Archive for the ‘Bibliotheksskandal’ Category

Out of Dahlem Nr. 7

Juli 16, 2008

Schlappe eineinhalb Jahre hat sich der AStA für die aktuelle, siebente Ausgabe der Out Of Dahlem (OoD) Zeit gelassen (die sechste Ausgabe erschien Anfang 2007). Eine viel zu lange Zeit bedenkt man, dass es sich um die wichtigste Publikation des AStA handelt, die idealtypisch sicherlich einmal pro Semester erscheinen sollte.

Auch vielen der Artikel merkt man leider an, dass sie zeitlich doch relativ lange vor dem Release geschrieben worden sind. Dazu zählt z.B. der Aufruf zur uniweiten Aktionswochen im Kontext des Protestsemesters, denn besagte Aktionswoche war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der OoD 7 bereits wieder Geschichte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, stattdessen einen Rückblick auf die Aktionswoche zu lesen, eine Analyse dessen was geklappt und was eher nicht geklappt hat.

Gleiches gilt für die „Erklärung zum 40. Todestag von Benno Ohnesorg“, die auf den 02.06.07 datiert, also inzwischen auch schon wieder über ein Jahr alt ist. Nun hat sie inhaltlich dadurch vielleicht nicht unbedingt etwas an ihrer Aktualität eingebüßt, trotzdem mutet es natürlich seltsam an, zu lesen, dass am 02.06.07 auch die Auftaktdemo mit Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, an der auch FU-Studierenden teilnehmen werden (sic!).

Inzwischen haben (sic!) sie aber ja dran teilgenommen und es wäre interessant zu lesen gewesen, wie z.B. im Vorfeld die G8-Woche am OSI (die nicht zuletzt auch der Mobilisierung diente) rückwirkend gesehen wird. Eine Veranstaltung an der Uni, die von Studierenden organisiert wurde – zumindest das sollte sich doch mit dem eingeschränkten Mandat des AStA in Einklang bringen lassen.

Bester Artikel im Blatt ist sicherlich jener von Heiner Keupp zum Thema „Unternehmen Universität“, der zuvor schon in den „Blättern“ erschienen war. Der Tenor des Artikels ist nicht neu, beschrieben wird der neoliberale Umbau des deutschen Hochschulwesens und die negativen Konsequenzen aus diesem Prozess.

Was ihn so lesenswert macht ist die Fähigkeit des Autors viele Aspekte dieser Reform anzuschneiden, dabei aber dennoch präzise und auf den Punkt zuzuschreiben. Von Bologna über die neue „Exzellenz“ bis zur „Drittmittel-Wissenschaft“ deckt der Autor ziemlich viel ab. Selbst die verwendeten Zitate passen sich so gut ein, dass sie fast wie extra für den Artikel geschaffen wirken.

Gut gelungen ist ebenfalls der Artikel über den Bibliotheksskandal von David, Felix und Sebastian, sowie der von Ralf Hoffrogge über Lenzens berühmtes Freiheitsdenkmal. Inhatlich bieten diese Artikel nicht so viel neues, sie gehören aber sicherlich zu den ausführlichsten die bisher zu den beiden Themenkomplexen verfasst wurden und sind damit wirklich lesenswert.

Ein weiterer ebenfalls sehr guter und ausführlicher Artikel von Mathias Bartelt über die letzten Studien zum Thema BA an der FU wurde hier schon an anderer Stelle angeschnitten (siehe „Der Mythos vom besseren Studium“). Er eignet sich gut, um sich die Verhältnisse vor Augen zu führen, die die Bologna-Reform an der FU verursacht hat.

Einen weiteren Schwerpunkt im Blatt bildet eine ausführliche Berichterstattung über den Kampf gegen den Bologna Prozess in Spanien. Deutlich wird dabei, dass die Reform in Spanien ähnliche Defizite aufweist und einer ähnlichen Kritik unterliegt wie hier in Deutschland. Dennoch gibt es auch ein paar Unterschiede, man kann durchaus auch vom spanischen Widerstand lernen wie die Artikel von Ralf Hutter und Ralf Hoffrogge deutlich machen.

Doch so wichtig es auch erscheint, hier den Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen und z.B. auch eine europäische Vernetzung des Protests anzustreben – es hätte vielleicht ein Artikel zum Thema gereicht (stattdessen hätte man dann vielleicht noch Platz und Zeit für ein anderes Thema übrig gehabt).

Auch weitere Artikel wie über die gegenwärtige Situation in Sachen Studiengebühren, die fragliche Stipendienvergabe in Deutschland oder die Ausbeutung von PraktikantInnen sind Themen, die alle Studierenden beschäftigen oder zumindest beschäftigen sollten.

Obwohl ein vom AStA publiziertes Magazin geht es im „Out of Dahlem“ also keineswegs nur darum, die Politik des AStAs in jedem zweiten Satz zu preisen (solche etwas nervigen Eigenwerbungspassagen halten sich zum Glück in Grenzen), sondern allgemein über hochschulpolitischen Themen zu berichten und sie kritisch zu beleuchten. So ideologie-geladen wie von AStA-KritikerInnen unlängst in einer FUwatch-Debatte unterstellt, wirkt die OoD gar nicht.

Die Aussicht, dass die Einführung von Studiengebühren keineswegs unvermeidlich ist (siehe zuletzt Hessen), der Umstand das Sprachtests für ausländische Studierende in der gegenwärtigen Form an der FU abschreckend und wenig praktikabel sind oder dass die Bologna Reform ziemlich missraten ist – diese und andere in OoD-Artikeln bezogenen Positionen sind gut belegt und es sind keineswegs nur die Positionen von AStA-AnhängerInnen. Wer die OoD daher auf ein reines AStA-Propagandablatt zu reduzieren versucht, dessen Perspektive ist schlicht und ergreifend nicht ausdifferenziert genug.

Ob die neu geplante „FU-Zeitung“ (FUZ) eine brauchbare Alternative zur OoD ist, wird sich im kommenden Semster herausstellen. Denn sowohl die FUZ-Redaktion als auch der AStA planen offenbar jeweils eine Sondersusgabe zum 60. FU-Jubiläum. Falls sich die Autoren nicht doch noch zusammenschließen, wird man dann also direkt vergleichen können, welches der beiden Blätter sich kritischer und substanzvoller mit der FU-Geschichte auseinanderzusetzen vermag.

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Rezension der sechsten OZ-Ausgabe

Juli 14, 2008

Eine generelle Strategie von Print-Medien gegenüber Online-Medien zu bestehen lautet bekanntlich, mehr in die Tiefe zu gehen, umso den Nachteil im Hinblick auf Aktualität auszugleichen. Eine Tageszeitung lesen im Internet-Zeitalter zunehmend weniger, wenn sie nur Informationen enthält, die mensch am Abend zuvor schon in einer Online-Publikation nachlesen konnte (wobei natürlich viele Tageszeitung selbst ihre Printausgabe vom nächsten Tag schon am Abend zuvor online zur Verfügung stellen).

Bezogen auf das Verhältnis von OZ und FUwatch bedeutet dies unter anderem, dass die OZ-Redakteure den beteiligten Akteuren auch hinterher telefonieren, Anfragen mailen, Interviews führen, bisher nicht publik gewordene Hintergründe recherchieren, usw. Eben alles Dinge, die FUwatch und andere FU-Blogs schon allein aus zeitlichen Gründen in dieser Form nicht leisten können.

Blog-Einträge erscheinen deutlich häufiger als Print-Magazine wie die OSI-Zeitung und würde man beim Bloggen dann parallel zur hohen Release-Geschwindigkeiten einen ähnlichen, mit dem von „regulären“ Publikationen vergleichbaren, hohen Recherche-Aufwand betreiben (was einige Blogger durchaus tun), würde das Bloggen schnell zum Fulltime-Job mutieren.

Gerade aber diese Hintergrundinformationen zu ermitteln und die Betroffenen auch selbst zu einem Statement gegenüber der OZ zu bewegen, scheint jedoch sehr schwierig, wie eine der neusten, sechsten Ausgabe beigelegte Sonderseite deutlich macht. Dort ist die Rede von ignorierten Anfragen, willkürlich nicht autorisierten Zitaten, Versuchen die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen und erst gegebenen, dann aber zurückgezogenen Interviews. So könne die OZ nicht wie von ihr gewünscht für mehr Transparenz sorgen. Die Redaktion schreibt:

„Wir werden dann in den Bereich des Spekulativen getrieben. Und gerade dieses Verhalten, dieses Zurückhalten der eigenen Meinung, führt am Ende meist dazu, dass die EntscheidungsträgerInnen stärker und kritische Stimmen immer schwächer werden.“ (Sonderseite der 6. OZ)

Und hier wäre meine Frage: Wieso denn? Wenn sich ein Akteur, sei es nun einE DozentIn oder z.B. der AStA, zu einem Vorwurf nicht äußern will, dann schreibt man eben notwendigerweise stärker im Konkunktiv oder stellt nur die Seite dar, die sich äußern will.

Letztlich ist es eine Frage der richtigen „Erziehung“: Den Kontaktierten muss klar gemacht werden, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, der Kommunikation mit der OZ nicht auszuweichen, weil bei einer Verweigerungshaltung die Berichterstattung dann eben mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einseitig und zu ihren Ungunsten laufen wird. Nicht aus „Rache“, sondern weil dann folgerichtig eben z.B. nur die Person zitiert wird, die ihren Standpunkt gegenüber der OZ deutlich gemacht hat.

Auch Informationen werden nicht erbettelt, sondern erkämpft – was die Bereitschaft voraussetzt, an einem gewissen Punkt dann auch Druck zu machen.

Die OZ-Redaktion könnte ihrem Anliegen für mehr Transparenz zu sorgen für den Anfang z.B. auch dadurch näher kommen, dass sie die entsprechenden Personen namentlich nennt, die im Nachhinein z.B. einfach ein Interview zurückziehen.

Zum Glück scheint aber die Verweigerung mit der OZ zu kommunizieren so krass auch wieder nicht zu sein. In ihrer Titelgeschichte über die Degradierung der Ideengeschichte-Professur zur Juniorprofessur zu gunsten von zwei neuen IB-Professuren lassen die Kommilitonen Marcel und Gerrit diverse Personen zu Wort kommen: Funke, Riedmüller und Rima die studentischen Vertreterin im FBR. Mit Riedmüller die den neuen Strukturplan verteidigt und Funke der ihn kritisiert, hat man auch beide Seiten in den Artikel einbinden können.

Das einzige was im Artikel fehlt, ist die rechtliche Fragwürdigkeit des „schlanken Verfahrens“ (zur Berufung der beiden IB-Profs). Dieses „verschlankte Verfahren“ wird zwar beschrieben, die Frage inwiefern es überhaupt rechtens war, wird im Artikel aber nicht diskutiert. Dass Zürcher und Chojnacki diese Professuren auf dem Tablett serviert bekommen, ohne sich einem regulären Berufungsverfahren stellen zu müssen, ist ein nicht unerheblicher Punkt in diesem Skandal, den man durchaus noch weiter hätte beleuchten können, als dies im Artikel passiert ist.

Auch die Namen „Risse“ und „Börzel“ fallen kein einziges Mal, obwohl sie z.B. auf der Diskussionsveranstaltung zum Thema (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) den neuen Strukturplan massiv verteidigt haben und man den Eindruck bekam, sie wären so etwas wie die „federführenden Architekten“ gewesen.

Man hätte dann Prof. Risse z.B. auch mal die Chance geben können, seinen Vortrag warum die Ideengeschichte angeblich nicht maßgeblich geschwächt wurde oder warum die Politische Theorie durch andere Teildisziplinen abgedeckt werden kann, noch einmal in schriftlicher Form in der OZ niederzulegen. Ich glaube, das wäre durchaus interessant zu lesen gewesen.

In seinem abschließenden Kommentar macht Marcel dann zumindest noch einmal sehr deutlich, warum die vorgebrachte Argumentation im Sinne von „Profilbildung“ des OSIs höchst fragwürdig ist.

Der meiner Meinung nach beste Artikel in der Ausgabe ist der über die unzumutbaren Situation für Lehrbeauftragte am Institut von Alina und Laurence. Gewiss, die Erkenntnis, dass Lehrbeauftragte am OSI ausgenutzt werden, obwohl sie zeitgleich inzwischen so etwas wie das eigentliche Rückgrat der Lehre bilden, ist nicht neu.

Alina und Laurence gehen aber viel tiefer, differenzieren zwischen Lehrbauftragten die sich ausgebeutet fühlen und solchen, die das nicht von sich sagen möchten. Weiter wird deutlich, dass es nicht nur um die schlechte materielle Versorgung der „Lehrknechte“ geht, sondern auch darum wie schlecht sie teilweise logistisch vom Institut unterstützt werden und was für eine starke Intransparenz bei der Lehrplanung herrscht.

Auch die reine Kommunikation, der Informationsfluss zwischen Institut und Lehrbeauftragten ist offenbar lausig, was in der Tat auch Rückschlüsse auf die offenbar nicht allzu große Wertschätzung des Instituts gegenüber seinen Lehrbeauftragen zulässt. Insgesamt ein solide ausgearbeiteter Artikel der Einblicke in eine Problemstellung gibt, die zwar jedem am OSI irgendwie bekannt ist, deren Ausmaß man so aber vermutlich nicht unbedingt immer präsent hat.

Wirklich lesenswert ist ferner der Beitrag von „Ruben McLoop“, auch wenn nicht ganz ersichtlich ist, warum er offenbar unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde, denn so brisant ist sein Inhalt ja auch nicht. In der bewusst als „subjektiv“ deklarierten „Betrachtung der Unipolitik“ berichtet der Autor anhand von fünf Thesen „vom Nutzen unrealistisch zu denken“ und über die Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Hochschul-Struktur einen kritischen Blickwinkel aufrecht zu erhalten.

Auch Josephines Beitrag zur Frage der Unterschiede zwischen dem Protest der 68er und der momentanen Studierenden-Generation, der aus einem Artikel zum Aktionstag und aus einem Interview mit Prof. Zeuner besteht, ist gut gelungen.

Einerseits skizziert sie darin, wie das von den 68er in Sachen Mitbestimmungsrechte Erreichte heute weitgehend abgeschafft wurde. Andererseits transportiert sie durch Zeuner auch eine Kritik an der gegenwärtigen Studierenden-Generation, die entweder gar nicht (da rein karriere-orientiert) oder falls doch meist nur isoliert auf ein Problem konzentriert protestiert und dabei die „gesamtgesellschaftliche Problematik“ aus den Augen verliert.

Besonders düster mutet die Stelle im Interview an, in der Zeuner auf die Frage, warum er ein Jahr früher aufgehört hat als er eigentlich musste, mit einem „symptomatischen Erlebnis“ aus seinem Lehralltag antwortet. Eine Kommilitonin kam zwei Mal zu ihm, um ein Attest einzureichen, da sie gefehlt hatte. Obwohl Zeuner sie nach seiner Darstellung schon beim ersten Mal darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er kein Wert auf solche Kontrollzwänge in Sachen Anwesenheit lege, kam sie offenbar erneut mit einem Attest zu ihm, als sie ein weiteres Mal gefehlt hatte.

Natürlich lässt sich nachvollziehen, wie desillusionierend es für Dozierende mit einer Vergangenheit wie Prof. Zeuner sein muss, wenn sie sich mit einer Generation von Studierenden konfrontiert sehen, denen die Verschulung und Kontrollen so ins Blut übergegangen sind, dass sie sie schon von sich aus von den Dozierenden einfordern; den Dozierenden als „Pauker“ wahrnehmen wie Zeuner es nennt.

Dennoch gibt es aber ja auch OSI-Studis die einer solchen „Gehirnwäsche“ nach wie vor standhalten, die dankbar für jeden Dozierenden sind, der auf solche Kontrollmechanismen und eine Lehre in Richtung Verschulung verzichtet. Und für eben jene Studierende wäre es sicherlich positiv gewesen, wenn Prof. Zeuner noch ein Jahr länger „durchgehalten“ hätte.

In ihrem Artikel über den „Bibliotheksskandal“ machen Hilke und Josephine deutlich, dass die Zusammenlegung von Bibliotheken an der FU schon viel länger andauert. Dieser „historische“ Abriss liest sich interessant und offenbart dabei auch Informationen, die mir zumindest bis dato nicht geläufig waren.

Dennoch kann man natürlich bei der Feststellung, das Ganze sei zu einem „undurchsichtigen Dickicht“ geworden zurückfragen, ob es nicht gerade der Job der OZ-Redakteure gewesen wäre, jetzt mal etwas mehr Licht in dieses Dickicht zu bekommen. Der Fokus des Artikels liegt auf der geplanten Integration der PolSoz-Bib in die UB und die Befürchung, die bisher autonome Fachbibliothek würde ihre Eigenständigkeit verlieren.

Der andere zentrale Punkt im Skandal, das geplante Aussortieren der Bücher, wird nicht angeschnitten. Wie viele Bücher sollen denn nun wirklich rausfliegen? Und wurden vielleicht schon welche aussortiert, wenn ja wie viele genau? Hier gibt es ja nach wie vor unterschiedliche Angaben.

Dann die Frage der schleichenden „Raum-Verdrängung“, über die die BibliotheksmitarbeiterInnen bereits jetzt klagen. Was ist dran an solchen Geschichten, wie etwa jener, dass Schlösser ausgewechselt wurden und Bücher in einem Kellerraum nicht mehr zugänglich waren? Wie schafft es der SFB solchen Druck auszuüben, läuft dies nur auf offizieller Ebene über Entscheidungen in den Gremien oder gibt es darüber auch inoffizielle Prozesse, wo ohne ausdrückliche Genehmigung versucht wird Fakten zu schaffen? Falls ja, wie sieht das genau aus?

Gerade die Frage, wer hier eigentlich hinter wessen Rücken was entscheidet, wäre ja mal interessant zu klären. Aber okay, vermutlich ist das Dickicht so dicht, dass es wirklich kein Durchkommen mehr gibt. Und doch müsste die OZ bei solchen Verstrickungen vielleicht mehr auf „Informanten“ setzen (unzufriedene MitarbeiterInnen gibt es überall), also nicht nur mit Informationen arbeiten, die sie über offizielle Kanäle erhält, sondern auch mit jenen die über die inoffziellen reinkommen.

