Archive for Juni 2007

Vortrag und Diskussion mit Alex Demirovic und Morus Markard

Juni 30, 2007

Am Dienstag, den 03.07.07 findet um 18:30 Uhr ein Vortrag samt anschließender Diskussion mit den Professoren Alex Demirovic und Morus Markard in der Silberlaube (Raum: K 23/11) statt. Thema der Veranstaltung: „Gesellschaftliche Struktur und individuelles Handeln: Verantwortung als Ideologie?“ In der Einladung heißt es:

„Die neoliberale Umstrukturierung, wie sie sich vor allem in den Veränderungen der Arbeitsverhältnisse und des Sozialsystems zeigt, macht psychologisierendes Denken noch plausibler. Auffällig ist dabei aber, dass in dieser aktuellen Psychologisierung die Gesellschaft nicht mehr ausgeklammert werden muss, sondern als integraler Bestandteil psychologisierenden Denkens fungieren kann, indem die vielfältig vermittelte Gesellschaft(lichkeit) nach dem Muster einer unmittelbaren Gemeinschaft dargestellt wird, für deren Zustand die Einzelnen in Haftung genommen und damit nun fürs Ganze verantwortlich gemacht werden.

Die Veranstaltung will erstens Funktionsweise und Paradoxien dieser psychologisierenden Verantwortungsdiffusion analysieren und zweitens zur Diskussion stellen, inwieweit politikwissenschaftliche und kritisch-psychologische Zugänge zum Verhältnis von gesellschaftlicher Struktur und individuellem Handeln dazu beitragen können, Verantwortung nicht zu entgrenzen, konkrete Verantwortlichkeiten auszumachen, Interessenlagen zu analysieren und kollektives Handeln zu befördern.“

Morus Markard ist Psychologie-Professor an der FU, Alex Demirovic zur Zeit Gastprofessor für Politische Theorie an der TU. Beide gehören zu den wenigen verbliebenen kritischen Geistern, die die Berliner Hochschullandschaft zur Zeit zu bieten hat. Auch thematisch verspricht die Veranstaltung äußerst interessant zu werden.

Volxbegehren für offene und demokratische Hochschulen

Juni 29, 2007

Zur Zeit laufen in Berlin drei Volxbegehren: Eines vom „Berliner Wassertisch“ für mehr Transparenz beim Wasser, eines vom „Berliner Bündnis gegen Privatisierung“ für eine regionale, soziale, transparente und demokratische Berliner Sparkasse und schließlich eines vom „Bündnis für Solidarität und freie Bildung“ für offene und demokratische Hochschulen.

Volxbegehren statt Volksbegehren

Zunächst ein kurzer Einschub zu der etwas ungewöhnlichen Schreibweise (Volx mit x statt ks):

„Die Schreibweise Volxküche (statt ‚Volksküche‘) kommt durch eine erklärt antinationalistische Haltung zustande, derzufolge das Konstrukt ‚Volk‘ als ausgrenzend abgelehnt wird. Sie ist zugleich eine spaßhaft-eigenwillige Ausdrucksweise der libertären bzw. autonomen Szene.“ (Wikipedia, Volxküche)

„Mitte der 80er Jahre entstand wieder eine größere Bewegung – diesmal unter dem Titel VolxUni. Mit dem x statt dem ks wollte man sich von einer völkischen Interpretation abgrenzen, zudem signalisierte es bewusst eine Nähe zur Volxküche der besetzten Hafenstraße in Hamburg.“ (Wikipedia, Volx-Unis)

Worum geht es im Volxbegehren?

Der auszufüllende Antrag zum Volxbegehren für offene und demokratische Hochschulen kann beim AStA der Alice Salomon FH heruntergeladen werden. Angehängt ist hier ebenfalls die konkrete Vorlage zur Änderung des Berliner Hochschulgesetztes sowie eine Begründung für den Antrag zum Volxbegehren. Danach geht es um die drei folgenden Punkte:

  1. Ein gesetzlicher Ausschluss von Studiengebühren und Studienkonten-Modellen.
  2. Die Einführung der Viertelparität in den Hochschulgremien wie sie im rot-roten Koalitionsvertrag vorgesehen ist.
  3. Master-Studienplätze für alle Bachelor-AbsolventInnen.

Das Volxbegehren als Kampagne

Die Auflagen, um die nächste Stufe zu erreichen sind relativ hoch. Es braucht mindestens 20.000 Stimmen, stimmberechtigt ist nur wer seinen ersten Wohnsitz in Berlin hat, die Unterschrift muss leserlich sein, wer mehr als einen Vornamen hat muss diese alle eintragen, usw. usf. Ist nur eines dieser Kriterien nicht erfüllt, gilt die Stimme als ungültig.

Trotzdem rufen die InitiatorInnen alle Berliner Studierenden auf, ihre Unterschrift zu leisten, selbst wenn sie eines oder mehrere Kriterien nicht erfüllen. Denn das Volxbegehren wird in erster Linie als Kampagne gesehen, um auf den Berliner Senat Druck auszuüben und um dem Anliegen Öffentlichkeit zu verschaffen – hier können auch Stimmen helfen, die den formalen Kriterien nicht entsprechen. Natürlich wäre es wünschenswert, die benötigte Stimmenanzahl zusammenzubekommen, doch auch ohne die Grenze zu knacken, kann die Kampagne Erfolg haben durch die Aufmerksamkeit die sie auf die Problematik lenkt.

Selbst wenn nun das Volxbegehren (und ggf. anschließend der Volxentscheid; wer’s im Detail wissen will, kann es hier nachlesen) durchkommt, könnte es zu juristischen Problemen kommen (die Viertelparität ist z.B. angeblich rechtlich stark umstritten) die eine Umsetzung der Änderung verhindern (so war es zumindest aus dem Umkreis der InitiatorInnen zu vernehmen). Der Senat könnte versucht sein, das erfolgreiche Volxbegehren (ff.) mit dem Hinweis zu blocken, die Änderungen sein juristisch nicht umsetzbar.

Nur wie gesagt: es geht hier um eine politische Kampagne, erstmals gibt es wirklich eine berlin-weite Initiative die von allen Universitäten und Fachhochschulen der Stadt getragen wird, die zur Mobilisierung und Solidarisierung aufruft, die auf bestehende Defizite in der Berliner Hochschulpolitik aufmerksam macht und versucht den Protest zu einen und ihm zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Vernetzungs-Strukturen die spätestens dann existentiell werden, wenn es wirklich hart auf hart kommt (etwa Ankündigung der Einführung von Studienkonten).

Die BA/MA-Diskussion

Natürlich gibt es zu den Forderungen im Volxbegehren auch Gegenstimme. Ein gängiges Argument gegen die Erhöhung der Anzahl der Master-Studienplätze ist z.B., dass dadurch letztlich weniger Studierende neu zugelassen werden können, weil Lehrkapazitäten von BA-Studiengängen in MA-Studiengänge verschoben werden müssen. Weniger Lehrkapazität beim BA bedeute aber nun mal, dass auch weniger AbiturientInnen zum Studium zugelassen werden können. Von den InitiatorInnen des Volxbegehrens wird dieser angebliche Zusammenhang dagegen schlicht weg als falsch bzw. vorgeschoben verstanden.

Tatsache ist, dass viele Studierende die in diesem Semester ihren BA-Abschluss machen, noch nicht wissen, ob sie mit dem MA im nächsten Semester weitermachen können. Diverse neue Master-Studiengänge wurde zwar unlängst wieder verabschiedet, doch die Kriterien nach denen man einen Platz in diesen neuen Studiengänge bekommt, sind größtenteils noch unklar. Daher wird den BA-AbsolventInnen gesagt, sie sollen jetzt schon mal die Rückmeldegebühr für das kommende Semester zahlen und sich einschreiben, ob sie wirklich dabei sind, erfahren sie dann irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft (so zumindest die Zustandsbeschreibung eines Zeitzeugens bei den FU-Historikern). Ein wirklich unzumutbarer und desolater Zustand.

Auch die „künstliche Verknappung“ ist ja immer wieder im Gespräch. Um einen „Qualitätsstandard“ zu wahren, ist es demnach theoretisch auch denkbar, dass nicht jeder freie MA-Studienplatz zugeteilt wird, weil man im Zweifelsfall eben lieber ein paar Studienplätze unbesetzt lässt, statt sie BewerberInnen zuzuschlagen, deren Qualifikation als zu niedrig empfunden wird (siehe: „Die Uni-Leitungen träumen weiter von der einzig wahren Elite“).

Der Konflikt um die Durchführung in den Räumlichkeiten der FU

Unterdessen ist auch ein Konflikt um die Durchführung des Volxbegehrens in den Räumlichkeiten der FU ausgebrochen, denn die ausgefüllten Wahlzettel müssen ja auch irgendwo abgegeben werden können. Das Dekanat des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften untersagte es in den Räumlichkeiten des Fachbereichs Unterschriften für das Volxsbegehren zu sammeln (wobei das Sammeln von Unterschriften als solches de facto ohnehin nicht verhindert werden kann, vermutlich ging es eher um die Frage, wo eine „Wahlurne“ aufgestellt werden darf). Wörtlich schreibt das Dekanat:

„Da das Dekanat ein Volksbegehren nicht als eine universitäre Angelegenheit ansieht, wurde Ihr Antrag auf Durchführung des Volksbegehrens in den Räumlichkeiten des Fachbereichs abgelehnt.“ (zitiert nach AStA FU Blog, 25.06.07)

Natürlich handelt es sich um eine „universitäre Angelegenheit“, immerhin geht es inhaltlich ja um universitäre Fragen. Der AStA betont die OrganisiatorInnen des Begehrens zu unterstützen und dass natürlich Unterschriften auf dem Campus gesammelt werden.

Im BBFB-Blog findet sich ein Eintrag mit allen Abgabestellen, weiterhin gibt es ein Wiki mit allen Termine rund um das Volxbegehren.

„Dank“-Demo zum Forum Hochschulmarketing und Farbbeutelanschlag

Juni 28, 2007

Heute gibt es um 14 Uhr auf dem FU-Campus eine Demo, die im Mensafoyer (Silberlaube) beginnt und zum Clubhaus der Freien Universität Berlin in der Goethestraße (an der Krummen Lanke) zieht.

