Archive for Oktober 2007

OSI-Zukunft und OSI-Zeitung

Oktober 31, 2007

Der Institutsrat wird am 07.11. eine Debatte über zukünftige Schwerpunkte am OSI und die Gestaltung der Lehre führen. Hintergrund ist, dass das OSI in diesem November Zielvereinbarungen mit dem Präsidium für die nächsten zwei Jahre treffen muss.

Die besagte Debatte im IR wird also auch für OSI-Studierende von zentraler Bedeutung sein. Daher planen einige KommilitonInnen ein eigenes, studentisches Papier in diese Diskussion einzubringen. Dieses Papier soll gemeinschaftlich erarbeitet werden, jedeR der/die seine Gedanken dazu einbringen möchte, sollte heute (31.10.) um 12 Uhr ins Rote Café kommen. Dort soll diskutiert werden, wie wir (die Studierenden) uns das zukünftige OSI vorstellen und wie man weiter vorgehen kann (d.h., der studentischen Position Geltung verschaffen kann).

Um 18 Uhr gibt es dann noch eine weitere Veranstaltung in der Ihne22, UG1. Die Redaktion der OSI-Zeitung lädt zu einem Kennenlerntreffen ein. JedeR der/die Lust hat an zukünftigen Ausgaben der OZ mitzuwirken oder sich einfach nur für die Arbeit der OZ-Redaktion interessiert, ist herzlich eingeladen, hier zu erscheinen.

Gegen-AStA an der TU gebildet / Durchbruch für heute erwartet

Oktober 30, 2007

Die Querelen an der TU aus dem letzten Sommersemster (siehe FUwatch vom 16.07.07, 24.07.07 und 31.07.07) finden auch im neuen Semester kein Ende. Nach wie vor blockiert der alte, abgewählte RCDS-dominierte AStA die Bildung eines neuen linken AStAs und will das Wahlergebnis anfechten bzw. eine Neuwahl durchsetzen (breilibue.org).

Notgedrungen ist man nun dazu übergegangen einen Gegen-AStA zu bilden, um die Aufgaben im neuen Semester angehen zu können:

„‚Formal bleibt der RCDS solange im Amt bis das neue StuPa ihn abwählt‘ so das Breite Linke Bündnis auf die Frage zur Relevanz des Gegen-AStA. ‚Wir wollen, dass die TU-Verwaltung endlich tätig wird und uns in der Übergangszeit zumindest gleichberechtigt zum RCDS als Vertretung der Studierendenschaft akzeptiert.‘ Über den formalen Weg seien sie nicht weiter gekommen – deshalb nun dieser Schritt. Nach Ansicht eines Anwalts, der das linke Bündnis berät, der einzige logische Schritt: ‚Die Amtsinhaber des AStA haben sich ihrer Infrastruktur entledigt und können nun ihre gesetzlichen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Meiner Meinung nach gibt es auch formal keinen AStA mehr an der TU.‘

Zur StuPa-Wahl erläuterte er, dass der studentische Wahlausschuss schon lange nicht mehr handlungsfähig sei, weil die drei Herren gar keine Studenten mehr seien. Diese behaupten seit drei Monaten über Einsprüche gegen die StuPa-Wahl zu beraten. Belegen tun sie es mit einer Anwaltsrechnung über 5000 Euro, für die Beratung des Wahlvorstandes. Die ominösen Einsprüche sind nicht öffentlich und der studentische Wahlvorstand seit Juli nicht mehr erreichbar. Dem Hörensagen nach, handelt es sich um selbstproduzierte Einspruchsgründe, die unlautere Wahlwerbung monieren, die der RCDS zum Teil selbst zu verantworten hat.

Die TU-Verwaltung ist unfähig auf die offensichtliche Verschleppung der StuPa-Wahl zu reagieren. Dabei ist das klar in der Satzung geregelt. Der zentrale Wahlvorstand müsste übernehmen, über die Einsprüche entscheiden, das amtliche Endergebnis der Wahl bekannt geben und damit eine konstituierende Sitzung des neuen StuPa ermöglichen. Der AStA als ausführendes Organ des StuPa ist dann erst wählbar. Doch bisher tut sich wenig auf der TU-Verwaltungsebene.“ („Putsch an der TU-Berlin“, Indymedia, 16.10.07)

Nachdem das Nichthandeln der TU-Verwaltung auch von den Medien aufgegriffen wurde (Tagesspiegel, taz, junge Welt, Neues Deutschland) kam schließlich endlich Bewegung in die Sache: Der zentrale Wahlvorstand übernahm die Amtsgeschäfte des studentischen Wahlvorstands, der schon seit Monaten nicht mehr handlungsfähig war.

Doch auch dieser zentrale Wahlvorstand war zunächst nicht beschlussfähig, da auf der Sitzung vom 23.10. vier von sieben Mitgliedern nicht zu der öffentlichen Sitzung erschienen. In der heutigen Sitzung (30.10.) wird das Gremimum allerdings definitiv beschlussfähig sein, da es sich um Dringlichkeitssitzung handelt und die Anzahl der anwesenden Mitglieder damit irrelevant wird (breilibue.org).

Auf der heutigen Sitzung wird daher in jedem Fall eine Entscheidung bezüglich der Einsprüche gegen die StuPa-Wahl herbeigeführt. Werden die Einsprüche als unbegründet zurückgewiesen und der zentrale Wahlvorstand gibt endlich das amtliche Ergebnis der StuPA-Wahl bekannt, kann sich auch endlich das neue StuPa konstituieren und offiziell den neuen AStA wählen.

Die Konstituierung des neuen StuPa ist auch deshalb so wichtig, weil es sonst kein Gremium gibt, das zur Urabstimmung zum Semesterticket einladen kann. Damit stünde der nächste Super-GAU vor der Tür: Ohne Urabstimmung keine Verlängerung des Semestertickets im Sommersemester 2008 an der TU („Semesterticket für 2008 gefährdet“, Neues Deutschland, 26.10.07).

Das Breite Linke Bündnis (BreiLiBü) hat die Ereignisse der letzten Zeit inzwischen auch in einem offenen Brief an die Verwaltung der TU-Berlin [Link im Moment defekt] zusammengefasst.

Update 31.10.07

Wie erwartet hat der zentrale Wahlvorstand in seiner gestrigen Dringlichkeitssitzung die Einsprüche gegen das Ergebnis der StuPa-Wahl abgelehnt und das amtliche Endergebnis der Wahl bekanntgegeben. Damit kann das neue StuPa nun endlich zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen und den neuen AStA wählen („Streit um Asta der TU Berlin beendet“, Tagesspiegel, 31.10.07).

Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister

Oktober 29, 2007

Eine der besseren Passagen im dritten Asterix-Zeichentrickfilm, „Asterix erobert Rom“, zeigt die beiden Helden Asterix und Obelix bei dem Versuch, den berüchtigten „Passierschein A 38“ in einer Behörde zu ergattern, die den bezeichnenden Namen „Haus, das Verrückte macht“ trägt. Zwar gelingt es Asterix am Ende den Schein zu erhalten, indem er das System gegen sich selbst ausspielt, aber bevor es soweit ist, stehen er und Obelix kurz davor in der bürokratischen Endlosschleife dem Wahnsinn zu verfallen.

Ähnlich müssen sich Studierende an der FU fühlen, die einen der so genannten „Kombi-Bachelor-Studiengänge“ belegt haben. Beim Kombi-BA studiert man mehr als ein Fach, es ist sozusagen das Nachfolgemodell für die alten Magister-Studiengänge. Allerdings mit einigen außerordentlich unangenehmen Unterschieden.

War es früher möglich, sich für das Hauptfach einzuschreiben und die Nebenfächer (jetzt „Modulangebote“ genannt) erst in den beiden ersten Semester zu wählen, so müssen heute bereits zu Beginn des Studiums alle Fächer (Kernfach plus Modulangebote) feststehen. Wegen des hohen NCs in den Modulangeboten bekommt aber nicht jeder Studierende seine Wunschkombination bewilligt, viele wählen daher die Option, sich das Modulangebot „zuteilen“ zu lassen.

Mit teils drastischen Folgen, denn viele Studierenden sind mit diesen zugeteilten Angeboten wie Mathematik, Griechisch oder Lateinischer Philologie schlicht weg überfordert. Dort herrschen Prüfungsbedingungen vor, die selbst für „fachaffine“ KommilitonInnen nur schwer zu bewältigen sind. Für Studierende ohne eine entsprechende Affinität zum Fach der nackte Albtraum.