Gerrit beschäftigt sich in einem Artikel und einem Kommentar mit der Frage nach den Rettungsplänen für das OSI-Dilpom. Er argumentiert, die Protestierenden würden einfach viel zu vorschnell urteilen, wenn sie etwa dem Dekanat unterstellen, es meine es mit seinem Rettungsplan für das OSI nicht ernst. Überzogen wirkt seine Formulierung, mensch würde dem Dekanat vorwerfen, es würde „zielgerichtet auf die Zerstörung des Studiengangs hinarbeiten“. Hat das wirklich jemand dem Dekanat so drastisch unterstellt?!

Das Argument ist ja eher, dass der Rettungsplan mit dem Aussetzen des Studiengangs so absurd ist, dass keiner den „Rettern“ abnehmen kann, sie meinten es ernst. Selbst wenn sie ihn also nicht gleich „zielgerichtet zerstören“ wollen, so taugt doch offenbar ihre Rettungsstrategie wenig. Der zentrale Vorwurf lautet also, FBR PolSoz, OSI-IR und AS schaffen es nicht gegenüber dem Berliner Senat standhaft zu bleiben bzw. knicken zu schnell ein.

Weiterhin arbeitet Gerrit ja selbst heraus, dass Dekanat wolle die „Auszeit“ für den Diplom-Studiengang nutzen, um den Master für diesen Zeitraum zu öffnen. Es geht also darum, mehr Leute in den Master zu bekommen, den Master zu stärken. Wenn das aber das Ziel ist, wer soll dem Dekanat dann noch abnehmen, es wolle das Diplom retten?

Leider bringt Gerrit das „Mathematiker-Argument“ nicht, denn dieses würde seine Position deutlich stärken. Wenn es den Mathematikern gelungen ist, ihren Diplom-Studiengang wiederzubeleben nachdem er zwischendurch abgeschafft wurde, dann beweist dies ja, dass das theoretisch durchaus machbar ist. Also ist der Rettungsplan vielleicht gar nicht so abwegig, wie bisher offenbar jeder dachte. Wenn dem aber so ist, kann man dem Dekanat z.B. auch nicht mehr einfach unterstellen, es sei ihm mit der Rettung des OSI-Diploms nicht wirklich ernst.

Kritik am elendig verreckten Protestsemester findet ebenfalls Platz in der aktuellen OZ. Statt dem etwas zu kurz wirkenden Interview mit der LHG und den Jusos wäre ein längerer Artikel aber vermutlich gehaltvoller gewesen. Man hätte also ein Mitglied der Jusos oder der LHG den Raum geben können, auch mal etwas ausführlicher zu skizzieren warum nach seiner/ihrer Ansicht das Protestsemester nichts geworden ist. Aber vermutlich fand sich hier einfach kein Autor (?).

Noch wichtiger wäre es aber gewesen, auch die Gegenseite zu wort kommen zu lassen. Obwohl die Unzufriedenheit mit dem Verlauf des Protestsemesters sehr groß zu sein scheint, muss es doch auch noch AktivistInnen geben, die sich dort engagiert haben und das Ganze als produktiv empfunden haben. Gerade weil die OZ darauf pocht, divergente Meinungen abzubilden, wäre es hier wirklich nicht schlecht gewesen, eine Gegenstimme ins Blatt zu holen.

Selbiges gilt für den asta-kritischen Artikel von Christa, dem keine Gegenposition gegenübergestellt worden ist (etwa durch ein AStA-Mitglied). Christa hat in einem FUwatch-Kommentar deutlich gemacht, dass es solche Versuche gab, der AStA aber offenbar zu keinem Interview bereit war.

Falls dem so war, sollte man sich dann aber vielleicht auch die paar Zeilen gönnen, den/die LeserIn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen („Die OZ versteht sich als vielseitiges Magazin, in dem divergente Positionen Raum zur Entfaltung gegeben wird, auch hier hätten wir gerne eine Gegenposition vertreten gesehen, doch die angeschriebenen AStA-Mitglieder XYZ und ABC waren für eine Stellungnahme nicht zu haben…“).

Tatsächlich ist das von Christa in ihrem Artikel skizzierte, arrogante Auftreten des AStAs wohl kaum als übertrieben abzutun. Dennoch enthält der Artikel auch ein paar steile Thesen, wie etwa jene, „viele“ Studierende würden sich nicht an den StuPa-Wahlen beteiligen, weil sie Angst hätten, einer asta-affinen Tarnliste auf den Leim zu gehen, obwohl sie den AStA eigentlich gar nicht unterstützen wollten. Tatsächlich sollten halbwegs informierten Studierende schon klar sein, welche Liste nun asta-tragend ist und welche nicht. Zumindest müsste Chrita ihre These an diesem Punkt mit irgend etwas untermauern.

Selbiges gilt für die Behauptung, die „ideologische Borniertheit“ verhindere, dass sich auch „weniger aktivistische, aber gleichermaßen betroffene Studierende“ von Widerstandsversuchen wie zuletzt im Protestsemester angesprochen fühlen. Tatsächlich gab es diese Kluft zwischen dem radikaleren, harten Kern („den üblichen Verdächtigen“) und den gemäßigten Protestierenden schon immer.

Das Interessante ist nun, dass sowohl beim Protest 2003/04 und 2005 diese Kluft noch größer war – zeitgleich aber mehr Studis mitgemacht haben. So gipfelte dieser Grundkonflikt im letzten wirklich echten Protestsemester 03/04 darin, dass es neben der regulären „Streikzeitung“ eine „alternative Streikzeitung“ gab, in der eine Minderheit der Protestierenden die Art und Weise der Stoßrichtung der Mehrheit der Protestierende kritisierte (im Sinne von „müssen gesamtgesellschaftlichen Kontext im Auge behalten“, etc.). Wenn nun 03/04 die Beteiligung aber trotz größerer Blockkonfrontation stärker war als 2008, kann die Blockkonfrontation kaum der zentrale Grund sein, warum das Protestsemester so elendig verreckt ist.

So legitim Christas Kritik am AStA auch sein mag, ihn als Sündenbock für das Ausbleiben des politischen Engagement abzustempeln – egal ob bei der geringen Wahlbeteiligung oder dem geringen Interesse am Protestsemester – ist eine Pauschalisierung die jeder empirischen Grundlage entbehrt. Sie kann ja nicht einmal Fallbeispiele nennen, wie beim aktuellen Protestsemester tatsächlich KommilitonInnen durch „ideologische Borniertheit“ abgeschreckt wurden.

Insgesamt ist der Beitrag von Christa trotzdem besser, als etwa der in der letzten Ausgabe über Sciences Po, wo mensch den Eindruck bekam, sie bleibt in ihrer Kritik auf halber Strecke stehen. Zusammen mit Gerrit hat Christa in der aktuellen sechsten Ausgabe vermutlich jene Artikel verfasst, die noch am ehesten als polarisierend wahrgenommen werden. Was positiv zu bewerten ist, denn wie an anderen Stellen mehrfach ausgeführt, ist ein gewisses Maß an Bissigkeit, Aggressivität einfach unabdingbar, sieht man sich mit unhaltbaren Zuständen konfrontiert.

Da die OZ als eines ihrer zentralen Merkmale ihre Meinungsvielfalt betont, wäre es für die Zukunft trotzdem wünschenswert, dass stärker als bisher darauf geachtet wird, verschiedene Positionen zum selben Thema einander gegenüberzustellen. Und selbst wenn sich dann z.B. niemand vom AStA zu einer Stellungnahme bereit erklärt, zumindest bei solchen Themen wie dem Protestsemester muss es neben den Kritikern doch auch Personen geben, die die Aktionen positiv bewerten und auch bereit wären, das Protestsemester in einem Artikel zu verteidigen.

Äußert sich aber trotz intensiven Versuchen tatsächlich niemand oder zieht z.B. ein Interview zurück, dann kann man in der Tat keine Gegenposition abbilden. Aber man muss den Kontaktierten zumindest versuchen deutlich zu machen, dass es zu ihrem Vorteil wäre, wenn sie ihre Chance Gegenposition zu ergreifen nutzen würden.

Wenn Personen dagegen einfach Angst haben sich zu äußern, da sie befürchten dann Repressalien zu erleiden, sollte man versuchen die Personen von denen diese Repression ausgeht ausfindig zu machen und dann auch namentlich nennen. Gleiches gilt für Versuche, die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen. Wenn jemand so etwas versucht, warum diesen Vorgang dann nicht auch mal selbst zum Gegenstand eines Artikels machen?

Zu schützen sind demgegenüber natürlich Quellen. Mehr als bisher sollte die OZ versuchen an Informationen von „Insidern“ und „Whistleblowern“ innerhalb des Lehr- und Verwaltungsapparats heranzukommen. Personen, die ihren Namen dann zwar nicht genannt sehen wollen, die als Quellen aber durchaus zuverlässig sind („Wie die OZ aus zuverlässiger Quelle erfahren hat…“). Auf diesem Weg wäre es der OZ noch stärker als bisher möglich, Informationen zu publizieren, die wirklich „heiß“ sind, also bis dato nicht bekannt waren und aus Sicht der Verantwortlichen eigentlich auch nicht bekannt werden sollten.

Umbaupläne in der Ihne21/22 und Garry55 zur Schaffung der neuen Sozialwissenschaftlichen Bibliothek

Juni 6, 2008

Auf studentischen Email-Verteilern kursiert zur Zeit ein Papier der Fachbereichsverwaltung (FBV) des FB PolSoz mit dem Titel „Integration der Fachbibliotheken des Bibliotheksbereichs IV (ohne JFK) am Standort Ihnestraße 21, 22 und Garystraße 55“. Wie der Name schon deutlich macht, geht es um einen Vorschlag des Dekanats welche Umbaumaßnahmen in der Ihne21/22 und Garry55 erfolgen müssten, um hier die neue Sozialwissenschaftliche Bibliothek unterzubringen.

Dies schließt Pläne die neue Bibliothek in die UB zu integrieren nicht aus (diese nimmt das Dekanat „zur Kenntnis“). Thema des Papiers ist aber, wie die Zusammenführung verschiedener Fachbibliotheken zunächst in der Ihne21/22 und Garry55 räumlich zu bewältigen ist, denn die Schaffung einer Sozialwissenschaftlichen Bibliothek läuft ja bereits.

Bezüglich der Garrystr. 55 heißt es in dem Papier:

„Das Erdgeschoss der Garystraße 55 wird danach komplett zur Unterbringung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek genutzt. (…)

(…) Eine bauliche Einbindung des Hörsaales 55-A in die Bibliothek (neben einer Vorverlegung Bibliothekseinganges und der Ausleihe in das Foyer) wären geeignet, langfristig oder auf Dauer eine auch vom Eingangsbereich her ansprechende Sozialwissenschaftliche Bibliothek zu schaffen und dabei derzeitige Sicherheitsrisiken zu beseitigen.“

Womit der Hörsaal A in der Garry55 dann offenbar wegfallen würde und Bestandteil der neuen Bibliothek wäre, die ihren Eigangsbereich im bisherigen Foyer hätte. Diesem Wegfall des Hörsaal A steht dann aber auch ein gleichtzeitiger Zugewinn an Raum im Erdgeschoss der Ihne21 gegenüber:

„Ein Ersatz für verloren gegangene Unterrichtsflächen durch die Abgabe des Hörsaals 55/A wird für das OEI durch die Mitnutzung der Hörsäle (vorhandene oder zu schaffende) im Fachbereich sichergestellt. Die Flächen des Erdgeschosses der Ihnestraße 21 werden gänzlich oder zu großen Teilen für die Lehre nutzbar eingerichtet.

Derzeit besteht ein Bedarf von Raumkapazität für fünf Lehrveranstaltungen der Publizistik, die auf Grund ihrer spezifischen Bedürfnisse an technischer Betreuung und Ausstattung derzeit noch am Standort Lankwitz verblieben sind. Dies sollte in der Ihnestraße 21 im Erdgeschoss realisiert werden.“

(…) (Auf Vorschlag von Mitarbeiterinnen der Bibliothek am 8.5.08 anlässlich einer Aussprache mit der FBV wurde der Kompromissvorschlag formuliert, die Westseite der ehemaligen Bibliotheksräume als ’stillen Lesesaal‘ zu betreiben. Der östliche Teil – einschl. Ausleihe – könnte dann für Unterrichtszwecke genutzt werden)“

Sowohl die OEI- als auch die PuK-Studierenden sollen dann also im Erdgeschoss der Ihne21 neu zu schaffende OSI-Hörsäle mitnutzen. Sollte der Kompromissvorschlag angenommen werden (der der FBV zumindest prüfenswert erscheint), dann hätte man neben den neuen Hörsälen aber auch immer noch einen „stillen Lesesaal“ in der Ihne21.

Neben „stillen Bereichen“ sind aber nach Einschätzung der FBV auch Räumlichkeit nötig, die „verbale Kommunikation“ zulassen, in denen Studierende also nicht still vor sich hinlesen, sondern sich in Gruppenarbeit üben. Entsprechende Räumlichkeiten sollen im Untergeschoss der Ihne22 entstehen:

„Nach den Feststellungen des Dekanates besteht ein Bedarf an räumlichen Voraussetzungen für ein Lernen ohne Arbeitsmaterialien der Bibliothek mittels Laptop im FU-Netz. Dazu sind multifunktionale Unterrichtsräume zur Nutzung als Hörsaal, Kleingruppen- und Arbeitsgruppenraum in der Ihnestraße 22 im Sockelgeschoss (ehemalige Druckerei) einzurichten. Ein baulicher Aufwand ist gegeben.“

Da sich die Druckerei unten im Keller befand, ist davon auszugehen, dass mit Sockelgeschoss das Untergeschoss der Ihne22 gemeint ist. Dort bestehen aber schon UG1 und UG2 die bisher als Hörsäle genutzt werden. Was genau umgebaut werden soll, damit diese zu „multifunktionale Unterrichtsräume“ werden, ist nicht ganz klar. Denkbar wäre aber natürlich eine technische Aufrüstung (stationäre Beamer gibt es da unten z.B. bisher nicht) sowie vielleicht ein oder zwei weitere Räume (rechts von UG2 ist doch z.B. auch noch ein Raum).

Zusammenfassend geht der Trend also dahin, die neue Sozialwissenschaftliche Bibliothek in der Garry55 zu konzentrieren, während der Bibliotheksbereich in der Ihne21 vollständig oder zumindest zum größten Teil in Lehrräumlichkeiten umgewandelt werden soll, die dann gemeinsam von OEI, OSI und PuK genutzt werden.

Zu klären wäre noch, ob diese Pläne nun eine Alternativmöglichkeit darstellen, falls das mit der Integration der PolSoz Bib in die UB nicht klappt (Dekanin Riedmüller hatte dem Tagesspiegel gesagt „Wir arbeiten am jetzigen Standort an einer attraktiven Lösung, die auch überlebensfähig ist, wenn es nicht zum Umzug kommt“) oder ob diese Pläne einen Umzug nicht auch begünstigen. An einer weiteren Stelle im Papier heißt es z.B.:

„Durch die Verlagerung der Mitarbeiter/innen der Bibliothek aus der ersten Etage der Ihnestraße 21 in das Erdgeschoss der Garystraße 55 stehen die damit frei gewordenen Räume zur Unterbringung der berechtigten derzeitigen Nutzer/innen der Ihnestraße 26 zur Verfügung.“

Das ist insofern interessant, als dass eine Freistellung von Räumen in der Ihnestraße 26 sicherlich eine Voraussetzung wäre, die UB wie geplant Richtung Ihnestraße auszudehnen, um dort dann auch die PolSoz Bib zu integrieren.

Rückblick auf die Aktionswoche

Mai 25, 2008

Mit der Aktionswoche endete am Freitag vermutlich auch das „Protestsemester“. Ein guter Zeitpunkt für einen ersten, kritischen Rückblick.

Forderungen, welche Forderungen?

Forderungen gab es natürlich schon (siehe „Forderungen des FU Aktionsplenums“), sie standen allerdings nicht unbedingt im Mittelpunkt der Campus- und Aktionswoche, die zusammen ja den Kern des Protestsemesters bildeten.

Wünschenswert wäre es gewesen, dass die Forderungen zunächst auf den dezentralen Vollversammlungen zusammengetragen und dann anschließend auf der großen Gesamt-VV diskutiert und sofern mehrheitsfähig in Form einer Resolution verabschiedet worden wären. Da das 5%-Anwesenheits-Quorum leider nicht einmal annährend erreicht werden konnte, hätte man die Resolution anschließend z.B. auch noch vom StuPa diskutieren und verabschieden lassen können.

Auf Basis dieser konkret ausgearbeiteten Forderungen hätte man dann die Aktionswoche mit ihren Veranstaltungen aufbauen können. Die einzelnen Vorträge und Workshops hätten sich in ihrem Kern darauf konzentriert, wie die Forderungen durchzusetzen sind, was man konkret gegen Missstände an der FU tun kann.

Stattdessen wurden Forderungen bzw. die zentralen Fragen „Was wollen wir und wie können wir es erreichen?“ erst nach der Gesamt-VV in einer zweiten Runde von denzentralen VVs und später im Aktionsplenum aufgestellt. Der gesamte Prozess der Forderungsausarbeitung war somit sehr „lose“, unverbindlich, wenig transparent und hatte innerhalb des Protestsemesters sicherlich ebenso wenig einen zentralen Stellenwert wie mögliche Durchsetzungsstrategien zu den Forderungen.

Die Aktionswoche

Unter den Veranstaltungen die innerhalb der Aktionswoche stattfanden gab es zwar auch solche, die sich mit hochschulpolitischen Themen auseinandersetzten, sie waren jedoch deutlich in der Minderheit.

