Archive for the ‘Software’ Category

GIMP, Ubuntu und GnuPG in der Aktionswoche

Mai 7, 2008

Inzwischen basteln die ProtestaktivistInnen fleißig am KVV für die Aktionswoche. Einige Termine stehen bereits fest, so z.B. einige computertechnische Workshops, die den TeilnehmerInnen für die „elektronischen Sphäre“ nützliche Kernkompetenzen vermitteln sollen.

GIMP

GIMP ist eine mit Adobe Photoshop vergleichbare aber kostenlose Bildbearbeitungssoftware für Linux, Windows und Mac. Die TeilnehmerInnen am Workshop sollen mit Hilfe des Programms in die Lage versetzt werden, selbst Aufkleber, Plakate, T-Shirts oder ähnliches zu designen. Was nicht nur aber natürlich auch für den Protest wichtig ist.

Der GIMP-Workshop wird voraussichtlich am Dienstag den 20.05. ab 15 Uhr stattfinden. Wo genau ist noch unklar, bisher ist das Rote Café vorgesehen, besser wäre aber natürlich z.B. der PC-Pool im OEI, der eigentlich nie bis ans Limit mit Lehrveranstaltungen belegt ist.

Ubuntu-Install-Party

Ubuntu ist eine kostenlos erhältliche Linux-Distribution. Auf der „Install Party“ wird vorgeführt, wie man das System sicher auf einem Windows-Rechner installiert (neben Windows oder als Ersatz).

Sie findet am Mittwoch den 21.05 ab 15 Uhr entweder in einem Raum der ZEDAT oder aber in den SPLINE Räumlichkeiten in der Informatik statt.

GnuPG

„GnuPG oder GPG ist ein freies Kryptographiesystem, d.h. es dient zum Ver- und Entschlüsseln von Daten sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen“ (Wikipedia).

Der Einsatz von GnuPG ermöglicht es Studierende z.B. ihre Emails, Dateien und Festplatten zu verschlüsseln. Der „Praxisworkshop Datenschutz“ mit dem Schwerpunkt „Verschlüsselung“ findet am Montag den 19.05. ab 16 Uhr in einem bisher noch unbekannten Raum statt.

Entsprechende Anleitungen zur Verwendung von GnuPG / PGP können aber z.B. auch bei Kai Raven nachgelesen werden.

Kaioo als Alternative zu StudiVZ?

Januar 23, 2008

Wie die WELT (die massiv versucht das inzwischen zu Holtzbrinck gehörende StudiVZ an die Wand zu schreiben, nachdem der Axel Springer Verlag beim Verkauf von StudiVZ im Januar 2007 nicht zum Zuge gekommen ist, obgleich er ja angeblich auch Unsummen geboten haben soll) berichtet, sollen sich bei StudiVz inzwischen 20.000 Mitglieder wegen der AGB-Politik des Portals in einer Protestgruppen zusammengeschlossen haben.

Weitere „Hunderte“ hätten Beschwerde-Emails versendet und ein Prozent aller Nutzer sei gleich ganz ausgetreten. Das wesentlich größere Problem für Holtzbrinck sei indes, dass die verbliebenen Nutzer zunehmend falsche Angaben machten, ihre Daten somit unbrauchbar würden („Genervte Mitglieder sabotieren StudiVZ“, Die WELT, 19.01.08).

Widerstandsformen gegen StudiVZ nur bedingt tauglich

Doch die Möglichkeiten die eigenen Daten zu anonymisieren erreichen schnell ihre Grenze, denn um das soziale Netzwerk sinnvoll nutzen zu können, muss man zumindest über den eigenen Real-Namen für Bekannte und KommiltonInnen auffindbar sein. Auch wenn man den Kontakt zu Personen sucht, die an derselben Uni wie man selbst ist, die vielleicht dieselben Interessen haben, usw., dürfen diese Personen bei der Angabe dieser Informationen nicht „gelogen“ haben, sonst funktioniert die Netzwerk-Idee eben nicht. Der Ansatz StudiVZ in die Knie zu zwingen, indem man nur noch mit einem Fake-Profil zugegen ist, taugt also nur sehr bedingt.

Entsprechend gelassen sehen die Verantwortlichen bei StudiVZ angeblichen den momentanen Protest. „Der Trend zur Namensfälschung ist rückläufig“ ließ StudiVZ-Chef Marcus Riecke gegenüber der WELT verlautbaren („Genervte Mitglieder sabotieren StudiVZ“, Die WELT, 19.01.08).

Und in der taz kann man lesen: „Die Proteste der vergangenen Wochen haben das Investment kaum in Gefahr gebracht. Tatsächlich habe man an ein paar Tagen mehr Austritte gezählt als sonst, sagt Dirk Hensen. Dass sich 1 Prozent der Mitglieder abgemeldet habe, fiele kaum ins Gewicht. ‚Wir wachsen jeden Tag fünfstellig, das gleicht den Verlust um ein Vielfaches aus'“ („StudiVZ-Mitglieder kuschen: Studenten heiß auf Werbung im Netz“, taz, 15.01.08).

Die Situation lässt sich also mit einem „Was interessiert es den Baum, wenn die Sau sich an ihm reibt / der Hund ihn anpinkelt“ zusammenfassen. StudiVZ ist auf dem deutschsprachigen Markt als soziales Netzwerk für Studierende inzwischen so dominant, dass es sich die paar „Rebellen“, die dann wirklich ernst machen mit einem Ausstieg oder dem Verfälschen ihres Profils, leisten kann.

Facebook hat dieselben Probleme

Die Luft wird für StudiVZ wenn überhaupt erst dünner, wenn Facebook wie geplant im kommenden Frühling in den deutschen Markt einsteigt (einen deutschen Ableger seines Portals bereitstellt). Denn verglichen mit Facebook (Markwert angeblich zwischen 15 und 20 Milliarden USD) ist StudiVZ nach wie vor nur ein Mickey-Maus-Club.

Die Frage ist nur, ob Facebook dann wirklich eine brauchbare Alternativ zu StudiVZ darstellen wird. Da die AGB- / Datenschutz-Problematik dort dieselbe ist (zuletzt siehe „Offene Fragen zum Datenschutz bei Facebook und StudiVZ“, heise newsticker, 21.01.08), muss man darauf wohl eher mit „Nein“ antworten.

Kaioo als „echtes“, gemeinnütziges soziales Netzwerk

Kaioo.com ist eine Alternative zu MySpace, Facebook, StudiVZ und Co., die für sich in Anspruch nimmt, ein „echtes“ soziales Netzwerk zu sein. Damit ist gemeint, dass „sozial“ hier nicht nur auf die Verbindung der Mitglieder untereinander verweist, sondern dass das gesamte Netzwerk einem „sozialen Zweck“ dient.

Denn Kaioo ist ein gemeinnütziges Non-Profit-Unternehmen, alle Einnahmen werden – sofern sie nicht dem Selbsterhalt des Portals dienen – an wohltätige Projekt gespendet. Der Clou dabei: Die Nutzer können einmal im Jahr darüber abstimmen, welchen Projekten genau die finanziellen Mittel zukommen sollen („Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck“, Spiegel Online, 17.11.07).

Der angenehme Nebeneffekt soll dabei sein, dass Kaioo angeblich per se kein Interesse daran hat, Nutzerdaten zu verwerten:

„3) Warum kann sich der Nutzer sicher sein, dass kaioo Daten nicht an Dritte weitergibt?

Herkömmliche Social Communities müssen Ihren Gewinn maximieren, um für Ihre Investoren/Eigentümer eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Die Verwertung von Nutzerdaten liegt also auf der Hand. Dagegen muss kaioo als gemeinnützige Organisation seine Gewinne nicht maximieren, so dass kein Interessenkonflikt zwischen Gesellschaftszweck und Datenschutz besteht.“ (Fragen und Antworten zu kaioo, Kaioo.com)

Konfliktlinien wie sie bei herkömmlichen Soical Networks zwischen Betreibern und Nutzer entstehen, weil der Betreiber Nutzerdaten an Dritte weitergeben möchte bzw. sie analysieren möchte um dann personalisierte Werbung einblenden zu können, soll es hier also nicht mehr geben.

Das Problem: Hinter Kaioo stehen Bertelsmänner

Mal abgesehen davon, dass es auch bei Kaioo ein paar Unstimmigkeiten in den AGBs gibt und das Portal technisch noch nicht ganz ausgereift ist, konzentriert sich die Kritik im Netz zur Zeit vor allem darauf, dass Kaioo von zwei Bertelsmann-Vertretern (einem Aktiven und einem Ehemaligen) gegründet wurde und betrieben wird.

Rolf Schmidt-Holtz ist zur Zeit Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Music Group (BMG). Er hat Kaioo zu 100% aus seinem Privatvermögen finanziert, und leitet das Portal zusammen mit Thomas Kreye, der ursprünglich von Schmidt-Holtz zu Bertelsmann geholt wurde, heute aber hauptamtlich für Kaioo arbeitet, während Schmidt-Holtz nach wie vor seine Position bei BMG wahrnimmt (Wikipedia).

„Idee und Umsetzung stammen vom ehemaligen Leiter Business Development von Bertelsmann, Thomas Kreye, der Anfang des Jahres beim Gütersloher Medienkonzern für seinen ‚Traum von einer wirklich sozialen, demokratischen und völlig unabhängigen Gemeinschaft im Internet‘ gekündigt hatte.“ („Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck“, Spiegel Online, 17.11.07)

Beide, Schmidt-Holtz und Kreye, sind zu je 50% geschäftsführende Gesellschafter (Wikipedia). Schmidt-Holtz betont, dass sein Interesse für Kaioo rein privater Natur ist und es keine Verbindungen zu BMG gibt:

„Die Anlauffinanzierung und operative Kosten des Projekts in Höhe von rund einer halben Million Euro werden für mindestens ein Jahr komplett vom Vorstandschef des Musikriesen Sony BMG, Rolf Schmidt-Holtz übernommen, der sich jedoch rein privat für das Projekt engagiert. Schmidt-Holtz betont, dass es keinerlei Verbindung zu dem von ihm geleiteten Plattenriesen gibt.“ („Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck“, Spiegel Online, 17.11.07)

Kann man den beiden also abnehmen, dass es bei Kaioo wirklich nur um ein gemeinnütziges Projekt geht? Ohne Hintergedanken, ohne die Daten am Ende nicht doch zur Weiterverarbeitung für einen der zahlreichen Bertelsmann-Zweige ausschlachten zu wollen?

Kaioo und Bertelsmann

Anders als StudiVZ richtet sich Kaioo nicht explizit nur an Studierende, es sind aber zur Zeit wohl schon hauptsächlich Studis die von StudiVZ nach Kaioo abwandern und dort heimisch werden.

Studierende, besonders jene die links-alternativ sind, haben aber seit jeher ein ausgesprochen angespanntes Verhältnis zu Bertelsmann. Ursächlich für diese studentische Antipathie ist neben anderen Faktoren hauptsächlich das Selbstverständis der Bertelsmann Stiftung in diesem Land festlegen zu wollen, wo es in der Bildungspolitik hingehen soll (Stichwort CHE). Und der Bertelsmann/CHE-Weg ist sicherlich nicht der Weg der linken Studierendenschaft. Folglich missfällt einigen kritischen BeobachterInnen die Verbindung zwischen Bertelsmann und den Gründern von Kaioo.

Der ausführlichste Artikel zu diesem Thema wurde vom AStA der Uni Wuppertal veröffentlicht, dort kann man lesen:

„Kaioo könnte besonders interessant für die dritte große Institution der Bertelsmann-Stiftung sein: das Centrum für angewandte Politikforschung mit Sitz in München, dass als Think-Tank umfangreiche Meinungsumfragen durchführt und diese in Strategiepapieren mit dem Credo der Stiftung, sprich mit marktradikalen Ansätzen, zu verbinden versucht.

Letztendlich operiert das CAP stets mit den Formulierungen, die auf den geringsten öffentlichen Widerstand stoßen. Kaioo erklärt in der Datenschutzerklärung, ‚das Verhalten seiner Nutzer analysieren‘ zu wollen. In den ABGs behält sich kaioo.com vor, die Datenschutzbestimmungen ebenso wie die AGBs jederzeit erneuern zu können (StudiVZ, ich hör dir trapsen…)“ („Vom StasiVZ in die Bertelsmann-Datenbank?“, AStA Uni-Wuppertal, 16.01.08)

Die Hauptkritik fusst allerdings auf der hypothetischen Möglichkeit, dass Kaioo die angesammelten Daten vielleicht doch weiterverarbeiten möchte:

„Starke Kopfschmerzen sollte man spätestens mit Blick auf eine weitere Bertelsmann-Tochter bekommen: die arvato AG. Öffentlich wenig bekannt, da nicht für Privatpersonen tätig, versteht sie sich selbst als Service und Logistikdienstleisterin, die weltweit für Regierungen, Parteien und GroßunternehmerInnen tätig ist. In ihrer Selbstdarstellung wirbt sie Unternehmen mit der ’systematischen Gewinnung und Nutzung qualifizierter Adressen‘. Auf deutsch: arvato verfügt über die größte kommerziell nutzbare Adressdatenbank Europas und ist gleichzeitig deren größte Lieferantin.