Die Hofffnung für die meisten ist, dass sie später noch ihre Nebenfächer („Modulangebote“) wechseln können. Doch die dafür zu nehmenden Hürden sind hoch und teilweise eben auch absurd:

„Durch die Modularisierung der Studiengänge etwa kann ein Modulangebot nur noch in geraden Semestern neu anfangengefangen werden – also zum Winter. Gleichzeitig erlaubt die FU einen Studienfachwechsel nur bis zu Beginn des dritten Semesters, danach ist ein Wechsel seltsamerweise nur erlaubt, wenn gleichzeitig das Kernfach gewechselt wird. Zusätzlich gibt es eine weitere Vorschrift, die besagt, dass zwischen Kernfach und Modulangeboten nur zwei Semester Abstand sein dürfen – wiederum eine absolute Hürde für viele Wechselwillige.“ („Die Module spielen verrückt“, AStA FU, 17.10.07)

Es ist offensichtlich, dass es unter solchen Bedingungen kaum möglich ist einen Wechsel der Modulangebote zu vollziehen, die ungeliebten Modulangebote kleben so auf ewig an einem (bei Lehramtstudierenden sogar bis in den Master hinein). Es bleibt als Ausweg nur der Hochschulwechsel oder ganz einfach der Abbruch des Studiums.

Um den Studienerfolg in den neuen BA-Studiengänge zu kontrollieren, wurde vom FU-Präsidium eine Studie in Auftrag gegeben, die unter anderem auch über die Abbrecherquote Auskunft geben soll. Das Ergebnis liegt bereits seit dem letzten Semester vor, ist aber angeblich so fatal, dass es vom Präsidium zurückgehalten wird. Doch natürlich sickern die Zahlen langsam durch. Mathias Bartelt, Mitglied der FSI Philosophie und studentischer Vertreter im Institutsrat Philosophie hat im FSI-Blog unlängst welche veröffentlicht:

„Die Studienabbruch-Quote in den BA-Studiengängen der FU liegt großen Teils über den Abbruchquoten der im selben Zeitraum überprüften Magisterstudiengänge. In einigen Studiengängen fast um das Doppelte. Insgesamt über 50% der BA-Studierenden, sowohl in den Modulangeboten als auch im Kernfach, haben ihr Studium bisher abgebrochen.

Ein wichtiger Grund für die hohen Abbruchquoten sind fehlende Möglichkeiten zum Fachwechsel, wie auch aus einem aktuellen Artikel der AStA-Hochschulberatung deutlich wird. Aus derenn bisherigen Erfahrungen der Beratung geht hervor, daß ohne einfachere Optionen für den Fachwechsel viele Bachelorstudierende geradezu zum Abbruch bzw. Uniwechsel gezwungen sind.“ („Alles wird besser“, FSI Blog, 18.10.07)

Eine Abbrecherquote von über 50%, die dann auch noch deutlich über den Abbrecherquoten der im selben Zeitraum überprüften Magisterstudiengänge liegt, das ist wirklich bitter – sowohl für die Verantwortlichen, wie natürlich auch für die betroffenen KommilitonInnen.

Vollversammlung an der ASFH beschließt Boykott des CHE-Rankings

Oktober 28, 2007

Die Studierenden der Alice-Salamon-FH (ASFH) haben auf ihrer Vollversammlung am 25.10.07 beschlossen, das diesjährige CHE-Ranking im Studiengang Soziale Arbeit zu boykottieren:

Stupa-Präsident Tobias Berger: ‚Mit 199 Stimmberechtigten war dies die größte Vollversammlung seit langem.‘ An der ASFH studieren rund 1900 Menschen. Zusätzlich sprachen sich die Student_innen dafür aus, dass der AStA bei zukünftigen Rankings an der ASHB frühzeitig darüber informiert werden soll. In diesem Jahr war das nicht der Fall. ‚Wir fordern das Rektorat nun dazu auf sich dem Beschluss der Vollversammlung anzuschließen, nicht am CHE-Ranking teilzunehmen und fordern alle Studierenden auf, Post die sie vom CHE erhalten bei uns im AStA abzugeben‘, so Andrea Remmers, Vorsitzende des AStA der ASFH. Auch die Wortmeldung eines CHE Vertreters konnte die Studierenden nicht von ihrem Boykott abbringen. Die Pressesprecherin des AStA Nicole Biele sagte dazu: ‚Wir hoffen dass unser Boykott sich auch auf andere Hochschulen auswirkt und sie sich uns anschließen.‘ (AStA der ASFH, 25.10.07)

Hintergrund des Boykotts ist, dass das CHE-Ranking wegen seiner Nähe zur Bertelsmann-Stiftung und methodischen Mängeln zunehmend in die Kritik gerät. So nimmt etwa die Schweiz bereits nicht mehr am CHE-Ranking teil, Österreich will sich im nächsten Jahr anschließen. Beim CHE wird freilich betont, die Zusammenarbeit sei von Seiten des CHE aufgekündigt worden (derStandard.at, 03.09.07).

Thorsten Stegemann stellt in einem Telepolis-Artikel jedoch einen generellen Trend heraus, Hochschul-Rankings kritisch zu betrachten:

„Auch in Europa werden zunehmend seriöse, und das heißt vor allem: nachprüf- und tatsächlich vergleichbare Parameter verlangt. Standardisierte Fragebögen, die geringe Rücklaufquote, der Verdacht zielgerichteter Manipulationen und der offenkundige Versuch, völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen auf allerlei seltsamen Wegen miteinander in Beziehung zu setzen, sorgen hier ebenfalls für wachsenden Unmut und praktische Konsequenzen.“ („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07)

Im Fall der ASFH hat das Rektorat die Empfehlung der Vollversammlung jedoch ignoriert und die Briefe mit den Zugangsdaten der Online-Umfrage des CHE an die Studierenden verschickt, weshalb jetzt dazu aufgefordert wurde, die Briefe mit den Zugangsdaten beim AStA abzugeben, „um ein deutliches Zeichen zusetzen, dass wir es mit dem Boykott ernst meinen“ (Hochschulpolitikreferat des AStA der ASFH).

Vermutet wird, dass dem Rektorat der Boykottaufruf ungelegen kam, „denn gute Platzierungen beim CHE-Ranking gehören traditionell in den gern und weit verbreiteten Pressespiegel“ („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07).

Skeptisch zeigt sich Torsten Harmsen in der Berliner Zeitung, was den Erfolg der Aktion angeht:

„Natürlich muss man zweifeln, ob die Studentenaktion Erfolg hat. Immerhin gilt das CHE-Ranking als das etablierte Uni-Ranking. Es wertet in neun Kategorien, darunter ‚Studium und Lehre‘, ‚Ausstattung‘ und ‚Internationale Ausrichtung‘. Aber es gab in jüngster Zeit auch Kritik, wie man erst am 24. August 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen konnte, wo Fachleute aus der Schweiz und Österreich ‚gravierende Mängel an der Erhebungsmethode‘ feststellten.

So kann man die Aktion der Berliner Studenten zumindest als Warnung ansehen: Man sollte sich nie blind auf Studien und politische Ratgeber verlassen. („Widerstand gegen Elite-Uni“, Berliner Zeitung, 27.10.07)

Aus der Aktion könnte sich jedoch durchaus noch mehr entwickeln, bereits jetzt hat der AStA ASFH die Landes Asten Konferenz Berlin, den AStA FU und den RefRat HU zur Unterstützung gewinnen können („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07).

Sollte die ASFH mit der Boykottaktion Erfolg haben und sich der Boykott tatsächlich weiter ausdehnen, hätte das CHE schnell ein größeres Problem, es müsste zumindest auf Rankings unter Studierendenbeteiligung verzichten. Die größere Hürde auf dem Weg dahin wäre allerdings eher die Gewinnung einer tatsächlichen Mehrheit der Studierendenschaft für die Aktion (und nicht nur des jeweiligen AStA oder einer Mehrheit auf einer VV).

Natürlich könnte die Sache auch nach hinten losgehen, wenn das CHE nämlich dann den (theoretischen) studentischen Massenboykott mit einem Achselzucken quittiert und sein Ranking einfach ohne Studierendenbeteilgung durchdrückt und den Nimbus eines maßgeblichen Rankings trotzdem aufrecht erhalten kann.

Miranda Schreurs am OSI

Oktober 27, 2007

In diesem Semester hat Prof. Dr. Miranda Schreurs die Nachfolge von Prof. Dr. Martin Jänicke als Leiterin der Forschungsstelle für Umweltpolitik (FFU) angetreten.

Die Professur ist eigentlich gekoppelt mit der für Vergleichende Politiklehre (VPL), hier geht es um die Nachfolge von Prof. Dr. Barbara Riedmüller. Diese von Frau Schreurs wahrzunehmende zweite Funktion ist aber anscheinend zur Zeit auf Eis gelegt, während Prof. Riedmüller weiterhin Lehrveranstaltungen in ihrem Bereich anbietet.

