Archive for Juli 2008

RomanistInnen wehren sich mit offenem Brief gegen Stellenkürzung

Juli 18, 2008

Studierende des Instituts für Romanische Philologie haben einen offenen Brief an ihren Institutsdirektor, Prof. Dr. Joachim Küpper, geschrieben, um gegen eine geplante Stellenkürzung zu protestieren.

Konkret geht es um PD Dr. Luigi Catalani, dessen Stelle zum kommenden Wintersemester 08/09 auf der Kippe steht. In dem offenen Brief (der in voller Länge im FSI Blog nachgelesen werden kann) heißt es:

„Seine umfangreiche fachliche Kompetenz, seine Motivation und Begeisterung für sein Fach, seine Fähigkeit, diese Begeisterung auch in den Studierenden zu wecken: All dies trägt dazu bei, dass sich Herr PD Dr. Catalani deutlich und auf sehr positive Weise hervorhebt.

Es entzieht sich unserem Verständnis, wie es sich begründen lässt, dass hochqualifizierte Lehrkräfte wie Herr PD Dr. Catalani oder – um ein aktuelles Beispiel aus dem letzten Semester anzuführen – Herr PD Dr. Karimi vom Institut abgewiesen und zurück in eine unsichere Lage entlassen werden können. Auf wie viele herausragende Lehrende müssen das Institut und die Studierenden verzichten?“ (Offener Brief der Studierenden am Institut für Romanische Philologie, 17.07.08)

Dr. Catalani wäre demnach nicht der erste Dozent, der vom Institut in kurzer Zeit abgewiesen wird.

Auf Emaillisten hieß es zudem von seiten eines Studierendenvertreters, dass diese geplante Stellenkürzung vermutlich auch in Zusammenhang mit den 40 prozentigen Mittelkürzungen zu sehen ist, die der Berliner Senat für 08/09 aufgrund der hohen Abbrecherquote beschlossen hat.

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Master Konferenz an der FU – ab 495 Euro ist mensch dabei

Juli 17, 2008

Heute (17.07.) und morgen (18.07.) findet an der FU die laut Pressemitteilung „erste Master Konferenz im deutschsprachigen Europa“ statt. Unternehmen und Hochschulen wollen gemeinsam klären, wie die Master-Ausbildung am besten aussehen sollte, was an den bestehenden Verfahren vielleicht noch verbessert werden könnte:

„Ziel der Konferenz ist es, Unternehmen und Hochschulen miteinander ins Gespräch zu bringen. Unternehmen formulieren ihre Anforderungen und Erwartungen an die Master-Ausbildung – Hochschulen stellen ihr Angebot an weiterbildenden und praxisorientierten Studiengängen vor.

Geplant ist, ein Netzwerk der wichtigsten Institutionen und Entscheider zu begründen, um die Stärken der Master-Programme auszubauen, sie international wettbewerbsfähig zu machen und im Dialog mit der Wirtschaft zu verbessern.“ („Master im Praxistest“, FU-Pressemitteilung Nr. 151/2008, 28.05.08)

Soso, Unternehmen übermitteln ihre „Anforderungen und Erwartungen“ den Universitäten. Nicht, dass die Universitäten am Ende doch noch etwas anderes verfolgen, als eine Ausbildung von Studierenden wie die Wirtschaft sie sich wünscht.

Immerhin ist aber auch die Rede von „Wirtschafts- und Sozialforscher, die den Bologna-Prozess kritisch begleiten“. Wobei „kritisch“ hier vermutlich meint, die neuen Studiengänge werden dafür kritisiert, dass sie den Anforderungen der Wirtschaft noch nicht vollends genügen.

Weitere Informationen finden sich auf der Website master-konferenz.de, wo mensch z.B. nachlesen kann, dass sowohl der „Verband der Privaten Hochschulen e.V.“ als auch die „MLP Finanzdienstleistungen AG“ als neue Partner der Konferenz gewonnen werden konnten. Außerdem erfährt der/die geneigte LeserIn dass die Abendveranstaltung der Master Konferenz im „Stadtbad Steglitz“ stattfindet *rofl*.

Die eigentliche Konferenz läuft aber natürlich im Henry-Ford-Bau. Dort findet sich dann wichtige Damen und Heren aus Wissenschaft und Wirtschaft ein (inklusive der FU-Vizepräsidentin Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. sc. Christine Keitel-Kreidt), um über Themen wie „Corporate University“, „anwendungsorientierte Studiengänge“, „Assessment und Einstellung“ und „Master-Marketing“ zu referieren und zu diskutieren (das Programm findet sich hier).

Es versteht sich von selbst, dass bei einem solch gewichtigen Treffen nicht einfach jeder freien Zutritt erhält. TeilnehmerInnen „aus Hochschulen und Bildungseinrichtungen“ werden mit 495 Euro pro Person zur Kasse gebeten, TeilnehmerInnen „aus Unternehmen“ sind mit 695 Euro pro Person dabei. Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt, aber wer sich beeilt, kann vielleicht noch ein Ticket für dieses bahnbrechende Event abgreifen.

Out of Dahlem Nr. 7

Juli 16, 2008

Schlappe eineinhalb Jahre hat sich der AStA für die aktuelle, siebente Ausgabe der Out Of Dahlem (OoD) Zeit gelassen (die sechste Ausgabe erschien Anfang 2007). Eine viel zu lange Zeit bedenkt man, dass es sich um die wichtigste Publikation des AStA handelt, die idealtypisch sicherlich einmal pro Semester erscheinen sollte.

Auch vielen der Artikel merkt man leider an, dass sie zeitlich doch relativ lange vor dem Release geschrieben worden sind. Dazu zählt z.B. der Aufruf zur uniweiten Aktionswochen im Kontext des Protestsemesters, denn besagte Aktionswoche war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der OoD 7 bereits wieder Geschichte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, stattdessen einen Rückblick auf die Aktionswoche zu lesen, eine Analyse dessen was geklappt und was eher nicht geklappt hat.

