Archive for Oktober 2008

Center for Global Politics wegen Stellenangeboten in der Kritik

Oktober 31, 2008

Das von Prof. Segbers geleitete „Center for Global Politics“ der FU Berlin ist auf der „Mailing-Liste der IB-Nachwuchsgruppe der Sektion Internationale Beziehungen der DVPW“ wegen fragwürdiger Stellenangebote in die Kritik geraten.

In einer Email vom 28.10. wird ein Praktikumsplatz an der FU beworben, bei der eine 35 h Woche mt 200 Euro im Monat vergütet werden soll (bei mindestens 3 Monaten). Dafür muss der/die PraktikantIn dann die Studierendenbetreuung unterstützen, Websites, Blackboardeinträge und Datenbanken betreuen, Lehrmaterial zusammenstellen, Veranstaltungen organisieren und „laufende PR- und Marketingaufgaben“ unterstützen.

De facto wird hier also eine Stelle als studentische Hilfskraft (bei mehrfacher Stundenzahl) als Praktikumsplatz ausgeschrieben, für ein Entgelt, das wirklich nur noch ein Witz ist. Ein Mitglied der Mailing Liste kommentiert diesen Vorgang mit den Worten: „Warum sollte man auch nicht für die Hälfte des Gehalts die vierfache Stundenzahl verlangen können? Unglaublich, daß die FU sich traut, solche Angebote öffentlich auszuschreiben“. Ein weiteres Mitglied spricht von einer „großen Unverschämtheit“, die allerdings leider „im öffentlichen Bereich mittlerweile Gang und Gäbe sei“.

Angeblich war dies nicht das erste Mal, dass das Center for Global Politics mit fragwürdigen Stellenangeboten negativ auf dieser Liste aufgefallen ist. Ein Beobachter der Szenerie schreibt FUwatch von „u.a. Werkverträgen für längerfristige Repräsentantenstellen in Moskau, die faktisch eigentlich reguläre Vollzeitstellen sind“.

Studierende antworten auf Immafeier-Sicherheitswahn mit Alternativveranstaltung

Oktober 30, 2008

Es gibt – mal wieder – Zoff um die Immatrikulationsfeier. Anlass sind diesmal die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, die damit begründet werden, dass der Gastredner kein geringerer als Bundespräsident Horst Köhler ist.

Obwohl sich die Immatrikulationsfeier natürlich schon immer primär an die Erstsemester gerichtet hat, schafften es bisher auch immer noch Studierende die bereits länger dabei sind in die Veranstaltung. Dies soll in diesem Semester jedoch ausgeschlossen werden.

Wesentlich schwerwiegender ist allerdings eine weitere Einschränkung: Teilnahmewillige Erstis müssen ihre Personalien im Vorfeld vom Bundespräsidialamt überprüfen lassen. Zu diesen persönlichen Angaben gehören auch die Emailadressen und die privaten Telefonnummern der Geladenen. Wozu diese das Bundespräsidialamt braucht ist ebenso unklar, wie die Antwort auf die Frage, was mit den eingesammelten Daten nach der Veranstaltung passiert. Wo und wie lange werden sie gespeichert?

Nicht nur viele Studierende finden diesen Sicherheitswahn übertrieben, auch die Datenschutzbeauftragte der FU, Frau Pahlen-Brandt, sieht laut AStA in diesem Vorgehen „mehrere rechtlich bedenkliche Fehler, die noch geprüft werden müssen“ („Vielfältige Proteste und Horst Köhler werden erwartet“, AStA FU, 15.10.08). Der AStA fasst zusammen:

„Die Immatrikulationsfeier war seit Jahrzehnten eine öffentliche Veranstaltung an der alle Studierenden teilnehmen konnten. Ab diesem Jahr wird sie zu einer geschlossenen Feier, an der nur geladene Gäste nach eingehender Überprüfung teilnehmen dürfen. Somit wird hier ein öffentlicher Raum durch einen autoritären Akt der Zensur vernichtet.“ („Vielfältige Proteste und Horst Köhler werden erwartet“, AStA FU, 15.10.08)

Dem AStA (und nicht nur dem) drängt sich der Verdacht auf, diese neuen Maßnahmen könnten auch damit etwas zu tun haben, dass die Immafeiern in der Vergangenheit immer wieder durch einige Studierende „gestört“ wurden, die der aalglatten Selbstbeweihräucherung der FU etwas entgegensetzen wollten. So war es im letzten Jahr der inzwischen legendäre „Dieter Lenzen Fanclub“ (DLFC) der die Feier sprengte und dafür sorgte, dass Lenzen entnervt den Henry Ford Bau verließ (siehe „Lenzen Fans sprengen Immatrikulationsfeier“).

Dass diese massiven Sicherheitsmaßnahmen ihren Ursprung in Wahrheit im FU-Präsidium hatten, scheint indes etwas weit hergeholt. Vermutlich hat die FU durch das Bundespräsidialamt Sicherheits-Auflagen erhalten, die als Bedingung für einen Auftritt Köhlers gelten. Um das zu verifizieren müsste man sich ansehen, ob es ein solches Trara wirklich überall gibt, wo Köhler einen Auftritt vor einem etwas größeren Publikum hat.

Die ausdrückliche Beschränkung auf Erstsemester kann dagegen wirklich nur so erklärt werden, dass man von Studierenden höheren Semesters eher – ungefährliche aber als despektierlich betrachtete – „Störaktionen“ erwartet. Die Vorstellung, dass selbst der Bundespräsident an der FU nicht zu Wort kommen könnte, da es zu viele Zwischenrufe oder andere Aktionen gibt, hat den Verantwortlichen in der FU-Administration vermutlich den Angstsschweiß aus den Poren getrieben.

Ob nun die Initiative für diese neuen, restriktiven Zugangsbeschränkungen von der FU selbst ausging oder sie sich einfach nur dem Diktat des Bundespräsidialamtes beugen musste (um Köhler als Redner zu gewinnen) – ungelegen kam das Ganze dem auf Schöner-Schein bedachten FU Präsidium jedenfalls wohl kaum.

Einige KommilitonInnen wollen sich das nicht gefallen lassen. Während der AStA rechtliche Schritte gegen das Sicherheits- und Datenerhebungs-Prozedere prüft, rufen sie schon mal zu einer Alternativveranstaltung auf:

„Wozu es Informationen gibt, sind Protestaktionen: Studierende höherer Semester und ‚Erstis‘, die keine Lust auf bespitzelt-werden hatten, haben eine Alternativveranstaltung angemeldet. Die Polizei verlegte die Kundgebung zwar vom gewünschten Platz vor dem Denkmal an die Ecke Garystraße/Boltzmannstraße; doch auch hier können wir zeigen, dass wir lieber unsere eigene Imma-Feier veranstalten, als Lenzens Selbstbeweihräucherung zuzuhören und uns vom BKA ausspähen zu lassen.“ („Ein wenig Werbung…“, FSI OSI Blog, 29.10.08)

Diese „alternative Immafeier“ soll parallel zu der „echten“ stattfinden. Interessierte sollten sich daher am nächsten Mittwoch (05.11.) ab 9 Uhr an der Kreuzung Garystraße / Boltzmannstraße (zwischen Henry-Ford-Bau und wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät) einfinden. Mit Musik, Redebeiträgen, Getränken und vielleicht auch VoKü soll dort ein Zeichen gesetzt werden, „dass dies auch unsere Uni ist“ (ebd.).

