Archive for the ‘SFB 700’ Category

Zur siebten Ausgabe der OSI-Zeitung

Februar 11, 2009

Wie berichtet erschien unlängst die siebte Ausgabe der OSI-Zeitung. Hatte es 2006 und 2007 noch jeweils im Dezember eine OZ gegeben, so ließ sich die Redaktion dieses Mal bis Februar Zeit. Damit gab es im ganzen vergangenen Jahr nur eine Ausgabe im Juli. Ähnlich wie die ersten Ausgaben hat die aktuelle zudem auch wieder nur 16 Seiten (statt 20 wie bei den letzten).

Das Titelthema der siebten OSI-Zeitung ist natürlich der in diesem Semester stark eskalierte Konflikt um die Forschung am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700). Marcel Heberlein lässt hier im Hauptartikel beide Seiten zu Wort kommen (Risse für den SFB, Sarah für die KritikerInnen), wodurch ihm eine recht ausgewogene Darstellung der beiden Positionen gelingt. In einem ergänzenden Kommentar macht er dann aber keinen Hehl daraus, dass er für die Art und Weise wie die SFB-KritikerInnen ihre Kritik postulieren nicht viel übrig hat. Fraglich ist jedoch, ob die Analyse der KritikerInnen wirklich so unterkomplex ist wie Marcel glaubt.

Wie andere auch die Kritik an der SFB-Kritik äußern, tendiert Marcel dazu die KritikerInnen zu sehr auf ihre kämpferische Rhetorik zu reduzieren ohne sich mit der dahinterstehenden, durchaus vorhandenen Kritik wirklich auseinanderzusetzen. Richtig ist aber zunächst sicherlich die These, dass die KritikerInnen sich mit diesen bisweilen schrillen Kampfparolen keinen Gefallen tun. Für die Gegenseite ist es dann ein leichtes sich an solchen Provokationen hochzuziehen anstatt inhaltlich auf die Kritik einzugehen.

Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn z.B. der Neokolonialismus-Vorwurf von der OZ ausführlicher beschrieben worden wäre. Dieser reduziert sich eben keinewegs darauf, dass „ein weißer Mann vor einem weißen Publikum über andere Weltregionen richtet“. Sarah mag das gegenüber Marcel vielleicht so angeführt haben, nur dahinter steht natürlich mehr wie man z.B. in Hartmanns „SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“ nachlesen kann.

Dass das was die SFB-KritikerInnen vorbringen keineswegs einfach nur eine wilde Verschwörungstheorie ist kann man aber wie unlängst bereits betont z.B. auch in den Ausführungen des Kommilitonen Ralf Hutter nachlesen („SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“). Ralf hat sich die Mühe gemacht die umstrittenen Papiere von Koehler (und Zürcher) mal etwas detaillierter zu analysieren. Darüber hinaus dokumentiert er aber auch das Verhalten der SFB-Protagonisten und wie schwer sie sich damit tun auf kritische Nachfragen einzugehen.

So könnte ja theoretisch auch die OZ-Redaktion vorgehen: Sich inhaltlich mit den strittigen Papieren auseinandersetzen, ob nun vom SFB oder z.B. auf der Gegenseite von Detlef Hartmann, die Standpunkte der Autoren etwas detaillierter darstellen und dann deutlich machen, wo diese Standpunkte Schwächen haben und wo sie stimmig wirken. Die Frage ist natürlich, ob eine solche Analyse den Rahmen einer Publikation wie der OZ sprengen würde. Sicherlich wäre das dann ein etwas längerer Artikel oder gleich mehrere Artikel die sich verschiedenen Teilaspekten widmen, theoretisch machbar wäre es aber sicherlich.

Um den zweiten zentralen Aspekt, den Berufungsskandal im Fall Chojnacki/Zürcher, geht es dann im nächsten Artikel von Max Czollek. Wobei Max sich besonders auf den Kampf um den Erhalt der Professur Ideengeschichte konzentriert, die bekanntlich wegen der Berufung Chojnackis und Zürchers auf eine Juniorprofessur Ideengeschichte reduziert wurde. Bei seinem Engagement kam sich Max (und sicherlich nicht nur er) streckenweise wie ein Hamster im Laufrad vor. Auf einmal – als habe es nie wirklich einen Konfliktgrund gegeben – kommt der Vorschlag auf, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track auszustatten, womit es eine reale Chance gibt, dass aus der Juniorprofessur nach ihrem Auslaufen eine Vollprofessur wird. Wirklich sicher ist das aber nicht, auch nicht, ob das alles auch ohne den hartnäckigen studentischen Widerstand so gekommen wäre. Ganz so sinnlos war der Einsatz für den Erhalt der Professur vielleicht doch nicht.

Was im Artikel fehlt (bzw. in einem weiteren zu leisten gewesen wäre) ist eine etwas breitere Darstellung der Abläufe um die Berufungen von Chojnacki und Zürcher, die von Max nur angeschnitten werden. Er verweist zwar darauf, dass das Thema schon in der letzten OZ-Ausgabe ausführlich behandelt wurde. Nur das war im Juli, danach kamen die Semesterferien und der Skandal bekam noch einmal eine ganz neue Dimension, die bekanntlich soweit reichte, dass sogar Zöllner sich in dem Konflikt zu Wort meldete. Zumindest eine etwas ausführlichere Darstellung der Abläufe in der legendären FBR-Sitzung in der es dann nach den Ferien die Kampfabstimmung gab, wäre sicherlich ganz gut gewesen, um der bis dato weniger informierten Leserschaft vor Augen zu führen, wie knapp die Sache war und wie brachial sie ursprünglich durchgepeitscht werden sollte. Welche Professoren stimmten wie ab, welche Vorwürfe wurden geäußert, usw.

Der Artikel der in dieser OZ-Ausgabe die meisten bisher noch weitgehend unbekannten (nicht diskutierten) Informationen zu tage fördert ist sicherlich jener von Christa Roth, die die de facto Abwicklung der Politischen Erwachsenenbildung dokumentiert. Einem Sachverhalt dem man von studentischer Seite bisher sicherlich nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Erzählt wird, wie Prof. Zeuner versuchte sein „Lebenswerk“ zu retten und dabei doch chancenlos blieb. Nebenher erfährt der/die LeserIn wie sich das OSI eigentlich finanziert und wo das Modell hakt.

Richard Oelmann beschreibt in „Ministry of Love“ die Diskrepanz zwischen der Wohlfühl-PR die von der Kommunikations- und Informationsstelle der FU ausgeht und der oftmals deutlich bitteren studentischen Realität. Etwas anders sieht das sein Kollege Gerrit Horak, der findet es gibt noch genügend Gründe das Lachen an der FU nicht zu verlieren und appelliert an alle Beteiligten die Sache vielleicht nicht ganz so verbissen zu sehen.

Einmal mehr fällt hier auf, dass Gerrit bestimmte Erfahrungswerte zu fehlen scheinen. Etwa jene von Stefan Hernádi, der in seinem Artikel beschreibt was für Konsequenzen es für protestierende KommilitonInnen hat, wenn der FU-Präsident sein Hausrecht mittels eines unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes durchsetzen lässt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Gerrit diese oder ähnliche Erfahrungen an der FU selbst gemacht hat, denn ansonsten fiele es ihm sicherlich leichter nachzuvollziehen, warum einige seiner KommilitonInnen sich so schwer damit tun all den Mist der zur Zeit an der FU (oder dem OSI) läuft gelassener zu sehen bzw. zumindest einen anderen, gemäßigteren Tonfall zu finden. Er stellt zwar fest, dass das sehr vergiftete Klima am Institut von unterschiedlichen Seiten produziert wird, unternimmt darüber hinaus aber auch keinen ernsthaften Versuch zu ergründen, wie es eigentlich dazu kommen konnte.

Insgesamt ist diese OZ-Ausgabe jedoch gewohnt gelungen, sie bietet dem hochschulpolitisch immer gut infomierten Studierenden vielleicht nicht so sonderlich viel Neues, doch kann dieser auch nicht zum Maßstab genommen werden. Denn viele KommilitonInnen sind was die Hochschulpolitik an ihrer Uni / ihrem Institut angeht vielleicht nicht immer ganz so auf dem Laufenden. Dennoch wäre es wie oben ausgeführt wünschenswert gewesen, wenn man einige Vorgänge, besonders rund um den SFB-Komplex, noch etwas ausführlicher beschrieben hätte.

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Bericht über die Koehler-SFB-Veranstaltung

Februar 6, 2009

Wie angekündigt hat der SFB-Wissenschaftler Jan Koehler unlängst sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan am OEI vorgestellt.

Der Kommilitone Ralf Hutter hat dazu einen ausführlichen Artikel verfasst, der als Gastbeitrag unter dem Titel „SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“ im FSI Blog veröffentlicht wurde.

Ralf dokumentiert darin zum einen sehr deutlich wie Koehler kritischen Nachfragen auf der Veranstaltung systematisch ausgewichen ist und was für einen verheerenden Eindruck diese Blockadehaltung hinterlassen hat. Ralf geht darüber hinaus aber auch inhaltlich auf das „Working Paper 17“ ein und beschreibt Verknüpfungen mit der BMVg-Studie, die es ja angeblich gar nicht gibt.

Auch wenn der Artikel für einen Blogeintrag natürlich etwas lang ist, ist er doch absolut lesenswert und zweifellos eine Muss-Lektüre für alle die sich kritisch mit den Forschungsansätzen am SFB bzw. den Umgang am SFB mit kritischen Stimmen interessieren.

Veranstaltung zum (Neo)kolonialismus

Februar 2, 2009

Senfo Tonkam, Mitglied der Black Nation in Deutschland, Doktorand in Politische Philosophie an der Universität Hamburg, früherer Anführer der demokratischen, anti-imperialistischen, panafrikanischen Studierendenbewegung in Kamerun, wird am kommenden Mittwoch (04.02.) um 18 Uhr einen Vortrag im Hörsaal A der Ihne21 halten.

Thema des Vortrags: „(Neo)kolonialismus – Entwicklungspolitik und Sozialwissenschaften als neue Formen der westlichen imperialen Kriege am Beispiel Afrika“.

In einer Ankündigung zu seinem zusammen mit Sylvia Bané publizierten Buch (welches dieses Jahr auch in Deutsch erscheinen soll), „Afrika wird siegen“, heißt es:

„(…) Im deutschen Exil, kommt Senfo Tonkam zurück auf den Kampf seines Lebens, der Panafrikanischen Befreiung und der Panafrikanischen Renaissance. In diesem Buch haben Sie die Möglichkeit den militanten Schwarzen Nationalisten und Afrozentrischen Intellektuellen kennenzulernen, der den anti-Schwarzen Rassismus, den Imperialismus und den Neokolonialismus dekonstruiert und zeigt, dass die Lösungen der Übel, die die Schwarzen Völker überall auf der Welt kaputt machen, in unserer tausendjährigen Kultur liegen, sowie in dem Erbe und den Lektionen der revolutionären Kämpfe, die uns unsere heldInnenhaften Vorfahren auf dem Kontinent und in der Diaspora hinterlassen haben.“

Das Bekenntnis zu einem „militanten schwarzen Nationalismus“ hat bereits für erste kritische Anmerkungen auf studentischen Emailverteilern gesorgt (die Kritik ist, dass ein solcher militanter schwarzer Nationalismus kaum eine wirklich brauchbare Antwort auf einen rassistischen weißen Nationalismus sein kann). Der Vortrag und die anschließende Diskussion dürften sich in jedem Fall sehr kontrovers gestalten, auch wenn es hier nicht zuvorderst um das besagte Buchprojekt geht.

Initiiert wurde die Veranstaltung offenkundig von SFB-KritikerInnen, schon auf dem Flyer werden einleitend einige SFB-MitarbeiterInnen mit kurzen Phrasen zitiert. Hintergrund sind vermutlich Vorwürfe gegenüber dem SFB die von einer nicht ausreichenden, kritischen Auseinandersetzung mit neokolonialen Ansätzen bishin zu der These, der SFB selbst würde sich solch neokolonialer Denkmuster bedienen, reichen.

Vorangestellt ist einer über Emailverteiler laufenden Einladung zur Veranstaltung auch der Verweis auf ein neues Papier von Detlev Hartmann in welchem dieser der Frage nachgeht, ob der SFB 700 Neokolonialismus betreibt („SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“, materialien.org, Januar 2009). Verwiesen wird weiterhin auf das schon erwähnte neue Positionspapier der SFB-KritikerInnen („Failing Sciences Embedded Stakeholders – Wider den SFB 700“). Hier findet sich auch ein weiterer Beitrag Hartmanns zur Neokolonialismus-Frage im Hinblick auf den SFB 700 („Für eine postmoderne Erneuerung des antikolonialen Kampfes“, S. 10).

Riedmüller, Rotwein und das „Professorium“

Januar 17, 2009

Im Vorfeld der FU-Wahlen hat der Kommilitone Ralf Hutter, studentischer Vertreter der FSI-Liste im FBR PolSoz, einen Bericht über die letzten Vorkommnisse im Fachbereichsrat verfasst („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Kritik am Führungsstil der derzeitigen PolSoz Dekanin, Prof. Dr. Barbara Riedmüller.

