Posted by: Niklas | Mai 17, 2008

Deutlich weniger Studierende auf 2. OSI/PuK-VV

Wie prognostiziert waren auf der 2. OSI/PuK-VV am letzten Mittwoch deutlich weniger Studierende anwesend, im LHG-Blog ist von 22 die Rede. Dennoch wurden etliche interessante Punkte angesprochen.

So kann man im Bildungswiki ein paar “Forderungen-Ideen” nachlesen, die Anna offenbar im Anschluss an die VV verfasst hat und die von Wolf ergänzt wurden (”von Wolf eingefügt”). Abgestimmt hat man über diese Forderungen die sich weitgehend mit dem Forderungskatalog des Aktionsplenums decken allerdings auf der VV nicht.

Für helle Aufregung sorgte bei der LHG, dass angeblich sechs der Anwesenden zu verstehen gaben, das OSI für einen Tag besetzen zu wollen. Angeblich sollte dies Donnerstag oder Montag geschehen. Nun, Donnerstag passierte es nicht und Montag wird es vermutlich auch nicht passieren. Falls doch, könnte man mit einem solchen “wilden Streik” aber auf einen Schlag auch OSI-Studis auf den Protest und sein Anliegen aufmerksam machen, an denen das Ganze bisher vorbeigegangen ist.

Die von der LHG aufgeworfene Legitimationsfrage ist natürlich berechtigt, aber solange es nur um eine symbolische Besetzung für einen Tag geht, wäre das nicht übermäßig dramatisch. Auch hielte sich die Polarisierungsgefahr bei nur einem Tag sicherlich in Grenzen. Es ist aber relativ unwahrscheinlich, dass sich ein “Spezialkommando” tatsächlich durchringt, das durchzuziehen.

Wolf fasst die weiteren Themen der VV wie folgt zusammen:

“Angefangen hatte die kleine Versammlung noch mit einer kurzen Auflistung derzeitiger Aktivitäten, wie dem Campus Camp, Infotischen oder unterschiedlicher Plena, gefolgt von einem kurzen Rundumschlag über angeblich bildungszwangsprivatisierende EU-Verordnungen, knapper Zulassungszahlen zum Polwiss-Master, Bedrohungen des Polwiss-Diploms, Bedrohung der Professur für Ideengeschichte durch eine Professur für Chojnackis und allgemeiner Gremienkritik durch Sara.” (“PolSoz-VV: 6 von 22 wollen OSI besetzen”, LHG Blog, 14.05.08)

Daraus lässt sich schließen, dass es jetzt tatsächlich Überlegungen gibt Chojnacki eine W2-Professur anzubieten, damit dieser nich nach Kiel abwandert (?). Und wenn dies tatsächlich die (ewig schwebende) Neubesetzung der Professur für Ideengeschichte gefährdet, könnten die innerstudentischen Auseinandersetzungen im Chojnacki-Fall doch noch zunehmen.

Auch kam es auf der VV zum “Showdown” zwischen Anna und ihren KritikerInnen. Streitpunkt war offenbar Annas “künstlerisch wertvoller” Schreibstil und ihre unstrukturierten, kaum lesbaren Texte, die sie nicht nur fortlaufend ins Wiki setzt, sondern damit auch die Protest-Verteiler zeitweise massiv pflastert. Wolf schreibt, Anna verließ die VV “nach zwei genervten Gegenreden” vorzeitig.

Auf dem osi-protest-Verteiler ging es jedoch munter weiter, und obwohl ein Wiki-Admin offenbar versucht hat es zu unterbinden, kann der Schlagabtausch mit Dennis nach wie vor in einem von Anna extra eingerichteten Wiki-Eintrag zum Thema nachgelesen werden.

Theoretisch könnte Anna ihren Schreibstil natürlich ändern und ihre Mailflut drosseln, sie dazu zu bewegen, dürfte aber schwierig werden. Denn bisher hat sie keine Veranlassung gesehen, etwas an ihrem Vorgehen zu ändern, trotz diverser kritischer Anmerkungen auf dem osi-protest-Verteiler von etlichen KommilitonInnen.

Posted by: Niklas | Mai 16, 2008

Forderungen des FU Aktionsplenums

Nachdem die Protestbewegung bisher etwas darunter gelitten hat, dass es keine konkret ausformulierten Forderungen und ausgearbeiteten Durchsetzungsstrategien gab, ist jetzt zumindest ersteres gelöst.

Das Aktionsplenum der FU hat folgenden Forderungskatalog beschlossen:

  • freie Bildung für alle, damit insbesondere
    • keine Privatisierung und kein Outsourcing im Bildungssektor
    • Abschaffung von Zugangsbeschränkungen wie etwa dem NC
    • keine Schul- und Studiengebühren jeglicher Art
  • die Demokratisierung der Hochschulen, damit insbesondere
    • Viertelparität in allen Gremien
    • Studierendenvertretungen im Präsidium und den Dekanaten
  • die Selbstbestimmung im Studium, damit insbesondere
    • Verlängerung des BA von 3 auf 4 Jahre
    • freier Masterzugang
    • Flexibilisierung der Studienverlaufspläne
    • Abschaffung von Überwachungsinstrumenten wie Anwesenheitslisten, Campus Management, Zwangsberatungen, u.ä.
    • freie ABV-Wahl aus dem kompletten Studienangebot
  • die Trennung von Wirtschaft und Wissenschaft, damit insbesondere
    • keine Scheuklappenwissenschaft durch Drittmittelorientierung
    • keine mit WirtschaftsvertreterInnen bestückten “wissenschaftlichen Beiräte”
    • keine public-private-partnerships, wie die der FU mit dem Klett-Verlag zur Gründung einer Privatuniversität auf FU-Gelände
    • deutliche Finanzierungserhöhungen durch das Land Berlin in den anstehenden Hochschulverträgen für eine Autonomie der Hochschulen von der Wirtschaft
    • keine Werbung und keine Shops in der Uni
  • eine offene Kommunikationspolitik des Präsidiums, damit insbesondere
    • allgemeine Information der Studierenden über anstehende Pläne und Veränderungen
  • ein Nein zu Bibliothekszusammenlegungen und Institutsschließungen
  • den Rücktritt Dieter Lenzens

Als pdf sind diese Forderungen auch hier verfügbar.

Posted by: Niklas | Mai 15, 2008

ZEIT Campus Forum offenbart wenig Neues

Am gestrigen Mittwochabend fand das “Campus Forum” der ZEIT im Henry-Ford-Bau statt. Thema der Diskussionsrunde: “Schnelles Studium oder voller Lebenslauf - Was zählt beim Berufseinstieg?”.

In der von ZEIT-Campus Redakteur Jan-Martin Wiarda moderierten Veranstaltung stellten sich je einE VertreterIn von Shell Deutschland, Deutscher Bahn AG und DIS AG (ein Personaldienstleister im Bereich Zeitarbeit) den Fragen des Auditoriums, das mehrheitlich aus Studierenden der Wirtschaftswissenschaften bestand (es waren allerdings auch einige Sozial-, Geistes- und NaturwissenschaftlerInnen anwesend).

Diskutiert wurde wie der Titel schon suggeriert das Problem zweier sich scheinbar ausschließender Ideale “modernen Studierens”, wie sie von Wirtschaftsvertretern gefordert werden: Zum einen sollen die Studierenden ihr Studium möglichst zügig abschließen, andererseits sollen sie aber beim Abschluss ihres Studiums schon diverse Auslandserfahrungen, Praktika, etc. vorweisen können, also über einen “dicken” Lebenslauf verfügen.

Nachdem die drei VertreterInnen aus der Wirtschaft reichlich Werbung für ihr jeweiliges Unternehmen gemacht hatten (was sich dann im Laufe der Veranstaltung immer wiederholte) offenbarten sie den Anwesenden Erstaunliches: einen Widerspruch gäbe es nicht wirklich, man könne schnell studieren und währenddessen durchaus noch Erfahrungen in der Praxis sammeln.

Im Zweifelsfall sei aber natürlich schon die Erfahrungen die man z.B. im Ausland gemacht hat wichtiger, als dass man schon mit 22 oder 23 das Studium fertig habe. “Wir stellen niemanden ein, nur weil er 22 ist” war ein Satz den man oft hörte. Andererseits räumte man offen ein, dass die Wirtschaft darauf gedrängt habe, dass die AbsolventInnen jünger sein sollen und nicht erst mit Ende 20 oder noch später ihren ersten festen Job annehmen.

Das sei aus Gründen der internationalen Vergleichbarkeit auch für die Studierenden wichtig, wenn früher einE deutscheR StudentIn mit dem Studium in Deutschland fertig geworden sei, habe einE AkademikerIn im selben Alter im Ausland schon 5 Jahre Berufserfahrung gehabt. Wolle der/die deutsche AbsolventIn dann ins Ausland, sei er/sie im Nachteil (bzw. müsse sich dann ggf. damit abfinden, für jemanden zu arbeiten, der gleich alt oder sogar noch ein deutliches Stück jünger sei, was nicht jedermanns Fall sei). Auch sei es aus finanziellen Gründen von Vorteil, möglichst früh voll ins Berufsleben einzusteigen, die Uni also möglichst schnell hinter sich zu bringen.

Ansonsten fielen den drei VertreterInnen keine plausiblen Gründe auf die direkte Frage eines Kommilitonen ein, warum er denn überhaupt schnell studieren solle, außer, dass es natürlich auch aus volkswirtschaftlichen Gründen besser sei, wenn einE AkademikerIn früher von der Uni komme und früher anfange einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Inwiefern aber die Arbeitgeber davon profitieren, wenn die Beurfseinsteiger nicht mehr 28 oder 29 sondern 22 oder 23 sind, blieb völlig im Dunkeln.

Die drei VertreterInnen, die in ihrem jeweiligen Unternehmen alle auf “Recruiting” spezialisiert sind, gaben dann einen kleinen und leider nur recht oberflächlichen Einblick in ihre Auswahlstrategien.

Während der Vertreter der Deutschen Bahn ganz nach seinem Chef geraten zu sein schien und in Brachialrhetorik bekannte, sein Unternehmen wolle nur die besten und das erste Auswahlkriterium sein nun mal die Noten im Studium, ging die Shell-Repräsentantin deutlich subtiler vor und gerierte sich in Marketing-Geschwurbel, dass es primär nicht darum ginge, die besten zu bekommen, sondern jene die zum Unternehmen passen und zu denen umgekehrt auch das Unternehmen passt, und man in seinen Lebenslauf alles reinschreiben solle, was man so gemacht hat, da z.B. auch soziales Engagement sehr wichtig sei.

Selbst jemand der vielleicht nicht das beste Abschlusszeugnis vorzuweisen habe, würde sicherlich bei der Deutschen Bahn in die engere Wahl kommen, wenn er z.B. vorher bei der DB ein Praktikum gemacht habe, ergänzte der DB-Vertreter. Insgesamt müsse sich aber keiner der Anwesenden Sorgen machen, keine Arbeit zu bekommen, da die “Ressource Mensch knapp sei”. In diesem Punkt waren sich alle drei auf dem Podium einig.

