Archive for Januar 2006

Institutstags-Ergebnisse (Preview)

Januar 27, 2006

Nach wie vor gibt es noch kein offizielles Papier, welches die Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen am OSI-Institutstag zusammenfasst, dieses wird vermutlich erst am 01.02.06 vorliegen. Aus dem letzten Sitzungs-Protokoll der Institutstags-Nachbereitungsgruppe (ehem. Vorbereitungsgruppe) vom 19.01. geht allerdings in etwa hervor, was angedacht wurde und in Zukunft umgesetzt werden soll. Hier die wichtigsten Punkte.

Schwarzes Brett

Die Arbeit der einzelnen Gruppen soll auf einem schwarzen Brett im OSI-Foyer vorgestellt werden, so dass jedeR OSIanerIn sich bei Interesse einbringen kann. Die Finanzierung des Bretts wird durch das Dekanat gewährleistet. Für die inhaltliche Gestaltung ist zunächst die AG OSI Zeitung verantwortlich. Auch die OSI Website soll verbessert werden (womit vermutlich nicht das neue Design gemeint ist) und mehr Informationen bereitstellen (?).

Schriftliche Dokumentation der Ergebnisse

Die Ergebnisse des Institutstags sollen auch schriftlich dokumentiert werden und dann im Internet, auf dem schwarzen Brett und in der ersten Ausgabe der OSI-Zeitung veröffentlicht werden. Die Zusammenfassung und Struktur der Dokumentation wird auf der kommenden Sitzung der Nachbereitungsgruppe vorgestellt (Mittwoch, 01.02.06, 16.00 Uhr, Ihne21, HS A).

Überarbeitung der Studienordnung

Zur Überarbeitung der Studienordnung soll eine Kommission eingesetzt werden, die aus vier Dozierenden und vier Studierenden besteht. Der Institutsrat hat dies bereits abgesegnet, die neue Studienordnung wird jedoch selbst wenn sie schnell ausgearbeitet wird frühestens 2008 in Kraft treten können (siehe dazu Florians Eintrag im LHG OSI Blog).

Am Dienstag (24.01.) gab es ein „Nominierungstreffen“ auf welchem die studentischen Vertreter für die Kommission bestimmt werden sollten. Ronny berichtet, dass man zu dem Ergebnis kam, dass die Nominierten das Spektrum der OSI-StudentInnen möglichst gut repräsentieren sollen (Jung-/Alt-StudentInnen, m/w, etc.). Am Ende gab es eine Liste mit acht Namen, von denen dann vier in die Kommission gehen werden.

Die Kommission hat sich gestern Abend (26.01.) zum ersten Mal getroffen, über die Ergebnisse liegen mir noch keine Informationen vor. Diese und alle kommenden Sitzungen sind öffentlich, es ist ausdrücklich erwünscht, dass sich neben den acht offiziellen Mitgliedern auch noch andere Lehrende und Studierende einbringen.

Sollte die neue Studienordnung am Ende tatsächlich die Mitwirkung von Studierenden erkennen lassen, wäre dies ein bedeutender Schritt. Vielleicht würde dann zum ersten Mal eine Studienordnung in Kraft treten, die auch wirklich im Sinne der StudentInnen ist.

Mentorenprogramm für Studienanfänger

Für Studienanfänger soll es zukünftig ein Mentorenprogramm geben. Wie Ronny berichtet, soll einE MentorIn jeweils 3 bis 5 Studierende betreuen (so habe ich es zumindest verstanden, nur 3-5 insgesamt wären etwas wenig). Konkret soll der Mentor seinem Schützling bei der Studienplanung helfen, eine Orientierung im Studienfach geben und bei der wissenschaftlichen Arbeit helfen.

Die MentorInnen treffen sich regelmässig untereinander, mit ihren Schützlingen und mit lehrenden AnsprechpartnerInnen, die für Fragen zur Verfügung stehen. An Freiwilligen die sich als MentorIn zur Verfügung stellen wollen, scheint es keinen Mangel zu geben. Außerdem soll diesen ihr Engagement mit einem Praktikums- oder fachübergreifenden-Schein vergütet werden.

