Archive for Juli 2006

Vogelperspektive

Juli 28, 2006

Na, wer erkennt’s? ;-)

Update 10.09.06

Inzwischen hat jemand die Karte getagged und die Gebäude richtig bezeichnet, das kürzt die Raterei natürlich ab ;).

Humboldt-Viadrina School of Governance

Juli 27, 2006

Wie der Tagesspiegel gestern berichtete, hat sich die neue „Humboldt-Viadrina School of Governance“ (HVSG) in die frühere Berliner Landesvertreung in der Wilhelmstraße eingemietet. Ursprünglich noch unter Diepgen erworben, versuchte das Land Berlin seit drei Jahren vergeblich das leerstehende Gebäude in bester Lage zu vermieten. Nun wird dort die HVSG einziehen und Werner van Bebber frotzelt im Tagesspiegel im Hinblick auf die unmittelbare Vorgeschichte des Gebäudes: „Wer hier regieren lernt, wird die Anschaffung überflüssiger Gebäude instinktiv vermeiden“.

Das 1500 qm große, ehemalige Charité-Gebäude war in den 1870er Jahren nach den Entwürfen von Paul Emmanuel Spieker gebaut worden. Ende der 1990er Jahre wurde es für 3,3 Millionen Euro saniert, diente der Berliner Landesvertretung aber nur drei Jahre als Unterkunft, danach zog diese ins Rote Rathaus um. Nach weiteren drei Jahren findet es nun endlich wieder einen Mieter, im August zieht zunächst die Gründungsgesellschaft der HVSG ein. Wann der Lehrbetrieb aufgenommen werden kann ist aber noch unklar, wie der Tagesspiegel weiter berichtet. Die HVSG soll aber bis zu 200 Studierende aufnehmen können.

Allerdings dürfte das nicht ganz billig werden, wie Koh Ho Mowlogi in der HUch!-Ausgabe Nr. 43 berichtet. Demnach muss man für ein Studium an der HVSG ca. 17.000 Euro berappen. Mowlogi schreibt weiter:

„Im Umfeld der Governance School soll ein Think Tank für Politikentwicklung und Entscheidungsplanung entstehen. Motiv für die Gründung sei der wachsende Reformbedarf in Europa. Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan erläuterte dazu: ‚Der Sozialstaat muss umgebaut, die Verwaltung professionalisiert, der gemeinnützige Sektor ausgebaut werden.‘ Das klingt irgendwie nach Agenda 2010 und Hartz – und dieser Eindruck täuscht auch nicht, ist doch die Kandidatin der SPD für das Bundespräsidentinnenamt, Gesine Schwan, dem rechten Parteiflügel zuzuordnen. Stephan Gutzeit, ein ehemaliger McKinsey-Kader und bereits Gründer und Kanzler des European College of Liberal Arts (ECLA), einer weiteren privaten Berliner Hochschule für spätere Führungskräfte, leitet die Governance School in Gründung. Mit dieser Wahl begibt sich die Humboldt-Universität ein weiteres Mal in die beratenden Hände des McKinsey-Klüngels.“

Der Artikel ist schon etwas älter, datiert auf April/Mai 2004, dennoch haben Mowlogis Bedenken auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Merkwürdig ist insbesondere die Art und Weise wie diese Institution ins Leben gerufen wurde. Das Co-Projekt der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Humboldt-Universität zu Berlin tauchte im November 2003 erstmals in Pressemeldungen auf. Mowlogi kommentiert: „[…] in der Humboldt-Universität wusste zu diesem Zeitpunk außer dem Präsidenten wohl kaum jemand davon, zumindest zeigte sich der Akademische Senat erstaunt darüber, was da ohne sein Wissen geschehen war“.

Anders als bei der Hertie School of Governance (HSG) sieht das Konzept der HVSG offenbar vor, dass sich die Dozentenschaft aus Lehrkräften der Humboldt- und der Viadrina-Uni rekrutiert, die Dozierenden müssen ihre Lehre folglich teilen (Lehrveranstaltungen an der jeweiligen „Heimat-Uni“ und an der HVSG). Die Gefahr bei einer solchen Konstruktion besteht natürlich darin, dass bei der Aufteilung des Zeitpensums im Zweifelsfall der viel zahlenden Studentenschaft an der HVSG der Vorzug gegeben wird.

Ob das Angebot der HVSG maßgeblich von dem der HSG abweichen wird, kann erst beurteilt werden, wenn die HVSG ihren Betrieb aufnimmt. Aber selbst wenn die Angebote sich unterscheiden, bleibt trotzdem noch die grundsätzliche Frage, ob die deutsche Hochschullandschaft solche „Governance Schools“ überhaupt braucht oder ob das Engagement nicht lieber in bereits bestehende Fachbereiche und Institute investiert werden sollte.

Ergebnisse des zweiten Institutstags liegen vor

Juli 26, 2006

Max hat Photos und Ergebnisse des zweiten Institutstags in den Institutstags-Blog gestellt.

Auf den Photos fällt als erstes die relativ schwache Beteiligung auf. Die sonst übervollen Seminarräume erscheinen auf den Photos fast leer, selbst im Hörsaal A blieben vorne viele Stühle frei. Viel fand aber offensichtlich auch draußen statt (nicht nur das Sommerfest). Die ganzen „heißen Bilder“ seien leider der Zensur zum Opfer gefallen, schreibt Max.

