Archive for the ‘Freiheitsdenkmal’ Category

Gute 48er, böse 68er

November 28, 2008

Wie angekündigt lief gestern Abend die Dokumentation „Kalter Krieg im Hörsaal – Die Gründung der Freien Universität Berlin“ von Karoline Kleinert und Reinhard Joksch im RBB.

Leider konnte der Film den Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Ausführlich beschrieben werden die autoritären Zustände an der HU (inklusive Einknastung und Verschleppung nicht systemkonformer Studierender), die dann zur Gründung der FU führten. Insofern muss man zugestehen, dass der Film im Kern abdeckt, was sein Titel verspricht.

Der im Programmtext angekündigte Bezug zu 1967/68 und der Bruch dieser neuen Generation mit der alten Gründergeneration wird jedoch nur kurz am Ende angeschnitten. Auf der einen Seite die alten strammen Anti-Kommunisten, die die Auswirkungen des Realsozialismus‘ an der HU noch hautnah mitbekommen haben. Auf der anderen die 68er, die mit ihrem Ruf nach einer Überwindung des kapitalistischen Systems, nach einer sozialistischen Alternative besonders in der Frontstadt West-Berlin auf Unverständnis stießen. Zurecht, wie im Film zwar nicht explizit behauptet, aber doch deutlich suggeriert wird.

Denn auf die demokratischen Defizite, die auch die neue FU nach ihrer Gründung aufwies und gegen die sich der Protest 67/68 auch richtete, gehen die Autoren nicht ein. Weder die Einschränkung der Redefreiheit an der FU (Kuby, Krippendorff, etc.) noch die Erfolge der Bewegung hinsichtlich von Mitbestimmungsrechten innerhalb der Universität werden thematisiert. Was bleibt ist das Bild des wirren 68ers, der dreist und verblendet all die Errungenschaften der 48er in Frage stellt.

Der Gipfel des Ganzen: Eine unreflektierte, rein positive Darstellung von Lenzens berüchtigtem „Freiheitsdenkmal“ als Erinnerung an die in die SU verschleppten FU-Studierenden. Dass es um dieses Denkmal eine breite Kontroverse gab, dass sowohl das Denkmal als solches (die „Second Hand“ Herkunft der Skulptur), seine Aufstellung (Lenzens fragwürdiger Alleingang als Musterbeispiel demokratischer Defizite an der FU in der Gegenwart) als auch der Hintergrund der geehrten Studierenden (der KgU-Verdacht) fraglich sind, bleibt dabei gänzlich unerwähnt.

Wenig überraschte da dann noch der Hinweis im Abspann, dass dieser Film mit Unterstützung der „Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ entstand. Es ging einmal mehr um den Gründungsmythos der FU als antikommunistisches Bollwerk gegen die totalitären Entwicklungen an der HU bei zeitgleicher Ausblendung der demokratischen Defizite die auch die neue FU bei allen freiheitlichen Zugewinnen nach 1948 immer noch hatte.

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Out of Dahlem Nr. 7

Juli 16, 2008

Schlappe eineinhalb Jahre hat sich der AStA für die aktuelle, siebente Ausgabe der Out Of Dahlem (OoD) Zeit gelassen (die sechste Ausgabe erschien Anfang 2007). Eine viel zu lange Zeit bedenkt man, dass es sich um die wichtigste Publikation des AStA handelt, die idealtypisch sicherlich einmal pro Semester erscheinen sollte.

Auch vielen der Artikel merkt man leider an, dass sie zeitlich doch relativ lange vor dem Release geschrieben worden sind. Dazu zählt z.B. der Aufruf zur uniweiten Aktionswochen im Kontext des Protestsemesters, denn besagte Aktionswoche war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der OoD 7 bereits wieder Geschichte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, stattdessen einen Rückblick auf die Aktionswoche zu lesen, eine Analyse dessen was geklappt und was eher nicht geklappt hat.

