Advent, Advent, die Lehre brennt

Wie der Tagesspiegel heute berichtet wird die „Eliteuni“ FU im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie gegenüber TU und HU im Bereich Lehre deutlich zurückgefallen ist:

„Die Freie Universität wird im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie in der Lehre gegenüber der TU und der HU weniger leistungsfähig ist. Das teilte Dieter Lenzen, Präsident der FU, am Mittwoch im Akademischen Senat der Hochschule mit. Es handle sich um einen ‚massiven Einbruch‘, die Summe entspreche 40 Mitarbeiterstellen. Berlins Unis erhalten einen wachsenden Teil ihres Landeszuschusses im Wettbewerb untereinander – im Jahr 2008 bereits 30 Prozent. Zu den Leistungskriterien des Senats gehört auch die Zahl von Absolventen, die die Unis in der Regelstudienzeit zum Ziel führen.

Das FU-Präsidium will nun eine ‚Qualitätsoffensive Lehre‘ starten. In den Zielvereinbarungen mit den Fachbereichen sollen jeweils bestimmte Maßnahmen festgelegt werden. In einem Papier mit Eckpunkten schlägt die Uni-Leitung ein ‚Self-Assessment-Verfahren‘ für Studienbewerber und studienvorbereitende Brückenkurse vor. Mentoringprogramme und die Studienfachberatung sollen ausgebaut werden. Die Fachbereiche sollen sicherstellen, dass Studierende nicht bestandene Prüfungen zeitnah wiederholen können. Die Fachbereiche sollen sich auch flexibler verhalten, wenn es darum geht, externe Bewerber zu Masterstudiengängen zuzulassen.“ („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Den Grund für das Problem sieht man laut Tagesspiegel besonders im „Drei-Fach-Bachelor“ bei dem die Studierenden drei verschiedene Fächer („Modulangebote“) studieren, was angeblich einfach organisatorisch und personell nicht machbar ist. Außerdem wählen die verrückten Studierenden einfach immer die falschen Kombinationen.

„(…) Als sich die FU für den Drei-Fach-Bachelor entschied, geschah dies, um die kleinen Fächer besser in die Studienreform integrieren zu können. Die Kapazitäten in den kleinen Fächern reichen oft nicht, um Studienangebote mit 60 Leistungspunkten bereitzustellen. Auch könnte die Schwelle für Studierende, ein Orchideenfach wie ostasiatische Kunstgeschichte zu wählen, kleiner sein, wenn es im Studium nur mit 30 Leistungspunkten als eines von zwei Nebenfächern zu Buche schlägt. Aus Sicht des Präsidiums wäre es jedoch eine bessere Lösung, wenn sich fortan jeweils zwei kleine Fächer zusammentun und sich auf ein gemeinsames Angebot mit 60 Punkten verständigen. („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Mit anderen Worten die „Qualitätsoffensive Lehre“ wird darauf hinauslaufen, dass die Fächer mit geringer ökonomischer Verwertbarkeit abgewertet werden. Es darf sich studienordnungsmäßig einfach nicht mehr lohnen „Orchideenfächer“ wie Kunstgeschichte zu studieren, dann werden diese spinnerten BA-Studis schon noch einsehen, dass sie mal besser BWL studieren.

Die FU-Führung gerät ins Schwimmen und hatte bereits Mitte November im Akademischen Senat einen zehn Punkte-Plan zur Verbesserung der Lehre vorgestellt:

