Archive for the ‘Veranstaltungen’ Category

Bericht über die Koehler-SFB-Veranstaltung

Februar 6, 2009

Wie angekündigt hat der SFB-Wissenschaftler Jan Koehler unlängst sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan am OEI vorgestellt.

Der Kommilitone Ralf Hutter hat dazu einen ausführlichen Artikel verfasst, der als Gastbeitrag unter dem Titel „SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“ im FSI Blog veröffentlicht wurde.

Ralf dokumentiert darin zum einen sehr deutlich wie Koehler kritischen Nachfragen auf der Veranstaltung systematisch ausgewichen ist und was für einen verheerenden Eindruck diese Blockadehaltung hinterlassen hat. Ralf geht darüber hinaus aber auch inhaltlich auf das „Working Paper 17“ ein und beschreibt Verknüpfungen mit der BMVg-Studie, die es ja angeblich gar nicht gibt.

Auch wenn der Artikel für einen Blogeintrag natürlich etwas lang ist, ist er doch absolut lesenswert und zweifellos eine Muss-Lektüre für alle die sich kritisch mit den Forschungsansätzen am SFB bzw. den Umgang am SFB mit kritischen Stimmen interessieren.

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Druckerpressen zu Kindergärten

Februar 3, 2009

Seit die Druckerei des AStA TU während der kurzweiligen „Regierungszeit“ eines vom RCDS dominierten AStA im Jahr 2007 trotz diverser Gegenwehrversuche verkauft wurde (siehe „AStA-TU-Druckerei nun doch abtransportiert – und verschwunden“), ist die Druckerei des AStA FU die letzte in studentischer Hand verbliebene in Berlin. Der Wegfall dieser Druckerei wäre aber sicherlich insbesondere für den AStA FU ein harter Schlag.

Da mutet es dann natürlich schon verdächtig an, dass die FU-Leitung just in jenem Gebäude in dem sich die besagte Druckerei befindet einen Kindergarten einrichten möchte, was zur Folge hätte, dass die Druckerei aus dem Gebäude ausziehen müsste. Hintergrund ist laut FSI Wiwiss, dass der FU Fördermittel für eine solche Einrichtung zur Verfügung stehen, die man verständlicherweise auch nutzen möchte („Kostenpflichtige Kita statt AStA-Druckerei?“, FSI Wiwiss Blog, 21.01.09).

In dem geplanten „Kinderparadies Dahlem“ sollen StudentInnen ihre Kinder stundenweise abgeben können, was prinzipiell natürlich eine gute Sache wäre. Nur ist erstens bis heute nicht geklärt, ob dieses Angebot für die Studierenden kostenlos ist oder ob sie für diese Dienstleistung etwas zahlen müssten. Zweitens wird nicht ganz deutlich, warum es nun ausgerechnet dieses Gebäude sein muss. Die FU begründet dies laut FSI Wiwiss mit der guten Lage des Gebäude, hätte wohl aber auch noch andere leerstehende Objekte zur Verfügung.

Wie die FSI Wiwiss ausführt, gibt es zudem an der FU ja bereits eine Kita, die vom Studentenwerk betrieben wird. Denkbar wäre also vielleicht ein Ausbau dieser Einrichtung bzw. ihre Übernahme durch die FU mit den besagten Fördermitteln. Das Druckerei-Gebäude ist für eine Nutzung als Kinderbetreuungseinrichtung dagegen zur Zeit nicht geeignet, es müsste komplett und damit kostenintensiv saniert werden. Auch der AStA müsste tief in die Tasche greifen, wenn er mit seiner Druckerei umziehen wollte. 10.000 bis 15.000 Euro werden veranschlagt, die der AStA (und damit letztlich die Studierendenschaft) dafür aufbringen müsste – falls denn überhaupt ein Ersatzgebäude in Aussicht gestellt wird. Wahrscheinlicher ist, dass mit dem Auszug auch das Ende der Druckerei eingeläutet würde.

Bedenkt man, dass der AStA in der Regel eine sehr kritische Haltung zur FU-Administration einnimmt und diese Haltung über seine Publikationen auch fortlaufend verbreitet, käme es der FU-Führung sicherlich nicht ungelegen, wenn die Druckerpresse des AStA für immer zum Stillstand kommen würde. Und immerhin geht es hier ja auch um eine bessere Betreuung von Kindern, welcher hochschulpolitisch engagierte Studierende wollte sich dagegen schon verwehren? Eine schöne PR-Strategie, die aber am Ende eben doch recht durchsichtig wirkt.

Der AStA und ihm nahestehende Studierende sagen natürlich nicht kategorisch „Nein“ zu der Kita-Idee, haben aber jedoch auch nicht vor, dafür ihre Druckerei widerstandslos aufzugeben (denn die Kita könnte sicherlich woanders ihren Platz finden). Am Donnerstag (05.02.) treffen sich Interessierte um 18 Uhr im Roten Café hinter dem OSI, um Strategien zu diskutieren, wie die AStA-Druckerei erhalten werden kann.

Veranstaltung zum (Neo)kolonialismus

Februar 2, 2009

Senfo Tonkam, Mitglied der Black Nation in Deutschland, Doktorand in Politische Philosophie an der Universität Hamburg, früherer Anführer der demokratischen, anti-imperialistischen, panafrikanischen Studierendenbewegung in Kamerun, wird am kommenden Mittwoch (04.02.) um 18 Uhr einen Vortrag im Hörsaal A der Ihne21 halten.

Thema des Vortrags: „(Neo)kolonialismus – Entwicklungspolitik und Sozialwissenschaften als neue Formen der westlichen imperialen Kriege am Beispiel Afrika“.

In einer Ankündigung zu seinem zusammen mit Sylvia Bané publizierten Buch (welches dieses Jahr auch in Deutsch erscheinen soll), „Afrika wird siegen“, heißt es:

„(…) Im deutschen Exil, kommt Senfo Tonkam zurück auf den Kampf seines Lebens, der Panafrikanischen Befreiung und der Panafrikanischen Renaissance. In diesem Buch haben Sie die Möglichkeit den militanten Schwarzen Nationalisten und Afrozentrischen Intellektuellen kennenzulernen, der den anti-Schwarzen Rassismus, den Imperialismus und den Neokolonialismus dekonstruiert und zeigt, dass die Lösungen der Übel, die die Schwarzen Völker überall auf der Welt kaputt machen, in unserer tausendjährigen Kultur liegen, sowie in dem Erbe und den Lektionen der revolutionären Kämpfe, die uns unsere heldInnenhaften Vorfahren auf dem Kontinent und in der Diaspora hinterlassen haben.“

Das Bekenntnis zu einem „militanten schwarzen Nationalismus“ hat bereits für erste kritische Anmerkungen auf studentischen Emailverteilern gesorgt (die Kritik ist, dass ein solcher militanter schwarzer Nationalismus kaum eine wirklich brauchbare Antwort auf einen rassistischen weißen Nationalismus sein kann). Der Vortrag und die anschließende Diskussion dürften sich in jedem Fall sehr kontrovers gestalten, auch wenn es hier nicht zuvorderst um das besagte Buchprojekt geht.