Gleiches gilt für die „Erklärung zum 40. Todestag von Benno Ohnesorg“, die auf den 02.06.07 datiert, also inzwischen auch schon wieder über ein Jahr alt ist. Nun hat sie inhaltlich dadurch vielleicht nicht unbedingt etwas an ihrer Aktualität eingebüßt, trotzdem mutet es natürlich seltsam an, zu lesen, dass am 02.06.07 auch die Auftaktdemo mit Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, an der auch FU-Studierenden teilnehmen werden (sic!).

Inzwischen haben (sic!) sie aber ja dran teilgenommen und es wäre interessant zu lesen gewesen, wie z.B. im Vorfeld die G8-Woche am OSI (die nicht zuletzt auch der Mobilisierung diente) rückwirkend gesehen wird. Eine Veranstaltung an der Uni, die von Studierenden organisiert wurde – zumindest das sollte sich doch mit dem eingeschränkten Mandat des AStA in Einklang bringen lassen.

Bester Artikel im Blatt ist sicherlich jener von Heiner Keupp zum Thema „Unternehmen Universität“, der zuvor schon in den „Blättern“ erschienen war. Der Tenor des Artikels ist nicht neu, beschrieben wird der neoliberale Umbau des deutschen Hochschulwesens und die negativen Konsequenzen aus diesem Prozess.

Was ihn so lesenswert macht ist die Fähigkeit des Autors viele Aspekte dieser Reform anzuschneiden, dabei aber dennoch präzise und auf den Punkt zuzuschreiben. Von Bologna über die neue „Exzellenz“ bis zur „Drittmittel-Wissenschaft“ deckt der Autor ziemlich viel ab. Selbst die verwendeten Zitate passen sich so gut ein, dass sie fast wie extra für den Artikel geschaffen wirken.

Gut gelungen ist ebenfalls der Artikel über den Bibliotheksskandal von David, Felix und Sebastian, sowie der von Ralf Hoffrogge über Lenzens berühmtes Freiheitsdenkmal. Inhatlich bieten diese Artikel nicht so viel neues, sie gehören aber sicherlich zu den ausführlichsten die bisher zu den beiden Themenkomplexen verfasst wurden und sind damit wirklich lesenswert.

Ein weiterer ebenfalls sehr guter und ausführlicher Artikel von Mathias Bartelt über die letzten Studien zum Thema BA an der FU wurde hier schon an anderer Stelle angeschnitten (siehe „Der Mythos vom besseren Studium“). Er eignet sich gut, um sich die Verhältnisse vor Augen zu führen, die die Bologna-Reform an der FU verursacht hat.

Einen weiteren Schwerpunkt im Blatt bildet eine ausführliche Berichterstattung über den Kampf gegen den Bologna Prozess in Spanien. Deutlich wird dabei, dass die Reform in Spanien ähnliche Defizite aufweist und einer ähnlichen Kritik unterliegt wie hier in Deutschland. Dennoch gibt es auch ein paar Unterschiede, man kann durchaus auch vom spanischen Widerstand lernen wie die Artikel von Ralf Hutter und Ralf Hoffrogge deutlich machen.

Doch so wichtig es auch erscheint, hier den Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen und z.B. auch eine europäische Vernetzung des Protests anzustreben – es hätte vielleicht ein Artikel zum Thema gereicht (stattdessen hätte man dann vielleicht noch Platz und Zeit für ein anderes Thema übrig gehabt).

Auch weitere Artikel wie über die gegenwärtige Situation in Sachen Studiengebühren, die fragliche Stipendienvergabe in Deutschland oder die Ausbeutung von PraktikantInnen sind Themen, die alle Studierenden beschäftigen oder zumindest beschäftigen sollten.

Obwohl ein vom AStA publiziertes Magazin geht es im „Out of Dahlem“ also keineswegs nur darum, die Politik des AStAs in jedem zweiten Satz zu preisen (solche etwas nervigen Eigenwerbungspassagen halten sich zum Glück in Grenzen), sondern allgemein über hochschulpolitischen Themen zu berichten und sie kritisch zu beleuchten. So ideologie-geladen wie von AStA-KritikerInnen unlängst in einer FUwatch-Debatte unterstellt, wirkt die OoD gar nicht.

