Archive for Mai 2008

Akademischer Senat vertagt Entscheidung über OSI-Diplom

Mai 31, 2008

Wie der Kommilitone Marcel in einem FUwatch-Kommentar berichtet, hat der Akademische Senat (AS) in seiner Sitzung am 28.05. keine Entscheidung darüber gefällt, ob die Neuzulassungen für das OSI-Diplom zum Wintersemester 08/09 ausgesetzt werden sollen. Der Beschluss wird aber mit Sicherheit in der kommenden Sitzung fallen.

Viele Beobachte fürchten wohl nicht ganz zu unrecht, dass es bei diesem „einjährigen Moratorium“ nicht bleiben wird, diese Entwicklung viel mehr den Anfang vom Ende des Diplom-Studiengangs am OSI bedeutet (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“).

Der Kommilitone Batti verwies in einem weiteren Kommentar darauf, dass die Abschaffung des Diploms zum Wintersemester 08/09 hin schon seit drei bis vier Jahren beschlossene Sache gewesen sei. Der Versuch das Diplom zu retten, indem man den Studiengang „modularisierte“, also den neuen BA/MA-Studiengänge strukturell anglich, hat also offenbar wenig gebracht. Man konnte so die Abwicklung des Studiengangs hinauszögern, aber eben nicht wirklich unterbinden, wie jetzt immer deutlicher wird.

Dass der AS auf der letzten Sitzung noch nicht wie von OSI-IR und FBR erbeten, eine Aussetzung der Einschreibungen für den Studiengang beschlossen hat, lag nur am Veto der studentischen VertreterInnen im Gremium. Diese können ihr Veto aber nur einmal nutzen und da es auf der nächsten Sitzung vermutlich keine andere Gruppen geben wird, die ihr Vetorecht nutzt, wird dort dann der entsprechende Aussetzungs-Beschluss fallen.

Ähnliches Problem ergibt sich im Fachbereichsrat (FBR) des FB PolSoz bezüglich der Abstimmung über die geplante Änderung des OSI-Strukturplans. Die Schaffung zweier neuer IB-Professuren auf Kosten der Vollprofessur für Ideengeschichten (die zu einer Juniorprofessur werden soll) wird von vielen Studierenden kritisch gesehen („Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“).

Im FBR, wo über einen entsprechenden Beschluss des IR abgestimmt werden sollte, nutzten studentische VertreterInnen auf der letzten Sitzung ihr Vetorecht. Auch hier geht das aber vemutlich nur einmal, so dass der FBR in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch (04.06.) die Änderung des Strukturplans wie vom IR erbeten absegnen wird.

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Maybrit Illner an der FU

Mai 30, 2008

Am kommenden Montag (02.06.) findet um 18:30 Uhr eine Gesprächsrunde mit Maybrit Illner (ZDF) und Thomas Tuma (SPIEGEL) im Hörsaal A des Henry-Ford-Baus statt. Thema des Abends: „Die zerredete Republik – oder: Was bringen politische Talkshows wirklich?“. In der Einladung heißt es:

„Ist die Flut an politischen Talkshows in Deutschland noch ein Segen oder ist sie schon ein Fluch der Medienrepublik? Was kann dieses Format überhaupt an Information vermitteln? Und wie lassen sich Berliner Politrituale durchbrechen?

Unter der Überschrift ‚Die zerredete Republik – oder: Was bringen politische Talkshows wirklich?‘ bittet SPIEGEL-Redakteur Thomas Tuma den ZDF-Talkstar Maybrit Illner, Moderatorin der gleichnamigen ZDF-Talkshow, zum Interview. Die Einleitung spricht Professorin Christine Keitel-Kreidt, Vizepräsidentin der Freien Universität.“

Tatsächlich leiden die meisten Polittalkshows darunter dass die Themen nur recht oberflächlich diskutiert werden. Sie dienen oft eher der Profilierung der anwesenden „Spitzenpolitiker“ oder aber eben der Wirtschaftselite zur Vermittlung ihrer Ziele ans Volk (vgl. Walter van Rossums „Meine Sonntage mit Sabine Christiansen“). Den ganzen Zirkus kritisch zu betrachten, scheint daher angebracht. Ob diese Diskussionsrunde mit Maybrit Illner an der FU dazu einen Beitrag leisten kann, wird sich Montag herausstellen.

Die Tatsache dass Thomas Tuma die Diskussion leitet macht es aber zumindest wahrscheinlich, dass das Ganze recht unterhaltsam werden könnte. Wenn Tuma auf dem Podium nur halb so scharfzüngig ist, wie in seinen Glossen, dürfte es für Illner ein paar unangenehme Fragen geben.

Update 02.06.08

Die Veranstaltung wurde abgesagt, Frau Illner kann aus „persönlichen Gründen“ nicht. In einer FU-Pressemitteilung heißt es, man versucht einen Ersatztermin zu finden.

Spekulationen, dass diese „persönlichen Gründe“ etwas mit der Verstrickung von Illners derzeitigem Lebensgefährten René Obermann in den Telekom-Abhörskandal zu tun haben, wurden von einer Sprecherin Illners zurückgewiesen („Maybrit Illner sagt SPIEGEL-Diskussion ab“, Spiegel Online, 02.06.08).

Update 04.06.08

Wie die FU heute in einer weiteren Pressemitteilung bekannt gab, steht der Nachholtermin für die Diskussionsrunde mit Maybrit Illner jetzt fest. Am kommenden Montag (09.06.) soll die Veranstaltung um 18:30 Uhr im Hörsaal A des Henry-Ford-Baus stattfinden.

Treffen zur OSI-Strukturveränderung im Roten Café

Mai 27, 2008

Wie berichtet hat der OSI-Institutsrat (IR) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und dem Fachbereichsrat (FBR) vorgelegt, der darüber in der kommenden Woche am 04.06. abstimmen wird (siehe „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“).

Der neue Plan sieht unter anderem vor, die zurzeit unbesetzte W3-Professur für Ideengeschichte durch eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ umzuwandeln, die dann mit Sven Chojnacki besetzt werden soll (um diesen am OSI zu halten). Die Ideengeschichtsprofessur soll zeitgleich durch eine Juniorprofessur ersetzt werden.

Zudem soll eine weitere Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geschaffen werden, die auf Christoph Zürcher zugeschnitten wäre. Insgesamt würde der IB-Bereich damit also zwei weitere Professuren bekommen, während es in der Politischen Theorie keine Vollprofessur mehr geben würde.

Als besonders skandalös wird von Studierenden dabei neben dem Versuch diese Veränderung ohne vorherige öffentliche Diskussion am Institut durchzusetzen auch das nicht-öffentliche Ausschreiben der beiden neuen IB-Professuren empfunden. In einer Rundmail heißt es:

„Laut GG Art. 33 Abs. 2 muss jede öffentliche Stelle öffentlich ausgeschrieben werden. Im Falle von Zürcher und Chonjacki ist dies nicht möglich, da die Stellen ja von Vorneherein nur für sie geschaffen werden sollen.“

Wenn das so stimmt, es keine öffentlichen Ausschreibungen gibt, wäre also tatsächlich vorgesehen, Chojnacki und Zürcher direkt die beiden Professuren zuzuschanzen – ohne Berufungsverfahren (bei denen es dann auch GegenkandidatInnen zur Auswahl gäbe und eine Berufungskommission eingesetzt würde).

Um sich dagegen zu wehren, dass so weitreichende Änderungen vom FBR in der nächsten Woche einfach nur abgenickt werden, treffen sich Studierende heute (27.05.) um 16 Uhr im Roten Café. Interessierte sollten erscheinen.

Rückblick auf die Aktionswoche

Mai 25, 2008

Mit der Aktionswoche endete am Freitag vermutlich auch das „Protestsemester“. Ein guter Zeitpunkt für einen ersten, kritischen Rückblick.

Forderungen, welche Forderungen?

Forderungen gab es natürlich schon (siehe „Forderungen des FU Aktionsplenums“), sie standen allerdings nicht unbedingt im Mittelpunkt der Campus- und Aktionswoche, die zusammen ja den Kern des Protestsemesters bildeten.

Wünschenswert wäre es gewesen, dass die Forderungen zunächst auf den dezentralen Vollversammlungen zusammengetragen und dann anschließend auf der großen Gesamt-VV diskutiert und sofern mehrheitsfähig in Form einer Resolution verabschiedet worden wären. Da das 5%-Anwesenheits-Quorum leider nicht einmal annährend erreicht werden konnte, hätte man die Resolution anschließend z.B. auch noch vom StuPa diskutieren und verabschieden lassen können.

Auf Basis dieser konkret ausgearbeiteten Forderungen hätte man dann die Aktionswoche mit ihren Veranstaltungen aufbauen können. Die einzelnen Vorträge und Workshops hätten sich in ihrem Kern darauf konzentriert, wie die Forderungen durchzusetzen sind, was man konkret gegen Missstände an der FU tun kann.

Stattdessen wurden Forderungen bzw. die zentralen Fragen „Was wollen wir und wie können wir es erreichen?“ erst nach der Gesamt-VV in einer zweiten Runde von denzentralen VVs und später im Aktionsplenum aufgestellt. Der gesamte Prozess der Forderungsausarbeitung war somit sehr „lose“, unverbindlich, wenig transparent und hatte innerhalb des Protestsemesters sicherlich ebenso wenig einen zentralen Stellenwert wie mögliche Durchsetzungsstrategien zu den Forderungen.

Die Aktionswoche

Unter den Veranstaltungen die innerhalb der Aktionswoche stattfanden gab es zwar auch solche, die sich mit hochschulpolitischen Themen auseinandersetzten, sie waren jedoch deutlich in der Minderheit.

Es ging um Datenschutz, Ubuntu-Install-Partys, Sexismustheorien, Solidarische Ökonomie, etc. und weniger darum, wie man etwa die Ausdehnung des BAs von sechs auf acht Regelsemester durchsetzen kann oder wie man die Integration der PolSoz-Bib in die UB verhindern kann.

Bei letzterem Thema beschränkte sich der Widerstand darauf Unterschriftenlisten rumgehen zu lassen und kurzfristig die Bibliothek zu besetzen. Unabhängig davon, ob diese Aktionen nun zielführend waren oder nicht: Eine Aktionswoche mit Workshops hätte es allein dafür nicht gebraucht.

Worum es stattdessen ging, kann man im Vorwort des VVVVs nachlesen:

„Der Gedanke hinter diesem Selbst-Orga-Marathon ist, ein Forum zu schaffen für die gemeinsame Diskussion von Problemen und alternativen Perspektiven des Studierens.

Gleichzeitig soll die Aktionswoche selbst aber auch schon der Versuch sein ein anderes Modell von Studium und Uni zu praktizieren. Eine Uni, wie wir sie gerne hätten, die weder heile Parallelwelt, noch unreflektiertes Abbild der Gesellschaft ist.

Das heißt eine Woche ohne Campusmanagement und Anwesenheitslisten, ohne Kontrolle und Zwang; dafür selbstbestimmtes und gemeinschaftliches Lernen immer in einem kritischen und einmischenden Verhältnis zur Gesellschaft, in der es stattfindet.“ (VVVV)

Und nach der Aktionswoche geht der Studienalltag dann weiter wie zuvor, da man es über das Diskutieren von Probleme und dem theoretischen Aufzeigen von Alternativen hinaus nicht schafft, tatsächlich eine substantielle Verbesserung des Status quo zu erreichen. Es ging kurzum mehr darum Alternativen zu diskutieren und weniger darum konkrete Konzepte zu deren Umsetzung über die Aktionswoche hinaus zu erarbeiten.

Denn natürlich ist die Frage legitim: Was bleibt von dieser Aktionswoche denn jetzt ganz konkret hängen? Ähnlich wie 2007 bei der G8-Themenwoche steht zu befürchten, dass das Ergebnis lauten wird: nicht viel.

Auch 2007 hat man mit großem organisatorischem Aufwand ein KVV für die G8-Themenwoche entworfen und auf den Veranstaltungen dann angeregt diskutiert. Noch vor dem eigentlichen Heiligendamm war das Thema am OSI jedoch wieder tot, bis heute gibt es nicht mal ein Papier, in welchem Nichtbeteiligte oder „nachkommende Studis“ nachlesen könnten, um was es in dieser Themenwoche eigentlich ging und zu welchen Erkenntnissen sie geführt hat.

Wohlfühl-Aktivismus

Unter „Wohlfühl-“ oder „Wellness-Aktivismus“ verstehe eine Form des Aktivismus, der in letzter Konsequenz sich selbst genügt. Eine Form von Aktivismus, bei dem die Schaffung eines Wir-Gefühls innerhalb einer kleinen, engagierten Gruppe nüchtern betrachtet das einzig wirklich tragende Element ist.

Durch das „Campus Camp“ bekam die Aktionswoche einen starken „Event-“ oder „Happening-Charakter“. Man sitzt Abends am Lagerfeuer, diskutiert angeregt, solidarisiert sich untereinander, veranstaltet am Ende eine Party und verdrängt schleichend dass die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls noch lange nicht die Lösung auch nur irgend eines Problems bedeutet.

Ein Aktivist der sich stark in die Orga einbringt, der bis zur Erschöpfung an Workshops partizipiert, der vielleicht bis tief in die Nacht diskutiert, wird es natürlich schwer haben, vielleicht auch mal einen distanzierteren Blick zum ganzen Geschehen zu bekommen.