Initiiert wurde die Veranstaltung offenkundig von SFB-KritikerInnen, schon auf dem Flyer werden einleitend einige SFB-MitarbeiterInnen mit kurzen Phrasen zitiert. Hintergrund sind vermutlich Vorwürfe gegenüber dem SFB die von einer nicht ausreichenden, kritischen Auseinandersetzung mit neokolonialen Ansätzen bishin zu der These, der SFB selbst würde sich solch neokolonialer Denkmuster bedienen, reichen.

Vorangestellt ist einer über Emailverteiler laufenden Einladung zur Veranstaltung auch der Verweis auf ein neues Papier von Detlev Hartmann in welchem dieser der Frage nachgeht, ob der SFB 700 Neokolonialismus betreibt („SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“, materialien.org, Januar 2009). Verwiesen wird weiterhin auf das schon erwähnte neue Positionspapier der SFB-KritikerInnen („Failing Sciences Embedded Stakeholders – Wider den SFB 700“). Hier findet sich auch ein weiterer Beitrag Hartmanns zur Neokolonialismus-Frage im Hinblick auf den SFB 700 („Für eine postmoderne Erneuerung des antikolonialen Kampfes“, S. 10).

Bundesweiter Bildungsstreik im Juni

Januar 20, 2009

Im FSI Blog wurde ein Aufruf des Arbeitskreises Hochschulpolitik der FU (AK HoPo) veröffentlicht, in dem dazu aufgerufen wird sich an den Vorbereitungen für einen Bildungsstreik zu beteiligen, der vermutlich im Juni stattfinden wird.

„[Der Bildunsstreik] soll als bundesweite Aktionswoche mit einheitlichem Demo-Termin und Formen des zivilen Ungehorsams voraussichtlich Mitte Juni stattfinden. Wir möchten Euch herzlich zu einer FU-weiten Koordinierung einladen, um über den Stand der bundesweiten Arbeit zu informieren und Möglichkeiten zu diskutieren, wie wir uns an der FU in den Streik mit einbringen wollen.“ („Bildungsstreik 2009, FSI Blog, 20.01.09)

Damit wird die derzeitige „Mode“ in Sachen Protestformen fortgesetzt: Anstelle eines konkreten Anlasses der das Fass zum Überlaufen bringt und dann eine eher spontane Protestbewegung in Gang setzt, veranstaltet man „Aktionswochen“ mit einem relativ langen organisatorischen Vorlauf und einem relativ weit gefassten Sammelsurium von Problemen gegen die sich die Kritik dann richtet.

Ungeachtet des eher schwachen Feedbacks das die FU-Aktionswoche im letzten Jahr erzeugt hat (siehe „Rückblick auf die Aktionswoche“), will man offenbar an dieser Form der Protestartikulation festhalten – nur diesmal eben gleich bundesweit.

Als positives Beispiel wird der Schülerstreik vom letzten November angeführt, doch auch hier muss man nüchtern bilanzieren, dass sich nicht erkennen lässt, was dieser eigentlich gebracht hat (außer einer Negativpresse wegen einer zerlegten jüdischen Ausstellung). Die SchülerInnen die damals durch die HU tobten saßen einen Tag später schon wieder brav in ihrem Unterricht. Auch in anderen Städten wie Hannover oder Dresden gab es offenbar keine nachhaltigen Ergebnisse dieser bundesweiten Demo.

An der FU scheinen Protestwillige jedoch nach wie vor überzeugt auf diesem Weg Aufmerksamkeit und auch ein Bewusstsein für die Misere in den Bildungs- und Sozialsysteme schaffen zu können. Auf einem ersten Treffen will man daher nun zunächst einmal Grundsätzliches klären:

„Nach einem kurzen Input über den Stand der bundesweiten Planungen wollen wir uns über die Perspektiven und Aktionsmöglichkeiten an der FU austauschen. Mit welchen Problemen an Fachbereichen und Instituten sind wir konfrontiert? Welche Forderungen stellen wir auf? Mit welchen Protest- und Aktionsformen können wir für diese Forderungen politischen Druck entwickeln?“ („Bildungsstreik 2009, FSI Blog, 20.01.09)

Das Treffen findet am kommenden Donnerstag (22.01.) um 14 Uhr im Raum L 113 (Seminnarzentrum) in der Silberlaube statt.

Podiumsdiskussion zu BA/MA auf dem Arbeitsmarkt

Januar 18, 2009

Die DGB Jugend Berlin-Brandenburg veranstaltet am Dienstag (20.01.) von 16 bis 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fiktion und Wirklichkeit – Was sind Bachelor und Master auf dem Arbeitsmarkt wert?“ im Hauptgebäude der HU (Unter den Linden 6), Hörsaal 3038. In der Einladung heißt es:

„Immer mehr Studierende verlassen die Hochschulen mit den neuen Studienabschlüssen. Ist der Arbeitsmarkt auf diese neuen Abschlüsse überhaupt schon richtig vorbereitet? Wie ist das mit Bezahlung, Eingliederung, Weiterbildung und Anerkennung des Abschlusses?

Hat man mit dem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance? Halten die neuen Studiengänge das, was mit ihnen versprochen wurde? Wir diskutieren gemeinsam mit Vertreter/innen der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Hochschulen.“ (Einladung der DGB Jugend Berlin-Brandenburg“)

Auf dem Podium diskutieren: Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, 1. Vizepräsident der Technischen Universität Berlin; Klaus-Dieter Teufel, stellv. Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB); Doro Zinke, stellv. Vorsitzende des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg; Markus Plagmann, Bezirkssekretär für Hochschulpolitik der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen; und Eva Fuchslocher (angefragt), HU-Studierende und Mitinitiatorin der Studierbarkeitsumfrage (siehe „HU-Studierende veröffentlichen Studie zur BA/MA-Einführung“). Durch die Veranstaltung führt Matthias Jähne, Hochschulreferent der GEW Berlin.

Das sieht nach einer interessanten Veranstaltung aus, wer es einrichten kann, sollte am Dienstag sicherlich mal vorbeischauen.

Neues Papier zur SFB-Kritik

Januar 15, 2009

Wie bereits erwähnt, wird Jan Koehler heute um 18:30 Uhr im Hörsaal A des OEI sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan vorstellen.

