Archive for the ‘Studienordnungen’ Category

Vereinheitlichung der BA-Wiederholungsprüfungsregeln geplant

Februar 12, 2009

Einer der wichtigsten Gründe für das Ausbrechen des „Warnstreiks 2005“ waren Zentralisierungsbestrebungen des FU-Präsidiums. Also eine sukzessive „Entmachtung“ der Fachbereiche und einzelnen Dozierenden zugunsten der FU-Führung. Diese wollte z.B. FU-weit einheitliche und recht kurz bemessene Abgabefristen für Hausarbeiten („akademische Fristen“) einführen und setzte zur Durchsetzung und Kontrolle dieser „Vision“ auf das Campus Management. Die Studierenden wurden zudem mit einem an der fu-einheitlich geltenden Maluspunkte-System malträtiert, welches den zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon starken Leistungsdruck in den neuen Studiengängen noch weiter erhöht hätte.

Das Präsidium machte dann Eingeständnisse, indem es u.a. die Maluspunkte-Regelung aussetzte und die „Fristen des akademischen Kalenders“ (darunter neben Abgabefristen z.B. auch Anmeldefristen für Module) flexibilisierte (FU-Pressemitteilung 201/2005, 30.11.05). Tatsächlich werden Abgabefristen heute nicht so radikal gehandhabt wie damals ursprünglich vorgesehen und die Maluspunkte-Regelung ist bis heute ausgesetzt.

Dennoch hat Lenzen seine Vision einer „Netzwerkuniversität“ deren „Netzwerk“ so aussieht, dass das Präsidium in der Mitte des Universums liegt und von allem anderen brav umkreist wird, anscheinend nie aufgegeben. Denn auch wenn die Vorschläge im aktuellen Fall nach Recherchen des Kommilitonen Mathias Bartelt von der Studienabteilung der FU ausgingen und dann erst über das Präsidium vermittelt wurden, kann man wohl sagen, dass es Vorschläge im Sinne des Präsidiums sind.

Konkret geht es um eine Vereinheitlichung der Regelung bei Wiederholungsprüfungen in allen BA-Studiengängen. Wie das LHG-Blog berichtet, wird bereits an den Fachbereichen Chemie, PhilGeist und Physik eine entsprechend einheitliche Regelung forciert:

„Im Kern enthält besagtes Dokument zwei Modelle, zwischen denen sich die Fachbereiche offenbar entscheiden sollen. Ein Modell ist zunächst ziemlich simpel: Fällt ein Student zum dritten Mal durch eine beliebige Prüfung, ist sein Studium beendet. Diese auf den ersten Anschein sehr harte Regelung wird dann durch einzelne Ausnahmen abgefedert. Das zweite Modell gibt dem Studierenden ein Konto von Punkten, das durch das (schon erstmalige) Durchfallen durch Prüfungen aufgebraucht wird.“ („Initiative des Präsidiums zu Durchfallregelungen?“, LHG Blog, 07.02.09)

Sämtliche Fachbereichen müssten sich also auf eines der beiden Modelle festlegen und könnten keine davon abweichende, autonome Regelung mehr aufstellen. Die Fachbereichsräte müssen dieser Initiative allerdings erst noch zustimmen. Die FSI Wiwiss zitiert aus dem Dokument ergänzend zum Prüfungspunkte-Modell:

„Je Prüfungsleistung steht grundsätzlich ein Wiederholungsversuch zur Verfügung. Mit ’nicht ausreichend‘ bewertete Wiederholungsversuche führen zur Berechnung eines Prüfungspunktes. Die zulässige Höchstzahl y an Prüfungspunkten ist abhängig vom in Leistungspunkten (LP) ausgedrückten Regelstudienumfang.

Wird y überschritten, ist die Gesamtprüfung nicht bestanden.

Vorschlag:
– Studiengänge mit 180 LP: y = 9
– Studiengänge mit 120 LP: y = 6
– Studiengänge mit 60 LP: y = 3

Für Studiengänge mit abweichender Leistungspunktzahl ist eine verhältnismäßige Anpassung vorzunehmen; dabei ist auf ganze Prüfungspunkte abzurunden.“

(zitiert nach „Präsidium forciert Vereinheitlichung der BA-Ordnungen“, FSI Wiwiss Blog, 09.02.09)

Das Ziel der FU-Administration ist dabei offensichtlich mögliche Schlupflöcher zu schließen, die an manchen Fachbereichen mit einem weniger restriktiven Reglement offenbar noch bestehen:

„Auch die Annahme, es gehe darum, potentielle Schlupflöcher an manchen Fachbereichen zu schließen, konnte nachvollzogen werden. Genau das ist der Hintergrund dieses Vorgehens. Für die Studierenden dieser Fachbereiche bedeutet die Umsetzung der Vorschläge dann naturgemäß eine Verschlechterung der derzeitigen Situation.

Von Fachbereichen, deren System bereits jetzt sehr ähnlich zu den neuen Vorschlägen konstruiert ist, erfährt man dagegen, dass die Zwangsexmatrikulation durchaus nicht nur in Einzelfällen erfolgt, sondern wiederholt Studierende aufgrund zu vieler Wiederholungsversuche im Studium scheitern.“ („Was dran ist an der Initiative bezüglich Nachholklausuren“, LHG Blog, 10.02.09)

Wo ein ähnliches System bereits existiert kommt die Zwangsexmatrikulation aufgrund zu vieler Wiederholungsversuche also schon öfter vor, dem sollen sich andere Fachbereiche mit liberaleren Regeln jetzt angleichen. Die Zentralisierung schreitet also voran, die Fachbereiche machen nicht mehr „ihr eigenes Ding“, sondern das was die FU-Führung als vereinheitliche Lösung sehen will – zum Nachteil der Studierenden.

Dem ist natürlich entgegenzuhalten, dass die Fachbereichsräte (FBRs) diesem Vorschlag erst zustimmen müssen, also zunächst natürlich noch die Entscheidungsgewalt haben. Anzunehmen ist jedoch, dass eine Mehrheit in den FBRs dazu tendieren wird, dem Vorstoß von oben einmal mehr zuzustimmen. Beobachter befürchten, dass diese Initiative nicht zufällig jetzt kurz vor oder bei einer Vertagung dann in den Ferien zur Abstimmung gestellt wird. Der Verdacht: Einmal mehr soll in einer „ruhigen Minute“ ohne allzu viel Aufmerksamkeit ein zweifelhafter Beschluss durch die Gremien gepeitscht werden.

Auch gibt es die Stimmen, die die Gefahr sehen, dass mit dieser Initiative der Wiedereinstieg in die gesamte Maluspunkte-Regelung geplant ist, die wie oben beschrieben 2005/06 zwar ausgesetzt wurde aber weiterhin wie ein Damoklesschwert über der Studierendenschaft schwebt.

Aufregung um Abwrackung alter Studiengänge

Februar 5, 2009

Für eine „ernstliche Aufregung“ (LHG) sorgte in der letzten Woche am FB WiWiss die Information, dass die Studienordnung der WiWiss-Diplomstudiengänge zum 31. März 2011 auslaufen wird. Offenbar war die Befürchtung einiger auf Diplom studierender KommilitonInnen, sie müssten bis zum besagten Stichtag ihr Studium beendet haben und würden sonst ohne Abschluss dastehen. In einen Kommentar hielt Wolf daraufhin fest:

„Das Datum bedeutet nur, dass der Fachbereich ab dem Zeitpunkt nicht mehr verpflichtet ist, die Originalveranstaltungen aus der Diplomstudienordnung anzubieten. Er muss Diplomstudenten, die sich selbstverständlich dann auch weiterhin rückmelden können sogar Ersatzveranstaltungen, etwa aus dem Master-Programm, anbieten, die ihnen dann statt der Originalveranstaltungen angerechnet werden. Das Recht die Diplomprüfung abzulegen bleibt quasi ewig bestehen.“ (Kommentar zu „Kurze Info zum Problemforum WiWiss (gestern)“, LHG Blog, 28.01.09)

Dies wurde einem WiWiss-Professor auf Nachfrage vom FU-Rechtsamt dann auch noch mal bestätigt. Dennoch wird natürlich versucht alle auslaufenden Studiengänge an der FU so schnell wie möglich abzuwickeln. Der auf Mailinglisten als „massiv“ beschriebene Druck hat seinen Ursprung im Berliner Senat. Schon in den bestehenden Hochschulverträgen gibt es Festlegungen zur Abwicklung der alten Studiengänge, und die sicherlich nicht ganz unbegründete Befürchtung ist, dass sich der Druck mit den neuen Hochschulverträgen noch einmal verstärken könnte.

Keine externen Zweitgutachter mehr bei Diplomarbeiten am OSI

Januar 9, 2009

Die Kommilitonin Inga Nüthen (FSI OSI) hat in ihrer Eigenschaft als studentische Studienberaterin einen offenen Brief verfasst, in dem sie sich kritisch mit einer Änderung der Regelungen für Zweitgutachten in Diplomarbeitsverfahren am OSI (DPO 2003/06; Änderungsordnung 2007/08) auseinandersetzt.

Die Änderung sieht vor, dass keine externen ZweitgutachterInnen mehr für Diplomarbeiten zugelassen werden. Dies wurde erst beim Anmeldeverfahren für die Diplomprüfung am 5.01. / 06.01.09 bekannt und geht zurück auf ein Schreiben des Rechtsamtes der FU vom 19.12.08. Die Begründung lautet wie folgt:

„Nach Informationen des Prüfungsbüros begründet sich diese Neuerung mit der Tatsache, dass es keine entsprechende Regelung in den Studien- und Prüfungsordnungen für den modularisierten Diplomstudiengang (DPO 2003/2006; Änderungsordnung 2007/08) gäbe und daher die Regelungen der Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) gelten würden, welche die Prüfungsberechtigten auf Institutsangehörige beschränke.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga verweist in ihrem Brief zunächst darauf, dass diese Neuerung viel zu kurzfristig eingeführt wurde und sich die KommilitonInnen darauf nicht vorbereiten konnten (es bestand kein Universitätsbetrieb zwischen dem 19.12. und 05.01), dass es ferner immer Usus war Diplomanden zu einem externen Gutachter zu raten wenn sich dies inhaltlich anbietet und dass es drittens äußerst befremdlich ist, dass solch eine Änderung gerade „in Zeiten zunehmend verkündeter Interdisziplinarität, Internationalität und Flexibilität“ beschlossen wird.

Ferner weist Inga zurecht daraufhin, dass es wegen der „allgemeinen zeitlichen Überlastung“ schwierig ist eineN BetreuerIn zu finden. Dieses Problem dürfte sich jetzt verschärfen, wenn Diplomanden ihren Zweitgutachter nicht mehr extern wählen dürfen. Weiter führt Inga aus:

„Schließlich widerspricht eine solche Regelung dem Anspruch an die Diplomarbeit als einer wissenschaftlich eigenständigen Arbeit. Das selbständige Suchen einer wissenschaftlichen Betreuung wird damit unterbunden und somit ein weiterer Schritt in Richtung einseitigem Schmalspurstudium getan.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Auch auf formalrechtlicher Ebene kann Inga die Argumentation des FU-Rechtsamtes nicht ganz nachvollziehen:

„In den Studien- und Prüfungsordnungen von 2003, 2006 und der Änderungsordnung von 2007/08 werden tatsächlich keine genauen Bestimmungen zur den Prüfungsberechtigten bei einer Diplomprüfung aufgeführt. Sollte nun damit der Fall eintreten, dass die Bestimmungen des BerlHG gelten, dann stützt dies nicht die These der notwendigen Beschränkung auf interne Prüfer_innen.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga fordert die zuständigen Gremien dazu auf, eine Klärung des Sachverhaltes zu veranlassen und dafür Sorge zu tragen, dass „diese unzumutbare und wissenschaftsfeindliche Neuerung rückgängig“ gemacht wird. Sie schlägt vor, einen Passus in die DPO einzufügen, der die Wahl eines externen Zweitgutachters explizit erlaubt. Für die sich momentan im Diplomprüfungsverfahren befindlichen KommilitonInnen müsse zudem eine Übergangsregelung gefunden werden.

Es bleibt zu hoffen, dass dem Anliegen des offenen Briefes Folge geleistet wird. Tatsächlich ist diese Änderung ein Unding, allgemein aufgrund der aufgezeigten Fragwürdigkeit einer Ausschließung externer Zweitgutachter und im Besonderen durch die Kurzfristigkeit der Einführung der neuen Regelung.

Akademischer Senat beerdigt OSI-Diplom / Online-Evaluation gestartet

Juni 28, 2008

Wie das LHG-Blog berichtet, hat der Akademische Senat wie zu befürchten stand in seiner Sitzung am 26.06. eine neue Zulassungsordnung verabschiedet, welche die Zulassungszahl für den Diplom-Studiengang Politikwissenschaft auf 0 setzt. Damit werden im kommenden Wintersemester (und wohl auch im folgenden Sommersemester) keine neuen Studierenden für den Studiengang zugelassen.

Wie bereits ausgeführt, soll dieses Vorgehen angeblich dazu dienen, der FU Zeit zu verschaffen, um „empirische Daten“ zu sammeln die dann gegenüber dem Berliner Senat ggf. belegen könnten, dass der – damals extra im Zuge der Bologna Reform modularisierte – Diplom-Studiengang doch noch benötigt wird (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Eine fragwürdige Strategie, denn zu vermuten steht, dass ein Diplom-Studiengang wenn er erst einmal ausgesetzt wurde, kaum ein „Comeback“ feiern wird.

Von Vize-Präsidentin „Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. sc. Christine Keitel-Kreidt“ erhielten Studierende der Politikwissenschaft unlängst eine ZEDAT-Email, die vermutlich nicht nur aber auch im Kontext dieser „Rettungsaktion“ gesehen werden kann. Aufgerufen wird nämlich zur Teilnahme an einer Lehr-Evaluation:

„Schwerpunkt des Evaluationsinstrumentes ist die Erfassung von Kompetenzzuwächsen. Hintergrund ist die Umstellung der Studienabschlüsse von Diplom/Magister auf Bachelor/Master (of Science) und die damit einhergehende Neustrukturierung der Lehre. Dabei gelten Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen als mögliche zu fördernde Kompetenzbereiche, deren Vermittlung abhängig vom Veranstaltungstyp (Vorlesungen, Seminare, Übungen, Praktika) und den Zielsetzungen der Lehrenden variieren kann.