Die Aussicht, dass die Einführung von Studiengebühren keineswegs unvermeidlich ist (siehe zuletzt Hessen), der Umstand das Sprachtests für ausländische Studierende in der gegenwärtigen Form an der FU abschreckend und wenig praktikabel sind oder dass die Bologna Reform ziemlich missraten ist – diese und andere in OoD-Artikeln bezogenen Positionen sind gut belegt und es sind keineswegs nur die Positionen von AStA-AnhängerInnen. Wer die OoD daher auf ein reines AStA-Propagandablatt zu reduzieren versucht, dessen Perspektive ist schlicht und ergreifend nicht ausdifferenziert genug.

Ob die neu geplante „FU-Zeitung“ (FUZ) eine brauchbare Alternative zur OoD ist, wird sich im kommenden Semster herausstellen. Denn sowohl die FUZ-Redaktion als auch der AStA planen offenbar jeweils eine Sondersusgabe zum 60. FU-Jubiläum. Falls sich die Autoren nicht doch noch zusammenschließen, wird man dann also direkt vergleichen können, welches der beiden Blätter sich kritischer und substanzvoller mit der FU-Geschichte auseinanderzusetzen vermag.

Fünfte OZ-Ausgabe die bisher deutlich beste

Januar 8, 2008

Wie berichtet, ist im Dezember die lang erwartete fünfte Ausgabe der OSI-Zeitung (OZ) erschienen.

Und wie gleich bei der Veröffentlichung vermutet, ist sie tatsächlich die bisher beste. Die Artikel sind solide recherchiert und aufgebaut. Die quantitative Ausdehnung von 16 auf 20 Seiten geht mit einer qualitativen einher und erscheint daher angebracht.

Mein Lieblingsartikel ist Stefan Hernádis Abrechnung mit dem „Prinzip Bolle“. Bolle und seiner Truppe obliegt seit dem Ausscheiden Altvaters die unumstrittene Oberhoheit über die Bereiche „Internationale Politische Ökonomie“ und „Politische Ökonomie“. Die gruseligen Konsequenzen kann man bei Stefan gut nachlesen. Etwas zu kurz kommen vielleicht die persönlichen Defizite Bolles, nur am Ende schimmert anhand eines Beispiels sein immer mal wieder durchbrechender Machismo durch.

Hervorhebenswert ist auch die Titelgeschichte von Christa Roth und Laurence Thio. Systematisch gelingt es den beiden AutorInnen den Mythos zu demontieren, es ginge bei den Zielvereinbarungen zwischen Präsidium und OSI nicht um die Struktur des Instituts. Denn natürlich ist die Struktur erheblich von den Zielvereinberungen betroffen. Auch ihren zweiten zentralen Punkt, dass die dog-eat-dog Kämpfe innerhalb des OSIs bzw. innerhalb des FBs letztlich nur zu einer Schwächung der eigenen Position gegenüber dem Präsidium führen, können sie deutlich aufzeigen.

Der dritte Artikel der mir wirklich gut gefallen hat, war der von Richard Oelmann zur „Exzellenzalternative“ (mit zwei wunderschön passenden Fotos von Valentin). Natürlich beschreibt er nichts fundamental Neues, wenn er feststellt: „Bestimmte Zweige der Lehre und Forschung werden mit der Rechtfertigung einer klaren Profilbildung zwangsläufig verdorren. Dieses Verfahren ignoriert die unterschiedlichen Motivationen der Studierenden. Im Grunde ist es ein Raussschmiss“. Aber manchmal tut es auch gut einen schon bekannten Gedankengang so auf den Punkt gebracht vorzufinden, wie hier. Der Artikel ist eine sehr deutliche Absage an eine Hochschulpolitik der Ökonomisierung, Entmündigung und Verschulung. Als Alternativen nennt Richard konsequenterweise Ansätze von Schülern und Studierenden sich ihr Wissen selbst und gegenseitig beizubringen. Daneben scheint z.B. auch noch die Wissensallmende durch.