Mit dem Bachelor habe man bisher wenig Erfahrung gesammelt, allerdings würde jedeR seine/ihre Chance bekommen, wenn er/sie die entsprechenden Qualifikationen vorweisen könne, egal ob Bachelor oder Diplom, ob Wirtschaftswissenschaftler oder Geisteswissenschaftler, Uni- oder FH-Absolvent. Der Message war klar: Auch Quereinsteiger oder AbsolventInnen mit BA würden natürlich Möglichkeiten geboten bekommen - wenn, ja wenn sie nur in das gewünschte Profil passten.

Wichtig sei auch, dass die AbsolventInnen wissen was sie eigentlich wollen, idealerweise schon vor dem Studium spätestens aber währenddessen.

Ingesamt handelte es sich bei dieser Veranstaltung mehr um eine Art “Bewerbungsberatung”, viele der Anwesenden die mit ihrem Studium gerade fertig waren oder dabei sind fertig zu werden, konnten im anschließenden “Get together” noch detailliertere Fragen stellen und/oder Kontakte knüpfen.

Die eigentliche Frage der Diskussionsrunde wurde aber natürlich nicht hinreichend erörtert. Im Zweifelsfall geht Praxiserfahrung, nach Möglichkeit auch im Ausland, eben doch über ein in Regelstudienzeit abgeschlossenes Studium (wobei es natürlich auch auf die Art der Praxiserfahrung ankommt). Das lässt sich soweit festhalten, war aber auch keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Etwas mehr Diskussionstiefe wäre wünschenswert gewesen, war aber sicherlich bei einer solchen Veranstaltung auch nicht zu erwarten.

AktivistInnen des Protestsemesters hätten vielleicht für etwas Abwechslung sorgen können, waren aber trotz vollmundiger Plakatüberkleber nicht präsent. Zumindest nicht merklich.

Posted by: Niklas | Mai 14, 2008

FU Campus Camp und weitere dezentrale VVs

Am gestrigen Dienstag hat die “Campuswoche” begonnen, die die Studierenden für die kommende Aktionswoche mobilisieren und mit Informationen versorgen soll. Zu diesem Zweck soll es auch erste Veranstaltungen und Aktionen geben.

Im Zentrum der Campuswoche steht das “FU Campus Camp” im Innenhof der Silberlaube, welches den Austausch zwischen den Studierenden ermöglichen, sie mit Infomaterial versorgen und Ausgangspunkt für Aktionen sein soll. In der Einladung heißt es:

“Jetzt ist endlich soweit: In der nächsten Woche, d.h. vom 13.-16. Mai, werden wir an der Uni ein tolles Camp aufbauen, um innerhalb dieses Freiraums durch Workshops, Gespräche, Diskussionen, spontane Aktionen, gemeinsames Kochen und vieles mehr die darauffolgende Aktionswoche einzuleiten und vorzubereiten.

Neben dem mobilisierenden Effekt, den wir hoffentlich durch das Camp und die vier Infopunkten auslösen werden, können wir die Zeit zudem nutzen, um uns kennenzulernen, Spaß zu haben und Auseinandersetzungen über grundsätzliche Fragen des politischen Handelns zu führen, die über Orga-Kram und Hochschulpolitik hinausgehen. Und das bei tollem Wetter, Grillen, Musik und netter Atmosphäre!” (“Auf zum FU Campus Camp”, BBFB Blog, 10.05.08)

Erste optische Eindrücke des Camps gewinnt man durch je eine Fotostrecke im BBFB-Blog und bei Anna im Bildungswiki (einfach etwas runterscrollen).

Unterdessen gehen einige KommilitonInnen auch einen Schritt weiter und campen tatsächlich im Camp, veranstalten also quasi ein “FU Campus Camp Camping”. Konkret meint das, dass die Beteiligten vorhaben im Innenhof der Silberlaube mit Zelten und Schlafsäcken zu übernachten, um so doch noch ein bisschen Besetzungsstreik-Feeling und Lagerfeuer-Atmosphäre zu erzeugen. Ob sie die erste Nacht gut überstanden haben oder ob sie durch die Polizei bzw. die FU Security unsanft vom Gelände befördert wurden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unbekannt.

Unklar ist auch, was mit dem geplanten zweiten “Campus Camp” in Lankwitz passiert ist. Da man darüber nichts mehr liest, ist wohl davon auszugehen, dass man sich darauf beschränkt hat, doch nur ein Camp in der Silberlaube aufzubauen. Vielleicht erscheint dieses zweite Camp auf dem Campus Lankwitz auch erst zur kommenden Aktionswoche.

Heute (14.05.) findet zudem um 12 Uhr im Hörsaal B des Henry-Ford-Baus die zweite OSI/PuK-Vollversammlung statt. Thema wird dort insbesondere sein “Was wollen wir erreichen? Wie wollen wir es erreichen? Wer hat Lust, was zu machen?”.

Dies sind wichtige, zentrale Fragen, die m.E. aber eben bereits auf der 1. OSI/PuK-VV hätten geklärt werden müssen, um die Ideen und Forderungen anschließend zusammmen mit entsprechenden Ausarbeitungen anderer dezentraler VVs auf der Gesamt-VV zu präsentieren und dort zur Abstimmung zu stellen.

Obwohl die Mehrheit (oder zumindest viele) der Anwesenden auf der 1. OSI/PuK-VV diese 2. OSI/PuK-VV wollten, steht zu befürchten, dass sie etwas versacken wird (weil damals auch nicht deutlich gemacht wurde, welchem Zweck diese 2. VV eigentlich konkret dienen soll), dass also auf dieser 2. VV weniger KommillitonInnen auftauchen werden und die ja vorhandende inhaltliche Relevanz letztlich nicht das nötige Gewicht bekommen wird. Die Ergebnisse der VV werden vermutlich zu wenig Einbindung in den weiteren Verlauf des Protestsemesters erhalten.

Ähnliches ließ sich zumindest bei der 2. Geschichte/Kunstgeschichte-VV beobachten, wo einerseits erstmals diskutiert wurde, was man eigentlich konkret fordert, was geändert werden müsste (siehe FSI Geschichte Blog), andererseits aber auch nur halb so viele Studis anwesend waren, wie auf der 1. Geschichte/Kunstgeschichte-VV (siehe LHG Blog) und die Ergebnisse der VV offenbar auch im Nachhinein nicht stärker thematisiert werden.

Denn dadurch, dass sich die Mehrheit der protestwilligen Studierenden jetzt auf die Campus- und Aktionswoche samt Workshops konzentriert, besteht natürlich die Gefahr, dass die Ergebnisse der zweiten Runde von dezentralen VVs zur Randnotiz werden, da es keine Gesamt-VV mehr gibt, die dann eine Gesamt-Resolution verabschieden könnte.

Denkbar wäre natürlich, dass die Forderungen und Durchsetzungsstrategien dann zumindest in einigen der Workshops wieder aufgegriffen werden. Im Kern des Protestsemesters scheinen sie aber offenbar nicht zu stehen.

Posted by: Niklas | Mai 13, 2008

Link-Sammlung zum Protestsemester

Hier eine Link-Sammlung für das Protestsemester 2008 die regelmässig aktualisiert wird.

Die Orga-Studierenden der Aktionswoche (19.05. bis 23.05.) haben inzwischen ein so genanntes “vorläufiges Vorlesungs- und Veranstaltungsverzeichnis” veröffentlicht, abgekürzt VVVV. Das “vorläufig” soll dabei betonen, dass es an diesem Verzeichnis immer noch Änderungen geben kann, inbesondere die Räumlichkeiten und Orte stehen für etliche Veranstaltungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht ganz fest. Dennoch ist es wohl dieses VVVV, welches dann im Vorfeld der Aktionswoche auch als Druckerzeugnis verteilt wird.

Die Veranstaltungen haben sowohl universitätsbezogene wie außeruniversitäre Themen zum Gegenstand, wobei letztere in der Mehrheit zu sein scheinen. Auffällig ist dabei schon, dass zwar in der Einleitung Schlagworte wie “Campus Management”, “Anwesenheitslisten” und “Bachelor” fallen, allerdings nur um zu betonen, dass es darum geht sich mit der Aktionswoche für einen Moment von ihren Zwängen zu befreien:

“Das heißt eine Woche ohne Campusmanagement und Anwesenheitslisten, ohne Kontrolle und Zwang (…) Es wird deshalb Workshops zur Situation an der FU, Seminare zur allgemeineren Hochschulpolitik und Veranstaltungen zu Themen geben, die im Bachelor-Alltag immer weniger oder schon gar keinen Raum mehr haben.” (VVVV)

Doch wie kann diese Aktionswoche z.B. dazu beitragen, dass aus dem 6 semestrigen Bachelor ein 8 semestriger Bachelor wird? In welchem der Workshops werden z.B. Strategien diskutiert, wie man die ungewollten Bibliothekszusammenlegungen an der FU verhindern kann? Es gibt einen Workshop zu “Dieter Lenzens Hochschulpolitik”, einen zu “Hochschule im Kapitalismus” und einen zur “Exzelleninitiative”, dort wird hoffentlich genau auch das stattfinden. Aber reicht das?

Die zentrale Befürchtung steht natürlich im Raum, dass die Aktionswoche schnell wieder auf ein “Schön, dass wir mal drüber geredet haben” hinausläuft. Interessante Workshops mit interessanten Diskussionen, denen aber keine Änderung des Status quo folgt.

Natürlich ist die Hoffnung eines solchen “Protestsemesters” auch, dass hier vielleicht der Grundstein für eine Protestbewegung gelegt werden kann, deren Wirken nicht unmittelbar sondern längerfristig sichtbar wird. Dass die Durchsetzung von Änderungen also viel mehr Zeit braucht und man daher einen “dauerhaften Protest” ins Leben ruft. Und doch: Man hat das Gefühl, der Protest plätschert immer nur so langsam vor sich hin, ohne dass sich wirklich etwas ändert.

Die Urfassung des VVVV umfasste unter anderem auch einen tabellarischen Übersichtsplan, der aber offenbar eingescannt und dann als Grafik in Form einer extra Seite in das pdf eingefügt wurde, womit die Datei ein 573 KB Oschi wurde.

FUwatch hat dem VVVV ein alternatives Layout verpasst, diese “Slim Edition” (Download hier) verzichtet auf den besagten “Stundenplan” ebenso wie auf das Deckblatt und ist nur 61 KB groß. Schon im Querformat designed, ist man mit schlappen 7 Druckseiten dabei.

Wer sich das VVVV weder selber ausdrucken noch am Monitor reinziehen will, sollte einfach noch ein paar Tage warten, es gibt natürlich eine Printversion, die dann von den Orga-Studis unters Volk gebracht wird.