Es ging um Datenschutz, Ubuntu-Install-Partys, Sexismustheorien, Solidarische Ökonomie, etc. und weniger darum, wie man etwa die Ausdehnung des BAs von sechs auf acht Regelsemester durchsetzen kann oder wie man die Integration der PolSoz-Bib in die UB verhindern kann.

Bei letzterem Thema beschränkte sich der Widerstand darauf Unterschriftenlisten rumgehen zu lassen und kurzfristig die Bibliothek zu besetzen. Unabhängig davon, ob diese Aktionen nun zielführend waren oder nicht: Eine Aktionswoche mit Workshops hätte es allein dafür nicht gebraucht.

Worum es stattdessen ging, kann man im Vorwort des VVVVs nachlesen:

„Der Gedanke hinter diesem Selbst-Orga-Marathon ist, ein Forum zu schaffen für die gemeinsame Diskussion von Problemen und alternativen Perspektiven des Studierens.

Gleichzeitig soll die Aktionswoche selbst aber auch schon der Versuch sein ein anderes Modell von Studium und Uni zu praktizieren. Eine Uni, wie wir sie gerne hätten, die weder heile Parallelwelt, noch unreflektiertes Abbild der Gesellschaft ist.

Das heißt eine Woche ohne Campusmanagement und Anwesenheitslisten, ohne Kontrolle und Zwang; dafür selbstbestimmtes und gemeinschaftliches Lernen immer in einem kritischen und einmischenden Verhältnis zur Gesellschaft, in der es stattfindet.“ (VVVV)

Und nach der Aktionswoche geht der Studienalltag dann weiter wie zuvor, da man es über das Diskutieren von Probleme und dem theoretischen Aufzeigen von Alternativen hinaus nicht schafft, tatsächlich eine substantielle Verbesserung des Status quo zu erreichen. Es ging kurzum mehr darum Alternativen zu diskutieren und weniger darum konkrete Konzepte zu deren Umsetzung über die Aktionswoche hinaus zu erarbeiten.

Denn natürlich ist die Frage legitim: Was bleibt von dieser Aktionswoche denn jetzt ganz konkret hängen? Ähnlich wie 2007 bei der G8-Themenwoche steht zu befürchten, dass das Ergebnis lauten wird: nicht viel.

Auch 2007 hat man mit großem organisatorischem Aufwand ein KVV für die G8-Themenwoche entworfen und auf den Veranstaltungen dann angeregt diskutiert. Noch vor dem eigentlichen Heiligendamm war das Thema am OSI jedoch wieder tot, bis heute gibt es nicht mal ein Papier, in welchem Nichtbeteiligte oder „nachkommende Studis“ nachlesen könnten, um was es in dieser Themenwoche eigentlich ging und zu welchen Erkenntnissen sie geführt hat.

Wohlfühl-Aktivismus

Unter „Wohlfühl-“ oder „Wellness-Aktivismus“ verstehe eine Form des Aktivismus, der in letzter Konsequenz sich selbst genügt. Eine Form von Aktivismus, bei dem die Schaffung eines Wir-Gefühls innerhalb einer kleinen, engagierten Gruppe nüchtern betrachtet das einzig wirklich tragende Element ist.

Durch das „Campus Camp“ bekam die Aktionswoche einen starken „Event-“ oder „Happening-Charakter“. Man sitzt Abends am Lagerfeuer, diskutiert angeregt, solidarisiert sich untereinander, veranstaltet am Ende eine Party und verdrängt schleichend dass die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls noch lange nicht die Lösung auch nur irgend eines Problems bedeutet.

Ein Aktivist der sich stark in die Orga einbringt, der bis zur Erschöpfung an Workshops partizipiert, der vielleicht bis tief in die Nacht diskutiert, wird es natürlich schwer haben, vielleicht auch mal einen distanzierteren Blick zum ganzen Geschehen zu bekommen.

Je tiefer er selbst eintaucht, desto verschwommener werden die harten Fakten, wie etwa jener, dass sich bis auf eine wirklich kleine Minderheit kaum ein Studierender für den Protest interessiert, die ganze Außenwirkung des Protests hart gegen Null tendiert.

Stell Dir vor es gibt Protest und keiner kriegt es mit

Wie in der Vergangenheit mehr als einmal ausgeführt bin ich sehr skeptisch, was die Möglichkeiten angeht, an einer deutschen Uni einen Massenprotest loszutreten. Zu viele Ressourcen (Personen, Zeit, etc.) in die Gewinnung von MitstreiterInnen zu stecken ist sinnlos, wenn die Studierenden sich in ihrer Mehrheit mit den Missständen längst abgefunden haben, nicht daran glauben, dass man etwas ändern kann, oder aber, die neue Situation vielleicht sogar recht gut finden (z.B. Verschulungstendenzen, die nicht wenige eben durchaus positiv finden).

Dennoch kommt natürlich keine Protestbewegung ohne Außenwirkung aus. Selbst wenn sich KommilitonInnen nicht sofort anschließen, sollten sie doch zumindest bemerken „Aha, da passiert etwas, da versuchen welche etwas gegen den Missstand XYZ zu unternehmen“. Dafür war der Protest jedoch nicht sichtbar und auch nicht output-orientiert genug.

Ich war innerhalb der Aktionswoche an vier Tagen am OSI und abgesehen von den Plakaten an den Bäumen hat man dort nichts von der Aktionswoche mitbekommen. Es gab keine Flyer, kein VVVV das auslag, keine Versuche Leute anzusprechen, keine Annoucements vor dem Beginn einer Lehrverantaltung. Einmal habe ich einen kleinen Infotisch in der Ihnestraße gesehen, den gab es aber soweit ich mich erinnere nur in der vorhergehenden Campuswoche. Dann gab es die Unterschriftenliste gegen die Schließung der PolSoz-Bib, die in Seminaren rumging. Aber sonst? Irgendwelche Hinweise auf die inhaltlichen Ziele des Protests, auf die Aktionswoche, auf das Camp? Fehlanzeige.

Nun ist der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften nicht der Nabel der Welt, er ist jedoch der Bereich der sicherlich immer noch am ehesten Studis hervorbringt, die potentiell protestwillig und -fähig sind. Es liegt daher eigentlich auf der Hand, das Zentrum des Protestes auch geographisch am FB PolSoz zu anzusiedeln.

Stattdessen fand der gesamte Protest vom Campus Camp bishin zu den Veranstaltungen innerhalb der Aktionswoche fast ausschließlich in der Rost- und Silberlaube statt. Studierende, die nicht an der Rost- und Silberlaube waren, kriegten bis auf Flyer an den Bäumen dann auch nicht viel vom Protest mit.

Wenn die Aktionswoche hauptsächlich in der Rost- und Silberlaube stattfand, dann vermutlich natürlich auch deshalb, weil man in der Rost/Silberlaube anders als etwa im OSI oder OEI leichter Räumlichkeiten gestellt bekam. Sich alternativ einfach Räume zu erkämpfen ist auch leichter gesagt, als in der Praxis ausgeführt.

Dennoch hätte man m.E. das Camp lieber zwischen OEI und OSI errichten sollen und dann z.B. Dozierende fragen können, ob sie ihre LV nicht in der Woche ausfallen lassen und den jeweiligen Raum zur Verfügung stellen. Vielleicht wären irgendwo im OEI sogar ohnehin noch Räume freigewesen, nicht alle sind von Morgens bis Abends dauerbelegt.

Wenn ich KommilitonInnen am OSI auf die Aktionswoche hin angesprochen habe, war die Antwort in der Regel „Aktionswoche? Welche Aktionswoche?“. Das ist nun nicht unbedingt eine repräsentative Erhebung, aber ich hatte schon den Eindruck, dass der Protest an etlichen zumindest potentiell protest-interessierten Studis vorbeiging. Nicht nur, aber eben auch durch die falsche Wahl der Location.

Vom SchülerInnen-Streik, der Medienresonanz und verdächtigen Flugobjekten

Während die Aktionswoche trotz zahlreicher Bemühungen in der regionalen Berliner Printpresse nicht eine einzige Erwähnung nur wenig Feedback erfuhr, war die mediale Resonanz auf den SchülerInnen-Streik am Donnerstag immens. Im BBFB-Blog findet sich dazu ein ausführlicher Pressespiegel.

Nun wurde zwar der SchülerInnen-Streik in die Aktionswoche integriert, die Präsenz von Studierenden spielte aber weder auf dem Demo selbst noch in der anschließenden Berichterstattung in den Medien eine Rolle. Es war ein Streik vornehmlich der SchülerInnen von Berlin, anwesende StudentInnen waren nur „Beiwerk“ die keine zentrale Rolle spielten.

Der Versuch die Aktionswoche inhaltlich und aktivistisch etwas aufzuwerten, indem man den SchülerInnen-Streik auch zu ihrem Bestandteil erklärte, fruchtete also auch nicht wirklich. Die Verbindung zwischen dem Streik und Veranstaltungen bzw. Aktionen innerhalb der Aktionswoche war marginal bis nicht vorhanden. Auf der Demo ging es eben primär um Schul- und nicht um Hochschulpolitik.

Wie fast schon flehentlich man innerhalb der Aktionswoche um Aufmerksamkeit sann, lässt sich exemplarisch vielleicht an einem von Anna fotografierten, verdächtig erscheinender Helikopter, der tags zuvor über dem Campus Camp an der FU kreiste, erkennen. Anna war der Heli supekt weshalb sie ihn auch ausführlich ablichtete („schleifen, auffällig langsame flugbewegungen. bisheriger überflug über campgebiet: 4 mal bis 17:10, danach neue schleifen“).

Tatsächlich hatte der Heli aber vermutlich eher Interesse an dem neuen Solardach am FB Physik, denn am Ausspionieren der schwerst subversiven Camp-TeilnehmerInnen, wie man aus einer FU Pressemitteilung schlussfolgern kann (MedienvertreterInnen durften mit einem Heli über das Dach der Physiker fliegen, anzunehmen, dass dabei auch die Silberlaube mehrfach überflogen wurde).

Für die AktivistInnen bleibt die bittere Erkenntnis: Weder die überwältigende Mehrheit der FU Studierenden, noch die Medien, noch der Staatsschutz zeigte Interesse für die Aktionswoche.

Fazit

Das Experiment eine studentische Protestbewegung nicht aus einer kurzfristigen, temporär begrenzten Proteststimmung heraus entstehen zu lasssen, sondern angesichts diverser, nicht ad hoc zu behebender Missstände an der FU auch über mehr als ein Semester hinweg aufzubauen, war ebenso interessant wie erfolglos.

Die ohnehin nicht gerade große Gruppe der Protestierenden war noch kleiner als sonst, das lässt sich allein schon im Vergleich zum so genannten „Warnstreik 2005“ erkennen. Und während das „Protestsemester“ für diesen Sommer im letzten Wintersemester auf einer Gesamt-VV noch euphorisch beschlossen wurde, waren auf der letzten Gesamt-VV im Protestsemester selbst dann auf einmal schon wieder deutlich weniger KommilitonInnen anwesend. Ein Trend der auch auf dezentralen VVs und Vorbereitungs- / Organisations-Treffen erkennbar wurde (zumindest beklagten sich viele AktivistInnen darüber, sie sein zu wenige).

Nun ist Masse aber natürlich nicht alles, auch eine kleine, hochagile Gruppe kann etwas erreichen. Doch war das Aktionswochen-Konzept der wirklich engagierten Studis recht durchwachsen und letztlich nicht zielführend. Dadurch das Forderungen und ihre Durchsetzung nicht im Mittelpunkt standen, wirkte der Protest insgesamt wenig konkret und stark abstrakt.

Im selben Maß wie ersichtlich wurde, dass es kaum möglich war bisher Unbeteiligte für diese Ausgestaltung des Protests zu gewinnen, gingen die Beteiligten dazu über sich selbst und ihren Aktionen zu genügen – unabhängig davon, was nun wirklich erreicht werden konnte.

Dieser Kritik kann man natürlich das Argument der Nachhaltigkeit entgegen halten. Dass man also Missstände im Studienalltag nicht gleich aktiv bekämpft hat, sondern in einem ersten Schritt erst einmal nur diskutiert und gemeinsam denkbare Alternativen entworfen hat. Also zumindest ein stückweit die Grundlagen für Veränderungen geschaffen hat, die sich erst in Zukunft und nur langsam vollziehen werden.

Es lässt sich jedoch nicht erkennen, inwiefern im Kontext des jetzt langsam versandenden „Protestsemesters“ Erkenntnisse, Lösungen, Widerstandsformen, etc. gefunden oder entwickelt wurden, die sich auch konkret umsetzen lassen und dann in naher Zukunft wirklich zu einer Verbesserung des Status quo führen werden.

Genauso wie heute niemand mehr über die G8-Themenwoche im letzten Jahr spricht, wird im kommenden Jahr noch irgend jemand über diese Aktionswoche sprechen bzw. über das, was sie eigentlich gebracht hat. Die Beteiligten konnten vermutlich interessante Erfahrungen für sich selbst gewinnen, die Sache als solche voranbringen wird die Aktionswoche jedoch augenscheinlich nicht.

Die einzige, wirklich zentrale Erkenntnis aus diesem Protestsemester lautet, dass man studentischen Protest eben doch nicht am Reißbrett und im Vorfeld entwerfen kann (im Sinne von: nächstes Semester wird ein Protestsemester), dass es immer noch einen zündenden Funken braucht, etwas was das Faß zum Überlaufen und die Studierenden auf die Barrikaden bringt. Diese „Inititalzündung“ gab es trotz um sich greifender „Sachzwanglogik“, massiver Probleme mit dem Bologna Prozess und einer antidemokratischen Leitung der FU nach Gutsherrenart aber eben einfach nicht.

Insofern stellt sich dann schon die Frage, ob man den Protest das nächste Mal nicht lieber nur dann auf den Weg bringen sollte, wenn die Stimmung in der Studierendenschaft auch entsprechend ist und man ganz konkrete Forderungen hat, auf deren Durchsetzung man sich dann auch konzentriert.

Korrektur:

Wie man in einer Linkliste im BBFB-Blog nachlesen kann, gab es offensichtlich doch einige Artikel über die Aktionswoche in den Printmedien. Das mediale Feedback war dennoch nicht unbedingt überschwänglich – insbesondere im Vergleich zum SchülerInnen-Streik, der wie ausgeführt nicht wirklich viel mit der Aktionswoche zu tun hatte.

Zum Stand der Dinge im Bibliotheksskandal

Mai 19, 2008

Der Kommilitone Günter Bartsch hat im Tagesspiegel bereits im Dezember letzten Jahres (12.12.07) und jetzt erneut am 13.05.08 je einen Artikel zum Bibliotheksskandal verfasst, die zusammen einen guten Überblick über die bisherige Entwicklung geben.

Auf Basis dieser beiden Artikel und anderer Quellen (etwa Kendes Stellungnahme) soll im folgenden noch einmal der gegenwärtige Stand in der Debatte um eine mögliche Integration der PolSoz Bibliothek in die Universitätsbibliothek (UB) skizziert werden.

Die Aussonderungspläne waren schon sehr früh sehr konkret

Die Gegner der Fusionspläne werfen den Befürworten vor, diese hätten die Integration der PolSoz-Bib in die UB vorangetrieben ohne die dafür zuständigen Gremien (etwa Fachbereichsrat und OSI-Institutsrat) darüber in Kenntnis zu setzen.

Das Präsidium begegnete dieser Kritik im letzten Jahr mit dem Hinweis, bisher liege nur eine „Machbarkeitsstudie“ vor, die Gremien hätten also gar nicht früher informiert werden müssen. Zeitgleich wurde aber bereits damals der Personalrat schon gebeten, „seine Zustimmung für neue Stellen zu geben – zum Aussortieren der Bücher“ („Ist die OSI-Bibliothek bedroht?“, Tagesspiegel, 12.12.07).

Dieser Bitte ist der Personalrat dann zwar vorerst nicht nachgekommen, dennoch macht dies zusammen mit der Tatsache, dass die ausgesonderten Dubletten wie berichtet an die Europäische Humanistischen Universität in Vilnius gehen sollten, deutlich, dass die Bücher-Aussonderungspläne eben doch sehr früh sehr konkret waren, es ergo durchaus angemessen gewesen wäre die entsprechenden Gremien innerhalb des FB PolSoz zu informieren.

Aussonderbar wurden die Bücher erst mit den Integrationsplänen

Mit den Plänen die Bücher auszusondern, geht natürlich auch der Plan einher, die PolSoz-Bib in die UB zu integrieren. Das eine lässt sich nicht losgelöst vom anderen betrachten. Auch wenn Fusionsbefürworter wie der stellvertretende UB-Leiter Jiri „Jirka“ Kende betonen, dass das Aussondern ein völlig normaler Vorgang ist, der nicht zwangsläufig immer etwas mit der Fusion von Bibliotheken zu tun hat:

„Die Aussonderung von mehrfach vorhandener, älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur ist keineswegs ein ‚Bibliotheksskandal‘, sondern ein normaler bibliothekarische Vorgang, der nicht nur an der FU, sondern in allen Bibliotheken weltweit laufend geschieht und bei Integration von größeren Beständen natürlich quantitativ vermehrt auftritt.“ („Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal“, 27.04.08)

Einerseits betont Kende, dass eine Aussoderung von mehrfach vorhandener älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur etwas normales ist, andererseits kann er aber natürlich auch nicht bestreiten, dass die aktuellen Aussonderungs-Pläne in einem kausalen Zusammenhang mit den Integrationsplänen stehen.

Wenn man just in dem Moment „plötzlich“ 200.000 oder 500.000 Bücher als aussonderbar einstuft, in dem es darum geht, eine Bibliothekszusammenlegung samt „Synergieeffekten“ einzuleiten, ist doch klar, dass der häßliche Verdacht entstehen muss, die Bücher würden in Wahrheit nicht deshalb ausgesondert, weil sie keiner mehr braucht, sondern weil sie in der frisch fusionierten Bibliothek ganz einfach keinen Platz mehr haben.