Gleiches gilt für die „Erklärung zum 40. Todestag von Benno Ohnesorg“, die auf den 02.06.07 datiert, also inzwischen auch schon wieder über ein Jahr alt ist. Nun hat sie inhaltlich dadurch vielleicht nicht unbedingt etwas an ihrer Aktualität eingebüßt, trotzdem mutet es natürlich seltsam an, zu lesen, dass am 02.06.07 auch die Auftaktdemo mit Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, an der auch FU-Studierenden teilnehmen werden (sic!).

Inzwischen haben (sic!) sie aber ja dran teilgenommen und es wäre interessant zu lesen gewesen, wie z.B. im Vorfeld die G8-Woche am OSI (die nicht zuletzt auch der Mobilisierung diente) rückwirkend gesehen wird. Eine Veranstaltung an der Uni, die von Studierenden organisiert wurde – zumindest das sollte sich doch mit dem eingeschränkten Mandat des AStA in Einklang bringen lassen.

Bester Artikel im Blatt ist sicherlich jener von Heiner Keupp zum Thema „Unternehmen Universität“, der zuvor schon in den „Blättern“ erschienen war. Der Tenor des Artikels ist nicht neu, beschrieben wird der neoliberale Umbau des deutschen Hochschulwesens und die negativen Konsequenzen aus diesem Prozess.

Was ihn so lesenswert macht ist die Fähigkeit des Autors viele Aspekte dieser Reform anzuschneiden, dabei aber dennoch präzise und auf den Punkt zuzuschreiben. Von Bologna über die neue „Exzellenz“ bis zur „Drittmittel-Wissenschaft“ deckt der Autor ziemlich viel ab. Selbst die verwendeten Zitate passen sich so gut ein, dass sie fast wie extra für den Artikel geschaffen wirken.

Gut gelungen ist ebenfalls der Artikel über den Bibliotheksskandal von David, Felix und Sebastian, sowie der von Ralf Hoffrogge über Lenzens berühmtes Freiheitsdenkmal. Inhatlich bieten diese Artikel nicht so viel neues, sie gehören aber sicherlich zu den ausführlichsten die bisher zu den beiden Themenkomplexen verfasst wurden und sind damit wirklich lesenswert.

Ein weiterer ebenfalls sehr guter und ausführlicher Artikel von Mathias Bartelt über die letzten Studien zum Thema BA an der FU wurde hier schon an anderer Stelle angeschnitten (siehe „Der Mythos vom besseren Studium“). Er eignet sich gut, um sich die Verhältnisse vor Augen zu führen, die die Bologna-Reform an der FU verursacht hat.

Einen weiteren Schwerpunkt im Blatt bildet eine ausführliche Berichterstattung über den Kampf gegen den Bologna Prozess in Spanien. Deutlich wird dabei, dass die Reform in Spanien ähnliche Defizite aufweist und einer ähnlichen Kritik unterliegt wie hier in Deutschland. Dennoch gibt es auch ein paar Unterschiede, man kann durchaus auch vom spanischen Widerstand lernen wie die Artikel von Ralf Hutter und Ralf Hoffrogge deutlich machen.

Doch so wichtig es auch erscheint, hier den Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen und z.B. auch eine europäische Vernetzung des Protests anzustreben – es hätte vielleicht ein Artikel zum Thema gereicht (stattdessen hätte man dann vielleicht noch Platz und Zeit für ein anderes Thema übrig gehabt).

Auch weitere Artikel wie über die gegenwärtige Situation in Sachen Studiengebühren, die fragliche Stipendienvergabe in Deutschland oder die Ausbeutung von PraktikantInnen sind Themen, die alle Studierenden beschäftigen oder zumindest beschäftigen sollten.

Obwohl ein vom AStA publiziertes Magazin geht es im „Out of Dahlem“ also keineswegs nur darum, die Politik des AStAs in jedem zweiten Satz zu preisen (solche etwas nervigen Eigenwerbungspassagen halten sich zum Glück in Grenzen), sondern allgemein über hochschulpolitischen Themen zu berichten und sie kritisch zu beleuchten. So ideologie-geladen wie von AStA-KritikerInnen unlängst in einer FUwatch-Debatte unterstellt, wirkt die OoD gar nicht.

Die Aussicht, dass die Einführung von Studiengebühren keineswegs unvermeidlich ist (siehe zuletzt Hessen), der Umstand das Sprachtests für ausländische Studierende in der gegenwärtigen Form an der FU abschreckend und wenig praktikabel sind oder dass die Bologna Reform ziemlich missraten ist – diese und andere in OoD-Artikeln bezogenen Positionen sind gut belegt und es sind keineswegs nur die Positionen von AStA-AnhängerInnen. Wer die OoD daher auf ein reines AStA-Propagandablatt zu reduzieren versucht, dessen Perspektive ist schlicht und ergreifend nicht ausdifferenziert genug.

Ob die neu geplante „FU-Zeitung“ (FUZ) eine brauchbare Alternative zur OoD ist, wird sich im kommenden Semster herausstellen. Denn sowohl die FUZ-Redaktion als auch der AStA planen offenbar jeweils eine Sondersusgabe zum 60. FU-Jubiläum. Falls sich die Autoren nicht doch noch zusammenschließen, wird man dann also direkt vergleichen können, welches der beiden Blätter sich kritischer und substanzvoller mit der FU-Geschichte auseinanderzusetzen vermag.