Posted by: Niklas | Mai 8, 2008

Verhältnismäßig schwache Vollversammlung

Die gestrige FU Vollversammlung gehörte sowohl was die Anzahl der anwesenden Studis anging als auch was die inhaltlichen Auseinandersetzungen angeht eher zu den schwächeren.

Es waren zwar noch etliche Protest- und/oder Informationswillige erschienen, allerdings war der Hörsaal 1a in der Silberlaube doch deutlich leerer als noch auf der vorhergehenden VV, auf der im letzten Semester euphorisch das “Protestsemeter” für diesen Sommer beschlossen wurde (Vollversammlung erklärt nächstes Semester zum Protestsemester”). Wolf schreibt im LHG Blog, er habe auf dem Höhepunkt der Veranstaltung nur 210 Studierende gezählt, was gut hinkommen kann und für eine Gesamt-VV wenig ist.

Schwerer als der sichtbare Rückgang der alleinigen Anzahl von Interessierten wiegt jedoch, dass die Vollversammlung auch inhaltlich eher schwach war. Die Diskussion drehte sich weitgehend im Kreise, es wurden immer wieder und wieder nahezu identische Standpunkte vorgebracht, es wurden weder konkrete Forderungen aufgestellt noch Beschlüsse gefasst, die VV beschränkte sich weitgehend darauf eine reine Informationsveranstaltung zu sein, deren Neuigkeitswert sich in Grenzen hielt, wie die folgende Zusammenfassung auch aufzeigen wird.

Zum weiteren Ablauf des Protestsemesters

In einem einleitenden Teil skizzierte ein Kommilitone in seinem Vortrag noch einmal kurz den weiteren, geplanten Ablauf des Protestsemesters.

Vom 13.05. bis 16.05. gibt es wie schon berichtet die so genannte “Vorbereitungswoche”, die jetzt aber “Campuswoche” heißt. In dieser Woche soll es an zentralen Punkten auf dem Campus Infostände geben, die die Funktion wahrnehmen die Studierenden für die folgende “Aktionwoche” zu mobilisieren und sie natürlich auch mit Informationen zu versorgen (Worum geht es, gegen was richtet sich der Protest, was wollen wir, etc.). Dafür werden dann unter anderem auch das Aktionswochen-KVV und Flyer verteilt.

An die “Campuswoche” schließt sich dann die “Aktionwoche” vom 19.05. bis 23.05. an. Dort gibt es neben diversen Seminaren, Vorträgen und Workshops dann auch ein zentrales “Aktionswochencamp” (als zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für Aktionen), ferner wird es viel Musik, VoKü und eine große Abschlussparty geben.

Am Donnerstag den 22.05. findet dann der so genannte “SchülerInnenstreik” statt, an dem sich auch alle Studierende beteiligen sollen, da es sich hier um einen Protesttag handelt, der sich generell gegen Bildungs- und Sozialabbau richtet. Startpunkt der Demo ist 11 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Vor und nach der Demo kann es zwar noch Protest-Workshops geben, für den Zeitraum zwischen 11 und etwa 18 Uhr wurden aber bewusst keine Veranstaltungen angesetzt, da in diesem Zeitfenster alle zur Demo / zum Streik kommen sollen.

Zum Bibliotheksskandal

Im folgenden Vortrag beschrieb Stefan kurz die aktuelle Situation im Bibliotheksskandal. Da es sich hier um eine Gesamt-VV handelte, richtete er den Fokus bewusst nicht so sehr nur auf den Streit um die PolSoz-Bibliothek, sondern allgemein auf den Prozess der Bibliotheksschließung / -zusammenlegung an der FU.

Die Zusammenfassung kann im wesentlichen unter “Nur noch 9 FU-Bibliotheken im Jahr 2015″ nachgelesen werden, ein FUwatch-Eintrag der einen Bericht Stefans aus dem Kuratorium zusammenfasst.

Stefan betonte darüber hinaus noch die Notwendigkeit für Studierende sich intensiver als bisher mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Denn die BefürworterInnen der Bibliotheks-Zentralisierungen führen diverse tatsächliche oder vermeintliche Vorteile an: bessere Ausstattung, besseres Licht, bessere Architektur, längere Öffnungszeiten, usw.

Demgegenüber stehen die Erfahrungen der Studierenden, die sie mit der Philologischen Bibliothek gewonnen haben. Die PhilBib als Beispiel für einen solchen Typ von moderner Zentralbibliothek zeigt auf, wohin die Reise geht: Oft zu laut, wegen Überfüllung zu Prüfungszeiten nur bestimmten Studierenden zugänglich, Bücher können immer weniger ausgeliehen werden und müssen immer stärker vor Ort studiert werden (was den Platzmangel noch weiter verstärkt).

Studierende die sich in den Protest einbringen wollen legte Stefan nahe, sich in der Bib-Gruppe zu engagieren, die Protestaktionen plant (wie etwa die gestrige Besetzung der PolSoz-Bib am Morgen) und die sich darüber hinaus auch inhaltlich mit dem Problem auseinandersetzt und versucht weitere Proteststrategien zu entwickeln. Obwohl bisher nur auf die PolSoz-Bib ausgerichtet, könnte die Arbeit der Gruppe zukünftig ausgeweitet werden und sich dann eben auch allgemein mit dem Problem der Bibliothekszusammenlegungen an der FU befassen.

Der Quorums-Streit

Wie angekündigt sollte dann auch über einen Protesttext abgestimmt werden, der sich gegen die Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken wendet und an den dann eine Unterschriftenliste angeschlossen wird.

Hier intervenierte jedoch Wolf mit dem altbekannten Hinweis darauf, dass das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs nicht erreicht sei, die VV somit gar nicht beschlussfähig sei. Dem wurde wie immer entgegengehalten, dass wenn die VV keine offiziellen Beschlüsse fassen könne, sie eben inoffizielle verabschieden würde, also im Namen der Anwesenden, nicht stellvertretend für die FU-Studierendenschaft. Auch wurde angeregt, dass das StuPa den Beschluss dann eben fassen solle.

Obwohl sich Wolf mit seiner Position nicht durchsetzen konnte, die Mehrheit der Anwesenden sich deutlich und laustark gegen seinen Einwand artikulierte, erreichte er doch offensichtlich, dass die Abstimmung über den Text nicht stattfand. Zumindest hat es bis 16 Uhr keine Abstimmung gegeben (unwahrscheinlich, dass er in der “Nachspielzeit” doch noch verabschiedet wurde).

Die Unterschiftenlisten gingen aber natürlich trotzdem rum und waren ja auch nicht an einen Beschluss der VV gebunden.

Der Bologna Prozess

Der Kommilitone Batti hielt anschließend einen Vortrag über die Probleme die durch die Bologna Reform entstanden sind, Schwerpunkt war hier natürlich einmal mehr der Bachelor. Man könne ihn zwar nicht mehr abschaffen, aber natürlich sehr wohl noch modifizieren, etwa von 6 Semester auf 8 Semester Regelstudienzeit hochgehen. Eine weitere zentrale Forderung müsse sein, dass jedeR der/die es möchte nach einem BA noch einen MA machen kann.

Genannt wurden nahezu alle zentralen Probleme: statt einer Vergleichbarkeit kommt es zu einer zunehmenden Isolierung der Hochschulen, die jeweils “ihr Ding” durchziehen; die Abbrecherquote ist in einigen Bereichen nicht gesunken sondern gestiegen, was nicht nur aber auch mit dem zu hohen Workload zu tun hat; Verschulung und Zeidruck nehmen rapide zu und lassen kaum noch Zeit zur Reflexion und Orientierung über den Studieninhalt.

Ausführlicher kann man dies z.B. bei FUwatch zuletzt unter “And the flames went higher…” und “Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory” nachlesen. Empfehlenswert ist dazu auch noch “Der Mythos vom besseren Studium”, ein Artikel in dem der Kommilitone Mathias die zentralen Erkenntnissse aus Studien und Umfragen zum BA/MA der letzten Zeit zusammenfasst und auswertet.

Bildungsprivatisierung

Im folgenden gab es einen Beitrag einer Kommilitonin, in dem diese die Problematik der zunehmenden Bildungsprivatisierung und die damit einhergehende Entdemokratisierung der Hochschulen thematisierte.

Genannt wurden einige Beispiele wie etwa ein Kongress der die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker fokussierte; das Public-Private-Partnership zwischen dem Klett Verlag und der FU, das unter anderem dazu führt, dass über die Hintertür Studiengebühren eingeführt würden; die Exzellenzinitiative die dazu führt, dass stärker denn je über den (marktwirtschaftlichen) Wettbewerb gesteuert wird, zu welchen Themen geforscht wird und zu welchen nicht.

Ein sehr wichtiges Thema, bei dem man sich gewünscht hätte, dass die Kommilitonin doch noch etwas mehr ins Detail geht. Denn teilweise überflog sie die genannten Beispiele recht schnell und der Vortrag blieb dadurch etwas oberflächlich und schlagwortartig.

Über den Tellerand geblickt

In der Kategorie “Wir müssen auch über den Tellerand blicken und den gesamtgesellschaftlichen Kontext nicht aus den Augen verlieren” gab es diesmal einen Exkurs darüber was universitäre Forschung im außeruniversitären Bereich teilweise verheerendes bewirkt und wie Unternehmen zunehmend Bildungspolitik beeinflussen.

Hier wurde zunächst skizziert wie der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) an der FU die bundesdeutsche Außenpolitik in Afghanistan beeinflusst bzw. unterstützt. Also was es z.B. heißt, wenn westliche Wissenschaftler die Deutungshoheit darüber erlangen, was ein “failed state” ist. Unter “SFB Governance in der Kritik” wurde das Thema auf FUwatch (samt Kommentaren) schon andiskutiert.

Dann ging es um die “Military Studies” an der Uni Potsdam, die Entwicklung von so genannten “Unbemannten Luftfahrzeugen” (UAVs) an der TU Karlsruhe und darum wie Bertelsmann (bzw. das Centrum für Hochschulentwicklung, CHE) am berüchtigten Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) in NRW mitgewirkt hat.

Teilweise wirkte der Vortrag doch etwas plakativ, etwa wenn kritisiert wurde, dass Hasso Plattner als einer der reichsten Deutschen das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Uni Potsdam finanziert, ohne näher zu konkretisieren, warum das eigentlich ein Problem ist.

Insgesamt sollte der Vortrag deutlich machen, dass “alles zusammengehört”, Geschehnisse an der Uni nicht losgelöst von Geschehnissen außerhalb der Uni betrachtet werden können, sondern viel mehr die Wechselwirkungen genau beobachtet und der größere Rahmen nie aus den Augen verloren werden sollte.