Wer sich bei kaioo.com registriert, muss ‚zwingende Angaben‘ machen gemacht werden zu ‚Vorname und Nachname, Geschlecht, Geburtstag, Land, Regionalnetzwerk (Bundesstaat/Provinz/Region), Sprache, Berufsstatus, Stadt, Email-Adresse‘. Und wer Eins und Eins zusammenzählt, kann sich denken, was mit den persönlichen Daten passiert.“ („Vom StasiVZ in die Bertelsmann-Datenbank?“, AStA Uni-Wuppertal, 16.01.08)

Das Problem dieses Artikels ist natürlich, dass er rein konjuktivistisch geschrieben ist. Denn Beweise oder Indizien für einen Missbrauch der Daten durch Kaioo gibt es natürlich keine, es geht hier allein um die potentielle Möglichkeit eines Missbrauchs. Ungefiltert wird die Kritik am Bertelsmann Konzern 1:1 auf das neue Kaioo-Portal projiziert.

Die Aussage von Kreye und Schmidt-Holtz, dass Kaioo nichts mit Bertelsmann zu tun hat, erscheint dem / der AutorIn offenbar so absurd, dass sie nicht einmal als vielleicht doch wahr in Erwägung gezogen wird. Allein: Es gibt zur Zeit nichts, was konkret darauf hindeutet, dass Kreye und Schmidt-Holtz doch irgendwelche weiterführende Ambitionen mit Kaioo haben. Ausführungen darüber, was Bertelsmann unter Umständen alles aus so einem Portal ziehen könnte, bleiben folglich rein spekulativ.

AGBs und Datenschutz

Einzig denkbarer Ansatzpunkt für Indizien die dagegen sprechen, dass die Betreiber „gute Absichten“ haben, wären zur Zeit die AGBs und die Datenschutzerklärung. Dort heißt es:

„kaioo gibt Ihre Daten nicht an Dritte weiter, es sei denn, es besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Weitergabe (z.B. bei Anfragen von Strafverfolgungsbehörden und sonstigen staatlichen Einrichtungen mit entsprechenden Befugnissen).“ (Datenschutzerklärung, Kaioo.com)

„Mit der Gestaltung seiner Seite bei kaioo räumt das Mitglied kaioo die für die kaioo-Dienstleistung erforderlichen Rechte ein, insbesondere zur Vervielfältigung, Änderung, Verbreitung und Veröffentlichung der eingestellten Inhalte. Die Nutzungsrechte können im Rahmen der kaioo-Dienstleistung auch auf Dritte übertragen werden; die Nutzungsrechte werden räumlich und zeitlich unbeschränkt, aber nicht exklusiv eingeräumt, so dass das Mitglied seine Inhalte auch selbst weiternutzen kann.“ (AGBs, Kaioo.com)

Die persönliche Daten werden also laut Datenschutzerklärung nicht an Dritte weitergereicht (es sei denn aufgrund „gesetzlicher Verpflichtungen“), wohl aber können „im Rahmen der kaioo-Dienstleistung“ Nutzungsrechte (an durch den User eingestellten Inhalten) auch auf Dritte übertragen werden. Zu differenzieren ist bei der Betrachtung also zwischen persönlichen Daten (Name, Wohnort, usw.) und so genannten „eingestellten Inhalten“, wie z.B. ein Diskussionsbeitrag in einem Forum.

Da nun Kaioo nach eigenen Angaben nicht zu Bertelsmann gehört, wäre Bertelsmann ein Dritter, an den zumindest die persönlichen Daten nicht übertragen werden dürften. In diesem Kontext ist auch folgender Passus zu sehen:

„kaioo kann das Verhalten seiner Nutzer analysieren, um das inhaltliche Angebot besser auf die Bedürfnisse der Nutzer abstimmen zu können. Die Daten werden jedoch nicht personenbezogen verarbeitet, sondern die Identität des Nutzers bleibt anonym.“ (Datenschutzerklärung, Kaioo.com)

Ja, Kaioo kann die Daten für sich analysieren, es kann die Daten aber nicht einfach an das „Centrum für angewandte Politikforschung“ oder die „arvato AG“ weiterreichen, denn das sind hier Dritte. Interessant wird es dann, wenn es um das Ergebnis der Analyse geht. Denn ein Ergebnis das auf einer Datenauswertung aufbaut, ist womöglich anders zu werten, als die Daten selbst. Kaioo könnte hier ggf. vielleicht spitzfindig argumentieren, es habe wie versprochen keine Daten weitergegeben, sondern nur die Auswertungsergebnisse der Datenanalyse. Oder aber z.B.: Es habe keine persönlichen Daten weitergeben, sondern nur nicht personenbezogene, die sich aus einer Analyse des Verhaltens der User (auf der Plattform) ergeben haben.

Natürlich gibt es tausend hypothetische (Schleich)wege, wie Kaioo Daten indirekt oder direkt (durch Verstoß gegen die eigenen Richtlinien) an Bertelsmann oder sonst wen durchsickern lassen könnte. Die Frage ist nur, ob allein die Tatsache, dass die Gründer eine Verknüpfung zum Bertelsmann-Konzern haben ausreicht, um zu unterstellen, es würde so einen Transfer sicherlich früher oder später geben (trotz Zusicherung die Daten würden nicht weitergeleitet, trotz klarer Aussage Kaioo habe nichts mit Bertelsmann zu tun). Und ich meine, das ist einfach zu dünn.

Fazit

Kaioo ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, es ist aber vom Ansatz her ein klarer Fortschritt gegenüber vergleichbaren, rein kommerziellen Angeboten wie Facebook oder StudiVZ. Entscheident bei der Bewertung des Angebotes ist letztendlich, wie ernst es den Betreibern mit diesem Ansatz ist. Dies wird sich erst noch herausstellen.

Tatsache ist zunächst einmal, dass Kaioo als gemeinnützig anerkannt wurde. Das daraus abgeleitete Argument, dass man ohne Gewinnmaximierungsdruck auch nicht verleitet wird, Daten weiterzuverticken, kann sicherlich bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal stehen bleiben. Die personelle Verknüpfung der beiden Gründer mit Bertelsmann muss natürlich kritisch gesehen werden, allerdings greift eine Kritik die allein darauf rekuriert zu kurz. Denn aus einer Verknüpfung zwischen Bertelsmann und den Gründern, ergibt sich eben keineswegs auch zwangsläufig eine Verbindung zwischen Bertelsmann und Kaioo.

Es empfiehlt sich aber dennoch sich auch bei Kaioo nicht übermäßig generös zu zeigen, wenn es um die Preisgabe der eigenen Daten geht. Dies ist eine ganz grundsätzliche Regel bei der Nutzung von Diensleistungen jeglicher Art im Internet. Man sollte auch bei „Social Networks“ keine Angaben zu Dingen machen, die man selber für das Networking nicht zwangsläufig braucht.

Ferner brauchen natürlich Studierende die bisher auch ohne „social networking“ Portale wie StudiVZ oder Facebook ausgekommen sind, auch nicht zwangsläufig Kaioo. Es geht eher um KommilitonInnen die bisher StudiVZ regelmässig genutzt haben und auf einen solchen Online-Dienst nicht verzichten möchten. Für die wäre Kaioo durchaus eine Alternative.

Kaioo leidet zur Zeit unter technischen Defiziten, nicht zuletzt weil es sich erst im Aufbau befindet. Die Einschränkungen sind allerdings nicht so groß, dass das Portal generell unbenutzbar wäre. Man wird sehen, inwiefern sie diese Defizite in naher Zukunft tatsächlich abbauen können.

Es bleibt ferner abzuwarten, wie sich die Idee, die durch Werbung eingenommenen Spenden demokratisch durch eine Abstimmung der Nutzer an verschiedene wohltätige Projekte zu verteilen, konkret ausgestalten wird.

Es sei abschließend noch darauf hingewiesen, dass Kaioo natürlich nicht das einzige soziale Netzwerk mit einem alternativen Ansatz ist. Zu nennen wäre hier z.B. auch noch „Care2“, das sich besonders an links-alternative, ökologische, neue (Bürgerrechts- / Graswurzel-) Bewegungen (MoveOn.org, Green Living, usw.) in den USA richtet. Allerdings ist das Portal technisch rückständig, hat ein wirklich grausames Look-and-Feel und wirkt für seine Ansprüche doch recht stark durchkommerzialisiert (Puppy dog Bannerwerbung bis einem die Augen platzen).

Das ultimative „Indymedia 2.0“ im Bereich Social Networking fehlt jedenfalls nach wie vor.

„Sheepish-looking prize winners“

November 30, 2007

Im sehr kritisch geschriebenen Blog von Dr. Bruce Spear findet sich ein wirklich lesenswerter, aktueller Vergleich zwischen FU und anderen Unis in punkto „E-Learning“.

Spear kritisiert einerseits „E-Learning“ wie es hier an der FU durch das CeDiS praktiziert wird, stellt dem dann aber andererseits auch sehr konkrete Alternativmodelle gegenüber, um seine Vorstellung von einem brauchbaren „E-Learning“ zu präzisieren.

Als Ex-CeDiS-Mitarbeiter kennt sich Spear ausgesprochen gut mit den Verhältnissen an der FU in Sachen „E-Learning“ aus. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund:

„(…) As always in this blog, I am trying to develop some constructive criticism of the Freie Universität Berlin that I know best and its management of academic computing services through its Center for Digital Systems, where program criteria are limited to status categories (professors, departments) and technical specifications (databases, communications tools), evaluation of student use is limited to customer satisfaction surveys designed to support the university’s learning management system, presentation of good practices is limited to descriptions of other supported technologies, ‚helping hands‘ for faculty offer no more than definitions of abstract categories, advice on implementation has been out-sourced to e-teaching.org (also obsessed with abstract categories), descriptions of sponsored projects are summaries from grant applications and links to project results almost invariably lead to the learning management system’s firewall.

The alternatives I’ve outlined so far in this series of posts (…)

(…) In this post I will now offer another alternative: that we aim for the scholarship of teaching and learning whereby the faculty add e-learning to their research program, conduct research, publish results in peer-reviewed journals, list this research in their applications for promotion and tenure: to put e-learning on the strongest academic foundation, on par with the disciplines themselves and not, as at the FU at present, by aiming simply (and I do mean ’simply‘) for statistics of course and student enrollments on Blackboard, mere confirmation of the present technology choices and bureaucratic arrangements, and a few photos of sheepish-looking prize-winners. (…)“

(Bruce Spear: „Putting e-Learning On A Strong Disciplinary Foundation“, 29.11.07)

Spears Tonfall ist streckenweise bissig, was jedoch nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass er seinen Standpunkt auch mit sachlichen Argumenten und Verweisen untermauert. Sein exemplarischer Ausblick wie „E-Learning“ im Ausland betrieben wird vergegenwärtigt dem Leser / der Leserin die Rückständigkeit der „Eliteuniversität“ FU auf diesem Gebiet nachhaltig.

Blackboard-Zugang ab Dezember nur noch über ZEDAT-Account

November 10, 2007

Wie das LMS Support-Team des CeDiS in einer Mail an alle Blackboard-NutzerInnen mitteilt, werden die Blackboard-Accounts in diesem Semester wie geplant auf die ZEDAT-Accounts umgestellt (siehe „Blackboard-Zugriff ab jetzt über ZEDAT-Accounts“). Der Login erfolgt dann also auch bei Blackboard nur noch mit den ZEDAT-Zugangsdaten. Anfang Dezember soll es soweit sein:

„Sie koennen diese Umstellung auch von uns, dem Center für Digitale Systeme (CeDiS), automatisiert vornehmen lassen. Dies wird voraussichtlich in vier Wochen geschehen.“ („Umstellung Ihres Blackboard-Accounts“, CeDiS Infomail, 08.11.07)

Probleme könnte es nach Angaben des Support-Teams nur bei Personen geben, die zur Zeit mehr als einen Account im Blackboard haben. Denn es kann jeweils nur ein Blackboard-Account auf einen ZEDAT-Account umgelegt werden. Um sicherzugehen, dass in diesem Fall nicht aus Versehen der falsche Blackboard-Account übernommen wird, sollten Betroffene ihren Account lieber bereits jetzt manuell umstellen (sofern sie es nicht schon getan haben). Dies lässt sich nach einem Blackboard-Login relativ leicht bewerkstelligen:

„Auf der Eingangsseite haben Sie auf dem Reiter ‚Mein Campus/My Institution‘ in dem Kaestchen mit der Ueberschrift ‚Umstellung der Zugangsdaten auf den ZEDAT Account‘ die Moeglichkeit, dies einfach und zuverlaessig zu tun.“ („Umstellung Ihres Blackboard-Accounts“, CeDiS Infomail, 08.11.07)

Die Ankündigung dieser Fusion (der weitere im Kontext der Schaffung eines zentralen Studierendenportals folgen werden) hatte im WS 06/07 zu einer Kontroverse geführt. Seitens ZEDAT wurde damals jedoch betont, dass es hier nicht um eine Zusammenlegung von Datenbanken geht (siehe „ZEDAT-Blackboard-Fusion führt nicht zu Datenbank-Fusion“).

Blackboard-Daten und Campus-Management-Daten landen also z.B. nicht zusammen in einer Datenbank. Die Authentifizierung erfolgt jedoch einheitlich über den ZEDAT-Account. Einerseits sind die Datenbanken also unabhängig voneinander, andererseits erfolgt der Zugang zu den Daten mit einem zentralen Authentisierungsverfahren. Was einigen KritikerInnen sicherlich immer noch datenschutztechnische Bauchschmerzen bereiten drüfte.

