Archive for the ‘Warnstreik05’ Category

Letzter Warnstreik-Tag

Dezember 9, 2005

Heute endet der einwöchige Warnstreik an der FU. Um 11 Uhr wird sich eine Demo vom Silberlauben-Mensa-Foyer zum FU-Präsidialamt in Bewegung setzen. Dort soll die gestern verabschiedete VV-Resolution „angeschlagen“ bzw. dem FU-Präsidenten übergeben werden. Um 12 Uhr gibt es noch einen abschließenden Workshop in der Ihne21/B zum Thema „Bilanz und Perspektiven des Streiks“.

Waren zur zweiten VV am Montag (05.12.) noch 1500 Studierende erschienen, so waren es am Donnerstag (08.12.) nur noch 700. Das entspricht in etwa der Anzahl der Anwesenden auf der ersten Streik-VV vom 29.11. Am kommenden Mittwoch (14.12.) soll es noch eine vierte VV geben, meine Prognose lautet hier: nur noch 400 bis 500 Leute – wenn überhaupt. Nun geht es natürlich nicht nur darum wie viel Studierende auf VVs erscheinen, aber ihre abnehmende Anzahl kann schon als deutliches Indiz dafür gewertet werden, dass die allgemeine Proteststimmung genau wie 2003 den Jahreswechsel nicht überleben wird. Es wird wenn dann an einer Minderheit besonders engagierter Studis liegen, doch noch etwas zu bewegen.

Abschließend habe ich hier noch mal die wichtigsten Dokumente thematisch geordnet zum Download gelistet. Darunter auch Papiere, die sich nicht auf der Website der Streikzentrale finden:

Der 48 Stunden Streik

Dezember 8, 2005

Mit „Ruhe nach dem Sturm“ überschreibt der Tagesspiegel seinen heutigen Artikel über den Streik-Stand an der FU. Der Streik würde sich im Wesentlichen nur noch aufs OSI konzentrieren und sei insgesamt in eine Ruhephase eingetreten. In der taz ein ähnliches Meinungsbild, jenseits vom OSI läuft der Streik an den Studierenden vorbei. Man kann dieser Darstellung nur schwerlich widersprechen.

Tatsächlich findet ein Großteil der Protestaktivität nur noch in den Streik-Seminaren und -Workshops am OSI statt. Unabhängig von den dort erarbeiteten Strategien und Perspektiven tendiert die unmittelbare Außenwirkung des Protests bereits am dritten Streiktag gegen Null. Wie elektrisiert wirkten die Studierenden auf der VV am Montag, wie erhofft reichte ein Hörsaal nicht aus, so stark war der Andrang und das Interesse am Widerstand. Am Dienstag setzte sich das fort, mit Diskussionen auf der OSI-VV, der Besetzung des FU-Präsidums und der anschließenden Aussprache mit dem FU-Kanzler Peter Lange und dem FU-Vize-Präsidenten Werner Väth (siehe gestriger Eintrag). Allein tatsächliche Fortschritte waren nicht erkennbar, das Gespräch wirkte eher ernüchternd.

Am Mittwochmorgen dann der Streik-Kater. Der Bus brechend voll mit Studierenden, die U3 ebenso. Den Gesprächsfetzen ist zu entnehmen, dass der Protest durchaus Thema ist, dass aber kaum jemand ernsthaft erwägt sich zu beteiligen. Seminar im Henry-Ford-Bau, die Zahl der Anwesenden entspricht der, der Vorwoche. Von Streiklust keine Spur. Schließlich kommt doch noch eine Diskussion über den Streik zustande, die sich aber im wesentlichen auf eine „Informationsrunde“ beschränkt, danach wird mit dem normalen Seminarstoff weitergemacht. Wenn das repräsentativ für die Streikposition der Mehrheit der Studierenden an der „Rebellenhochburg“ OSI sein sollte, wie streikunwillig muss dann erst der Rest der Uni sein?

