Archive for the ‘OSI’ Category

Der FB PolSoz hat einen neuen Fachbereichsrat

Februar 13, 2009

Was sich schon länger ankündigte ist vorgestern nur endlich eingetreten: Am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften (FB PolSoz) hielt der nach den Januar-Wahlen neu besetzte Fachbereichsrat (FBR) seine konstituierende Sitzung ab bei der ein neues Dekanat gewählt wurde.

Wie Michael Koch im LHG-Blog schreibt, mussten erst 11 Mitglieder des neuen FBR schriftlich die Abhaltung der besagten Sitzung inklusive Dekanats-Wahl einfordern, da die bisherige Dekanin Prof. Dr. Barbara Riedmüller zunächst plante die Konstituierung zu verschieben.

Zum neuen Dekan wurde Prof. Dr. Klaus Beck mit 17:1 Stimmen gewählt. Erste Prodekanin wurde Prof. Dr. Miranda Schreurs mit 16:3 Stimmen. Zur zweiten Prodekanin wurde mit 11:8 wurde Prof. Dr. Cilja Harders gewählt.

Die letztgenannte Entscheidung kam etwas überraschend, da Prof. Harders sich gegen die zuvor hochgelobte Dr. Sabine von Oppeln durchsetzen konnte. Von Frau von Oppeln abgesehen wurde allerdings kaum ein gutes Haar am alten Dekanat gelassen. Eine ausführlichere Zusammenfassung der Aussprache findet sich im oben schon erwähnten LHG Beitrag. Besonders der bisherige „OSI-Zentrismus“ und die Intransparenz wurden Gegenstand scharfer Kritik.

Die genaue Arbeitsteilung im neuen Dekanat wird noch intern geklärt, jedoch steht anscheinend schon fest, dass Prof. Schreurs die neue Forschungs- und Prof. Harders die neue Studiendekanin wird.

Zu hoffen bleibt, dass sich das neue Dekanat an sein Versprechen einen „kooperativen und vertrauensfördernden Arbeitsstil“ zu pflegen halten wird.

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Zur siebten Ausgabe der OSI-Zeitung

Februar 11, 2009

Wie berichtet erschien unlängst die siebte Ausgabe der OSI-Zeitung. Hatte es 2006 und 2007 noch jeweils im Dezember eine OZ gegeben, so ließ sich die Redaktion dieses Mal bis Februar Zeit. Damit gab es im ganzen vergangenen Jahr nur eine Ausgabe im Juli. Ähnlich wie die ersten Ausgaben hat die aktuelle zudem auch wieder nur 16 Seiten (statt 20 wie bei den letzten).

Das Titelthema der siebten OSI-Zeitung ist natürlich der in diesem Semester stark eskalierte Konflikt um die Forschung am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700). Marcel Heberlein lässt hier im Hauptartikel beide Seiten zu Wort kommen (Risse für den SFB, Sarah für die KritikerInnen), wodurch ihm eine recht ausgewogene Darstellung der beiden Positionen gelingt. In einem ergänzenden Kommentar macht er dann aber keinen Hehl daraus, dass er für die Art und Weise wie die SFB-KritikerInnen ihre Kritik postulieren nicht viel übrig hat. Fraglich ist jedoch, ob die Analyse der KritikerInnen wirklich so unterkomplex ist wie Marcel glaubt.

Wie andere auch die Kritik an der SFB-Kritik äußern, tendiert Marcel dazu die KritikerInnen zu sehr auf ihre kämpferische Rhetorik zu reduzieren ohne sich mit der dahinterstehenden, durchaus vorhandenen Kritik wirklich auseinanderzusetzen. Richtig ist aber zunächst sicherlich die These, dass die KritikerInnen sich mit diesen bisweilen schrillen Kampfparolen keinen Gefallen tun. Für die Gegenseite ist es dann ein leichtes sich an solchen Provokationen hochzuziehen anstatt inhaltlich auf die Kritik einzugehen.

Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn z.B. der Neokolonialismus-Vorwurf von der OZ ausführlicher beschrieben worden wäre. Dieser reduziert sich eben keinewegs darauf, dass „ein weißer Mann vor einem weißen Publikum über andere Weltregionen richtet“. Sarah mag das gegenüber Marcel vielleicht so angeführt haben, nur dahinter steht natürlich mehr wie man z.B. in Hartmanns „SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“ nachlesen kann.

Dass das was die SFB-KritikerInnen vorbringen keineswegs einfach nur eine wilde Verschwörungstheorie ist kann man aber wie unlängst bereits betont z.B. auch in den Ausführungen des Kommilitonen Ralf Hutter nachlesen („SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“). Ralf hat sich die Mühe gemacht die umstrittenen Papiere von Koehler (und Zürcher) mal etwas detaillierter zu analysieren. Darüber hinaus dokumentiert er aber auch das Verhalten der SFB-Protagonisten und wie schwer sie sich damit tun auf kritische Nachfragen einzugehen.

So könnte ja theoretisch auch die OZ-Redaktion vorgehen: Sich inhaltlich mit den strittigen Papieren auseinandersetzen, ob nun vom SFB oder z.B. auf der Gegenseite von Detlef Hartmann, die Standpunkte der Autoren etwas detaillierter darstellen und dann deutlich machen, wo diese Standpunkte Schwächen haben und wo sie stimmig wirken. Die Frage ist natürlich, ob eine solche Analyse den Rahmen einer Publikation wie der OZ sprengen würde. Sicherlich wäre das dann ein etwas längerer Artikel oder gleich mehrere Artikel die sich verschiedenen Teilaspekten widmen, theoretisch machbar wäre es aber sicherlich.

Um den zweiten zentralen Aspekt, den Berufungsskandal im Fall Chojnacki/Zürcher, geht es dann im nächsten Artikel von Max Czollek. Wobei Max sich besonders auf den Kampf um den Erhalt der Professur Ideengeschichte konzentriert, die bekanntlich wegen der Berufung Chojnackis und Zürchers auf eine Juniorprofessur Ideengeschichte reduziert wurde. Bei seinem Engagement kam sich Max (und sicherlich nicht nur er) streckenweise wie ein Hamster im Laufrad vor. Auf einmal – als habe es nie wirklich einen Konfliktgrund gegeben – kommt der Vorschlag auf, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track auszustatten, womit es eine reale Chance gibt, dass aus der Juniorprofessur nach ihrem Auslaufen eine Vollprofessur wird. Wirklich sicher ist das aber nicht, auch nicht, ob das alles auch ohne den hartnäckigen studentischen Widerstand so gekommen wäre. Ganz so sinnlos war der Einsatz für den Erhalt der Professur vielleicht doch nicht.

Was im Artikel fehlt (bzw. in einem weiteren zu leisten gewesen wäre) ist eine etwas breitere Darstellung der Abläufe um die Berufungen von Chojnacki und Zürcher, die von Max nur angeschnitten werden. Er verweist zwar darauf, dass das Thema schon in der letzten OZ-Ausgabe ausführlich behandelt wurde. Nur das war im Juli, danach kamen die Semesterferien und der Skandal bekam noch einmal eine ganz neue Dimension, die bekanntlich soweit reichte, dass sogar Zöllner sich in dem Konflikt zu Wort meldete. Zumindest eine etwas ausführlichere Darstellung der Abläufe in der legendären FBR-Sitzung in der es dann nach den Ferien die Kampfabstimmung gab, wäre sicherlich ganz gut gewesen, um der bis dato weniger informierten Leserschaft vor Augen zu führen, wie knapp die Sache war und wie brachial sie ursprünglich durchgepeitscht werden sollte. Welche Professoren stimmten wie ab, welche Vorwürfe wurden geäußert, usw.

Der Artikel der in dieser OZ-Ausgabe die meisten bisher noch weitgehend unbekannten (nicht diskutierten) Informationen zu tage fördert ist sicherlich jener von Christa Roth, die die de facto Abwicklung der Politischen Erwachsenenbildung dokumentiert. Einem Sachverhalt dem man von studentischer Seite bisher sicherlich nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Erzählt wird, wie Prof. Zeuner versuchte sein „Lebenswerk“ zu retten und dabei doch chancenlos blieb. Nebenher erfährt der/die LeserIn wie sich das OSI eigentlich finanziert und wo das Modell hakt.

Richard Oelmann beschreibt in „Ministry of Love“ die Diskrepanz zwischen der Wohlfühl-PR die von der Kommunikations- und Informationsstelle der FU ausgeht und der oftmals deutlich bitteren studentischen Realität. Etwas anders sieht das sein Kollege Gerrit Horak, der findet es gibt noch genügend Gründe das Lachen an der FU nicht zu verlieren und appelliert an alle Beteiligten die Sache vielleicht nicht ganz so verbissen zu sehen.