Nicht nur der SFB lädt zu dieser Veranstaltung ein, auch die SFB-KritikerInnen mobilisierten gestern noch einmal. So wurden am OSI überall Flyer verteilt, die auf den Vortrag hinwiesen. Der Flyer wurde auch im FSI Blog veröffentlicht.

Besonders interessant ist dabei der Hinweis auf ein Papier, das den SFB auf einer recht breiten Basis kritisiert. So geht es in „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“ nicht nur um die Militarisierung, sondern z.B. auch um durch den SFB bedingte FU-interne Auswirkungen. Ein recht ausführliches Dokument, das die Kritik am SFB präzisiert.

Anscheinend ist zur Zeit nicht geplant, die Online-Version des Dokuments auch als Print-Version zu verteilen – zumindest gibt es darauf keinen Hinweis, gestern lag sie nirgends aus. Was eigentlich schade ist, denn trotz des bisweilen sehr kämpferischen Tonfalls zeigt das Papier vielleicht besser als alle vorhergehenden an einigen Stellen auch substanziell, woran sich die SFB-KritikerInnen stören.

Praxistag Gender- und Diversity-Kompetenz

Januar 13, 2009

Am Freitag kommender Woche (23.01.) findet am Fachbereich PolSoz ab 9 Uhr ein Praxistag „Gender- und Diversity-Kompetenz“ im Hörsaal A der Ihne21 statt. Im Gender und Diversity-Blog heißt es zum Inhalt: „Im Zentrum der Veranstaltung steht der Austausch mit ExpertInnen aus der Praxis zum Thema Gender Mainstreaming und Diversity Management in Betrieben und Organisationen.“

Vortragsthemen sind z.B. „Gender und Diversity in der internationalen Zusammenarbeit und Teamentwicklung“, „Gleichstellung und Gender Mainstreaming in der GTZ. Praktische Erfahrungen aus dem In- und Ausland“ oder „Diversity in Institutionen des öffentlichen Sozialbereichs“. Das komplette Programm kann hier heruntergeladen werden.

Martin Sonneborn an der FU

Januar 12, 2009

Wie die Hochschulgruppe der PARTEI in ihrem Blog berichtet, wird der ehemalige Chefredakteur des Satiremamagzins Titanic und jetzige SPAM-Redakteur, Martin Sonneborn, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der PARTEI der FU einen Besuch abstatten.

Pünktlich zu Begin der StuPa-Wahlen am morgigen 13.01. wird Sonneborn ab 12 Uhr in der Silberlaube, Raum JK 26/201 zusammen mit den KandidatInnen der PARTEI-Hochschulgruppe Fragen von Studierenden zu „Hochschulpolitik und Mauerbau“ beantworten.

Am Mittwoch (14.01.) gibt es darüber hinaus im Raum K 24/21 der Silberlaube um 18 Uhr den Film „Heimatkunde“ zu sehen. Der Film zeigt wie Sonneborn „zu einem 250 km langen Gewaltmarsch rund um die deutsche Hauptstadt aufbricht“, um herauszufinden, „welche Art von Leben sich in der ehemaligen Zone am Rande Berlins entwickelt hat“ (heimatkunde-der-film.de).

FU Wahlen 2009

Januar 11, 2009

In der kommenden Woche finden wie jedes Jahr im Januar Wahlen an der FU statt. Doch dieses Mal kommt eine Menge zusammen: Neben den Gremien der studentischen Selbstverwaltung, also dem Studierendenparlament (StuPa) und den Fachschaftsräten (FSR), werden auch noch die akademischen Gremien gewählt, also Kuratorium, Akademischer Senat (AS) und Fachbereichsräte (FBR).

Zur Wahl der studentischen Gremien hat die Initiative „Alte Studiengänge“ in ihrem Blog die offizielle Wahlzeitung 2009 als pdf veröffentlicht. Hier kann man nachlesen, welche Liste antreten und welche KommilitonInnen auf diesen Listen zur Wahl stehen.

Doch auch die Wahl der akademischen Gremien ist für die Studierenden von Relevanz, sie können hier bestimmen, wer ihre „Interessen gegenüber Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, Sonstigen MitarbeiterInnen und vor allem der professoralen Mehrheit vertreten soll“ (FSI Geschichte). Die zugelassenen Wahlvorschläge kann man hier einsehen, eine Liste der Wahllokale gibt es hier.

Während die studentischen Gremien drei Tage lang, vom 13.01. (Dienstag) bis zum 15.01. (Donnerstag), gewählt werden können, kann man die akademischen Gremien nur am 13.01. (Dienstag) und 14.01. (Mittwoch) wählen. Die Wahl der studentischen Gremien finden getrennt von jener der akademischen Gremien statt, d.h., es gibt an den Wahlorten zwei Wahlvorstände mit ihren jeweiligen Wahlkabinen (FSI Geschichte).

Koehler stellt Studie vor

Januar 8, 2009

Jan Koehler, Mitarbeiter am SFB, stellt am kommenden Donnerstag (15.01.) um 18:30 Uhr sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan im Hörsaal A des OEI vor.

„Das Papier mit dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordost-Afghanistan‘ untersucht Wirkungszusammenhänge zwischen transnationalen Konstellationen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure und der Erzeugung von Sicherheit und Entwicklung als Governanceleistung in Nordost-Afghanistan.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist dabei die Frage, wie die afghanische Bevölkerung Veränderungen der eigenen Sicherheit sowie lokale Entwicklungsherausforderungen über die letzten Jahre wahrgenommen hat.“ (SFB Ankündigung)

Koehler stand unlängst wegen einer themenverwandten, zusammen mit Prof. Zürcher für das BMVg ausgearbeiteten Studie auf der Diskussionsveranstaltung mit Detlef Hartmann in der Kritik (siehe Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung).

Die Veranstaltung ist sicherlich informativ und einen Besuch wert.

Die vielköpfige Hydra

Januar 7, 2009

Am morgigen Donnerstag (08.01.) stellt der Historiker Marcus Redike das von ihm und seinem Kollegen Peter Linebaugh verfasste Buch „Die vielköpfige Hydra – Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks“ („The Many-Headed Hydra“) an der FU vor. Seinen Vortrag wird Redike um 18 Uhr im JFKI (Lansstr. 7-9), Raum 203 halten.

Auf Deutsch ist das Buch bei Assoziation A im Februar letzten Jahes erschienen. Zum Inhalt heißt es dort:

„In ihrem im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten erschienenen Buch ‚The Many-Headed Hydra‘ stellen die amerikanischen Historiker Peter Linebaugh und Marcus Rediker die Herausbildung des ‚atlantischen Kapitalismus‘ dar. Sie beleuchten die Ursprünge und den atemberaubenden Aufstieg des frühen globalen Kapitalismus im Gebiet des ‚englischsprechenden Atlantiks‘ vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, ohne den die Welt, wie sie heute ist, nicht gedacht werden kann.