Demgegenüber steht die Bequemlichkeit, nicht mehr mit zig verschiedenen Benutzernamen und Passwörtern operieren zu müssen, sondern am Ende des Tages alle IT-Dienste der FU mit einem zentralen Account nutzen zu können.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

E-Learning kostet an der FU jährlich 400.000 Euro

Juli 6, 2007

Der Kommilitone Fabian Reinbold hat nachgelegt und seine Berichterstattung über die Web-2.0-Ambitionen der FU (siehe „Re: Hier bloggt die Uni“) ausgebaut. Im gestrigen Tagesspiegel erschien ein ausführlicher Artikel von ihm zum „E-Learning 2.0“-Projekt an der FU:

„Dahinter verbirgt sich der Einsatz von Kommunikationsmitteln wie Blogs, Wikis oder Podcasts in der Lehre. Diese haben das Internet in den letzten Jahren zum Web 2.0 weiterentwickelt, in dem ehemals passive Nutzer nun eigene Inhalte erstellen (wie im Online-Lexikon Wikipedia) und sich in Netzwerken wie der Videoplattform YouTube austauschen. Genau das soll nun im E-Learning passieren: Studierende erarbeiten gemeinsam Wissen und tauschen sich darüber aus. Nicht länger soll der Professor allein das Material bereitstellen.“ (tagesspiegel, 05.07.07)

Fabian verweist zurecht darauf, dass das zur Zeit noch lange nicht die Realität ist. Dass die Verwendung von virtuellen Lernplattformen (bei uns das Blackboard) nur eine Komponente von vielen ist, um E-Learning zu praktizieren. Andererseits bietet Blackboard ja durchaus bereits jetzt diverse Funktionen, die über das einfache bereitstellen von Material hinausgehen. Studis können sich im jeweiligen Kurs mit ihren KommilitonInnen und dem/der Dozierenden austauschen, etwa in einem Chat oder in einem Forum. Der entscheidende Punkt ist nur: Sie tun es nicht.

Wenn man bedenkt, wie lange das Blackboard jetzt schon in Betrieb ist und wie wenig seiner Funktionalität ausgeschöpft wird, lässt dies für die Zukunft nichts Gutes erahnen. CeDiS macht hier nur quantitative, nicht qualitative Fortschritte. D.h., Blackboard wird zwar in immer mehr Lehrveranstaltungen benutzt, doch i.d.R. nur mit seinen Grundfunktionen (dem Austausch von Lehrmaterial und für organisatorische Ankündigungen).

„Grune [vom MLZ der HU; Anm. FUwatch] sieht den Pluspunkt darin, ‚dass die Dozenten nicht länger Alleinunterhalter sind‘. Doch es bleibt ein didaktischer Schritt, die Studierenden zu aktiver Teilnahme und Austausch zu motivieren.“ Sehr richtig, nur waren die Dozierenden ja nie „Alleinunterhalter“, im Gegenteil wird ja ein Großteil der Lehrveranstaltungen (in Seminaren natürlich mehr als in Vorlesungen) seit jeher durch Studierende gestaltet. Trotzdem scheinen diese nicht übermäßig motiviert, z.B. eine im Seminar wegen Zeitmangels abgebrochene Diskussion in der virtuellen Sphäre fortzusetzen.

Und auch wie das mit dem begleitenden Einsatz von Blogs bei Lehrveranstaltung ablaufen soll, bleibt noch dunkel. Fabian stellt heraus:

„E-Learning 2.0 als Wundermittel gegen die Anonymität der Berliner Massenuniversitäten? So einfach ist es wohl nicht. Ein typisches Lernszenario aus der 2.0-Welt – Studierende dokumentieren ihren Lernfortschritt in einem Blog und bekommen regelmäßig Feedback vom Dozenten – lässt sich schwer auf die Berliner Unirealität übertragen. In den Geisteswissenschaften etwa muss ein Professor nicht selten 100 Teilnehmer im Seminar betreuen. Er käme mit dem Bloggen wohl nicht mehr hinterher.“ (tagesspiegel, 05.07.07)

Zudem weniger web-affine Zeitgenossen sicherlich argumentieren würden, dass es die Anonymität eher noch verstärkt, wenn Studierende untereinander oder mit Dozierenden abstrakt im virtuellen Raum kommunizieren. Der Erfolg von Blogs im Lehreinsatz bleibt jedenfalls zweifelhaft.

Betont wird im Artikel auch die Notwendigkeit eines Mischsystems aus Präsenzveranstaltungen und virtuellen Möglichkeiten. Auch das ist ein inzwischen alter Hut, der unter dem Begriff „Blended Learning“ subsumiert wird.

Die interessanteste Information die man aus dem Artikel ziehen kann ist sicherlich die, dass der ganze Spaß die FU jährlich 400.000 Euro kostet. Eine Summe die in keinerlei Verhältnis zudem steht, was die FU tatsächlich in Sachen E-Learning auf die Reihe kriegt. Was für ein Irrsinn, besonders wenn man sich überlegt, was die Summe an anderer Stelle in der Uni vielleicht positiv bewirken könnte.

Die Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass die E-Learning-Angebote an der FU nur so schleppend angenommen werden ist natürlich nicht, dass der Bedarf an E-Learning vielleicht einfach nicht so groß ist oder dass die CeDiS nicht besonders erfolgreich ist beim Versuch ihre Dienstleistungen und Produkte den Studierenden und Dozierenden näherzubringen. Nein, die Schlussfolgerung ist, dass man einfach so weiter macht wie bisher, seine Bemühungen vielleicht sogar intensiviert (= noch mehr Geld verheizt), aber eben keinesfalls, dass man ernsthaft darüber reflektieren sollte, warum es so offenbar einfach nicht funktioniert.

Zumindest FU-Präsident Lenzen scheint dieses fortlaufende Pushen von Bloatware die eigentlich keiner braucht positiv zu finden: Nach Informationen von FUwatch möchte er den CeDiS-Leiter Dr. Nicolas Apostolopoulos angeblich zum Ehrenprofessor ernennen – und zwar im Bereich Erziehungswissenschaft. Natürlich, was liegt auch näher, wo Apostolopoulos doch so bahnbrechende Erfolge im Bereich E-Learning gefeiert hat…

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

CeDiS streicht Zensurpassus aus den Nutzungsbedingungen

Juni 25, 2007

Andrew Welsh-Huggins und Jochen Leffers schreiben in einem Spiegel-Online Artikel über Blog-Systeme an us-amerikanischen Universitäten und dass dort StudentInnen teilweise sogar fürs bloggen bezahlt werden – selbst dann wenn sie sich negativ über die eigene Uni äußern und Missstände anprangern.

Die Uni-Administration betrachtet dies laut den Autoren als Werbung für die „MySpace-Generation“, die bevor sie sich an der Universität bewirbt schon mal einen ungefilterten Blick auf den Campus-Alltag werfen kann. Anders als konventionelle Werbe-Broschüren wirken die Blogs authentischer, weil hier eben nicht nur „Heile-Welt-Darstellungen“ zu lesen sind. Würde man dagegen versuchen, die Blog-Postings in eine rein positive Richtung zu drücken, würde dies spätestens auffliegen, wenn die Differenzen zu Äußerungen auf externen Portalen (MySpace, Facebook, etc.) deutlich werden.

Ob das wirklich so abläuft wie geschildert, sei mal dahin gestellt (die Aufmachung der Blogs wirkt jedenfalls auffällig glatt). Die Artikel-Autoren verweisen aber auch auf den Umstand, dass die deutschen Universitäten noch weit davon entfernt sind, den Web-2.0-Technologien einen ähnlichen Stellenwert einzuräumen. Und wie könnte es anders sein, fällt der Blick hier natürlich auf das neue Weblog-System der FU.

„Noch ist das Web-2.0-Projekt der FU eher öde Begleitmusik zur Lehre und Forschung und ganz weit weg von der stark studentischen Bloggerszene. Es müsste kräftig wachsen und neue, weniger staubige Wege einschlagen, damit sich Studenten dort tatsächlich beteiligen und vernetzen. Dann erst würde sich auch entscheiden, was die Meinungsfreiheit, auf die Blogger große Stücke halten, an der Freien Universität wirklich wert ist.

So hieß es zunächst in den Nutzungsbedingungen: „Eine missbräuchliche Nutzung liegt insbesondere vor, wenn über das Blog (…) das Ansehen der Freien Universität Berlin geschädigt wird oder die Nutzung ihren Interessen entgegensteht.“ Das kann vieles bedeuten – in seinem Blog „FUwatch“ kommentierte Niklas Fichtenberg diesen Passus als ‚Steilvorlage für Zensur‘. Prompt wurden die Nutzungsbedingungen renoviert; nun geht es bei der „missbräuchlichen Nutzung“ nur noch um mögliche Rechtsverstöße wie Pornographie, verfassungswidrige Propaganda, Beleidigung oder Verleumdung.“ („Bloggen für eine Handvoll Dollar“, Spiegel Online, 24.06.07)

Und tatsächlich, ein Blick in die Nutzungsbedingungen (wahlweise hier oder hier) zeigt, dass CeDiS den besagten Zensurpassus still und heimlich entfernt hat (auf dem Admin/Support-Blog ist die Änderung jedenfalls nicht angekündigt, obwohl dies laut §9 Absatz 3 ja eigentlich passieren sollte). Offenbar hat man also doch ein Einsehen gehabt, dass eine solch restriktive Formulierung in den Nutzungsbedingungen der Idee hinter dem Blogging zuwider läuft.

Was Leffers in seinem Artikel vernachlässigt ist sicherlich der Umstand, dass Deutschland blog- bzw. Web-2.0-technisch den USA generell hinterhinkt. Exemplarisch kann man dies am Blog-Einsatz im Wahlkampf verdeutlichen. Der deutschen Blogosphäre kommt hier immer noch nicht der gleiche Stellenwert im deutschen Wahlkampf zu, wie der us-amerikanischen Blogosphäre im US-Wahlkampf. Zwar gibt es auch hier in Deutschland zunehmend den Versuch Blogs, Wikis, etc. in Kampagnen mit einzubeziehen (vgl. z.B. Falk Lüke), doch reicht der mediale Einfluss deutscher Blogger bei weitem noch nicht an den medialen Einfluss us-amerikanischer Blogger heran.

Dies lässt sich nun auf andere Bereiche übertragen, die die Blogosphäre tangiert, so eben auch der Einsatz im Kontext von Lehre und Forschung. Selbst wenn die FU nun also in Sachen Blogs „weniger staubige Wege einschlagen“ würde (wie es etwas nebulös im Artikel heißt), wird sie damit nicht weit kommen, wenn die Studierendenschaft selbst noch etwas „staubig“ ist. Der grundsätzliche Irrtum liegt in der Annahme, die „jungen Leute von heute“ sein per se alle neuen Medien, Techniken und Kommunikationsformen aufgeschlossen (was ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung in Abrede stelle). Die viel beschworene „MySpace-Generation“ ist eben im deutschen Sprachraum noch nicht ähnlich dominant wie im angelsächsischen Raum.

Die Entschärfung der Nutzungsbedingungen seitens der FU war sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Die grundsätzliche Problematik, dass Blogs in der Lehre nicht so viel Sinn machen bzw. von der Studierendenschaft nur schleppend angenommen werden, löst das noch nicht. Allerdings erhöht eine Betonung / Sicherstellung von Meinungsfreiheit zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass einige ohnehin blog-affine Studierende auch an der Uni einen persönlichen Blog starten.

Die zentrale Frage ist dann, ob man darauf setzt, dass Blogs auch unter deutschen Studierenden zunehmend auf Interesse stoßen werden, die Investition in ein uni-eigenes Blog-System sich also lohnt, oder ob die Anzahl tatsächlich regelmässig bloggender Studierender konstant niedrig bleibt. Im letzteren Fall stellt sich dann die Frage, ob die Mittel nicht anderswo besser eingesetzt wären. Selbst am MIT erfreuen sich die hauseigenen Blogs laut Artikel einerseits zwar großer Beliebtheit, andererseits bloggen aber insgesamt nur 15 Studierende.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Fortschritte im Konjunktiv – Die Ergebnisse der neusten CeDiS-Umfrage

Juni 6, 2007

Nachdem CeDiS bereits im Sommersemester 2006 eine Online-Umfrage zum Thema e-Learning unter Studierenden durchgeführt hatte (Ergebnisse hier, ab Seite 18), wurde im Wintersemester 06/07 eine zweite Umfrage gestartet, die sich erstmals auch an die Dozierenden richtete (siehe „CeDiS startet neue Umfrage zum Thema e-Learning an der FU“). Inzwischen liegen die Ergebnisse vor.

An der Studierenden-Umfrage vom 05.02.07 bis zum 23.02.07 haben sich fast 1100 KommilitonInnen beteiligt. Weiter heißt es:

„Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab an, dass der Einsatz von e-Learning ihnen Wege und Zeit erspart hat und eine Arbeitserleichterung darstellt. Der e-Learning Einsatz ist für die Studierenden also mit einem echten Mehrwert verbunden. Für die Einsatzbereiche Kommunikation und Kooperation, deren Nützlichkeit in der ersten Umfrage des Sommersemesters 2006 eher kritisch bewertet wurde, konnten wertvolle Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten gewonnen werden. Die allermeisten Studierenden sind davon überzeugt, dass der Einsatz von Online-Kommunikation das Potenzial besitzt, die Betreuung durch die Lehrenden und die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen/innen zu verbessern.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Besonders diese Geschichte mit den Defiziten in Sachen „Kommunikation“ und „Kooperation“ scheint CeDiS umzutreiben. Die Antwort ist eine Umfrage, in der zum einen deutlich wird, dass eine Mehrheit der Studierenden es sehr wohl für möglich hält, dass der Einsatz von Online-Technologien zur Unterstützung von Kommunikations- und Kooperationsprozessen die Lehre verbessern könnte (Online-Kommunikation und Kooperation), zum anderen aber auch klar wird, dass das an der FU durch den Einsatz von Blackboard nicht wirklich passiert (Mehrwerte des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard, Gesamtbewertung des e-Learning Einsatzes).