Die systematische Online-Evaluation ist eine der verschiedenen Möglichkeiten für die Lehrenden, ein Feedback von Ihnen zu erhalten. So können die Lehrenden prüfen, ob die mit der Lehrveranstaltung verbundenen Ziele erreicht wurden bzw. wo noch Bedarf zur Veränderung besteht, so dass beiderseitige Erwartungen zukünftig besser erfüllt werden können.“

Auf lehrevaluation.fu-berlin.de können Studierende online Evaluationsbögen ausfüllen. Diese ähneln von der Struktur her den alten Zettel-Fragebögen die manche Lehrende am Ende des Semesters rumgehen ließen.

Ob das allein die bisher angeblich fehlenden „empirischen Daten“ sind, die das Dekanat PolSoz und die OSI-Institutsleitung noch erheben möchten, ist aber natürlich fraglich. Immerhin wird aber auch nach dem Studiengang gefragt, man könnte so also beim Auswerten der Bögen auch feststellen, ob die Zufriedenheit mit einer Lehrveranstaltung bei Diplom-Studierenden größer ist, als bei BA-Studierenden. Dies ist durchaus denkbar, etwa weil ein Diplom-Studierender bedingt durch seinen Studiengang mit breiteren Vorkenntnissen in die LV geht, als ein BA-Studierender.

Die Evaluation läuft vom 25. Juni bis zum 08. Juli und die Teilnahme war in den ersten drei Tagen nicht gerade überwältigend (die Anzahl bisheriger Bewertungen wird für jede LV angezeigt). Kann sein, dass sich das bis Anfang Juli noch steigert, doch zu vermuten steht, dass eine solche Teilnahme-Aufforderung in der Mailbox versackt, wenn der/die EmpfängerIn nicht unmittelbar nach der Zustellung auf das Angebot eingeht.

Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren

Mai 24, 2008

Der Institutsrat (IR) des Otto-Suhr-Instituts hat in einer klandestinen Operation (d.h. ohne vorhergehende, öffentliche Diskussion) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und an den Fachbereichsrat (FBR) weitergereicht.

Der geänderte Strukturplan (Download hier) sieht vor, aus der W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ (zur Zeit unbesetzt) eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ zu machen und zeitgleich eine Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ einzurichten. Weiterhin soll es eine W2-Professur „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geben.

Das OSI bekommt also zwei neue IB-Professuren, „Friedensforschung“ und „Sicherheitspolitik“ und gibt dafür das Vorhaben einer Neubesetzung der Professur Ideengeschichte endgültig auf (zu diesem 2006 gescheiterten Berufungsverfahren siehe die entsprechende Seite im OSI-Wiki).

Die Professur „Friedensforschung“ wird vermutlich mit Sven Chojnacki besetzt, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Weggang nach Kiel wahrscheinlich gewesen wäre, hätte man ihm am OSI keine volle Professur in Aussicht gestellt (siehe „Laßt Sven gehen!“). Für „Sicherheitspolitik“ würde sich Christoph Zürcher anbieten, der hat zur Zeit jedoch schon den Lehrstuhl für „Governance and Empirical Conflict Research“ inne.

D.h. nicht, dass die Politische Theorie dann am OSI tot wäre, sie wäre durch zwei Juniorprofessuren repräsentiert: „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat, und „Politische Theorie und Ideengeschichte“, die neu ausgeschrieben werden müsste.

Dennoch wird an diesem Strukturplan deutlich, dass die ohnehin nicht gerade unterrepräsentierten Internationalen Beziehungen weiter gestärkt werden, während die Politische Theorie ein Schattenseite im Bereich Juniorprofessur fristet.

Auch dass die neue Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ mit einem kritischen Geist besetzt wird, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Entsprechende Kandidaten wie z.B. Alex Demirovic oder Klaus Roth passen nicht in das Juniorprofessoren-Profil. Roth würde dann nur noch bis zur Besetzung der Juniorprofessur als „Ausputzer“ dienen. Allein die Art und Weise wie das Institut mit Roth umgeht, sagt eine Menge darüber aus, welchen Stellenwert man der Politischen Theorie hier noch zugesteht.

Die linke, engagierte Studierendenschaft am OSI ist in der Frage gespalten, die eine Fraktion ist empört, dass hier fast lautlos die Vollprofessur Ideengeschichte endgültig abgesägt wird und setzt sich für deren Erhalt ein, die andere findet den Gedanken dass es stattdessen eine Professur „Friedensforschung“ mit Sven Chojnacki geben soll eher positiv.

Mit der Überrepräsentanz des Bereichs IB/Governance ist zwar keine der Fraktionen glücklich, doch da eine Kampagne gegen die jetzige Lösung in letzter Konsequenz auch einen Abgang Chojnackis bedeuten würde, sind Chojnacki-BefürworterInnen nicht allzu eifrig beim Versuch sich dem Willen des Institutsrats entgegenzustemmen.

Natürlich müsste auch jenen OSIanerInnen die Chojnacki für ein progressives Element innerhalb der Dozierendenschaft halten eigentlich klar sein, dass es zur Schaffung eines Gegenpols zur „Governanciation“ des Instituts wichtiger wäre eine Person wie Alex Demirovic als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zu installieren. Eigentlich. Tatsächlich ist natürlich unklar, ob Alex Demirovic oder ein ähnlich kritischer Geist sich im Berufungsverfahren durchsetzen könnte, falls die alte W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ doch noch geretten werden könnte. Und Chojnacki ist eben zur Zeit der „Shooting Star“ am OSI.

Die Mitglieder des Fachbereichsrats (FBR) hatten den neuen Strukturplan am Dienstag
(20.05.) vom IR erhalten und sollten ihn bereits tagsdarauf am Mittwoch (21.05.) absegenen – erneut nicht öffentlich, wie eine Studierendenvertreterin in einer Rundmail betont. Doch die Studierenden legten dann im FBR ihr Veto ein, woraufhin die Entscheidung über die Annahme des Strukturplans vertagt wurde.

Auf der nächsten FBR-Sitzung am übernächsten Mittwoch (04.06.) fällt die Entscheidung dann jedoch endgültig. Und bisher sieht es nicht so aus, als würde sich der FBR dem Antrag des IR entgegenstellen, womit der dunkle Schatten den der Sonderforschungsbereich (SFB) Governance auf das OSI wirft wieder ein deutliches Stück größer werden wird. Denn natürlich stehen die beiden neuen IB-Professuren in einem Kontext zum SFB, der das OSI schleichend aufzufressen scheint. Selbst wenn die Chancen die Sache noch zu kippen nicht gut stehen, sollten proetstwillige Studierende an diesem Tag ihren Weg in die FBR-Sitzung finden.

Am kommenden Mittwoch (28.05.) entscheidet der Akademische Senat um 15 Uhr im AS-Sitzungssaal des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib überreichen. Auch hier ist studentische Präsenz also dringend erfoderlich.

Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt „retten“

Mai 22, 2008

Wow, gestern lagen Aufrufe zum Protest am OSI aus – von der LHG. Das erlebt man auch nicht alle Tage und es zeigt vermutlich wie ernst die Lage im Fall des vor dem Exitus stehenden OSI-Diplom-Studiengangs ist. Wie gestern schon berichtet, plant der Akademische Senat nächste Woche am 28.05. die Abwicklung des OSI-Diploms zu beschließen (präziser geht es erst einmal „nur“ um eine angeblich zeitlich begrenzte Aussetzung für Einschreibungen, doch dazu unten mehr).

Daher ruft die LHG die Studierenden auf Flyern dazu auf, zu der besagten AS Sitzung am kommenden Mittwoch zu erscheinen, um dort gegen diese anstehende Entscheidung die Stimme zu erheben.

Inzwischen wurden auch Details über das besagte Urteil des Verwaltungsgericht bekannt, auf dessen Grundlage das PolSoz Dekanat sich zum Handeln veranlasst sah:

„Das im vorherigen Bericht erwähnte Urteil des Verwaltungsgerichts bezieht sich auf Kapazitäten: Da die Kapazitäten für BA, MA und Diplom getrennt berechnet werden, hat der Wechsel von (netto) ca. 20 Studierende vom BA in das Diplom dazu geführt, dass im BA-Studiengang auf dem Papier Kapazitäten frei geworden sind, die nun aufgefüllt werden sollen.“ („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08)

Mit anderen Worten, weil Studierende das Diplom einer BA(/MA)-Lösung vorziehen, muss das Diplom dran glauben. Wenn die Studierenden also nicht selbst drauf kommen, welche „Bereicherung“ BA und MA darstellen, muss der „Erfolg“ der neuen Studiengänge sozusagen erzwungen werden, indem man die alten beschleunigt und unter massivem Druck entsorgt.

Gut, dass mit der Etablierung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge zunehmend darauf gedrungen wird, die alten Magister- und Diplom-Studiengänge abzuwickeln kann natürlich nicht wirklich überraschen. Das OSI-Diplom stellt hier aber insofern einen Sonderfall dar, als dass man den Studiengang extra refomiert und „modularisiert“ hatte, den neuen BA/MA-Studiengänge von der Struktur her also angeglichen hat. Dass nun ein solcher Diplom-Studiengang mit einer Regelstudienzeit von 9 Semestern für viele Studierende offenbar immer noch attraktiver ist, als ein Bachelor mit nur 6 Semestern Regelstudienzeit, muss die Bologna Reformatoren natürlich wurmen.

Der Akademische Senat soll das OSI-Diplom nun aber nicht endgültig abwickeln, sondern zunächst einen Aussetzungsbeschluss fassen, der dann vorsehen würde, dass zunächst nur im kommenden Wintersemester 08/09 keine neue Studierenden für das Diplom zugelassen werden. Konkret würde das dann aber auch das Sommersemester 2009 betreffen, so dass sich Studierende frühestens erst wieder im Wintersemester 09/10 für das Diplom einschreiben könnten. Es geht hier also um ein einjähriges Moratorium, welches der AS beschließen soll.

Das Ganze wird an der FU als eine Art Verzögerungstaktik gegenüber dem Berliner Senat vermarktet. So stimmten die Dekanin des Fachbereichs PolSoz, Prof. Riedmüller, und der OSI-Institutsdirektor Prof. Massing, in der gestrigen Fachbereichsratsitzung darin überein, dass man die Zwischenzeit nutzen wolle um „empirische Daten“ über die Akzeptanz der neuen Studiengänge zu sammeln, die dann die Grundlage für bessere Begründungen für den Erhalt des Diploms bilden sollen. Fabian fasst diese fragwürdige Taktik im FSI OSI Blog wie folgt zusammen:

„Unklar blieben allerdings die Vorteile dieses Plans, denn empirische Daten über die Akzeptanz der einzelnen Studiengänge gibt es zuhauf. So sollte aus den Bewerbungszahlen für den Diplom-Studiengang und aus der Zahl derer, die in den ersten vier Semestern ihres Studiums vom Bachelor- in den Diplomstudiengang wechseln, deutlich hervorgehen, dass die Nachfrage nach dem Diplom immer noch groß ist. Und selbst wenn die Erhebung weiterer Daten sinnvoll ist: Dies könnte ebenso gut geschehen, ohne die Zulassung auszusetzen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Weder die FSI OSI noch die LHG glauben ihren Blogeinträgen zu folge daran, dass eine solche Verzögerungstaktik fruchten würde. Die LHG verweist darauf, dass „bei allen alten Studiengängen eine Heruntersetzung der Zulassungszahlen auf 0 das Auslaufen des Studiengangs“ bedeutet hat („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08). Und die FSI schlussfolgert:

„Nahe liegt daher die Annahme, dass es mit dem Rettungseifer von Dekanat und Institutsleitung so weit nicht her ist. Die Aussetzung der Zulassungen für ein Jahr erscheint als geeignetes Mittel, Fakten für kommende Diskussionen über die Zukunft des Diploms am OSI zu schaffen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Entsprechend haben alle studentischen VetreterInnen im Fachbereichsrat gegen diese Taktik gestimmt, unterlagen jedoch. Und sollte nun der Akademische Senat am kommenden Mittwoch (28.05.) die Sache auch noch absegnen, bedeutet das wohl auch langfristig das Aus für den Diplom-Studiengang.

Diplom-Studiengang am OSI offenbar vor dem Aus

Mai 21, 2008

Wie Ronny im LHG-Blog berichtet, steht der Diplom-Studiengang am OSI unmittelbar vor dem Aus.

Auf der gestrigen KfL-Sitzung wurde demnach bekannt, dass schon ab dem kommenden Wintersemester 08/09 keine neuen Studierenden mehr für den Diplom-Studiengang zugelassen werden sollen. Der Diplom-Studiengang würde demnach endgültig auslaufen.

„Hintergrund ist wohl ein Urteil des Verwaltungsgerichts, auf dessen Grundlage das Dekanat Politik- und Sozialwissenschaft nach Hinweis durch das Präsidium eine Zulassungszahl von 0 (null) Studierenden für das Wintersemester 08/09 beschlossen hat.“ („OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 20.05.08)

Wie Mathias in einer Mail schreibt, haben die studentischen VertreterInnen erst in der gestrigen KfL-Sitzung durch Vizepräsidentin Keitel-Kreidt von diesem Vorgang erfahren. Nähere Hintergründe, also z.B. um was für ein Urteil es hier geht, sind bis dato nicht bekannt.

Einen Hinweis auf die Problematik kann man jedoch vermutlich in der Zusammenfassung der schon etwas zurückliegenden, vorhergehenden KfL-Sitzung im FSI-Blog nachlesen:

„Laut Keitel-Kreidt sei die FU von der Senatsverwaltung bereits verwarnt worden. Die FU sei gebunden an die Hochschulverträge und die Zielvereinbarungen mit dem Berliner Senat. Die alten Studiengänge sollten laut diesem so schnell wie möglich abgewickelt werden. In den neuen Studiengängen müsse, nach Maßgabe der Gerichte, voll aufgefüllt werden – was die Fachbereiche in eine ziemlich schwierige Situation bringe.