Unter Verwendung zahlreicher Primärquellen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Spektrums gelingt es den Autoren, die ‚versteckte Geschichte‘ der atlantischen Kolonisation durch das aufstrebende Britische Empire aus den ‚Fußnoten‘ der Historiographie in den Mittelpunkt ihrer Darstellung zu rücken.

Es ist dies die Geschichte der verarmten Massen, der Seeleute und Sklaven, der Schuldknechte, der einfachen Frauen, der marginalisierten Arbeiter und Bauern und all jener, die auf die sogenannten ‚common rights‘ dringend angewiesen waren (…)“ (Assoziation A)

Die Einladung steht auch im Kontext des Teilpropjekts B3 am SFB („Colonial Governance und Mikrotechniken der Macht: Englische und französische Kolonialbesitzungen in Nordamerika, 1680-1760“), wo man sich mit einer ähnlichen Thematik befasst.

Wer den zweifellos interessanten Vortrag morgen nicht wahrnehmen kann, erhält noch eine weitere Gelegenheit am Freitag (09.01.) um 20 Uhr im Buchladen „Schwarze Risse“ im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a).

Weiterhin können Interessierte an einem Workshop am Freitagvormittag (09.01.) von 10 bis 13 Uhr in der SFB-Dependance in der Binger Str. 40 teilnehmen.

Zwei Veranstaltungen im Roten Café

Januar 6, 2009

Für die Berufungskommission zur Besetzung der Juniorprofessur für Ideengeschichte werden auch die studentischen VertreterInnen in den Gremien bis zum 10.01. ein studentisches Mitglied nominieren. Wer in der OSI-Studierendenschaft darüber mitbestimmen will, wer diese Aufgabe wahrnehmen soll oder sich auch gleich selbst bewerben möchte, sollte sich am morgigen Mittwoch (07.01.) um 18 Uhr im Roten Café einfinden. Die Aufgabe ist sicherlich wichtig, die entsprechende Person sollte gut ausgewählt werden, weshalb Interessierte zahlreich im Roten Café erscheinen sollten.

Am darauffolgenden Donnerstag (08.01.) gibt es dann eine weitere Veranstaltung im Roten Café diesmal um 14 Uhr, bei der sich die Anwesenheit ebenfalls lohnt. Der Einladung ist zu entnehmen, dass hier noch einmal die „Skandale und Skandälchen“ in diesem Wintersemester thematisiert werden sollen.

Konkret geht es um den „Berufungsskandal“, den Kampf um den Erhalt des Diploms, die zunehmende giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten anderer am Institut. Interessierte Studierende sollten ins Rote Café kommen, um dort zu diskutieren was man gegen diese Fehlentwicklungen tun kann.

Update 07.01.09

Wie Dennis bereits in den Kommentaren anmerkte wurde das erstgenannte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission auf Freitag (09.01.) um 16 Uhr verlegt. Ein Raum soll noch organisiert werden, Treffpunkt ist zunächst das Foyer der Ihne 21.

Update 08.01.09

Das besagte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission findet jetzt im Hörsaal B der Ihne21 statt (09.01., 16 Uhr).

Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Dezember 21, 2008

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.

Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 19, 2008

Rund um die Debatten zum SFB 700 wird der Tonfall am OSI immer giftiger, die Fronten scheinen zunehmend verhärtet. Während eine lose Gruppe Studierender die gegen Prof. Risse und andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete „Entbettungsaktion“ einiger SFB-KritikerInnen („Anti-SFB-Protest am OSI“) in einem offenen Brief scharf verurteilte („Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest“), es in der letzten Fachbereichsratsitzung im Vorfeld der Berufung Zürchers und Chojnackis zu einer hitzigen Diskussion kam („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“), flogen auch am Freitag vergangener Woche auf einer Diskussionsveranstaltung zur SFB-Forschung wieder die Fetzen.

Während es im „Berufungsskandal“ um eine fragwürdige Ausdehnung des Bereichs „Internationale Beziehungen“ im Kontext des SFB 700 auf Kosten der „Politischen Theorie“ als weiteren zentralen politikwissenschaftlichen Kernbereich am OSI geht, die Kritik also eine „inner-universitäre“ ist, ging es am letzten Freitag um eine kritische Beleuchtung der Außenwirkung von einigen Forschungsansätzen innerhalb des SFBs. Konkret meint dies den Vorwurf, am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) würde auch „Kriegsforschung“ betrieben. Dazu wurde der Publizist und Rechtsanwalt Detlef Hartmann von einer Gruppe sfb-kritischer Studierender aufs Podium eingeladen.

Doch bevor die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, gab es um sie bereits die ersten Auseinandersetzungen, die hier noch einmal wiedergegeben werden sollen.

Der Eklat um die Raumvergabe

Obwohl der Raum (Ihne21, HS B) für diese Diskussionsrunde – welche am Freitag den 12.12. staffinden sollte – bereits am 26.11. beantragt wurde, und auch keine reguläre Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt in dem Hörsaal stattfand, wurde das Antragsverfahren verschleppt, wie die studentische Vorbereitungsgruppe in einer Rundmail ausführt. Weiter heißt es dort, der zunächst zuständige Angestellte habe bereits bei der ersten Anfrage gesagt, die Raumvergabe für diese Veranstaltung sei „ein heikles Thema“.

Nachdem der Antrag eine Weile ruhte, kam zu Beginn der Woche, in der die Veranstaltung stattinden sollte endlich Bewegung in die Sache. Es folgte ein kleines Hin und Her Spiel, bei dem die Raumvergabe zunächst verweigert, zwischenzeitlich wieder in Aussicht und am Donnerstagnachmittag schließlich doch noch endgültig verneint wurde.

Der besagten Rundmail der studentischen Vorbereitungsgruppe zufolge hatten „verschiedene Personen“ aus der Administration vertraulich die Information durchsickern lassen, dass über die Kritik unerfreute Professoren Druck ausgeübt hätten, um die Veranstaltung zu verhindern. Weder die InformantInnen noch die besagten Professoren wurden hier jedoch namentlich genannt.

In einem weiteren auf Mailinglisten kursierenden Dokument das die geplante Anmoderation skizziert ist die Rede davon, die Raum-Zusage sei an die Frage gekoppelt worden, wie sich die Studierenden auf der vorhergehenen FBR-Sitzung am Mittwoch verhalten (so nach dem Motto, wer am Mittwoch nicht lieb ist, kriegt am Freitag keinen Raum). Wie eingangs bereits erwähnt gab es während dieser Sitzung einige hitzige Auseinandersetzungen – nicht nur zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern auch zwischen verschiedenen Professoren („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Jedenfalls waren die KommilitonInnen der studentischen Vorbereitungsgruppe auf keinen Fall bereit, sich dieser „Maßregelungsklausel“ zu unterwerfen.