Einmal mehr fällt hier auf, dass Gerrit bestimmte Erfahrungswerte zu fehlen scheinen. Etwa jene von Stefan Hernádi, der in seinem Artikel beschreibt was für Konsequenzen es für protestierende KommilitonInnen hat, wenn der FU-Präsident sein Hausrecht mittels eines unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes durchsetzen lässt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Gerrit diese oder ähnliche Erfahrungen an der FU selbst gemacht hat, denn ansonsten fiele es ihm sicherlich leichter nachzuvollziehen, warum einige seiner KommilitonInnen sich so schwer damit tun all den Mist der zur Zeit an der FU (oder dem OSI) läuft gelassener zu sehen bzw. zumindest einen anderen, gemäßigteren Tonfall zu finden. Er stellt zwar fest, dass das sehr vergiftete Klima am Institut von unterschiedlichen Seiten produziert wird, unternimmt darüber hinaus aber auch keinen ernsthaften Versuch zu ergründen, wie es eigentlich dazu kommen konnte.

Insgesamt ist diese OZ-Ausgabe jedoch gewohnt gelungen, sie bietet dem hochschulpolitisch immer gut infomierten Studierenden vielleicht nicht so sonderlich viel Neues, doch kann dieser auch nicht zum Maßstab genommen werden. Denn viele KommilitonInnen sind was die Hochschulpolitik an ihrer Uni / ihrem Institut angeht vielleicht nicht immer ganz so auf dem Laufenden. Dennoch wäre es wie oben ausgeführt wünschenswert gewesen, wenn man einige Vorgänge, besonders rund um den SFB-Komplex, noch etwas ausführlicher beschrieben hätte.

Siebte Ausgabe der OSI-Zeitung erschienen

Februar 10, 2009

Nachdem man im letzten Jahr nach der Juli-Ausgabe nichts mehr von der OZ-Redaktion gehört hatte, meldet sie sich nun zum Ende der Vorlesungszeit dieses Semesters doch noch mal mit einer neuen Ausgabe zurück.

Aus unbekannten Gründen ist die Website nicht mehr zu erreichen, auf der ich seit jeher die OZ-Ausgaben als Archiv hinterlegt habe. Dies ist allerdings insofern irrelevant, als dass der Hoster, Lycos, sein kostenloses Webspace-Angebot zur Mitte des Monats ohnehin einstellt („Lycos schließt E-Mail-Konten und Tripod-Homepages“, Heise Newsticker, 17.01.09).

Das Archiv brauchte also in jedem Fall einen neuen Platz. Möglichst bei einem Anbieter, der seinen Service voraussichtlich etwas länger am Leben erhalten wird. Daher findet sich das komplette Archiv nun unter sites.google.com/site/osizeitung. Unter den PDFs natürlich auch die aktuelle Ausgabe, die mir von der OZ zugestellt wurde.

Die offizielle Präsenz der OSI-Zeitung ist dagegen auch weiterhin auf osizeitung.siteboard.de zu finden. Hier können die LeserInnen z.B. auch Leserbriefe posten.

Bericht über die Koehler-SFB-Veranstaltung

Februar 6, 2009

Wie angekündigt hat der SFB-Wissenschaftler Jan Koehler unlängst sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan am OEI vorgestellt.

Der Kommilitone Ralf Hutter hat dazu einen ausführlichen Artikel verfasst, der als Gastbeitrag unter dem Titel „SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“ im FSI Blog veröffentlicht wurde.

Ralf dokumentiert darin zum einen sehr deutlich wie Koehler kritischen Nachfragen auf der Veranstaltung systematisch ausgewichen ist und was für einen verheerenden Eindruck diese Blockadehaltung hinterlassen hat. Ralf geht darüber hinaus aber auch inhaltlich auf das „Working Paper 17“ ein und beschreibt Verknüpfungen mit der BMVg-Studie, die es ja angeblich gar nicht gibt.

Auch wenn der Artikel für einen Blogeintrag natürlich etwas lang ist, ist er doch absolut lesenswert und zweifellos eine Muss-Lektüre für alle die sich kritisch mit den Forschungsansätzen am SFB bzw. den Umgang am SFB mit kritischen Stimmen interessieren.

Veranstaltung zum (Neo)kolonialismus

Februar 2, 2009

Senfo Tonkam, Mitglied der Black Nation in Deutschland, Doktorand in Politische Philosophie an der Universität Hamburg, früherer Anführer der demokratischen, anti-imperialistischen, panafrikanischen Studierendenbewegung in Kamerun, wird am kommenden Mittwoch (04.02.) um 18 Uhr einen Vortrag im Hörsaal A der Ihne21 halten.

Thema des Vortrags: „(Neo)kolonialismus – Entwicklungspolitik und Sozialwissenschaften als neue Formen der westlichen imperialen Kriege am Beispiel Afrika“.

In einer Ankündigung zu seinem zusammen mit Sylvia Bané publizierten Buch (welches dieses Jahr auch in Deutsch erscheinen soll), „Afrika wird siegen“, heißt es:

„(…) Im deutschen Exil, kommt Senfo Tonkam zurück auf den Kampf seines Lebens, der Panafrikanischen Befreiung und der Panafrikanischen Renaissance. In diesem Buch haben Sie die Möglichkeit den militanten Schwarzen Nationalisten und Afrozentrischen Intellektuellen kennenzulernen, der den anti-Schwarzen Rassismus, den Imperialismus und den Neokolonialismus dekonstruiert und zeigt, dass die Lösungen der Übel, die die Schwarzen Völker überall auf der Welt kaputt machen, in unserer tausendjährigen Kultur liegen, sowie in dem Erbe und den Lektionen der revolutionären Kämpfe, die uns unsere heldInnenhaften Vorfahren auf dem Kontinent und in der Diaspora hinterlassen haben.“

Das Bekenntnis zu einem „militanten schwarzen Nationalismus“ hat bereits für erste kritische Anmerkungen auf studentischen Emailverteilern gesorgt (die Kritik ist, dass ein solcher militanter schwarzer Nationalismus kaum eine wirklich brauchbare Antwort auf einen rassistischen weißen Nationalismus sein kann). Der Vortrag und die anschließende Diskussion dürften sich in jedem Fall sehr kontrovers gestalten, auch wenn es hier nicht zuvorderst um das besagte Buchprojekt geht.

Initiiert wurde die Veranstaltung offenkundig von SFB-KritikerInnen, schon auf dem Flyer werden einleitend einige SFB-MitarbeiterInnen mit kurzen Phrasen zitiert. Hintergrund sind vermutlich Vorwürfe gegenüber dem SFB die von einer nicht ausreichenden, kritischen Auseinandersetzung mit neokolonialen Ansätzen bishin zu der These, der SFB selbst würde sich solch neokolonialer Denkmuster bedienen, reichen.

Vorangestellt ist einer über Emailverteiler laufenden Einladung zur Veranstaltung auch der Verweis auf ein neues Papier von Detlev Hartmann in welchem dieser der Frage nachgeht, ob der SFB 700 Neokolonialismus betreibt („SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“, materialien.org, Januar 2009). Verwiesen wird weiterhin auf das schon erwähnte neue Positionspapier der SFB-KritikerInnen („Failing Sciences Embedded Stakeholders – Wider den SFB 700“). Hier findet sich auch ein weiterer Beitrag Hartmanns zur Neokolonialismus-Frage im Hinblick auf den SFB 700 („Für eine postmoderne Erneuerung des antikolonialen Kampfes“, S. 10).

Riedmüller, Rotwein und das „Professorium“

Januar 17, 2009

Im Vorfeld der FU-Wahlen hat der Kommilitone Ralf Hutter, studentischer Vertreter der FSI-Liste im FBR PolSoz, einen Bericht über die letzten Vorkommnisse im Fachbereichsrat verfasst („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Kritik am Führungsstil der derzeitigen PolSoz Dekanin, Prof. Dr. Barbara Riedmüller.