Je tiefer er selbst eintaucht, desto verschwommener werden die harten Fakten, wie etwa jener, dass sich bis auf eine wirklich kleine Minderheit kaum ein Studierender für den Protest interessiert, die ganze Außenwirkung des Protests hart gegen Null tendiert.

Stell Dir vor es gibt Protest und keiner kriegt es mit

Wie in der Vergangenheit mehr als einmal ausgeführt bin ich sehr skeptisch, was die Möglichkeiten angeht, an einer deutschen Uni einen Massenprotest loszutreten. Zu viele Ressourcen (Personen, Zeit, etc.) in die Gewinnung von MitstreiterInnen zu stecken ist sinnlos, wenn die Studierenden sich in ihrer Mehrheit mit den Missständen längst abgefunden haben, nicht daran glauben, dass man etwas ändern kann, oder aber, die neue Situation vielleicht sogar recht gut finden (z.B. Verschulungstendenzen, die nicht wenige eben durchaus positiv finden).

Dennoch kommt natürlich keine Protestbewegung ohne Außenwirkung aus. Selbst wenn sich KommilitonInnen nicht sofort anschließen, sollten sie doch zumindest bemerken „Aha, da passiert etwas, da versuchen welche etwas gegen den Missstand XYZ zu unternehmen“. Dafür war der Protest jedoch nicht sichtbar und auch nicht output-orientiert genug.

Ich war innerhalb der Aktionswoche an vier Tagen am OSI und abgesehen von den Plakaten an den Bäumen hat man dort nichts von der Aktionswoche mitbekommen. Es gab keine Flyer, kein VVVV das auslag, keine Versuche Leute anzusprechen, keine Annoucements vor dem Beginn einer Lehrverantaltung. Einmal habe ich einen kleinen Infotisch in der Ihnestraße gesehen, den gab es aber soweit ich mich erinnere nur in der vorhergehenden Campuswoche. Dann gab es die Unterschriftenliste gegen die Schließung der PolSoz-Bib, die in Seminaren rumging. Aber sonst? Irgendwelche Hinweise auf die inhaltlichen Ziele des Protests, auf die Aktionswoche, auf das Camp? Fehlanzeige.

Nun ist der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften nicht der Nabel der Welt, er ist jedoch der Bereich der sicherlich immer noch am ehesten Studis hervorbringt, die potentiell protestwillig und -fähig sind. Es liegt daher eigentlich auf der Hand, das Zentrum des Protestes auch geographisch am FB PolSoz zu anzusiedeln.

Stattdessen fand der gesamte Protest vom Campus Camp bishin zu den Veranstaltungen innerhalb der Aktionswoche fast ausschließlich in der Rost- und Silberlaube statt. Studierende, die nicht an der Rost- und Silberlaube waren, kriegten bis auf Flyer an den Bäumen dann auch nicht viel vom Protest mit.

Wenn die Aktionswoche hauptsächlich in der Rost- und Silberlaube stattfand, dann vermutlich natürlich auch deshalb, weil man in der Rost/Silberlaube anders als etwa im OSI oder OEI leichter Räumlichkeiten gestellt bekam. Sich alternativ einfach Räume zu erkämpfen ist auch leichter gesagt, als in der Praxis ausgeführt.

Dennoch hätte man m.E. das Camp lieber zwischen OEI und OSI errichten sollen und dann z.B. Dozierende fragen können, ob sie ihre LV nicht in der Woche ausfallen lassen und den jeweiligen Raum zur Verfügung stellen. Vielleicht wären irgendwo im OEI sogar ohnehin noch Räume freigewesen, nicht alle sind von Morgens bis Abends dauerbelegt.

Wenn ich KommilitonInnen am OSI auf die Aktionswoche hin angesprochen habe, war die Antwort in der Regel „Aktionswoche? Welche Aktionswoche?“. Das ist nun nicht unbedingt eine repräsentative Erhebung, aber ich hatte schon den Eindruck, dass der Protest an etlichen zumindest potentiell protest-interessierten Studis vorbeiging. Nicht nur, aber eben auch durch die falsche Wahl der Location.

Vom SchülerInnen-Streik, der Medienresonanz und verdächtigen Flugobjekten

Während die Aktionswoche trotz zahlreicher Bemühungen in der regionalen Berliner Printpresse nicht eine einzige Erwähnung nur wenig Feedback erfuhr, war die mediale Resonanz auf den SchülerInnen-Streik am Donnerstag immens. Im BBFB-Blog findet sich dazu ein ausführlicher Pressespiegel.

Nun wurde zwar der SchülerInnen-Streik in die Aktionswoche integriert, die Präsenz von Studierenden spielte aber weder auf dem Demo selbst noch in der anschließenden Berichterstattung in den Medien eine Rolle. Es war ein Streik vornehmlich der SchülerInnen von Berlin, anwesende StudentInnen waren nur „Beiwerk“ die keine zentrale Rolle spielten.

Der Versuch die Aktionswoche inhaltlich und aktivistisch etwas aufzuwerten, indem man den SchülerInnen-Streik auch zu ihrem Bestandteil erklärte, fruchtete also auch nicht wirklich. Die Verbindung zwischen dem Streik und Veranstaltungen bzw. Aktionen innerhalb der Aktionswoche war marginal bis nicht vorhanden. Auf der Demo ging es eben primär um Schul- und nicht um Hochschulpolitik.

Wie fast schon flehentlich man innerhalb der Aktionswoche um Aufmerksamkeit sann, lässt sich exemplarisch vielleicht an einem von Anna fotografierten, verdächtig erscheinender Helikopter, der tags zuvor über dem Campus Camp an der FU kreiste, erkennen. Anna war der Heli supekt weshalb sie ihn auch ausführlich ablichtete („schleifen, auffällig langsame flugbewegungen. bisheriger überflug über campgebiet: 4 mal bis 17:10, danach neue schleifen“).

Tatsächlich hatte der Heli aber vermutlich eher Interesse an dem neuen Solardach am FB Physik, denn am Ausspionieren der schwerst subversiven Camp-TeilnehmerInnen, wie man aus einer FU Pressemitteilung schlussfolgern kann (MedienvertreterInnen durften mit einem Heli über das Dach der Physiker fliegen, anzunehmen, dass dabei auch die Silberlaube mehrfach überflogen wurde).

Für die AktivistInnen bleibt die bittere Erkenntnis: Weder die überwältigende Mehrheit der FU Studierenden, noch die Medien, noch der Staatsschutz zeigte Interesse für die Aktionswoche.

Fazit

Das Experiment eine studentische Protestbewegung nicht aus einer kurzfristigen, temporär begrenzten Proteststimmung heraus entstehen zu lasssen, sondern angesichts diverser, nicht ad hoc zu behebender Missstände an der FU auch über mehr als ein Semester hinweg aufzubauen, war ebenso interessant wie erfolglos.

Die ohnehin nicht gerade große Gruppe der Protestierenden war noch kleiner als sonst, das lässt sich allein schon im Vergleich zum so genannten „Warnstreik 2005“ erkennen. Und während das „Protestsemester“ für diesen Sommer im letzten Wintersemester auf einer Gesamt-VV noch euphorisch beschlossen wurde, waren auf der letzten Gesamt-VV im Protestsemester selbst dann auf einmal schon wieder deutlich weniger KommilitonInnen anwesend. Ein Trend der auch auf dezentralen VVs und Vorbereitungs- / Organisations-Treffen erkennbar wurde (zumindest beklagten sich viele AktivistInnen darüber, sie sein zu wenige).

Nun ist Masse aber natürlich nicht alles, auch eine kleine, hochagile Gruppe kann etwas erreichen. Doch war das Aktionswochen-Konzept der wirklich engagierten Studis recht durchwachsen und letztlich nicht zielführend. Dadurch das Forderungen und ihre Durchsetzung nicht im Mittelpunkt standen, wirkte der Protest insgesamt wenig konkret und stark abstrakt.

Im selben Maß wie ersichtlich wurde, dass es kaum möglich war bisher Unbeteiligte für diese Ausgestaltung des Protests zu gewinnen, gingen die Beteiligten dazu über sich selbst und ihren Aktionen zu genügen – unabhängig davon, was nun wirklich erreicht werden konnte.

Dieser Kritik kann man natürlich das Argument der Nachhaltigkeit entgegen halten. Dass man also Missstände im Studienalltag nicht gleich aktiv bekämpft hat, sondern in einem ersten Schritt erst einmal nur diskutiert und gemeinsam denkbare Alternativen entworfen hat. Also zumindest ein stückweit die Grundlagen für Veränderungen geschaffen hat, die sich erst in Zukunft und nur langsam vollziehen werden.

Es lässt sich jedoch nicht erkennen, inwiefern im Kontext des jetzt langsam versandenden „Protestsemesters“ Erkenntnisse, Lösungen, Widerstandsformen, etc. gefunden oder entwickelt wurden, die sich auch konkret umsetzen lassen und dann in naher Zukunft wirklich zu einer Verbesserung des Status quo führen werden.

Genauso wie heute niemand mehr über die G8-Themenwoche im letzten Jahr spricht, wird im kommenden Jahr noch irgend jemand über diese Aktionswoche sprechen bzw. über das, was sie eigentlich gebracht hat. Die Beteiligten konnten vermutlich interessante Erfahrungen für sich selbst gewinnen, die Sache als solche voranbringen wird die Aktionswoche jedoch augenscheinlich nicht.

Die einzige, wirklich zentrale Erkenntnis aus diesem Protestsemester lautet, dass man studentischen Protest eben doch nicht am Reißbrett und im Vorfeld entwerfen kann (im Sinne von: nächstes Semester wird ein Protestsemester), dass es immer noch einen zündenden Funken braucht, etwas was das Faß zum Überlaufen und die Studierenden auf die Barrikaden bringt. Diese „Inititalzündung“ gab es trotz um sich greifender „Sachzwanglogik“, massiver Probleme mit dem Bologna Prozess und einer antidemokratischen Leitung der FU nach Gutsherrenart aber eben einfach nicht.

Insofern stellt sich dann schon die Frage, ob man den Protest das nächste Mal nicht lieber nur dann auf den Weg bringen sollte, wenn die Stimmung in der Studierendenschaft auch entsprechend ist und man ganz konkrete Forderungen hat, auf deren Durchsetzung man sich dann auch konzentriert.

Korrektur:

Wie man in einer Linkliste im BBFB-Blog nachlesen kann, gab es offensichtlich doch einige Artikel über die Aktionswoche in den Printmedien. Das mediale Feedback war dennoch nicht unbedingt überschwänglich – insbesondere im Vergleich zum SchülerInnen-Streik, der wie ausgeführt nicht wirklich viel mit der Aktionswoche zu tun hatte.

Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren

Mai 24, 2008

Der Institutsrat (IR) des Otto-Suhr-Instituts hat in einer klandestinen Operation (d.h. ohne vorhergehende, öffentliche Diskussion) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und an den Fachbereichsrat (FBR) weitergereicht.

Der geänderte Strukturplan (Download hier) sieht vor, aus der W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ (zur Zeit unbesetzt) eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ zu machen und zeitgleich eine Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ einzurichten. Weiterhin soll es eine W2-Professur „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geben.

Das OSI bekommt also zwei neue IB-Professuren, „Friedensforschung“ und „Sicherheitspolitik“ und gibt dafür das Vorhaben einer Neubesetzung der Professur Ideengeschichte endgültig auf (zu diesem 2006 gescheiterten Berufungsverfahren siehe die entsprechende Seite im OSI-Wiki).

Die Professur „Friedensforschung“ wird vermutlich mit Sven Chojnacki besetzt, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Weggang nach Kiel wahrscheinlich gewesen wäre, hätte man ihm am OSI keine volle Professur in Aussicht gestellt (siehe „Laßt Sven gehen!“). Für „Sicherheitspolitik“ würde sich Christoph Zürcher anbieten, der hat zur Zeit jedoch schon den Lehrstuhl für „Governance and Empirical Conflict Research“ inne.

D.h. nicht, dass die Politische Theorie dann am OSI tot wäre, sie wäre durch zwei Juniorprofessuren repräsentiert: „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat, und „Politische Theorie und Ideengeschichte“, die neu ausgeschrieben werden müsste.

Dennoch wird an diesem Strukturplan deutlich, dass die ohnehin nicht gerade unterrepräsentierten Internationalen Beziehungen weiter gestärkt werden, während die Politische Theorie ein Schattenseite im Bereich Juniorprofessur fristet.

Auch dass die neue Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ mit einem kritischen Geist besetzt wird, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Entsprechende Kandidaten wie z.B. Alex Demirovic oder Klaus Roth passen nicht in das Juniorprofessoren-Profil. Roth würde dann nur noch bis zur Besetzung der Juniorprofessur als „Ausputzer“ dienen. Allein die Art und Weise wie das Institut mit Roth umgeht, sagt eine Menge darüber aus, welchen Stellenwert man der Politischen Theorie hier noch zugesteht.

Die linke, engagierte Studierendenschaft am OSI ist in der Frage gespalten, die eine Fraktion ist empört, dass hier fast lautlos die Vollprofessur Ideengeschichte endgültig abgesägt wird und setzt sich für deren Erhalt ein, die andere findet den Gedanken dass es stattdessen eine Professur „Friedensforschung“ mit Sven Chojnacki geben soll eher positiv.

