Der neue alte AStA – Von der 3/4- zur 2/3-Mehrheit

Januar 23, 2009

Hatte die AStA-Koalition im letzten Jahr noch 44 von 60 Sitzen im StuPa und damit fast eine 3/4-Mehrheit (siehe „Die AStA-Koalition hat fast eine 3/4-Mehrheit im StuPa“), sind es nach der Auszählung in diesem Jahr offenbar „nur“ 41 Sitze, was dann etwas mehr als eine 2/3 Mehrheit wäre. Die Oppositionsgruppen konnten ihre Sitzeanzahl demnach von 16 auf 19 ausbauen:

„(…) Einerseits die vereinten AStA-stützenden Gruppen, denn sie konnten ihre Mehrheit verteidigen. Allerdings nicht ausbauen, denn wenn man die Liste der Listen überblickt, die FURIOS zusammengestellt hat, und alle Sitze zusammenzählt, deren AStA-Nähe abgelehnt wird, so kommt man nun auf 19 von 60 Sitzen (statt zuvor 16).“ („Ergebnisse der Wahlen: StuPa und FSR“, LHG Blog, 17.01.09)

Dies wird beim AStA (und nicht nur da) auf den erfolgreichen Wiederantritt des RCDS und besonders der „Alternative Liste – Bündnis 90/Grüne“ zurückgeführt:

„Nachdem Bündnis 90/ Die Grünen sowie die Christdemokraten (RCDS) überraschend wieder zur Wahl angetreten waren, konnten die bemerkenswerten Mehrheitsverhältnisse von 75% wohl nicht gehalten werden. Am klaren Auftrag der Wähler_innen besteht jedoch kein Zweifel.“ („AStA-Koalition bei StuPa-Wahlen bestätigt“, Pressemitteilung des AStA FU, 18.01.09)

Wobei besonders die Grünen mit insgesamt 5 Sitzen zu den klaren Gewinnern in den Oppositonsreihen zu zählen sind. Obwohl die Grüne Hochschulgruppe im letzten Jahr gar nicht angetreten war, wurde sie aus dem Stand heraus wieder stärkste Fraktion im StuPa.

Andere so genannte „parteinahe Hochschulgruppen“ veloren jedoch zeitgleich Sitze. Der SDS.Die Linke hat nur noch 2 statt 4 Sitze, die Jusos nur noch 4 statt 5 und die LHG 3 statt 4. Der wieder neu angetretene RCDS bekam 1 Stimme. Die naheliegende Vermutung ist, dass asta-kritische AnhängerInnen der Grünen Hochschulgruppe die im letzten Jahr noch „notgedrungen“ SDS oder Jusos wählen „mussten“, in diesem Jahr wieder zu den Grünen zurückgewandert sind. Dennoch handelt es sich natürlich auch nicht um eine reine Verschiebung von WählerInnenstimmen innerhalb der Reihen der Opposition, denn diese hat wie ausgeführt ingesamt einen Zugewinn zu verzeichnen.

Traditionell war das DEFO neben den Grünen eigentlich immer eine der stärksten Oppositionsgruppen im StuPa und neben der LHG die wichtigste liberale Gruppe. Nachdem es im letzten Jahr allerdings nur noch 2 Sitze gewinnen konnte (ebenso im Jahr davor) ist das DEFO dieses Jahr offenbar gar nicht angetreten.

Den Sitzverlust des AStA von 44 auf 41 Sitze wirklich als „Einbruch“ zu werten fällt schwer, dafür ist die Mehrheit der Koalition immer noch viel zu eindeutig. Wirklich etwas bewegen konnten asta-kritische Stimmen – und zu denen zählte in jüngster Zeit neben der StuPa-Opposition sicherlich auch die FURIOS-Redaktion – offenbar nicht.

Die vorläufigen Ergebnisse der StuPa- und FSR-Wahl gibt es hier, jene der AS- und Kuratoriums-Wahl hier.

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Wenn das gute Geschirr nach Oberschöneweide verkauft wird

Januar 22, 2009

Wie berichtet steht die Mensa I in der Van’t-Hoff-Straße offenbar kurz vor ihrer Schließung. Nach einer Komplettsanierung des Gebäudes soll nach gegenwärtigem Informationsstand nur in der untersten Etage eine Cafeteria verbleiben, die dann aber sicherlich weder quantitativ (Anzahl der Sitzplätze für hungrige Studierende) noch qualitativ (Auswahl der Gerichte) an die alte Mensa I heranreichen wird.

Was nach gegenwärtiger Planung dann in den oberen Teil des Gebäudes kommen soll, ist weiterhin unbekannt. Die FU wird das Gebäude anderweitig verwenden, mehr Details gibt es (noch) nicht.

Wie im LHG Blog berichtet wird, hat sich der Verwaltungsrat des Studentenwerks (welches die Mensa bisher betrieben hat) noch nicht mit dem Sachverhalt befasst und wusste auch noch nichts von der geplanten Schließung (Stand: 08.01.09).

Bekannt ist hingegen, dass das nicht mehr benötige Inventar der Mensa an den Standort der FHTW Berlin in Oberschöneweide (nicht „Oberschönhausen“ ;-) verkauft werden soll (LHG, 08.01.09).

Unterdessen hat sich der Fachbereichsrat (FBR) Wiwiss deutlich gegen eine Schließung der Mensa I ausgesprochen. Dekan Sydow möchte zusammen mit anderen Dekanen beim FU-Präsidium vorstellig werden, um die Schließung doch noch abwenden zu können. Bei der LHG sieht man dafür jedoch wenig Chancen, da die Schließung ja offenbar nicht vom Präsidium sondern vom Studentenwerk ausgeht (LHG, 15.01.09).

Hier wäre noch zu klären, ob das wirklich so stimmt. Noch im Dezember wurde im DEFO-Blog festgehalten:

„Die Mensa soll nach den Sanierungsarbeiten nicht weiterbetrieben werden. Ob allerdings das Präsidium, welches schon anderweitige Nutzungspläne für das Gebäude hat, oder ob das Studentenwerk den Betrieb wegen mangelnder Rentabilität schließen will, ist noch unklar.“ („Mensa I soll geschlossen werden!“, DEFO Blog, 16.12.08)

Sind die „anderweitigen Nutzungspläne“ der FU für das Gebäude also wirklich eine Reaktion auf die Erkenntnis des Studentenwerks die Mensa I aufgeben zu müssen oder stand der neue Nutzungsplan in Wahrheit nicht vielleicht schon viel länger fest und wäre dann der eigentliche Grund für die Schließung? Diese Frage ist immer noch nicht ganz geklärt. Interessant wäre es in diesem Kontext zumindest zunächst zu erfahren, wer oder was nach der Sanierung in den oberen Teil einziehen soll.

In einem weiteren Beitrag im LHG-Blog zum Thema wird beklagt, dass die Organisation von studentischem Widerstand gegen die Schließung bisher recht schleppend verlief. Kamen Mitte Dezember noch 30 Studierende zu einem Treffen, waren es einen Monat später nur noch vier.

Alte Exzellenzinitiative mit Problemen, neue wird gestartet

Januar 21, 2009

Wie der Tagesspiegel heute berichtet, startet die nächste Exzellenzinitiative vermutlich im Herbst 2010. Im Früjhar 2011 fällt die Entscheidung welche Projekte und Universitäten in die engere Wahl kommen, im Sommer 2012 steht dann fest welche Unis ihren Elite-Status behalten und welche neu in den exklusiven Kreis aufgenommen werden.

Der Umstand, dass hier bereits ausgezeichnete (und mit zusätzlichen Mitteln versorgte) Elite-Unis gegen solche Hochschulen antreten, die diesen Status noch nicht haben, sorgt natürlich für Probleme. Doch in einem weiteren Tagesspiegel-Artikel wird skizziert, wie die Kommission das lösen möchte. Es soll unterschiedliche Gewichtungen geben:

„Bei der Konkurrenz um den Elite-Status sollten die aktuellen Elite-Unis vor allem daran gemessen werden, ob ihr ‚Entwicklungsgradient deutlich nach oben weist‘. Das soll etwa daran festgemacht werden, ob sich die Unis bei den Drittmitteln verbessert haben oder ihre Forscher mehr Auszeichnungen als früher gewinnen. Bei neuen Bewerbern sollte dagegen das Zukunftskonzept stärker gewichtet werden. Darin müssen die Universitäten erklären, wie sie den Sprung in die internationale Spitze schaffen.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Das Budget des Wettbewerbs von derzeit 1,9 Milliarden Euro soll laut der Kommission um 30% erhöht werden um so auch alle neuen Vorhaben finanzieren zu können.