Ralf thematisiert hier unter anderem noch einmal die sehr umstrittene Berufung von Zürcher und Chojnacki (siehe „Berufungsskandal“). Das „verschlankte Berufungsverfahren“ wurde mit einer „Rufabwehr“ begründet. Im Falle Chojnackis lag ein Ruf aus Kiel vor, im Falle von Zürcher angeblich einer der Uni Ottawa, der jedoch bis heute als etwas mysteriös gilt:

„Im Falle Zürcher gaben nämlich die beim Dekanat vorliegenden Dokumente Anlass zu Zweifeln bzgl. der Rechtmäßigkeit der Bewerbung. Die im Präsidialamt gelagerten Dokumente, in diesem Fall vor allem der Ruf der Universität Ottawa, durften gar nicht erst eingesehen werden.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Auch der Brief den Zöllner angesichts der Berufungsskandals verfasst hatte (siehe „Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“), blieb weitgehend geheim:

„Nicht einsehbar ist auch der Brief des Wissenschaftssenators Zöllner an die Dekanin, mit der er sie dazu aufforderte, die Schaffung der Professuren erneut abstimmen zu lassen (angeblich wegen Formfehlern). Riedmüller las nur ausgewählte Sätze daraus vor. Ihr Amtsführungsstil bewirkte auch in diesem Fall Misstrauen.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Wie berichtet kam es dann nach den Semesterferien zu einer teilweise hitzig geführten Diskussion unmittelbar vor der zweiten Abstimmung („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Im Zuge dieser Debatte (die sich insgesamt über mehr als eine FBR-Sitzung hinzog) wurde nach Angaben Ralfs auch die Dekanin Riedmüller stark kritisiert:

„Bei diesem für das OSI derart wichtigen Thema zeigte sich übrigens mehrere Male in besonderem Ausmaß der autoritäre Stil der Dekanin, die auch eine WiMi und mindestens zwei Profs derart hart ob deren Positionierungen anging, dass einer der letzteren bei seiner zweiten Wortmeldung schon das Wort ‚Dienstaufsichtsbeschwerde‘ in den Mund nahm.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Ralf schneidet in seinem Bericht auch die Auseinandersetzung im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Diskussionsveranstaltung vom 12.12.08 an, die wie berichtet verhindert werden sollte (siehe „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“). Riedmüller die den Raum nicht bewilligen wollte, störte sich offenbar an vermeintlichen NS-Anspielungen auf dem Einladungs-Flyer (siehe dazu den Absatz „Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung“ in „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), hatte mit dieser Begründung allerdings relativ lange hinter dem Berg gehalten:

„Im Vorfeld hatte es geheißen, es sei eine professorale Kostenstelle als verantwortlich zu benennen, Studis könnten also alleine keinen freien Hörsaal für eine institutsbezogene Veranstaltung bekommen. Kurzfristig wurde dieses Argument dann wieder relativiert, doch einen Tag vor dem Termin sprach Riedmüller doch das Raumverbot aus, und zwar wegen einer vermeintlichen Anspielung auf den Nationalsozialismus auf dem Veranstaltungsplakat.

(…) Nachträglich ließ Riedmüller wissen, sie habe die Plakate schon lange vorher anstößig gefunden, das aber zunächst nicht als Grund für die Ablehnung des Raumantrags genannt. Auch in der FBR-Sitzung zwei Tage vor der Veranstaltung habe sie nicht über selbige reden wollen, obwohl der Termin dort thematisiert wurde.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Am Ende kommt Ralf dann auf das so genannte „Professorium“ zu sprechen, ein informelles Gremium, bei dem sich eine Gruppe von Professoren „über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich“ berät:

„Die Grundlagen der Politik liegen aber, wie immer, hinter den Kulissen, sprich: außerhalb der Gremien. Das zeigt die Existenz des ‚Professoriums‘, eines unregelmäßigen und informellen Treffens von Profs ‚bei Rotwein‘ (Riedmüller), bei dem über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich beraten wird.“

Erwähnung findet dieses „Professorium“ auch in einem Artikel mit dem Titel „Exzellenter Klüngel SFB 700“ von „Rosa Rot“ veröffentlicht im neuen Papier der SFB-KritikerInnen:

„Am Beispiel des Berufungsskandals Chojnacki/Zürcher ist diese informalisierte Vorgehensweise sehr deutlich zu veranschaulichen. Schon im Vorlauf probierten die VertreterInnen des SFB an unterschiedlichen Stellen im Fachbereich eine Professur auf die Person Zürcher umzuwidmen.

Zunächst die freigewordene Professur am Ethnologie-Institut, was de facto dessen Ende bedeutet hätte. Dies stieß auf heftigen Widerstand bei den EthnologInnen und wurde verhindert.

Daraufhin trafen sich einige ProfessorInnen des OSI informell. Auf die Absprachen dieses Treffens wurde im Nachhinein immer wieder mit ‚Professorium‘ Bezug genommen. Ein Professorium ist jedoch weder im Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) noch sonst in einem Gesetz vorgesehen.

Dann wurde der OSI-Strukturplan, – in dem festgelegt ist, welche Professuren es gibt und über den herkömmlicherweise öffentlich entschieden werden muss –, sowohl im Institutsrat wie im Fachbereichsrat (FBR) in der nichtöffentlichen Sitzung verändert. Unter Ausschluss einer öffentlichen Debatte.

So gelang es aus der Vollprofessur Ideengeschichte die vom SFB gewünschten Professuren für ‚Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung‘ und zusätzlich ‚Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik‘ institutionell einzufädeln.“ („Exzellenter Klüngel SFB 700“, in: „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“, S. 23)

Leider erfährt der/die LeserIn keine weiteren Details über das Wirken dieses „Professoriums“. Hat es tatsächlich wie hier suggeriert wird die Berufung von Zürcher und Chojnacki „beschlossen“ bevor diese in offiziellen Gremien zum Thema wurde? Gab es weitere konkrete Fälle in denen das Professorium getagt hat, z.B. im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Veranstaltung? Und welche ProfessorInnen gehören diesem ominösen informellen Gremium überhaupt an? Darüber liegen anscheinend noch keine detaillierten Erkenntnisse vor.

Neues Papier zur SFB-Kritik

Januar 15, 2009

Wie bereits erwähnt, wird Jan Koehler heute um 18:30 Uhr im Hörsaal A des OEI sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan vorstellen.

Nicht nur der SFB lädt zu dieser Veranstaltung ein, auch die SFB-KritikerInnen mobilisierten gestern noch einmal. So wurden am OSI überall Flyer verteilt, die auf den Vortrag hinwiesen. Der Flyer wurde auch im FSI Blog veröffentlicht.

Besonders interessant ist dabei der Hinweis auf ein Papier, das den SFB auf einer recht breiten Basis kritisiert. So geht es in „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“ nicht nur um die Militarisierung, sondern z.B. auch um durch den SFB bedingte FU-interne Auswirkungen. Ein recht ausführliches Dokument, das die Kritik am SFB präzisiert.

Anscheinend ist zur Zeit nicht geplant, die Online-Version des Dokuments auch als Print-Version zu verteilen – zumindest gibt es darauf keinen Hinweis, gestern lag sie nirgends aus. Was eigentlich schade ist, denn trotz des bisweilen sehr kämpferischen Tonfalls zeigt das Papier vielleicht besser als alle vorhergehenden an einigen Stellen auch substanziell, woran sich die SFB-KritikerInnen stören.

Praxistag Gender- und Diversity-Kompetenz

Januar 13, 2009

Am Freitag kommender Woche (23.01.) findet am Fachbereich PolSoz ab 9 Uhr ein Praxistag „Gender- und Diversity-Kompetenz“ im Hörsaal A der Ihne21 statt. Im Gender und Diversity-Blog heißt es zum Inhalt: „Im Zentrum der Veranstaltung steht der Austausch mit ExpertInnen aus der Praxis zum Thema Gender Mainstreaming und Diversity Management in Betrieben und Organisationen.“

Vortragsthemen sind z.B. „Gender und Diversity in der internationalen Zusammenarbeit und Teamentwicklung“, „Gleichstellung und Gender Mainstreaming in der GTZ. Praktische Erfahrungen aus dem In- und Ausland“ oder „Diversity in Institutionen des öffentlichen Sozialbereichs“. Das komplette Programm kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Berufungskommission benötigt studentische VertreterInnen

Januar 10, 2009

Neben der Berufungskommission für die Juniorprofessur Ideengeschichte wird zur Zeit noch eine weitere Kommission für die Juniorprofessur Europäische Integration zusammengestellt.

Während sich für erstere Kommission schon Studierende organisieren, um potentielle VertreterInnen aus ihren Reihen auszuwählen (siehe „Zwei Veranstaltungen im Roten Café“), fand letztere bisher offenbar zu wenig Beachtung.

In einem über Mailinglisten verteilten studentischen Aufruf heißt es, Prof. Tanja Börzel suche noch „händeringend“ nach zwei studentischen VertreterInnen für die Kommission zur Berufung der Juniorprofessur Europäische Integration. Bisher habe sich anscheinend noch überhaupt keinE studentischeR KandidatIn gefunden.

Die Zusammensetzung der Kommission für die Juniorprofessur Europäische Integration ist sicherlich nicht weniger wichtig, als jene für die Juniorprofessur Ideengeschichte. Interessierte Studierende können sich bei Prof. Börzel melden, wie es in der Rundmail heißt.