  1. System der Mentoringprogramme in allen Fachbereichen verstärken.
  2. Studienfachberatung: alle Lehrenden halten einmal in der Woche eine Sprechstunde, nicht nur einmal im Monat.
  3. Bachelor: Anerkennungspraxis der Scheine von anderen Unis liberalisieren – Bologna soll Mobilität steigern und nicht senken.
  4. Übergänge: Fachbereiche sollen im Rahmen von Studienverlaufsplänen den Wechsel im ersten Semester liberalisieren, Geschlechterstereotype sollen aufgebrochen werden.
  5. Status von ausländischen Studierenden: Zulassungspraxis für Masterstudiengänge fördern, auch aufgrund des Zukunftskonzepts der International Network University.
  6. Einführungswochen sollen in einzelnen Fächern ernster genommen werden und bereits vor Beginn des Semesters stattfinden.
  7. Einführung zentraler Studien- und Prüfungsbüros in den Fachbereichen—verlässliche und ausreichende Öffnungszeiten.
  8. Wiederholungsleistung von Prüfungen soll zeitnah ermöglicht werden.
  9. Flächendeckende Evaluationen in den Fachbereichen für jeden Studiengang einen Studiengangsleiter an den Fachbereichen, der die inhaltliche Weiterentwicklung des Studiengangs und das Lehrangebot plant.

(nach: „Evaluation statt Mitbestimmung – Neues aus dem Akademischen Senat (14.11.07)“, FSI Blog, 21.11.07)

Im FSI Geschichte Blog wird die Kritik an diesen 10 Punkten treffend zusammengefasst:

„Aber was steckt eigentlich hinter den ‚Zehn Punkten‘? Letztendlich nur eine etwas weichere, flexiblere Handhabung des Bestehenden. Eine radikale ‚Reform der Reform‘ hin zu mehr Wahlfreiheit für Studierende, weniger verschulten Inhalten und natürlich mehr Mitbestimmung bei der Gestaltung des Studiums und der Studienordnungen bleibt aus. Doch wäre dies das einzig notwendige. Auch die beste Evaluation degeneriert letztlich zum Kontrollinstrument, wenn die Umfrageergebnisse geheimgehalten werden und die Studierenden bei den aus der Evaluation folgenden Reformprojekten nicht mitreden dürfen.“ („Zehn Punkte für den Bachelor? Eine Blamage und keine Reform“, FSI Geschichte Blog, 14.12.07)

Wie der oben zitierte Tagesspiegel-Artikel deutlich macht, geht es sogar ganz im Gegenteil darum die Wahlfreiheit noch stärker als ohnehin schon einzuschränken und die Studiengänge noch weiter zu verschulen.

Als weitgehend gescheitert muss inzwischen aber nicht nur die BA-Einführung als solche betrachtet werden, sondern auch der Versuch die katastrophalen Zustände zu deckeln. Der berüchtigte „Studienerfolgsbericht“ (siehe „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“) ist inzwischen online verfügbar und es gibt immer mehr Artikel in den Medien zu dem Sachverhalt (Pressespiegel zum Beispiel im AStA Blog).

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4 Antworten to “Advent, Advent, die Lehre brennt”

  1. Das liberale Blog an der FU Berlin » Blog Archive » FU verliert Millionen wegen schlechter Lehrbedingungen Says:

    […] in der letzten Kommission für Lehre andeutete, der Tagesspiegel heute berichtet und FUwatch kommentiert, komme auf die FU wegen der Probleme im Bereich der Lehre Kürzungen in Millionenhöhe […]

  2. “Qualitätsoffensive Lehre” im Original « FUwatch Says:

    […] Der Tagesspiegel ging bereits damals in einem Artikel ausführlich auf dieses Konzept einer “Qualitätsoffensive Lehre” ein (“Die FU fällt in der Lehre zurück”, Tagesspiegel, 21.12.07) und auch FUwatch berichtete (“Advent, Advent, die Lehre brennt”). […]

  3. Eklat im Akademischen Senat der FU « die fachschaftsinitiativen Says:

    […] veröffentlicht hätte (siehe dazu auch hier die Berichterstattung auf FUwatch: “Advent, Advent, die Lehre brennt” und “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”.), Magister-Student sei, falsche Berichte […]

  4. Was erlauben Bartelt! « FUwatch Says:

    […] veröffentlicht hätte (siehe dazu auch hier die Berichterstattung auf FUwatch: “Advent, Advent, die Lehre brennt” und “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”.), Magister-Student sei, falsche Berichte […]

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