Über den Emailverteiler flattert ein Hilferuf herein, heute (Donnerstag) sei doch schon die nächste VV, dafür sei noch gar nichts vorbereitet. Eine weitere VV am Donnerstag? Richtig, die wurde ja wirklich angesetzt, taucht aber nicht mal mehr im AVV der OSI-Warnstreikenden auf (die vom Montag schon). Auch sonst weiß kaum jemand davon oder hat es verdrängt, die Mobilisierung mit Plakaten erfolgt auf den letzten Drücker heute Vormittag.

Keine Frage, der Protest hatte seinen Zenit bereits mit der Besetzung des Präsidiums am Dienstag erreicht und war damit eher ein 48-Stunden- als ein 5-Tage-Streik.

Vollversammlung am Otto-Suhr-Institut

Dezember 6, 2005

Heute fanden sich ca. 250 Studierende (taz, 07.12.) des Otto-Suhr-Instituts (OSI) zu einer institutseigenen Vollversammlung im Henry-Ford-Bau ein. Ursprünglich war für diese Veranstaltung Saal D vorgesehen, sie wurde jedoch kurzerhand nach C verlagert, weil dort Prof. Thomas Risse seine IB-Vorlesung halten wollte. Der ließ sich jedoch nicht beirren und evakuierte seine Veranstaltung nach kurzem Geknatsche einfach umgekehrt in den Saal D. Immerhin hob er die Anwesenheitspflicht für seine Veranstaltungen in der Streikwoche auf und stellte seinen IB-HörerInnen frei, hier in der VV zu bleiben oder drüben in Hörsaal D seine Vorlesung zu besuchen. Daraufhin verließ ein Teil der Anwesenden tatsächlich den Raum und folgte Risse.

Die OSI-VV begann dann mit einer kurzen Zusammenfassung der Beschlüsse der Gesamt-VV vom Vortag (siehe gestriger Blog-Eintrag). Ferner wurde ein Ablaufplan der heutigen VV vorgeschlagen und bewilligt.

Anschließend sprach Prof. Hajo Funke in Vertretung für Prof. Bodo Zeuner für die Dozierenden des Instituts. Funke teilte die Kritikpunkte der Studierenden und hob insbesondere die ursprünglich geplante Fristregelung hervor, die er zusammen mit anderen Dozierenden nur mühsam hätte abwehren können. Danach hätten faktisch alle Hausarbeiten bereits im Semester geschrieben werden müssen, da ursprünglich als Abgabetermin das Ende der Vorlesungszeit (Mitte Februar) bzw. der 1. März vorgesehen gewesen war. Inzwischen konnte für dieses Semester der 31. März als Abgabetermin ausgehandelt werden, den Dozierenden bleibt dann aber immer noch nur ein Monat, bis die Arbeiten korrigiert und die Noten im System endgültig eingetragen sein müssen. Funke nannte die ursprüngliche geplanten Fristen das Absurdeste, was ihm in seiner gesamten Laufbahn untergekommen sei. Dennoch habe es lange gedauert, bis das auch die Uni-Leitung endlich eingesehen habe. Unterm Strich sein die Abgabefristen allerdings immer noch zu regide geregelt und eben unflexibe. Der Warnstreik sei wichtig, weil hier nun endlich auch auf breiterer Basis solche Probleme diskutiert werden könnten. Lehrende wie Studierende sollten sich gleichermaßen gegen ein entmündigendes System wie das SAP Campus Management zur wehr setzen. Funke sprach weiterhin davon, dass man am OSI ansonsten auch erwägen müsse ganz einfach aus dem System auszusteigen.

Im Zuge des nächsten Tagesordnungspunktes stellte eine Gruppe ProtestlerInnen ihre kritische Überlegungen zum Streikablauf auf Basis der Erfahrungen aus dem 2003er Streik vor. Im Zentrum stand hier die „Repräsentations-Problematik“: Egal ob Medien, Politiker, Uni-Verwaltung, Dozierende – stets würden die Studierenden dazu neigen, ihre Handlungsoptionen aus der Hand zu geben, sie appellativ auf eine andere Ebene verlagern zu wollen. Ein fragwürdiges Vorgehen, da die Zielsetzung von Dritten nicht unbedingt der, der Studierenden entspricht. Werden z.B. die Medien angesprochen, dann ist das Thema dort nur für kurze Zeit von Interesse; den Medien geht es nicht wirklich um die Belange der Studierenden.