Keine externen Zweitgutachter mehr bei Diplomarbeiten am OSI

Januar 9, 2009

Die Kommilitonin Inga Nüthen (FSI OSI) hat in ihrer Eigenschaft als studentische Studienberaterin einen offenen Brief verfasst, in dem sie sich kritisch mit einer Änderung der Regelungen für Zweitgutachten in Diplomarbeitsverfahren am OSI (DPO 2003/06; Änderungsordnung 2007/08) auseinandersetzt.

Die Änderung sieht vor, dass keine externen ZweitgutachterInnen mehr für Diplomarbeiten zugelassen werden. Dies wurde erst beim Anmeldeverfahren für die Diplomprüfung am 5.01. / 06.01.09 bekannt und geht zurück auf ein Schreiben des Rechtsamtes der FU vom 19.12.08. Die Begründung lautet wie folgt:

„Nach Informationen des Prüfungsbüros begründet sich diese Neuerung mit der Tatsache, dass es keine entsprechende Regelung in den Studien- und Prüfungsordnungen für den modularisierten Diplomstudiengang (DPO 2003/2006; Änderungsordnung 2007/08) gäbe und daher die Regelungen der Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) gelten würden, welche die Prüfungsberechtigten auf Institutsangehörige beschränke.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga verweist in ihrem Brief zunächst darauf, dass diese Neuerung viel zu kurzfristig eingeführt wurde und sich die KommilitonInnen darauf nicht vorbereiten konnten (es bestand kein Universitätsbetrieb zwischen dem 19.12. und 05.01), dass es ferner immer Usus war Diplomanden zu einem externen Gutachter zu raten wenn sich dies inhaltlich anbietet und dass es drittens äußerst befremdlich ist, dass solch eine Änderung gerade „in Zeiten zunehmend verkündeter Interdisziplinarität, Internationalität und Flexibilität“ beschlossen wird.

Ferner weist Inga zurecht daraufhin, dass es wegen der „allgemeinen zeitlichen Überlastung“ schwierig ist eineN BetreuerIn zu finden. Dieses Problem dürfte sich jetzt verschärfen, wenn Diplomanden ihren Zweitgutachter nicht mehr extern wählen dürfen. Weiter führt Inga aus:

„Schließlich widerspricht eine solche Regelung dem Anspruch an die Diplomarbeit als einer wissenschaftlich eigenständigen Arbeit. Das selbständige Suchen einer wissenschaftlichen Betreuung wird damit unterbunden und somit ein weiterer Schritt in Richtung einseitigem Schmalspurstudium getan.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Auch auf formalrechtlicher Ebene kann Inga die Argumentation des FU-Rechtsamtes nicht ganz nachvollziehen:

„In den Studien- und Prüfungsordnungen von 2003, 2006 und der Änderungsordnung von 2007/08 werden tatsächlich keine genauen Bestimmungen zur den Prüfungsberechtigten bei einer Diplomprüfung aufgeführt. Sollte nun damit der Fall eintreten, dass die Bestimmungen des BerlHG gelten, dann stützt dies nicht die These der notwendigen Beschränkung auf interne Prüfer_innen.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga fordert die zuständigen Gremien dazu auf, eine Klärung des Sachverhaltes zu veranlassen und dafür Sorge zu tragen, dass „diese unzumutbare und wissenschaftsfeindliche Neuerung rückgängig“ gemacht wird. Sie schlägt vor, einen Passus in die DPO einzufügen, der die Wahl eines externen Zweitgutachters explizit erlaubt. Für die sich momentan im Diplomprüfungsverfahren befindlichen KommilitonInnen müsse zudem eine Übergangsregelung gefunden werden.

Es bleibt zu hoffen, dass dem Anliegen des offenen Briefes Folge geleistet wird. Tatsächlich ist diese Änderung ein Unding, allgemein aufgrund der aufgezeigten Fragwürdigkeit einer Ausschließung externer Zweitgutachter und im Besonderen durch die Kurzfristigkeit der Einführung der neuen Regelung.

Zwei Veranstaltungen im Roten Café

Januar 6, 2009

Für die Berufungskommission zur Besetzung der Juniorprofessur für Ideengeschichte werden auch die studentischen VertreterInnen in den Gremien bis zum 10.01. ein studentisches Mitglied nominieren. Wer in der OSI-Studierendenschaft darüber mitbestimmen will, wer diese Aufgabe wahrnehmen soll oder sich auch gleich selbst bewerben möchte, sollte sich am morgigen Mittwoch (07.01.) um 18 Uhr im Roten Café einfinden. Die Aufgabe ist sicherlich wichtig, die entsprechende Person sollte gut ausgewählt werden, weshalb Interessierte zahlreich im Roten Café erscheinen sollten.

Am darauffolgenden Donnerstag (08.01.) gibt es dann eine weitere Veranstaltung im Roten Café diesmal um 14 Uhr, bei der sich die Anwesenheit ebenfalls lohnt. Der Einladung ist zu entnehmen, dass hier noch einmal die „Skandale und Skandälchen“ in diesem Wintersemester thematisiert werden sollen.

Konkret geht es um den „Berufungsskandal“, den Kampf um den Erhalt des Diploms, die zunehmende giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten anderer am Institut. Interessierte Studierende sollten ins Rote Café kommen, um dort zu diskutieren was man gegen diese Fehlentwicklungen tun kann.

Update 07.01.09

Wie Dennis bereits in den Kommentaren anmerkte wurde das erstgenannte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission auf Freitag (09.01.) um 16 Uhr verlegt. Ein Raum soll noch organisiert werden, Treffpunkt ist zunächst das Foyer der Ihne 21.

Update 08.01.09

Das besagte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission findet jetzt im Hörsaal B der Ihne21 statt (09.01., 16 Uhr).

Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Dezember 21, 2008

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.

Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 19, 2008

Rund um die Debatten zum SFB 700 wird der Tonfall am OSI immer giftiger, die Fronten scheinen zunehmend verhärtet. Während eine lose Gruppe Studierender die gegen Prof. Risse und andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete „Entbettungsaktion“ einiger SFB-KritikerInnen („Anti-SFB-Protest am OSI“) in einem offenen Brief scharf verurteilte („Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest“), es in der letzten Fachbereichsratsitzung im Vorfeld der Berufung Zürchers und Chojnackis zu einer hitzigen Diskussion kam („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“), flogen auch am Freitag vergangener Woche auf einer Diskussionsveranstaltung zur SFB-Forschung wieder die Fetzen.

Während es im „Berufungsskandal“ um eine fragwürdige Ausdehnung des Bereichs „Internationale Beziehungen“ im Kontext des SFB 700 auf Kosten der „Politischen Theorie“ als weiteren zentralen politikwissenschaftlichen Kernbereich am OSI geht, die Kritik also eine „inner-universitäre“ ist, ging es am letzten Freitag um eine kritische Beleuchtung der Außenwirkung von einigen Forschungsansätzen innerhalb des SFBs. Konkret meint dies den Vorwurf, am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) würde auch „Kriegsforschung“ betrieben. Dazu wurde der Publizist und Rechtsanwalt Detlef Hartmann von einer Gruppe sfb-kritischer Studierender aufs Podium eingeladen.

Doch bevor die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, gab es um sie bereits die ersten Auseinandersetzungen, die hier noch einmal wiedergegeben werden sollen.

Der Eklat um die Raumvergabe

Obwohl der Raum (Ihne21, HS B) für diese Diskussionsrunde – welche am Freitag den 12.12. staffinden sollte – bereits am 26.11. beantragt wurde, und auch keine reguläre Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt in dem Hörsaal stattfand, wurde das Antragsverfahren verschleppt, wie die studentische Vorbereitungsgruppe in einer Rundmail ausführt. Weiter heißt es dort, der zunächst zuständige Angestellte habe bereits bei der ersten Anfrage gesagt, die Raumvergabe für diese Veranstaltung sei „ein heikles Thema“.

Nachdem der Antrag eine Weile ruhte, kam zu Beginn der Woche, in der die Veranstaltung stattinden sollte endlich Bewegung in die Sache. Es folgte ein kleines Hin und Her Spiel, bei dem die Raumvergabe zunächst verweigert, zwischenzeitlich wieder in Aussicht und am Donnerstagnachmittag schließlich doch noch endgültig verneint wurde.

Der besagten Rundmail der studentischen Vorbereitungsgruppe zufolge hatten „verschiedene Personen“ aus der Administration vertraulich die Information durchsickern lassen, dass über die Kritik unerfreute Professoren Druck ausgeübt hätten, um die Veranstaltung zu verhindern. Weder die InformantInnen noch die besagten Professoren wurden hier jedoch namentlich genannt.