GTFO – Die FU sendet eine sublime Botschaft an alternde Studierende

Juli 15, 2008

Mit einer auf jegliche Anrede verzichtende ZEDAT-Email erhalten Studierende (wahrscheinlich vorwiegend solche, die die FU in der „Abschlussphase“ ihres Studiums vermutet) zur Zeit eine Einladung zum „Forum Studienabschluss“, welches jedoch erst am 22.10.08 von 15 bis 20 Uhr im Seminarzentrum der FU (Otto-von-Simson-Str. 26) stattfindet, also noch ein gutes Stück in der Zukunft liegt.

Mit diesem zum wiederholten Mal stattfindenden „Hochschultag“ möchte man fast fertig studierten KommilitonInnen einen „Auftakt und Anstoß zu einem gut geplanten und motivierten Start“ in ihren Studienabschluss bieten. Weiter heißt es:

„Im Seminarzentrum der Freien Universität Berlin können Sie sich zwischen 15.00-20.00 Uhr über verschiedene Aspekte des Examens und der Examensvorbereitung informieren. Außerdem haben Sie Gelegenheit an moderierten Gesprächen zwischen Prüfern und Absolventen verschiedener Studiengänge teilzunehmen und die vielfältigen Angebote des Netzwerks Studienabschluss kennenzulernen ebenso wie fachspezifische Mentorenprogramme zur Examenvorbereitung.“ („Hochschultag: Forum Studienabschluss“, Zentraleinrichtung Studienberatung und psych. Beratung, 14.07.08)

Das Programm mit den verschiedenen Workshops liegt ebenfalls bereits vor. Inhaltlich beschäftigt man sich naheliegend mit Themen wie der Überwindung von Prokrastination und der Planung der Abschlussprüfung.

Laut Email ist das „Forum Studienabschluss“ eine Initiative des „Netzwerk Studienabschluss“ auf dessen Website man dann unter anderem auch an einer anonymen „Online-Befragung zur Studienmotivation“ teilnehmen kann.

Hach, wenn die FU doch nur halb so viel tun würde Studierende im Studium zu unterstützen wie sie es tut um sie wieder loszuwerden, was für eine zentrale Verbesserung wäre damit erreicht.

Aber im Ernst: Natürlich ist so ein Programm einerseits ein sinnvoller Ansatz Studierenden bei ihrem Abschluss zu unterstützen, andererseits wirkt eine solche Einladung aber auch als würde man in einem Restaurant dezent in Richtung Ausgang geschoben obgleich man vielleicht noch mitten beim Essen ist.

Rezension der sechsten OZ-Ausgabe

Juli 14, 2008

Eine generelle Strategie von Print-Medien gegenüber Online-Medien zu bestehen lautet bekanntlich, mehr in die Tiefe zu gehen, umso den Nachteil im Hinblick auf Aktualität auszugleichen. Eine Tageszeitung lesen im Internet-Zeitalter zunehmend weniger, wenn sie nur Informationen enthält, die mensch am Abend zuvor schon in einer Online-Publikation nachlesen konnte (wobei natürlich viele Tageszeitung selbst ihre Printausgabe vom nächsten Tag schon am Abend zuvor online zur Verfügung stellen).

Bezogen auf das Verhältnis von OZ und FUwatch bedeutet dies unter anderem, dass die OZ-Redakteure den beteiligten Akteuren auch hinterher telefonieren, Anfragen mailen, Interviews führen, bisher nicht publik gewordene Hintergründe recherchieren, usw. Eben alles Dinge, die FUwatch und andere FU-Blogs schon allein aus zeitlichen Gründen in dieser Form nicht leisten können.

Blog-Einträge erscheinen deutlich häufiger als Print-Magazine wie die OSI-Zeitung und würde man beim Bloggen dann parallel zur hohen Release-Geschwindigkeiten einen ähnlichen, mit dem von „regulären“ Publikationen vergleichbaren, hohen Recherche-Aufwand betreiben (was einige Blogger durchaus tun), würde das Bloggen schnell zum Fulltime-Job mutieren.

Gerade aber diese Hintergrundinformationen zu ermitteln und die Betroffenen auch selbst zu einem Statement gegenüber der OZ zu bewegen, scheint jedoch sehr schwierig, wie eine der neusten, sechsten Ausgabe beigelegte Sonderseite deutlich macht. Dort ist die Rede von ignorierten Anfragen, willkürlich nicht autorisierten Zitaten, Versuchen die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen und erst gegebenen, dann aber zurückgezogenen Interviews. So könne die OZ nicht wie von ihr gewünscht für mehr Transparenz sorgen. Die Redaktion schreibt:

„Wir werden dann in den Bereich des Spekulativen getrieben. Und gerade dieses Verhalten, dieses Zurückhalten der eigenen Meinung, führt am Ende meist dazu, dass die EntscheidungsträgerInnen stärker und kritische Stimmen immer schwächer werden.“ (Sonderseite der 6. OZ)

Und hier wäre meine Frage: Wieso denn? Wenn sich ein Akteur, sei es nun einE DozentIn oder z.B. der AStA, zu einem Vorwurf nicht äußern will, dann schreibt man eben notwendigerweise stärker im Konkunktiv oder stellt nur die Seite dar, die sich äußern will.

Letztlich ist es eine Frage der richtigen „Erziehung“: Den Kontaktierten muss klar gemacht werden, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, der Kommunikation mit der OZ nicht auszuweichen, weil bei einer Verweigerungshaltung die Berichterstattung dann eben mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einseitig und zu ihren Ungunsten laufen wird. Nicht aus „Rache“, sondern weil dann folgerichtig eben z.B. nur die Person zitiert wird, die ihren Standpunkt gegenüber der OZ deutlich gemacht hat.

Auch Informationen werden nicht erbettelt, sondern erkämpft – was die Bereitschaft voraussetzt, an einem gewissen Punkt dann auch Druck zu machen.