Miranda Schreurs ist nach Angaben des FFU spezialisiert auf „vergleichende Umweltpolitikforschung, Energiepolitik und internationale Kooperation in der Umweltpolitik“. Über ihren akademischen Werdegang heißt es:

„Prior to this she was Associate Professor in the Department of Government and Politics, University of Maryland. Schreurs’ work focuses on comparative environmental politics and policy in Europe, the US, and East Asia. She was born and raised in the United States and has also lived for extended periods in Japan and Germany and briefly in the Netherlands. Her PhD is from the University of Michingan and her MA and BA from the University of Washington. She has also spent time researching or teaching at Harvard University, Utrecht University, the Freie Universität Berlin, Keio University, Chuo University, and Rikkyo University (…)“ (FFU)

Prof. Schreurs ist also schon viel rumgekommen und durch die Konzentration auf Themen wie die vergleichende Umweltpolitikforschung ist sie sicherlich auch die ideale Doppelbesetzung für die Bereiche FFU und VPL.

Den Einstand gibt sie dieses Semester mit einer Vorlesung zum Thema „Introduction to Comparative Politics“ und mit einem Hauptseminar zur „Praxis der Klimaschutzpolitik“, das sie zusammen mit Lutz Mez und Franzjosef Schafhausen leitet (LVs von Prof. Schreurs im WS 07/08).

Dieter Lenzen Fanclub mit neuer Website

Oktober 26, 2007

Der Dieter Lenzen Fanclub (DLFC) hat die Gunst der Stunde (siehe „Lenzen Fans sprengen Immatrikulationsfeier“) genutzt, seine Website neu zu gestalten.

Präsentiert wird ein 10-Punkte-Programm zur „ganzheitlichen Unterstützung“ Dieter Lenzens, welches unter anderem eine „Verschlankung der Hochschulpolitischen Entscheidungsstrukturen statt Räterepublik-ähnlichen Bedingungen“ fordert und Studierenden mit schlechteren Noten die Möglichkeit bieten möchte, „durch adäquate Jobs der jeweiligen Institute (…) ihre Kaufkraft bspw. durch Kopierarbeiten oder Engagement in der Mensa auszugleichen“, um so „exzellente Forschung auch direkt [zu] unterstützen“.

Das Webdesign ist brachial und wäre vermutlich nur durch eine Anlehnung an das Original FU „Corporate Design“ noch zu toppen gewesen.

Lenzen Fans sprengen Immatrikulationsfeier

Oktober 25, 2007

Nachdem es in letzter Zeit recht still um ihn geworden war, feierte der „Dieter Lenzen Fanclub“ (DLFC) gestern ein spektakuläres Comeback. Der DLFC hatte im Vorfeld der gestrigen Immatrikulationsfeier dazu eingeladen, „Lenzen zu klatschen“ (BBFB Blog, 23.10.07). Als weiteres Event stand ein durch eine weitere Gruppe initiiertes „Exzellenzsaufen der Elite“ auf dem Programm, bei dem der frisch gekürte Exzellenzcluster „Vergleichendes Dosenstechen“ Einblicke in seine Arbeit gewähren sollte (BBFB Blog, 23.10.07).

Laut AStA hatte man seitens des FU Präsidiums versucht, die angekündigten Proteste bereits im Keim zu ersticken:

„Die Ankündigungen von Protestaktionen durch verschiedene studentische Gruppen zur zentralen Immatrikulationsfeier der Freien Universität Berlin sorgte bereits im Vorfeld für Wirbel. Durch verschärfte Sicherheitsbedingungen versuchte das Präsidium, mögliche Proteste im Keim zu ersticken. Private Sicherheitskräfte führten stichprobenartige Personenkontrollen durch: Taschen und Jacken durften nicht mit in die Veranstaltung gebracht werden, vor dem Gebäude patroullierten Polizeieinsatzkräfte einer Berliner Hundertschaft, im Inneren beobachteten Zivilpolizisten des Landeskriminalamts misstrauisch die Anwesenden im Audimax der FU.“ („Eklat bei Immatrikulationsfeier“, AStA FU, 24.10.07)

Wie inzwischen auch in einigen Zeitungsartikeln nachzulesen ist, gelang es jedoch nicht, die „Störer“ von ihren Aktionen abzuhalten. Schließlich verließ Präsident Lenzen entnervt den Henry Ford Bau:

„Studenten der Freien Universität haben die Immatrikulationsfeier ihrer Hochschule für Proteste gegen den Elite-Titel und das FU-Präsidium genutzt. Die Rede des FU-Präsidenten Dieter Lenzen ging gestern im überfüllten Audimax der Uni fast vollständig in Sprechchören, Zwischenrufen, Gesängen und Pfiffen unter. Auch in vier anderen Hörsälen, in die die Feier wegen des großen Andrangs übertragen wurde, war Lenzens Ansprache an die Erstsemester kaum zu verstehen.“ („Proteste bei FU-Feier“, Tagesspiegel, 25.10.07)

„Als Dieter Lenzen dann selbst die Bühne des Audimax betrat, brandete Applaus und Jubel auf. Laut, zu laut. In Wirklichkeit hatten diese klatschenden Studenten nur Hohn un Spott für Lenzen übrig (…) Prompt ätzten seine vermeintlichen Fans nach dem Klatschen los: ‚Freies Denken brauch ich nicht! Dieter, sprich! Dieter, sprich!‘ und ’68 ist vorbei, nur der Markt, der macht uns frei!‘. Laut Asta zündete auch noch jemand eine Stinkbombe – da wurde es Präsident Lenzen zu bunt – er verließ verärgert den Saal.“ („Eklat an der FU Berlin“, Spiegel Online, 24.10.07)

Ein ausführlicher Pressespiegel zu diesem Eklat findet sich im BBFB Blog.

OSI-Bibliothek nun videoüberwacht

Oktober 24, 2007

In den Semesterferien informierte mich ein Kommilitone darüber, dass ihm am OSI aus einem Schließfach sein Portemonnaie geklaut worden ist, das Schließfach sei einfach aufgebrochen worden. Er berichtete zudem von zwei weiteren Fällen, einen in der rechtswissenschaftlichen Bibliothek und einem weiterem am OSI. Insgesamt drei Fälle im Zeitraum von drei Wochen.

Und es waren bei weitem nicht die einzigen Fälle, Diebstähle kamen immer wieder vor (siehe Spind Squatting und Bibliothek Diebstähle). Unklar ist, ob dies nun Studierende waren, die ihre KommilitonInnen beklauten oder ob es externe Personen waren (das Foyer ist ja frei zugänglich). Inzwischen hat man reagiert und die OSI-Bibliothek mit Videoüberwachung ausgestattet.

Nun ist das mit Videoüberwachung immer so eine Sache, es gibt durchaus gute Gründe der zunehmenden Überwachung des öffentlichen (und privaten) Raums kritisch gegenüberzustehen. Wenn wie hier aber ein Punkt erreicht wurde, an dem sich die Diebstähle häufen, Portemonnaies (und anderes) nicht nur aus frei zugänglichen Jacken gestohlen werden, sondern auch gleich ganze Schließfächer aufgebrochen werden, dann muss man wohl resignieren und festellen: Ohne Videoüberwachung geht es offenbar nicht mehr.

Es bleibt zu hoffen, dass die neue Videoausstattung nun auch wirklich dazu beiträgt, die Diebstahlserie zu beenden oder wenigstens auf ein Minimum zu reduzieren. Vorsichtshalber warnt das neue Schild an der Eingangstür auch davor, Wertgegenstände in den Schließfächern einzuschließen.

Alltag an der Eliteuni

Oktober 23, 2007

„Aufgrund einer organisatorischen Panne, die außerhalb des Verantwortungsbereichs der Bibliothek liegt, stehen zur Zeit nur ein Kopierer, bei dem der Münzeinwurf defekt ist und der folglich nur mit einer Kopierkarte (aber Achtung: der Kartenautomat ist auch weg) bedient werden kann, und ein DIN-A-3-Kopierer zur Verfügung. Lesesaalbücher können deshalb vorübergehend mit einem Benutzerausweis kurzfristig zum Kopieren in der Universitätsbibliothek oder in einem Copyshop ausgeliehen werden. (…) Hoffentlich stehen bald die neuen Kopierer zur Verfügung (einen Termin dafür haben wir leider noch nicht)!“

(Ihne21 Blog, 10.10.07)

Killt Lenzen mit seinen neuen Muskeln jetzt Zöllners Superuni?