Peter-André Alt bald Kalif anstelle des Kalifen?

Oktober 29, 2008

Prof. Dr. Peter-André Alt, Literaturwissenschaftler an der FU, wurde eine ganz besondere Ehre zuteil. Er wird der neue Direktor der Dahlem Research School:

„Der Präsident der Freien Universität, Prof. Dr. Dieter Lenzen, erklärte, mit der Berufung von Peter-André Alt sei eine Persönlichkeit gefunden worden, die der Dahlem Research School und mit ihr dem in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Zukunftskonzept International Network University der Freien Universität Berlin eine überzeugende Zukunftsperspektive eröffnet. Alt werde dazu beitragen, den Dialog zwischen Wissenschaftlern aller Fächer an der Freien Universität zu fördern.“ (FU Pressemitteilung Nr. 324/2008, 24.10.08)

Alt leitet bereits die frisch ins Leben gerufene Friedrich Schlegel Graduate School of Literary Studies, ein literaturwissenschaftliches Projekt, das im Zuge der Exzellenzinitiative bewilligt wurde.

Alts mustergültige Arbeit im Sinne des Präsidiums soll ihn gerüchteweise nun auch zu einem der potentiellen Nachfolger von Dieter „Eames Chair“ Lenzen gemacht haben. Allein schon aus Altersgründen wird Dieter Lenzen vermutlich keine dritte Amtszeit als FU-Präsident absolvieren. Und auch wenn seine zweite Amtszeit erst 2011 beendet sein wird, denkt man offenbar schon jetzt über mögliche Nachfolger nach.

Eindeutige Belege dafür, dass Alt als Favorit gehandelt wird, gibt es freilich noch nicht, doch die Gerüchteküche an der FU kocht.

Akademischer Senat in Warum-Phase eingetreten

Oktober 24, 2008

Der Akademische Senat der FU (AS) ist mit seiner am Mittwoch veröffentlichten Erklärung zu den Plänen Zöllners eine „Einstein-Stiftung“ zu errichten (siehe „Hurra, die Einstein-Stiftung ist da“) in eine Warum-Phase eingetreten. Wie ein Kleinkind bombardierte der AS den Wissenschaftssenator mit einem halbend Dutzend Warum-Fragen (okay, eine beginnt mit „wie“), die allerdings wohl überwiegend einen rhetorischen Charakter hatten (FU-Pressemitteilung Nr. 322/2008, 22.10.08).

Kritisiert wird der starke Einfluss der Exekutive (Wissenschafts- und Finanzsenator) gegenüber den Berliner Universitäten in der „verschachtelten Stiftungskonstruktion“, die Tatsache dass Zöllner die Stiftung ohne Debatte im Abgeordnetenhaus umsetzen möchte, dass die Entscheidungen in der Stiftung in letzter Kosnequenz nicht der Wissenschaft sondern der Politik überlassen werden sollen, dass Zöllner nicht mal versucht hat den Konsens mit den Wissenschaftlern zu suchen, dass der HU-Kuratoriumsvorsitzenden eine Leitungsaufgabe inne hat, obwohl doch die FU Erfolg bei der Exellenzinitiative hatte, und dass Zöllner sich „vor einem klaren Bekenntnis zur Ausfinanzierung der Grundausstattung der Berliner Universitäten“ drückt.

Zöllner solle „in die Arena des Diskurses zurückkehren“. FU-Präsident Lenzen wird aufgefordert „sich weiterhin für eine Lösung zur Förderung der Spitzenforschung im Land Berlin einzusetzen, die den Bedürfnissen dieser Universität und zugleich den üblichen Grundsätzen einer Wissenschaftsförderung entspricht, die frei von politischer Einmischung in die Schwerpunkte und Inhalte der Forschung ist“. Die wissenschaftliche Community wird aufgefordert, die FU in ihrer Erinnerung daran „dass hervorragende Ausbildung und Spitzenforschung gleichermaßen nicht auf dem Boden politischer Zentralisierung gedeihen können“ zu unterstützen (ebd.).

Im Tagesspiegel lässt sich nachlesen, wie massiv der Widerstand gegen Zöllners Vision unter den Wissenschaftlern der FU sein muss:

„Der Erziehungswissenschaftler Gerd Hoff sagte, er sei ’sprachlos‘. Nichts, was die neue Stiftung könne, sei nicht auch ohne sie möglich: Zöllner könne durchaus auch ‚ohne Wasserkopf tätig werden‘. Offenbar brauche der Senator ein ‚verschleiertes Unternehmen‘, dessen einziger Zweck sei, ‚die, die bei Verteilungskämpfen zu kurz gekommen sein könnten, nachträglich zu befriedigen‘. Möglicherweise sei die Stiftung auch ein Geschenk der SPD an ihren Koalitionspartner, der die Planwirtschaft liebe. ‚Was hat unsere Universität von der Stiftung‘, wollte der Theologe Michael Bongardt wissen. Der Mittellateiner Wolfgang Maaz erklärte, als Vertreter des Mittelbaus könne er unmöglich einer Einrichtung zustimmen, die Partizipation ausschließe.

Der Politologe Hajo Funke warnte, Zöllners Projekt sei weder gegenüber der Wissenschaft noch gegenüber der Politik kommuniziert worden. Es werde aber der Tag kommen, da sich der Haushaltsausschuss des Parlaments damit befassen werde. Friederike Fless, Professorin für Klassische Archäologie, sagte, während man sich bemühe, die DFG immer transparenter zu gestalten, werde in Berlin ’nett von oben delegiert, was wir zu forschen haben‘. Offenbar könne sich die Wirtschaft in den Vorstand ‚einkaufen‘. ‚Wenn es ein Unternehmen der Rüstungsforschung ist, machen wir dann alle Rüstungsforschung‘, sagte Fless. Hoff ergänzte, auch ein Abfallbeseitiger, ‚der sein Geld nicht besser vorm Finanzamt verstecken kann‘, könne einen Platz im Vorstand bekommen.“ („‚Die Stiftung ist ein Monster'“, Tagesspiegel, 23.10.08)

Keine Frage, der Vorstoß Zöllners hat offenbar für viel Verärgerung gesorgt. Die Frage ist nur ob dieser Widerstand reicht, Zöllners „Einstein-Stiftung“ auszubremsen bzw. den Senator dazu zu bewegen, die Konstruktion der Stiftung noch einmal grundlegend zu ändern. Kritisiert wurde von den Wissenschaftlern auch Lenzen selbst, da er „der Stiftung in einem Gespräch mit dem Senator am Mittwoch offenbar zugestimmt hatte“ (ebd.). Und die TU, bisher treu an der Seite der FU im Widerstand gegen Zöllner, zögert ihre Kritik an den Plänen des Senators allzu offen zu formulieren, da sie im kommenden Jahr bei zwei großen Projekten zu den Begünstigten der Stiftung zu gehören hofft. Die Front gegen Zöllner bröckelt, es bleibt allein die Hoffnung, er werde früher oder später vom Abgeordnetenhaus gebremst.

Gestern reagierte dann Zöllner und ließ verlautbaren, er „bedauere die Kritk“ („Zöllner ‚bedauert die Kritik'“, Tagesspiegel, 24.10.08). Ansonsten zeigte er sich jedoch unbeirrt und widersprach dem Akademischen Senat der FU in seinen Vorwürfen. Ernsthaft überrascht kann Zöllner die Kritik allerdings auch nicht haben. Ihm muss klar gewesen sein, dass sein „Überraschungs-Coup“ zur Überwindung des Widerstandes von FU und TU gegen die ja schon länger geplante „Super-Stiftung“, nicht von allen Beteiligten einfach so hingenommen werden würde. Allerdings ist ihm vermutlich auch klar, dass eine aufgeregte Stellungnahme des AS der FU allein sein Stiftungsprojekt noch nicht gefährden kann.

