Institutstag – Ein kurzer Rückblick

[Update siehe unten]

Ergebnislos habe ich heute on- und offline nach Resultaten des Institutstags Ausschau gehalten. Eine Woche danach findet sich bisher nur eine Sammlung von Fotos, die hauptsächlich Studierende in Diskussionsrunden und krakelige Wallpapers zeigen. Offenbar scheint das noch etwas zu dauern, mit der schriftlichen Ausarbeitung (ich würd ja mithelfen, aber solange nicht mal Entwürfe über die Mailing Listen verteilt werden, ist das schwer).

Stattdessen musste ich mich dann mit Hochglanzlektüren wie „High Potential“ durch eine akademische Pause schlagen. Magazine die so schleimig und oberflächlich sind, dass sie einem ständig durch die Finger zu gleiten scheinen. Dass solche Karriere-Planer-Borschüren („Vordiplom mit 18“, „Bewerbungstipps“, „Schöner arbeiten bei der Lufthansa„, „Welches Giro-Konto ist für Studierende das richtige?“ usw.) bei Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Hertieanern auf Interesse stoßen, kann ich mir noch halbwegs vorstellen – aber bei OSIanern? Vermutlich längst Realität, allerdings beruhigt die Tatsache, dass gerade diese Magazine achtlos liegengelassen werden, interessantere und substanziellere Sachen sind dagegen schnell vergriffen. Jetzt wo es so kalt draußen ist, könnte man doch für die Raucher eine alte Öl-Tonne vor dem OSI aufstellen, bei einem wärmenden Feuer würde man dann all diesen nutzlosen Schund verheizen, an Nachschub scheint ja zumindest kein Mangel zu herrschen.

Zurück zum Institutstag. Es gab sehr viele, interessante, anregende Diskussionen. Trotzdem bleibt das mulmige Gefühl zurück, dass auch hier mal wieder viel geredet wurde, ohne dass es am Ende eine nennenswerte Verbesserung des Status quo geben wird. Sicherlich ist es noch zu früh das zu beurteilen, trotzdem riecht es schon jetzt nach einem Luft-Guitarren-Solo.

Ich war mal wieder zu spät (auch dies eine Erscheinung, die in der komplett durchmodularisierten Folgegeneration zunehmend ausstirbt) und musste feststellen, dass die AG Campus Management wegen mangelndem Interesse überhaupt nicht zu stande gekommen war. Was die durch mich und andere vertretene Position, dass dieses Thema immer noch breite Kreise der FU-Studentenschaft umtreibt, natürlich stark unterminiert.

Also landete ich in der AG Studienordnungen deren TeilnehmerInnen sich in einer „gruppentherapeutischen“ Sitzordnung (sprich: im Kreis) versammelt hatten – der ultimative Abturner für jeden latent Soziophoben, den solche affektierten Versuche eine etwas vertrautere, heimelige, vermeintlich gesprächsoffenere Atmosphäre zu schaffen natürlich gruseln müssen. Sei’s drum, eine etwas nerdfreundlichere Umgebung zu schaffen, kann schwerlich die Intention einer sozialwissenschaftlich geprägten Diskussionsrunde sein.

Inhaltlich war die Diskussion durchaus sehr interessant, es wurden zentrale Probleme der neuen Studienordnungen thematisiert, wobei ich manchmal den Verdacht hatte, die Probleme liegen noch tiefer. Denn die beschriebene Verschärfung der Studiensituation hat auch etwas damit zu tun, dass viele von Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft zerfressende StudentInnen in vorauseilendem Gehorsam versuchen, diesen Studienordnungen mehr als gerecht zu werden.

Prof. Risse sprach von einem Missverständnis, wenn Erstis versuchen, ihre übrigstehenden Soll-SWS mit irgendwelchen Bonus-Veranstaltungen aufzufüllen (anstatt mit der Vor- und Nachbereitung der Soll-Veranstaltungen – die dann natürlich auch noch zusätzlich geleistet wird). Es wurde dann jedoch schnell deutlich, dass viele Erstis sich offenbar von DozentenInnen zappelig quatschen lassen, die die Notwendigkeit von möglichst vielen Praktika, Fremdsprachenkenntnissen, etc. überbetonen („Wenn Sie nicht mindestens drei Sprachen sprechen, haben Sie gar keine Chance“, bla). Das ist nicht neu, neu ist nur, dass Erstis das offenbar zunehmend ernstnehmen und sich dann z.B. mit diversen Zusatzveranstaltungen wie Sprachkursen zuschütten, welche aufaddiert das zu schaffende Pensum schlicht weg sprengen.

Mein Vorschlag wäre den Erstis zukünftig z.B. einfach Lafargues „Das Recht auf Faulheit“ ohne etwas Ähnliches in die Hand zu drücken, einfach um ihren übereifrigen Drang ein wohl funktionierendes Rädchen werden zu wollen zumindest ein wenig bremsen zu können.

Update 19.01.06:

Meine Unkenrufen waren wohl doch etwas verfrüht, offenbar hat der Institutstag tatsächlich ganz konkrete Entwicklungen angestoßen. Florian berichtet im LHG OSI Blog, dass der IR beschlossen hat, dass eine neue Studienordnung ausgearbeitet werden soll und vermutlich im April 2007 in Kraft treten wird. Die beauftragte Kommission zur Ausarbeitung soll paritätisch mit jeweils vier Dozierenden und Studierenden besetzt werden, was ein wirklich nennenswerter Fortschritt wäre – unterstellt, dass die Studienordnung am Ende dann auch tatsächlich eine studentische Mitwirkung erkennen lässt.

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5 Antworten to “Institutstag – Ein kurzer Rückblick”

  1. Roasted Frog Says:

    Nicht nur Studenten sind auf diese Photos sichtbar, sondern auch die erste Bausteine der bis jetzt vermissten Texte zum Institutstag! Bin allerdings auch der Meinung, dass wir mehr über diesen wichtigen Tag berichten müssen. Werde mich auch bemühen…

  2. Niklas Says:

    | Nicht nur Studenten sind auf diese
    | Photos sichtbar, sondern auch die
    | erste Bausteine der bis jetzt
    | vermissten Texte zum Institutstag!

    Na das meinte ich doch mit „krakelige Wallpapers“ ;).

  3. Roasted Frog Says:

    >Na das meinte ich doch mit „krakelige Wallpapers“ ;).

    Ist mir danach aufgefallen… :)

  4. Betriebsgeheimnisse von der Institutstags-Orga « FUwatch Says:

    […] Dass ich auf dem Verteiler bin, ist allein schon deshalb kein Geheimnis, da ich dort bereits mehrmals selber was gepostet habe und das auch schon im Zuge des ersten Institutstags. Ich bin ein “Spezialist” fürs Campus Management und hatte im Zuge dessen auch einen kurzen Auftritt auf dem ersten Institutstag, doch da war die Idee Campus Management zu diskutieren leider schon wieder gestorben (es gab nicht genug Leute für die Arbeitsgruppe). Für den AStA-Potsdam sollte ich einen Vortrag übers CM halten, musste den Termin wegen Krankheit aber canceln. […]

  5. Wenn Schafe Identität schaffen « FUwatch Says:

    […] mit den diversen Hochglanz-Uni-Magazinen ab, die an Hochschulen ausliegen (siehe dazu auch kurz “Institutstag – Ein kurzer Rückblick”, zweiter […]

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