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Zur siebten Ausgabe der OSI-Zeitung

Februar 11, 2009

Wie berichtet erschien unlängst die siebte Ausgabe der OSI-Zeitung. Hatte es 2006 und 2007 noch jeweils im Dezember eine OZ gegeben, so ließ sich die Redaktion dieses Mal bis Februar Zeit. Damit gab es im ganzen vergangenen Jahr nur eine Ausgabe im Juli. Ähnlich wie die ersten Ausgaben hat die aktuelle zudem auch wieder nur 16 Seiten (statt 20 wie bei den letzten).

Das Titelthema der siebten OSI-Zeitung ist natürlich der in diesem Semester stark eskalierte Konflikt um die Forschung am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700). Marcel Heberlein lässt hier im Hauptartikel beide Seiten zu Wort kommen (Risse für den SFB, Sarah für die KritikerInnen), wodurch ihm eine recht ausgewogene Darstellung der beiden Positionen gelingt. In einem ergänzenden Kommentar macht er dann aber keinen Hehl daraus, dass er für die Art und Weise wie die SFB-KritikerInnen ihre Kritik postulieren nicht viel übrig hat. Fraglich ist jedoch, ob die Analyse der KritikerInnen wirklich so unterkomplex ist wie Marcel glaubt.

Wie andere auch die Kritik an der SFB-Kritik äußern, tendiert Marcel dazu die KritikerInnen zu sehr auf ihre kämpferische Rhetorik zu reduzieren ohne sich mit der dahinterstehenden, durchaus vorhandenen Kritik wirklich auseinanderzusetzen. Richtig ist aber zunächst sicherlich die These, dass die KritikerInnen sich mit diesen bisweilen schrillen Kampfparolen keinen Gefallen tun. Für die Gegenseite ist es dann ein leichtes sich an solchen Provokationen hochzuziehen anstatt inhaltlich auf die Kritik einzugehen.

Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn z.B. der Neokolonialismus-Vorwurf von der OZ ausführlicher beschrieben worden wäre. Dieser reduziert sich eben keinewegs darauf, dass „ein weißer Mann vor einem weißen Publikum über andere Weltregionen richtet“. Sarah mag das gegenüber Marcel vielleicht so angeführt haben, nur dahinter steht natürlich mehr wie man z.B. in Hartmanns „SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“ nachlesen kann.

Dass das was die SFB-KritikerInnen vorbringen keineswegs einfach nur eine wilde Verschwörungstheorie ist kann man aber wie unlängst bereits betont z.B. auch in den Ausführungen des Kommilitonen Ralf Hutter nachlesen („SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“). Ralf hat sich die Mühe gemacht die umstrittenen Papiere von Koehler (und Zürcher) mal etwas detaillierter zu analysieren. Darüber hinaus dokumentiert er aber auch das Verhalten der SFB-Protagonisten und wie schwer sie sich damit tun auf kritische Nachfragen einzugehen.

So könnte ja theoretisch auch die OZ-Redaktion vorgehen: Sich inhaltlich mit den strittigen Papieren auseinandersetzen, ob nun vom SFB oder z.B. auf der Gegenseite von Detlef Hartmann, die Standpunkte der Autoren etwas detaillierter darstellen und dann deutlich machen, wo diese Standpunkte Schwächen haben und wo sie stimmig wirken. Die Frage ist natürlich, ob eine solche Analyse den Rahmen einer Publikation wie der OZ sprengen würde. Sicherlich wäre das dann ein etwas längerer Artikel oder gleich mehrere Artikel die sich verschiedenen Teilaspekten widmen, theoretisch machbar wäre es aber sicherlich.

Um den zweiten zentralen Aspekt, den Berufungsskandal im Fall Chojnacki/Zürcher, geht es dann im nächsten Artikel von Max Czollek. Wobei Max sich besonders auf den Kampf um den Erhalt der Professur Ideengeschichte konzentriert, die bekanntlich wegen der Berufung Chojnackis und Zürchers auf eine Juniorprofessur Ideengeschichte reduziert wurde. Bei seinem Engagement kam sich Max (und sicherlich nicht nur er) streckenweise wie ein Hamster im Laufrad vor. Auf einmal – als habe es nie wirklich einen Konfliktgrund gegeben – kommt der Vorschlag auf, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track auszustatten, womit es eine reale Chance gibt, dass aus der Juniorprofessur nach ihrem Auslaufen eine Vollprofessur wird. Wirklich sicher ist das aber nicht, auch nicht, ob das alles auch ohne den hartnäckigen studentischen Widerstand so gekommen wäre. Ganz so sinnlos war der Einsatz für den Erhalt der Professur vielleicht doch nicht.

Was im Artikel fehlt (bzw. in einem weiteren zu leisten gewesen wäre) ist eine etwas breitere Darstellung der Abläufe um die Berufungen von Chojnacki und Zürcher, die von Max nur angeschnitten werden. Er verweist zwar darauf, dass das Thema schon in der letzten OZ-Ausgabe ausführlich behandelt wurde. Nur das war im Juli, danach kamen die Semesterferien und der Skandal bekam noch einmal eine ganz neue Dimension, die bekanntlich soweit reichte, dass sogar Zöllner sich in dem Konflikt zu Wort meldete. Zumindest eine etwas ausführlichere Darstellung der Abläufe in der legendären FBR-Sitzung in der es dann nach den Ferien die Kampfabstimmung gab, wäre sicherlich ganz gut gewesen, um der bis dato weniger informierten Leserschaft vor Augen zu führen, wie knapp die Sache war und wie brachial sie ursprünglich durchgepeitscht werden sollte. Welche Professoren stimmten wie ab, welche Vorwürfe wurden geäußert, usw.

Der Artikel der in dieser OZ-Ausgabe die meisten bisher noch weitgehend unbekannten (nicht diskutierten) Informationen zu tage fördert ist sicherlich jener von Christa Roth, die die de facto Abwicklung der Politischen Erwachsenenbildung dokumentiert. Einem Sachverhalt dem man von studentischer Seite bisher sicherlich nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Erzählt wird, wie Prof. Zeuner versuchte sein „Lebenswerk“ zu retten und dabei doch chancenlos blieb. Nebenher erfährt der/die LeserIn wie sich das OSI eigentlich finanziert und wo das Modell hakt.

Richard Oelmann beschreibt in „Ministry of Love“ die Diskrepanz zwischen der Wohlfühl-PR die von der Kommunikations- und Informationsstelle der FU ausgeht und der oftmals deutlich bitteren studentischen Realität. Etwas anders sieht das sein Kollege Gerrit Horak, der findet es gibt noch genügend Gründe das Lachen an der FU nicht zu verlieren und appelliert an alle Beteiligten die Sache vielleicht nicht ganz so verbissen zu sehen.

Einmal mehr fällt hier auf, dass Gerrit bestimmte Erfahrungswerte zu fehlen scheinen. Etwa jene von Stefan Hernádi, der in seinem Artikel beschreibt was für Konsequenzen es für protestierende KommilitonInnen hat, wenn der FU-Präsident sein Hausrecht mittels eines unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes durchsetzen lässt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Gerrit diese oder ähnliche Erfahrungen an der FU selbst gemacht hat, denn ansonsten fiele es ihm sicherlich leichter nachzuvollziehen, warum einige seiner KommilitonInnen sich so schwer damit tun all den Mist der zur Zeit an der FU (oder dem OSI) läuft gelassener zu sehen bzw. zumindest einen anderen, gemäßigteren Tonfall zu finden. Er stellt zwar fest, dass das sehr vergiftete Klima am Institut von unterschiedlichen Seiten produziert wird, unternimmt darüber hinaus aber auch keinen ernsthaften Versuch zu ergründen, wie es eigentlich dazu kommen konnte.

Insgesamt ist diese OZ-Ausgabe jedoch gewohnt gelungen, sie bietet dem hochschulpolitisch immer gut infomierten Studierenden vielleicht nicht so sonderlich viel Neues, doch kann dieser auch nicht zum Maßstab genommen werden. Denn viele KommilitonInnen sind was die Hochschulpolitik an ihrer Uni / ihrem Institut angeht vielleicht nicht immer ganz so auf dem Laufenden. Dennoch wäre es wie oben ausgeführt wünschenswert gewesen, wenn man einige Vorgänge, besonders rund um den SFB-Komplex, noch etwas ausführlicher beschrieben hätte.

Riedmüller, Rotwein und das „Professorium“

Januar 17, 2009

Im Vorfeld der FU-Wahlen hat der Kommilitone Ralf Hutter, studentischer Vertreter der FSI-Liste im FBR PolSoz, einen Bericht über die letzten Vorkommnisse im Fachbereichsrat verfasst („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Kritik am Führungsstil der derzeitigen PolSoz Dekanin, Prof. Dr. Barbara Riedmüller.

Ralf thematisiert hier unter anderem noch einmal die sehr umstrittene Berufung von Zürcher und Chojnacki (siehe „Berufungsskandal“). Das „verschlankte Berufungsverfahren“ wurde mit einer „Rufabwehr“ begründet. Im Falle Chojnackis lag ein Ruf aus Kiel vor, im Falle von Zürcher angeblich einer der Uni Ottawa, der jedoch bis heute als etwas mysteriös gilt:

„Im Falle Zürcher gaben nämlich die beim Dekanat vorliegenden Dokumente Anlass zu Zweifeln bzgl. der Rechtmäßigkeit der Bewerbung. Die im Präsidialamt gelagerten Dokumente, in diesem Fall vor allem der Ruf der Universität Ottawa, durften gar nicht erst eingesehen werden.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Auch der Brief den Zöllner angesichts der Berufungsskandals verfasst hatte (siehe „Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“), blieb weitgehend geheim:

„Nicht einsehbar ist auch der Brief des Wissenschaftssenators Zöllner an die Dekanin, mit der er sie dazu aufforderte, die Schaffung der Professuren erneut abstimmen zu lassen (angeblich wegen Formfehlern). Riedmüller las nur ausgewählte Sätze daraus vor. Ihr Amtsführungsstil bewirkte auch in diesem Fall Misstrauen.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Wie berichtet kam es dann nach den Semesterferien zu einer teilweise hitzig geführten Diskussion unmittelbar vor der zweiten Abstimmung („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Im Zuge dieser Debatte (die sich insgesamt über mehr als eine FBR-Sitzung hinzog) wurde nach Angaben Ralfs auch die Dekanin Riedmüller stark kritisiert:

„Bei diesem für das OSI derart wichtigen Thema zeigte sich übrigens mehrere Male in besonderem Ausmaß der autoritäre Stil der Dekanin, die auch eine WiMi und mindestens zwei Profs derart hart ob deren Positionierungen anging, dass einer der letzteren bei seiner zweiten Wortmeldung schon das Wort ‚Dienstaufsichtsbeschwerde‘ in den Mund nahm.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Ralf schneidet in seinem Bericht auch die Auseinandersetzung im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Diskussionsveranstaltung vom 12.12.08 an, die wie berichtet verhindert werden sollte (siehe „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“). Riedmüller die den Raum nicht bewilligen wollte, störte sich offenbar an vermeintlichen NS-Anspielungen auf dem Einladungs-Flyer (siehe dazu den Absatz „Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung“ in „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), hatte mit dieser Begründung allerdings relativ lange hinter dem Berg gehalten:

„Im Vorfeld hatte es geheißen, es sei eine professorale Kostenstelle als verantwortlich zu benennen, Studis könnten also alleine keinen freien Hörsaal für eine institutsbezogene Veranstaltung bekommen. Kurzfristig wurde dieses Argument dann wieder relativiert, doch einen Tag vor dem Termin sprach Riedmüller doch das Raumverbot aus, und zwar wegen einer vermeintlichen Anspielung auf den Nationalsozialismus auf dem Veranstaltungsplakat.