In besagtem Clubhaus findet zur Zeit das 2. Forum Hochschulmarketing „Unternehmen Universität: Wissenschaft und Wirtschaft im Dialog“ statt:

„Ziel des 2. Forum Hochschulmarketing ‚Unternehmen Universität: Wissenschaft und Wirtschaft im Dialog“ am 27. und 28. Juni 2007 soll es sein, die grundlegenden Parameter unternehmerischer und wettbewerbsorientierter Universitäten zu bestimmen, die strategischen Potenziale und Chancen von Wissensaustauschprozessen zu benennen sowie die operative Ebene anhand der einzelnen Bausteine und ‚best practice‘- Beispielen darzustellen. Anhand gelungener Kooperationen werden sich hochrangige Referenten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft den unterschiedlichen Aspekten eines produktiven Dialogs zwischen Universitäten und Wirtschaft widmen.“ (Institut für Kultur und Medienmanagement (IKM) der FU Berlin, Forum Hochschulmarketing)

Die FU-Studierendenschaft ist über diese Ökonomisierungsprozesse weniger erfreut, daher wurde von AktivistInnen eine „Dank“-Demo ins Leben gerufen:

„Das ist für uns eine Chance, unseren großen Dank und unsere Verbundenheit mit FU-Präsident Dieter Lenzen auszusprechen. Zum Beispiel für das perfekt funktionierende und besonders preisgünstige (lediglich 2 Mio. für das Basispaket) Campus Management, oder die Einführung privater Weiterbildungsstudiengänge. Unsere gemeinsame Forderung: weg mit dem Jugendkult – lasst auch ältere Menschen studieren – vorrausgesetzt, sie messen Bildung genügend Wert (€) bei!

Das Forum Hochschulmarketing soll möglichst bald eine ‚gezielte und rasche Entscheidungsvorbereitung für das Präsidium und eine koordinierte dezentrale Umsetzung‘ leisten. Die gewählten Gremien mit begrenzter Fachkompetenz werden endlich entlastet und durch speziell eingesetzte Zentren ersetzt. Ein Hoch auf diese top-down Führungsstrategie!

‚Die Transaktionsbeziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gründet auf einem Dialog, wechselseitigem Verständnis, Kooperationsbereitschaft, wie Kooperationsbefähigung‘, so Professor Klaus Siebenhaar im Programmheft des Forums. (…)

Pädagogisch untermauert diese Transaktionsbeziehung unser Präsident Lenzen in seiner Studie ‚Bildung neu denken‘ in Kooperation mit der Vereinigung der bayrischen Wirtschaft: ‚Das Individuum der Zukunft wird selbstverantwortlicher und in Bezug auf sein Leben ‚unternehmerisch‘ tätig sein und sich nicht auf die organisierende Tätigkeit des Staates verlassen‘.

Es lebe der Markt! Es lebe die Konkurrenz! Nieder mit der Solidarität!“ (Demo-Aufruf, BBFB-Blog, 27.06.07)

Aus der Losung „Unternehmen Universität“ machten die Protestierenden auf dem Flyer kurzerhand „Unternehmen: Universität verkaufen“.

Doch die Demo wurde relativ kurzfristig anberaumt, zwar liegen die Flyer schon seit gestern im AStA zum Abholen bereit, an den Bäumen vor dem Thielplatz hing aber noch keiner. Organisatorisch ist es relativ schwierig die Leute zum Protest zu mobilisieren, wenn die Demo-Ankündigung so spontan kommt.

Unterdessen verschafften AktivistInnen ihrem Unmut offenbar schon anders Luft: Wie BBFB mit Verweis auf einen Indymedia-Artikel berichtet, gab es gestern bereits einen Farbbeutelanschlag auf das FU Clubhaus. In einem weiteren Beitrag zeigt BBFB auch eine kurze Fotostrecke. Demnach hält sich der optische Schaden in Grenzen, die schwarzen Flecke sind zwar deutlich zu erkennen, aber es ist nicht so, als wäre das Haus komplett eingesaut.

Das Szenario erinnert natürlich an die Farbbeutel-Attacke auf den Uni-Shop im Kontext des Anti-Exzellenzprotests am Dienstag letzter Woche. Auch hier gab es kein „Bekennerschreiben“ oder etwas Vergleichbares (etwa den Namen der Gruppierung). Doch ein Zusammenhang mit der geplanten Exzellenz-Begehung am Dienstag bzw. jetzt mit dem Kongress im FU-Clubhaus erscheint ziemlich offensichtlich.

Berlin Research University – Die konsequente Weiterentwicklung des Exzellenzgedankens

Juni 27, 2007

Wie der Tagesspiegel heute meldet, bekommt Berlin eine neue „Superuniversität“:

„Berlin soll eine neue Superuniversität für die Spitzenforschung bekommen. Die neue Institution soll exzellente Bereiche der drei großen Berliner Universitäten vereinen und Doktoranden ausbilden. Mit der ‚Berliner Forschungsuniversität‘ werde die Stadt eine Adresse für exzellente Wissenschaftler und den wissenschaftlichen Nachwuchs aus aller Welt bekommen, sagte Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten deutschen Forschungsorganisation, dem Tagesspiegel. Aus Wissenschaftskreisen ist zu hören, für die neue Universität sei der Name ‚Berlin Research University‘ im Gespräch.“ (…) Zöllner vermied auch das Wort Universität. Jedoch werde die neue Institution ‚eigenständig‘ und ‚handlungsfähig‘ sein. Das schließe eine Leitung und ein Budget ein. Auch solle die Einrichtung einen Namen bekommen, ‚damit sie identifizierbar ist‘, sowie eigene Räumlichkeiten. (tagesspiegel, 27.06.07)

Tsp-Leser „konfuzius“ kommentiert, er wüsste nicht, ob er lachen oder weinen soll. Werfen wir zur Beantwortung dieser Frage einen Blick auf den Kommentar der Wissenschafts/Bildungs-Redakteurin Anja Kühne:

„Berlin soll eine neue Eliteuniversität bekommen – mag der Wissenschaftssenator diesen Begriff auch vermeiden, sein gerade vorgestellter Masterplan lässt kaum einen anderen Eindruck zu. (…) Trotzdem gibt es Risiken. Denn ernährt werden soll die Superuni mit den Filetstücken der drei Berliner Universitäten: Die besten Forscher und Doktoranden würden dort forschen. An FU, TU und HU könnte bleiben, was glanzlos erscheint. Damit würden diese Unis aber entwertet – gerade jetzt, da zwei von ihnen die Chance haben, im Bund-Länder-Wettbewerb Eliteuni zu werden. Zudem könnte die Superuni die besten Forscher von der Lehre im Bachelor und Master abschneiden. So würde das neue Gebilde dazu beitragen, einen lange bekannten Mangel des deutschen Wissenschaftssystems zu vertiefen: Die Trennung von Spitzenforschung und Lehre. (tagesspiegel, 27.06.07)

Diese neue, auf Forschung beschränkte „Superuni“, droht also wie hier sicherlich richtig ausgeführt wird, die Spaltung von Forschung und Lehre weiter voranzutreiben. Während sich die „exzellenten“ Dozierenden samt ihren Bereichen zum Forschen an ihre neue „Superuni“ zurückziehen, führt die Lehre an den drei zurückgelassenen Unis ein stiefmütterliches Dasein.

Lenzen wird Hotelier

Juni 26, 2007

Wie der Tagesspiegel in seiner heutigen Ausgabe berichtet, bekommt der FU-Campus ein Hotel:

„Mit dem Bau eines Hotel- und Tagungszentrums für die Freie Universität soll am 10. Juli offiziell begonnen werden. Der ein- bis vierstöckige Gebäudekomplex entsteht nach Plänen des amerikanischen Architekten Helmut Jahn in der Nähe der Königin-Luise-Straße zwischen Hechtgraben, Lans- und Takustraße. Jahn wird zum ersten Spatenstich erwartet. Entwickelt wird das gläserne Bauvorhaben von der Firma PPP-Kommunalprojekt, die bereits vor einem Jahr den Bau angekündigt und mit seiner Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte 2007 gerechnet hatte.“ (tagesspiegel, 26.06.07)

Das Hotel soll 200 Zimmer erhalten, mit einer Tiefgarage und Glasfassaden ausgestattet werden. Betreiber wird nach Informationen des Tagesspiegels Seminaris, die sich laut ihrer Website auf Tagungs- und Konferenzhotels spezialisiert haben. Die Investitionssumme wurde von der FU mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt.

Nun ja, Exzellenz-Begehungen strengen bestimmt an, da brauchen die Damen und Herren sicherlich einen angenehmen Rückzugsort, an dem sie angemessen bewirtet und hofiert werden können.

CeDiS streicht Zensurpassus aus den Nutzungsbedingungen

Juni 25, 2007

Andrew Welsh-Huggins und Jochen Leffers schreiben in einem Spiegel-Online Artikel über Blog-Systeme an us-amerikanischen Universitäten und dass dort StudentInnen teilweise sogar fürs bloggen bezahlt werden – selbst dann wenn sie sich negativ über die eigene Uni äußern und Missstände anprangern.

Die Uni-Administration betrachtet dies laut den Autoren als Werbung für die „MySpace-Generation“, die bevor sie sich an der Universität bewirbt schon mal einen ungefilterten Blick auf den Campus-Alltag werfen kann. Anders als konventionelle Werbe-Broschüren wirken die Blogs authentischer, weil hier eben nicht nur „Heile-Welt-Darstellungen“ zu lesen sind. Würde man dagegen versuchen, die Blog-Postings in eine rein positive Richtung zu drücken, würde dies spätestens auffliegen, wenn die Differenzen zu Äußerungen auf externen Portalen (MySpace, Facebook, etc.) deutlich werden.

Ob das wirklich so abläuft wie geschildert, sei mal dahin gestellt (die Aufmachung der Blogs wirkt jedenfalls auffällig glatt). Die Artikel-Autoren verweisen aber auch auf den Umstand, dass die deutschen Universitäten noch weit davon entfernt sind, den Web-2.0-Technologien einen ähnlichen Stellenwert einzuräumen. Und wie könnte es anders sein, fällt der Blick hier natürlich auf das neue Weblog-System der FU.

„Noch ist das Web-2.0-Projekt der FU eher öde Begleitmusik zur Lehre und Forschung und ganz weit weg von der stark studentischen Bloggerszene. Es müsste kräftig wachsen und neue, weniger staubige Wege einschlagen, damit sich Studenten dort tatsächlich beteiligen und vernetzen. Dann erst würde sich auch entscheiden, was die Meinungsfreiheit, auf die Blogger große Stücke halten, an der Freien Universität wirklich wert ist.