Die OZ-Redaktion könnte ihrem Anliegen für mehr Transparenz zu sorgen für den Anfang z.B. auch dadurch näher kommen, dass sie die entsprechenden Personen namentlich nennt, die im Nachhinein z.B. einfach ein Interview zurückziehen.

Zum Glück scheint aber die Verweigerung mit der OZ zu kommunizieren so krass auch wieder nicht zu sein. In ihrer Titelgeschichte über die Degradierung der Ideengeschichte-Professur zur Juniorprofessur zu gunsten von zwei neuen IB-Professuren lassen die Kommilitonen Marcel und Gerrit diverse Personen zu Wort kommen: Funke, Riedmüller und Rima die studentischen Vertreterin im FBR. Mit Riedmüller die den neuen Strukturplan verteidigt und Funke der ihn kritisiert, hat man auch beide Seiten in den Artikel einbinden können.

Das einzige was im Artikel fehlt, ist die rechtliche Fragwürdigkeit des „schlanken Verfahrens“ (zur Berufung der beiden IB-Profs). Dieses „verschlankte Verfahren“ wird zwar beschrieben, die Frage inwiefern es überhaupt rechtens war, wird im Artikel aber nicht diskutiert. Dass Zürcher und Chojnacki diese Professuren auf dem Tablett serviert bekommen, ohne sich einem regulären Berufungsverfahren stellen zu müssen, ist ein nicht unerheblicher Punkt in diesem Skandal, den man durchaus noch weiter hätte beleuchten können, als dies im Artikel passiert ist.

Auch die Namen „Risse“ und „Börzel“ fallen kein einziges Mal, obwohl sie z.B. auf der Diskussionsveranstaltung zum Thema (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) den neuen Strukturplan massiv verteidigt haben und man den Eindruck bekam, sie wären so etwas wie die „federführenden Architekten“ gewesen.

Man hätte dann Prof. Risse z.B. auch mal die Chance geben können, seinen Vortrag warum die Ideengeschichte angeblich nicht maßgeblich geschwächt wurde oder warum die Politische Theorie durch andere Teildisziplinen abgedeckt werden kann, noch einmal in schriftlicher Form in der OZ niederzulegen. Ich glaube, das wäre durchaus interessant zu lesen gewesen.

In seinem abschließenden Kommentar macht Marcel dann zumindest noch einmal sehr deutlich, warum die vorgebrachte Argumentation im Sinne von „Profilbildung“ des OSIs höchst fragwürdig ist.

Der meiner Meinung nach beste Artikel in der Ausgabe ist der über die unzumutbaren Situation für Lehrbeauftragte am Institut von Alina und Laurence. Gewiss, die Erkenntnis, dass Lehrbeauftragte am OSI ausgenutzt werden, obwohl sie zeitgleich inzwischen so etwas wie das eigentliche Rückgrat der Lehre bilden, ist nicht neu.

Alina und Laurence gehen aber viel tiefer, differenzieren zwischen Lehrbauftragten die sich ausgebeutet fühlen und solchen, die das nicht von sich sagen möchten. Weiter wird deutlich, dass es nicht nur um die schlechte materielle Versorgung der „Lehrknechte“ geht, sondern auch darum wie schlecht sie teilweise logistisch vom Institut unterstützt werden und was für eine starke Intransparenz bei der Lehrplanung herrscht.

Auch die reine Kommunikation, der Informationsfluss zwischen Institut und Lehrbeauftragten ist offenbar lausig, was in der Tat auch Rückschlüsse auf die offenbar nicht allzu große Wertschätzung des Instituts gegenüber seinen Lehrbeauftragen zulässt. Insgesamt ein solide ausgearbeiteter Artikel der Einblicke in eine Problemstellung gibt, die zwar jedem am OSI irgendwie bekannt ist, deren Ausmaß man so aber vermutlich nicht unbedingt immer präsent hat.

Wirklich lesenswert ist ferner der Beitrag von „Ruben McLoop“, auch wenn nicht ganz ersichtlich ist, warum er offenbar unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde, denn so brisant ist sein Inhalt ja auch nicht. In der bewusst als „subjektiv“ deklarierten „Betrachtung der Unipolitik“ berichtet der Autor anhand von fünf Thesen „vom Nutzen unrealistisch zu denken“ und über die Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Hochschul-Struktur einen kritischen Blickwinkel aufrecht zu erhalten.

Auch Josephines Beitrag zur Frage der Unterschiede zwischen dem Protest der 68er und der momentanen Studierenden-Generation, der aus einem Artikel zum Aktionstag und aus einem Interview mit Prof. Zeuner besteht, ist gut gelungen.

Einerseits skizziert sie darin, wie das von den 68er in Sachen Mitbestimmungsrechte Erreichte heute weitgehend abgeschafft wurde. Andererseits transportiert sie durch Zeuner auch eine Kritik an der gegenwärtigen Studierenden-Generation, die entweder gar nicht (da rein karriere-orientiert) oder falls doch meist nur isoliert auf ein Problem konzentriert protestiert und dabei die „gesamtgesellschaftliche Problematik“ aus den Augen verliert.

Besonders düster mutet die Stelle im Interview an, in der Zeuner auf die Frage, warum er ein Jahr früher aufgehört hat als er eigentlich musste, mit einem „symptomatischen Erlebnis“ aus seinem Lehralltag antwortet. Eine Kommilitonin kam zwei Mal zu ihm, um ein Attest einzureichen, da sie gefehlt hatte. Obwohl Zeuner sie nach seiner Darstellung schon beim ersten Mal darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er kein Wert auf solche Kontrollzwänge in Sachen Anwesenheit lege, kam sie offenbar erneut mit einem Attest zu ihm, als sie ein weiteres Mal gefehlt hatte.