(…) Nachträglich ließ Riedmüller wissen, sie habe die Plakate schon lange vorher anstößig gefunden, das aber zunächst nicht als Grund für die Ablehnung des Raumantrags genannt. Auch in der FBR-Sitzung zwei Tage vor der Veranstaltung habe sie nicht über selbige reden wollen, obwohl der Termin dort thematisiert wurde.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Am Ende kommt Ralf dann auf das so genannte „Professorium“ zu sprechen, ein informelles Gremium, bei dem sich eine Gruppe von Professoren „über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich“ berät:

„Die Grundlagen der Politik liegen aber, wie immer, hinter den Kulissen, sprich: außerhalb der Gremien. Das zeigt die Existenz des ‚Professoriums‘, eines unregelmäßigen und informellen Treffens von Profs ‚bei Rotwein‘ (Riedmüller), bei dem über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich beraten wird.“

Erwähnung findet dieses „Professorium“ auch in einem Artikel mit dem Titel „Exzellenter Klüngel SFB 700“ von „Rosa Rot“ veröffentlicht im neuen Papier der SFB-KritikerInnen:

„Am Beispiel des Berufungsskandals Chojnacki/Zürcher ist diese informalisierte Vorgehensweise sehr deutlich zu veranschaulichen. Schon im Vorlauf probierten die VertreterInnen des SFB an unterschiedlichen Stellen im Fachbereich eine Professur auf die Person Zürcher umzuwidmen.

Zunächst die freigewordene Professur am Ethnologie-Institut, was de facto dessen Ende bedeutet hätte. Dies stieß auf heftigen Widerstand bei den EthnologInnen und wurde verhindert.

Daraufhin trafen sich einige ProfessorInnen des OSI informell. Auf die Absprachen dieses Treffens wurde im Nachhinein immer wieder mit ‚Professorium‘ Bezug genommen. Ein Professorium ist jedoch weder im Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) noch sonst in einem Gesetz vorgesehen.

Dann wurde der OSI-Strukturplan, – in dem festgelegt ist, welche Professuren es gibt und über den herkömmlicherweise öffentlich entschieden werden muss –, sowohl im Institutsrat wie im Fachbereichsrat (FBR) in der nichtöffentlichen Sitzung verändert. Unter Ausschluss einer öffentlichen Debatte.

So gelang es aus der Vollprofessur Ideengeschichte die vom SFB gewünschten Professuren für ‚Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung‘ und zusätzlich ‚Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik‘ institutionell einzufädeln.“ („Exzellenter Klüngel SFB 700“, in: „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“, S. 23)

Leider erfährt der/die LeserIn keine weiteren Details über das Wirken dieses „Professoriums“. Hat es tatsächlich wie hier suggeriert wird die Berufung von Zürcher und Chojnacki „beschlossen“ bevor diese in offiziellen Gremien zum Thema wurde? Gab es weitere konkrete Fälle in denen das Professorium getagt hat, z.B. im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Veranstaltung? Und welche ProfessorInnen gehören diesem ominösen informellen Gremium überhaupt an? Darüber liegen anscheinend noch keine detaillierten Erkenntnisse vor.

Zwei Veranstaltungen im Roten Café

Januar 6, 2009

Für die Berufungskommission zur Besetzung der Juniorprofessur für Ideengeschichte werden auch die studentischen VertreterInnen in den Gremien bis zum 10.01. ein studentisches Mitglied nominieren. Wer in der OSI-Studierendenschaft darüber mitbestimmen will, wer diese Aufgabe wahrnehmen soll oder sich auch gleich selbst bewerben möchte, sollte sich am morgigen Mittwoch (07.01.) um 18 Uhr im Roten Café einfinden. Die Aufgabe ist sicherlich wichtig, die entsprechende Person sollte gut ausgewählt werden, weshalb Interessierte zahlreich im Roten Café erscheinen sollten.

Am darauffolgenden Donnerstag (08.01.) gibt es dann eine weitere Veranstaltung im Roten Café diesmal um 14 Uhr, bei der sich die Anwesenheit ebenfalls lohnt. Der Einladung ist zu entnehmen, dass hier noch einmal die „Skandale und Skandälchen“ in diesem Wintersemester thematisiert werden sollen.

Konkret geht es um den „Berufungsskandal“, den Kampf um den Erhalt des Diploms, die zunehmende giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten anderer am Institut. Interessierte Studierende sollten ins Rote Café kommen, um dort zu diskutieren was man gegen diese Fehlentwicklungen tun kann.

Update 07.01.09

Wie Dennis bereits in den Kommentaren anmerkte wurde das erstgenannte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission auf Freitag (09.01.) um 16 Uhr verlegt. Ein Raum soll noch organisiert werden, Treffpunkt ist zunächst das Foyer der Ihne 21.

Update 08.01.09

Das besagte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission findet jetzt im Hörsaal B der Ihne21 statt (09.01., 16 Uhr).

Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR

Dezember 16, 2008

Wie der Kommilitone Günter Barsch im Tagesspiegel berichtet, hat eine Mehrheit in der letzten Sitzung des Fachbereichsrats (FBR) PolSoz („Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“) die Berufung von Sven Chojnacki (Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung) und Christoph Zürcher (Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik) beschlossen. Günter fasst die dieser Entscheidung vorausgegangene Auseinandersetzung wie folgt ganz treffend zusammen:

„Das Gremium bestätigte damit eine Entscheidung, die in den Semesterferien aufgrund eines Studenten-Vetos vertagt, dann aber im September gefällt wurde – allerdings ohne Beteiligung mehrerer Professoren, die von ihrem Recht Gebrauch machen wollten, an den Personalentscheidungen mitzuwirken.

In Protestschreiben an Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner beklagten die Professoren sowie Studentenvertreter und die Frauenbeauftragte des Fachbereichs außerdem, dass Struktur- mit Personalentscheidungen verquickt wurden. Zudem sei versucht worden, die Berufungen ohne öffentliche Ausschreibung in den Ferien ‚durchzuboxen'“. („FU-Politologen einigen sich über Professuren“, Tagesspiegel, 12.12.08)

Wie Günter weiter berichtet, hat Dekanin Prof. Riedmüller deutlich gemacht, dass der Wissenschaftssenator die Berufungsliste keineswegs wegen Verfahrensfehler zurückgewiesen habe, was die Senatsverwaltung gegenüber dem Tagesspiegel dann auch bestätigte. Zöllner habe lediglich dazu geraten, die Abstimmung erneut durchzuführen zu lassen – „im Sinne des Klimas am Institut“ (zitiert nach ebd.).

In einem Eintrag im Hauptstadtblog hat Günter inzwischen weitere Details zu der Abstimmung im FBR veröffentlicht („Kein Kompromiss bei FU-Politologen“, hauptstadtblog.de, 13.12.08). Für die Berufung Chojnackis sprachen sich demnach 24 TeilnehmerInnen aus, 13 stimmten gegen die Berufung, eine Person enthielt sich. Für Christoph Zürchers Berufung stimmten 19 TeilnehmerInnen, 17 dagegen und 2 enthielten sich. Insgesamt waren also offenbar 38 stimmberechtigte Personen anwesend (32 ProfessorInnen, 3 Studierende und 3 wissenschaftliche MitarbeiterInnen). Die Abstimmung war nichtöffentlich.

Hitzige Debatte im Vorfeld

Unmittelbar vorausgegangen war der Abstimmung eine teils hitzig geführte Debatte zwischen den beiden Lagern. Relativ ausführlich kann man dies im FSI OSI Blog nachlesen:

„Schnell wurde klar, dass es für viele der Anwesenden nicht nur um die erneute Entscheidung über zwei umstrittene Berufungsverfahren ging. Viele der das Verfahren kritisierenden Profs (…) kritisierten vor allem die oft informelle aber mächtige Einflussname der im Sonderforschungsbereich und den Internationalen Beziehungen tätigen KollegInnen (…)

Weiterhin stellten sich viele Redebeiträge gegen eine Verlagerung des Schwerpunktes des OSI als ganzem hin zu einem ‚reinen IB-Institut‘ (Bolle). Allerdings blieb es während der öffentlichen Debatte sehr oberflächlich und kam eher nur zu Äußerungen allgemeinen Unwohlseins über die Situation.“ („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Tenure Track als letzte Rettung der Vollprofessur Ideengeschichte?

Dass es am Ende dennoch für eine Mehrheit für beide Berufungen gereicht hat, führt man bei der FSI OSI primär darauf zurück, dass in Aussicht gestellt wurde, die neue Juniorprofessur Ideengeschichte mit Tenure Track auszustatten (wie das bei der Juniorprofessur „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“ (Ladwig) zur Zeit ja bereits der Fall ist). Tenure Track bietet den Vorteil, dass eine normalerweise befristete Juniorprofessur hier nach einem bestimmten Zeitraum automatisch zur Vollprofessur wird. Den Stimmberechtigten wurde also in Aussicht gestellt, dass es doch noch eine Vollprofessur Ideengeschichte geben kann, was die zentrale Forderung der KritikerInnen war.

Ob die neu auszuschreibende Juniorprofessur allerdings wirklich mit Tenure Track versehen wird, soll am morgigen Mittwoch (17.12.) im Institutsrat (IR) geklärt werden. Dieser tritt um 9 Uhr in der Ihne21 Hörsaal B zusammen, um unter anderem auch die „Ausschreibung und Berufungskommission der Juniorprofessur ‚Politische Theorie und Ideengeschichte'“ zu diskutieren. Auf studentischer Seite ist man immer noch skeptisch, ob das in Aussicht gestellte Tenure Track wirklich in die Ausschreibung gelangt und einen verbindlichen Charakter erhält. Ein möglichst zahlreiches Erscheinen auch von Studierenden erscheint auf der morgigen IR-Sitzung daher mal wieder dringend nötig.

Zürcher der „Problem-Prof“

Auffällig bei der Abstimmung war, dass das Ergebnis im Falle Zürchers doch deutlich knapper ausfiel als bei Chojnacki. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt.

Zunächst wäre zu nennen, dass die Grundlage der beiden „verschlankten Berufungsverfahren“ eine so genannte „Rufabwehr“ war. Zürcher und Chojnacki hatten angeblich beide einen Ruf von einer anderen Universität erhalten, um sie an der FU zu halten mussten ihnen zügig unbefristete Stellen angeboten werden. So das Argument der Berufungsbefürworter.

Im Fall von Chojnacki lässt sich das leicht belegen, er hatte einen Ruf der Uni Kiel erhalten. Zürchers Ruf von einer anderen Uni blieb jedoch „geheim“, er lag angeblich nur dem Präsidium vor, niemand der Anwesenden im FBR hatte ihn je zu gesicht bekommen, was zumindest einigen Abstimmungsberechtigen offenbar recht suspekt erschien.

Es besteht darüber hinaus rechtlich aber auch noch ein Unterschied, ob ein Kandidat wie im Falle Chojnackis vom Juniorprofessor zum Vollprofessor erhoben wird oder aber er wie Zürcher bereits eine befristete Vollprofessur inne hatte und nun eine entfristete Stelle antreten soll.

Wolf Dermann hatte in einem FUwatch-Kommentar unlängst verdeutlicht, dass das Berliner Hochschulgesetz sehr wohl und ausdrücklich vorsieht, dass ein bereits an der Uni tätiger Juniorprofessor zum Vollprofessor „befördert“ werden kann (auch auf eine völlig neue Professur), ohne sich dafür einem Berufungsverfahren stellen zu müssen (§ 94, Abs. 2, Satz 2 BerlHG). Nach § 101, Abs. 5, Satz 1-2 BerlHG wäre die Berufung Chojnackis nur dann nicht möglich, wenn er seit seiner Promotion an der FU nicht mindestens zwei Jahre außerhalb der FU wissenschaftlich tätig gewesen wäre. Er war jedoch zwischendurch länger als WiMis am WZB.

Wolf hatte aber in einem Nachtrag auch eingeräumt, dass der Fall Zürcher anders liegt. Denn dieser war ja bisher nicht Juniorprofessor sondern bereits befristet als W2-Voll-Prof tätig.