Im folgenden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen:

AG 1: Mentorenprog. für Erstsem. und ausländ. Studierende
AG 2: Lehre am OSI
AG 3: Studentische Seminare am OSI
AG 4: Informa. und Kommuni. im Rahmen student. Beteiligung
AG 5: Afrikalehre am OSI
AG 6: MA Politikwissenschaft / Diplom
AG 7: Umstrukturierungen am OSI
Präsentation der Umfrage

Rückblick Internet-Seminare

Juli 24, 2006

Im Seminar „Politische Analyse der Internet-Öffentlichkeit“ haben wir uns keineswegs nur mit „ebay-Auktionen“ beschäftigt, sondern zahlreiche Websiten analysiert. Wer will kann auf der Boomark-Liste Links zu diversen Dokumenten einsehen. Dies sind allerdings nicht die untersuchten Websiten selbst, sondern Artikel mit Übersichtsinformationen zu den verschiedenen Themenkomplexen. Dominierend sind dabei Wikipedia und Telepolis, aber wer etwas genauer hinsieht findet auch anderes, den meisten vermutlich noch unbekanntes Material.

Das zweite Internet-Seminar, in dem es um Rhetorik im Netz ging, drohte aufgrund der Erkrankung des Dozenten auszufallen, wurde dann aber von den Studierenden autonom weitergeführt. Durch das Auseinanderbrechen des Seminars (viele sind abgesprungen, es war lange nicht klar, wie es weitergehen soll, etc.) wurde die ursprüngliche Idee, das Seminar mit einem Blog zu begleiten nicht mehr konsequent fortgesetzt, der Blog ist verwaist. Immerhin wurde den Studierenden hier – im Gegensatz zu früheren Blog-Ansätzen – aber tatsächlich die Möglichkeit geboten, selbst Einträge zu verfassen und bestehende zu kommentieren.

OSI-Zeitung jetzt auch online verfügbar

Juli 23, 2006

Nachdem die Redaktion die erste Ausgabe der neuen OSI-Zeitung leider nicht ins Netz gestellt hat, hat osiwelt das jetzt erledigt. Wer also noch nicht reingesehen hat bzw. keine Print-Ausgabe erwischt hat, kann sich das gute Stück jetzt als pdf downloaden.

Meine kritische Betrachtung der ersten Ausgabe ist bei den Redaktions-Mitgliedern auf reges Interesse gestoßen, wer will kann seine Meinung dort auch noch kund tun.

Wanted by the LAI

Juli 22, 2006

Wie einer meiner Blog-Einträge zum FU-internen Politikum zu mutieren drohte (in eine Richtung, die von mir nicht intendiert war), warum ich diesen Eintrag zurückgezogen und komplett ersetzt habe und warum die LAI-Leitung nach mir suchte.

„Blackboard vs. Campus Management: Die ultimative Teilnehmerbegrenzungsschlacht“ (neuer Eintrag: „Zur Platzbeschränkung via Campus Management“) handelte von dem realen Fall einer Lehrveranstaltung am LAI, die auf 40 TeilnehmerInnen begrenzt wurde, für die sich aber zumindest OSI-Studierende von Anfang an ohne Teilnahmebeschränkung über das SAP Campus Managment anmelden konnten. Tatsächlich haben sich dann knapp 80 Leute über das CM angemeldet. Die LAI-Leitung zog die Teilnahmebeschränkung aufgrund dieser Massen zu Beginn des Semesters wieder zurück, alle durften also teilnehmen. Soweit so gut.

In dem Eintrag entwickelte ich darüber hinaus noch eine hypothetischen, alternativen Lauf der Geschichte: Was wäre denn gewesen, wenn das LAI die Teilnahmebeschränkung nicht zurückgenommen hätte? Wären dann die Leute die sich bereits zu viel im CM angemeldet haben wieder rausgeflogen? Und wenn ja, nach welchen Kriterien? Es geht also um die Frage, wer „overruled“ im Zweifelsfall eigentlich wen, der Institutsrat das CM oder das CM den Institutsrat? (Eine meiner Kernthesen lautet ja, dass das CM die Zentralisierung des Universitätswesen fördert, es umgekehrt also zu einer schleichenden Entmachtung „lokaler“ Ebenen (Fachbereiche, Institute) kommt.)

Die Dozentin der Lehrveranstaltung um die es hier ging, hat von Anfang an gesagt, sie nimmt alle Leute auf. Sie hat aber auch gesagt, dass es einen Beschluss des LAI-Rats gibt, demnach die Anzahl der TeilnehmerInnen eigentlich auf 40 zu beschränken sei. Ferner – und dies hat in der ersten Sitzung für Aufruhe gesorgt – dass die ILS-Master-Studierenden am LAI im Zweifelsfall zu bevorzugen sein, was die Teilnahme an der Lehrveranstaltung angeht. Denn diese müssen die Veranstaltung in jedem Fall besuchen, um ihr Modul abzuschließen (während die OSIaner noch Ausweichsmöglichkeiten haben).

Theoretisch hätte doch der IR sagen können „Hey, wir hatten da eine Teilnehmerbeschränkung beschlossen, wenn diese vom CM nicht umgesetzt wird, ist das nicht unser Problem“. Aber was dann? Dann hätten sich der IR respektive die Dozentin etwas einfallen lassen müssen, wie man die „überschüssigen“ Studierenden die wider der eigentlichen Planung über das SAP CM in das Seminar gelangt sind, wieder loswird. Eine denkbare Variante: Man macht den Zugang zum Course in Blackboard zur Teilnahmevoraussetzung. Per Einzelfreischaltung werden die ersten 40 reingelassen, die anderen 40 nicht. Die sind dann nur noch im SAP CM, aber nicht im Blackboard, können ergo nicht am Seminar partizipieren.

Soweit die Konstruktion eines worst-case-scenarios aus Sicht der Studierenden. Tatsächlich hat die Dozentin jeden Studierenden der sich über Blackboard anmelden wollte, einzeln freigeschaltet. Dies hatte aber nichts mit einer Teilnahmebeschränkung zu tun, denn diese wurde wie beschrieben zuerst inoffiziell später auch offiziell verworfen. Aus der Verwendung einer Blackboard-Funktion (Einzelfreischaltung) hatte ich den theoretischen Missbrauchsfall hergeleitet. Diese Unterscheidung zwischen dem was ist und dem was sein könnte (z.B. in einem anderen Seminar) ist dann bedauerlicherweise bei der Rezeption meines Eintrags durch Dritte unter den Tisch gefallen.