Im Hauptteil der Veranstaltung wurden dann die vier Gesamt-VV-Forderungen um zusätzliche OSI-VV-Forderungen ergänzt. D.h., es wurden Vorschläge eingebracht, diskutiert und schließlich verabschiedet oder abgelehnt. Stark umkämpft war hier z.B. die Frage, ob auch ein Studium ohne Zulassungsbeschränkungen gefordert werden solle. Viele KommilitonInnen lehnten dies ab, weil die Forderung unter den gegebenen Umständen zu utopisch sei. Es sei einfach nicht erstrebenswert dann mit 100 Leuten in einem Seminar zu sitzen, das bereits jetzt mit 60 Personen bereits übervoll sei, etc. Andere beharrten auf der Notwendigkeit jedem/jeder den Zugang zu Bildungseinrichtungen gewährleisten zu können. Bei mehreren Abstimmungsversuchen kam es immer wieder zu einem Patt. Schließlich wurde der Vorschlag eingebracht, den Punkt „ergebnisoffen“ in den Forderungskatalog aufzunehmen. Gefordert würde demnach nicht ein Studium ohne Zulassungsbeschränkungen, sondern nur eine verstärkte Diskussion über diesen Punkt. Andere Punkte, wie z.B. die Forderung nach einer Absetzung des FU-Präsident Lenzen fanden deutlich keine Mehrheit.

Der vielleicht wichtigste Abstimmungspunkt betraf eine dreitägige Besetzung des OSIs von Mittwoch bis Freitag. Dieser Punkt fand eine Mehrheit. Es finden noch bis Ende der Woche zahlreiche Streik-Seminare statt, das aktuelle AVV findet sich hier.

Insgesamt wirkte die VV gegen Ende hin ziemlich zerfasert und langatmig – wie es eben für VVs typisch ist. In einer Phase in der erstmal nur Vorschläge vorgebracht werden sollten, wurden diese z.B. in Wortmeldungen immer wieder gleich diskutiert oder bereits gemachte Vorschläge kritisiert ohne einen konkreten Gegenvorschlag vorzubringen, usw. Man verhedderte sich in Details und nebensächlichen Diskussionen, so dass die Veranstaltung kein Ende zu nehmen schien.

So wurde z.B. der Geschäftsordnungs-Vorschlag eingebracht eine quotierte Redeliste zu erstellen, dernach jeweils abwechselnd eine Frau und ein Mann sich äußern dürfen. Nachdem die BefürworterInnen dieses Vorschlags von einer „Selbstverständlichkeit“ redeten, die Gegenrede zu diesem Vorschlag von einem „Kerl“ (O-Ton) vorgebracht wurde, eskalierte die Situation kurzzeitig zu Geschrei und diversen Zwischenrufen. Schließlich kam es zu einer Kampfabstimmung die zum Ergebnis hatte, dass der Vorschlag abgelehnt wurde.

Als schließlich die Meldung rumging, dass einige KommilitonInnen das Präsidium besetzt hatten löste sich die VV langsam auf, da etliche Anwesende die BesatzerInnen unterstützen wollten und zum Präsidium eilten.

1500 Studierende auf der Vollversammlung

Dezember 5, 2005

Heute versammelten sich 1500 Studierende (Tagesspiegel, 06.12.) in den Hörsälen 1a und 1b der Silberlaube zur Auftakt-Vollversammlung des einwöchigen Warnstreiks an der FU Berlin.