So hieß es zunächst in den Nutzungsbedingungen: „Eine missbräuchliche Nutzung liegt insbesondere vor, wenn über das Blog (…) das Ansehen der Freien Universität Berlin geschädigt wird oder die Nutzung ihren Interessen entgegensteht.“ Das kann vieles bedeuten – in seinem Blog „FUwatch“ kommentierte Niklas Fichtenberg diesen Passus als ‚Steilvorlage für Zensur‘. Prompt wurden die Nutzungsbedingungen renoviert; nun geht es bei der „missbräuchlichen Nutzung“ nur noch um mögliche Rechtsverstöße wie Pornographie, verfassungswidrige Propaganda, Beleidigung oder Verleumdung.“ („Bloggen für eine Handvoll Dollar“, Spiegel Online, 24.06.07)

Und tatsächlich, ein Blick in die Nutzungsbedingungen (wahlweise hier oder hier) zeigt, dass CeDiS den besagten Zensurpassus still und heimlich entfernt hat (auf dem Admin/Support-Blog ist die Änderung jedenfalls nicht angekündigt, obwohl dies laut §9 Absatz 3 ja eigentlich passieren sollte). Offenbar hat man also doch ein Einsehen gehabt, dass eine solch restriktive Formulierung in den Nutzungsbedingungen der Idee hinter dem Blogging zuwider läuft.

Was Leffers in seinem Artikel vernachlässigt ist sicherlich der Umstand, dass Deutschland blog- bzw. Web-2.0-technisch den USA generell hinterhinkt. Exemplarisch kann man dies am Blog-Einsatz im Wahlkampf verdeutlichen. Der deutschen Blogosphäre kommt hier immer noch nicht der gleiche Stellenwert im deutschen Wahlkampf zu, wie der us-amerikanischen Blogosphäre im US-Wahlkampf. Zwar gibt es auch hier in Deutschland zunehmend den Versuch Blogs, Wikis, etc. in Kampagnen mit einzubeziehen (vgl. z.B. Falk Lüke), doch reicht der mediale Einfluss deutscher Blogger bei weitem noch nicht an den medialen Einfluss us-amerikanischer Blogger heran.

Dies lässt sich nun auf andere Bereiche übertragen, die die Blogosphäre tangiert, so eben auch der Einsatz im Kontext von Lehre und Forschung. Selbst wenn die FU nun also in Sachen Blogs „weniger staubige Wege einschlagen“ würde (wie es etwas nebulös im Artikel heißt), wird sie damit nicht weit kommen, wenn die Studierendenschaft selbst noch etwas „staubig“ ist. Der grundsätzliche Irrtum liegt in der Annahme, die „jungen Leute von heute“ sein per se alle neuen Medien, Techniken und Kommunikationsformen aufgeschlossen (was ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung in Abrede stelle). Die viel beschworene „MySpace-Generation“ ist eben im deutschen Sprachraum noch nicht ähnlich dominant wie im angelsächsischen Raum.

Die Entschärfung der Nutzungsbedingungen seitens der FU war sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Die grundsätzliche Problematik, dass Blogs in der Lehre nicht so viel Sinn machen bzw. von der Studierendenschaft nur schleppend angenommen werden, löst das noch nicht. Allerdings erhöht eine Betonung / Sicherstellung von Meinungsfreiheit zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass einige ohnehin blog-affine Studierende auch an der Uni einen persönlichen Blog starten.

Die zentrale Frage ist dann, ob man darauf setzt, dass Blogs auch unter deutschen Studierenden zunehmend auf Interesse stoßen werden, die Investition in ein uni-eigenes Blog-System sich also lohnt, oder ob die Anzahl tatsächlich regelmässig bloggender Studierender konstant niedrig bleibt. Im letzteren Fall stellt sich dann die Frage, ob die Mittel nicht anderswo besser eingesetzt wären. Selbst am MIT erfreuen sich die hauseigenen Blogs laut Artikel einerseits zwar großer Beliebtheit, andererseits bloggen aber insgesamt nur 15 Studierende.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Teilnahme an Studierbarkeits-Umfrage jetzt auch online möglich

Juni 22, 2007

Auf der Website der Studierbarkeits-Erhebung kann man jetzt auch per Online-Formular an der Umfrage teilnehmen. Verwirrend ist für den Durchschnitts-User dabei vermutlich die Sache mit den Zertifikaten (man kann sie entweder importieren oder einfach die Warnmeldungen wegklicken).

Ein Ersatz für eine ZEDAT/TAN-Lösung (jedeR Studierende bekommt einen individuellen, nur einmal nutzbaren Link zur Umfrage via ZEDAT zugemailt) ist das zwar nicht, doch zumindest kann so vermutlich die Anzahl der Teilnehmenden noch einmal erhöht werden (vorausgesetzt, die Kenntnis dieser Möglichkeit findet Verbreitung).

Nachdem sich bereits 6.000 gedruckte Fragebögen im Umlauf befinden, sind jetzt noch mal 4.000 nachgedruckt worden, die im AStA abgeholt und verteilt werden können. Weiter weisen die Organisatoren daraufhin, dass bei „der Verteilung in den Lehrveranstaltungen auf die Quotierung der Studienabschlüsse“ geachtet werden soll. Falls jemand Bögen abholt, soll er die LVs melden, in der er/sie diese verteilt hat und wenn möglich auch die ungefähre Stückzahl der in der jeweiligen LV verteilten Bögen. Kontaktadresse ist studierbarkeit.fub[at]gmx.de.

Konfetti gegen Exzellenz

Juni 20, 2007

Wie BBFB ausführt, haben gegen Exzellenz-Begehungen protestierenden Studierenden am gestrigen Dienstag Müllsäcke voller Konfetti in der Silberlaube verteilt. Hintergrund ist, dass die Uni-Leitung allen HausmeisterInnen und Putzkräften eingebläut hatte, dass die Gebäude für die Exzellenz-Begehung picobello auszusehen hätten. Dem wurde durch den Konfetti-Regen ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weiterhin wurden Flyer die vor dem „Angriff der Exzellenz Cluster“ warnten verteilt:

„Tenor des Flugblattes war sowohl die unklare langfristige Finanzierung, dass die inneruniversitäre Mitbestimmung auf der Strecke bleiben werde und der Exzellenzwettbewerb insgesamt ein neoliberaler Meilenstein für die Hochschullandschaft sei.“ (Proteste gegen Exzellenz gehen in die 2. Runde, BBFB, 19.06.07)

Darüber hinaus wurde auch der erst jüngst eröffnete Uni-Shop mit Fabbeuteln beworfen, was nach Vermutungen von BBFB auch im Kontext des Anti-Exzellenz-Protests steht. BBFB hat ferner eine Fotostrecke veröffentlicht, die das alles dokumentiert.

Doch nicht alle Studierenden sind mit dem Protest gegen die Exzellenzinitiative einverstanden. So hat die LHG einen eigenen Flyer konzipiert, der die positiven Aspekte der Initiative betont und sich gegen eine Pauschalkritik wendet:

„Als einen Bruch mit ihrem – in diesem Blog deutlich sichtbaren – sehr kritischen Umgang mit der Leitung der FU will die LHG die Aktion nicht verstanden wissen. Wichtig ist aber aufzuzeigen, dass die beantragten Millionenzuschüsse die Situation an der FU allgemein verbessern würden und dass dabei natürlich auch etwas für die Studierenden und die Studienbedingungen bei abfällt.

Die LHG wendet sich mit der Aktion vielmehr gegen die Kampagne der Aktivisten im AStA-Umfeld, denen ein logischer Begründungszusammenhang für ihre Aktionen gegen die Begehung der FU durch die Gutachter in diesen Tagen fehlt.“ (Exzellenzbewerbung der FU nützt auch den Studierenden, LHG Blog, 18.06.07)

In ihrem Flyer betont die LHG, dass Zuschläge im Exzellenzwettbewerb mehr Lehrveranstaltungen bedeuten, für bessere Promotionsbedingungen sorgen, neue Chancen für kleine Fächer bieten und die Geistes- und Sozialwissenschaften fördern würden. Die Argumente der Exzellenz-Gegner kann man dagegen unter anderem im FSI Blog und in der OoD-Ausgabe Nummer 5 nachlesen.

Begehung der Philologischen Bibliothek laut AStA wegen Protestankündigung abgesagt

Juni 19, 2007

Während sich Peter Nowak in der taz mit der Studierbarkeits-Umfrage auseinandersetzt (und dabei leider nicht die aufgekommenden Kritikpunkte sowohl an den studentischen Machern der Umfrage als auch am FU-Präsidium aufgreift), geht es auf dem FU-Campus inzwischen schon um die „nächste Story“.

Wie der AStA in einer Pressemitteilung berichtet, ist es Protestierenden gelungen, die geplante Exzellenz-Begehung in der Philologischen Bibliothek in der Silberlaube zu unterbinden. Allein aufgrund des zu erwartenden Protests hätten die Verantwortlichen die Begehung abgesagt. Seitens des FU-Präsidiums liegt dazu noch keine Stellungnahme vor.

„Ein zentraler Kritikpunkt der Studierenden ist die undemokratische Struktur der Exzellenzinitiative. Die Freie Universität, unter Führung von Dieter Lenzen, ist ein Paradebeispiel dafür. Die Anträge für die Exzellenzinitiative sind nicht einmal den Mitgliedern des Akademischen Senats zugänglich. Ihre Zustimmung wird über eine 10seitige Kopiervorlage des Präsidiums verlangt. Dieses Papier ist jedoch wenig aussagekräftig und kennzeichnet sich durch realitätsferne, inhaltslose und falsche Formulierungen aus: ‚Freiheit und Exzellenz setzen einander gegenseitig voraus. Deshalb war und ist die Freie Universität ein Ort der Exzellenz und wird es sein. Und aufgrund ihrer Exzellenz ist sie ein Garant für akademische Freiheit‘.“ (Pressemitteilung AStA FU, 19.06.07)

Wie BBFB berichtet, wurde das Vorbereitungstreffen der Protestierenden am Sonntagabend in der AStA-Villa observiert. Derselbe Wagen soll dann später noch am OSI gesichtet worden sein, wo auch ein Transparent zum Protestaufruf von Unbekannten abgenommen wurde. In der oben schon zitierten AStA-Pressemitteilung heißt es darüber hinaus: „Abends wurden Studierende vom FU-Sicherheitsdienst unter Androhung von Elektroschocks vom Innenhof der Silberlaube grundlos verwiesen.“

Auch für den heutigen Dienstag sind wieder Protestaktionen angekündigt, Treffpunkt ist der AStA um 10 Uhr.