In einem weiteren auf Mailinglisten kursierenden Dokument das die geplante Anmoderation skizziert ist die Rede davon, die Raum-Zusage sei an die Frage gekoppelt worden, wie sich die Studierenden auf der vorhergehenen FBR-Sitzung am Mittwoch verhalten (so nach dem Motto, wer am Mittwoch nicht lieb ist, kriegt am Freitag keinen Raum). Wie eingangs bereits erwähnt gab es während dieser Sitzung einige hitzige Auseinandersetzungen – nicht nur zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern auch zwischen verschiedenen Professoren („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Jedenfalls waren die KommilitonInnen der studentischen Vorbereitungsgruppe auf keinen Fall bereit, sich dieser „Maßregelungsklausel“ zu unterwerfen.

Ob es nun Professoren waren die im Hintergrund Druck ausübten oder die Studierenden auf der FBR-Sitzung am Mittwoch nicht nett genug waren oder die Verwaltung einfach Angst hatte, die ohnehin angespannte Situation könne auf solch einer Diskussionsveranstaltung endgültig eskalieren: Am Donnerstagnachmittag stand fest, dass der Raum nicht bereitgestellt würde, die Veranstaltung demnach also kurzfristig hätte ausfallen müssen.

Einige engagierte Studierende wollten sich aber nicht geschlagen geben und versuchten noch vor Beginn der Diskusssionsveranstaltung während der vorhergehenden Lehrveranstaltung in den Raum zu gelangen, offensichtlich um ihn so für die anschließend geplante Diskussionsrunde in Beschlag nehmen zu können. Die FU-Administration bekam jedoch offenbar Wind von diesem Vorhaben und schickte Sicherheitspersonal. Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen die in den Raum gelangen wollten, wurden gestoßen und an ihrer Kleidung weggezerrt, wie die FSI OSI berichtet („Das Klima am OSI wird immer giftiger“, FSI OSI, 17.12.08).

Einzig allein die Anwesenheit einiger Professoren (darunter nach FSI-Angaben Funke und Ladwig) konnte die Situation entschärfen. Die Veranstaltung fand schließlich doch noch statt – sogar im größeren Hörsaal A. Dennoch wurde natürlich dann auch hier noch einmal thematisiert, wer eigentlich hinter dem Versuch gesteckt hatte, die Veranstaltung im Vorfeld zu kippen.

So kam in der Veranstaltung (direkt oder indirekt) der Vorwurf auf, die besagten Dozierenden kämen aus dem SFB und hätten durch eine Intervention eine ihnen unliebsame Diskussionsveranstaltung verhindern wollen. Dies wurde von Dr. Marianne Beisheim stellvertretend für den SFB entschieden zurückgewiesen. Sie könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand aus dem SFB versucht habe, diese Veranstaltung zu sabotieren. Die Antwort bestand neben Applaus auch aus teils höhnischem Gelächter der SFB-KritikerInnen, die dieser Verlautbarung offensichtlich nicht so recht glauben wollten.

Fakt ist: Es existiert soweit FUwatch bekannt nichts, was eine Verwicklung von SFB-WissenschaftlerInnen in die Affäre um die Raumvergabe belegen würde. Und auch die studentische Vorbereitungsgruppe oder andere SFB-KritikerInnen haben während der Diskussionsveranstaltung nichts vorgebracht, was die These SFBler sein in den Vorgang um die versuchte Raum-Verhinderung verstrickt untermauern würde.

Dennoch muss die Blockadehaltung was die Raumvergabe für diese Veranstaltung angeht aber natürlich irgendwo ihren Ursprung haben.

In jedem Fall verdeutlicht diese Vorgeschichte – neben anderen Entwicklungen – aber, warum es bereits vor dem Start der Veranstaltung so eine vergiftete Atmosphäre gab. Doch auch die Gegenseite zeigte sich über bestimmte Vorkommnisse empört.

Der Eklat um den Titel

Bereits der Titel „Who the fuck is SFB 700?“ qualifizierte die Veranstaltung für einige offenbar als unbrauchbar ab. Die Verwendung des F-Wortes ist vielleicht drastisch, derb, meint aber in diesem Kontext natürlich nur so viel wie „Wer zum Teufel ist eigentlich…“.

Eine vielleicht etwas provokative Wortwahl für eine aber natürlich durchaus legitime Frage. Wer oder was ist eigentlich der SFB? Was genau geschieht dort? Hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen war das Anliegen dieser Diskussionsveranstaltung.

Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung

Einige DiskussionsteilnehmerInnen empfanden es aber auch als skandalös, dass im Vorfeld auf einem die Veranstaltung bewerbenden Flyer im Hintergrund die Gedenktafel die am Eingang der Ihne22 angebracht ist zu sehen war. Die Gedenktafel erinnert daran, dass in dem Gebäude bis 1945 das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ untergebracht war, wo unter anderem jene menschenverachtende Rassenforschung geplant wurde, die später vom KZ-Arzt Josef Mengele in die Tat umgesetzt wurde.

Die Empörung bezieht sich also darauf, dass hier nach Ansicht der Flyer-KritikerInnen die Arbeit des SFB durch das Abbilden dieser Gedenktafel auf dem Einladungs-Flyer in die Nähe von NS-Verbrechen gerückt wurde.

Ein Vorwurf, den die InitiatorInnen von sich weisen. Es wäre ihnen nur um den letzten Satz auf der Tafel gegangen: „Wissenschaftler haben Inhalt und Folgen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu verantworten“. Und tatsächlich, sieht man sich den Flyer genau an, fällt auf, dass der letzte Satz optisch hervorgehoben wurde, sich vom Rest der Tafel abhebt. Fraglich ist jedoch, ob alle Flyer-KritikerInnen dies als Argument gelten lassen. Auch der letzte Satz auf dieser Tafel steht in einem Kontext zum Rest des Textes, wird aus diesem hergeleitet.

Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR

Dezember 16, 2008

Wie der Kommilitone Günter Barsch im Tagesspiegel berichtet, hat eine Mehrheit in der letzten Sitzung des Fachbereichsrats (FBR) PolSoz („Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“) die Berufung von Sven Chojnacki (Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung) und Christoph Zürcher (Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik) beschlossen. Günter fasst die dieser Entscheidung vorausgegangene Auseinandersetzung wie folgt ganz treffend zusammen:

„Das Gremium bestätigte damit eine Entscheidung, die in den Semesterferien aufgrund eines Studenten-Vetos vertagt, dann aber im September gefällt wurde – allerdings ohne Beteiligung mehrerer Professoren, die von ihrem Recht Gebrauch machen wollten, an den Personalentscheidungen mitzuwirken.

In Protestschreiben an Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner beklagten die Professoren sowie Studentenvertreter und die Frauenbeauftragte des Fachbereichs außerdem, dass Struktur- mit Personalentscheidungen verquickt wurden. Zudem sei versucht worden, die Berufungen ohne öffentliche Ausschreibung in den Ferien ‚durchzuboxen'“. („FU-Politologen einigen sich über Professuren“, Tagesspiegel, 12.12.08)

Wie Günter weiter berichtet, hat Dekanin Prof. Riedmüller deutlich gemacht, dass der Wissenschaftssenator die Berufungsliste keineswegs wegen Verfahrensfehler zurückgewiesen habe, was die Senatsverwaltung gegenüber dem Tagesspiegel dann auch bestätigte. Zöllner habe lediglich dazu geraten, die Abstimmung erneut durchzuführen zu lassen – „im Sinne des Klimas am Institut“ (zitiert nach ebd.).

In einem Eintrag im Hauptstadtblog hat Günter inzwischen weitere Details zu der Abstimmung im FBR veröffentlicht („Kein Kompromiss bei FU-Politologen“, hauptstadtblog.de, 13.12.08). Für die Berufung Chojnackis sprachen sich demnach 24 TeilnehmerInnen aus, 13 stimmten gegen die Berufung, eine Person enthielt sich. Für Christoph Zürchers Berufung stimmten 19 TeilnehmerInnen, 17 dagegen und 2 enthielten sich. Insgesamt waren also offenbar 38 stimmberechtigte Personen anwesend (32 ProfessorInnen, 3 Studierende und 3 wissenschaftliche MitarbeiterInnen). Die Abstimmung war nichtöffentlich.

Hitzige Debatte im Vorfeld

Unmittelbar vorausgegangen war der Abstimmung eine teils hitzig geführte Debatte zwischen den beiden Lagern. Relativ ausführlich kann man dies im FSI OSI Blog nachlesen:

„Schnell wurde klar, dass es für viele der Anwesenden nicht nur um die erneute Entscheidung über zwei umstrittene Berufungsverfahren ging. Viele der das Verfahren kritisierenden Profs (…) kritisierten vor allem die oft informelle aber mächtige Einflussname der im Sonderforschungsbereich und den Internationalen Beziehungen tätigen KollegInnen (…)

Weiterhin stellten sich viele Redebeiträge gegen eine Verlagerung des Schwerpunktes des OSI als ganzem hin zu einem ‚reinen IB-Institut‘ (Bolle). Allerdings blieb es während der öffentlichen Debatte sehr oberflächlich und kam eher nur zu Äußerungen allgemeinen Unwohlseins über die Situation.“ („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Tenure Track als letzte Rettung der Vollprofessur Ideengeschichte?