“Mit Wenigen etwas machen” vs. “Wir müssen erst mehr werden”

Zu den klassichen Konfliktlinien die sich auf nahezu jeder Vollversammlung abzeichnen gehört neben “Müssen uns auf Uni-Themen konzentrieren” vs. “Müssen auch gesamtgesellschaftlichen Kontext beachten” insbesondere auch “Mit Wenigen etwas machen” vs. “Wir müssen erst mehr werden”.

Während eine Kommilitonin mit der Losung “Klein aber gemein” die Position auf den Punkt brachte, dass Masse im Protest nicht unbedingt alles ist und auch Wenige etwas bewirken können, ging ein anderer Kommilitone soweit die These aufzustellen, wenn es nicht gelinge deutlich mehr zu mobilisieren als gerade anwesend sind, könne man es auch gleich ganz lassen.

Hinzu kommen jene KommilitonInnen die dann betonen, es müsse eine Zwischenlösung geben: Also einerseits natürlich starke Anstrengungen mehr Studierende zu mobilisieren, andererseits aber den Protest auch in kleineren Zirkeln vorantreiben, wenn nicht mehr erscheinen.

Dies ist in der Tat eine zentrale, strategische Frage, die sich aufgrund der sichtlich weniger erschienenden Protestwilligen aufdrängte. Trotzdem ist es unverhältnismäßig wenn zwischen einer halben und dreiviertel Stunde auf der VV ausschließlich diese Grundsatzdebatte geführt wird. Zudem mit den immer gleichen Argumenten, denn es fiel auf, dass Redner oftmals einfach nur in anderen Worten wiederholten, was ihrE VorrednerIn gesagt hatte.

Statt Beschlüsse zu fassen, Forderungen aufzustellen und inhaltlich voranzukommen ging es über einen langen Zeitraum auf der VV nur darum, ob man mehr Studierende braucht und wenn ja, wie diese zu mobilsieren sein.

Die Mobilisierungsfrage

Immer wieder wurde auch die aus Sicht vieler Anwesenden offenbar schlechte Protest-Kommunikation kritisiert. So würden viele KommilitonInnen z.B. vom Protestsemester im Allgemeinen oder der VV im Speziellen gar nichts wissen, da sie nicht rechtzeitig und umfassend informiert würden. Als Konsequenz würden die dann eben auch nicht erscheinen.

Es wurden dann verschiedene Methoden diskutiert, etwa ob man nicht wirklich alle Studierende über Email erreichen könne und dass man bereits auf den Flyern genau darlegen sollte, worum konkret es im Protest geht und gegen was er sich richtet, anstatt einfach nur den Namen einer Veranstaltung (hier: VV), den Ort, die Uhrzeit, das Datum und eine kämpferische Losung abzudrucken.

Die OrganisatorInnen der VV betonten, dass sie immer nur zwischen 10 und 15 Leute gewesen wären, wenn es hoch käme würden vielleicht mal 20 zu den Vorbereitungstreffen kommen. Jene die also mehr Studis mobilsiert und die Kommunikation verbessert sehen möchten, sollten auch mal “selber ihren Arsch hochbekommen”.

Tatsächlich fällt natürlich auf, dass von jenen die auf einer VV erscheinen dann anschließend nur eine relativ übersichtliche Gruppe übrigbleibt, die auch dauerhaft bereit ist, etwa an AGs oder an der Organisation von Workshops mitzuwirken.

Ein Kommilitone erwähnte, dass er vor Beginn der VV über den Campus gezogen sei und lautstark andere Studierende dazu aufgefordert hatte, zu der VV zu kommen. Viele hätten ihn ignoriert, manche sich auf ein Gespräch eingelassen. Immer aber hätte es geheißen, man sehe das Problem, habe aber keine Zeit sich in den Protest einzubringen (oder einfach mal nur auf die VV zu kommen), müsse anderes erledigen.

Diese Anekdote offenbart, dass die bisher eher schwache Mobilisierung für den Protest vielleicht nicht nur etwas mit Kommunikationsdefiziten zu tun hat, sondern auch mit dem schlichten Protest-Unwillen vieler KommilitonInnen. Vermutlich lautet die häßliche Wahrheit, dass selbst wenn man jedem Studiereden postalisch einen Brief über das Anliegen des Protest zu kommen lassen könnte, nicht unbedingt mehr Personen zu Veranstaltungen wie einer VV kommen würden.

Unwahrscheinlich, dass Aufrufe wie “Wir müssen mehr in die Seminare gehen und die Sache dort ansprechen” das Problem wirklich lösen können. Studierende die in Lehrveranstaltungen hochschulpolitische Appelle verbreiten, finden erfahrungsgemäß nicht unbedingt mehr Beachtung und wenn doch, führt diese reine Kenntnisnahme nicht dazu, dass dann auch plötzlich mehr Studis sich hochschulpolitisch engagieren.

Sich selbst einzugestehen, dass man zumindest in der Funktion als AktistIn nur Teil einer Minderheit ist, weil die einfach nicht mehr zu mobilisierende breite Masse zu lethargisch, gleichgültig und angepasst ist, ist etwas was inbesondere junge, euphorische Semester nicht zu leisten vermögen. Und daraus ergeben sich dann immer diese end- und sinnlosen “Wir müssen mehr Studierende erreichen” Debatten.

Fazit

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich besteht der primäre Sinn und Zweck einer VV darin, dass man konkrete Forderungen aufstellt, diskutiert, zur Abstimmung stellt und anschließend eine Resolution erlässt (so geschehen z.B. zuletzt im Warnstreik 2005).

Egal, ob die VV nun formal beschlussfähig ist oder nicht: Es geht hier doch um etwas ganz Grundlegendes, nämlich sich darüber klar zu werden, 1) was genau passt uns eigentlich nicht und 2) was genau sind eigentlich unsere Forderungen und Ziele. Ohne solche konkret ausformulierten Ziele bleibt der Protest letztlich schwammig und beliebig.

Statt nun auf der Gesamt-VV verschiedene Forderungen vorzustellen und zur Abstimmung zu stellen, werden erst jetzt Forderungen in AGs gesammelt. Ein Arbeitsschritt, der vor der VV hätte erfolgen müssen, beginnt erst nach ihr. Was vermutlich auch etwas mit der “dünnen Personaldecke” der Protestierende zu tun hat, nur dann muss man vielleicht auch Prioritäten anders setzten.

Das spielt darauf an, dass im Zentrum dieses Proteststemesters natürlich die Aktionswoche mit den Workshops steht. Darauf konzentriert sich zur Zeit der Großteil der Arbeit, die VV ist nur noch Beiwerk, eine Art Informationsveranstaltung auf der man den Status quo klärt und dann ewig debattiert, wie mehr Studis gewonnen werden können. Was auch wichtig ist, aber eben nicht so wichtig, wie endlich mal konkrete Protestforderungen zu verabschieden. Eine Protestbewegung, die nicht präzisieren kann, was genau sie eigentlich will, läuft unweigerlich ins Leere.

Aber gut, sagen wir, es ging bei dieser VV eben primär um Informationsvermittlung und Brainstorming für die kommende Campus- und dann Aktionswoche. Warum hat man dann nicht z.B. wenigstens einfach mal das KVV an die Wand geworfen (welches ja inzwischen fertig ist) und die verschiedenen Workshops vorgestellt? Dann hätte sich jedeR der Anwesenden schon mal überlegen können, in welche Workshops er/sie sich vielleicht einbringen möchte und man hätte so vielleicht auch zu einer inhaltlichen Diskussion gefunden, die über die reine Mobilisierungsfrage hinausgeht.

Selbst dann wäre aber der fade Beigeschmack zurückgeblieben, dass konkrete Ziele des Protests bisher nicht ausformuliert wurden, dass eine Chance vertan wurde, Forderungen in einer Resolution zusammenzufassen. Mit einem solchen Papier in der Hand, ob nun offiziell oder nicht, wäre jedem ersichtlich, was konkret eigentlich an den unhaltbaren Zuständen geändert werden soll, was der Protest erreichen möchte.

Posted by: Niklas | Mai 7, 2008

GIMP, Ubuntu und GnuPG in der Aktionswoche

Inzwischen basteln die ProtestaktivistInnen fleißig am KVV für die Aktionswoche. Einige Termine stehen bereits fest, so z.B. einige computertechnische Workshops, die den TeilnehmerInnen für die “elektronischen Sphäre” nützliche Kernkompetenzen vermitteln sollen.

GIMP

GIMP ist eine mit Adobe Photoshop vergleichbare aber kostenlose Bildbearbeitungssoftware für Linux, Windows und Mac. Die TeilnehmerInnen am Workshop sollen mit Hilfe des Programms in die Lage versetzt werden, selbst Aufkleber, Plakate, T-Shirts oder ähnliches zu designen. Was nicht nur aber natürlich auch für den Protest wichtig ist.

Der GIMP-Workshop wird voraussichtlich am Dienstag den 20.05. ab 15 Uhr stattfinden. Wo genau ist noch unklar, bisher ist das Rote Café vorgesehen, besser wäre aber natürlich z.B. der PC-Pool im OEI, der eigentlich nie bis ans Limit mit Lehrveranstaltungen belegt ist.

Ubuntu-Install-Party

Ubuntu ist eine kostenlos erhältliche Linux-Distribution. Auf der “Install Party” wird vorgeführt, wie man das System sicher auf einem Windows-Rechner installiert (neben Windows oder als Ersatz).

Sie findet am Mittwoch den 21.05 ab 15 Uhr entweder in einem Raum der ZEDAT oder aber in den SPLINE Räumlichkeiten in der Informatik statt.

GnuPG

“GnuPG oder GPG ist ein freies Kryptographiesystem, d.h. es dient zum Ver- und Entschlüsseln von Daten sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen” (Wikipedia).

Der Einsatz von GnuPG ermöglicht es Studierende z.B. ihre Emails, Dateien und Festplatten zu verschlüsseln. Der “Praxisworkshop Datenschutz” mit dem Schwerpunkt “Verschlüsselung” findet am Montag den 19.05. ab 16 Uhr in einem bisher noch unbekannten Raum statt.

Entsprechende Anleitungen zur Verwendung von GnuPG / PGP können aber z.B. auch bei Kai Raven nachgelesen werden.

In der taz gibt es einen frischen Artikel über den Missbrauch von Studiengebühren durch Universitäten. Obwohl die Gelder eigentlich nur zur Verbesserung von Studium und Lehre verwendet werden dürfen, stecken sie viele Unis offenbar in die unmöglichsten Projekte, da man so gut wie jede Investition darauf herunterbrechen kann, dass sie letztlich der Verbesserung des Studiums und der Lehre dient.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, in regelmässigen Abständen tauchen solche kritischen Artikel in den Medien auf (siehe dazu z.B. “Studiengebühren für Imagebroschüren”). Trotzdem kann es nicht so falsch sein, sich den Wahnsinn in regelmäßigen Abständen immer mal wieder vor Augen zu führen. Gerade hier in Berlin, als kleine Erinnerung was mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren würde, würden auch hier Studiengebühren eingeführt.