Vertrauensteam

Ein Vertrauensteam, bestehend aus je zwei Studierenden und Dozierenden, soll in Konfliktfällen neutral und aus der Distanz vermitteln und als Ansprechtpartner für Studierende dienen. Auch zu den oben beschriebenen MentorInnen soll das Team Kontakt pflegen. Die studentischen VertreterInnen im Team sollen von allen Studierenden gewählt werden. Bis es soweit ist, soll eine Übergangslösung gefunden werden.

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21 Millionen für überbezahlte Profs

Januar 23, 2006

Sollte es die FU am Ende tatsächlich schaffen sich in der Exzellenzinitiative durchzusetzen, winken ihr rund 21 Millionen Euro pro Jahr (für einen Zeitraum von fünf Jahren). Setzt man diese Summe in Relation zu den 291 Millionen Euro die die FU jährlich vom Land Berlin bekommt, wirkt sie wie ein Tropfen auf den heißen Stein, selbst wenn FU-Präsident Lenzen betont, für eine deutsche Uni sein die 21 Millionen viel Geld (siehe: Tagesspiegel, 22.01.06). Auch das ganze Trara in der Öffentlichkeit wegen des Wettbewerbs wirkt bei solchen Summen überzogen.

Die zentrale Frage lautet, was käme bei den Studierenden von diesen 21 Millionen Euro an? Im osiwelt-Blog ist man da ziemlich skeptisch. Die Befürchtung: Die Gelder kämen nur der Forschung zugute, nicht der Lehre. Nun könnte man natürlich einwenden, dass letztlich auch die Studierenden von einer Stärkung der Forschung profitieren bzw. dass ein Mehr an Forschung über kurz oder lang auch zu einer Verbesserung der Lehre führt. Unmittelbar fördern Forschungsgelder aber zunächst immer die Reputation des Dozierenden der sie für sein berufliches Vorankommen einsetzt – wenn überhaupt profitiert die Lehre davon nur langfristig und indirekt. Die Skepsis ist also berechtigt.

Aber warum spekulieren, wohin genau das Geld fließen wird? FU-Präsident Lenzen macht klar, was seiner Meinung nach mit den 21 Millionen passieren sollte:

„Zusätzliche Millionen sind da ein Segen, zumal der Präsident sie gezielt für einzelne Vorhaben einsetzen könnte. Die FU will ihre internationalen Kontakte ausbauen, heißt es in ihrem Antrag für den Elite-Status, in dem die Unis erklären müssen, wie sie ihre Spitzenstellung ausbauen wollen. Die FU könnte mit dem Geld Außenstellen und Talent-Scouts bezahlen, um systematisch ausländische Spitzenkräfte anzuwerben. ‚Dazu kommt: Wer internationale Spitzenkräfte engagieren will, muss sie sehr viel besser bezahlen als jetzt‘, sagt Lenzen.“ (Tagesspiegel, 22.01.06)

Also Talent-Scouts bezahlen, die dann überbezahlte Professoren anwerben. „Sehr viel besser bezahlen als jetzt“? Reicht C4 bzw. W3 zuzüglich diverser Nebeneinnahmen (Publikationen, etc.) wirklich nicht aus? Braucht man wirklich überteuertes Personal aus Übersee um die Qualität von Forschung und Lehre zu heben? Ist der Prof aus Harvard (bzw. der, der nach Harvard abzuwanden droht) wirklich um so viel Klassen besser als der aus Buxtehude? Und falls ja, ist das wirklich die Lösung für eine Uni wie die FU, die, wider Willen, trotz allem immer noch eine Massenuni ist? Statt einen überbezahlten Prof könnte man auch fünf „normalbezahlte“ einstellen – und/oder Bücher anschaffen, Räumlichkeiten ausbauen, Laptops bereitstellen. Aber offenbar nicht in Lenzens Welt.