Der FU würden Mittelkürzungen vehement angedroht. Keitel-Kreidt betonte, die Studierenden der alten Studiengänge müßten ganz schnell fertig werden.“ („Big Presidency is watching you“, FSI Blog, 20.05.08)

Es gibt also Druck, die alten Studiengänge dichtzumachen. Der Diplom-Studiengang am OSI wurde aber damals zur BA-Einführung extra parallel reformiert, sprich modularisiert, um ihn so auch einem „modernen“ Abschluss im Sinne des Bologna Prozess‘ anzugleichen. So hoffte man, der Abwicklung des Diploms zugunsten einer BA/MA-Variante entgegentreten zu können. Der MA wurde zwar dann auch auf den Weg gebracht, das Diplom sollte parallel aber weiter existieren.

Nun ist aber scheinbar doch Schluss mit dem Diplom. Nicht ganz klar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ob der oben erwähnte Gerichtsbeschluss im Kontext zum Druck der Senatsverwaltung auf die FU steht, die alten Studiengänge schnellstmöglich abzuwickeln.

Dem Argument sich dem Senat wegen der Hochschulverträge beugen zu müssen, steht eine Darstellung des Sachverhalts entgegen, demnach es letztlich der Akademische Senat der FU ist, der über das Einrichten und Auslaufen-Lassen eines Studiengangs entscheidet. Mathias schreibt in seinem Bericht:

„(…) Während Keitel-Kreidt immer wieder den Eindruck erweckte, als würde dies bereits durch die Hochschulverträge vorgegeben, wurde klar gestellt: Über das Einrichten von Studiengängen entscheidet der Akademische Senat der FU.

Entsprechend entscheidet er auch über das Auslaufen-Lassen von Studiengängen. Dies unabhängig vom Inhalt der Studiengänge, über den die Fachbereiche entscheiden. Ein solcher Beschluß des AS über das Auslaufen-Lassen existiert zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) nicht. („Big Presidency is watching you“, FSI Blog, 20.05.08)

Im Fall des OSI-Diploms (oder zum Auslaufen-Lassen von alten Studiengängen ganz allgemein) will der Akademische Senat die entsprechende Ordnung zur Abwicklung (zum Einschreibungssstopp) laut Ronny nächste Woche beschließen. Die Frage ist, ob der Akademische Senat das wegen des eingangs erwähnten Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgerichts auf jeden Fall tun muss oder ob es nicht doch noch eine Option gibt, die Abwicklung nicht zu beschließen.

Heute (21.05.) findet jedenfalls zunächst um 9:00 Uhr die nächste Sitzung des FBR PolSoz im Hörsaal A oder B des OSI statt, wo der Sachverhalt mit Sicherheit ein zentrales Thema sein wird.

Forderungen des FU Aktionsplenums

Mai 16, 2008

Nachdem die Protestbewegung bisher etwas darunter gelitten hat, dass es keine konkret ausformulierten Forderungen und ausgearbeiteten Durchsetzungsstrategien gab, ist jetzt zumindest ersteres gelöst.

Das Aktionsplenum der FU hat folgenden Forderungskatalog beschlossen:

  • freie Bildung für alle, damit insbesondere
    • keine Privatisierung und kein Outsourcing im Bildungssektor
    • Abschaffung von Zugangsbeschränkungen wie etwa dem NC
    • keine Schul- und Studiengebühren jeglicher Art
  • die Demokratisierung der Hochschulen, damit insbesondere
    • Viertelparität in allen Gremien
    • Studierendenvertretungen im Präsidium und den Dekanaten
  • die Selbstbestimmung im Studium, damit insbesondere
    • Verlängerung des BA von 3 auf 4 Jahre
    • freier Masterzugang
    • Flexibilisierung der Studienverlaufspläne
    • Abschaffung von Überwachungsinstrumenten wie Anwesenheitslisten, Campus Management, Zwangsberatungen, u.ä.
    • freie ABV-Wahl aus dem kompletten Studienangebot
  • die Trennung von Wirtschaft und Wissenschaft, damit insbesondere
    • keine Scheuklappenwissenschaft durch Drittmittelorientierung
    • keine mit WirtschaftsvertreterInnen bestückten „wissenschaftlichen Beiräte“
    • keine public-private-partnerships, wie die der FU mit dem Klett-Verlag zur Gründung einer Privatuniversität auf FU-Gelände
    • deutliche Finanzierungserhöhungen durch das Land Berlin in den anstehenden Hochschulverträgen für eine Autonomie der Hochschulen von der Wirtschaft
    • keine Werbung und keine Shops in der Uni
  • eine offene Kommunikationspolitik des Präsidiums, damit insbesondere
    • allgemeine Information der Studierenden über anstehende Pläne und Veränderungen
  • ein Nein zu Bibliothekszusammenlegungen und Institutsschließungen
  • den Rücktritt Dieter Lenzens

Als pdf sind diese Forderungen auch hier verfügbar.

Verhältnismäßig schwache Vollversammlung

Mai 8, 2008

Die gestrige FU Vollversammlung gehörte sowohl was die Anzahl der anwesenden Studis anging als auch was die inhaltlichen Auseinandersetzungen angeht eher zu den schwächeren.

Es waren zwar noch etliche Protest- und/oder Informationswillige erschienen, allerdings war der Hörsaal 1a in der Silberlaube doch deutlich leerer als noch auf der vorhergehenden VV, auf der im letzten Semester euphorisch das „Protestsemeter“ für diesen Sommer beschlossen wurde (Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester“). Wolf schreibt im LHG Blog, er habe auf dem Höhepunkt der Veranstaltung nur 210 Studierende gezählt, was gut hinkommen kann und für eine Gesamt-VV wenig ist.

Schwerer als der sichtbare Rückgang der alleinigen Anzahl von Interessierten wiegt jedoch, dass die Vollversammlung auch inhaltlich eher schwach war. Die Diskussion drehte sich weitgehend im Kreise, es wurden immer wieder und wieder nahezu identische Standpunkte vorgebracht, es wurden weder konkrete Forderungen aufgestellt noch Beschlüsse gefasst, die VV beschränkte sich weitgehend darauf eine reine Informationsveranstaltung zu sein, deren Neuigkeitswert sich in Grenzen hielt, wie die folgende Zusammenfassung auch aufzeigen wird.

Zum weiteren Ablauf des Protestsemesters

In einem einleitenden Teil skizzierte ein Kommilitone in seinem Vortrag noch einmal kurz den weiteren, geplanten Ablauf des Protestsemesters.

Vom 13.05. bis 16.05. gibt es wie schon berichtet die so genannte „Vorbereitungswoche“, die jetzt aber „Campuswoche“ heißt. In dieser Woche soll es an zentralen Punkten auf dem Campus Infostände geben, die die Funktion wahrnehmen die Studierenden für die folgende „Aktionwoche“ zu mobilisieren und sie natürlich auch mit Informationen zu versorgen (Worum geht es, gegen was richtet sich der Protest, was wollen wir, etc.). Dafür werden dann unter anderem auch das Aktionswochen-KVV und Flyer verteilt.

An die „Campuswoche“ schließt sich dann die „Aktionwoche“ vom 19.05. bis 23.05. an. Dort gibt es neben diversen Seminaren, Vorträgen und Workshops dann auch ein zentrales „Aktionswochencamp“ (als zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für Aktionen), ferner wird es viel Musik, VoKü und eine große Abschlussparty geben.

Am Donnerstag den 22.05. findet dann der so genannte „SchülerInnenstreik“ statt, an dem sich auch alle Studierende beteiligen sollen, da es sich hier um einen Protesttag handelt, der sich generell gegen Bildungs- und Sozialabbau richtet. Startpunkt der Demo ist 11 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Vor und nach der Demo kann es zwar noch Protest-Workshops geben, für den Zeitraum zwischen 11 und etwa 18 Uhr wurden aber bewusst keine Veranstaltungen angesetzt, da in diesem Zeitfenster alle zur Demo / zum Streik kommen sollen.

Zum Bibliotheksskandal

Im folgenden Vortrag beschrieb Stefan kurz die aktuelle Situation im Bibliotheksskandal. Da es sich hier um eine Gesamt-VV handelte, richtete er den Fokus bewusst nicht so sehr nur auf den Streit um die PolSoz-Bibliothek, sondern allgemein auf den Prozess der Bibliotheksschließung / -zusammenlegung an der FU.

Die Zusammenfassung kann im wesentlichen unter „Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015“ nachgelesen werden, ein FUwatch-Eintrag der einen Bericht Stefans aus dem Kuratorium zusammenfasst.

Stefan betonte darüber hinaus noch die Notwendigkeit für Studierende sich intensiver als bisher mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Denn die BefürworterInnen der Bibliotheks-Zentralisierungen führen diverse tatsächliche oder vermeintliche Vorteile an: bessere Ausstattung, besseres Licht, bessere Architektur, längere Öffnungszeiten, usw.

Demgegenüber stehen die Erfahrungen der Studierenden, die sie mit der Philologischen Bibliothek gewonnen haben. Die PhilBib als Beispiel für einen solchen Typ von moderner Zentralbibliothek zeigt auf, wohin die Reise geht: Oft zu laut, wegen Überfüllung zu Prüfungszeiten nur bestimmten Studierenden zugänglich, Bücher können immer weniger ausgeliehen werden und müssen immer stärker vor Ort studiert werden (was den Platzmangel noch weiter verstärkt).

Studierende die sich in den Protest einbringen wollen legte Stefan nahe, sich in der Bib-Gruppe zu engagieren, die Protestaktionen plant (wie etwa die gestrige Besetzung der PolSoz-Bib am Morgen) und die sich darüber hinaus auch inhaltlich mit dem Problem auseinandersetzt und versucht weitere Proteststrategien zu entwickeln. Obwohl bisher nur auf die PolSoz-Bib ausgerichtet, könnte die Arbeit der Gruppe zukünftig ausgeweitet werden und sich dann eben auch allgemein mit dem Problem der Bibliothekszusammenlegungen an der FU befassen.

Der Quorums-Streit

Wie angekündigt sollte dann auch über einen Protesttext abgestimmt werden, der sich gegen die Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken wendet und an den dann eine Unterschriftenliste angeschlossen wird.

Hier intervenierte jedoch Wolf mit dem altbekannten Hinweis darauf, dass das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs nicht erreicht sei, die VV somit gar nicht beschlussfähig sei. Dem wurde wie immer entgegengehalten, dass wenn die VV keine offiziellen Beschlüsse fassen könne, sie eben inoffizielle verabschieden würde, also im Namen der Anwesenden, nicht stellvertretend für die FU-Studierendenschaft. Auch wurde angeregt, dass das StuPa den Beschluss dann eben fassen solle.

Obwohl sich Wolf mit seiner Position nicht durchsetzen konnte, die Mehrheit der Anwesenden sich deutlich und laustark gegen seinen Einwand artikulierte, erreichte er doch offensichtlich, dass die Abstimmung über den Text nicht stattfand. Zumindest hat es bis 16 Uhr keine Abstimmung gegeben (unwahrscheinlich, dass er in der „Nachspielzeit“ doch noch verabschiedet wurde).

Die Unterschiftenlisten gingen aber natürlich trotzdem rum und waren ja auch nicht an einen Beschluss der VV gebunden.

Der Bologna Prozess

Der Kommilitone Batti hielt anschließend einen Vortrag über die Probleme die durch die Bologna Reform entstanden sind, Schwerpunkt war hier natürlich einmal mehr der Bachelor. Man könne ihn zwar nicht mehr abschaffen, aber natürlich sehr wohl noch modifizieren, etwa von 6 Semester auf 8 Semester Regelstudienzeit hochgehen. Eine weitere zentrale Forderung müsse sein, dass jedeR der/die es möchte nach einem BA noch einen MA machen kann.

Genannt wurden nahezu alle zentralen Probleme: statt einer Vergleichbarkeit kommt es zu einer zunehmenden Isolierung der Hochschulen, die jeweils „ihr Ding“ durchziehen; die Abbrecherquote ist in einigen Bereichen nicht gesunken sondern gestiegen, was nicht nur aber auch mit dem zu hohen Workload zu tun hat; Verschulung und Zeidruck nehmen rapide zu und lassen kaum noch Zeit zur Reflexion und Orientierung über den Studieninhalt.

Ausführlicher kann man dies z.B. bei FUwatch zuletzt unter „And the flames went higher…“ und „Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory“ nachlesen. Empfehlenswert ist dazu auch noch „Der Mythos vom besseren Studium“, ein Artikel in dem der Kommilitone Mathias die zentralen Erkenntnissse aus Studien und Umfragen zum BA/MA der letzten Zeit zusammenfasst und auswertet.

Bildungsprivatisierung

Im folgenden gab es einen Beitrag einer Kommilitonin, in dem diese die Problematik der zunehmenden Bildungsprivatisierung und die damit einhergehende Entdemokratisierung der Hochschulen thematisierte.

Genannt wurden einige Beispiele wie etwa ein Kongress der die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker fokussierte; das Public-Private-Partnership zwischen dem Klett Verlag und der FU, das unter anderem dazu führt, dass über die Hintertür Studiengebühren eingeführt würden; die Exzellenzinitiative die dazu führt, dass stärker denn je über den (marktwirtschaftlichen) Wettbewerb gesteuert wird, zu welchen Themen geforscht wird und zu welchen nicht.

Ein sehr wichtiges Thema, bei dem man sich gewünscht hätte, dass die Kommilitonin doch noch etwas mehr ins Detail geht. Denn teilweise überflog sie die genannten Beispiele recht schnell und der Vortrag blieb dadurch etwas oberflächlich und schlagwortartig.

Über den Tellerand geblickt

In der Kategorie „Wir müssen auch über den Tellerand blicken und den gesamtgesellschaftlichen Kontext nicht aus den Augen verlieren“ gab es diesmal einen Exkurs darüber was universitäre Forschung im außeruniversitären Bereich teilweise verheerendes bewirkt und wie Unternehmen zunehmend Bildungspolitik beeinflussen.