Hier etwa ein Beispiel von der Universität des Saarlandes:

“Für 93.000 Euro stattete sie [die Uni des Saarlandes, Anm. FUwatch] die Studierenden aus Gebührengeldern mit USB-Datenspeichersticks aus, für knapp 15 Euro pro Stück. Die Speichersticks könnten sich die Studis zwar in jedem Elektro-Discountmarkt billiger kaufen, doch immerhin prangt auf den USB-Sticks auch das Logo der Uni: eine Eule, Sinnbild der Weisheit. ‘Damit will die Universität des Saarlandes auch dem Wunsch vieler Studierender nach einer größeren Identifikation mit ihrer Universität entsprechen’, zeigt sich die Unileitung begeistert.” (“Missbrauchte Moneten”, taz, 05.05.08)

Man stelle sich vor, was das an der PR- und Corporate Identity fixierten FU bedeuten würde. Vermutlich würde es hier dann nicht bei USB-Sticks zur “Identifikation” bleiben.

Der taz-Artikel listet die Sündenfälle von verschiedenen Unis auf: ein Hochfrequenzpulsator mit Probenhalterung, die Sanierung einer Tiefgarage, ein neuer Parkettfußboden, ganze Seminargebäude, eine neue Klimaanlage, Yogakurse, und natürlich darf auch der Klassiker nicht fehlen: Heizkosten.

In Köln wurde aufgedeckt, dass “gerade mal ein Viertel der Gebühren tatsächlich auf die Verbesserung des Studiums verwandt wird” (ebd.).

Daneben gibt es Fälle die grenzwertig sind. So wird z.B. auch die Finanzierung neuer Professuren kritisiert, da so ein Professor ja nicht nur lehrt, sondern auch forscht, das Geld aber ausschließlich für die Lehre verwendet werden soll.

Die Konsequenz wäre von den Gebühren (wenn überhaupt) dann wirklich nur noch Dozierende einzustellen, die ausschließlich in der Lehre tätig sind. Gerade diese Tendenz reine “Lehrknechte” einzustellen wird aber eben auch zunehmend kritisch gesehen (siehe “Hurra, wir kriegen ‘Lecturer’”).

Wie dem BBFB-Blog zu entnehmen ist, soll es am morgigen Dienstag (06.05.) Mittwoch (07.05.) um 9 Uhr in der Ihne21 eine symbolische Aktion gegen die Schließung des eigenständigen Standorts der sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek geben.

Eine ähnliche Aktion hatte es bereits im Dezember letzten Jahres gegeben (siehe “Protestaktion gegen Bücheraussonderung geplant”).

Weiterhin hat die so genannte “Bib-Gruppe”, die den Protest gegen die Schließung organisiert, einen Protesttext verfasst, der einer dazugehörigen Unterschriftenliste vorangestellt werden soll:

“Nein zur Abschaffung der Fachbereichsbibliotheken

Die sozialwissenschaftliche Fachbereichsbibliothek (PuK, Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaft) soll nach dem Willen von Präsidium und Dekanat des Fachbereichs ab 2012 in die Universitätsbibliothek (UB) integriert werden. Dabei werden Buch- und Zeitschriftenbestände reduziert werden. Ebenso wird die Betreuungsqualität für die Studierenden abnehmen.

Bereits im letzten Semester wurde mit der Bücherentsorgung begonnen – ohne Absprache mit den entsprechenden Gremien. Tatsächlich haben Präsidium und Dekanat die zuständigen Gremien übergangen. Die Pläne zur Schließung der Bibliotheken sind bis heute nicht vollständig offen gelegt worden.

Wir fordern von FU-Präsidium, Dekanat und Fachbereichsrat:

1) Den Erhalt der eigenständigen sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek in den Räumen der Ihnestr. 21 und Garystr. 55.

2) Den Erhalt und Ausbau der Buch- und Zeitschriftenbestände, der Leseplätze und der Betreuungsqualität für die Studierenden.

3) Die vollständige Offenlegung der Pläne für die Integration der sozialwissenschaftlichen Fachbereichsbibliothek sowie die Bereitschaft zur ergebnisoffenen Auseinandersetzung darüber.”

Dieser Text wird auf der Gesamt-VV, die ebenfalls am Mittwoch stattfindet, zur Abstimmung gestellt.

Posted by: Niklas | Mai 4, 2008

Zeuner-”Rundschreiben” zu Anwesenheitslisten

Während der Diskussion über Anwesenheitslisten auf der OSI/PuK-VV (siehe “Zusammenfassung der OSI/PuK-Vollversammlung”) erwähnte ein Kommilitone ein Rundschreiben von Prof. Zeuner aus dem Jahr 2005, in dem dieser die Dozierenden am OSI angeblich auffordert, keine Anwesenheitslisten mehr zu führen.

Das Problem war nun, dass dieses “Rundschreiben” scheinbar gar nicht existiert, offenbar konnte sich nicht mal Prof. Zeuner selbst auf Nachfrage an ein solches erinnern.

Recherchen von FUwatch zu folge ist mit diesem angeblichen “Rundschreiben” vermutlich ein Schriftstück gemeint, welches von der “Kommission zur Überarbeitung der Studienordnung” im Jahre 2006 an der IR übermittelt wurde. Der IR hat diesen Antrag dann scheinbar im Februar 2006 in einen Beschluss gefasst, der vom damaligen geschäftsführenden Direktor des OSI, Prof. Zeuner, unterzeichnet wurde.

In dem Papier ging es um die Bedingugen für einen Teilnahmeschein, darunter auch um die Frage, wie denn nun eigentlich die “regelmäßige Teilnahme” festzustellen ist. Nachlesen kann man das entsprechende Zitat sowohl im FSI Blog als auch als Fullquote im LHG Blog:

“Auf welche Weise die Teilnahme festgestellt wird, obliegt in allen Lehrveranstaltungen der Entscheidung der Dozierenden. Anwesenheitslisten sind nur eine Möglichkeit, die regelmäßige Teilnahme festzustellen. Der Prüfungsausschuss empfiehlt den Lehrenden, in Vorlesungen auf das Führen einer Anwesenheitsliste zu verzichten.”

Dieser Institutsratsbeschluss vom 14.02.06 bezieht sich allerdings nur auf das “kommende Semester”, womit das Sommersemester 2006 gemeint ist. Ob diese Regelung inzwischen allgemeingültig ist, ist zur Zeit noch unklar.

Sicher ist, dass man auch unter den Entwurfs-Papieren für die Studienordnungen 2006 eine modifizierte Version eines entsprechenden Antrags an den Institutsrat findet. Diese etwas abgeschwächte Variante lautet:

“Die Frage ob und wie die regelmäßige Teilnahme festgestellt wird, obliegt grundsätzlich dem /der Dozierenden. Ob und in welcher Form Anwesenheitslisten ein sinnvolles Mittel sind um die regelmäßige Teilnahme zu beurteilen, sollte überprüft und nach alternative Methoden gesucht werden. Der IR weist nochmals darauf hin, dass keine Anwesenheitslisten geführt werden müssen.”

Nachzulesen ist das unter Blackboard -> Community -> OSI-Studienordnung -> Materialien -> Teilnahmeschein korr1.doc oder als Kopie auch hier als pdf. Auch in dieser modifizierten Version geht es allerdings nur “kurzfristig” um das Sommersemester 2006.

Festzuhalten bleibt dennoch, dass es offenbar keinen IR-Beschluss gibt, der die Dozierenden verpflichtet Anwesenheitslisten zu führen (was von vielen Dozierenden immer noch behauptet wird). Viel mehr kann jedeR OSI-Dozierende selbst entscheiden, wie er/sie die “regelmässige Teilnahme” feststellen will. Ausdrücklich werden die Dozierenden dazu angehalten, nach “alternatven Methoden” zu suchen.

Posted by: Niklas | Mai 3, 2008

Exkurs: One-click-hoster / Sharehoster

Da im Kontext des Protestsemesters offenbar ein zunehmender Bedarf an ins Netz hochzuladenen Dateien besteht, sei auf die Option verwiesen, auf so genannte “One-click-hoster” oder auch “Sharehoster” zurückzugreifen.

Diese kommerziellen Anbieter bieten dem Nutzer die Möglichkeit, Dateien kostenlos hochzuladen und anschließend Dritten bequem per URL zugänglich zumachen.

Der Vorteil ist, dass man sich nicht erst irgendwie umständlich anmelden muss (deshalb “one click”). Man läd die Datei viel mehr einfach direkt hoch und bekommt dann einen Link, unter dem jedeR auf besagte Datei zugreifen kann (sofern er/sie den Link kennt natürlich).

Einige dieser Anbieter löschen die Dateien allerdings nach einem Zeitraum X oder wenn nicht genügend Personen die Datei herunterladen. Es gibt aber auch welche, bei denen es solche Einschränkungen nicht gibt. Eine gute Übersicht findet sich in der englischen Wikipedia (siehe dort Tabelle unten):

http://en.wikipedia.org/wiki/One-click_hosting

Ein solcher Service kann natürlich echten Webspace zum Betreiben einer Homepage nicht ersetzen, aber wenn man z.B. auf die Schnelle einfach nur eine PDF-Datei hochladen möchte, um sie Dritten zugänglich zu machen, können diese Dienste ganz praktisch sein.

Posted by: Niklas | Mai 2, 2008

MeinProf.de hat mal wieder Stress

MeinProf.de, das Portal zum Bewerten von Dozierenden an deutschen Unis, hat mal wieder Ärger (siehe auch 2006 und 2007). Diesmal ist das Problem allerdings nicht einE DozentIn die/der sich verunglimpft sieht, sondern der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, der MeinProf.de mit Bußgeldbescheiden behelligt.

Nach Angaben von Spiegel Online geht es in diesen Bescheiden um zwei Dinge:

“MeinProf.de soll bei neuen Bewertungen stets den Professor benachrichtigen, zumindest beim ersten Eintrag zu einem Seminar. Datenschützer Dix begründet das mit Paragraph 33 im Bundesdatenschutzgesetz, nach dem jeder Mensch darüber informiert werden muss, dass über ihn personenbezogene Daten gespeichert werden.

Die Behörde fordert außerdem, dass MeinProf.de gründlich prüft, ob die Menschen, die auf der Seite Noten verteilen, überhaupt dazu berechtigt sind - ob ein Student also das Seminar besucht hat, in dem er Noten vergibt.” (“MeinProf.de bekommt teures Online-Knöllchen”, Spiegel Online, 30.04.08)

Für MeinProf.de sind diese Auflagen kaum zu erfüllen, da die Dozierenden postalisch kontaktiert werden sollen, was dann logischerweise enorme Portokosten bedeuten würde, für die MeinProf.de nicht die nötigen Mittel besitzt. “Und alle Kompromissvorschläge, zum Beispiel die Universitäten regelmäßig zu informieren, habe die Behörde abgelehnt, so Metschke [einer der Gründer von MeinProf.de]” (ebd.).