Kritik am SFB 700 nimmt zu

Oktober 23, 2008

Am kommenden Sonntag (26.10.) findet im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a) der unter anderem von Libertad! und der ALB organsierte lange Tag des Antimilitarismus statt. Um 18:30 Uhr ist dabei auch eine Diskussionsrunde zum Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) vorgesehen. Im Programm heißt es:

„Gespräch: ‚Neue Formen des Regierens‘. Was macht der Sonderforschungsbereich 700 (SFB 700), oder: die Strategie bewaffneter Sozialarbeit.

Nur die Armeen in ‚zerfallende Staaten‘ zu schicken, nur ‚Shock-and-Awe‘-Kriegsführung, reicht nicht. Neue Strategien, um nachhaltig in die Gesellschaften der ‚Räume begrenzter Staatlichkeit‘ einzudringen, sie zu kontrollieren sie zu beherrschen, müssen her. Nach den ‚eingebetteten Journalisten‘, kommen nun die ‚embedded scientists‘, die ins Militär eingebetteten Anthropologen.

Das ist der wesentliche Grund für die Einrichtung des SFB 700, der Anfang 2007 in einer feierlichen Konferenz als auf 12 Jahre angelegtes und finanziertes Vorhaben aus der Taufe gehoben wurde. Beteiligt sind das BMZ, die FU-Berlin, die Uni Potsdam, das Wissenschaftszentrum Berlin, die Hertie-School of Gouvernance, die Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) sowie das Europäische Hochschulinstitut Florenz.

Wir erzählen, was wir bislang herausgefunden haben, und diskutieren mit euch darüber.“ (Programm des Antimilitarismus-Tages)

Leider macht das Programm des Antimilitarismus-Tages nicht den Eindruck, dass bei dieser Diskussiosnrunde auch einE VertreterIn des SFB anwesend sein wird.

Bereits zum Weltfriedenstag / Antikriegstag am 01.09.08 hatten AntimilitaristInnen unter dem Motto „Keine Diskussion mit Kriegerintellektuellen und Kriegstreibern – Governance ist Krieg“ den Eingang des DGB-Gebäudes in Berlin blockiert, weil dort der „Afghanistan-Referatsleiter“ vom Auswärtigen Amt und Jan Koehler vom SFB 700 einen Vortrag halten wollten („Berlin: Kriegerintellektuelle ausgesperrt“, Indymedia, 01.09.08).

Gerade eine Erwiderung von SFB-BefürworterInnen auf die Kritik wäre jedoch vielleicht mal ganz interessant zu hören. Für eine Diskussion wie jetzt beim Antimilitarismus-Tag hätte man dann echte Gegenpole. Wenn die AntimilitaristInnen wie zu vermuten steht dagegen lieber weitgehend unter sich bleiben, fehlt vermutlich eine deutliche Gegenposition zu dem Vorgebrachten, was die Möglichkeiten einer wirklich kontroversen Debatte dann doch recht weit einschränkt.

Dennoch bietet diese Gesprächsrunde durch die vorgebrachten Informationen vielleicht zumindest eine Grundlage, die Kritik auch an die FU selbst zu tragen. Denn hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem SFB bisher so gut wie gar nicht statt.

Am Donnerstag den 13.11.08 gibt es dann ebenfalls um 18:30 Uhr eine weitere themennahe Veranstaltung im Universitätsgebäude am Hegelplatz der HU (Dorotheenstr. 24), Raum 1.201.

In dieser gemeinsamen Veranstaltung vom Referat für Internationalismus des
RefRats der HU und der Hellen Panke geht es um das Thema „Imperialismus in der Wissenschaft – Die Theorie der ’neuen Kriege‘ als intellektuelle Brandstiftung?“.

Einer der Vortragenden ist Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) der „über die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten des Sonderforschungsbereichs 700 an der FU Berlin und der Theorie Herfried Münklers als ‚intellektuelle Brandstiftung‘ für globale Kriege“ referieren wird.

Auch diese Veranstaltung bietet möglicherweise neue Erkenntnisse die dazu beitragen könnten, eine kritische Auseinandersetzung mit dem SFB an der FU selbst voranzutreiben.

Ansonsten wurden in jüngster Vergangenheit auch einige Artikel veröffentlicht, die deutlich machen, dass der SFB 700 und sein Vorgehen von etlichen Beobachtern zunehmend kritisch gesehen wird (siehe auch „SFB Governance in der Kritik“). Zuletzt erschien ein längerer Artikel von Peer Heinelt in der jungen Welt zum Thema („Herrschaftswissen“, junge Welt, 15.09.08).

Etwas mehr in die Tiefe geht z.B. Detlef Hartmann vom Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ in seinem Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“.

Kampagne für faire Computerbeschaffung läuft an

Oktober 22, 2008

Wie unlängst berichtet, versuchen engagierte KommilitonInnen in diesem Semester das WEED-Projekt „PC global“ an den Berliner Universitäten zu etablieren.

Im Zuge der „Hochschul-Kampagne für faire Computerbeschaffung“ soll versucht werden, die Universitätsverwaltungen zu überzeugen beim zukünftigen Kauf von Computern soziale und ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Insbesondere die bis dato desaströsen Arbeitsbedingungen in den Hardware-Herstellungs-Sweatshops will das Projekt auf diesem Weg massiv verbessern. Die Hersteller sollen zur Einhaltung grundlegender Menschen- und Arbeitsrechtstandards in ihren Produktionsstätten bewogen werden.

Mehr noch als der private Sektor haben öffentliche, durch Steuergelder finanzierte Einrichtungen (wie Universitäten) die Pflicht, bei ihren Anschaffungen auch Faktoren wie Menschenrechte und Umweltgerechtigkeit in den Produktionsländern zu beachten. Und gelänge es die neuen Richtlinien im nicht eben kleinen öffentlichen Bereich durchzusetzen, müssten die Hersteller reagieren und tatsächlich auch Produkte anbieten, die diesen neuen Herstellungs-Richtlinien entsprechen.

Um der „Hochschul-Kampagne für faire Computerbeschaffung“ auch in Berlin zum Erfolg zu verhelfen (in den USA hatten ähnliche Kampagnen an Unis bereits Erfolg) trafen sich am ersten Tag der Vorlesungszeit interessierte Studierende an der HU. Das Treffen war konstruktiv, es hätten aber nach Ansicht der Beteiligten ruhig noch mehr KommilitonInnen anwesend sein können. Laut Protokoll fanden sich nur neun Personen ein, darunter drei von WEED und zwei vom BUND.

Beschlossen wurde unter anderem eine Kooperation mit dem TU Energieseminar „Der Schatten eines Computers“ bei dem sich das Projekt „PC global“ einbringen und auf die Kampagne hinweisen soll. Ferner plant Jochen Koubek, Informatik-Dozent an der HU, in seinen Lehrveranstaltungen auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Und der BUND möchte das Thema fair produzierter Computer in sein globalisierungskritisches Stadtführungs-Programm aufnehmen.