Mit der Überrepräsentanz des Bereichs IB/Governance ist zwar keine der Fraktionen glücklich, doch da eine Kampagne gegen die jetzige Lösung in letzter Konsequenz auch einen Abgang Chojnackis bedeuten würde, sind Chojnacki-BefürworterInnen nicht allzu eifrig beim Versuch sich dem Willen des Institutsrats entgegenzustemmen.

Natürlich müsste auch jenen OSIanerInnen die Chojnacki für ein progressives Element innerhalb der Dozierendenschaft halten eigentlich klar sein, dass es zur Schaffung eines Gegenpols zur „Governanciation“ des Instituts wichtiger wäre eine Person wie Alex Demirovic als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zu installieren. Eigentlich. Tatsächlich ist natürlich unklar, ob Alex Demirovic oder ein ähnlich kritischer Geist sich im Berufungsverfahren durchsetzen könnte, falls die alte W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ doch noch geretten werden könnte. Und Chojnacki ist eben zur Zeit der „Shooting Star“ am OSI.

Die Mitglieder des Fachbereichsrats (FBR) hatten den neuen Strukturplan am Dienstag
(20.05.) vom IR erhalten und sollten ihn bereits tagsdarauf am Mittwoch (21.05.) absegenen – erneut nicht öffentlich, wie eine Studierendenvertreterin in einer Rundmail betont. Doch die Studierenden legten dann im FBR ihr Veto ein, woraufhin die Entscheidung über die Annahme des Strukturplans vertagt wurde.

Auf der nächsten FBR-Sitzung am übernächsten Mittwoch (04.06.) fällt die Entscheidung dann jedoch endgültig. Und bisher sieht es nicht so aus, als würde sich der FBR dem Antrag des IR entgegenstellen, womit der dunkle Schatten den der Sonderforschungsbereich (SFB) Governance auf das OSI wirft wieder ein deutliches Stück größer werden wird. Denn natürlich stehen die beiden neuen IB-Professuren in einem Kontext zum SFB, der das OSI schleichend aufzufressen scheint. Selbst wenn die Chancen die Sache noch zu kippen nicht gut stehen, sollten proetstwillige Studierende an diesem Tag ihren Weg in die FBR-Sitzung finden.

Am kommenden Mittwoch (28.05.) entscheidet der Akademische Senat um 15 Uhr im AS-Sitzungssaal des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib überreichen. Auch hier ist studentische Präsenz also dringend erfoderlich.

Antigrüne Möbelpacker Action

Mai 23, 2008

Zu den wenigen nennenswerten Aktionen während der Aktionswoche gehörte zweiffellos das Aufmischen der „Grünen Hochschultour“, die am 20.05. auch Station an der FU machte.

MdB Kai Gehring und Renate Künast wollten sich die Ehre geben, um über „aktuelle Herausforderungen in den Bereichen Studienfinanzierung und Studienplatzkapazitäten“ zu diskutieren:

„Dazu haben wir Gespräche mit verschiedenen relevanten Ansprechpartnern an der Universität geplant. Fest vereinbart ist bereits ein Termin mit dem Präsidenten der FU, Prof. Dr. Dieter Lenzen. Außerdem stellen wir unser grünes Sofa auf bzw. vor den Campus: Von 12 bis 14 Uhr ist dort immer ein Platz frei, um bei leckeren Studienplätzchen mit uns zu diskutieren oder die eigenen Vorstellungen von der Uni der Zukunft im ‚Grünbuch Bessere Hochschulen‘ aufzuschreiben.“ („Grüne Hochschultour macht Station in Berlin“, gruene-bundestag.de)

Ja, genau, das „grüne Sofa“ in eben jener Mensa aufstellen, wo gleich nebenan lauter aktionshungrige AktionistInnen in ihrem Aktions-Camp darauf warten, ein paar spontane Aktionen zu starten. Brillante Idee. Aber gut, die Organisatoren der „grünen Hochschultour 2008“ konnten damals vermutlich noch nicht wissen, dass sie ihren Berliner Gig ins Epizentrum der Protestierenden hinein manövrierten

Die (offizielle) Grüne Hochschulgruppe, die es irgendwie ja auch immer noch an der FU geben muss (?), hätte jedoch inzwischen etwas vom Protest mitkriegen müssen und voraussehen können, dass Protestierende die Veranstaltung stören oder kapern würden. Vielleicht dachte man jedoch nicht daran, dass es zu Störungen kommen würde, sondern die Protestierenden im Gegenteil vielleicht sogar andächtig Frau Künasts hochschulpolitischen Ausführungen lauschen würden. Oder aber, die Grüne Hochschulgruppe hatte einfach wie 99% der FU Studierendenschaft noch gar nichts von dem Protest mitbekommen.

So aber trat dann die „Aktionsgruppe Grünes Sofa“ in Erscheinung, stürmte die Mensa, entwendete das „grüne Sofa“ und schleppte es aufs Dach. „Ziel dieser Aktion war es, der Grünen-Partei, die unter anderem durch Renate Künast und Kai Gehring vertreten war, keinen Raum für ihre Parteiwerbung zu bieten“, wie es in einer Stellungnahme der Aktionsgruppe heißt, die unter anderem im BBFB-Blog veröffentlicht wurde.

Und sein wir ehrlich, die Fotos, die sich ebenfalls in besagtem Blogeintrag finden, dokumentieren, dass die Aktion schon ziemlich witzig und gelungen war.

In der Erklärung heißt es weiter, der Grünen Jugend (nicht der Grünen Hochschulgruppe) sei es anschließend gelungen, das Sofa zurückzuerobern, so dass die Veranstaltung wie geplant mit einer Verspätung stattfinden konnte. Die laute Musik des Camps hätte jedoch dann immerhin zu einem vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung geführt. Hier stellt sich die Frage, warum das Sofa vor der Rückeroberung nicht z.B. einfach vom Dach geworfen wurde, um es dann im Hof zu moderner Kunst weiterzuverarbeiten.

Einen Dialogversuch der Grünen hat man dann jedenfalls auch abgelehnt:

„Die angestrebte Fortsetzung der Grünen-Werbeveranstaltung durch einen Besuch im zur Zeit an der FU stattfindenden Protest Campus Camp, wurde verhindert. Camp-BewohnerInnen sahen keine gemeinsame Diskussionsgrundlage.“ (Erklärung der „Aktionsgruppe Grünes Sofa“, BBFB-Blog, 20.05.08)

Es folgt in der Erklärung dann eine kurze Auflistung der Verfehlungen Grüner Politik.

Ein mediales Feedback hat diese Aktion allerdings ebenso wenig erfahren, wie irgend eine andere Aktion oder Veranstaltung innerhalb der Aktionswoche (mal abgesehen von Annas Indymedia-Beiträgen).

Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt „retten“

Mai 22, 2008

Wow, gestern lagen Aufrufe zum Protest am OSI aus – von der LHG. Das erlebt man auch nicht alle Tage und es zeigt vermutlich wie ernst die Lage im Fall des vor dem Exitus stehenden OSI-Diplom-Studiengangs ist. Wie gestern schon berichtet, plant der Akademische Senat nächste Woche am 28.05. die Abwicklung des OSI-Diploms zu beschließen (präziser geht es erst einmal „nur“ um eine angeblich zeitlich begrenzte Aussetzung für Einschreibungen, doch dazu unten mehr).

Daher ruft die LHG die Studierenden auf Flyern dazu auf, zu der besagten AS Sitzung am kommenden Mittwoch zu erscheinen, um dort gegen diese anstehende Entscheidung die Stimme zu erheben.

Inzwischen wurden auch Details über das besagte Urteil des Verwaltungsgericht bekannt, auf dessen Grundlage das PolSoz Dekanat sich zum Handeln veranlasst sah:

„Das im vorherigen Bericht erwähnte Urteil des Verwaltungsgerichts bezieht sich auf Kapazitäten: Da die Kapazitäten für BA, MA und Diplom getrennt berechnet werden, hat der Wechsel von (netto) ca. 20 Studierende vom BA in das Diplom dazu geführt, dass im BA-Studiengang auf dem Papier Kapazitäten frei geworden sind, die nun aufgefüllt werden sollen.“ („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08)

Mit anderen Worten, weil Studierende das Diplom einer BA(/MA)-Lösung vorziehen, muss das Diplom dran glauben. Wenn die Studierenden also nicht selbst drauf kommen, welche „Bereicherung“ BA und MA darstellen, muss der „Erfolg“ der neuen Studiengänge sozusagen erzwungen werden, indem man die alten beschleunigt und unter massivem Druck entsorgt.

Gut, dass mit der Etablierung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge zunehmend darauf gedrungen wird, die alten Magister- und Diplom-Studiengänge abzuwickeln kann natürlich nicht wirklich überraschen. Das OSI-Diplom stellt hier aber insofern einen Sonderfall dar, als dass man den Studiengang extra refomiert und „modularisiert“ hatte, den neuen BA/MA-Studiengänge von der Struktur her also angeglichen hat. Dass nun ein solcher Diplom-Studiengang mit einer Regelstudienzeit von 9 Semestern für viele Studierende offenbar immer noch attraktiver ist, als ein Bachelor mit nur 6 Semestern Regelstudienzeit, muss die Bologna Reformatoren natürlich wurmen.

Der Akademische Senat soll das OSI-Diplom nun aber nicht endgültig abwickeln, sondern zunächst einen Aussetzungsbeschluss fassen, der dann vorsehen würde, dass zunächst nur im kommenden Wintersemester 08/09 keine neue Studierenden für das Diplom zugelassen werden. Konkret würde das dann aber auch das Sommersemester 2009 betreffen, so dass sich Studierende frühestens erst wieder im Wintersemester 09/10 für das Diplom einschreiben könnten. Es geht hier also um ein einjähriges Moratorium, welches der AS beschließen soll.

Das Ganze wird an der FU als eine Art Verzögerungstaktik gegenüber dem Berliner Senat vermarktet. So stimmten die Dekanin des Fachbereichs PolSoz, Prof. Riedmüller, und der OSI-Institutsdirektor Prof. Massing, in der gestrigen Fachbereichsratsitzung darin überein, dass man die Zwischenzeit nutzen wolle um „empirische Daten“ über die Akzeptanz der neuen Studiengänge zu sammeln, die dann die Grundlage für bessere Begründungen für den Erhalt des Diploms bilden sollen. Fabian fasst diese fragwürdige Taktik im FSI OSI Blog wie folgt zusammen:

„Unklar blieben allerdings die Vorteile dieses Plans, denn empirische Daten über die Akzeptanz der einzelnen Studiengänge gibt es zuhauf. So sollte aus den Bewerbungszahlen für den Diplom-Studiengang und aus der Zahl derer, die in den ersten vier Semestern ihres Studiums vom Bachelor- in den Diplomstudiengang wechseln, deutlich hervorgehen, dass die Nachfrage nach dem Diplom immer noch groß ist. Und selbst wenn die Erhebung weiterer Daten sinnvoll ist: Dies könnte ebenso gut geschehen, ohne die Zulassung auszusetzen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Weder die FSI OSI noch die LHG glauben ihren Blogeinträgen zu folge daran, dass eine solche Verzögerungstaktik fruchten würde. Die LHG verweist darauf, dass „bei allen alten Studiengängen eine Heruntersetzung der Zulassungszahlen auf 0 das Auslaufen des Studiengangs“ bedeutet hat („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08). Und die FSI schlussfolgert:

„Nahe liegt daher die Annahme, dass es mit dem Rettungseifer von Dekanat und Institutsleitung so weit nicht her ist. Die Aussetzung der Zulassungen für ein Jahr erscheint als geeignetes Mittel, Fakten für kommende Diskussionen über die Zukunft des Diploms am OSI zu schaffen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Entsprechend haben alle studentischen VetreterInnen im Fachbereichsrat gegen diese Taktik gestimmt, unterlagen jedoch. Und sollte nun der Akademische Senat am kommenden Mittwoch (28.05.) die Sache auch noch absegnen, bedeutet das wohl auch langfristig das Aus für den Diplom-Studiengang.

Diplom-Studiengang am OSI offenbar vor dem Aus

Mai 21, 2008

Wie Ronny im LHG-Blog berichtet, steht der Diplom-Studiengang am OSI unmittelbar vor dem Aus.

Auf der gestrigen KfL-Sitzung wurde demnach bekannt, dass schon ab dem kommenden Wintersemester 08/09 keine neuen Studierenden mehr für den Diplom-Studiengang zugelassen werden sollen. Der Diplom-Studiengang würde demnach endgültig auslaufen.

„Hintergrund ist wohl ein Urteil des Verwaltungsgerichts, auf dessen Grundlage das Dekanat Politik- und Sozialwissenschaft nach Hinweis durch das Präsidium eine Zulassungszahl von 0 (null) Studierenden für das Wintersemester 08/09 beschlossen hat.“ („OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 20.05.08)

Wie Mathias in einer Mail schreibt, haben die studentischen VertreterInnen erst in der gestrigen KfL-Sitzung durch Vizepräsidentin Keitel-Kreidt von diesem Vorgang erfahren. Nähere Hintergründe, also z.B. um was für ein Urteil es hier geht, sind bis dato nicht bekannt.