Auch zu überprüfen, ob alle abstimmenden Personen dazu überhaupt berechtigt sind, also an der jeweiligen Lehrveranstaltung auch teilgenommen haben, dürfte schwierig werden. MeinProf.de müsste sich dann erst einmal von jedem Nutzer eine Kopie seines Studentenausweis zuschicken lassen. Selbst das würde dann aber noch keine zwangsläufigen Rückschlüsse darauf zulassen, ob derjenige auch wirklich in der jeweiligen Lehrveranstaltung war.

MeinProf.de soll nun Bußgelder von je 1000 Euro zahlen, was inklusive Gebühren 2200 Euro ergibt. Die Macher von MeinProf.de haben über ihren Anwalt (der kein Geld für seinen Rechtsbeistand nimmt) Widerspruch eingelegt, sollten sie damit jedoch scheitern, müssten sie MeinProf.de dicht machen, da die Auflagen einfach nicht zu erfüllen sind und das Portal nach Angaben der Betreiber mit Werbung gerade einmal den normalen Betrieb gewährleisten kann.

Die Auseinandersetzung zwischen MeinProf.de und den Datenschützern schwelt offenbar schon länger, da es von der Behörde immer wieder neue Auflagen gibt: “(…) dass das Portal nicht bei Google erscheinen dürfe, dass die Seite nicht bei Internet-Archivierungsdiensten gespeichert werden dürfe, damit längst gelöschte Beleidigungen von Professoren nicht noch Monate oder Jahre später nachlesbar sind. Einmal soll es gar darum gegangen sein, man müsse die Seite für den Zugriff aus Staaten wie Nordkorea schließen, weil es dort keine ausreichenden Bürgerrechte, keinen Datenschutz und keine Meinungsfreiheit gebe” (ebd.).

Natürlich haben auch Dozierende ein Recht auf Datenschutz, nur nehmen die im Spiegel Online Artikel beschriebenen Auflagen offenbar schon bizarre Formen an. Und es ist ja auch nicht so, dass MeinProf.de nicht bemüht wäre auf Einwände seitens der Dozierenden zu reagieren und dann notfalls auch gänzlich unpassende Statements (Beleidigungen, etc.) zu löschen.

Es wäre schade, wenn MeinProf.de dicht machen müsste. Zwar waren die Schwächen dieses Protals seit seinem Start offensichtlich (siehe “Profs benoten”), nur solange die Universitäten ihre eigenen Evaluationen nicht systematischer durchführen und die Ergebnisse dann auch veröffentlichen, also selbst für mehr Transparenz sorgen, kommt man ohne ein Portal wie MeinProf.de nicht aus.

Posted by: Niklas | Mai 1, 2008

Der Mythos vom besseren Studium

Der Kommilitone Mathias Bartelt hat für die kommende “Out of Dahlem” (OoD) Ausgabe seinen Artikel vom letzten Semester über die Bologna Reform an der FU, “Alles wird besser”, noch einmal überarbeitet und aktualisiert.

Aus Platzgründen sind jedoch aus 10 Seiten in der OoD-Redaktion 6 geworden. Womit Mathias sich einverstanden erklärte, dennoch aber die Vollversion online gestellt sehen möchte. “Der Mythos vom besseren Studium” kann daher jetzt hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Mathias wertet in diesem Papier noch einmal alle zentralen Ergebnisse aus, die in Form von Studien, Umfragen, etc. in den letzten Semestern über den Bologna Prozess - und die Probleme die er mit sich bringt - publiziert wurden.

Posted by: Niklas | April 30, 2008

Protokolle der dezentralen VVs

Wie berichtet, gab es in der Woche zwischen dem 21.04. und 25.04 in den Fachbereichen / Instituten der FU dezentrale VVs als erste Phase des Protestsemesters. Hier nun die Ergebnisse in Form von Protokollen:

Protokolle:

Weiteres Infomaterial:

Am 07.05. wird es dann von 14-16 Uhr eine Gesamt-VV im Hörsaal 1A der Silberlaube geben. Vorher soll noch eine zweite OSI/PuK-VV stattfinden, deren Termin aber noch nicht feststeht bzw. wieder verschoben wurde.

Posted by: Niklas | April 29, 2008

Der Bologna Prozess als SPIEGEL-Titelstory

Nachdem ich wegen der aktuellen Titelstory, “Die Turbo-Uni”, nach Jahren das erste Mal wieder eine Printausgabe des Spiegels erworben hatte (das letzte Mal kostete er noch 5 DM), war ich dann doch etwas enttäuscht wie relativ dünn der Artikel für eine Titelgeschichte war.

Immerhin: Die desaströsen Ergebnisse der Bologna Reform werden klar benannt, empirisch untermauert (z.B. anhand der auch hier bereits schon angesprochenen HIS-Studie) und mit zahlreichen Fallbeispielen flankiert.

Zur Sprache kommen so ziemlich alle zentralen Probleme: Statt der angestrebten internationalen Vergleichbarkeit ist diese jetzt nicht mal mehr innerhalb von Deutschland gewährleistet, da jede Uni ihre “eigene Reform” mit eigenen Studiengängen durchführt; sechs semestrige Bachelors werden im europäischen Ausland oft nicht anerkannt (weil dort acht Semster Standard sind); die Abbrecherquote wurde in vielen Studiengängen nicht wie geplant gesenkt, sondern hat sich im Gegenteil noch erhöht; die Studierenden fühlen sich überfordert und suchen mehr als zuvor psychologische Hilfe auf; viele Studierende wollen können aber kein Praktikum im Ausland machen, da ihr Studiengang zu dicht aufgebaut ist; Studierende ohne finanzielle Hilfe ihrer Eltern werden mehr denn je benachteiligt, denn nebenher noch einen Job zu bewältigen ist nahezu unmöglich; die Mehrheit will nach dem BA noch einen MA machen, doch das Gros der Ressourcen wurde in den BA gepumpt, weshalb eben nicht jeder einen MA draufsatteln kann; es mangelt an Dozierenden in der Lehre, obwohl mehr denn je Betreuung wichtig wäre; viele Studierende fühlen sich eingeengt und wie in der Schule; insgesamt sinkt die Anzahl der Studienbeginner_innen in einigen Bundesländern, obwohl Deutschland mehr Akademker_innen bräuchte (hier also “Standortlogik”).

Etwa in der Mitte des Artikels drehen die Autoren (es sind derer sechs) dann aber die Stoßrichtung um 180°: Die Wirtschaft habe zwar immer noch Vorbehalte, weil junge Absolvent_innen ohne genügend Praxiserfahrung auch nicht das Gelbe vom Ei sind, insgesamt stehen sie der Entwicklung aber positiv gegenüber, der BA findet zunehmend Akzeptanz. Wenn jemand dem alten humboldt’schen Ideal hinterher trauert, sind das eher die Dozierenden. 46% der Studierenden sind dagegen trotz aller Kritik, Leistungsdruck, Umstellungs-Chaos, etc. mit dem neuen System zufrieden - angeblich mehr als in den alten Studiengängen. Und so geht es dann munter weiter, der AStA der Uni Hamburg wird als Prototyp eines modernen neuen AStAs skizziert (mit Corporate Idenity, Office, etc.), Unternehmensberater und Banken feiern die neuen BA-Absolvent_innen regelrecht, usw.

Der Artikel endet schließlich damit, dass selbst Dozierende die dem alten humboldt’schen Ideal noch nachtrauern aus pragmatischen Gründen kapitulieren und sagen, die Bedingungen haben sich nun mal geändert und sie hätten gar nicht anders gekonnt, als die Unis diesen neuen Bedingugen anzupassen.

Natürlich kann man dem Spiegel vorwerfen, dass er hier einen anfangs sehr kritischen Artikel gegen Ende auf ein “Es-ist-nicht-schön-aber-muss-eben-einfach-sein” runterdrückt.

Nur sind diese Befürworter_innen ja keine Phantome, nicht nur in der Wirtschaft, auch unter den Studierenden findet der verschulte Bachelor eben durchaus Akzeptanz, so nach dem Motto, je schneller ich mit der Uni fertig, desto besser. Und wenn es in der “Übergangsphase” Pannen gibt, nimmt man diese letztlich genauso hin, wie die Verschulung, die viele Studierende neuerer Generation eben durchaus auch als entlastend wahrnehmen.

Und wenn darauf verwiesen wird, das Verhältnisse, die die Studierenden in den 70er und 80er Jahren noch zum Aufstand getrieben hätten, heute von einer breiten Masse weitgehend und unter ein wenig Nörgeln hingenommen werden, wer wollte da widersprechen? So aktiv manche Protestbewegung auch sein mag, wie verhält sich denn das Verhältnis von Teilnehmenden zu Nicht-Teilnehmenden? Wie lange dauert so eine aktive Protestphase im Schnitt an?

Fazit

Jemandem der sich mit dem Bologna Prozess befasst oder selbst von ihm betroffen ist, bringt diese Titelgeschichte wenig neue Erkenntnisse. Die Fakten und die Argumente sind bekannt und konnten in letzter Zeit z.B. in der Berliner Regionalpresse nachgelesen werden. Dennoch hat der Spiegel natürlich auch recht, wenn er sagt, für das Ausmaß dieser Reform und die Probleme die sie erzeugt, ist die öffentliche Aufmerksamkeit bisher noch verhältnismäßig gering gewesen. Und wenn nun Leute durch diesen Spiegeltitel an eine Problematik herangeführt werden, die ihnen bis dato wenig oder gar nicht bekannt war, ist das sicherlich erst einmal ein Zugewinn.

Für eine Titelstory hätte man die Sache jedoch trotzdem noch ausführlicher darstellen können und vielleicht auch mal ein paar neue Fakten rechechieren können, die dann selbst unmittelbar Beteiligten noch nicht geläufig gewesen wären.

Posted by: Niklas | April 28, 2008

Wenn Schafe Identität schaffen

In einem sehr guten, ausführlichen Artikel rechnet der Kommilitone Ralf Hutter in Telepolis mit den diversen Hochglanz-Uni-Magazinen ab, die an Hochschulen ausliegen (siehe dazu auch kurz “Institutstag - Ein kurzer Rückblick”, zweiter Absatz).

Bahnbrechend neue Erkenntnisse fördert der Artikel dabei zwar nicht zutage (er bestätigt im Wesentlichen, was jeder sich denken kann, der einmal einen Blick in so ein Magazin wirft), erstmals werden besagte Uni-Magazine aber etwas systematischer unter die Lupe genommen und der Leser bekommt auch einen Einblick in die redaktionelle Arbeit (wenn man es denn so nennen kann) hinter diesen Broschüren.