Die Aussonderungskriterien

Kende präzisiert die Aussonderungskriterien wie folgt:

„Um es noch einmal klarzustellen: das Szenario sah vor, dass 1. jeder Titel mindestens einmal erhalten bleibt, d.h. die Titelvielfalt um keinen einzigen Titel verringert wird, 2. nur ältere und nicht mehr genutzte *und gleichzeitig mehrfach vorhandene* Titel ausgesondert werden, 3. Klassiker, wichtige fachrelevante Autoren, Nachschlagewerke etc. selbstverständlich von der Aussonderung ausgenommen bleiben und gleichzeitig 4. viel gefragte Titel in Mehrfachexemplaren in der Lehrbuchsammlung der UB bereitgestellt werden (wie z.B. für Jura, wo manche Titel mit bis zu Hundert Exemplaren den Studierenden zur Verfügung stehen).“ („Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal“, 27.04.08)

Sicherlich lassen sich wie von Kende leicht Werke heranziehen wie die „Einführung in die bibliothekarische Datenverarbeitung“ aus den 1970er Jahren, die heute vermutlich wirklich keine Bibliothek mehr in 18facher Ausführung braucht.

Die Frage ist nur, ob sich das so verallgemeinern lässt, oder ob es nicht auch Werke gibt, die „mehrfach vorhanden“, „älter“ und „kaum oder gar nicht ausgeliehen“ sind und dennoch auch in Zukunft mehr als einmal im Archiv bleiben sollten.

Kende schreibt hier von „Klassikern“ die dann ausgenommen sein sollen, doch wer definiert was ein Klassiker ist? Wie definiert sich „alt“ und „nicht mehr genutzt“? Auf der berüchtigten 1. OSI/PuK-VV wurde z.B. argumentiert, es gäbe auch Themen die würden nach einer längeren Ruhephase neu entdeckt und die entsprechenden, eingestaubten Bücher dann auch wieder stärker nachgefragt.

Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang sicherlich eine Aufstellung aller Bücher, die ausgesondert werden sollen. Eine solche Liste wäre zwar nicht eben kurz, würde jedoch die erforderliche Transparenz schaffen. JedeR Interessierte könnte sich dann selbst einen Überblick verschaffen, welche Bücher konkret ausgesondert werden sollen.

Die Anzahl der auszusondernden Bücher

Voraussetzung dafür wäre zunächst, dass man sich endlich mal darüber klar würde, wie viele Bücher nun tatsächlich ausgesondert werden sollen. Günter schreibt im Dezember:

„Doch solche ‚Dubletten‘ sollen nun ausgesondert werden – Bibliotheksmitarbeiter rechnen mit rund 500 000 Exemplaren. UB-Leiter Ulrich Naumann nennt eine deutlich niedrigere Zahl: Danach müssen im Idealfall nur 200 000 doppelte Bände ausgesondert werden – und lediglich solche, die kaum nachgefragt werden. Im August-Papier der UB ist noch von 300 000 bis 350 000 Bänden allein aus den Fachbibliotheken die Rede. Die Zahl hänge von den Möglichkeiten des Umbaus ab, so Naumann.“ („Ist die OSI-Bibliothek bedroht?“, Tagesspiegel, 12.12.07)

Auch hier wird deutlich: Die Anzahl der Bücher die ausgesondert werden sollen hängt davon ab, wie viele in die umgebaute UB passen. Inzwischen ist man bei „nur noch“ 130.000 angekommen. Doch falls der Umbau doch nicht groß genug wird, werden sicherlich notfalls noch mal 100.000 Bücher mehr als entbehrlich erklärt. Dem Aussonderungsprozess wohnt allein schon dadurch eine Beliebigkeit inne, als dass sein quantitatives Ausmaß letztlich allein von den Räumlichkeiten der dann umgebauten UB abhängt.

Der Autonomieverlust des Fachbereichs

Im Mittelpunkt des Skandals stand neben der Problematik der auszusortierenden Bücher auch immer der drohende Verlust der Autonomie, den der Fachbereich PolSoz (und hier insbesondere das OSI) erleiden würde, wenn er über keine „hauseigene“ Fachbibliothek mehr verfügen würde.

„Das traditionsreiche Otto-Suhr-Institut ohne eigene Bibliothek? Der Politologe Siegfried Mielke will sich das nicht vorstellen: ‚Das größte Institut für Politikwissenschaft darf keine Untergliederung der Universitätsbibliothek werden.'“ („Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08)

Tatsächlich ist stark umstritten, welchen Einfluss der Fachbereich nach einem Umzug dann noch auf die Bibliothek hätte. Die eine Seite betont, auch nach einer Integration behielte der FB PolSoz die Kontrolle über die Bibliothek (Neuanschaffungen, Aussonderungen, etc.), die Kritiker sind skeptischer und befürchten bei einem Umzug einen deutlichen Verlust des Einflusses des Fachbereichs auf „seine“ Bibliothek.

FBR & IRs vs. FB Dekanat & Präsidium

Viel diskutiert wird auch wer schuld daran hat, dass die Fronten zwischen den Gremien am Fachbereich PolSoz auf der einen Seite und dem Dekanat des Fachbereichs PolSoz sowie dem Präsidium auf der anderen Seite inzwischen so verhärtet sind.

„Die Kritik am Präsidium erklärt sich Lehmkuhl mit ‚der Wahrnehmung eines vermeintlichen Kommunikationsmangels‘. Die Idee sei zunächst dem Dekanat des Fachbereichs Politik und der Leitung des ebenfalls betroffenen Osteuropa-Instituts (OEI) vorgestellt worden – es habe aber von Anfang an das Angebot gegeben, die Pläne im Fachbereichsrat und im OEI-Institutsrat zu diskutieren.“ („Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08)

Aus dieser Idee, den Fachbereichsrat (FBR) und die Institutsräte (OSI, OEI, etc.) mit einzubeziehen ist bekanntlich damals nichts geworden. Viel mehr erfuhren der FBR und IRs erst verspätet, dass die Aussonderungs- und Integrations-Pläne schon relativ weit fortgeschritten waren.

Ob die Idee, es sei wohl besser den Fachbereichsrat und die Institutsräte erst mal im Dunkeln zu lassen, nun vom Dekanat des FB PolSoz oder dem FU Präsidium ausging, ist bis heute nicht endgültig geklärt. FU-Vizepräsidentin Lehmkuhls Position ist ja offenbar, es hätte vom Präsidium entsprechende Angebote gegeben die Gremien breit zu informieren. Wenn das Dekanat diese Angebote dann nicht an den FBR und die IRs weitergeleitet habe, sei das nicht das Problem des Präsidiums („Nur noch neun Bibliotheken an der FU – Bericht aus dem Kuratorium“, FSI Blog, 23.04.08).

In jedem Fall muss den Verantwortlichen doch irgendwo klar gewesen sein, dass eine Konfliktsituation eintritt, wenn die Gremien am FB den nicht ganz unbegründeten Eindruck bekommen, hier würde versucht etwas an ihnen vorbei in die Wege zu leiten bzw. schon mal vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor sie dann verspätet informiert würden.

Plan B

Der FBR wird am Ende über die Integration entscheiden. Eingesetzt wurde dafür eine Bibliothekskommission, an deren Empfehlung sich der FBR halten soll, aber nicht muss. Sollte der FBR den Integrationsplänen eine Absage erteilen, hat FB Dekanin Riedmüller natürlich auch schon einen Plan B vorbereitet: „Wir arbeiten am jetzigen Standort an einer attraktiven Lösung, die auch überlebensfähig ist, wenn es nicht zum Umzug kommt“ (zitiert in: „Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08).

Falls die PolSoz-Bib bleibt wo sie ist, braucht man dafür also erst noch eine „überlebensfähige Lösung“. Allein die Wortwahl suggeriert hier natürlich, dass es ein größeres Unglück wäre, wenn es nicht zur Integration in die UB kommen würde.

Philologische Bibliothek reloaded

Während Befürworter des Konzepts die vermeintlichen Vorteile preisen, die sich für die Studierenden aus der Zusammenlegung vieler kleinerer Bibliotheken zu einigen wenigen Zentralbibliotheken ergeben würden, verweisen die Kritiker auf das Fallbeispiel der Philologischen Bibliothek.

Diese ist inzwischen zum Sinnbild für das Scheitern des Konzepts der „dezentralen Zentralisierung auf mittlerer Ebene“ geworden, da fachbereichsfremde Studierende bei Überfüllung zu Prüfungszeiten nicht in die Bibliothek dürfen („Neue Benutzungsordnung der Philologischen Bibliothek“).

Denkbar wäre ein solches Szenario dann theoretisch sicherlich auch für die neue UB/PolSoz-Bibliothek, in der dann Studierende aus beiden ehedem getrennten Bereichen zusammenkommen und um die knappen Lesesaalplätze und Bücher ringen würden. Sehr zum Nachteil von Studierenden, die nicht im FB PolSoz eingeschrieben sind und die man dann falls es zu voll wird, auch einfach ausschließt.

Denn selbst wenn die UB die UB bleibt, könnte man argumentieren, dass sie jetzt ja einen (noch) stärkeren sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt habe, die Studierenden aus dieser Fachrichtung bei Engpässen gegenüber fachbereichsfremden Studierenden also zu bevorzugen sind.

Forderungen des FU Aktionsplenums

Mai 16, 2008

Nachdem die Protestbewegung bisher etwas darunter gelitten hat, dass es keine konkret ausformulierten Forderungen und ausgearbeiteten Durchsetzungsstrategien gab, ist jetzt zumindest ersteres gelöst.

Das Aktionsplenum der FU hat folgenden Forderungskatalog beschlossen:

  • freie Bildung für alle, damit insbesondere
    • keine Privatisierung und kein Outsourcing im Bildungssektor
    • Abschaffung von Zugangsbeschränkungen wie etwa dem NC
    • keine Schul- und Studiengebühren jeglicher Art
  • die Demokratisierung der Hochschulen, damit insbesondere
    • Viertelparität in allen Gremien
    • Studierendenvertretungen im Präsidium und den Dekanaten
  • die Selbstbestimmung im Studium, damit insbesondere
    • Verlängerung des BA von 3 auf 4 Jahre
    • freier Masterzugang
    • Flexibilisierung der Studienverlaufspläne
    • Abschaffung von Überwachungsinstrumenten wie Anwesenheitslisten, Campus Management, Zwangsberatungen, u.ä.
    • freie ABV-Wahl aus dem kompletten Studienangebot
  • die Trennung von Wirtschaft und Wissenschaft, damit insbesondere
    • keine Scheuklappenwissenschaft durch Drittmittelorientierung
    • keine mit WirtschaftsvertreterInnen bestückten „wissenschaftlichen Beiräte“
    • keine public-private-partnerships, wie die der FU mit dem Klett-Verlag zur Gründung einer Privatuniversität auf FU-Gelände
    • deutliche Finanzierungserhöhungen durch das Land Berlin in den anstehenden Hochschulverträgen für eine Autonomie der Hochschulen von der Wirtschaft
    • keine Werbung und keine Shops in der Uni
  • eine offene Kommunikationspolitik des Präsidiums, damit insbesondere
    • allgemeine Information der Studierenden über anstehende Pläne und Veränderungen
  • ein Nein zu Bibliothekszusammenlegungen und Institutsschließungen
  • den Rücktritt Dieter Lenzens

Als pdf sind diese Forderungen auch hier verfügbar.

Link-Sammlung zum Protestsemester

Mai 13, 2008

Hier eine Link-Sammlung für das Protestsemester 2008 die regelmässig aktualisiert wird.

Vorläufiges Vorlesungs- und Veranstaltungsverzeichnis

Mai 9, 2008

Die Orga-Studierenden der Aktionswoche (19.05. bis 23.05.) haben inzwischen ein so genanntes „vorläufiges Vorlesungs- und Veranstaltungsverzeichnis“ veröffentlicht, abgekürzt VVVV. Das „vorläufig“ soll dabei betonen, dass es an diesem Verzeichnis immer noch Änderungen geben kann, inbesondere die Räumlichkeiten und Orte stehen für etliche Veranstaltungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht ganz fest. Dennoch ist es wohl dieses VVVV, welches dann im Vorfeld der Aktionswoche auch als Druckerzeugnis verteilt wird.

Die Veranstaltungen haben sowohl universitätsbezogene wie außeruniversitäre Themen zum Gegenstand, wobei letztere in der Mehrheit zu sein scheinen. Auffällig ist dabei schon, dass zwar in der Einleitung Schlagworte wie „Campus Management“, „Anwesenheitslisten“ und „Bachelor“ fallen, allerdings nur um zu betonen, dass es darum geht sich mit der Aktionswoche für einen Moment von ihren Zwängen zu befreien:

„Das heißt eine Woche ohne Campusmanagement und Anwesenheitslisten, ohne Kontrolle und Zwang (…) Es wird deshalb Workshops zur Situation an der FU, Seminare zur allgemeineren Hochschulpolitik und Veranstaltungen zu Themen geben, die im Bachelor-Alltag immer weniger oder schon gar keinen Raum mehr haben.“ (VVVV)

Doch wie kann diese Aktionswoche z.B. dazu beitragen, dass aus dem 6 semestrigen Bachelor ein 8 semestriger Bachelor wird? In welchem der Workshops werden z.B. Strategien diskutiert, wie man die ungewollten Bibliothekszusammenlegungen an der FU verhindern kann? Es gibt einen Workshop zu „Dieter Lenzens Hochschulpolitik“, einen zu „Hochschule im Kapitalismus“ und einen zur „Exzelleninitiative“, dort wird hoffentlich genau auch das stattfinden. Aber reicht das?

Die zentrale Befürchtung steht natürlich im Raum, dass die Aktionswoche schnell wieder auf ein „Schön, dass wir mal drüber geredet haben“ hinausläuft. Interessante Workshops mit interessanten Diskussionen, denen aber keine Änderung des Status quo folgt.

Natürlich ist die Hoffnung eines solchen „Protestsemesters“ auch, dass hier vielleicht der Grundstein für eine Protestbewegung gelegt werden kann, deren Wirken nicht unmittelbar sondern längerfristig sichtbar wird. Dass die Durchsetzung von Änderungen also viel mehr Zeit braucht und man daher einen „dauerhaften Protest“ ins Leben ruft. Und doch: Man hat das Gefühl, der Protest plätschert immer nur so langsam vor sich hin, ohne dass sich wirklich etwas ändert.

Die Urfassung des VVVV umfasste unter anderem auch einen tabellarischen Übersichtsplan, der aber offenbar eingescannt und dann als Grafik in Form einer extra Seite in das pdf eingefügt wurde, womit die Datei ein 573 KB Oschi wurde.

FUwatch hat dem VVVV ein alternatives Layout verpasst, diese „Slim Edition“ (Download hier) verzichtet auf den besagten „Stundenplan“ ebenso wie auf das Deckblatt und ist nur 61 KB groß. Schon im Querformat designed, ist man mit schlappen 7 Druckseiten dabei.

Wer sich das VVVV weder selber ausdrucken noch am Monitor reinziehen will, sollte einfach noch ein paar Tage warten, es gibt natürlich eine Printversion, die dann von den Orga-Studis unters Volk gebracht wird.

Verhältnismäßig schwache Vollversammlung

Mai 8, 2008

Die gestrige FU Vollversammlung gehörte sowohl was die Anzahl der anwesenden Studis anging als auch was die inhaltlichen Auseinandersetzungen angeht eher zu den schwächeren.

Es waren zwar noch etliche Protest- und/oder Informationswillige erschienen, allerdings war der Hörsaal 1a in der Silberlaube doch deutlich leerer als noch auf der vorhergehenden VV, auf der im letzten Semester euphorisch das „Protestsemeter“ für diesen Sommer beschlossen wurde (Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester“). Wolf schreibt im LHG Blog, er habe auf dem Höhepunkt der Veranstaltung nur 210 Studierende gezählt, was gut hinkommen kann und für eine Gesamt-VV wenig ist.

Schwerer als der sichtbare Rückgang der alleinigen Anzahl von Interessierten wiegt jedoch, dass die Vollversammlung auch inhaltlich eher schwach war. Die Diskussion drehte sich weitgehend im Kreise, es wurden immer wieder und wieder nahezu identische Standpunkte vorgebracht, es wurden weder konkrete Forderungen aufgestellt noch Beschlüsse gefasst, die VV beschränkte sich weitgehend darauf eine reine Informationsveranstaltung zu sein, deren Neuigkeitswert sich in Grenzen hielt, wie die folgende Zusammenfassung auch aufzeigen wird.

Zum weiteren Ablauf des Protestsemesters

In einem einleitenden Teil skizzierte ein Kommilitone in seinem Vortrag noch einmal kurz den weiteren, geplanten Ablauf des Protestsemesters.

Vom 13.05. bis 16.05. gibt es wie schon berichtet die so genannte „Vorbereitungswoche“, die jetzt aber „Campuswoche“ heißt. In dieser Woche soll es an zentralen Punkten auf dem Campus Infostände geben, die die Funktion wahrnehmen die Studierenden für die folgende „Aktionwoche“ zu mobilisieren und sie natürlich auch mit Informationen zu versorgen (Worum geht es, gegen was richtet sich der Protest, was wollen wir, etc.). Dafür werden dann unter anderem auch das Aktionswochen-KVV und Flyer verteilt.

An die „Campuswoche“ schließt sich dann die „Aktionwoche“ vom 19.05. bis 23.05. an. Dort gibt es neben diversen Seminaren, Vorträgen und Workshops dann auch ein zentrales „Aktionswochencamp“ (als zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für Aktionen), ferner wird es viel Musik, VoKü und eine große Abschlussparty geben.

Am Donnerstag den 22.05. findet dann der so genannte „SchülerInnenstreik“ statt, an dem sich auch alle Studierende beteiligen sollen, da es sich hier um einen Protesttag handelt, der sich generell gegen Bildungs- und Sozialabbau richtet. Startpunkt der Demo ist 11 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Vor und nach der Demo kann es zwar noch Protest-Workshops geben, für den Zeitraum zwischen 11 und etwa 18 Uhr wurden aber bewusst keine Veranstaltungen angesetzt, da in diesem Zeitfenster alle zur Demo / zum Streik kommen sollen.