Ob es nun Professoren waren die im Hintergrund Druck ausübten oder die Studierenden auf der FBR-Sitzung am Mittwoch nicht nett genug waren oder die Verwaltung einfach Angst hatte, die ohnehin angespannte Situation könne auf solch einer Diskussionsveranstaltung endgültig eskalieren: Am Donnerstagnachmittag stand fest, dass der Raum nicht bereitgestellt würde, die Veranstaltung demnach also kurzfristig hätte ausfallen müssen.

Einige engagierte Studierende wollten sich aber nicht geschlagen geben und versuchten noch vor Beginn der Diskusssionsveranstaltung während der vorhergehenden Lehrveranstaltung in den Raum zu gelangen, offensichtlich um ihn so für die anschließend geplante Diskussionsrunde in Beschlag nehmen zu können. Die FU-Administration bekam jedoch offenbar Wind von diesem Vorhaben und schickte Sicherheitspersonal. Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen die in den Raum gelangen wollten, wurden gestoßen und an ihrer Kleidung weggezerrt, wie die FSI OSI berichtet („Das Klima am OSI wird immer giftiger“, FSI OSI, 17.12.08).

Einzig allein die Anwesenheit einiger Professoren (darunter nach FSI-Angaben Funke und Ladwig) konnte die Situation entschärfen. Die Veranstaltung fand schließlich doch noch statt – sogar im größeren Hörsaal A. Dennoch wurde natürlich dann auch hier noch einmal thematisiert, wer eigentlich hinter dem Versuch gesteckt hatte, die Veranstaltung im Vorfeld zu kippen.

So kam in der Veranstaltung (direkt oder indirekt) der Vorwurf auf, die besagten Dozierenden kämen aus dem SFB und hätten durch eine Intervention eine ihnen unliebsame Diskussionsveranstaltung verhindern wollen. Dies wurde von Dr. Marianne Beisheim stellvertretend für den SFB entschieden zurückgewiesen. Sie könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand aus dem SFB versucht habe, diese Veranstaltung zu sabotieren. Die Antwort bestand neben Applaus auch aus teils höhnischem Gelächter der SFB-KritikerInnen, die dieser Verlautbarung offensichtlich nicht so recht glauben wollten.

Fakt ist: Es existiert soweit FUwatch bekannt nichts, was eine Verwicklung von SFB-WissenschaftlerInnen in die Affäre um die Raumvergabe belegen würde. Und auch die studentische Vorbereitungsgruppe oder andere SFB-KritikerInnen haben während der Diskussionsveranstaltung nichts vorgebracht, was die These SFBler sein in den Vorgang um die versuchte Raum-Verhinderung verstrickt untermauern würde.

Dennoch muss die Blockadehaltung was die Raumvergabe für diese Veranstaltung angeht aber natürlich irgendwo ihren Ursprung haben.

In jedem Fall verdeutlicht diese Vorgeschichte – neben anderen Entwicklungen – aber, warum es bereits vor dem Start der Veranstaltung so eine vergiftete Atmosphäre gab. Doch auch die Gegenseite zeigte sich über bestimmte Vorkommnisse empört.

Der Eklat um den Titel

Bereits der Titel „Who the fuck is SFB 700?“ qualifizierte die Veranstaltung für einige offenbar als unbrauchbar ab. Die Verwendung des F-Wortes ist vielleicht drastisch, derb, meint aber in diesem Kontext natürlich nur so viel wie „Wer zum Teufel ist eigentlich…“.

Eine vielleicht etwas provokative Wortwahl für eine aber natürlich durchaus legitime Frage. Wer oder was ist eigentlich der SFB? Was genau geschieht dort? Hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen war das Anliegen dieser Diskussionsveranstaltung.

Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung

Einige DiskussionsteilnehmerInnen empfanden es aber auch als skandalös, dass im Vorfeld auf einem die Veranstaltung bewerbenden Flyer im Hintergrund die Gedenktafel die am Eingang der Ihne22 angebracht ist zu sehen war. Die Gedenktafel erinnert daran, dass in dem Gebäude bis 1945 das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ untergebracht war, wo unter anderem jene menschenverachtende Rassenforschung geplant wurde, die später vom KZ-Arzt Josef Mengele in die Tat umgesetzt wurde.

Die Empörung bezieht sich also darauf, dass hier nach Ansicht der Flyer-KritikerInnen die Arbeit des SFB durch das Abbilden dieser Gedenktafel auf dem Einladungs-Flyer in die Nähe von NS-Verbrechen gerückt wurde.

Ein Vorwurf, den die InitiatorInnen von sich weisen. Es wäre ihnen nur um den letzten Satz auf der Tafel gegangen: „Wissenschaftler haben Inhalt und Folgen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu verantworten“. Und tatsächlich, sieht man sich den Flyer genau an, fällt auf, dass der letzte Satz optisch hervorgehoben wurde, sich vom Rest der Tafel abhebt. Fraglich ist jedoch, ob alle Flyer-KritikerInnen dies als Argument gelten lassen. Auch der letzte Satz auf dieser Tafel steht in einem Kontext zum Rest des Textes, wird aus diesem hergeleitet.

Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 4, 2008

Wie der FSI Blog berichtet (und wie es auf zahlreichen Flyern am OSI nachzulesen ist) findet am Freitag, den 12.12. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit dem Publizisten Detlef Hartmann im Hörsaal B der Ihne21 zum Thema „Who the fuck is SFB 700?“ statt. Über den SFB heißt es auf dem Flyer:

„Vier Unis, zwei weitere Forschungseinrichtungen und fünf FU-Institite sind beteiligt / Über die Hälfte aller OSI-Professuren ist involviert / Neue Profs werden auf Kompatibilität mit IHM geprüft / ER hat ein MILLION€NBUDGET von der Deutschen Forschungsgesellschaft / 30 Promovierende werden auf IHN konzentriert / Die Vollprofessur Politische Ideengeschichte wurde IHM geopfert / Die Ihnestr. 26 wurde für IHN geräumt / Räume der OSI-Bibliothek will er AUCH haben…“ (Einladungs-Flyer)

Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner „Kriegsforschung“ ausgesetzt (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“ und „Anti-SFB-Protest am OSI“).

Der Gastredner, Detlef Hartmann, gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an und hat mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ eines der bisher zentralen Papiere zur SFB-Kritik verfasst.

Noch interessanter wäre die Veranstaltung natürlich, wenn man Hartmann auf dem Podium einen namenhaften Repräsentanten des SFB gegenüberstellt. Davon ist jedoch auf dem Flyer keine Rede, woraus sich schließen lässt, dass die InitiatorInnen entweder keine entsprechenden Anfragen gemacht haben oder aber, dass es solche Anfragen gab, niemand aus dem SFB jedoch willens war, sich der Kritik zu stellen.