Interessant wenn auch nicht ganz so überzeugend ist Richards zweiter Artikel, in dem er aus der Praxis als Deeskalationstrainer im Nahen Osten berichtet. Die beiden Fraktionen sind sich so spinnefeind, dass ein gemeinsames Forum (was offenbar die Kernidee war) nicht zu stande kam und jede Seite stattdessen nur für sich trainierte. Richard resümiert: „Vom Sinn des Projekts war keine Seite zu überzeugen“. Anschließend führt er im letzten Absatz jedoch aus, wie hilfreich das im Studium erworbene theoretisch Wissen war. So konnte er das „Geschehen besser einordnen“, „seine Schlüsse ziehen“, seine „eigene Rolle reflektieren“ und „Verbesserungsvorschläge“ einbringen. Nur das Abschmieren des Projekts konnte er trotz dieser Kenntnisse offenbar nicht verhindern. Was sicherlich verständlich in so einer verfahrenen Lage ist, aber eben trotzdem etwas seinem Ansatz am Ende des Artikels widerspricht, die Wichtigkeit der theoretischen Kenntnisse zur Einflussnahme auf die Praxis hervorzuheben.

Die beiden Interviews mit Prof. Schreurs und dem Dieter Lenzen Fanclub (DLFC) waren nicht unbedingt bahnbrechend, allerdings doch informativ (was Schreurs angeht) bzw. unterhaltsam (was den DLFC). Das Interview mit dem DLFC legitmiert sich allein durch die zunehmende öffentliche Präsenz, die dieser neue „Fanclub“ durch seine Aktionen sicherstellt. Schreurs biedert sich für meinen Geschmack etwas zu stark an, wenn sie das Potential der Studierenden lobt, welches ihrer Meinung dazu führen wird, dass die FU in 5 bis 10 Jahren mit Harvard in einer Liga spielt, selbst wenn die finanzielle Kluft immer noch immens ist. Das nackte Potential der Studierenden soll also finanzielle Defizite ausgleichen und die FU in die Harvard-Liga kicken. Sicherlich haben FU-Studierende Potential, nur hat das Erlangen einer Reputation wie sie heute Harvard vorweisen kann nicht unbedingt etwas mit dem Potential der Studierenden zu tun. Es geht doch bei Harvard gerade darum, dass man es geschafft hat, wenn man dort einen Abschluss hat, egal wie und egal ob man Potential hat oder nicht.

Gerrit vereint in seinem Artikel über den schwierigen Umgang der FU mit der eigenen Geschichte gleiche mehrere Konflikte in der jüngeren Vergangenheit. Der ewige Namenstreit um den Henry-Ford-Bau, Lenzens „Freiheitsdenkmal“ und die zu schwache Auseinandersetzung mit dem ehemaligen „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ im Kontext der FU-Dauerausstellung „Zukunft von Anfang an“. Natürlich hätte man jedem dieser Konfliktpunkte auch einen eigenen Artikel widmen können, doch das hätte man sicherlich nicht in einer Ausgabe unterbringen können. Insofern ist der Artikel positiv, weil es Gerrit durch eine Zusammenfassung dieser Konflikte gelingt sichtbar zu machen, dass sich die FU offenbar nicht vereinzelt sondern ganz generell schwer damit tut, die dunklen Seiten ihrer eigenen Geschichte (oder die ihrer Gebäude) aufzuarbeiten.

Die beiden schwächsten Artikel in der Ausgabe sind dagegen m.E. die beiden über Sciences Po. Christa Roth kritisiert die Kommunikationsdefizite hinsichtlich der Neuordnung des Verhältnisses zwischen OSI und Sciences Po. Im wesentlichen geht es bei ihrer Kritik darum, dass eine FU-Website die aktuell sein sollte, dies nicht ist. Bedauerlich, aber nicht unbedingt der zentrale Kritikpunkt an dem man so einen Artikel aufmachen sollte. Christa hätte auch tiefer ansetzen können und z.B. die Frage aufwerfen können, ob es nicht sinnvoll wäre die Kooperation mit dem Sciences Po generell in Frage zu stellen. Rein theoretisch wäre es doch auch denkbar stattdessen z.B. mit der „Université Paris I Panthéon-Sorbonne“ zu kooperieren, oder nicht?