Während aber auf der einen Seite schon die nächste Exzellenzinitiative geplant wird, hat man auf der anderen Seite noch mit den Folgen der ersten zu kämpfen. Obwohl für insgesammt 4000 Forscher neue Stellen geschaffen wurden, konnten bisher nur 1500 besetzt werden. Angeblich weil es an qualifizierten BewerberInnen mangelt. Dies geht aus einem ersten Bericht der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Bewertung der Exzellenzinitiative hervor, auf den der Tagesspiegel Bezug nimmt.

„Die wenigen qualifizierten Bewerber drohen den Universitäten weggeschnappt zu werden: So können die Hochschulen oft noch immer nicht mit den Stellenangeboten aus der Industrie mithalten – die Stipendien für Doktoranden sind von der DFG auf 1500 Euro pro Monat gedeckelt.

Außeruniversitäre Institute und ausländische Hochschulen buhlen ebenfalls um die Forscher, Konkurrenten sind zudem andere im Elite-Wettbewerb erfolgreiche Projekte. Cluster und Graduiertenschulen würden sich teilweise gegenseitig Kandidaten abspenstig machen, heißt es. Der Erfolg sei für manche Unis nachgerade kontraproduktiv: Die Konkurrenz sei so erst auf ihre Forscher aufmerksam geworden.

(…) Auch im Rahmen der neuen W-Besoldung könnten Hochschulen oft keine international wettbewerbsfähigen Gehälter zahlen. Womöglich werde die Exzellenz-Initiative daher nur dazu führen, die besten inländischen Wissenschaftler an wenigen Standorten zu konzentrieren – nicht aber dazu, herausragende Persönlichkeiten aus dem Ausland nach Deutschland zu ziehen, folgern die Autoren.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Na wer hätte das gedacht, der verschärfte Wettbewerb zwischen den Universitäten führt nicht automatisch ins Land von Milch und Honig. Einerseits reichen die Mittel immer noch nicht dazu aus international wirklich zu den Top-Unis aufzuschließen und dazu „Spitzenkräfte“ einkaufen zu können, andererseits konzentrieren sich aber die besten „inländischen Wissenschaftler“ an den wenigen „exzellenten“ Standorten in Deutschland. Was sich über kurz oder lang auch verheerend auf jene Universitäten auswirken dürfte, die den Elite-Status nicht zuerkannt bekommen.

Diese Erkenntnis führt nun aber nicht dazu, dass die Entscheidungsträger den Sinn und Zweck der Exzellenzinitiaive generell hinterfragen und die negativen Auswirkungen dieser Zwei-Klassen-Hochschullandschaft auf das Bildungssystem fokussieren. Wie oben ausgeführt geht man viel mehr dazu über nach altem Muster eine weitere Exzellenzinitiative ins Leben zu rufen, die dann die beschriebenen Probleme sicherlich nur noch weiter verschärfen wird.

Bundesweiter Bildungsstreik im Juni

Januar 20, 2009

Im FSI Blog wurde ein Aufruf des Arbeitskreises Hochschulpolitik der FU (AK HoPo) veröffentlicht, in dem dazu aufgerufen wird sich an den Vorbereitungen für einen Bildungsstreik zu beteiligen, der vermutlich im Juni stattfinden wird.

„[Der Bildunsstreik] soll als bundesweite Aktionswoche mit einheitlichem Demo-Termin und Formen des zivilen Ungehorsams voraussichtlich Mitte Juni stattfinden. Wir möchten Euch herzlich zu einer FU-weiten Koordinierung einladen, um über den Stand der bundesweiten Arbeit zu informieren und Möglichkeiten zu diskutieren, wie wir uns an der FU in den Streik mit einbringen wollen.“ („Bildungsstreik 2009, FSI Blog, 20.01.09)

Damit wird die derzeitige „Mode“ in Sachen Protestformen fortgesetzt: Anstelle eines konkreten Anlasses der das Fass zum Überlaufen bringt und dann eine eher spontane Protestbewegung in Gang setzt, veranstaltet man „Aktionswochen“ mit einem relativ langen organisatorischen Vorlauf und einem relativ weit gefassten Sammelsurium von Problemen gegen die sich die Kritik dann richtet.

Ungeachtet des eher schwachen Feedbacks das die FU-Aktionswoche im letzten Jahr erzeugt hat (siehe „Rückblick auf die Aktionswoche“), will man offenbar an dieser Form der Protestartikulation festhalten – nur diesmal eben gleich bundesweit.

Als positives Beispiel wird der Schülerstreik vom letzten November angeführt, doch auch hier muss man nüchtern bilanzieren, dass sich nicht erkennen lässt, was dieser eigentlich gebracht hat (außer einer Negativpresse wegen einer zerlegten jüdischen Ausstellung). Die SchülerInnen die damals durch die HU tobten saßen einen Tag später schon wieder brav in ihrem Unterricht. Auch in anderen Städten wie Hannover oder Dresden gab es offenbar keine nachhaltigen Ergebnisse dieser bundesweiten Demo.

An der FU scheinen Protestwillige jedoch nach wie vor überzeugt auf diesem Weg Aufmerksamkeit und auch ein Bewusstsein für die Misere in den Bildungs- und Sozialsysteme schaffen zu können. Auf einem ersten Treffen will man daher nun zunächst einmal Grundsätzliches klären:

„Nach einem kurzen Input über den Stand der bundesweiten Planungen wollen wir uns über die Perspektiven und Aktionsmöglichkeiten an der FU austauschen. Mit welchen Problemen an Fachbereichen und Instituten sind wir konfrontiert? Welche Forderungen stellen wir auf? Mit welchen Protest- und Aktionsformen können wir für diese Forderungen politischen Druck entwickeln?“ („Bildungsstreik 2009, FSI Blog, 20.01.09)

Das Treffen findet am kommenden Donnerstag (22.01.) um 14 Uhr im Raum L 113 (Seminnarzentrum) in der Silberlaube statt.

Mehrheit der FU-Studis noch in alten Studiengängen

Januar 19, 2009

Am Rande des Wahlkampfes hat die Initiative „Alte Studiengänge“ in ihrem Blog auch die Studierendenstatisik 2008 der FU online gestellt.

Dass dieses Papier ausgerechnet im Blog der Initiative „Alte Studiengänge“ veröffentlicht wurde kommt sicherlich nicht von ungefähr, denn aus der Statistik geht sehr deutlich hervor, dass viele FU-Studis immer noch in den alten Studiengängen eingeschrieben sind. Die LHG hält dazu fest:

„Das Ergebnis ist im Grunde gar nicht so überraschend, aber wir verdrängen das in unserer täglichen Arbeit schnell, und deshalb geben wir das gerne wieder: Noch immer studiert die Mehrheit der Studierenden an der FU im alten System.“ („Infos: Wahlzeitung und Studierendenstatistik“, LHG Blog, 09.01.09)

Die besagte „Verdrängung“ hat ihre Ursache sicherlich in der starken Fokussierung auf die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge in zahlreichen Diskussionen. Durch die Probleme die der Bologna Prozess mit sich bringt, gerät dann schnell aus dem Blickfeld, dass so viele KommiltitonInnen immer noch in den alten Studiengängen studieren – und es natürlich auch dort Probleme gibt.

Die FSI Wiwiss hält fest, dass ihr Fachbereich – und dies lässt sich auf die meisten anderen FBs der FU sicherlich übertragen – „noch einige Zeit mit den alten Studiengängen leben müssen“ wird („Studierendenzahlen“, FSI Wiwiss Blog, 09.01.09). Wie lange genau, wird sicherlich von FB zu FB unterschiedlich sein, doch ein paar Jahre wird die Umstellung mit hoher Wahrscheinlichkeit noch brauchen.

Allein im Studienfach Politikwissenschaft studieren noch 1073 KommilitonInnen auf Diplom, deutlich weniger sind es beim BA und MA. Dies hat aber sicherlich auch damit zu tun, dass der Diplom-Studiengang bekanntlich „modularisiert“ wurde und mensch sich daher neben dem BA/MA auch weiter für das Diplom immatrikulieren konnte. Auch dieser Zustand findet aber wohl bald sein endgültiges Ende (siehe „Akademischer Senat beerdigt OSI-Diplom“).