„Was ist denn ein Blog?“

Auf ein gesteigertes Interesse stieß mein Blogeintrag in der LAI-Führung. Die Instituitsleiterin (oder sonst wer im Stab) hatte nach dem Namen der Dozentin der LV gegoogelt und war so auf meinen Eintrag gestoßen. Woraufhin die Institutsleiterin unserem Seminar höchstpersönlich einen Besuch abstattete. Offenbar hätten wohl einige TeilnehmerInnen ein Problem mit dem Seminar / der Dozentin / dem LAI, es habe da so einen Blog-Eintrag gegeben, ob derjenige hier sei und sich dazu äußern könne. Schweigen. „Was ist denn ein Blog?“ fragt jemand aus dem Auditorium, die Institutsleiterin entgegnet, das wisse sie auch nicht so genau. Aber da sein halt diese Beiträge im Netz.

Die Leiterin bezieht die Position, dass ihr Institut schon genug Studierenden aus anderen Studiengängen Zugang gewährt (so wie ich es verstanden habe, gibt es eine Quotierung, wie viele Studierende aus anderen Instituten / Fachrichtungen ein Institut aufnimmt). Der Blogeintrag sei dabei hilfreiches Material, nicht in der Form, aber insgesamt sei doch Kritik willkommen, die die unhaltbaren Zustände anprangert. Es wurde in ihrem Vortrag offensichtlich, dass die Story zum Instrument zur Austragung inner-universitäre Rivalitäten zu mutieren droht (der generelle Streipunkt ist immer die Anzahl der eigenen Studierende die „auswärts“ Lehrveranstaltungen belegen im Verhältnis zur Anzahl externer Studierender die dafür ans Institut kommen). Folglich entschloß ich, mich ihrem Vorstoß nicht anzuschließen und mich taub zu stellen. Denn dass dann am Ende womöglich noch weniger OSIaner am LAI studieren können als bisher, war sicherlich nicht meine Intention bei der Erstellung des Eintrags gewesen.

What happens in the grotto stays in the grotto

Der Unmut über den Blog-Eintrag konzentrierte sich im wesentlichen auf zwei Punkte:

Erstens, die Verquickung von einem realen Fall mit hypothetischen Möglichkeiten wie er sich hätte weiter entwickeln können. Dazu ist zu sagen, dass in dem Eintrag von Anfang sprachlich sehr genau getrennt wurde, was tatsächlich ist und welches potentielle worst-case-scenario dieser Sachverhalt birgt.

Meine Kritik richtete sich zum einen gegen das Campus Management, das eine eigentlich bestehende Teilnahmebeschränkung in dieser Lehrveranstaltung nicht auswies und zum anderen gegen die LAI-Führung, die zu Beginn des Semesters offensichtlich eine Art „LAI first“-Politik auf Kosten Studierender aus anderen Fachrichtungen die am LAI eine Lehrveranstaltung besuchen wollen betrieb.

Zweitens, die Tatsache, dass der Blog-Eintrag einen Sachverhalt aus einer Seminarsitzung kritisch dokumentierte, ohne dass dafür von irgend jemand ein Einverständnis eingeholt worden wäre. Sicher, und wenn der SPIEGEL einen kritischen Bericht über die Machenschaften der Bundesregierung veröffentlicht, sollte er bei denen am besten auch erst mal nachfragen, ob das okay ist. Schon klar.

Kritik ja bitte, aber nur intern. Ein denkbarer Ansatz, nur halte ich ihn für recht naiv. Manchmal muss die Dokumentation von Mißständen auch nach außen getragen werden, z.B. um Dritten die ähnliches erlebt haben zu verdeutlichen, dass das kein Einzelfall war. Mißstände erfodern Widerstand, Widerstand setzt Koordination der Betroffenen und einen regen Informationsfluß zwischen ihnen voraus.

Überladener Eintrag

Besagte Veranstaltung war nun nicht die einzige, bei der eine Teilnahmebeschränkung eingeführt werden sollte. In einigen Fällen wurde sie umgesetzt, in anderen ausgesetzt. Was für Konsequenzen hat das? Was für eine Atmosphäre entsteht dadurch eigentlich auf dem Campus? In jedem Fall ist die Teilnahmebeschränkung ein Problem, dass man auch mal in der Öffentlichkeit diskutieren sollte. Und „Öffentlichkeit“ beschränkt sich eben nicht nur auf die TeilnehmerInnnen eines bestimmten Seminars, das man als Fallbeispiel heranzieht.

Allerdings war der Eintrag zugegebenermaßen überladen: Die Frage welche Konsequenzen sich aus einer Nichtübernahme einer offiziell beschlossenen Platzbeschränkung im Campus Management herleiten, die hypothetische Variante das die Dozierenden die Platzbeschränkung dann mit einem Trick via Blackboard durchsetzen könnten, gepaart mit einer allgemeinen Kritik der Platzbeschränkungspolitik am Beispiel eines LAI-Seminars; der Übergang von realen Vorkommnissen zu theoretisch-denkbaren Entwicklungen; das war dann doch zu unübersichtlich. Zudem der Eintrag auch als Kritik an der Dozentin interpretiert wurde, was nicht meine Intention war. Der neue, Ende Mai herausgebrachte Eintrag ist etwas abstrakter verfasst, spart sich den Ausflug ins Blackboard komplett, baut aber immer noch auf diesem realen Fall auf.