Man stellt also fest, dass es theoretisch durchaus möglich ist die Kommunikation und Kooperation durch den Einsatz von „Online-Technologien“ zu verbessern und hofft dass es dann weniger auffällt, dass gerade die Bereiche zur Kommunikation (Chat, Forum, Email, etc.) gegenüber der Basisfunktion (dem Bereitstellen von Downloadmaterial) zurückstehen. Gerade im interessanten Bereich der Kommunikation und Kooperation war die Frage eben nicht „Hat die Online-Kommunikation über Blackboard die Zusammenarbeit verbessert?“, sondern „Kann die Online-Kommunikation die Zusammenarbeit verbessern?“. Erst bei der Frage nach den „Mehrwerten des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard“ werden die Defizite im Bereich Kommunikation dann indirekt deutlich. Hier zeigt sich beim Punkt „Verbesserung der Zusammenarbeit mit den KommilitonInnen“ die geringste Zustimmung, was nichts anderes meint, als dass die Kommunikation und Kooperation nicht funktioniert.

Die Dozierenden-Umfrage wurde vom 21.02.07 bis zum 30.03.07 durchgeführt, es beteiligten sich über 300 Lehrende aus allen Fachbereichen und Zentralinstituten. CeDiS fasst zusammen:

„Von den Lehrenden, die im Wintersemester 2006/2007 die Lernplattform Blackboard aktiv genutzt haben, hat sich mehr als jeder fünfte an der Umfrage beteiligt. Erfreulicherweise haben sich auch zahlreiche Professoren/innen die Zeit genommen, den Online-Fragebogen auszufüllen (N=57). Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die allermeisten Umfrageteilnehmer positive Erfahrungen mit dem Einsatz von e-Learning gemacht haben: e-Learning war nützlich für die Vermittlung der Lehrinhalte, hat die zeitliche Flexibilität erhöht und die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt. Insgesamt ist eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer der Meinung, das e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess birgt.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Jaja, natürlich birgt „e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess“, die viel interessante Frage ist jedoch, inwiefern diese Potenziale an der FU auch genutzt werden bzw. die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Und hier lesen wir:

„Am häufigsten werden konventionelle Lehrmaterialien wie Texte und Präsentationsfolien sowie Ankündigungen über organisatorische Aspekte und aktuelle Ankündigungen zur Lehrveranstaltung online verfügbar gemacht. Aber auch die Beratung und/oder Anleitung von Studierenden und die Bereitstellung multimedialer Lehrmaterialien wurde von rund der Hälfte der Umfrageteilnehmer bereits online umgesetzt. Das technisch sehr anspruchsvolle Distance Teaching wird bisher nur von sehr wenigen Lehrenden genutzt.“ (Formen des e-Learning-Einsatzes)

97% der Befragten nutzen Blackboard zur Bereitstellung von konventionellen Lehrmaterialien, gut 90% zur Verteilung von Informationen, 55% zur Beratung, 28% zur Durchführung von Umfragen, 17% für Tests und Prüfungen und nur 2% für Distance Teaching. Konkret sieht „E-Learning“ an der FU also wie folgt aus: Dozierende und Studierende laden Lernmaterialien in das System, wenn es hoch kommt gibt es mal einen kurzen Wortwechsel im Forum (und „kurz“ meint, es kommt nicht wirklich eine Diskussion zustande) und der/die Dozierende postet hin und wieder ein Annoucement. That’s it.

„Die allermeisten Umfrageteilnehmer stimmen darin überein, dass e-Learning für die Vermittlung von Lehrinhalten sehr nützlich ist, die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt und eine größere zeitliche Flexibilität mit sich bringt. Fehlende Computerkenntnisse und Zeitmangel scheinen für viele Lehrende keine entscheidenden Hemmnisse für den e-Learning Einsatz zu sein, allerdings würden die meisten e-Learning stärker einsetzen, wenn sie mehr Unterstützung – personell, technisch oder finanziell – erhalten würden.(Bewertung der bisherigen Erfahrungen)

Okay, das mit den „fehlenden Computerkenntnisse“ ist so eine Sache. Wenn es darum geht, den Blackboard-Course nach seiner Einrichtung vernünftig zu konfigurieren, weisen nach meiner persönlichen Erfahrung die meisten Dozierenden Defizite auf. Funktionen liegen brach, weil sie nicht freigeschaltet werden (etwa das Forum). Es mangelt entweder an der Fähigkeit oder an der Bereitschaft zur Autodidaktik. Selbst wenn das aber nun durch die gewünschte Intenvisierung einer personellen, technischen oder finanziellen Unterstützung kompensiert werden könnte, stellte sich immer noch das Problem, dass es von den Studierenden wenig angenommen wird.

Man sollte in diesen Umfragen einfach mal fragen:

  1. Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen mit Blackboard in der Lehre: Denken Sie, dass eine einfache Plattform zum Bereitstellen von Dateien durch Studierende / Dozierende, die zusätzlich einen integrierten Email-Verteiler besitzt, anstelle des Blackboards ausreichen würde? Ja, Nein, Weiß nicht.
  2. Entspricht die Art und Weise wie Sie zur Zeit Blackboard in der Lehre nutzen ihrer persönlichen Vorstellung dessen was „e-Learning“ ausmachen sollte? Ja, Nein, Weiß nicht.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

BKA beschlagnahmt Seminarlisten in Bremen – an der FU wäre es Dank SAP CM einfacher gewesen

Mai 23, 2007

Wie der AStA Bremen berichtet, war auch der Bremer Dozent Dr. Fritz Storim von der G8-Massenrazzia Anfang des Monats betroffen:

„Diese [Hausdurchsuchung] richtete sich gegen den Lehrbeauftragten Dr. Fritz Storim, welchem nach §129a die ‚Bildung einer terroristischen Vereinigung zur Verhinderung des G8-Gipfels‘ vorgeworfen wird. Die Bundesanwaltschaft kommentierte Ihr Handeln mit den Worten: ‚Die heutigen Untersuchungen sollten Aufschluss bringen über die Strukturen und die personelle Zusammensetzung von diesen Gruppierungen, und dienten nicht in erster Linie zur Verhinderung von konkreten Anschlägen. Dafür gab es keine Anhaltspunkte.'“ (AStA Bremen, 23.05.07)

Bei der zeitgleichen Durchsuchung von Privaträumen Storims wurden unter anderem auch sämtliche TeilnehmerInnenlisten seiner Seminare der letzten Jahre sichergestellt. Der AStA dazu: „Es muss davon ausgegangen werden, dass alle SeminarteilnehmerInnen Dr. Fritz Storims von der Polizei und dem Staatsschutz überprüft und die gewonnenen Erkenntnisse sowie die Verbindung zu einem potenziellen Terroristen (ihrem Dozenten) in den entsprechenden Datenbanken gespeichert werden“.

Auf dem OSI-Verteiler war nachzulesen, dass der Verdacht völlig aus der Luft gegriffen ist, denn „weder Dozent noch Seminarteilnehmer haben je vom G8-Gipfel gehört und wollten auch nie dahinfahren; selbstverständlich lehnen sie alle auch Gewalt gegen Polizisten ab.“ Ein leicht sarkastischer Unterton, allerdings ist die Konstruktion eines solchen Generalverdachts wirklich absurd.

Die FU ist in dieser Hinsicht wesentlich fortschrittlicher, Dank des SAP Campus Managements müsste der Staatsschutz im Falle eines Falles hier nicht mühselig erst Wohnungen nach TeilnehmerInnenlisten durchsuchen, eine kurze Abfrage im Campus Managements reicht völlig, um zu ermitteln wer wann wo bei wem in welchem Seminar war. Und der Datenschutz, nun ja, wir wissen ja, was der an der FU im Zweifelsfall wert ist.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen das SAP Campus Management betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

CeDiS will in den RCDS eintreten

Mai 17, 2007

Neues vom Weblog Publishing System der FU, CeDiS hat das giftgrüne Theme versenkt und dafür etwas in dunkelblau hervorgezaubert („Falls es Nutzer gibt, die sich das alte Theme zurückwünschen, mögen Sie sich bei uns melden“ *rofl*). Damit kommt CeDiS endlich einer alten FUwatch-Empfehlung nach (siehe „Das neue Weblog Publishing System der FU“).

Das blaue Theme wirkt deutlich angenehmer und ist in verschiedenen Varianten erhältlich, die sich durch ein zentrales Fotomotiv im Header unterscheiden. So kann man auch ein Theme für den Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften wählen auf dem dann eine Tafel-Ausriss zu erkennen ist, auf dem folgende Sprüche stehen:

  • „Wieso – es gibt doch Runge!“
  • „Der Weghorn ist unser Lebensborn“
  • „Gerd ist lieb“
  • „RCDS umfunktionieren – alle sofort eintreten.“
  • „Schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft“
  • „Im Rektorat ist heute eine ganze Weinladung angekommen“
  • „Haut dem Ludz aufn Putz“
  • „Wann geht der nächste Schwan“

Huu-Wiiiii, sind wir heute aber frech; und der RCDS wird sich bestimmt auch freuen. Der neue Blog-System-Pusher bei der CeDiS, Wolfgang Neuhaus, preist weiterhin die neue Möglichkeit Blogs auch „nicht-öffentlich“ einzusetzen (z.B. wenn ein lehrveranstaltungsbezogener Blog nur für die LV-TeilnehmerInnen lesbar sein soll). Auch sonst gibt man sich redlich Mühe, die Vorzüge einer Blogbegleitung für LVs dem Zielpublikum schmackhaft zu machen (etwa hier und hier).

Doch es nutzt alles nichts, es gibt in diesem Semester nicht eine einzige Lehrveranstaltung, die die FU Blogs ausprobiert. Zwar befindet sich das Blogsystem noch in einer Testphase, aber wenn man auch für das kommende Wintersemester nicht wenigstens ein oder zwei Dozierende bequatschen kann, wird das echt bitter. Immerhin heißt es auf der Startseite „Suche in allen 69 Blogs“, es wurden demnach also schon 69 eingerichtet (Huu-Wiiiii). Darunter z.B. „Nadia’s schöner blog“, „Mongolei“ oder Infos über den FC Bayern und die Snooker-WM, blühende Landschaften in der Blogosphäre made by CeDiS.

Kein Wunder also, dass auch der offizielle Admin-Blog nicht gerade durch eine hohe Posting-Frequenz auffällt und CeDiS-Chef-Blogger Stefan Cordes lieber seinen externen, privaten Blog vorantreibt. Dort äußert er unter anderem auch seine Empörung („ein unglaublicher Vorfall“) über die Hamburger „Maulkorb-Affäre“ (auch FUwatch berichtete über den Fall). Dass die Nutzungsbedingungen des FU-Blog-Systems ebenfalls einen Maulkorb-Passus enthalten, der es untersagt, über etwas zu bloggen, dass „das Ansehen der FU schädigt oder den Interessen der FU entgegensteht“ (siehe dazu ausführlich „Wie CeDiS den neuen Blog von FU-Präsident Dieter Lenzen löschte“), thematisiert er dagegen lieber nicht.

Und so ist denn sicherlich auch die wichtigste Neuerung im Weblog Publishing System der FU eine Import/Export-Funktion, die es unter anderem auch erlaubt Backups zu machen.