Natürlich lässt sich nachvollziehen, wie desillusionierend es für Dozierende mit einer Vergangenheit wie Prof. Zeuner sein muss, wenn sie sich mit einer Generation von Studierenden konfrontiert sehen, denen die Verschulung und Kontrollen so ins Blut übergegangen sind, dass sie sie schon von sich aus von den Dozierenden einfordern; den Dozierenden als „Pauker“ wahrnehmen wie Zeuner es nennt.

Dennoch gibt es aber ja auch OSI-Studis die einer solchen „Gehirnwäsche“ nach wie vor standhalten, die dankbar für jeden Dozierenden sind, der auf solche Kontrollmechanismen und eine Lehre in Richtung Verschulung verzichtet. Und für eben jene Studierende wäre es sicherlich positiv gewesen, wenn Prof. Zeuner noch ein Jahr länger „durchgehalten“ hätte.

In ihrem Artikel über den „Bibliotheksskandal“ machen Hilke und Josephine deutlich, dass die Zusammenlegung von Bibliotheken an der FU schon viel länger andauert. Dieser „historische“ Abriss liest sich interessant und offenbart dabei auch Informationen, die mir zumindest bis dato nicht geläufig waren.

Dennoch kann man natürlich bei der Feststellung, das Ganze sei zu einem „undurchsichtigen Dickicht“ geworden zurückfragen, ob es nicht gerade der Job der OZ-Redakteure gewesen wäre, jetzt mal etwas mehr Licht in dieses Dickicht zu bekommen. Der Fokus des Artikels liegt auf der geplanten Integration der PolSoz-Bib in die UB und die Befürchung, die bisher autonome Fachbibliothek würde ihre Eigenständigkeit verlieren.

Der andere zentrale Punkt im Skandal, das geplante Aussortieren der Bücher, wird nicht angeschnitten. Wie viele Bücher sollen denn nun wirklich rausfliegen? Und wurden vielleicht schon welche aussortiert, wenn ja wie viele genau? Hier gibt es ja nach wie vor unterschiedliche Angaben.

Dann die Frage der schleichenden „Raum-Verdrängung“, über die die BibliotheksmitarbeiterInnen bereits jetzt klagen. Was ist dran an solchen Geschichten, wie etwa jener, dass Schlösser ausgewechselt wurden und Bücher in einem Kellerraum nicht mehr zugänglich waren? Wie schafft es der SFB solchen Druck auszuüben, läuft dies nur auf offizieller Ebene über Entscheidungen in den Gremien oder gibt es darüber auch inoffizielle Prozesse, wo ohne ausdrückliche Genehmigung versucht wird Fakten zu schaffen? Falls ja, wie sieht das genau aus?

Gerade die Frage, wer hier eigentlich hinter wessen Rücken was entscheidet, wäre ja mal interessant zu klären. Aber okay, vermutlich ist das Dickicht so dicht, dass es wirklich kein Durchkommen mehr gibt. Und doch müsste die OZ bei solchen Verstrickungen vielleicht mehr auf „Informanten“ setzen (unzufriedene MitarbeiterInnen gibt es überall), also nicht nur mit Informationen arbeiten, die sie über offizielle Kanäle erhält, sondern auch mit jenen die über die inoffziellen reinkommen.

Gerrit beschäftigt sich in einem Artikel und einem Kommentar mit der Frage nach den Rettungsplänen für das OSI-Dilpom. Er argumentiert, die Protestierenden würden einfach viel zu vorschnell urteilen, wenn sie etwa dem Dekanat unterstellen, es meine es mit seinem Rettungsplan für das OSI nicht ernst. Überzogen wirkt seine Formulierung, mensch würde dem Dekanat vorwerfen, es würde „zielgerichtet auf die Zerstörung des Studiengangs hinarbeiten“. Hat das wirklich jemand dem Dekanat so drastisch unterstellt?!

Das Argument ist ja eher, dass der Rettungsplan mit dem Aussetzen des Studiengangs so absurd ist, dass keiner den „Rettern“ abnehmen kann, sie meinten es ernst. Selbst wenn sie ihn also nicht gleich „zielgerichtet zerstören“ wollen, so taugt doch offenbar ihre Rettungsstrategie wenig. Der zentrale Vorwurf lautet also, FBR PolSoz, OSI-IR und AS schaffen es nicht gegenüber dem Berliner Senat standhaft zu bleiben bzw. knicken zu schnell ein.

Weiterhin arbeitet Gerrit ja selbst heraus, dass Dekanat wolle die „Auszeit“ für den Diplom-Studiengang nutzen, um den Master für diesen Zeitraum zu öffnen. Es geht also darum, mehr Leute in den Master zu bekommen, den Master zu stärken. Wenn das aber das Ziel ist, wer soll dem Dekanat dann noch abnehmen, es wolle das Diplom retten?

Leider bringt Gerrit das „Mathematiker-Argument“ nicht, denn dieses würde seine Position deutlich stärken. Wenn es den Mathematikern gelungen ist, ihren Diplom-Studiengang wiederzubeleben nachdem er zwischendurch abgeschafft wurde, dann beweist dies ja, dass das theoretisch durchaus machbar ist. Also ist der Rettungsplan vielleicht gar nicht so abwegig, wie bisher offenbar jeder dachte. Wenn dem aber so ist, kann man dem Dekanat z.B. auch nicht mehr einfach unterstellen, es sei ihm mit der Rettung des OSI-Diploms nicht wirklich ernst.

Kritik am elendig verreckten Protestsemester findet ebenfalls Platz in der aktuellen OZ. Statt dem etwas zu kurz wirkenden Interview mit der LHG und den Jusos wäre ein längerer Artikel aber vermutlich gehaltvoller gewesen. Man hätte also ein Mitglied der Jusos oder der LHG den Raum geben können, auch mal etwas ausführlicher zu skizzieren warum nach seiner/ihrer Ansicht das Protestsemester nichts geworden ist. Aber vermutlich fand sich hier einfach kein Autor (?).