Zusammenfassung des Hartmann-Vortrags

Juli 21, 2006

Wie angekündigt fand am Mittwochabend eine Verantstaltung mit dem Soziologen und Elitenforscher Prof. Dr. Michael Hartmann in der Silberlaube statt. Der Hörsaal 1a war knapp zur Hälfte gefüllt, was für diese Zeit (18 Uhr) eine recht ordentliche Quote ist.

Zunächst hielten zwei Studierende jeweils einen Kurzvortrag. Till von der FSI OSI erklärte den Anwesenden die Exzellenzinitiative, Elsa vom AStA berichtete über den Stand der Dinge in Sachen Studiengebühren (in Deutschland allgemein und speziell in Berlin).

Prof. Hartmann konzentrierte sich in seinem Vortrag anschließend auf die Elitenrekrutierung an Hochschulen und zog dafür die Beispiele USA und Deutschland heran. Nach welchen Kriterien werden BewerberInnen für Studienplätze ausgewählt? Welche Ansprüche stellen die Hochschulen an sich selbst und werden sie ihnen gerecht? Wohin führt uns die Exzellenzinitiative in Deutschland?

I. USA

Insgesamt gibt es in den USA gut 4.000 Hochschulen, deren Leistungskapazitäten in Rankings gemessen wird. Diejenigen Universitäten, die an der Spitze stehen (Harvard, Yale, Princeton, Stanford, etc.) haben den Anspruch die besten Studierende auszubilden. In den Rankings wird versucht festzuhalten, wie viele Studierende eine Universität ablehnt (Logik: je mehr Studierende abgelehnt werden, desto besser ist die Universität), wie viele von den Zugelassenen dann tatsächlich kommen (und nicht doch auf eine andere Uni gehen, für die sie parallel ebenfalls eine Zulassung erhalten haben), wie viel Mittel einer Universität zur Verfügung stehen (je mehr Finanzmittel desto besser), welche Resultate eine Universität in der Forschung erzielt, etc.

Lehre spielt keine Rolle

Die Lehre spielt bei der Bewertung der Universitäten hingegen keine Rolle. Sie befindet sich an US-Universiäten insgesamt auf einem schlechten Niveau. Inzwischen werden 70% der Lehrveranstaltungen von Dozierenden bewältigt die man in Deutschland als „Lehrbeauftragte“ bezeichnen würde, sowie von Studierenden im fortgeschrittenen Studium. Den Professor selbst sieht der Studierende genauso wenig (oder sogar noch weniger) wie an einer deutschen Massenuniversität.

Für den Status der Universität ist das egal, da die Lehre kein Bewertungskriterium ist. Die ProfessorInnen haben sich oft in anderen Ländern einen Namen gemacht und werden dann auf dem Zenit ihrer Karriere für viel Geld von den US-Universitäten eingekauft, die durch ihre immensen finanziellen Ressourcen de facto weltweit konkurrenzlos sind. Nicht selten sind daher die Erbringer von Nobelpreisen Nicht-US-BürgerInnen, die aber an US-Universitäten forschen. Die eigentliche Leistung, die zum Nobelpreis führte, wurde aber nicht selten bereits zu einem Zeitpunkt erbracht, zu dem die betreffende Person noch nicht an einer US-Universität war.

Für die Studierenden ist wichtig, dass am Ende der Name „Harvard“ oder „Yale“ auf ihrem Abschluss-Zeugnis steht. Was sie an der Uni gelernt haben, ist dabei völlig irrelevant. Es geht um das Image, den Namen der Universität, nicht um die tatsächliche Qualität.

Massive soziale Selektivität

Das us-amerikanische Universitätswesen zeichnet sich nach Prof. Hartmann durch eine starke soziale Selektivität aus. So werden z.B. so genannte „Legacies“, Nachkommen von Ehemaligen, bevorzugt behandelt. Ihre Chance an einer der Spitzenuniversitäten angenommen zu werden ist 4x so groß wie die von normalen BewerberInnen. Alle Versuche die Legacy-Praktik abzuschaffen sind bisher gescheitert, da die Universitäten stark von den Spenden ihrer Ehemaligen abhängig sind. Sobald die Universiäten versuchen gegen das Legacy-Prinzip front zu machen, gehen die einflussreichen Alumni-Organisationen auf die Barrikaden und der Spendenfluss nimmt deutlich ab.

In den USA gibt es einen bundesweiten Eignungstest für den Hochschulzugang, den so genannten SAT. Dieser ist nicht verpflichtend, wird aber von den meisten Universitäten und Colleges als Zugangstest eingesetzt. Bei dem Test haben gewöhnlich diejenigen BewerberInnen die besten Karten, die bereits vorher auf eine gute (teure) Schule gegangen sind, die in Gegenden mit hohen Einkommen liegen. Auch hier ist also eine massive soziale Selektivität zu verzeichnen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Zulassung zu einer Top-Universität ist der „Charakter“. Dieses Kriterium geht zurück auf die Tatsache, dass der prozentuale Anteil von jüdischen Studierenden an den Unis beständig stieg und die Universitäten diesen Prozess stoppen wollten. Der Grund: Universitäten mit einem hohen Anteil an jüdischen Studierenden, wie etwa die Columbia University in New York, wurden von Eltern nicht-jüdischer StudentInnen zunehmend gemieden, sie schickten ihre Spröslinge dann lieber auf eine andere Uni. Als Leselektüre empfahl Prof. Hartmann an dieser Stelle „The Chosen“ von Jerome Karabel.

Das Kriterium „Charakter“ hat keine eindeutige Definition. Im wesenlichen geht es darum, BewerberInnen nach ihrer familiären und sozialen Umgebung auszuwählen. Hierbei wird soziale Ähnlichkeit prämiert, d.h. es werden diejenigen Studierenden am ehesten zugelassen, die in ihrem Auftreten den EntscheidungsträgerInnen am ähnlichsten sind.