Auffällig im Diplom-Studiengang ist die hohe Anzahl von Studierenden mit fortgeschrittener Semesteranzahl. Von 1073 haben 431 bereits 10 oder mehr Semester auf dem Buckel. Auch gegen diese Tendenz des Langzeitstudierens richtete sich bekanntlich die Bologna Reform. Ob das so funktionieren wird, bleibt abzuwarten.

Es sind zwar deutlich weniger BA-Studierende in höheren Semestern, doch erstens beträgt hier die Regelstudienzeit ja auch nur 6 Semester, zweitens existieren die BA-Studiengänge auch noch nicht so lange, dass sich richtig viele LangzeitstudentInnen hätten ansammeln können. Doch insgesamt (FU-weit) befinden sich immerhin auch schon 52 BA-KommilitonInnen zwischen dem 10 und 14 Semester, eineR hat diese Linie sogar schon durchbrochen.

Podiumsdiskussion zu BA/MA auf dem Arbeitsmarkt

Januar 18, 2009

Die DGB Jugend Berlin-Brandenburg veranstaltet am Dienstag (20.01.) von 16 bis 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fiktion und Wirklichkeit – Was sind Bachelor und Master auf dem Arbeitsmarkt wert?“ im Hauptgebäude der HU (Unter den Linden 6), Hörsaal 3038. In der Einladung heißt es:

„Immer mehr Studierende verlassen die Hochschulen mit den neuen Studienabschlüssen. Ist der Arbeitsmarkt auf diese neuen Abschlüsse überhaupt schon richtig vorbereitet? Wie ist das mit Bezahlung, Eingliederung, Weiterbildung und Anerkennung des Abschlusses?

Hat man mit dem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance? Halten die neuen Studiengänge das, was mit ihnen versprochen wurde? Wir diskutieren gemeinsam mit Vertreter/innen der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Hochschulen.“ (Einladung der DGB Jugend Berlin-Brandenburg“)

Auf dem Podium diskutieren: Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, 1. Vizepräsident der Technischen Universität Berlin; Klaus-Dieter Teufel, stellv. Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB); Doro Zinke, stellv. Vorsitzende des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg; Markus Plagmann, Bezirkssekretär für Hochschulpolitik der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen; und Eva Fuchslocher (angefragt), HU-Studierende und Mitinitiatorin der Studierbarkeitsumfrage (siehe „HU-Studierende veröffentlichen Studie zur BA/MA-Einführung“). Durch die Veranstaltung führt Matthias Jähne, Hochschulreferent der GEW Berlin.

Das sieht nach einer interessanten Veranstaltung aus, wer es einrichten kann, sollte am Dienstag sicherlich mal vorbeischauen.

Riedmüller, Rotwein und das „Professorium“

Januar 17, 2009

Im Vorfeld der FU-Wahlen hat der Kommilitone Ralf Hutter, studentischer Vertreter der FSI-Liste im FBR PolSoz, einen Bericht über die letzten Vorkommnisse im Fachbereichsrat verfasst („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Kritik am Führungsstil der derzeitigen PolSoz Dekanin, Prof. Dr. Barbara Riedmüller.

Ralf thematisiert hier unter anderem noch einmal die sehr umstrittene Berufung von Zürcher und Chojnacki (siehe „Berufungsskandal“). Das „verschlankte Berufungsverfahren“ wurde mit einer „Rufabwehr“ begründet. Im Falle Chojnackis lag ein Ruf aus Kiel vor, im Falle von Zürcher angeblich einer der Uni Ottawa, der jedoch bis heute als etwas mysteriös gilt:

„Im Falle Zürcher gaben nämlich die beim Dekanat vorliegenden Dokumente Anlass zu Zweifeln bzgl. der Rechtmäßigkeit der Bewerbung. Die im Präsidialamt gelagerten Dokumente, in diesem Fall vor allem der Ruf der Universität Ottawa, durften gar nicht erst eingesehen werden.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Auch der Brief den Zöllner angesichts der Berufungsskandals verfasst hatte (siehe „Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt“), blieb weitgehend geheim:

„Nicht einsehbar ist auch der Brief des Wissenschaftssenators Zöllner an die Dekanin, mit der er sie dazu aufforderte, die Schaffung der Professuren erneut abstimmen zu lassen (angeblich wegen Formfehlern). Riedmüller las nur ausgewählte Sätze daraus vor. Ihr Amtsführungsstil bewirkte auch in diesem Fall Misstrauen.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Wie berichtet kam es dann nach den Semesterferien zu einer teilweise hitzig geführten Diskussion unmittelbar vor der zweiten Abstimmung („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Im Zuge dieser Debatte (die sich insgesamt über mehr als eine FBR-Sitzung hinzog) wurde nach Angaben Ralfs auch die Dekanin Riedmüller stark kritisiert:

„Bei diesem für das OSI derart wichtigen Thema zeigte sich übrigens mehrere Male in besonderem Ausmaß der autoritäre Stil der Dekanin, die auch eine WiMi und mindestens zwei Profs derart hart ob deren Positionierungen anging, dass einer der letzteren bei seiner zweiten Wortmeldung schon das Wort ‚Dienstaufsichtsbeschwerde‘ in den Mund nahm.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Ralf schneidet in seinem Bericht auch die Auseinandersetzung im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Diskussionsveranstaltung vom 12.12.08 an, die wie berichtet verhindert werden sollte (siehe „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“). Riedmüller die den Raum nicht bewilligen wollte, störte sich offenbar an vermeintlichen NS-Anspielungen auf dem Einladungs-Flyer (siehe dazu den Absatz „Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung“ in „Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), hatte mit dieser Begründung allerdings relativ lange hinter dem Berg gehalten:

„Im Vorfeld hatte es geheißen, es sei eine professorale Kostenstelle als verantwortlich zu benennen, Studis könnten also alleine keinen freien Hörsaal für eine institutsbezogene Veranstaltung bekommen. Kurzfristig wurde dieses Argument dann wieder relativiert, doch einen Tag vor dem Termin sprach Riedmüller doch das Raumverbot aus, und zwar wegen einer vermeintlichen Anspielung auf den Nationalsozialismus auf dem Veranstaltungsplakat.

(…) Nachträglich ließ Riedmüller wissen, sie habe die Plakate schon lange vorher anstößig gefunden, das aber zunächst nicht als Grund für die Ablehnung des Raumantrags genannt. Auch in der FBR-Sitzung zwei Tage vor der Veranstaltung habe sie nicht über selbige reden wollen, obwohl der Termin dort thematisiert wurde.“ („Kampf und Krampf im Fachbereichsrat PolSoz im Herbst und Winter 2008“, FSI Blog, 11.01.09)

Am Ende kommt Ralf dann auf das so genannte „Professorium“ zu sprechen, ein informelles Gremium, bei dem sich eine Gruppe von Professoren „über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich“ berät:

„Die Grundlagen der Politik liegen aber, wie immer, hinter den Kulissen, sprich: außerhalb der Gremien. Das zeigt die Existenz des ‚Professoriums‘, eines unregelmäßigen und informellen Treffens von Profs ‚bei Rotwein‘ (Riedmüller), bei dem über die wirklich wichtigen Fragen vorsorglich beraten wird.“

Erwähnung findet dieses „Professorium“ auch in einem Artikel mit dem Titel „Exzellenter Klüngel SFB 700“ von „Rosa Rot“ veröffentlicht im neuen Papier der SFB-KritikerInnen:

„Am Beispiel des Berufungsskandals Chojnacki/Zürcher ist diese informalisierte Vorgehensweise sehr deutlich zu veranschaulichen. Schon im Vorlauf probierten die VertreterInnen des SFB an unterschiedlichen Stellen im Fachbereich eine Professur auf die Person Zürcher umzuwidmen.

Zunächst die freigewordene Professur am Ethnologie-Institut, was de facto dessen Ende bedeutet hätte. Dies stieß auf heftigen Widerstand bei den EthnologInnen und wurde verhindert.

Daraufhin trafen sich einige ProfessorInnen des OSI informell. Auf die Absprachen dieses Treffens wurde im Nachhinein immer wieder mit ‚Professorium‘ Bezug genommen. Ein Professorium ist jedoch weder im Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) noch sonst in einem Gesetz vorgesehen.