“Im Folgenden wird, nach einer Vorstellung der analysierten Titel, auf drei Aspekte Bezug genommen: Die mangelhafte, oft gar nicht vorhandene Trennung von Inhalten und Werbung; die Perspektiven auf Bildungs- und Hochschulpolitik; und die allgemeinere, v.a. auf die Welt der Lohnarbeit bezogene, Ideologieproduktion.” (“Jugend gefährdende Schriften”, Telepolis, 27.04.08)

Dadurch dass Ralf zwischendurch auch immer wieder bizarre Fallbeispiele zitiert, ist der Text auch nie zu trocken:

“Eine Professorin für Design von der FH Dortmund initiierte letztes Jahr ein Projekt, im Zuge dessen Schafe auf dem Campus gehalten werden. “Die Idee zum Kauf der Schafe entstand durch einen Besuch an unserer Partnerschule in Moskau, die ein eigenes Haustier, eine Katze besitzen. Wir haben das Phänomen des dadurch entstehenden Gefühls der Verortung, der Zugehörigkeit bei den Studenten wie auch den Lehrenden gesehen und sagten uns: ‘Das brauchen wir auch.’”

(…) Ungeahnte Zusammenhänge zwischen Mensch und Tier werden offenbar: “Schafe schaffen Identität und Zugehörigkeit und dies in einer Zeit, in der manche Menschen Unsummen an Kilometern zurücklegen und die Zeit, die man in andere Lebewesen investiert meist über Mail, Handy und Palm definiert wird”.” (“Jugend gefährdende Schriften”, Telepolis, 27.04.08)

Doch natürlich geht es in diesen Gazetten nicht nur um solchen surrealen Klamauk, Ralf zeigt auch auf, wie vermeintlich unideologisch Aufmachungen hier Ideologie transportieren.

“Auf dieser Linie ist generell auch Unicum. Auslandsaufenthalte, Praktika schon im Studium, ständiges Denken an den Lebenslauf – eben die totale Verwertbarkeit – werden durchweg als unhinterfragbare Lebensbestandteile und -bedingungen dargestellt.” (“Jugend gefährdende Schriften”, Telepolis, 27.04.08)

Ralf kommt abschließend zu dem Ergebnis:

“Obwohl nicht alle in diesem Artikel formulierten Vorwürfe auf alle behandelten Zeitschriften zutreffen und auch keine exakte Darstellung, keine wissenschaftliche Inhaltsanalyse geleistet werden sollte, dürfte doch klar geworden sein, dass die den Studierenden in Deutschland angebotenen Periodika ihnen wenig wirklich Gutes bringen. Salopp ausgedrückt: Es handelt sich um Jugend gefährdende Schriften, die unsere Kids ideologisch versauen!” (“Jugend gefährdende Schriften”, Telepolis, 27.04.08)

Der Artikel ist zwar etwas länger (für Telepolis), jedoch definitiv lesenswert.

Posted by: Niklas | April 27, 2008

Stellungnahme von Jirka Kende zum Bibliotheksskandal

Stellungnahme des stellvertretenden Leiters der Universitätsbibliothek, Jirka Kende, zum Bibliotheksskandal. Die Zitate auf die Herr Kende sich bezieht, wurden mit den entsprechenden FUwatch-Beiträgen verlinkt.

Liebe Blog-LeserInnen,

verzeihen Sie bitte den etwas länglichen Beitrag, aber der Sachverhalt ist zu komplex, um ihn nur mit zwei Sätzen kommentieren.

Der sog. “Bibliotheksskandal” beruht auf Falsch- bzw. Desinformation, nicht nur durch Weglassen von Informationen, sondern vor allem durch die im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehenden Zahlen. Wer behauptet, dass von den 1.1 Mio. Titeln der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken 500.000 oder 600.000 ausgesondert werden sollten, weiß entweder nicht, wovon er redet, oder sagt bewusst die Unwahrheit. Dass die “…anwesenden MitarbeiterInnen der PolSoz-Bib (dies) bestätigten…”, vermag ich nicht zu glauben. Hier wird offensichtlich mit unseriösen Zahlen Stimmung gemacht, aus welchen Beweggründen auch immer.

Tatsache ist, dass im Rahmen der Überlegungen zur Verbesserung der Studiensituation und zur Schaffung von zukunftsfähigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse in einem Szenario die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken in die UB erwogen wurde.

Neben Schaffung von 500 modern ausgestatteten Arbeitsplätzen und Gruppenarbeitsräumen sah das Konzept vor, die neuere sozialwissenschaftliche Literatur in einem großzügig ausgebauten Freihandbereich der UB aufzustellen und durch ausgedehnte Öffnungszeiten entsprechend den Bedürfnissen der Studierenden zugänglich zu machen und so auch im Bereich der Garystrasse die Bedingungen für die Literaturversorgung dauerhaft zu optimieren.

Im Rahmen dieser Überlegungen wurde aufgrund von begründeten Schätzungen ermittelt, dass es rd. 350.000 - 400.000 ältere Titel gibt, die innerhalb der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken und/oder mit dem Bestand der räumlich benachbarten UB dublett sind. Gleichzeitig zeigte sich, dass rd. 40 % dieser zwischen der UB und den sozialwissenschaftlichen Bibliotheken *dubletten* älteren Bestände innerhalb der letzten 10 Jahre weder in der UB noch in den Fachbibliotheken ein einziges Mal genutzt wurden. Deshalb wurde begründet angenommen, dass die Aussonderung von schätzungsweise 140.000 *dubletten* Titeln nicht die geringste Beeinträchtigung der Benutzung zur Folge haben würde.

Die relativ hohe Anzahl der Dubletten war nicht überraschend und ist darauf zurückzuführen, dass die UB seit eh und je einen sozialwissenschaftlichen Sammelschwerpunkt hatte, weshalb sich die Bestände bei einer Integration auch gut ergänzen würden. Und dass die Sozialwissenschaftler schon immer intensiv die UB genutzt haben, zeigt auch die Tatsache, dass von den überhaupt genutzten dubletten Beständen rd. 24 % in beiden Bereichen, rd. 12 % in den sozial-wissenschaftlichen Bibliotheken, aber fast 22 % nur in der UB genutzt wurden.

Beide Bereiche haben in den früheren Jahren sehr viele identische Titel erworben. Das war auch gut so, denn Mehrfachexemplare wurden in diesen Massenfächern natürlich gebraucht, die “1-Buch-Ideologie” war schon früher und ist auch noch heute noch bei 30.000 Studierenden unsinnig und wurde weder von der UB noch von sonst irgendeinem Bibliothekar an der FU jemals vertreten. Vielgefragte neue Literatur sollte vielmehr sooft wie nötig vorhanden sein, sei es als Einzelexemplare in mehreren Bibliotheken, sei es als Mehrfachexemplare in der Lehrbuchsammlung.

15 – 20 Jahre später stellt sich aber die Frage anders – braucht man heute noch z.B. die “Einführung in die bibliothekarische Datenverarbeitung aus den 70er Jahren in 18 Exemplaren, wie noch heute in den Magazinen der FU-Bibliotheken vorhanden? Damals war es sicher richtig und wichtig – würde aber heute nicht 1 Archivexemplar genügen?

Um es noch einmal klarzustellen: das Szenario sah vor, dass 1. jeder Titel mindestens einmal erhalten bleibt, d.h. die Titelvielfalt um keinen einzigen Titel verringert wird, 2. nur ältere und nicht mehr genutzte *und gleichzeitig mehrfach vorhandene* Titel ausgesondert werden, 3. Klassiker, wichtige fachrelevante Autoren, Nachschlagewerke etc. selbstverständlich von der Aussonderung ausgenommen bleiben und gleichzeitig 4. viel gefragte Titel in Mehrfachexemplaren in der Lehrbuchsammlung der UB bereitgestellt werden (wie z.B. für Jura, wo manche Titel mit bis zu Hundert Exemplaren den Studierenden zur Verfügung stehen).

Die Aussonderung von mehrfach vorhandener, älterer und nicht oder kaum genutzter Literatur ist keineswegs ein “Bibliotheksskandal”, sondern ein normaler bibliothekarische Vorgang, der nicht nur an der FU, sondern in allen Bibliotheken weltweit laufend geschieht und bei Integration von größeren Beständen natürlich quantitativ vermehrt auftritt. In manchen Bundesländern gibt es sogar verpflichtende Regeln, nach den einzelne Schwerpunktbibliotheken mit verteilten Zuständigkeiten ältere Literatur bestimmter Fächer für die Region archivieren und die der Fächer außerhalb ihrer Zuständigkeit laufend aussondern müssen. Die einzige Alternative ist ein laufender Ausbau von Bibliotheksflächen, der auf Dauer – außer bei den Staats- bzw. Nationalbibliotheken – nicht zu finanzieren ist.

Auch an der FU werden die finanziellen Mittel immer knapper, daher der laufende Konzentrationsprozess im Bibliotheksbereich. Nicht nur im Hinblick auf die Baukosten, sondern vor allem auch im Hinblick auf den laufenden Betrieb können mit dem Ausbau von wenigeren, dafür aber gut ausgestatteten Standorten mit langen Öffnungszeiten starke Synergieeffekte erzielt werden. Dass diese Strategie am ehesten die Gewähr bietet, langfristig auch unter erschwerten Rahmenbedingungen optimale bibliothekarische Dienstleistungen anzubieten, dürfte jedem einleuchten.

Die Leiterin des Bibliotheksbereichs, Frau Zehrer, hat sich mit allen Kräften wie kaum ein anderer Bibliotheksleiter für den Ausbau ihres Bereichs eingesetzt, insbesondere im Rahmen der laufenden Integration von immer weiteren Fachbibliotheken in die beschränkten Räume des Fachbereichs. Die Vorwürfe von Gero Neugebauer gegen sie sind daher gelinde gesagt schäbig, der sog. “Ausraster” von Herrn Naumann gut nachvollziehbar.

Auch die Behauptungen von Gero Neugebauer, “Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist”, ist blanker Unsinn.

Weder ist Stellenkegel der UB gefährdet noch braucht die UB die Sozialwissenschaften zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung. Die UB ist auch ohne der Sozialwissenschaften mit ihren über 2,5 Mio. Büchern nicht nur die mit Abstand größte Bibliothek der FU und wickelt nach wie vor knapp die Hälfte der konventionellen Benutzung des gesamten Bibliothekssystems ab; ihre Bedeutung liegt darüber hinaus vor allem in der Bereitstellung von elektronischen Medien mit rd. 500 Online-Datenbanken, 16.000 elektronischen Zeitschriften und Tausenden von E-Books und im Angebot zentraler Dienstleistungen, sei es des integrierten Bibliothekssystems Aleph mit Onlinekatalog für alle FU-Bibliotheken, sei es der Digitalen Bibliothek mit dem Volltext-Linkingsystem SFX, dem Dokumentenserver oder der Universitätsbibliographie u.a.m. Ohne die UB ist keine einzige FU-Bibliothek in der Lage, auch nur einen einzigen Tag zu arbeiten und ihre Dienstleistungen anzubieten. Soviel nur zur Bedeutung der UB.

