Zur siebten Ausgabe der OSI-Zeitung

Wie berichtet erschien unlängst die siebte Ausgabe der OSI-Zeitung. Hatte es 2006 und 2007 noch jeweils im Dezember eine OZ gegeben, so ließ sich die Redaktion dieses Mal bis Februar Zeit. Damit gab es im ganzen vergangenen Jahr nur eine Ausgabe im Juli. Ähnlich wie die ersten Ausgaben hat die aktuelle zudem auch wieder nur 16 Seiten (statt 20 wie bei den letzten).

Das Titelthema der siebten OSI-Zeitung ist natürlich der in diesem Semester stark eskalierte Konflikt um die Forschung am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700). Marcel Heberlein lässt hier im Hauptartikel beide Seiten zu Wort kommen (Risse für den SFB, Sarah für die KritikerInnen), wodurch ihm eine recht ausgewogene Darstellung der beiden Positionen gelingt. In einem ergänzenden Kommentar macht er dann aber keinen Hehl daraus, dass er für die Art und Weise wie die SFB-KritikerInnen ihre Kritik postulieren nicht viel übrig hat. Fraglich ist jedoch, ob die Analyse der KritikerInnen wirklich so unterkomplex ist wie Marcel glaubt.

Wie andere auch die Kritik an der SFB-Kritik äußern, tendiert Marcel dazu die KritikerInnen zu sehr auf ihre kämpferische Rhetorik zu reduzieren ohne sich mit der dahinterstehenden, durchaus vorhandenen Kritik wirklich auseinanderzusetzen. Richtig ist aber zunächst sicherlich die These, dass die KritikerInnen sich mit diesen bisweilen schrillen Kampfparolen keinen Gefallen tun. Für die Gegenseite ist es dann ein leichtes sich an solchen Provokationen hochzuziehen anstatt inhaltlich auf die Kritik einzugehen.

Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn z.B. der Neokolonialismus-Vorwurf von der OZ ausführlicher beschrieben worden wäre. Dieser reduziert sich eben keinewegs darauf, dass „ein weißer Mann vor einem weißen Publikum über andere Weltregionen richtet“. Sarah mag das gegenüber Marcel vielleicht so angeführt haben, nur dahinter steht natürlich mehr wie man z.B. in Hartmanns „SFB 700 – ein neokoloniales Projekt? Aufriss einer historischen Verortung“ nachlesen kann.

Dass das was die SFB-KritikerInnen vorbringen keineswegs einfach nur eine wilde Verschwörungstheorie ist kann man aber wie unlängst bereits betont z.B. auch in den Ausführungen des Kommilitonen Ralf Hutter nachlesen („SFB 700 – ein Tiefpunkt ist erreicht“). Ralf hat sich die Mühe gemacht die umstrittenen Papiere von Koehler (und Zürcher) mal etwas detaillierter zu analysieren. Darüber hinaus dokumentiert er aber auch das Verhalten der SFB-Protagonisten und wie schwer sie sich damit tun auf kritische Nachfragen einzugehen.

So könnte ja theoretisch auch die OZ-Redaktion vorgehen: Sich inhaltlich mit den strittigen Papieren auseinandersetzen, ob nun vom SFB oder z.B. auf der Gegenseite von Detlef Hartmann, die Standpunkte der Autoren etwas detaillierter darstellen und dann deutlich machen, wo diese Standpunkte Schwächen haben und wo sie stimmig wirken. Die Frage ist natürlich, ob eine solche Analyse den Rahmen einer Publikation wie der OZ sprengen würde. Sicherlich wäre das dann ein etwas längerer Artikel oder gleich mehrere Artikel die sich verschiedenen Teilaspekten widmen, theoretisch machbar wäre es aber sicherlich.

Um den zweiten zentralen Aspekt, den Berufungsskandal im Fall Chojnacki/Zürcher, geht es dann im nächsten Artikel von Max Czollek. Wobei Max sich besonders auf den Kampf um den Erhalt der Professur Ideengeschichte konzentriert, die bekanntlich wegen der Berufung Chojnackis und Zürchers auf eine Juniorprofessur Ideengeschichte reduziert wurde. Bei seinem Engagement kam sich Max (und sicherlich nicht nur er) streckenweise wie ein Hamster im Laufrad vor. Auf einmal – als habe es nie wirklich einen Konfliktgrund gegeben – kommt der Vorschlag auf, die neue Juniorprofessur mit Tenure Track auszustatten, womit es eine reale Chance gibt, dass aus der Juniorprofessur nach ihrem Auslaufen eine Vollprofessur wird. Wirklich sicher ist das aber nicht, auch nicht, ob das alles auch ohne den hartnäckigen studentischen Widerstand so gekommen wäre. Ganz so sinnlos war der Einsatz für den Erhalt der Professur vielleicht doch nicht.