Ralf thematisiert hier unter anderem noch einmal die sehr umstrittene Berufung von Zürcher und Chojnacki (siehe „Berufungsskandal“). Das „verschlankte Berufungsverfahren“ wurde mit einer „Rufabwehr“ begründet. Im Falle Chojnackis lag ein Ruf aus Kiel vor, im Falle von Zürcher angeblich einer der Uni Ottawa, der jedoch bis heute als etwas mysteriös gilt:

„Im Falle Zürcher gaben nämlich die beim Dekanat vorliegenden Dokumente Anlass zu Zweifeln bzgl. der Rechtmäßigkeit der Bewerbung. Die im Präsidialamt gelagerten Dokumente, in diesem Fall vor allem der Ruf der Universität Ottawa, durften gar nicht erst eingesehen werden.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Auch der Brief den Zöllner angesichts der Berufungsskandals verfasst hatte (siehe „Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“), blieb weitgehend geheim:

„Nicht einsehbar ist auch der Brief des Wissenschaftssenators Zöllner an die Dekanin, mit der er sie dazu aufforderte, die Schaffung der Professuren erneut abstimmen zu lassen (angeblich wegen Formfehlern). Riedmüller las nur ausgewählte Sätze daraus vor. Ihr Amtsführungsstil bewirkte auch in diesem Fall Misstrauen.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Wie berichtet kam es dann nach den Semesterferien zu einer teilweise hitzig geführten Diskussion unmittelbar vor der zweiten Abstimmung („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Im Zuge dieser Debatte (die sich insgesamt über mehr als eine FBR-Sitzung hinzog) wurde nach Angaben Ralfs auch die Dekanin Riedmüller stark kritisiert:

„Bei diesem für das OSI derart wichtigen Thema zeigte sich übrigens mehrere Male in besonderem Ausmaß der autoritäre Stil der Dekanin, die auch eine WiMi und mindestens zwei Profs derart hart ob deren Positionierungen anging, dass einer der letzteren bei seiner zweiten Wortmeldung schon das Wort ‚Dienstaufsichtsbeschwerde‘ in den Mund nahm.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Ralf schneidet in seinem Bericht auch die Auseinandersetzung im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Diskussionsveranstaltung vom 12.12.08 an, die wie berichtet verhindert werden sollte (siehe „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“). Riedmüller die den Raum nicht bewilligen wollte, störte sich offenbar an vermeintlichen NS-Anspielungen auf dem Einladungs-Flyer (siehe dazu den Absatz „Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung“ in „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), hatte mit dieser Begründung allerdings relativ lange hinter dem Berg gehalten:

„Im Vorfeld hatte es geheißen, es sei eine professorale Kostenstelle als verantwortlich zu benennen, Studis könnten also alleine keinen freien Hörsaal für eine institutsbezogene Veranstaltung bekommen. Kurzfristig wurde dieses Argument dann wieder relativiert, doch einen Tag vor dem Termin sprach Riedmüller doch das Raumverbot aus, und zwar wegen einer vermeintlichen Anspielung auf den Nationalsozialismus auf dem Veranstaltungsplakat.

(…) Nachträglich ließ Riedmüller wissen, sie habe die Plakate schon lange vorher anstößig gefunden, das aber zunächst nicht als Grund für die Ablehnung des Raumantrags genannt. Auch in der FBR-Sitzung zwei Tage vor der Veranstaltung habe sie nicht über selbige reden wollen, obwohl der Termin dort thematisiert wurde.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Am Ende kommt Ralf dann auf das so genannte „Professorium“ zu sprechen, ein informelles Gremium, bei dem sich eine Gruppe von Professoren „über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich“ berät:

„Die Grundlagen der Politik liegen aber, wie immer, hinter den Kulissen, sprich: außerhalb der Gremien. Das zeigt die Existenz des ‚Professoriums‘, eines unregelmäßigen und informellen Treffens von Profs ‚bei Rotwein‘ (Riedmüller), bei dem über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich beraten wird.“

Erwähnung findet dieses „Professorium“ auch in einem Artikel mit dem Titel „Exzellenter Klüngel SFB 700“ von „Rosa Rot“ veröffentlicht im neuen Papier der SFB-KritikerInnen:

„Am Beispiel des Berufungsskandals Chojnacki/Zürcher ist diese informalisierte Vorgehensweise sehr deutlich zu veranschaulichen. Schon im Vorlauf probierten die VertreterInnen des SFB an unterschiedlichen Stellen im Fachbereich eine Professur auf die Person Zürcher umzuwidmen.

Zunächst die freigewordene Professur am Ethnologie-Institut, was de facto dessen Ende bedeutet hätte. Dies stieß auf heftigen Widerstand bei den EthnologInnen und wurde verhindert.

Daraufhin trafen sich einige ProfessorInnen des OSI informell. Auf die Absprachen dieses Treffens wurde im Nachhinein immer wieder mit ‚Professorium‘ Bezug genommen. Ein Professorium ist jedoch weder im Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) noch sonst in einem Gesetz vorgesehen.

Dann wurde der OSI-Strukturplan, – in dem festgelegt ist, welche Professuren es gibt und über den herkömmlicherweise öffentlich entschieden werden muss –, sowohl im Institutsrat wie im Fachbereichsrat (FBR) in der nichtöffentlichen Sitzung verändert. Unter Ausschluss einer öffentlichen Debatte.

So gelang es aus der Vollprofessur Ideengeschichte die vom SFB gewünschten Professuren für ‚Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung‘ und zusätzlich ‚Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik‘ institutionell einzufädeln.“ („Exzellenter Klüngel SFB 700“, in: „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“, S. 23)

Leider erfährt der/die LeserIn keine weiteren Details über das Wirken dieses „Professoriums“. Hat es tatsächlich wie hier suggeriert wird die Berufung von Zürcher und Chojnacki „beschlossen“ bevor diese in offiziellen Gremien zum Thema wurde? Gab es weitere konkrete Fälle in denen das Professorium getagt hat, z.B. im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Veranstaltung? Und welche ProfessorInnen gehören diesem ominösen informellen Gremium überhaupt an? Darüber liegen anscheinend noch keine detaillierten Erkenntnisse vor.

Neues Papier zur SFB-Kritik

Januar 15, 2009

Wie bereits erwähnt, wird Jan Koehler heute um 18:30 Uhr im Hörsaal A des OEI sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan vorstellen.

Nicht nur der SFB lädt zu dieser Veranstaltung ein, auch die SFB-KritikerInnen mobilisierten gestern noch einmal. So wurden am OSI überall Flyer verteilt, die auf den Vortrag hinwiesen. Der Flyer wurde auch im FSI Blog veröffentlicht.

Besonders interessant ist dabei der Hinweis auf ein Papier, das den SFB auf einer recht breiten Basis kritisiert. So geht es in „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“ nicht nur um die Militarisierung, sondern z.B. auch um durch den SFB bedingte FU-interne Auswirkungen. Ein recht ausführliches Dokument, das die Kritik am SFB präzisiert.

Anscheinend ist zur Zeit nicht geplant, die Online-Version des Dokuments auch als Print-Version zu verteilen – zumindest gibt es darauf keinen Hinweis, gestern lag sie nirgends aus. Was eigentlich schade ist, denn trotz des bisweilen sehr kämpferischen Tonfalls zeigt das Papier vielleicht besser als alle vorhergehenden an einigen Stellen auch substanziell, woran sich die SFB-KritikerInnen stören.

Koehler stellt Studie vor

Januar 8, 2009

Jan Koehler, Mitarbeiter am SFB, stellt am kommenden Donnerstag (15.01.) um 18:30 Uhr sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan im Hörsaal A des OEI vor.

„Das Papier mit dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordost-Afghanistan‘ untersucht Wirkungszusammenhänge zwischen transnationalen Konstellationen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure und der Erzeugung von Sicherheit und Entwicklung als Governanceleistung in Nordost-Afghanistan.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist dabei die Frage, wie die afghanische Bevölkerung Veränderungen der eigenen Sicherheit sowie lokale Entwicklungsherausforderungen über die letzten Jahre wahrgenommen hat.“ (SFB Ankündigung)

Koehler stand unlängst wegen einer themenverwandten, zusammen mit Prof. Zürcher für das BMVg ausgearbeiteten Studie auf der Diskussionsveranstaltung mit Detlef Hartmann in der Kritik (siehe Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung).

Die Veranstaltung ist sicherlich informativ und einen Besuch wert.

Die vielköpfige Hydra

Januar 7, 2009

Am morgigen Donnerstag (08.01.) stellt der Historiker Marcus Redike das von ihm und seinem Kollegen Peter Linebaugh verfasste Buch „Die vielköpfige Hydra – Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks“ („The Many-Headed Hydra“) an der FU vor. Seinen Vortrag wird Redike um 18 Uhr im JFKI (Lansstr. 7-9), Raum 203 halten.

Auf Deutsch ist das Buch bei Assoziation A im Februar letzten Jahes erschienen. Zum Inhalt heißt es dort:

„In ihrem im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten erschienenen Buch ‚The Many-Headed Hydra‘ stellen die amerikanischen Historiker Peter Linebaugh und Marcus Rediker die Herausbildung des ‚atlantischen Kapitalismus‘ dar. Sie beleuchten die Ursprünge und den atemberaubenden Aufstieg des frühen globalen Kapitalismus im Gebiet des ‚englischsprechenden Atlantiks‘ vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, ohne den die Welt, wie sie heute ist, nicht gedacht werden kann.

Unter Verwendung zahlreicher Primärquellen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Spektrums gelingt es den Autoren, die ‚versteckte Geschichte‘ der atlantischen Kolonisation durch das aufstrebende Britische Empire aus den ‚Fußnoten‘ der Historiographie in den Mittelpunkt ihrer Darstellung zu rücken.

Es ist dies die Geschichte der verarmten Massen, der Seeleute und Sklaven, der Schuldknechte, der einfachen Frauen, der marginalisierten Arbeiter und Bauern und all jener, die auf die sogenannten ‚common rights‘ dringend angewiesen waren (…)“ (Assoziation A)

Die Einladung steht auch im Kontext des Teilpropjekts B3 am SFB („Colonial Governance und Mikrotechniken der Macht: Englische und französische Kolonialbesitzungen in Nordamerika, 1680-1760“), wo man sich mit einer ähnlichen Thematik befasst.

Wer den zweifellos interessanten Vortrag morgen nicht wahrnehmen kann, erhält noch eine weitere Gelegenheit am Freitag (09.01.) um 20 Uhr im Buchladen „Schwarze Risse“ im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a).

Weiterhin können Interessierte an einem Workshop am Freitagvormittag (09.01.) von 10 bis 13 Uhr in der SFB-Dependance in der Binger Str. 40 teilnehmen.

Zwei Veranstaltungen im Roten Café

Januar 6, 2009

Für die Berufungskommission zur Besetzung der Juniorprofessur für Ideengeschichte werden auch die studentischen VertreterInnen in den Gremien bis zum 10.01. ein studentisches Mitglied nominieren. Wer in der OSI-Studierendenschaft darüber mitbestimmen will, wer diese Aufgabe wahrnehmen soll oder sich auch gleich selbst bewerben möchte, sollte sich am morgigen Mittwoch (07.01.) um 18 Uhr im Roten Café einfinden. Die Aufgabe ist sicherlich wichtig, die entsprechende Person sollte gut ausgewählt werden, weshalb Interessierte zahlreich im Roten Café erscheinen sollten.

Am darauffolgenden Donnerstag (08.01.) gibt es dann eine weitere Veranstaltung im Roten Café diesmal um 14 Uhr, bei der sich die Anwesenheit ebenfalls lohnt. Der Einladung ist zu entnehmen, dass hier noch einmal die „Skandale und Skandälchen“ in diesem Wintersemester thematisiert werden sollen.

Konkret geht es um den „Berufungsskandal“, den Kampf um den Erhalt des Diploms, die zunehmende giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten anderer am Institut. Interessierte Studierende sollten ins Rote Café kommen, um dort zu diskutieren was man gegen diese Fehlentwicklungen tun kann.

Update 07.01.09

Wie Dennis bereits in den Kommentaren anmerkte wurde das erstgenannte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission auf Freitag (09.01.) um 16 Uhr verlegt. Ein Raum soll noch organisiert werden, Treffpunkt ist zunächst das Foyer der Ihne 21.

Update 08.01.09

Das besagte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission findet jetzt im Hörsaal B der Ihne21 statt (09.01., 16 Uhr).

Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Dezember 21, 2008

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.

Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 19, 2008

Rund um die Debatten zum SFB 700 wird der Tonfall am OSI immer giftiger, die Fronten scheinen zunehmend verhärtet. Während eine lose Gruppe Studierender die gegen Prof. Risse und andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete „Entbettungsaktion“ einiger SFB-KritikerInnen („Anti-SFB-Protest am OSI“) in einem offenen Brief scharf verurteilte („Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest“), es in der letzten Fachbereichsratsitzung im Vorfeld der Berufung Zürchers und Chojnackis zu einer hitzigen Diskussion kam („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“), flogen auch am Freitag vergangener Woche auf einer Diskussionsveranstaltung zur SFB-Forschung wieder die Fetzen.