Unklar ist nach wie vor auf was sich das Rechtsgutachten das der AStA in Auftrag gegeben hatte im Detail stützt. Denn dieses hatte ja offenbar beide Berufungen als rechtwidrig eingestuft. Im Kern der Argumentation geht es aber wohl darum, dass erst eine Stelle im Strukturplan eingerichtet sein muss, bevor über ihre Besetzung entschieden wird – was hier nach Einschätzung der Gutachter nicht der Fall war. Stattdessen stand die Besetzung der Professuren mit Zürcher und Chojnacki bereits fest noch bevor der neue Strukturplan verabschiedet wurde („Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“).

Von studentischer Seite wurde Zürcher darüber hinaus auch für seine Forschungsarbeit am SFB kritisiert, die FSI OSI führt aus:

„So hatte Zürcher auf einer Afghanistanreise nachweisbar sowohl für den Sonderforschungsbereich geforscht als auch eine Auftragsarbeit für das Bundesverteidigungsministerium erstellt.

Diese Umfrage, die den Studierenden in Papierform vorlag, legitimiert den Einsatz der Bundeswehr im Ausland und fordert indirekt zur Entsendung von mehr Truppen auf. Zwar wurde dieser Vorwurf der Verstrickung des SFB mit Auftragsforschung zurückgewiesen, da das eine öffentliche Forschung sei und das andere Privatsache. Überzeugend wirkte das Argument auf uns Studierende jedoch nicht. („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Trotz all dieser Bedenken reichte es jedoch wie ausgeführt auch für Zürcher am Ende. Auch seine Professur erhielt die benötigte Mehrheit.

Wie wird es jetzt weitergehen?

Zürcher war zu Beginn des Semesters kurzfristig (d.h. ungeplant) ins Ausland entschwunden („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), wird nun aber vermutlich die Berufung annehmen und zum nächsten Semester ans OSI zurückkehren.

Doch was ist mit Chojnacki? Der war ja bereits einem Ruf aus Kiel gefolgt (Personalmeldungen der Uni Kiel, August 2008). Cancelt er also seine Tätigkeit dort und kehrt ans OSI zurück? Und wenn nicht, wird die für ihn geschaffene Professur mit einer andere Person besetzt?

Die „Studentische Initiative für politische Theorie am OSI“ – und andere am Erhalt bzw. der Neubesetzung einer Vollprofessur Ideengeschichte interessierte Personen – werden nun versuchen sicherzustellen, dass die Juniorprofessur tatsächlich mit Tenure Track ausgestatett wird, da jetzt nur noch so am Ende tatsächlich auch eine Vollprofessur stehen kann.

Fazit

Die nach Meinung vieler Beobachter fragwürdige Berufung der beiden Professuren ohne Ausschreibung, die erneute Aufwertung des ohnehin schon dominanten Bereichs IB am OSI bei zeitgleichem Abbau der Ideengeschichte hatte an der FU („Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und über die FU hinaus („Widerstand gegen Abwertung der Ideengeschichte am OSI“) für viel Kritik gesorgt.

Nachdem der Versuch die beiden neuen Professuren in der Ferienzeit unter Abwesenheit vieler abstimmungswilliger Professoren „durchzuwinken“ gescheitert war, Chojnacki nach Kiel gegangen war und Zöllner die Liste zurückgewiesen hatte, sah es für einen Augenblick wirklich so aus, als hätten die KritikerInnen in dieser Auseinandersetzung die Oberhand gewonnen. Nüchtern muss man nun bilanzieren: Dem war offenbar nicht so. Die beiden Professuren wurden nun doch beschlossen.

Zu hoffen bleibt, dass Chojnacki jetzt wenigstens so konsequent ist und in Kiel bleibt. Bei Zürcher könnte man darauf spekulieren, dass der Vorgang wie hier eine befristete Stelle entfristet wurde (bzw. wie ein befristeter Prof ohne Berufungsverfahren auf eine neue entfristete Stelle „geschoben“ wurde) sich am Ende doch noch als rechtlich nicht haltbar herausstellt. Da die beiden neuen Professuren so eindeutig mit den beiden Personen verzahnt wurden, würden dann wohl auch die beiden Stellen verschwinden. Oder aber, sie existieren vielleicht doch weiter, als unbesetzte Geisterprofessuren im OSI-Strukturplan…

Darüber hinaus wird sich erst noch erweisen müssen, ob die „Tenure Track Option“ eine ernst gemeinte Offerte war oder man die KritikerInnen mit der Möglichkeit dieser Option nur ruhig stellen wollte und in Wahrheit nicht wirklich vorhat, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track zu koppeln und damit den Weg zu einer Vollprofessur zu bereiten.

Update 17.12.08

Der Blogeintrag wurde auf Basis von Informationen aus dem FSI OSI Blog redigiert und erweitert. Dies betrifft insbesondere die Tenure Track Thematik und die damit verbundende Frage, ob aus der Juniorprofessur Ideengeschichte nicht doch noch eine Vollprofessur werden kann.

Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt

Dezember 8, 2008

Obwohl Prof. Chojnacki bereits einem Ruf an die Uni Kiel gefolgt ist und Prof. Zürcher kurzfristig alle seine Lehrveranstaltungen in diesem Semester abgesagt hat und seither nicht mehr gesehen war („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), verfolgt der Fachbereichsrat (FBR) PolSoz offenbar weiterhin die mehr als umstrittene Berufung der beiden Professuren.

„Das von Dekanin Barbara Riedmüller vorangetriebene ’schlanke Berufungsverfahren‘ war damit begründet worden, dass Chojnacki und Zürcher beide einen Ruf an andere Universitäten erhalten hätten, aber an der FU gehalten werden sollten. Mittlerweile hat jedoch Chojnacki das OSI verlassen und eine Professur in Kiel angenommen, so dass eine ‚Rufabwehr‘ gar nicht mehr möglich ist.

Im Falle Zürchers gibt es Hinweise, dass er gar keinen Ruf einer anderen Universität als Vollprofessor erhalten hat. Zudem gibt es offenbar Unregelmäßigkeiten mit der Bewerbung Zürchers am OSI: Einem studentischen FBR-Vertreter konnte nur ein Lebenslauf, aber kein Bewerbungsschreiben vorgelegt werden.“ (Flyer der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“)

Darüber hinaus hatte Wissenschaftssenator Zöllner die ihm vorgelegte Berufungsliste mit dem Hinweis auf Verfahrensfehler abgelehnt und eine erneute Abstimmung gefordert:

„Wissenschaftssenator Zöllner kritisierte die ‚politische Kultur‘ am OSI, auch weil im vergangenen Semester ProfessorInnen die Möglichkeit der Stimmabgabe im Berufungsverfahren verweigert wurde. Die Streichung der Vollprofessur ‚Politische Ideengeschichte‘ im OSI-Strukturplan, um zwei für Chonjacki und Zürcher maßgeschneiderte Konfliktforschungs-Professuren zu schaffen, hatte in Wissenschaftlerkreisen für Aufregung gesorgt.“ (ebd.)

Am kommenden Mittwoch (10.12.08) soll in der FBR-Sitzung um 9 Uhr in der Ihne21, Hörsaal B nun in einem zweiten Anlauf erneut versucht werden, die beiden Professuren durchzuwinken.

Was das jetzt noch überhaupt bringen soll, wenn Chojnacki bereits weg und Zürcher wohl auch am gehen ist, bleibt unklar. In jedem Fall hätte die Einrichtung der Professuren aber wohl den endgültigen Untergang der Vollprofessur Ideengeschichte zur Folge.

Es empfiehlt sich daher dem Aufruf der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“ zu folgen und möglichst zahlreich am Mittwoch zur besagten FBR-Sitzung zu erscheinen, um Protest gegen die Berufungen zum Ausdruck zu bringen und eine Diskussion am Institut über den Strukturplan einzufordern.

Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert

Oktober 13, 2008

Im letzten Semester zählte der Berufungsskandal um die Professoren Sven Chojnacki und Christoph Zürcher zu den am kontroversesten diskutierten Sachverhalten innerhalb des OSIs.

Nachdem bekannt geworden war, dass der Institutsrat den Bereich Internationale Beziehungen durch eine Berufung von Chojnacki und Zürcher stärken will, während zeitgleich die Vollprofessur Ideengeschichte dafür geopfert werden sollte (siehe „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“), formierte sich am Institut und auch außerhalb ein breiter Widerstand gegen diese Berufungen.

Gegenstand der Kritik war dabei nicht nur die Opferung der Vollprofessur Ideengeschichte für zwei weiteren Stellen im Bereich IB, auch die Art und Weise wie das von statten gehen sollte, sorgte für Empörung. Durch ein rechtlich höchst fragwürdiges „verschlanktes Berufungsverfahren“, bei dem die beiden einzigen Kandidaten für ihre Stelle jeweils schon feststanden, und ohne eine öffentliche Debatte am Institut, sollten Chojnacki und Zürcher die Professuren zugeschanzt werden. Beide Professoren waren bisher nur befristet an der FU beschäftigt und man hoffte, sie mit Hilfe der „verschlankten Berufungsverfahren“ halten zu können.

Das Ganze fand dann seinen vorläufigen Höhepunkt mit einer gut besuchten Diskussionsrunde zum Sachverhalt (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und mit einem durch den AStA in Auftrag gegebenen Rechstgutachten. Dieses stufte den neuen OSI-Strukturplan (mit den besagten Änderungen) als rechtswidrig ein (siehe „Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“). Ein Rechtsgutachten, auf das das Rechtsamt der FU bis heute nicht reagiert hat.

Der Skandal setzte sich in den Semesterferien fort, als man seitens des Verwaltungsapparats offenbar versuchte mit allen Tricks und Kniffen eine studentische Mitbestimmung im Fachbereichsrat (FBR) zu torpedieren. In einem offenen Brief der studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU an den Wissenschaftssenator Zöllner heißt es dazu:

„Es wurde zudem offenbar gezielt versucht, studentische Mitbestimmung zu verhindern, indem mitten in der vorlesungsfreien Zeit, obwohl Abstimmungen über Berufungsvorschläge nach den einschlägigen Ausführungsbestimmungen ausdrücklich nur in der Vorlesungszeit stattfinden sollen, vom Dekanat eine neue Vertretungsregelung für die studentischen VertreterInnen eingeführt wurde.

Bisher waren alle gewählten Listenmitglieder der studentischen VertreterInnen wahlberechtigt, ohne Vertretungsschreiben. Die neue Regelung, nach der Geschäftsordnung des Akademischen Senats, verlangt eine schriftliche oder fernmündliche Abmeldung von allen Listenmitgliedern, die eine höhere Stimmzahl haben, als die das Stimmrecht wahrnehmende Studierende.

Dass hier alle Tricks zur Verhinderung von Gegenstimmen angewendet wurden, zeigt auch die Verweigerung des Stimmrechts für ProfessorInnen, die nicht dem FBR angehören und die sich für die zweite Sitzung (in der vorlesungsfreien Zeit), die wegen des Gruppenvetos notwendig wurde, anmelden wollten. Auch sie wurden trotz vorgetragener guter Argumente für ihr Stimmrecht zurückgewiesen, obwohl sie wegen Urlaubs nicht rechtzeitig Kenntnis von der Einladung zur ersten Feriensitzung erlangt hatten.“ (Offener Brief der Studi-VertreterInnen an Zöllner)

Nicht nur Studierende, sondern auch dem Vorgang gegenüber kritisch eingestellte ProfessorInnen wurden hier also offenbar von dem Entscheidungsprozess ausgegrenzt.

Nachdem alle Einwände abgeschmettert waren, verabschiedete der FBR die Berufungslisten, welche anschließend vom Dekanat an den Wissenschaftssenator weitergereicht wurden, der die Berufungen noch bestätigen muss. Daher auch der oben schon erwähnte offene Brief an Zöllner von den studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU, den man hier in ganzer Länge nachlesen kann und der einen guten Überblick über den derzeitigen Sachstand gibt.

Denkbar ist aber auch, dass der Versuch Chojnacki und Zürcher „durchzuboxen“ bereits gescheitert ist, da diese entnervt das Handtuch geworfen haben. So hat Chojnacki den Ruf an die Uni Kiel angenommen, wie man auf deren Website bei den Personalmeldungen vom August 2008 nachlesen kann. Folgerichtig finden sich im neuen OSI-KVV auch keine Lehrveranstalungen mehr von ihm.