Einen Hinweis auf die Problematik kann man jedoch vermutlich in der Zusammenfassung der schon etwas zurückliegenden, vorhergehenden KfL-Sitzung im FSI-Blog nachlesen:

„Laut Keitel-Kreidt sei die FU von der Senatsverwaltung bereits verwarnt worden. Die FU sei gebunden an die Hochschulverträge und die Zielvereinbarungen mit dem Berliner Senat. Die alten Studiengänge sollten laut diesem so schnell wie möglich abgewickelt werden. In den neuen Studiengängen müsse, nach Maßgabe der Gerichte, voll aufgefüllt werden – was die Fachbereiche in eine ziemlich schwierige Situation bringe.

Der FU würden Mittelkürzungen vehement angedroht. Keitel-Kreidt betonte, die Studierenden der alten Studiengänge müßten ganz schnell fertig werden.“ („Big Presidency is watching you“, FSI Blog, 20.05.08)

Es gibt also Druck, die alten Studiengänge dichtzumachen. Der Diplom-Studiengang am OSI wurde aber damals zur BA-Einführung extra parallel reformiert, sprich modularisiert, um ihn so auch einem „modernen“ Abschluss im Sinne des Bologna Prozess‘ anzugleichen. So hoffte man, der Abwicklung des Diploms zugunsten einer BA/MA-Variante entgegentreten zu können. Der MA wurde zwar dann auch auf den Weg gebracht, das Diplom sollte parallel aber weiter existieren.

Nun ist aber scheinbar doch Schluss mit dem Diplom. Nicht ganz klar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ob der oben erwähnte Gerichtsbeschluss im Kontext zum Druck der Senatsverwaltung auf die FU steht, die alten Studiengänge schnellstmöglich abzuwickeln.

Dem Argument sich dem Senat wegen der Hochschulverträge beugen zu müssen, steht eine Darstellung des Sachverhalts entgegen, demnach es letztlich der Akademische Senat der FU ist, der über das Einrichten und Auslaufen-Lassen eines Studiengangs entscheidet. Mathias schreibt in seinem Bericht:

„(…) Während Keitel-Kreidt immer wieder den Eindruck erweckte, als würde dies bereits durch die Hochschulverträge vorgegeben, wurde klar gestellt: Über das Einrichten von Studiengängen entscheidet der Akademische Senat der FU.

Entsprechend entscheidet er auch über das Auslaufen-Lassen von Studiengängen. Dies unabhängig vom Inhalt der Studiengänge, über den die Fachbereiche entscheiden. Ein solcher Beschluß des AS über das Auslaufen-Lassen existiert zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) nicht. („Big Presidency is watching you“, FSI Blog, 20.05.08)

Im Fall des OSI-Diploms (oder zum Auslaufen-Lassen von alten Studiengängen ganz allgemein) will der Akademische Senat die entsprechende Ordnung zur Abwicklung (zum Einschreibungssstopp) laut Ronny nächste Woche beschließen. Die Frage ist, ob der Akademische Senat das wegen des eingangs erwähnten Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgerichts auf jeden Fall tun muss oder ob es nicht doch noch eine Option gibt, die Abwicklung nicht zu beschließen.

Heute (21.05.) findet jedenfalls zunächst um 9:00 Uhr die nächste Sitzung des FBR PolSoz im Hörsaal A oder B des OSI statt, wo der Sachverhalt mit Sicherheit ein zentrales Thema sein wird.

Neues in der Scharenberg-Affäre

Mai 20, 2008

Es gibt Neues im Fall der so genannten Scharenberg-Affäre (siehe „Die Scharenberg-Affäre“). Durch einen Spiegel Online Artikel wurde im Herbst 2007 bekannt, dass das FU Präsidium ein Veto bei der Berufung Dr. Albert Scharenbergs auf eine Juniorprofessur eingelegt hatte – angeblich aus einer politischen Motivation heraus („Linke Nummer an der FU Berlin“, Spiegel Online, 10.09.07).

Auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema nahm neben Scharenberg unter anderem auch die FU Vizepräsidentin Prof. Lehmkuhl teil, die zusicherte es werde ein klärendes Gespräch geben und der Sachverhalt müsse überdacht werden (siehe „Das große Nachdenken“).

Wie Studierende des JFKIs nun berichten, gab es jedoch kein klärendes Gespräch, stattdessen ging das Verfahren zurück an die Berufungskommission (siehe „Neues im ‚Fall Scharenberg'“, FSI Blog, 20.05.08). Die Berufungskommission, inzwischen in veränderter Zusammensetzung, entschied sich alle KandidatInnen neu anzuhören.

Diese öffentlichen Fachvorträge, bei denen dann auch Scharenberg wieder vorsprechen wird, finden jetzt am Freitag (23.05.) im JFK-Institut statt. Sarah und Yuca, zwei Studierende des FSI Students‘ Board, betonen, dass es wichtig sei, dass so viele KommilitonInnen wie nur irgend möglich zu dieser Anhörung kommen, „um zu zeigen, dass der ‚Fall‘ nicht vergessen wurde“.

Die Anhörung der KandidatInnen beginnt bereits um 10 Uhr s.t., Albert Scharenberg wird seinen Vortrag jedoch erst als letzter um 16 Uhr s.t. halten.

Zum Stand der Dinge im Bibliotheksskandal

Mai 19, 2008

Der Kommilitone Günter Bartsch hat im Tagesspiegel bereits im Dezember letzten Jahres (12.12.07) und jetzt erneut am 13.05.08 je einen Artikel zum Bibliotheksskandal verfasst, die zusammen einen guten Überblick über die bisherige Entwicklung geben.

Auf Basis dieser beiden Artikel und anderer Quellen (etwa Kendes Stellungnahme) soll im folgenden noch einmal der gegenwärtige Stand in der Debatte um eine mögliche Integration der PolSoz Bibliothek in die Universitätsbibliothek (UB) skizziert werden.

Die Aussonderungspläne waren schon sehr früh sehr konkret

Die Gegner der Fusionspläne werfen den Befürworten vor, diese hätten die Integration der PolSoz-Bib in die UB vorangetrieben ohne die dafür zuständigen Gremien (etwa Fachbereichsrat und OSI-Institutsrat) darüber in Kenntnis zu setzen.

Das Präsidium begegnete dieser Kritik im letzten Jahr mit dem Hinweis, bisher liege nur eine „Machbarkeitsstudie“ vor, die Gremien hätten also gar nicht früher informiert werden müssen. Zeitgleich wurde aber bereits damals der Personalrat schon gebeten, „seine Zustimmung für neue Stellen zu geben – zum Aussortieren der Bücher“ („Ist die OSI-Bibliothek bedroht?“, Tagesspiegel, 12.12.07).

Dieser Bitte ist der Personalrat dann zwar vorerst nicht nachgekommen, dennoch macht dies zusammen mit der Tatsache, dass die ausgesonderten Dubletten wie berichtet an die Europäische Humanistischen Universität in Vilnius gehen sollten, deutlich, dass die Bücher-Aussonderungspläne eben doch sehr früh sehr konkret waren, es ergo durchaus angemessen gewesen wäre die entsprechenden Gremien innerhalb des FB PolSoz zu informieren.

Aussonderbar wurden die Bücher erst mit den Integrationsplänen

Mit den Plänen die Bücher auszusondern, geht natürlich auch der Plan einher, die PolSoz-Bib in die UB zu integrieren. Das eine lässt sich nicht losgelöst vom anderen betrachten. Auch wenn Fusionsbefürworter wie der stellvertretende UB-Leiter Jiri „Jirka“ Kende betonen, dass das Aussondern ein völlig normaler Vorgang ist, der nicht zwangsläufig immer etwas mit der Fusion von Bibliotheken zu tun hat:

„Die Aussonderung von mehrfach vorhandener, älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur ist keineswegs ein ‚Bibliotheksskandal‘, sondern ein normaler bibliothekarische Vorgang, der nicht nur an der FU, sondern in allen Bibliotheken weltweit laufend geschieht und bei Integration von größeren Beständen natürlich quantitativ vermehrt auftritt.“ („Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal“, 27.04.08)

Einerseits betont Kende, dass eine Aussoderung von mehrfach vorhandener älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur etwas normales ist, andererseits kann er aber natürlich auch nicht bestreiten, dass die aktuellen Aussonderungs-Pläne in einem kausalen Zusammenhang mit den Integrationsplänen stehen.

Wenn man just in dem Moment „plötzlich“ 200.000 oder 500.000 Bücher als aussonderbar einstuft, in dem es darum geht, eine Bibliothekszusammenlegung samt „Synergieeffekten“ einzuleiten, ist doch klar, dass der häßliche Verdacht entstehen muss, die Bücher würden in Wahrheit nicht deshalb ausgesondert, weil sie keiner mehr braucht, sondern weil sie in der frisch fusionierten Bibliothek ganz einfach keinen Platz mehr haben.

Die Aussonderungskriterien

Kende präzisiert die Aussonderungskriterien wie folgt:

„Um es noch einmal klarzustellen: das Szenario sah vor, dass 1. jeder Titel mindestens einmal erhalten bleibt, d.h. die Titelvielfalt um keinen einzigen Titel verringert wird, 2. nur ältere und nicht mehr genutzte *und gleichzeitig mehrfach vorhandene* Titel ausgesondert werden, 3. Klassiker, wichtige fachrelevante Autoren, Nachschlagewerke etc. selbstverständlich von der Aussonderung ausgenommen bleiben und gleichzeitig 4. viel gefragte Titel in Mehrfachexemplaren in der Lehrbuchsammlung der UB bereitgestellt werden (wie z.B. für Jura, wo manche Titel mit bis zu Hundert Exemplaren den Studierenden zur Verfügung stehen).“ („Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal“, 27.04.08)

Sicherlich lassen sich wie von Kende leicht Werke heranziehen wie die „Einführung in die bibliothekarische Datenverarbeitung“ aus den 1970er Jahren, die heute vermutlich wirklich keine Bibliothek mehr in 18facher Ausführung braucht.

Die Frage ist nur, ob sich das so verallgemeinern lässt, oder ob es nicht auch Werke gibt, die „mehrfach vorhanden“, „älter“ und „kaum oder gar nicht ausgeliehen“ sind und dennoch auch in Zukunft mehr als einmal im Archiv bleiben sollten.

Kende schreibt hier von „Klassikern“ die dann ausgenommen sein sollen, doch wer definiert was ein Klassiker ist? Wie definiert sich „alt“ und „nicht mehr genutzt“? Auf der berüchtigten 1. OSI/PuK-VV wurde z.B. argumentiert, es gäbe auch Themen die würden nach einer längeren Ruhephase neu entdeckt und die entsprechenden, eingestaubten Bücher dann auch wieder stärker nachgefragt.

Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang sicherlich eine Aufstellung aller Bücher, die ausgesondert werden sollen. Eine solche Liste wäre zwar nicht eben kurz, würde jedoch die erforderliche Transparenz schaffen. JedeR Interessierte könnte sich dann selbst einen Überblick verschaffen, welche Bücher konkret ausgesondert werden sollen.

Die Anzahl der auszusondernden Bücher

Voraussetzung dafür wäre zunächst, dass man sich endlich mal darüber klar würde, wie viele Bücher nun tatsächlich ausgesondert werden sollen. Günter schreibt im Dezember:

„Doch solche ‚Dubletten‘ sollen nun ausgesondert werden – Bibliotheksmitarbeiter rechnen mit rund 500 000 Exemplaren. UB-Leiter Ulrich Naumann nennt eine deutlich niedrigere Zahl: Danach müssen im Idealfall nur 200 000 doppelte Bände ausgesondert werden – und lediglich solche, die kaum nachgefragt werden. Im August-Papier der UB ist noch von 300 000 bis 350 000 Bänden allein aus den Fachbibliotheken die Rede. Die Zahl hänge von den Möglichkeiten des Umbaus ab, so Naumann.“ („Ist die OSI-Bibliothek bedroht?“, Tagesspiegel, 12.12.07)

Auch hier wird deutlich: Die Anzahl der Bücher die ausgesondert werden sollen hängt davon ab, wie viele in die umgebaute UB passen. Inzwischen ist man bei „nur noch“ 130.000 angekommen. Doch falls der Umbau doch nicht groß genug wird, werden sicherlich notfalls noch mal 100.000 Bücher mehr als entbehrlich erklärt. Dem Aussonderungsprozess wohnt allein schon dadurch eine Beliebigkeit inne, als dass sein quantitatives Ausmaß letztlich allein von den Räumlichkeiten der dann umgebauten UB abhängt.

Der Autonomieverlust des Fachbereichs

Im Mittelpunkt des Skandals stand neben der Problematik der auszusortierenden Bücher auch immer der drohende Verlust der Autonomie, den der Fachbereich PolSoz (und hier insbesondere das OSI) erleiden würde, wenn er über keine „hauseigene“ Fachbibliothek mehr verfügen würde.

„Das traditionsreiche Otto-Suhr-Institut ohne eigene Bibliothek? Der Politologe Siegfried Mielke will sich das nicht vorstellen: ‚Das größte Institut für Politikwissenschaft darf keine Untergliederung der Universitätsbibliothek werden.'“ („Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08)

Tatsächlich ist stark umstritten, welchen Einfluss der Fachbereich nach einem Umzug dann noch auf die Bibliothek hätte. Die eine Seite betont, auch nach einer Integration behielte der FB PolSoz die Kontrolle über die Bibliothek (Neuanschaffungen, Aussonderungen, etc.), die Kritiker sind skeptischer und befürchten bei einem Umzug einen deutlichen Verlust des Einflusses des Fachbereichs auf „seine“ Bibliothek.