Während es im „Berufungsskandal“ um eine fragwürdige Ausdehnung des Bereichs „Internationale Beziehungen“ im Kontext des SFB 700 auf Kosten der „Politischen Theorie“ als weiteren zentralen politikwissenschaftlichen Kernbereich am OSI geht, die Kritik also eine „inner-universitäre“ ist, ging es am letzten Freitag um eine kritische Beleuchtung der Außenwirkung von einigen Forschungsansätzen innerhalb des SFBs. Konkret meint dies den Vorwurf, am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) würde auch „Kriegsforschung“ betrieben. Dazu wurde der Publizist und Rechtsanwalt Detlef Hartmann von einer Gruppe sfb-kritischer Studierender aufs Podium eingeladen.

Doch bevor die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, gab es um sie bereits die ersten Auseinandersetzungen, die hier noch einmal wiedergegeben werden sollen.

Der Eklat um die Raumvergabe

Obwohl der Raum (Ihne21, HS B) für diese Diskussionsrunde – welche am Freitag den 12.12. staffinden sollte – bereits am 26.11. beantragt wurde, und auch keine reguläre Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt in dem Hörsaal stattfand, wurde das Antragsverfahren verschleppt, wie die studentische Vorbereitungsgruppe in einer Rundmail ausführt. Weiter heißt es dort, der zunächst zuständige Angestellte habe bereits bei der ersten Anfrage gesagt, die Raumvergabe für diese Veranstaltung sei „ein heikles Thema“.

Nachdem der Antrag eine Weile ruhte, kam zu Beginn der Woche, in der die Veranstaltung stattinden sollte endlich Bewegung in die Sache. Es folgte ein kleines Hin und Her Spiel, bei dem die Raumvergabe zunächst verweigert, zwischenzeitlich wieder in Aussicht und am Donnerstagnachmittag schließlich doch noch endgültig verneint wurde.

Der besagten Rundmail der studentischen Vorbereitungsgruppe zufolge hatten „verschiedene Personen“ aus der Administration vertraulich die Information durchsickern lassen, dass über die Kritik unerfreute Professoren Druck ausgeübt hätten, um die Veranstaltung zu verhindern. Weder die InformantInnen noch die besagten Professoren wurden hier jedoch namentlich genannt.

In einem weiteren auf Mailinglisten kursierenden Dokument das die geplante Anmoderation skizziert ist die Rede davon, die Raum-Zusage sei an die Frage gekoppelt worden, wie sich die Studierenden auf der vorhergehenen FBR-Sitzung am Mittwoch verhalten (so nach dem Motto, wer am Mittwoch nicht lieb ist, kriegt am Freitag keinen Raum). Wie eingangs bereits erwähnt gab es während dieser Sitzung einige hitzige Auseinandersetzungen – nicht nur zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern auch zwischen verschiedenen Professoren („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Jedenfalls waren die KommilitonInnen der studentischen Vorbereitungsgruppe auf keinen Fall bereit, sich dieser „Maßregelungsklausel“ zu unterwerfen.

Ob es nun Professoren waren die im Hintergrund Druck ausübten oder die Studierenden auf der FBR-Sitzung am Mittwoch nicht nett genug waren oder die Verwaltung einfach Angst hatte, die ohnehin angespannte Situation könne auf solch einer Diskussionsveranstaltung endgültig eskalieren: Am Donnerstagnachmittag stand fest, dass der Raum nicht bereitgestellt würde, die Veranstaltung demnach also kurzfristig hätte ausfallen müssen.

Einige engagierte Studierende wollten sich aber nicht geschlagen geben und versuchten noch vor Beginn der Diskusssionsveranstaltung während der vorhergehenden Lehrveranstaltung in den Raum zu gelangen, offensichtlich um ihn so für die anschließend geplante Diskussionsrunde in Beschlag nehmen zu können. Die FU-Administration bekam jedoch offenbar Wind von diesem Vorhaben und schickte Sicherheitspersonal. Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen die in den Raum gelangen wollten, wurden gestoßen und an ihrer Kleidung weggezerrt, wie die FSI OSI berichtet („Das Klima am OSI wird immer giftiger“, FSI OSI, 17.12.08).

Einzig allein die Anwesenheit einiger Professoren (darunter nach FSI-Angaben Funke und Ladwig) konnte die Situation entschärfen. Die Veranstaltung fand schließlich doch noch statt – sogar im größeren Hörsaal A. Dennoch wurde natürlich dann auch hier noch einmal thematisiert, wer eigentlich hinter dem Versuch gesteckt hatte, die Veranstaltung im Vorfeld zu kippen.

So kam in der Veranstaltung (direkt oder indirekt) der Vorwurf auf, die besagten Dozierenden kämen aus dem SFB und hätten durch eine Intervention eine ihnen unliebsame Diskussionsveranstaltung verhindern wollen. Dies wurde von Dr. Marianne Beisheim stellvertretend für den SFB entschieden zurückgewiesen. Sie könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand aus dem SFB versucht habe, diese Veranstaltung zu sabotieren. Die Antwort bestand neben Applaus auch aus teils höhnischem Gelächter der SFB-KritikerInnen, die dieser Verlautbarung offensichtlich nicht so recht glauben wollten.

Fakt ist: Es existiert soweit FUwatch bekannt nichts, was eine Verwicklung von SFB-WissenschaftlerInnen in die Affäre um die Raumvergabe belegen würde. Und auch die studentische Vorbereitungsgruppe oder andere SFB-KritikerInnen haben während der Diskussionsveranstaltung nichts vorgebracht, was die These SFBler sein in den Vorgang um die versuchte Raum-Verhinderung verstrickt untermauern würde.

Dennoch muss die Blockadehaltung was die Raumvergabe für diese Veranstaltung angeht aber natürlich irgendwo ihren Ursprung haben.

In jedem Fall verdeutlicht diese Vorgeschichte – neben anderen Entwicklungen – aber, warum es bereits vor dem Start der Veranstaltung so eine vergiftete Atmosphäre gab. Doch auch die Gegenseite zeigte sich über bestimmte Vorkommnisse empört.

Der Eklat um den Titel

Bereits der Titel „Who the fuck is SFB 700?“ qualifizierte die Veranstaltung für einige offenbar als unbrauchbar ab. Die Verwendung des F-Wortes ist vielleicht drastisch, derb, meint aber in diesem Kontext natürlich nur so viel wie „Wer zum Teufel ist eigentlich…“.

Eine vielleicht etwas provokative Wortwahl für eine aber natürlich durchaus legitime Frage. Wer oder was ist eigentlich der SFB? Was genau geschieht dort? Hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen war das Anliegen dieser Diskussionsveranstaltung.

Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung

Einige DiskussionsteilnehmerInnen empfanden es aber auch als skandalös, dass im Vorfeld auf einem die Veranstaltung bewerbenden Flyer im Hintergrund die Gedenktafel die am Eingang der Ihne22 angebracht ist zu sehen war. Die Gedenktafel erinnert daran, dass in dem Gebäude bis 1945 das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ untergebracht war, wo unter anderem jene menschenverachtende Rassenforschung geplant wurde, die später vom KZ-Arzt Josef Mengele in die Tat umgesetzt wurde.

Die Empörung bezieht sich also darauf, dass hier nach Ansicht der Flyer-KritikerInnen die Arbeit des SFB durch das Abbilden dieser Gedenktafel auf dem Einladungs-Flyer in die Nähe von NS-Verbrechen gerückt wurde.

Ein Vorwurf, den die InitiatorInnen von sich weisen. Es wäre ihnen nur um den letzten Satz auf der Tafel gegangen: „Wissenschaftler haben Inhalt und Folgen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu verantworten“. Und tatsächlich, sieht man sich den Flyer genau an, fällt auf, dass der letzte Satz optisch hervorgehoben wurde, sich vom Rest der Tafel abhebt. Fraglich ist jedoch, ob alle Flyer-KritikerInnen dies als Argument gelten lassen. Auch der letzte Satz auf dieser Tafel steht in einem Kontext zum Rest des Textes, wird aus diesem hergeleitet.

Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest

Dezember 11, 2008

Es gibt Neues von der legendären Mailingliste der „Nachwuchsgruppe Sektion IB der DVPW“. In einem an Dr. Lars Brozus und Prof. Thomas Risse adressierten und an die „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB700“ gerichteten offenen Brief, protestiert eine Gruppe die sich schlicht die „Unterzeichnenden“ nennt gegen den Anti-SFB-Protest am OSI:

„Wir streiten nicht ab, dass die Verantwortung der Wissenschaft bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft ein überaus wichtiges und diskutierenswertes Thema ist. Es besteht bei jeder wissenschaftlichen Arbeit die Möglichkeit, dass Erkenntnisse ge- oder missbraucht werden, um politische oder militärische Ziele und Methoden durchzusetzen bzw. zu legitimieren. Die Lösung für dieses Problem kann nicht das Ende jeder Forschung sein. Es muss vielmehr eine offene und ehrliche Diskussion über ihre Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen geben, die auch vor der Verantwortung der Beteiligten nicht haltmacht.

Wir sind allerdings empört und verärgert, dass bei den jüngsten Demonstrationen indirekte Drohungen gegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB ausgesprochen wurden und dabei der SFB-Sprecher persönlich diffamiert wurde. Das Recht auf freie Meinungs-äußerung soll, kann und darf nicht dazu verwendet werden, die Würde der Person zu verletzen. (…)“

Man wolle zwar niemand mundtot machen, aber Kritik müsse in einer „konstruktiven und respektvollen Art und Weise“ vorgebracht werden. Der Brief der auf den 21.11. datiert spielt offensichtlich auf die so genannte „antimilitaristische Entbettungsaktion“ vom 12.11. an, bei der eine Papp-Figur mit dem Gesicht des SFB-Sprechers Thomas Risse zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet und Federn lassend am OSI-Eingang „ausgestellt“ wurde. Ferner wurden blutige Kissen an den Türen der Büros der „verantwortlichen ForscherInnen des SFB 700“ (O-Ton Indymedia) befestigt.

Die Aktion war zweifellos drastisch und wurde auch auf FUwatch kritisch betrachtet („Anti-SFB-Protest am OSI“). Dem steht gegenüber, dass die Aktion bewusst Studierende aufrütteln sollte, die sich mit dem Sachverhalt bisher gar nicht oder zu wenig auseinandergesetzt hatten. Die symbolische Aktion wurde darüber hinaus mit Flyern begleitet auf denen Interessierte auch nachlesen konnten, worum es hier inhaltlich geht.

Dass die „Unterzeichnenden“ in ihrem Brief zu der Einschätzung kommen, dass es eine „offene und ehrliche Diskussion über die Inhalte, Methoden, Ergebnisse und Auswirkungen der Forschung“ des SFB geben sollte, ist sicherlich löblich. Nur passiert genau das eben am OSI bisher nicht, es gab bis dato keine wirkliche Debatte die sich auch kritisch mit der Forschung des SFB 700 auseinandersetzte. Also ist eines der Ziele der SFB-KrtikerInnen zunächst einmal auch Aufmerksamkeit für den Sachverhalt zu erzeugen.

Die Frage ist, wie ernst es den „Unterzeichnenden“ mit einer kritischen SFB-Auseinandersetzung ist. Der Brief ist von insgesamt 15 Personen unterzeichnet. Darunter Natascha Braumann, studentische Mitarbeiterin bei Risse, Mathias Großklaus, studentischer Mitarbeiter bei Börzel, Manuel Domes, studentische Hilfskraft bei Zürn, Matthias Conrad, studentischer Mitarbeiter am SFB, Philip Schleifer, studentischer Mitarbeiter bei Liese, Adrien Detges, als Alumni am JMC geführt, Susanne Langsdorf, MAIB Studentin, etc., pp.

Insgesamt alles IB-affine Studierende und Mitarbeiter, einige davon direkt mit dem SFB bzw. mit am SFB forschenden Dozierenden verbunden. Und keiner von ihnen ist bisher sichtbar dadurch aufgefallen, dass er/sie sich kritisch mit den Vorgängen am SFB auseinandersetzt. Vermutlich wüssten viele von ihnen gar nicht von der zunehmenden Kritk am SFB, wenn es nicht auch solche Aktionen wie die von ihnen als empörend empfundene gäbe.

Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Dezember 4, 2008

Wie der FSI Blog berichtet (und wie es auf zahlreichen Flyern am OSI nachzulesen ist) findet am Freitag, den 12.12. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit dem Publizisten Detlef Hartmann im Hörsaal B der Ihne21 zum Thema „Who the fuck is SFB 700?“ statt. Über den SFB heißt es auf dem Flyer:

„Vier Unis, zwei weitere Forschungseinrichtungen und fünf FU-Institite sind beteiligt / Über die Hälfte aller OSI-Professuren ist involviert / Neue Profs werden auf Kompatibilität mit IHM geprüft / ER hat ein MILLION€NBUDGET von der Deutschen Forschungsgesellschaft / 30 Promovierende werden auf IHN konzentriert / Die Vollprofessur Politische Ideengeschichte wurde IHM geopfert / Die Ihnestr. 26 wurde für IHN geräumt / Räume der OSI-Bibliothek will er AUCH haben…“ (Einladungs-Flyer)

Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner „Kriegsforschung“ ausgesetzt (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“ und „Anti-SFB-Protest am OSI“).