Jenny Simon ließ zunächst die Ergebnisse der letzten VV vom 29.11. Revue passieren, eine Kommilitonin aus Nürnberg berichtete von den erschwerten Studienbedingungen durch die Einführung von Studiengebühren in Bayern (eine Welle die nach den Wahlen im kommenden Jahr auch Berlin zu erfassen droht), David Hachfeld klärte darüber auf, dass die vom Präsidium angekündigten Verbesserungen zwar ein erster Schritt in die richtige Richung sein, jedoch im Kern immer noch am Problem vorbei gingen (siehe dazu den gestrigen Eintrag). Schließlich spannte Prof. Peter Grottian in einer von tosendem Applaus begleiteten Rede einen Bogen vom Bachelor zu Hartz IV (Tagesspiegel, 06.12.) und verwies damit auf die Notwendigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Protests, der sich eben nicht nur auf die Uni beschränken dürfe.

Anschließend wurden Arbeitsgruppen gebildet, die den eigentlichen inhaltlichen Teil des Streiks leisten sollen. Studierende konnten ihre Arbeitsgruppe kurz vorstellen und organisatorische Angaben machen (wann, wo, wie). Im nächsten Schritt wurden dann die Forderungen diskutiert, ausformuliert und abgestimmt. Dabei beschränkte man sich schließlich auf vier zentrale Forderungen.

1. Abschaffung des Campus Managements
2. Alle BA-AbsolventInnen sollen auch für den MA zugelassen werden
3. Das Studium soll gebührenfrei sein
4. Ein freies und emanzipatorisches Lernen

Der letzte Punkt richtet sich gegen die zunehmende Verschulung des Studiums, die Studierende in ein festgezurrtes Lern-Korsett zwängt, letztlich auf ein reines „Auswendig lernen“ hinausläuft und selbstständiges Denken faktisch verunmöglicht. Andere Pauschalforderungen, wie die „Abschaffung des Kapitalismus“ fanden dagegen keine Mehrheit.

Morgen finden dann „lokale“ Vollversammlungen an den einzelnen Instituten und Fachbereichen statt, auf denen jeweils geklärt werden soll, wie genau die Streikwoche gestaltet werden soll, welche Form des Streiks man praktizieren möchte. Am Otto-Suhr-Institut wird es auf der VV (12 Uhr, Henry-Ford-Bau, HS D) daher auch darum gehen, ob das OSI besetzt werden soll oder nicht (taz, 06.12.).

AVV für Streikwoche am OSI

Dezember 3, 2005

Inzwischen ist die erste Version eines AVV für die Streikwoche am OSI erschienen. Der Stand ist 2.12., 18 Uhr, es werden also vermutlich noch Veranstaltungen hinzukommen oder verlegt werden. Dies hängt auch davon, inwieweit Räume zur Verfügung stehen.

Zum Gegenstand von Kritik ist der Flyer geworden, der auf der Rückseite die Forderungen / Diskussionspunkte in nicht ausformulierter Form enthält. Dies sei verfrüht, die Forderungen werden erst auf der VV am Montag präzisiert und verabschiedet.

Update:

Eine vervollständigte Version des AVV findet sich hier.

Streikzentrale und Streikzeitung

Dezember 2, 2005

Der Warnstreik an der FU nimmt langsam fahrt auf, die Adresse der offiziellen Website lautet: http://www.streikzentrale.tk/. Dort finden sich Flyer, Termine und demnächst dann hoffentlich auch die Inhalte.

Am Montag findet um 12 Uhr die Streik-VV in der Silberlaube 1a statt, dort soll über das weitere Vorgehen diskutiert und abgestimmt werden. Auf der Rückseite eines Flyers finden sich auch die geplanten Redebeiträge aus denen sich dann die Forderungen ableiten werden.

Weiterhin kursiert ein Flyer, der den Bachelor-Studierenden die Angst vor möglichen Konsequenzen die sich aus Fehlzeiten ergeben könnten nehmen soll. Dort wird dazu aufgerufen Anwesenheitslisten verschwinden zu lassen und Seminarräume zu besetzen, „Finden keine Veranstaltungen statt, kann keine Fehlzeit vergeben werden und ihr verpasst keinen Stoff“.