Was im Artikel fehlt (bzw. in einem weiteren zu leisten gewesen wäre) ist eine etwas breitere Darstellung der Abläufe um die Berufungen von Chojnacki und Zürcher, die von Max nur angeschnitten werden. Er verweist zwar darauf, dass das Thema schon in der letzten OZ-Ausgabe ausführlich behandelt wurde. Nur das war im Juli, danach kamen die Semesterferien und der Skandal bekam noch einmal eine ganz neue Dimension, die bekanntlich soweit reichte, dass sogar Zöllner sich in dem Konflikt zu Wort meldete. Zumindest eine etwas ausführlichere Darstellung der Abläufe in der legendären FBR-Sitzung in der es dann nach den Ferien die Kampfabstimmung gab, wäre sicherlich ganz gut gewesen, um der bis dato weniger informierten Leserschaft vor Augen zu führen, wie knapp die Sache war und wie brachial sie ursprünglich durchgepeitscht werden sollte. Welche Professoren stimmten wie ab, welche Vorwürfe wurden geäußert, usw.

Der Artikel der in dieser OZ-Ausgabe die meisten bisher noch weitgehend unbekannten (nicht diskutierten) Informationen zu tage fördert ist sicherlich jener von Christa Roth, die die de facto Abwicklung der Politischen Erwachsenenbildung dokumentiert. Einem Sachverhalt dem man von studentischer Seite bisher sicherlich nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Erzählt wird, wie Prof. Zeuner versuchte sein „Lebenswerk“ zu retten und dabei doch chancenlos blieb. Nebenher erfährt der/die LeserIn wie sich das OSI eigentlich finanziert und wo das Modell hakt.

Richard Oelmann beschreibt in „Ministry of Love“ die Diskrepanz zwischen der Wohlfühl-PR die von der Kommunikations- und Informationsstelle der FU ausgeht und der oftmals deutlich bitteren studentischen Realität. Etwas anders sieht das sein Kollege Gerrit Horak, der findet es gibt noch genügend Gründe das Lachen an der FU nicht zu verlieren und appelliert an alle Beteiligten die Sache vielleicht nicht ganz so verbissen zu sehen.

Einmal mehr fällt hier auf, dass Gerrit bestimmte Erfahrungswerte zu fehlen scheinen. Etwa jene von Stefan Hernádi, der in seinem Artikel beschreibt was für Konsequenzen es für protestierende KommilitonInnen hat, wenn der FU-Präsident sein Hausrecht mittels eines unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes durchsetzen lässt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Gerrit diese oder ähnliche Erfahrungen an der FU selbst gemacht hat, denn ansonsten fiele es ihm sicherlich leichter nachzuvollziehen, warum einige seiner KommilitonInnen sich so schwer damit tun all den Mist der zur Zeit an der FU (oder dem OSI) läuft gelassener zu sehen bzw. zumindest einen anderen, gemäßigteren Tonfall zu finden. Er stellt zwar fest, dass das sehr vergiftete Klima am Institut von unterschiedlichen Seiten produziert wird, unternimmt darüber hinaus aber auch keinen ernsthaften Versuch zu ergründen, wie es eigentlich dazu kommen konnte.

Insgesamt ist diese OZ-Ausgabe jedoch gewohnt gelungen, sie bietet dem hochschulpolitisch immer gut infomierten Studierenden vielleicht nicht so sonderlich viel Neues, doch kann dieser auch nicht zum Maßstab genommen werden. Denn viele KommilitonInnen sind was die Hochschulpolitik an ihrer Uni / ihrem Institut angeht vielleicht nicht immer ganz so auf dem Laufenden. Dennoch wäre es wie oben ausgeführt wünschenswert gewesen, wenn man einige Vorgänge, besonders rund um den SFB-Komplex, noch etwas ausführlicher beschrieben hätte.