Bei Zürcher ist der Sachverhalt nicht ganz so leicht zu klären. Sein Colloquium wird im Nachtrag (Stand: 09.10.08) als entfallen geführt, von seiner zweiten Lehrveranstaltung in diesem Semester, einem Hauptseminar zur „Einführung in die quantitativen Methoden am Beispiel der Konfliktforschung“ ist an dieser Stelle aber keine Rede. Diese LV taucht im Nachtrag nicht auf, wird demnach also vermutlich wie geplant stattfinden, womit Zürcher doch noch am Institut wäre und der Ausfall des Colloquiums andere Gründe hätte.

Selbst wenn nun nicht nur Chojnacki sondern auch Zürcher das OSI verlassen hätten, wäre eine solche Lösung des Konflikts natürlich alles andere als optimal. Denn es blieben auch in diesem Fall weiter viele Fragen offen.

Was passiert nun mit dem OSI-Strukturplan, werden die Änderungen rückgängig gemacht? Oder versucht man jetzt einfach zwei neue KandidatInnen für „verschlankte Berufungsverfahren“ zu gewinnen? Gibt es eine offene Diskussion über einen neuen Strukturplan? Erfolgt die Einsicht seitens des Dekanats PolSoz und des FBR PolSoz, dass es so wie letztes Semester einfach nicht geht? Ist die Vollprofessur Ideengeschichte gerettet oder ihre Beerdigung nur verschoben?

Update 15.10.08

Am morgigen Donnerstag (16.10.08) sind alle am Sachverhalt interessierten KommilitonInnen eingeladen um 16 Uhr ins Rote Café zu kommen. Dort soll die studentische Position zur jüngsten Entwicklung diskutiert werden und darüber hinaus das weitere Vorgehen geplant werden.

Update 16.10.08

Im aktuellen KVV-Nachtrag (15.10.) ist nachzulesen, dass Zürchers zweite Lehrveranstaltung in diesem Semester von Nora Röhner übernommen wurde. Auf Zürchers Website selbst heißt es, er sei ab Oktober „im Ausland“, seine LVs im WS 08/09 würden ausfallen. Was offen lässt, ob er für das SS 2009 nicht doch wieder ein „Comeback“ plant.

Rezension der sechsten OZ-Ausgabe

Juli 14, 2008

Eine generelle Strategie von Print-Medien gegenüber Online-Medien zu bestehen lautet bekanntlich, mehr in die Tiefe zu gehen, umso den Nachteil im Hinblick auf Aktualität auszugleichen. Eine Tageszeitung lesen im Internet-Zeitalter zunehmend weniger, wenn sie nur Informationen enthält, die mensch am Abend zuvor schon in einer Online-Publikation nachlesen konnte (wobei natürlich viele Tageszeitung selbst ihre Printausgabe vom nächsten Tag schon am Abend zuvor online zur Verfügung stellen).

Bezogen auf das Verhältnis von OZ und FUwatch bedeutet dies unter anderem, dass die OZ-Redakteure den beteiligten Akteuren auch hinterher telefonieren, Anfragen mailen, Interviews führen, bisher nicht publik gewordene Hintergründe recherchieren, usw. Eben alles Dinge, die FUwatch und andere FU-Blogs schon allein aus zeitlichen Gründen in dieser Form nicht leisten können.

Blog-Einträge erscheinen deutlich häufiger als Print-Magazine wie die OSI-Zeitung und würde man beim Bloggen dann parallel zur hohen Release-Geschwindigkeiten einen ähnlichen, mit dem von „regulären“ Publikationen vergleichbaren, hohen Recherche-Aufwand betreiben (was einige Blogger durchaus tun), würde das Bloggen schnell zum Fulltime-Job mutieren.

Gerade aber diese Hintergrundinformationen zu ermitteln und die Betroffenen auch selbst zu einem Statement gegenüber der OZ zu bewegen, scheint jedoch sehr schwierig, wie eine der neusten, sechsten Ausgabe beigelegte Sonderseite deutlich macht. Dort ist die Rede von ignorierten Anfragen, willkürlich nicht autorisierten Zitaten, Versuchen die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen und erst gegebenen, dann aber zurückgezogenen Interviews. So könne die OZ nicht wie von ihr gewünscht für mehr Transparenz sorgen. Die Redaktion schreibt:

„Wir werden dann in den Bereich des Spekulativen getrieben. Und gerade dieses Verhalten, dieses Zurückhalten der eigenen Meinung, führt am Ende meist dazu, dass die EntscheidungsträgerInnen stärker und kritische Stimmen immer schwächer werden.“ (Sonderseite der 6. OZ)

Und hier wäre meine Frage: Wieso denn? Wenn sich ein Akteur, sei es nun einE DozentIn oder z.B. der AStA, zu einem Vorwurf nicht äußern will, dann schreibt man eben notwendigerweise stärker im Konkunktiv oder stellt nur die Seite dar, die sich äußern will.

Letztlich ist es eine Frage der richtigen „Erziehung“: Den Kontaktierten muss klar gemacht werden, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, der Kommunikation mit der OZ nicht auszuweichen, weil bei einer Verweigerungshaltung die Berichterstattung dann eben mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einseitig und zu ihren Ungunsten laufen wird. Nicht aus „Rache“, sondern weil dann folgerichtig eben z.B. nur die Person zitiert wird, die ihren Standpunkt gegenüber der OZ deutlich gemacht hat.

Auch Informationen werden nicht erbettelt, sondern erkämpft – was die Bereitschaft voraussetzt, an einem gewissen Punkt dann auch Druck zu machen.

Die OZ-Redaktion könnte ihrem Anliegen für mehr Transparenz zu sorgen für den Anfang z.B. auch dadurch näher kommen, dass sie die entsprechenden Personen namentlich nennt, die im Nachhinein z.B. einfach ein Interview zurückziehen.

Zum Glück scheint aber die Verweigerung mit der OZ zu kommunizieren so krass auch wieder nicht zu sein. In ihrer Titelgeschichte über die Degradierung der Ideengeschichte-Professur zur Juniorprofessur zu gunsten von zwei neuen IB-Professuren lassen die Kommilitonen Marcel und Gerrit diverse Personen zu Wort kommen: Funke, Riedmüller und Rima die studentischen Vertreterin im FBR. Mit Riedmüller die den neuen Strukturplan verteidigt und Funke der ihn kritisiert, hat man auch beide Seiten in den Artikel einbinden können.

Das einzige was im Artikel fehlt, ist die rechtliche Fragwürdigkeit des „schlanken Verfahrens“ (zur Berufung der beiden IB-Profs). Dieses „verschlankte Verfahren“ wird zwar beschrieben, die Frage inwiefern es überhaupt rechtens war, wird im Artikel aber nicht diskutiert. Dass Zürcher und Chojnacki diese Professuren auf dem Tablett serviert bekommen, ohne sich einem regulären Berufungsverfahren stellen zu müssen, ist ein nicht unerheblicher Punkt in diesem Skandal, den man durchaus noch weiter hätte beleuchten können, als dies im Artikel passiert ist.

Auch die Namen „Risse“ und „Börzel“ fallen kein einziges Mal, obwohl sie z.B. auf der Diskussionsveranstaltung zum Thema (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) den neuen Strukturplan massiv verteidigt haben und man den Eindruck bekam, sie wären so etwas wie die „federführenden Architekten“ gewesen.

Man hätte dann Prof. Risse z.B. auch mal die Chance geben können, seinen Vortrag warum die Ideengeschichte angeblich nicht maßgeblich geschwächt wurde oder warum die Politische Theorie durch andere Teildisziplinen abgedeckt werden kann, noch einmal in schriftlicher Form in der OZ niederzulegen. Ich glaube, das wäre durchaus interessant zu lesen gewesen.

In seinem abschließenden Kommentar macht Marcel dann zumindest noch einmal sehr deutlich, warum die vorgebrachte Argumentation im Sinne von „Profilbildung“ des OSIs höchst fragwürdig ist.

Der meiner Meinung nach beste Artikel in der Ausgabe ist der über die unzumutbaren Situation für Lehrbeauftragte am Institut von Alina und Laurence. Gewiss, die Erkenntnis, dass Lehrbeauftragte am OSI ausgenutzt werden, obwohl sie zeitgleich inzwischen so etwas wie das eigentliche Rückgrat der Lehre bilden, ist nicht neu.

Alina und Laurence gehen aber viel tiefer, differenzieren zwischen Lehrbauftragten die sich ausgebeutet fühlen und solchen, die das nicht von sich sagen möchten. Weiter wird deutlich, dass es nicht nur um die schlechte materielle Versorgung der „Lehrknechte“ geht, sondern auch darum wie schlecht sie teilweise logistisch vom Institut unterstützt werden und was für eine starke Intransparenz bei der Lehrplanung herrscht.

Auch die reine Kommunikation, der Informationsfluss zwischen Institut und Lehrbeauftragten ist offenbar lausig, was in der Tat auch Rückschlüsse auf die offenbar nicht allzu große Wertschätzung des Instituts gegenüber seinen Lehrbeauftragen zulässt. Insgesamt ein solide ausgearbeiteter Artikel der Einblicke in eine Problemstellung gibt, die zwar jedem am OSI irgendwie bekannt ist, deren Ausmaß man so aber vermutlich nicht unbedingt immer präsent hat.

Wirklich lesenswert ist ferner der Beitrag von „Ruben McLoop“, auch wenn nicht ganz ersichtlich ist, warum er offenbar unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde, denn so brisant ist sein Inhalt ja auch nicht. In der bewusst als „subjektiv“ deklarierten „Betrachtung der Unipolitik“ berichtet der Autor anhand von fünf Thesen „vom Nutzen unrealistisch zu denken“ und über die Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Hochschul-Struktur einen kritischen Blickwinkel aufrecht zu erhalten.

Auch Josephines Beitrag zur Frage der Unterschiede zwischen dem Protest der 68er und der momentanen Studierenden-Generation, der aus einem Artikel zum Aktionstag und aus einem Interview mit Prof. Zeuner besteht, ist gut gelungen.

Einerseits skizziert sie darin, wie das von den 68er in Sachen Mitbestimmungsrechte Erreichte heute weitgehend abgeschafft wurde. Andererseits transportiert sie durch Zeuner auch eine Kritik an der gegenwärtigen Studierenden-Generation, die entweder gar nicht (da rein karriere-orientiert) oder falls doch meist nur isoliert auf ein Problem konzentriert protestiert und dabei die „gesamtgesellschaftliche Problematik“ aus den Augen verliert.

Besonders düster mutet die Stelle im Interview an, in der Zeuner auf die Frage, warum er ein Jahr früher aufgehört hat als er eigentlich musste, mit einem „symptomatischen Erlebnis“ aus seinem Lehralltag antwortet. Eine Kommilitonin kam zwei Mal zu ihm, um ein Attest einzureichen, da sie gefehlt hatte. Obwohl Zeuner sie nach seiner Darstellung schon beim ersten Mal darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er kein Wert auf solche Kontrollzwänge in Sachen Anwesenheit lege, kam sie offenbar erneut mit einem Attest zu ihm, als sie ein weiteres Mal gefehlt hatte.

Natürlich lässt sich nachvollziehen, wie desillusionierend es für Dozierende mit einer Vergangenheit wie Prof. Zeuner sein muss, wenn sie sich mit einer Generation von Studierenden konfrontiert sehen, denen die Verschulung und Kontrollen so ins Blut übergegangen sind, dass sie sie schon von sich aus von den Dozierenden einfordern; den Dozierenden als „Pauker“ wahrnehmen wie Zeuner es nennt.

Dennoch gibt es aber ja auch OSI-Studis die einer solchen „Gehirnwäsche“ nach wie vor standhalten, die dankbar für jeden Dozierenden sind, der auf solche Kontrollmechanismen und eine Lehre in Richtung Verschulung verzichtet. Und für eben jene Studierende wäre es sicherlich positiv gewesen, wenn Prof. Zeuner noch ein Jahr länger „durchgehalten“ hätte.