Oktober 22, 2007

Kaum war die FU am Freitag in den erlauchten Kreis der „Eliteunis“ aufgerückt, da ließ FU-Präsident Lenzen auch gleich seine neuen Muskeln spielen indem er der Superuni-Idee von Bildungssenator Zöllner (siehe „Berlin Research University – Die konsequente Weiterentwicklung des Exzellenzgedankens“) eine klare Abfuhr erteilte (expliziter denn je) und stattdessen die Vormachtsstellung der FU in Berlin proklamierte („FU-Präsident sieht Führungsrolle Berlins“, Tagesspiegel, 20.10.07).

Tatsächlich war von Anfang an unklar, wie Zöllners Vision einer „Berlin Research University“ mit der Exzellenzinitaive in Einklang gebracht werden sollte, streckenweise war sogar die Rede davon gewesen, der Vorstoß könne die Exzellenzbestrebungen der Berliner Unis gefährden (siehe „Killt Zöllners Superuni die Exzellenzaussichten der Berliner Unis?“). Nun sieht es umgekehrt so aus, als würde Lenzens klares Nein Zöllners Projekt vom Tisch fegen, denn ohne die neue „Eliteuni“ kann Zöllner schwerlich seine Superuni hochziehen („Supersenator ohne Superuni“, taz, 22.10.07).

Zöllner scheint sich indes noch nicht geschlagen zu geben, in einem Gastbeitrag im heutigen Tagesspiegel konkretisiert er erstmals seine Idee einer Superuni („Signal zum Aufbruch“, Tagesspiegel, 22.10.07). Wobei „konkretisieren“ vielleicht der falsche Begriff ist, Zöllners Konstrukt bleibt nach wie vor recht nebulös. Eine prägnante Zusammenfassung des Beitrags findet sich ebenfalls im Tagesspiegel („Zöllner gibt Pläne zur ‚Super-Uni‘ bekannt“, Tagesspiegel, 21.10.07).

Denkbar wäre eine Annäherung zwischen Lenzen und Zöllner, die Vision einer „Superuni“ wird aber vermutlich nicht mehr verwirklicht, da Zöllners Pläne neben der FU offenbar auch von der HU und TU abgelehnt werden.

Zulassungsverfahren für den Master Politikwissenschaft

Oktober 21, 2007

Das neue Papier „Studieren am OSI“ dokumentiert ab Seite 37 auch die Struktur des Master-Stundiengangs Politikwissenschaft. Interessierte können dort nachlesen, wie der Studiengang aufgebaut ist und was er inhaltlich abdeckt.

Unklar war bis vor kurzem dagegen, wie das Zulassungsverfahren zum MA abgelaufen ist, wie viele Studierende sich beworben haben, wie viele angenommen wurden, etc. Der Kommilitone Stefan Hernádi hat dies im September dankenswerterweise im osi-protest-Verteiler zusammengefasst. Der Beitrag ist im Original im LHG OSI Blog dokumentiert.

Demnach gab es für dieses Semester ingesamt ca. 150 Bewerbungen auf 60 freie Plätze, die vom Immatrikulationsbüro direkt ans OSI weitergeleitet wurden. Am OSI wurde das Zulassungsverfahren dann von einer Vierergruppe bestehend aus Frau Stelter, Frau Rossa-Dubray, Prof. Funke und Prof. Massing durchgeführt. Gemäß Vergabeordnung ist eigentlich der Prüfungsauschuss für die Auswahl der Bewerbungen zuständig, dieser hat dann aber die Enscheidung der Vierergruppe 1:1 übernommen. Ein Verfahren, das zukünftig anders ablaufen wird (dazu unten mehr).

Voraussetzung für eine Zulassung sind 90 LP im bisherigen politikwissenschaftlichen Studium, da das absolvierte Studium dann als gleichwertig zum BA oder anderen Abschlüssen gilt. Unter den gleichwertigen Bewerbungen entscheidet dann die bessere Note. Allerdings schreibt die Vergabeordnung vor, dass ein bestimmter Prozentsatz (8 Plätze) auch durch Auswahlgespräche vergeben werden muss.

Unter den BewerberInnen für dieses Semester befanden sich jedoch nur 68, die das Kriterium der Gleichwertigkeit erfüllt hatten. Da sich von diesen mit Sicherheit nicht alle auch zum Studium einschreiben würden, wurde sowohl auf eine Rangfolge nach Noten als auch auf Auswahlgespräche verzichtet, um die 60 freien Plätze zu besetzen. In Zukunft wird man allerdings nicht mehr ohne Auswahlkriterien auskommen können, da zu vermuten steht, dass die Anzahl der BewerberInnen merklich ansteigen wird.

Unter den 68 Zugelassenen befanden sich 27 mit einem politikwissenschaftlichen Abschluss, davon kamen aber nur 7 vom OSI, von denen wiederum 3 schon ein Diplom gemacht hatten. Letztere sorgten für Irritationen, da sich keiner erklären konnte, mit welcher Motivation jemand mit einem Diplom noch einen Master draufsatteln will, gelten beide Abschlüsse doch als gleichwertig. Vermutlich steht dahinter die Sorge, dass das Diplom in Zukunft vielleicht nichts mehr „wert“ ist, was allerdings unbegründet ist, da das Prüfungsbüro die Gleichwertigkeit des Diploms zum Master auf Wunsch schriftlich bescheinigen kann. Denkbar wäre ansonsten nur, dass die BewerberInnen sich in ihrem MA-Studium noch weiter spezialisieren möchten (dann wäre allerdings ein anderer MA-Studiengang vielleicht besser).

Für das kommende Sommersemester 2008 ist vorgesehen, das ganze Zulassungsverfahren offizieller und transparenter zu gestalten. Der Prüfungsausschuss wird eine Auswahlkommission einsetzen, in der dann unter anderem auch die Studierenden vertreten sein werden.

FU Berlin schafft knapp den Sprung zur „Eliteuni“

Oktober 20, 2007

Nachdem die FU Berlin im letzten Jahr noch beim Versuch Eliteuniversität zu werden scheiterte, gelang ihr gestern in der zweiten Exzellenzrunde schließlich der erhoffte Durchbruch. Zusammen mit der RWTH Aachen und den Universitäten Heidelberg, Konstanz, Freiburg, Göttingen darf sich die FU nun „Eliteuni“ schimpfen. Gemeinsam mit der Uni Karlsruhe und den beiden Münchener Universitäten (LMU und TUM), die bereits im letzten Jahr „Eliteunis“ wurden, gibt es damit jetzt insgesamt neun „Elitehochschulen“ in Deutschland.

Bereits am Donnerstagabend zeichneten sich Aachen, Heidelberg und Konstanz als Favoriten ab, sie zählten zur so genannten „grünen Gruppe“. Dagegen wurden die FU und Freiburg in die „gelbe Gruppe“ gerankt, standen damit auf der Kippe. In die „rote Gruppe“ mit den geringsten Aussichten zählten Bochum, Göttingen und die HU („Favoriten-Trio der Eliteunis steht fest“, Spiegel Online, 19.10.07).

Ohne Göttingen in Norddeutschland und die FU in Ostdeutschland wäre die Dominanz des Südens in Sachen Exzellenzinitiative noch stärker gewesen als es ohnehin schon der Fall ist („Sechs Hochschulen werden Elite-Unis“, Spiegel Online, 19.10.07). Vor diesem Hintergrund ist es dann schon auffällig, dass diese Unis den Sprung zur Elite neben den Favoriten aus dem Süden ebenfalls geschafft haben. Hier scheint dann doch Proporz mit reingespielt zu haben.

An den Argumenten die gegen die Exzellenzinitiative sprechen, hat sich seit dem letzten Jahr nichts geändert. Die beiden Hauptkritikpunkte bleiben, dass auf diesem Weg eine Zwei-Klassen-Hochschullandschaft in Deutschland etabliert wird (siehe dazu einmal mehr die Zusammenfassung des Hartmann Vortrags) und dass die Initiative sich zu sehr auf die Forschung konzentrierte, während die Lehre vernachlässigt wurde.

Problematisch ist auch, dass der Erfolg bei der Exzellenzinitiative dem Präsidium unter Lenzen als Bestätigung dienen wird, den neoliberalen Umbau der Uni weiter voranzutreiben und dabei den antidemokratischen Führungsstil beizubehalten.