Update 24.01.06: Ergänzend und als Antwort auf HobbesVsBoyle:

Grundlage der Argumentation war ja der Widerspruch zwischen dem Anspruch Elite zu sein und der Tatsache, dass die FU auf absehbare Zeit auch mit „Elitenbonus“ eine Massenuni bleiben wird.

Sog. „Spitzenkräfte“ (oder das, was Lenzen dafür hält) würden durch ihre weitaus höheren Gehaltsforderungen Mittel binden. 5:1 ist vielleicht übertrieben, aber 2:1 oder 3:1 kommt bestimmt hin. Bei der Masse an Studenten sollte man dann also für dasselbe Geld lieber gleich 2 oder 3 Lehrkräfte einstellen, die nicht über dieselbe Reputation wie die „Spitzenkraft“ verfügen, dafür aber die Anzahl von Studierenden pro Professor deutlicher drücken können. Was nützt mir die überteuerte „Spitzenkraft“, wenn dann immer noch zu viele Leute im Seminar sitzen, weil es an einer ausreichenden Anzahl von Lehrenden mangelt?

Es gibt ja durchaus auch sehr fähige Profs, die nicht diese immensen finanziellen Ansprüche haben, wie Lenzen sie hier beschreibt. Grottian teilt sich schon seit längerem seine Stelle mit einem anderen Professor und kassiert dann eben nur die Hälfte dessen, was ein C4-Prof normalerweise einsackt. Trotzdem mindert diese finanzielle Einbuße sein Engagement für die Studierenden und die Uni offenbar nicht. Irgendwo ist es halt auch eine Frage der Einstellung.

Und ob die „Spitzenkraft“ allein durch ihr internationales Renommee und ihren Einfluß wirklich so viel mehr Drittmittel organisieren könnte, da bin ich wirklich skeptisch. Selbst wenn, bliebe noch die Frage, wo diese Mittel am Ende tatsächlich hängen bleiben.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob ein besonders teurer Prof mit hoher Reputation wirklich ideal für die Lehre ist. Die meisten, die sich einen überdurchschnittlich guten Ruf erarbeitet haben, haben sich in ihrer Karriere stark auf die Forschung konzentriert. Die Lehre ist da doch oft nur ein lästiges Beiwerk. Ein weiterer Grund eher den „normalbezahlten“ Prof zu wählen, für den ein Engagement in der Lehre vielleicht eher vor dem eigenen akademischen Vorankommen steht (also lieber „Überzeugungstäter“ statt „Spitzenkraft“).

Illuminaten ohne Durchblick

Januar 22, 2006

Das hat gesessen: Die zu den Favoriten gezählte Humboldt-Uni flog schon in der Vorrunde aus dem „Wettbewerb Exzellenzinitiative“ raus, während die beiden Außenseiter FU-Berlin und Uni-Bremen es unter die letzten 10 schafften – ausgerechnet zwei ehedem rote Hochburgen, zumindest ihrem alten Dünkel nach „anti-elitär“.

Totgesagte leben länger, wobei hier wohl eher von „Totgeschriebenen“ die Rede sein muss, bedenkt man, welchen Unis im Vorfeld die Chancenlosigkeit bescheinigt wurde. Mit Hilfe einer hübschen Grafik der Illuminate Consulting Group (ICG) verdeutlichte etwa der Tagesspiegel, dass neben einer guten Positionierung durch wissenschaftliche Qualität die politische Unterstützung für die Universität genauso wichtig ist. Laut ICG-Prognose war die FU daher ohne Chance unter die Top10 zu kommen, da ihr angeblich der politische Rückhalt fehlte:

„Entscheidend für den Ausgang des Wettbewerbs von Bund und Ländern, in dem die Vorentscheidung am 20. Januar fällt, ist aus Sicht von ICG-Geschäftsführer Daniel J. Guhr nicht so sehr die Qualität einer Bewerbung, sondern die Unterstützung durch Politiker: ‚Die Politik wird sich hinter bestimmte Hochschulen stellen‘, sagte Guhr dem Tagesspiegel im Interview. Davon profitiere in Berlin allein die Humboldt-Universität (HU), hinter die sich der Bund stellen werde. Ansonsten sei das rot-rot regierte Berlin politisch isoliert. Deshalb werde die Freie Universität Berlin (FU) nicht unter den Siegern sein, obwohl sie ‚zu den besten zehn Unis in Deutschland‘ gehöre. Die FU stehe dann ‚am Anfang ihres Endes‘: Der Berliner Senat werde fortan allein auf die HU setzen und der FU ’noch mehr Geld‘ abziehen, ‚was einen Spiralprozess nach unten in Gang bringen wird‘, sagte Guhr.“ (Tagesspiegel, 09.01.06)

Während fünf der von der ICG ins Abseits gestellten Unis den Sprung in die nächste Runde geschafft haben (Freiburg, FU Berlin, Bremen, Tübingen und Würzburg), waren fünf von ihr zu Favoriten erklärten nicht dabei (Bonn, Darmstadt, Dresden, Göttingen, HU Berlin). Was eine ziemlich miese Quote ist, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Sicherheit Guhr und sein Team den vermeintlichen Ausgang postulierten.

Natürlich könnte die ICG doch noch recht behalten, wenn Freiburg, FU Berlin, Bremen, Tübingen und Würzburg in der nächsten Runde rausfliegen. Als Sieger ständen unter dieser Konstellation dann LMU München, TU München, Heidelberg, Aaachen und Karlsruhe fest (erst im Herbst werden die vier oder fünf Siegerhochschulen feststehen). Selbst dann hätten allerdings drei der ICG-Top7, Bonn, Darmstadt und HU Berlin den Sprung nicht geschafft.

Die vorliegenden „Analysen“ in den Medien, warum es Nicht-Favoriten wie Bremen geschafft haben (Forschungsleistungen, Drittmittelerfolge) und Favoriten wie die HU nicht (mangelhafte Qualität des Bewerbungsantrags, ungünstiger Zeitpunkt für den Wechsel der Führung) scheinen mir immer noch recht schwach. Die viel interessantere Frage, warum Unternehmen wie die „Illuminate Consulting Group“ trotz ihres selbsterklärten Expertenstatus‘ so einen Nonsense über das „Politische Standing“ von Universitäten produzieren und dieser dann von einem renommierten Blatt wie dem Tagesspiegel unreflektiert breitgetreten wird, wird gar nicht erst gestellt.

Denn auffällig ist natürlich, dass dieselbe „Illuminate Consulting Group“ die HU bei ihrem Antrag beraten hatte. Wenn die Group nun im Vorfeld aus einer vermeintlich neutralen Position meint festzustellen, dass die HU die Nase weit vorn hat, während die FU ohne Chance ist, wirft das natürlich ein düsteres Licht. So hat die HU sich dann auch lieber gleich deutlich distanziert:

„Sie [die HU] muss sich auch gegen den Bärendienst verwahren, den die Illuminate Consulting Group (ICG) aus San Diego ihr selbst erwiesen hat. Denn drei Monate vor dem Amtsantritt Markschies‘ hatte sich die HU noch (wie andere Hochschulen auch) von jener Firma beraten lassen. Dabei ging es darum, wie man Anträge zum Exzellenz-Wettbewerb stellt. Nun zieht diese Beraterfirma politische Schlussfolgerungen, die auf den ersten Blick ganz im Interesse der Humboldt-Universität zu liegen scheinen. Aber völlig nach hinten losgehen.“ (Berliner Zeitung, 10.01.06)

Spind Squatting

Januar 18, 2006

Im neuen LHG OSI Blog berichtet Ronny, wie ihm sein Portemonnaie aus seinem im Bibliotheks-Foyer aufgehängten Mantel gestohlen wurde. Offenbar in letzter Zeit kein Einzelfall, wie ein mahnend aufgehängter Hinweis verdeutlicht. Seine KommilitonInnen zu bestehlen ist zweifellos ein asoziales Verhaltensmuster, es ist jedoch nur eines von diversen Indizien, die daraufhin deuten, dass das Klima unter den Studierenden zunehmend rauer wird und das Studium zum Egotrip mutiert.