In ihrem Artikel über den „Bibliotheksskandal“ machen Hilke und Josephine deutlich, dass die Zusammenlegung von Bibliotheken an der FU schon viel länger andauert. Dieser „historische“ Abriss liest sich interessant und offenbart dabei auch Informationen, die mir zumindest bis dato nicht geläufig waren.

Dennoch kann man natürlich bei der Feststellung, das Ganze sei zu einem „undurchsichtigen Dickicht“ geworden zurückfragen, ob es nicht gerade der Job der OZ-Redakteure gewesen wäre, jetzt mal etwas mehr Licht in dieses Dickicht zu bekommen. Der Fokus des Artikels liegt auf der geplanten Integration der PolSoz-Bib in die UB und die Befürchung, die bisher autonome Fachbibliothek würde ihre Eigenständigkeit verlieren.

Der andere zentrale Punkt im Skandal, das geplante Aussortieren der Bücher, wird nicht angeschnitten. Wie viele Bücher sollen denn nun wirklich rausfliegen? Und wurden vielleicht schon welche aussortiert, wenn ja wie viele genau? Hier gibt es ja nach wie vor unterschiedliche Angaben.

Dann die Frage der schleichenden „Raum-Verdrängung“, über die die BibliotheksmitarbeiterInnen bereits jetzt klagen. Was ist dran an solchen Geschichten, wie etwa jener, dass Schlösser ausgewechselt wurden und Bücher in einem Kellerraum nicht mehr zugänglich waren? Wie schafft es der SFB solchen Druck auszuüben, läuft dies nur auf offizieller Ebene über Entscheidungen in den Gremien oder gibt es darüber auch inoffizielle Prozesse, wo ohne ausdrückliche Genehmigung versucht wird Fakten zu schaffen? Falls ja, wie sieht das genau aus?

Gerade die Frage, wer hier eigentlich hinter wessen Rücken was entscheidet, wäre ja mal interessant zu klären. Aber okay, vermutlich ist das Dickicht so dicht, dass es wirklich kein Durchkommen mehr gibt. Und doch müsste die OZ bei solchen Verstrickungen vielleicht mehr auf „Informanten“ setzen (unzufriedene MitarbeiterInnen gibt es überall), also nicht nur mit Informationen arbeiten, die sie über offizielle Kanäle erhält, sondern auch mit jenen die über die inoffziellen reinkommen.

Gerrit beschäftigt sich in einem Artikel und einem Kommentar mit der Frage nach den Rettungsplänen für das OSI-Dilpom. Er argumentiert, die Protestierenden würden einfach viel zu vorschnell urteilen, wenn sie etwa dem Dekanat unterstellen, es meine es mit seinem Rettungsplan für das OSI nicht ernst. Überzogen wirkt seine Formulierung, mensch würde dem Dekanat vorwerfen, es würde „zielgerichtet auf die Zerstörung des Studiengangs hinarbeiten“. Hat das wirklich jemand dem Dekanat so drastisch unterstellt?!

Das Argument ist ja eher, dass der Rettungsplan mit dem Aussetzen des Studiengangs so absurd ist, dass keiner den „Rettern“ abnehmen kann, sie meinten es ernst. Selbst wenn sie ihn also nicht gleich „zielgerichtet zerstören“ wollen, so taugt doch offenbar ihre Rettungsstrategie wenig. Der zentrale Vorwurf lautet also, FBR PolSoz, OSI-IR und AS schaffen es nicht gegenüber dem Berliner Senat standhaft zu bleiben bzw. knicken zu schnell ein.

Weiterhin arbeitet Gerrit ja selbst heraus, dass Dekanat wolle die „Auszeit“ für den Diplom-Studiengang nutzen, um den Master für diesen Zeitraum zu öffnen. Es geht also darum, mehr Leute in den Master zu bekommen, den Master zu stärken. Wenn das aber das Ziel ist, wer soll dem Dekanat dann noch abnehmen, es wolle das Diplom retten?

Leider bringt Gerrit das „Mathematiker-Argument“ nicht, denn dieses würde seine Position deutlich stärken. Wenn es den Mathematikern gelungen ist, ihren Diplom-Studiengang wiederzubeleben nachdem er zwischendurch abgeschafft wurde, dann beweist dies ja, dass das theoretisch durchaus machbar ist. Also ist der Rettungsplan vielleicht gar nicht so abwegig, wie bisher offenbar jeder dachte. Wenn dem aber so ist, kann man dem Dekanat z.B. auch nicht mehr einfach unterstellen, es sei ihm mit der Rettung des OSI-Diploms nicht wirklich ernst.

Kritik am elendig verreckten Protestsemester findet ebenfalls Platz in der aktuellen OZ. Statt dem etwas zu kurz wirkenden Interview mit der LHG und den Jusos wäre ein längerer Artikel aber vermutlich gehaltvoller gewesen. Man hätte also ein Mitglied der Jusos oder der LHG den Raum geben können, auch mal etwas ausführlicher zu skizzieren warum nach seiner/ihrer Ansicht das Protestsemester nichts geworden ist. Aber vermutlich fand sich hier einfach kein Autor (?).

Noch wichtiger wäre es aber gewesen, auch die Gegenseite zu wort kommen zu lassen. Obwohl die Unzufriedenheit mit dem Verlauf des Protestsemesters sehr groß zu sein scheint, muss es doch auch noch AktivistInnen geben, die sich dort engagiert haben und das Ganze als produktiv empfunden haben. Gerade weil die OZ darauf pocht, divergente Meinungen abzubilden, wäre es hier wirklich nicht schlecht gewesen, eine Gegenstimme ins Blatt zu holen.

Selbiges gilt für den asta-kritischen Artikel von Christa, dem keine Gegenposition gegenübergestellt worden ist (etwa durch ein AStA-Mitglied). Christa hat in einem FUwatch-Kommentar deutlich gemacht, dass es solche Versuche gab, der AStA aber offenbar zu keinem Interview bereit war.

Falls dem so war, sollte man sich dann aber vielleicht auch die paar Zeilen gönnen, den/die LeserIn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen („Die OZ versteht sich als vielseitiges Magazin, in dem divergente Positionen Raum zur Entfaltung gegeben wird, auch hier hätten wir gerne eine Gegenposition vertreten gesehen, doch die angeschriebenen AStA-Mitglieder XYZ und ABC waren für eine Stellungnahme nicht zu haben…“).

Tatsächlich ist das von Christa in ihrem Artikel skizzierte, arrogante Auftreten des AStAs wohl kaum als übertrieben abzutun. Dennoch enthält der Artikel auch ein paar steile Thesen, wie etwa jene, „viele“ Studierende würden sich nicht an den StuPa-Wahlen beteiligen, weil sie Angst hätten, einer asta-affinen Tarnliste auf den Leim zu gehen, obwohl sie den AStA eigentlich gar nicht unterstützen wollten. Tatsächlich sollten halbwegs informierten Studierende schon klar sein, welche Liste nun asta-tragend ist und welche nicht. Zumindest müsste Chrita ihre These an diesem Punkt mit irgend etwas untermauern.

Selbiges gilt für die Behauptung, die „ideologische Borniertheit“ verhindere, dass sich auch „weniger aktivistische, aber gleichermaßen betroffene Studierende“ von Widerstandsversuchen wie zuletzt im Protestsemester angesprochen fühlen. Tatsächlich gab es diese Kluft zwischen dem radikaleren, harten Kern („den üblichen Verdächtigen“) und den gemäßigten Protestierenden schon immer.

Das Interessante ist nun, dass sowohl beim Protest 2003/04 und 2005 diese Kluft noch größer war – zeitgleich aber mehr Studis mitgemacht haben. So gipfelte dieser Grundkonflikt im letzten wirklich echten Protestsemester 03/04 darin, dass es neben der regulären „Streikzeitung“ eine „alternative Streikzeitung“ gab, in der eine Minderheit der Protestierenden die Art und Weise der Stoßrichtung der Mehrheit der Protestierende kritisierte (im Sinne von „müssen gesamtgesellschaftlichen Kontext im Auge behalten“, etc.). Wenn nun 03/04 die Beteiligung aber trotz größerer Blockkonfrontation stärker war als 2008, kann die Blockkonfrontation kaum der zentrale Grund sein, warum das Protestsemester so elendig verreckt ist.

So legitim Christas Kritik am AStA auch sein mag, ihn als Sündenbock für das Ausbleiben des politischen Engagement abzustempeln – egal ob bei der geringen Wahlbeteiligung oder dem geringen Interesse am Protestsemester – ist eine Pauschalisierung die jeder empirischen Grundlage entbehrt. Sie kann ja nicht einmal Fallbeispiele nennen, wie beim aktuellen Protestsemester tatsächlich KommilitonInnen durch „ideologische Borniertheit“ abgeschreckt wurden.

Insgesamt ist der Beitrag von Christa trotzdem besser, als etwa der in der letzten Ausgabe über Sciences Po, wo mensch den Eindruck bekam, sie bleibt in ihrer Kritik auf halber Strecke stehen. Zusammen mit Gerrit hat Christa in der aktuellen sechsten Ausgabe vermutlich jene Artikel verfasst, die noch am ehesten als polarisierend wahrgenommen werden. Was positiv zu bewerten ist, denn wie an anderen Stellen mehrfach ausgeführt, ist ein gewisses Maß an Bissigkeit, Aggressivität einfach unabdingbar, sieht man sich mit unhaltbaren Zuständen konfrontiert.

Da die OZ als eines ihrer zentralen Merkmale ihre Meinungsvielfalt betont, wäre es für die Zukunft trotzdem wünschenswert, dass stärker als bisher darauf geachtet wird, verschiedene Positionen zum selben Thema einander gegenüberzustellen. Und selbst wenn sich dann z.B. niemand vom AStA zu einer Stellungnahme bereit erklärt, zumindest bei solchen Themen wie dem Protestsemester muss es neben den Kritikern doch auch Personen geben, die die Aktionen positiv bewerten und auch bereit wären, das Protestsemester in einem Artikel zu verteidigen.

Äußert sich aber trotz intensiven Versuchen tatsächlich niemand oder zieht z.B. ein Interview zurück, dann kann man in der Tat keine Gegenposition abbilden. Aber man muss den Kontaktierten zumindest versuchen deutlich zu machen, dass es zu ihrem Vorteil wäre, wenn sie ihre Chance Gegenposition zu ergreifen nutzen würden.

Wenn Personen dagegen einfach Angst haben sich zu äußern, da sie befürchten dann Repressalien zu erleiden, sollte man versuchen die Personen von denen diese Repression ausgeht ausfindig zu machen und dann auch namentlich nennen. Gleiches gilt für Versuche, die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen. Wenn jemand so etwas versucht, warum diesen Vorgang dann nicht auch mal selbst zum Gegenstand eines Artikels machen?

Zu schützen sind demgegenüber natürlich Quellen. Mehr als bisher sollte die OZ versuchen an Informationen von „Insidern“ und „Whistleblowern“ innerhalb des Lehr- und Verwaltungsapparats heranzukommen. Personen, die ihren Namen dann zwar nicht genannt sehen wollen, die als Quellen aber durchaus zuverlässig sind („Wie die OZ aus zuverlässiger Quelle erfahren hat…“). Auf diesem Weg wäre es der OZ noch stärker als bisher möglich, Informationen zu publizieren, die wirklich „heiß“ sind, also bis dato nicht bekannt waren und aus Sicht der Verantwortlichen eigentlich auch nicht bekannt werden sollten.

Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig

Juli 10, 2008

Nachdm es zuletzt so ausgesehen hatte, als würde sich der Widerstand gegen den neuen OSI-Strukturplan langsam darauf beschränken, die „Transparenz-Kommission“ voranzubringen, machte die „Studentischen Initiative für Politische Theorie am OSI“ (StIPT) nun deutlich, dass der Protest immer noch weiterläuft.