Besonders auch vor dem Hintergrund des zweiten Artikels, einem Erfahrungsbericht über das Sciences Po von Florian Schatz und Stefan Beutelsbacher. Auf schockierende Weise machen diese deutlich, was für eine eklig elitär-reaktionäre Institution Sciences Po ist, in der „Form vor Inhalt geht“. Sie verraten dem Leser allerdings nicht, ob die positiven Eindrücke (die es sicherlich auch gab) nicht trotz dieser Widrigkeiten und dem exorbitanten Leistungsniveau überwiegen. Der Artikel wirkt abschreckend was einen möglichen Auslandsaufenthalt am Sciences Po angeht. Trotzdem sagen die Autoren aber ja nicht explizit „Tut es nicht“ oder bringen Alternativen ins Spiel. Beide Artikel leiden jedenfalls darunter, dass weder der elitäre Habitus des Sciences Po noch die Kooperation mit einem solchen Institut offen in Frage gestellt werden. Selbst wenn ein Erasmus-Aufenthalt und ein Doppel-Abschluss nicht dasselbe sind, hätte man doch wenigstens bei einem der beiden Artikel etwas weiter ausholen können.

Dieser Kritik ungeachtet bleibt dennoch festzuhalten, dass sich die aktuelle OZ-Ausgabe besser liest und informativer ist, als die vier Ausgaben zuvor. Die Steigerung von einer Ausgabe zur nächsten bleibt also erhalten; zu hoffen bleibt daher, dass Nummer 6 nicht erst wieder im Juli erscheint, sondern es wie im letzten Jahr eine Zwischenausgabe im Februar geben wird. Themen gäbe es zumindest mehr als genug: Die Affäre Scharenberg, der Bibliotheksskandal (in Nummer 5 nur leicht angeschnitten), die „Frühjahrsoffensive“ (alias der „Aktionstag“), der Skandal um den „Studienerfolgsbericht“, usw.

AktivistInnen verschönern „Denkmal“

Dezember 22, 2007

Wie von Protestierenden angekündigt (siehe „Kontroverse um das ‚Freiheitsdenkmal'“), gab es jetzt beim „Second-Hand-Denkmal“ eine „Zettelaktion“, sprich das Denkmal wurde mit bunten Zetteln als Ausdruck des Protests zugeklebt (Fotos hier, hier und hier).

Bei Indymedia kann man Details zu der Aktion nachlesen:

„Seit September schon schwelt an der FU ein Streit um ein ‚Denkmal‘ für 10 anfang der 50ere Jahre in sowjetischer Lagerhaft ermordete Studenten. Das FU-Präsidium hatte die Skulpur anfang September in einem Festakt eingeweiht, ohne die Universitätsöffentlichkeit auch nur zu informieren.

Später kam heraus: die als ‚Denkmal‘ etikettierte Skulptur war ursprünglich als Banken-Repräsentationskunst für den Berliner Hauptbahnhof vorgesehen, zudem sind die geehrten Studierenden höchst ambivalente Figuren: alte Nazis und bezahlte Geheimdienstagenten sind dabei, das FU-Präsidium sieht jedoch nur heroische Freiheitskämpfer. Seit gestern Nachmittag gibt es einen Kontrapunkt: das Denkmal wurde von Unbekannten mit Kommentaren versehen und zuplakatiert.

Laut Augenzeugenberichten fand die Aktion gestern (19.12.) am hellichten Tage statt, mit Leitern, Kleistereimer und Pinsel rückten etwa 25 AktivistInnen der ‚größten und komplexesten Bronzeskulptur in Deutschland‘ (FU-Presserklärung) zuleibe. Hinterher sah das 15-Tonnen Monument etwas bunter aus: Plakate mit verschiedenen Textausschnitten aus Pressemitteilungen, Blogartikeln sowie einigen Zitaten aus einer von Studierenden organisierten Podiumsdiskussion anfang November wiesen auf die umstrittenen Kontexte der Denkmalsetzung hin.