Dass es am Ende dennoch für eine Mehrheit für beide Berufungen gereicht hat, führt man bei der FSI OSI primär darauf zurück, dass in Aussicht gestellt wurde, die neue Juniorprofessur Ideengeschichte mit Tenure Track auszustatten (wie das bei der Juniorprofessur „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“ (Ladwig) zur Zeit ja bereits der Fall ist). Tenure Track bietet den Vorteil, dass eine normalerweise befristete Juniorprofessur hier nach einem bestimmten Zeitraum automatisch zur Vollprofessur wird. Den Stimmberechtigten wurde also in Aussicht gestellt, dass es doch noch eine Vollprofessur Ideengeschichte geben kann, was die zentrale Forderung der KritikerInnen war.

Ob die neu auszuschreibende Juniorprofessur allerdings wirklich mit Tenure Track versehen wird, soll am morgigen Mittwoch (17.12.) im Institutsrat (IR) geklärt werden. Dieser tritt um 9 Uhr in der Ihne21 Hörsaal B zusammen, um unter anderem auch die „Ausschreibung und Berufungskommission der Juniorprofessur ‚Politische Theorie und Ideengeschichte'“ zu diskutieren. Auf studentischer Seite ist man immer noch skeptisch, ob das in Aussicht gestellte Tenure Track wirklich in die Ausschreibung gelangt und einen verbindlichen Charakter erhält. Ein möglichst zahlreiches Erscheinen auch von Studierenden erscheint auf der morgigen IR-Sitzung daher mal wieder dringend nötig.

Zürcher der „Problem-Prof“

Auffällig bei der Abstimmung war, dass das Ergebnis im Falle Zürchers doch deutlich knapper ausfiel als bei Chojnacki. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt.

Zunächst wäre zu nennen, dass die Grundlage der beiden „verschlankten Berufungsverfahren“ eine so genannte „Rufabwehr“ war. Zürcher und Chojnacki hatten angeblich beide einen Ruf von einer anderen Universität erhalten, um sie an der FU zu halten mussten ihnen zügig unbefristete Stellen angeboten werden. So das Argument der Berufungsbefürworter.

Im Fall von Chojnacki lässt sich das leicht belegen, er hatte einen Ruf der Uni Kiel erhalten. Zürchers Ruf von einer anderen Uni blieb jedoch „geheim“, er lag angeblich nur dem Präsidium vor, niemand der Anwesenden im FBR hatte ihn je zu gesicht bekommen, was zumindest einigen Abstimmungsberechtigen offenbar recht suspekt erschien.

Es besteht darüber hinaus rechtlich aber auch noch ein Unterschied, ob ein Kandidat wie im Falle Chojnackis vom Juniorprofessor zum Vollprofessor erhoben wird oder aber er wie Zürcher bereits eine befristete Vollprofessur inne hatte und nun eine entfristete Stelle antreten soll.

Wolf Dermann hatte in einem FUwatch-Kommentar unlängst verdeutlicht, dass das Berliner Hochschulgesetz sehr wohl und ausdrücklich vorsieht, dass ein bereits an der Uni tätiger Juniorprofessor zum Vollprofessor „befördert“ werden kann (auch auf eine völlig neue Professur), ohne sich dafür einem Berufungsverfahren stellen zu müssen (§ 94, Abs. 2, Satz 2 BerlHG). Nach § 101, Abs. 5, Satz 1-2 BerlHG wäre die Berufung Chojnackis nur dann nicht möglich, wenn er seit seiner Promotion an der FU nicht mindestens zwei Jahre außerhalb der FU wissenschaftlich tätig gewesen wäre. Er war jedoch zwischendurch länger als WiMis am WZB.

Wolf hatte aber in einem Nachtrag auch eingeräumt, dass der Fall Zürcher anders liegt. Denn dieser war ja bisher nicht Juniorprofessor sondern bereits befristet als W2-Voll-Prof tätig.

Unklar ist nach wie vor auf was sich das Rechtsgutachten das der AStA in Auftrag gegeben hatte im Detail stützt. Denn dieses hatte ja offenbar beide Berufungen als rechtwidrig eingestuft. Im Kern der Argumentation geht es aber wohl darum, dass erst eine Stelle im Strukturplan eingerichtet sein muss, bevor über ihre Besetzung entschieden wird – was hier nach Einschätzung der Gutachter nicht der Fall war. Stattdessen stand die Besetzung der Professuren mit Zürcher und Chojnacki bereits fest noch bevor der neue Strukturplan verabschiedet wurde („Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“).

Von studentischer Seite wurde Zürcher darüber hinaus auch für seine Forschungsarbeit am SFB kritisiert, die FSI OSI führt aus:

„So hatte Zürcher auf einer Afghanistanreise nachweisbar sowohl für den Sonderforschungsbereich geforscht als auch eine Auftragsarbeit für das Bundesverteidigungsministerium erstellt.

Diese Umfrage, die den Studierenden in Papierform vorlag, legitimiert den Einsatz der Bundeswehr im Ausland und fordert indirekt zur Entsendung von mehr Truppen auf. Zwar wurde dieser Vorwurf der Verstrickung des SFB mit Auftragsforschung zurückgewiesen, da das eine öffentliche Forschung sei und das andere Privatsache. Überzeugend wirkte das Argument auf uns Studierende jedoch nicht. („Von Abwehrrufen, professoralem Zerfleischen – Zur Diskussion im FBR vom 10.12.08“, FSI OSI Blog, 14.12.08)

Trotz all dieser Bedenken reichte es jedoch wie ausgeführt auch für Zürcher am Ende. Auch seine Professur erhielt die benötigte Mehrheit.

Wie wird es jetzt weitergehen?

Zürcher war zu Beginn des Semesters kurzfristig (d.h. ungeplant) ins Ausland entschwunden („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), wird nun aber vermutlich die Berufung annehmen und zum nächsten Semester ans OSI zurückkehren.

Doch was ist mit Chojnacki? Der war ja bereits einem Ruf aus Kiel gefolgt (Personalmeldungen der Uni Kiel, August 2008). Cancelt er also seine Tätigkeit dort und kehrt ans OSI zurück? Und wenn nicht, wird die für ihn geschaffene Professur mit einer andere Person besetzt?

Die „Studentische Initiative für politische Theorie am OSI“ – und andere am Erhalt bzw. der Neubesetzung einer Vollprofessur Ideengeschichte interessierte Personen – werden nun versuchen sicherzustellen, dass die Juniorprofessur tatsächlich mit Tenure Track ausgestatett wird, da jetzt nur noch so am Ende tatsächlich auch eine Vollprofessur stehen kann.

Fazit

Die nach Meinung vieler Beobachter fragwürdige Berufung der beiden Professuren ohne Ausschreibung, die erneute Aufwertung des ohnehin schon dominanten Bereichs IB am OSI bei zeitgleichem Abbau der Ideengeschichte hatte an der FU („Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und über die FU hinaus („Widerstand gegen Abwertung der Ideengeschichte am OSI“) für viel Kritik gesorgt.

Nachdem der Versuch die beiden neuen Professuren in der Ferienzeit unter Abwesenheit vieler abstimmungswilliger Professoren „durchzuwinken“ gescheitert war, Chojnacki nach Kiel gegangen war und Zöllner die Liste zurückgewiesen hatte, sah es für einen Augenblick wirklich so aus, als hätten die KritikerInnen in dieser Auseinandersetzung die Oberhand gewonnen. Nüchtern muss man nun bilanzieren: Dem war offenbar nicht so. Die beiden Professuren wurden nun doch beschlossen.

Zu hoffen bleibt, dass Chojnacki jetzt wenigstens so konsequent ist und in Kiel bleibt. Bei Zürcher könnte man darauf spekulieren, dass der Vorgang wie hier eine befristete Stelle entfristet wurde (bzw. wie ein befristeter Prof ohne Berufungsverfahren auf eine neue entfristete Stelle „geschoben“ wurde) sich am Ende doch noch als rechtlich nicht haltbar herausstellt. Da die beiden neuen Professuren so eindeutig mit den beiden Personen verzahnt wurden, würden dann wohl auch die beiden Stellen verschwinden. Oder aber, sie existieren vielleicht doch weiter, als unbesetzte Geisterprofessuren im OSI-Strukturplan…

Darüber hinaus wird sich erst noch erweisen müssen, ob die „Tenure Track Option“ eine ernst gemeinte Offerte war oder man die KritikerInnen mit der Möglichkeit dieser Option nur ruhig stellen wollte und in Wahrheit nicht wirklich vorhat, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track zu koppeln und damit den Weg zu einer Vollprofessur zu bereiten.