FBR & IRs vs. FB Dekanat & Präsidium

Viel diskutiert wird auch wer schuld daran hat, dass die Fronten zwischen den Gremien am Fachbereich PolSoz auf der einen Seite und dem Dekanat des Fachbereichs PolSoz sowie dem Präsidium auf der anderen Seite inzwischen so verhärtet sind.

„Die Kritik am Präsidium erklärt sich Lehmkuhl mit ‚der Wahrnehmung eines vermeintlichen Kommunikationsmangels‘. Die Idee sei zunächst dem Dekanat des Fachbereichs Politik und der Leitung des ebenfalls betroffenen Osteuropa-Instituts (OEI) vorgestellt worden – es habe aber von Anfang an das Angebot gegeben, die Pläne im Fachbereichsrat und im OEI-Institutsrat zu diskutieren.“ („Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08)

Aus dieser Idee, den Fachbereichsrat (FBR) und die Institutsräte (OSI, OEI, etc.) mit einzubeziehen ist bekanntlich damals nichts geworden. Viel mehr erfuhren der FBR und IRs erst verspätet, dass die Aussonderungs- und Integrations-Pläne schon relativ weit fortgeschritten waren.

Ob die Idee, es sei wohl besser den Fachbereichsrat und die Institutsräte erst mal im Dunkeln zu lassen, nun vom Dekanat des FB PolSoz oder dem FU Präsidium ausging, ist bis heute nicht endgültig geklärt. FU-Vizepräsidentin Lehmkuhls Position ist ja offenbar, es hätte vom Präsidium entsprechende Angebote gegeben die Gremien breit zu informieren. Wenn das Dekanat diese Angebote dann nicht an den FBR und die IRs weitergeleitet habe, sei das nicht das Problem des Präsidiums („Nur noch neun Bibliotheken an der FU – Bericht aus dem Kuratorium“, FSI Blog, 23.04.08).

In jedem Fall muss den Verantwortlichen doch irgendwo klar gewesen sein, dass eine Konfliktsituation eintritt, wenn die Gremien am FB den nicht ganz unbegründeten Eindruck bekommen, hier würde versucht etwas an ihnen vorbei in die Wege zu leiten bzw. schon mal vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor sie dann verspätet informiert würden.

Plan B

Der FBR wird am Ende über die Integration entscheiden. Eingesetzt wurde dafür eine Bibliothekskommission, an deren Empfehlung sich der FBR halten soll, aber nicht muss. Sollte der FBR den Integrationsplänen eine Absage erteilen, hat FB Dekanin Riedmüller natürlich auch schon einen Plan B vorbereitet: „Wir arbeiten am jetzigen Standort an einer attraktiven Lösung, die auch überlebensfähig ist, wenn es nicht zum Umzug kommt“ (zitiert in: „Die Konzentration der Bücher“, Tagesspiegel, 13.05.08).

Falls die PolSoz-Bib bleibt wo sie ist, braucht man dafür also erst noch eine „überlebensfähige Lösung“. Allein die Wortwahl suggeriert hier natürlich, dass es ein größeres Unglück wäre, wenn es nicht zur Integration in die UB kommen würde.

Philologische Bibliothek reloaded

Während Befürworter des Konzepts die vermeintlichen Vorteile preisen, die sich für die Studierenden aus der Zusammenlegung vieler kleinerer Bibliotheken zu einigen wenigen Zentralbibliotheken ergeben würden, verweisen die Kritiker auf das Fallbeispiel der Philologischen Bibliothek.

Diese ist inzwischen zum Sinnbild für das Scheitern des Konzepts der „dezentralen Zentralisierung auf mittlerer Ebene“ geworden, da fachbereichsfremde Studierende bei Überfüllung zu Prüfungszeiten nicht in die Bibliothek dürfen („Neue Benutzungsordnung der Philologischen Bibliothek“).

Denkbar wäre ein solches Szenario dann theoretisch sicherlich auch für die neue UB/PolSoz-Bibliothek, in der dann Studierende aus beiden ehedem getrennten Bereichen zusammenkommen und um die knappen Lesesaalplätze und Bücher ringen würden. Sehr zum Nachteil von Studierenden, die nicht im FB PolSoz eingeschrieben sind und die man dann falls es zu voll wird, auch einfach ausschließt.

Denn selbst wenn die UB die UB bleibt, könnte man argumentieren, dass sie jetzt ja einen (noch) stärkeren sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt habe, die Studierenden aus dieser Fachrichtung bei Engpässen gegenüber fachbereichsfremden Studierenden also zu bevorzugen sind.

Kuba-Reisen zu Solardächern

Mai 18, 2008

Zu einer Art Running Gag und Paradebeispiel für den vermeintlichen oder tatsächlichen Missbrauch von studentischen Geldern durch zumeist linke Studierendenausschüsse ist die vielzitierte „Kuba-Reise“ geworden (siehe etwa „Asta auf dem Freudenstrahl“, DER SPIEGEL 40/2003).

Tatsächlich ist die Palette ein Geldverschwendungsvorwürfen denen sich die ASten dieser Republik in regelmässigen Abständen ausgesetzt sehen aber natürlich viel breiter. Im Fall des AStA der FU ging es 2005 zum Beispiel um ein Filmprojekt, an dem der AStA sich beetiligt haben soll (so genannte „Eiszeit Affäre“).

Im aktuellen Fall geht es nun darum, dass der AStA angeblich ein Public-Private-Partnership-Projekt zwischen dem Unternehmen „Solardach Invest“ und der FU Berlin mitfördert. Die FU soll das Dach der Hauptmensa an „Solardach Invest“ für 20 Jahre vermieten.

Es sind jedoch die Studierenden, „die dem Investor die Anlage per zinsgünstigem Darlehen mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einer Verzinsung von vier bis sechs Prozent (je nach Intensität der Sonnenstrahlung) finanzieren sollen“, wie Michael Vilmar in der „jungen Welt“ schreibt („Abzocke im Ökogewand“, junge Welt, 14.05.08).

Was den Autor daran stört: Pro-photovoltaik Studierende die sich in der Gruppe „Unisolar Berlin“ zusammengeschlossen haben, halten „Solardach Invest“ für „gemeinwohlorientiert“, was Vilmar anders sieht, er betont dass „Solar Invest“ auf „privaten Gewinn zielt“. Zudem führt er an, dass die Studierenden ihr Geld verlieren würden, würde „Solar Invest“ in den nächsten 20 Jahren pleite gehen. In diesem Fall müssten die Studierenden mit ihren Forderungen darüber hinaus dann hinter allen anderen Gläubigern zurücktreten müssen, so legt es der Vertrag fest. Das Projekt wäre „vermutlich auch ohne Darlehen von Studenten rentabel, mit deren Geld jedoch noch profitabler“ („Abzocke im Ökogewand“, junge Welt, 14.05.08).

Nun ist das alles nicht so dramatisch, solange noch jedeR Studierende selbst entscheidet, wohin er/sie sein/ihr Geld investiert. Wesentlich problematischer wäre es, wenn nun auch der AStA Teile der ihm anvertrauten studentischen Gelder in das Projekt pumpen würde. Vilmar schreibt:

„Besonders pikant am Vorhaben der FU ist nicht nur die Umsetzung durch Studierende aus der ‚Nachhaltigkeitsszene‘, sondern auch die Förderung durch den linken AStA. Trotz mehrfacher Nachfrage von jW wollten die Studentenvertreter hierzu nicht Stellung nehmen.“ („Abzocke im Ökogewand“, junge Welt, 14.05.08)

Die Verwendung des Begriffs „Förderung“ soll in diesem Kontext offenbar suggerieren, dass der AStA das Projekt nicht (nur) bewirbt, sondern (auch) mit finanziellen Mitteln unterstützt. Leider führt der Autor aber gerade diesen brisanten Punkt nicht weiter aus, sondern gönnt ihm nur diesen kurzen Absatz am Ende des Artikels.

Falls es sich hier um ein Missverständnis handelt, könnte der AStA es schnell ausräumen, indem er zum Sachverhalt Stellung bezieht. Dass er es nicht tut, legt die Vermutung nahe, dass er wirklich in einer „Solardach Affäre“ steckt.

Deutlich weniger Studierende auf 2. OSI/PuK-VV

Mai 17, 2008

Wie prognostiziert waren auf der 2. OSI/PuK-VV am letzten Mittwoch deutlich weniger Studierende anwesend, im LHG-Blog ist von 22 die Rede. Dennoch wurden etliche interessante Punkte angesprochen.

So kann man im Bildungswiki ein paar „Forderungen-Ideen“ nachlesen, die Anna offenbar im Anschluss an die VV verfasst hat und die von Wolf ergänzt wurden („von Wolf eingefügt“). Abgestimmt hat man über diese Forderungen die sich weitgehend mit dem Forderungskatalog des Aktionsplenums decken allerdings auf der VV nicht.

Für helle Aufregung sorgte bei der LHG, dass angeblich sechs der Anwesenden zu verstehen gaben, das OSI für einen Tag besetzen zu wollen. Angeblich sollte dies Donnerstag oder Montag geschehen. Nun, Donnerstag passierte es nicht und Montag wird es vermutlich auch nicht passieren. Falls doch, könnte man mit einem solchen „wilden Streik“ aber auf einen Schlag auch OSI-Studis auf den Protest und sein Anliegen aufmerksam machen, an denen das Ganze bisher vorbeigegangen ist.

Die von der LHG aufgeworfene Legitimationsfrage ist natürlich berechtigt, aber solange es nur um eine symbolische Besetzung für einen Tag geht, wäre das nicht übermäßig dramatisch. Auch hielte sich die Polarisierungsgefahr bei nur einem Tag sicherlich in Grenzen. Es ist aber relativ unwahrscheinlich, dass sich ein „Spezialkommando“ tatsächlich durchringt, das durchzuziehen.

Wolf fasst die weiteren Themen der VV wie folgt zusammen:

„Angefangen hatte die kleine Versammlung noch mit einer kurzen Auflistung derzeitiger Aktivitäten, wie dem Campus Camp, Infotischen oder unterschiedlicher Plena, gefolgt von einem kurzen Rundumschlag über angeblich bildungszwangsprivatisierende EU-Verordnungen, knapper Zulassungszahlen zum Polwiss-Master, Bedrohungen des Polwiss-Diploms, Bedrohung der Professur für Ideengeschichte durch eine Professur für Chojnackis und allgemeiner Gremienkritik durch Sara.“ („PolSoz-VV: 6 von 22 wollen OSI besetzen“, LHG Blog, 14.05.08)

Daraus lässt sich schließen, dass es jetzt tatsächlich Überlegungen gibt Chojnacki eine W2-Professur anzubieten, damit dieser nich nach Kiel abwandert (?). Und wenn dies tatsächlich die (ewig schwebende) Neubesetzung der Professur für Ideengeschichte gefährdet, könnten die innerstudentischen Auseinandersetzungen im Chojnacki-Fall doch noch zunehmen.

Auch kam es auf der VV zum „Showdown“ zwischen Anna und ihren KritikerInnen. Streitpunkt war offenbar Annas „künstlerisch wertvoller“ Schreibstil und ihre unstrukturierten, kaum lesbaren Texte, die sie nicht nur fortlaufend ins Wiki setzt, sondern damit auch die Protest-Verteiler zeitweise massiv pflastert. Wolf schreibt, Anna verließ die VV „nach zwei genervten Gegenreden“ vorzeitig.

Auf dem osi-protest-Verteiler ging es jedoch munter weiter, und obwohl ein Wiki-Admin offenbar versucht hat es zu unterbinden, kann der Schlagabtausch mit Dennis nach wie vor in einem von Anna extra eingerichteten Wiki-Eintrag zum Thema nachgelesen werden.

Theoretisch könnte Anna ihren Schreibstil natürlich ändern und ihre Mailflut drosseln, sie dazu zu bewegen, dürfte aber schwierig werden. Denn bisher hat sie keine Veranlassung gesehen, etwas an ihrem Vorgehen zu ändern, trotz diverser kritischer Anmerkungen auf dem osi-protest-Verteiler von etlichen KommilitonInnen.

Forderungen des FU Aktionsplenums

Mai 16, 2008

Nachdem die Protestbewegung bisher etwas darunter gelitten hat, dass es keine konkret ausformulierten Forderungen und ausgearbeiteten Durchsetzungsstrategien gab, ist jetzt zumindest ersteres gelöst.

Das Aktionsplenum der FU hat folgenden Forderungskatalog beschlossen:

  • freie Bildung für alle, damit insbesondere
    • keine Privatisierung und kein Outsourcing im Bildungssektor
    • Abschaffung von Zugangsbeschränkungen wie etwa dem NC
    • keine Schul- und Studiengebühren jeglicher Art
  • die Demokratisierung der Hochschulen, damit insbesondere
    • Viertelparität in allen Gremien
    • Studierendenvertretungen im Präsidium und den Dekanaten
  • die Selbstbestimmung im Studium, damit insbesondere
    • Verlängerung des BA von 3 auf 4 Jahre
    • freier Masterzugang
    • Flexibilisierung der Studienverlaufspläne
    • Abschaffung von Überwachungsinstrumenten wie Anwesenheitslisten, Campus Management, Zwangsberatungen, u.ä.
    • freie ABV-Wahl aus dem kompletten Studienangebot
  • die Trennung von Wirtschaft und Wissenschaft, damit insbesondere
    • keine Scheuklappenwissenschaft durch Drittmittelorientierung
    • keine mit WirtschaftsvertreterInnen bestückten „wissenschaftlichen Beiräte“
    • keine public-private-partnerships, wie die der FU mit dem Klett-Verlag zur Gründung einer Privatuniversität auf FU-Gelände
    • deutliche Finanzierungserhöhungen durch das Land Berlin in den anstehenden Hochschulverträgen für eine Autonomie der Hochschulen von der Wirtschaft
    • keine Werbung und keine Shops in der Uni
  • eine offene Kommunikationspolitik des Präsidiums, damit insbesondere
    • allgemeine Information der Studierenden über anstehende Pläne und Veränderungen
  • ein Nein zu Bibliothekszusammenlegungen und Institutsschließungen
  • den Rücktritt Dieter Lenzens

Als pdf sind diese Forderungen auch hier verfügbar.