16 Antworten to “Zur siebten Ausgabe der OSI-Zeitung”

  1. Gerrit Says:

    einmal mehr fällt das auf? Na sowas, mir ist das noch nie gesagt worden. Vielleicht liegt das daran, daß mir diese Erfahrungswerte vielleicht gar nicht fehlen. Ich darf darauf hinweisen, daß Polizei, Sicherheitsdienst der FU und ich ebenfalls während Demos intimere Bekanntschaften gemacht haben, als mir lieb war. Man mag es nicht vermuten, aber zuweilen schlage ich mich auf eine explizite Seite. Ob mich das qualifiziert, solche Artikel zu schreiben? Man mag darüber streiten. Sind verwöhnte, mit Frieden und einer Mensa ausgestattete zentraleuropäische Studis dazu qualifiziert, sich über Kriegsforschung in Afghanistan auszulassen? Ich weiß es nicht ganz, was meinst Du? Ich sehe den Mist an der FU mittlerweile seit einigen Jahren mit an, ich habe gegen ihn agiert, besetzt, gestritten, geschrieben und in Lautsprecher gebrüllt. Dennoch kann ich mich am Ende meines Studiums hinstellen und sagen: Tja, da sind unterschiedliche Auffassungen von Recht, Richtig und Notwendigkeit aufeinander geprallt und haben sich nicht verstanden. Das macht keine Seite zu bösen Monstern und das sollte niemanden zu solch absurden und bösartigen Äußerungen verleiten. Aber das scheint Grundbedingung des Diskurses am Institut zu sein, Menschen moralisch abzuwerten, um den eigenen Standpunkt zu überhöhen.

  2. fsiosi Says:

    „…dieser Woche gibt es die siebte Ausgabe der OSI-Zeitung…“

    http://fsiosi.blogsport.de/2009/02/10/neue-osi-zeitung-erschienen/

  3. Marcel Says:

    Was die fehlende inhaltliche Auseinandersetzung mit der SFB-Kritik angeht: Ich fand es durchaus schwierig, aus dem Wust an Anschuldigungen zentrale Argumente herauszufiltern. Die Aufgabe des OZ-Artikels schien es mir zu sein, die grundlegenden Positionen darzustellen und den LeserInnen die Möglichkeit zur Einschätzung zu überlassen. Gerade denjenigen, die sich bis zum heutigen Tag fragen, was es mit diesem Protest eigentlich auf sich hat, der in seiner Form von Anfang an die ganz großen Geschütze aufgefahren hat. Aber ich stimme zu: Es gibt einige Kritikpunkte, die durchaus wichtig und richtig sind und die nicht im Artikel auftauchen. Sollte der Protest sich verstetigen und auch häufiger auf Schriften abseits der Studie von Jan Köhler Bezug nehmen, werden wir in der nächsten Ausgabe gern darüber berichten.

    Abgesehen davon: Detlef Hartmann zum zentralen Vordenker des Protests zu machen, halte ich für absoluten Käse und ein Armutszeugnis der bisherigen Kritik. Sein Vortrag am OSI war, auch für die meisten anwesenden Studierenden, eine Zumutung. Was er an Strukturiertheit, inhalticher Tiefe und Redewandtheit nicht leisten konnte, versuchte Hartmann durch diffamierende Äußerungen (es lebe der Nazi-Vergleich) auszugleichen. Auch die Thesen in seinen Schriften halte ich persönlich, andere mögen das anders sehen, nicht für stichhaltig. Hartmann zieht bspw. Verbindungen von der Zusammenarbeit von Militär und Wissenschaft in den USA zur Situation in Deutschland, die schlicht jeder Grundlage entbehren (auch wenn seine Angst vielleicht verständlich ist). In seinen Darstellungen kommt er schnell vom eigentlichen Thema ab und schmeißt mit Wissenfragmenten um sich. Ihm im Artikel mehr Platz einzuräumen, hätte den Protest aus meiner Sicht eher lächerlich gemacht.

    Zu Ralf Hutter und seiner Kritik am Vorgehen bei der Diskussionsveranstaltung von Jan Köhler: Ich war selbst anwesend. Ich konnte keine Verhinderung von Kritik erkennen. Ich glaube auch die Mehrheit der Anwesenden würde dem zustimmen. Ralf hatte mehrmals die Gelegenheit Fragen zu stellen. Beim 3. oder 4. Mal wurden andere FragestellerInnen bevorzugt, die bis dahin noch nicht gesprochen hatten. Deshalb vom Ausweichen kritischer Fragen zu sprechen, finde ich gelinde gesagt unbegründet. Die Art der Fragen von Ralf oder auch Sarah Walz hatten teilweise deutlich unterstellenden bis verletzenden Charakter (sinngemäß und leicht überspitzt: „Wie kam es dazu, dass sie zu einem solchen neokolonialen Schwein geworden sind?“). Darauf keine locker-charmante Antwort zu bekommen und zum Weiterfragen oder einem Bier eingeladen zu werden, scheint mir irgendwie nachvollziehbar.

    Die Stimmung bei der Veranstaltung war sicherlich nicht losgelöst und fröhlich. Dazu war im Vorfeld aber auch zu viel Pulverdampf in der Luft. Manche Mitglieder des SFB haben sicherlich nicht zur Entspannung bei der Veranstaltung beigetragen, reagierten oft gereizt, gerade bei Fragen von Studierenden. Es lag eine Art Generalverdacht in der Luft nach dem Motto: Ihr gehört doch bestimmt auch zu diesen radikalen SFB-Gegnern, oder? Manche Antworten von Jan Köhler oder Michael Daxner wirkten auf mich zudem von oben herab. Eine gewisse Dünnhäutigkeit erklärt sich aber meines Erachtens nach auch mit den persönlichen Angriffen im Vorfeld.