So hat der AStA ein unabhängiges Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, dessen Befund inzwischen vorliegt. Demnach war der Strukturplan rechtswidrig, das so genannte „schlanke Berufungsverfahren“ nicht zulässig. In einer Stellungnahme der StIPT heißt es:

„Der Befund lautet: Die vom Fachbereichsrat (FBR) am 4.6.08 beschlossene Strukturplanänderung war rechtswidrig, da Struktur- und Personalentscheidungen vermengt worden sind.

Instituts- und Fachbereichsrat hatten die Einrichtung zweier Professuren beschlossen, die von Anfang an mit den Namen Sven Chojnacki (Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung) und Christoph Zürcher (Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik) verknüpft waren.

Das Rechtsgutachten betont, dass erst eine Stelle im Strukturplan eingerichtet sein muss, bevor über ihre Besetzung entschieden wird. Somit ist dem gesamten Berufungsverfahren die Rechtsgrundlage entzogen.“ (Stellungnahme der StIPT)

Leider wurde weder das Rechtsgutachten als solches veröffentlich noch wer genau es erstellt hat. Denn mit der „Unbhängigkeit“ von Gutachten ist das bekanntlich immer so eine Sache. Vermutlich kann das Rechtsamt der FU (welches das „schlanke Berufungsverfahren“ vorher offenbar als rechtlich machbar eingestuft hatte) seinerseits falls nötig relativ schnell einen „unabhängigen Gutachter“ aus der Tasche zaubern, der dann zu einem völlig anderen Ergebnis kommt.

Oder aber, das Rechtsamt verzichtet gleich ganz auf einen externen Gutachter und bewertet die Rechtslage selbst ein zweites Mal:

„Doch wenn jetzt alle FreundInnen der Ideengeschichte aufatmen: übertriebener Grund zur Freude ist dieses Gutachten nicht Das FU-Rechtsamt wird sowohl das Gutachten als auch dessen Gegenstand – die Strukturplanänderung – erneut prüfen; da das Rechtsamt in der Vergangenheit häufig ‚FU-freundlich‘ entschieden hat, kann es durchaus sein dass Lenzens Justiziare zu einem anderen Ergebnis kommen. In der Zwischenzeit nahen die Semesterferien, in der es die Studierenden erfahrungsgemäß schwer haben, sich zu organisieren und ‚am Ball zu bleiben'“. („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Dennoch lässt dieses Rechtsgutachten natürlich die Flamme des Widerstands weiterglühen. Und sollte es dem AStA und der StIPT wider Erwarten tatsächlich gelingen, den neuen Strukturplan auf diesem Weg doch noch zu kippen und die verkürzte Berufung von Zürcher und Chojnacki zu unterbinden, wäre das sicherlich ein spektakulärer Coup. Die FSI OSI schreibt:

„Im Extremfall könnte dies zu einer Klage und einer Rückgängigmachung der Strukturplanänderung führen – dann aber vermutlich zu einer Zeit, in der beide Lehrstühle (und die Juniorprofessur Ideengeschichte!) schon besetzt wären. Was mit Sicherheit weder der Atmosphäre am noch dem Ruf des OSI gut tun würde.“ („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Doch die FSI OSI sieht auch Kompromiss-Möglichkeiten. Etwa die laut Brose angeblich doch noch mögliche Aufstockung der Juniorprofessur zu einer W2-Vollprofessur. Eine andere Variante wäre, sich das Interesse des Präsidiums und des SFBs am Verbleib der zwei Dozenten zu nutze zu machen:

„Dazu müsste (am besten mit den Buchstaben des Gesetzes im Rücken) den Verantwortlichen klargemacht werden, dass wir den Strukturplan nur dann akzeptieren, wenn das OSI noch eine halbe Stelle mehr kriegt und somit die Ideengeschichte wieder zu einem vollwertigen Lehrstuhl wird.“ („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Die StIPT hat darüber hinaus zusammen mit Prof. Dr. Brigitte Rauschenbach auch einen Flyer veröffentlicht, der sich von einer ideengeschichtlichen Perspektive aus mit „Demokratie, Macht und Strukturentscheidungen am OSI“ auseinandersetzt und im Wortlaut im zweiten Teil des oben bereits zitierten FSI OSI Blog-Eiintrags nachgelesen werden kann.

Am nächsten Mittwoch (16.07.) wird es im Fachbereichsrat (FBR) um 9 Uhr s.t. im Hörsaal B der Ihne21 erneut um den Sachverhalt gehen, Interessierte sollten erscheinen.

Bonnie und Clyde gegen den Rest

Juni 25, 2008

Der Hörsaal B des Henry-Ford-Baus war gestern zur Podiumsdiskussion „Selbstverständnis der Politikwissenschaft am OSI“ überraschenderweise überfüllt. Überraschend insofern, als dass davor nichts daraufhin gedeutet hatte, dass sich mehr Studierende als die „üblichen Verdächtigen“ für den Sachverhalt interessieren.

Dieses starke Interesse machte nun aber deutlich, dass viele OSI-Studierende erkannt haben müssen, welchen zentralen Umbruch der neue Strukturplan für das OSI bedeutet. Beschlossen wurde immerhin nichts Geringeres als die schleichende Aufgabe des Bereichs „Politische Theorie“ am OSI.

Zwar existiert nach wie vor die Juniorprofessur „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“ die zur Zeit mit Bernd Ladwig besetzt ist, doch deren Dauerhaftigkeit ist trotz Tenure Track nicht sicher. Die neue Juniorprofessur Ideengeschichte muss sogar ohne Tenure Track auskommen, was Ladwig – der sich im Auditorium befand – massiv kritisierte. Er betonte, dass die Herabstufung der Vollprofessur Ideengeschichte auf eine zeitlich begrenzte, ohne MitarbeiterInnen auskommende Juniorprofessur in jedem Fall eine Schwächung der Politischen Theorie am OSI darstelle. Man sollte wenn, dann die neue Juniorprofessur wenigstens – wie seine eigene – mit Tenure Track ausstatten.

Dem widersprach Thomas Risse auf dem Podium massiv. Er versuchte vorzurechnen, dass das Lehrdeputat das durch den neuen Strukturplan im Bereich „Politische Theorie“ wegfallen würde nur minimal sei, der neue Plan insgesamt sogar eine neue, vorher nicht existierende Professur schaffen würde, es also „netto“ um einen Zugewinn ginge. Ein Standpunkt, der von Diskutanten sowohl auf dem Podium als auch im Auditorium nicht geteilt wurde.

Risse und die ebenfalls auf dem Podium diskutierende Tanja Börzel bestritten zudem den den Gremien vorgeworfenen Mangel an Transparenz bei der Ausarbeitung des neuen Strukturplans. Es ging eine Weile hin und her, was wo in welchem Gremium im öffentlichen und was im nicht-öffentlichen Teil diskutiert worden war.

Während Risse und Börzel versuchten zu argumentieren, die jetzige Entscheidung sei über einen längeren Zeitraum und etliche Gremiensitzungen hinweg langsam herangereift, blieben ihre Opponenten beim Vorwurf der Mauschelei, dass also diese Änderung im wesentlichen im Hinterzimmer beschlossen worden sei und nun in einem Hauruckverfahren Zürcher und Chojnacki ohne Ausschreibung auf die neuen IB-Lehrstühle gehievt werden sollten.

Zürcher hatte bereits eine (zeitlich) beschränkte Professur am OSI, Chojnacki bekanntlich eine Juniorprofessur inne. Nach dem Auslaufen der Stellen drohte ihr Weggang, den Rufen anderer Unis folgend. Demgemäss hatte das OSI handeln müssen, um Zürcher (Sicherheitspolitik) und Chojnacki (Friedensforschung) halten zu können, so Risse. Ferner könne der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) ohne Professuren in Sicherheitspolitik und Friedensforschung einfach nicht auskommen. Dem hielt Sybille De la Rosa, Doktorandin im Bereich Theorie am SFB, fragend entgegen, ob denn der SFB ohne (Professur) Politische Theorie auskommen könne.

Risse und Börzel bestritten nicht, dass der neue Strukturplan eine Schwerpunktsetzung in Richtung IB / SFB Governance darstellt, meinten aber eine solche Profilierung des Instituts sei in Zeiten knapper Mittel unumgänglich. Dem hielt der Theorieprof Marcus Llanque (der demnächst an der Uni Augsburg lehrt) entgegen, dies müsse vielleicht für eine Uni gelten die insgesamt nur zwei oder drei Professuren im Bereich Politikwissenschaft habe, nicht jedoch für das OSI als größtes politikwissenschaftliches Institut der Republik. Wo wenn nicht hier sollte man auch etwas mehr in die Breite gehen, also durch Professuren möglichst viele Subdisziplinen der Politikwissenschaft abdecken.

Es kam dann zu einer Grundsatzdebatte über den Stellenwert der „Politischen Theorie“ innerhalb der Politikwissenschaft. Was macht Politische Theorie eigentlich aus? Ist sie nicht in jeder Subdisziplin der Politikwissenschaft ohnehin enthalten und braucht daher vielleicht gar keinen eigenen Lehrstuhl? Und wenn sie als eigenständige Subdisziplin existieren sollte, wie steht es dann um ihren Bezug zu Empirie und Praxis? Muss dieser in jedem Fall und unmittelbar erkennbar sein? Die diskutierenden Dozierenden waren sich hier nicht ganz einig, besonders Llanque war bemüht die Eigenständigkeit und Notwendigkeit der Politischen Theorie gegenüber Risse zu verteidigen, gleichwohl letzterer ihr natürlich nicht die „Daseinsberechtigung“ in Abrede stellte.

Die primäre, recht triviale Erkenntnis aus dieser Debatte war, dass DozentInnen in der Politikwissenschaft ganz unterschiedliche Vorstellungen haben, was Politische Theorie ist, welchen Stellenwert sie hat und wie sie anzuwenden / zu lehren ist.

Der Kommilitone Martin Fries, als OSI-Studierender auf dem Podium, versuchte den Stellenwert der (kritischen) Politischen Theorie deutlich zu machen, indem er sie unter anderem auf die Formulierungen im neuen Strukturplan anwandte. Ob das nun wirklich zielführend war oder nicht: Allein durch sein rhetorisches Können brachte Fries das mehrheitlich studentische Auditorium immer wieder zu kleinen Applausorgien. Ihn auf dem Podium zu postieren war zweifellos ein kleiner taktischer Geniestreich.

Während es Fries und Llanque gelang, Risse und Börzel vor sich herzutreiben, wirkten die ebenfalls gegen Risse/Börzel argumentierenden Brigitte Kerchner und Sybille De la Rosa vergleichsweise schwach. Nicht unbedingt inhaltlich, sondern strategisch-rhetorisch. So versuchte Kerchner gegen die starke „Governance“-Ausrichtung zu wettern, indem sie den Begriff historisch als aus der Ökonomie kommend „outete“. Ein taktisch eher fragwürdiges Vorgehen, denn nicht ganz zu unrecht verwies Börzel im Anschluss darauf, dass „Governance“ inzwischen wesentlich vielseitiger verwendet wird.

Insgesamt standen Risse und Börzel ziemlich allein gegen den Rest, selbst die Dozierenden im Auditorium die sich zu Wort meldeten argumentierten eher gegen als mit ihnen. Einzige Ausnahme war hier Marianne Beisheim („das Mädchen mit der Brille“, O-Ton einer Kommilitonin im Auditorium), die darauf verwies, man solle sich doch den SFB einmal genauer ansehen, dieser hätte eine recht breite Ausrichtung, die dann auch die Politische Theorie beträfe. In dieselbe Richtung ging Börzel mit dem Argument, trotz SFB Governance würde man natürlich nicht nur „Governance“ machen.

Neben Beisheim war aus Risses ATASP-Clique noch Ingo Peters anwesend (meine ihn jedenfalls gesehen zu haben), trug allerdings nichts zur Diskussion bei. Auch Klaus Roth, der zur Zeit die Ideengeschichte als Privatdozent am OSI vertritt, sowie der letzte Lehrstuhlinhaber Gerhard Göhler waren anwesend, sagten jedoch nichts. Peter Grottian soll ebenfalls unter den Anwesenden gewesen sein.