Bereits gestern wurde die erste Ausgabe der Streikzeitung herausgegeben. Inhaltlich werden die verschiedenen Streikgründe dargelegt: Anwesenheitslisten, Chaos bei der Einführung der neuen BA- und MA-Studiengänge, Campus Management, Bologna Prozess und drohende Studiengebühren.

Diskussion über Warnstreik

Dezember 1, 2005

Heute Mittag trafen sich ProtestlerInnen am Otto-Suhr-Institut, um den Warnstreik in der nächsten Woche zu planen oder zumindest anzudenken.

Das „OSI-Forum“

Erster Diskussionsgegenstand war die Einrichtung eines so genannten „OSI-Forums“. Eine Idee die nicht unmittelbar etwas mit dem Streik zu tun hat, aber der ursprüngliche Grund des heutigen Treffens war und deshalb auch kurz besprochen wurde. Es soll ein studentisches Forum eingerichtet werden, das alle zwei Wochen einmal zur selben Zeit stattfindet (momentan immer Donnerstags von 12-14 Uhr, 21/E) und wo Studierende die aktuellen Probleme am OSI diskutieren können. Ziel ist es, die Kommunikation und den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Klein-Gruppen mit ihren Projekten zu verbessern. Statt das wie bisher jeder „sein Ding“ durchzieht, sollen Kräfte gebündelt werden, Probleme dargelegt werden und einer größeren Öffentlichkeit zugeführt werden. Jeder der also irgend etwas auf dem Herzen hat, kann das Forum aufsuchen und dort aussprechen, wo ihn momentan der Schuh drückt.

Das Forum ist also eine allgemeine Anlaufstelle für alles was am OSI und der FU schiefläuft. Betont wird dabei der dauerhafte Charakter, den diese Veranstaltung haben soll. Es geht eben nicht darum, sich nur für den kurzen Zeitraum des intensiven Protests zu vernetzen, sondern regelmässig zusammenzukommen und so Perspektiven zur Lösung von Problemen zu entwickeln. Es soll auch besser als zuvor informiert werden, z.B. über die Beschlüsse (und deren Konsequenzen) des jeweils am Vortag tagenden Institutsrats.

Damit jeder OSIaner weiß, wann das nächste Forums-Treffen stattfindet, soll ein entsprechendes Pinboard (bzw. eine Schautafel) organisiert werden, das dann im OSI-Foyer stehen soll und entsprechende Informationen bereitstellt. Weiterhin wurde die Empfehlung ausgesprochen, dass alle sich auf der osi-protest-Yahoogroup eintragen (die schon seit anno 2000 existiert), dort soll dann auch über Erkenntnisse aus dem Forum berichtet werden, bzw. ob es Terminveränderungen gibt.

Es gibt eine Vorbereitungsgruppe, die die Idee eines OSI-Forums weiter vorantreibt und organisiert.

Der Fall „Riedmüller“

Zweites Topic war der Dauerkonflikt zwischen Prof. Riedmüller und Studierenden der Ersti-Vorlesung. Nachdem es dort schon von Anfang an starke Spannungen gab, eskalierte die Situation mit der Entwendung der Anwesenheitslisten endgültig. Prof. Riedmüller insistiert auf der Anwesenheitspflicht und will zur Erlangung eines Scheins jetzt zusätzlich auch Tests schreiben lassen.

Im Institutsrat zeichnet sich ab, dass für das kommende Sommersemester ein anderer Dozent für die Ersti-Vorlesung gefunden werden soll. Dies eilt jedoch, da bereits Anfang Januar feststehen muss, wer hier einspringt. Da sich kein Dozent um die Ersti-Vorlesung reißt, gestaltet sich das schwierig. Ins Spiel gebracht wurde die Idee, dass die Veranstaltung auch von Studierenden geleitet werden könnte (und der Name des Profs dann nur im Vorlesungsverzeichnis und auf dem Schein auftaucht).