ZEIT Campus Forum offenbart wenig Neues

Mai 15, 2008

Am gestrigen Mittwochabend fand das „Campus Forum“ der ZEIT im Henry-Ford-Bau statt. Thema der Diskussionsrunde: „Schnelles Studium oder voller Lebenslauf – Was zählt beim Berufseinstieg?“.

In der von ZEIT-Campus Redakteur Jan-Martin Wiarda moderierten Veranstaltung stellten sich je einE VertreterIn von Shell Deutschland, Deutscher Bahn AG und DIS AG (ein Personaldienstleister im Bereich Zeitarbeit) den Fragen des Auditoriums, das mehrheitlich aus Studierenden der Wirtschaftswissenschaften bestand (es waren allerdings auch einige Sozial-, Geistes- und NaturwissenschaftlerInnen anwesend).

Diskutiert wurde wie der Titel schon suggeriert das Problem zweier sich scheinbar ausschließender Ideale „modernen Studierens“, wie sie von Wirtschaftsvertretern gefordert werden: Zum einen sollen die Studierenden ihr Studium möglichst zügig abschließen, andererseits sollen sie aber beim Abschluss ihres Studiums schon diverse Auslandserfahrungen, Praktika, etc. vorweisen können, also über einen „dicken“ Lebenslauf verfügen.

Nachdem die drei VertreterInnen aus der Wirtschaft reichlich Werbung für ihr jeweiliges Unternehmen gemacht hatten (was sich dann im Laufe der Veranstaltung immer wiederholte) offenbarten sie den Anwesenden Erstaunliches: einen Widerspruch gäbe es nicht wirklich, man könne schnell studieren und währenddessen durchaus noch Erfahrungen in der Praxis sammeln.

Im Zweifelsfall sei aber natürlich schon die Erfahrungen die man z.B. im Ausland gemacht hat wichtiger, als dass man schon mit 22 oder 23 das Studium fertig habe. „Wir stellen niemanden ein, nur weil er 22 ist“ war ein Satz den man oft hörte. Andererseits räumte man offen ein, dass die Wirtschaft darauf gedrängt habe, dass die AbsolventInnen jünger sein sollen und nicht erst mit Ende 20 oder noch später ihren ersten festen Job annehmen.

Das sei aus Gründen der internationalen Vergleichbarkeit auch für die Studierenden wichtig, wenn früher einE deutscheR StudentIn mit dem Studium in Deutschland fertig geworden sei, habe einE AkademikerIn im selben Alter im Ausland schon 5 Jahre Berufserfahrung gehabt. Wolle der/die deutsche AbsolventIn dann ins Ausland, sei er/sie im Nachteil (bzw. müsse sich dann ggf. damit abfinden, für jemanden zu arbeiten, der gleich alt oder sogar noch ein deutliches Stück jünger sei, was nicht jedermanns Fall sei). Auch sei es aus finanziellen Gründen von Vorteil, möglichst früh voll ins Berufsleben einzusteigen, die Uni also möglichst schnell hinter sich zu bringen.

Ansonsten fielen den drei VertreterInnen keine plausiblen Gründe auf die direkte Frage eines Kommilitonen ein, warum er denn überhaupt schnell studieren solle, außer, dass es natürlich auch aus volkswirtschaftlichen Gründen besser sei, wenn einE AkademikerIn früher von der Uni komme und früher anfange einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Inwiefern aber die Arbeitgeber davon profitieren, wenn die Beurfseinsteiger nicht mehr 28 oder 29 sondern 22 oder 23 sind, blieb völlig im Dunkeln.

Die drei VertreterInnen, die in ihrem jeweiligen Unternehmen alle auf „Recruiting“ spezialisiert sind, gaben dann einen kleinen und leider nur recht oberflächlichen Einblick in ihre Auswahlstrategien.

Während der Vertreter der Deutschen Bahn ganz nach seinem Chef geraten zu sein schien und in Brachialrhetorik bekannte, sein Unternehmen wolle nur die besten und das erste Auswahlkriterium sein nun mal die Noten im Studium, ging die Shell-Repräsentantin deutlich subtiler vor und gerierte sich in Marketing-Geschwurbel, dass es primär nicht darum ginge, die besten zu bekommen, sondern jene die zum Unternehmen passen und zu denen umgekehrt auch das Unternehmen passt, und man in seinen Lebenslauf alles reinschreiben solle, was man so gemacht hat, da z.B. auch soziales Engagement sehr wichtig sei.

Selbst jemand der vielleicht nicht das beste Abschlusszeugnis vorzuweisen habe, würde sicherlich bei der Deutschen Bahn in die engere Wahl kommen, wenn er z.B. vorher bei der DB ein Praktikum gemacht habe, ergänzte der DB-Vertreter. Insgesamt müsse sich aber keiner der Anwesenden Sorgen machen, keine Arbeit zu bekommen, da die „Ressource Mensch knapp sei“. In diesem Punkt waren sich alle drei auf dem Podium einig.

Mit dem Bachelor habe man bisher wenig Erfahrung gesammelt, allerdings würde jedeR seine/ihre Chance bekommen, wenn er/sie die entsprechenden Qualifikationen vorweisen könne, egal ob Bachelor oder Diplom, ob Wirtschaftswissenschaftler oder Geisteswissenschaftler, Uni- oder FH-Absolvent. Der Message war klar: Auch Quereinsteiger oder AbsolventInnen mit BA würden natürlich Möglichkeiten geboten bekommen – wenn, ja wenn sie nur in das gewünschte Profil passten.

Wichtig sei auch, dass die AbsolventInnen wissen was sie eigentlich wollen, idealerweise schon vor dem Studium spätestens aber währenddessen.

Ingesamt handelte es sich bei dieser Veranstaltung mehr um eine Art „Bewerbungsberatung“, viele der Anwesenden die mit ihrem Studium gerade fertig waren oder dabei sind fertig zu werden, konnten im anschließenden „Get together“ noch detailliertere Fragen stellen und/oder Kontakte knüpfen.

Die eigentliche Frage der Diskussionsrunde wurde aber natürlich nicht hinreichend erörtert. Im Zweifelsfall geht Praxiserfahrung, nach Möglichkeit auch im Ausland, eben doch über ein in Regelstudienzeit abgeschlossenes Studium (wobei es natürlich auch auf die Art der Praxiserfahrung ankommt). Das lässt sich soweit festhalten, war aber auch keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Etwas mehr Diskussionstiefe wäre wünschenswert gewesen, war aber sicherlich bei einer solchen Veranstaltung auch nicht zu erwarten.

AktivistInnen des Protestsemesters hätten vielleicht für etwas Abwechslung sorgen können, waren aber trotz vollmundiger Plakatüberkleber nicht präsent. Zumindest nicht merklich.

FU Campus Camp und weitere dezentrale VVs

Mai 14, 2008

Am gestrigen Dienstag hat die „Campuswoche“ begonnen, die die Studierenden für die kommende Aktionswoche mobilisieren und mit Informationen versorgen soll. Zu diesem Zweck soll es auch erste Veranstaltungen und Aktionen geben.

Im Zentrum der Campuswoche steht das „FU Campus Camp“ im Innenhof der Silberlaube, welches den Austausch zwischen den Studierenden ermöglichen, sie mit Infomaterial versorgen und Ausgangspunkt für Aktionen sein soll. In der Einladung heißt es:

„Jetzt ist endlich soweit: In der nächsten Woche, d.h. vom 13.-16. Mai, werden wir an der Uni ein tolles Camp aufbauen, um innerhalb dieses Freiraums durch Workshops, Gespräche, Diskussionen, spontane Aktionen, gemeinsames Kochen und vieles mehr die darauffolgende Aktionswoche einzuleiten und vorzubereiten.

Neben dem mobilisierenden Effekt, den wir hoffentlich durch das Camp und die vier Infopunkten auslösen werden, können wir die Zeit zudem nutzen, um uns kennenzulernen, Spaß zu haben und Auseinandersetzungen über grundsätzliche Fragen des politischen Handelns zu führen, die über Orga-Kram und Hochschulpolitik hinausgehen. Und das bei tollem Wetter, Grillen, Musik und netter Atmosphäre!“ („Auf zum FU Campus Camp“, BBFB Blog, 10.05.08)

Erste optische Eindrücke des Camps gewinnt man durch je eine Fotostrecke im BBFB-Blog und bei Anna im Bildungswiki (einfach etwas runterscrollen).

Unterdessen gehen einige KommilitonInnen auch einen Schritt weiter und campen tatsächlich im Camp, veranstalten also quasi ein „FU Campus Camp Camping“. Konkret meint das, dass die Beteiligten vorhaben im Innenhof der Silberlaube mit Zelten und Schlafsäcken zu übernachten, um so doch noch ein bisschen Besetzungsstreik-Feeling und Lagerfeuer-Atmosphäre zu erzeugen. Ob sie die erste Nacht gut überstanden haben oder ob sie durch die Polizei bzw. die FU Security unsanft vom Gelände befördert wurden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unbekannt.

Unklar ist auch, was mit dem geplanten zweiten „Campus Camp“ in Lankwitz passiert ist. Da man darüber nichts mehr liest, ist wohl davon auszugehen, dass man sich darauf beschränkt hat, doch nur ein Camp in der Silberlaube aufzubauen. Vielleicht erscheint dieses zweite Camp auf dem Campus Lankwitz auch erst zur kommenden Aktionswoche.

Heute (14.05.) findet zudem um 12 Uhr im Hörsaal B des Henry-Ford-Baus die zweite OSI/PuK-Vollversammlung statt. Thema wird dort insbesondere sein „Was wollen wir erreichen? Wie wollen wir es erreichen? Wer hat Lust, was zu machen?“.

Dies sind wichtige, zentrale Fragen, die m.E. aber eben bereits auf der 1. OSI/PuK-VV hätten geklärt werden müssen, um die Ideen und Forderungen anschließend zusammmen mit entsprechenden Ausarbeitungen anderer dezentraler VVs auf der Gesamt-VV zu präsentieren und dort zur Abstimmung zu stellen.

Obwohl die Mehrheit (oder zumindest viele) der Anwesenden auf der 1. OSI/PuK-VV diese 2. OSI/PuK-VV wollten, steht zu befürchten, dass sie etwas versacken wird (weil damals auch nicht deutlich gemacht wurde, welchem Zweck diese 2. VV eigentlich konkret dienen soll), dass also auf dieser 2. VV weniger KommillitonInnen auftauchen werden und die ja vorhandende inhaltliche Relevanz letztlich nicht das nötige Gewicht bekommen wird. Die Ergebnisse der VV werden vermutlich zu wenig Einbindung in den weiteren Verlauf des Protestsemesters erhalten.

Ähnliches ließ sich zumindest bei der 2. Geschichte/Kunstgeschichte-VV beobachten, wo einerseits erstmals diskutiert wurde, was man eigentlich konkret fordert, was geändert werden müsste (siehe FSI Geschichte Blog), andererseits aber auch nur halb so viele Studis anwesend waren, wie auf der 1. Geschichte/Kunstgeschichte-VV (siehe LHG Blog) und die Ergebnisse der VV offenbar auch im Nachhinein nicht stärker thematisiert werden.

Denn dadurch, dass sich die Mehrheit der protestwilligen Studierenden jetzt auf die Campus- und Aktionswoche samt Workshops konzentriert, besteht natürlich die Gefahr, dass die Ergebnisse der zweiten Runde von dezentralen VVs zur Randnotiz werden, da es keine Gesamt-VV mehr gibt, die dann eine Gesamt-Resolution verabschieden könnte.

Denkbar wäre natürlich, dass die Forderungen und Durchsetzungsstrategien dann zumindest in einigen der Workshops wieder aufgegriffen werden. Im Kern des Protestsemesters scheinen sie aber offenbar nicht zu stehen.

Link-Sammlung zum Protestsemester

Mai 13, 2008

Hier eine Link-Sammlung für das Protestsemester 2008 die regelmässig aktualisiert wird.

Vorläufiges Vorlesungs- und Veranstaltungsverzeichnis

Mai 9, 2008

Die Orga-Studierenden der Aktionswoche (19.05. bis 23.05.) haben inzwischen ein so genanntes „vorläufiges Vorlesungs- und Veranstaltungsverzeichnis“ veröffentlicht, abgekürzt VVVV. Das „vorläufig“ soll dabei betonen, dass es an diesem Verzeichnis immer noch Änderungen geben kann, inbesondere die Räumlichkeiten und Orte stehen für etliche Veranstaltungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht ganz fest. Dennoch ist es wohl dieses VVVV, welches dann im Vorfeld der Aktionswoche auch als Druckerzeugnis verteilt wird.