Der Gastredner, Detlef Hartmann, gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an und hat mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ eines der bisher zentralen Papiere zur SFB-Kritik verfasst.

Noch interessanter wäre die Veranstaltung natürlich, wenn man Hartmann auf dem Podium einen namenhaften Repräsentanten des SFB gegenüberstellt. Davon ist jedoch auf dem Flyer keine Rede, woraus sich schließen lässt, dass die InitiatorInnen entweder keine entsprechenden Anfragen gemacht haben oder aber, dass es solche Anfragen gab, niemand aus dem SFB jedoch willens war, sich der Kritik zu stellen.

Einen Besuch Wert ist die Veranstaltung aber sicherlich auch so und vielleicht erscheinen ja doch noch ein paar SFB-Verteidiger.

Anti-SFB-Protest am OSI

November 14, 2008

Am letzten Mittwoch (12.11.) gab es am OSI eine „antimilitaristische Entbettungsaktion“, um gegen den Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) zu protestieren, der wie berichtet zunehmend in der Kritik steht.

„‚Wer sich einbettet muss Federn lassen‘ stand auf einem Transparent, das im 1. Stock aus dem Fenster gehangen wurde. ‚Kriegsforschung stoppen‘ stand auf einem anderen Transpi vor dem Eingang. Mit entsprechender Symbolik wurden blutige Kissen an die Türen der Büros verantwortlicher ForscherInnen des SFB 700 genagelt.

Eine Papp-Figur mit dem Gesicht von Thomas Risse, Sprecher des SFB 700, fand zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet Platz im Eingangsbereich des OSI-Gebäudes – Federn lassend. Studierende und Beschäftigte wurden mit Flugis und Redebeiträgen informiert wie die ForscherInnen des SFB 700 Funktionen übernehmen für die neuen aggressiven Militärstrategien.“ („SFB 700: Söldnerintellektuelle stoppen“, Indymedia, 12.11.08)

Wer es verpasst hat, findet hier eine ausführliche Fotostrecke.

Mit Symbolik ist das immer so eine Sache. Das Blut auf dem an der Bürotür befestigten Kissen soll offenbar suggerieren, dass der jeweilige Wissenschaftler durch seine „eingebettete“ Forschungsarbeit selbst Blut an den Händen hat bzw. dass er Mitschuld am Blutvergießen trägt. Die Symbolik könnte aber auch leicht dahingehend missverstanden werden, dass es sich um das Blut des Wissenschaftlers selbst handelt, wodurch er diese „Botschaft“ dann vielleicht als eine gegen seine Person gerichtete Drohung auffassen würde. Auch wenn letzteres sicherlich nicht gemeint war, eine solche vielseitig interpretierbare Symbolik hat zumindest auch immer einen faden Beigeschmack.

Auch die Symbolik mit der Risse-Pappfigur ließ sich gar nicht so leicht dechiffrieren (klar war nur, dass es eine Anti-SFB-Message war), weil das große „Wer sich einbettet muss Federn lassen“ Transpi am späten Nachmittag zumindest nicht mehr da war. Ich dachte daher zuerst, die Szenerie würde das während eines Kriegseinsatzes verwüstete Feldbett von Risse zeigen, dieser wäre somit höchstselbst nach Afghanistan eingezogen worden, um am eigenen Leib zu erfahren, was die Akteure dort durchmachen müssen.

Allerdings ist dieses stutzig werden wohl auch intendiert. Die KommilitonInnen sollen ja stehenbleiben und überlegen, um was es hier eigentlich geht. Zudem es wie berichtet offenbar auch Flyer und Redebeiträge gab, die noch einmal untermauerten, wogegen sich der Protest richtete. Vielleicht gab es zumindest ein paar Studierende, die so auf ein Thema aufmerksam wurden, das sie bis dato noch nicht auf ihrem Radar hatten.

Buch über transdisziplinäre Governanceforschung

November 5, 2008

Am Donnerstag (06.11.) stellen Sybille de la Rosa, Ulrike Höppner und
Matthias Kötter um 18 Uhr im Hörsaal A der Ihne21 ihr neues Buch „Transdisziplinäre Governance-Forschung – Gemeinsam hinter den Staat blicken“ vor.

Diskutiert werden soll dabei nicht nur „über die Möglichkeiten und Grenzen einer transdisziplinären Governanceforschung“, sondern auch „über die Forschungsarbeiten der Teilprojekte am SFB 700“. Ulrich K. Preuß wird ein paar einleitende Worte beitragen, Marianne Braig die Moderation übernehmen.

Der Inhalt des Buches wird wie folgt zusammengefasst:

„Das Buch fragt nach der Bedeutung von Governance und der Governanceforschung für die Sozialwissenschaften: Welche Strukturen, Prozesse und Ziele beschreibt Governance? Wie lassen sich gewachsene Ausprägungen von Governance vergleichen? Und lässt sich Governance ohne den Staat denken?

(…) Die Beiträge veranschaulichen die Möglichkeiten und Grenzen der Governanceforschung an theoretischen und empirischen Fragen aus dem Berliner DFG-Sonderforschungsbereich (SFB) 700 ‚Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens?‘, an dem die Autor/innen arbeiten und forschen.“ („Transdisziplinäre Governanceforschung. Gemeinsam hinter den Staat blicken“, SFB 700 Website)

Höppner und de la Rosa waren am Teilprojekt „Weiche Steuerung“ von Gerhard Göhler beteiligt. Dieses Teilprojekt wird sich beim nächsten SFB-Antrag angeblich nicht mehr einbringen, was bei manchen Studierenden die Hoffnung nährt, bei dieser Diskussionsveranstaltung zur Abwechslung mal eine unverblümte, kritische Einschätzung des SFB-Innenlebens auch von Insidern zu erhalten. Allerdings wird es wohl kaum so etwas wie eine „Generalabrechnung“ der Beteiligten geben.

Kritik am SFB 700 nimmt zu

Oktober 23, 2008

Am kommenden Sonntag (26.10.) findet im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a) der unter anderem von Libertad! und der ALB organsierte lange Tag des Antimilitarismus statt. Um 18:30 Uhr ist dabei auch eine Diskussionsrunde zum Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) vorgesehen. Im Programm heißt es:

„Gespräch: ‚Neue Formen des Regierens‘. Was macht der Sonderforschungsbereich 700 (SFB 700), oder: die Strategie bewaffneter Sozialarbeit.

Nur die Armeen in ‚zerfallende Staaten‘ zu schicken, nur ‚Shock-and-Awe‘-Kriegsführung, reicht nicht. Neue Strategien, um nachhaltig in die Gesellschaften der ‚Räume begrenzter Staatlichkeit‘ einzudringen, sie zu kontrollieren sie zu beherrschen, müssen her. Nach den ‚eingebetteten Journalisten‘, kommen nun die ‚embedded scientists‘, die ins Militär eingebetteten Anthropologen.

Das ist der wesentliche Grund für die Einrichtung des SFB 700, der Anfang 2007 in einer feierlichen Konferenz als auf 12 Jahre angelegtes und finanziertes Vorhaben aus der Taufe gehoben wurde. Beteiligt sind das BMZ, die FU-Berlin, die Uni Potsdam, das Wissenschaftszentrum Berlin, die Hertie-School of Gouvernance, die Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) sowie das Europäische Hochschulinstitut Florenz.

Wir erzählen, was wir bislang herausgefunden haben, und diskutieren mit euch darüber.“ (Programm des Antimilitarismus-Tages)

Leider macht das Programm des Antimilitarismus-Tages nicht den Eindruck, dass bei dieser Diskussiosnrunde auch einE VertreterIn des SFB anwesend sein wird.

Bereits zum Weltfriedenstag / Antikriegstag am 01.09.08 hatten AntimilitaristInnen unter dem Motto „Keine Diskussion mit Kriegerintellektuellen und Kriegstreibern – Governance ist Krieg“ den Eingang des DGB-Gebäudes in Berlin blockiert, weil dort der „Afghanistan-Referatsleiter“ vom Auswärtigen Amt und Jan Koehler vom SFB 700 einen Vortrag halten wollten („Berlin: Kriegerintellektuelle ausgesperrt“, Indymedia, 01.09.08).

Gerade eine Erwiderung von SFB-BefürworterInnen auf die Kritik wäre jedoch vielleicht mal ganz interessant zu hören. Für eine Diskussion wie jetzt beim Antimilitarismus-Tag hätte man dann echte Gegenpole. Wenn die AntimilitaristInnen wie zu vermuten steht dagegen lieber weitgehend unter sich bleiben, fehlt vermutlich eine deutliche Gegenposition zu dem Vorgebrachten, was die Möglichkeiten einer wirklich kontroversen Debatte dann doch recht weit einschränkt.

Dennoch bietet diese Gesprächsrunde durch die vorgebrachten Informationen vielleicht zumindest eine Grundlage, die Kritik auch an die FU selbst zu tragen. Denn hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem SFB bisher so gut wie gar nicht statt.

Am Donnerstag den 13.11.08 gibt es dann ebenfalls um 18:30 Uhr eine weitere themennahe Veranstaltung im Universitätsgebäude am Hegelplatz der HU (Dorotheenstr. 24), Raum 1.201.

In dieser gemeinsamen Veranstaltung vom Referat für Internationalismus des
RefRats der HU und der Hellen Panke geht es um das Thema „Imperialismus in der Wissenschaft – Die Theorie der ’neuen Kriege‘ als intellektuelle Brandstiftung?“.

Einer der Vortragenden ist Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) der „über die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten des Sonderforschungsbereichs 700 an der FU Berlin und der Theorie Herfried Münklers als ‚intellektuelle Brandstiftung‘ für globale Kriege“ referieren wird.

Auch diese Veranstaltung bietet möglicherweise neue Erkenntnisse die dazu beitragen könnten, eine kritische Auseinandersetzung mit dem SFB an der FU selbst voranzutreiben.

Ansonsten wurden in jüngster Vergangenheit auch einige Artikel veröffentlicht, die deutlich machen, dass der SFB 700 und sein Vorgehen von etlichen Beobachtern zunehmend kritisch gesehen wird (siehe auch „SFB Governance in der Kritik“). Zuletzt erschien ein längerer Artikel von Peer Heinelt in der jungen Welt zum Thema („Herrschaftswissen“, junge Welt, 15.09.08).

Etwas mehr in die Tiefe geht z.B. Detlef Hartmann vom Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ in seinem Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“.

Bonnie und Clyde gegen den Rest

Juni 25, 2008

Der Hörsaal B des Henry-Ford-Baus war gestern zur Podiumsdiskussion „Selbstverständnis der Politikwissenschaft am OSI“ überraschenderweise überfüllt. Überraschend insofern, als dass davor nichts daraufhin gedeutet hatte, dass sich mehr Studierende als die „üblichen Verdächtigen“ für den Sachverhalt interessieren.

Dieses starke Interesse machte nun aber deutlich, dass viele OSI-Studierende erkannt haben müssen, welchen zentralen Umbruch der neue Strukturplan für das OSI bedeutet. Beschlossen wurde immerhin nichts Geringeres als die schleichende Aufgabe des Bereichs „Politische Theorie“ am OSI.

Zwar existiert nach wie vor die Juniorprofessur „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“ die zur Zeit mit Bernd Ladwig besetzt ist, doch deren Dauerhaftigkeit ist trotz Tenure Track nicht sicher. Die neue Juniorprofessur Ideengeschichte muss sogar ohne Tenure Track auskommen, was Ladwig – der sich im Auditorium befand – massiv kritisierte. Er betonte, dass die Herabstufung der Vollprofessur Ideengeschichte auf eine zeitlich begrenzte, ohne MitarbeiterInnen auskommende Juniorprofessur in jedem Fall eine Schwächung der Politischen Theorie am OSI darstelle. Man sollte wenn, dann die neue Juniorprofessur wenigstens – wie seine eigene – mit Tenure Track ausstatten.

Dem widersprach Thomas Risse auf dem Podium massiv. Er versuchte vorzurechnen, dass das Lehrdeputat das durch den neuen Strukturplan im Bereich „Politische Theorie“ wegfallen würde nur minimal sei, der neue Plan insgesamt sogar eine neue, vorher nicht existierende Professur schaffen würde, es also „netto“ um einen Zugewinn ginge. Ein Standpunkt, der von Diskutanten sowohl auf dem Podium als auch im Auditorium nicht geteilt wurde.

Risse und die ebenfalls auf dem Podium diskutierende Tanja Börzel bestritten zudem den den Gremien vorgeworfenen Mangel an Transparenz bei der Ausarbeitung des neuen Strukturplans. Es ging eine Weile hin und her, was wo in welchem Gremium im öffentlichen und was im nicht-öffentlichen Teil diskutiert worden war.