Denn wer z.B. versucht vor dem Gang in die Bibliothek sein Zeug in einem der Schließfächer unterzurbingen, braucht schon viel Glück um ein freies zu erwischen. Ursächlich dafür ist der Deffekt diverser Schließfächer, aber eben auch die Unsitte vieler KommilitonInnen, so ein Schließfach (Spind) für einen ganzen Tag in Beschlag zu nehmen.

Das ist schon interessant zu sehen, wie ständig Leute kommen und ihr Fach aufschließen, dann aber nur etwas herausnehmen oder hineinlegen, um anschließend in Richtung Cafeteria oder Lehrveranstaltung zu verschwinden. Diese Schließfächer sind der Bibliothek vorgelagert, weil man Rucksäcke und Jacken dort nicht mit hineinnehmen darf. In Lehrveranstaltungen kann man sein Zeug dagegen mitnehmen, nur ist es vielen offenbar einfach zu lästig ihre Sachen (Bücher, Laptop, etc.) den ganzen Tag mit sich herumzuschleppen, also belegen sie für die Dauer ihres Aufenthalts am Institut einen Spind und blockieren ihn damit für andere, die nur kurz in die Bibliothek wollen.

Vielleicht sollte man neben dem Schild das vor Diebstählen warnt noch ein zweites aufhängen, das daran erinnert, dass die Benutzung der Schließfächer primär solchen Studierenden vorbehalten sein sollte, die dann auch tatsächlich in die Bibliothek gehen.

Forderung nach Anwesenheitslisten

Ein anderes Beispiel ist die Anwesenheitspflicht. Allgemein sprechen sich Studierende gegen Anwesenheitslisten aus. Es gibt jedoch auch Konstellationen, in denen diese von den Studierende gefordert werden – aus Unmut über abwesende KommilitonInnen.

So geschehen in meinem Projektkurs, in welchem der Dozent die TeilnehmerInnen darüber abstimmen ließ, ob es Anwesenheitslisten geben soll oder nicht. Denn angeblich zeichnete sich ab, dass einige TeilnehmerInnen nur für die erste Hälfte des Doppelblocks bleiben und dann die Pause nutzen, sich zu verdünnisieren, weil sie dann noch eine parallel laufende Veranstaltung mitnehmen wollen.

Eine Ungerechtigkeit gegenüber jenen Studierenden, die ihren Stundenplan regelkonform aufstellen und über die volle Zeitdauer des Doppelblocks anwesend bleiben. So zumindest die Sichtweise der Mehrheit der TeilnehmerInnen im Kurs, die sich daher für die Einführung einer Anwesenheitsliste aussprachen, um eine solche „Übervorteilung“ durch ihre trickreichen KommilitonInnen zu unterbinden.

Dass es dann dennoch keine Anwesenheitslisten gab, ist allein der Einsicht des Dozenten zu verdanken, der das Votum ignorierte (obgleich er die Abstimmung selbst angeregt hatte) und keine Liste einführte. Beeindruckend war es aber dennoch zu sehen, wie schnell Studierende aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus die Solidarität mit KommilitonInnen aufkündigen, die vermeintlich oder tatsächlich das Reglement auszutricksen versuchen.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht überraschen, dass nicht einfach mehr Anwesenheitsliste verschwinden, während sie ihre Runde durch den Raum machen. Denn das wäre sicherlich die effizienteste Methode, dem Theater mit den Anwesenheitsliste ein Ende zu bereiten. Solange man aber davon ausgehen muss, dass einen mindestens fünf KommilitonInnen dabei beobachten, wie man die Liste einsteckt und man nie sicher sein kann, ob einen nicht doch jemand aus Empörung dafür offen oder anonym denunziert, wird die Bereitschaft für solche Aktionen gering bleiben.