Einen Besuch Wert ist die Veranstaltung aber sicherlich auch so und vielleicht erscheinen ja doch noch ein paar SFB-Verteidiger.

Ringvorlesung des AStAs gestartet

November 21, 2008

Wie angekündigt fand gestern die Auftaktveranstaltung der AStA-Ringvorlesung zum FU-Jubiläum statt. Anders als die FU-Leitung konzentriert sich der AStA allerdings nicht nur auf das 60jährige Jubiläum der FU-Gründung, sondern auch auf die Bildung der „kritischen Uni“ vor 40 Jahren und auf die Erkämpfung der „b*freiten Uni“ vor 20 Jahren.

Zu den zentralen Fragestellungen „Was ging damals, was geht heute, können wir aus Fehlern lernen, oder müssen wir sie alle selber machen? Ist heute weniger los, wenn ja, warum?“ wurden daher gestern der Medizinhistoriker Gerhard Baader, der Psychologe Morus Markard und die (hochschul)politische erfahrene Kommilitonin Jenny Simon (HPL) aufs Podium geladen, um gemeinsam mit dem Auditorium über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Widerstand zu diskutieren, der an der Uni stattfindet bzw. von ihr ausgeht. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Kommilitonin Johanna Straß (FSI Geschichte).

Prof. Baader berichtete in seinem Beitrag von den Versuchen die Strukturen an der FU in den 60er Jahren zu demokratisieren. Eines der zentralen Ziele, die Viertelparität, sei zwar bis heute nicht erreicht, doch habe man damals dennoch einiges bewegen können, also die Mitspracherechte von Mittelbau und Studierendenschaft etablieren können. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete 1969 die Wahl Rolf Kreibichs, eines wissenschaftlichen Assistenten, durch das so genannte Übergangskonzil zum ersten Präsidenten der FU. Selbst in der offiziellen FU Chronik heißt es anerkennend, dies sei „eine hochschulpolitische Sensation“ gewesen (FU Chronik).

Baader betonte, dass diese und ähnliche Entwicklungen nur möglich gewesen sein, da sie von unten gekommen wären. Erst die Studierenden mit ihren Aktionen (etwa Streiks) hätten es ermöglicht, dass die Veränderungen am Ende auch auf institutioneller Ebene ankamen. Auch heute sei es wieder nötig und möglich, dass der Protest sich langsam von unten entwickelt und sich so ein zunehmender Widerstand gegen die zahlreichen Missstände in der und über die Uni hinaus aufbaut.

Prof. Markard berichtete von seiner Studienzeit und den Problemen eine Verbindung zwischen seinem Studium und der „realen Welt“ herzustellen. Im Studium selbst sein die interessantesten Lehrveranstaltungen alle nicht prüfungsrelevant gewesen, er habe sich ihnen aber natürlich dennoch gewidmet. Nach der Beendigung seines Studiums hätten ihn erst antiautoritäre Ansätze bei der Bildung eines Kindergartens ermöglicht, das im Studium vermittelte Wissen mit der Lebenswirklichkeit zu verbinden.

Die Situation der Studierenden heute sei eine ganz ähnliche: Der vermeintliche bessere Praxisbezug der neuen BA/MA-Studiengänge sei in Wahrheit nur Schein. Erneut laufe die universitäre, verschulte (Aus)bildung Gefahr, sich verstärkt in einem Elfenbeinturm zu verbarrikadieren. Der berühmte Blick über den eigenen Tellerand hat hier keinen Platz mehr.

Nach Markard geht es an der Uni statt um Kritik nur noch um Effektivitätskriterien, z.B. im Kontext von Drittmittelbeschaffung. Evaluiert werde, inwiefern die Uni die gesetzten Inhalte tatsächlich vermitteln kann, während die Inhalte als solche nicht mehr wirklich hinterfragt werden. Dies sei dann begleitet von einer rein instrumentellen Sichtweise auf die Studierenden (Studierende als „Kunden“ der Uni; als zukünftiges Humankapital, etc.).

Eine kritische Wissenschaft zu praktizieren sei immer noch möglich, eine Veränderung des Bestehenden erreichbar, was Prof. Markard dann ebenfalls mit einem kurzen Exkurs in die 68er Periode der FU verdeutlichte.

Jenny zog dann von ihrer eigenen „FU-Vita“ ausgehend ein Resümee der Protesbewegungen seit der Jahrtausendwende. Zu Beginn ihrer hochschulpolitischen Aktivitäten ging es gerade um die Neuauflage der Rasterfahndung, die an der FU nach dem 11.09.01 zum Thema und zum Problem wurde. Im Zentrum ihrer Betrachtungen stand jedoch der letzte „größere“ Streik an der FU im WS 03/04 mit dem die Einführung von Studiengebühren in Berlin verhindert werden konnte. 2005 sei es beim „Warnstreik“ dann das erste Mal um die Probleme bei der Einführung des Campus Managements und bei den neuen BA-Studiengänge gegangen (Anwesenheitslisten, Workload, sich überschneidende LVs, usw.).

Nicht alle Ziele seien in allen Protesten erreicht worden, aber doch immerhin einige. Was Jenny jedoch bedauert ist, dass in keinem der Proteste wirklich der gesamtgesellschaftliche Kontext beachtet wurde. Immer sei jene Fraktion die dominante gewesen, die sich auf rein hochschulpolitische Forderungen konzentrieren wollte und gesamtgesellschaftliche wenn überhaupt nur eher rein symbolisch aufnahm.

Zusammenfassend lässt sich bis hierhin festhalten: Baader betonte insbesondere die Notwendigkeit des Kampfs der von unten ausgeht. Markard hatte die Tatsache im Fokus, dass Kritik (und zwar eben nicht die „abgespeckte“ Variante) zur Wissenschaft gehört und diese Kritik hoffentlich in naher Zukunft wieder verstärkt gefragt sei. Jenny mahnte schließlich an, dass bei zukünftigen Protesten stärker, also über reine Lippenbekenntnisse hinaus, der gesamtgesellschaftlichen Blick über den Tellerrand eingebracht werden müsse.

Alle drei Redner versuchten dabei ein optimistisches Bild zu zeichnen, was die Mehrheit des Auditoriums offensichtlich ähnlich sah. Es fielen zentrale Sätze wie „Wir sind hier heute zwar nur wenige, doch damals waren es am Anfang ja auch nicht mehr“. Dass solche Bekenntnisse vielleicht doch eher den Charakter von verzweifelten Durchhalteparolen haben wurde dann an einigen Stellen in der anschließenden Diskussion aber doch deutlich.