Während Risse und Börzel versuchten zu argumentieren, die jetzige Entscheidung sei über einen längeren Zeitraum und etliche Gremiensitzungen hinweg langsam herangereift, blieben ihre Opponenten beim Vorwurf der Mauschelei, dass also diese Änderung im wesentlichen im Hinterzimmer beschlossen worden sei und nun in einem Hauruckverfahren Zürcher und Chojnacki ohne Ausschreibung auf die neuen IB-Lehrstühle gehievt werden sollten.

Zürcher hatte bereits eine (zeitlich) beschränkte Professur am OSI, Chojnacki bekanntlich eine Juniorprofessur inne. Nach dem Auslaufen der Stellen drohte ihr Weggang, den Rufen anderer Unis folgend. Demgemäss hatte das OSI handeln müssen, um Zürcher (Sicherheitspolitik) und Chojnacki (Friedensforschung) halten zu können, so Risse. Ferner könne der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) ohne Professuren in Sicherheitspolitik und Friedensforschung einfach nicht auskommen. Dem hielt Sybille De la Rosa, Doktorandin im Bereich Theorie am SFB, fragend entgegen, ob denn der SFB ohne (Professur) Politische Theorie auskommen könne.

Risse und Börzel bestritten nicht, dass der neue Strukturplan eine Schwerpunktsetzung in Richtung IB / SFB Governance darstellt, meinten aber eine solche Profilierung des Instituts sei in Zeiten knapper Mittel unumgänglich. Dem hielt der Theorieprof Marcus Llanque (der demnächst an der Uni Augsburg lehrt) entgegen, dies müsse vielleicht für eine Uni gelten die insgesamt nur zwei oder drei Professuren im Bereich Politikwissenschaft habe, nicht jedoch für das OSI als größtes politikwissenschaftliches Institut der Republik. Wo wenn nicht hier sollte man auch etwas mehr in die Breite gehen, also durch Professuren möglichst viele Subdisziplinen der Politikwissenschaft abdecken.

Es kam dann zu einer Grundsatzdebatte über den Stellenwert der „Politischen Theorie“ innerhalb der Politikwissenschaft. Was macht Politische Theorie eigentlich aus? Ist sie nicht in jeder Subdisziplin der Politikwissenschaft ohnehin enthalten und braucht daher vielleicht gar keinen eigenen Lehrstuhl? Und wenn sie als eigenständige Subdisziplin existieren sollte, wie steht es dann um ihren Bezug zu Empirie und Praxis? Muss dieser in jedem Fall und unmittelbar erkennbar sein? Die diskutierenden Dozierenden waren sich hier nicht ganz einig, besonders Llanque war bemüht die Eigenständigkeit und Notwendigkeit der Politischen Theorie gegenüber Risse zu verteidigen, gleichwohl letzterer ihr natürlich nicht die „Daseinsberechtigung“ in Abrede stellte.

Die primäre, recht triviale Erkenntnis aus dieser Debatte war, dass DozentInnen in der Politikwissenschaft ganz unterschiedliche Vorstellungen haben, was Politische Theorie ist, welchen Stellenwert sie hat und wie sie anzuwenden / zu lehren ist.

Der Kommilitone Martin Fries, als OSI-Studierender auf dem Podium, versuchte den Stellenwert der (kritischen) Politischen Theorie deutlich zu machen, indem er sie unter anderem auf die Formulierungen im neuen Strukturplan anwandte. Ob das nun wirklich zielführend war oder nicht: Allein durch sein rhetorisches Können brachte Fries das mehrheitlich studentische Auditorium immer wieder zu kleinen Applausorgien. Ihn auf dem Podium zu postieren war zweifellos ein kleiner taktischer Geniestreich.

Während es Fries und Llanque gelang, Risse und Börzel vor sich herzutreiben, wirkten die ebenfalls gegen Risse/Börzel argumentierenden Brigitte Kerchner und Sybille De la Rosa vergleichsweise schwach. Nicht unbedingt inhaltlich, sondern strategisch-rhetorisch. So versuchte Kerchner gegen die starke „Governance“-Ausrichtung zu wettern, indem sie den Begriff historisch als aus der Ökonomie kommend „outete“. Ein taktisch eher fragwürdiges Vorgehen, denn nicht ganz zu unrecht verwies Börzel im Anschluss darauf, dass „Governance“ inzwischen wesentlich vielseitiger verwendet wird.

Insgesamt standen Risse und Börzel ziemlich allein gegen den Rest, selbst die Dozierenden im Auditorium die sich zu Wort meldeten argumentierten eher gegen als mit ihnen. Einzige Ausnahme war hier Marianne Beisheim („das Mädchen mit der Brille“, O-Ton einer Kommilitonin im Auditorium), die darauf verwies, man solle sich doch den SFB einmal genauer ansehen, dieser hätte eine recht breite Ausrichtung, die dann auch die Politische Theorie beträfe. In dieselbe Richtung ging Börzel mit dem Argument, trotz SFB Governance würde man natürlich nicht nur „Governance“ machen.

Neben Beisheim war aus Risses ATASP-Clique noch Ingo Peters anwesend (meine ihn jedenfalls gesehen zu haben), trug allerdings nichts zur Diskussion bei. Auch Klaus Roth, der zur Zeit die Ideengeschichte als Privatdozent am OSI vertritt, sowie der letzte Lehrstuhlinhaber Gerhard Göhler waren anwesend, sagten jedoch nichts. Peter Grottian soll ebenfalls unter den Anwesenden gewesen sein.

Auch etwas von Chojnacki und Zürcher selbst zu hören, wäre natürlich interessant gewesen. Chojnacki soll dagewesen, allerdings nur anschließend mit einem kurzen 20m-Zwischensprint auf dem Weg zur U-Bahn aufgefallen sein. Und Zürcher, nun, der arbeitete wie immer hart daran dem FUwatch-Chefredakteur seinen Titel als „Phantom vom OSI“ streitig zu machen. Selbst wenn er dagewesen sein sollte hat ihn sicherlich kaum jemand erkannt, weil ihn kaum jemand je leibhaftig am Institut gesehen hat.

Auffällig war schon, wie viele Redebeiträge aus dem Auditorium von Dozierenden kamen – und da hörte man dann doch sehr viel Unmut über den neuen Strukturplan heraus. Darüber hinaus hat die ganze Diskussion wenig Neues vermitteln können. Die Argumente und die Informationen die vorgebracht wurden, waren bis auf wenige Ausnahmen bereits vor dieser Diskussionsrunde bekannt.

Mehrfach wurde auf die Transparenz-Kommission (siehe „Erstes Treffen der Transparenz-Kommission am OSI“) verwiesen, die jetzt jeden zweiten Montag um 18 Uhr tagt. Dass die Arbeit dieser Kommission tatsächlich noch zu einer Vollprofessur Ideengeschichte führt, ist allerdings recht unwahrscheinlich. Sie kann natürlich darauf hinwirken, dass ähnliche Prozesse zukünftig transparenter ablaufen, aber auch hier sind die Aussichten auf einen Erfolg nicht unbedingt gut.

Zusammenfassend lässt sich festellen, dass das Interesse am neuen Strukturplan, der Unmut darüber wie er durchgesetzt wurde und auch der Wille zum Widerstand auf dieser Diskussionsveranstaltung bei vielen Dozierenden und Studierenden deutlich zum Vorschein kamen. Es wurde darüber hinaus aber nicht wirklich deutlich, wie etwas am Status quo maßgeblich geändert werden könnte.

Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren

Mai 24, 2008

Der Institutsrat (IR) des Otto-Suhr-Instituts hat in einer klandestinen Operation (d.h. ohne vorhergehende, öffentliche Diskussion) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und an den Fachbereichsrat (FBR) weitergereicht.

Der geänderte Strukturplan (Download hier) sieht vor, aus der W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ (zur Zeit unbesetzt) eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ zu machen und zeitgleich eine Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ einzurichten. Weiterhin soll es eine W2-Professur „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geben.

Das OSI bekommt also zwei neue IB-Professuren, „Friedensforschung“ und „Sicherheitspolitik“ und gibt dafür das Vorhaben einer Neubesetzung der Professur Ideengeschichte endgültig auf (zu diesem 2006 gescheiterten Berufungsverfahren siehe die entsprechende Seite im OSI-Wiki).

Die Professur „Friedensforschung“ wird vermutlich mit Sven Chojnacki besetzt, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Weggang nach Kiel wahrscheinlich gewesen wäre, hätte man ihm am OSI keine volle Professur in Aussicht gestellt (siehe „Laßt Sven gehen!“). Für „Sicherheitspolitik“ würde sich Christoph Zürcher anbieten, der hat zur Zeit jedoch schon den Lehrstuhl für „Governance and Empirical Conflict Research“ inne.

D.h. nicht, dass die Politische Theorie dann am OSI tot wäre, sie wäre durch zwei Juniorprofessuren repräsentiert: „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat, und „Politische Theorie und Ideengeschichte“, die neu ausgeschrieben werden müsste.

Dennoch wird an diesem Strukturplan deutlich, dass die ohnehin nicht gerade unterrepräsentierten Internationalen Beziehungen weiter gestärkt werden, während die Politische Theorie ein Schattenseite im Bereich Juniorprofessur fristet.

Auch dass die neue Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ mit einem kritischen Geist besetzt wird, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Entsprechende Kandidaten wie z.B. Alex Demirovic oder Klaus Roth passen nicht in das Juniorprofessoren-Profil. Roth würde dann nur noch bis zur Besetzung der Juniorprofessur als „Ausputzer“ dienen. Allein die Art und Weise wie das Institut mit Roth umgeht, sagt eine Menge darüber aus, welchen Stellenwert man der Politischen Theorie hier noch zugesteht.

Die linke, engagierte Studierendenschaft am OSI ist in der Frage gespalten, die eine Fraktion ist empört, dass hier fast lautlos die Vollprofessur Ideengeschichte endgültig abgesägt wird und setzt sich für deren Erhalt ein, die andere findet den Gedanken dass es stattdessen eine Professur „Friedensforschung“ mit Sven Chojnacki geben soll eher positiv.

Mit der Überrepräsentanz des Bereichs IB/Governance ist zwar keine der Fraktionen glücklich, doch da eine Kampagne gegen die jetzige Lösung in letzter Konsequenz auch einen Abgang Chojnackis bedeuten würde, sind Chojnacki-BefürworterInnen nicht allzu eifrig beim Versuch sich dem Willen des Institutsrats entgegenzustemmen.

Natürlich müsste auch jenen OSIanerInnen die Chojnacki für ein progressives Element innerhalb der Dozierendenschaft halten eigentlich klar sein, dass es zur Schaffung eines Gegenpols zur „Governanciation“ des Instituts wichtiger wäre eine Person wie Alex Demirovic als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zu installieren. Eigentlich. Tatsächlich ist natürlich unklar, ob Alex Demirovic oder ein ähnlich kritischer Geist sich im Berufungsverfahren durchsetzen könnte, falls die alte W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ doch noch geretten werden könnte. Und Chojnacki ist eben zur Zeit der „Shooting Star“ am OSI.

Die Mitglieder des Fachbereichsrats (FBR) hatten den neuen Strukturplan am Dienstag
(20.05.) vom IR erhalten und sollten ihn bereits tagsdarauf am Mittwoch (21.05.) absegenen – erneut nicht öffentlich, wie eine Studierendenvertreterin in einer Rundmail betont. Doch die Studierenden legten dann im FBR ihr Veto ein, woraufhin die Entscheidung über die Annahme des Strukturplans vertagt wurde.

Auf der nächsten FBR-Sitzung am übernächsten Mittwoch (04.06.) fällt die Entscheidung dann jedoch endgültig. Und bisher sieht es nicht so aus, als würde sich der FBR dem Antrag des IR entgegenstellen, womit der dunkle Schatten den der Sonderforschungsbereich (SFB) Governance auf das OSI wirft wieder ein deutliches Stück größer werden wird. Denn natürlich stehen die beiden neuen IB-Professuren in einem Kontext zum SFB, der das OSI schleichend aufzufressen scheint. Selbst wenn die Chancen die Sache noch zu kippen nicht gut stehen, sollten proetstwillige Studierende an diesem Tag ihren Weg in die FBR-Sitzung finden.

Am kommenden Mittwoch (28.05.) entscheidet der Akademische Senat um 15 Uhr im AS-Sitzungssaal des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib überreichen. Auch hier ist studentische Präsenz also dringend erfoderlich.

Verhältnismäßig schwache Vollversammlung

Mai 8, 2008

Die gestrige FU Vollversammlung gehörte sowohl was die Anzahl der anwesenden Studis anging als auch was die inhaltlichen Auseinandersetzungen angeht eher zu den schwächeren.

Es waren zwar noch etliche Protest- und/oder Informationswillige erschienen, allerdings war der Hörsaal 1a in der Silberlaube doch deutlich leerer als noch auf der vorhergehenden VV, auf der im letzten Semester euphorisch das „Protestsemeter“ für diesen Sommer beschlossen wurde (Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester“). Wolf schreibt im LHG Blog, er habe auf dem Höhepunkt der Veranstaltung nur 210 Studierende gezählt, was gut hinkommen kann und für eine Gesamt-VV wenig ist.