P.S.: Die FUwatch-Leserschaft wächst übrigens beständig, neben diversen FU-Angehörigen zeigen auch Besucher von bln1.verwalt-berlin.de, fw-berlin.bund.de und b1.dbtg.de reges Interesse ;).

Anti-Exzellenz-Aktionen in der Silberlaube und vermutlich auch in Lankwitz

Juni 18, 2007

Wie berichtet, soll es am heutigen Montag und morgigen Dienstag wieder Begehungen von Uni-Gebäuden im Rahmen der Exzellenzinitiative geben. Dagegen formiert sich wie schon im letzten Jahr studentischer Protest.

Heute (18.06.) trifft man sich zunächst um 12 Uhr, um von der AStA-Villa ausgehend Flyer in der Silber- und Rostlaube zu verteilen. Wer sich darüber hinaus an „konkreteren Aktionen“ gegen die Begehung beteiligen will, sollte sich dann nachmittags um 15:45 Uhr am AStA einfinden. Wie genau die Begehung gestört werden soll, ist noch ein Geheimnis.

Am morgigen Dienstag (19.06.) findet dann ein Aktionstag zum Thema „Freiräume an der Uni“ bei den PublizistInnen in Lankwitz statt. In der Aufforderung an alle Studierenden ist zwar nicht explizit von der Exzellenzinitiative die Rede, da besagter Aktionstag aber deutlich machen soll, „dass Uni nicht nur durch den Lehrbetrieb von akademischer Seite aus funktioniert, sondern auch einen Raum für Austausch, Erfahrungen und Aneignung von Wissen unter den Studierenden bieten soll“ und ferner von „weg von dem Zwang sich einem restriktiven Bachelorsystem unterordnen lassen“ die Rede ist, kann man wohl davon ausgehen, dass auch dieser „Aktionstag“ im Kontext der Exzellenz-Begehungen steht. Interessierte sollten sich ab 10 Uhr im Haus Q unter der Mensa in der Emmichstraße (Lankwitz) einfinden.

Am OSI ist dagegen nach derzeitigem Erkenntnisstand dieses Jahr keine Begehung geplant.

Ewiges Mysterium Exzellenz-Begehung

Juni 15, 2007

Am kommenden Montag und Dienstag (18. und 19.06.07) finden im Rahmen der Exzellenzinitiative wieder Begehungen statt. Unklar ist bisher was genau wann, wo und wie innerhalb dieser zwei Tage besichtigt werden soll, doch auf den Gängen hört man, auch das OSI soll angeblich wieder unter den Zielobjekten sein.

Im letzten Jahr kamen AktivistInnen der Begehung am OSI mit einer kurzfristig durchgeführten Besetzung des Instituts zuvor (siehe „OSI am Freitag besetzt“). Das FU-Präsidium bestritt damals jedoch, dass überhaupt eine Begehung an eben diesem Freitag am OSI anberaumt war. Bis heute konnte der Fall nicht endgültig geklärt werden.

Unklar ist auch, ob dieses Jahr wieder eine spontane Besetzung von FU-Gebäuden geplant ist. Die Methode aus dem letzten Jahr ließe sich jedenfalls nicht mehr so ohne weiteres wiederholen, denn damals blieb man einfach von Donnerstag auf Freitag über Nacht im Institut, so dass es am Freitag dann dicht war. Da die Uni-Gebäude am Sonntag jedoch verschlossen sind, kann man das dieses Mal wohl nicht durchziehen. Man könnte höchstens erst Montagfrüh die Besetzung starten. Einfacher wäre es, falls die Begehung erst für Dienstag geplant ist.

Am Sonntag den 17.06. findet jedenfalls um 18 Uhr ein Treffen in der AStA-Villa statt, auf dem es darum gehen soll, wie die Exzellenz-Begehung von den FU-Studierenden „begleitet“ werden kann. Alle Interessierten und Protestwilligen sind herzlich eingeladen, diesem Treffen beizuwohnen.

Um den Protest punktuell genau anbringen zu können, müsste man natürlich erst mal wissen, wann an diesen zwei Tagen wo Begehungen stattfinden sollen. Ist dieses „Mysterium“ geknackt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man die Begehungen erfolgreich unterminieren kann. Die Alternative wären allgemeine Aktionen gegen die Exzellenzinitiative, bei denen man nicht zwangsläufig wissen muss, wo und wann überall eine Begehung geplant ist.

Email von der „persönlichen Referentin des Präsidenten“

Juni 12, 2007

Seine Heiligkeit der Präsident hat sich mal wieder via ZEDAT bei den FU-Studierenden gemeldet, nicht direkt natürlich, sondern über seine „persönlichen Referentin“, Myriam Nauerz.

Geht es um Studienkonten? Vielleicht um die Studierbarkeits-Umfrage an der FU? Um die Umbenennung des Henry-Ford-Baus?

Weit gefehlt, mit solchen Lapalien wird der/die FU-Studierende nicht belästigt. Wenn es schon eine Email vom Präsidium an die Studierendenschaft gibt, dann dreht diese sich natürlich nur um wirklich wichtige Dinge, wie z.B. die „Sportgruppe Beachvolleyball“:

„Um das Kennenlernen zu erleichtern, veranstaltet die Sportgruppe am Sonntag, 17.06.07, zwischen 14.00 und 18.00 Uhr, ein Beachvolleyballturnier in Beachmitte, Caroline-Michaelis-Str. / Julie-Wolftorn-Str., 10115 Berlin-Mitte. Anmeldungen bitte bis 14.06.2007 an Bernhard.Reinsberg[at]web.de. Im Übrigen ist das Turnier für Sie kostenlos.“

Was ich mich bei solchen Emails immer frage, wenn Frau Nauerz später mal ein Vorstellungsgespräch hat und ihr Gegenüber geht auf ihre Referenzen ein, was wird sie dann wohl sagen, wenn die Nachfrage sich darauf bezieht, was genau sie eigentlich als „persönlichen Referentin des Präsidenten“ gemacht hat.

Zumindest bei Soloway hätte sie sicherlich gute Chancen auf Anstellung.

Kritik an FU-Studierbarkeits-Umfrage ist nicht ausreichend fundiert

Juni 8, 2007

Wie angekündigt, ist nun auch die Studierbarkeits-Umfrage der FU unter www.fub.studierbarkeit.de online.

Nach einer Sichtung des Fragebogens habe ich Probleme die Kritik nachzuvollziehen, die Fragen hätten „oft einen suggestiven Charakter“. Damit hatte das FU-Präsidium die Verweigerung begründet, den Fragebogen via ZEDAT-Accounts an alle Studierenden zu versenden. Auch die LHG scheint diese Ansicht zu vertreten. Dass die Studienreform auf dem Deckblatt als „Experiment“ bezeichnet wird, ist in der Tat als suggestiv zu werten.

Die Behauptung, die Fragen als solche sein suggestiv möchte ich dann aber schon noch mal genauer ausgeführt haben. Dafür müsste man sich exemplarisch einige Fragen herausgreifen und die suggestive Ausrichtung aufzeigen, was nur dann gelingen kann, wenn man parallel auch eine alternative Formulierung vorschlägt.

Der Kommilitone Martin Fischer hat mich auf seinen Artikel in der Uni-ZEIT aufmerksam gemacht, in welchem er die Studierbarkeits-Umfrage kritisiert:

„Dass bei beiden [HU- und FU-Umfrage] die Grenze zwischen repräsentativer Umfrage und politischer Unterschriftensammlung fliessend ist, soll hier ignoriert werden.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Was wie gesagt noch zu belegen wäre. Natürlich sind die Organisatoren der Umfrage der Studienreform gegenüber kritisch eingestellt. Trotzdem muss der Vorwurf die Fragen sein suggestiv und würden politisch in eine bestimmte Richtung zielen noch belegt werden.

„Seltsamerweise war ich einer der einzigen, der überhaupt in den neuen Studiengängen studierte, hatte aber diesbezüglich kaum etwas zu beklagen.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Hier wäre es interessant zu erfahren, um welchen Studiengang es sich konkret handelt. Im so genannten „Warnstreik“ 2005 ist sehr deutlich geworden, dass die Zustände in diversen BA-Studiengängen an der FU unhaltbar waren (sind).

„Gemäss Fragebogen dürfte ich an der oberen Grenze der Studierbarkeit studieren. Wie schätze ich daher, Frage Nr. 29, die Menge an Leistungsanforderungen in meinem Studium ein? Ich bin, wie fast alle meine Kommilitonen, mit den Hausarbeiten seit Wochen in Verzug. Also ‚viel zu hoch‘ ankreuzen?“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Ja, oder als „eher zu hoch“. Denn natürlich sollte der Studiengang so konzipiert sein, dass die Studierenden in der Lage sind, ihre Hausarbeiten in der gesetzten Frist abzugeben. Denn die Frist ist ja durchaus Bestandteil der Leistungsanforderung (auch bei Klausuren geht es ja darum, die gestellte Aufgabe in einem beschränkten Zeitrahmen zu absolvieren).

„Anderseits hatte ich noch nie so viel Aufsätze gelesen wie im vergangenen Semester, wurde kaum je so sehr gefordert wie jetzt und, ja, hatte noch selten so viel Spass am Studium wie heute, um das einmal ganz überschwänglich auszudrücken. Aber wo sind wenigstens einige leere Zeilen, um dies in die Umfrage mit einzubringen? Interessiert sich dafür niemand? Gehört dies nicht zur Diskussion über Bachelor und Master?“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Die Kritik ist also, dass man aus der Umfrage unter Umständen herleiten kann, dass viele Studierende durch die neuen Studiengänge an ihre Leistungsgrenze (und darüber hinaus!) gebracht werden, dies aber nicht zwangsläufig etwas darüber aussagt, ob sie mit diesem Zustand zufrieden sind oder nicht. Diese „masochistische Option“ (überfordert werden und trotzdem glücklich) scheint in der Tat unter den Tisch zu fallen. Hier hätte man als Abschluss vielleicht eine allgemeine Frage nach der Zufriedenheit mit den neuen Studiengängen einbringen müssen.