  4. cjs Says:

    Lieber Marcel, vielen Dank für den treffenden Kommentar, ich kann Dir in allen Punkten nur zustimmen, auch was die Dünnhäutigkeit der SFB Mitarbeiterinnen angeht.

    Was mir zu Detlef Hartmann einfällt hab ich in diesem Blog schon mal an anderer Stelle in einem Kommentar gepostet (https://fuwatch.wordpress.com/2008/12/04/diskussionsveranstaltung-zum-sfb-700/).

    Der hier verlinkt Text ist ähnlich konfus und boshaft. Diese Einschätzung möchte ich an einem Punkt verdeutlichen, der mir exemplarisch für das Niveau von Hartmanns Kritik scheint. Hartmann schreibt: „Man wird sicher nicht sagen können, dass jede(r) im SFB 700 sich mit Koehler, v. Trotha,
    van Creveld oder gar Ludendorff identifiziert. Indes, das ist in den hegemonialen
    Profilen energetischer Cluster auch nicht erwartbar. Die Richtung bestimmt, wer sich
    an die Spitze setzt und Koehler operiert mit Zürcher und anderen Mitstreitern im
    anthropologischen und zugleich militärischen Feld an der Front und behauptet schon
    dadurch eine hegemoniale Position.“ (S.9).

    Damit ist eine hübsche Assoziationskette hergestellt, von dem SFB-Mitarbeiter Jan Koehler zu dem „Hitler-Kumpan General Ludendorff“ (S.8). Wie macht Hartmann das? Ganz einfach: Koehler zitiert Trutz v. Trotha (im übrigen an einer Stelle wo es um den Eurozentrismus von Statebuilding Unterfangen geht und somit in keiner Verbindung zu den Textstellen steht die Hartmann aus dem Werk der anderen Autoren zitiert). Trutz von Trotha zitiert in einem anderen Zusammenhang einen gewissen Herrn van Crefeld, dieser, es läßt sich jetzt leicht erraten, erwähnt Ludendorff in einem Text (der wie gesagt in keinem Zusammenhang zu Köhlers Text steht). Damit hat Herr Hartmann eine schöne Ansammlung suspekter Figuren von Jan Koehler zu Adolf Hitler, der geneigt Leser weiß wie er diese Information zu verarbeiten hat, am SFB sitzen die Mengeles von heute (hat ja am OSI ganz gut geklappt, vgl. den „Flyerskandal“.)

    Niklas, hältst Du eine solche „Argumentation“ wirklich für überzeugend? ich bin ehrlich gesagt etwas erschüttert welcher Blödsinn hier akzeptiert wird, weil er irgendwie aus der richtigen Richtung zu stammen scheint.

  5. Niklas Says:

    @cjs:

    || Niklas, hältst Du eine solche „Argumentation“
    || wirklich für überzeugend? ich bin ehrlich
    || gesagt etwas erschüttert welcher Blödsinn
    || hier akzeptiert wird, weil er irgendwie
    || aus der richtigen Richtung zu stammen scheint.

    Es geht zunächst mal nicht darum, ob die Argumentation überzeugend ist, sondern dass sie von einer Person vorgebracht wird, die aus Sicht der SFB-KritikerInnen dazu befähigt ist. Ob man das gut findet oder nicht: Sie haben nun mal Detlef Hartmann zum zentralen „Sprachrohr“ ihrer Bewegung „erkoren“. Und wenn man ihnen eine oberflächliche, „lächerliche“ Analyse vorwirft, dann sollte man dies sicherlich nicht nur aber auch anhand der Ausführungen von Hartmann aufzeigen. Allerdings eben nicht nur exemplarisch wie du das hier machst, sondern systematisch.

    Dies kann wenn nicht die OZ, so z.B. auch der SFB bzw. einige seiner MitarbeiterInnen leisten. Klar besteht dann aus deren Blickwinkel die Gefahr, dass sie Hartmann unnötig aufwerten. Ich glaube dennoch, dass sie ihre Position deutlich stärken könnten, wenn sich mal jemand aus ihren Reihen etwas ausführlicher mit Hartmanns Texten auseinandersetzt und eine entsprechende Replik verfasst.