Auch hier hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die an einer Lösung für das „Riedmüller Problem“ arbeitet. Unklar ist dabei immer noch, wie das bereits laufende Semester zuende gebracht werden soll, da ein Absägen Riedmüllers wohl nicht drin ist.

Campus Management

Das „Campus Management“ wurde nur kurz angesprochen. Deutlich wurde, dass es inzwischen auch unter den Dozierenden des FB Polwiss starke Vorbehalte gibt, die auf einer Kuratoriumssitzung geäußert wurden. Es gab hier deutliche Stimmen, die für eine Aussetzung des Systems eintraten. Es wurde beschlossen, dass man hier als Studierende unbedingt dranbleiben muss, denn wenn selbst die Dozenten gegen das System sind, stehen die Chancen relativ gut, es rauskegeln zu können. Selbst wenn eine Totalabschaffung nicht möglich ist, wäre es z.B. denkbar, dass das OSI ein Zeichen setzt und sich aus dem System ausklingt, der restliche FB dann vielleicht folgt.

Was für ein Typ von Streik?

Im folgenden wurde dann über den Warnstreik in der nächsten Woche diskutiert. Wie immer gab es Hardliner, die für einen Besetzungsstreik eintraten. Es solle zumindest die Ihne21 gleich am Montagmorgen besetzt werden, um ein Gebäude für Streik-Seminare zu haben und um sicherzustellen, dass die Studierenden nicht aus Angst Fehlzeiten zu riskieren doch in ihre Lehrveranstaltungen rennen. Die gemäßigtere Fraktion wollte auf Besetzungen verzichten und sich auf das Anbieten von Protest-Veranstaltungen konzentrieren.

Eine dritte Fraktion brachte einen Kompromiss, indem sie forderte vor einer möglichen Voll- oder Teil-Besetzung des OSIs zunächst eine eigene OSI-VV zu diesem Thema zu veranstalten, da eine Besetzung nur mit einer dort zu erreichenden Mehrheit zu legitimieren sei (die Grundannahme ist hier, dass die Gesamt-VV die Entscheidung über die genaue Ausgestaltung des Streiks „regionalisieren“ wird, also jeweils den Studierenden in ihren FBs/Instituten überlässt). Die OSI-VV unmittelbar nach der Gesamt-VV (12-14 Uhr) am Montag stattfinden zu lassen wurde abgelehnt, da dort vermutlich schon zu viel andere Aktionen ablaufen würden. Die OSI-VV wurde daher auf Dienstag angesetzt.

Inhalte des Warnsteiks

Bestimmt wurden die auch noch angesprochen, aber nach 90 min. knurrte mir der Magen.

Update 03.12.05

„Deutlich wurde, dass es inzwischen auch unter den Dozierenden des FB Polwiss starke Vorbehalte gibt, die auf einer Kuratoriumssitzung geäußert wurden. Es gab hier deutliche Stimmen, die für eine Aussetzung des Systems eintraten.“

Im eklatanten Widerspruch dazu, siehe:
http://web.fu-berlin.de/presse/fup/fup05/fup_05_202.html

Warnstreik an der FU Berlin beschlossen

November 30, 2005

Auf der gestrigen Vollversammlung (29.11.) haben die Studierenden der FU einen einwöchigen Warnstreik vom 05.12. bis 09.12. beschlossen.

Hintergrund sind wie so oft die unzumutbaren Zustände an der FU, diesmal ging es insbesondere um die neuen BA- und MA-Studiengänge, die von den Studierenden heftig kritisiert werden. Dies betrifft die Frage, wer nach dem BA noch einen MA machen darf (Forderung ist hier natürlich: alle), aber auch den inhaltlichen Aufbau der BA-Studiengänge als solchen. Ein weiterer wichtiger Streitpunkt ist die Einführung der neuen „Campus Management“ Software, mit der es nur Probleme gibt (siehe dazu zahlreiche Artikel in diesem Blog). Eine komplette Liste der Forderungen und Kritikpunkte findet sich hier.