„Stattdessen werde ich gefragt: ‚In wie vielen Deiner Veranstaltungen … musstest du ‚aktive Teilnahme‘ erbringen?‘ Ich wollte ‚in keiner‘ ankreuzen, weil ich in keiner mehr als ein Referat halten oder Zusammenfassungen schreiben muss. Doch dann lese ich, dass bereits die ‚blosse Teilnahme‘ als ‚aktive Teilnahme‘ gilt, dass ‚aktive Teilnahme‘ alles zu sein scheint, was über das zu Hause bleiben hinausgeht.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Generell: Es wird differenziert zwischen „regelmässiger Teilnahme“ und „aktiver Teilnahme“, wobei irritierenderweise manchmal auch beides unter „aktiver Teilnahme“ zusammengefasst wird (ich bin mir allerdings sicher, dass im SAP CM zwischen „regelmässig“ und „aktiv“ differenziert wird). Beides ist Voraussetzung für einen „Teilnahmeschein“ und „Leistungsschein“ (wobei bei letzterem noch die HA oder Klausur hinzukommt). „Regelmässig“ bedeutet i.d.R., dass man nicht mehr als zwei mal fehlen darf (präziser in der SfAP §13 Absatz 4). „Aktive Teilnahme“ bedeutet normalerweise, dass man auch noch ein Referat, ein Protokoll oder Vergleichbares leisten muss (präziser ebenfalls in der SfAP §13 Absatz 4).

In der Frage 28 geht es zunächst einfach darum, in wie vielen Veranstaltungen der Befragte eine „aktive Teilnahme“ erbringen musstest. Was eigentlich der Regelfall ist, denn sowohl „Leistungsscheine“ wie „Teilnahmescheine“ setzen wie gesagt aktive Teilnahme voraus. Da nun „aktive Teilnahme“ sehr denhbar ausgelegt wird (manche Dozierende verlangen eben keinen „Bonus“ wie ein Referat, wenn es nur um einen „Teilnahmeschein“ geht), wurde der Frage 28 der Punkt a hinzugefügt, in dem abgefragt wird, was man für „aktiv“ konkret machen musste. Das ist so schon alles korrekt.

„Auch ich habe meine Probleme mit der Bologna-Reform. Sie betreffen jedoch vor allem Dozierende, deren Reformresistenz sich nicht unbedingt positiv auf mein Studium ausgewirkt hat. Doch wird auch nach ihnen nicht gefragt. An der Evaluation beteiligen kann ich mich daher nicht. Ich sehe nicht, meine Studienrealität durch den Fragebogen irgendwie in die Umfrage einbringen zu können.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Das Verhalten der Dozierenden hätte man stärker einfließen lassen können, ja (indirekt kommt es durchaus vor). Ich denke dennoch, dass die Mehrheit der FU-Studierenden durchaus etwas mit der Umfrage anfangen kann und die eigene Studienrealität in den Fragen erfasst sieht. Die Frage ist eher, ob man überhaupt mit diesem Fragebogen bis zu ihnen durchdringt.

Womit wir beim bislang einzig essentiellen Kritikpunkt wären. Denn richtig ist die Kritik am Vorgehen, die Umfragebögen nur an bestimmten Punkten auf dem Campus auszulegen (Diskussion hier). Hier besteht in der Tat das Problem nur eine bestimmte Gruppe von Studiereden zu erreichen. Und wenn sich dann mal jemand nicht nur einen Bogen greift, sondern vielleicht auch mal zehn, um zehn mal das Gleiche auszufüllen, dann ist hier einer Verfälschung natürlich Tür und Tor geöffnet.

Die so genannte „ZEDAT-Methode“ hätte demgegenüber den Vorteil alle zu erreichen (jedeR BA/MA-Studierende braucht an der FU einen ZEDAT-Account fürs SAP CM und ist angehalten, seine / ihre ZEDAT-Emails regelmässig abzufragen). Wenn man darüber hinaus den Umfragebogen nicht nur einfach an die Email anhängt, sondern auf eine Website verweist, auf der man die Umfrage mittels TAN-Verfahren ausfüllen kann (TAN stellt sicher, dass jedeR Studierende die Umfrage nur einmal ausfüllen kann), könnte man mit Sicherheit auch die gewünschte Repräsentativität erreichen.

Da das FU-Präsidium die „ZEDAT-Methode“ blockt (wie ausgeführt aus fadenscheinigen Gründen), ist es auch dem FU-Präsidium zuzuschreiben, wenn die Umfrage nicht die erhoffte Repräsentativität erreicht. Denn der Aussagewert basierend auf der „Auslege-Methode“ ist sicherlich gering, das lässt sich jetzt schon prophezeien.

Die Lange Nacht der Wissenschaften am FB PolSoz

Juni 7, 2007

Am kommenden Samstag, den 9. Juni 2007, findet von 17:00 bis 01:00 Uhr wieder die „Lange Nacht der Wissenschaften“ statt, an der sich mehr als 60 Lehr- und Forschungseinrichtungen in Berlin und Potsdam beteiligen. Auch der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU wird sich in diesem Jahr in die Veranstaltung einbringen.

1) Integration und Politik in einer vielfältigen Welt

Von 17:00 bis 21:30 Uhr findet im OSI (Ihne21 A) eine Veranstaltung zum Thema „Integration und Politik in einer vielfältigen Welt“ statt, die aus einem Vortrag, einer Diskussion und einem Film besteht.

1.1) Vortrag: Der „Kopftuchstreit“ in Deutschland und anderen europäischen Ländern

17:00 – 18:00 Uhr: Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Sabine Berghahn, Projektleiterin, Petra Rostock, Projektmitarbeiterin

„Beantwortet werden Fragen wie: Warum sind die politischen Einstellungen und rechtlichen Regelungen so unterschiedlich in Europa? Was unterscheidet die Umgangsweisen mit dem islamischen Kopftuch, was verbindet sie? Woher kommt das Bedürfnis, sich als junges Mädchen oder erwachsene Frau zu verhüllen? Ist es religiöse Überzeugung, Unterdrückung durch Herkunftssphäre oder freiwillige Distanzierung von einer Mehrheitsgesellschaft, die muslimischen Einwanderern wenig entgegenkommend und oft diskriminierend gegenübertritt? Wie sind insbesondere die neuen gesetzlichen Regelungen in deutschen Bundesländern zu beurteilen? Macht Berlin mit seinem konsequenten Verbot religiöser Kleidung für Lehrkräfte und andere öffentliche Bedienstete es besser als Baden-Württemberg und Bayern, die christlich-abendländische Symbole und Kleidung ausdrücklich zulassen?“ (FU Berlin)

1.2) Filmvorführung: „Das Kopftuch im Kopf. Von der muslimischen Frau und anderen Rollenbildern“

18:00 – 20:00 Uhr: Vorführung und Diskussion des Films „Das Kopftuch im Kopf. Von der muslimischen Frau und anderen Rollenbildern“ (Dokumentarfilm von Elena Deipenbrock und Jenny Jungehülsing, Berlin 2007)

„Bezüglich der Kopftuchfrage erfahren die Zuschauer/innen nicht nur, dass jede von den drei Kopftuch tragenden Frauen diese Entscheidung freiwillig getroffen hat; der Film beleuchtet auch die Frage, welche Funktion das Kopftuch für diese Frauen im konkreten Alltag erfüllt – ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte über Akzeptanz oder Verbot des Kopftuches völlig ausgeblendet wird.“ (FU Berlin)

1.3) Podiumsdiskussion: „Soll die Türkei zur EU gehören?“

20:00 – 21:30 Uhr: „Soll die Türkei zur EU gehören?“ Es diskutieren: Prof. Dr. Hans-Ulrich Wehler, Dr. Claire Demesmay, Prof. Dr. Tanja Börzel, Mehmet Gökhan Tuncer, Moderation: Dr. Sabine von Oppeln

„Die Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union steht schon seit den 60er Jahren auf der Agenda europäischer Politik. Zugleich gab diese Frage immer wieder Anlass zu heftigen Diskussionen. Insbesondere in jüngster Zeit ist im Zusammenhang mit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen der Streit über den EU-Beitritt der Türkei zu einem Kristallisationspunkt der Auseinandersetzungen über die künftige Entwicklung der EU geworden.“ (FU Berlin)

1.4) Kommentar des Plenums des Roten Cafés

Veröffentlicht anläßlich der G8-Themenwoche am OSI, leider nicht online gestellt.

2) Regieren ohne Staat

„Mit einer begleiteten Posterpräsentation stellt sich der Sonderforschungsbereich [Governance] in diesem Jahr der Öffentlichkeit vor. Gerade im Jahr der Geisteswissenschaften freuen wir uns auf einen regen Besuch der Veranstaltungen am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft.“ (FU Berlin)

So wie ich die Veranstaltung verstehe, geht es wirklich nur um eine Selbstdarstellung des SFB anhand von Postern („Präsentation“) die im Foyer der Ihne21 aufgehängt werden. Auch auf der Website des SFB ist keine Ankündigung zu finden, dass es begleitend noch irgend einen Vortrag oder eine Diskussion gibt.

3) Filming Culture: Ethnografische Dokumentarfilmreihe des Studienschwerpunkts „Visuelle Anthropologie“

In der Ihne21 findet in Hörsaal B von 18:00 bis 0:30 Uhr eine Filmvorführung des Instituts für Ethnologie statt.

„18:00 – 19:00 Uhr: Montes Azules: reúbicación o resistencia? (Montes Azules – Umsiedlung oder Widerstand?) (Mexiko/Deutschland 2005, 60 Min., OV mit dt. UT, Autoren: Sandra Schmidt, Barbara Rühling)

19:15 – 19:55 Uhr: K’uxa pas Marusch? What’s up, Maria? Do not take photos! (Mexiko/Deutschland 2004, OV mit engl. UT; 40 Min.; Autor: Florian Walter)

20:15 – 21:00 Uhr: „i aquí estamos todavía!“ – Conflict, resistance and change in the Zona Norte, Chiapas (Mexiko/Deutschland 2005, 45 Min., OV mit dt. UT; Autoren: Lukas May, Boris Gilsdorff, Claudia Engels)

21:15 – 22:15 Uhr: Lucha por la vida – Die Folgen der Ölförderung in Ecuador (Ecuador/Deutschland 2006, 60 Min., OV mit dt. UT; Autor: Frederik Klose-Gerlich)

22:30 – 23:15 Uhr: Balkan Beats Berlin (Deutschland 2005, 45 Min.; Autoren: Marco Valic, Jan Hering)

23:30 – 0:00 Uhr: All in one shot – A portrait of the ghanaian Videofilmmaker Bob Smith (Ghana/Deutschland 2006, 31 Min., OV mit dt. UT, Autor: Steffen Köhn)“ (FU Berlin)

4) Angebote der Bibliothek des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften

„Ein Blick hinter die Kulissen der Bibliothek des Otto-Suhr-Instituts und der Institute für Soziologie und Ethnologie“. 17:00 bis 01:00 Uhr in der Bibliothek.