    Eine Kritik die sich dagegen nur an einigen, provokativen Assoziationsketten (die sicherlich nicht den Kern von Hartmanns Ansatz bilden) abarbeitet, greift zu kurz und wird an den SFB-KritikerInnen einfach abprallen. Der Versuch eine systematischere Kritik an Hartmann einfach wegzuwischen, wäre demgegenüber für sie schon deutlich schwieriger.

  6. Niklas Says:

    @Marcel:

    || Die Aufgabe des OZ-Artikels schien es mir zu
    || sein, die grundlegenden Positionen darzustellen
    || und den LeserInnen die Möglichkeit zur Einschätzung
    || zu überlassen.

    Doch wie sollen die LeserInnen das schaffen, wenn du nicht auch versuchst die Texte von Hartmann, Hutter und Co. inhaltlich wiederzugeben? Ganz so wirr wie am Anfang ist das alles inzwischen auch nicht mehr. Die KritikerInnen haben inzwischen etliche Artikel verfasst, die man sich vornehmen kann, um die Kritik der SFB-Kritik auch daran festzumachen.

    || Abgesehen davon: Detlef Hartmann zum zentralen
    || Vordenker des Protests zu machen, halte ich
    || für absoluten Käse und ein Armutszeugnis der
    || bisherigen Kritik. Sein Vortrag am OSI war,
    || auch für die meisten anwesenden Studierenden,
    || eine Zumutung.

    Wie ich oben schon in meiner Antwort an cjs schrieb: Ob es nun „Käse“ ist oder nicht, die SFB-KritikerInnen haben Hartmann nun mal zu ihrer „Gallionsfigur“ gemacht. Seine Texte tauchen überall auf und es kommen immer wieder neue hinzu. Eine Kritik der SFB-Kritik kommt daher ohne ein systematisches Auseinanderpflücken seiner Beiträge nicht mehr aus.

    Zumindest sollte man doch, wenn man den SFB-KritikerInnen ein nun recht oberflächliches Analyseverständnis unterstellt es dann doch wenigstens selber besser machen und sich ihre Schriftstücke einmal genauer ansehen, um dann vielleicht etwas detaillierter deutlich zu machen, warum das alles angeblich nicht hinhaut.

    || Ralf hatte mehrmals die Gelegenheit Fragen
    || zu stellen. Beim 3. oder 4. Mal wurden andere
    || FragestellerInnen bevorzugt, die bis dahin
    || noch nicht gesprochen hatten. Deshalb vom
    || Ausweichen kritischer Fragen zu sprechen,
    || finde ich gelinde gesagt unbegründet.

    Es geht doch nicht nur darum, wie oft er eine Frage vorbringen konnte, sondern auch wie auf die Fragen geantwortet wurde. So wie Ralf es beschreibt, haben Koehler und Daxner ja keine adäquaten Antworten gegeben, sind den interessanteren Fragen ausgewichen.

    Davon mal ganz abgesehen hat Ralf sich aber ja auch inhaltlich mit den beiden Studien auseinandergesetzt und recht genau beschrieben, wo er Probleme sieht. Und das hätte dann eben m.E. durchaus in deinen Artikel oder einen weiteren einfließen können. Denn wenn Koehler darauf beharrt, dass die BMVg-Studie mit der anderen bzw. mit dem SFB nichs zu tun hat, dann ist es doch naheliegend sich anzusehen, ob und wenn ja wo es in beiden Studien Schnittmengen gibt – was Ralf dann ja auch getan hat.

  7. Niklas Says:

    @Gerrit:

    || Ich sehe den Mist an der FU mittlerweile seit
    || einigen Jahren mit an, ich habe gegen ihn
    || agiert, besetzt, gestritten, geschrieben und
    || in Lautsprecher gebrüllt. Dennoch kann ich
    || mich am Ende meines Studiums hinstellen und
    || sagen: Tja, da sind unterschiedliche Auffas-
    || sungen von Recht, Richtig und Notwendigkeit
    || aufeinander geprallt und haben sich nicht
    || verstanden.

    Dann bist du im Gegensatz zu anderen die sich aufgrund ihrer Erfahrungen eher radikalisiert haben zweifellos erstaunlich distanziert geblieben. Du selbst stellst fest, dass die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Lagern am OSI zwar schon immer ruppig waren, dass das Klima aber noch nie so vergiftet wie jetzt gewesen zu sein scheint. Die eigentlich interessante Frage ist daher: Wieso eigentlich?

    Meine These ist, dass die Erfahrung dass konsensuell zunehmend weniger zu erreichen ist, die Partizipation von Studierenden und auch von vielen Dozierenden an hochschulpolitischen Entscheidungsprozessen in den letzten Jahren immer stärker auf eine Alibi-Funktion reduziert wurde, dazu führte, dass der Tonfall zwischen den Beteiligten immer konfrontativer wurde.