Hier wurde zunächst skizziert wie der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) an der FU die bundesdeutsche Außenpolitik in Afghanistan beeinflusst bzw. unterstützt. Also was es z.B. heißt, wenn westliche Wissenschaftler die Deutungshoheit darüber erlangen, was ein „failed state“ ist. Unter „SFB Governance in der Kritik“ wurde das Thema auf FUwatch (samt Kommentaren) schon andiskutiert.

Dann ging es um die „Military Studies“ an der Uni Potsdam, die Entwicklung von so genannten „Unbemannten Luftfahrzeugen“ (UAVs) an der TU Karlsruhe und darum wie Bertelsmann (bzw. das Centrum für Hochschulentwicklung, CHE) am berüchtigten Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) in NRW mitgewirkt hat.

Teilweise wirkte der Vortrag doch etwas plakativ, etwa wenn kritisiert wurde, dass Hasso Plattner als einer der reichsten Deutschen das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Uni Potsdam finanziert, ohne näher zu konkretisieren, warum das eigentlich ein Problem ist.

Insgesamt sollte der Vortrag deutlich machen, dass „alles zusammengehört“, Geschehnisse an der Uni nicht losgelöst von Geschehnissen außerhalb der Uni betrachtet werden können, sondern viel mehr die Wechselwirkungen genau beobachtet und der größere Rahmen nie aus den Augen verloren werden sollte.

„Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“

Zu den klassichen Konfliktlinien die sich auf nahezu jeder Vollversammlung abzeichnen gehört neben „Müssen uns auf Uni-Themen konzentrieren“ vs. „Müssen auch gesamtgesellschaftlichen Kontext beachten“ insbesondere auch „Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“.

Während eine Kommilitonin mit der Losung „Klein aber gemein“ die Position auf den Punkt brachte, dass Masse im Protest nicht unbedingt alles ist und auch Wenige etwas bewirken können, ging ein anderer Kommilitone soweit die These aufzustellen, wenn es nicht gelinge deutlich mehr zu mobilisieren als gerade anwesend sind, könne man es auch gleich ganz lassen.

Hinzu kommen jene KommilitonInnen die dann betonen, es müsse eine Zwischenlösung geben: Also einerseits natürlich starke Anstrengungen mehr Studierende zu mobilisieren, andererseits aber den Protest auch in kleineren Zirkeln vorantreiben, wenn nicht mehr erscheinen.

Dies ist in der Tat eine zentrale, strategische Frage, die sich aufgrund der sichtlich weniger erschienenden Protestwilligen aufdrängte. Trotzdem ist es unverhältnismäßig wenn zwischen einer halben und dreiviertel Stunde auf der VV ausschließlich diese Grundsatzdebatte geführt wird. Zudem mit den immer gleichen Argumenten, denn es fiel auf, dass Redner oftmals einfach nur in anderen Worten wiederholten, was ihrE VorrednerIn gesagt hatte.

Statt Beschlüsse zu fassen, Forderungen aufzustellen und inhaltlich voranzukommen ging es über einen langen Zeitraum auf der VV nur darum, ob man mehr Studierende braucht und wenn ja, wie diese zu mobilsieren sein.

Die Mobilisierungsfrage

Immer wieder wurde auch die aus Sicht vieler Anwesenden offenbar schlechte Protest-Kommunikation kritisiert. So würden viele KommilitonInnen z.B. vom Protestsemester im Allgemeinen oder der VV im Speziellen gar nichts wissen, da sie nicht rechtzeitig und umfassend informiert würden. Als Konsequenz würden die dann eben auch nicht erscheinen.

Es wurden dann verschiedene Methoden diskutiert, etwa ob man nicht wirklich alle Studierende über Email erreichen könne und dass man bereits auf den Flyern genau darlegen sollte, worum konkret es im Protest geht und gegen was er sich richtet, anstatt einfach nur den Namen einer Veranstaltung (hier: VV), den Ort, die Uhrzeit, das Datum und eine kämpferische Losung abzudrucken.

Die OrganisatorInnen der VV betonten, dass sie immer nur zwischen 10 und 15 Leute gewesen wären, wenn es hoch käme würden vielleicht mal 20 zu den Vorbereitungstreffen kommen. Jene die also mehr Studis mobilsiert und die Kommunikation verbessert sehen möchten, sollten auch mal „selber ihren Arsch hochbekommen“.

Tatsächlich fällt natürlich auf, dass von jenen die auf einer VV erscheinen dann anschließend nur eine relativ übersichtliche Gruppe übrigbleibt, die auch dauerhaft bereit ist, etwa an AGs oder an der Organisation von Workshops mitzuwirken.

Ein Kommilitone erwähnte, dass er vor Beginn der VV über den Campus gezogen sei und lautstark andere Studierende dazu aufgefordert hatte, zu der VV zu kommen. Viele hätten ihn ignoriert, manche sich auf ein Gespräch eingelassen. Immer aber hätte es geheißen, man sehe das Problem, habe aber keine Zeit sich in den Protest einzubringen (oder einfach mal nur auf die VV zu kommen), müsse anderes erledigen.

Diese Anekdote offenbart, dass die bisher eher schwache Mobilisierung für den Protest vielleicht nicht nur etwas mit Kommunikationsdefiziten zu tun hat, sondern auch mit dem schlichten Protest-Unwillen vieler KommilitonInnen. Vermutlich lautet die häßliche Wahrheit, dass selbst wenn man jedem Studiereden postalisch einen Brief über das Anliegen des Protest zu kommen lassen könnte, nicht unbedingt mehr Personen zu Veranstaltungen wie einer VV kommen würden.

Unwahrscheinlich, dass Aufrufe wie „Wir müssen mehr in die Seminare gehen und die Sache dort ansprechen“ das Problem wirklich lösen können. Studierende die in Lehrveranstaltungen hochschulpolitische Appelle verbreiten, finden erfahrungsgemäß nicht unbedingt mehr Beachtung und wenn doch, führt diese reine Kenntnisnahme nicht dazu, dass dann auch plötzlich mehr Studis sich hochschulpolitisch engagieren.

Sich selbst einzugestehen, dass man zumindest in der Funktion als AktistIn nur Teil einer Minderheit ist, weil die einfach nicht mehr zu mobilisierende breite Masse zu lethargisch, gleichgültig und angepasst ist, ist etwas was inbesondere junge, euphorische Semester nicht zu leisten vermögen. Und daraus ergeben sich dann immer diese end- und sinnlosen „Wir müssen mehr Studierende erreichen“ Debatten.

Fazit

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich besteht der primäre Sinn und Zweck einer VV darin, dass man konkrete Forderungen aufstellt, diskutiert, zur Abstimmung stellt und anschließend eine Resolution erlässt (so geschehen z.B. zuletzt im Warnstreik 2005).

Egal, ob die VV nun formal beschlussfähig ist oder nicht: Es geht hier doch um etwas ganz Grundlegendes, nämlich sich darüber klar zu werden, 1) was genau passt uns eigentlich nicht und 2) was genau sind eigentlich unsere Forderungen und Ziele. Ohne solche konkret ausformulierten Ziele bleibt der Protest letztlich schwammig und beliebig.

Statt nun auf der Gesamt-VV verschiedene Forderungen vorzustellen und zur Abstimmung zu stellen, werden erst jetzt Forderungen in AGs gesammelt. Ein Arbeitsschritt, der vor der VV hätte erfolgen müssen, beginnt erst nach ihr. Was vermutlich auch etwas mit der „dünnen Personaldecke“ der Protestierende zu tun hat, nur dann muss man vielleicht auch Prioritäten anders setzten.

Das spielt darauf an, dass im Zentrum dieses Proteststemesters natürlich die Aktionswoche mit den Workshops steht. Darauf konzentriert sich zur Zeit der Großteil der Arbeit, die VV ist nur noch Beiwerk, eine Art Informationsveranstaltung auf der man den Status quo klärt und dann ewig debattiert, wie mehr Studis gewonnen werden können. Was auch wichtig ist, aber eben nicht so wichtig, wie endlich mal konkrete Protestforderungen zu verabschieden. Eine Protestbewegung, die nicht präzisieren kann, was genau sie eigentlich will, läuft unweigerlich ins Leere.

Aber gut, sagen wir, es ging bei dieser VV eben primär um Informationsvermittlung und Brainstorming für die kommende Campus- und dann Aktionswoche. Warum hat man dann nicht z.B. wenigstens einfach mal das KVV an die Wand geworfen (welches ja inzwischen fertig ist) und die verschiedenen Workshops vorgestellt? Dann hätte sich jedeR der Anwesenden schon mal überlegen können, in welche Workshops er/sie sich vielleicht einbringen möchte und man hätte so vielleicht auch zu einer inhaltlichen Diskussion gefunden, die über die reine Mobilisierungsfrage hinausgeht.

Selbst dann wäre aber der fade Beigeschmack zurückgeblieben, dass konkrete Ziele des Protests bisher nicht ausformuliert wurden, dass eine Chance vertan wurde, Forderungen in einer Resolution zusammenzufassen. Mit einem solchen Papier in der Hand, ob nun offiziell oder nicht, wäre jedem ersichtlich, was konkret eigentlich an den unhaltbaren Zuständen geändert werden soll, was der Protest erreichen möchte.

Zeuner-„Rundschreiben“ zu Anwesenheitslisten

Mai 4, 2008

Während der Diskussion über Anwesenheitslisten auf der OSI/PuK-VV (siehe „Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung“) erwähnte ein Kommilitone ein Rundschreiben von Prof. Zeuner aus dem Jahr 2005, in dem dieser die Dozierenden am OSI angeblich auffordert, keine Anwesenheitslisten mehr zu führen.

Das Problem war nun, dass dieses „Rundschreiben“ scheinbar gar nicht existiert, offenbar konnte sich nicht mal Prof. Zeuner selbst auf Nachfrage an ein solches erinnern.

Recherchen von FUwatch zu folge ist mit diesem angeblichen „Rundschreiben“ vermutlich ein Schriftstück gemeint, welches von der „Kommission zur Überarbeitung der Studienordnung“ im Jahre 2006 an der IR übermittelt wurde. Der IR hat diesen Antrag dann scheinbar im Februar 2006 in einen Beschluss gefasst, der vom damaligen geschäftsführenden Direktor des OSI, Prof. Zeuner, unterzeichnet wurde.

In dem Papier ging es um die Bedingugen für einen Teilnahmeschein, darunter auch um die Frage, wie denn nun eigentlich die „regelmäßige Teilnahme“ festzustellen ist. Nachlesen kann man das entsprechende Zitat sowohl im FSI Blog als auch als Fullquote im LHG Blog:

„Auf welche Weise die Teilnahme festgestellt wird, obliegt in allen Lehrveranstaltungen der Entscheidung der Dozierenden. Anwesenheitslisten sind nur eine Möglichkeit, die regelmäßige Teilnahme festzustellen. Der Prüfungsausschuss empfiehlt den Lehrenden, in Vorlesungen auf das Führen einer Anwesenheitsliste zu verzichten.“

Dieser Institutsratsbeschluss vom 14.02.06 bezieht sich allerdings nur auf das „kommende Semester“, womit das Sommersemester 2006 gemeint ist. Ob diese Regelung inzwischen allgemeingültig ist, ist zur Zeit noch unklar.

Sicher ist, dass man auch unter den Entwurfs-Papieren für die Studienordnungen 2006 eine modifizierte Version eines entsprechenden Antrags an den Institutsrat findet. Diese etwas abgeschwächte Variante lautet:

„Die Frage ob und wie die regelmäßige Teilnahme festgestellt wird, obliegt grundsätzlich dem /der Dozierenden. Ob und in welcher Form Anwesenheitslisten ein sinnvolles Mittel sind um die regelmäßige Teilnahme zu beurteilen, sollte überprüft und nach alternative Methoden gesucht werden. Der IR weist nochmals darauf hin, dass keine Anwesenheitslisten geführt werden müssen.“

Nachzulesen ist das unter Blackboard -> Community -> OSI-Studienordnung -> Materialien -> Teilnahmeschein korr1.doc oder als Kopie auch hier als pdf. Auch in dieser modifizierten Version geht es allerdings nur „kurzfristig“ um das Sommersemester 2006.

Festzuhalten bleibt dennoch, dass es offenbar keinen IR-Beschluss gibt, der die Dozierenden verpflichtet Anwesenheitslisten zu führen (was von vielen Dozierenden immer noch behauptet wird). Viel mehr kann jedeR OSI-Dozierende selbst entscheiden, wie er/sie die „regelmässige Teilnahme“ feststellen will. Ausdrücklich werden die Dozierenden dazu angehalten, nach „alternatven Methoden“ zu suchen.

Der Mythos vom besseren Studium

Mai 1, 2008

Der Kommilitone Mathias Bartelt hat für die kommende „Out of Dahlem“ (OoD) Ausgabe seinen Artikel vom letzten Semester über die Bologna Reform an der FU, „Alles wird besser“, noch einmal überarbeitet und aktualisiert.

Aus Platzgründen sind jedoch aus 10 Seiten in der OoD-Redaktion 6 geworden. Womit Mathias sich einverstanden erklärte, dennoch aber die Vollversion online gestellt sehen möchte. „Der Mythos vom besseren Studium“ kann daher jetzt hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Mathias wertet in diesem Papier noch einmal alle zentralen Ergebnisse aus, die in Form von Studien, Umfragen, etc. in den letzten Semestern über den Bologna Prozess – und die Probleme die er mit sich bringt – publiziert wurden.

Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory

April 29, 2008

Nachdem ich wegen der aktuellen Titelstory, „Die Turbo-Uni“, nach Jahren das erste Mal wieder eine Printausgabe des Spiegels erworben hatte (das letzte Mal kostete er noch 5 DM), war ich dann doch etwas enttäuscht wie relativ dünn der Artikel für eine Titelgeschichte war.

Immerhin: Die desaströsen Ergebnisse der Bologna Reform werden klar benannt, empirisch untermauert (z.B. anhand der auch hier bereits schon angesprochenen HIS-Studie) und mit zahlreichen Fallbeispielen flankiert.