Die Veranstaltungen haben sowohl universitätsbezogene wie außeruniversitäre Themen zum Gegenstand, wobei letztere in der Mehrheit zu sein scheinen. Auffällig ist dabei schon, dass zwar in der Einleitung Schlagworte wie „Campus Management“, „Anwesenheitslisten“ und „Bachelor“ fallen, allerdings nur um zu betonen, dass es darum geht sich mit der Aktionswoche für einen Moment von ihren Zwängen zu befreien:

„Das heißt eine Woche ohne Campusmanagement und Anwesenheitslisten, ohne Kontrolle und Zwang (…) Es wird deshalb Workshops zur Situation an der FU, Seminare zur allgemeineren Hochschulpolitik und Veranstaltungen zu Themen geben, die im Bachelor-Alltag immer weniger oder schon gar keinen Raum mehr haben.“ (VVVV)

Doch wie kann diese Aktionswoche z.B. dazu beitragen, dass aus dem 6 semestrigen Bachelor ein 8 semestriger Bachelor wird? In welchem der Workshops werden z.B. Strategien diskutiert, wie man die ungewollten Bibliothekszusammenlegungen an der FU verhindern kann? Es gibt einen Workshop zu „Dieter Lenzens Hochschulpolitik“, einen zu „Hochschule im Kapitalismus“ und einen zur „Exzelleninitiative“, dort wird hoffentlich genau auch das stattfinden. Aber reicht das?

Die zentrale Befürchtung steht natürlich im Raum, dass die Aktionswoche schnell wieder auf ein „Schön, dass wir mal drüber geredet haben“ hinausläuft. Interessante Workshops mit interessanten Diskussionen, denen aber keine Änderung des Status quo folgt.

Natürlich ist die Hoffnung eines solchen „Protestsemesters“ auch, dass hier vielleicht der Grundstein für eine Protestbewegung gelegt werden kann, deren Wirken nicht unmittelbar sondern längerfristig sichtbar wird. Dass die Durchsetzung von Änderungen also viel mehr Zeit braucht und man daher einen „dauerhaften Protest“ ins Leben ruft. Und doch: Man hat das Gefühl, der Protest plätschert immer nur so langsam vor sich hin, ohne dass sich wirklich etwas ändert.

Die Urfassung des VVVV umfasste unter anderem auch einen tabellarischen Übersichtsplan, der aber offenbar eingescannt und dann als Grafik in Form einer extra Seite in das pdf eingefügt wurde, womit die Datei ein 573 KB Oschi wurde.

FUwatch hat dem VVVV ein alternatives Layout verpasst, diese „Slim Edition“ (Download hier) verzichtet auf den besagten „Stundenplan“ ebenso wie auf das Deckblatt und ist nur 61 KB groß. Schon im Querformat designed, ist man mit schlappen 7 Druckseiten dabei.

Wer sich das VVVV weder selber ausdrucken noch am Monitor reinziehen will, sollte einfach noch ein paar Tage warten, es gibt natürlich eine Printversion, die dann von den Orga-Studis unters Volk gebracht wird.

Verhältnismäßig schwache Vollversammlung

Mai 8, 2008

Die gestrige FU Vollversammlung gehörte sowohl was die Anzahl der anwesenden Studis anging als auch was die inhaltlichen Auseinandersetzungen angeht eher zu den schwächeren.

Es waren zwar noch etliche Protest- und/oder Informationswillige erschienen, allerdings war der Hörsaal 1a in der Silberlaube doch deutlich leerer als noch auf der vorhergehenden VV, auf der im letzten Semester euphorisch das „Protestsemeter“ für diesen Sommer beschlossen wurde (Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester“). Wolf schreibt im LHG Blog, er habe auf dem Höhepunkt der Veranstaltung nur 210 Studierende gezählt, was gut hinkommen kann und für eine Gesamt-VV wenig ist.

Schwerer als der sichtbare Rückgang der alleinigen Anzahl von Interessierten wiegt jedoch, dass die Vollversammlung auch inhaltlich eher schwach war. Die Diskussion drehte sich weitgehend im Kreise, es wurden immer wieder und wieder nahezu identische Standpunkte vorgebracht, es wurden weder konkrete Forderungen aufgestellt noch Beschlüsse gefasst, die VV beschränkte sich weitgehend darauf eine reine Informationsveranstaltung zu sein, deren Neuigkeitswert sich in Grenzen hielt, wie die folgende Zusammenfassung auch aufzeigen wird.

Zum weiteren Ablauf des Protestsemesters

In einem einleitenden Teil skizzierte ein Kommilitone in seinem Vortrag noch einmal kurz den weiteren, geplanten Ablauf des Protestsemesters.

Vom 13.05. bis 16.05. gibt es wie schon berichtet die so genannte „Vorbereitungswoche“, die jetzt aber „Campuswoche“ heißt. In dieser Woche soll es an zentralen Punkten auf dem Campus Infostände geben, die die Funktion wahrnehmen die Studierenden für die folgende „Aktionwoche“ zu mobilisieren und sie natürlich auch mit Informationen zu versorgen (Worum geht es, gegen was richtet sich der Protest, was wollen wir, etc.). Dafür werden dann unter anderem auch das Aktionswochen-KVV und Flyer verteilt.

An die „Campuswoche“ schließt sich dann die „Aktionwoche“ vom 19.05. bis 23.05. an. Dort gibt es neben diversen Seminaren, Vorträgen und Workshops dann auch ein zentrales „Aktionswochencamp“ (als zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für Aktionen), ferner wird es viel Musik, VoKü und eine große Abschlussparty geben.

Am Donnerstag den 22.05. findet dann der so genannte „SchülerInnenstreik“ statt, an dem sich auch alle Studierende beteiligen sollen, da es sich hier um einen Protesttag handelt, der sich generell gegen Bildungs- und Sozialabbau richtet. Startpunkt der Demo ist 11 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Vor und nach der Demo kann es zwar noch Protest-Workshops geben, für den Zeitraum zwischen 11 und etwa 18 Uhr wurden aber bewusst keine Veranstaltungen angesetzt, da in diesem Zeitfenster alle zur Demo / zum Streik kommen sollen.

Zum Bibliotheksskandal

Im folgenden Vortrag beschrieb Stefan kurz die aktuelle Situation im Bibliotheksskandal. Da es sich hier um eine Gesamt-VV handelte, richtete er den Fokus bewusst nicht so sehr nur auf den Streit um die PolSoz-Bibliothek, sondern allgemein auf den Prozess der Bibliotheksschließung / -zusammenlegung an der FU.

Die Zusammenfassung kann im wesentlichen unter „Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015“ nachgelesen werden, ein FUwatch-Eintrag der einen Bericht Stefans aus dem Kuratorium zusammenfasst.

Stefan betonte darüber hinaus noch die Notwendigkeit für Studierende sich intensiver als bisher mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Denn die BefürworterInnen der Bibliotheks-Zentralisierungen führen diverse tatsächliche oder vermeintliche Vorteile an: bessere Ausstattung, besseres Licht, bessere Architektur, längere Öffnungszeiten, usw.

Demgegenüber stehen die Erfahrungen der Studierenden, die sie mit der Philologischen Bibliothek gewonnen haben. Die PhilBib als Beispiel für einen solchen Typ von moderner Zentralbibliothek zeigt auf, wohin die Reise geht: Oft zu laut, wegen Überfüllung zu Prüfungszeiten nur bestimmten Studierenden zugänglich, Bücher können immer weniger ausgeliehen werden und müssen immer stärker vor Ort studiert werden (was den Platzmangel noch weiter verstärkt).

Studierende die sich in den Protest einbringen wollen legte Stefan nahe, sich in der Bib-Gruppe zu engagieren, die Protestaktionen plant (wie etwa die gestrige Besetzung der PolSoz-Bib am Morgen) und die sich darüber hinaus auch inhaltlich mit dem Problem auseinandersetzt und versucht weitere Proteststrategien zu entwickeln. Obwohl bisher nur auf die PolSoz-Bib ausgerichtet, könnte die Arbeit der Gruppe zukünftig ausgeweitet werden und sich dann eben auch allgemein mit dem Problem der Bibliothekszusammenlegungen an der FU befassen.

Der Quorums-Streit

Wie angekündigt sollte dann auch über einen Protesttext abgestimmt werden, der sich gegen die Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken wendet und an den dann eine Unterschriftenliste angeschlossen wird.

Hier intervenierte jedoch Wolf mit dem altbekannten Hinweis darauf, dass das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs nicht erreicht sei, die VV somit gar nicht beschlussfähig sei. Dem wurde wie immer entgegengehalten, dass wenn die VV keine offiziellen Beschlüsse fassen könne, sie eben inoffizielle verabschieden würde, also im Namen der Anwesenden, nicht stellvertretend für die FU-Studierendenschaft. Auch wurde angeregt, dass das StuPa den Beschluss dann eben fassen solle.

Obwohl sich Wolf mit seiner Position nicht durchsetzen konnte, die Mehrheit der Anwesenden sich deutlich und laustark gegen seinen Einwand artikulierte, erreichte er doch offensichtlich, dass die Abstimmung über den Text nicht stattfand. Zumindest hat es bis 16 Uhr keine Abstimmung gegeben (unwahrscheinlich, dass er in der „Nachspielzeit“ doch noch verabschiedet wurde).

Die Unterschiftenlisten gingen aber natürlich trotzdem rum und waren ja auch nicht an einen Beschluss der VV gebunden.

Der Bologna Prozess

Der Kommilitone Batti hielt anschließend einen Vortrag über die Probleme die durch die Bologna Reform entstanden sind, Schwerpunkt war hier natürlich einmal mehr der Bachelor. Man könne ihn zwar nicht mehr abschaffen, aber natürlich sehr wohl noch modifizieren, etwa von 6 Semester auf 8 Semester Regelstudienzeit hochgehen. Eine weitere zentrale Forderung müsse sein, dass jedeR der/die es möchte nach einem BA noch einen MA machen kann.

Genannt wurden nahezu alle zentralen Probleme: statt einer Vergleichbarkeit kommt es zu einer zunehmenden Isolierung der Hochschulen, die jeweils „ihr Ding“ durchziehen; die Abbrecherquote ist in einigen Bereichen nicht gesunken sondern gestiegen, was nicht nur aber auch mit dem zu hohen Workload zu tun hat; Verschulung und Zeidruck nehmen rapide zu und lassen kaum noch Zeit zur Reflexion und Orientierung über den Studieninhalt.

Ausführlicher kann man dies z.B. bei FUwatch zuletzt unter „And the flames went higher…“ und „Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory“ nachlesen. Empfehlenswert ist dazu auch noch „Der Mythos vom besseren Studium“, ein Artikel in dem der Kommilitone Mathias die zentralen Erkenntnissse aus Studien und Umfragen zum BA/MA der letzten Zeit zusammenfasst und auswertet.

Bildungsprivatisierung

Im folgenden gab es einen Beitrag einer Kommilitonin, in dem diese die Problematik der zunehmenden Bildungsprivatisierung und die damit einhergehende Entdemokratisierung der Hochschulen thematisierte.

Genannt wurden einige Beispiele wie etwa ein Kongress der die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker fokussierte; das Public-Private-Partnership zwischen dem Klett Verlag und der FU, das unter anderem dazu führt, dass über die Hintertür Studiengebühren eingeführt würden; die Exzellenzinitiative die dazu führt, dass stärker denn je über den (marktwirtschaftlichen) Wettbewerb gesteuert wird, zu welchen Themen geforscht wird und zu welchen nicht.

Ein sehr wichtiges Thema, bei dem man sich gewünscht hätte, dass die Kommilitonin doch noch etwas mehr ins Detail geht. Denn teilweise überflog sie die genannten Beispiele recht schnell und der Vortrag blieb dadurch etwas oberflächlich und schlagwortartig.

Über den Tellerand geblickt

In der Kategorie „Wir müssen auch über den Tellerand blicken und den gesamtgesellschaftlichen Kontext nicht aus den Augen verlieren“ gab es diesmal einen Exkurs darüber was universitäre Forschung im außeruniversitären Bereich teilweise verheerendes bewirkt und wie Unternehmen zunehmend Bildungspolitik beeinflussen.

Hier wurde zunächst skizziert wie der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) an der FU die bundesdeutsche Außenpolitik in Afghanistan beeinflusst bzw. unterstützt. Also was es z.B. heißt, wenn westliche Wissenschaftler die Deutungshoheit darüber erlangen, was ein „failed state“ ist. Unter „SFB Governance in der Kritik“ wurde das Thema auf FUwatch (samt Kommentaren) schon andiskutiert.

Dann ging es um die „Military Studies“ an der Uni Potsdam, die Entwicklung von so genannten „Unbemannten Luftfahrzeugen“ (UAVs) an der TU Karlsruhe und darum wie Bertelsmann (bzw. das Centrum für Hochschulentwicklung, CHE) am berüchtigten Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) in NRW mitgewirkt hat.

Teilweise wirkte der Vortrag doch etwas plakativ, etwa wenn kritisiert wurde, dass Hasso Plattner als einer der reichsten Deutschen das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Uni Potsdam finanziert, ohne näher zu konkretisieren, warum das eigentlich ein Problem ist.