Etwa am Beispiel von Anwesenheitslisten, die zunehmend von den Studierenden selbst eingefordert werden, selbst wenn Dozierende sie eigentlich gar nicht führen möchten (wir erinnern uns an Zeuners persönliches „Time to go“-Erlebnis, das in der OZ Nr. 6 festgehalten wurde). Neuster Höhepunkt: Wenn der Dozierende nicht selbst Anwesenheitslisten führt, machen die Studierenden eben privat ihre eigene Liste (und legen sie dann vor, nageln sie sich an Wand, whatever).

Eine anwesende Psychologie-Dozentin erzählte, wie sie jeden morgen auf dem Weg von Dahlem Dorf zur Silberlaube die Gespräche der Studierenden unfreiwillig mithört (d.h., sie „belauscht“ sie nicht willentlich, sondern kriegt auf dem Weg einfach die Gespräche mit). Während früher inhaltliche Diskussionen überwogen, die Studierende ihre eigenen Gedanken kreisen ließen, würde es heute immer nur noch um Formalien gehen, um Seite XYZ die zu lesen oder auswendig zu lernen gewesen sei, etc. Anders als früher könne sie heute nicht mehr schlussfolgern, welches Fach die Studierenden studieren, da die Gespräche keinen wirklichen inhaltlichen Bezug mehr hätten.

Eine Studentin im ersten Semester setzte dem entgegen, sie habe vor dem Beginn ihres Physik-Studiums Sorge gehabt an ihrem Fachbereich niemand zu treffen, der wie sie auch Interesse an gesellschaftspolitischen Fragestellungen habe. Tatsächlich habe sie dann aber schnell einige KommilitonInnen gefunden, die in dieser Richtung sensibilisiert waren. Ergo gebe es auch noch in Zeiten wie diesen viele Studierende die bereit sind sich aus dem engen Modulekorsett zu befreien, ihre Gedanken über den verschulten Studienalltag hinaus auszudehnen.

Nun, die zentrale Frage ist sicherlich, ob das was die Kommilitonin aus der Physik beschreibt auch wirklich ein Trend ist. Sind also z.B. jene 40 oder 50 KommilitonInnen die sich gestern im damit nur mäßig belegten Hörsaal 2 der Silberlaube zur AStA-Veranstaltung einfanden die Basis für eine stetig wachsende Bewegung? Oder werden die „üblichen Verdächtigen“ in einer in der Regel überschaubaren Anzahl nicht auch zukünftig meistens unter sich bleiben mit ihrem Engagement?

Wie war das gleich mit der Entwicklung bei den Protesten von 2003/04 zu 2005 zu 2008? 2005 war es nur noch eine „Warnstreiks“-Woche mit zum Vergleich zu 03/04 eher weniger Beteiligung und in der Aktionswoche im letzten Semester gab es eine Idee dessen was konkret eigentlich zu fordern sei nur noch am Rande. Dieses „Protestsemester“ war offensichtlich so hemdsärmelig, dass es gestern nicht einmal mehr Erwähnung fand.

Es müsste schon etwas wirklich Gravierendes passieren, wie etwa 03/04 die drohende Einführung von Studiengebühren, um diesen Abwärtstrend in Sachen hochschulpolitisches Engagement zu stoppen. Selbst dann würde man ihn aber sicherlich nicht umgekehren, sondern nur kurzfristig aufhalten. Auch ginge es dann einmal mehr nur wieder um den kleinsten gemeinsamen Nenner auf den sich alle einigen können (die Verhinderung der Studiengebühren), also eben gerade jene eingeschränkte Perspektive, die Jenny gestern zurecht kritisierte.

Wenn man sich die letzten 10 oder auch 20 Jahre ansieht, gibt es keinerlei Anhaltspunkte die hoffen lassen würden, es gäbe in naher Zukunft wieder eine Studierendenbewegung wie in den 60er und vielleicht noch 70er Jahren. Ohne nun diese „alte Epoche“ verklären zu wollen: Der damalige Protest und sein Ausmaß bleiben in der „Neuzeit“ wohl noch auf sehr lange Zeit unerreicht.

Das führt in ein Dilemma: Einerseits ist es kontraproduktiv, der Studierendenschaft wie mensch sie heute mehrheitlich (sic!) an den Unis antrifft fortlaufend ein emanzipatorisches Potential zuzuschreiben, das sie augenscheinlich einfach nicht hat, andererseits kann man auch nicht einfach die Hände in den Schoß legen und sagen „Es hat eh alles keinen Sinn mehr“. Was bleibt ist eine Strategie die heute schon jeden Tag praktiziert wird, mal mit weniger mal mit mehr Erfolg: Aktivismus in kleineren Gruppen, ohne eine wirklich größere Bewegung loszubrechen.

Erstes Treffen des Arbeitskreis Datenschutz

November 19, 2008

Am morgigen Donnerstag (20.11.) findet um 14 Uhr im AStA-Haus das erste Treffen des Arbeitskreis Datenschutz statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Hintergrund ist die zunehmende Überwachung, die auch an der Uni immer deutlicher zu spüren ist. Immer mehr Räumlichkeiten werden videoüberwacht, personenbezogenen Daten gespeichert und verkettet, der verstärkte Einsatz von Chipkarten immer wieder diskutiert, usw.

Zuletzt bestätigte sich dieser Trend an der FU durch die Datenerfassung im Vorfeld der früher mal wirklich öffentlichen Immatrikulationsfeier sowie durch Werbe-Emails an ausgewählte Studierende durch die FU im Auftrag von Unternehmen. In der Einladung des AStAs heißt es:

„Vielfältige Bestimmungen des Datenschutzrechts und in der technischen Umsetzung sind dabei im Interesse der Betroffenen zu beachten. Datenschutz ist deshalb ein wichtiges Thema an Hochschulen und somit natürlich auch für Studierende. Darum wollen wir uns (…) treffen um mit euch über Datenschutz in den verschiedenen Bereichen zu sprechen und diskutieren. Zudem wollen wir uns über das weitere Vorgehen und mögliche Aktionen unterhalten.“ („Einladung zum ersten Treffen des AK(ArbeitsKreis) Datenschutz“, AStA FU Blog, 15.11.08)

Tatsächlich lässt sich das in vielen Bereichen der Gesellschaft zunehmend auftretende „Phänomen“ der Überwachung und der entweder missbräuchlichen oder zumindest doch fragwürdigen Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten auch immer öfter an der Uni erkennen. Die Gründung eines solchen Arbeistkreises erscheint daher sinnvoll.

Faire Computerbeschaffung jetzt mit Affengriff und Filmabend

November 17, 2008

Engagierte KommilitonInnen sind nach wie vor bemüht an den Berliner Universitäten das WEED-Projekt „PC global“ hochzuziehen, welches sich für eine faire Computerbeschaffung an den Unis einsetzt (siehe „Kampagne für faire Computerbeschaffung läuft an“).