Schwerer als der sichtbare Rückgang der alleinigen Anzahl von Interessierten wiegt jedoch, dass die Vollversammlung auch inhaltlich eher schwach war. Die Diskussion drehte sich weitgehend im Kreise, es wurden immer wieder und wieder nahezu identische Standpunkte vorgebracht, es wurden weder konkrete Forderungen aufgestellt noch Beschlüsse gefasst, die VV beschränkte sich weitgehend darauf eine reine Informationsveranstaltung zu sein, deren Neuigkeitswert sich in Grenzen hielt, wie die folgende Zusammenfassung auch aufzeigen wird.

Zum weiteren Ablauf des Protestsemesters

In einem einleitenden Teil skizzierte ein Kommilitone in seinem Vortrag noch einmal kurz den weiteren, geplanten Ablauf des Protestsemesters.

Vom 13.05. bis 16.05. gibt es wie schon berichtet die so genannte „Vorbereitungswoche“, die jetzt aber „Campuswoche“ heißt. In dieser Woche soll es an zentralen Punkten auf dem Campus Infostände geben, die die Funktion wahrnehmen die Studierenden für die folgende „Aktionwoche“ zu mobilisieren und sie natürlich auch mit Informationen zu versorgen (Worum geht es, gegen was richtet sich der Protest, was wollen wir, etc.). Dafür werden dann unter anderem auch das Aktionswochen-KVV und Flyer verteilt.

An die „Campuswoche“ schließt sich dann die „Aktionwoche“ vom 19.05. bis 23.05. an. Dort gibt es neben diversen Seminaren, Vorträgen und Workshops dann auch ein zentrales „Aktionswochencamp“ (als zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für Aktionen), ferner wird es viel Musik, VoKü und eine große Abschlussparty geben.

Am Donnerstag den 22.05. findet dann der so genannte „SchülerInnenstreik“ statt, an dem sich auch alle Studierende beteiligen sollen, da es sich hier um einen Protesttag handelt, der sich generell gegen Bildungs- und Sozialabbau richtet. Startpunkt der Demo ist 11 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Vor und nach der Demo kann es zwar noch Protest-Workshops geben, für den Zeitraum zwischen 11 und etwa 18 Uhr wurden aber bewusst keine Veranstaltungen angesetzt, da in diesem Zeitfenster alle zur Demo / zum Streik kommen sollen.

Zum Bibliotheksskandal

Im folgenden Vortrag beschrieb Stefan kurz die aktuelle Situation im Bibliotheksskandal. Da es sich hier um eine Gesamt-VV handelte, richtete er den Fokus bewusst nicht so sehr nur auf den Streit um die PolSoz-Bibliothek, sondern allgemein auf den Prozess der Bibliotheksschließung / -zusammenlegung an der FU.

Die Zusammenfassung kann im wesentlichen unter „Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015“ nachgelesen werden, ein FUwatch-Eintrag der einen Bericht Stefans aus dem Kuratorium zusammenfasst.

Stefan betonte darüber hinaus noch die Notwendigkeit für Studierende sich intensiver als bisher mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Denn die BefürworterInnen der Bibliotheks-Zentralisierungen führen diverse tatsächliche oder vermeintliche Vorteile an: bessere Ausstattung, besseres Licht, bessere Architektur, längere Öffnungszeiten, usw.

Demgegenüber stehen die Erfahrungen der Studierenden, die sie mit der Philologischen Bibliothek gewonnen haben. Die PhilBib als Beispiel für einen solchen Typ von moderner Zentralbibliothek zeigt auf, wohin die Reise geht: Oft zu laut, wegen Überfüllung zu Prüfungszeiten nur bestimmten Studierenden zugänglich, Bücher können immer weniger ausgeliehen werden und müssen immer stärker vor Ort studiert werden (was den Platzmangel noch weiter verstärkt).

Studierende die sich in den Protest einbringen wollen legte Stefan nahe, sich in der Bib-Gruppe zu engagieren, die Protestaktionen plant (wie etwa die gestrige Besetzung der PolSoz-Bib am Morgen) und die sich darüber hinaus auch inhaltlich mit dem Problem auseinandersetzt und versucht weitere Proteststrategien zu entwickeln. Obwohl bisher nur auf die PolSoz-Bib ausgerichtet, könnte die Arbeit der Gruppe zukünftig ausgeweitet werden und sich dann eben auch allgemein mit dem Problem der Bibliothekszusammenlegungen an der FU befassen.

Der Quorums-Streit

Wie angekündigt sollte dann auch über einen Protesttext abgestimmt werden, der sich gegen die Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken wendet und an den dann eine Unterschriftenliste angeschlossen wird.

Hier intervenierte jedoch Wolf mit dem altbekannten Hinweis darauf, dass das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs nicht erreicht sei, die VV somit gar nicht beschlussfähig sei. Dem wurde wie immer entgegengehalten, dass wenn die VV keine offiziellen Beschlüsse fassen könne, sie eben inoffizielle verabschieden würde, also im Namen der Anwesenden, nicht stellvertretend für die FU-Studierendenschaft. Auch wurde angeregt, dass das StuPa den Beschluss dann eben fassen solle.

Obwohl sich Wolf mit seiner Position nicht durchsetzen konnte, die Mehrheit der Anwesenden sich deutlich und laustark gegen seinen Einwand artikulierte, erreichte er doch offensichtlich, dass die Abstimmung über den Text nicht stattfand. Zumindest hat es bis 16 Uhr keine Abstimmung gegeben (unwahrscheinlich, dass er in der „Nachspielzeit“ doch noch verabschiedet wurde).

Die Unterschiftenlisten gingen aber natürlich trotzdem rum und waren ja auch nicht an einen Beschluss der VV gebunden.

Der Bologna Prozess

Der Kommilitone Batti hielt anschließend einen Vortrag über die Probleme die durch die Bologna Reform entstanden sind, Schwerpunkt war hier natürlich einmal mehr der Bachelor. Man könne ihn zwar nicht mehr abschaffen, aber natürlich sehr wohl noch modifizieren, etwa von 6 Semester auf 8 Semester Regelstudienzeit hochgehen. Eine weitere zentrale Forderung müsse sein, dass jedeR der/die es möchte nach einem BA noch einen MA machen kann.

Genannt wurden nahezu alle zentralen Probleme: statt einer Vergleichbarkeit kommt es zu einer zunehmenden Isolierung der Hochschulen, die jeweils „ihr Ding“ durchziehen; die Abbrecherquote ist in einigen Bereichen nicht gesunken sondern gestiegen, was nicht nur aber auch mit dem zu hohen Workload zu tun hat; Verschulung und Zeidruck nehmen rapide zu und lassen kaum noch Zeit zur Reflexion und Orientierung über den Studieninhalt.

Ausführlicher kann man dies z.B. bei FUwatch zuletzt unter „And the flames went higher…“ und „Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory“ nachlesen. Empfehlenswert ist dazu auch noch „Der Mythos vom besseren Studium“, ein Artikel in dem der Kommilitone Mathias die zentralen Erkenntnissse aus Studien und Umfragen zum BA/MA der letzten Zeit zusammenfasst und auswertet.

Bildungsprivatisierung

Im folgenden gab es einen Beitrag einer Kommilitonin, in dem diese die Problematik der zunehmenden Bildungsprivatisierung und die damit einhergehende Entdemokratisierung der Hochschulen thematisierte.

Genannt wurden einige Beispiele wie etwa ein Kongress der die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker fokussierte; das Public-Private-Partnership zwischen dem Klett Verlag und der FU, das unter anderem dazu führt, dass über die Hintertür Studiengebühren eingeführt würden; die Exzellenzinitiative die dazu führt, dass stärker denn je über den (marktwirtschaftlichen) Wettbewerb gesteuert wird, zu welchen Themen geforscht wird und zu welchen nicht.

Ein sehr wichtiges Thema, bei dem man sich gewünscht hätte, dass die Kommilitonin doch noch etwas mehr ins Detail geht. Denn teilweise überflog sie die genannten Beispiele recht schnell und der Vortrag blieb dadurch etwas oberflächlich und schlagwortartig.

Über den Tellerand geblickt

In der Kategorie „Wir müssen auch über den Tellerand blicken und den gesamtgesellschaftlichen Kontext nicht aus den Augen verlieren“ gab es diesmal einen Exkurs darüber was universitäre Forschung im außeruniversitären Bereich teilweise verheerendes bewirkt und wie Unternehmen zunehmend Bildungspolitik beeinflussen.

Hier wurde zunächst skizziert wie der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) an der FU die bundesdeutsche Außenpolitik in Afghanistan beeinflusst bzw. unterstützt. Also was es z.B. heißt, wenn westliche Wissenschaftler die Deutungshoheit darüber erlangen, was ein „failed state“ ist. Unter „SFB Governance in der Kritik“ wurde das Thema auf FUwatch (samt Kommentaren) schon andiskutiert.

Dann ging es um die „Military Studies“ an der Uni Potsdam, die Entwicklung von so genannten „Unbemannten Luftfahrzeugen“ (UAVs) an der TU Karlsruhe und darum wie Bertelsmann (bzw. das Centrum für Hochschulentwicklung, CHE) am berüchtigten Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) in NRW mitgewirkt hat.

Teilweise wirkte der Vortrag doch etwas plakativ, etwa wenn kritisiert wurde, dass Hasso Plattner als einer der reichsten Deutschen das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Uni Potsdam finanziert, ohne näher zu konkretisieren, warum das eigentlich ein Problem ist.

Insgesamt sollte der Vortrag deutlich machen, dass „alles zusammengehört“, Geschehnisse an der Uni nicht losgelöst von Geschehnissen außerhalb der Uni betrachtet werden können, sondern viel mehr die Wechselwirkungen genau beobachtet und der größere Rahmen nie aus den Augen verloren werden sollte.

„Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“

Zu den klassichen Konfliktlinien die sich auf nahezu jeder Vollversammlung abzeichnen gehört neben „Müssen uns auf Uni-Themen konzentrieren“ vs. „Müssen auch gesamtgesellschaftlichen Kontext beachten“ insbesondere auch „Mit Wenigen etwas machen“ vs. „Wir müssen erst mehr werden“.

Während eine Kommilitonin mit der Losung „Klein aber gemein“ die Position auf den Punkt brachte, dass Masse im Protest nicht unbedingt alles ist und auch Wenige etwas bewirken können, ging ein anderer Kommilitone soweit die These aufzustellen, wenn es nicht gelinge deutlich mehr zu mobilisieren als gerade anwesend sind, könne man es auch gleich ganz lassen.

Hinzu kommen jene KommilitonInnen die dann betonen, es müsse eine Zwischenlösung geben: Also einerseits natürlich starke Anstrengungen mehr Studierende zu mobilisieren, andererseits aber den Protest auch in kleineren Zirkeln vorantreiben, wenn nicht mehr erscheinen.

Dies ist in der Tat eine zentrale, strategische Frage, die sich aufgrund der sichtlich weniger erschienenden Protestwilligen aufdrängte. Trotzdem ist es unverhältnismäßig wenn zwischen einer halben und dreiviertel Stunde auf der VV ausschließlich diese Grundsatzdebatte geführt wird. Zudem mit den immer gleichen Argumenten, denn es fiel auf, dass Redner oftmals einfach nur in anderen Worten wiederholten, was ihrE VorrednerIn gesagt hatte.

Statt Beschlüsse zu fassen, Forderungen aufzustellen und inhaltlich voranzukommen ging es über einen langen Zeitraum auf der VV nur darum, ob man mehr Studierende braucht und wenn ja, wie diese zu mobilsieren sein.

Die Mobilisierungsfrage

Immer wieder wurde auch die aus Sicht vieler Anwesenden offenbar schlechte Protest-Kommunikation kritisiert. So würden viele KommilitonInnen z.B. vom Protestsemester im Allgemeinen oder der VV im Speziellen gar nichts wissen, da sie nicht rechtzeitig und umfassend informiert würden. Als Konsequenz würden die dann eben auch nicht erscheinen.

Es wurden dann verschiedene Methoden diskutiert, etwa ob man nicht wirklich alle Studierende über Email erreichen könne und dass man bereits auf den Flyern genau darlegen sollte, worum konkret es im Protest geht und gegen was er sich richtet, anstatt einfach nur den Namen einer Veranstaltung (hier: VV), den Ort, die Uhrzeit, das Datum und eine kämpferische Losung abzudrucken.

Die OrganisatorInnen der VV betonten, dass sie immer nur zwischen 10 und 15 Leute gewesen wären, wenn es hoch käme würden vielleicht mal 20 zu den Vorbereitungstreffen kommen. Jene die also mehr Studis mobilsiert und die Kommunikation verbessert sehen möchten, sollten auch mal „selber ihren Arsch hochbekommen“.

Tatsächlich fällt natürlich auf, dass von jenen die auf einer VV erscheinen dann anschließend nur eine relativ übersichtliche Gruppe übrigbleibt, die auch dauerhaft bereit ist, etwa an AGs oder an der Organisation von Workshops mitzuwirken.