    Was hat es z.B. gebracht, dass sich während der Scharenberg-Affäre alle Akteure zu einer Diskussionsverstanstaltung zusammengefunden haben um sich dort auszutauschen? Was ist bei den von dir als positives, konstruktives Beispiel angeführten beiden Institutstagen 2006 im Rückblick eigentlich ganz konkret an Verbesserungsvorschlägen umgesetzt worden, an Projekten übriggeblieben (von der OZ mal abgesehen)? Nicht viel.

    Dies bedeutet nun im Umkehrschluss natürlich nicht zwangsläufig, dass sich konfrontativ mehr erreichen ließe. Mir geht es zunächst nur darum nachzuvollziehen, wie es zu dieser „Kehrtwende“ im Verhalten der Akteure kommen konnte, darum ein „psychologisches Erklärungsmuster“ für die von dir beschriebene Veränderung oder Zuspitzung der Lage zu finden.

    Neben der Erfahrung konsensuell zunehmend weniger erreichen zu können, kommen natürlich andere Faktoren hinzu. Bei dem jetzt im Kontext des SFB diskutierten Afghanistan-Einsatz zum Beispiel der Umstand, dass es ja leztlich und ohne Übertreibung tatsächlich um eine Frage von Leben oder Tod geht; es sterben Menschen im Zuge dieser Auseinandersetzung. Auch solche Faktoren führen sicherlich dazu, dass einige Beteiligte recht schrille Töne anschlagen.

    Sicherlich sind noch ganz andere Gründe für den barschen Umgangston am OSI denkbar und ich hätte deinen Artikel gehaltvoller gefunden, wenn er dazu ein paar Gedanken enthalten hätte.

  8. Mathias Bartelt Says:

    @Niklas ;-):

    An dieser Stelle möchte ich doch ein Mal kurz einhaken – auch, wenn ich nicht im OSI beheimatet bin.

    Niklas schreibt an Gerrit:

    Du selbst stellst fest, dass die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Lagern am OSI zwar schon immer ruppig waren, dass das Klima aber noch nie so vergiftet wie jetzt gewesen zu sein scheint. Die eigentlich interessante Frage ist daher: Wieso eigentlich?

    Abgesehen davon, daß ich nicht sehen kann, wo Gerrit tatsächlich in diesem Verständnis gesagt hätte, das Klima am OSI sei noch nie so vergiftet gewesen (es erinnert mich eher an Dennis Lantzberg):

    Ich würde an dieser Stelle etwas vorsichtiger mit dieser Wertung umgehen. Schon allein aus dem Grunde, daß ich momentan das vorbildlich und ausführlich zusammen gestellte Fachschaftsarchiv Philosophie seit den 1980er Jahren konsultiere ;-): Dies beinhaltet nicht nur institutsphilosophische, sondern FU- und Berlin-weite Entwicklungen in der ganzen Zeit. Darunter: auch das OSI. Ich bin dort kürzlich bspw. auf einen Text gestoßen, der eine OSI-VV von, ich meine, Anfang der 90er Jahre wieder gibt. Dort bin ich auf nahezu die selbe Formulierung gestoßen („Klima noch nie so giftig“), und damals war bei Weitem noch mehr „los“ ;-). Der Politik ungeachtet läßt sich m.E. sowohl quantiativ wie auch qualitativ nur schwierig einschätzen, ob das Klima heute mehr oder weniger giftig sei.

    Hoch halten möchte ich, aus nahe liegenden, weil auch eigenen Gründen Gerrits Aussage:

    Das macht keine Seite zu bösen Monstern und das sollte niemanden zu solch absurden und bösartigen Äußerungen verleiten. Aber das scheint Grundbedingung des Diskurses am Institut zu sein, Menschen moralisch abzuwerten, um den eigenen Standpunkt zu überhöhen.

    Das ist der (oder ein) Anfang (politischer) Verständigung. Und das nicht nur im Butlerschen Sinne. Das heißt nicht, daß mensch deshalb schon die Politik des/der „Anderen“ mit tragen muß oder mit trägt – nur, weil er/sie mit dem/der „Anderen“ redet. Es heißt auch nicht, daß, wenn politisch legitim (eine wiederum äußerst schwierige Frage), nicht konsequent gegen „die Politik“ des/der „Anderen“ vorgegangen werden kann.

    Wenn mensch anfängt, den/die Andere/n nicht mehr als Menschen zu sehen (oder noch nie so gesehen hat), dann, so könnte hier postuliert werden, könnte das ein Warnzeichen sein. Ob das hier der Fall ist, ist eine andere Frage.