Die Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken hätte auch für die UB einen enormen Aufwand bedeutet. Aber im Hinblick auf die Schaffung von zukunftsträchtigen Bibliotheksstrukturen im Bereich der Garystrasse und im Interesse der hier arbeitenden Studierenden, haben wir uns für das Szenario begeistern können. Es versprach, trotz der ab 2009 absehbar noch engeren finanziellen Rahmenbedingungen auch für die Studierenden an diesem Standort optimale Arbeits- und Benutzungsbedingungen zu schaffen und gute bibliothekarische Dienstleistungen auf Dauer zu erhalten.

Alles in allem hatten die o.g. Überlegungen zum Ziel, im Bereich der Garystrasse ähnliche attraktive Arbeitsbedingungen für die Studierenden zu schaffen, wie sie zurzeit auf dem Obstbaugelände entstehen bzw. bereits entstanden sind.

Dass dies manch einem oder einer aufgrund partikularer Interessen nicht so wichtig erscheint, kann ich noch verstehen. Dass die Studierenden dem Angebot einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nichts abgewinnen können und dies gar als “Bibliotheksskandal” brandmarken, verstehe ich allerdings nicht.

Aus meiner Studentenzeit weiß ich, dass man manchmal ein Thema braucht, wo man richtig draufhauen kann, um zu zeigen, dass man noch da ist und ein Wörtchen mitreden will. Ich meine aber, dass man sich mit dem sog. Bibliotheksskandal ein falsches Thema ausgesucht hat.

Jirka Kende

Posted by: Niklas | April 26, 2008

Laßt Sven gehen!

Die Kommilitonin Therese Anders berichtet im LHG Blog, dass Juniorprofessor Sven Chojnacki schon Ende letzten Jahres einen Ruf auf die W2-Professur für Internationale Politik und Internationale Gesellschaft an der Uni Kiel erhalten hat.

Und einige OSI-Studierende versuchen nun offenbar zu verhindern, dass Prof. Chojnacki diesem Ruf folgt, in dem sie eine Unterschriftenaktion gestartet haben, in der das Präsidium und der Fachbereich aufgefordert werden, Porf. Chojnacki ein “angemessenes Gegenangebot” zu unterbreiten.

Argumentativ wird dies gestützt durch die Verdienste die Chojnacki um seine exzellente Lehre erworben hat. Nicht nur bekam er vom OSI-Club den “LorBär” für “herausragende Lehre” (von Studierenden durch eine “Postkartenaktion” gewählt), nein, auch die Kommunikations- und Informationsstelle der FU schreibt in einer ihrer legendären Tagesspiegel-Beilagen, wie beliebt Chojnacki bei den Studierenden ist.

Dass man das als belobigend gemeinte “leistungsfördernde Klima” (Zitat Studierende in LorBär-Begründung) auch kritisch hinterfragen kann - für den modernen OSI-Studierenden undenkbar. Immerhin fordert Chojnacki in seinen Seminaren z.B. 10 Exzerpte für einen Teilnahmeschein (siehe “Seminar-Blog am OSI”).

Doch wenn ich Zeit und Muße habe, diesen unverhältnismäßigen hohen Leistungsanforderungen gerecht zu werden, was interessieren mich da die KommilitonInnen die vielleicht auch Interesse an der Lehrveranstaltung haben, aber in ihrem Leben noch etwas anderes tun müssen, die LV daher nach der ersten Sitzung gleich wieder verlassen? Ich meine, kann mir doch ganz recht sein, wenn der gute Prof. Chojnacki zu Beginn seiner LV die Anzahl der TeilnehmerInnen soweit runter selektiert, dass er anschließend dann seine “herausragende Lehre” durchziehen kann. Der Rest verschwindet dann eben in umso mehr überfüllten Alternativ-LVs von weniger selektiv eingestellten Dozierenden, nicht mein Problem.

Und genau das ist die egozentrische, elitäre Denke, die dann dazu führt, dass Professoren wie Sven Chojnacki von einem offenbar nicht unwesentlichen Teil der OSI-Studierendenschaft so umschwärmt werden.

Zu klären wäre in diesem Kontext auch, wo sich Prof. Sven Chojnacki eigentlich positioniert hat, als die ATASP-Clique versucht hat Teilnehmerbeschränkungen für Seminare durchzusetzen (siehe hier und hier). Chojnackis Name fällt in diesem Kontext nicht, doch FALLS er die Teilnehmerbeschränkungs-Fraktion unterstützt hat, mit ihr sympathisiert hat, würde auch das eine Unterstützung für seinen Verbleib am OSI natürlich fraglich erscheinen lassen.

Die Aktion für einen Verbleib Chojnackis am OSI wäre überhaupt nur dann zu unterstützen, wenn kein Ersatz für ihn vorgesehen ist. Denn trotz aller Kritik: Die Lehre am OSI ist so dünn besetzt, dass es kaum vertretbar wäre, den Abgang eines Dozierenden wie Chojnacki zu fordern, wenn nicht absehbar ist, dass dieser einen Nachfolger bekommt. Soll die Juniorprofessur im Falle eines Abgangs Chojnackis allerdings neu besetzt werden, könnte man getrost ausrufen “Laßt Sven gehen!”.

Theoretisch. Faktisch ist es so oder so utopisch, dass es auch eine Unterschriftenaktion FÜR einen Abgang Chojnackis geben wird.

Posted by: Niklas | April 25, 2008

SFB Governance in der Kritik

Der Journalist Harald Neuber hat sich in einem Telepolis-Artikel mit dem zunehmenden Kontrollverlust von Staaten in ihren urbanen Zentren (z.B. Favelas in Brasilien) und den entsprechenden Gegenstrategien befasst. Analog dazu wirft er auch einen Blick auf die Außenpolitik, wo er ähnliche Muster entdeckt. Ausführlich ist er dabei auf den neuen Sonderforschungsbereich für Governance (SFB 700) an der FU eingegangen.

Neuber kritisiert die so genannten “embedded scientists”, Wissenschaftler die durch ihre Arbeit das fragwürdige (da gewaltsame, militärische) Vorgehen von Machtzentren in Krisenregionen legitimieren.

“(…) Aus der Nähe zwischen wissenschaftlichem und außenpolitischem Interesse wird bei den Verantwortlichen [des SFB 700, Anm. FUwatch] kein Hehl gemacht. Eines der ersten Forschungsprojekte befasste sich mit der Frage, ob ‘externe Akteure zur Entstehung eines lebensfähigen afghanischen Staates beitragen’ können.

Mit der Frage ist auch die Berliner Republik befasst, schließlich sind am Hindukusch bis zu 3500 Bundeswehrsoldaten stationiert. Der ‘SFB 700′ arbeite daher konsequenterweise mit der Bundesregierung zusammen, sagt Zürcher, ‘weil wir an denselben Fragen interessiert sind’. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde eine breit angelegte Befragung der Bevölkerung in Afghanistan zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchgeführt.

(…) Spannend ist, wie diese ‘embedded science’ den (vom Westen erklärten) ‘failed states’ ihre staatliche Souveränität aberkennt. Gescheiterte Staaten, in denen ‘externe Akteure’ - etwa in Form von militärischer Besatzung - dauerhaft präsent sind, hätten mit dem klassischen souveränen Nationalstaat nicht mehr viel gemein, sagt Zürcher (…)

(…) Auch wenn der ‘Sonderforschungsbereich 700′ erst am Anfang seiner Arbeit steht, ist eine Gefahr nicht von der Hand zu weisen. Es ist die Gefahr, dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen.

Anders als das klassische Konzept der nachholenden Entwicklung zielt diese nicht mehr auf den Anschluss der Märkte der Schwellen- und Entwicklungsstaaten an den industrialisierten Norden ab. Sie versucht lediglich, die Stabilität in den Peripherien so weit zu garantieren, dass sie in die globalen Märkte eingebunden bleiben können, also wirtschaftliche Interessen eingebunden werden können.” (“Staat im Rückzug”, Telepolis, 06.04.08)

Tatsächlich ist kaum von der Hand zu weisen, dass die Gefahr besteht, “dass wissenschaftliche Akteure in Zusammenarbeit mit Staat und Militär die legitimatorische Grundlage für eine neue militärische Außenpolitik legen”. Nur, dass die Gefahr besteht, bedeutet noch nicht, dass “der Ernstfall” bereits eingetreten ist.

Was kann Neuber im Fall des SFB wirklich als Fakten vorweisen?

“Failed states” wird nach seiner Meinung “ihre staatliche Souveränität” aberkannt. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn Neuber deutlich gemacht hätte, was seiner Meinung nach “staatliche Souveränität” eigentlich ausmacht. Wenn ein Staat derart demontiert ist wie etwa Somalia, erscheint es dann nicht legitim ihn als “failed” zu klassifizieren? Welche Elemente eines souveränen Staates kann Somalia denn noch vorweisen?

Zürchers Definiton von “failes states” erscheint durchaus brauchbar: “Solche Staaten können kein legitimes Gewaltmonopol aufrechterhalten und ihre Bürger nicht mehr vor inneren und äußeren Bedrohungen schützen, sie können politische Ziele nicht mehr durchsetzen und sie sind nicht mehr in der Lage, den Menschen ein gewisses Maß an materieller Grundversorgung, Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und sozialer Sicherung zu garantieren.”

Problematischer ist der zweite von Neuber angesprochene Punkt, der auf die Zusammenarbeit zwischen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Sonderforschungsbereich verweist. Wenn der SFB in Aghanistan Befragungen der Bevölkerung zu den Infrastrukturprogrammen der Besatzungstruppen durchführt und die Bevölkerung die Programme mehrheitlich als positiv auffasst, könnte dies in der Tat dazu beitragen den gegenwärtigen Einsatz in Aghanistan zusätzlich zu legitimieren, also die momentane Außenpolitik der BRD stärken.

Man müsste dann jedoch genau hinsehen, ob der SFB seine Befragungen von Anfang an so gestaltet, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer positiven Resonanz der Bevökerung auf die deutsche Außen- und Militärpolitik zu rechnen ist. Anders gesagt, konstruiert der SFB seine Feldforschung absichtlich so, dass die Ergebnisse die Außenpolitik der Bundesregierung in einem positiven Licht dastehen lässt oder ist seine Feldforschung so offen gehalten, dass theoretisch auch ein negatives Licht auf die Intervention der BRD in Afghanistan fallen könnte?

Neuber kann hier zur Zeit einfach noch nicht so viel belastendes Material vorweisen, er hat aber sicherlich recht, dass man zukünftig das Wirken des SFB genauer beobachten sollte. Der Artikel macht deutlich, dass sich auch die kritische Studierendenschaft an der FU intensiver als bisher mit der Arbeit des SFB auseinandersetzen muss.

Categories