ATASP-Clique will Teilnehmer- Beschränkungen durchsetzen

Am morgigen Mittwoch (30.05.) findet um 08:30 Uhr im Hörsaal 21/B eine Institutsratssitzung statt. Der Kommilitone Dennis ruft alle OSI-Studis auf, dieser Sitzung beizuwohnen, da auch Anträge auf Ausdehnung der Teilnehmerbeschränkung auf der Tagesordnung stehen. Dennis wörtlich:

„Es ist nicht das erste Mal, dass im Institutsrat solche Anträge zur Debatte stehen. Es ist auch nicht neu, dass Seminare aufgrund eines Mangels an Lehrpersonal von mehr als 40 TeilnehmerInnen besucht werden. Anstatt sich selbst einmal gegen die Kürzungen und für mehr Lehre einzusetzen, wälzen die Dozierenden die Probleme einmal mehr auf die Studierenden ab.“

Namen nennt er nicht, er schreibt nur, dass die antragsstellenden Dozierenden „aus der Ecke Europäische Integration und Internationale Beziehungen“ kommen. Doch auf der OSI-Website erfährt man mehr, bei den besagten Lehrenden handelt es sich offenbar um Ingo Peters, Marianne Beisheim, Sabine Berghahn, Gregor Walter und Sebastian Barnutz (fälschlich „Bamutz“ geschrieben).

Bis auf Berghahn gehören alle Genannten zur „Arbeitsstelle Transnationale Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik“ (ATASP), die von Prof. Risse geleitet wird und einige der IB-Lehrveranstaltungen am OSI anbietet. Walter vertritt Andrea Liese die bis zum 30.06. Stipendiatin in Harvard ist, und davor hat er soweit ich mich entsinne einen weiteren Dozenten in der Lehre vertreten (ich meine es war Zürcher). Barnutz ist ein junger Nachwuchsdozent, er leitet in diesem Semester ein Proseminar. Aber nun gut, wer lehrt sollte natürlich auch ein Recht haben sich gegen Missstände zu wehren, selbst wenn er wie Walter und Barnutz nicht wirklich zum Institut gehört.

Dass manche Seminare am OSI derart überfüllt sind, dass sie eher Vorlesungen gleichen, lässt sich kaum bestreiten. Nur sollte auch klar sein, dass Teilnehmerbeschränkungen hier keine adäquate Lösung sind. KommilitonInnen die wegen einer Teilnehmerbeschränkung nicht in eine ATASP-LV kommen, müssen sich dann eine alternative LV suchen, weswegen es dort dann umso voller wird (besonders da ATASP-LVs innerhalb der IB-Module vermutlich nicht mal die beliebtesten sind), und die anderen Dozierenden dann auch dazu übergehen werden, ihrerseits Teilnehmerbeschränkungen zu beantragen.

Und selbst wenn es parallel noch alternative LVs gibt, in denen noch Plätze frei sind (was ja das Standardargument ist), dann in der Regel deshalb, weil diese alternativen LVs unbeliebter sind (siehe „Niemand mag Hesse-Seminare“). Durch Teilnahmebeschränkungen drängt man Studierende in LVs ab, deren Dozierende sich einen Dreck darum scheren, wie ihre Lehre bei den KommilitonInnen ankommt.

Auch andere OSI-Dozierende leiden unter überfüllten Lehrveranstaltungen, arrangieren sich aber mit der Situation und schreien anders als die ATASP-Crew nicht gleich nach Teilnehmerbeschränkungen. Natürlich sollte man sich mit einer unmöglichen Situation nicht einfach abfinden, nur wie Dennis schon ganz richtig schrieb, macht man es sich zu leicht, wenn man Teilnehmerbeschränkungen fordert anstatt sich selbst mal gegen die Kürzungen und für mehr Lehre einzusetzen.