Dann wurde der OSI-Strukturplan, – in dem festgelegt ist, welche Professuren es gibt und über den herkömmlicherweise öffentlich entschieden werden muss –, sowohl im Institutsrat wie im Fachbereichsrat (FBR) in der nichtöffentlichen Sitzung verändert. Unter Ausschluss einer öffentlichen Debatte.

So gelang es aus der Vollprofessur Ideengeschichte die vom SFB gewünschten Professuren für ‚Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung‘ und zusätzlich ‚Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik‘ institutionell einzufädeln.“ („Exzellenter Klüngel SFB 700“, in: „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“, S. 23)

Leider erfährt der/die LeserIn keine weiteren Details über das Wirken dieses „Professoriums“. Hat es tatsächlich wie hier suggeriert wird die Berufung von Zürcher und Chojnacki „beschlossen“ bevor diese in offiziellen Gremien zum Thema wurde? Gab es weitere konkrete Fälle in denen das Professorium getagt hat, z.B. im Vorfeld der Detlef-Hartmann-Veranstaltung? Und welche ProfessorInnen gehören diesem ominösen informellen Gremium überhaupt an? Darüber liegen anscheinend noch keine detaillierten Erkenntnisse vor.

FURIOS Spezial zu FU-Wahlen

Januar 16, 2009

Die FURIOS-Redaktion hat zu den diesjährigen Wahlen an der FU ein „Wahl-Spezial“ ins Netz gestellt. In einem durchaus kritischen Tonfall setzen sich die Autoren in vier Berichten mit dem Wahl-Prozedere auseinander. Darüber hinaus wurde noch ein Blog geführt, in dem hauptsächlich die diversen Plakate analysiert wurden.

Der Ansatz das „Same procedure as every year“ Dogma vielleicht ein wenig zu durchbrechen und zu versuchen einen Vorgang dem nur verhältnismäßig wenig Studierende wirklich Beachtung schenken wieder stärker in den Blickpunkt zu rücken, ist sicherlich recht ehrgeizig. Leider wurde das Wahl-Spezial erst kurz vor der Wahl publiziert, zumindest den Teil mit den Berichten hätte man sicherlich schon eine Woche früher online stellen und dann auch bewerben können.

Zudem gibt es offenbar auch keine Printausgabe, was die Anzahl der Personen die die Berichte noch vor dem Gang zur Wahl (oder „Nicht-Wahl“) zur Kenntnis genommen haben weiterhin geschmälert haben dürfte. Danach wird es erst recht kaum jemand lesen. Dieses „Wahl-Spezial“ droht einfach ein wenig unterzugehen.

Ändern werden diese „Hinweise“ zur Wahl jedenfalls kaum etwas. Die traditionell niedrige Wahlbeteiligung dürfte kaum höher als sonst ausfallen, die AStA-Koalition wird ihre deutliche Mehrheit im StuPa verteidigen und auch sonst bleibt alles beim Alten.

Update 17.01.09

Ein paar kritische Anmerkungen zu diesem FURIOS Spezial finden sich im Blog der FSI Wiwiss.

Neues Papier zur SFB-Kritik

Januar 15, 2009

Wie bereits erwähnt, wird Jan Koehler heute um 18:30 Uhr im Hörsaal A des OEI sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan vorstellen.

Nicht nur der SFB lädt zu dieser Veranstaltung ein, auch die SFB-KritikerInnen mobilisierten gestern noch einmal. So wurden am OSI überall Flyer verteilt, die auf den Vortrag hinwiesen. Der Flyer wurde auch im FSI Blog veröffentlicht.

Besonders interessant ist dabei der Hinweis auf ein Papier, das den SFB auf einer recht breiten Basis kritisiert. So geht es in „Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700“ nicht nur um die Militarisierung, sondern z.B. auch um durch den SFB bedingte FU-interne Auswirkungen. Ein recht ausführliches Dokument, das die Kritik am SFB präzisiert.

Anscheinend ist zur Zeit nicht geplant, die Online-Version des Dokuments auch als Print-Version zu verteilen – zumindest gibt es darauf keinen Hinweis, gestern lag sie nirgends aus. Was eigentlich schade ist, denn trotz des bisweilen sehr kämpferischen Tonfalls zeigt das Papier vielleicht besser als alle vorhergehenden an einigen Stellen auch substanziell, woran sich die SFB-KritikerInnen stören.

Zöllner will GeFoS in Berlin einführen

Januar 14, 2009

Wie der Tagesspiegel heute in zwei leicht unterschiedlichen Artikel-Versionen berichtet (hier und hier), will Berlins Wissenschaftssenator sein bereits aus Rheinland-Pfalz bekanntes „Geld folgt Studierenden“ (GeFoS) Modell auch in Berlin einführen.

In Rheinland-Pfalz erhalten die Hochschulen für ihre Grundausstattung zwar einen fixen Betrag, ein Viertel des Budgets wird jedoch auf Basis der aktuellen Studierendenzahlen zugewiesen. Eine Hochschule die mehr Studierende aufnimmt, erhält auch mehr Geld. Auf diesem Weg sollen den Hochschulen Anreize geschaffen werden, ihre „Kapazitäten voll auszuschöpfen und auszubauen“ („Geld folgt Student“, Tagesspiegel, 14.01.09).

Eine Hochschule die mehr Studierende zulässt, „erhält jene Mittel, die eine andere Hochschule des Landes wegen sinkender Studierendenzahlen einbüßt. Die eine Hochschule kann so neue Mitarbeiterstellen oder gar Professuren schaffen, die andere verliert Personalmittel“ (ebd.). Es geht also darum, den Wettbewerb zwischen den Hochschulen eines Landes zu verschärfen, wer mehr Studierende aufnimmt erhält dann auch mehr Mittel für Lehrpersonal.

Die Berliner Variante dieses Modells ist dem Bericht des Tagesspiegels zufolge sogar noch radikaler: Eine „globale Summe“ für die Grundfinanzierung erhalten die Hochschulen demnach gar nicht mehr, viel mehr kriegen sie das Geld insgesamt nur nach der „genauen Zahl ihrer Studierenden“ (ebd.). Die Hochschul-Führungen stehen diesem Konzept anscheinend skeptisch gegenüber:

„Berlins Hochschulen seien eigentlich voll bis zum Rand, hätten also Anreize für mehr Studierende nicht nötig. Vor allem fürchten die Hochschulen aber um Flexibilität und Autonomie. So würden sie von Zöllners neuem Modell bestraft werden, wenn sie Studienfächer vorhalten, die weniger beliebt bei den Studierenden sind, gleichwohl aber von Bedeutung für das Forschungsprofil, wird argumentiert. Auch würden die Hochschulen dann unter konjunkturabhängigen Schwankungen bei der Nachfrage nach Studienplätzen leiden.“ (ebd.)

Anja Schillhaneck von den Grünen glaubt laut Tagesspiegel, dass Zöllners Modell letztlich daraufhinaus laufe, „die Lehre finanziell von der Forschung trennen“ (ebd.). Dies ermögliche Zöllner dann über die Mittel für die Forschung separat zu verhandeln – um so in die Profilbildung der Unis eingreifen zu können, „vielleicht sogar über eine Kommission der neuen Einstein-Stiftung“ (ebd.). Der Verdacht ist also, dass es Zöllner hier abermals nur wieder darum geht, sein Prestigeprojekt, die Einstein-Stifung, weiter zu stärken.

Weiterhin stellt sich die Frage, inwiefern die Fokussierung dieses Modell nicht dazu beiträgt von der eigentlichen Problematik bei der Verhandlung der neuen Hochschulverträge, den geschätzten zusätzlichen benötigten 200 Millionen jährlich für alle Berliner Hochschulen ab 2010, abzulenken. Zöllner hat zwar versprochen, sich im Senat und im Abgeordnetenhaus dafür einzusetzen, dass diese Mittel bewilligt werden, seine Chance sich in der angespannten finanziellen Lage des Landes Berlin gegen den Finanzsenator Sarrazin durchzusetzen stehen allerdings nicht unbedingt gut. An diesem Grundproblem ändert auch ein Modell wie GeFoS erst einmal nichts.