Auch etwas von Chojnacki und Zürcher selbst zu hören, wäre natürlich interessant gewesen. Chojnacki soll dagewesen, allerdings nur anschließend mit einem kurzen 20m-Zwischensprint auf dem Weg zur U-Bahn aufgefallen sein. Und Zürcher, nun, der arbeitete wie immer hart daran dem FUwatch-Chefredakteur seinen Titel als „Phantom vom OSI“ streitig zu machen. Selbst wenn er dagewesen sein sollte hat ihn sicherlich kaum jemand erkannt, weil ihn kaum jemand je leibhaftig am Institut gesehen hat.

Auffällig war schon, wie viele Redebeiträge aus dem Auditorium von Dozierenden kamen – und da hörte man dann doch sehr viel Unmut über den neuen Strukturplan heraus. Darüber hinaus hat die ganze Diskussion wenig Neues vermitteln können. Die Argumente und die Informationen die vorgebracht wurden, waren bis auf wenige Ausnahmen bereits vor dieser Diskussionsrunde bekannt.

Mehrfach wurde auf die Transparenz-Kommission (siehe „Erstes Treffen der Transparenz-Kommission am OSI“) verwiesen, die jetzt jeden zweiten Montag um 18 Uhr tagt. Dass die Arbeit dieser Kommission tatsächlich noch zu einer Vollprofessur Ideengeschichte führt, ist allerdings recht unwahrscheinlich. Sie kann natürlich darauf hinwirken, dass ähnliche Prozesse zukünftig transparenter ablaufen, aber auch hier sind die Aussichten auf einen Erfolg nicht unbedingt gut.

Zusammenfassend lässt sich festellen, dass das Interesse am neuen Strukturplan, der Unmut darüber wie er durchgesetzt wurde und auch der Wille zum Widerstand auf dieser Diskussionsveranstaltung bei vielen Dozierenden und Studierenden deutlich zum Vorschein kamen. Es wurde darüber hinaus aber nicht wirklich deutlich, wie etwas am Status quo maßgeblich geändert werden könnte.

Erstes Treffen der Transparenz-Kommission am OSI

Juni 19, 2008

Am morgigen Freitag (20.06.) findet die erste Sitzung der vom Fachbereichsrat (FBR) einberufenen „Kommission für mehr Transparenz in der Entscheidung über Strukturplanänderungen am OSI“ statt.

Wie berichtet hat die Kommission die Aufgabe, für mehr Transparenz zu sorgen, was die Erstellung oder Änderung von Strukturplänen angeht. Nüchtern heißt es in der studentischen Einladung:

„Ursprünglich war die Komission vom FBR wohl als ein Instrument zur Besänftigung des studentischen Protests über die antidemokratisch durchgedrückte Strukturplanänderung gedacht. Wir haben ein Forum bekommen, über die Strukturveränderungen offiziell zu diskutieren – die Entscheidung selbst ist aber bereits gefallen.“

Die Entscheidung die Vollprofessur Ideengeschichte zugunsten von zwei neuen IB-Professuren in eine Juniorprofessur Ideengeschichte zu transferieren kann also mit dieser Kommission auch nicht rückgängig gemacht werden. Es geht eher darum mehr Informationen über den Vorgang zu erhalten, Öffentlichkeit zu schaffen und auszuloten, ob nicht doch noch Spielräume im Strukturplan für eine Vollprofessur Ideengeschichte bestehen (neben den beiden IB-Professuren).

Inwiefern diese Kommission dabei einen reinen Alibi-Charakter hat oder tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation führen kann, wird sich herausstellen.

Die Komission soll aus 10 Mitgliedern bestehen, davon jeweils fünf Studierende und Dozierende. Auf Seiten der Dozierenden stehen bereits Prof. Hajo Funke und Prof. Bernd Ladwig als Mitglieder fest.

Die Sitzungen stehen jedoch grundsätzlich jedem Studierenden offen, wer möchte kann also morgen um 14 Uhr in die Garystraße 55, Raum 211 ins Büro von Prof. Ladwig kommen, wo sich die Kommission zu ihrer ersten, „konstituierenden“ Sitzung trifft.

Update 22.06.08

Das Treffen am Freitag diente offenbar nur der Vorbereitung, die Kommission tagt morgen (23.06.) um 18 Uhr das erste Mal. Der Raum steht noch nicht fest, am Büro von Prof. Ladwig (Garystr. 55, R 211) wird es jedoch einen entsprechenden Verweis geben.

Podiumsdiskussion zum „Selbstverständnis der Politikwissenschaft am OSI“

Juni 18, 2008

Unter dem Motto „Was studieren wir? Was lehren wir? Was forschen wir?“ findet am kommenden Dienstag (24.06.) um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum „Selbstverständnis der Politikwissenschaft am OSI“ im Hörsaal A des Henry-Ford-Baus statt. Diese Veranstaltung sollte ursprünglich schon heute (18.06.) stattfinden, wurde aber verschoben.

Wie berichtet soll es auf dieser Veranstaltung um die aus Sicht vieler OSI-Studis fragwürdige und ohne öffentliche Diskussion verabschiedete Änderung des OSI-Strukturplans gehen, die vorsieht zwei neue IB-Professuren zu schaffen und die Vollprofessur Ideengeschichte zu einer Juniorprofessur herabzustufen.

Da die zwei neuen IB-Professuren inhaltlich in den Sonderforschungsbereich „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ (SFB 700) eingebunden sind, soll in der Diskussion auch die Rolle und starke Dominanz des SFB am OSI thematisiert werden. Die beiden zentralen Diskussionsfragen lauten:

  • Welche Stellung haben Theorie und Ideengeschichte in der Politikwissenschaft – welche haben sie am OSI?
  • Welche Folgen hat die zunehmende Abhängigkeit von Drittmitteln für Forschung und Lehre?


Auf dem Podium diskutieren:


Die Moderation übernimmt der OSI-Kommilitone und Journalist Martin Kaul. Die Diskussion wird sich jedoch nicht auf das Podium beschränken, auch das Auditorium kann sich einbringen. Alle die am OSI studieren, forschen und lehren sind eingeladen, zu erscheinen und sich zu beteiligen.

Organisiert wird die Veranstaltung von der „Studentischen Initiative für Politische Theorie am OSI“ (pol.theorieosi[at]googlemail.com) die auch schon entsprechende Flyer aufgehängt und als Email über Verteiler geschickt hat. Es bleibt daher zu hoffen, dass der Hörsaal A im HFB auch voll wird.

Widerstand gegen Abwertung der Ideengeschichte am OSI

Juni 15, 2008

Auch nachdem der Fachbereichsrat (FBR) unlängst den neuen Strukturplan des OSI Institutsrats (IR) bewilligt hat (siehe: „Fachbereichsrat bewilligt neuen Strukturplan“), der vorsieht die W3-Professur für Ideengeschichte nicht neu zu besetzen sondern in eine Juniorprofessur umzuwandeln, geben sich die Gegner dieser Neuausrichtung nicht geschlagen.

Jetzt hat sich auch die „Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte“ der „Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft“ (DVPW) in einem offenen Brief an FU-Präsident Lenzen, Fachbereichsdekanin Riedmüller und Institutsdirektor Massing zu Wort gemeldet.

Die VerfasserInnen warnen in ihrem Brief vor den negativen Konsequenzen, die eine solche Abwertung der Ideengeschichte am OSI hätte:

„(…) Mit der Abwertung der Stelle zur Juniorprofessur wird die ideengeschichtliche Grundlagenforschung, von der die Teilgebiete in ihrer Produktivität zehren, von einer zentralen und identitätsprägenden zu einer Randdisziplin der Politikwissenschaft heruntergestuft. Solche Richtungsentscheidungen betreffen das Selbstverständnis der Politikwissenschaft bundesweit und betreffen daher alle Fachkolleginnen und –kollegen. (…)

(…) Ein stark im Bereich der Governance und der Globalisierungs-Forschung engagiertes Institut läuft Gefahr, sich mit dem Verzicht auf selbständige ideengeschichtliche Forschung auch in Bezug auf kosmopolitische und interkulturell vergleichende Ansätze eines kritischen Potentials zu berauben.

In den führenden britischen und U.S.-amerikanischen Departments für Politikwissenschaft ist die Notwendigkeit einer starken Repräsentation der Politischen Theorie und Ideengeschichte längst anerkannt; sie sollte hierzulande eine Selbstverständlichkeit sein. (…)“ (Offener Brief der DVPW an Lenzen, Riedmüller und Massing, 12.06.08)

Dass sich die EntscheidungsträgerInnen ernsthaft von einem offenen Brief der DVPW beeindrucken lassen, erscheint jedoch sehr unwahrscheinlich. Dennoch macht der Schrieb zumindest deutlich, wie umstritten das Vorgehen von IR und FBR innerhalb der politikwissenschaftlichen Disziplin ist.

Am kommenden Mittwoch (18.06.) ist um 18 Uhr eine Podiumsdisskussion angesetzt, auf der die Frage „Wozu Politikwissenschaft“ im Kontext der neuen IB-Professuren und der abgewerteten Professur Ideengeschichte thematisiert werden soll. Wo diese Veranstaltung stattfinden soll, wer die Veranstalter und wer die TeilnehmerInnen auf dem Podium sein sollen, ist allerdings noch unklar. Es gibt dazu bisher keine Pressemitteilung, keinen (sichtbaren) Flyer, kein sonstiges offizielles Announcement.

Sicher scheint nur, dass der legendäre „Dieter Lenzen Fanclub“ (DLFC) die Veranstaltung für eines seiner nicht minder legendären Comebacks nutzen möchte. Bereits vor der eigentlichen Podiumsdiskussion will er dafür eine Aktion starten, die einmal mehr die Weisheit und Erhabenheit von FU Präsident Lenzen preisen soll.

Ist diese phantomhafte Podiumsdiskussion also am Ende nur eine Erfindung des DLFC? Oder findet sie wirklich statt und man hat nur vergessen, in einem breiteren Umfang dafür zu werben? Interessant ist auch, dass zeitgleich im Roten Café die nächste Fako-Sitzung stattfinden soll. Ist das Fako-Treffen also identisch mit der „Podiumsdiskussion“ oder gab es hier eine Planungspanne? Beide Veranstaltungen parallel stattfinden zu lassen, erscheint zumindest ungünstig.

Update 17.06.08

Die Veranstaltung wurde auf kommenden Dienstag (24.06.), 18 Uhr im Hörsaal A des Henry-Ford-Baus verschoben.

Fachbereichsrat bewilligt neuen Strukturplan

Juni 5, 2008

Wie befürchtet, hat der Fachbereichsrat (FBR) des FB PolSoz gestern den neuen Strukturplan des OSI-Institutsrats abgesegnet, der unter anderem vorsieht, dass es statt einer Vollprofessur zukünftig nur noch eine Juniorprofessur Ideengeschichte geben wird, während zeitgleich zwei neue IB-Professuren entstehen (siehe im Detail: „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“).

Etwa 25 Studierende hatten sich zur Sitzung des FBR eingefunden, um das „Durchwinken“ des Strukturplans zu verhindern und eine öffentliche Diskussion ins Leben zu rufen (siehe „Initiative fordert ‚Schluss mit Mauschelei um Professuren'“).

Nachdem sich die KommilitonInnen das Rederecht erkämpft hatten, gab es dann auch tatsächlich eine Diskussion, in der sich die Studierenden jedoch nicht durchsetzen konnten (und die irgendwann abgewürgt wurde). Der Verlauf der Sitzung kann in einer Zusammenfassung im FSI OSI Blog nachgelesen werden:

„Studierende, die diese Schwerpunktverlagerung kritisierten und auf die hohe Nachfrage nach Lehrveranstaltungen im Bereich Ideengeschichte hinwiesen, begegneten die ProfessorInnen mit zweifelhaften Argumenten. So wies Marianne Braig darauf hin, dass Theorien ja sowieso in allen Bereichen der Politikwissenschaft verwendet würden, was Hajo Funke bekräftigte, indem er Braig unterstellte, ‚auch Habermas gelesen‘ zu haben.