Der AStA fasst die Zustände an der FU in einer Presseerklärung wie folgt zusammen:

„Studentische Belange erfahren in diesem System ausschließlich Nachteile. Favorisierte ProfesorInnen werden nicht berufen, Institute werden zusammengelegt oder geschlossen, studentische Initiativen müssen ihre Räume abgeben, Bibliotheken, wie etwa die philosophische und noch über 100 andere werden geschlossen bzw. zentralistisch zusammengelegt. Insgesamt über 50% der BA-Studierenden haben ihr Studium bislang abgebrochen, vor allem wegen der fehlenden Möglichkeit zum Fachwechsel. Auf der anderen Seite wird Geld für Prunkbauten wie der philologischen Bibliothek herausgeschleudert, ein Public-Private-Partnership mit dem Klett-Verlag im ehemaligen Ethnologen-Bau eingerichtet sowie ein Luxushotel hochgezogen. Diese Zustände wurden nun durch das Prädikat ‚Eliteuniversität‘ ausgezeichnet.“ („FU wird Eliteuni – kein Grund zum Feiern“, AStA FU, 19.10.07)

Einen Einblick in den neusten Alltagswahnsinn liefert unterdessen das FSI Geschichte Blog, dort findet sich eine nette Zusammenfassung über den aktuellen Stand des Existenzgründerprogramms („Bist Du ein Funpreneur?“) an der FU:

„Ein Blick auf die Website von profund offenbart das ganze Elend der neuen Gründungseuphorie. Auf der Liste der erfolgreichen Unternehmensgründungen finden wir neben einem Partyservice und einem Vertrieb für Rapskernöl auch eine Existenzgründungsberatung. Das also ist der Sinn des Studiums: Rapsöl quetschen oder Schnittchen schmieren, und wer übrig bleibt lässt sich von einer Existenzgründerberatung bei der Gründung einer Existenzgründerberatung beraten. Kapitalismus bizarr – offensichtlich haben die Postmarxisten recht: das System wird immer virtueller. Demnächst werden wir uns nicht mehr nur alle gegenseitig von Callcentern aus anrufen, sondern uns auch noch wechelweise unsere Existenz begründen.“ („Idee muss nicht vorhanden sein – Existenzgründung an der FU“, FSI Geschichte Blog, 18.10.07)

Konsequenterweise muss der Exzellenzwahn dann auch verfilmt werden, auf exzellenz-cluster.de findet sich schon das Plakat zu „Angriff der Exzellenz Cluster“.

Hesse beurlaubt

Oktober 19, 2007

Kurzfristig wurden für dieses Semester alle Lehrveranstaltungen von Prof. Hesse abgesagt. Auf seiner Website heißt es, er sei für einen „Forschungsaufenthalt im Ausland“ beurlaubt. Die Frage ist nur, warum das so ausgesprochen kurzfristig bekannt gemacht wurde (nämlich erst am ersten Tag der Vorlesungszeit). So wird es extrem schwierig werden noch Ersatz für Hesses Überblicksvorlesung zu finden.

Etwas mehr erfährt man im LHG Blog über den Fall:

„Und am Otto-Suhr-Institut hat der (nach meiner Kenntnis im Rechtsstreit mit der FU befindliche) Prof. Dr. Joachim Jens Hesse kurzfristig am Montag alle seine Veranstaltung für dieses Semester abgesagt – wie heute auf den Gängen zu erfahren war, um in den Urlaub zu fahren. Genehmigt habe er sich das selbst. Wenn diese Information richtig ist, müssten aus meiner Sicht Disziplinarmaßnahmen folgen. Eine Frechheit ist es auf jeden Fall, erst am ersten Tag der Vorlesungszeit alle Veranstaltungen abzusagen!“ (LHG Blog, 17.10.07)

Wenn Hesse sich wirklich im Rechtsstreit mit der FU befindet, worum geht es da und war das wirklich der Grund für die Absage seiner Lehrveranstaltungen? Hat Hesse die Sache von sich aus hingeschmissen und wurde ihm gar von FU-Seite „empfohlen“, sich dieses Semester eine Auszeit zu nehmen?

Auffällig ist zudem, dass nicht nur Hesses Veranstaltungen ausfallen, sondern auch die von seinem Mitarbeiter Priv.-Doz. Dr. Florian Grotz. Bei diesem stand der Ausfall seiner LVs m.E. allerdings schon länger fest. Einzig das Proseminar von Simon Schubert scheint in diesem Semester stattzufinden.

Natürlich wird ein so außerordentlich beliebter Dozent wie Prof. Hesse am Institut schmerzhaft vermisst. Doch falls er nicht wie andere Kenner des deutschen Rechtsstaats aus Verdruss über die hiesigen Verhältnisse in Rio in den Ruhestand geht, steht er den zukünftigen Schlipsträgern in der Studierendenschaft ja vielleicht schon nächstes Semester wieder zur Verfügung.

FUwatch wird jedenfalls an dem Fall dran bleiben und die Leserschaft darüber informieren, falls Näheres zum Verbleib des „Masters of Anwesenheitslisten“ bekannt wird.

Das große Nachdenken

Oktober 18, 2007

Wie angekündigt kam es am gestrigen Mittwoch zum universitäts-internen Showdown in der „Scharenberg-Affäre“. Die FSI Students’ Board hatte ins JFKI eingeladen, um zu diskutieren, warum zwei dringend benötigte Juniorprofessuren immer noch unbesetzt sind und warum Dr. Albert Scharenberg trotz einhelliger Empfehlung durch die Fachgremien vom FU Präsidium als Bewerber für eine der besagten Juniorprofessuren abgelehnt wurde.

Wie nicht anders zu erwarten erschien der eingeladene FU-Präsident Dieter Lenzen nicht und auch die ebenfalls eingeladene erste Vizepräsidentin Prof. Ursula Lehmkuhl sagte zunächst ihr Kommen wegen anderer Termine kurzfristig wieder ab – erschien dann aber zum Glück doch noch.

Prof. Lehmkuhl als Repräsentantin des Präsidiums saßen Dr. Scharenberg und dessen Doktorvater Prof. em. Wolf-Dieter Narr gegenüber. Moderiert wurde die Veranstaltung von Yuca Meubrink und Sarah Hostmann, zwei Kommilitoninnen aus der FSI Students‘ Board. Weitere erwähnenswerte Akteure mit zentralen Auftritten in der Diskussion waren Prof. Hajo Funke (OSI) und Prof. Harald Wenzel (JFKI). Ebenfalls anwesend aber verhältnismäßig ruhig: Prof. em. Peter Grottian. Sowie zahlreiche weitere Studierende und Dozierende die den Raum 324 im JFKI gut füllten.

Qualifikation und Alter

Herr Scharenberg begann seinen Vortrag damit, dass er sich nicht über seine eigene Qualifikation auslassen wolle, Fakt sei aber, dass ihn die Berufungskommission auf die erste Stelle der Liste gesetzt habe und dieser Vorschlag sei sowohl durch den Fachbereichsrat (FBR) PolSoz als auch durch den JFK-Institutsrat inzwischen jeweils zwei Mal bestätigt worden.

Er würde sich zudem die Frage stellen, wieso das Präsidium eigentlich glaube, besser als die Fachgremien zu wissen, wer für eine Stelle qualifiziert sei und wer nicht. Wozu, so Herr Scharenberg weiter, gäbe es dann die langwierige Berufungsprozedur überhaupt? Dann könne man es doch gleich lassen und das Präsidium die Stellen besetzen lassen. Das, ergänzte Prof. Grottian daraufhin sarkastisch, würde früher oder später sicherlich auch so kommen.

Auch sein zu „hohes Alter“ wollte Dr. Scharenberg als Einwand nicht gelten lassen, schließlich gäbe es an der FU Juniorprofessoren die bei ihrer Ernennung sogar noch älter als er gewesen sein. Herr Funke verwies zudem darauf, dass das Alter grundsätzlich kein Kriterium für eine Absage sein könne, dies verstieße gegen das Antidiskriminierungsgesetz.

Für Prof. Funke ist die Begründung Herr Scharenberg sei zu alt und nicht ausreichend genug qualifiziert allein schon deshalb willkürlich, weil nicht weiter konkretisiert wurde, worauf genau diese Einschätzung eigentlich beruht.

Zu Beginn der Diskussionsrunde sah es so aus, als wolle Frau Lehmkuhl das Problem auf ihren Vorgänger im Vizeamt, Prof. Klaus Hempfer, abwälzen, auf den der ablehnende Brief wegen Herrn Scharenbergs Alter-Qualifikation-Kombination zurückging. Trotz konkreter Nachfrage, wollte Prof. Lehmkuhl aber bis zuletzt nicht verraten, ob sie nun zu der Einschätzung von Herrn Hempfer auf Distanz geht oder nicht.