Zum Bibliotheksskandal

Im folgenden Vortrag beschrieb Stefan kurz die aktuelle Situation im Bibliotheksskandal. Da es sich hier um eine Gesamt-VV handelte, richtete er den Fokus bewusst nicht so sehr nur auf den Streit um die PolSoz-Bibliothek, sondern allgemein auf den Prozess der Bibliotheksschließung / -zusammenlegung an der FU.

Die Zusammenfassung kann im wesentlichen unter „Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015“ nachgelesen werden, ein FUwatch-Eintrag der einen Bericht Stefans aus dem Kuratorium zusammenfasst.

Stefan betonte darüber hinaus noch die Notwendigkeit für Studierende sich intensiver als bisher mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Denn die BefürworterInnen der Bibliotheks-Zentralisierungen führen diverse tatsächliche oder vermeintliche Vorteile an: bessere Ausstattung, besseres Licht, bessere Architektur, längere Öffnungszeiten, usw.

Demgegenüber stehen die Erfahrungen der Studierenden, die sie mit der Philologischen Bibliothek gewonnen haben. Die PhilBib als Beispiel für einen solchen Typ von moderner Zentralbibliothek zeigt auf, wohin die Reise geht: Oft zu laut, wegen Überfüllung zu Prüfungszeiten nur bestimmten Studierenden zugänglich, Bücher können immer weniger ausgeliehen werden und müssen immer stärker vor Ort studiert werden (was den Platzmangel noch weiter verstärkt).

Studierende die sich in den Protest einbringen wollen legte Stefan nahe, sich in der Bib-Gruppe zu engagieren, die Protestaktionen plant (wie etwa die gestrige Besetzung der PolSoz-Bib am Morgen) und die sich darüber hinaus auch inhaltlich mit dem Problem auseinandersetzt und versucht weitere Proteststrategien zu entwickeln. Obwohl bisher nur auf die PolSoz-Bib ausgerichtet, könnte die Arbeit der Gruppe zukünftig ausgeweitet werden und sich dann eben auch allgemein mit dem Problem der Bibliothekszusammenlegungen an der FU befassen.

Der Quorums-Streit

Wie angekündigt sollte dann auch über einen Protesttext abgestimmt werden, der sich gegen die Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken wendet und an den dann eine Unterschriftenliste angeschlossen wird.

Hier intervenierte jedoch Wolf mit dem altbekannten Hinweis darauf, dass das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs nicht erreicht sei, die VV somit gar nicht beschlussfähig sei. Dem wurde wie immer entgegengehalten, dass wenn die VV keine offiziellen Beschlüsse fassen könne, sie eben inoffizielle verabschieden würde, also im Namen der Anwesenden, nicht stellvertretend für die FU-Studierendenschaft. Auch wurde angeregt, dass das StuPa den Beschluss dann eben fassen solle.

Obwohl sich Wolf mit seiner Position nicht durchsetzen konnte, die Mehrheit der Anwesenden sich deutlich und laustark gegen seinen Einwand artikulierte, erreichte er doch offensichtlich, dass die Abstimmung über den Text nicht stattfand. Zumindest hat es bis 16 Uhr keine Abstimmung gegeben (unwahrscheinlich, dass er in der „Nachspielzeit“ doch noch verabschiedet wurde).

Die Unterschiftenlisten gingen aber natürlich trotzdem rum und waren ja auch nicht an einen Beschluss der VV gebunden.

Der Bologna Prozess

Der Kommilitone Batti hielt anschließend einen Vortrag über die Probleme die durch die Bologna Reform entstanden sind, Schwerpunkt war hier natürlich einmal mehr der Bachelor. Man könne ihn zwar nicht mehr abschaffen, aber natürlich sehr wohl noch modifizieren, etwa von 6 Semester auf 8 Semester Regelstudienzeit hochgehen. Eine weitere zentrale Forderung müsse sein, dass jedeR der/die es möchte nach einem BA noch einen MA machen kann.

Genannt wurden nahezu alle zentralen Probleme: statt einer Vergleichbarkeit kommt es zu einer zunehmenden Isolierung der Hochschulen, die jeweils „ihr Ding“ durchziehen; die Abbrecherquote ist in einigen Bereichen nicht gesunken sondern gestiegen, was nicht nur aber auch mit dem zu hohen Workload zu tun hat; Verschulung und Zeidruck nehmen rapide zu und lassen kaum noch Zeit zur Reflexion und Orientierung über den Studieninhalt.

Ausführlicher kann man dies z.B. bei FUwatch zuletzt unter „And the flames went higher…“ und „Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory“ nachlesen. Empfehlenswert ist dazu auch noch „Der Mythos vom besseren Studium“, ein Artikel in dem der Kommilitone Mathias die zentralen Erkenntnissse aus Studien und Umfragen zum BA/MA der letzten Zeit zusammenfasst und auswertet.

Bildungsprivatisierung

Im folgenden gab es einen Beitrag einer Kommilitonin, in dem diese die Problematik der zunehmenden Bildungsprivatisierung und die damit einhergehende Entdemokratisierung der Hochschulen thematisierte.

Genannt wurden einige Beispiele wie etwa ein Kongress der die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker fokussierte; das Public-Private-Partnership zwischen dem Klett Verlag und der FU, das unter anderem dazu führt, dass über die Hintertür Studiengebühren eingeführt würden; die Exzellenzinitiative die dazu führt, dass stärker denn je über den (marktwirtschaftlichen) Wettbewerb gesteuert wird, zu welchen Themen geforscht wird und zu welchen nicht.

Ein sehr wichtiges Thema, bei dem man sich gewünscht hätte, dass die Kommilitonin doch noch etwas mehr ins Detail geht. Denn teilweise überflog sie die genannten Beispiele recht schnell und der Vortrag blieb dadurch etwas oberflächlich und schlagwortartig.

Über den Tellerand geblickt

In der Kategorie „Wir müssen auch über den Tellerand blicken und den gesamtgesellschaftlichen Kontext nicht aus den Augen verlieren“ gab es diesmal einen Exkurs darüber was universitäre Forschung im außeruniversitären Bereich teilweise verheerendes bewirkt und wie Unternehmen zunehmend Bildungspolitik beeinflussen.

Hier wurde zunächst skizziert wie der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) an der FU die bundesdeutsche Außenpolitik in Afghanistan beeinflusst bzw. unterstützt. Also was es z.B. heißt, wenn westliche Wissenschaftler die Deutungshoheit darüber erlangen, was ein „failed state“ ist. Unter „SFB Governance in der Kritik“ wurde das Thema auf FUwatch (samt Kommentaren) schon andiskutiert.

Dann ging es um die „Military Studies“ an der Uni Potsdam, die Entwicklung von so genannten „Unbemannten Luftfahrzeugen“ (UAVs) an der TU Karlsruhe und darum wie Bertelsmann (bzw. das Centrum für Hochschulentwicklung, CHE) am berüchtigten Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) in NRW mitgewirkt hat.

Teilweise wirkte der Vortrag doch etwas plakativ, etwa wenn kritisiert wurde, dass Hasso Plattner als einer der reichsten Deutschen das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Uni Potsdam finanziert, ohne näher zu konkretisieren, warum das eigentlich ein Problem ist.

Insgesamt sollte der Vortrag deutlich machen, dass „alles zusammengehört“, Geschehnisse an der Uni nicht losgelöst von Geschehnissen außerhalb der Uni betrachtet werden können, sondern viel mehr die Wechselwirkungen genau beobachtet und der größere Rahmen nie aus den Augen verloren werden sollte.

„Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“

Zu den klassichen Konfliktlinien die sich auf nahezu jeder Vollversammlung abzeichnen gehört neben „Müssen uns auf Uni-Themen konzentrieren“ vs. „Müssen auch gesamtgesellschaftlichen Kontext beachten“ insbesondere auch „Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“.

Während eine Kommilitonin mit der Losung „Klein aber gemein“ die Position auf den Punkt brachte, dass Masse im Protest nicht unbedingt alles ist und auch Wenige etwas bewirken können, ging ein anderer Kommilitone soweit die These aufzustellen, wenn es nicht gelinge deutlich mehr zu mobilisieren als gerade anwesend sind, könne man es auch gleich ganz lassen.

Hinzu kommen jene KommilitonInnen die dann betonen, es müsse eine Zwischenlösung geben: Also einerseits natürlich starke Anstrengungen mehr Studierende zu mobilisieren, andererseits aber den Protest auch in kleineren Zirkeln vorantreiben, wenn nicht mehr erscheinen.

Dies ist in der Tat eine zentrale, strategische Frage, die sich aufgrund der sichtlich weniger erschienenden Protestwilligen aufdrängte. Trotzdem ist es unverhältnismäßig wenn zwischen einer halben und dreiviertel Stunde auf der VV ausschließlich diese Grundsatzdebatte geführt wird. Zudem mit den immer gleichen Argumenten, denn es fiel auf, dass Redner oftmals einfach nur in anderen Worten wiederholten, was ihrE VorrednerIn gesagt hatte.

Statt Beschlüsse zu fassen, Forderungen aufzustellen und inhaltlich voranzukommen ging es über einen langen Zeitraum auf der VV nur darum, ob man mehr Studierende braucht und wenn ja, wie diese zu mobilsieren sein.

Die Mobilisierungsfrage

Immer wieder wurde auch die aus Sicht vieler Anwesenden offenbar schlechte Protest-Kommunikation kritisiert. So würden viele KommilitonInnen z.B. vom Protestsemester im Allgemeinen oder der VV im Speziellen gar nichts wissen, da sie nicht rechtzeitig und umfassend informiert würden. Als Konsequenz würden die dann eben auch nicht erscheinen.

Es wurden dann verschiedene Methoden diskutiert, etwa ob man nicht wirklich alle Studierende über Email erreichen könne und dass man bereits auf den Flyern genau darlegen sollte, worum konkret es im Protest geht und gegen was er sich richtet, anstatt einfach nur den Namen einer Veranstaltung (hier: VV), den Ort, die Uhrzeit, das Datum und eine kämpferische Losung abzudrucken.

Die OrganisatorInnen der VV betonten, dass sie immer nur zwischen 10 und 15 Leute gewesen wären, wenn es hoch käme würden vielleicht mal 20 zu den Vorbereitungstreffen kommen. Jene die also mehr Studis mobilsiert und die Kommunikation verbessert sehen möchten, sollten auch mal „selber ihren Arsch hochbekommen“.

Tatsächlich fällt natürlich auf, dass von jenen die auf einer VV erscheinen dann anschließend nur eine relativ übersichtliche Gruppe übrigbleibt, die auch dauerhaft bereit ist, etwa an AGs oder an der Organisation von Workshops mitzuwirken.

Ein Kommilitone erwähnte, dass er vor Beginn der VV über den Campus gezogen sei und lautstark andere Studierende dazu aufgefordert hatte, zu der VV zu kommen. Viele hätten ihn ignoriert, manche sich auf ein Gespräch eingelassen. Immer aber hätte es geheißen, man sehe das Problem, habe aber keine Zeit sich in den Protest einzubringen (oder einfach mal nur auf die VV zu kommen), müsse anderes erledigen.

Diese Anekdote offenbart, dass die bisher eher schwache Mobilisierung für den Protest vielleicht nicht nur etwas mit Kommunikationsdefiziten zu tun hat, sondern auch mit dem schlichten Protest-Unwillen vieler KommilitonInnen. Vermutlich lautet die häßliche Wahrheit, dass selbst wenn man jedem Studiereden postalisch einen Brief über das Anliegen des Protest zu kommen lassen könnte, nicht unbedingt mehr Personen zu Veranstaltungen wie einer VV kommen würden.

Unwahrscheinlich, dass Aufrufe wie „Wir müssen mehr in die Seminare gehen und die Sache dort ansprechen“ das Problem wirklich lösen können. Studierende die in Lehrveranstaltungen hochschulpolitische Appelle verbreiten, finden erfahrungsgemäß nicht unbedingt mehr Beachtung und wenn doch, führt diese reine Kenntnisnahme nicht dazu, dass dann auch plötzlich mehr Studis sich hochschulpolitisch engagieren.

Sich selbst einzugestehen, dass man zumindest in der Funktion als AktistIn nur Teil einer Minderheit ist, weil die einfach nicht mehr zu mobilisierende breite Masse zu lethargisch, gleichgültig und angepasst ist, ist etwas was inbesondere junge, euphorische Semester nicht zu leisten vermögen. Und daraus ergeben sich dann immer diese end- und sinnlosen „Wir müssen mehr Studierende erreichen“ Debatten.

Fazit

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich besteht der primäre Sinn und Zweck einer VV darin, dass man konkrete Forderungen aufstellt, diskutiert, zur Abstimmung stellt und anschließend eine Resolution erlässt (so geschehen z.B. zuletzt im Warnstreik 2005).

Egal, ob die VV nun formal beschlussfähig ist oder nicht: Es geht hier doch um etwas ganz Grundlegendes, nämlich sich darüber klar zu werden, 1) was genau passt uns eigentlich nicht und 2) was genau sind eigentlich unsere Forderungen und Ziele. Ohne solche konkret ausformulierten Ziele bleibt der Protest letztlich schwammig und beliebig.

Statt nun auf der Gesamt-VV verschiedene Forderungen vorzustellen und zur Abstimmung zu stellen, werden erst jetzt Forderungen in AGs gesammelt. Ein Arbeitsschritt, der vor der VV hätte erfolgen müssen, beginnt erst nach ihr. Was vermutlich auch etwas mit der „dünnen Personaldecke“ der Protestierende zu tun hat, nur dann muss man vielleicht auch Prioritäten anders setzten.

Das spielt darauf an, dass im Zentrum dieses Proteststemesters natürlich die Aktionswoche mit den Workshops steht. Darauf konzentriert sich zur Zeit der Großteil der Arbeit, die VV ist nur noch Beiwerk, eine Art Informationsveranstaltung auf der man den Status quo klärt und dann ewig debattiert, wie mehr Studis gewonnen werden können. Was auch wichtig ist, aber eben nicht so wichtig, wie endlich mal konkrete Protestforderungen zu verabschieden. Eine Protestbewegung, die nicht präzisieren kann, was genau sie eigentlich will, läuft unweigerlich ins Leere.

Aber gut, sagen wir, es ging bei dieser VV eben primär um Informationsvermittlung und Brainstorming für die kommende Campus- und dann Aktionswoche. Warum hat man dann nicht z.B. wenigstens einfach mal das KVV an die Wand geworfen (welches ja inzwischen fertig ist) und die verschiedenen Workshops vorgestellt? Dann hätte sich jedeR der Anwesenden schon mal überlegen können, in welche Workshops er/sie sich vielleicht einbringen möchte und man hätte so vielleicht auch zu einer inhaltlichen Diskussion gefunden, die über die reine Mobilisierungsfrage hinausgeht.

Selbst dann wäre aber der fade Beigeschmack zurückgeblieben, dass konkrete Ziele des Protests bisher nicht ausformuliert wurden, dass eine Chance vertan wurde, Forderungen in einer Resolution zusammenzufassen. Mit einem solchen Papier in der Hand, ob nun offiziell oder nicht, wäre jedem ersichtlich, was konkret eigentlich an den unhaltbaren Zuständen geändert werden soll, was der Protest erreichen möchte.

Symbolische Aktion gegen die Schließung der PolSoz-Bibliothek

Mai 5, 2008

Wie dem BBFB-Blog zu entnehmen ist, soll es am morgigen Dienstag (06.05.) Mittwoch (07.05.) um 9 Uhr in der Ihne21 eine symbolische Aktion gegen die Schließung des eigenständigen Standorts der sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek geben.

Eine ähnliche Aktion hatte es bereits im Dezember letzten Jahres gegeben (siehe „Protestaktion gegen Bücheraussonderung geplant“).

Weiterhin hat die so genannte „Bib-Gruppe“, die den Protest gegen die Schließung organisiert, einen Protesttext verfasst, der einer dazugehörigen Unterschriftenliste vorangestellt werden soll:

„Nein zur Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken

Die sozialwissenschaftliche Fachbereichsbibliothek (PuK, Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaft) soll nach dem Willen von Präsidium und Dekanat des Fachbereichs ab 2012 in die Universitätsbibliothek (UB) integriert werden. Dabei werden Buch- und Zeitschriftenbestände reduziert werden. Ebenso wird die Betreuungsqualität für die Studierenden abnehmen.

Bereits im letzten Semester wurde mit der Bücherentsorgung begonnen – ohne Absprache mit den entsprechenden Gremien. Tatsächlich haben Präsidium und Dekanat die zuständigen Gremien übergangen. Die Pläne zur Schließung der Bibliotheken sind bis heute nicht vollständig offen gelegt worden.

Wir fordern von FU-Präsidium, Dekanat und Fachbereichsrat:

1) Den Erhalt der eigenständigen sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek in den Räumen der Ihnestr. 21 und Garystr. 55.

2) Den Erhalt und Ausbau der Buch- und Zeitschriftenbestände, der Leseplätze und der Betreuungsqualität für die Studierenden.

3) Die vollständige Offenlegung der Pläne für die Integration der sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek sowie die Bereitschaft zur ergebnisoffenen Auseinandersetzung darüber.“

Dieser Text wird auf der Gesamt-VV, die ebenfalls am Mittwoch stattfindet, zur Abstimmung gestellt.

Protokolle der dezentralen VVs

April 30, 2008

Wie berichtet, gab es in der Woche zwischen dem 21.04. und 25.04 in den Fachbereichen / Instituten der FU dezentrale VVs als erste Phase des Protestsemesters. Hier nun die Ergebnisse in Form von Protokollen:

Protokolle:

Weiteres Infomaterial:

Am 07.05. wird es dann von 14-16 Uhr eine Gesamt-VV im Hörsaal 1A der Silberlaube geben. Vorher soll noch eine zweite OSI/PuK-VV stattfinden, deren Termin aber noch nicht feststeht bzw. wieder verschoben wurde.

Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal

April 27, 2008

Stellungnahme des stellvertretenden Leiters der Universitätsbibliothek, Jirka Kende, zum Bibliotheksskandal. Die Zitate auf die Herr Kende sich bezieht, wurden mit den entsprechenden FUwatch-Beiträgen verlinkt.

Liebe Blog-LeserInnen,

verzeihen Sie bitte den etwas länglichen Beitrag, aber der Sachverhalt ist zu komplex, um ihn nur mit zwei Sätzen kommentieren.

Der sog. „Bibliotheksskandal“ beruht auf Falsch- bzw. Desinformation, nicht nur durch Weglassen von Informationen, sondern vor allem durch die im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehenden Zahlen. Wer behauptet, dass von den 1.1 Mio. Titeln der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken 500.000 oder 600.000 ausgesondert werden sollten, weiß entweder nicht, wovon er redet, oder sagt bewusst die Unwahrheit. Dass die „…anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib (dies) bestätigten…“, vermag ich nicht zu glauben. Hier wird offensichtlich mit unseriösen Zahlen Stimmung gemacht, aus welchen Beweggründen auch immer.

Tatsache ist, dass im Rahmen der Überlegungen zur Verbesserung der Studiensituation und zur Schaffung von zukunftsfähigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse in einem Szenario die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken in die UB erwogen wurde.

Neben Schaffung von 500 modern ausgestatteten Arbeitsplätzen und Gruppenarbeitsräumen sah das Konzept vor, die neuere sozialwissenschaftliche Literatur in einem großzügig ausgebauten Freihandbereich der UB aufzustellen und durch ausgedehnte Öffnungszeiten entsprechend den Bedürfnissen der Studierenden zugänglich zu machen und so auch im Bereich der Garystrasse die Bedingungen für die Literaturversorgung dauerhaft zu optimieren.

Im Rahmen dieser Überlegungen wurde aufgrund von begründeten Schätzungen ermittelt, dass es rd. 350.000 – 400.000 ältere Titel gibt, die innerhalb der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken und/oder mit dem Bestand der räumlich benachbarten UB dublett sind. Gleichzeitig zeigte sich, dass rd. 40 % dieser zwischen der UB und den sozialwissenschaftlichen Bibliotheken *dubletten* älteren Bestände innerhalb der letzten 10 Jahre weder in der UB noch in den Fachbibliotheken ein einziges Mal genutzt wurden. Deshalb wurde begründet angenommen, dass die Aussonderung von schätzungsweise 140.000 *dubletten* Titeln nicht die geringste Beeinträchtigung der Benutzung zur Folge haben würde.

Die relativ hohe Anzahl der Dubletten war nicht überraschend und ist darauf zurückzuführen, dass die UB seit eh und je einen sozialwissenschaftlichen Sammelschwerpunkt hatte, weshalb sich die Bestände bei einer Integration auch gut ergänzen würden. Und dass die Sozialwissenschaftler schon immer intensiv die UB genutzt haben, zeigt auch die Tatsache, dass von den überhaupt genutzten dubletten Beständen rd. 24 % in beiden Bereichen, rd. 12 % in den sozial-wissenschaftlichen Bibliotheken, aber fast 22 % nur in der UB genutzt wurden.

Beide Bereiche haben in den früheren Jahren sehr viele identische Titel erworben. Das war auch gut so, denn Mehrfachexemplare wurden in diesen Massenfächern natürlich gebraucht, die „1-Buch-Ideologie“ war schon früher und ist auch noch heute noch bei 30.000 Studierenden unsinnig und wurde weder von der UB noch von sonst irgendeinem Bibliothekar an der FU jemals vertreten. Vielgefragte neue Literatur sollte vielmehr sooft wie nötig vorhanden sein, sei es als Einzelexemplare in mehreren Bibliotheken, sei es als Mehrfachexemplare in der Lehrbuchsammlung.

15 – 20 Jahre später stellt sich aber die Frage anders – braucht man heute noch z.B. die „Einführung in die bibliothekarische Datenverarbeitung aus den 70er Jahren in 18 Exemplaren, wie noch heute in den Magazinen der FU-Bibliotheken vorhanden? Damals war es sicher richtig und wichtig – würde aber heute nicht 1 Archivexemplar genügen?

Um es noch einmal klarzustellen: das Szenario sah vor, dass 1. jeder Titel mindestens einmal erhalten bleibt, d.h. die Titelvielfalt um keinen einzigen Titel verringert wird, 2. nur ältere und nicht mehr genutzte *und gleichzeitig mehrfach vorhandene* Titel ausgesondert werden, 3. Klassiker, wichtige fachrelevante Autoren, Nachschlagewerke etc. selbstverständlich von der Aussonderung ausgenommen bleiben und gleichzeitig 4. viel gefragte Titel in Mehrfachexemplaren in der Lehrbuchsammlung der UB bereitgestellt werden (wie z.B. für Jura, wo manche Titel mit bis zu Hundert Exemplaren den Studierenden zur Verfügung stehen).

Die Aussonderung von mehrfach vorhandener, älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur ist keineswegs ein „Bibliotheksskandal“, sondern ein normaler bibliothekarische Vorgang, der nicht nur an der FU, sondern in allen Bibliotheken weltweit laufend geschieht und bei Integration von größeren Beständen natürlich quantitativ vermehrt auftritt. In manchen Bundesländern gibt es sogar verpflichtende Regeln, nach den einzelne Schwerpunktbibliotheken mit verteilten Zuständigkeiten ältere Literatur bestimmter Fächer für die Region archivieren und die der Fächer außerhalb ihrer Zuständigkeit laufend aussondern müssen. Die einzige Alternative ist ein laufender Ausbau von Bibliotheksflächen, der auf Dauer – außer bei den Staats- bzw. Nationalbibliotheken – nicht zu finanzieren ist.

Auch an der FU werden die finanziellen Mittel immer knapper, daher der laufende Konzentrationsprozess im Bibliotheksbereich. Nicht nur im Hinblick auf die Baukosten, sondern vor allem auch im Hinblick auf den laufenden Betrieb können mit dem Ausbau von wenigeren, dafür aber gut ausgestatteten Standorten mit langen Öffnungszeiten starke Synergieeffekte erzielt werden. Dass diese Strategie am ehesten die Gewähr bietet, langfristig auch unter erschwerten Rahmenbedingungen optimale bibliothekarische Dienstleistungen anzubieten, dürfte jedem einleuchten.

Die Leiterin des Bibliotheksbereichs, Frau Zehrer, hat sich mit allen Kräften wie kaum ein anderer Bibliotheksleiter für den Ausbau ihres Bereichs eingesetzt, insbesondere im Rahmen der laufenden Integration von immer weiteren Fachbibliotheken in die beschränkten Räume des Fachbereichs. Die Vorwürfe von Gero Neugebauer gegen sie sind daher gelinde gesagt schäbig, der sog. „Ausraster“ von Herrn Naumann gut nachvollziehbar.

Auch die Behauptungen von Gero Neugebauer, „Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist“, ist blanker Unsinn.

Weder ist Stellenkegel der UB gefährdet noch braucht die UB die Sozialwissenschaften zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung. Die UB ist auch ohne der Sozialwissenschaften mit ihren über 2,5 Mio. Büchern nicht nur die mit Abstand größte Bibliothek der FU und wickelt nach wie vor knapp die Hälfte der konventionellen Benutzung des gesamten Bibliothekssystems ab; ihre Bedeutung liegt darüber hinaus vor allem in der Bereitstellung von elektronischen Medien mit rd. 500 Online-Datenbanken, 16.000 elektronischen Zeitschriften und Tausenden von E-Books und im Angebot zentraler Dienstleistungen, sei es des integrierten Bibliothekssystems Aleph mit Onlinekatalog für alle FU-Bibliotheken, sei es der Digitalen Bibliothek mit dem Volltext-Linkingsystem SFX, dem Dokumentenserver oder der Universitätsbibliographie u.a.m. Ohne die UB ist keine einzige FU-Bibliothek in der Lage, auch nur einen einzigen Tag zu arbeiten und ihre Dienstleistungen anzubieten. Soviel nur zur Bedeutung der UB.

Die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken hätte auch für die UB einen enormen Aufwand bedeutet. Aber im Hinblick auf die Schaffung von zukunftsträchtigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse und im Interesse der hier arbeitenden Studierenden, haben wir uns für das Szenario begeistern können. Es versprach, trotz der ab 2009 absehbar noch engeren finanziellen Rahmenbedingungen auch für die Studierenden an diesem Standort optimale Arbeits- und Benutzungsbedingungen zu schaffen und gute bibliothekarische Dienstleistungen auf Dauer zu erhalten.

Alles in allem hatten die o.g. Überlegungen zum Ziel, im Bereich der Garystrasse ähnliche attraktive Arbeitsbedingungen für die Studierenden zu schaffen, wie sie zurzeit auf dem Obstbaugelände entstehen bzw. bereits entstanden sind.

Dass dies manch einem oder einer aufgrund partikularer Interessen nicht so wichtig erscheint, kann ich noch verstehen. Dass die Studierenden dem Angebot einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nichts abgewinnen können und dies gar als „Bibliotheksskandal“ brandmarken, verstehe ich allerdings nicht.

Aus meiner Studentenzeit weiß ich, dass man manchmal ein Thema braucht, wo man richtig draufhauen kann, um zu zeigen, dass man noch da ist und ein Wörtchen mitreden will. Ich meine aber, dass man sich mit dem sog. Bibliotheksskandal ein falsches Thema ausgesucht hat.

Jirka Kende

Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015

April 24, 2008

Der Kommilitone Stefan berichtet in einem unter anderem im FSI Blog veröffentlichten Bericht über die letzte Sitzung des Kuratoriums am 04.04.08, in der es einmal mehr um die „Bibliotheksfrage“ ging.

In einem Vortrag von Prof. Lehmkuhl (FU-Vizepräsidentin) den diese während der Sitzung hielt, erläuterte sie die „dezentrale Zentralisierung auf mittlerer Ebene“. Ein Konzept das vorsieht, die Anzahl der Bibliotheks-Standorte an der FU stark zu reduzieren und gleichzeitig einige wenige Zentral-Bibliotheken zu schaffen. Von den 142 Bibliotheken über die die FU im Jahr 1985 noch verfügte, werden im Jahre 2015 dadurch nur noch neun (sic!) übrig sein.

Dies allein wäre nicht so dramatisch, würden dabei nicht auch systematisch Bücher aussortiert. Im Fall der PolSoz-Bibliothek sollen laut Prof. Lehmkuhl von insgesamt 320.000 vorhandenen Dubletten 130.000 aussortiert werden. Was deutlich weniger wären als bisherige Zahlen vermuten ließen – sofern nicht noch weitere hinzukommen. Selbst diese 130.000 wären aber sicherlich ein klarer Verlust.

Doch es ging ja im Fall der PolSoz-Bib nicht nur um das Aussortieren der Bücher, sondern auch um die Auflösung und Integrierung der Bib in die UB. Nach den Plänen des Präsidiums soll die PolSoz-Bib bis 2012 noch an ihrem derzeitigen Standort bleiben, bis 2015 soll sie dann in die bis dahin ausgebaute Universitätsbibliothek (UB) integriert werden. Zwischen Henry-Fordbau, Ihnestr. 22 und Rotem Cafe soll zudem ein komplett neues Gebäude entstehen, in das dann der Freihandbestand inklusive Lesesaal für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften kommt.

Kritik an den bis dato nicht vorhandenen bzw. erst nachgereichten Informationen über das Projekt konterte Frau Lehmkuhl mit dem Hinweis, dass das Präsidium dem Dekanat des FB PolSoz schon im November vorgeschlagen habe, eine gemeinsame Informationsveranstaltung zu den Plänen des Präsidiums zu machen, was aber vom Dekanat offenbar nicht gewollt war.

Stefan stellt zurecht fest: „Inwiefern eine solche Darstellung angesichts eines ansonsten scheinbar allmächtigen Präsidiums plausibel erscheint, kann man sicher in Frage stellen. Die Rolle des Dekanats des FB Pol.soz. im gesamten ‚Bibliotheksskandal‘ kriegt aber mit Sicherheit momentan noch viel zu wenig Beachtung“.

Unklar ist nach wie vor, ob das Aussortieren von Büchern schon begonnen hat. Offiziell wird dies anscheinend verneint, andererseits wird von Bib-MitarbeiterInnen berichtet, dass bereits Bücher ausgesondert wurden – wenn auch nicht viele.

Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung

April 23, 2008

Gestern fand wie angekündigt die OSI/PuK-Vollversammlung statt. Der Hörsaal A des OEI war gut besetzt, wenn auch nicht überfüllt. Schätzungsweise zwischen 80 und 90 Studierende waren anwesend, wobei es eine sehr starke Fluktuation gab. Diese Zahl ist zwar nicht bahnbrechend, es waren jedoch mehr gekommen, als ich vermutet hatte.

Der „neue SDS“ hatte sich vor dem Eingang groß aufgebaut und bewarb mit Flyern und einer Zeitung massiv seinen „1968 Kongress“ der Anfang Mai in Berlin stattfindet. Eine Vollversammlung für solche „parteilichen“ Werbezwecke zu nutzen hinterlässt immer einen faden Geschmack, ist aber bei VVs nun mal gang und gäbe (irgendwelche Flyer von irgendwelchen Gruppierungen kriegt man immer in die Hand).

Anwesend waren neben den Studierenden auch drei MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek, die ausführlich über die drohende Zwangsintegrierung in die UB berichteten. Der Bibliotheksskandal wurde dann auch das zentrale Thema der VV.

Exkurs: Der Bibliotheksskandal

Der so genannte Bibliotheksskandal oder auch Bibliotheksstreit wurde bereits im letzten Semester ausführlich diskutiert.

Im Wesentlichen geht dabei um Pläne des Präsidiums die neue PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) aufzulösen und in die Universitätsbibliothek (UB) zu integrieren, was bedeuten würde, dass der Fachbereich erstens keine eigene Fachbibliothek mehr hätte und zweitens mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Dieses Vorhaben erfährt Unterstützung durch das Dekanat des FBs, treibende Kräfte sind hier insbesondere Prof. Dr. Barbara Riedmüller (Dekanin) und Detlef „Don“ Brose (Verwaltungsleiter), sowie durch die Leitung der PolSoz-Bibliothek in Person von Sabine Zehrer. Im letzten Semester stellten sich auch Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl, Vizepräsidentin der FU, und Prof. Dr. Ulrich Naumann, leitender Direktor der Universitätsbibliothek, als zentrale Akteure heraus, die diese Fusion aktiv vorantreiben möchten.

Demgegenüber steht ein Großteil der Belegschaft der PolSoz-Bibliothek, die strikt gegen eine Aussonderung von Büchern und gegen eine Integrierung der Fachbibliothek in die UB ist. Ebenfalls ablehnend stehen dem Plan etliche Mitglieder des OSI-Institutsrats (IR) und des Fachbereichsrats (FBR) gegenüber, die von diesem Vorhaben offenbar nicht offiziell bzw. erst sehr spät erfahren haben.

Als zentraler Sprecher der Kritiker stellte sich ferner Dr. Gero Neugebauer heraus (siehe dazu den legendären Schlagabtausch mit Prof. Naumann hier und hier), Mitarbeiter am Otto-Stammer-Zentrum (OSZ), welches unmittelbar von der räumlichen Expansion der UB betroffen wäre (die sich zwangsläufig aus der Bib-Fusion ergeben würde). Und natürlich die Studierenden, die auch kein Interesse daran haben können, so viele Bücher zu verlieren.

Die Entscheidung trifft der FBR, dieser soll sich an die Empfehlung einer extra zu diesem Zweck gegründeten „Bibliothekskommission“ halten, in der nach Intervention durch die Studierenden auch eben jene vertreten sind (je ein Kommilitone / eine Kommilitonin aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Publizistik und ich glaube auch dem OEI).

Zum gegenwärtigen Stand im Bibliotheksskandal

Die anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib bestätigten noch einmal, dass der Gesamtbestand von zur Zeit etwa 1,1 Millionen Büchern um 500.000 oder 600.000 reduziert werden soll, was dann in der Tat einer Halbierung des Bestands entsprechen würde.

Die anvisierte „Ein-Buch-Politik“ sei fatal, da etwa ein Buch das heute noch je einmal in der UB und in der PolSoz-Bib vorhanden sei, dann eben nur insgesamt einmal zur Verfügung stehen würde. Auch Bücher danach auszusortieren, dass sie schon lange nicht mehr ausgeliehen wurden, sei kein vernünftiges Kriterium, da auch alte Themen ein Comeback erleben können (Beispiel „Contergan“). Insgesamt sein die Kriterien nach denen die Bücher dann aussortiert würden, aber bis heute ohnehin nicht wirklich ganz klar.

Die Kommission habe bisher nur ein einziges Mal getagt, dort sein nur zwei Studierende anwesend gewesen, was die Bib-MitarbeiterInnen bemängelten, da sie sich hier mehr Unterstützung durch die Studierenden wünschten. Das nächste Mal tagt die Kommission am 07.05., also just am Tag der Gesamt-VV. Es wurde den MitarbeiterInnen versichert, dass die Präsenz von Studierenden in dieser Sitzung der Kommission erheblich höher sein wird.

Doch die Auseinandersetzung tobt nicht nur auf der offiziellen Seite, das Dekanat versucht parallel die Kritiker der Bib-Fusion vor vollendete Tatsachen zu stellen. So berichteten die Bib-MitarbeiterInnen z.B., dass der Verwaltungsleiter Detlef Brose einfach die Schlösser eines Kellerraums austauschen ließ, als die PolSoz-Bibliothek dort aus Kapazitätsmangel bzw. Restrukturierung des Magazins Bücher zwischengelagert hatte. Anschließend konnte dann keinE Bib-MitarbeiterIn mehr an die Bücher heran.

Das Vorhaben extra MitarbeiterInnen für den Prozess des Aussortierens einzustellen scheiterte vorerst am Personalrat, der die entsprechenden Stellenausschreibungen cancelte. Ohne dieses Personal haben die Befürworter der Fusion allerdings schlicht weg keine Möglichkeit, das Aussondern der Bücher zu starten. Dennoch sein bereits Bücher weggeschafft worden, dies sein aber nicht viele gewesen.