Noch wichtiger wäre es aber gewesen, auch die Gegenseite zu wort kommen zu lassen. Obwohl die Unzufriedenheit mit dem Verlauf des Protestsemesters sehr groß zu sein scheint, muss es doch auch noch AktivistInnen geben, die sich dort engagiert haben und das Ganze als produktiv empfunden haben. Gerade weil die OZ darauf pocht, divergente Meinungen abzubilden, wäre es hier wirklich nicht schlecht gewesen, eine Gegenstimme ins Blatt zu holen.

Selbiges gilt für den asta-kritischen Artikel von Christa, dem keine Gegenposition gegenübergestellt worden ist (etwa durch ein AStA-Mitglied). Christa hat in einem FUwatch-Kommentar deutlich gemacht, dass es solche Versuche gab, der AStA aber offenbar zu keinem Interview bereit war.

Falls dem so war, sollte man sich dann aber vielleicht auch die paar Zeilen gönnen, den/die LeserIn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen („Die OZ versteht sich als vielseitiges Magazin, in dem divergente Positionen Raum zur Entfaltung gegeben wird, auch hier hätten wir gerne eine Gegenposition vertreten gesehen, doch die angeschriebenen AStA-Mitglieder XYZ und ABC waren für eine Stellungnahme nicht zu haben…“).

Tatsächlich ist das von Christa in ihrem Artikel skizzierte, arrogante Auftreten des AStAs wohl kaum als übertrieben abzutun. Dennoch enthält der Artikel auch ein paar steile Thesen, wie etwa jene, „viele“ Studierende würden sich nicht an den StuPa-Wahlen beteiligen, weil sie Angst hätten, einer asta-affinen Tarnliste auf den Leim zu gehen, obwohl sie den AStA eigentlich gar nicht unterstützen wollten. Tatsächlich sollten halbwegs informierten Studierende schon klar sein, welche Liste nun asta-tragend ist und welche nicht. Zumindest müsste Chrita ihre These an diesem Punkt mit irgend etwas untermauern.

Selbiges gilt für die Behauptung, die „ideologische Borniertheit“ verhindere, dass sich auch „weniger aktivistische, aber gleichermaßen betroffene Studierende“ von Widerstandsversuchen wie zuletzt im Protestsemester angesprochen fühlen. Tatsächlich gab es diese Kluft zwischen dem radikaleren, harten Kern („den üblichen Verdächtigen“) und den gemäßigten Protestierenden schon immer.

Das Interessante ist nun, dass sowohl beim Protest 2003/04 und 2005 diese Kluft noch größer war – zeitgleich aber mehr Studis mitgemacht haben. So gipfelte dieser Grundkonflikt im letzten wirklich echten Protestsemester 03/04 darin, dass es neben der regulären „Streikzeitung“ eine „alternative Streikzeitung“ gab, in der eine Minderheit der Protestierenden die Art und Weise der Stoßrichtung der Mehrheit der Protestierende kritisierte (im Sinne von „müssen gesamtgesellschaftlichen Kontext im Auge behalten“, etc.). Wenn nun 03/04 die Beteiligung aber trotz größerer Blockkonfrontation stärker war als 2008, kann die Blockkonfrontation kaum der zentrale Grund sein, warum das Protestsemester so elendig verreckt ist.

So legitim Christas Kritik am AStA auch sein mag, ihn als Sündenbock für das Ausbleiben des politischen Engagement abzustempeln – egal ob bei der geringen Wahlbeteiligung oder dem geringen Interesse am Protestsemester – ist eine Pauschalisierung die jeder empirischen Grundlage entbehrt. Sie kann ja nicht einmal Fallbeispiele nennen, wie beim aktuellen Protestsemester tatsächlich KommilitonInnen durch „ideologische Borniertheit“ abgeschreckt wurden.

Insgesamt ist der Beitrag von Christa trotzdem besser, als etwa der in der letzten Ausgabe über Sciences Po, wo mensch den Eindruck bekam, sie bleibt in ihrer Kritik auf halber Strecke stehen. Zusammen mit Gerrit hat Christa in der aktuellen sechsten Ausgabe vermutlich jene Artikel verfasst, die noch am ehesten als polarisierend wahrgenommen werden. Was positiv zu bewerten ist, denn wie an anderen Stellen mehrfach ausgeführt, ist ein gewisses Maß an Bissigkeit, Aggressivität einfach unabdingbar, sieht man sich mit unhaltbaren Zuständen konfrontiert.

Da die OZ als eines ihrer zentralen Merkmale ihre Meinungsvielfalt betont, wäre es für die Zukunft trotzdem wünschenswert, dass stärker als bisher darauf geachtet wird, verschiedene Positionen zum selben Thema einander gegenüberzustellen. Und selbst wenn sich dann z.B. niemand vom AStA zu einer Stellungnahme bereit erklärt, zumindest bei solchen Themen wie dem Protestsemester muss es neben den Kritikern doch auch Personen geben, die die Aktionen positiv bewerten und auch bereit wären, das Protestsemester in einem Artikel zu verteidigen.

Äußert sich aber trotz intensiven Versuchen tatsächlich niemand oder zieht z.B. ein Interview zurück, dann kann man in der Tat keine Gegenposition abbilden. Aber man muss den Kontaktierten zumindest versuchen deutlich zu machen, dass es zu ihrem Vorteil wäre, wenn sie ihre Chance Gegenposition zu ergreifen nutzen würden.

Wenn Personen dagegen einfach Angst haben sich zu äußern, da sie befürchten dann Repressalien zu erleiden, sollte man versuchen die Personen von denen diese Repression ausgeht ausfindig zu machen und dann auch namentlich nennen. Gleiches gilt für Versuche, die Stoßrichtung von Artikeln zu beeinflussen. Wenn jemand so etwas versucht, warum diesen Vorgang dann nicht auch mal selbst zum Gegenstand eines Artikels machen?

