Naumann vs. Neugebauer – Teil 2

Wie gestern berichtet, eskalierte der Bibliotheksstreit zu einem Schlagabtausch zwischen Prof. Dr. Ulrich Naumann von der Universitätsbibliothek (UB) und Dr. Gero Neugebauer (OSI/OSZ).

Prof. Naumann echauffierte sich in einer Antwort dass es ihm „schwer falle, das Schreiben von Herrn Dr. Neugebauer nicht unmittelbar einem Anwalt zu überstellen mit der Bitte, hier die Interessen der dort unsachlich angegriffenen Mitglieder der Freien Universität Berlin in einer zivilrechtlichen Klage wahrzunehmen“. Weiterhin war von „ehrabschneiderischen Unterstellungen“ die Rede.

Die Beurteilung der Situation war jedoch schwierig, da FUwatch nicht der Ausgangs-Brief von Dr. Neugebauer vorlag, über den Prof. Naumann sich so aufgeregt hatte. Inzwischen haben InformantInnen FUwatch jedoch mit dem besagten Brief versorgt, den Neugebauer an „die Mitglieder des Fachbereichsrats des FB Politik- und Sozialwissenschaften nachrichtlich den Mitgliedern des Institutsrats des OSI zur Kenntnis“ übermittelt hatte.

Besonders im einleitenden Teil des Briefs langt Neugebauer ordentlich hin. Er attackiert eine bestimmte Führungsperson in der neuen Gesamt-PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik), weil diese – so wird offenbar FB-intern kolportiert – schon länger von den Plänen der UB und des Präsidiums zur Abwicklung der PolSoz-Fachbibliothek gewusst haben soll, aber das OSI bzw. den FB darüber nicht in Kenntnis gesetzt hatte. Neugebauer: „Wenn das so stimmen sollte, dann könnte das als ein bemerkenswertes Zeichen von Illoyalität gegenüber dem Institut bzw. dem Fachbereich gewertet werden“.

Dieses „Zeichen von Illoyalität“ ist allerdings nicht nur ein „gefühltes“, Neugebauer verweist ellenlang auf das Berliner Hochschulgesetz, wann, wo, welches Gremimum zu informieren ist und zu entscheiden hat. Am Schluss des Absatzes ätzt er: „Diese Vorschrift ist auch nicht durch die Erprobungsregeln aufgehoben worden. Sie wird aber offensichtlich durch die Verschärfung des Dahlemer Landrechts wieder belebt [Fußnote: Die Verschärfung gegenüber der tradierten Form besteht darin, dass seitens des Präsidialamtes kein Konsens mehr mit allen Hochschullehrern gesucht wird]“.

Im letzten Satz des Absatzes zieht er dann noch mal voll durch: „Eine Beteiligung an einem möglicherweise regelwidrigen Vorgang durch einen Beamten, dessen Tätigkeitsbereich eine Einrichtung des Fachbereichs ist, will ich nicht weiter kommentieren“.

Insgesamt ist der Brief aber trotz allem nicht so krass, wie man ihn sich nach der Lektüre des Ausrasters von Naumann in dessen Replik vorgestellt hat. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die FUwatch vorliegende Version des Neugebauer-Briefs unter Umständen nur eine abgewandelte Version ist. Die Datei datiert nämlich auf den 15.01. (sowohl im Text als auch bei der Datei-Erstellung), was dann ganz einfach chronologisch nicht hinkommen kann. Denn die Antwort von Naumann datiert auf den 11.01., weshalb Naumann auf ein älteres Schreiben von Neugebauer Bezug nehmen muss.

Jedoch bezieht sich Naumann z.B. auf einen „Punkt B2“ bei Neugebauer und dieser Punkt findet sich in Neugebauers Brief auch wieder. Vermutlich hat Neugebauer also seinen Brief nachdatiert, als er ihn an ein größeres Publikum erneut gesendet hat oder z.B. für eine Datei in ein neues Layout gegossen hat. Es ist dennoch nicht 100% klar, ob dies nicht eine entschärfte Version der ersten Ausgabe ist.

Von dieser einleitenden Attacke abgesehen schreibt Neugebauer aber sachlich und schneidet dabei argumentativ deutlich besser ab als Naumann, dessen Ausführungen etwas dünn bleiben. Neugebauer benennt dabei auch die eigentliche Motivation der UB: „Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist“.