Gezielt möchten die Kampagnen-Beteiligten zukünftig ihre Idee in Uni-Gremien vorbringen und hier dann auch besonders die studentische VertreterInnen ansprechen. Weiterhin sucht man verstärkt den Kontakt in ökologische und regionalwissenschaftliche Studiengängen hinein, da Studierende hier inhaltlich vermutlich am stärksten an der Kampagne interessiert sein könnten. Als weitere potentielle Verbündete bieten sich zudem Gruppen an, die „artverwandte“ Kampagnen initiiert haben.

Das nächste Treffen der Kampagne findet am kommenden Dienstag (28.10.08) um 17:00 Uhr im Seminargebäude der HU (Dorotheenstr. 24) im Raum 3.019 statt. Die Kampagne benötigt dringend weitere UnterstützerInnen und bittet alle Interessierten, doch einfach mal vorbeizuschauen.

Schavan versucht offenbar Studiengebühren-Studie zu deckeln

Oktober 21, 2008

Wie zahlreiche Medien mit dem Verweis auf eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa schreiben (etwa SPON, Telepolis, ZEIT, Tagesspiegel, taz), hält das Bundesbildungsministerium bereits seit Wochen das Ergebnis einer selbst beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Auftrag gegebenen Studie unter Verschluss.

Brisantes Ergebnis der Studie: Allein im Jahr 2006 haben 18.000 Abiturienten wegen der eingeführten Studiengebühren kein Studium aufgenommen. Die taz spannt den Bogen noch etwas weiter und macht den „Schockeffekt“ deutlich:

„Der Blick auf die Studentenzahlen zeigt, wie gravierend der Schockeffekt sein muss. 2003 war mit 377.500 Neueinschreibungen ein Anfängerrekord erzielt worden. 2007 waren es mit 358.670 Studienanfängern knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger – obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Studienberechtigten um mehr als 63.000 gestiegen ist. Seit etwa zwei Jahren rätseln Experten, warum die Anfängerzahlen schrumpfen. HIS scheint herausgefunden haben, warum dies so ist. Das Papier stützt sich auf die Befragung von 5.240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 sowie auf die regelmäßige Abiturienten-Untersuchungen des HIS.“ („Studiengebühren schrecken Schüler“, taz, 20.10.08)

Als besonders fatal erweist sich zudem die Erkenntnis, wer von den Studiengebühren am meisten abgeschreckt wird:

„Demnach sind es insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern, die wegen der Gebühren häufiger auf das Studium verzichten. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu ‚erheblicher Verunsicherung‘ beigetragen – auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.“ („Studiengebühren schrecken junge Menschen ab“, Spiegel Online, 20.10.08)

Damit ist der Mythos von „sozialverträglichen Studiengebühren“ vermutlich endgültig widerlegt. UnterstützerInnen von Studiengebühren erweisen sich dennoch als unbelehrbar, so argumentiert der Wissenschaftsminister von NRW, Andreas Pinkwart (FDP), laut SPON in eine Richtung, die unterstellt, nicht die Gebühren sondern die GebührenkritikerInnen sein das Problem, da sie die Verunsicherung erst herbeireden.

Das Bildungsministerium bestreitet natürlich, dass die Ergebnisse absichtlich unter Verschluss gehalten werden. Viel mehr wolle man die Resultate einer zweiten HIS-Studie abwarten, bei der es um die Reaktionen von StudienanfängerInnen im Wintersemester 2007/2008 auf die Gebühren geht. Beide Studien sollen dann in spätestens einem Monat gleichzeitig vorgestellt werden. Selbst diese beiden Studien würden dann aber nicht ausreichen, um „endgültige Schlüsse“ über Studiengebühren zu ziehen (SPON).

Insbesondere im Kontext des für Mittwoch geplanten und von Bundeskanzlerin Merkel initiierten Bildungsgipfels in Dresden, bietet diese Enthüllung einigen Sprengstoff. Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), sagte, die Ergebnisse der HIS Studie dürften vor dem Gipfel „nicht vertuscht werden“ (ebd.). Selbst wenn Schavan sich aber weiterhin weigern sollte, die Studie noch vor Mittwoch offenzulegen, ist bereits jetzt so viel durchgesickert, dass die Ergebnisse der Erhebung von den GipfelteilnehmerInnen vermutlich nur noch schwer ignoriert werden können.

Konferenz zur feministischen Politikwissenschaft

Oktober 20, 2008

Am Freitag den 31.10.08 findet in der Silberlaube (Raum L 116) eine Konferenz mit dem Titel „Feministische Politik|Wissenschaft 1968-2008 – Geschlechterpolitik zwischen emanzipatorischem Aufbruch und Managementstrategie?“ statt.

Bereits seit dem Jahr 1968 gab es eine Initiative für eine Genderprofessur am OSI. Diese wurde schließlich 1985 realisiert, als Prof. Grottian zusammen mit Prof. Narr (später mit Prof. Zeuner) eine Gender-Teilzeitprofessur ermöglichte. Doch diese „Ära“ endete mit dem Wegfall der Professur von Brigitte Rauschenbach zum Wintersemester 2007/2008.

Ein guter Zeitpunkt für ein Resümee, um Fragen zu stellen und in die Zukunft zu blicken. Daher haben engagierte WissenschaftlerInnen für Ende Oktober eine Konferenz in der Silberlaube ins Leben gerufen, auf der sich Vortragende wie Auditorium mit folgenden Fragen auseinandersetzen werden:

„Dieser Einschnitt [das Ende der „Genderprofessur-Ära“, siehe oben, Anm. FUwatch] in die Struktur politikwissenschaftlicher Forschung und Lehre am Otto-Suhr-Institut gibt Anlass für ein Nachdenken über feministische Politik|Wissenschaft heute – nicht nur am OSI. Brauchen ‚wir‘ 30 Jahre nach ’68 noch eine Genderprofessur? Hat Gender Mainstreaming einen eignen Raum für Geschlechterfragen und feministische Kritik in der Politik|Wissenschaft überflüssig gemacht? Welche Perspektiven feministischer Intervention ergeben sich im Spannungsfeld von Pluralisierung, Medialisierung und Akademisierung?

Diese Fragen nach dem Wandel feministischer Forderungen in Wissenschaft und Gesellschaft sollen auf verschiedenen Ebenen diskutiert werden. Was ist die aktuelle Situation von Frauen in Wissenschaft und Gesellschaft? Welche Widersprüchlichkeiten ergeben sich aus den Errungenschaften der zweiten Frauenbewegung? Wie ist emanzipatorische Wissenschaft möglich, wenn Gender zur Management-Kategorie wird? Wie sieht die Zukunft feministischer Politik|Wissenschaft am OSI aus?“ (Einladung zur Konferenz)

Auf der Konferenz wird es Beiträge von Sabine Berghahn, Bozena Choluj, Angelika Ebrecht-Laermann, Cilja Harders, Ina Kerner, Brigitte Rauschenbach, Petra Rostock und Bodo Zeuner geben.

Die Konferenz beginnt morgens um 10 Uhr und klingt gegen 21 Uhr aus. Alle Veranstaltungen finden im Konferenzzentrum in der Silberlaube im Raum L 116 statt, das Programm kann man hier herunterladen.

Hurra, die Einstein-Stiftung ist da

Oktober 18, 2008

What are you?“ fragt Kevin Lomax (Keanu Reeves) in „The Devil’s Advocate“ und
John Milton (Al Pacino) antwortet „Oh, I have so many names…“. Ähnliches kann der Berliner Wissenschaftssenator inzwischen auch von seiner Super-Uni Schrägstrich Super-Stiftung sagen. Und nun ist ein weiterer Name hinzugekommen: Einstein-Stiftung.