(…) Dennoch war es bis auf eine vom AStA organisierte Podiumsdiskussion anfang November erstaunlich ruhig um den Bronzeklotz. Geschichtspolitik erscheint vielen wohl als nicht spannend genug, oder aber man hat mit drohenden Studiengebühren, Kommerzialisierung und Elite-Hype andere Sorgen in Berlin. Umso erfreulicher, dass sich einige Leute gestern dennoch aufgerafft haben…“(„Aktion gegen „Denkmal“ an der FU Berlin“, Indymedia, 20.12.07)

Laut AStA Blog wurden die Zettel schnell wieder entfernt:

„Die Originale sind leider schon wieder abgekratzt, offenbar hat die FU keine Lust auf studentische Randglossen zu ihrem fragwürdigen Freiheitsklotz.“ („Ein Denkmal blüht auf“, AStA FU Blog, 21.12.07)

Die Prophezeiung von FUwatch, dass es vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, bis das Denkmal von AktivistInnen härter angegangen wird, hat sich damit noch nicht erfüllt. Es bleibt vorerst beim vergleichsweise harmlosen Zettelkleben. Dennoch war die Aktion beachtlich, wenn sie wie behauptet tatsächlich tagsüber durchgeführt wurde und knapp 30 Protestierende involviert waren.

Natürlich war es eine rein symbolische Aktion, aber sie hat immerhin Aufmerksamkeit auf die vielen immer noch offenen Fragen hinsichtlich des „Denkmals“ gelenkt. Denn die Peinlichkeit hier ohne Rücksprache eine Skulptur „abgestaubt“ und aufgestellt zu haben, die ursprünglich einem völlig anderen Verwendungszweck zugedacht war, auf der nicht die Namen der ermordeten Studierenden auftauchen sondern der eines Bankhauses, die sich auf Opfer bezieht bei denen immer noch unklar ist inwieweit sie nicht auch Täter waren, ist ja nicht aus der Welt.

Kontroverse um das „Freiheitsdenkmal“

November 7, 2007

Wie angekündigt gab es gestern eine Podiumsdiskussion zum unstrittenen „Freiheitsdenkmal“. Wie nicht anders zu erwarten, blieb FU-Präsident Lenzen der Veranstaltung trotz mehrfacher Einladung mal wieder fern und schickte auch keineN VertreterIn.

Dennoch kam es zu einer kontroversen Diskussion besonders zwischen Ralf Hoffroge (FSI Geschichte) und Prof. Wippermann auf der einen und einem Angehörigen eines Ermordeten auf der anderen Seite. Hierbei ging es um die Frage, ob die Ermordeten der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) bzw. dem „Narodno Trudowoi Sojus“ („Völkischer Arbeiterrat“) angehörten (bzw. nahestanden) oder nicht:

„Nach den Eingangsvorträgen gab Moderatorin Kerstin Bischl das Wort ans Publikum, hier kam es dann teilweise zu heftigen Kontroversen zwischen Herrn Utecht, dem Bruder eines der ermordeten Studenten und den Podiumsgästen. Insbesondere über Vorwürfe bezüglich ’schlampiger Recherchen‘ und ungesicherter Quellen bis hin zu angeblich verwendeten ‚Stasi-Informationen‘ gab es heftigem Streit. Sowohl der AStA-Vertreter als auch Professor Wippermann wiesen die Vorwürfe zurück und betonten, sie stützten sich nur auf offizielle Angaben und Ausstellungstexte des Präsidiums. Diese haben die ‚Kampfgruppe‘, den ‚Völkischen Arbeiterrat‘ und auch die West-Geheimdienste klar und eindeutig als Partner der Studenten benannt.

Die weitere Forderung von Herrn Utecht, die ermordeten zehn Studenten in ihrer Biographie ernst zu nehmen, stieß hingegen auf klare Zustimmung beim Podium. Martin Schönfeld betonte: gerade weil man sie Ernst nehmen wolle, müsse man fragen ob dieses für einen ganz anderen Zusammenhang entworfene Denkmal eine sinnvolle Geste oder nicht eine Instrumentalisierung sei.“ („Kontroverse um ‚Denkmal'“, AStA FU Nachrichten, 07.11.07)

Ebenfalls anwesend war Martin Schönfeld vom „Büro für Kunst im öffentlichen Raum“, der die merkwürdige Entstehungsgeschichte des „Freiheitsdenkmals“ darlegte:

„Schönfeld bestätigte noch einmal, dass die Skulptur keineswegs als Denkmal entstanden ist. Vielmehr sei sie vom Bankhaus Oppenheim für den südlichen Vorplatz des neuen Hauptbahnhofes in Auftrag gegeben worden. Eine Aufstellung dort sei jedoch an der zuständigen Senatskommission gescheitert, die ihr Veto eingelegt habe. Die Kommission, in der er auch mitarbeitete, habe stattdessen verschiedene Brachen und Grünflächen am Stadtrand als Aufstellungsort empfohlen. Insbesondere diese Enthüllung löste im Publikum einiges an Heiterkeit aus. Nur weil die Gegenvorschläge als Repräsentationsorte für das Bankhaus nicht attraktiv erschienen, sei die Skulptur quasi als ‚drop-art‘ an die FU gekommen. Man solle sie daher als Kunstwerk in der Tradition des Post-Kubismus nehmen, ein Denkmal sei das Werk jedoch keinesfalls.“ („Kontroverse um ‚Denkmal'“, AStA FU Nachrichten, 07.11.07)

Schönfeld regte ferner an, die FU-Studierenden sollten mit Zettelaktionen rund um das „Denkmal“, sowie mit Diskussionen und anderen Aktionen eigene Inhalte und eine eigene Erinnerungskultur aufbauen. Diesem Vorschlag schloß sich Ralf Hoffrogge im Namen des AStA an (ebd.).

Vermutlich dürfte es allerdings nicht bei „Zettelaktionen“ und „Diskussionen“ bleiben, das wäre „FU-untypisch“. Die Prognose von FUwatch lautet: Das „Freiheitsdenkmal“ wird von AktivistInnen in naher Zukunft entweder bemalt, zerstört oder komplett entwendet (je nach Organisationsgrad der AktivistInnen).

Lenzen und das Second-Hand-Denkmal

November 6, 2007

Am heutigen Dienstag (06.11.) findet um 18 Uhr im Henry-Ford-Bau Hörsaal D, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Freiheit, die ich meine?“ statt.

Thema ist das umstrittene neue „Freiheitsdenkmal“ an der FU. Dieses widmete FU-Präsident Lenzen am 06.09.07 zehn FU-Studierenden, die Anfang der 50er Jahre in der Sowjetunion ermordet wurden. Die Namen der Getöteten tauchen jedoch am Denkmal nicht auf, sondern nur der Name des Sponsors, das „Bankhaus Oppenheimer“.

Zunächst konzentrierte sich die studentische Kritik nur auf diesen Umstand, dann wurde jedoch bekannt, dass einige der zehn ermordeten Studierenden Mitglieder bzw. Sympathisanten der rechten „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ gewesen sind, der in der DDR Sabotageakte bis hin zu Sprengstoffattentaten zur Last gelegt wurden („Freiheitskämpfer oder Terroristen? Ein ‚Denkmal‘ wirft Fragen auf“, FSI Geschichte Blog, 28.10.07).

Wem gilt also nun eigentlich das „Denkmal“? Freiheitskämpfern, Terroristen, oder gar dem Bankhaus Oppenheimer? Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten lädt die FSI Geschichte heute zu besagter Podiumsdiskussion ein. Es diskutieren Prof. Dr. Wolfgang Wippermann, Ralf Hoffrogge (FSI Geschichte, AStA FU) und FU-Präsident Prof. Dr. Dieter Lenzen – so er denn erscheint, eingeladen wurde er zumindest.

Lenzens Präsenz wäre wünschenswert, da er das Denkmal de facto im Alleingang durchgesetzt hat, nicht einmal die „Professorenschaft“ soll vorab informiert gewesen sein („Großer Ärger in Bronze“, taz, 05.11.07). Ein weiteres pikantes Detail: Aus der Berliner Kunstszene heraus wurde „aufgedeckt“, dass die FU nur Zweitverwerter für die Skulptur ist, diese sollte ursprünglich in der Stadtmitte platziert werden, man fand jedoch keinen passenden Platz (ebd.).