Stattdessen braucht es dann erst maskierte „Listenclowns“, die die Veranstaltung sprengen, um die Liste zu entwenden (so geschehen Ende letzten Jahres in diversen Lehrveranstaltungen). Um die Verbreitung von Anwesenheitslisten nachhaltig zu unterbinden, reicht das freilich nicht aus.

Institutstag – Ein kurzer Rückblick

Januar 17, 2006

[Update siehe unten]

Ergebnislos habe ich heute on- und offline nach Resultaten des Institutstags Ausschau gehalten. Eine Woche danach findet sich bisher nur eine Sammlung von Fotos, die hauptsächlich Studierende in Diskussionsrunden und krakelige Wallpapers zeigen. Offenbar scheint das noch etwas zu dauern, mit der schriftlichen Ausarbeitung (ich würd ja mithelfen, aber solange nicht mal Entwürfe über die Mailing Listen verteilt werden, ist das schwer).

Stattdessen musste ich mich dann mit Hochglanzlektüren wie „High Potential“ durch eine akademische Pause schlagen. Magazine die so schleimig und oberflächlich sind, dass sie einem ständig durch die Finger zu gleiten scheinen. Dass solche Karriere-Planer-Borschüren („Vordiplom mit 18“, „Bewerbungstipps“, „Schöner arbeiten bei der Lufthansa„, „Welches Giro-Konto ist für Studierende das richtige?“ usw.) bei Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Hertieanern auf Interesse stoßen, kann ich mir noch halbwegs vorstellen – aber bei OSIanern? Vermutlich längst Realität, allerdings beruhigt die Tatsache, dass gerade diese Magazine achtlos liegengelassen werden, interessantere und substanziellere Sachen sind dagegen schnell vergriffen. Jetzt wo es so kalt draußen ist, könnte man doch für die Raucher eine alte Öl-Tonne vor dem OSI aufstellen, bei einem wärmenden Feuer würde man dann all diesen nutzlosen Schund verheizen, an Nachschub scheint ja zumindest kein Mangel zu herrschen.

Zurück zum Institutstag. Es gab sehr viele, interessante, anregende Diskussionen. Trotzdem bleibt das mulmige Gefühl zurück, dass auch hier mal wieder viel geredet wurde, ohne dass es am Ende eine nennenswerte Verbesserung des Status quo geben wird. Sicherlich ist es noch zu früh das zu beurteilen, trotzdem riecht es schon jetzt nach einem Luft-Guitarren-Solo.

Ich war mal wieder zu spät (auch dies eine Erscheinung, die in der komplett durchmodularisierten Folgegeneration zunehmend ausstirbt) und musste feststellen, dass die AG Campus Management wegen mangelndem Interesse überhaupt nicht zu stande gekommen war. Was die durch mich und andere vertretene Position, dass dieses Thema immer noch breite Kreise der FU-Studentenschaft umtreibt, natürlich stark unterminiert.

Also landete ich in der AG Studienordnungen deren TeilnehmerInnen sich in einer „gruppentherapeutischen“ Sitzordnung (sprich: im Kreis) versammelt hatten – der ultimative Abturner für jeden latent Soziophoben, den solche affektierten Versuche eine etwas vertrautere, heimelige, vermeintlich gesprächsoffenere Atmosphäre zu schaffen natürlich gruseln müssen. Sei’s drum, eine etwas nerdfreundlichere Umgebung zu schaffen, kann schwerlich die Intention einer sozialwissenschaftlich geprägten Diskussionsrunde sein.

Inhaltlich war die Diskussion durchaus sehr interessant, es wurden zentrale Probleme der neuen Studienordnungen thematisiert, wobei ich manchmal den Verdacht hatte, die Probleme liegen noch tiefer. Denn die beschriebene Verschärfung der Studiensituation hat auch etwas damit zu tun, dass viele von Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft zerfressende StudentInnen in vorauseilendem Gehorsam versuchen, diesen Studienordnungen mehr als gerecht zu werden.