„Einstein-Stiftung-Berlin“, so der nun offizielle Name der neuen Institution, deren unmittelbar bevorstehende Gründung Zöllner gestern auf einer Pressekonferenz bekannt gab (siehe z.B. Tagesspiegel). Im Vorstand dieser „Dachstiftung“ sitzen neben Zöllner auch noch Finanzsenator Thilo Sarrazin sowie Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und gleichzeitig HU-Kuratoriumsvorsitzender.

Die Dachstiftung bewilligt das Geld (neben Senatsmitteln nach Vorstellungen Zöllners auch private Spenden) einer gemeinnützigen GmbH, der „Einstein-Stiftung-Berlin gGmbH“. Hier finden sich die Präsidenten der vier Berliner Unis (FU, HU, TU und UdK) neben Vertretern der vier großen bundesrepublikanischen Forschungseinrichtungen (Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Leibniz-Gemeinschaft) und entscheiden darüber, welches Projekt gefördert wird.

Bereits ab Anfang 2009 sollen der Stiftung hierfür zunächst jeweils 35 Millionen Euro für die ersten beide Jahre, bis 2012 dann jeweils 40 Millionen pro Jahr durch den Senat zur Verfügung gestellt werden. Die Struktur sieht dabei vor, dass Spitzenforscher der Berliner Unis mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen kooperieren und auf diesem Weg schneller neue Durchbrüche in der Forschung erzielen können. Das Promotionsrecht bleibt dabei zwar bei den Universitäten, die Stiftung soll aber dennoch Doktorandenprogramme und auch einige Master-Studiengänge anbieten.

Zöllner hat mit diesem Befreiungsschlag die Präsidenten von FU und TU, Lenzen und Kutzler, kurzerhand überrannt. Insbesondere die FU als eine der Siegerunis in der Exzellenzinitiative fühlte sich stark genug, Zöllners Vorstoß zu blockieren. Und tatsächlich musste dieser dann aus seiner Super-Uni eine Super-Stiftung machen (siehe „Die ‚Berlin Research University‘ ist tot – es lebe das ‚Berlin International Forum for Excellence'“). Nun aber wollten FU und TU für eine Einwilligung zur Super-Stiftung im Gegenzug eine Garantie von Zöllner, dass der Senat für die kommenden Jahren den Berliner Unis deutlich mehr Mittel zur Verfügung stellt: 157 Euro Millionen zusätzlich pro Jahr ab 2010 brauchen die vier Berliner Unis (siehe „Die Hütte brennt mal wieder“).

Zöllner konnte oder wollte diese Garantie nicht geben. Er konnte sich mit seinem Prestige-Objekt, der Super-Stiftung, aber auch nicht länger hinhalten lassen. Zu stark hätte es ihn politisch beschädigt, wäre es ihm nicht gelungen, sich mit seiner Stiftungsidee durchzusetzen. Immerhin sollte die Stiftung bereits am Anfang kommenden Jahres das erste Geld verteilen. Also hat er gestern die Initiative ergriffen und den Spielball auf die Seite von Lenzen und Kutzler befördert. Diese müssen nun eine passende Antwort finden. In einer Pressemitteilung der FU hieß es gestern erst mal nur lapidar, die FU Berlin habe durch Zöllners Pressekonferenz die „Gesamtkonstruktion“ der Stiftung erfahren und könne diese „nun einer genauen Prüfung unterziehen“ (FU Pressemitteilung Nr. 315/2008, 17.10.08).

Selbst wenn Lenzen und Kutzler nun einknicken und brav bei Zöllners Elite-Forschungs-Vision mitmachen müssten, könnte die Geschichte für Zöllner immer noch häßlich werden. Nämlich dann, wenn die Berliner Unis tatsächlich keine zusätzlichen Mittel für ihre gestiegenen Energie- und Personalkosten bekommen und dann erneut massive Kürzungen durchführen müssten. Spätestens dann würden sich neben den Wissenschaftlern auch große Teile der Berliner Studierenden die Augen reiben wenn beim Luxus-Projekt Einstein-Stiftung die Millionen fließen, während die Lehre an den Unis noch weiter zusammengestrichen wird. Studierende wie Dozierende würden mit Nachdruck fragen, „warum Berlins Wissenschaft Kuchen braucht, wenn nicht mal genug Brot da ist“, wie Anja Kühne im Tagesspiegel treffend anmerkt.

Zöllner strikes back

Oktober 17, 2008

Wie der Tagesspiegel in seiner heutigen Ausgabe berichtet, will der Berliner Wissenschaftssenator die neue „Superstifung“ mit dem derzeitigen Namen (er ändert sich ja immer mal wieder) „Berlin International Forum for Excellence“ (Bife) innerhalb der nächsten Tage gründen – ohne die Zustimmung der Berliner Universitäten.

FU und TU hatten gemeinsam ein Junktim ausgesprochen, demnach sie ihre Zustimmung zur Superstiftung nur geben werden, wenn ihnen der Senat bei der Aushandlung der neuen Hochschulverträge entgegenkommt, da sich die Unis ab 2010 mit deutlichen Mehrausgaben konfrontiert sehen (siehe „Die Hütte brennt mal wieder“). Tatsächlich wäre es kaum vermittelbar, dass die vier Universitäten (FU, HU, TU, UdK) die 157 Millionen Euro die sie pro Jahr mehr brauchen nicht erhalten, während die neue Superstiftung in den ersten vier Jahren zunächst jeweils 35 Millionen und später 40 Millionen Euro bekommt.

HU-Präsident Markschies wollte sich dem Junktim nicht anschließen und setzte sich dafür auch über seinen eigenen Akademischen Senat hinweg. Dennoch sah es zunächst so aus, dass Zöllner seine Vision nicht hätte verwirklich können, solange sich FU und TU querstellten (siehe „Zöllners Superstiftung droht abzuschmieren“). Glaubt man dem Tagesspiegel will Zöllner nun aber Fakten schaffen und die Stiftung einfach an FU und TU vorbei ins Leben rufen. Wobei der Berliner Senat bei der Fördervergabepraxis offenbar einen starken Einfluss haben wird:

„Wie aus dem Umfeld des Berliner Senats zu hören ist, soll die Stiftung für die Berliner Spitzenforschung einen Vorstand bekommen, dem Jürgen Zöllner und Finanzsenator Thilo Sarrazin angehören sollen. Erwartet wird auch, dass weitere Plätze im Vorstand für private Sponsoren, auf deren Unterstützung Zöllner hofft, vorgehalten werden.

Der Vorstand werde im Vorfeld einer Entscheidung festsetzen, welche Gebiete überhaupt förderungswürdig sind. Welches Projekt aus einem solchen Schwerpunkt im Einzelnen Geld bekommt, berät dann eine wissenschaftliche Kommission, die ihre Empfehlung an ein Entscheidungsgremium leitet.