Zur Sprache kommen so ziemlich alle zentralen Probleme: Statt der angestrebten internationalen Vergleichbarkeit ist diese jetzt nicht mal mehr innerhalb von Deutschland gewährleistet, da jede Uni ihre „eigene Reform“ mit eigenen Studiengängen durchführt; sechs semestrige Bachelors werden im europäischen Ausland oft nicht anerkannt (weil dort acht Semster Standard sind); die Abbrecherquote wurde in vielen Studiengängen nicht wie geplant gesenkt, sondern hat sich im Gegenteil noch erhöht; die Studierenden fühlen sich überfordert und suchen mehr als zuvor psychologische Hilfe auf; viele Studierende wollen können aber kein Praktikum im Ausland machen, da ihr Studiengang zu dicht aufgebaut ist; Studierende ohne finanzielle Hilfe ihrer Eltern werden mehr denn je benachteiligt, denn nebenher noch einen Job zu bewältigen ist nahezu unmöglich; die Mehrheit will nach dem BA noch einen MA machen, doch das Gros der Ressourcen wurde in den BA gepumpt, weshalb eben nicht jeder einen MA draufsatteln kann; es mangelt an Dozierenden in der Lehre, obwohl mehr denn je Betreuung wichtig wäre; viele Studierende fühlen sich eingeengt und wie in der Schule; insgesamt sinkt die Anzahl der Studienbeginner_innen in einigen Bundesländern, obwohl Deutschland mehr Akademker_innen bräuchte (hier also „Standortlogik“).

Etwa in der Mitte des Artikels drehen die Autoren (es sind derer sechs) dann aber die Stoßrichtung um 180°: Die Wirtschaft habe zwar immer noch Vorbehalte, weil junge Absolvent_innen ohne genügend Praxiserfahrung auch nicht das Gelbe vom Ei sind, insgesamt stehen sie der Entwicklung aber positiv gegenüber, der BA findet zunehmend Akzeptanz. Wenn jemand dem alten humboldt’schen Ideal hinterher trauert, sind das eher die Dozierenden. 46% der Studierenden sind dagegen trotz aller Kritik, Leistungsdruck, Umstellungs-Chaos, etc. mit dem neuen System zufrieden – angeblich mehr als in den alten Studiengängen. Und so geht es dann munter weiter, der AStA der Uni Hamburg wird als Prototyp eines modernen neuen AStAs skizziert (mit Corporate Idenity, Office, etc.), Unternehmensberater und Banken feiern die neuen BA-Absolvent_innen regelrecht, usw.

Der Artikel endet schließlich damit, dass selbst Dozierende die dem alten humboldt’schen Ideal noch nachtrauern aus pragmatischen Gründen kapitulieren und sagen, die Bedingungen haben sich nun mal geändert und sie hätten gar nicht anders gekonnt, als die Unis diesen neuen Bedingugen anzupassen.

Natürlich kann man dem Spiegel vorwerfen, dass er hier einen anfangs sehr kritischen Artikel gegen Ende auf ein „Es-ist-nicht-schön-aber-muss-eben-einfach-sein“ runterdrückt.

Nur sind diese Befürworter_innen ja keine Phantome, nicht nur in der Wirtschaft, auch unter den Studierenden findet der verschulte Bachelor eben durchaus Akzeptanz, so nach dem Motto, je schneller ich mit der Uni fertig, desto besser. Und wenn es in der „Übergangsphase“ Pannen gibt, nimmt man diese letztlich genauso hin, wie die Verschulung, die viele Studierende neuerer Generation eben durchaus auch als entlastend wahrnehmen.

Und wenn darauf verwiesen wird, das Verhältnisse, die die Studierenden in den 70er und 80er Jahren noch zum Aufstand getrieben hätten, heute von einer breiten Masse weitgehend und unter ein wenig Nörgeln hingenommen werden, wer wollte da widersprechen? So aktiv manche Protestbewegung auch sein mag, wie verhält sich denn das Verhältnis von Teilnehmenden zu Nicht-Teilnehmenden? Wie lange dauert so eine aktive Protestphase im Schnitt an?

Fazit

Jemandem der sich mit dem Bologna Prozess befasst oder selbst von ihm betroffen ist, bringt diese Titelgeschichte wenig neue Erkenntnisse. Die Fakten und die Argumente sind bekannt und konnten in letzter Zeit z.B. in der Berliner Regionalpresse nachgelesen werden. Dennoch hat der Spiegel natürlich auch recht, wenn er sagt, für das Ausmaß dieser Reform und die Probleme die sie erzeugt, ist die öffentliche Aufmerksamkeit bisher noch verhältnismäßig gering gewesen. Und wenn nun Leute durch diesen Spiegeltitel an eine Problematik herangeführt werden, die ihnen bis dato wenig oder gar nicht bekannt war, ist das sicherlich erst einmal ein Zugewinn.

Für eine Titelstory hätte man die Sache jedoch trotzdem noch ausführlicher darstellen können und vielleicht auch mal ein paar neue Fakten rechechieren können, die dann selbst unmittelbar Beteiligten noch nicht geläufig gewesen wären.

Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung

April 23, 2008

Gestern fand wie angekündigt die OSI/PuK-Vollversammlung statt. Der Hörsaal A des OEI war gut besetzt, wenn auch nicht überfüllt. Schätzungsweise zwischen 80 und 90 Studierende waren anwesend, wobei es eine sehr starke Fluktuation gab. Diese Zahl ist zwar nicht bahnbrechend, es waren jedoch mehr gekommen, als ich vermutet hatte.

Der „neue SDS“ hatte sich vor dem Eingang groß aufgebaut und bewarb mit Flyern und einer Zeitung massiv seinen „1968 Kongress“ der Anfang Mai in Berlin stattfindet. Eine Vollversammlung für solche „parteilichen“ Werbezwecke zu nutzen hinterlässt immer einen faden Geschmack, ist aber bei VVs nun mal gang und gäbe (irgendwelche Flyer von irgendwelchen Gruppierungen kriegt man immer in die Hand).

Anwesend waren neben den Studierenden auch drei MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek, die ausführlich über die drohende Zwangsintegrierung in die UB berichteten. Der Bibliotheksskandal wurde dann auch das zentrale Thema der VV.

Exkurs: Der Bibliotheksskandal

Der so genannte Bibliotheksskandal oder auch Bibliotheksstreit wurde bereits im letzten Semester ausführlich diskutiert.

Im Wesentlichen geht dabei um Pläne des Präsidiums die neue PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) aufzulösen und in die Universitätsbibliothek (UB) zu integrieren, was bedeuten würde, dass der Fachbereich erstens keine eigene Fachbibliothek mehr hätte und zweitens mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Dieses Vorhaben erfährt Unterstützung durch das Dekanat des FBs, treibende Kräfte sind hier insbesondere Prof. Dr. Barbara Riedmüller (Dekanin) und Detlef „Don“ Brose (Verwaltungsleiter), sowie durch die Leitung der PolSoz-Bibliothek in Person von Sabine Zehrer. Im letzten Semester stellten sich auch Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl, Vizepräsidentin der FU, und Prof. Dr. Ulrich Naumann, leitender Direktor der Universitätsbibliothek, als zentrale Akteure heraus, die diese Fusion aktiv vorantreiben möchten.

Demgegenüber steht ein Großteil der Belegschaft der PolSoz-Bibliothek, die strikt gegen eine Aussonderung von Büchern und gegen eine Integrierung der Fachbibliothek in die UB ist. Ebenfalls ablehnend stehen dem Plan etliche Mitglieder des OSI-Institutsrats (IR) und des Fachbereichsrats (FBR) gegenüber, die von diesem Vorhaben offenbar nicht offiziell bzw. erst sehr spät erfahren haben.

Als zentraler Sprecher der Kritiker stellte sich ferner Dr. Gero Neugebauer heraus (siehe dazu den legendären Schlagabtausch mit Prof. Naumann hier und hier), Mitarbeiter am Otto-Stammer-Zentrum (OSZ), welches unmittelbar von der räumlichen Expansion der UB betroffen wäre (die sich zwangsläufig aus der Bib-Fusion ergeben würde). Und natürlich die Studierenden, die auch kein Interesse daran haben können, so viele Bücher zu verlieren.

Die Entscheidung trifft der FBR, dieser soll sich an die Empfehlung einer extra zu diesem Zweck gegründeten „Bibliothekskommission“ halten, in der nach Intervention durch die Studierenden auch eben jene vertreten sind (je ein Kommilitone / eine Kommilitonin aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Publizistik und ich glaube auch dem OEI).

Zum gegenwärtigen Stand im Bibliotheksskandal

Die anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib bestätigten noch einmal, dass der Gesamtbestand von zur Zeit etwa 1,1 Millionen Büchern um 500.000 oder 600.000 reduziert werden soll, was dann in der Tat einer Halbierung des Bestands entsprechen würde.

Die anvisierte „Ein-Buch-Politik“ sei fatal, da etwa ein Buch das heute noch je einmal in der UB und in der PolSoz-Bib vorhanden sei, dann eben nur insgesamt einmal zur Verfügung stehen würde. Auch Bücher danach auszusortieren, dass sie schon lange nicht mehr ausgeliehen wurden, sei kein vernünftiges Kriterium, da auch alte Themen ein Comeback erleben können (Beispiel „Contergan“). Insgesamt sein die Kriterien nach denen die Bücher dann aussortiert würden, aber bis heute ohnehin nicht wirklich ganz klar.

Die Kommission habe bisher nur ein einziges Mal getagt, dort sein nur zwei Studierende anwesend gewesen, was die Bib-MitarbeiterInnen bemängelten, da sie sich hier mehr Unterstützung durch die Studierenden wünschten. Das nächste Mal tagt die Kommission am 07.05., also just am Tag der Gesamt-VV. Es wurde den MitarbeiterInnen versichert, dass die Präsenz von Studierenden in dieser Sitzung der Kommission erheblich höher sein wird.

Doch die Auseinandersetzung tobt nicht nur auf der offiziellen Seite, das Dekanat versucht parallel die Kritiker der Bib-Fusion vor vollendete Tatsachen zu stellen. So berichteten die Bib-MitarbeiterInnen z.B., dass der Verwaltungsleiter Detlef Brose einfach die Schlösser eines Kellerraums austauschen ließ, als die PolSoz-Bibliothek dort aus Kapazitätsmangel bzw. Restrukturierung des Magazins Bücher zwischengelagert hatte. Anschließend konnte dann keinE Bib-MitarbeiterIn mehr an die Bücher heran.

Das Vorhaben extra MitarbeiterInnen für den Prozess des Aussortierens einzustellen scheiterte vorerst am Personalrat, der die entsprechenden Stellenausschreibungen cancelte. Ohne dieses Personal haben die Befürworter der Fusion allerdings schlicht weg keine Möglichkeit, das Aussondern der Bücher zu starten. Dennoch sein bereits Bücher weggeschafft worden, dies sein aber nicht viele gewesen.

Ingesamt fühlen sich die MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek durch Herrn Brose und andere Befürworter durch die „Räume gedrängt“. Mit allen Mitteln werde versucht, die Fusion durchzusetzen und Räume in der Ihne21 freizuschaffen. Das Endziel, da waren sich die anwesenden Bib-MitarbeiterInnen sicher, sei es eine Ihne21 ohne jegliche Bibliothek zu schaffen.

Nicht ganz klar wurde die Rolle des Sonderforschungsbereich (SFB) Governance und Prof. Dr. Thomas Risse als dessen „Ziehvater“. Angeblich hat der Versuch auf biegen und brechen Räume in der Ihne21 freizustellen (und die Bibliothek plattzumachen) auch etwas mit dem SFB zu tun, da dieser noch Räumlichkeiten benötigt.

Insgesamt würden Herr Brose und andere Befürworter der Fusion nicht die Notwendigkeit einer FB-Bibliothek für den Lehr- und Forschungsbetrieb erkennen, sondern sie nur als unnötigen Kostenfaktor sehen.

Was tun im Bibliotheksskandal?

Diskutiert wurde dann auf der VV natürlich auch, was man tun könnte, um die Integrierung der PolSoz-Bib in die UB zu verhindern. Konsens war zunächst natürlich, dass die Studierenden mehr Präsenz in den Gremien, besonders aber natürlich in der Bibliothekskommission zeigen müssten. Dabei sollte man nicht nur passiv anwesend sein, sondern auch mit Nachdruck versuchen die eigenen Positionen deutlich zu machen.

Es wurde weiter vorgeschlagen, alle alten und ewig nicht mehr ausgeliehenen Bücher auszuleihen, um das Argument vom Tisch zu kriegen, diese würden nicht mehr gebraucht und sein veraltet.

Ein weitergehender Vorschlag war dann, grundsätzlich alle ausgeliehenen Bücher nicht mehr wiederzugeben und einfach einzubehalten, denn dann könnte erst einmal nichts aussortiert werden. Problem war hier, dass die Bib-MitarbeiterInnen die automatisierten Mahnverfahren nicht unterbinden können, die rebellierenden Studierenden also in jedem Fall mit Mahnverfahren zu rechnen hätten, wenn sie die Bücher einfach einbehalten.

Da die Bib-MitarbeiterInnen die Bibliothek aus arbeitsrechtlichen Gründen angeblich nicht selbst bestreiken bzw. besetzen können, sollten dies vielleicht die Studierenden im Form eines Warnstreiks tun, war ein weiterer Vorschlag aus dem Plenum. Durch eine vorübergehende Schließung der Bibliothek könnte man vielleicht noch stärker auf das Problem aufmerksam machen.

Wichtig sei auch noch mehr Studierende auf den Bibliotheksskandal aufmerksam zu machen, Unterschriftenlisten rumgehen zu belassen, um zu untermauern, dass nicht nur die anwesenden 80 oder 90 Studis ein Problem mit der Bücher- und Bibliotheksaussonderung haben.

Auch die Medien sollen verstärkt auf den Missstand aufmerksam gemacht werden (obgleich diese schon im letzten Semester teilweise ausführlich über den Skandal berichtet haben, was keinem der Anwesenden präsent zu sein schien; soll heißen, sie werden nicht berichten, wenn es nichts wirklich essentiell neues in der Sache gibt).