Prof. Risse sprach von einem Missverständnis, wenn Erstis versuchen, ihre übrigstehenden Soll-SWS mit irgendwelchen Bonus-Veranstaltungen aufzufüllen (anstatt mit der Vor- und Nachbereitung der Soll-Veranstaltungen – die dann natürlich auch noch zusätzlich geleistet wird). Es wurde dann jedoch schnell deutlich, dass viele Erstis sich offenbar von DozentenInnen zappelig quatschen lassen, die die Notwendigkeit von möglichst vielen Praktika, Fremdsprachenkenntnissen, etc. überbetonen („Wenn Sie nicht mindestens drei Sprachen sprechen, haben Sie gar keine Chance“, bla). Das ist nicht neu, neu ist nur, dass Erstis das offenbar zunehmend ernstnehmen und sich dann z.B. mit diversen Zusatzveranstaltungen wie Sprachkursen zuschütten, welche aufaddiert das zu schaffende Pensum schlicht weg sprengen.

Mein Vorschlag wäre den Erstis zukünftig z.B. einfach Lafargues „Das Recht auf Faulheit“ ohne etwas Ähnliches in die Hand zu drücken, einfach um ihren übereifrigen Drang ein wohl funktionierendes Rädchen werden zu wollen zumindest ein wenig bremsen zu können.

Update 19.01.06:

Meine Unkenrufen waren wohl doch etwas verfrüht, offenbar hat der Institutstag tatsächlich ganz konkrete Entwicklungen angestoßen. Florian berichtet im LHG OSI Blog, dass der IR beschlossen hat, dass eine neue Studienordnung ausgearbeitet werden soll und vermutlich im April 2007 in Kraft treten wird. Die beauftragte Kommission zur Ausarbeitung soll paritätisch mit jeweils vier Dozierenden und Studierenden besetzt werden, was ein wirklich nennenswerter Fortschritt wäre – unterstellt, dass die Studienordnung am Ende dann auch tatsächlich eine studentische Mitwirkung erkennen lässt.

Institutstag

Januar 5, 2006

Am kommenden Mittwoch, den 11.01.06, findet am OSI ein Institutstag statt. In Arbeitsgruppen und Workshops wird über die gegenwärtige und zukünftige Struktur des OSIs diskutiert. Was ist die aktuelle Situation? Wo bestehen Probleme? Wie können diese gelöst werden? Was kann man verbessern? Wie stellen sich Studierende und Lehrende die Zukunft des Instituts vor?

Der Institutstag wurde vor dem Hintergrund zahlreicher problematischer Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit angesetzt. Dies betrifft die Einführung der neuen modularisierten Studiengänge mit ihren verschärften Studienordnungen, die drohende Abschaffung des Diploms, die Beschäftigunssituation für Lehrende und studentische Hilfskräfte, das Campus Management, die Ausgestaltung der Lehre usw.

Informationen über Organisation und Inhalt des Institutstages finden sich im OSI-Wiki:
http://wiki.spline.de/twiki/bin/view/OSIWiki/InstitutsTag

Das Programm kann hier eingesehen werden:
http://wiki.spline.de/twiki/bin/view/OSIWiki/Programm

Die Organisation wurde über eine Yahoogroup koordiniert, auf der man auch Nachfragen stellen kann:
http://de.groups.yahoo.com/group/osi-institutstag/

Ferner gibt es noch einen Blog, der aber etwas verwaist erscheint:
http://institutstag.blogspot.com/

Alle OSI-Studierende, die sich für die Zukunft des Instituts interessieren und die mit den aktuellen Entwicklungen unzufrieden sind, sollten versuchen sich in eine der Arbeitsgruppen einzubringen um an konkreten Verbesserungsvorschlägen mitzuarbeiten und an Plänen für die zukünftige Ausgestaltung des Instituts mitzuwirken.