    Gleichwohl möchte ich unterstreichen, daß es mittlerweile kaum noch glaubhaft ist, wenn verschiedene Personen wie bspw. Jan Koehler oder Thomas Risse behaupten, nicht (und sei es in ein- oder zweifacher Vermittlung) in den Afghanistan-Krieg verstrickt zu sein. Daß sie dies aber entweder nicht wahr haben wollen (ähnlich, wie wenn Pseudo-68er-Machtkritiker/innen nicht wahr haben wollen, daß sie auch selbst „Macht“ ausüben) oder nicht zugeben wollen.

    Nicht zuletzt deshalb halte ich es für unabdingbar, daß sie ihr Gewissen ernsthaft einschalten und eben jene Äußerung Niklas‘ bedenken:

    Bei dem jetzt im Kontext des SFB diskutierten Afghanistan-Einsatz zum Beispiel der Umstand, dass es ja leztlich und ohne Übertreibung tatsächlich um eine Frage von Leben oder Tod geht; es sterben Menschen im Zuge dieser Auseinandersetzung.

    Die Frage ist nicht zuletzt: Tragen Personen wie Risse oder Köhler dazu bei? Wenn ja, in welchem Maße? Und in welcher Vermittlung? Ganz ungeachtet der moralischen Implikationen. „Rein wissenschaftlich“.

    Schöne Grüße

    MB

  9. Björn Uhlig Says:

    @ Niklas

    Zum Thema, was ist von den beiden Institutstagen eigentlich übrig geblieben:

    Sicherlich mehr als lediglich die OZ, auch wenn diese heute vielleicht noch am „sichtbarsten“ ist.
    Vom weniger erfolgreichen „Handbuch für Gute Lehre“ mal abgesehen, war es auch eins der Ziele des ersten Institutstages die damals unzumutbaren Studienbedingungen der BA/MA Ordnung zu ändern, konkret erinnere ich mich dabei an die 2-Semesterbindung von Modulen, bedingungslose Anwesenheitspflicht auch in Vorlesungen, in denen das keinen Sinn macht, und natürlich das Maluspunktesystem (von der CM-Einführung ganz zu schweigen).

    M.W. hatte sich aus einem Workshop des ersten Institutstags eine (u.a.) AG gebildet, die maßgeblich an der Neuformulierung einer besseren Studienordnung mitgewirkt hatte, und deren Vorschläge später auch umgesetzt wurden.

    Auch wenn damals einige von uns. ich selbst, damit angetreten sind, die BA/MA Studiengänge auf den Mond zu schießen, was vielleicht utopisch war, ist es (noch vor dem Entstehen wirklicher Bereitschaft, nicht nur unter den Studieren, in solch einer AG mitzuwirken) bereits als ein Erfolg zu werten, dass es auf dem Tag überhaupt so große Resonanz unter Studierenden und Dozierenden aus ganz unterschiedlichen Lagern gegeben hat – erstmal ganz unabhängig von den konkreten Ergebnissen.

    Der Punkt ist, dass diese Art der Bereitschaft aufeinander einzugehen momentan unterbunden wird. Und zwar durch die derzeitige Diskussion, die fast ausschließlich aneinander vorbei geführt wird. Von einer Vielzahl von Studierenden habe ich in etwa die gleiche Rückmeldung zur neuesten OZ und hierbei konkret zum Satireartikel bekommen: Der hier angeschlagene Ton sei die einzige Art wie man mit der Debatte umgehen könne.

    Denn die Art und Weise wie bisher gegeneinander gesprochen wird, zunächst mal ganz unabhängig davon, auf welcher Seite wer zuerst wen angriff, macht es müßig sich weiter normal darüber zu streiten. Und Satire scheint der einzige Ausweg. Müßig ist es tatsächlich herauszufinden, wer jetzt wirklich die besseren Argumente hat, wer trotz Fehler aber trotzdem im Recht sei, da immer wenn jemand sein/ihr Wort erhebt dann doch nur pathologisch auf den eigenen Fetisch eingedroschen wird. Und das Böse, dass im Anderen zu entlarven gedacht wird, wird so zu dem Bösen, dass Andere in einem selbst erkennen.

    Was angesichts dessen bleibt, ist das Lachen, auch wenn es nicht lustig ist.