Dennoch versuchte sie natürlich, die Position des Präsidiums halbwegs zu verteidigen. Man habe sich einfach Herrn Scharenbergs wissenschaftlichen Output im Verhältnis zu seinem Alter angesehen und sei dabei zu der Feststellung gekommen, dass das für die Stelle nicht reiche. Für höhnisches Gelächter im Auditorium sorgt dann Prof. Lehmkuhls Bekenntnis, man sei dabei rein quantitativ vorgegangen, indem man die Anzahl von Herrn Scharenbergs Publikationen gezählt hätte. Und grundsätzlich, so Frau Lehmkuhl weiter, gelte die Faustregel, dass ein Bewerber für eine Juniorprofessur nicht älter als 35 sein sollte.

Befangenheit

Ein weiterer Vorwurf der in der Scharenberg-Affäre eine zentrale Rolle spielt ist der der Befangenheit. Konkret richtet sich dieser Vorwurf gegen die Vorsitzende der Berufungskommission, Prof. Margit Mayer, und den externen Gutachter Prof. Christoph Scherrer.

Von mehreren Beteiligten wurde an Prof. Lehmkuhl aber zunächst die Frage gerichtet, warum der Befangenheits-Vorwurf erst jetzt vorgebracht wurde, während es zunächst ja nur um das angeblich zu hohe Alter und die angeblich zu geringe Qualifikation von Dr. Scharenberg ging. Frau Lehmkuhl konnte das nicht wirklich beantworten, sie deutete nur an, dass der Befangenheits-Vorwurf nicht schon damals als Begründung herangezogen worden sei, weil man die Exzellenz-Bemühungen in denen das JFKI in jener Zeit steckte, nicht durch Negativ-Publicity gefährden wollte. Intern sei die Befangenheits-Thematik schon länger diskutiert worden.

Anschließend entbrannte dann ein hitziger Streit darüber, ob Prof. Mayer und Prof. Scherrer tatsächlich befangen waren oder nicht. Frau Lehmkuhl verwies darauf, dass auf der Website des JFKI nachzulesen gewesen sei, dass Herr Scharenberg bei Prof. Mayer habilitiere. In einer schriftlichen Stellungnahme die verlesen wird machte Frau Mayer jedoch deutlich, dass dies ein Irrtum sei. Herr Scharenberg habe urspünglich die Habilitation angestrebt, das Vorhaben dann aber aufgegeben, da eine Habilitation durch die Einführung der Juniorproffesur nicht mehr von nöten war. Herr Scharenberg sei zudem zu keinem Zeitpunkt ihr (Mayers) Mitarbeiter gewesen. Dr. Scharenberg bestätigt diese Angaben, er würde nicht mit Frau Mayer zusammenarbeiten und natürlich sei er bei seiner Vorbereitung auf die Bewerbung nicht von Prof. Mayer beraten worden.

Daraufhin entwickelte sich eine bizarre Diskussion darüber, ob eine Website als aussagefähige Informationsquelle dienen kann oder nicht. Frau Lehmkuhl vertrat hier die Position, es sei immerhin eine offizielle FU-Website und der Hinweis auf Dr. Scharenbergs Habilitation sei erst entfernt worden, nachdem sie Prof. Mayer daraufhin angesprochen habe.

Zum endgültigen Eklat kam es dann, als die angebliche Befangenheit Scherrers diskutiert wurde. Herr Scharenberg verwies darauf, dass er Prof. Scherrer kaum kenne, er würde ihn nur alle drei Jahre auf einer Tagung sehen und da beschränke sich ihr Kontakt auf ein „Guten Tag“. Und als Herr Scherrer in den 90ern am JFKI tätig war, war er (Scharenberg) dort noch nicht.

Als Prof. Lehmkuhl dann von Herrn Scharenberg wissen wollte, wie viele Publikationen er zusammen mit Prof. Scherrer veröffentlich hat, betonte Dr. Scharenberg noch einmal, keine einzige Publikation mit Herrn Scherrer herausgebracht zu haben, da er ihn wie gesagt kaum kenne. Frau Lehmkuhl erwiderte, dass dies einfach nicht stimme, woraufhin Herr Scharenberg ihr aufgebracht entgegnete, sie solle ihm doch einfach mal eine Publikation nennen, die er angeblich zusammen mit Prof. Scherrer veröffentlicht habe.

Daraufhin verließ Prof. Lehmkuhl für 15 Minuten den Raum, um telefonisch zu recherchieren, welche Arbeiten Herr Scherrer und Herr Scharenberg angeblich zusammen herausgebracht haben sollen. Das Auditorium höhnte, sie solle ihren „Telefon-Joker“ ruhig nutzen, sich dann aber entschuldigen, wenn sie ihre Behauptung nicht belegen könne. Frau Lehmkuhl kehrte zwar zurück, löste den Fall aber nicht auf.

Pikant ist ein weiteres Detail: Prof. Lehmkuhl sah sich selbst offenbar schon einmal dem Vorwurf der Befangenheit ausgesetzt, als sie Vorsitzende der Berufungskommission für eine Juniorprofessur im Bereich „Geschichte“ am JFKI war. In diesem Fall ließ das Präsidium die Liste zurückgehen, Frau Lehmkuhl trat als Vorsitzende der Berufungskommission zurück und die Kandidatin konnte so doch noch angenommen werden. Der entscheidende Punkt: Hier gab es offenbar wirklich eine Kommunikation zwischen Präsidium und Kommission, die eine Lösung des Problems möglich machte. Im Fall von Herrn Scharenberg lehnte das Präsidium den Kandidaten dagegen knallhart ab, eine Kommunikation zum FBR oder der Kommission fand nicht statt bzw. wurde stark verzögert. Der Vorwurf der daraus an das Präsidium abgeleitet wird ist also, mit zweierlei Maß zu messen.

Hajo Funke und das große Nachdenken

Frau Lehmkuhl war gegen Ende der Veranstaltung stark angeschlagen, durch ihr Auftreten konnte sie den Verdacht, bei der Ablehnung von Herrn Scharenberg sei etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen, nicht entkräften. Im Gegenteil hatte sich der Eindruck verstärkt, das Präsidium müsse politische Gründe für das Rauskanten von Dr. Scharenberg gehabt haben.

Herr Funke und Herr Wenzel waren daraufhin bedacht, der eskalierenden Diskussion wieder einen Drift zu geben, der in eine konstruktivere Richtung führen würde. Schließlich sei man ja zusammenkommen, um eine Lösung für das Problem zu finden. Herr Funke hielt noch einmal fest, dass der Befangenheits-Vorwurf unhaltbar sei und machte den Vorschlag, dass man nun die Kommission austauschen und das Verfahren wiederholen sollte, um das Problem zu lösen. Herr Wenzel brachte dagegen eine W2-Stelle als Alternative zur Juniorprofessur ins Spiel.

Schließlich einigte man sich mit Prof. Lehmkuhl darauf, gemeinsam noch mal über die ganze Angelegenheit „nachzudenken“. Herr Funke bezeichnete diese Übereinkunft als echten Fortschritt, was zunächst sarkastisch klang, von ihm aber ernst gemeint war, wie sich dann herausstellte. In vier Wochen will man sich am JFKI erneut zusammenfinden, um eine Lösung zu finden. Bis dahin soll die Kommunikation zwischen den Akteuren verbessert werden.

Wirklich zufrieden schienen die anwesenden Studierenden aber nicht zu sein, sie hatten immer wieder betont, wie sehr man die Stelle für die Lehre benötigen würde und nachgefragt, ob noch die Möglichkeit bestünde, dass die Professur noch in diesem Semester besetzt würde. Einerseits ist diese Sorge verständlich, andererseits zeugt dieses Auftreten aber auch von einer gewissen Hemdsärmlichkeit. Ein Großteil der anwesenden JFKI-Studierenden war offenbar sehr stark darauf fixiert, dass die Lehre in diesem Semester gewährleistet sein müsse und die Stelle besetzt werden müsste (egal wie und durch wen), der eigentliche, viel weiterreichende Skandal der im äußerst undemokratischen Vorgehen des Präsidiums besteht, spielte für sie offenbar nur eine eher untergeordnete Rolle.

Fazit

Trotz mehrfacher Nachfrage hat sich Frau Lehmkuhl nicht dazu geäußert, welche der Vorwürfe gegenüber Herrn Scharenberg das Präsidium jetzt eigentlich noch aufrecht erhalten möchte. Und das obwohl die Diskussion deutlich gezeigt hat, dass alles was sich das Präsidium an Argumenten zurecht gelegt hat, einer genaueren Überprüfung nicht standhält.