Googelt man nach „Geld folgt Studierenden“ (GeFoS), so stellt man fest, dass dieses Modell oft als eine Art moderne Wunderwaffe beschrieben wird, die dafür sorgen kann, dass das Ungleichgewicht zwischen Forschung und Lehre aufgehoben wird. GeFoS soll demnach sicherstellen, dass die Hochschulen ihren Schwerpunkt wieder stärker auf die Betreuung der Studierenden setzen. Nur wer sich intensiv um seine Studierenden bemüht, mehr von ihnen aufnimmt und halten kann, kriegt auch mehr finanzielle Mittel.

Angeblich hat dieses Modell in Rheinland-Pfalz z.B. dazu geführt, „dass Fachbereiche angesichts der Anreize durchaus bereit sind, ihren Numerus clausus aufzugeben“ („Geld folgt Student“, Tagesspiegel, 14.01.09). Dennoch ist natürlich fraglich, inwiefern das bei den ohnehin schon völlig überlaufenden Berliner Unis überhaupt greifen kann. So führt TU-Präsident Kutzler laut Tagesspiegel z.B. an, dass diesem Modell allein durch fehlende Räumlichkeiten für mehr Studierende Grenzen gesetzt sein. Dies könnte man allerdings lösen, indem man festlegt, dass für die zusätzlichen Mittel nicht nur mehr Lehrpersonal eingestellt, sondern auch neue Gebäude gebaut werden.

Praxistag Gender- und Diversity-Kompetenz

Januar 13, 2009

Am Freitag kommender Woche (23.01.) findet am Fachbereich PolSoz ab 9 Uhr ein Praxistag „Gender- und Diversity-Kompetenz“ im Hörsaal A der Ihne21 statt. Im Gender und Diversity-Blog heißt es zum Inhalt: „Im Zentrum der Veranstaltung steht der Austausch mit ExpertInnen aus der Praxis zum Thema Gender Mainstreaming und Diversity Management in Betrieben und Organisationen.“

Vortragsthemen sind z.B. „Gender und Diversity in der internationalen Zusammenarbeit und Teamentwicklung“, „Gleichstellung und Gender Mainstreaming in der GTZ. Praktische Erfahrungen aus dem In- und Ausland“ oder „Diversity in Institutionen des öffentlichen Sozialbereichs“. Das komplette Programm kann hier heruntergeladen werden.

Martin Sonneborn an der FU

Januar 12, 2009

Wie die Hochschulgruppe der PARTEI in ihrem Blog berichtet, wird der ehemalige Chefredakteur des Satiremamagzins Titanic und jetzige SPAM-Redakteur, Martin Sonneborn, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der PARTEI der FU einen Besuch abstatten.

Pünktlich zu Begin der StuPa-Wahlen am morgigen 13.01. wird Sonneborn ab 12 Uhr in der Silberlaube, Raum JK 26/201 zusammen mit den KandidatInnen der PARTEI-Hochschulgruppe Fragen von Studierenden zu „Hochschulpolitik und Mauerbau“ beantworten.

Am Mittwoch (14.01.) gibt es darüber hinaus im Raum K 24/21 der Silberlaube um 18 Uhr den Film „Heimatkunde“ zu sehen. Der Film zeigt wie Sonneborn „zu einem 250 km langen Gewaltmarsch rund um die deutsche Hauptstadt aufbricht“, um herauszufinden, „welche Art von Leben sich in der ehemaligen Zone am Rande Berlins entwickelt hat“ (heimatkunde-der-film.de).

FU Wahlen 2009

Januar 11, 2009

In der kommenden Woche finden wie jedes Jahr im Januar Wahlen an der FU statt. Doch dieses Mal kommt eine Menge zusammen: Neben den Gremien der studentischen Selbstverwaltung, also dem Studierendenparlament (StuPa) und den Fachschaftsräten (FSR), werden auch noch die akademischen Gremien gewählt, also Kuratorium, Akademischer Senat (AS) und Fachbereichsräte (FBR).

Zur Wahl der studentischen Gremien hat die Initiative „Alte Studiengänge“ in ihrem Blog die offizielle Wahlzeitung 2009 als pdf veröffentlicht. Hier kann man nachlesen, welche Liste antreten und welche KommilitonInnen auf diesen Listen zur Wahl stehen.

Doch auch die Wahl der akademischen Gremien ist für die Studierenden von Relevanz, sie können hier bestimmen, wer ihre „Interessen gegenüber Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, Sonstigen MitarbeiterInnen und vor allem der professoralen Mehrheit vertreten soll“ (FSI Geschichte). Die zugelassenen Wahlvorschläge kann man hier einsehen, eine Liste der Wahllokale gibt es hier.

Während die studentischen Gremien drei Tage lang, vom 13.01. (Dienstag) bis zum 15.01. (Donnerstag), gewählt werden können, kann man die akademischen Gremien nur am 13.01. (Dienstag) und 14.01. (Mittwoch) wählen. Die Wahl der studentischen Gremien finden getrennt von jener der akademischen Gremien statt, d.h., es gibt an den Wahlorten zwei Wahlvorstände mit ihren jeweiligen Wahlkabinen (FSI Geschichte).

Weitere Berufungskommission benötigt studentische VertreterInnen

Januar 10, 2009

Neben der Berufungskommission für die Juniorprofessur Ideengeschichte wird zur Zeit noch eine weitere Kommission für die Juniorprofessur Europäische Integration zusammengestellt.

Während sich für erstere Kommission schon Studierende organisieren, um potentielle VertreterInnen aus ihren Reihen auszuwählen (siehe „Zwei Veranstaltungen im Roten Café“), fand letztere bisher offenbar zu wenig Beachtung.

In einem über Mailinglisten verteilten studentischen Aufruf heißt es, Prof. Tanja Börzel suche noch „händeringend“ nach zwei studentischen VertreterInnen für die Kommission zur Berufung der Juniorprofessur Europäische Integration. Bisher habe sich anscheinend noch überhaupt keinE studentischeR KandidatIn gefunden.

Die Zusammensetzung der Kommission für die Juniorprofessur Europäische Integration ist sicherlich nicht weniger wichtig, als jene für die Juniorprofessur Ideengeschichte. Interessierte Studierende können sich bei Prof. Börzel melden, wie es in der Rundmail heißt.

Keine externen Zweitgutachter mehr bei Diplomarbeiten am OSI

Januar 9, 2009

Die Kommilitonin Inga Nüthen (FSI OSI) hat in ihrer Eigenschaft als studentische Studienberaterin einen offenen Brief verfasst, in dem sie sich kritisch mit einer Änderung der Regelungen für Zweitgutachten in Diplomarbeitsverfahren am OSI (DPO 2003/06; Änderungsordnung 2007/08) auseinandersetzt.

Die Änderung sieht vor, dass keine externen ZweitgutachterInnen mehr für Diplomarbeiten zugelassen werden. Dies wurde erst beim Anmeldeverfahren für die Diplomprüfung am 5.01. / 06.01.09 bekannt und geht zurück auf ein Schreiben des Rechtsamtes der FU vom 19.12.08. Die Begründung lautet wie folgt:

„Nach Informationen des Prüfungsbüros begründet sich diese Neuerung mit der Tatsache, dass es keine entsprechende Regelung in den Studien- und Prüfungsordnungen für den modularisierten Diplomstudiengang (DPO 2003/2006; Änderungsordnung 2007/08) gäbe und daher die Regelungen der Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) gelten würden, welche die Prüfungsberechtigten auf Institutsangehörige beschränke.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga verweist in ihrem Brief zunächst darauf, dass diese Neuerung viel zu kurzfristig eingeführt wurde und sich die KommilitonInnen darauf nicht vorbereiten konnten (es bestand kein Universitätsbetrieb zwischen dem 19.12. und 05.01), dass es ferner immer Usus war Diplomanden zu einem externen Gutachter zu raten wenn sich dies inhaltlich anbietet und dass es drittens äußerst befremdlich ist, dass solch eine Änderung gerade „in Zeiten zunehmend verkündeter Interdisziplinarität, Internationalität und Flexibilität“ beschlossen wird.