Sollte Zöllner tatsächlich so verfahren wollen wie jetzt zu hören ist, hätte die Forschungsförderung durch die Superstiftung einen entscheidenden Unterschied zu dem der DFG: Dort urteilen die peers über die Anträge ihrer Kollegen, ohne dabei politische Vorgaben berücksichtigen zu müssen. Vorhaben bei der Superstiftung müssten aber zunächst das grundsätzliche Gefallen der Politiker finden.“ („Zöllner erzwingt die Superstiftung“, Tagesspiegel, 17.10.08)

Ob man diese Konstruktion begrüßt oder nicht, hängt also davon ab, ob man mehr politische Vorgaben bei den Förderungsanträgen als Fortschritt oder eher als Rückschritt betrachtet. Ich tendiere eher zu letzterem. Die Vorstellung, dass durch parteipolitische Interessen geleitete Personen stärker denn je entscheiden, was in der Wissenschaft förderungswürdig ist und was nicht, ist doch eher gruselig. Und auch die „privaten Sponsoren“ werden dann wohl eher nur fördern wollen, was am Ende auch Geld bringt. Es ist abersehbar, dass dieses System geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte gegenüber technischen und naturwissenschaftlichen benachteiligen wird.

Doch noch hat sich Zöllner ja auch noch nicht endgültig durchgesetzt. Einer solche Stiftung ohne die Unterstützung von FU und TU das nötige Gewicht in der Fachwelt zu verschaffen, dürfte schwierig werden. Einer Minderheit von durch die Stiftung begünstigten Forschern stände eine Mehrheit von nicht-begünstigten Wissenschaftlern gegenüber, die dabei zusehen müssten, wie ihre Unis ab 2010 noch drastischer als je zuvor zusammengekürzt werden.

Die Akzeptanz einer solchen neuen Superstiftung wäre also im Berliner Wissenschaftsbetrieb unter diesen Konditionen nicht besonders hoch. Die Frage wäre dann, inwiefern Zöllner samt Stiftung tatsächlich auf diese Akzeptanz angewiesen ist.

Die Hütte brennt mal wieder

Oktober 16, 2008

Die Aushandlung der neuen Hochulverträge steht an und obwohl die Sache drängt, hatte Wissenschaftssenator Zöllner offenbar zunächst keine Eile sie zu beginnen. Erst nachdem die Unis auf sich aufmerksam gemacht und die Presse das Thema aufgegriffen hatte, bewegte sich Zöllner und gab bekannt, die Verhandlungen würden Mitte November beginnen („Univerträge: Verhandlungen ab Mitte November“, Tagesspiegel, 09.10.08).

Die Berliner Unis benötigen insgesamt 157 Euro Millionen zusätzlich pro Jahr ab 2010, davon allein 56 Millionen die FU. Das gaben die Universitätspräsidenten auf einer Pressekonferenz am 22.09. bekannt. Doch wie entstehen solche Löcher bei den Universitäten? Eine Zusammenfassung findet sich z.B. im LHG Blog:

„Insbesondere die Ende 2009 auslaufenden Tarifverträge bereiten den Hochschulen Kopfschmerzen. Im Rechnungswerk, das der Kanzler der Freien Universität Lange vorstellte, summieren sich 31 Millionen Euro für das Auslaufen des Berliner Anwendungs-Tarifvertrags zum Ende 2009 mit befürchteten Mehrkosten für die Übernahme des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) in Höhe von knapp 65 Millionen.

Auch knapp 20 Millionen Euro Mehrkosten aufgrund des jüngsten Urteils zu den Altersstufen im BAT werden oben drauf gerechnet, obwohl diese bei Übernahme des neuen Tarifsystems gar nicht mehr anfallen würden. Für den wahrscheinlicheren Fall, dass nicht die Tarifsteigerungen des TVÖD, der eigentlich nur für Bund und Kommunen gilt, sondern nur der Tarifvertrag für Landesbedienstete (TV-L) übernommen wird, verringerten sich die Kosten noch einmal um gut 47 Millionen Euro pro Jahr.

Auch das realistischer gerechnete Kostenrisiko von etwa 90 Millionen Euro pro Jahr könnten die vier Berliner Universitäten nicht ohne erhebliche Kürzungen bei den Services und im Wissenschaftlichen Mittelbau gegenfinanzieren.“ („Uni-Präsidenten sehen 15.000 Studienplätze gefährdet“, LHG Blog, 22.09.08)

Selbst bei dieser etwas „konservativeren“ Rechnung, wäre das Loch also immer noch immens.

Die Unipräsidenten sehen 15.000 Studienplätze gefährdet, die komplette Rechnung kann man der auf der Pressekonferenz veröffentlichten Präsentation entnehmen, welche man im FSI Blog herunterladen kann.

Neben der Verbreitung von Horrorszenarien via Pressekonferenz setzen Lenzen und sein treuer Gefolgsmann von der TU, Kutzler, auch noch auf eine Blockade-Haltung bei Zöllners Immer-noch-ein-bisschen-Prestige-Objekt der „SuperUni“, die ja eigentlich nie wirklich eine Uni sein sollte und jetzt ohnehin nur noch eine Stiftung sein möchte. Lenzen und Kutzler wollen aber selbst diese Stiftung kippen, falls der Berliner Senat bei den Verhandlungen über die neuen Hochschulverträge keine Zugeständnisse macht (siehe „Zöllners Superstiftung droht abzuschmieren“).

Und worauf wird das Ganze am Ende hinauslaufen? Der Kommilitone Stefan Hernádi hat da schon so eine Ahnung. Mit einem Rückblick auf das WS 03/04 schreibt er über die jetzige Krise:

„Das Szenario ist wieder das gleiche. Riesenkürzungen drohen, um die Studierenden geht es nur am Rande und Präsidenten und Senator liefern sich zudem eine mackerige Kompetenzposse. Für die Studierenden bleiben wohl die üblichen Alternativen. Entweder Augen zu und schnell fertig studierenden, alles danach ist egal. Oder mittels kraftaufreibender Massenproteste die Kürzungen so gut es geht zurückzudrängen.

Das allerdings Seite an Seite mit genau den Unipräsidenten, die man ja sonst für alles andere Schlimme verantwortlich macht – und das ja auch meistens zu Recht – sowie dem Problem, einen Kampf um die staatliche Förderung einer Bildungselite zu führen, während es drum herum andere viel nötiger hätten. So war es zumindest das letzte Mal. Vielleicht fällt jemandem diesmal ja was Neues ein.“ („Die Hochschulverträge – Es geht wieder los!“, FSI Blog, 25.09.08)

Immerhin hat Zöllner aber pünktlich zu Beginn des neuen Semesters verlauten lassen, es werde in Berlin keine Studiengebühren geben (Zöllner: Auch künftig keine Studiengebühren, RBB, 09.10.08). Doch wie lange gilt dieses Gebot in Zeiten der Finanzlöcher an den Berliner Unis?

AStA bringt Jubiläums-Zeitung raus / FUZ heißt jetzt FURIOS

Oktober 15, 2008

Pünktlich zum Start des neuen Semesters hat der AStA wie im letzten Semester bereits angekündigt, eine Zeitung zum 60jährigen Jubiläum der FU herausgebracht. Beschränkte man sich bei der Online-Publikation zunächst auf Auszüge, steht inzwischen auch das komplette Heft zum Download bereit. Eine Print-Ausgabe gibt es natürlich auch, allerdings wohl zur Zeit nur beim AStA direkt (am OSI lag jedenfalls noch nichts aus).