Ingesamt fühlen sich die MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek durch Herrn Brose und andere Befürworter durch die „Räume gedrängt“. Mit allen Mitteln werde versucht, die Fusion durchzusetzen und Räume in der Ihne21 freizuschaffen. Das Endziel, da waren sich die anwesenden Bib-MitarbeiterInnen sicher, sei es eine Ihne21 ohne jegliche Bibliothek zu schaffen.

Nicht ganz klar wurde die Rolle des Sonderforschungsbereich (SFB) Governance und Prof. Dr. Thomas Risse als dessen „Ziehvater“. Angeblich hat der Versuch auf biegen und brechen Räume in der Ihne21 freizustellen (und die Bibliothek plattzumachen) auch etwas mit dem SFB zu tun, da dieser noch Räumlichkeiten benötigt.

Insgesamt würden Herr Brose und andere Befürworter der Fusion nicht die Notwendigkeit einer FB-Bibliothek für den Lehr- und Forschungsbetrieb erkennen, sondern sie nur als unnötigen Kostenfaktor sehen.

Was tun im Bibliotheksskandal?

Diskutiert wurde dann auf der VV natürlich auch, was man tun könnte, um die Integrierung der PolSoz-Bib in die UB zu verhindern. Konsens war zunächst natürlich, dass die Studierenden mehr Präsenz in den Gremien, besonders aber natürlich in der Bibliothekskommission zeigen müssten. Dabei sollte man nicht nur passiv anwesend sein, sondern auch mit Nachdruck versuchen die eigenen Positionen deutlich zu machen.

Es wurde weiter vorgeschlagen, alle alten und ewig nicht mehr ausgeliehenen Bücher auszuleihen, um das Argument vom Tisch zu kriegen, diese würden nicht mehr gebraucht und sein veraltet.

Ein weitergehender Vorschlag war dann, grundsätzlich alle ausgeliehenen Bücher nicht mehr wiederzugeben und einfach einzubehalten, denn dann könnte erst einmal nichts aussortiert werden. Problem war hier, dass die Bib-MitarbeiterInnen die automatisierten Mahnverfahren nicht unterbinden können, die rebellierenden Studierenden also in jedem Fall mit Mahnverfahren zu rechnen hätten, wenn sie die Bücher einfach einbehalten.

Da die Bib-MitarbeiterInnen die Bibliothek aus arbeitsrechtlichen Gründen angeblich nicht selbst bestreiken bzw. besetzen können, sollten dies vielleicht die Studierenden im Form eines Warnstreiks tun, war ein weiterer Vorschlag aus dem Plenum. Durch eine vorübergehende Schließung der Bibliothek könnte man vielleicht noch stärker auf das Problem aufmerksam machen.

Wichtig sei auch noch mehr Studierende auf den Bibliotheksskandal aufmerksam zu machen, Unterschriftenlisten rumgehen zu belassen, um zu untermauern, dass nicht nur die anwesenden 80 oder 90 Studis ein Problem mit der Bücher- und Bibliotheksaussonderung haben.

Auch die Medien sollen verstärkt auf den Missstand aufmerksam gemacht werden (obgleich diese schon im letzten Semester teilweise ausführlich über den Skandal berichtet haben, was keinem der Anwesenden präsent zu sein schien; soll heißen, sie werden nicht berichten, wenn es nichts wirklich essentiell neues in der Sache gibt).

Anwesenheitslisten

Auch wenn der Bibliotheksskandal klar das dominierende Thema war, wurden auch einige andere Probleme angesprochen, darunter auch das Problem mit den Anwesenheitslisten. Kontrovers diskutiert wurde hier, ob die Dozierenden nun wirklich verpflichtet sein, diese Listen zu führen oder ob ihnen dies freigestellt ist und sie selbst entscheiden könnten, wie sie die regelmäßige Anwesenheit feststellen. Unklar war, an welcher Stelle das genau festgelegt wird, es wurden mehrere Quellen genannt.

Während die einen das Problem in den Dozierenden sahen, die Listen führten, obwohl sie das keineswegs zwangsläufig müssten, argumentierten die anderen, das eigentlich Problem sein die Studienordnungen, die festlegten, dass die Anwesenheit – wie auch immer – zu kontrollieren sei bzw. bestimmte Fehlzeiten nicht zu überschreiten sein.

Lesenswert ist zum Thema sicherlich der „kleine Leitfaden für Anwesenheitslisten“, den die FSI OSI unlängst veröffentlichte.

Ökonomie am OSI

Kurz angesprochen wurde auch das Problem „Ökonomie“ am OSI, also dass der Bereich Politische Ökonomie so von Prof. Bolle dominiert wird, dass das was Prof. Lütz macht auch nicht viel besser sei (siehe auch: „Susanne Lütz am OSI“), es somit keine brauchbaren Alternativen in dem Bereich gäbe.

Hier wurde vorgeschlagen, dass man verstärkt versuchen sollte, studentische LVs anzubieten, die dann auch ins Vorlesungsverzeichnis aufgenommen werden sollten, also eine offizielle Alternative darstellen könnten. Dass das mitunter äußerst schwierig ist und die Verantwortlichen solchen selbstverwalteten Seminaren sehr skeptisch gegenüber stehen, wurde leider nicht weiter thematisiert.

Campus Management

In einem einzelnen Wortbeitrag wurde kurz angemerkt, dass man auch das Campus Management hinterfragen und kritisieren müsste. Das wurde jedoch nicht weiter spezifiziert.

Das Präsidium dehnt seinen Einfluss aus

In einem längeren Beitrag führte der Kommilitone Fabian aus, wie das Präsidium versucht seine Kompetenzen systematisch auszubauen und auch auf Entscheidungsprozesse Einfluss zu nehmen, die eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fallen.

Am Beispiel des Bibliotheksskandal könne man gut erkennen, wie das Präsidium hinter dem Rücken der eigentlich zuständigen Gremien versucht hätte, seine Vorstellungen durchzusetzen. Es habe keine offiziellen Infos über die geplante Bücheraussonderung gegeben, dies sei erst aufgeflogen, als MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib es nach Außen getragen hätten.

Ein weiteres Beispiel sein die so genannten Zielvereinbarungen, die zwischen den Fachbereichen und dem Präsidium getroffen werden und die die fachliche Ausrichtung der FBs festsetzen (welche Mittel für was). Auch hier sei erkennbar, dass das Präsidium zunehmend versuche die FBs in seinem Sinne zu steuern, die Fachbereiche also stark an Autonomie einbüßen würden und dezentrale Strukturen durch einen immer stärker werdenden Zentralismus ersetzt würden.

Fabian betonte die Notwendigkeit der Studierenden in die Gremien zu gehen, um diese Prozesse viel stärker als bisher zu dokumentieren und sich dann ggf. eben auch offensiv einzubringen.

Kritik an Dozierenden in FBR und IR

Kritisiert wurde der Umstand, dass Dozierende im Fachbereichsrat oder den Institutsräten zwar öfter auch gegen einige Initiativen des Präsidiums sein, ihre Position dann jedoch nicht nachdrücklich genug durchzusetzen versuchten, sozusagen immer nur „Widerstand mit halber Kraft“ leisten würden. Zu wünschen wäre, dass die Dozierenden hier in Zukunft energischer einschreiten würden.

Kritisiert wurde der IR des OSI aber z.B. auch dafür, dass er das ihm zur Verfügung stehende „Kontingent“ an Lehraufträgen angeblich nicht einmal ausschöpfen würde. Man also theoretisch durchaus mehr Lehraufträge erteilen könnte.

PuK Master

Das einzige angesprochene reine „PuK-Thema“ betraf den neuen Master der in einer Rekordzeit von 4 bis 6 Wochen aus dem Boden gestampft wurde – nachdem das Präsidium Druck gemacht hatte, die Publizistik möge doch endlich einen MA anbieten.

Obwohl auch Studierende an dem Ausarbeitungsprozess beteiligt waren, wurden ihre Positionen wenig bis gar nicht berücksichtigt. Bemängelt wurde auf der VV insbesondere, dass der neue Studiengang kaum Wahlmöglichkeiten biete.

Abschluss

Auch wenn betont wurde, dass eine solche dezentrale VV im Gegensatz zu einer Gesamt-VV keine „offizielle“ Veranstaltung ist, war es doch Konsens, dass es eine Pressemitteilung und ein Ergebnis im Namen einer „OSI/PuK-VV“ geben sollte. Zu einer Abstimmung über Beschlüsse oder Forderungen kam es indes nicht.

In der kommenden Woche soll es erneut eine dezentrale OSI/PuK-VV geben, auf der dann – so die Hoffnung – noch mehr Personen da sind, und man unter Umständen auch Forderungen / Beschlüsse zur Abstimmungen stellen will.

Fazit

Wozu genau es nächste Woche eine weitere OSI/PuK-VV geben soll, ist mir persönlich nicht ganz klar geworden. Die eigentliche jetzt noch anstehende Arbeit eignet sich eher für AGs. Eine Beschlussfassung hätte man auch bereits gestern bei einem stringenteren Ablauf gewährleisten können (es gibt offenbar auch schon so etwas wie ein Papier, das deshalb als angenommen gilt, weil es keinen Widerspruch zu ihm gab (???)). Statt mehr Studierende werden meiner Einschätzung nach nächste Woche eher weniger kommen, aber gut, wir werden sehen.

Denkbar wäre aber natürlich, dass dann nächste Woche auch andere Themen genauer diskutiert werden, denn gestern drehte sich bis auf wenige Ausnahmen alles um Anwesenheitslisten und den Bibliotheksskandal. Ohne Frage ist besonders letzter Punkt ein gravierender, dennoch gibt es sicherlich auch noch weitere Probleme, die man zum Gegenstand des Protestsemesters machen sollte.

Es kann natürlich auch sein, dass bestimmte „globale“ Probleme wie etwa die Auswirkungen der misslungenen Bologna Reform dann eher auf der Gesamt-VV thematisiert werden.

Ansonsten hat diese VV was die Informationen und die mögliche Lösungsansätze angeht ehrlich gesagt auch nicht so viel neues gebracht. Der „Frontverlauf“ im Bibliotheksskandal war bereits vorher sattsam bekannt, hinzugekommen sind nur ein paar häßliche Details (Schlösser werden ausgewechselt, etc.). Auch die Ideen für Gegenstrategien brachten nichts generell neues.

Zeitung zum Aktionstag

Januar 31, 2008

Im Forum des Aktionstages ist am Montag eine so genannte „Inhaltszeitung“ erschienen, die erstmals etwas näher konkretisiert, wogegen genau sich der heute stattfindende Aktionstag eigentlich richtet.

Thematisiert werden hauptsächlich die misslungene Reform der Studiengänge an der FU im Sinne des Bologna Prozesses und was für Folgen sich daraus ergeben, die Exzellenzinitiative („Warum eigentlich braucht unsere Gesellschaft so dringend Eliten, die eine derartige Selektion beim Zugang zur Wissens- und Machtproduktion notwendig machen? Warum brauchen Deutschland und die Welt unbedingt elitäre/exzellente ‚Innovationsstandorte‘, die eine derartige Zurechtstutzung der Universitätsstruktur rechtfertigen?“), der systematische Abbau von Fächern an der FU und der Skandal um die PolSoz Bibliothek.

Einerseits lässt sich nicht bestreiten, dass die beschriebenen Vorgänge stattfinden und alle Studierenden an der FU betreffen, andererseits wirkt das Ganze trotzdem zumindest streckenweisse immer noch recht abstrakt, es fehlt nach wie vor die Konzentration auf „zentrale Aufreger“ an denen man ganz punktuell und knapp festmachen kann, warum der Widerstand gegen die FU-Administration so nötig ist. Im Warnstreik 2005 war neben den BA-Problemen z.B. das Chaos um das Campus Management ein solcher zentraler Treibsatz, der die Leute auf die Barikaden getrieben hat.

Insofern ist es richtig, dass der Bibliotheksskandal, der „Studierbarkeitsbericht“ und das große Fächerschließen Erwähnung finden, jedoch werden andere zentrale Skandale die sich in diesem Semester ereignet haben, wie etwa die Scharenberg-Affäre oder die Story um Lenzens „Freiheitsdenkmal“ nicht eingebracht, obgleich sie natürlich auch exemplarisch dafür stehen, wie die FU unter Lenzen transformiert oder besser deformiert wurde.

Vermutlich lassen sich mit der Feststellung, dass auf einmal 300.000 Bücher ausgesondert werden sollen, weil für die angeblich kein Platz mehr ist, mehr Leute mobilisieren, als mit einer etwas tiefer gehenden Analyse der negativen Aspekte der Exzellenzinitiative.

Natürlich reicht es nicht diese Skandal-Fallbeispiele chronologisch aneinanderzureihen, man wird schon noch die Linie aufzeigen müssen, in der diese gemeinsam stehen; so wie es in der Inhaltszeitung ja auch versucht wird. Doch wäre es aber zu Mobilisierungszwecken trotzdem besser gewesen, sich stärker auf die Vollständigkeit der Skandal-Liste zu konzentrieren, um zu unterstreichen, wie die Skandale zunehmen.

Zumindest auf den Flyern hätte man jedenfalls auch einfach nur die verschiedenen Skandale kurz auflisten können, damit jeder weiß, worum es konkret geht und dass diese Skandale in ihrer Summe immer unerträglicher werden.

Ob die Mobilisierungsstrategie wirklich die richtige war, wird sich heute herausstellen.

FBR legt sich nicht fest, Bibliotheksstreit geht munter weiter

Januar 24, 2008

Auch in der gestrigen Sitzung des Fachbereichsrat (FBR) konnte der Bibliotheksstreit nicht beigelegt werden. Nach wie vor geht es um die Frage, ob die neue Gesamt-Bib (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) des FB PolSoz ausgebaut wird (bzw. in ein neu zu errichtendes Gebäude zieht, denn der Platz reicht einfach nicht) oder ob die gesamte PolSoz-Bib in die Universitätsbibliothek (UB) integriert wird, was zur Folge hätte, dass der Fachbereich keine eigene Fachbibliothek mehr hätte – und mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Zum ersten Mal war mit der FU-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl eine Vetreterin des Präsidiums anwesend. Diese konnte jedoch auch nicht sagen, wie viele Bücher nun genau bei einer Aufnahme der PolSoz-Bib in die UB ausgesondert werden würden. Wie die FSI OSI in einem ausführlichen Bericht über die Sitzung darstellt, findet der „UB-Plan“ des Präsidiums offenbar zumindest in den Führungsebenen Zustimmung:

„Letztere Lösung wird vom Präsidium, der OSI- und UB-Leitung und zumindest von Teilen des Instituts- und Fachbereichsrats favorisiert. Die Gründe dafür ergeben sich ganz einfach aus den üblichen ‚Sachzwängen‘. Vor allem die chronisch knappen Kassen der Hochschulen und anstehende MÖGLICHE (nicht beschlossene) weitere Kürzungen im Jahr 2009 wurden als Begründung für die nötige ‚Bestandsbereinigung‘ (Fr. Lehmkuhl) angeführt.“ („Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung“, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Dennoch sei die Entscheidung keineswegs schon endgültig getroffen, wie Frau Lehmkuhl betonte. Denn ausschlaggebend ist für eine solche Entscheidung laut Berliner Hochschulgesetz nur der Fachbereich, was das Präsidium sicherlich auch im Hinterkopf hat. Frau Lehmkuhl kündigte daher die Einrichtung eines „Runden Tisches“ an, an welchem der Sachverhalt zwischen Präsidium und dem Dekanat des Fachbereichs verhandelt werden soll. Studierende und Bib-Angestellte sind an diesem Tisch also nicht vertreten, was unter den anwesenden Studierenden für starken Unmut sorgte. Im FSIs Blog kann man nachlesen:

„Zu offenem Unmut seitens der Studierenden führte dann ihre Vorstellung von der Zusammensetzung des ‚Runden Tisches‘ Erst nach mehrmaligem ausdrücklichen Nachfragen seitens der Studierenden wurde Frau Lehmkuhl deutlich: Studierende werden nicht an diesem ‚Runden Tisch‘ sitzen, sondern seien ja indirekt durch das Dekanat des FB PolSoz vertreten. Vorher hatte sie schon bemerkt, dass sie die Position der Studierenden ja gut kenne, da sie selbst auch mal studiert hätte.

Diese Entwicklung ist nur ein weiteres Beispiel für die Ausschließung studentischer Interessen an der Freien Universität Berlin! Im Präsidium wird anscheinend die Auffassung vertreten, man wüsste schon, was für die Studierenden gut sei.“ („Update zur Schließung der Fachbibliotheken“, FSIs Blog, 23.01.08)

Am Ende konnte dann aber zumindest erreicht werden, dass Studierende zukünftig in die bereits bestehende Bibliothekskommission aufgenommen werden:

„Der FBR beschloss letztendlich, die bestehende Bibliothekskommission um die noch nicht vertretenen Statusgruppen, d.h. vor allem Studierende, zu erweitern, und mit dieser erweiterten Bibliothekskommission die Entwicklungen und Planungen am FB PolSoz im Auge zu behalten. Der FBR soll nur auf Grundlage der Empfehlungen dieser Kommission eine Entscheidung über die Bibliotheksstruktur treffen, und – last but not least – der Fachbereich soll sich diese Entscheidung auch nicht aus der Hand nehmen lassen.“ („Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung“, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Fraglich ist, dass diese Kommission überhaupt Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann, wenn der eigentliche „Deal“ doch im Hinterzimmer („Runder Tisch“) zwischen Präsidium und einer / einem VertreterIn des Dekanats ausgehandelt wird. Der FBR soll sich offiziell an die Empfehlung der Kommission halten, ob die Entscheidungsprozesse aber nicht inoffiziell ganz anders ablaufen, wird sich zeigen.