Zur Lösung des „ATASP-Problems“ bietet sich folgendes an:

  1. Die ATASP wird komplett vom OSI abgespalten und der Hertie School of Governance angegliedert, denn sein wir ehrlich, da passt sie einfach viel besser hin (mindestens vom Habitus her). Und ich denke, auch die ATASP-MitarbeiterInnen wären da glücklicher. Am OSI suchen wir uns einfach ein paar neue IB-DozentInnen, die nicht so elitär und selektiv eingestellt sind (muss es ja auch noch geben).
  2. Der Master-IB wird an der FU nicht mehr angeboten, dafür bietet ihn die Hertie School of Governance zusammen mit der Humboldt-Viadrina School of Governance an (die HU hängt ja ohnehin schon mit drin).
  3. Den SFB Governance könnte man eventuell auch gleich loswerden (und dafür mehr Lehre anbieten).

Okay, das Problem überfüllter LVs am OSI wäre damit nicht wirklich gelöst, aber zumindest wären wir so unsolidarische IB-Dozierende los und hätten zusätzlich die „IB-risierung“ des OSIs ein stückweit aufgehalten.

Bisher ist jeder Versuch die Teilnehmerbeschränkungen auszuweiten im Institutsrat gescheitert, doch es gibt keine Garantie, dass das auch so bleibt. Insofern hat Dennis sicherlich recht, wenn er schreibt „Kommt daher zahlreich am Mittwoch um 8.30 Uhr zur Sitzung des Institutsrats, zeigt Präsenz, debattiert, lasst euch das nicht gefallen!“

Update 13:45 Uhr

Wie Martin auf dem OSI-Verteiler berichtet war dies offenbar nicht das erste Mal, dass es aus Richtung der ATASP einen Vorstoß in Richtung Teilnehmerbeschränkung gegeben hat: „Vor 2 Jahren haben Risse und Co mal versucht auf sämtliche IB Seminare Teilnehmerbeschränkungen zu erlassen (das ganze gekoppelt mit einem System der Bevorzugung von Master Studierenden).“

Zur weiteren Diskussion siehe unten stehende Kommentare: Während Wolf darauf verweist, dass der Institutsrat (IR) überhaupt keine Befugnis hat eine Teilnehmerbeschränkung zu erlassen, sondern nur der Fachbereichsrat (FBR), erwidert Dennis, dass der FBR die Anträge an den IR geleitet hat, mit dem Hinweis, man solle erst mal dort über die Anträge entscheiden. Ein Vorgehen das andeutet, dass der FBR das Votum des IR dann einfach absegnen wird.

Im FSI-Blog kann man unter anderem den entsprechenden Paragrafen aus der Satzung für Studienangelegenheiten der FU nachlesen. Kritisch heißt es weiter: „Besonders §12 Abs. 2 ist jedoch in der Neufassung der Satzung so schwammig formuliert, dass damit praktisch jede Lehrveranstaltung teilnahmebeschränkt werden könnte.“

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10 Antworten to “ATASP-Clique will Teilnehmer- Beschränkungen durchsetzen”

  1. FSI OSI gegen Teilnahmebeschränkungen « die fachschaftsinitiativen Says:

    […] Weiterer Artikel zu den Teilnahmebeschränkungen am OSI […]

  2. Wolf Dermann Says:

    Nicht dass jemand noch Angst bekommt, dass am morgigen Mittwoch irgendwelche Teilnahmebeschränkungen schon beschlossen werden würden.
    Der Institutsrat kann genausowenig Teilnahmebeschränkungen zu Lehrveranstaltungen beschliessen, wie Auslandseinsätze der Bundeswehr. Für ersteres ist ausschließlich der Fachbereichsrat zuständig, der sich hierbei auch nicht nach irgendwelchen Aussagen des Instituts richten muss. Dahin kann und sollte man mobilisieren (und Vorgespräche mit Mitgliedern führen) wenn es da auf die Tagesordnung kommt.

  3. Dennis Olsen Says:

    Sehr richtig Wolf,

    allerdings hat der FBR in der vergangenen Sitzung diese Anträge an den Institutsrat zur Diskussion weitergegeben. Begründung: „Das OSI soll erstmal selbst darüber entscheiden.“ Andere Institute des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften, habe nämlich nie über solche Anträge zu befinden.
    Also ist die Sitzung Morgen doch wichtig.