Konsequenzen

In den USA rekrutieren sich 20% der Studierenden aus den 80% die die Unterschicht bilden, während weitere 20% der Studierenden von den 2% gestellt werden, die die Oberschicht sind. Es herrscht eine massive soziale Selektivität vor. Als Vorbild für Deutschland taugt das us-amerikanische Modell nach Meinung von Prof. Hartmann nicht.

II. Deutschland

In Deutschland wird in den kommenden Jahren mit 30% mehr Studierenden gerechnet, was entsprechende hohe Finanzmittel erfordert, die aber nicht vorhanden sind. Stattdessen setzt man auf die Exzellenzinitiative, mit der so genannte „Elite-Universitäten“ gefördert werden sollen (bei zeitgleicher Unterstützung für (vermeintlich) exzellente Forschung).

Kritikpunkte

Allein die Tatsache, dass die Bereiche Medizin, Ingenieur- und Naturwissenschaften gegenüber Geistes- und Sozialwissenschaften deutlich bevorzugt werden, stellt die Frage, nach welchen Maßstäben „Exzellenz“ hier eigentlich bestimmt wird.

Es zeichnet sich ein starkes Nord-Süd-Gefälle ab, bis auf wenige Ausnahmen sind alle zukünftigen „Eliteuniversitäten“ in Süddeutschland verortet. Es werden hier jene Unis bevorzugt, die ohnehin schon die meisten Drittmittel einfahren.

Die hochschulinternen Aufnahmeverfahren werden die soziale Schieflage weiter verschärfen. Da Studierende aus einem Akademikerhaushalt besser wissen, wie eine Uni intern funktioniert, was man in einem Bewerbungsschreiben einbringen muss, wie man sich sprachlich ausdrücken muss, etc.

Konsequenzen

Während Deutschland im internationalen Vergleich bisher hauptsächlich durch seine hohe Selektivität im Schulwesen aufgefallen ist, kommt jetzt eine starke Selektivität im Hochschulwesen hinzu, die es bis dato in dieser drastischen Form in Deutschland nicht gegeben hat. Die Exzellenzinitiative ist der Beginn einer massiven Hierarchisierung der deutschen Hochschullandschaft. Damit gleichen sich die Verhältnisse in Deutschland langsam denen in den USA an, wenngleich es hier auch in naher Zukunft noch gravierende Unterschiede geben wird.

Am Ende wird es in Deutschland zwei verschiedene Grundtypen von Universitäten geben: eine kleine Anzahl von Forschungsuniversitäten, die ihre Studierenden aus dem Bürgertum rekrutiert und auf der anderen Seite Massenuniversiäten die deutlich weniger Forschung betreiben und Bachelor-Studierende in möglichst kurzer Zeit und auf einem qualitativ niedrigeren Niveau ausbilden. Die bereits jetzt bestehende Chancenungleichheit wird drastisch zunehmen.

Dass die benachteiligten Universitäten, bei denen von Anfang an klar war, dass sie sich nicht zur „Elite“ würden zählen können, nicht stärker gegen die Initiative protestieren führt Prof. Hartmann darauf zurück, dass sie nicht als nörgelnder Verlierer dastehen wollen. Nach Prof. Hartmanns Meinung würden sich diese Universiäten ihre Lage schönreden und hätten bisher überhaupt nicht realisiert, was für weitreichende Konsequenzen die Initiatve für sie mit sich bringt.

Alternativen

Als Alternative sieht Prof. Hartmann nur eine stärkere Besteuerung. Statt diejenigen zur Kasse zu bitten, die jetzt studieren (Stichwort: Studiengebühren), sollte man lieber diejenigen besteuern, die ihre akademische Ausbildung schon hinter sich haben und „40 Jahre nichts zahlen mussten“. Wozu diese natürlich nicht bereit sind.

Abschluss

Nach dem Vortrag gab es noch eine interessante Diskussion, in der weitere Aspekte angesprochen bzw. Punkte aus dem Vortrag vertieft wurden. Deren Zusammenfassung wäre aber an dieser Stelle zu viel des Guten. Die Veranstaltung endete schließlich um 20:30 Uhr.

Die Verdienste der FU

Juli 20, 2006

In einer aktuellen Pressemitteilung gibt die FU bekannt, dass FU-Präsident Dieter Lenzen den internationalen Marcel-Grossmann-Preis entgegen nimmt, mit dem die FU ausgezeichnet wird. Aus dem Pressetext:

[…] Gewuerdigt werden die Errungenschaften der Freien Universitaet bei der Verbreitung freiheitlichen Denkens und Lehrens in einer demokratischen Gesellschaft […]

*lol* Welch Hohn…

Zwei Festnahmen und eine schwach besuchte Vollversammlung

Juli 19, 2006

Nach Angaben des Tagesspiegel nahmen nur gut 150 Studierende an der Vollversammlung am Montag teil. Gegenstand der Vollversammlung war insbesondere die drohende Einführung von Studierendengebühren nach den Wahlen im Herbst. Auf Basis der geringen Beteiligung und an zwei Einzelfallbeispielen versucht der Tagesspiegel zu suggerieren, die Berliner Studierenden hätten kein Problem mit der Einführung von Studierengebühren.

Tatsächlich hat die schwache Beteiligung wohl eher etwas damit zu tun, dass sich kurz vor Beginn der Semesterferien kaum jemand für Protest (bzw. für entsprechenden Vorbereitungen) erwärmen kann und die Einführung ja auch nicht unmittelbar bevorsteht bzw. noch nicht offiziell angekündigt wurde. Sicherlich ein taktischer Fehler, denn natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Studiengebühren nach den Wahlen wieder im Gespräch sind. Aber daraus zu schlussfolgern, die Studierenden hätten kein Problem mit Studiengebühren oder würden sie widerspruchlos hinnehmen, ist sicherlich falsch.