Ferner weist Inga zurecht daraufhin, dass es wegen der „allgemeinen zeitlichen Überlastung“ schwierig ist eineN BetreuerIn zu finden. Dieses Problem dürfte sich jetzt verschärfen, wenn Diplomanden ihren Zweitgutachter nicht mehr extern wählen dürfen. Weiter führt Inga aus:

„Schließlich widerspricht eine solche Regelung dem Anspruch an die Diplomarbeit als einer wissenschaftlich eigenständigen Arbeit. Das selbständige Suchen einer wissenschaftlichen Betreuung wird damit unterbunden und somit ein weiterer Schritt in Richtung einseitigem Schmalspurstudium getan.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Auch auf formalrechtlicher Ebene kann Inga die Argumentation des FU-Rechtsamtes nicht ganz nachvollziehen:

„In den Studien- und Prüfungsordnungen von 2003, 2006 und der Änderungsordnung von 2007/08 werden tatsächlich keine genauen Bestimmungen zur den Prüfungsberechtigten bei einer Diplomprüfung aufgeführt. Sollte nun damit der Fall eintreten, dass die Bestimmungen des BerlHG gelten, dann stützt dies nicht die These der notwendigen Beschränkung auf interne Prüfer_innen.“ (Offener Brief, 07.01.09)

Inga fordert die zuständigen Gremien dazu auf, eine Klärung des Sachverhaltes zu veranlassen und dafür Sorge zu tragen, dass „diese unzumutbare und wissenschaftsfeindliche Neuerung rückgängig“ gemacht wird. Sie schlägt vor, einen Passus in die DPO einzufügen, der die Wahl eines externen Zweitgutachters explizit erlaubt. Für die sich momentan im Diplomprüfungsverfahren befindlichen KommilitonInnen müsse zudem eine Übergangsregelung gefunden werden.

Es bleibt zu hoffen, dass dem Anliegen des offenen Briefes Folge geleistet wird. Tatsächlich ist diese Änderung ein Unding, allgemein aufgrund der aufgezeigten Fragwürdigkeit einer Ausschließung externer Zweitgutachter und im Besonderen durch die Kurzfristigkeit der Einführung der neuen Regelung.

Koehler stellt Studie vor

Januar 8, 2009

Jan Koehler, Mitarbeiter am SFB, stellt am kommenden Donnerstag (15.01.) um 18:30 Uhr sein Working Paper zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan im Hörsaal A des OEI vor.

„Das Papier mit dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordost-Afghanistan‘ untersucht Wirkungszusammenhänge zwischen transnationalen Konstellationen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure und der Erzeugung von Sicherheit und Entwicklung als Governanceleistung in Nordost-Afghanistan.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist dabei die Frage, wie die afghanische Bevölkerung Veränderungen der eigenen Sicherheit sowie lokale Entwicklungsherausforderungen über die letzten Jahre wahrgenommen hat.“ (SFB Ankündigung)

Koehler stand unlängst wegen einer themenverwandten, zusammen mit Prof. Zürcher für das BMVg ausgearbeiteten Studie auf der Diskussionsveranstaltung mit Detlef Hartmann in der Kritik (siehe Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung).

Die Veranstaltung ist sicherlich informativ und einen Besuch wert.

Die vielköpfige Hydra

Januar 7, 2009

Am morgigen Donnerstag (08.01.) stellt der Historiker Marcus Redike das von ihm und seinem Kollegen Peter Linebaugh verfasste Buch „Die vielköpfige Hydra – Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks“ („The Many-Headed Hydra“) an der FU vor. Seinen Vortrag wird Redike um 18 Uhr im JFKI (Lansstr. 7-9), Raum 203 halten.

Auf Deutsch ist das Buch bei Assoziation A im Februar letzten Jahes erschienen. Zum Inhalt heißt es dort:

„In ihrem im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten erschienenen Buch ‚The Many-Headed Hydra‘ stellen die amerikanischen Historiker Peter Linebaugh und Marcus Rediker die Herausbildung des ‚atlantischen Kapitalismus‘ dar. Sie beleuchten die Ursprünge und den atemberaubenden Aufstieg des frühen globalen Kapitalismus im Gebiet des ‚englischsprechenden Atlantiks‘ vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, ohne den die Welt, wie sie heute ist, nicht gedacht werden kann.

Unter Verwendung zahlreicher Primärquellen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Spektrums gelingt es den Autoren, die ‚versteckte Geschichte‘ der atlantischen Kolonisation durch das aufstrebende Britische Empire aus den ‚Fußnoten‘ der Historiographie in den Mittelpunkt ihrer Darstellung zu rücken.

Es ist dies die Geschichte der verarmten Massen, der Seeleute und Sklaven, der Schuldknechte, der einfachen Frauen, der marginalisierten Arbeiter und Bauern und all jener, die auf die sogenannten ‚common rights‘ dringend angewiesen waren (…)“ (Assoziation A)

Die Einladung steht auch im Kontext des Teilpropjekts B3 am SFB („Colonial Governance und Mikrotechniken der Macht: Englische und französische Kolonialbesitzungen in Nordamerika, 1680-1760“), wo man sich mit einer ähnlichen Thematik befasst.

Wer den zweifellos interessanten Vortrag morgen nicht wahrnehmen kann, erhält noch eine weitere Gelegenheit am Freitag (09.01.) um 20 Uhr im Buchladen „Schwarze Risse“ im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a).

Weiterhin können Interessierte an einem Workshop am Freitagvormittag (09.01.) von 10 bis 13 Uhr in der SFB-Dependance in der Binger Str. 40 teilnehmen.

Zwei Veranstaltungen im Roten Café

Januar 6, 2009

Für die Berufungskommission zur Besetzung der Juniorprofessur für Ideengeschichte werden auch die studentischen VertreterInnen in den Gremien bis zum 10.01. ein studentisches Mitglied nominieren. Wer in der OSI-Studierendenschaft darüber mitbestimmen will, wer diese Aufgabe wahrnehmen soll oder sich auch gleich selbst bewerben möchte, sollte sich am morgigen Mittwoch (07.01.) um 18 Uhr im Roten Café einfinden. Die Aufgabe ist sicherlich wichtig, die entsprechende Person sollte gut ausgewählt werden, weshalb Interessierte zahlreich im Roten Café erscheinen sollten.

Am darauffolgenden Donnerstag (08.01.) gibt es dann eine weitere Veranstaltung im Roten Café diesmal um 14 Uhr, bei der sich die Anwesenheit ebenfalls lohnt. Der Einladung ist zu entnehmen, dass hier noch einmal die „Skandale und Skandälchen“ in diesem Wintersemester thematisiert werden sollen.

Konkret geht es um den „Berufungsskandal“, den Kampf um den Erhalt des Diploms, die zunehmende giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten anderer am Institut. Interessierte Studierende sollten ins Rote Café kommen, um dort zu diskutieren was man gegen diese Fehlentwicklungen tun kann.

Update 07.01.09

Wie Dennis bereits in den Kommentaren anmerkte wurde das erstgenannte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission auf Freitag (09.01.) um 16 Uhr verlegt. Ein Raum soll noch organisiert werden, Treffpunkt ist zunächst das Foyer der Ihne 21.

Update 08.01.09

Das besagte Treffen zur Findung eines studentischen Mitglieds für die Berufungskommission findet jetzt im Hörsaal B der Ihne21 statt (09.01., 16 Uhr).

Die FURIOS – Generation Golf Reloaded

Dezember 23, 2008

Nachdem im letzten Semester mein Ansatz die Notwendigkeit eines zusätzlichen, „unabhängigen“ Hochschulmagazins noch vor dessen Erscheinen in Frage zu stellen („Studierende wollen FU-Zeitung rausbringen“), teilweise auf heftige Reaktionen gestoßen war, galt die Kritik unlängst umgekehrt meinem Vorgehen auf das Erscheinen der ersten FURIOIS-Ausgabe auf Uni-Mailinglisten hinzuweisen.

Die FURIOS-Macher würden den Campus ohnehin schon mit Werbung für ihre fragwürdige Publikation zupflastern, da bräuchte es nicht auch noch Hinweise auf Mailinglisten, diese sein für andere, wichtigere, (hochschul)politische Themen gedacht.

Dem lässt sich natürlich entgegnen, dass die FURIOS mit dem Anspruch ein neues, unabhängiges, studentisches Campusmagazin an der FU zu sein natürlich auch eine hochschulpolitische Relevanz hat. Dies bezieht sich nicht einmal zwangsläufig auf den Inhalt, allein das Erscheinen des Magazins als solches und der erwähnte Anspruch der Blattmacher lassen es doch sinnvoll erscheinen, sich die Publikation einmal näher anzusehen.