Themen: Bibliotheksalltag, Wie finde ich Literatur?, Wie sieht die Bibliothek von innen aus?. Rundgänge jeweils um 18:00, 20:00 und 22:00 Uhr und nach Bedarf. (FB PolSoz)

Fortschritte im Konjunktiv – Die Ergebnisse der neusten CeDiS-Umfrage

Juni 6, 2007

Nachdem CeDiS bereits im Sommersemester 2006 eine Online-Umfrage zum Thema e-Learning unter Studierenden durchgeführt hatte (Ergebnisse hier, ab Seite 18), wurde im Wintersemester 06/07 eine zweite Umfrage gestartet, die sich erstmals auch an die Dozierenden richtete (siehe „CeDiS startet neue Umfrage zum Thema e-Learning an der FU“). Inzwischen liegen die Ergebnisse vor.

An der Studierenden-Umfrage vom 05.02.07 bis zum 23.02.07 haben sich fast 1100 KommilitonInnen beteiligt. Weiter heißt es:

„Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab an, dass der Einsatz von e-Learning ihnen Wege und Zeit erspart hat und eine Arbeitserleichterung darstellt. Der e-Learning Einsatz ist für die Studierenden also mit einem echten Mehrwert verbunden. Für die Einsatzbereiche Kommunikation und Kooperation, deren Nützlichkeit in der ersten Umfrage des Sommersemesters 2006 eher kritisch bewertet wurde, konnten wertvolle Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten gewonnen werden. Die allermeisten Studierenden sind davon überzeugt, dass der Einsatz von Online-Kommunikation das Potenzial besitzt, die Betreuung durch die Lehrenden und die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen/innen zu verbessern.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Besonders diese Geschichte mit den Defiziten in Sachen „Kommunikation“ und „Kooperation“ scheint CeDiS umzutreiben. Die Antwort ist eine Umfrage, in der zum einen deutlich wird, dass eine Mehrheit der Studierenden es sehr wohl für möglich hält, dass der Einsatz von Online-Technologien zur Unterstützung von Kommunikations- und Kooperationsprozessen die Lehre verbessern könnte (Online-Kommunikation und Kooperation), zum anderen aber auch klar wird, dass das an der FU durch den Einsatz von Blackboard nicht wirklich passiert (Mehrwerte des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard, Gesamtbewertung des e-Learning Einsatzes).

Man stellt also fest, dass es theoretisch durchaus möglich ist die Kommunikation und Kooperation durch den Einsatz von „Online-Technologien“ zu verbessern und hofft dass es dann weniger auffällt, dass gerade die Bereiche zur Kommunikation (Chat, Forum, Email, etc.) gegenüber der Basisfunktion (dem Bereitstellen von Downloadmaterial) zurückstehen. Gerade im interessanten Bereich der Kommunikation und Kooperation war die Frage eben nicht „Hat die Online-Kommunikation über Blackboard die Zusammenarbeit verbessert?“, sondern „Kann die Online-Kommunikation die Zusammenarbeit verbessern?“. Erst bei der Frage nach den „Mehrwerten des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard“ werden die Defizite im Bereich Kommunikation dann indirekt deutlich. Hier zeigt sich beim Punkt „Verbesserung der Zusammenarbeit mit den KommilitonInnen“ die geringste Zustimmung, was nichts anderes meint, als dass die Kommunikation und Kooperation nicht funktioniert.

Die Dozierenden-Umfrage wurde vom 21.02.07 bis zum 30.03.07 durchgeführt, es beteiligten sich über 300 Lehrende aus allen Fachbereichen und Zentralinstituten. CeDiS fasst zusammen:

„Von den Lehrenden, die im Wintersemester 2006/2007 die Lernplattform Blackboard aktiv genutzt haben, hat sich mehr als jeder fünfte an der Umfrage beteiligt. Erfreulicherweise haben sich auch zahlreiche Professoren/innen die Zeit genommen, den Online-Fragebogen auszufüllen (N=57). Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die allermeisten Umfrageteilnehmer positive Erfahrungen mit dem Einsatz von e-Learning gemacht haben: e-Learning war nützlich für die Vermittlung der Lehrinhalte, hat die zeitliche Flexibilität erhöht und die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt. Insgesamt ist eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer der Meinung, das e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess birgt.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Jaja, natürlich birgt „e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess“, die viel interessante Frage ist jedoch, inwiefern diese Potenziale an der FU auch genutzt werden bzw. die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Und hier lesen wir:

„Am häufigsten werden konventionelle Lehrmaterialien wie Texte und Präsentationsfolien sowie Ankündigungen über organisatorische Aspekte und aktuelle Ankündigungen zur Lehrveranstaltung online verfügbar gemacht. Aber auch die Beratung und/oder Anleitung von Studierenden und die Bereitstellung multimedialer Lehrmaterialien wurde von rund der Hälfte der Umfrageteilnehmer bereits online umgesetzt. Das technisch sehr anspruchsvolle Distance Teaching wird bisher nur von sehr wenigen Lehrenden genutzt.“ (Formen des e-Learning-Einsatzes)

97% der Befragten nutzen Blackboard zur Bereitstellung von konventionellen Lehrmaterialien, gut 90% zur Verteilung von Informationen, 55% zur Beratung, 28% zur Durchführung von Umfragen, 17% für Tests und Prüfungen und nur 2% für Distance Teaching. Konkret sieht „E-Learning“ an der FU also wie folgt aus: Dozierende und Studierende laden Lernmaterialien in das System, wenn es hoch kommt gibt es mal einen kurzen Wortwechsel im Forum (und „kurz“ meint, es kommt nicht wirklich eine Diskussion zustande) und der/die Dozierende postet hin und wieder ein Annoucement. That’s it.

„Die allermeisten Umfrageteilnehmer stimmen darin überein, dass e-Learning für die Vermittlung von Lehrinhalten sehr nützlich ist, die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt und eine größere zeitliche Flexibilität mit sich bringt. Fehlende Computerkenntnisse und Zeitmangel scheinen für viele Lehrende keine entscheidenden Hemmnisse für den e-Learning Einsatz zu sein, allerdings würden die meisten e-Learning stärker einsetzen, wenn sie mehr Unterstützung – personell, technisch oder finanziell – erhalten würden.(Bewertung der bisherigen Erfahrungen)

Okay, das mit den „fehlenden Computerkenntnisse“ ist so eine Sache. Wenn es darum geht, den Blackboard-Course nach seiner Einrichtung vernünftig zu konfigurieren, weisen nach meiner persönlichen Erfahrung die meisten Dozierenden Defizite auf. Funktionen liegen brach, weil sie nicht freigeschaltet werden (etwa das Forum). Es mangelt entweder an der Fähigkeit oder an der Bereitschaft zur Autodidaktik. Selbst wenn das aber nun durch die gewünschte Intenvisierung einer personellen, technischen oder finanziellen Unterstützung kompensiert werden könnte, stellte sich immer noch das Problem, dass es von den Studierenden wenig angenommen wird.

Man sollte in diesen Umfragen einfach mal fragen:

  1. Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen mit Blackboard in der Lehre: Denken Sie, dass eine einfache Plattform zum Bereitstellen von Dateien durch Studierende / Dozierende, die zusätzlich einen integrierten Email-Verteiler besitzt, anstelle des Blackboards ausreichen würde? Ja, Nein, Weiß nicht.
  2. Entspricht die Art und Weise wie Sie zur Zeit Blackboard in der Lehre nutzen ihrer persönlichen Vorstellung dessen was „e-Learning“ ausmachen sollte? Ja, Nein, Weiß nicht.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Neues von MeinProf.de

Juni 5, 2007

Es gibt Neues von MeinProf.de, wie schon im letzten Jahr berichtet, steht das Webportal zur Bewertung von Dozierenden immer mal wieder in der Kritik, weil gelistete Lehrende sich in Misskredit gebracht sehen. So forderte ein Marketing-Professor an einer FH in Brandenburg unlängst eine „strafbewehrte Unterlassungserklärung“ von den Machern von MeinProf.de, weil Studierende ihn in einem Kommentar unter anderem als „Psychopath“ und seine Lehre als „echt das Letzte“ bezeichnet hatten.

Die Macher hinter MeinProf.de entfernten die Bemerkungen offenbar nicht schnell genug und sollten nun 3000 Euro blechen, falls auf ihrer Seite noch mal eine ähnliche Bemerkung über den Professoren auftaucht, sowie die Anwaltskosten zahlen. Während in erster Instanz noch der Kläger Recht bekam, wurden diese Forderungen jetzt im Berufungsverfahren zurückgewiesen:

„In erster Instanz entschied das Amtsgericht Tiergarten noch zugunsten des Wissenschaftlers. Das Landgericht Berlin allerdings wies seine Forderung im Berufungsverfahren zurück. Die Begründung: Hochschuldozenten müssten sich in ihrer Funktion öffentlicher Kritik stellen. Eine pauschale Unterlassungserklärung könne nicht eingesetzt werden, um vorab kritische Kommentare zu verhindern. Dem Betreiber könne auch keine Vorab-Prüfungspflicht zugemutet werden.