Nach der Vollversammlung gab es noch eine Spontandemo an der sich knapp 50 Studierende beteiligten. Wie die junge Welt berichtet, wurden dabei zwei Studierende vorläufig festgenommen. Die mutmaßlichen „Rädelsführer“ wurden wegen „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ bzw. „Beamtenbeleidigung“ angezeigt. Ob die Polizei von der Universitätsleitung gerufen wurde, konnte bisher nicht endgültig geklärt werden. Nach Angaben des SEMTIX-Blogs hat die Polizei aber offenbar völlig eigenmächtig eingegriffen. Demnach meinte ein Sprecher der Studierenden: „Rückfragen bei der Uni ergaben, dass die Polizei eigenmächtig und ohne Rücksprache mit der Uni-Leitung gehandelt hat. Damit wurde illegal in einen speziell geschützten universitären Raum eingegriffen“.

Via Mailing Liste wurde inzwischen dazu aufgerufen, dass beteiligte Studierende Gedächtnisprotokolle der Geschehnisse beim AStA abgeben sollen: „Darin sollte vor allem vorkommen, wie eure Einschätzung des Ablaufs ist (zum Thema illegale Versammlung oder Spontandemonstration), ob es Rädelsführer gab und wie die Polizei mit einzelnen umging (verhältnismäßig gewaltätig oder nicht)“.

Andy Müller-Maguhn am OSI

Juli 18, 2006

Am Mittwoch (19.07.) wird Hacker-Papst Andy Müller-Maguhn Gast im Seminar „Politische Analyse der Internet-Öffentlichkeit“ sein. In der Einladung an ihn heißt es:

„Hätten Sie Lust, die Probleme des ‚zivilen Ungehorsams‘ und anderer unkonventioneller Vorgehensweisen zur Erhaltung & Erreichung der demokratischen Offenheit incl. Überwindung der digitalen Teilung anhand von Geschichte und Zukunft des Chaos Computer Club zur Diskussion zu stellen?“

Da Müller-Maguhn zugesagt hat zu kommen, wird das vermutlich auch das Diskussionsthema sein. Vielleicht wird aber auch getestet, wie gut die WinXP-Kisten im PC-Pool (da findet das statt) gesichert sind ;-). Da Müller-Maguhn in seiner Antwort nach kalten Getränken gefragt hat, wird es vermutlich auch solche geben; es lohnt sich jedenfalls zu kommen ;-).

Der PC-Pool ist bekanntlich nicht besonders groß, da auch die Bestuhlung recht schwach ist, solltet ihr in jedem Fall einen Stuhl von irgendwo anders her mitbringen (der Raum kann jedenfalls mehr Stühle aufnehmen als da sind).

Mittwoch, 19.07.06, 10 bis 12 Uhr, OEI (!), R. 204 (PC-Pool)

Die neue OSI-Zeitung – informativ aber zahnlos

Juli 14, 2006

Fast könnte man meinen, Frida Thurm denkt auch an die neue OSI-Zeitung (OZ) wenn sie in selbiger unsere Generation als „glatt“ beschreibt (der Artikel kann auch in der ZEIT online nachgelesen werden). Die neue OZ ist zwar informativ, wirkt aber recht zahnlos.

Der Ansatz ein „parteiübergreifendes“ Blatt zu gestalten, das sich keiner politischen Richtung zuordnen lassen möchte und sich mit der Berichterstattung auf das OSI beschränkt, ist sicherlich legitim. Dies muss aber nicht bedeuten, dass der Tonfall der sich durch die Artikel zieht so handzahm sein muss, wie dies bei der aktuellen ersten Ausgabe der Fall ist.

Besonders die Tendenz mit der Dozentenschaft zu fraternisieren wirkt etwas nervig. Nur auf der News-Seite wird in zwei Sätzen auf Prof. Hesse und die Anwesenheitslisten-Problematik eingegangen. Auch das Problem mit Prof. Riedmüller aus dem vergangenen Semester ist der Redaktion keine Nachbetrachtung wert. Stattdessen gibt es rührselige „Homestories“ in der der Leser erfährt dass Prof. Mengel mal versucht hat aus dem ADAC auszutreten und die Frau von PD Roth Vegetarierin ist.

Ist es wirklich vorteilhaft, dass ausgerechnet ein Leistungsfetischist wie Prof. Chojnacki (10 Exzerpte für einen Teilnahmeschein) die „Schirmherrschaft“ über das Mentorenprogramm hat? Wenn Prof. Segbers dem Geldadel in Dubai so zugetan ist, wäre es nicht vielleicht für alle Beteiligten das beste er würde dauerhaft dorthin entschwinden? Und was bringt uns z.B. der Governance-Sonderforschungsbereich? Wollen wir das? Das sind alles interessante Fragen, denen man in Artikeln kritisch nachgehen könnte. Dabei muss ja nicht alles umfassend erörtert werden, aber ein wenig mehr Biß wäre schön.

Statt ein Interview mit Dr. von Oppeln über die Unterschiede zwischen deutscher und französischer Protestkultur zu führen (interessantes Thema, aber für so ein Kurz-Interview viel zu komplex), hätte man auch einfach mal einen der berüchtigten „Listenclowns“ über deren Motivation interviewen können. Denn man schon nicht selbst subversiv sein möchte, sollte man wenigstens die subversiven Ansätze Dritter dokumentieren.

Auch wäre es ganz schön gewesen, wenn man in einem Artikel kurz auf die Vergangengenheit der OSI-Zeitung eingegangen wäre, die bekanntlich recht kontrovers diskutiert wurde. Der Name „OSI Zeitung“ ist nun mal vorbelastet, darüber sollte aufgeklärt werden.