Neugebauer führt weiter aus, dass der FB dann die Kontrolle darüber verlieren würde, welche Bücher angeschafft würden: „Zum Anderen bringt die Integration in die UB keinen Nutzen für den Fachbereich mit sich. Er entzieht ihm Mittel und, was weitaus wichtiger ist, vor allem die Möglichkeit, durch den Erhalt und Ausbau der Bibliotheken das Forschungsprofil der WEen des FB nach den Bedürfnissen und Interessen der dort Lehrenden und Forschenden bestimmen zu können.“ Ein Punkt, den Naumann in seiner Antwort entschieden von sich weist. Er interpretiert Neugebauers Argumentation so, dass Neugebauer der UB den Willen und die Fähigkeit absprechen wolle, „zukünftig auch als Literaturversorger eines Fachbereichs und seiner Wissenschaftler arbeiten zu können“.

Neugebauer verweist weiterhin allgemein auf die Probleme die für die Studierenden durch die Aussonderung der Bücher entstehen (wenn jedes Buch nur noch einmal da ist), und weiterhin „dass gestohlene oder wegen ihres schlechten Zustands zum Austausch vorzusehende Bücher nicht durch Dubletten aus dem Bestand ersetzt werden können, sondern neu bestellt oder kopiert werden müssten“.

Neugebauer schließt: „Es wäre, last but not least, ein Witz, würde beispielsweise das größte politikwissenschaftliche Institut im deutschsprachigen Raum nicht mehr über eine eigene Bibliothek verfügen. Diese Bibliothek ist in allen Ranking-Verfahren ein Argument für die positive Platzierung des OSI gewesen (…)“.

Wohl wahr, doch hat das Präsidium eigentlich wirklich ein Interesse daran, dass das OSI in „Ranking-Verfahren“ weit oben auftaucht? Ein Institut, dessen Studierende und (wenn auch abnehmend) Dozierende sich vor allen anderen immer mal wieder quer legen, was Lenzens hochschulpolitische „Visionen“ angeht?

Es wird sichtbar, dass es hier nur vordergründig um einen Konflikt um begrenzte, finanzielle Ressourcen geht. Eigentlich geht es um Machtpolitik. Zuerst werden die verschiedenen Bibliotheken des Fachbereichs zusammengelegt, dann sollen sie ihm auf einmal ganz entzogen werden und FB-extern in der UB untergebracht werden. Nebenbei werden einfach mal ein paar Hunderttausend Bücher entsorgt, weil es für die im prestigeträchtigen Umbau keinen Platz mehr gibt.

Es ist doch offensichtlich, dass dies nur ein weiterer Schritt hin zu mehr Zentralisierung an der FU ist. Lenzen versucht dem FB PolSoz die eigene Fachbibliothek zu entziehen, weil dies letztendlich einen Verlust von Autonomie für den FB bedeutet und ihn innerhalb der FU schwächt. Lenzen kann kein Interesse an einem FB haben, der nicht zu 100% auf der Linie des Präsidiums liegt. Und bekommt er den FB nicht sofort auf Linie, nimmt er ihn eben langsam Stück für Stück auseinander. Solange, bis seine Bereiche so stark entmachtet und zusammengekürzt sind, dass sie nur noch auf Linie liegen können (und „auf Linie“ meint die vollständig durchökonomisierte Blender-Uni mit einer nicht mehr hinterfragten absoluten Top-Down-Führung).

Gelingt es nicht Lenzens Zentralisierungswahn geschlossen entgegenzutreten, wird man am Ende des Tages am OSI für jede einzelne Rolle Klopapier einen Beschaffungsantrag beim Präsidium einreichen müssen.

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2 Antworten to “Naumann vs. Neugebauer – Teil 2”

  1. Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung « FUwatch Says:

    […] Dr. Gero Neugebauer heraus (siehe dazu den legendären Schlagabtausch mit Prof. Naumann hier und hier), Mitarbeiter am Otto-Stammer-Zentrum (OSZ), welches unmittelbar von der räumlichen Expansion der […]

  2. Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal « FUwatch Says:

    […] “Ausraster” von Herrn Naumann gut nachvollziehbar. […]

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