Anwesenheitslisten

Auch wenn der Bibliotheksskandal klar das dominierende Thema war, wurden auch einige andere Probleme angesprochen, darunter auch das Problem mit den Anwesenheitslisten. Kontrovers diskutiert wurde hier, ob die Dozierenden nun wirklich verpflichtet sein, diese Listen zu führen oder ob ihnen dies freigestellt ist und sie selbst entscheiden könnten, wie sie die regelmäßige Anwesenheit feststellen. Unklar war, an welcher Stelle das genau festgelegt wird, es wurden mehrere Quellen genannt.

Während die einen das Problem in den Dozierenden sahen, die Listen führten, obwohl sie das keineswegs zwangsläufig müssten, argumentierten die anderen, das eigentlich Problem sein die Studienordnungen, die festlegten, dass die Anwesenheit – wie auch immer – zu kontrollieren sei bzw. bestimmte Fehlzeiten nicht zu überschreiten sein.

Lesenswert ist zum Thema sicherlich der „kleine Leitfaden für Anwesenheitslisten“, den die FSI OSI unlängst veröffentlichte.

Ökonomie am OSI

Kurz angesprochen wurde auch das Problem „Ökonomie“ am OSI, also dass der Bereich Politische Ökonomie so von Prof. Bolle dominiert wird, dass das was Prof. Lütz macht auch nicht viel besser sei (siehe auch: „Susanne Lütz am OSI“), es somit keine brauchbaren Alternativen in dem Bereich gäbe.

Hier wurde vorgeschlagen, dass man verstärkt versuchen sollte, studentische LVs anzubieten, die dann auch ins Vorlesungsverzeichnis aufgenommen werden sollten, also eine offizielle Alternative darstellen könnten. Dass das mitunter äußerst schwierig ist und die Verantwortlichen solchen selbstverwalteten Seminaren sehr skeptisch gegenüber stehen, wurde leider nicht weiter thematisiert.

Campus Management

In einem einzelnen Wortbeitrag wurde kurz angemerkt, dass man auch das Campus Management hinterfragen und kritisieren müsste. Das wurde jedoch nicht weiter spezifiziert.

Das Präsidium dehnt seinen Einfluss aus

In einem längeren Beitrag führte der Kommilitone Fabian aus, wie das Präsidium versucht seine Kompetenzen systematisch auszubauen und auch auf Entscheidungsprozesse Einfluss zu nehmen, die eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fallen.

Am Beispiel des Bibliotheksskandal könne man gut erkennen, wie das Präsidium hinter dem Rücken der eigentlich zuständigen Gremien versucht hätte, seine Vorstellungen durchzusetzen. Es habe keine offiziellen Infos über die geplante Bücheraussonderung gegeben, dies sei erst aufgeflogen, als MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib es nach Außen getragen hätten.

Ein weiteres Beispiel sein die so genannten Zielvereinbarungen, die zwischen den Fachbereichen und dem Präsidium getroffen werden und die die fachliche Ausrichtung der FBs festsetzen (welche Mittel für was). Auch hier sei erkennbar, dass das Präsidium zunehmend versuche die FBs in seinem Sinne zu steuern, die Fachbereiche also stark an Autonomie einbüßen würden und dezentrale Strukturen durch einen immer stärker werdenden Zentralismus ersetzt würden.

Fabian betonte die Notwendigkeit der Studierenden in die Gremien zu gehen, um diese Prozesse viel stärker als bisher zu dokumentieren und sich dann ggf. eben auch offensiv einzubringen.

Kritik an Dozierenden in FBR und IR

Kritisiert wurde der Umstand, dass Dozierende im Fachbereichsrat oder den Institutsräten zwar öfter auch gegen einige Initiativen des Präsidiums sein, ihre Position dann jedoch nicht nachdrücklich genug durchzusetzen versuchten, sozusagen immer nur „Widerstand mit halber Kraft“ leisten würden. Zu wünschen wäre, dass die Dozierenden hier in Zukunft energischer einschreiten würden.

Kritisiert wurde der IR des OSI aber z.B. auch dafür, dass er das ihm zur Verfügung stehende „Kontingent“ an Lehraufträgen angeblich nicht einmal ausschöpfen würde. Man also theoretisch durchaus mehr Lehraufträge erteilen könnte.

PuK Master

Das einzige angesprochene reine „PuK-Thema“ betraf den neuen Master der in einer Rekordzeit von 4 bis 6 Wochen aus dem Boden gestampft wurde – nachdem das Präsidium Druck gemacht hatte, die Publizistik möge doch endlich einen MA anbieten.

Obwohl auch Studierende an dem Ausarbeitungsprozess beteiligt waren, wurden ihre Positionen wenig bis gar nicht berücksichtigt. Bemängelt wurde auf der VV insbesondere, dass der neue Studiengang kaum Wahlmöglichkeiten biete.

Abschluss

Auch wenn betont wurde, dass eine solche dezentrale VV im Gegensatz zu einer Gesamt-VV keine „offizielle“ Veranstaltung ist, war es doch Konsens, dass es eine Pressemitteilung und ein Ergebnis im Namen einer „OSI/PuK-VV“ geben sollte. Zu einer Abstimmung über Beschlüsse oder Forderungen kam es indes nicht.

In der kommenden Woche soll es erneut eine dezentrale OSI/PuK-VV geben, auf der dann – so die Hoffnung – noch mehr Personen da sind, und man unter Umständen auch Forderungen / Beschlüsse zur Abstimmungen stellen will.

Fazit

Wozu genau es nächste Woche eine weitere OSI/PuK-VV geben soll, ist mir persönlich nicht ganz klar geworden. Die eigentliche jetzt noch anstehende Arbeit eignet sich eher für AGs. Eine Beschlussfassung hätte man auch bereits gestern bei einem stringenteren Ablauf gewährleisten können (es gibt offenbar auch schon so etwas wie ein Papier, das deshalb als angenommen gilt, weil es keinen Widerspruch zu ihm gab (???)). Statt mehr Studierende werden meiner Einschätzung nach nächste Woche eher weniger kommen, aber gut, wir werden sehen.

Denkbar wäre aber natürlich, dass dann nächste Woche auch andere Themen genauer diskutiert werden, denn gestern drehte sich bis auf wenige Ausnahmen alles um Anwesenheitslisten und den Bibliotheksskandal. Ohne Frage ist besonders letzter Punkt ein gravierender, dennoch gibt es sicherlich auch noch weitere Probleme, die man zum Gegenstand des Protestsemesters machen sollte.

Es kann natürlich auch sein, dass bestimmte „globale“ Probleme wie etwa die Auswirkungen der misslungenen Bologna Reform dann eher auf der Gesamt-VV thematisiert werden.

Ansonsten hat diese VV was die Informationen und die mögliche Lösungsansätze angeht ehrlich gesagt auch nicht so viel neues gebracht. Der „Frontverlauf“ im Bibliotheksskandal war bereits vorher sattsam bekannt, hinzugekommen sind nur ein paar häßliche Details (Schlösser werden ausgewechselt, etc.). Auch die Ideen für Gegenstrategien brachten nichts generell neues.

Bologna brennt – aber nur ein bisschen

Februar 15, 2008

Spiegel Online berichtete gestern über einen Projektbericht der „Hochschul-Informations-System GmbH“ (HIS), welche ähnlich umstritten wie das CHE ist und deren Veröffentlichungen daher immer mit besondes kritischem Blick zu lesen sind.

Obwohl von Spiegel Online als Aufmacher gewählt wurde, dass die BA-Abbrecherquote laut Bericht überraschend hoch sei, wird im Artikel selbst dann fleißig relativiert:

„Der Zwischenstand: In Deutschland verabschieden sich besonders viele Studenten ohne Abschluss von der Hochschule. Studieren jetzt wirklich mehr Leute zu Ende als bisher? Laut der Hochschul-Informations-System (HIS) hat sich die Abbrecherquote der deutschen Studenten deutlich verringert, sie liegt bei 20 Prozent. Doch die neuen Bachelor-Studiengänge bedeuten keineswegs für alle Fächer eine Verbesserung. An den Unis scheiterte von den Studienanfängern der Jahre 2000 und 2004 insgesamt jeder vierte Bachelor-Student, an den Fachhochschulen waren es sogar 39 Prozent.

‚Die hohen Abbrecherquoten können aber nicht dazu dienen, das Konzept der neuen Studienstrukturen oder sogar den gesamten Bologna-Prozess in Frage zu stellen‘, sagt HIS-Projektleiter Ulrich Heublein. Er weist auf die ‚Anfangs- und Umstellungsschwierigkeiten‘ hin, die so ein gravierender Umbruch eben mit sich bringe. Insgesamt gebe es eine positive Entwicklung, ‚wir haben nur noch einige Sorgenkinder.‘

Denn von Fach zu Fach ist es sehr unterschiedlich, wie viele Studenten aufgeben. So ist die Quote der Studienabbrecher in den Geisteswissenschaften deutlich gesunken. Sie liegt immer noch bei 27 Prozent, bei der letzten Studie waren es aber noch fünf Prozent mehr. ‚Ich habe den Eindruck, dass der Berufsbezug, den die Fächer neuerdings bekommen haben, eine wichtige Rolle spielt‘, so Heublein: Die Orientierungslosigkeit, die früher oft zum Abbruch geführt habe, falle weg; der Bachelor schaffe einen klareren Rahmen.“ („Überraschend viele Abbrecher im Bachelor-Studium“, Spiegel Online, 14.02.08)

Man kann dies durchaus positiv sehen, da hier offenbar versucht wird den Sachverhalt auszudifferenzieren. Es wird unterschieden zwischen Fächern bei denen die Abbrecherquote beim BA gestiegen ist und solchen bei denen sie gesunken ist, zwischen Universitäten und Fachhochschulen, zufriedenen Absolventen und unzufriedenen Abbrechern, usw.

Gleichzeitig wirkt das Ganze dadurch aber auch schwammig. Es gibt zwar Probleme, aber eigentlich keine richtigen. Der Bologna Prozess funktioniert nicht wie die Reformer es sich gedacht hatten, gleichzeitig verweisen die Ergebnisse aber angeblich nicht darauf, dass der Bologna Prozess als solcher in Frage gestellt werden müsste. Es brennt zwar, aber alles ist unter Kontrolle.

Es bleibt der ungute Eindruck zurück, HIS versucht die eigenen, negativen Ergebnissen zu relativieren. Man sollte sich die 20 Seiten des Projektberichts, der die „Ergebnisse einer Berechnung des Studienabbruchs auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006“ präsentiert, sicherlich noch mal genau ansehen. Im Netz kann der Bericht hier heruntergeladen werden.

Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester

Februar 1, 2008

Der Hörsaal 1a war gut gefüllt auf der gestrigen Vollversammlung (VV), insgesamt wollen KommilitonInnen zwischen 300 und 400 Personen ausgemacht haben. Ob die Zahl stimmt sei dahingestellt, voll war es auf jeden Fall und das Feedback sehr stark.

Nachdem es am Vormittag schon zahlreiche Aktionen gegeben hatte, wie etwa „Elitekicken“ mit überdimensionierten Fußbällen, startete die Vollversammlung um 14:15 mit dem Einzug des Dieter Lenzen Fanclubs (DLFC). Es gab eine kleine Theateraufführung bei der der DLFC – unter Buhrufen aus dem Auditorium – Lenzen pries und vermeintliche Störer abtransportieren ließ, die dann auch mal mit ein paar Wurfgeschossen zurückschlugen.

Dann wurde es ernster, in einigen einleitenden Worten fasste die VV-Leitung noch einmal zusammen, worum es bei diesem Protest geht. Bibliotheksskandal, die Unstudierbarkeit der BA-Studiengänge, die negativen Auswirkungen der Exzellenzinitiative, die Scharenberg-Affäre, etc.

Der weitere Verlauf der VV war dann sehr offen gehalten, es ging zunächst einfach nur darum, jedem Anwesenden der das Bedürfnis verspürte die Plattform zu bieten, darzulegen unter welchen Problemen er bzw. sein Institut / Fachbereich zur Zeit zu leiden hat. Dabei kamen dann auch Probleme von kleineren Fächern wie der Religionswissenschaft und der Indologie zur Sprache, die bisher beim Protest oft vernachlässigt worden waren.

Während Institute und Fächer mit noch verhältnismäßig vielen Dozierenden und Studierenden zumindest noch eine Chance haben, sich gegen die Kürzungen des Präsidiums zu wehren, werden kleinere Fächer und Institute noch rücksichtsloser an die Wand gedrückt, weil man hier von noch weniger Widerstand ausgeht.

Es kamen dann zentrale Probleme zur Sprache, wie etwa der unhaltbare hohe Workload beim BA oder die viel zu starke Selektion bei der MA-Zulassung, die dazu führen würde, dass der Leistungsdruck beim BA extrem hoch sei. Ferner natürlich der Bibliotheksskandal, bei dem es nicht nur um die Bücher geht, die jetzt ausgesondert werden sollen, sondern auch darum, dass es zukünftig in der neuen Bib nicht genügend Platz für Neuanschaffungen gibt ohne immer wieder erneut alte Bücher auszusondern. Überspitzt: Für jedes neue Buch was vorne ankommt, fliegt hinten ein altes raus.

Anschließend gab es dann sehr detaillierte, teilweise bizarre Diskussionen. Zum Beispiel zur Frage, wie nun die Videoüberwachung des Foyers der OSI-Bib zu werten ist (siehe „OSI-Bibliothek nun videoüberwacht“). Während die Mehrheit der Anwesenden diese Videoüberwachung unmöglich fand, bekannte sich ein Kommilitone dem seine Brieftasche aus einem Spind geklaut worden war dazu, dass die Videoüberwachung auf seinen Protest hin eingeführt worden sei, weil er sich beschwert hatte, man müsse doch da mehr aufpassen (ohne allerdings konkret Kameras zu fordern).