Lobenswert ist die OZ, wenn es darum geht die OSIaner auf den neusten Stand von Entwicklungen am OSI zu bringen. So erfährt man, dass eine größere Wahlfreiheit der „Leitgedanke“ bei der Ausarbeitung einer neuen Studienordnung ist. Und weil das so ist, hat man kurzerhand entschieden, dass alle Studierenden ein Gender-Seminar besuchen müssen, wie es zwei Absätze weiter heißt. Wir lernen: Wahlfreiheit ist auch in Zukunft sehr relativ.

Aber im Ernst, die Infos sind durchaus vielfältig und interessant. Besonders die Artikel über das Berufungsverfahren für die Professur Ideengeschichte und über die Einführung eines NCs für Hauptstudiums-Hochschulwechsler fallen hier positiv auf. Die Hintergründe für die Einführung des NCs werden ausführlich dargelegt und bei dem Berufungsverfahren kann man nachlesen, welche KandidatInnen sich am ehesten Chancen ausrechnen können bzw. welche auch von den anwesenden Studierenden präferiert wurden.

Der Punkt ist eben nur der, dass es auch nicht mehr ist. Die OZ ist eine Art studentische Informationsbroschüre mit der sich die Studentenschaft über den Stand der Dinge am Institut informieren kann. Falls das das alleinige Ziel war, wurde es erreicht. Nur ein kritisches, systematisches Hinterfragen der Zustände findet in den Artikeln entweder gar nicht oder noch zu wenig statt. Auch ein wenig mehr Polemik und Provokation würde die Zeitung lesenswerter machen.

Handbuch für eine Gute Lehre am OSI

Juli 13, 2006

Gut 150 Personen haben sich gestern am Institutstag beteiligt, was nur eine kleine Minderheit der OSI-Studierenden ist. Vermutlich gibt es einfach nicht mehr Engagierte / Aktive die sich für die Gestaltung des OSIs interessieren – oder aber sie bezweifeln, dass der Institutstag irgend etwas verändern kann. Dabei hat der 1. Institutstag im letzten Semester deutliche Resultate gebracht: Das Mentorenprogramm für Erstsemester, das jetzt weiter ausgebaut werden soll, eine Kommission zur Ausarbeitung einer neuen Studienordnung unter maßgeblicher Mitwirkung von Studierenden, die erste Ausgabe der neuen OSI-Zeitung (dazu morgen mehr), etc.

Der gestrige 2. Institutstag diente nicht nur aber auch zur Präsentation der Ergebnisse des 1. Institutstags bzw. der Ergebnisse die die damals gegründeten AGs in der Zwischenzeit erzielt haben. Dazu zählt z.B. der Entwurf eines „Handbuchs für eine Gute Lehre“ in welchem die „AG Lehre“ ausgearbeitet hat, wie eine bestmögliche, einheitliche Struktur für die Lehre am OSI aussehen sollte.

Was für eine Lehre wollen wir? Welche Probleme gibt es häufig in Lehrveranstaltungen am OSI? Von der Seminarorganisation über Referate, Leistungsanforderungen, Feedback bis hin zu Methoden wird in diesem Papier der Status quo analysiert und wie er eventuell zu verbessern wäre. In diesem ersten Entwurf fehlen noch das Fazit und die Literaturangaben, ansonsten ist das Papier aber schon recht ausführlich ausgearbeitet und bietet interessante Diskussions-Ansätze.

Vollversammlung am Montag

Juli 12, 2006

Wie der AStA ankündigt, findet am kommenden Montag, den 17.07. um 14 Uhr eine uniweite Vollversammlung zum Thema „Studiengebühren-Entwicklungen in Berlin“ statt. Folgende Punkte stehen auf der Tagesordnung:

– Studiengebühren – Situation in Berlin
– Proteste in anderen Bundesländern (Gastbeitrag aus Hessen)
– Studienkonten / Langzeitstudiengebühren
– Exzellenzinitiative / Elitewettbewerb

Der genaue Ort der nachhaltig angekündigten Veranstaltung (im Verbindungstrakt zwischen OSI und OEI sind mehrere Grafitti zu sehen) wird noch bekannt gegeben, vermutlich dürfte es aber ein Hörsaal in der Silberlaube sein.

Wer wird Elite?

Juli 11, 2006

Am kommenden Dienstag den 18.07.06 findet in der Silberlaube eine interessante Veranstaltung mit dem Titel „Wer wird Elite? Bologna, Exzellenz-Initiative und Studiengebühren: Zwischen Sinn und Selektion – soziale Folgen aktueller hochschulpolitischer Reformprozesse“ statt. Auf dem Flyer heißt es:

Prof. Dr. Michael Hartmann, Soziologe und Elitenforscher an der TU Darmstadt – dekonstruierte anhand eigener empirischer Studien den Mythos der Leistung als vorrangiges Kriterium zur Besetzung von Spitzenpositionen in Justiz und Wirtschaft.“

Nach dem Vortrag ist eine Diskussion geplant, an der sich möglichst viele Studierende beteiligen sollen. In der Einladung heißt es:

„In der unübersichtlichen und rasend schnellen ‚Reformlandschaft‘ des deutschen Bildungssystems verliert sich schnell der Überblick – insbesondere, wenn es nicht nur darum geht, die Instrumente, sondern auch deren (soziale) Folgen fundiert zu betrachten. Mit dem Darmstädter Elitesoziologen Michael Hartmann haben wir einen Gast gefunden, der sich tiefgehend und kritisch mit Prozessen von (im Ergebnis herkunftsgeleiteter) Eliterekrutierung befasst hat – und mit den Ursachen, die dafür im Hochschulsystem auszumachen sind. Die Debatte soll daher anregen, die in Deutschland und auch in Berlin stattfindenden und anstehenden ‚Hochschulreformen‘ unter kritischem Blickwinkel einzuordnen und in ihren sozialen Folgen abzuschätzen.