P.S.: Auch an der Blackboard-Front gibt es Neues, CeDiS konnte im letzten Semester wieder eine Zunahme der Benutzung verzeichnen. Wie das real aussieht, darf ich dieses Semester wieder miterleben. Ich bin in zwei Kursen, in denen die Dozierenden Blackboard ausschließlich zur Dateiablage nutzen. Wobei die Studierenden ihre Handouts nicht selbst reinstellen können, nein, viel mehr mailen sie ihr Material zunächst dem/der Dozierenden und die/der lädt es dann ins Blackboard hoch. Echtes E-Learning eben, Huu-Wiiiii.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

G8-Themenwoche: Copyright & Copyriot

Mai 9, 2007

In meiner täglichen Zusammenfassung einer G8-Themenwoche-Veranstaltung widme ich mich heute dem gestrigen Vortrag von Sabine Nuss (Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie PROKLA) mit dem etwas sperrigen Titel „‚Copy me – I want to travel‘ – Die Kommodifizierung von Wissen im informationellen Kapitalismus“, im KVV heißt es:

„‚Copy me – I want to travel‘ so lautet der Titel eines Songs von Bernadette La Hengst zum Thema ‚Copyright‘. In diesem Lied ruft ‚die Idee‘ dazu auf, dass die Leute sie doch kopieren mögen, dass sie kollektiv sei, dass sie gerne reisen möchte und dass sie nicht eingesperrt sein will…

Das Lied ist künstlerischer Ausdruck und Reflex gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um Urheberrechte, die seit der Durchsetzung von Digitalisierung und Internet neu ausgehandelt werden. Doch nicht nur Urheberrechte stehen zur Debatte. Die Formierung Geistigen Eigentums für bislang noch nicht kommodifzierte Sphären, bzw. die weltweite Durchsetzung existierender Rechtstitel auf geistig-kreative Schöpfung ist in weit mehr Anwendungsgebieten virulent geworden. So steht zum Beispiel Patent- und Markenschutz auf der Agenda des diesjährigen Gipfeltreffens. In dem Seminar soll dargelegt werden, was das Besondere an Geistigem Eigentum ist (im Gegensatz zu Sacheigentum) und welche Rolle diese Rechtsform im Kontext des globalen Konkurrenzkapitalismus spielt. Im Mittelpunkt der Ausführungen steht neben der kurzen Darstellung des aktuellen Konflikts um Patent- und Urheberrechte die theoretische Grundlegung von (Geistigem) Eigentum, die in den aktuellen Debatten zumeist stillschweigend vorausgesetzt, bzw. naturalisiert wird. Vor diesem Hintergrund sollen und können dann häufig aufgeworfende Thesen und Fragen diskutiert werden: Ist Geistiges Eigentum wirklich die Rechtsform des 21. Jahrhunderts? Steht Geistiges Eigentum aufgrund der neuen Technologien zur Disposition? Sind alternative Produktionsweisen wie Freie Software, Open Access oder Filesharing die (Wissens)Produktionsweisen der Zukunft und weisen gar über herrschende Verhältnisse hinaus? Wie reproduzieren sich ‚WissensarbeiterInnen‘ Zeitalter von ‚Copy me‘ angesichts solcher Produktionsweisen?“

Der Bernadette La Hengst Song war zwar schon ganz passend, noch flüssiger geht allerdings der Titel von Nuss‘ Dissertation von der Zunge „Copyright & Copyriot“. Und da ein zentraler Punkt der Diss (eine „Abrechnung“ mit dem emanzipatorischen Anspruch der OpenSource-Bewegung) auch Gegenstand des Vortrags war, habe ich diesen Blog-Eintrag auch nach der Diss betitelt.

Neue Distributionswege und neue Vervielfältigungstechnologien

Geistiges Eigentum unterliegt im Zeitalter der Digitalisierung und Computisierung ganz neuen Bedingungen. Eine kopierte Musik-Kassette büsste mit jedem Kopiervorgang an Qualität ein, eine mp3-Datei kann dagegen 1:1 kopiert werden, also ohne Qualitätsverlust. Die Kopie muss zudem nicht physisch von A nach B transportiert werden, sie wird über das Netz virtuell transferiert (okay, letztlich ist es natürlich auch ein physischer Prozess, aber ich denke, es ist klar, was gemeint ist). Diese neuen immateriellen Güter sind im Gebrauch, sie werden aber nicht verbraucht, sie können beliebig oft und sehr leicht reproduziert werden.

Aufstieg der Peripherie

Zeitgleich mit diesem Digitalisierungs-Prozess sind gewaltige Veränderungen auf dem Weltmarkt zu beobachten, Länder der Peripherie, besonders die so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), erleben einen enormen ökonomischen Boom und sind für die G8-Staaten von besonderem Interesse (wobei Russland ja bereits G8-„Semi“-Mitglied ist), da hier immense Absatzmärkte locken.

Kampf den Produktpiraten

Umso wichtiger ist es für die G8-Staaten jedoch auch, dass sie neue Mechanismen der Eigentumssicherung finden, denn diese ist die Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens und im Fall von geistig-kreativen Schöpfungen besonders schwer zu gewährleisten. So sagen z.B. 90% der in China tätigen europäischen Unternehmen von sich, sie sein von Produktpiraterie betroffen. Und da Deutschland das europäische Land mit dem stärksten ökonomischen Engagement in China ist, kann es nicht verwundern, dass Produktpiraterie in Heiligendamm auf der Agenda steht. Natürlich bezieht sich Produktpiraterie nicht nur auf immaterielle Güter, diese sind aber auch immer stärker davon betroffen.

Das Eigentumsrecht wird durch die Möglichkeiten des Internets stark herausgefordert, passt sich aber langsam diesen neuen Gegebenheiten an. Dazu zählen z.B. auch Kampagnen, die gezielt das Unrechtsbewusstsein beim illegalen Musik- und Film-Download schärfen sollen. Trotz des zunehmenden Erfolgs legaler File-Sharing-Netzwerke in den letzten Jahren kommen auf einen legalen Download immer noch 14 illegale.

Damit sich das ändert setzt man natürlich auch auf neue Technologien, wie das Digital Rights Management (DRM). Diese Schutzmechanismen, die das unkontrollierte Vervielfältigen unterbinden sollen, sind aber selbst in der Content-Industrie inzwischen umstritten. Diverse Unternehmen distanzieren sich inzwischen wieder von DRM, aus den unterschiedlichsten Gründen und Motiven, wie Nuss betont.

Drei verschiedene Positionen

Nuss differenziert zwischen drei unterschiedlichen Grundsatzpositionen, wobei die dritte so unterrepräsentiert ist, das ihr kaum Bedeutung zukommt. Die erste Position nehmen die Copyright-Befürworter ein, sie argumentieren, es gäbe schlicht weg keinen Anreiz für die Produktion von geistigem Eigentum, wenn es nicht auch geschützt werden könne.

Die zweite Position wird von Personen vertreten, die sich für ein schwaches Copyright einsetzen, aber eben nicht auf dessen völliger Abschaffung beharren. Sie argumentieren, dass immaterielle Güter eben nicht knapp sind (die vermeintliche Güter-Knappheit und die daraus abgeleiteten Allokationsprozesse stehen in jedem VWL-Lehrbuch an erster Stelle), es somit auch keine Legitimation gibt Dritte auszuschließen und ferner, dass der freie Zugang zu Wissen Voraussetzung ist, um weiteres, neues Wissen zu schaffen.

Die Anhänger der dritten Position verfolgen eine der zweiten Position ähnliche Argumentation, ihr Ziel ist jedoch die völlige Abschaffung von Eigentum (nicht nur geistigem), wobei „Eigentum“ hier privates, bürgerliches Eigentum meint.

Nuss‘ Kritik

Verkürzt kann man sagen, dass Nuss kritisiert, dass die Copyright-Kritiker mit ihren Argumenten und Ansätzen selbst nur innerhalb von kapitalistischen Strickmustern verweilen. Die Copyright-Kritiker bleiben sozusagen auf halber Strecke stehen, sie dehnen ihre Kritik am geistigen Eigentum nicht auf eine generelle Forderung der Abschaffung von bürgerlichem Eigentum aus. Nuss formuliert (Hervorhebung FUwatch):

„Download ist Diebstahl? Information wants to be free? Mit der Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wurden das unautorisierte Verbreiten von Computerdateien (File-Sharing) und Freie Software (Beispiel Linux) populär. Hitzige Debatten drehen sich seither um den Zugang zum gesellschaftlich produzierten Wissen in Zeiten unendlicher Reproduzierbarkeit. Verbinden die einen mit einer restriktiven Eigentumssicherung im Netz (Copyright) Wachstum und Wohlstand, so fordern die anderen ein weniger restriktives Copyright-Regime zugunsten des Allgemeinwohls. Wiederum andere betrachten den teilweise mittlerweile illegalisierten freien Informationsfluss oder alternative Lizenzen im Internet (Copyriot) als subversiv und wollen damit über die bestehenden Herrschaftsverhältnisse hinaus. In all diesen Debatten wird dabei ein spezifisches Eigentumsverständnis stillschweigend vorausgesetzt. Aber erst ausgehend von einer grundsätzlichen theoretischen Bestimmung der Kategorie Eigentum läßt sich zeigen, wie und warum geistiges Eigentum für digitale Güter im informationellen Kapitalismus – entgegen aller Widerstände – formiert wird.

Christian Schmidt fasst es in einer Rezension von Nuss‘ Dissertation sicherlich ganz gut zusammen (Jungle World 11/07):

„… Problematischer als die mangelnde Reflexion der Szene auf ihre gesellschaftlichen Existenz­bedingungen findet Nuss aber die Beschränktheit ihrer Kritik am Kapitalismus. Dessen Ausbeutungs­modell beruht auf der Verteilung der Welt als Eigentum. Eigentum beschreibt nicht in erster Linie das Verhältnis einer Person zu einem Gegenstand, sondern die Möglichkeit einer Person, alle anderen vom Gebrauch einer Sache auszuschließen. Des­halb gibt es in der kapitalistischen Gesellschaft Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um überhaupt etwas zu haben.

Inzwischen ist dieses Regime des Eigentums so durchgesetzt, dass es uns nicht mehr als eine von mehreren Möglichkeiten einer sozialen Ordnung erscheint. Gegen diesen Schein der Natürlichkeit des bürgerlichen Eigentums argumentiert Sabine Nuss, indem sie zum einen sehr anschaulich die Unterschiede zu seinen historischen Vorformen darstellt und zum anderen gegen die Grundannah­men der wirkungsmächtigsten, auf der Verankerung des Eigentums in der menschlichen Natur beruhenden Theorien Einsprüche formuliert. Die Thesen, dass jeder Mensch immer nur seinen Nut­zen auf Kosten der Allgemeinheit maximiere oder das Interesse an einer effizienten Produktion nur durch den Erwerb von Eigentum zu gewährleisten sei, offenbaren so ihre Gebundenheit an die kapitalistische Gesellschafts­ordnung. Im Kapitalismus kommt es tatsächlich darauf an, seinen eige­nen Nutzen zu maximieren und sich bei der Arbeit weitgehend nur um das zu kümmern, wovon man auch etwas hat.

Verheerend an den Debatten um geistiges Eigen­tum ist nun, dass sie die Annahme von der Natür­lichkeit des Eigentums teilen. Die Diskussion erstreckt sich nur darauf, ob Produkte geistiger Tätigkeit Eigentum sein können bzw. werden sollen. Argumente wie jenes, die digitalen Güter seien im Gegensatz zu den künstlichen nicht knapp, sagen eben immer auch, bei materiellen Gütern – und das ist immerhin die übergroße Mehrheit – sei das Eigentumsregime gerechtfertigt, weil die eben knapp seien. Wer so diskutiert, kann Sabine Nuss zufolge nie in den Blick bekommen, dass die kapitalistische Ökonomie nicht nur eine Frage der Verteilung von Gütern, sondern vor allem eine Frage der Produktion von Waren ist. Die Ebene der Kritik an der Organisation der Produktion müsste eine echte Kritik der Eigentumsform deshalb erst noch erreichen.“

Kritischer fällt die Rezension von Stefan Meretz in „Streifzüge“ (39/07) aus:

„… In für mich irritierender Weise schreibt Nuss gleichwohl immer wieder von ‚Vergesellschaftungsform‘ oder ‚Vergesellschaftungsweise‘ und verweist gar auf die ‚Verwertung von Wert‘ als Prinzip, erklärt jedoch bis zum Schluss nicht, was sie darunter versteht. Erst beim erneuten Lesen fand ich den Grund für meine Irritation: ‚Bürgerliches Eigentum ist … bestimmt als ein historisch-spezifisches Produktions- und Herrschaftsverhältnis, welches gekennzeichnet ist von der Trennung der unmittelbaren Produzenten von den Produktionsmitteln und der Verwertung des Werts als dominierender Zweck gesellschaftlicher Reproduktion‘ (177). – Hier werden Eigentum und basale Vergesellschaftungsform verkehrt, denn umgekehrt wird ein Schuh draus: Nicht das ‚Eigentum‘ ist die basale Kategorie, deren Kennzeichen eine spezifische Vergesellschaftungsform ist, sondern die soziale Form der Vergesellschaftung über das Wertverhältnis als realabstraktive Praxis konstituiert das als Recht kodifizierte Verhältnis des abstrakten bürgerlichen Eigentums. Mit dem durch die Eigentumsbrille verengten Blick fallen in der Folge all jene Fragen aus, die sich auf das zugrunde liegende Wertverhältnis als der konstitutiven ‚gesellschaftlichen Hieroglyphe‘ beziehen könnten.

Daraus zieht die Autorin den Schluss, dass, wer sich nicht in einem bewussten politischen Akt gegen das bürgerliche Eigentum richtet, doch nur kapitalaffirmativ handelt. Den subversiven, ambivalenten und neue Möglichkeiten eröffnenden Charakter Freier Software- und Kulturbewegungen wird sie damit nicht gerecht. Im dritten Teil zu ‚Entwicklungstendenzen im informationellen Kapitalismus‘ lässt die Autorin folglich wenig gute Haare an Kritikerinnen und Kritikern des ‚geistigen Eigentums‘, da diese nicht das bürgerliche Eigentum zur Gänze in Frage stellten und etwa mit freien Lizenzen gleichfalls das Urheberrecht und damit das bürgerliche Eigentumsrecht nutzen würden.“

Natürlich konnten wir das Thema nicht in diesem ausführlichen Umfang diskutieren. Aus dem Vortrag und den nachfolgenden Fragen konnte man dennoch vieles mitnehmen. Diejenigen, die noch nie etwas von der OpenSource-Bewegung und ihrem Ansatz gehört hatten, bekamen einen ersten Einblick. Und diejenigen, die sich schon mit dem Thema befasst hatten, sind sicherlich durch Nuss‘ metakritischen Ansatz um einen Blickwinkel reicher geworden.

Die G8-Themenwoche bei FUwatch:

Alle Einträge zur G8-Themenwoche.