Insgesamt sollte der Vortrag deutlich machen, dass „alles zusammengehört“, Geschehnisse an der Uni nicht losgelöst von Geschehnissen außerhalb der Uni betrachtet werden können, sondern viel mehr die Wechselwirkungen genau beobachtet und der größere Rahmen nie aus den Augen verloren werden sollte.

„Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“

Zu den klassichen Konfliktlinien die sich auf nahezu jeder Vollversammlung abzeichnen gehört neben „Müssen uns auf Uni-Themen konzentrieren“ vs. „Müssen auch gesamtgesellschaftlichen Kontext beachten“ insbesondere auch „Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“.

Während eine Kommilitonin mit der Losung „Klein aber gemein“ die Position auf den Punkt brachte, dass Masse im Protest nicht unbedingt alles ist und auch Wenige etwas bewirken können, ging ein anderer Kommilitone soweit die These aufzustellen, wenn es nicht gelinge deutlich mehr zu mobilisieren als gerade anwesend sind, könne man es auch gleich ganz lassen.

Hinzu kommen jene KommilitonInnen die dann betonen, es müsse eine Zwischenlösung geben: Also einerseits natürlich starke Anstrengungen mehr Studierende zu mobilisieren, andererseits aber den Protest auch in kleineren Zirkeln vorantreiben, wenn nicht mehr erscheinen.

Dies ist in der Tat eine zentrale, strategische Frage, die sich aufgrund der sichtlich weniger erschienenden Protestwilligen aufdrängte. Trotzdem ist es unverhältnismäßig wenn zwischen einer halben und dreiviertel Stunde auf der VV ausschließlich diese Grundsatzdebatte geführt wird. Zudem mit den immer gleichen Argumenten, denn es fiel auf, dass Redner oftmals einfach nur in anderen Worten wiederholten, was ihrE VorrednerIn gesagt hatte.

Statt Beschlüsse zu fassen, Forderungen aufzustellen und inhaltlich voranzukommen ging es über einen langen Zeitraum auf der VV nur darum, ob man mehr Studierende braucht und wenn ja, wie diese zu mobilsieren sein.

Die Mobilisierungsfrage

Immer wieder wurde auch die aus Sicht vieler Anwesenden offenbar schlechte Protest-Kommunikation kritisiert. So würden viele KommilitonInnen z.B. vom Protestsemester im Allgemeinen oder der VV im Speziellen gar nichts wissen, da sie nicht rechtzeitig und umfassend informiert würden. Als Konsequenz würden die dann eben auch nicht erscheinen.

Es wurden dann verschiedene Methoden diskutiert, etwa ob man nicht wirklich alle Studierende über Email erreichen könne und dass man bereits auf den Flyern genau darlegen sollte, worum konkret es im Protest geht und gegen was er sich richtet, anstatt einfach nur den Namen einer Veranstaltung (hier: VV), den Ort, die Uhrzeit, das Datum und eine kämpferische Losung abzudrucken.

Die OrganisatorInnen der VV betonten, dass sie immer nur zwischen 10 und 15 Leute gewesen wären, wenn es hoch käme würden vielleicht mal 20 zu den Vorbereitungstreffen kommen. Jene die also mehr Studis mobilsiert und die Kommunikation verbessert sehen möchten, sollten auch mal „selber ihren Arsch hochbekommen“.

Tatsächlich fällt natürlich auf, dass von jenen die auf einer VV erscheinen dann anschließend nur eine relativ übersichtliche Gruppe übrigbleibt, die auch dauerhaft bereit ist, etwa an AGs oder an der Organisation von Workshops mitzuwirken.

Ein Kommilitone erwähnte, dass er vor Beginn der VV über den Campus gezogen sei und lautstark andere Studierende dazu aufgefordert hatte, zu der VV zu kommen. Viele hätten ihn ignoriert, manche sich auf ein Gespräch eingelassen. Immer aber hätte es geheißen, man sehe das Problem, habe aber keine Zeit sich in den Protest einzubringen (oder einfach mal nur auf die VV zu kommen), müsse anderes erledigen.

Diese Anekdote offenbart, dass die bisher eher schwache Mobilisierung für den Protest vielleicht nicht nur etwas mit Kommunikationsdefiziten zu tun hat, sondern auch mit dem schlichten Protest-Unwillen vieler KommilitonInnen. Vermutlich lautet die häßliche Wahrheit, dass selbst wenn man jedem Studiereden postalisch einen Brief über das Anliegen des Protest zu kommen lassen könnte, nicht unbedingt mehr Personen zu Veranstaltungen wie einer VV kommen würden.

Unwahrscheinlich, dass Aufrufe wie „Wir müssen mehr in die Seminare gehen und die Sache dort ansprechen“ das Problem wirklich lösen können. Studierende die in Lehrveranstaltungen hochschulpolitische Appelle verbreiten, finden erfahrungsgemäß nicht unbedingt mehr Beachtung und wenn doch, führt diese reine Kenntnisnahme nicht dazu, dass dann auch plötzlich mehr Studis sich hochschulpolitisch engagieren.

Sich selbst einzugestehen, dass man zumindest in der Funktion als AktistIn nur Teil einer Minderheit ist, weil die einfach nicht mehr zu mobilisierende breite Masse zu lethargisch, gleichgültig und angepasst ist, ist etwas was inbesondere junge, euphorische Semester nicht zu leisten vermögen. Und daraus ergeben sich dann immer diese end- und sinnlosen „Wir müssen mehr Studierende erreichen“ Debatten.

Fazit

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich besteht der primäre Sinn und Zweck einer VV darin, dass man konkrete Forderungen aufstellt, diskutiert, zur Abstimmung stellt und anschließend eine Resolution erlässt (so geschehen z.B. zuletzt im Warnstreik 2005).

Egal, ob die VV nun formal beschlussfähig ist oder nicht: Es geht hier doch um etwas ganz Grundlegendes, nämlich sich darüber klar zu werden, 1) was genau passt uns eigentlich nicht und 2) was genau sind eigentlich unsere Forderungen und Ziele. Ohne solche konkret ausformulierten Ziele bleibt der Protest letztlich schwammig und beliebig.

Statt nun auf der Gesamt-VV verschiedene Forderungen vorzustellen und zur Abstimmung zu stellen, werden erst jetzt Forderungen in AGs gesammelt. Ein Arbeitsschritt, der vor der VV hätte erfolgen müssen, beginnt erst nach ihr. Was vermutlich auch etwas mit der „dünnen Personaldecke“ der Protestierende zu tun hat, nur dann muss man vielleicht auch Prioritäten anders setzten.

Das spielt darauf an, dass im Zentrum dieses Proteststemesters natürlich die Aktionswoche mit den Workshops steht. Darauf konzentriert sich zur Zeit der Großteil der Arbeit, die VV ist nur noch Beiwerk, eine Art Informationsveranstaltung auf der man den Status quo klärt und dann ewig debattiert, wie mehr Studis gewonnen werden können. Was auch wichtig ist, aber eben nicht so wichtig, wie endlich mal konkrete Protestforderungen zu verabschieden. Eine Protestbewegung, die nicht präzisieren kann, was genau sie eigentlich will, läuft unweigerlich ins Leere.

Aber gut, sagen wir, es ging bei dieser VV eben primär um Informationsvermittlung und Brainstorming für die kommende Campus- und dann Aktionswoche. Warum hat man dann nicht z.B. wenigstens einfach mal das KVV an die Wand geworfen (welches ja inzwischen fertig ist) und die verschiedenen Workshops vorgestellt? Dann hätte sich jedeR der Anwesenden schon mal überlegen können, in welche Workshops er/sie sich vielleicht einbringen möchte und man hätte so vielleicht auch zu einer inhaltlichen Diskussion gefunden, die über die reine Mobilisierungsfrage hinausgeht.

Selbst dann wäre aber der fade Beigeschmack zurückgeblieben, dass konkrete Ziele des Protests bisher nicht ausformuliert wurden, dass eine Chance vertan wurde, Forderungen in einer Resolution zusammenzufassen. Mit einem solchen Papier in der Hand, ob nun offiziell oder nicht, wäre jedem ersichtlich, was konkret eigentlich an den unhaltbaren Zuständen geändert werden soll, was der Protest erreichen möchte.

GIMP, Ubuntu und GnuPG in der Aktionswoche

Mai 7, 2008

Inzwischen basteln die ProtestaktivistInnen fleißig am KVV für die Aktionswoche. Einige Termine stehen bereits fest, so z.B. einige computertechnische Workshops, die den TeilnehmerInnen für die „elektronischen Sphäre“ nützliche Kernkompetenzen vermitteln sollen.

GIMP

GIMP ist eine mit Adobe Photoshop vergleichbare aber kostenlose Bildbearbeitungssoftware für Linux, Windows und Mac. Die TeilnehmerInnen am Workshop sollen mit Hilfe des Programms in die Lage versetzt werden, selbst Aufkleber, Plakate, T-Shirts oder ähnliches zu designen. Was nicht nur aber natürlich auch für den Protest wichtig ist.

Der GIMP-Workshop wird voraussichtlich am Dienstag den 20.05. ab 15 Uhr stattfinden. Wo genau ist noch unklar, bisher ist das Rote Café vorgesehen, besser wäre aber natürlich z.B. der PC-Pool im OEI, der eigentlich nie bis ans Limit mit Lehrveranstaltungen belegt ist.

Ubuntu-Install-Party

Ubuntu ist eine kostenlos erhältliche Linux-Distribution. Auf der „Install Party“ wird vorgeführt, wie man das System sicher auf einem Windows-Rechner installiert (neben Windows oder als Ersatz).

Sie findet am Mittwoch den 21.05 ab 15 Uhr entweder in einem Raum der ZEDAT oder aber in den SPLINE Räumlichkeiten in der Informatik statt.

GnuPG

„GnuPG oder GPG ist ein freies Kryptographiesystem, d.h. es dient zum Ver- und Entschlüsseln von Daten sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen“ (Wikipedia).

Der Einsatz von GnuPG ermöglicht es Studierende z.B. ihre Emails, Dateien und Festplatten zu verschlüsseln. Der „Praxisworkshop Datenschutz“ mit dem Schwerpunkt „Verschlüsselung“ findet am Montag den 19.05. ab 16 Uhr in einem bisher noch unbekannten Raum statt.

Entsprechende Anleitungen zur Verwendung von GnuPG / PGP können aber z.B. auch bei Kai Raven nachgelesen werden.

Studiengebühren für identitätsstiftende USB-Sticks

Mai 6, 2008

In der taz gibt es einen frischen Artikel über den Missbrauch von Studiengebühren durch Universitäten. Obwohl die Gelder eigentlich nur zur Verbesserung von Studium und Lehre verwendet werden dürfen, stecken sie viele Unis offenbar in die unmöglichsten Projekte, da man so gut wie jede Investition darauf herunterbrechen kann, dass sie letztlich der Verbesserung des Studiums und der Lehre dient.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, in regelmässigen Abständen tauchen solche kritischen Artikel in den Medien auf (siehe dazu z.B. „Studiengebühren für Imagebroschüren“). Trotzdem kann es nicht so falsch sein, sich den Wahnsinn in regelmäßigen Abständen immer mal wieder vor Augen zu führen. Gerade hier in Berlin, als kleine Erinnerung was mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren würde, würden auch hier Studiengebühren eingeführt.

Hier etwa ein Beispiel von der Universität des Saarlandes:

„Für 93.000 Euro stattete sie [die Uni des Saarlandes, Anm. FUwatch] die Studierenden aus Gebührengeldern mit USB-Datenspeichersticks aus, für knapp 15 Euro pro Stück. Die Speichersticks könnten sich die Studis zwar in jedem Elektro-Discountmarkt billiger kaufen, doch immerhin prangt auf den USB-Sticks auch das Logo der Uni: eine Eule, Sinnbild der Weisheit. ‚Damit will die Universität des Saarlandes auch dem Wunsch vieler Studierender nach einer größeren Identifikation mit ihrer Universität entsprechen‘, zeigt sich die Unileitung begeistert.“ („Missbrauchte Moneten“, taz, 05.05.08)

Man stelle sich vor, was das an der PR- und Corporate Identity fixierten FU bedeuten würde. Vermutlich würde es hier dann nicht bei USB-Sticks zur „Identifikation“ bleiben.

Der taz-Artikel listet die Sündenfälle von verschiedenen Unis auf: ein Hochfrequenzpulsator mit Probenhalterung, die Sanierung einer Tiefgarage, ein neuer Parkettfußboden, ganze Seminargebäude, eine neue Klimaanlage, Yogakurse, und natürlich darf auch der Klassiker nicht fehlen: Heizkosten.

In Köln wurde aufgedeckt, dass „gerade mal ein Viertel der Gebühren tatsächlich auf die Verbesserung des Studiums verwandt wird“ (ebd.).

Daneben gibt es Fälle die grenzwertig sind. So wird z.B. auch die Finanzierung neuer Professuren kritisiert, da so ein Professor ja nicht nur lehrt, sondern auch forscht, das Geld aber ausschließlich für die Lehre verwendet werden soll.

Die Konsequenz wäre von den Gebühren (wenn überhaupt) dann wirklich nur noch Dozierende einzustellen, die ausschließlich in der Lehre tätig sind. Gerade diese Tendenz reine „Lehrknechte“ einzustellen wird aber eben auch zunehmend kritisch gesehen (siehe „Hurra, wir kriegen ‚Lecturer'“).