenheitspflicht, die Masse der FU-Studis interessiert sich schlicht weg nicht für einen Protest, jedenfalls nicht für einen, der über symbolische Aktionen und einen begrenzten zeitlichen Rahmen hinausgeht.

Treffender halte ich die ebenfalls vorgebrachte These, dass das „Reservoir“ an Protestwilligen dadurch beschränkt wird, dass zunehmend nur noch Leute an die Unis kommen, die den Leistungsgedanken schon während ihres Abis verinnerlicht haben und nicht mehr in Abrede stellen. Diese erklären sich dann nicht mit KommilitonInnen solidarisch, die Anwesenheitslisten verschwinden lassen, sie sind auch nicht empfänglich für Ideen des zivilen Ungehorsams und sie sind nur sehr eingeschränkt für einen größeren und etwas länger andauernden Protest zu gewinnen.

Solange es nicht wirklich einen großen Knall gibt (wie etwa eine unmittelbar bevorstehende Einführung von Studiengebühren) wird es schwer, um nicht zu sagen unmöglich werden, an der FU einen echten Massenprotest loszutreten, der maßgeblich über die genannten aktiven 1.000 hinauskommt. Von daher wäre es schon der bessere Ansatz zu überlegen, was können diese 1.000 konkret machen, anstatt darauf hinzuarbeiten, dass sich die restlichen 33.000 irgendwann anschließen. Denn letzteres wäre – man muss es leider so krass sagen – Zeitverschwendung.

Es wurden dann, soweit ich das überblicke, drei Beschlüsse gefasst:

  1. Auf der heutigen VV wird keine Resolution zur Abstimmung gestellt, dies soll dann erst auf einer kommenden VV im kommenden Semester passieren.
  2. Das kommende Semester wird zum Protestsemester erklärt. Wie genau dieser Protest aussieht, ob er einen Streik beinhaltet, wird auf kommenden VVs beschlossen.
  3. Die kommende VV im nächsten Semester wird eine „normale VV“, keine Streik-VV.

Es ging hier also darum, ob die VV schon jetzt eine Resolution mit Forderungen diskutieren und zur Abstimmung stellen soll, oder ob dies nicht erst im nächsten Semester passieren soll, wenn hoffentlich noch mehr Studis auf der VV anwesend sein werden. Es wurde sich dann für letztere Variante entschieden.

Durchgesetzt hat sich der Ansatz, dass das nächste Semester ein Protestsemester wird, ohne näher zu spezifizieren, was genau das heißt. Die vorgebrachte Alternative, gleich die ersten beiden Woche des nächsten Semesters mit einem Ausstand zu beginnen, wurde als zu überhastet und zu polarisierend abgelehnt. Wenn es zu einem Streik kommen sollte, dann soll dieser erst im nächsten Semester beschlossen werden.

Fazit

Positiv war an der VV sicherlich, dass hier die vielen Probleme benannt wurden und dadurch jedem klar werden musste (sofern es ihm noch nicht klar war), dass es so nicht weitergehen kann, Protest also notwendig ist. Eher negativ zu bewerten ist der Umstand, dass es nur sehr wenige Lösungsvorschläge gab, wie man diesen Problemen konkret begegnen soll, wie der Protest sich ausgestalten soll. Allerdings war das – soweit ich es verstanden habe – auch nicht der Anspruch dieser VV.

Allein die Tatsache, dass man den Hörsaal voll gekriegt hat, die Studierenden sich über ihre Probleme ausgetauscht haben und ihre Bereitschaft zum wie auch immer gearteten Protest artikuliert haben, wird als Erfolg gewertet. Okay, das kann man sicherlich so stehen lassen.

Es dürfte aber spannend werden, ob sich diese erzeugte Protesteuphorie tatsächlich über die Semesterferien hinweg halten kann. Denn das wäre dann wirklich ein Novum: Eine Proteststimmung, die über die Ferien nicht abkühlt, sondern im nächsten Semester nahtlos am Aktionstag anknüpfen kann. Falls das tatsächlich gelänge, wäre es schon ein ziemlich beeindruckender Stunt. Eine andere Frage wäre dann, ob der Protest tatsächlich etwas bewirken kann.