Ein Kommilitone erwähnte, dass er vor Beginn der VV über den Campus gezogen sei und lautstark andere Studierende dazu aufgefordert hatte, zu der VV zu kommen. Viele hätten ihn ignoriert, manche sich auf ein Gespräch eingelassen. Immer aber hätte es geheißen, man sehe das Problem, habe aber keine Zeit sich in den Protest einzubringen (oder einfach mal nur auf die VV zu kommen), müsse anderes erledigen.

Diese Anekdote offenbart, dass die bisher eher schwache Mobilisierung für den Protest vielleicht nicht nur etwas mit Kommunikationsdefiziten zu tun hat, sondern auch mit dem schlichten Protest-Unwillen vieler KommilitonInnen. Vermutlich lautet die häßliche Wahrheit, dass selbst wenn man jedem Studiereden postalisch einen Brief über das Anliegen des Protest zu kommen lassen könnte, nicht unbedingt mehr Personen zu Veranstaltungen wie einer VV kommen würden.

Unwahrscheinlich, dass Aufrufe wie „Wir müssen mehr in die Seminare gehen und die Sache dort ansprechen“ das Problem wirklich lösen können. Studierende die in Lehrveranstaltungen hochschulpolitische Appelle verbreiten, finden erfahrungsgemäß nicht unbedingt mehr Beachtung und wenn doch, führt diese reine Kenntnisnahme nicht dazu, dass dann auch plötzlich mehr Studis sich hochschulpolitisch engagieren.

Sich selbst einzugestehen, dass man zumindest in der Funktion als AktistIn nur Teil einer Minderheit ist, weil die einfach nicht mehr zu mobilisierende breite Masse zu lethargisch, gleichgültig und angepasst ist, ist etwas was inbesondere junge, euphorische Semester nicht zu leisten vermögen. Und daraus ergeben sich dann immer diese end- und sinnlosen „Wir müssen mehr Studierende erreichen“ Debatten.

Fazit

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich besteht der primäre Sinn und Zweck einer VV darin, dass man konkrete Forderungen aufstellt, diskutiert, zur Abstimmung stellt und anschließend eine Resolution erlässt (so geschehen z.B. zuletzt im Warnstreik 2005).

Egal, ob die VV nun formal beschlussfähig ist oder nicht: Es geht hier doch um etwas ganz Grundlegendes, nämlich sich darüber klar zu werden, 1) was genau passt uns eigentlich nicht und 2) was genau sind eigentlich unsere Forderungen und Ziele. Ohne solche konkret ausformulierten Ziele bleibt der Protest letztlich schwammig und beliebig.

Statt nun auf der Gesamt-VV verschiedene Forderungen vorzustellen und zur Abstimmung zu stellen, werden erst jetzt Forderungen in AGs gesammelt. Ein Arbeitsschritt, der vor der VV hätte erfolgen müssen, beginnt erst nach ihr. Was vermutlich auch etwas mit der „dünnen Personaldecke“ der Protestierende zu tun hat, nur dann muss man vielleicht auch Prioritäten anders setzten.

Das spielt darauf an, dass im Zentrum dieses Proteststemesters natürlich die Aktionswoche mit den Workshops steht. Darauf konzentriert sich zur Zeit der Großteil der Arbeit, die VV ist nur noch Beiwerk, eine Art Informationsveranstaltung auf der man den Status quo klärt und dann ewig debattiert, wie mehr Studis gewonnen werden können. Was auch wichtig ist, aber eben nicht so wichtig, wie endlich mal konkrete Protestforderungen zu verabschieden. Eine Protestbewegung, die nicht präzisieren kann, was genau sie eigentlich will, läuft unweigerlich ins Leere.

Aber gut, sagen wir, es ging bei dieser VV eben primär um Informationsvermittlung und Brainstorming für die kommende Campus- und dann Aktionswoche. Warum hat man dann nicht z.B. wenigstens einfach mal das KVV an die Wand geworfen (welches ja inzwischen fertig ist) und die verschiedenen Workshops vorgestellt? Dann hätte sich jedeR der Anwesenden schon mal überlegen können, in welche Workshops er/sie sich vielleicht einbringen möchte und man hätte so vielleicht auch zu einer inhaltlichen Diskussion gefunden, die über die reine Mobilisierungsfrage hinausgeht.

Selbst dann wäre aber der fade Beigeschmack zurückgeblieben, dass konkrete Ziele des Protests bisher nicht ausformuliert wurden, dass eine Chance vertan wurde, Forderungen in einer Resolution zusammenzufassen. Mit einem solchen Papier in der Hand, ob nun offiziell oder nicht, wäre jedem ersichtlich, was konkret eigentlich an den unhaltbaren Zuständen geändert werden soll, was der Protest erreichen möchte.

SFB Governance in der Kritik

April 25, 2008

Der Journalist Harald Neuber hat sich in einem Telepolis-Artikel mit dem zunehmenden Kontrollverlust von Staaten in ihren urbanen Zentren (z.B. Favelas in Brasilien) und den entsprechenden Gegenstrategien befasst. Analog dazu wirft er auch einen Blick auf die Außenpolitik, wo er ähnliche Muster entdeckt. Ausführlich ist er dabei auf den neuen Sonderforschungsbereich für Governance (SFB 700) an der FU eingegangen.

Neuber kritisiert die so genannten „embedded scientists“, Wissenschaftler die durch ihre Arbeit das fragwürdige (da gewaltsame, militärische) Vorgehen von Machtzentren in Krisenregionen legitimieren.

„(…) Aus der Nähe zwischen wissenschaftlichem und außenpolitischem Interesse wird bei den Verantwortlichen [des SFB 700, Anm. FUwatch] kein Hehl gemacht. Eines der ersten Forschungsprojekte befasste sich mit der Frage, ob ‚externe Akteure zur Entstehung eines lebensfähigen afghanischen Staates beitragen‘ können.

Mit der Frage ist auch die Berliner Republik befasst, schließlich sind am Hindukusch bis zu 3500 Bundeswehrsoldaten stationiert. Der ‚SFB 700‘ arbeite daher konsequenterweise mit der Bundesregierung zusammen, sagt Zürcher, ‚weil wir an denselben Fragen interessiert sind‘. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde eine breit angelegte Befragung der Bevölkerung in Afghanistan zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchgeführt.

(…) Spannend ist, wie diese ‚embedded science‘ den (vom Westen erklärten) ‚failed states‘ ihre staatliche Souveränität aberkennt. Gescheiterte Staaten, in denen ‚externe Akteure‘ – etwa in Form von militärischer Besatzung – dauerhaft präsent sind, hätten mit dem klassischen souveränen Nationalstaat nicht mehr viel gemein, sagt Zürcher (…)

(…) Auch wenn der ‚Sonderforschungsbereich 700‘ erst am Anfang seiner Arbeit steht, ist eine Gefahr nicht von der Hand zu weisen. Es ist die Gefahr, dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen.

Anders als das klassische Konzept der nachholenden Entwicklung zielt diese nicht mehr auf den Anschluss der Märkte der Schwellen- und Entwicklungsstaaten an den industrialisierten Norden ab. Sie versucht lediglich, die Stabilität in den Peripherien so weit zu garantieren, dass sie in die globalen Märkte eingebunden bleiben können, also wirtschaftliche Interessen eingebunden werden können.“ („Staat im Rückzug“, Telepolis, 06.04.08)

Tatsächlich ist kaum von der Hand zu weisen, dass die Gefahr besteht, „dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen“. Nur, dass die Gefahr besteht, bedeutet noch nicht, dass „der Ernstfall“ bereits eingetreten ist.

Was kann Neuber im Fall des SFB wirklich als Fakten vorweisen?

„Failed states“ wird nach seiner Meinung „ihre staatliche Souveränität“ aberkannt. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn Neuber deutlich gemacht hätte, was seiner Meinung nach „staatliche Souveränität“ eigentlich ausmacht. Wenn ein Staat derart demontiert ist wie etwa Somalia, erscheint es dann nicht legitim ihn als „failed“ zu klassifizieren? Welche Elemente eines souveränen Staates kann Somalia denn noch vorweisen?

Zürchers Definiton von „failes states“ erscheint durchaus brauchbar: „Solche Staaten können kein legitimes Gewaltmonopol aufrechterhalten und ihre Bürger nicht mehr vor inneren und äußeren Bedrohungen schützen, sie können politische Ziele nicht mehr durchsetzen und sie sind nicht mehr in der Lage, den Menschen ein gewisses Maß an materieller Grundversorgung, Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und sozialer Sicherung zu garantieren.“

Problematischer ist der zweite von Neuber angesprochene Punkt, der auf die Zusammenarbeit zwischen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Sonderforschungsbereich verweist. Wenn der SFB in Aghanistan Befragungen der Bevölkerung zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchführt und die Bevölkerung die Programme mehrheitlich als positiv auffasst, könnte dies in der Tat dazu beitragen den gegenwärtigen Einsatz in Aghanistan zusätzlich zu legitimieren, also die momentane Außenpolitik der BRD stärken.

Man müsste dann jedoch genau hinsehen, ob der SFB seine Befragungen von Anfang an so gestaltet, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer positiven Resonanz der Bevökerung auf die deutsche Außen- und Militärpolitik zu rechnen ist. Anders gesagt, konstruiert der SFB seine Feldforschung absichtlich so, dass die Ergebnisse die Außenpolitik der Bundesregierung in einem positiven Licht dastehen lässt oder ist seine Feldforschung so offen gehalten, dass theoretisch auch ein negatives Licht auf die Intervention der BRD in Afghanistan fallen könnte?

Neuber kann hier zur Zeit einfach noch nicht so viel belastendes Material vorweisen, er hat aber sicherlich recht, dass man zukünftig das Wirken des SFB genauer beobachten sollte. Der Artikel macht deutlich, dass sich auch die kritische Studierendenschaft an der FU intensiver als bisher mit der Arbeit des SFB auseinandersetzen muss.

Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung

April 23, 2008

Gestern fand wie angekündigt die OSI/PuK-Vollversammlung statt. Der Hörsaal A des OEI war gut besetzt, wenn auch nicht überfüllt. Schätzungsweise zwischen 80 und 90 Studierende waren anwesend, wobei es eine sehr starke Fluktuation gab. Diese Zahl ist zwar nicht bahnbrechend, es waren jedoch mehr gekommen, als ich vermutet hatte.

Der „neue SDS“ hatte sich vor dem Eingang groß aufgebaut und bewarb mit Flyern und einer Zeitung massiv seinen „1968 Kongress“ der Anfang Mai in Berlin stattfindet. Eine Vollversammlung für solche „parteilichen“ Werbezwecke zu nutzen hinterlässt immer einen faden Geschmack, ist aber bei VVs nun mal gang und gäbe (irgendwelche Flyer von irgendwelchen Gruppierungen kriegt man immer in die Hand).

Anwesend waren neben den Studierenden auch drei MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek, die ausführlich über die drohende Zwangsintegrierung in die UB berichteten. Der Bibliotheksskandal wurde dann auch das zentrale Thema der VV.

Exkurs: Der Bibliotheksskandal

Der so genannte Bibliotheksskandal oder auch Bibliotheksstreit wurde bereits im letzten Semester ausführlich diskutiert.

Im Wesentlichen geht dabei um Pläne des Präsidiums die neue PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) aufzulösen und in die Universitätsbibliothek (UB) zu integrieren, was bedeuten würde, dass der Fachbereich erstens keine eigene Fachbibliothek mehr hätte und zweitens mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Dieses Vorhaben erfährt Unterstützung durch das Dekanat des FBs, treibende Kräfte sind hier insbesondere Prof. Dr. Barbara Riedmüller (Dekanin) und Detlef „Don“ Brose (Verwaltungsleiter), sowie durch die Leitung der PolSoz-Bibliothek in Person von Sabine Zehrer. Im letzten Semester stellten sich auch Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl, Vizepräsidentin der FU, und Prof. Dr. Ulrich Naumann, leitender Direktor der Universitätsbibliothek, als zentrale Akteure heraus, die diese Fusion aktiv vorantreiben möchten.

Demgegenüber steht ein Großteil der Belegschaft der PolSoz-Bibliothek, die strikt gegen eine Aussonderung von Büchern und gegen eine Integrierung der Fachbibliothek in die UB ist. Ebenfalls ablehnend stehen dem Plan etliche Mitglieder des OSI-Institutsrats (IR) und des Fachbereichsrats (FBR) gegenüber, die von diesem Vorhaben offenbar nicht offiziell bzw. erst sehr spät erfahren haben.

Als zentraler Sprecher der Kritiker stellte sich ferner Dr. Gero Neugebauer heraus (siehe dazu den legendären Schlagabtausch mit Prof. Naumann hier und hier), Mitarbeiter am Otto-Stammer-Zentrum (OSZ), welches unmittelbar von der räumlichen Expansion der UB betroffen wäre (die sich zwangsläufig aus der Bib-Fusion ergeben würde). Und natürlich die Studierenden, die auch kein Interesse daran haben können, so viele Bücher zu verlieren.