Wenn man darüber hinaus das Magazin aber auch inhaltlich ablehnt (wie es einige KommilitonInnen schon kurz nach dem Release taten), ist es nur noch umso wichtiger, diese inhaltiche Stoßrichtung auch zu thematisieren und kenntlich zu machen, was genau hier eigentlich so fragwürdig wirkt. Und der erste Schritt in dieser Richtung ist natürlich überhaupt auf das Erscheinen dieser ersten Ausgabe hinzuweisen.

Wie berichtet stand das Heft beim Release leider noch nicht vollständig als PDF zur Verfügung. Hier hat die Redaktion nachgebessert, die erste Ausgabe kann inzwischen auf der Website heruntergeladen werden.

Noch besser wäre wie ausgeführt ein Content Management System, welches dann z.B. auch die Möglichkeit bieten würde jeden Artikel einzeln zu lesen und auch zu kommentieren. So viel Interaktion ist aber offenbar nicht beabsichtigt, die FURIOS versteht sich primär eindeutig als Printmagazin. Ein Ansatz der im Web 2.0 Zeitalter etwas antiquiert wirkt – das lässt sich dann auch nicht durch eine Facebook- und StudiVZ-Präsenz kaschieren.

Pralles Selbstverständnis

In den „Mediadaten“ erfährt man über FURIOS: „Als studentische Zeitschrift einer der größten und impulsivsten Universitäten Deutschlands, in einer Stadt, die an
Tempo und Vielfalt kaum zu überbieten ist, positioniert sich FURIOS als einzigartiges Kommunikationsmittel (…) Hauptzielgruppe: Studenten sind jung, trendbewusst und kaufkräftig. Sie sind zukünftige Fachexperten und setzen neue Maßstäbe.“

Okay, der Ton dient der Gewinnung von Anzeigekunden, über die sich die FURIOS auch finanzieren möchte. Da kann man schon mal etwas dicker auftragen. Doch auch sonst mangelt es den FURIOS-Machern sicherlich nicht an Selbstbewusstsein.

Am liebsten zitieren die FURIOSis ein inzwischen berüchtigten taz-Kommentar von Christian Füller, in dem dieser von „altbackenen AStA-Fritzen“ schwadroniert („Sie haben nichts zu sagen – außer die Vergangenheit anzubeten“) und am Ende fragt: „Wann setzt sich endlich eine Studierendenschaft als politische Kraft an der Uni durch, die wieder etwas zu sagen hat? Die das akademische Leben spannender macht, die interessante Zeitungen herausgibt und nicht bloß rechts (Landowsky, Diepgen) oder links ist (ehemals Rabehl etc.)?“ („Berlin profitiert vom Label Elite“, taz, 04.12.08).

Und das mit der „interessanten Zeitung“ haben die FURIOSis natürlich dankbar aufgegriffen, in der festen Überzeugung, zumindest diesen Bestandteil von Füllers „Forderungskatalog“ erfüllt zu haben. Die zu klärende Grundsatzfrage wäre demnach, ob die FURIOS wirklich so „interessant“ ist, wie ihre Macher offenbar glauben.

Hilfe die Christen kommen

Für den größten Aufschrei unter der linken, politisch-aktiven, asta-nahen Studierendenschaft sorgte nicht mal so sehr der asta-kritische Artikel (wie man vermuten könnte), sondern neben dem Porträt von NofU-Legende Hans Eberhard Zahn besonders der Beitrag über christlich engagierte KommilitonInnen an der FU und wie schwer sie es hier haben.

Beim genaueren Hinsehen wird aber deutlich, dass die Story so provokant nun auch nicht ist. Sie plätschert eher so vor sich hin, man „lernt“ im Wesentlichen: Auch Christen sind nur Menschen und manchmal eben auch noch StudentInnen.

Nur im letzten Absatz wird dann wirklich etwas offensiver gestichelt. Der bekannte, 2007 verstorbene fundamentalistisch-evangelikale Prediger Jerry Falwell findet Erwähnung und ein gewisser Ben schwärmt davon, dass „Dr. Falwell“ ihn und seine christlichen KommilitonInnen an einer evangelikalen US-Uni dazu auffordere „‚Champions for Christ‘ und die besten der Welt in unseren Gebieten zu sein“. Kommentar der FURIOS-Autoren dazu: „Das hat uns dann doch nachdenklich gemacht. Wann hat einem jemand an der FU so viel Selbstbewusstsein mit auf den Weg gegeben?“.

Da bricht dann offenbar der Sarkasmus durch. Natürlich ist es provokant zu suggerieren, ein ultrakonservativer und christfundamentalistischer Prediger würde Studierenden mehr Selbstbewussstsein mit auf den Weg geben, als die „weltliche“ FU Berlin. Aber es ist letztlich eine recht durchsichtige Provokation, die auch nicht wirklich von der inhaltlichen Schwäche des Artikels ablenken kann.

Die zentrale Frage, wie viel Religion es an einer modernen, sich den Idealen der Wissenschaft, Emanzipation, Freiheit und Aufklärung verpflichtet fühlenden Hochschule geben sollte (Warum z.B. keine Gottesdienste?) wird eingangs zwar durchaus angeschnitten, dann aber leider nicht weiter ausgeführt.

Der NofU Messias

Auch fast schon religiös ist offenbar die Bewunderung des FURIOS-Autors und LHG-Mitglieds Björn Stephan für die NofU-Legende Hans-Eberhard Zahn. Björn idealisiert Zahn in seinem Artikel zum letzten aufrechten Demokraten, der selbst als die 68er auf dem Höhepunkt waren und quasi West-Berlin der SED ausliefern wollten, standhaft blieb und seinen Widersachern die Stirn bot.

Erst im letzten Absatz tritt Björn auf die Bremse und verhindert durch einen kritischen Hinweis auf die NofU-Methoden, dass der Beitrag vollends zur einseitgen Geschichtsklitterung mutiert.

Doch die Frage lautet am Ende auch hier ganz nüchtern: Welchen Erkenntnisgewinn bringt der Artikel eigentlich? Die FU hat Kubicki als Vorzeige-Antikommunisten ausgegraben um das Jubiläum zu zelebrieren, die FURIOS nun Zahn. Wirklich neu ist das alles nicht.

Bieder-reaktionäre Ausrichtung

Nein, die FURIOS ist nicht das Anti-AStA-Heft schlechthin, aber eine Negativfixierung auf alles traditionell Linke – bei gleichzeitiger Zelebrierung bürgerlicher Wertvorstellungen – zieht sich schon wie eine Linie durch das Blatt.

Obwohl dem Selbstverständnis nach ein 68er-Sympathisant wurde der Fotograf Axel Benzmann damals als vermeintlicher „Springer Fotograf“ vom Internationalen Vietnam-Kongress ausgeschlossen. Die fiesen 68er bewarfen den guten Zahn auch mit Farbbeuteln und überhaupt, das mit dieser Mao-Bibel war ja wohl rückblickend doch eher ein schlechter Witz.

Klar erscheint vieles was die 68er fabrizierten heute irrsinnig und fatal. Doch warum sich nur auf diese negative Seite konzentrieren?

Statt sich einmal auf diese andere, linke, vermeintlich rein nostalgisch und überholt wirkende Perspektive wirklich einzulassen und zu thematisieren warum sie streckenweise eine langsame Renaissance erlebt, feiert man lieber einen Buchbeitrag des neo- und wertkonservativen Historikers Paul Nolte, fühlt sich in die gutbürgerliche Dahlemer Villenwelt ein, idealisiert Zahns Anti-68er Position und fokussiert sich auf die tendenziell natürlich immer noch eher konservativ christlich-studentische Strömung an der FU.

Diese Mixtur aus 68er-Bashing und neu entdecktem Konservatismus gibt dem Blatt ganz offensichtlich eine politische Leitlinie – obgleich seine Macher das vermutlich verneinen würden.

Ode an die Langeweile

Nun wäre diese politische Leitlinie vielleicht sogar ein Bereicherung (da sie einen Gegenpol zum AStA und seinen Umkreis bildet), wenn die Autoren sie noch klarer und konsequenter verfolgen würden. Doch wie weiter oben im Detail bereits ausgeführt, bleibt die Provokation bei näherer Betrachtung oberflächlich und der inhaltliche Erkenntnisgewinn unterm Strich recht gering.