Vom Auditorium erntete er überwiegend Hohn in Form von Ohhh-Rufen, so nach dem Motto, er solle sich halt nicht so anstellen, wenn seine Brieftasche geklaut würde. Es stellt sich an solchen Punkten natürlich immer die Frage, wie die Spötter wohl selbst reagieren würden, wenn es ihr Portemonnaie oder ihr Laptop gewesen wäre, den ihnen jemand aus dem Spind geklaut hätte. Der Diebstahl war bekanntlich kein Einzelfall und sinnvolle Alternativen zur Videoüberwachung hatte auch niemand vorzubringen.

In einer weiteren wüsten Diskussion ging es gegen das SAP Campus Management, wobei es den Beteiligten schwer fiel, ihre Bedenken zu konkretisieren. Am Ende wurde dann das Campus Management mit dem Blackboard gleichgesetzt, eine Kritik die eigentlich das Blackboard betraf wurde im Kontext einer Kritik des Campus Managements diskutiert.

Während eine Kommilitonin darauf beharrte, Course-LeiterInnen könnten im Blackboard nach wie vor sehen, welcher Studierende was angeklickt hat, meinte eine andere, Dozierenden würde diese Funktion definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen (tatsächlich hängt es vermutlich vom Institut / FB ab, inwiefern Dozierende diese Funktion nutzen können oder nicht, siehe „Statistik-Modul in Blackboard deaktiviert“).

Es kamen dann natürlich ein paar Redebeiträge, die einfach auf jeder echten VV kommen müssen. Zum Beispiel der Aufruf, dass wir als Studierende uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren dürften, sondern uns auch mit anderen protestierenden Gruppen, wie etwa den Bochumer Nokia-Angstellten, SchülerInnen oder Hartz4-EmpfängerInnen, solidarisieren sollten, damit diese sich dann umgekehrt auch mit uns solidarisieren. Dass die Massen auf Anti-Hartz4-Demonstrationen 2005 gerne „Wir sind das Volk“ grölten (was auf 1989 anspielen sollte, aber eben auch klar zwischen Deutschen und Nichtdeutschen differenzierte), dass es bei den Anti-Nokia-Protesten darum geht, den deutschen Standort vor einem Ausverkauf nach Rumänien zu bewahren, usw., stieß hier offenbar keinem bitter auf (nun ja, fast keinem).

Zu den weniger realistischen und zielführenden Forderungen zählte natürlich auch die, dass grundsätzlich jeder an der Hochschule lernen, lehren und partizipieren können sollte, was einen völlig offenen Zugang zur Hochschule ohne jegliche Hürde wie Abi oder ähnliches voraussetzt. Solchen Forderungen fehlt natürlich etwas das Auge für das konkret und unmittelbar Umsetzbare, sie sind aber nötig damit das Auditorium sich in eine Protesteuphorie hinein steigern kann (der natürlich insbesondere junge KommilitonInnen sofort verfallen, da sie noch nicht die Katerstimmung kennen, wenn der Protest mal wieder schneller als erwartet zum Erliegen kommt).

Dennoch gab es aber natürlich auch Pragmatiker unter den RednerInnen, die auf eine Konkretisierung drängten. In diesem Kontext wurde auch festgestellt, dass es neben den 1.000 Studierenden die jetzt bereits heiß auf den Protest sein, auch noch 29.000 andere gäbe (wohl eher 33.000 aber egal), die man erst noch erreichen müsse. Und wie das zu schaffen sei, dazu müsse man jetzt erst einmal konkret Strategien entwickeln. Andere meinten dagegen, man müsse schon hier und jetzt etwas mit den 1.000 anfangen, es sei immerhin schon ein Erfolg, dass man diese 1.000 hätte mobilisieren können.

Ein Kommiltone stellte die These auf, dass es nicht mehr als 1.000 Studierende sein, da die anderen sich nicht trauten für die VV (oder den Protest) ihre Seminare zu verlassen, da dort bekanntlich Anwesenheitslisten geführt würden. Es kam dann zu einer Diskussion, wie das nun sei, ob eine VV wirklich als Entschuldigung für das Fernbleiben in einer Lehrveranstaltung gilt oder nicht. Einige meinten ja, andere sagten dies sei Sache des Dozierenden. Oder aber: Die VV gilt zwar als Entschuldigungsgrund, selbst das entschuldigte Fehlen sei aber nun mal ein Fehlen und hier dürfe eben im Semester eine bestimmte Anzahl von Fehlzeiten in einer LV nicht überschritten werden.

Es war nicht das erste und letzte Mal, dass auf dieser VV etwas Konfusion über das offizielle „Reglement“ in einem bestimmten Sachverhalt herrschte (was als Indiz dafür gewertet werden kann, dass es der Veranstaltung etwas an der Präsenz von erfahrenen Studierenden mangelte).

Jedenfalls erscheint mir die These recht gewagt, dass es nur deshalb nicht mehr als 1.000 Protestwillige auf der VV gab, weil die anderen sich wegen der Anwesenheitspflicht in ihren regulären Lehrveranstaltungen nicht trauten, auf die VV zu kommen. Denn selbst in Zeiten, in denen es diese verschärfte Anwesenheitspflicht noch nicht gab, erschienen doch auf den VVs nie mehr als die viel zitierten „üblichen Verdächtigen“. Man kann in Hochzeiten des Protests mehr als 1.000 für Protestaktionen mobilisieren, doch der Zeitkorridor dafür ist sehr begrenzt. Ob mit oder ohne Anwesenheitspflicht, die Masse der FU-Studis interessiert sich schlicht weg nicht für einen Protest, jedenfalls nicht für einen, der über symbolische Aktionen und einen begrenzten zeitlichen Rahmen hinausgeht.

Treffender halte ich die ebenfalls vorgebrachte These, dass das „Reservoir“ an Protestwilligen dadurch beschränkt wird, dass zunehmend nur noch Leute an die Unis kommen, die den Leistungsgedanken schon während ihres Abis verinnerlicht haben und nicht mehr in Abrede stellen. Diese erklären sich dann nicht mit KommilitonInnen solidarisch, die Anwesenheitslisten verschwinden lassen, sie sind auch nicht empfänglich für Ideen des zivilen Ungehorsams und sie sind nur sehr eingeschränkt für einen größeren und etwas länger andauernden Protest zu gewinnen.

Solange es nicht wirklich einen großen Knall gibt (wie etwa eine unmittelbar bevorstehende Einführung von Studiengebühren) wird es schwer, um nicht zu sagen unmöglich werden, an der FU einen echten Massenprotest loszutreten, der maßgeblich über die genannten aktiven 1.000 hinauskommt. Von daher wäre es schon der bessere Ansatz zu überlegen, was können diese 1.000 konkret machen, anstatt darauf hinzuarbeiten, dass sich die restlichen 33.000 irgendwann anschließen. Denn letzteres wäre – man muss es leider so krass sagen – Zeitverschwendung.

Es wurden dann, soweit ich das überblicke, drei Beschlüsse gefasst:

  1. Auf der heutigen VV wird keine Resolution zur Abstimmung gestellt, dies soll dann erst auf einer kommenden VV im kommenden Semester passieren.
  2. Das kommende Semester wird zum Protestsemester erklärt. Wie genau dieser Protest aussieht, ob er einen Streik beinhaltet, wird auf kommenden VVs beschlossen.
  3. Die kommende VV im nächsten Semester wird eine „normale VV“, keine Streik-VV.

Es ging hier also darum, ob die VV schon jetzt eine Resolution mit Forderungen diskutieren und zur Abstimmung stellen soll, oder ob dies nicht erst im nächsten Semester passieren soll, wenn hoffentlich noch mehr Studis auf der VV anwesend sein werden. Es wurde sich dann für letztere Variante entschieden.

Durchgesetzt hat sich der Ansatz, dass das nächste Semester ein Protestsemester wird, ohne näher zu spezifizieren, was genau das heißt. Die vorgebrachte Alternative, gleich die ersten beiden Woche des nächsten Semesters mit einem Ausstand zu beginnen, wurde als zu überhastet und zu polarisierend abgelehnt. Wenn es zu einem Streik kommen sollte, dann soll dieser erst im nächsten Semester beschlossen werden.

Fazit

Positiv war an der VV sicherlich, dass hier die vielen Probleme benannt wurden und dadurch jedem klar werden musste (sofern es ihm noch nicht klar war), dass es so nicht weitergehen kann, Protest also notwendig ist. Eher negativ zu bewerten ist der Umstand, dass es nur sehr wenige Lösungsvorschläge gab, wie man diesen Problemen konkret begegnen soll, wie der Protest sich ausgestalten soll. Allerdings war das – soweit ich es verstanden habe – auch nicht der Anspruch dieser VV.

Allein die Tatsache, dass man den Hörsaal voll gekriegt hat, die Studierenden sich über ihre Probleme ausgetauscht haben und ihre Bereitschaft zum wie auch immer gearteten Protest artikuliert haben, wird als Erfolg gewertet. Okay, das kann man sicherlich so stehen lassen.

Es dürfte aber spannend werden, ob sich diese erzeugte Protesteuphorie tatsächlich über die Semesterferien hinweg halten kann. Denn das wäre dann wirklich ein Novum: Eine Proteststimmung, die über die Ferien nicht abkühlt, sondern im nächsten Semester nahtlos am Aktionstag anknüpfen kann. Falls das tatsächlich gelänge, wäre es schon ein ziemlich beeindruckender Stunt. Eine andere Frage wäre dann, ob der Protest tatsächlich etwas bewirken kann.

Der Aktionstag kommt

Januar 30, 2008

Morgen ist es soweit, der Aktionstag kommt. Inzwischen findet sich im offiziellen Blog des Aktionstages sogar ein extra Eintrag mit Button der dann zu einer Terminübersicht weiterleitet. Demnach sieht der geplante Ablauf zur Zeit wie folgt aus:

Ab 10 Uhr: Zentraler Infopunkt im Foyer – Silberlaube. Kaffee & Kuchen und Raum zum Austausch.

Ab 10 Uhr: Screening des letzten Studiobühnen Festivals am Institut für Theaterwissenschaft.

Ab 10 Uhr: 2x Filmvorführung: ‚Kick it like Frankreich!‘ im Henry-Ford-Bau, Hörsaal A.

10-12 Uhr: Autonomes Seminar: ‚Einblicke in Lenzens Bildungs- und Unikonzept‘, K23/11 Silberlaube.

11:00 Uhr: Workshop zum Thema: ‚Ab jetzt keine Ausländer mehr. – Die neue Studierfähigkeitsprüfung (TestAS) für Bildungsausländer in BWL / VWL ab WS 08/09. Wo kommt das her? Wo führt das hin? Und wie kriegen wir’s wieder weg? Treffpunkt um 11 im Hörsaalgang bei den Wirtschaftswissenschaftlern (Garystr. 21).

Ab 11 Uhr: Kreativwerkstatt: Transparente und Schilder für die Demo basteln. Hier wird Raum sein zu basteln, zu malen, zu schreiben… seid kreativ! (Stoffe und Farben sind vorhanden – wer aber selbst noch was auftreiben kann soll dies mitbringen). Ort: tba.

12:00 Uhr: Bodo Zeuner hält noch einmal seinen Vortrag: ‚Die FU vor dem Börsengang‘, Philosophisches Institut.

13:45 Uhr: Der Chor der Studiobühne singt vor der Mensa (Silberlaube).

14:00 Uhr: Vollversammlung, Silberlaube Hörsaal 1a.

16:00 Uhr: Demo! Selber einen Redebeitrag leisten? Einfach per Email Kontakt aufnehmen. Die genaue Route der Demo findet ihr hier. Start: Vor der Silberlaube.

17:30 Uhr: VoKü – Essen für alle! (Du willst mithelfen? Dann reicht ne Email)

Ab 18 Uhr: Party! – Den Tag ausklingen lassen, sich austauschen, weiteres Planen… Und einfach mal wieder feiern!“

Auffällig ist, dass ausgerechnet das OSI hier kein einziges Mal als Veranstaltungsort genannt wird. Bedenkt man, dass das OSI ja doch irgendwie immer der Kern jeder Protestbewegung an der FU war, wirkt das schon komisch. Andererseits geht es ja darum, möglichst viele Studierende einzubinden und hier bietet sich natürlich die Rost- und Silberlaube als natürlicher, geographischer „Knotenpunkt“ schon an.

Neben diesen offiziellen Veranstaltungen gibt es aber wie der Name des Tages ja schon suggeriert zahlreiche dezentrale Aktionen (von 10 bis 14 Uhr). Vorgeschlagen wurde unter anderem (O-Ton Protokoll):

  • „Elite kicken: mit einem Fußball auf eine Elitesymbol schießen
  • Dosenwerfen auf Lenzenbild
  • Auftritt in Anzug/Kostüm um für Studiengebühren zu werben
  • Gefakte Schlacht zwischen Lenzenfanclub und Aktionstagteilnehmern
  • Veranstaltung eines Elitewettbewerbs, bei dem durch verschiedene Kürzungsmaßnahmen nach und nach die einzelnen Studenten rausfliegen
  • In einer großen Kiste die Forderungen sammeln und im Rektorat abgeben
  • Diskussionsveranstaltung
  • Spontandemo
  • Eventuell auch wieder den Musikwagen wie am 29.01.08
  • Mit Mitarbeitern aus Verwaltung, Bib. und Studentenwerk zusammen arbeiten und Aktionen machen
  • Symbolisierung der Zusammenlegung von Instituten – nach dem Motto: Wie viele Leute passen auf eine abgesteckte Fläche“

Ob diese Aktionen tatsächlich alle stattfinden ist noch ungewiss, es handelt sich hier wie gesagt nur um Vorschläge. Und wo genau die Aktionen stattfinden werden, wird dann erst sehr kurzfristig z.B. auf Flyern zu erfahren sein.

FUwatch steht unterdessen bereits mit Pressevertretern in Kontakt und hilft diesen mit (hoffentlich) brauchbaren Hinweisen bei ihrer Berichterstattung über die Hintergründe des Aktionstages.

Folgebericht zum FU-„Studienerfolgsbericht“ veröffentlicht

Januar 29, 2008

Wie der FSI Blog und der LHG Blog berichten, ist nun der Folgebericht zum inzwischen legendären „Studienerfolgsbericht“ (siehe „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“) erschienen.