Niemand mag Hesse-Seminare

Mai 3, 2007

Morgen endet die Frist zur Anmeldung für Lehrveranstaltungen (LVs) über das Campus Management System. Wirft man heute einen Blick in das System, kann man daher sicherlich schon ganz gut die Verteilung der TeilnehmerInnen auf die verschiedenen Lehrveranstaltungen ablesen.


Modul „Internationale Beziehungen“, Stand: 03.05.07, 17 Uhr

So kann man dann auch etwas über die Beliebtheit einzelner Lehrveranstaltungen bei den Studierenden sagen. Denn Lehrveranstaltungen die auf besonders starkes Interesse stoßen haben deutlich mehr TeilnehmerInnen als solche, die offenbar als weniger interessant gelten.


Modul „Politisches System“, Stand: 03.05.07, 17 Uhr

Trotz des eingeschränkten Aussagewerts (es gibt diverse Gründe warum Studierende sich eine bestimmte LV heraussuchen, die nicht zwangsläufig etwas mit einem Interessenschwerpunkt zu haben müssen), kann man doch sicherlich einige Trends herauslesen. Wie z.B., dass die Lehrveranstaltungen von Prof. Hesse offenbar generell nicht besonders beliebt sind.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen das SAP Campus Management betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Das neue Weblog Publishing System der FU

April 18, 2007

Wie gestern schon angeschnitten, hat CeDiS Anfang März das FU-eigene „Weblog Publishing System“ in Betrieb genommen, welches sich allerdings noch in der Betaphase befindet, also noch getestet wird. Jeder der über einen ZEDAT-Account verfügt, kann sich allerdings an dem Test beteiligen und sein eigenes Blog anlegen. Man bekommt einen Bestätigungs-Link an seine ZEDAT-Mailbox gesendet und erhält dann nach erfolgter Registrierung eine weitere Email mit einem Default-Passwort.

WordPress MU hat das Rennen gemacht

Neben der generellen Diskussion im letzten Semester, ob es überhaupt notwendig und sinnvoll ist, dass die FU ein eigenes Blog-System anbietet (Übersicht siehe hier), hatte es bereits im Sommersemester 2006 eine erste Diskussion in mehreren FU Blogs gegeben, welches Blog-System denn verwendet werden soll (siehe hier).

Durchgesetzt hat sich am Ende offenbar WordPress MU (WPMU), eine spezielle „Multi-User“ Variante der bekannten Blog-Software WordPress. Die MU Version bietet der FU die Möglichkeit selber Blog-Anbieter zu werden, jeder Studierende / Dozierende kann sich sein Blog schnell und bequem einrichten.

Der bekannteste Blog-Anbieter der WPMU im Einsatz hat ist zur Zeit WordPress.com (wo offensichtlich u.a. auch FUwatch seine Heimat hat). Das bietet eine gute Vergleichsmöglichkeit, weil WordPress.com zeigt, was man im Idealfall alles aus WPMU herausholen kann. Die Auswahl an Widgets und Features ist recht vielseitig, der Service läuft in der Regel stabil, das System insgesamt erscheint robust und unverwüstlich.

Bisher nur ein Theme

Natürlich hat CeDiS zunächst nur eine Basisvariante von WPMU im Einsatz. Es gibt nur ein Theme im Stil des FU Corporate Designs. Wobei man hier das Giftgrün aus dem schmalen Balken gleich als Hintergrund für den ganzen Header gewählt hat, was wenig geglückt wirkt, da das Grün dafür einfach zu grell ist. Besser wäre hier vielleicht ein Spiel mit Blautönen gewesen, das Corporate Design bietet Hell- und Dunkelblau als zentrale Elemente an. Auf Dauer dürfte dieser Einheits-Look etwas nerven (nicht nur wegen dem Grünton), es bleibt daher zu hoffen, dass es demnächst weitere Themes zur Auswahl gibt, um den optischen Auftritt wenigstens etwas individualisieren zu können.

Bereits eingerichtete Blogs auf blogs.fu-berlin.de

Ein kurzer Google-Abgleich findet bereits 12 FU Blogs:

Ein Blick in diese Liste zeigt, dass es bisher noch keine nennenswerten Blogs gibt, was aber aber auch einfach darauf zurückgeführt werden kann, dass es das Angebot erst seit März gibt, man wird sehen, wie sich die Sache jetzt zu Beginn der Vorlesungszeit des neuen Semesters entwickelt. Obgleich das System noch in der Betaphase steckt, kann sich ja schon jedeR DozentIn und jedeR StudentIn einen Blog einrichten.

Spam-Filter wurde nachgerüstet

Von den diversen Widgets die es für WordPress bereits gibt, fehlte zu Beginn sicherlich am meisten ein effektiver Spam-Filter. Zwar ermöglichen es die Einstellungen den Blog so zu konfigurieren, dass nur registrierte Nutzer (also solche mit ZEDAT-Account) kommentieren können oder jeder Kommentar vom Blog-Inhaber vor seinem Erscheinen abgesegnet werden muss, die Default-Einstellung sieht jedoch vor, dass jeder Blog-Besucher Blogeinträge kommentieren kann, solange er einen Namen und seine Emailadresse angibt. Diese Standard-Einstellung führt in der Regel schnell zu Kommentar-Spam, wenn es keinen entsprechenden Filter gibt.

Konsequenterweise hat CeDiS das Blog System inzwischen mit einem solchen Spam-Filter nachgerüstet, wer einen Blog-Eintrag kommentieren möchte, muss neben einem Namen und der Emailadresse auch die Summe aus zwei zufällig generierten Zahlen angeben, um zu beweisen, dass er kein Bot ist (die Spamverteilung erfolgt ja i.d.R. maschinell). Das reicht im Normalfall, um Spam zu unterbinden.

Die Alternative, die Kommunikation zwischen den Blogs (Kommentare, Trackback) auf ZEDAT-Nutzer zu reduzieren, erscheint wenig reizvoll. Zumindest würde man damit die Chance zunichte machen, die Kommunikation über den universitären Tellerrand hinaus auszudehnen.

Impressumspflicht und fragwürdige Nutzungsbedingungen

Kontrovers diskutiert wird in der Blogosphäre zur Zeit die denkbare Einführung eines allgemeinen Verhaltenskodex für Blogs / Blogger (vgl. z.B. SPON, 10.04.07 und Heise, 12.04.07). Gegenstand dieser Selbstkontrolle-Diskussion ist unter anderem auch die Frage, ob es so etwas wie eine Selbstkennzeichnung für Blogs geben soll bzw. ob anonyme Blog-Einträge und Blog-Kommentare nicht geächtet werden sollten.

Die FU hat diese Frage für sich schon beantwortet, auf jedem Blog steht ganz unten der unscheinbare aber eben doch lesbare Hinweis auf den Inhaber des Blogs mit Vor- und Nachname. Der Name wird aus den ZEDAT-Daten hergeleitet und kann nicht geändert werden. Theoretisch ist es denkbar, das Pseudonym das über jedem einzelnen Eintrag steht zu ändern (was bei mir nicht funktioniert, bei anderen aber offenbar schon), der Impressums-Hinweis mit dem vollen Namen des Bloggers am Ende der Seite bleibt aber in jedem Fall bestehen. Auch die Nutzungsbedingungen des Blog System schreiben explizit vor, dass der echte Vor- und Nachname anzugeben sind.

Ob das unbedingt notwendig ist, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Faktisch würde es auch reichen, wenn die FU intern verifizieren kann, wer für welchen Blog verantwortlich ist. Wollte man der Impressumspflicht gemäß TMG (ehem. TDG) ernsthaft nachkommen wollen, würde der Name allein ohnehin nicht reichen. Mal abgesehen davon, dass § 5 TMG nur „für geschäftsmäßige, in der Regel gegen Entgelt angebotene Telemedien“ gilt. Aber der Sachverhalt ist etwas komplizierter (vgl. Telepolis, 26.02.07).

In jedem Fall dürfte es viele potentielle Blogger abschrecken, die keine Lust darauf haben, dass ihr volle Name breit auf ihrem Blog nachzulesen ist. Ebenfalls abschreckend ist der Passus innerhalb der Nutzungsbedingungen, der es den Blog-Nutzern untersagt, über Dinge zu bloggen, die das Ansehen der FU schädigen oder den Interessen der FU entgegenstehen (FUwatch berichtete). Eine kritische Bestandsaufnahme der FU-Hochschulpolitik ist damit z.B. nicht möglich bzw. kann von der FU ggf. leicht mit einem Verweis auf einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen unterbunden werden.

Fazit

Die Nutzungsbedingungen müssten also entschärft und die Meinungsfreiheit gestärkt werden. Die öffentliche Zwangsbekanntgabe von Vor- und Nachname auf dem Blog sollte abgeschafft werden, es reicht wenn die FU weiß, wer für den jeweiligen Blog verantwortlich ist.

Technisch lassen sich keine größeren Defizite ausmachen, sicherlich fehlt noch das ein oder andere Widget, die Basisfunktionen (Kommentarmöglichkeit, Linkliste (Blogroll), Tags (Kategorien), Trackback, RSS, Spamschutz, SSL-Login, etc.) sind jedoch alle vorhanden. Auch die offizielle FAQ-Liste ist, wenn auch nur „geborgt“, ausführlich und informativ.

Was man zur Zeit am meisten vermisst, ist eine Statistik-Option. Diese muss ja nicht gleich so ausführlich wie bei WordPress.com ausfallen, aber zu wissen, wie viele Besucher der Blog täglich hat und wie diese Besucher auf den Blog gekommen sind (Links, Google, etc.), wäre sicherlich ganz nützlich. Falls das nicht zu bewerkstelligen ist, sollte man alternativ die Möglichkeit haben, den Code von externen Counter-Anbietern in den Blog einzubinden.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Wie CeDiS den neuen Blog von FU-Präsident Dieter Lenzen löschte

April 17, 2007

Wie bereits im letzten Semester angekündigt, hat CeDiS inzwischen den Probebetrieb eines eigenen Blog-Systems für die FU aufgenommen. Jeder Studierende / Dozierende der über einen ZEDAT-Account verfügt, kann sich anmelden und einen eigenen Blog einrichten, der dann unter http://blogs.fu-berlin.de/Mustermann zu finden ist.

Am 1. April habe ich das neue System gleich mal ausgetestet und aus Spaß dem Datum entsprechend einen Blog auf „Dieter Lenzen“ registriert (blogs.fu-berlin.de/dieter-lenzen), immerhin hat unser Präsident noch keinen Blog, da könnte ich ja ein wenig für ihn bloggen.

Ich konnte allerdings meinen Nickname (in diesem Fall meinen Realnamen) nicht ändern, der über jedem Eintrag steht. Zwar steht am Ende der Blog-Site ganz unten in jedem Fall der volle Name des ZEDAT-Account-Inhabers, aber dieser Vermerk ist optisch relativ unscheinbar (und lässt sich auch nicht ändern). Der Name der klar über jedem einzelnen Eintrag steht ist allerdings nur ein Nickname und sollte sich ändern lassen, was aber nicht funktionierte. Mein geplanter Aprilscherz ein paar fiktive Einträge als Dieter Lenzen zu veröffentlichen fiel somit ins Wasser, nur den Blog als solchen ließ ich erst mal bestehen.

Drei Tage (sic!) später erhielt ich dann eine Email von Stefan Cordes, dem für das Blog-System verantwortlichen CeDiS-Mitarbeiter, der mich darüber aufklärte, dass mein Blog gelöscht wurde, da er gegen die Nutzungsbedingungen verstoße:

„Sie haben sich am 1. April 2007 auf dem Blogsystem der Freien Universität Berlin ein personalisiertes Weblog eingerichtet.

Dabei verstoßen sowohl die von Ihnen gewählte Url (blogs.fu-berlin.de/dieter-lenzen) als auch der verwendete Titel des Blogs (‚Hier bloggt der Präsident‘) gegen die Nutzungsbestimmungen des Blogsystems der Freien Universität.

Wir haben daher Ihren Blogaccount vorübergehend deaktiviert und bitten Sie um eine Stellungnahme bzw. die Gewähr, dass Sie das Blogsystem zukünftig im Sinne der Nutzungsbedingungen nutzen werden. Anderenfalls sehen wir uns gezwungen, Ihren Account dauerhaft zu sperren.“

Natürlich versicherte ich Herrn Cordes in einer „Stellungnahme“ zukünftig nicht mehr gegen die Nutzungsbedingungen zu verstoßen und klärte ihn darüber auf, dass es sich nur um einen Aprilscherz gehandelt hat. Tatsächlich hatte ich die Nutzungsbedingungen vorher gar nicht gelesen, was ich nun aber nachholte. Die interessantesten Passagen:

„… §3 (2) Die bei der Registrierung angegebenen Daten müssen korrekt und vollständig sein. Insbesondere darf die verwendete BlogURL nicht gegen übergeordnete Interessen der Freien Universität Berlin verstoßen (Beispiele: blogs.fu-berlin.de/praesident; blogs.fu-berlin.de/kanzler etc.)…

§4 (1) Jede/r Nutzer/in ist verpflichtet, den Namensbereich ihres/seines persönlichen Profils zu vervollständigen. Insbesondere sind die Angaben zu Vor- und Nachname wahrheitsgemäß zu machen.