Einleitend geht es im Magazin um eine ironische Annäherung an den Empörungs-Kult, dem die FU-Studierende gerne anheim fallen. Als Beispiel dient die Krux mit den Schließfächern in der Philologischen Bibliothek. Witzig geschrieben, doch letztlich natürlich völlig trivial. Man hätte alternativ z.B. thematisieren können, wie Studierende bestimmter Fachrichtungen während der Prüfungsphase wegen Überfüllung von der Benutzung der Bibliothek ausgeschlossen wurden. Stattdessen macht man sich in der FURIOS-Redaktion eben lieber über KommilitonInnen lustig, die diese und andere wirkliche Mißstände empörend finden und diese Empörung zum Ausdruck bringen. Über diese Arroganz kann man sich ärgern, doch das wirkliche Problem ist eher die dahinter liegende Inhaltsleere.

Dann lernt die Leserschaft, wer bei der BVG die Person hinter der Stimme ist und dass es an der FU mehr als ein Archiv gibt. Ein weiterer Autor schreibt über die Universität Haifa, doch auch hier erfährt der/die LeserIn nichts wirklich Erhellendes. Usw., usf. Wo die Fähigkeit (oder der Wille) zur Provokation schwindet, gleitet das Magazin endgültig in die Belanglosigkeit ab.

Finanzierung

Nach Informationen von FUwatch haben FURIOSis sowohl den AStA als auch das Präsidium mit einer Bitte um finanzielle Unterstützung kontaktiert. Sei es, dass die Gespräche scheiterten bzw. wenig Erfolgsaussichten zu annehmbaren Bedingungen hatten und/oder sich die FURIOS-Redaktion bei beiden Varianten ohnehin nicht so wohl fühlte – am Ende entschied man sich auf jeden Fall für einen dritten Weg, bei dem die „Ernst-Reuter-Gesellschaft der Ehemaligen der Freien Universität“ (ERG) den Großteil der Finanzierung übernahm und der Rest durch Werbepartner beigesteuert wurde.

Die ERG fühlt sich der FU sehr eng verbunden, sie ist die offizielle Alumni-Organisation der FU mit einer Postanschrift in der Kaiserswerther Straße und einem Büro in der Habelschwerdter Allee. Sie ist ein Teil der „FU-Maschinerie“ und gleich der FU-Administration um eine positive Auswirkung der FU bemüht. So etwas wie eine kritische Distanz zur FU-Hochschulpolitik ist jedenfalls nicht erkennbar.

Und wenn in der FURIOS nun eine Story über den FU-Alumni Zahn erscheint, die von der Stoßrichtung sehr an die offizielle FU-Geschichtsschreibung erinnert (d.h., 48 gut, 68 nicht so gut), wirkt das natürlich etwas unglücklich. Man hätte dem Porträt von Zahn zumindest das eines weiteren Alumni aus der 68er-Generation gegenüberstellen können.

Unterm Strich ist die „ERG-Lösung“ aber natürlich dennoch besser, als eine Variante bei der die finanziellen Mittel direkt vom Präsidium gekommen wären. So lässt sich vielleicht doch leichter eine Unabhängigkeit nicht nur gegenüber dem AStA sondern auch gegenüber dem Präsidum sicherstellen.

Ideal wäre sicherlich eine Finanzierung allein durch Werbepartner (vorausgesetzt, es gibt etliche und nicht einen zentralen von dem man dann abhängt). Dies war ganz offensichtlich (noch) nicht zu schaffen – ohne einen Geldgeber wie die ERG ging es nicht. Zu hoffen bleibt aber, dass sich das in Zukunft ändert. Alternativ könnte man vielleicht die Produktionskosten senken (das Magazin muss allein wegen der Papierbeschaffenheit, dem Hochglanz, etc. ein kleines Vermögen in der Herstellung gekostet haben).

Fazit

Mit diese ersten Ausgabe haben die FURIOS-Autoren ein modernes Hochglanz-Campusmagazin kreiert, sprachlich und vom Layout her sicherlich ausgereifter als alles was der AStA oder ein FU-Blog (inkl. diesem hier) je produziert hat. Ferner haben einige Artikel kurzfristig für Aufregung unter StudentInnen, besonders unter den linken, asta-nahen, gesorgt. Ob dieser „PR-Coup“ zur Erregung von Aufmerksamkeit im Detail wirklich so geplant war, lässt sich schwer beurteilen, ein Erfolg war er jedoch in jedem Fall.

Doch jenseits der ein oder anderen provokanten Artikel-Trimmung, wirkt die FURIOS merkwürdig bieder und – noch fataler – auch ziemlich fade und inhaltsleer. Der Erkenntnisgewinn ist bei den meisten Artikeln gering bis nicht vorhanden. Im letzten Semester fand in einem Kommentar noch die „Freitag“ als Beispiel Erwähnung (wenn auch nicht dezidiert als Vorbild für die FURIOS, sondern als vermeintlich ausgewogene, politische Publikation), die FURIOS geht jedoch wie damals schon von mir befürchtet eher in Richtung „Monopol“.

Obwohl weder die Redakteure noch die Leserschaft der so genannten „Generation Golf“ angehören, liest sich die FURIOS letztlich genau so. Man begreift sich nicht als primär politische Blatt, oder will gar – Gott bewahre – zur Politisierung von irgendwem beitragen. Und geht es doch mal um Politik, dann ist der Tonfall eben eher konservativ, manchmal auch sarkastisch; eine Abgrenzung von den 68ern ist in jedem Fall en vogue.

Primäres Ziel ist aber offenbar, dass das Magazin unterhaltsam sein soll – auf keinen Fall möchte man riskieren, dass die Artikel durch eine inhaltliche Überladung irgendwie verkrampft wirken könnten. Alles muss locker, flockig und am Ende eben auch glatt sein.

Angesprochen werden sollen offensichtlich KommilitonInnen, die sich mit Hochschulpolitik gar nicht näher auseinander setzen wollen, die bei allen Schwächen ihre FU eigentlich ganz gerne haben, mit ihrem Studium unterm Strich zufrieden sind und bei der Idee sich z.B. mit der neusten Bachelorumfrage (oder den Demokratisierungsideen innerhalb der FU während der 60er) auseinanderzusetzen wohl eher nur genervt mit den Augen rollen. Schöngeister also, die nie die wirklich häßliche Seite der FU mit ihrer antidemokratischen Führungsspitze zu gesicht bekommen haben oder diese einfach konsequent ausblenden.

Anders als man bei der LHG glaubt, impliziert die Ansicht, dass dieses „Projekt“ überflüssig ist noch lange nicht eine Verneinung der „Pressefreiheit“. Es ist nur einfach bedauerlich, dass es offenbar an der Einsicht mangelt, dass die gegenwärtige Situation an der FU wenn dann ein Blatt bräuchte, das mehr und nicht weniger politisch ist, das deutlich mehr auf Substanz setzt.

Festzuhalten bleibt, dass man trotz der vermeintlichen und viel beschworenen Einseitigkeit von AStA-Publikationen in „FU60: Gegendarstellungen“ zumindest inhaltlich deutlich mehr über Geschichte und Gegenwart der FU erfährt, als in dieser FURIOS-Ausgabe, die sich ja auch dem FU-Jubiläum als Schwerpunkt widmet.

Zu hoffen bleibt, dass sich die FURIOS in künftigen Ausgaben wirklich drängenden hochschulpolitischen Themen widmet: Ein Rückblick auf den alternative Bildungsgipfel, die Bachelorumfrage, die Hochschulverträge, die SFB-Kritik, die Einstein Stiftung, etc. Es gibt so viele interessante und wichtige Themen, die ja keineswegs nur für eine Minderheit an der FU relevant sind. Anfangen könnte man z.B. mit einer kritischen Betrachtung der FU-Führung, die über zusammengebastelte Lenzen-Interviews und Kärcher-Metaphern hinausgeht.

Dass das eintritt ist aber wohl leider eher unwahrscheinlich, es entspricht augenscheinlich nicht dem Selbstverständnis der FURIOS. Selbst wenn es zu einem der genannten Punkte eine Analyse gibt, bleibt auch diese vermutlich an der Oberfläche um „lesbarer“ zu sein.

Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Dezember 21, 2008

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.