Im Klartext bedeutet das: Von Thomas Metschke und seinen MeinProf-Kollegen kann nicht verlangt werden, dass sie die Seite rund um die Uhr überwachen und jeden Forenbeitrag sofort prüfen.“ (Spiegel Online, 04.06.07)

Die Frage ist, inwieweit dies dem so genannten „Heise Foren Urteil“ entgegensteht (das erst Anfang Mai erneut bestätigt wurde):

„Das Bereithalten von Internetforen stelle eine Form unternehmerischen Betriebs dar. Der Betreiber müsse sein Unternehmen so einrichten, dass er mit seinen sachlichen und personellen Ressourcen in der Lage sei, diesen Geschäftsbetrieb zu beherrschen. ‚Wenn die Zahl der Foren und die Zahl der Einträge so groß ist, dass die Antragsgegnerin nicht über genügend Personal oder genügend technische Mittel verfügt, um diese Einträge vor ihrer Freischaltung einer Prüfung auf ihre Rechtmäßigkeit zu unterziehen, dann muss sie entweder ihre Mittel vergrößern oder den Umfang ihres Betriebs [ …] beschränken‘, so das Landgericht Hamburg.“ (heise news, 14.04.06)

Das ganze Theater könnte man sich sicherlich auch ersparen, indem man die Website vom Ausland aus betreibt (also auch ohne .de-Domain).

Was die Bewertung von FU-Dozierenden bei MeinProf.de angeht, hält das OSI übrigens sowohl einen positiven als auch einen negativen Rekord. Prof. Ladwig gehört mit einem Durchschnitt von 1.4 zu den beliebtesten Dozierenden, Prof. Riedmüller führt mit 4.0 nach wie vor einsam das untere Ende der Skala an (was auf ihre „legendäre“ Einführungsvorlesung zurückzuführen ist, siehe „Riedmüller Affäre“).

Insgesamt ist der Aussagewert von MeinProf.de-Wertungen immer noch nur sehr gering. Es gibt zwar ein Minimum an Wertungen die abgegeben sein müssen, bevor eine Gesamtbewertung veröffentlicht wird, doch ist die Anzahl der teilnehmenden Studierenden bei MeinProf.de immer noch zu niedrig im Verhältnis zur gesamten Anzahl an Studis die mit dem jeweiligen Dozierenden zu tun hatten. Auch kann es sein, dass ein Urteil auf Basis der Bewertung einer einzelnen Lehrveranstaltung die vielleicht vor 2 oder 3 Semestern einmal stattfand zustande kommt. Das ist insgesamt einfach alles immer noch viel zu dünn. Zu begrüßen ist es dennoch, wenn dadurch Druck auf Dozierende ausgeübt werden kann, ihre Lehre zu verbessern.

Grottian tritt in den „Vollzeit-Unruhestand“

Juni 4, 2007

Am kommenden Freitag, 08.06.07, findet im Hörsaal A der Ihne21 ein Symposium zum „Eintritt in den Vollzeit-Unruhestand“ (O-Ton) von Prof. Grottian statt. Im Programm heißt es:

12:15 – 12:30 Uhr
Brigitte Rauschenbach: Aus gegebenem Anlass: Das Ende der Teilzeitprofessur – kein Ende des Teilens

12:30 – 13:45 Uhr
Ingrid Kurz-Scherf: Vom Realismus der Utopien: Arbeitsteilung und Geschlechterdemokratie

14:00-16:00 Uhr
Internationale Arbeitsteilung, Privatisierung und Geschlecht

  • Brigitte Young: Das Private ist ökonomisch. Die Internationalisierung der geschlechtlichen Arbeitsteilung
  • Elmar Altvater: Das Ökonomische ist politisch. Privatisierung und die Wiederaneignung sozialer Räume in einer solidarischen Ökonomie

16:30 – 17:15 Uhr
Peter Grottian: Die Abschaffung der Arbeitslosigkeit. Die sozialen Bewegungen als Akteure für Alternativen

18:00 – 20:00 Uhr
Podiumsdiskussion: Arbeitsfairteilung als europäisches Projekt? Mit: Barbara Holland-Cunz (Gießen), Michael Krätke (Amsterdam), Mascha Madörin (Basel), Susanne Schunter-Kleemann (Bremen), u.a. Moderation: Bodo Zeuner

20:00 Uhr
Roland Roth: Laudatio auf Peter Grottian“

Natürlich wird es nicht das letzte Mal sein, dass man etwas vom umtriebigen Peter Grottian hört, dennoch ist es ein Abschied vom Institut. Da kommt schon etwas Wehmut auf, geht mit ihm doch einer der letzten OSIaner, der auch bereit war gegen den Strom zu schwimmen und über den universitären Tellerrand hinauszublicken.

„Studierbarkeits“-Umfrage nun auch an der FU

Juni 3, 2007

Wie berichtet, soll an der FU eine ähnliche „Studierbarkeits“-Umfrage wie unlängst an der HU durchgeführt werden. In der Pressemitteilung heißt es:

„Studierende der FU Berlin werden ab dem 04.06.2007 eine Umfrage über die Studierbarkeit der verschiedenen Studiengänge der FU durchführen. Das Augenmerk liegt vor Allem auf den neu eingeführten BA/MA-Studiengängen, aber auch die Situation in den anderen Studiengängen soll Berücksichtigung finden.

Bereits im vergangenen Jahr wurde eine vom FU-Präsidium in Auftrag gegebene Umfrage vorgestellt, welche auf Grund ihrer verhältnismäßig geringen Rücklaufquote auch von den mit der Umfrage Betrauten selbst als nur bedingt repräsentativ eingeschätzt wird. Um zu repräsentativen Aussagen zu gelangen, die Umfrage des Präsidiums zu erweitern und zu vertiefen, aber vor Allem: um von studentischer Seite auf Probleme hin zu weisen, haben sich einige Studierende der FU zusammen gefunden, um der Frage nach zu gehen:

Wie läuft eigentlich das Experiment ‚Studienreform‘?“ (Pressemitteilung der Studierbarkeits Gruppe FU, 31.05.07)

Es geht also darum, eine Alternative zur Bachelor-Umfrage des FU-Präsidiums (siehe „Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online“) zur Hand zu haben, die dann repräsentativer sein und stärker in die Tiefe gehen soll. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Dazu wurde von Seiten der FU-Gruppe ein Fragebogen erarbeitet, der sich zu großen Teilen auf diese HU-Umfrage stützt, sie aber einerseits ergänzt und andererseits etwas kürzt.“ Das klingt nicht unbedingt danach, als wollte man ein ähnlich umfassendes Papier wie das 300 Seiten starke Ergebnis der HUler vorlegen.

Kritisch äußert sich Florian Schatz von der LHG FU zu dem Ansatz:

„Des weiteren gab es einen außerordentlichen Tagesordnungspunkt, in dem zwei Studierende einer Fachschaftsinitiative ihr Projekt vorstellte, eine Umfrage unter den Studierenden ähnlich der HU-Umfrage durchzuführen. Um möglichst viele Studierende für die Umfrage zu gewinnen, wurde die Möglichkeit erfragt, eine Email an alle Zedat-Accounts zu versenden.

Das Problem: Die Fragen der Umfrage hatten oft einen suggestiven Charakter, genauso der Klappentext, der bereits vom ‚Experiment Studienreform‘ sprach. Nicht glücklich gewählt war außerdem der Verweis auf die bisherige FU-Bachelor-Umfrage, der die Repräsentativität abgesprochen wurde. Ob eine Umfrage, die bei FSIs ausliegt und derart formuliert wurde repräsentativer sein kann, sei dahingestellt.

Leider wurde die Umfrage in dieser Form auch schon beim AStA (!) gedruckt, so dass nichts mehr zu ändern ist. Möglicherweise jedoch kann der Text für die Online-Umfrage noch geändert werden, so dass ein Versand über die Zedat-Accounts möglich bleibt. In dieser Form jedoch gab Vizepräsident Väth zu verstehen, dass das Präsidium dies ablehnen würde.“ (LHG Blog, 31.05.07)

Wenn die Fragen tatsächlich so suggestiv sind, wie Florian beschreibt, wäre das natürlich ein Problem, denn was bringt eine alternative Umfrage, deren Seriösität in Abrede gestellt werden muss? Aber nun gut, das wird sich ja dann zeigen, wenn der Bogen endgültig steht.

Die Versendung via ZEDAT-Accounts würde ein kurzfristiges Ändern in der Tat noch möglich machen (allerdings ist es jetzt wohl definitiv zu spät dafür, die Umfrage beginnt ja schon morgen und die Bögen wurden wie Florian beschreibt schon gedruckt). Inwiefern das dann repräsentativ wäre, würde der Rücklauf zeigen. Zumindest würde man mit der „ZEDAT-Methode“ wahrscheinlich mehr Studierende erreichen, als mit dem einfachen Auslegen der Fragebögen an bestimmten Punkten auf dem Campus.

Dass Vize-Präsident Väth sich gegen die Versendung über die ZEDAT ausspricht muss dagegen per se ja erst mal nichts heißen. Ob die Umfrage nun suggestiv ist oder nicht, das Präsidium kann in keinem Fall ein Interesse an einem neuen Umfrage-Ergebnis haben, dass das eigene Umfrage-Ergebnis unter Umständen unterminieren könnte. Zumindest stellt sich sicherlich die Frage, ob das „Suggestions-Argument“ vielleicht nur vorgeschoben wurde, um eine unliebsame Initiative kleinzuhalten.

Der Erhebungszeitraum reicht vom 04.06.07 (also ab morgen) bis zum 20.07.07, also bis zum Ende der Vorlesungszeit des laufenden Semesters. Die Ergebnisse sollen dann im folgenden Wintersemester 07/08 vorliegen. Erreichbar ist das Projekt angeblich unter www.fub.studierbarkeit.de, was zur Zeit aber nur auf www.refrat.hu-berlin.de umleitet. Bei Interesse ist allerdings auch eine Kontaktaufnahme über studierbarkeit.fub[at]gmx.de möglich.

Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich der beste Weg war, die Umfrage „Knall auf Fall“ noch in diesem Semester durchzuziehen. Unter Umständen wäre eine ausführlichere Ausarbeitung und Vorbereitung trotz der schon vorhandenen HU-Vorlage besser gewesen. Dann hätte man die Sache in Ruhe im WS 07/08 durchgezogen (inkl. einem längeren Erhebungszeitraum) und die Ergebnisse dann eben erst im SS 2008 gehabt.

Re: Hier bloggt die Uni

Juni 2, 2007

Als der Kommilitone Fabian Reinbold Anfang Mai anfragte, ob ich mich nicht wegen eines Artikels den er für den Tagesspiegel schreiben wolle mit ihm treffen könnte, ahnte ich schon nichts Gutes, denn er räumte gleichzeitig freimütig ein, „kein Blog/Web-Experte“ zu sein. Da ich zudem ein angespanntes Verhältnis zum Tagesspiegel wegen seiner „präsidiums-affinen“ Berichterstattung habe, sparte ich mir das Treffen (siehe „Raumplan für G8-Themenwoche veröffentlicht / Tagesspiegel sucht FU-Blogger“).