In der vielleicht etwas naiven Vorstellung, das Präsidium unter Lenzen sei rationalen Argumenten zugänglich (die ganze Affäre beweist eigentlich, dass das nicht der Fall ist), haben Herr Funke und Herr Wenzel die aus dem ruderlaufende Diskussion wieder eingefangen und Prof. Lehmkuhl mit der „Nachdenken“-Option den Rettungsstrohhalm gereicht, den sie am Ende so dringend benötigte. Wann immer zum Schluss noch eine konkrete Frage an Frau Lehmkuhl gerichtet wurde, brauchte diese einfach nur sagen, „Das klären wir nach dem ‚Nachdenken'“ oder „Darüber wollen wir ja jetzt erst einmal nachdenken“.

Die Frage ist: Wie kommt das bei Lenzen an? Nun, er hat einmal mehr gesehen, dass er die Dinge aussitzen kann, dass er einfach nur Zeit schinden braucht, dass sich seine inneruniversitären Opponenten im Zweifelsfall immer wieder vertrösten lassen. Aber nun gut, wir werden ja sehen, was dann in vier Wochen tatsächlich passiert. Meine Prognose: Man wird sich erneut vertagen. Der mediale Hype um die Affäre, den man jetzt vielleicht noch nutzen könnte, wird dann in jedem Fall aber längst abgeklungen sein.

PuK-KommilitonInnen erzielen Teilerfolg

Oktober 17, 2007

Wie angekündigt gab es am Montag Aktionen von PuK-KommilitonInnen sich neue Freiräume in Dahlem zu schaffen, nachdem die Publizistik auf diesen Teil des Campus‘ umgezogen ist. Konkret ging es um die Forderung nach neuen Räumlichkeiten für die FSI PuK und das Café Tricky.

Im FSI Blog wird berichtet, dass man zumindest einen Teilerfolg erzielen konnte, da den Protestierenden der Raum 168 (im OEI) zugeteilt wurde. Dieser ist bedauerlicherweise nur sehr klein, so dass die AktivistInnen darauf beharren, dass dies nur eine Übergangslösung sein kann.

Um diesen Teilerfolg zu erreichen, besetzten die Studierenden zunächst einen anderen Raum (einem Foto im BBFB Blog zu folge vermutlich R211), hier gab es aber sofort einen Konflikt mit der Fachbereichsverwaltung, da der Raum für andere Zwecke benötigt wurde. Wie das BBFB berichtet, wurde mit einer polizeilichen Räumung gedroht, erst nach mehrstündigen Verhandlungen entschärfte sich die Situation und die Studierenden bekamen den Raum 168. In der nächsten Woche soll es weitere Verhandlungsgespräche für einer dauerhafte Lösung des Raumproblems geben.

Die Puk-KommilitonInnen erklärten unterdessen in einer Stellungnahme ausführlich, warum und wofür sie diese Räumlichkeiten benötigen. Diese Stellungnahme ist unter anderem im FSI Geschichte Blog dokumentiert.

Die Scharenberg-Affäre

Oktober 16, 2007

Die „FSI Student Board“ (manchmal auch „FSI Students‘ Board“ geschrieben) lädt zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Wo bleiben unsere Juniorprofessuren?“ am 17.10. um 14 Uhr im JFKI, Raum 340 ein.

Eingeladen sind FU-Präsident Dieter „Eames Chair“ Lenzen (aka Dieter der Gebieter), die erste FU-Vizepräsidentin Prof. Ursula Lehmkuhl (am JFKI beheimatet) sowie alle Lehrenden und Studierenden.

Um was geht es?

Das JFKI eröffnet in diesem Semester seine „Graduate School of North American Studies“, das „exzellente“ Aushängeschild der FU (am Freitag sehen wir, ob es dabei bleibt oder die FU noch „höhere Weihen“ erhält). FU-Präsident Lenzen brauchte diese Graduierten-Schule dringend, sie ist praktisch die Rampe zum Aufstieg der FU zur Eliteuni. Diese zentrale Bedeutung vor Augen, wurden dem JFKI sechs Juniorprofessuren versprochen.

Und tatsächlich konnte sich die FU mit dem Konzept der „Graduate School of North American Studies“ dann in der ersten Exzellenzrunde durchsetzen. Doch trotz durchgeführter Berufungsverfahren fehlen mehr als eineinhalb Jahre später immer noch zwei Juniorprofessoren, die am Institut dringend benötigt werden.

Eine dieser beiden Stellen sollte durch Dr. Albert Scharenberg besetzt werden, der schon länger an der FU tätig ist und sich im Berufungsverfahren gegen andere Kandidaten durchsetzen konnte (inkl. externer Gutachten, etc.). Er wurde auf die erste Stelle der Berufungsliste gesetzt und der Vorschlag wurde sowohl durch den Fachbereichsrat Politik- und Sozialwissenschaften als auch durch den JFK-Institutsrat inzwischen jeweils zwei Mal bestätigt.

Damit war die Sache eigentlich endlich erledigt, doch FU-Präsident Lenzen stellte sich quer und leitete die Liste nicht, wie im Landeshochschulgesetz vorgesehen, an Wissenschaftssenator Jürgen „Dagobert“ Zöllner weiter. Offizielle Begründung: Scharenberg sei „im Hinblick auf sein Lebensalter (42 Jahre) in keiner Weise ausreichend wissenschaftlich qualifiziert, um auf Exzellenzniveau in einem Bereich mitzuarbeiten, der als bisher einziger im Exzellenzwettbewerb erfolgreich war“ (offizielle Begründung des FU-Präsidiums zitiert nach Spiegel Online, 10.09.07)

Fadenscheinige Begründung

Beide Argumente, das vermeintlich zu hohe Alter gekoppelt mit der angeblich mangelnden Qualifikation, sind lächerlich. Bezüglich des Alters schreibt Michael Plöse in einem lesenswerten und ausführlichen Artikel:

„Selbst für Juniorprofessuren macht § 102a des Berliner Hochschulgesetzes das Alter der Kandidaten explizit nicht zur Voraussetzung. Und auch andere Juniorprofessorinnen und -professoren an der FU sind bei ihrer Einstellung deutlich älter als 40 Jahre gewesen.“ („Der Professorenschlag“, Telepolis, 15.10.07)

Und auch die zweite Aussage, Scharenberg sei wissenschaftlich nicht ausreichend qualifiziert, um das „Exzellenzniveau“ zu halten, trägt nicht:

„Dr. Albert Scharenberg ist Historiker und Politologe. Als Nordamerika-Spezialist ist er seit Jahren Lehrbeauftragter für Politik und Amerikastudien am John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin und Redakteur der renommierten Blätter für deutsche und internationale Politik. Bereits drei Monographien hat der Verlag Westfälisches Dampfboot von Scharenberg herausgebracht. Selbst die Einführungsvorlesung im Nordamerikastudiengang hat er gehalten.“ (ebd.)

Zudem: Sowohl FU-interne als auch externe Fachleute haben Scharenberg seine Qualifikation bescheinigt. Offensichtlich ist die Begründung für die Ablehnung durch das FU-Präsidium also nur vorgeschoben. Es stellt sich folglich die berechtigte Frage, was denn nun die tatsächlichen Gründe für eine Intervention seitens Lenzen waren.

Der Verdacht: Die Ablehnung war politisch motiviert

Mitte September entschließt sich der Spiegel-Autor Philipp Wittrock Licht ins Dunkel zu bringen und veröffentlicht bei Spiegel Online einen Artikel aus dem hervorgeht, dass die Kollegen von Scharenberg an der FU politsche Gründe vermuten („Linke Nummer an der FU Berlin“, Spiegel Online, 10.09.07). Demnach war Scharenbergs Tätigkeit im Kuratorium der linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) ausschlaggebend für Lenzens Veto.

Beweise gibt es für dieses Gerücht nicht, aber es hält sich hartnäckig, gerade weil eben die offizielle Begründung für die Ablehnung wie ausgeführt ausgesprochen fadenscheinig ist. Erdrückend für Lenzen ist, dass es eben offensichtlich nicht nur eine Einzelstimme ist, die unterstellt, das Präsidium habe Scharenberg aus politischen Gründen abblitzen lassen, diese Ansicht scheint im Institut viel mehr „common sense“ zu sein:

„‚Es steckt mehr dahinter als das Alter‘, sagt ein Mitglied [der Berufungskomission, Anm. FUwatch]. Ein anderes sagt: ‚Alle wissen, dass die Entscheidung irrational ist, sie hat allein einen politischen Hintergrund.‘ Aus dem Umfeld des Präsidiums wird fast schon Abscheu für die Kuratoriumstätigkeit Scharenbergs überliefert: ‚Stellen Sie sich vor, der ist in der Rosa-Luxemburg-Stiftung.‘ Hinter verschlossenen Türen werde auf höchster Ebene über linke Seilschaften und Verschwörungen spekuliert.“ („Linke Nummer an der FU Berlin“, Spiegel Online, 10.09.07)

Der Fall Scharenberg ist allerdings auch nicht der erste Skandal an der FU in dieser Richtung. So sollte z.B. 2005 nach Lenzens Wille der Chefredakteur des Magazins „Cicero“ (für das Lenzen auch schreibt), Wolfram Weimer, den Lehrstuhl für journalistische Praxis besetzen – entgegen der wissenschaftlichen Empfehlung. Schließlich zog Weimer dann seine Bewerbung aber zurück.