§6 (1) Der/die Nutzer/in hat jede Art der missbräuchlichen Nutzung, nach § 6 Abs. 2 dieser Nutzungsbedingungen, des Weblog Publishing Systems zu unterlassen… (2) Eine missbräuchliche Nutzung liegt insbesondere vor, wenn über das Blog, … e) das Ansehen der Freien Universität Berlin geschädigt wird oder die Nutzung ihren Interessen entgegensteht. (3) Die Freie Universität behält sich vor, den öffentlichen Inhalt von Blogs stichprobenartig zu überprüfen.“

aus: Allgemeine Nutzungsbedingungen für das Weblog Publishing System der Freien Universität Berlin, Abgerufen: 17.04.07

Interessant sind die Beispiele in §3 (2) für URLs die „gegen übergeordnete Interessen der Freien Universität Berlin verstoßen“, als hätte man bei der CeDiS schon geahnt, dass Studierende versucht sein könnten, URLs wie blogs.fu-berlin.de/dieter-lenzen zu registrieren. Da ich die Nutzungsbedingungen vorher nicht gelesen hatte, kann ich nicht sagen, ob diese Beispiele erst nach meinem Aprilscherz aufgenommen wurden oder schon immer da standen (formal müssten alle Änderungen der Nutzungsbedingungen laut §9 (3) im Admin-Blog bekannt gegeben werden). Wie auch immer, der Passus mit den „übergeordnete Interessen“ der FU ist ja noch nachvollziehbar, um Fake-Blogs die angeblich von FU-Angehörigen geschrieben werden zu verhindern.

Wesentlich fragwürdiger ist da schon §6 (2) e), wo davon die Rede ist, das nichts gebloggt werden darf, dass das Ansehen der FU schädigt oder den Interessen der FU entgegensteht. De facto erlaubt es dieser Passus der FU solche Blogs zu löschen, die sich kritisch mit der FU bzw. Geschehnissen an der FU auseinandersetzen. Man sagt dann eben ggf. einfach, dass die unbequeme Darstellung eines Sachverhalts den Interessen der FU entgegensteht und schon ist der Blog gelöscht.

Der Passus bietet eine Steilvorlage für Zensur und widerspricht auch stark dem „Gegenöffentlichkeits“-Gedanken, den man gemeinhin mit Weblogs / der Blogosphäre assoziiert: „Manche sehen im Aufkommen von Weblogs und deren starker Verbreitung insbesondere in den USA eine neue Form von Graswurzel-Journalismus, die in Europa leicht in die Tradition des Herstellens von Gegenöffentlichkeit gestellt werden kann“ (Wikipedia).

Diese essentielle Idee hinter dem Bloggen kippt die FU kurzerhand über Bord, das Blog-System dient als plätschernde Begleitung von Lehrveranstaltungen oder als persönliches Tagebuch. Kritik sollte wenn, dann bitte schön nicht über die FU geäußert werden.

Es bleibt dann die rein pragmatische Frage, wer überhaupt das FU Blog-System nutzen soll. Die wirklich aktiven Blogger im Umkreis der FU sind alles Personen, die sich aktiv mit (hochschul)politischen Fragen auseinandersetzen. Diese werden mit restriktiven Nutzungsbedingungen vergrätzt und bleiben vermutlich eher bei anderen Blog-Hostern.

Was bleibt ist die Zuversicht der Verantwortlichen, dass das FU-Blog-System zunehmend im Kontext von LVs genutzt wird bzw. Studierende und Dozierende anminiert, auch einen persönlichen Blog zu führen. Wie an anderer Stelle ausgeführt, stehen die Chancen dafür aber nicht allzu gut.

Morgen gibt es bei FUwatch einen ersten Testbericht über die technische Funktionalität des „Weblog Publishing Systems“ der FU.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Open-Source-Anwälte schrecken Blackboard Inc. auf

Februar 9, 2007

Wie berichtet versucht Blackboard Inc., Hersteller der auch an der FU eingesetzten „Blackboard Academic Suite“, seine Konkurrenzen mit dem Anspruch auf ein E-Learning-Patent aus dem Verkehr zu ziehen. Das von Blackboard Inc. gehaltene Patent umschreibt so fundamentale Funktionen eines Learning Management Systems (LMS), das es Blackboard Inc. de facto zum Monopolisten auf dem LMS-Markt machen würde.

Nach Angaben von heise open, ist es Open-Source-Anwälten der Software Freedom Law Center (SFLC) nun zumindest gelungen, das US-Patentamt zur Überprüfung des besagten Patents zu bewegen. Blackboard Inc. ruderte daraufhin erst mal zurück und veröffentlichte ein „Patent Pledge“ („Patent-Gelöbnis“):

„Mit einem ‚Patent Pledge‘ (‚Patent-Gelöbnis‘) sagt die Firma zu, niemals Ansprüche aus bereits zugeteilten oder erst beantragten US-Patenten oder ihren Versionen in anderen Ländern gegen Open-Source-Software oder von Bildungsinstitutionen selbst entwickelte E-Learning- oder Kursmanagement-Software geltend zu machen.“ (heise open 02.02.07)

Mit anderen Worten, Blackboard Inc. gibt sich großzügig und postuliert andere Learning Management Systeme zukünftig zu tolerieren, denkt aber gar nicht daran, das Patent aufzugeben. Die SFLC-Anwälte halten das Patent nach wie vor für ungültig und versuchen weiterhin es zu kippen.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Ubuntu-Aufstand im PC-Pool niedergeschlagen

Februar 8, 2007

Wie Ende letzten Jahres berichtet, war es subversiven Elementen gelungen Ubuntu Linux auf einigen Windows-Rechnern im PC-Pool zu installieren. Möglich wurde dies, da man bei einigen der PCs die Boot-Reihenfolge ändern konnte, ohne ins Passwort-geschützte BIOS zu müssen. So war es möglich den Rechner über eine CD zu booten und Ubuntu aufzuspielen. Auf den betroffenen Rechnern koexistierten dann Windows und Linux mit je einer eigenen Partition.

Nach ersten misslungenen Versuchen dem ein Ende zu machen (Ubuntu wurde wenn gelöscht einfach wieder neu installiert), stiegen die Pool-Admins schließlich hinter die Methode und deaktivierten über Weihnachten einfach die Möglichkeit alternativ auch über CD booten zu können.

Offenbar schmissen sie Ubuntu allerdings nur recht halbherzig runter, die Windows Partition umfasst bei mindestens einem Rechner immer noch nur 20 GB, die ausstehenden anderen 20 GB sind demnach immer noch durch die Ubuntu Partition belegt. Allerdings kommt man da nicht mehr ran, der Ubuntu-Aufstand wurde somit erfolgreich niedergeschlagen.

CeDiS startet neue Umfrage zum Thema e-Learning an der FU

Februar 7, 2007

Nachdem es von CeDiS im Juli 2006 bereits eine Umfrage zum Thema e-Learning mit dem Schwerpunkt Blackboard gab, dann zum Jahreswechsel evaluiert werden sollte welche „Web 2.0“ Features die Studierenden im Alltag bereits nutzen, gibt es nun eine dritte Erhebung mit der Frage, „Was bringt e-Learning für Studierende?“.

Alle Studierenden sollten inzwischen die Aufforderung zur Teilnahme in ihrer ZEDAT-Mailbox gefunden haben und auch über Blackboard wird in einem Announcement wieder für die Umfrage geworben.

In jüngster Zeit hatte es eine Kontroverse darüber gegeben, was das e-Learning-Angebot von CeDiS überhaupt bringt, bzw. im welchen Umfang die bereitgestellten Dienste (wie Blackboard) eigentlich nachgefragt werden, was eventuell verbessert werden müsste. Nun versucht auch CeDiS dieser zentralen Frage auf den Grund zu gehen und befragt die Studierende nach ihren Erfahrungen und Verbesserungsvorschlägen.

P.S.: Interessanterweise beträgt die Anzahl der Fragen ausgerechnet 42 ;-).

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Wozu ein FU-eigenes Blogging-System?

Februar 5, 2007

In der Diskussionsrunde mit Dr. Apostolopoulos ging es am vergangenen Donnerstag auch um die Frage, ob die FU wirklich ein eigenes Blogging System braucht. Der CeDiS-Mitarbeiter Bruce Spear beantwortete die Frage warum die FU überhaupt Blogging Services anbieten sollte im letzten Sommer in seinem Blog wie folgt:

„The idea for implementing blogging came first in the context of discussions over the limits of Blackboard’s communications features: that integrating blogging in Bb would give students more communications opportunities than they currently have. Shortly thereafter, blogging appeared to make sense for integration in the student portal, too, as we are developing a multi-levelled approach, which may well appear in the manner of tabs, from top-down, including, a centralized calendar, announcements and information from the FB and programs, Bb integration, and on down to student groups: for students, we need a way to make it VERY EASY to write comments, collect them, and create channels for them, and blogging is one of the fastest and most popular ways people are posting things to the web: anyone can set up a blog in minutes, creating an rss feed is simple, and with that feed a connection can be made on the portal.“ (Bruce Spear: „Why should the FU offer bloging services?“, 10.08.06)

Unbestritten wird ein Blogging-Service innerhalb von Blackboard die Kommunikationsmöglichkeiten für Studierende erweitern. Die interessantere Frage ist jedoch, ob die Studierenden diese Möglichkeiten dann auch nutzen werden.

Meine persönlichen (und nicht nur meine), langjährigen Semestererfahrungen haben mir immer vor Augen geführt, dass nur ein kleiner Bruchteil meiner KommilitonInnen bereit ist sich im Kontext einer Lehrveranstaltung intensiver mit der Nutzung von virtuellen Möglichkeiten (Wikis, Blogs, Forensysteme, Chatrooms etc.) auseinanderzusetzen. Und CeDiS hat in der Vergangenheit mit dem Blackboard ja ganz ähnliche Erfahrungen gemacht, denn nur ein Bruchteil der bereitgestellten Funktionen des System wird von Studierenden und Dozierenden tatsächlich genutzt. Ob das nun wirklich automatisch dadurch besser wird, dass man die Kommunikationsmöglichkeiten durch ein integriertes Blogging-Service noch mal erweitert?

Ronnys Argument (und sicherlich nicht nur seines) ist, man müsse das System ja erstmal einführen, um es den Studierenden überhaupt „schmackhaft“ machen zu können. Mein Gegenargument ist, dass die Praxis in der Vergangenheit gezeigt hat, dass das so offenbar nicht funktioniert. Daher mein Gegenvorschlag, zunächst gründlich zu evaluieren, inwiefern in der Studentenschaft wirklich ein Bedarf nach einem Blogging-Service besteht. Diesen Schritt spart sich CeDiS freilich, Blogging ist neben anderen Web 2.0 Feataures das „In“-Ding schlecht hin, also wird es einfach eingeführt.

Innerhalb der Diskussionsrunde am letzten Donnerstag kam dann auch das Argument auf, Dozierende die für ihre Lehrveranstaltungen unbedingt Features wie einen Blogging-Service anbieten wollen, könnten sich dazu genauso gut einen externen, kostenlosen Anbieter wie z.B. wordpress.com oder blogger.com suchen. Was braucht es da einen Blogging Service von der FU?

Das zentrale Stichtwort von Dr. Apostolopoulos war daraufhin zunächst Integrität. Diese sei viel höher, wenn das mit der Veranstaltung verbundene Blog-Angebot ebenfalls von der Universität kommen würde. In der Erwiderung wurde dann jedoch darauf hingewiesen, dass das nicht zwangsläufig so sein müsse. Auch kommerzielle Anbieter erlauben es heutzutage ihre Angebote optisch anzupassen, so kann man in ein Blog-Template problemlos das FU-Logo einfügen und wenn der Blog dann zum offiziellen Blog der Lehrveranstaltung erklärt wird, welcher Studierende hätte dann noch ein Problem mit der „Integrität“ des Angebots?

In diesem Punkt tendiere ich allerdings eher zur Position der CeDiS. Eine Universität sollte grundsätzlich sicherstellen können, dass die Studierenden für ihre Lehrveranstaltung nicht auf externe, kommerzielle Web-Angbeote zurückgreifen müssen. Nicht immer, aber oft, sind diese kostenlosen kommerziellen Angebote durch Werbung finanziert und Werbung hat grundsätzlich nichts auf dem Campus verloren, weder real noch virtuell (obwohl wir natürlich wissen, dass das an der FU ohnehin längst nicht mehr die Realität ist, Rost- und Silberlaube sind zugepflastert mit Werbeplakaten). Hinzu kommen andere zentrale Punkte wie die Kontrolle über das System, Datensicherheit und -schutz. Das bei einem externen, kommerziellen Anbieter in jedem Fall sicherzustellen, dürfte schwierig sein.

Dennoch bleibt es aber eine Abwägungsfrage: Ist der Bedarf nach einem Blogging-Service wirklich so groß, dass die FU einen eigenen anbieten sollte? Sind kommerzielle Angebote trotz aller oben aufgelisteten Nachteile nicht vielleicht sogar benutzerfreundlicher? Wenn sich nur eine „Handvoll“ von Studierenden und Dozierenden wirklich für Web 2.0 Features wie Blogs interessiert, ist das dann schon Legitimation genug die finanziellen Mittel in ein FU-eigenes System zu investieren?