  4. Marcel Heberlein Says:

    Der Institutsrat hat die Anträge, wie das bereits in den Jahren zuvor geschehen war, abgelehnt. Er verpflichtete sich jedoch, an einer umfassenden Lösung für die Teilnehmerproblematik zu arbeiten. Wie dies konkret aussehen soll, ob z.b. eine Kommission ernannt wird, steht meines Wissens nach noch nicht fest.

  5. Dennis Olsen Says:

    Das was die Leute erreichen wollten haben sie leider erreicht. Das Thema ist auf die Agenda gesetzt worden und wurde von vielen fantasievoll aufgenommen. Die Vorschläge gingen von wir könnten ja die Zahl der Nebenfach- und Beifachstudierenden in den Seminaren beschränken (von Oppeln) bis zu wir sollten einfach alle Lehrveranstaltungen teilnahme beschränken, damit die Studis mehr Druck auf die Lehrenden ausüben, gute Lehre zu betreiben (Niedermayer).
    Fest entschieden wurde zum Glück noch nichts. Dass eine Erhöhung des Lehrangebots, eine Lösung sein könnte, viel keinem der Dozierenden ein.

  6. Wolf Dermann Says:

    Dennis schrieb: „Dass eine Erhöhung des Lehrangebots, eine Lösung sein könnte, viel [sic!] keinem der Dozierenden ein.“

    Tatsächlich führt eine Erhöhung des Lehrangebots (glücklicherweise!) nicht zu kleineren Kursen. Der vom BVerfG im NC-Urteil 1972 festgelegte Grundsatz der Kapazitätserschöpfung führt nämlich dazu, dass wenn mehr Lehrveranstaltungen angeboten werden, auch mehr Studienberwerber zugelassen werden müssen. Da die Zulassungszahlen proportional zur Zahl der Lehrverpflichtungsstunden steigen, bleibt die Zahl der Studierenden pro Lehrveranstaltung also gleich.

    Glücklich ist das ganze deshalb, weil dadurch tatsächlich verhindert wird, dass kleinere Kurse einfach durch schärfere NCs geschaffen werden können. Um möglichst vielen Studierwilligen zu ihrem Grundrecht auf freie Ausbildungsplatz-, also auch Studienplatzwahl (hier in Form eines Teilhabegrundrechts bei staatlich veranstalteten Hochschulen) zu verhelfen, muss man nunmal auf kleine Kursgrößen verzichten.

  7. ATASP-Angriff abgewehrt « FUwatch Says:

    […] FU, Protest, Organisation Wie der OZ-Redakteur Marcel Heberlein in einem FUwatch-Kommentar berichtet, hat der Institutsrat (IR) die Anträge der ATASP-Clique auf eine Ausweitung der […]

  8. Offenes Treffen nach Skandalsitzung des IR « FUwatch Says:

    […] Gegenstand einer immer noch andauernden Kontroverse sind ebenfalls die Pläne einiger OSI-Dozierender das Problem der überfüllten Lehrveranstaltungen durch Teilnehmer-Beschränkungen in den Griff zu kriegen (siehe “ATASP-Clique will Teilnehmer-Beschränkungen durchsetzen”). […]

  9. OSI Gruppen im StudiVZ « FUwatch Says:

    […] Ich habe versucht diese politische Langeweile wenigstens mit Themen zur Personalpolitik am Institut etwas aufzumischen, das Feedback war freilich bisher nicht überwältigend. Als Test habe ich dann eine eigene Gruppe gegründet, die sich für ein “risse-freies OSI” einsetzt und damit an meinen alten Traum angeknüpft, dass das ATASP aus dem OSI herausgelöst und der HSoG angegliedert wird (siehe “ATASP-Clique will Teilnehmer-Beschränkungen durchsetzen”). […]

  10. Laßt Sven gehen! « FUwatch Says:

    […] als die ATASP-Clique versucht hat Teilnehmerbeschränkungen für Seminare durchzusetzen (siehe >hier und hier). Chojnackis Name fällt in diesem Kontext nicht, doch FALLS er die […]

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