Als Logo hat man sich jetzt für den so genannten „Affengriff“ entschieden, also für die Tastenkombination „Strg+Alt+Entf“, die bei der Kampagne symbolisch für einen Neustart stehen soll. Wobei in der Ankündigung von „Alt Gr“ statt von „Alt“ die Rede ist, was auf neueren Tastaturen zwar auch geht, aber eben nicht die klassische Variante wäre.

Am 15.12. kommt eine Speakers‘ Tour nach Berlin bei der zwei chinesische ArbeitsrechtsaktivistInnen über die Zustände in chinesischen Hardware-Herstellungs-Sweatshops berichten. Die Veranstaltung findet Mittags an der TU Berlin und Abends voraussichtlich im IG Metall-Haus statt. Die genaue Uhrzeit ist noch nicht bekannt, Interessierte sollten den Termin aber schon mal vormerken. Die Beteiligten der Kampagne für faire Computerbeschaffung wollen sich hier einbringen und diese Veranstaltung bewerben. Sie hoffen hier auch neue MitstreiterInnen zu finden.

Auch ein Filmabend ist in Planung, auf dem Dokumentationen wie „Digitale Handarbeit“ und „China Blue“ gezeigt werden sollen. Dieser soll entweder im „Aufsturz“ oder an der Uni (HU oder TU) stattfinden. Die Terminfindung läuft über Doodle. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen vorbeizuschauen.

Doch die AktivistInnen wollen nicht nur Filme sehen, sondern in naher Zukunft auch selber einen produzieren. Zumindest ein kurzes, 3 bis 4 minütiges „Aufklärungsvideo“, welches im Stil von „The Story of Stuff“ die sozialen und ökologischen Probleme der Computerproduktion und die Möglichkeiten der fairen öffentlichen Beschaffung dokumentieren soll. Dieses Video wäre dann auch frei übers Web erhältlich.

Da es der Kampagne immer noch an weiteren UnterstützerInnen fehlt, planen die schon Beteiligten ihr Projekt stärker als bisher an den Unis zu bewerben.

Update 21.11.08

Der oben erwähnte Filmabend mit anschließender Diskussion zum Thema Anti-Sweatshop-Strategien findet am 01.12. (ein Montag) um 18:30 Uhr im „Aufsturz“ statt.

AStA-Veranstaltung zum FU-Jubiläum

November 12, 2008

Am Donnerstag den 20.11. läd der AStA FU um 16 Uhr in die Silberlaube (Hörsaal 2) zur Auftaktveranstaltung seiner Ringvorlesung ein.

Unter dem Motto „Immer nur Dagegen – Zukunft von Anfang an“ wird die Redaktion des AStA-Magazins „FU60: Gegendarstellungen“ eine Diskussion „zur bewegten Geschichte der FU Berlin“ veranstalten. Hintergrund ist das 60. Jubiläum der FU Berlin in diesem Dezember („AStA bringt Jubiläums-Zeitung raus“).

„Anläßlich des 60. Gründungstages der FU haben haben wir Aktive verschiedener Protest-Generationen der eingeladen, die mit uns als Zeitzeugen und immer noch Teilnehmende über Kämpfe und Bewegungen an der FU von 1967 bis heute diskutieren wollen. Was ging damals, was ging heute, können wir aus Fehlern lernen, oder müssen wir sie alle selber machen? Ist heute weniger los, wenn ja, warum?“ („Immer nur Dagegen – Zukunft von Anfang an“, Einladung, AStA FU Blog, 10.11.08)

Auf dem Podium diskutieren dazu Gerhard Baader (Medizinhistoriker, FU Berlin), Morus Markard (Psychologe, FU Berlin) und Jenny Simon (Studentin am OSI) gemeinsam mit dem Auditorium.

Die Veranstaltung könnte sehr interessant werden, solange sie nicht zu einem reinen „Nostalgiker-Treffen“ mutiert.

Protest auf Immafeier trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen

November 6, 2008

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen und aufwendiger Personalien-Erfassung (siehe „Studierende antworten auf Immafeier-Sicherheitswahn mit Alternativveranstaltung“) ist es der FU-Administration nicht gelungen, protestierende Studierende von der gestrigen Immatrikulationsfeier auszuschließen.

Während Gastredner Horst Köhler nach Angaben des Tagesspiegels den Sicherheitsdienst sogar anwies, ein entrolltes Protest-Transparent mit dem Titel „Die Krise heißt Kapitalismus“ nicht runterzureißen und darüber sprach, dass „die Irrtümer und Exzesse, die wir jetzt in der Welt der Finanzmärkte festgestellt haben“ korrigiert werden müssten, übte sich FU-Präsident Dieter Lenzen einmal mehr in altbackenem Antikommunismus und feierte die FU-Gründung als Gegenpol zur HU in Ost-Berlin („‚Renaissance der Demokratie'“, Tagesspiegel, 06.11.08).

Gleichzeitig betonte Köhler jedoch auch die Erfolgsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft in der BRD und zeigte sich zuversichtlich, dass der zukünftige, frisch gewählte US-Präsident Barack Obama ebenfalls ein solches Konzept verfolgen würde.

Den Auftritt einer afrikanischen Trommler- und Tänzerinnengruppe nahm er zum Anlass die Studierenden davor zu warnen, ihr „Verständnis afrikanischer Kultur auf diese folkloristische Darbietung zu reduzieren“ (ebd.). Eine kleine Kolonialismus-Schelte vom Bundespräsidenten an die linke Studierendenschaft, das hat man auch nicht alle Tage. Der Schönheitsfehler bestand allerdings vermutlich darin, dass die Trommler- und Tänzerinnengruppe wirklich aus AfrikanerInnen bestand.

Lenzens Rede wurde von „dumpfen Schläge gegen die Fenster“ (ebd.) gestört, die er geflissentlich zu ignorieren versuchte, während die „Störer“ draußen von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden. Eine Darstellung des Ablaufs durch anwesend gewesene Studierende liegt derzeit leider noch nicht vor.

Für den AStA sprach Sebastian Schneider, der Köhler und Lenzen gleichermaßen als „Repräsentanten der neoliberalen Ideologie“ kritisierte. Ferner ging er auf die negativen Entwicklungen an der FU im Zuge des Bologna Prozesses und der Exzellenzinitiative ein.

Draußen fand indessen wie angekündigt eine alternative Immatrikulationsfeier statt, zu der nach Einschätzung des Tagesspiegels rund 60 Studis gekommen waren, um gegen den Sicherheitswahn im Vorfeld der offiziellen Immafeier zu protestierten und dabei unüberhörbar Musik zu spielen.