Barbara Riedmüller behauptete schlicht, es gebe keine geeigneten BewerberInnen für eine Ideengeschichtsprofessur. Kompromissbereit zeigte sich lediglich Verwaltungsleiter Detlef Brose, der sagte, eine reguläre Ideengeschichtsprofessur zusätzlich zu der beschlossenen Strukturänderung sei ‚bezahlbar'“. („Änderung des Strukturplans beschlossen: Ideengeschichte demnächst nur noch als Juniorprofessur“, FSI OSI Blog, 04.06.08)

Diese vom Verwaltungsleiter theoretisch in Aussicht gestellte Möglichkeit, vielleicht doch noch eine Vollprofessur Ideengeschichte zu bekommen, war der einzige Lichtblick. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern das wirklich ernst gemeint ist oder doch nur dazu diente, die Studierenden hinzuhalten.

Die Studierenden konnten zunächst zumindest die Einrichtung einer Kommission erreichen, die zukünftig den OSI-Strukturplan erarbeiten soll und in der dann auch StudentInnen vertreten sein sollen. Um die Besetzung und die Arbeitsweise dieser Kommission zu diskutieren, treffen sich alle Interessierten heute (05.06.) um 12 Uhr vor dem Roten Café.

Initiative fordert „Schluss mit Mauschelei um Professuren“

Juni 3, 2008

Die „Initiative für die volle Professur der Ideengeschichte am OSI“ hat einen Flyer veröffentlicht, der überall vor dem OSI aushängt, über sämtliche Email-Verteiler lief und im Original auch im FSI OSI Blog nachgelesen werden kann.

Die Initiative fordert „Schluss mit der Mauschelei um Professuren am OSI“ und läd alle Studierende ein, zur morgigen (04.06.) Sitzung des Fachbereichsrats (FBR) um 9 Uhr s.t. im Hörsaal A der Ihne21 zu kommen, um die Verabschiedung des neuen Strukturplans doch noch zu verhindern.

Wie berichtet plant der OSI-Institutsrat (IR) eine weitreichende Änderung des Strukturplans, die der FBR morgen verabschieden soll.

Danach soll es zwei neue W2-Professuren im Bereich Internationale Beziehungen (IB) geben. Eine für „Friedensforschung“, die mit Sven Chojnacki besetzt werden soll, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Abgang an die Uni Kiel höchst wahrscheinlich wäre, würde man ihm am OSI keine Vollprofessur anbieten. Die zweite Professur für den Bereich „Sicherheitspolitik“ soll Christoph Zürcher erhalten, der zwar schon eine W2-Professur am OSI hat, allerdings bisher nur auf Zeit.

Gleichzeitig soll dafür aber auch die eigentlich neu zu besetzende W3-Professur für „Politische Theorie und Ideengeschichte“ in eine Juniorprofessur umgewandelt werden. Diese Juniorprofessur läuft nach maximal sechs Jahren aus, und die Initiative befürchtet, dass damit das endgültige Aus für die Ideengeschichte am OSI.

Zwar gibt es noch eine zweite Juniorprofessur für „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat und bedingt durch ihre „Tenure Track“-Ausrichtung auch längerfristig erhalten bleiben kann (nicht muss). Doch hängt an einer Juniorprofessur kein Lehrstuhl und damit auch keine Stellen für feste wissenschaftliche MitarbeiterInnen. Der Bereich „Politische Theorie“ bleibt am OSI ohne eine „Vollprofessur“ dauerhaft stark unterrepräsentiert.

Es geht also bei diesem neuen Strukturplan darum den ohnehin schon starken Bereich der „Internationalen Beziehungen“ weiter zu stärken, während die „Politische Theorie“ an den Rand gedrängt wird und schleichend zu verschwinden droht.

Auch wurden die beiden neuen IB-Professur nicht wie sonst eigentlich üblich offen ausgeschrieben, sie wurden viel mehr zur „Personalangelegenheit“ erklärt, was sicherstellen soll, dass Chojnacki und Zürcher die Professuren ohne ein Berufungsverfahren (mit Gutachtern, AlternativkandidatInnen, etc.) direkt erhalten.

Dagegen wehrt sich die „Initiative für die volle Professur der Ideengeschichte am OSI“ und fordert:

  • Eine öffentliche Diskussion um den Strukturplan am OSI, bevor der Fachbereichsrat darüber entscheidet.
  • Eine Vollprofessur für den Bereich „Politische Ideengeschichte“.
  • Mehr kritische Forschung und Lehre am OSI – auch innerhalb der Internationalen Beziehungen.

Konnten studentische VertreterInnen in der letzten FBR-Sitzung durch ihr Veto noch verhindern, dass der FBR den neuen Strukturplan des IR annimmt, so besteht diese Option auf der morgigen Sitzung nicht mehr.

Die einzige Chance die Verabschiedung des neuen Strukturplans doch noch zu verhindern besteht daher darin, morgen im FBR zu erscheinen, gegen die Einrichtung von Professuren mit derart zweifelhaften Methoden zu protestieren und die Ratsmitglieder von der Notwendigkeit einer öffentlichen Diskussion am OSI vor einer Entscheidung zu überzeugen.

Treffen zur OSI-Strukturveränderung im Roten Café

Mai 27, 2008

Wie berichtet hat der OSI-Institutsrat (IR) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und dem Fachbereichsrat (FBR) vorgelegt, der darüber in der kommenden Woche am 04.06. abstimmen wird (siehe „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“).

Der neue Plan sieht unter anderem vor, die zurzeit unbesetzte W3-Professur für Ideengeschichte durch eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ umzuwandeln, die dann mit Sven Chojnacki besetzt werden soll (um diesen am OSI zu halten). Die Ideengeschichtsprofessur soll zeitgleich durch eine Juniorprofessur ersetzt werden.

Zudem soll eine weitere Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geschaffen werden, die auf Christoph Zürcher zugeschnitten wäre. Insgesamt würde der IB-Bereich damit also zwei weitere Professuren bekommen, während es in der Politischen Theorie keine Vollprofessur mehr geben würde.

Als besonders skandalös wird von Studierenden dabei neben dem Versuch diese Veränderung ohne vorherige öffentliche Diskussion am Institut durchzusetzen auch das nicht-öffentliche Ausschreiben der beiden neuen IB-Professuren empfunden. In einer Rundmail heißt es:

„Laut GG Art. 33 Abs. 2 muss jede öffentliche Stelle öffentlich ausgeschrieben werden. Im Falle von Zürcher und Chonjacki ist dies nicht möglich, da die Stellen ja von Vorneherein nur für sie geschaffen werden sollen.“

Wenn das so stimmt, es keine öffentlichen Ausschreibungen gibt, wäre also tatsächlich vorgesehen, Chojnacki und Zürcher direkt die beiden Professuren zuzuschanzen – ohne Berufungsverfahren (bei denen es dann auch GegenkandidatInnen zur Auswahl gäbe und eine Berufungskommission eingesetzt würde).

Um sich dagegen zu wehren, dass so weitreichende Änderungen vom FBR in der nächsten Woche einfach nur abgenickt werden, treffen sich Studierende heute (27.05.) um 16 Uhr im Roten Café. Interessierte sollten erscheinen.

Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren

Mai 24, 2008

Der Institutsrat (IR) des Otto-Suhr-Instituts hat in einer klandestinen Operation (d.h. ohne vorhergehende, öffentliche Diskussion) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und an den Fachbereichsrat (FBR) weitergereicht.

Der geänderte Strukturplan (Download hier) sieht vor, aus der W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ (zur Zeit unbesetzt) eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ zu machen und zeitgleich eine Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ einzurichten. Weiterhin soll es eine W2-Professur „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geben.

Das OSI bekommt also zwei neue IB-Professuren, „Friedensforschung“ und „Sicherheitspolitik“ und gibt dafür das Vorhaben einer Neubesetzung der Professur Ideengeschichte endgültig auf (zu diesem 2006 gescheiterten Berufungsverfahren siehe die entsprechende Seite im OSI-Wiki).

Die Professur „Friedensforschung“ wird vermutlich mit Sven Chojnacki besetzt, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Weggang nach Kiel wahrscheinlich gewesen wäre, hätte man ihm am OSI keine volle Professur in Aussicht gestellt (siehe „Laßt Sven gehen!“). Für „Sicherheitspolitik“ würde sich Christoph Zürcher anbieten, der hat zur Zeit jedoch schon den Lehrstuhl für „Governance and Empirical Conflict Research“ inne.

D.h. nicht, dass die Politische Theorie dann am OSI tot wäre, sie wäre durch zwei Juniorprofessuren repräsentiert: „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat, und „Politische Theorie und Ideengeschichte“, die neu ausgeschrieben werden müsste.

Dennoch wird an diesem Strukturplan deutlich, dass die ohnehin nicht gerade unterrepräsentierten Internationalen Beziehungen weiter gestärkt werden, während die Politische Theorie ein Schattenseite im Bereich Juniorprofessur fristet.

Auch dass die neue Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ mit einem kritischen Geist besetzt wird, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Entsprechende Kandidaten wie z.B. Alex Demirovic oder Klaus Roth passen nicht in das Juniorprofessoren-Profil. Roth würde dann nur noch bis zur Besetzung der Juniorprofessur als „Ausputzer“ dienen. Allein die Art und Weise wie das Institut mit Roth umgeht, sagt eine Menge darüber aus, welchen Stellenwert man der Politischen Theorie hier noch zugesteht.

Die linke, engagierte Studierendenschaft am OSI ist in der Frage gespalten, die eine Fraktion ist empört, dass hier fast lautlos die Vollprofessur Ideengeschichte endgültig abgesägt wird und setzt sich für deren Erhalt ein, die andere findet den Gedanken dass es stattdessen eine Professur „Friedensforschung“ mit Sven Chojnacki geben soll eher positiv.

Mit der Überrepräsentanz des Bereichs IB/Governance ist zwar keine der Fraktionen glücklich, doch da eine Kampagne gegen die jetzige Lösung in letzter Konsequenz auch einen Abgang Chojnackis bedeuten würde, sind Chojnacki-BefürworterInnen nicht allzu eifrig beim Versuch sich dem Willen des Institutsrats entgegenzustemmen.

Natürlich müsste auch jenen OSIanerInnen die Chojnacki für ein progressives Element innerhalb der Dozierendenschaft halten eigentlich klar sein, dass es zur Schaffung eines Gegenpols zur „Governanciation“ des Instituts wichtiger wäre eine Person wie Alex Demirovic als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zu installieren. Eigentlich. Tatsächlich ist natürlich unklar, ob Alex Demirovic oder ein ähnlich kritischer Geist sich im Berufungsverfahren durchsetzen könnte, falls die alte W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ doch noch geretten werden könnte. Und Chojnacki ist eben zur Zeit der „Shooting Star“ am OSI.

Die Mitglieder des Fachbereichsrats (FBR) hatten den neuen Strukturplan am Dienstag
(20.05.) vom IR erhalten und sollten ihn bereits tagsdarauf am Mittwoch (21.05.) absegenen – erneut nicht öffentlich, wie eine Studierendenvertreterin in einer Rundmail betont. Doch die Studierenden legten dann im FBR ihr Veto ein, woraufhin die Entscheidung über die Annahme des Strukturplans vertagt wurde.

Auf der nächsten FBR-Sitzung am übernächsten Mittwoch (04.06.) fällt die Entscheidung dann jedoch endgültig. Und bisher sieht es nicht so aus, als würde sich der FBR dem Antrag des IR entgegenstellen, womit der dunkle Schatten den der Sonderforschungsbereich (SFB) Governance auf das OSI wirft wieder ein deutliches Stück größer werden wird. Denn natürlich stehen die beiden neuen IB-Professuren in einem Kontext zum SFB, der das OSI schleichend aufzufressen scheint. Selbst wenn die Chancen die Sache noch zu kippen nicht gut stehen, sollten proetstwillige Studierende an diesem Tag ihren Weg in die FBR-Sitzung finden.

Am kommenden Mittwoch (28.05.) entscheidet der Akademische Senat um 15 Uhr im AS-Sitzungssaal des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib überreichen. Auch hier ist studentische Präsenz also dringend erfoderlich.