Das zweite Stichtwort von Dr. Apostolopoulos lautete Corporate Identity. Die „moderne Universität“ legt wert darauf, dass sich die Studierende mit ihr identifizieren können (bzw. dass die Uni auch nach außen als einheitlicher Akteur wahrgenommen wird). Und das bedeutet eben nicht nur, dass die Studis mit FU-Sweatshirts rumlaufen oder das alle FU-Websites im Zuge eines Corporate Designs optisch gleich aussehen, sondern auch, dass die Kommunikation zwischen den Studierenden über universitäts-eigene Systeme abläuft. Als Beispiele nannte Dr. Apostolopoulos hier US-Universiäten wie Yale oder Stanford, bei denen ein eigener Blogging-Service eben auch als Bestandteil der eigenen Corporate Identity gesehen wird.

An dieser Stelle kommt das Haben-wollen-was-alle-anderen-auch-haben- Syndrom zum tragen. Was die elitäre Ivy League vorführt, muss man natürlich sofort übernehmen. In diesem Kontext ist die Einführung des Blog-Service dann endgültig nur noch Teil eines Hypes, eines Internet-Trends.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

ZEDAT-Blackboard-Fusion führt nicht zu Datenbank-Fusion

Februar 4, 2007

Wie berichtet, läuft zur Zeit ein Prozess, der die bisher eigenständigen Blackboard-Accounts mit den ZEDAT-Accounts verknüpft. Spätestens ab dem Wintersemester 2007 / 2008 werden sich FU-Studierende daher nur noch mit ihrem ZEDAT-Account in das Blackboard-System einloggen können.

Wie die Potsdamer Kommilitonin Katharina FUwatch berichtete, läuft an der Uni Potsdam ein vergleichbarer Prozess ab, dort kann man sich laut Katharina bereits seit diesem Semester nur noch mit dem zentralen Universitäts-Account (PULS) im Blackboard-System anmelden.

An der FU findet diese „Account-Fusionierungswelle“ (neben Blackboard soll später z.B. auch der Zugang zum OPAC über den zentralen ZEDAT-Account möglich sein) in der Studentenschaft nicht nur AnhängerInnen. Einerseits mag es bequem sein, nur noch einen zentralen Account für alle FU-Services zu benutzen. Andererseits, so die Befürchtung, laufen so auch Daten bei der ZEDAT zusammen, die bisher in unabhängigen Systemen abgelegt wurden. Damit steigt das theoretische Missbrauchspotential.

Der Datenschutzspezialist des AStA, David Gutzmann, beschrieb die Problemlage im Kontext des geplanten Studierendenportals (welches u.a. die oben beschriebene Account-Zusammenlegung beinhaltet) unlängst wie folgt:

„Studierende müssen von der Hochschule erwarten können, dass die gesetzlichen Anforderungen an ein solches Softwaresystem hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit voll erfüllt werden. Dass sie aber in Sachen Datenschutz an der FU besonders genau hinsehen sollten, wird nicht zuletzt dann klar, wenn mensch sich anschaut, welches Verhältnis die Verwaltung der FU zum Datenschutz zu haben scheint.“ (David Gutzmann: „Stop_Control“ in: Out of Dahlem, Nr. 6, Winter 06/07, S. 25 (zur Zeit noch nicht online gestellt))

Im folgenden Absatz macht der Kommilitone David dann anhand des Umgangs der FU Verwaltung mit der behördlichen Datenschutzbeauftragten der FU, Ingrid Pahlen-Brandt, deutlich, was er meint. Er bemängelt, dass sich die FU von ihrer Datenschutzbeauftragen deutlich distanziert, was implizieren würde, dass Datenschutz kein so großes Anliegen für die FU sein kann. In dem Artikel finden sich weiter zahlreiche konkrete Fallbeispiele, bei denen die FU Verwaltung sich in Sachen Datenschutz fragwürdig verhalten hat.

Aus dem fragwürdigen Verhalten der FU-Verwaltung in Sachen Datenschutz in der Vergangenheit wird also ein erhöhtes Risiko des Datenmissbrauchs (bzw. des unzureichenden Datenschutz‘) für die Zukunft hergeleitet. Ein Risiko, das jetzt umso größer ist, wenn Daten über Studierende zunehmend immer mehr zentral und immer weniger dezentral hinterlegt werden. Wer erst einmal Zugang zum zentralen System hat, hat nun – die entsprechenden Rechte vorausgesetzt – leichter Zugriff auf Daten, auf die er bisher schon allein deshalb viel schwieriger zugreifen konnten, weil sie in einem anderen, autonomen System hinterlegt waren.

Die Kommilitonin Katrin hat sich mit dem ZEDAT-Mitarbeiter Jörg Bechlars mal genauer über die Thematik ausgetauscht. Herr Bechlars ist Leiter des „Compute & Medien Service (CMS)“ der FU Berlin. Unter dem Dach des CMS wird unter anderem auch der „FU Directory and Identity Service (FUDIS)“ betrieben, der für die zentrale Datenbank mit allen Daten für die Informations-, Authentisierungs- und Autorisierungsdienste an der FU zuständig ist. Vereinfacht ausgedrückt: Jörg Bechlars ist unter anderem für die zentralen ZEDAT-Accounts verantwortlich.

Herr Bechlars betonte gegenüber Katrin, dass die Datenbanken der Systeme nicht zusammengelegt würden, lediglich die Authentifizierung laufe über die ZEDAT. Katrin fasst es wie folgt zusammen:

„Es handelt sich NICHT um eine Zusammenlegung der Datenbanken, so bleiben Blackboard (Kurse), ZEDAT (Bsp. Mail), und Campus Management (Noten) weiterhin getrennte Datenbanken, nur die Authentifizierung läuft über die ZEDAT, mit der dann die Daten z.B. bei der Anmeldung in den verschiedenen Systemen abgeglichen wird. Die ZEDAT wiederum bekommt von einer weiteren Stelle (vermutlich irgendwas vom Immatrikulationsbüro) dann die Daten, wer denn überhaupt (noch) Student ist.“

Das Problem ist damit aber natürlich nicht aus der Welt. Denn selbst wenn es mehrere Datenbanken bleiben, der Zugang erfolgt mit einem zentralen Authentisierungsverfahren.

Besser wäre es, wenn es für jede einzelne Datenbank auch einen eigenen Zugangs-Account gäbe. Wie bisher gäbe es dann für OPAC, Blackboard und ZEDAT-Dienste jeweils ein anderes Benutzerkonto. Drei verschiedene Login-Namen mit drei verschiedenen Passwörtern für drei verschiedene Systeme, die dann jeweils auf eine eigene Datenbank zugreifen.

Nur voneinander unabhängige Datenbanken zu besitzen, wenn der Zugang zu diesen Datenbanken mit ein- und demselben Account erfolgt, wird Kritiker innerhalb der Studentenschaft vermutlich nicht zufriedenstellen.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Wie die Entscheidung pro Blackboard zu stande kam

Februar 3, 2007

Wie berichtet, war der Leiter des CeDiS, Dr. Apostolopoulos, am Donnerstag zu Gast am IfS, um sich den Fragen der Studierenden bezüglich des E-Learning-Angebots von CeDiS zu stellen. In einer ersten Zusammenfassung wurde anhand der zentralen Aussagen zunächst das „CeDiS-Prinzip“ skizziert. Im folgenden soll noch einmal etwas detaillierter auf Fragen hinsichtlich der Einführung von Blackboard im September 2004 eingegangen werden, die in der Zusammenfassung zunächst außen vor geblieben waren.

Mangelnde Transparenz bei der Entscheidung für das Blackboard System

Bevor CeDiS im September 2004 Blackboard als offizielles LMS der FU einführte, testete man auch alternative Learning Management Systeme. Die CeDiS-Studie die letztlich zur Entscheidung für das proprietäre Blackboard und gegen OpenSource-Alternativen wie Moodle führte, wurde bis heute nicht auf der CeDiS-Website veröffentlicht. Warum eigentlich nicht?

Grundlage der Entscheidung war ein sehr umfassender Fragenkatalog mit gut 140 Fragen. Nach der Auswertung entschied sich ein eingesetztes Lenkungsgremium für Blackboard. Prinzipiell steht einer Veröffentlichung des Fragekatalogs und des Abschlussberichts auf der CeDiS-Website nichts im Wege. Allerdings sieht Dr. Apostolopoulos hier die Gefahr, das Papier könnte „missverstanden werden“. Seine Sorge ist, dass Kritiker das Papier bis ins Detail auseinandernehmen und sich dann an irgend einer Kleinigkeit hochziehen. Besser finde er es daher, wie jetzt den Vorgang einem Auditorium mündlich zu erläutern (dazu weiter unten mehr).

Ingesamt also ein ziemliches Herumgeeiere: Prinzipiell könne man die für den Entscheidungsprozess relevanten Dokumente natürlich online stellen, aber wohl sei einem dabei nicht, da das Material so umfassend sei und eventuell fehlinterpretiert werden könne.

Entweder der Entscheidungsprozess für das Blackboard System und gegen seine Konkurrenten verlief sauber, dann sollte er für Dritte anhand der Dokumente auch problemlos nachvollziehbar sein, oder aber, er verlief nicht ganz so sauber. Nur im letzten Fall hätte man eigentlich einen plausiblen Grund, die Dokumente zurückzuhalten.

Blackboard und seine Alternativen

Wäre es wegen der anfallenden Lizenzkosten langfristig nicht besser gewesen auf ein OpenSource LMS zu setzen? Immerhin fährt die HU Berlin mit Moodle als offiziellem LMS offenbar auch ganz gut.

Nach Angaben von Dr. Apostolopoulos gab es damals (im Mai 2004) keine wirklichen Alternativen zu Blackboard. Das ebenfalls proprietäre (und später von Blackboard geschluckte) WebCT sei noch ein „Baby System“ gewesen (ausgenommen die von Dr. Gralki präferierte „Spezialvariante“, die damals schon irgendwo in der Schweiz eingesetzt wurde). Auch Moodle als OpenSource-Alternative sei bei weitem noch nicht soweit gewesen, in einer Produktivumgebung eingesetzt werden zu können. Über das von der Uni Köln entwickelte ebenfalls offene System ILIAS sagte Dr. Apostolopoulos sinngemäß, man höre nicht mehr viel von ihm und es sei heute hinsichtlich seiner Verbreitung offenbar in der Defensive.

Keineswegs sei man bei CeDiS per se gegen OpenSource-Software. Es sei jedoch nicht bewiesen, dass OpenSource wirklich günstiger sei. Seine These sei viel mehr, dass bei einem OpenSource-System mehr Personal benötigt würde. Und dennoch: Würde man dieselbe Entscheidung heute noch mal fällen, wäre es durchaus denkbar, dass man zu einem anderen Ergebnis kommt. Nur damals, 2004, hätte sich keine wirkliche Alternative zu Blackboard aufgetan. Der „historische Kontext“ in dem die Entscheidung gefallen ist, wurde von Dr. Apostolopoulos also stark betont.

Grundsätzliches Ziel war es ein einheitliches LMS für die gesamte FU zu schaffen. Blackboard hätte sich hier nicht zuletzt wegen seiner leichten Zugänglichkeit angeboten. Innerhalb von 2 Stunden sei es möglich gewesen Dozierende zu überzeugen, das System auszuprobieren. Was insbesondere in der Testphase von entscheidener Bedeutung war.

Ob Blackboard 2004 wirklich so alternativlos war, lässt sich nicht so leicht beurteilen. Man müsste sich sicherlich ansehen, welche anderen Learning Management Systeme 2004 schon irgendwo unter vergleichbaren Bedingungen (sic!) im Produktiveinsatz waren, und wie sie sich da „machten“.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

High Noon mit Dr. Apostolopoulos

Januar 31, 2007

Im Rahmen des Seminars „E-Learning – aktuelle Konzepte, Modelle und Evaluationen“ beantwortet der Leiter des CeDiS, Dr. Nicolas Apostolopoulos, morgen (01.02.) Fragen zum Thema „E-Learning an der FU“. Voraussichtlich wird es drei Schwerpunkte geben:

  1. Grundsätzliches zu CeDiS: Welche Aufgaben nimmt CeDiS an der FU wahr? Was für E-Learning-Angebote gibt es? Könnte das die ZEDAT nicht genauso gut erledigen?
  2. Blackboard: Braucht die FU wirklich ein einheitliches Learning Management System wie Blackboard? Was haben die Features die von Studierenden und Dozierenden zur Zeit hauptsächlich genutzt werden (Informations- und Dateienaustausch) überhaupt mit E-Learning zu tun? Warum hat man sich für das proprietäre Blackboard und gegen OpenSource-Alternativen wie ILIAS oder Moodle entschieden?
  3. Studierendenportal: Ist es datenschutztechnisch nicht bedenklich bisher autonome Systeme (OPAC, Blackboard, etc.) jetzt alle unter dem Hut von ZEDAT-Accounts vereinen zu wollen? Inwiefern existiert bei der Mehrheit der FU-Studierenden wirklich ein Bedarf nach so genannten Web-2.0-Features wie Blogs, Wikis oder einem „Campus Location Finder“? Werden hier die Ergebnisse der Umfrage tatsächlich maßgeblichen Einfluss haben, was am Ende ins Studierendenportal implementiert wird?

Die Veranstaltung findet im OEI, Raum 302b von 12-14 Uhr statt. Eine ausführlichere Version der Fragevorschläge findet sich im Seminar-Wiki. JedeR ist eingeladen, weitere Vorschläge zu ergänzen.

Update 03.02.07

Die finale Version des Fragenkatalogs kann hier heruntergeladen werden, ein Protokoll der Diskussionsrunde gibt es hier.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.