Die „Scharenberg-Affäre“ wurde dann von weiteren Zeitungen aufgegriffen, unter anderem von der Berliner Morgenpost (11.09.07), dem Neuen Deutschland (12.09.07), der Berliner Zeitung (14.09.07), der jungen Welt (22.09.07) und jetzt.de (26.09.07). Und auch der AStA FU verurteilt in einer Pressemitteilung das „autoritäre Eingreifen des Präsidiums“ („Berufungsverfahren am John-F.-Kennedy Institut der FU Berlin“, AStA FU, 13.09.07).

Offener Brief von 200 Wissenschaftlern an den Präsidenten

Am gestrigen 15.10. erschien dann ein offener Brief als Anzeige im Berliner Tagesspiegel, der von rund 200 deutschen und internationalen Wissenschaftlern unterschrieben war:

„(…) Dass wir uns in dieser Personalangelegenheit, die normalerweise aus gutem Grund nicht öffentlich behandelt wird, an Sie wenden, liegt an den Gerüchten, die uns – wie auch sicherlich Ihnen – seither zu Ohren gekommen sind und die Ihren angeblich wahren Motiven gelten, die Berufungsliste Scharenberg nicht weiterzureichen (vgl. die Berichterstattung bei ‚Spiegel Online‘ sowie in ‚Berliner Zeitung‘, ‚Berliner Morgenpost‘ u.a.).

Wir wenden uns an Sie in der tiefen Sorge um die wissenschaftliche Freiheit, auf die sich die Forschung und Lehre an der FU, schon in ihrem Namen und Logo, stolz beruft. Uns scheint der Gedanke, politische Antipathien – und zwar der Umstand, dass Dr. Albert Scharenberg auch dem Kuratorium der Rosa-Luxemburg-Stiftung angehört – könnten bei diesem Berufungsverfahren eine entscheidende Rolle gespielt haben, gänzlich mit dem an Exzellenz orientierten Anspruch und dem freiheitlichen Geist der FU unvereinbar zu sein. Und es wäre zweifellos verheerend für die Freie Universität, wenn sich der Eindruck verfestigte, hier würden Professuren nach politischer Opportunität besetzt.

Da wir uns mit Ihnen einig wissen, dass wir Schaden von der FU Berlin abwenden wollen, da wir uns weigern anzunehmen, Sie seien dabei, um kleinlicher, gar oberflächlich politischer Einwände willen nicht primär der Person Dr. Albert Scharenberg, wohl aber der Sache Nordamerikastudien in Forschung und Lehre sowie der akademischen Freiheit an der FU Berlin zu schaden, appellieren wir an Sie, das Fehlverhalten des Präsidialamts umgehend zu korrigieren (…)“ (Offener Brief an den Präsidenten der FU, 14.10.07)

Die Liste der Unterzeichner macht vor allem deutlich, dass das Vorgehen des FU Präsidiums nicht nur innerhalb von Deutschland, sondern auch international Irritationen hervorgerufen hat.

Die Reaktion des Präsidiums

Das Präsidium weist den Vorwurf der politischen Opportunität natürlich „aufs Schärfste zurück“, wie es in der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels heißt („Der Fall Scharenberg“, Tagesspiegel, 16.10.07). Viel mehr sei die Entscheidung der Berufungskommission rechtlich beanstandet worden:

„Ein Mitglied der Kommission und ein Gutachter seien Scharenberg gegenüber befangen gewesen, und dies hätten sie verschwiegen (…) Aus der Universität ist zu hören, dass die Vorsitzende der Kommission, die Politologin Margit Mayer, Scharenbergs Habilitation betreute.“ („Der Fall Scharenberg“, Tagesspiegel, 16.10.07)

Bei Spiegel Online wird dagegen deutlich, wer der besagte befangene Gutachter sein soll:

„Welches Mitglied der Berufungskommission das Präsidium nun als befangen erachtet, ist unklar. Was die externen Gutachter angeht, ist der Uni-Spitze – nach einem nunmehr monatelangen Verfahren – offenbar aufgefallen, dass der Kasseler Wissenschaftler Christoph Scherrer in den 90er Jahren am JFK-Institut wissenschaftlicher Assistent Margit Mayers war, die nun der Berufungskommission für die Juniorprofessur vorsitzt. 1999 habilitierte Scherrer am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU.“ („Professoren kritisieren FU-Präsidenten“, Spiegel Online, 15.10.07)

Nimmt man die Informationen vom Tagesspiegel und Spiegel Online zusammen, so sind es offenbar Scherrer als externer Gutachter und Mayer als Vorsitzende der Berufungskommission, die man im Präsidium für befangen hält.

Ein insgesamt eher schwaches Ausweichmanöver (zudem es verhältnismäßig spät kommt), der Rückhalt für Scharenberg ist groß, von allen Fachleuten wurde ihm bestätigt von den BewerberInnen für die Stelle die erste Wahl zu sein. Zusätzlich buddelt der Tagesspiegel noch den ehemaligen Vizepräsident der FU, Klaus Hempfer, aus:

„Das Politische werde von den Briefschreibern ‚hochgespielt‘, sagt Hempfer, der sich einst in der ‚Notgemeinschaft‘ an der Freien Universität engagierte. Die Notgemeinschaft war bis 1990 eine Gruppe konservativer Professoren, die die FU gegen den Einfluss linker Hochschullehrer und -gruppen verteidigen wollte. Hinter dem Brief stünden offenbar ‚interessierte Kreise‘, die der FU im Elitewettbewerb schaden wollten, so Hempfer. Es könne kein Zufall sein, dass er wenige Tage vor der Entscheidung am kommenden Freitag erschienen sei.“ („Der Fall Scharenberg“, Tagesspiegel, 16.10.07)

Wie hieß es weiter oben im Spiegel Online Zitat noch über das Präsidium: „Hinter verschlossenen Türen werde auf höchster Ebene über linke Seilschaften und Verschwörungen spekuliert“ („Linke Nummer an der FU Berlin“, Spiegel Online, 10.09.07).

Dass Präsident Lenzen der Einladung ins JFKI am Mittwoch folgt, ist eher unwahrscheinlich (wir erinnern uns ja noch gut an den Dezember 2005). Vielleicht erscheint aber wenigstens Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl um mit Scharenberg und den FU-Studierenden die fragwürdige Personalpolitik an der FU zu diskutieren. Voll werden dürfte es jendenfalls im JFKI.

PublizistInnen mobilisieren für das Café Tricky

Oktober 15, 2007

Wie das BBFB kurzfristig mitteilt, soll es heute „langsam beginnend“ ab 10 Uhr (bzw. 12 Uhr, die Angaben divergieren leicht) am OSI / OEI eine Reihe von symbolischen Aktionen für Räumlichkeiten für das Café Tricky und die FSI PuK geben. Hintergrund ist, dass das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft nun bereits doch schon in den vergangenen Semesterferien nach Dahlem umgezogen ist (zum größten Teil wenigstens), es hier aber noch keine Räume für das studentische Café und die FSI PuK gibt, was zur Zeit in Lankwitz noch der Fall ist.

Wie berichtet, war es am FB PolSoz umstritten, ob ein Umzug der Publizistik noch zu Beginn dieses Wintersemester realisierbar ist oder nicht. Offensichtlich wurde die Sache nun aber doch durchgezogen. Einerseits ist es für viele PuK-KommilitonInnen sicherlich von Vorteil, nicht mehr nach Lankwitz pendeln zu müssen; und auch aus organisatorischer und mobilisierungsstrategischer Sicht ist das räumliche „Zusammenwachsen“ der Studierendenschaft am FB PolSoz positiv zu bewerten. Andererseits steht zu befürchten, dass das Raumproblem mit dem Café Tricky und der FSI PuK nicht das einzige seiner Art bleiben wird.

Wer sich für den Erhalt des Cafés Tricky einsetzen möchte (denn ohne neuen Raum in Dahlem wird es sicherlich über kurz oder lang wegfallen), sollte sich jedenfalls heute ab 10 Uhr am OSI / OEI einfinden (im BBFB Blog steht was von Ihne22).