Zu schützen sind demgegenüber natürlich Quellen. Mehr als bisher sollte die OZ versuchen an Informationen von „Insidern“ und „Whistleblowern“ innerhalb des Lehr- und Verwaltungsapparats heranzukommen. Personen, die ihren Namen dann zwar nicht genannt sehen wollen, die als Quellen aber durchaus zuverlässig sind („Wie die OZ aus zuverlässiger Quelle erfahren hat…“). Auf diesem Weg wäre es der OZ noch stärker als bisher möglich, Informationen zu publizieren, die wirklich „heiß“ sind, also bis dato nicht bekannt waren und aus Sicht der Verantwortlichen eigentlich auch nicht bekannt werden sollten.

Zöllners Superstiftung droht abzuschmieren

Juli 12, 2008

Nachdem es zuletzt noch so aussah, als könnte sich Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner mit seiner Vision aus der gescheiterten „Superuni“ zumindest noch eine „Superstiftung“ zu machen durchsetzen (siehe „Die ‚Berlin Research University‘ ist tot – es lebe das ‚Berlin International Forum for Excellence'“), blockieren nun TU und FU offenbar doch auch die neuen Pläne.

Nach Angaben von Tagesspiegel und taz ist der Stein des Anstoßes die Sorge der Universitäten, sie würden nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Eine „Willenserklärung“ des Senats reicht ihnen nicht:

„Den Universitäten ist diese Willenserklärung zu schwammig. Zwar halten die Gremien und die Uni-Präsidenten die Super-Stiftung an sich für eine gute Sache. Doch treibt sie vor allem die Sorge über die zu erwartende Kostenexplosion in den Uni-Haushalten um.

Wegen der steigenden Pensionslasten und wachsender Energie-, Bau- sowie Personalkosten meinen die Universitäten ihren jetzigen Status quo nur erhalten zu können, sollte Berlin ihnen nach 2009 deutlich höhere Landeszuschüsse zugestehen – insgesamt in einer Größenordnung von 120 Millionen Euro jährlich.

Den Unis ist wohl bewusst, dass dieses für Berlin eine enorme Summe ist. Darum befürchten sie, das Land werde sich nicht beides leisten: die deutlich höheren Uni-Etats und die Super-Stiftung.“ („Zöllners böse Briefe“, Tagesspiegel, 10.07.08)

Der Tagesspiegel führt weiter aus, dass der Berliner Senat den Unis realistisch betrachtet kaum die Garantien geben werden wird, die sie einfordern.

Sinnig erscheint die einleitende Frage des Artikels: „Haben die Studenten noch eine Chance?“ Chance auf was, den Kollaps ihrer Unis? Auf eine mit Millionen aufgeputschte Forschungs-Stiftung in deren Schatten die Lehre weiter vor sich hinschimmelt?

Die 30 bis 40 Millionen die die Superstiftung pro Jahr bekommen soll, könnte man stattdessen auch direkt an die Berliner Unis verteilen und hier z.B. in die Lehre pumpen.

Davon mal ganz abgesehen scheinen die Bedenken, dass die Doppelbelastung aus Stiftungsuni und erhöhten Uni-Etats mehr ist, als der Senat in den kommenden Jahren wirklich aufbringen möchte, wohl nicht ganz unberechtigt. Lenzen und Kutzler tun also gut daran, in diesem Punkt stur zu bleiben und falls nötig Zöllners Prestigeprojekt endgültig gegen die Wand fahren zu lassen.

Sechste Ausgabe der OSI-Zeitung veröffentlicht

Juli 11, 2008

Es ist Juli und damit Zeit für eine frische OSI-Zeitung. Nachdem Marcel sie mir zukommen ließ, ist die inzwischen sechste Ausgabe der OZ hier verfügbar.

Darüber hinaus gibt es dieses Mal auch noch eine beigelegte Sonderseite, die hier erhältlich ist und von den Schwierigkeiten kündet, Transparenz zu schaffen wenn Anfragen nicht beantworten werden bzw. gemachte Interviews einfach zurückgezogen werden.

Kritik, Leserbriefe und Aktikelvorschläge können wie eh und je im Forum der OZ unter osizeitung.siteboard.de eingebracht werden. Ein Archiv aller bisherigen Ausgaben der OZ findet sich zudem unter sites.google.com/site/osizeitung.

Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig

Juli 10, 2008

Nachdm es zuletzt so ausgesehen hatte, als würde sich der Widerstand gegen den neuen OSI-Strukturplan langsam darauf beschränken, die „Transparenz-Kommission“ voranzubringen, machte die „Studentischen Initiative für Politische Theorie am OSI“ (StIPT) nun deutlich, dass der Protest immer noch weiterläuft.

So hat der AStA ein unabhängiges Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, dessen Befund inzwischen vorliegt. Demnach war der Strukturplan rechtswidrig, das so genannte „schlanke Berufungsverfahren“ nicht zulässig. In einer Stellungnahme der StIPT heißt es:

„Der Befund lautet: Die vom Fachbereichsrat (FBR) am 4.6.08 beschlossene Strukturplanänderung war rechtswidrig, da Struktur- und Personalentscheidungen vermengt worden sind.

Instituts- und Fachbereichsrat hatten die Einrichtung zweier Professuren beschlossen, die von Anfang an mit den Namen Sven Chojnacki (Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung) und Christoph Zürcher (Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik) verknüpft waren.