Die Entscheidung trifft der FBR, dieser soll sich an die Empfehlung einer extra zu diesem Zweck gegründeten „Bibliothekskommission“ halten, in der nach Intervention durch die Studierenden auch eben jene vertreten sind (je ein Kommilitone / eine Kommilitonin aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Publizistik und ich glaube auch dem OEI).

Zum gegenwärtigen Stand im Bibliotheksskandal

Die anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib bestätigten noch einmal, dass der Gesamtbestand von zur Zeit etwa 1,1 Millionen Büchern um 500.000 oder 600.000 reduziert werden soll, was dann in der Tat einer Halbierung des Bestands entsprechen würde.

Die anvisierte „Ein-Buch-Politik“ sei fatal, da etwa ein Buch das heute noch je einmal in der UB und in der PolSoz-Bib vorhanden sei, dann eben nur insgesamt einmal zur Verfügung stehen würde. Auch Bücher danach auszusortieren, dass sie schon lange nicht mehr ausgeliehen wurden, sei kein vernünftiges Kriterium, da auch alte Themen ein Comeback erleben können (Beispiel „Contergan“). Insgesamt sein die Kriterien nach denen die Bücher dann aussortiert würden, aber bis heute ohnehin nicht wirklich ganz klar.

Die Kommission habe bisher nur ein einziges Mal getagt, dort sein nur zwei Studierende anwesend gewesen, was die Bib-MitarbeiterInnen bemängelten, da sie sich hier mehr Unterstützung durch die Studierenden wünschten. Das nächste Mal tagt die Kommission am 07.05., also just am Tag der Gesamt-VV. Es wurde den MitarbeiterInnen versichert, dass die Präsenz von Studierenden in dieser Sitzung der Kommission erheblich höher sein wird.

Doch die Auseinandersetzung tobt nicht nur auf der offiziellen Seite, das Dekanat versucht parallel die Kritiker der Bib-Fusion vor vollendete Tatsachen zu stellen. So berichteten die Bib-MitarbeiterInnen z.B., dass der Verwaltungsleiter Detlef Brose einfach die Schlösser eines Kellerraums austauschen ließ, als die PolSoz-Bibliothek dort aus Kapazitätsmangel bzw. Restrukturierung des Magazins Bücher zwischengelagert hatte. Anschließend konnte dann keinE Bib-MitarbeiterIn mehr an die Bücher heran.

Das Vorhaben extra MitarbeiterInnen für den Prozess des Aussortierens einzustellen scheiterte vorerst am Personalrat, der die entsprechenden Stellenausschreibungen cancelte. Ohne dieses Personal haben die Befürworter der Fusion allerdings schlicht weg keine Möglichkeit, das Aussondern der Bücher zu starten. Dennoch sein bereits Bücher weggeschafft worden, dies sein aber nicht viele gewesen.

Ingesamt fühlen sich die MitarbeiterInnen der PolSoz-Bibliothek durch Herrn Brose und andere Befürworter durch die „Räume gedrängt“. Mit allen Mitteln werde versucht, die Fusion durchzusetzen und Räume in der Ihne21 freizuschaffen. Das Endziel, da waren sich die anwesenden Bib-MitarbeiterInnen sicher, sei es eine Ihne21 ohne jegliche Bibliothek zu schaffen.

Nicht ganz klar wurde die Rolle des Sonderforschungsbereich (SFB) Governance und Prof. Dr. Thomas Risse als dessen „Ziehvater“. Angeblich hat der Versuch auf biegen und brechen Räume in der Ihne21 freizustellen (und die Bibliothek plattzumachen) auch etwas mit dem SFB zu tun, da dieser noch Räumlichkeiten benötigt.

Insgesamt würden Herr Brose und andere Befürworter der Fusion nicht die Notwendigkeit einer FB-Bibliothek für den Lehr- und Forschungsbetrieb erkennen, sondern sie nur als unnötigen Kostenfaktor sehen.

Was tun im Bibliotheksskandal?

Diskutiert wurde dann auf der VV natürlich auch, was man tun könnte, um die Integrierung der PolSoz-Bib in die UB zu verhindern. Konsens war zunächst natürlich, dass die Studierenden mehr Präsenz in den Gremien, besonders aber natürlich in der Bibliothekskommission zeigen müssten. Dabei sollte man nicht nur passiv anwesend sein, sondern auch mit Nachdruck versuchen die eigenen Positionen deutlich zu machen.

Es wurde weiter vorgeschlagen, alle alten und ewig nicht mehr ausgeliehenen Bücher auszuleihen, um das Argument vom Tisch zu kriegen, diese würden nicht mehr gebraucht und sein veraltet.

Ein weitergehender Vorschlag war dann, grundsätzlich alle ausgeliehenen Bücher nicht mehr wiederzugeben und einfach einzubehalten, denn dann könnte erst einmal nichts aussortiert werden. Problem war hier, dass die Bib-MitarbeiterInnen die automatisierten Mahnverfahren nicht unterbinden können, die rebellierenden Studierenden also in jedem Fall mit Mahnverfahren zu rechnen hätten, wenn sie die Bücher einfach einbehalten.

Da die Bib-MitarbeiterInnen die Bibliothek aus arbeitsrechtlichen Gründen angeblich nicht selbst bestreiken bzw. besetzen können, sollten dies vielleicht die Studierenden im Form eines Warnstreiks tun, war ein weiterer Vorschlag aus dem Plenum. Durch eine vorübergehende Schließung der Bibliothek könnte man vielleicht noch stärker auf das Problem aufmerksam machen.

Wichtig sei auch noch mehr Studierende auf den Bibliotheksskandal aufmerksam zu machen, Unterschriftenlisten rumgehen zu belassen, um zu untermauern, dass nicht nur die anwesenden 80 oder 90 Studis ein Problem mit der Bücher- und Bibliotheksaussonderung haben.

Auch die Medien sollen verstärkt auf den Missstand aufmerksam gemacht werden (obgleich diese schon im letzten Semester teilweise ausführlich über den Skandal berichtet haben, was keinem der Anwesenden präsent zu sein schien; soll heißen, sie werden nicht berichten, wenn es nichts wirklich essentiell neues in der Sache gibt).

Anwesenheitslisten

Auch wenn der Bibliotheksskandal klar das dominierende Thema war, wurden auch einige andere Probleme angesprochen, darunter auch das Problem mit den Anwesenheitslisten. Kontrovers diskutiert wurde hier, ob die Dozierenden nun wirklich verpflichtet sein, diese Listen zu führen oder ob ihnen dies freigestellt ist und sie selbst entscheiden könnten, wie sie die regelmäßige Anwesenheit feststellen. Unklar war, an welcher Stelle das genau festgelegt wird, es wurden mehrere Quellen genannt.

Während die einen das Problem in den Dozierenden sahen, die Listen führten, obwohl sie das keineswegs zwangsläufig müssten, argumentierten die anderen, das eigentlich Problem sein die Studienordnungen, die festlegten, dass die Anwesenheit – wie auch immer – zu kontrollieren sei bzw. bestimmte Fehlzeiten nicht zu überschreiten sein.

Lesenswert ist zum Thema sicherlich der „kleine Leitfaden für Anwesenheitslisten“, den die FSI OSI unlängst veröffentlichte.

Ökonomie am OSI

Kurz angesprochen wurde auch das Problem „Ökonomie“ am OSI, also dass der Bereich Politische Ökonomie so von Prof. Bolle dominiert wird, dass das was Prof. Lütz macht auch nicht viel besser sei (siehe auch: „Susanne Lütz am OSI“), es somit keine brauchbaren Alternativen in dem Bereich gäbe.

Hier wurde vorgeschlagen, dass man verstärkt versuchen sollte, studentische LVs anzubieten, die dann auch ins Vorlesungsverzeichnis aufgenommen werden sollten, also eine offizielle Alternative darstellen könnten. Dass das mitunter äußerst schwierig ist und die Verantwortlichen solchen selbstverwalteten Seminaren sehr skeptisch gegenüber stehen, wurde leider nicht weiter thematisiert.

Campus Management

In einem einzelnen Wortbeitrag wurde kurz angemerkt, dass man auch das Campus Management hinterfragen und kritisieren müsste. Das wurde jedoch nicht weiter spezifiziert.

Das Präsidium dehnt seinen Einfluss aus

In einem längeren Beitrag führte der Kommilitone Fabian aus, wie das Präsidium versucht seine Kompetenzen systematisch auszubauen und auch auf Entscheidungsprozesse Einfluss zu nehmen, die eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fallen.

Am Beispiel des Bibliotheksskandal könne man gut erkennen, wie das Präsidium hinter dem Rücken der eigentlich zuständigen Gremien versucht hätte, seine Vorstellungen durchzusetzen. Es habe keine offiziellen Infos über die geplante Bücheraussonderung gegeben, dies sei erst aufgeflogen, als MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib es nach Außen getragen hätten.

Ein weiteres Beispiel sein die so genannten Zielvereinbarungen, die zwischen den Fachbereichen und dem Präsidium getroffen werden und die die fachliche Ausrichtung der FBs festsetzen (welche Mittel für was). Auch hier sei erkennbar, dass das Präsidium zunehmend versuche die FBs in seinem Sinne zu steuern, die Fachbereiche also stark an Autonomie einbüßen würden und dezentrale Strukturen durch einen immer stärker werdenden Zentralismus ersetzt würden.

Fabian betonte die Notwendigkeit der Studierenden in die Gremien zu gehen, um diese Prozesse viel stärker als bisher zu dokumentieren und sich dann ggf. eben auch offensiv einzubringen.

Kritik an Dozierenden in FBR und IR

Kritisiert wurde der Umstand, dass Dozierende im Fachbereichsrat oder den Institutsräten zwar öfter auch gegen einige Initiativen des Präsidiums sein, ihre Position dann jedoch nicht nachdrücklich genug durchzusetzen versuchten, sozusagen immer nur „Widerstand mit halber Kraft“ leisten würden. Zu wünschen wäre, dass die Dozierenden hier in Zukunft energischer einschreiten würden.

Kritisiert wurde der IR des OSI aber z.B. auch dafür, dass er das ihm zur Verfügung stehende „Kontingent“ an Lehraufträgen angeblich nicht einmal ausschöpfen würde. Man also theoretisch durchaus mehr Lehraufträge erteilen könnte.

PuK Master

Das einzige angesprochene reine „PuK-Thema“ betraf den neuen Master der in einer Rekordzeit von 4 bis 6 Wochen aus dem Boden gestampft wurde – nachdem das Präsidium Druck gemacht hatte, die Publizistik möge doch endlich einen MA anbieten.

Obwohl auch Studierende an dem Ausarbeitungsprozess beteiligt waren, wurden ihre Positionen wenig bis gar nicht berücksichtigt. Bemängelt wurde auf der VV insbesondere, dass der neue Studiengang kaum Wahlmöglichkeiten biete.

Abschluss

Auch wenn betont wurde, dass eine solche dezentrale VV im Gegensatz zu einer Gesamt-VV keine „offizielle“ Veranstaltung ist, war es doch Konsens, dass es eine Pressemitteilung und ein Ergebnis im Namen einer „OSI/PuK-VV“ geben sollte. Zu einer Abstimmung über Beschlüsse oder Forderungen kam es indes nicht.

In der kommenden Woche soll es erneut eine dezentrale OSI/PuK-VV geben, auf der dann – so die Hoffnung – noch mehr Personen da sind, und man unter Umständen auch Forderungen / Beschlüsse zur Abstimmungen stellen will.

Fazit

Wozu genau es nächste Woche eine weitere OSI/PuK-VV geben soll, ist mir persönlich nicht ganz klar geworden. Die eigentliche jetzt noch anstehende Arbeit eignet sich eher für AGs. Eine Beschlussfassung hätte man auch bereits gestern bei einem stringenteren Ablauf gewährleisten können (es gibt offenbar auch schon so etwas wie ein Papier, das deshalb als angenommen gilt, weil es keinen Widerspruch zu ihm gab (???)). Statt mehr Studierende werden meiner Einschätzung nach nächste Woche eher weniger kommen, aber gut, wir werden sehen.

Denkbar wäre aber natürlich, dass dann nächste Woche auch andere Themen genauer diskutiert werden, denn gestern drehte sich bis auf wenige Ausnahmen alles um Anwesenheitslisten und den Bibliotheksskandal. Ohne Frage ist besonders letzter Punkt ein gravierender, dennoch gibt es sicherlich auch noch weitere Probleme, die man zum Gegenstand des Protestsemesters machen sollte.

Es kann natürlich auch sein, dass bestimmte „globale“ Probleme wie etwa die Auswirkungen der misslungenen Bologna Reform dann eher auf der Gesamt-VV thematisiert werden.

Ansonsten hat diese VV was die Informationen und die mögliche Lösungsansätze angeht ehrlich gesagt auch nicht so viel neues gebracht. Der „Frontverlauf“ im Bibliotheksskandal war bereits vorher sattsam bekannt, hinzugekommen sind nur ein paar häßliche Details (Schlösser werden ausgewechselt, etc.). Auch die Ideen für Gegenstrategien brachten nichts generell neues.