Der Titel „fu60: gegendarstellungen“ ist natürlich bewusst gewählt. Der „offiziellen“, von der FU-Verwaltung proklamierten, oft zu glatten Geschichtsschreibung soll anläßlich des Jubiläums im kommenden Dezember eine alternative, kritischere Sichtweise auf die Vergangenheit und Gegenwart der FU entgegengestellt werden. Dabei soll durchaus auch positiv auf eine FU Tradition des Protest und des Engagements Bezug genommen werden, die sonst in der Selbstdarstellung heute kaum noch auftaucht:

„Wenn die FU also eine Tradition hat, dann ist es eine Tradition von gesellschaftliches Engagement und Protest gegen die Mißstände in Hochschule und Gesellschaft. Dennoch findet gerade dieser Aspekt der FU-Geschichte sich in den immer zahlreicheren Ausstellungen, Imagebroschüren und Internetseiten der ‚offiziellen‘ FU kaum wieder.“ („60 Jahre FU – AStA präsentiert eine Gegengeschichte!“, AStA FU Blog, 01.10.08)

Dabei wollen die AutorInnen jedoch weniger in Nostalgie schwelgen, als viel mehr den Ist-Zustand der FU als Resultat von Auseinandersetzungen deutlich machen, die in jüngster Vergangenheit vielleicht zu ungunsten der Studierenden ausgegangen sind, dennoch das Potential für eine andere Uni bergen:

„Trotz des dreifachen Jubiläums wollen die AutorInnen der Broschüre weder Nostalgie betreiben noch verträumte Rückblicke auf vermeintlich ‚bessere‘ oder kämpferische Zeiten pflegen. Ziel ist es vielmehr, den jetzigen Zustand der FU als Ergebnis von Kämpfen und Auseinandersetzungen sichtbar zu machen.

[…] Wer diese Auseinandersetzungen kennt, bemerkt schnell dass die vermeintlichen ‚Sachzwänge‘ und Weichenstellungen der Vergangenheit keineswegs unausweichlich waren. Sie sind Ergebnisse von Machtkämpfen, die auch anders hätten ausfallen können.

[…] Ein Blick zurück ist angesichts dieser Zustände auch ein Blick nach vorne: die demokratische Hochschule war 1948 und insbesondere 1968 das Leitbild der FU, das von Studierenden und Teilen der Lehrenden entschieden eingefordert wurde.“ („60 Jahre FU – AStA präsentiert eine Gegengeschichte!“, AStA FU Blog, 01.10.08)

Eine genauere Betrachtung der Broschüre wird zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, inwieweit die AutorInnen das gesteckte Ziel wirklich erreicht haben.

Es steht allerdings auch noch ein weiteres, alternatives Jubiläums-Magazin aus. Wie berichtet, soll in diesem Semester eine neue FU-Zeitung (FUZ) als unabhängiges Campus-Magazin ins Leben gerufen werden. Und die Erstausgabe soll sich ebenfalls speziell dem 60. Jubiläum der FU widmen.

Nach Angaben der Redaktion sollen zur Zeit ca. 50 FU-Studierende aktiv in das Projekt involviert sein, was eine beträchtliche Anzahl wäre. Wann die bereits in Arbeit befindliche erste Ausgabe jedoch steht, ist noch unklar. Immerhin der Name des neuen Magazins wurde aber schon bekannt, es wird FURIOS heißen.

Update 16.10.08

Die Redaktion der FURIOS trifft sich zur Zeit jeden Donnerstag um 18 Uhr im Raum KL 24/122d in der Rostlaube. Diese Treffen sind offen, jeder der sich für das Projekt interessiert und vielleicht selbst noch mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen.

Und wieder zwei neue Blogs in der FU-Blogosphäre

Oktober 14, 2008

Zwei Drei neue Blogs haben in der FU-Blogosphäre unlängst das Licht der virtuellen Welt erblickt.

Die 2004 gegründete Initiative Lehramt infomiert auf ihrem Blog bereits seit April diesen Jahres über die neuesten Entwicklungen in den Lehramtsstudiengängen. „Mittlerweile verstehen wir uns als Bindeglied aller Lehramtsstudierenden, wir vernetzen und halten Euch mit Informationen auf dem Laufenden, zum Beispiel durch unseren Newsletter und diesen Blog“ heißt es in der Selbstbeschreibung.

Im Juli wurde dann der Blog der Fachschaft der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft (AVL) gestartet. Studierende am Peter Szondi-Institut können sich auch hier über aktuelle Geschehnisse in ihrem Studiengang informieren. „Die Fachschaft organisiert den Informationstag für angehende Studierende, richtet gemeinsam mit dem Institut das Sommerfest aus, plant die studentische Weihnachtsfeier und ist auch sonst Ansprechpartner für alle weiteren studentischen Belange und Fragen“ kann man in der Selbstdefinition nachlesen.

Während die Initiative Lehramt bereits auf der FU-Meta-Blog-Seite gelistet wird, fehlt der Feed der Fachschaft AVL dort noch.

Update 15.10.08

Ein Kommentator wies auf einen weiteren Blog hin. Seit Mai bloggt auch die FSI Mathematik / Informatik. Über ihr Selbstverständnis schreibt sie: „Unser vorrangiges Ziel hierbei ist es vorhandene Probleme aufzudecken und konstruktiv, wenn möglich mit Hilfe des Instituts und anderen universitäteren bzw. studentischen Gremien, an diesen Problemen zu arbeiten“.

Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert

Oktober 13, 2008

Im letzten Semester zählte der Berufungsskandal um die Professoren Sven Chojnacki und Christoph Zürcher zu den am kontroversesten diskutierten Sachverhalten innerhalb des OSIs.

Nachdem bekannt geworden war, dass der Institutsrat den Bereich Internationale Beziehungen durch eine Berufung von Chojnacki und Zürcher stärken will, während zeitgleich die Vollprofessur Ideengeschichte dafür geopfert werden sollte (siehe „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“), formierte sich am Institut und auch außerhalb ein breiter Widerstand gegen diese Berufungen.

Gegenstand der Kritik war dabei nicht nur die Opferung der Vollprofessur Ideengeschichte für zwei weiteren Stellen im Bereich IB, auch die Art und Weise wie das von statten gehen sollte, sorgte für Empörung. Durch ein rechtlich höchst fragwürdiges „verschlanktes Berufungsverfahren“, bei dem die beiden einzigen Kandidaten für ihre Stelle jeweils schon feststanden, und ohne eine öffentliche Debatte am Institut, sollten Chojnacki und Zürcher die Professuren zugeschanzt werden. Beide Professoren waren bisher nur befristet an der FU beschäftigt und man hoffte, sie mit Hilfe der „verschlankten Berufungsverfahren“ halten zu können.

Das Ganze fand dann seinen vorläufigen Höhepunkt mit einer gut besuchten Diskussionsrunde zum Sachverhalt (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und mit einem durch den AStA in Auftrag gegebenen Rechstgutachten. Dieses stufte den neuen OSI-Strukturplan (mit den besagten Änderungen) als rechtswidrig ein (siehe „Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“). Ein Rechtsgutachten, auf das das Rechtsamt der FU bis heute nicht reagiert hat.

Der Skandal setzte sich in den Semesterferien fort, als man seitens des Verwaltungsapparats offenbar versuchte mit allen Tricks und Kniffen eine studentische Mitbestimmung im Fachbereichsrat (FBR) zu torpedieren. In einem offenen Brief der studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU an den Wissenschaftssenator Zöllner heißt es dazu:

„Es wurde zudem offenbar gezielt versucht, studentische Mitbestimmung zu verhindern, indem mitten in der vorlesungsfreien Zeit, obwohl Abstimmungen über Berufungsvorschläge nach den einschlägigen Ausführungsbestimmungen ausdrücklich nur in der Vorlesungszeit stattfinden sollen, vom Dekanat eine neue Vertretungsregelung für die studentischen VertreterInnen eingeführt wurde.