Das Rechtsgutachten betont, dass erst eine Stelle im Strukturplan eingerichtet sein muss, bevor über ihre Besetzung entschieden wird. Somit ist dem gesamten Berufungsverfahren die Rechtsgrundlage entzogen.“ (Stellungnahme der StIPT)

Leider wurde weder das Rechtsgutachten als solches veröffentlich noch wer genau es erstellt hat. Denn mit der „Unbhängigkeit“ von Gutachten ist das bekanntlich immer so eine Sache. Vermutlich kann das Rechtsamt der FU (welches das „schlanke Berufungsverfahren“ vorher offenbar als rechtlich machbar eingestuft hatte) seinerseits falls nötig relativ schnell einen „unabhängigen Gutachter“ aus der Tasche zaubern, der dann zu einem völlig anderen Ergebnis kommt.

Oder aber, das Rechtsamt verzichtet gleich ganz auf einen externen Gutachter und bewertet die Rechtslage selbst ein zweites Mal:

„Doch wenn jetzt alle FreundInnen der Ideengeschichte aufatmen: übertriebener Grund zur Freude ist dieses Gutachten nicht Das FU-Rechtsamt wird sowohl das Gutachten als auch dessen Gegenstand – die Strukturplanänderung – erneut prüfen; da das Rechtsamt in der Vergangenheit häufig ‚FU-freundlich‘ entschieden hat, kann es durchaus sein dass Lenzens Justiziare zu einem anderen Ergebnis kommen. In der Zwischenzeit nahen die Semesterferien, in der es die Studierenden erfahrungsgemäß schwer haben, sich zu organisieren und ‚am Ball zu bleiben'“. („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Dennoch lässt dieses Rechtsgutachten natürlich die Flamme des Widerstands weiterglühen. Und sollte es dem AStA und der StIPT wider Erwarten tatsächlich gelingen, den neuen Strukturplan auf diesem Weg doch noch zu kippen und die verkürzte Berufung von Zürcher und Chojnacki zu unterbinden, wäre das sicherlich ein spektakulärer Coup. Die FSI OSI schreibt:

„Im Extremfall könnte dies zu einer Klage und einer Rückgängigmachung der Strukturplanänderung führen – dann aber vermutlich zu einer Zeit, in der beide Lehrstühle (und die Juniorprofessur Ideengeschichte!) schon besetzt wären. Was mit Sicherheit weder der Atmosphäre am noch dem Ruf des OSI gut tun würde.“ („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Doch die FSI OSI sieht auch Kompromiss-Möglichkeiten. Etwa die laut Brose angeblich doch noch mögliche Aufstockung der Juniorprofessur zu einer W2-Vollprofessur. Eine andere Variante wäre, sich das Interesse des Präsidiums und des SFBs am Verbleib der zwei Dozenten zu nutze zu machen:

„Dazu müsste (am besten mit den Buchstaben des Gesetzes im Rücken) den Verantwortlichen klargemacht werden, dass wir den Strukturplan nur dann akzeptieren, wenn das OSI noch eine halbe Stelle mehr kriegt und somit die Ideengeschichte wieder zu einem vollwertigen Lehrstuhl wird.“ („Der Strukturplan schmeckt uns nicht!“, FSI OSI Blog, 09.07.08)

Die StIPT hat darüber hinaus zusammen mit Prof. Dr. Brigitte Rauschenbach auch einen Flyer veröffentlicht, der sich von einer ideengeschichtlichen Perspektive aus mit „Demokratie, Macht und Strukturentscheidungen am OSI“ auseinandersetzt und im Wortlaut im zweiten Teil des oben bereits zitierten FSI OSI Blog-Eiintrags nachgelesen werden kann.

Am nächsten Mittwoch (16.07.) wird es im Fachbereichsrat (FBR) um 9 Uhr s.t. im Hörsaal B der Ihne21 erneut um den Sachverhalt gehen, Interessierte sollten erscheinen.

OSI bekommt „Self-Assessment“

Juli 9, 2008

Wie die FSI OSI in ihrem Blog berichtet, soll das OSI im kommenden Jahr ein so genanntes „Self-Assessment“ bekommen, vergleichbar mit dem das die Uni-Mannheim bereits anbietet. AbiturientInnen die sich für das Studium der Politikwissenschaft interessieren, sollen dann auf der OSI-Website vorab abklären können, ob sie sich wirklich für das Fach eignen.

Empirisch belegt ist die Wirksamkeit solcher „Self-Assessment“-Checks offenbar aber noch nicht. Da sich die Implementierungskosten laut Prof. Massing aber in Grenzen halten, kann es vermutlich nicht so falsch sein, diesen Ansatz wenigstens mal auszuprobieren.

Problematisch ist jedoch die Frage, wie genau die Punkte im Check auf das OSI abgepasst werden sollen. Denn da es nicht nur um ein Studium der Politikwissenschaft im Allgemeinen gehen soll, sondern speziell am OSI, müssten die Fragen auch so ausgearbeitet werden, dass sie die Studien-Realität am Institut richtig widerspiegeln.

Massing wiegelte im IR in diesem Punkt offenbar ab und verwies auf die aktuelle Studienordnung, welche die Standards setze und keine Spielräume für unterschiedliche Sichtweisen ließe. Darüber hinaus existiere auch so etwas wie ein allgemeiner Konsens, was Politikwissenschaft sei.

Tatsächlich dürfte es nicht ganz so einfach sein, da unterschiedliche Dozierende im Detail sicherlich auch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, welche Voraussetzungen ein künftiger Studierender für das OSI mitbringen sollte, worum es im Kern am OSI geht.

Hier wäre es wichtig ein Konsens zu erzielen, also möglichst viele Dozierende in das Projekt einzubinden und ihren Beitrag beisteuern zu lassen. Konzeptualisiert dagegen nur ein Prof den Fragebogen (im Zweifelsfall vermutlich Massing als Didaktiker mit seiner Truppe selbst) wäre sicherlich die Gefahr da, dass das Self-Assessment zu einseitg wird.