Traditionell sind Blogger und Journalisten meist nicht allzu gut aufeinander zu sprechen, wofür es diverse Gründe gibt (vgl. z.B. Mario Sixtus: „Die ungleichen Brüder“, heute.de, 25.01.05; okay, vielleicht etwas überholt, aber es reicht, um die Spannungslinien nachzuvollziehen). Wenn man nun aber schon einen Nicht-Blogger über Blogs schreiben lässt, sollte dieser Nicht-Blogger sich vielleicht wenigstens etwas in die Materie eingearbeitet haben. Ansonsten kommen dann zwangsläufig Zeilen wie folgende zu stande:

„Tagebücher sind Privatsache? Das war einmal. Heute leben wir im Zeitalter der Blogs. Solche Online-Tagebücher sind für jedermann einzusehen.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Über die Phase Blogs als „Online-Tagebücher“ zu definieren ist man eigentlich schon lange hinaus, das ist inzwischen selbst bei den meisten nicht-bloggenden Journalisten die sich mit der Blog-Materie auseinandersetzen Common sense. Treffender ist da schon der Nachsatz in dem Fabian von „Kommunikationsmitteln“ schreibt.

„Vor kurzem hat die Freie Universität ein zentrales Blogsystem eingerichtet. Lehrende, Studierende und Mitarbeiter sollen dort ihren persönlichen Blog führen und sich untereinander austauschen. Das ist die Vision. Die Realität sieht momentan noch anders aus. Die Plattform läuft im Probebetrieb und gerade einmal zehn aktive Weblogs sind registriert.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Gut, hier wäre zunächst die Frage wie man „aktiv“ definiert, „registriert“ sind inzwischen jedenfalls 75 Blogs (und nicht 10), wie ein Blick auf blogs-fu-berlin.de verrät (Mitte April waren es roundabout 12, Mitte Mai schon 69). Wirklich „aktiv“ ist allerdings kein einziges – ausgenommen von denen die von CeDiS-MitarbeiterInnen selbst betrieben werden vielleicht.

Viel interessanter erscheint jedoch die Frage nach dem „Warum“. Warum wird das Blog-System nur so schleppend angenommen? Liegt das wirklich nur daran, dass das System sich noch in einer Testphase befindet? Hier hätte sich der Kommilitone Fabian auf FUwatch schlau machen und wenigstens einen Satz dazu verlieren können, dass es offensichtlich weder in der Dozierenden- noch in der Studierenschaft einen größeren Bedarf nach einem FU-eigenen Blog-System gibt – was sich auch in Zukunft nicht großartig ändern wird. Die geringe Anzahl der bisher registrierten und tatsächlich geführten Blogs scheint dies bereits zu implizieren, allerdings zaubert das CeDiS hier natürlich sofort seine Lieblingsargumente aus der Tasche: 1) Es braucht Zeit bis sich das Blog-System etabliert hat, 2) Es ist momentan nur in einer Testphase, 3) Wir führen bereits Dozierenden ins Bloggen ein.

Interessant wäre gewesen zu erfahren, was genau die FU sich den Spaß eines eigenen Blog-Systems eigentlich kosten lässt. Stattdessen liest man:

„Können FU-Angehörige auch im zentralen Blogsystem die eigene Uni nach Lust und Laune kritisieren? Was erlaubt sein soll, ‚wird momentan zwischen der Unileitung und Cedis diskutiert‘, sagt Apostolopoulos. Die Nutzungsbedingungen enthalten bereits einen Passus, der es als ‚missbräuchliche Nutzung‘ definiert, wenn im Blog ‚das Ansehen der Freien Universität Berlin geschädigt wird oder die Nutzung ihren Interessen entgegensteht‘. Die Blogs auf der offiziellen Plattform sollen auch in der Lehre genutzt werden. Cedis führt bereits Dozenten in das Bloggen ein.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Der Hinweis auf den Zensur-Passus in den Nutzungsbedingungen ist ja richtig und lobenswert, nur wird nicht wirklich deutlich, was für Konsequenzen das hat und dass es sich für die studentische FU-Hochschul-Blogger-Szene allein wegen eines solchen Passus‘ von selbst verbietet, die Blog-Aktivitäten auf das FU-eigene System zu verlagern. Auch hätte man an dieser Stelle einen kurzen Absatz über die Entwicklung von Blogs aus der Idee einer Gegenöffentlichkeit heraus einschieben können, und wie stark der Ansatz von FU/CeDiS dem offensichtlich widerspricht.

Sicher, das Vorhaben die studentischen Hochschulpolitik-Blogs vorzustellen, ist Fabian gelungen. Nur wenn er auf der einen Seite die lebendige studentische Blogger-Szene beschreibt und dann auf der anderen Seite das eher von sich hin dümpelnde FU-eigene Blog-System, drängt sich doch die Frage auf, woher diese Unterschiede kommen. Warum das eine funktioniert und das andere nicht.

Hier kommen dann die unterschiedlichen „Philosophien“ ins Spiel, während für die FU das eigene Blog-System in der Lehre eingesetzt werden soll und eine kritische Betrachtung des FU-Alltages nicht willkommen ist, stehen die studentische Blogs außerhalb des FU-eigenen Systems eher in der Tradition einer kritischen Auseinandersetzung mit der Art und Weise wie an der FU Hochschulpolitik betrieben wird.

Diese unterschiedliche Ansätze für was man Blogs eigentlich braucht (Gegenöffentlichkeit / kritische Information und Kommunikation vs. plätschernde Begleitung für LVs / private Banalitäten), sollten klar herausgearbeitet werden, um anschließend den Bogen zu der Tatsache zu spannen, dass der eine Ansatz funktioniert und der andere nicht (natürlich kommen andere Faktoren hinzu, wie etwa das Grundsatzproblem, dass kaum jemand Blogs im Kontext einer LV braucht). Was ja im Artikel in Ansätzen durchaus erkennbar ist, dann aber schwammig bleibt.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

ATASP-Angriff abgewehrt

Juni 1, 2007

Wie der OZ-Redakteur Marcel Heberlein in einem FUwatch-Kommentar berichtet, hat der Institutsrat (IR) die Anträge der ATASP-Clique auf eine Ausweitung der Teilnehmerbeschränkungen (siehe „ATASP-Clique will Teilnehmerbeschränkungen durchsetzen“) abgelehnt. Der IR hat sich jedoch verpflichtet, eine Lösung für die Teilnehmerproblematik zu finden. Wie das aber konkret aussehen soll, ist noch völlig unklar.

Dennis Olsen (FSI OSI) führt in einem weiteren Kommentar aus, dass die Beschränkungs-Befürworter letztlich doch erreicht haben was sie wollten, denn das Thema wurde auf die Agenda gesetzt. Und es mangelte dann auch nicht an „kreativen“ Lösungsvorschlägen. So schlug etwa Sabine von Oppeln vor, man könne doch die Zahl der Nebenfach- und Beifachstudierenden in den Lehrveranstaltungen beschränken, während Prof. Niedermayer meinte, man sollte einfach in allen Lehrveranstaltungen eine Teilnehmerbeschränkung einführen, damit die Studierenden mehr Druck auf die Dozierenden ausüben, gute Lehre zu betreiben. Die Idee das Lehrangebot auszuweiten, sei keinem der Dozierenden gekommen.

Dem hält Wolf Dermann (LHG FU) entgegen, dass eine Erhöhung des Lehrangebots nicht zu kleineren Lehrveranstaltungen führt: „Der vom BVerfG im NC-Urteil 1972 festgelegte Grundsatz der Kapazitätserschöpfung führt nämlich dazu, dass wenn mehr Lehrveranstaltungen angeboten werden, auch mehr Studienberwerber zugelassen werden müssen. Da die Zulassungszahlen proportional zur Zahl der Lehrverpflichtungsstunden steigen, bleibt die Zahl der Studierenden pro Lehrveranstaltung also gleich.“ Dies sei, so Wolf weiter, auch gut so, weil dadurch verhindert wird, „dass kleinere Kurse einfach durch schärfere NCs geschaffen werden können.“

Die besagte Quote von Studierenden pro Lehrveranstaltung besagt aber vermutlich nicht, dass in einem Kernhauptseminar 70 oder 80 Studierende sitzen sollen. Grundlage ist sicherlich ein Durchschnittswert, so dass es dann eben vorkommen kann, dass in einer LV „zu viele“ und in einer anderen LV „zu wenige“ Studierende sitzen. Die Frage wäre dann, wie man das löst, zwingt man die Studierenden sich gleichmässiger zu verteilen oder sollte man nicht überlegen dazu überzugehen unbeliebte Dozierende, die aufgrund ihrer „schlechten Lehre“ weniger Studierende anziehen auszuwechseln.

Natürlich ist auch dieser Ansatz problematisch, weil er dazu führen könnte, dass die Themenvielfalt vor die Hunde geht, weil nur noch Lehrveranstaltungen mit „Mainstream“-Ausrichtung überleben. Anders formuliert: Hat eine Lehrveranstaltung weniger TeilnehmerInnen, muss dies ja nicht unbedingt am Dozierenden liegen, sondern eventuell auch am Inhalt. Und wenn ein bestimmter Inhalt, ein bestimmtes Thema auf zu wenig Interesse bei Studierenden stößt, legitimiert das allein es aus dem KVV zu verbannen? Wohl kaum. Es muss jedenfalls auch noch Raum für „Nischen“-LVs geben, um die Vielfalt in der Lehre sicherstellen zu können.

Trotz der von Wolf beschriebenen Quotenregelung muss es doch auch noch einen Spielraum geben, die Lehrkapazität zu erhöhen, ohne dass sofort die Zulassungszahlen nach oben schnellen und es dann wieder gleich voll ist (hier zeigt sich ein weiteres Problem: denn keiner kann ja ernsthaft für eine Stagnation oder gar Reduzierung der Zulasssungszahlen eintreten; Wolf verwies bereits auf die NC-Probelmatik). Wenn Prof. Grottian mit seiner Stelle z.B. die Stelle von Prof. Wehland-Rauschenbach mitfinanziert, könnten doch z.B. Prof. Risse und Prof. Börzel jeweils das Gleiche tun, schon hätten wir zwei weitere Profs und eine Erhöhung der Lehrkapazität.