Bisher waren alle gewählten Listenmitglieder der studentischen VertreterInnen wahlberechtigt, ohne Vertretungsschreiben. Die neue Regelung, nach der Geschäftsordnung des Akademischen Senats, verlangt eine schriftliche oder fernmündliche Abmeldung von allen Listenmitgliedern, die eine höhere Stimmzahl haben, als die das Stimmrecht wahrnehmende Studierende.

Dass hier alle Tricks zur Verhinderung von Gegenstimmen angewendet wurden, zeigt auch die Verweigerung des Stimmrechts für ProfessorInnen, die nicht dem FBR angehören und die sich für die zweite Sitzung (in der vorlesungsfreien Zeit), die wegen des Gruppenvetos notwendig wurde, anmelden wollten. Auch sie wurden trotz vorgetragener guter Argumente für ihr Stimmrecht zurückgewiesen, obwohl sie wegen Urlaubs nicht rechtzeitig Kenntnis von der Einladung zur ersten Feriensitzung erlangt hatten.“ (Offener Brief der Studi-VertreterInnen an Zöllner)

Nicht nur Studierende, sondern auch dem Vorgang gegenüber kritisch eingestellte ProfessorInnen wurden hier also offenbar von dem Entscheidungsprozess ausgegrenzt.

Nachdem alle Einwände abgeschmettert waren, verabschiedete der FBR die Berufungslisten, welche anschließend vom Dekanat an den Wissenschaftssenator weitergereicht wurden, der die Berufungen noch bestätigen muss. Daher auch der oben schon erwähnte offene Brief an Zöllner von den studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU, den man hier in ganzer Länge nachlesen kann und der einen guten Überblick über den derzeitigen Sachstand gibt.

Denkbar ist aber auch, dass der Versuch Chojnacki und Zürcher „durchzuboxen“ bereits gescheitert ist, da diese entnervt das Handtuch geworfen haben. So hat Chojnacki den Ruf an die Uni Kiel angenommen, wie man auf deren Website bei den Personalmeldungen vom August 2008 nachlesen kann. Folgerichtig finden sich im neuen OSI-KVV auch keine Lehrveranstalungen mehr von ihm.

Bei Zürcher ist der Sachverhalt nicht ganz so leicht zu klären. Sein Colloquium wird im Nachtrag (Stand: 09.10.08) als entfallen geführt, von seiner zweiten Lehrveranstaltung in diesem Semester, einem Hauptseminar zur „Einführung in die quantitativen Methoden am Beispiel der Konfliktforschung“ ist an dieser Stelle aber keine Rede. Diese LV taucht im Nachtrag nicht auf, wird demnach also vermutlich wie geplant stattfinden, womit Zürcher doch noch am Institut wäre und der Ausfall des Colloquiums andere Gründe hätte.

Selbst wenn nun nicht nur Chojnacki sondern auch Zürcher das OSI verlassen hätten, wäre eine solche Lösung des Konflikts natürlich alles andere als optimal. Denn es blieben auch in diesem Fall weiter viele Fragen offen.

Was passiert nun mit dem OSI-Strukturplan, werden die Änderungen rückgängig gemacht? Oder versucht man jetzt einfach zwei neue KandidatInnen für „verschlankte Berufungsverfahren“ zu gewinnen? Gibt es eine offene Diskussion über einen neuen Strukturplan? Erfolgt die Einsicht seitens des Dekanats PolSoz und des FBR PolSoz, dass es so wie letztes Semester einfach nicht geht? Ist die Vollprofessur Ideengeschichte gerettet oder ihre Beerdigung nur verschoben?

Update 15.10.08

Am morgigen Donnerstag (16.10.08) sind alle am Sachverhalt interessierten KommilitonInnen eingeladen um 16 Uhr ins Rote Café zu kommen. Dort soll die studentische Position zur jüngsten Entwicklung diskutiert werden und darüber hinaus das weitere Vorgehen geplant werden.

Update 16.10.08

Im aktuellen KVV-Nachtrag (15.10.) ist nachzulesen, dass Zürchers zweite Lehrveranstaltung in diesem Semester von Nora Röhner übernommen wurde. Auf Zürchers Website selbst heißt es, er sei ab Oktober „im Ausland“, seine LVs im WS 08/09 würden ausfallen. Was offen lässt, ob er für das SS 2009 nicht doch wieder ein „Comeback“ plant.

Hochschul-Kampagne für faire Computerbeschaffung

Oktober 12, 2008

WEED quengelt, weil FUwatch bisher nicht auf die Bitte reagiert hat, auf eine Veranstaltung für die „Hochschul-Kampagne für faire Computerbeschaffung“ hinzuweisen. Dabei sollte doch jeder der diesen Blog halbwegs regelmässig liest mitbekommen haben, dass FUwatch während der Semesterferien immer eine Sendepause einlegt.

Natürlich weise ich gerne auf diese Veranstaltung hin, obwohl man sicherlich besser gelegene Termine hätte finden können, als ausgerechnet den ersten Tag in der neuen Vorlesungszeit.

Es geht um das WEED-Projekt „PC global“, das sich für eine faire Beschaffung von Computern einsetzt, im hier genannten Fall insbesondere im öffentlichen Bereich / an Universitäten.

„PC global ist ein Projekt der NGO WEED – Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung und klärt über die Arbeitsbedingungen in der globalisierten Computerindustrie und ökologischen Auswirkungen der Produktion und Verschrottung der High-Tech-Geräte auf. Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im globalen Süden nachhaltig zu verbessern und die weltweite Abwärtsspirale bei Arbeit-, Umwelt- und Sozialstandards zu stoppen, wollen wir den Hebel der fairen öffentliche Beschaffung nutzen.“ (Aufruf via Mail, PC global)

Doch warum ausgerechnet im öffentlichen Bereich anfangen? Weil hier zum Beispiel 2006 in Deutschland 20% aller Desktop-Computer eingekauft wurden (ebd.). Gelänge es die öffentliche Hand zur Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Kriterien beim Computerkauf zu bewegen, könnte damit – so erhoffen es sich die Initiatoren – stärker Druck auf die Computerhersteller ausgeübt werden, so dass diese entsprechende Produkte anbieten und sich dann die Arbeits- und Umweltbedingungen in den Erzeugerländern verbessern.

Öffentliche Einrichtungen haben zudem „eine besondere Verantwortung, denn ihr Budget wird aus Steuergeldern gespeist. Daraus folgt, dass sich diese Institutionen vorbildlich verhalten müssen, wenn es um den Schutz von Menschenrechten und die Herstellung von Umweltgerechtigkeit geht“ (ebd.). Daher eignet sich gerade der öffentliche Sektor als Ausgangspunkt für die Einführung neuer, fairer Standards.

Auch an deutschen Universitäten wird jedes Jahr viel Geld für neue Computer ausgegeben. Daher möchten die Initiatoren von „PC global“ auch mit Berliner und Potsdamer KommilitonInnen die Möglichkeiten für faire Computerbeschaffung an ihren Unis diskutieren. In den USA waren ähnliche Projekte an Unis bereits erfolgreich.

Wer an dieser Kampagne mitwirken oder auch einfach erst mal nur mehr Informationen möchte, sollte sich am morgigen Montag (13.10.08) um 17:00 Uhr im Seminargebäude der HU (Dorotheenstr. 24) im Raum 3.019 einfinden.