Während der erste Bericht erst auf Umwegen ins Netz gelangte, hat die FU den Nachfolgebericht mit dem Titel „Befragung der exmatrikulierten Bachelorstudierenden“ diesmal lieber gleich selbst veröffentlicht.

Die Studie reiht sich insgesamt in die Taktik des Präsidiums ein fortlaufend zu relativieren, dass die schlechten BA-Studienbedingungen maßgeblich für die hohe Anzahl der BA-Abbrecher verantwortlich sind („Nicht vorrangig ausschlaggebend scheinen Studienbedingungen und Studienanforderungen zu sein (…), S. 31“). Im FSI Blog heißt es dazu:

„Der AStA und viele andere nennen schlechte BA-Studienbedingungen als Hauptgrund. Ob der Bericht nun eine hin reichende Empirie für die Abbruch-Gründe liefert, gilt es, noch herauszufinden.

Dessen ungeachtet sei Eines in aller Deutlichkeit hervorgehoben. Warum auch immer so viele BA-Studierende abgebrochen haben und abbrechen:

Die FU-Abbruchquoten sind, wie der ‚Studienerfolgsbericht‘ zeigt, im Vergleich zum Magister zum Teil erheblich gestiegen. Diese Tatsache kann und will auch der Exmatrikulierten-Bericht nicht in Frage stellen. Eines der Hauptargumente für die Einführung von BA und MA und des ‚Totalverbots‘, wie es ein Student auf FUWatch formulierte, von Magister und Diplom durch deren Abschaffung (und damit der Abschaffung möglicher Alternativ-Wahlmöglichkeiten zu BA/MA), nämlich die Verringerung der Studienabbruchquoten und der Beschleunigung des Studiums, ist unwiderlegbar entkräftet.“ (Studienerfolg und Exmatrikulation im Bachelorstudium an der Freien Universität Berlin, FSI Blog, 24.01.08)

Im LHG-Blog heißt es:

„Sie [Prof. Thiel, Anmerkung FUwatch] analysiert die vier ermittelten Cluster zwar separat, kommt aber fast immer zum gleicher Ergebnis: Die Informations-, Beratungs- und Betreuungsangebote müssen verbessert werden. Hierin haben wir Studierenden sicherlich eine gute Argumentationshilfe. Etwas hilflos schlägt sie allerdings bei der Gruppe der ‚Überforderten‘ ‚kognitive und motivationale‘ Auswahltests vor, die letztes Jahr an der FU-Psychologie allerdings (auch die FU-Leitung) als unnütz enttäuschten.“ (Exmatrikuliertenstudie im Internet, LHG Blog, 24.01.08)

Nicht zum ersten Mal liest man bei der LHG hier eine starke Fixierung auf das Problemlösungskonzept der Verbesserung von „Informations-, Beratungs- und Betreuungsangeboten“. Soweit das Konstrukt der BA/MA-Einführung generell in Frage zu stellen geht man nicht, bzw. betrachtet die Rücknahme der neuen Studiengänge als nicht realistische Option. Selbst wenn man ihnen in diesem Punkt recht geben wollte und nur auf eine Reform der BA-Studiengänge drängt, bleibt die Frage, ob ein Ausbau der „Informations-, Beratungs- und Betreuungsangeboten“ wirklich ausreicht oder ob man nicht andere Faktoren wie z.B. die Senkung des berüchtigten „Workloads“ und eine Vereinfachung der Prozedur des Studienfachwechsels in die studentischen Forderungen miteinbeziehen sollte.

Wohin die Denke der FU tendiert erkennt man dagegen an dem Gefasel von „kognitiven und motivationalen Auswahlverfahren“ und „elektronisch gestützten Verfahren des Selbstassessments“ . Die Betreuungs- und Unterstützungsangebote sollen zwar auch ausgebaut werden, dies ist aber eben nur eine weitere Maßnahme neben der Intensivierung der „Eingangsselektion“.

„Frühzeitig Wechselnden“, die ihr Fach zunächst zur Orientierung oder zur Überbrückung gewählt haben, könne man dagegen nur durch eine „Verteuerung des Studiums“ begegnen.

Interessant dürfte es werden, wenn man das Ergebnis dieses „Nachfolgeberichts“ mit dem Ergebnis der studentische „Studierbarkeitsumfrage“ vergleicht. Bezeichnend ist sicherlich schon jetzt, dass die FU zwar diesen „Nachfolgebericht“ gerne veröfffentlichte, sich beim vorhergehenden „Studienerfolgsbericht“ aber deutlich schwerer tat. Dies legt zumindest den Verdacht nahe, dass der Nachfolgebericht deutlich mehr dem Wunschergebnis des Präsidiums entsprach als der Studienerfolgsbericht.

FU interessiert sich für studentische Studierbarkeitsumfrage

Januar 14, 2008

Frau Irmela Blüthmann lädt – „auch im Auftrag“ von Prof. Dr. Felicitas Thiel – die Studierendenschaft allgemein, die Mitglieder der Kommission für Lehrangelegenheiten, sowie die KommilitonInnen Marie Jäger und Sebastian Schneider als Verantwortliche der Umfrage „Studierbarkeit“, anläßlich der für das kommende Sommersemester geplanten Wiederholung der Bachelorbefragung zu einer Arbeitssitzung ein:

„Wir würden gerne mit Ihnen die Verständlichkeit einiger Items unseres Fragebogens diskutieren sowie Sie als Experten zu spezifischen Problemen im Rahmen der Bachelorstudiengänge befragen.

Weiterhin würden uns natürlich Ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit der Studierbarkeitsumfrage und – sofern bereits vorliegend – Ergebnisse dieser Befragung interessieren.“

Zur Erinnerung: Bei der Studierbarkeitsumfrage handelte es sich um eine von Studierenden durchgeführte Erhebung zur „Studierbarkeit“ der neuen BA/MA-Studiengänge an der FU (siehe „‚Studierbarkeits‘-Umfrage nun auch an der FU“), die auch eine Alternative zur (alten) Bachelor-Umfrage des Präsidiums (siehe „Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online“) sein sollte, bei diesem jedoch nicht besonders beliebt war (siehe „ZEDAT-Verschickung mit Link zum Online-Fragebogen endgültig vom Tisch“). Allerdings war die Umfrage auch unter den Studierenden nicht umunstritten (siehe „Kritik an FU-Studierbarkeits-Umfrage ist nicht ausreichend fundiert“).

Interessant zu sehen, dass von Seiten der FU nach einer eher ablehnenden Haltung gegenüber dieser studentisch-organisierten Umfrage nun auf einmal doch ein – offizielles – Interesse an den Ergebnissen und einem Austausch zu bestehen scheint. Es könnte etwas damit zu tun haben, dass inzwischen selbst der eigene „Studienerfolgsbericht“ deutlich macht, dass die Dinge in Sachen Bachelor-Einführung alles andere als gut aussehen (siehe „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“).

Es scheint jedenfalls eine interessante Veranstaltung zu werden und da sich die Einladung auch an die „Studierenden“ richtet, sollten Interessierte die Chance nutzen. Als Termin wurde der 25.01. von 10-12 Uhr in der Arnimallee 10, 1. OG, Raum 4 vorgeschlagen (er ist also noch nicht ganz fest).

Advent, Advent, die Lehre brennt

Dezember 21, 2007

Wie der Tagesspiegel heute berichtet wird die „Eliteuni“ FU im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie gegenüber TU und HU im Bereich Lehre deutlich zurückgefallen ist:

„Die Freie Universität wird im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie in der Lehre gegenüber der TU und der HU weniger leistungsfähig ist. Das teilte Dieter Lenzen, Präsident der FU, am Mittwoch im Akademischen Senat der Hochschule mit. Es handle sich um einen ‚massiven Einbruch‘, die Summe entspreche 40 Mitarbeiterstellen. Berlins Unis erhalten einen wachsenden Teil ihres Landeszuschusses im Wettbewerb untereinander – im Jahr 2008 bereits 30 Prozent. Zu den Leistungskriterien des Senats gehört auch die Zahl von Absolventen, die die Unis in der Regelstudienzeit zum Ziel führen.

Das FU-Präsidium will nun eine ‚Qualitätsoffensive Lehre‘ starten. In den Zielvereinbarungen mit den Fachbereichen sollen jeweils bestimmte Maßnahmen festgelegt werden. In einem Papier mit Eckpunkten schlägt die Uni-Leitung ein ‚Self-Assessment-Verfahren‘ für Studienbewerber und studienvorbereitende Brückenkurse vor. Mentoringprogramme und die Studienfachberatung sollen ausgebaut werden. Die Fachbereiche sollen sicherstellen, dass Studierende nicht bestandene Prüfungen zeitnah wiederholen können. Die Fachbereiche sollen sich auch flexibler verhalten, wenn es darum geht, externe Bewerber zu Masterstudiengängen zuzulassen.“ („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Den Grund für das Problem sieht man laut Tagesspiegel besonders im „Drei-Fach-Bachelor“ bei dem die Studierenden drei verschiedene Fächer („Modulangebote“) studieren, was angeblich einfach organisatorisch und personell nicht machbar ist. Außerdem wählen die verrückten Studierenden einfach immer die falschen Kombinationen.

„(…) Als sich die FU für den Drei-Fach-Bachelor entschied, geschah dies, um die kleinen Fächer besser in die Studienreform integrieren zu können. Die Kapazitäten in den kleinen Fächern reichen oft nicht, um Studienangebote mit 60 Leistungspunkten bereitzustellen. Auch könnte die Schwelle für Studierende, ein Orchideenfach wie ostasiatische Kunstgeschichte zu wählen, kleiner sein, wenn es im Studium nur mit 30 Leistungspunkten als eines von zwei Nebenfächern zu Buche schlägt. Aus Sicht des Präsidiums wäre es jedoch eine bessere Lösung, wenn sich fortan jeweils zwei kleine Fächer zusammentun und sich auf ein gemeinsames Angebot mit 60 Punkten verständigen. („Die FU fällt in der Lehre zurück“, Tagesspiegel, 21.12.07)

Mit anderen Worten die „Qualitätsoffensive Lehre“ wird darauf hinauslaufen, dass die Fächer mit geringer ökonomischer Verwertbarkeit abgewertet werden. Es darf sich studienordnungsmäßig einfach nicht mehr lohnen „Orchideenfächer“ wie Kunstgeschichte zu studieren, dann werden diese spinnerten BA-Studis schon noch einsehen, dass sie mal besser BWL studieren.

Die FU-Führung gerät ins Schwimmen und hatte bereits Mitte November im Akademischen Senat einen zehn Punkte-Plan zur Verbesserung der Lehre vorgestellt:

  1. System der Mentoringprogramme in allen Fachbereichen verstärken.
  2. Studienfachberatung: alle Lehrenden halten einmal in der Woche eine Sprechstunde, nicht nur einmal im Monat.
  3. Bachelor: Anerkennungspraxis der Scheine von anderen Unis liberalisieren – Bologna soll Mobilität steigern und nicht senken.
  4. Übergänge: Fachbereiche sollen im Rahmen von Studienverlaufsplänen den Wechsel im ersten Semester liberalisieren, Geschlechterstereotype sollen aufgebrochen werden.
  5. Status von ausländischen Studierenden: Zulassungspraxis für Masterstudiengänge fördern, auch aufgrund des Zukunftskonzepts der International Network University.
  6. Einführungswochen sollen in einzelnen Fächern ernster genommen werden und bereits vor Beginn des Semesters stattfinden.
  7. Einführung zentraler Studien- und Prüfungsbüros in den Fachbereichen—verlässliche und ausreichende Öffnungszeiten.
  8. Wiederholungsleistung von Prüfungen soll zeitnah ermöglicht werden.
  9. Flächendeckende Evaluationen in den Fachbereichen für jeden Studiengang einen Studiengangsleiter an den Fachbereichen, der die inhaltliche Weiterentwicklung des Studiengangs und das Lehrangebot plant.

(nach: „Evaluation statt Mitbestimmung – Neues aus dem Akademischen Senat (14.11.07)“, FSI Blog, 21.11.07)

Im FSI Geschichte Blog wird die Kritik an diesen 10 Punkten treffend zusammengefasst:

„Aber was steckt eigentlich hinter den ‚Zehn Punkten‘? Letztendlich nur eine etwas weichere, flexiblere Handhabung des Bestehenden. Eine radikale ‚Reform der Reform‘ hin zu mehr Wahlfreiheit für Studierende, weniger verschulten Inhalten und natürlich mehr Mitbestimmung bei der Gestaltung des Studiums und der Studienordnungen bleibt aus. Doch wäre dies das einzig notwendige. Auch die beste Evaluation degeneriert letztlich zum Kontrollinstrument, wenn die Umfrageergebnisse geheimgehalten werden und die Studierenden bei den aus der Evaluation folgenden Reformprojekten nicht mitreden dürfen.“ („Zehn Punkte für den Bachelor? Eine Blamage und keine Reform“, FSI Geschichte Blog, 14.12.07)

Wie der oben zitierte Tagesspiegel-Artikel deutlich macht, geht es sogar ganz im Gegenteil darum die Wahlfreiheit noch stärker als ohnehin schon einzuschränken und die Studiengänge noch weiter zu verschulen.

Als weitgehend gescheitert muss inzwischen aber nicht nur die BA-Einführung als solche betrachtet werden, sondern auch der Versuch die katastrophalen Zustände zu deckeln. Der berüchtigte „Studienerfolgsbericht“ (siehe „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“) ist inzwischen online verfügbar und es gibt immer mehr Artikel in den Medien zu dem Sachverhalt (Pressespiegel zum Beispiel im AStA Blog).

Erneutes Treffen für Fachwechsler

Dezember 9, 2007

Am kommenden Dienstag den 11.12.07 findet um 16 Uhr in der AStA-Villa das nächste Treffen zum Thema „Fachwechsel / Modulangebotswechsel“ statt. Es soll unter anderem abschließend über einen Antrag im Akademischen Senat zum Thema diskutiert werden.