Update 17.12.08

Der Blogeintrag wurde auf Basis von Informationen aus dem FSI OSI Blog redigiert und erweitert. Dies betrifft insbesondere die Tenure Track Thematik und die damit verbundende Frage, ob aus der Juniorprofessur Ideengeschichte nicht doch noch eine Vollprofessur werden kann.

Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest

Dezember 11, 2008

Es gibt Neues von der legendären Mailingliste der „Nachwuchsgruppe Sektion IB der DVPW“. In einem an Dr. Lars Brozus und Prof. Thomas Risse adressierten und an die „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB700“ gerichteten offenen Brief, protestiert eine Gruppe die sich schlicht die „Unterzeichnenden“ nennt gegen den Anti-SFB-Protest am OSI:

„Wir streiten nicht ab, dass die Verantwortung der Wissenschaft bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft ein überaus wichtiges und diskutierenswertes Thema ist. Es besteht bei jeder wissenschaftlichen Arbeit die Möglichkeit, dass Erkenntnisse ge- oder missbraucht werden, um politische oder militärische Ziele und Methoden durchzusetzen bzw. zu legitimieren. Die Lösung für dieses Problem kann nicht das Ende jeder Forschung sein. Es muss vielmehr eine offene und ehrliche Diskussion über ihre Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen geben, die auch vor der Verantwortung der Beteiligten nicht haltmacht.

Wir sind allerdings empört und verärgert, dass bei den jüngsten Demonstrationen indirekte Drohungen gegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB ausgesprochen wurden und dabei der SFB-Sprecher persönlich diffamiert wurde. Das Recht auf freie Meinungs-äußerung soll, kann und darf nicht dazu verwendet werden, die Würde der Person zu verletzen. (…)“

Man wolle zwar niemand mundtot machen, aber Kritik müsse in einer „konstruktiven und respektvollen Art und Weise“ vorgebracht werden. Der Brief der auf den 21.11. datiert spielt offensichtlich auf die so genannte „antimilitaristische Entbettungsaktion“ vom 12.11. an, bei der eine Papp-Figur mit dem Gesicht des SFB-Sprechers Thomas Risse zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet und Federn lassend am OSI-Eingang „ausgestellt“ wurde. Ferner wurden blutige Kissen an den Türen der Büros der „verantwortlichen ForscherInnen des SFB 700“ (O-Ton Indymedia) befestigt.

Die Aktion war zweifellos drastisch und wurde auch auf FUwatch kritisch betrachtet („Anti-SFB-Protest am OSI“). Dem steht gegenüber, dass die Aktion bewusst Studierende aufrütteln sollte, die sich mit dem Sachverhalt bisher gar nicht oder zu wenig auseinandergesetzt hatten. Die symbolische Aktion wurde darüber hinaus mit Flyern begleitet auf denen Interessierte auch nachlesen konnten, worum es hier inhaltlich geht.

Dass die „Unterzeichnenden“ in ihrem Brief zu der Einschätzung kommen, dass es eine „offene und ehrliche Diskussion über die Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen der Forschung“ des SFB geben sollte, ist sicherlich löblich. Nur passiert genau das eben am OSI bisher nicht, es gab bis dato keine wirkliche Debatte die sich auch kritisch mit der Forschung des SFB 700 auseinandersetzte. Also ist eines der Ziele der SFB-KrtikerInnen zunächst einmal auch Aufmerksamkeit für den Sachverhalt zu erzeugen.

Die Frage ist, wie ernst es den „Unterzeichnenden“ mit einer kritischen SFB-Auseinandersetzung ist. Der Brief ist von insgesamt 15 Personen unterzeichnet. Darunter Natascha Braumann, studentische Mitarbeiterin bei Risse, Mathias Großklaus, studentischer Mitarbeiter bei Börzel, Manuel Domes, studentische Hilfskraft bei Zürn, Matthias Conrad, studentischer Mitarbeiter am SFB, Philip Schleifer, studentischer Mitarbeiter bei Liese, Adrien Detges, als Alumni am JMC geführt, Susanne Langsdorf, MAIB Studentin, etc., pp.

Insgesamt alles IB-affine Studierende und Mitarbeiter, einige davon direkt mit dem SFB bzw. mit am SFB forschenden Dozierenden verbunden. Und keiner von ihnen ist bisher sichtbar dadurch aufgefallen, dass er/sie sich kritisch mit den Vorgängen am SFB auseinandersetzt. Vermutlich wüssten viele von ihnen gar nicht von der zunehmenden Kritk am SFB, wenn es nicht auch solche Aktionen wie die von ihnen als empörend empfundene gäbe.

Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt

Dezember 8, 2008

Obwohl Prof. Chojnacki bereits einem Ruf an die Uni Kiel gefolgt ist und Prof. Zürcher kurzfristig alle seine Lehrveranstaltungen in diesem Semester abgesagt hat und seither nicht mehr gesehen war („Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert“), verfolgt der Fachbereichsrat (FBR) PolSoz offenbar weiterhin die mehr als umstrittene Berufung der beiden Professuren.

„Das von Dekanin Barbara Riedmüller vorangetriebene ’schlanke Berufungsverfahren‘ war damit begründet worden, dass Chojnacki und Zürcher beide einen Ruf an andere Universitäten erhalten hätten, aber an der FU gehalten werden sollten. Mittlerweile hat jedoch Chojnacki das OSI verlassen und eine Professur in Kiel angenommen, so dass eine ‚Rufabwehr‘ gar nicht mehr möglich ist.

Im Falle Zürchers gibt es Hinweise, dass er gar keinen Ruf einer anderen Universität als Vollprofessor erhalten hat. Zudem gibt es offenbar Unregelmäßigkeiten mit der Bewerbung Zürchers am OSI: Einem studentischen FBR-Vertreter konnte nur ein Lebenslauf, aber kein Bewerbungsschreiben vorgelegt werden.“ (Flyer der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“)

Darüber hinaus hatte Wissenschaftssenator Zöllner die ihm vorgelegte Berufungsliste mit dem Hinweis auf Verfahrensfehler abgelehnt und eine erneute Abstimmung gefordert:

„Wissenschaftssenator Zöllner kritisierte die ‚politische Kultur‘ am OSI, auch weil im vergangenen Semester ProfessorInnen die Möglichkeit der Stimmabgabe im Berufungsverfahren verweigert wurde. Die Streichung der Vollprofessur ‚Politische Ideengeschichte‘ im OSI-Strukturplan, um zwei für Chonjacki und Zürcher maßgeschneiderte Konfliktforschungs-Professuren zu schaffen, hatte in Wissenschaftlerkreisen für Aufregung gesorgt.“ (ebd.)

Am kommenden Mittwoch (10.12.08) soll in der FBR-Sitzung um 9 Uhr in der Ihne21, Hörsaal B nun in einem zweiten Anlauf erneut versucht werden, die beiden Professuren durchzuwinken.

Was das jetzt noch überhaupt bringen soll, wenn Chojnacki bereits weg und Zürcher wohl auch am gehen ist, bleibt unklar. In jedem Fall hätte die Einrichtung der Professuren aber wohl den endgültigen Untergang der Vollprofessur Ideengeschichte zur Folge.

Es empfiehlt sich daher dem Aufruf der „Studentischen Initiative für politische Theorie am OSI“ zu folgen und möglichst zahlreich am Mittwoch zur besagten FBR-Sitzung zu erscheinen, um Protest gegen die Berufungen zum Ausdruck zu bringen und eine Diskussion am Institut über den Strukturplan einzufordern.

Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 4, 2008

Wie der FSI Blog berichtet (und wie es auf zahlreichen Flyern am OSI nachzulesen ist) findet am Freitag, den 12.12. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit dem Publizisten Detlef Hartmann im Hörsaal B der Ihne21 zum Thema „Who the fuck is SFB 700?“ statt. Über den SFB heißt es auf dem Flyer:

„Vier Unis, zwei weitere Forschungseinrichtungen und fünf FU-Institite sind beteiligt / Über die Hälfte aller OSI-Professuren ist involviert / Neue Profs werden auf Kompatibilität mit IHM geprüft / ER hat ein MILLION€NBUDGET von der Deutschen Forschungsgesellschaft / 30 Promovierende werden auf IHN konzentriert / Die Vollprofessur Politische Ideengeschichte wurde IHM geopfert / Die Ihnestr. 26 wurde für IHN geräumt / Räume der OSI-Bibliothek will er AUCH haben…“ (Einladungs-Flyer)

Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner „Kriegsforschung“ ausgesetzt (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“ und „Anti-SFB-Protest am OSI“).