Streit um Forderungen

Zwischen den Studenten wurde schon im Vorfeld der Vollversammlung wie immer kontrovers diskutiert, wie die Forderungen beschaffen sein sollen. Die eine Fraktion fordert Minimalforderungen, um eine höchstmögliche Anzahl von Studierenden für den Protest gewinnen zu können. Man sucht also den kleinsten gemeinsamen Nenner, um niemanden zu verprellen und den Protest massenkompatibel zu halten. Die andere Fraktion hält eine solche Einschränkung für unsinnig und befürwortet auch weiterreichendere Forderungen. „Forderungen haben nicht den Anspruch das Ende der Diskussion festzuschreiben, sie sollen eher dazu dienen einen Prozess in Gang zu bringen, und weit über die vorgegebenen Denkmuster hinausreichen“, so ein Kommilitone auf dem Studiprotest-Verteiler.

Vollversammlung beschlussfähig?

Von den Forderungen abgesehen wird – mal wieder – auch die Frage diskutiert, ob die Vollversammlung überhaupt beschlussfähig war. Die Liberale Hochschulgruppe hält z.B. in der Regel nicht viel von Streiks und so wird denn im LHG-Blog auch angezweifelt, ob auf der VV alles mit rechten Dingen zuging. Der Kommilitone von der LHG beschreibt, dass er das Gefühl hatte, der Beschluss zum Warnstreik hätte de facto schon vorher festgestanden: „So war von vorneherein klar, in welche Richtung diese VV gelenkt werden sollte – der Beschluss stand meiner Meinung nach quasi schon fest, auch wenn das die Verantwortlichen natürlich klar verneinen werden.“ (LHG-Blog).

Ob’s der LHG nun passt oder nicht, der Warnstreik beginnt am kommenden Montag. Spätestens dann wird sich ja herausstellen, ob die Streikbefürworter eine Mehrheit hinter sich haben oder nicht. Dies hängt natürlich nicht zuletzt auch von den noch zu planenden Aktionen ab. Fällt dem ein oder anderen Akteur etwas Innovatives ein, kann der Funke durchaus auf den lethargischen Teil der Studierendenschaft überspringen. Selbst wenn sich keine Mehrheit für den Warnstreik findet, muss dies nicht sein Scheitern bedeuten. Auch kleinere Gruppen können innerhalb der Woche vielleicht etwas bewirken und wenigstens einige Kommilitonen zum Nachdenken anregen.

Akademischer Senat und Präsidium werden nervös

Noch bevor der Warnstreik überhaupt begonnen hat, beginnt der Akademische Senat (AS) der FU schon zu rutschen. Nach der Ankündigung von Protesten hat er seine heutige Sitzung ganz kurzfristig abgesagt, angeblich wegen „Bauarbeiten“ im Henry Ford Bau. Dort finden tatsächlich Bauarbeiten statt, doch erscheint es unglaubwürdig, das ausgerechnet der AS sich kein Ausweichraum organisieren kann. Der AStA glaubt daher, der AS weiche den Studierenden aus und wolle sich vor ihnen verstecken. „Herr Lenzen kann sich jedoch nicht immer in seinem stillen Kämmerlein verstecken“ (Pressemitteilung des AStA, 30.11.).

Das Präsidium der FU brachte am Abend dann eine Pressemitteilung heraus, dernach eine Entschärfung der BA-Studiengänge vorgesehen ist. So soll die Malus-Punkte-Regelung ausgesetzt werden, die Fristen des akademischen Kalenders flexibilisiert werden, das Modulangebot für die gewünschte Fächerkombination ausgeweitet werden und das Überschneidungsproblem von Lehrveranstaltungen bis zum SS 2006 behoben werden (Pressemitteilung der FU, 30.11.05).

Nächste VV am Montag

Der Warnstreik beginnt am Montag um 10 Uhr mit einem Vorbereitungstreffen im Mensa-Foyer der Silberlaube. Um 12 Uhr findet dann die Streik-VV im Hörsaal 1a statt, wo präzisiert werden soll, wie genau der Warnstreik gestaltet werden soll. (siehe Flyer)