Die Veranstaltung versteht sich als Teil der inhaltlichen Auseinandersetzung mit derzeitigen und zukünftigen Entwicklungen. Organisiert wird die Veranstaltung aus einem autonomen studentischen Seminar heraus, das derzeit unter dem Motto ‚Elitenrekrutierung im deutschen Hochschulsystem‘ am Otto-Suhr-Institut angeboten wird, in Kooperation mit dem AStA der FU Berlin.“

Das Thema ist brisant und hoch aktuell, die Veranstaltung daher mit Sicherheit interessant und besuchenswert.

Dienstag, 18.07.2006, 18 Uhr, Silberlaube, Hörsaal 1a

Kola-Konferenz am 6. Juli in der UdK

Juli 2, 2006

Am kommenden Donnerstag, dem 06.07.06, findet in der Universität der Künste (UdK) eine „KOLA-KONFERENZ“ statt. Auf der von AG „EthiK“ des StuPas der UdK organisierten Veranstaltung sollen die Vorwürfe gegen den Coca Cola Konzern diskutiert werden.

Die Liste der Vorwürfe gegenüber Coca Cola ist inzwischen lang, sie reicht von Umweltverschmutzung in Indien bis zu einer angeblichen Verstrickung in die Ermordung von Gewerkschaftsführern in Kolumbien (ausführlich im englischen Wikipedia-Eintrag „Criticism of Coca-Cola“). An mehreren us-amerikanischen Universiäten wird Coca Cola inzwischen boykottiert, ein Vorgehen das nach Meinung der Kritiker des Konzerns auch in Deutschland Schule machen sollte.

Neben VertreterInnen der Kolumbienkampagne, der ver.di.-Gewerkschaft und des Studentenwerk Berlins wurden unter anderem auch Vertreter des Coca Cola-Konzerns geladen, um zu den Vorwürfen Stellung beziehen zu können. Die OrganisatorInnen der Konferenz kündigen in der Einladung an:

„Das Fazit – sofern es zu einem kommen sollte – hätte Auswirkungen auf den Vertrieb von CC-Produkten und die Bereitstellung von Werbeflächen in der UdK sowie an anderen Universitäten Berlins. Gespräche mit dem Studentenwerk wurden von unserer Seite bereits geführt.“

Folgt man dieser Ankündigung wäre es also denkbar, dass auf der Konferenz entschieden wird, ob Coca Cola zukünftig auch an den Berliner Universitäten boykottiert wird oder nicht. Zumindest hätte ein entsprechender Beschluss sicherlich Signalwirkung.

KOLA-KONFERENZ, Universität der Künste Berlin, Hardenbergstraße 33, Hauptgebäude, Raum 310, 06.07.2006, 18 Uhr

OSI am Freitag besetzt

Juli 1, 2006

Studierende der FU Berlin haben am gestrigen Freitag das Otto-Suhr-Institut besetzt. In einer Pressemitteilung heißt es, der Protest richte sich gegen die „Exzellenz-Initiative“ (siehe hier und hier) an der FU:

„Sie [die Studierenden] sehen den Wettbewerb um Elite-Universitäten und die damit in Aussicht stehende Förderung im Einklang mit Flächen deckenden Kürzungen, fortgeführter sozialer Selektion und wissenschaftlicher Verknappung im gesamten Hochschulbereich.“

Offenbar sollte am Freitag eine Begutachtung des OSIs im Rahmen der Initiative stattfinden, was nach Darstellung der AktivistInnen durch die Besetzung verhindert werden konnte:

„Die Studierenden blockierten den gesamten Institutsbereich und die Hörsäle mit Tischen und Stühlen und hissten Plakate und Transparente. Damit verhinderten sie die Begutachtung des Instituts im Rahmen der so genannten ‚Exzellenz-Initiative‘.“

Der Pressemitteilung zu folge war das Universitätspräsidium bereits Tage zuvor verunsichert worden, als zunehmend durchsickerte, dass es Proteste am Tag der Begutachtung geben sollte. Daraufhin habe das Präsidium das OSI in der Nacht zum Freitag polizeilich absichern lassen, Polizisten in Zivil und Streifenwagen sollen bis Freitagmorgen patroulliert haben.

Nach Informationen der taz jedoch vergeblich, denn die berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, dass die AktivistInnen offenbar von Donnerstag auf Freitag im Institut übernachtet hatten. So konnten sie das Institut mit Stühlen und Tischen verbarrikadieren. Die taz schreibt aber auch, dass die geplante Begehung nur ein Gerücht gewesen sei, es sei überhaupt nicht sicher, dass sie wirklich am Freitag stattfinden sollte:

„Den Erfolg ihrer Aktion können die Studierenden bisher nicht beurteilen – schließlich wissen sie nicht mit Sicherheit, ob die Begutachtung des OSIs gestern tatsächlich geplant war. Goran Krstin, Pressesprecher von FU-Präsident Dieter Lenzen, bestritt gestern Nachmittag, dass eine Begehung des OSIs vorgesehen sei.“

Sollte es jedoch tatsächlich schon im Vorfeld eine polizeiliche Sicherung des Gebäudes gegeben haben, kann dies als Beweis gewertet werden, dass eine Begehung am Freitag geplant war. Denn wozu die Sicherung, wenn doch angeblich gar keine Begehung anberaumt war?

Von der geplanten Besetzung wusste die Mehrheit der OSI-Studierenden vorher nichts. Es gab zwar ominöse gelbe Flyer mit Datum, Ort und einem Spruch, der aber nicht so ohne weiteres zu entschlüsseln war. Wer wissen wollte um was es geht, musste schon vor Ort erscheinen. Einerseits ist es natürlich nachvollziehbar, dass die AktivistInnen nicht an jeden Baum nageln wollten, was ihre Pläne sind, andererseits konnten ihre KommilitonInnen sie aber so auch nicht bei ihrem Unterfangen unterstützen, da sie von nichts wussten (zumindest hätte man ja Andeutungen auf die Flyer drucken können).