Der Gastredner, Detlef Hartmann, gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an und hat mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ eines der bisher zentralen Papiere zur SFB-Kritik verfasst.

Noch interessanter wäre die Veranstaltung natürlich, wenn man Hartmann auf dem Podium einen namenhaften Repräsentanten des SFB gegenüberstellt. Davon ist jedoch auf dem Flyer keine Rede, woraus sich schließen lässt, dass die InitiatorInnen entweder keine entsprechenden Anfragen gemacht haben oder aber, dass es solche Anfragen gab, niemand aus dem SFB jedoch willens war, sich der Kritik zu stellen.

Einen Besuch Wert ist die Veranstaltung aber sicherlich auch so und vielleicht erscheinen ja doch noch ein paar SFB-Verteidiger.

Anti-SFB-Protest am OSI

November 14, 2008

Am letzten Mittwoch (12.11.) gab es am OSI eine „antimilitaristische Entbettungsaktion“, um gegen den Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) zu protestieren, der wie berichtet zunehmend in der Kritik steht.

„‚Wer sich einbettet muss Federn lassen‘ stand auf einem Transparent, das im 1. Stock aus dem Fenster gehangen wurde. ‚Kriegsforschung stoppen‘ stand auf einem anderen Transpi vor dem Eingang. Mit entsprechender Symbolik wurden blutige Kissen an die Türen der Büros verantwortlicher ForscherInnen des SFB 700 genagelt.

Eine Papp-Figur mit dem Gesicht von Thomas Risse, Sprecher des SFB 700, fand zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet Platz im Eingangsbereich des OSI-Gebäudes – Federn lassend. Studierende und Beschäftigte wurden mit Flugis und Redebeiträgen informiert wie die ForscherInnen des SFB 700 Funktionen übernehmen für die neuen aggressiven Militärstrategien.“ („SFB 700: Söldnerintellektuelle stoppen“, Indymedia, 12.11.08)

Wer es verpasst hat, findet hier eine ausführliche Fotostrecke.

Mit Symbolik ist das immer so eine Sache. Das Blut auf dem an der Bürotür befestigten Kissen soll offenbar suggerieren, dass der jeweilige Wissenschaftler durch seine „eingebettete“ Forschungsarbeit selbst Blut an den Händen hat bzw. dass er Mitschuld am Blutvergießen trägt. Die Symbolik könnte aber auch leicht dahingehend missverstanden werden, dass es sich um das Blut des Wissenschaftlers selbst handelt, wodurch er diese „Botschaft“ dann vielleicht als eine gegen seine Person gerichtete Drohung auffassen würde. Auch wenn letzteres sicherlich nicht gemeint war, eine solche vielseitig interpretierbare Symbolik hat zumindest auch immer einen faden Beigeschmack.

Auch die Symbolik mit der Risse-Pappfigur ließ sich gar nicht so leicht dechiffrieren (klar war nur, dass es eine Anti-SFB-Message war), weil das große „Wer sich einbettet muss Federn lassen“ Transpi am späten Nachmittag zumindest nicht mehr da war. Ich dachte daher zuerst, die Szenerie würde das während eines Kriegseinsatzes verwüstete Feldbett von Risse zeigen, dieser wäre somit höchstselbst nach Afghanistan eingezogen worden, um am eigenen Leib zu erfahren, was die Akteure dort durchmachen müssen.

Allerdings ist dieses stutzig werden wohl auch intendiert. Die KommilitonInnen sollen ja stehenbleiben und überlegen, um was es hier eigentlich geht. Zudem es wie berichtet offenbar auch Flyer und Redebeiträge gab, die noch einmal untermauerten, wogegen sich der Protest richtete. Vielleicht gab es zumindest ein paar Studierende, die so auf ein Thema aufmerksam wurden, das sie bis dato noch nicht auf ihrem Radar hatten.

Buch über transdisziplinäre Governanceforschung

November 5, 2008

Am Donnerstag (06.11.) stellen Sybille de la Rosa, Ulrike Höppner und
Matthias Kötter um 18 Uhr im Hörsaal A der Ihne21 ihr neues Buch „Transdisziplinäre Governance-Forschung – Gemeinsam hinter den Staat blicken“ vor.

Diskutiert werden soll dabei nicht nur „über die Möglichkeiten und Grenzen einer transdisziplinären Governanceforschung“, sondern auch „über die Forschungsarbeiten der Teilprojekte am SFB 700“. Ulrich K. Preuß wird ein paar einleitende Worte beitragen, Marianne Braig die Moderation übernehmen.

Der Inhalt des Buches wird wie folgt zusammengefasst:

„Das Buch fragt nach der Bedeutung von Governance und der Governanceforschung für die Sozialwissenschaften: Welche Strukturen, Prozesse und Ziele beschreibt Governance? Wie lassen sich gewachsene Ausprägungen von Governance vergleichen? Und lässt sich Governance ohne den Staat denken?

(…) Die Beiträge veranschaulichen die Möglichkeiten und Grenzen der Governanceforschung an theoretischen und empirischen Fragen aus dem Berliner DFG-Sonderforschungsbereich (SFB) 700 ‚Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens?‘, an dem die Autor/innen arbeiten und forschen.“ („Transdisziplinäre Governanceforschung. Gemeinsam hinter den Staat blicken“, SFB 700 Website)

Höppner und de la Rosa waren am Teilprojekt „Weiche Steuerung“ von Gerhard Göhler beteiligt. Dieses Teilprojekt wird sich beim nächsten SFB-Antrag angeblich nicht mehr einbringen, was bei manchen Studierenden die Hoffnung nährt, bei dieser Diskussionsveranstaltung zur Abwechslung mal eine unverblümte, kritische Einschätzung des SFB-Innenlebens auch von Insidern zu erhalten. Allerdings wird es wohl kaum so etwas wie eine „Generalabrechnung“ der Beteiligten geben.

Konferenz zur feministischen Politikwissenschaft

Oktober 20, 2008

Am Freitag den 31.10.08 findet in der Silberlaube (Raum L 116) eine Konferenz mit dem Titel „Feministische Politik|Wissenschaft 1968-2008 – Geschlechterpolitik zwischen emanzipatorischem Aufbruch und Managementstrategie?“ statt.

Bereits seit dem Jahr 1968 gab es eine Initiative für eine Genderprofessur am OSI. Diese wurde schließlich 1985 realisiert, als Prof. Grottian zusammen mit Prof. Narr (später mit Prof. Zeuner) eine Gender-Teilzeitprofessur ermöglichte. Doch diese „Ära“ endete mit dem Wegfall der Professur von Brigitte Rauschenbach zum Wintersemester 2007/2008.

Ein guter Zeitpunkt für ein Resümee, um Fragen zu stellen und in die Zukunft zu blicken. Daher haben engagierte WissenschaftlerInnen für Ende Oktober eine Konferenz in der Silberlaube ins Leben gerufen, auf der sich Vortragende wie Auditorium mit folgenden Fragen auseinandersetzen werden:

„Dieser Einschnitt [das Ende der „Genderprofessur-Ära“, siehe oben, Anm. FUwatch] in die Struktur politikwissenschaftlicher Forschung und Lehre am Otto-Suhr-Institut gibt Anlass für ein Nachdenken über feministische Politik|Wissenschaft heute – nicht nur am OSI. Brauchen ‚wir‘ 30 Jahre nach ’68 noch eine Genderprofessur? Hat Gender Mainstreaming einen eignen Raum für Geschlechterfragen und feministische Kritik in der Politik|Wissenschaft überflüssig gemacht? Welche Perspektiven feministischer Intervention ergeben sich im Spannungsfeld von Pluralisierung, Medialisierung und Akademisierung?

Diese Fragen nach dem Wandel feministischer Forderungen in Wissenschaft und Gesellschaft sollen auf verschiedenen Ebenen diskutiert werden. Was ist die aktuelle Situation von Frauen in Wissenschaft und Gesellschaft? Welche Widersprüchlichkeiten ergeben sich aus den Errungenschaften der zweiten Frauenbewegung? Wie ist emanzipatorische Wissenschaft möglich, wenn Gender zur Management-Kategorie wird? Wie sieht die Zukunft feministischer Politik|Wissenschaft am OSI aus?“ (Einladung zur Konferenz)

Auf der Konferenz wird es Beiträge von Sabine Berghahn, Bozena Choluj, Angelika Ebrecht-Laermann, Cilja Harders, Ina Kerner, Brigitte Rauschenbach, Petra Rostock und Bodo Zeuner geben.

Die Konferenz beginnt morgens um 10 Uhr und klingt gegen 21 Uhr aus. Alle Veranstaltungen finden im Konferenzzentrum in der Silberlaube im Raum L 116 statt, das Programm kann man hier herunterladen.