Was aus den Berichten leider nicht hervorgeht ist, wie eigentlich das Kräfteverhältnis im FBR zwischen der Pro-UB-Plan-Fraktion und der Kontra-UB-Plan-Fraktion ist. Aber vermutlich ist das auch noch nicht klar erkennbar.

Denn wenn die Dekanin Prof. Riedmüller als Befürworterin des UB-Plans in der Minderheit ist, ständen die Chancen diese Sache noch aufhalten zu können wohl deutlich besser, als wenn sie die Position der Mehrheit in diesem Gremium vertritt.

Institutsrat lehnt Bibliothekenzusammenlegung ab

Januar 17, 2008

Der Institutsrat (IR) des OSIs hat sich in seiner gestrigen Sitzung gegen eine Integrierung der PolSoz-Bibs in die UB ausgesprochen, wie die FSI OSI vermeldet:

„Die eingeladenen UB-Vertreter Naumann und Kende konnten keine fachlichen Vorteile für eine Zusammenlegung vorbringen, ihre Argumente bezogen sich lediglich auf die üblichen Sachzwanglogiken (zu wenig Geld für den Unterhalt mehrer Bib-Standorte; notwendige Personaleinsparungen etc.)“ („I-Rat vorerst gegen Bibliothekenzusammenlegung“, FSI OSI Blog, 16.01.08)

Ausführlicher berichtet die Kommilitonin Therese Anders im LHG-Blog über die Sitzung und macht hier vor allem deutlich, dass es nach wie vor massive Kritik und ungeklärte Fragen gibt:

„Doch die Liste der momentanen Unklarheiten und Beanstandungspunkte ist bedeutend länger als die der Vorteile. Große Kritik formierte sich über die Informationsflüsse (die in diesem Fall wohl eher sehr gewundene, teilweise auch ausgetrocknete Flussbette sind) rund um das Umstrukturierungsvorhaben. Die Anwesenden machten sich nicht ganz zu Unrecht Sorgen, dass die Pläne des Präsidiums bereits beschlossene Sache seien. Aus mehreren Quellen wurde jedoch berichtet, es habe noch keinen offiziellen Beschluss über die Umbau- und Eingliederungspläne gegeben. („Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI“, LHG Blog, 16.01.08)

Ausschlaggebend ist allerdings ohnehin nur das Votum des Fachbereichsrats (FBR), der erst nächsten Mittwoch, den 23.01., um 9:00 Uhr im Hörsaal B der Ihnestraße 21 tagt. Auch hier sollten sich dann wieder so viele Studierende wie möglich einfinden, denn einige FBR-Mitglieder sind dem Vorhaben von UB und Präsidium offenbar keineswegs ablehnend gegenüber eingestellt.

In einem unter den FSIs am FB verbreiteten studentischen Schreiben wird hier namentlich die Dekanin Prof. Dr. Barbara Riedmüller genannt, die sich in der vergangenen Sitzung bereits positiv zu den Plänen von UB und Präsidium geäußert haben soll. Ob dies so stimmt wird sich nächsten Mittwoch herausstellen, weil sich hier vermutlich herauskristallisieren wird, wer wo steht. Auch VertreterInnen des Präsidiums werden auf dieser Sitzung wohl präsent sein, um ihr Konzept vorzustellen. Es lohnt sich also sicherlich auch für Studis, dort zu erscheinen.

Das Lenzens Front unter Umständen längst eingebrochen ist, macht der Kommilitone Stefan Kesselhut in einem Artikel für die Online-Ausgabe der ZEIT deutlich:

„Angeblich bezeichnet Präsident Lenzen das Vorhaben inzwischen nur noch als ‚Denkmodell‘, will angesichts der vielen Proteste bei Studenten und Belegschaft möglicherweise auf eine schnelle, unpopuläre Entscheidung verzichten. Bleibt der Bücherbestand der politik- und sozialwissenschaftlichen Bibliotheken damit erhalten? Das ist ungewiss.“ („Das Verschwinden der Bücher“, ZEIT Online, 15.01.08)

Zurecht formuliert er das hier vorsichtig, denn es ist alles andere als sicher, dass sich das Präsidium „innerlich“ wirklich längst dazu entschlossen hat auf die Bremse zu treten, was dieses Vorhaben angeht. Wie gut die Chancen von Präsidium und UB tatsächlich stehen ihre „Vision“ durchzudrücken, wird sich dann vermutlich erst am 23.01. in der besagten FBR-Sitzung abzeichnen.

Naumann vs. Neugebauer – Teil 2

Januar 16, 2008

Wie gestern berichtet, eskalierte der Bibliotheksstreit zu einem Schlagabtausch zwischen Prof. Dr. Ulrich Naumann von der Universitätsbibliothek (UB) und Dr. Gero Neugebauer (OSI/OSZ).

Prof. Naumann echauffierte sich in einer Antwort dass es ihm „schwer falle, das Schreiben von Herrn Dr. Neugebauer nicht unmittelbar einem Anwalt zu überstellen mit der Bitte, hier die Interessen der dort unsachlich angegriffenen Mitglieder der Freien Universität Berlin in einer zivilrechtlichen Klage wahrzunehmen“. Weiterhin war von „ehrabschneiderischen Unterstellungen“ die Rede.

Die Beurteilung der Situation war jedoch schwierig, da FUwatch nicht der Ausgangs-Brief von Dr. Neugebauer vorlag, über den Prof. Naumann sich so aufgeregt hatte. Inzwischen haben InformantInnen FUwatch jedoch mit dem besagten Brief versorgt, den Neugebauer an „die Mitglieder des Fachbereichsrats des FB Politik- und Sozialwissenschaften nachrichtlich den Mitgliedern des Institutsrats des OSI zur Kenntnis“ übermittelt hatte.

Besonders im einleitenden Teil des Briefs langt Neugebauer ordentlich hin. Er attackiert eine bestimmte Führungsperson in der neuen Gesamt-PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik), weil diese – so wird offenbar FB-intern kolportiert – schon länger von den Plänen der UB und des Präsidiums zur Abwicklung der PolSoz-Fachbibliothek gewusst haben soll, aber das OSI bzw. den FB darüber nicht in Kenntnis gesetzt hatte. Neugebauer: „Wenn das so stimmen sollte, dann könnte das als ein bemerkenswertes Zeichen von Illoyalität gegenüber dem Institut bzw. dem Fachbereich gewertet werden“.

Dieses „Zeichen von Illoyalität“ ist allerdings nicht nur ein „gefühltes“, Neugebauer verweist ellenlang auf das Berliner Hochschulgesetz, wann, wo, welches Gremimum zu informieren ist und zu entscheiden hat. Am Schluss des Absatzes ätzt er: „Diese Vorschrift ist auch nicht durch die Erprobungsregeln aufgehoben worden. Sie wird aber offensichtlich durch die Verschärfung des Dahlemer Landrechts wieder belebt [Fußnote: Die Verschärfung gegenüber der tradierten Form besteht darin, dass seitens des Präsidialamtes kein Konsens mehr mit allen Hochschullehrern gesucht wird]“.

Im letzten Satz des Absatzes zieht er dann noch mal voll durch: „Eine Beteiligung an einem möglicherweise regelwidrigen Vorgang durch einen Beamten, dessen Tätigkeitsbereich eine Einrichtung des Fachbereichs ist, will ich nicht weiter kommentieren“.

Insgesamt ist der Brief aber trotz allem nicht so krass, wie man ihn sich nach der Lektüre des Ausrasters von Naumann in dessen Replik vorgestellt hat. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die FUwatch vorliegende Version des Neugebauer-Briefs unter Umständen nur eine abgewandelte Version ist. Die Datei datiert nämlich auf den 15.01. (sowohl im Text als auch bei der Datei-Erstellung), was dann ganz einfach chronologisch nicht hinkommen kann. Denn die Antwort von Naumann datiert auf den 11.01., weshalb Naumann auf ein älteres Schreiben von Neugebauer Bezug nehmen muss.

Jedoch bezieht sich Naumann z.B. auf einen „Punkt B2“ bei Neugebauer und dieser Punkt findet sich in Neugebauers Brief auch wieder. Vermutlich hat Neugebauer also seinen Brief nachdatiert, als er ihn an ein größeres Publikum erneut gesendet hat oder z.B. für eine Datei in ein neues Layout gegossen hat. Es ist dennoch nicht 100% klar, ob dies nicht eine entschärfte Version der ersten Ausgabe ist.

Von dieser einleitenden Attacke abgesehen schreibt Neugebauer aber sachlich und schneidet dabei argumentativ deutlich besser ab als Naumann, dessen Ausführungen etwas dünn bleiben. Neugebauer benennt dabei auch die eigentliche Motivation der UB: „Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist“.

Neugebauer führt weiter aus, dass der FB dann die Kontrolle darüber verlieren würde, welche Bücher angeschafft würden: „Zum Anderen bringt die Integration in die UB keinen Nutzen für den Fachbereich mit sich. Er entzieht ihm Mittel und, was weitaus wichtiger ist, vor allem die Möglichkeit, durch den Erhalt und Ausbau der Bibliotheken das Forschungsprofil der WEen des FB nach den Bedürfnissen und Interessen der dort Lehrenden und Forschenden bestimmen zu können.“ Ein Punkt, den Naumann in seiner Antwort entschieden von sich weist. Er interpretiert Neugebauers Argumentation so, dass Neugebauer der UB den Willen und die Fähigkeit absprechen wolle, „zukünftig auch als Literaturversorger eines Fachbereichs und seiner Wissenschaftler arbeiten zu können“.

Neugebauer verweist weiterhin allgemein auf die Probleme die für die Studierenden durch die Aussonderung der Bücher entstehen (wenn jedes Buch nur noch einmal da ist), und weiterhin „dass gestohlene oder wegen ihres schlechten Zustands zum Austausch vorzusehende Bücher nicht durch Dubletten aus dem Bestand ersetzt werden können, sondern neu bestellt oder kopiert werden müssten“.

Neugebauer schließt: „Es wäre, last but not least, ein Witz, würde beispielsweise das größte politikwissenschaftliche Institut im deutschsprachigen Raum nicht mehr über eine eigene Bibliothek verfügen. Diese Bibliothek ist in allen Ranking-Verfahren ein Argument für die positive Platzierung des OSI gewesen (…)“.

Wohl wahr, doch hat das Präsidium eigentlich wirklich ein Interesse daran, dass das OSI in „Ranking-Verfahren“ weit oben auftaucht? Ein Institut, dessen Studierende und (wenn auch abnehmend) Dozierende sich vor allen anderen immer mal wieder quer legen, was Lenzens hochschulpolitische „Visionen“ angeht?

Es wird sichtbar, dass es hier nur vordergründig um einen Konflikt um begrenzte, finanzielle Ressourcen geht. Eigentlich geht es um Machtpolitik. Zuerst werden die verschiedenen Bibliotheken des Fachbereichs zusammengelegt, dann sollen sie ihm auf einmal ganz entzogen werden und FB-extern in der UB untergebracht werden. Nebenbei werden einfach mal ein paar Hunderttausend Bücher entsorgt, weil es für die im prestigeträchtigen Umbau keinen Platz mehr gibt.

Es ist doch offensichtlich, dass dies nur ein weiterer Schritt hin zu mehr Zentralisierung an der FU ist. Lenzen versucht dem FB PolSoz die eigene Fachbibliothek zu entziehen, weil dies letztendlich einen Verlust von Autonomie für den FB bedeutet und ihn innerhalb der FU schwächt. Lenzen kann kein Interesse an einem FB haben, der nicht zu 100% auf der Linie des Präsidiums liegt. Und bekommt er den FB nicht sofort auf Linie, nimmt er ihn eben langsam Stück für Stück auseinander. Solange, bis seine Bereiche so stark entmachtet und zusammengekürzt sind, dass sie nur noch auf Linie liegen können (und „auf Linie“ meint die vollständig durchökonomisierte Blender-Uni mit einer nicht mehr hinterfragten absoluten Top-Down-Führung).

Gelingt es nicht Lenzens Zentralisierungswahn geschlossen entgegenzutreten, wird man am Ende des Tages am OSI für jede einzelne Rolle Klopapier einen Beschaffungsantrag beim Präsidium einreichen müssen.

Naumann vs. Neugebauer – Der Bibliotheksstreit eskaliert

Januar 15, 2008

Über studentische Mailing Listen wird zur Zeit eine Email von Prof. Dr. Ulrich Naumann, dem leitenden Direktor der Universitätsbibliothek, verbreitet. Prof. Naumann richtet seine Worte an die Institutsrats-Mitglieder des OSI und antwortet dabei gleichzeitig auf einen Brief von Dr. Gero Neugebauer. Dieser Brief von Dr. Neugebauer liegt FUwatch leider (noch) nicht vor, doch aus der Antwort von Prof. Naumann lässt sich schließen, dass Dr. Neugebauer ziemlich deutlich geworden sein muss.

Denn Prof. Naumann schreibt in seiner Antwort unter anderem es „falle schwer, das Schreiben von Herrn Dr. Neugebauer nicht unmittelbar einem Anwalt zu überstellen mit der Bitte, hier die Interessen der dort unsachlich angegriffenen Mitglieder der Freien Universität Berlin in einer zivilrechtlichen Klage wahrzunehmen“. Weiterhin ist von „ehrabschneiderischen Unterstellungen“ die Rede.

Naumann wirft Neugebauer vor, sein Brief solle „gezielt Stimmung gegen eine Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken machen, indem die Unfähigkeit und auch der nicht vorhandene Wille der UB unterstellt wird, zukünftig auch als Literaturversorger eines Fachbereichs und seiner Wissenschaftler arbeiten zu können“.

In dem Streit geht es wie berichtet im Kern darum, dass die Bibliotheken des OSI, der Soziologie, Ethnologie und der Publizistik in die Universitätsbibliothek integriert werden sollen, dabei aber rund 400.000 Bücher ausgesondert werden, die den Studierenden dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Am morgigen Mittwoch (16.01.) findet um 8:30 Uhr im Hörsaal B in der Ihnestr. 21 eine Sitzung des Institutsrats statt, in der genau dieser Sachverhalt diskutiert werden soll.

Die Wirtschaftswissenschaftler hatten eine solche „Zwangsintegration“ ihrer Bibliothek in die UB zuvor offenbar noch abwehren können. Ob sich der PolSoz-Fachbereichsrat ähnlich entschieden gegen das Vorhaben das Präsidiums und der UB erwehren kann, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie sich das OSI positioniert. Da es im IR auch präsidiums-loyale Mitglieder gibt, ist es umso wichtiger, dass morgen in der Sitzung auch Studierende Präsenz zeigen und klar machen, was sie von dieser Idee halten.

Ob es während der Sitzung auch zum direkten Showdown zwischen Naumann und Neugebauer kommen wird ist noch nicht ganz klar, die UB wird aber in jedem Fall einen Vertreter schicken, der dann die Position der UB deutlich machen wird. Es wird also mit Sicherheit eine kontroverse Diskussion geben.

Protestbrief an Vizepräsidentin wegen Bibliotheksskandal

Januar 11, 2008

Die FSI OSI hat im Dezember letzten Jahres in ihrem Blog einen Protestbrief an die FU-Vizepräsidentin Lehmkuhl wegen des Bibliotheksskandals (siehe „Der Bücher-Bestand im FB PolSoz soll bis 2020 halbiert werden“) veröffentlicht, mit der Aufforderung an die Studierenden, diesen oder einen ähnlichen ebenfalls an die Vizepräsidentin zu senden.

Dass sich Prof. Lehmkuhl oder irgend ein anderes Präsidiumsmitglied von einem solchen Protestbrief beeindrucken lässt, ist natürlich äußerst unwahrscheinlich. Lesenswert ist der Brief trotzdem, zeigt er doch die Absurditäten rund um diesen Skandal auf. Ein Auszug:

„Nur: was nützt mir eine tolle Internet-Multimedia-Arbeitsstation, wenn ich meine Literatur nicht kriege? Was nutzen mir verlängerte Öffnungszeiten, wenn die letzte U-Bahn nach Dahlem um Mitternacht fährt? Sollen die StudentInnen in der neuen Bibliothek übernachten? Wie kann es ausserdem sein, dass eine für FÜNFZEHN MILLIONEN Euro frisch ausgebaute Bibliothek, die die Literatur eines ganzen Fachbereichs beherbergen soll, für eben diese Literatur nicht genügend Platz hat? Aber vielleicht würde ein zu großes Magazin ja das Design stören, dem nächsten Stararchitekten an der FU unnötig Freiheiten bei der Gestaltung nehmen oder schlicht und einfach später zu viel Geld kosten – das musste ja schließlich schon für den Bau ausgegeben werden.

Das Präsidium begründet die Maßnahme unter anderem damit, dass in der OSI-Bibliothek zu wenig Platz sei. Wissen Sie auch wieso? Mit Sicherheit! Es handelt sich schließlich um ein vom Präsidium hausgemachtes Problem, nämlich die Umwidmung der Gebäude des Ethnologischen Instituts zu einer Privat-Uni in einer Public-Private-Partnership mit dem Klett-Verlag. Noch eine Maßnahme, über die die Betroffenen erst informiert wurden, als die Entscheidung bereits gefällt war. Nicht zuletzt durch die Aufnahme der Bücher aus der Ethnologischen Bibliothek herrscht jetzt Platznot am OSI. Ein durch autokratische Maßnahmen selbst geschaffenes Problem soll also durch eine weitere autokratische Maßnahme behoben, beziehungsweise, objektiv betrachtet, noch weiter verschärft werden.

Ein Vorschlag zum Schluss: das Präsidium wendet sich wieder der ursprünglichen Planung zu, die eine Sanierung der UB für sechs Millionen und eine Vergrößerung und Sanierung der OSI-Bibliothek für weitere sechs Millionen Euro vorsah. Das spart noch dazu drei Millionen Euro, die beispielsweise für die schon lange ausstehende Berufung einer Professur ‚Politische Ideengeschichte‘ ausgegeben werden könnten. Oder für neue Bücher. Oder dafür, das gesamte Präsidium in den Ruhezustand zu schicken.“ („Brief an Vizepräsidentin Lehmkuhl“, FSI OSI Blog, 20.12.07)