    Björn/OZ

  10. Andreas Weber Says:

    Ist ja sehr interessant, wo Jan Koehler vom SFB 700 mal wieder seine „wissenschaftlichen“ Ergüsse zum besten geben konnte. Soviel zur „Freiheit von Lehre und Forschung“. Ich hoffe, dass auch die OSI-Zeitung an dem Thema dran bleibt…

    —————-

    Auszug aus dem Bericht des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Bundeswehr; in SoWi.News:

    Bericht vom Workshop
    „Soldatische Identität“

    von Victoria Wieninger und Carsten Pietsch

    Im Rahmen eines Workshops, der am 8. und 9.
    Dezember 2008 am Sozialwissenschaftlichen
    Institut der Bundeswehr stattgefunden hat, haben
    Referenten aus Wissenschaft und Praxis
    Selbstverständnis und (Selbst-)Wahrnehmung
    des Soldaten aus verschiedenen Perspektiven
    beleuchtet: Unter dem Titel „Identität, Selbstverständnis,
    Berufsbild – Implikationen der neuen
    Einsatzrealität für die Bundeswehr“ wurde
    ein Kernthema der Transformation und der Inneren Führung aufgegriffen.

    Weg von der territorialen Verteidigung, hin zur
    Einsatzarmee: Im Zuge des Transformationsprozesses
    ändern sich nicht nur Strukturen und strategische
    Ausrichtung der Bundeswehr. Auch die
    Identität und das Selbstverständnis des Soldaten
    unterliegen einem Wandel, gründen diese doch
    ganz wesentlich auf den veränderten Bedingungen
    und Zielen der militärischen Einsätze unter
    den heutigen sicherheitspolitischen Bedingungen.

    Auf der Basis aktueller Forschung wurden im
    Rahmen des Workshops normative Aspekte
    ebenso wie empirische Befunde vorgestellt und
    in ihrer Konsequenz für die Bundeswehr bewertet
    und diskutiert. […]

    Herausforderungen im Einsatzland
    Afghanistan

    von Jan Koehler, Freie Universität Berlin: Komplexe
    Interventionen wie in Afghanistan verbinden
    im Rahmen von friedensschaffenden oder
    friedenssichernden Stabilisierungseinsätzen zivile
    und militärische Elemente miteinander.

    Diese Verbindung hat dabei einen neue Intensität
    und Qualität, weil die Wirkungsannahmen,
    die auf Interventionsziele ausgerichtet sind, einen
    wechselseitigen kausalen Zusammenhang
    zwischen militärischen und zivilen Instrumenten
    der Intervention voraussetzen.

    Komplexe Interventionen
    stellen neue Herausforderungen an
    die Fertigkeiten und das Selbstbild eines Militärs,
    das auf territorial definierte Landes- und
    Bündnisverteidigung unter Bedingungen des
    Kalten Krieges ausgerichtet war.

    Hier der Gesamtbericht:
    http://www.sowi.bundeswehr.de/fileserving/PortalFiles/02DB040000000001/W27P59RV659INFODE/SOWI+Newsletter+Heft+1+2009.pdf?yw_repository=youatweb

  11. Niklas Says:

    @Mathias:

    || Abgesehen davon, daß ich nicht sehen kann,
    || wo Gerrit tatsächlich in diesem Verständnis
    || gesagt hätte, das Klima am OSI sei noch
    || nie so vergiftet gewesen

    Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Entspannt waren die Diskussionen am Otto-Suhr-Institut sicherlich noch nie. Aber mit Sicherheit gab es Zeiten, in denen Wortwitz und der Respekt für andere Meinungen und Theorien höher geschätzt wurde“.

    Gerrit unternimmt hier also einen Früher-Ist-Vergleich und stellt dabei fest, dass Diskussionen am OSI zwar noch nie „entspannt“ verliefen, der Umgang der Beteiligten miteinander aber dennoch früher kultivierter verlief als heute – was sicherlich richtig ist. „Noch nie so vergiftet wie jetzt“ ist eine Zuspitzung meinerseits, die seine Kernaussage diesbezüglich aber sicherlich immer noch trifft.

  12. Niklas Says:

    @Björn:

    || Institutstages die damals unzumutbaren
    || Studienbedingungen der BA/MA Ordnung
    || zu ändern, konkret erinnere ich mich
    || dabei an die 2-Semesterbindung von
    || Modulen, bedingungslose Anwesenheits-
    || pflicht auch in Vorlesungen, in denen
    || das keinen Sinn macht, und natürlich
    || das Maluspunktesystem (von der CM-
    || Einführung ganz zu schweigen).

    Die Frage ist, inwieweit es auf den Institutstag zurückzuführen ist, dass sich in einigen der besagten Punkte etwas zum Besseren verändert hat. Die Aussetzung der Maluspunkte-Regelung wurde z.B. im Kontext des Warnstreiks Ende 2005 erstritten und nicht erst ein Jahr später auf den beiden Institutstagen.

    Zentrale, handfeste Initiativen die von den Institutstagen ausgingen, wie z.B. das OSI-MentorInnenprogramm, das Handbuch Lehre, der Erhalt des Diploms parallel zum MA, die Entwicklung einer Afrikalehre, die Etablierung studentischer Seminare, usw. usf. sind doch alle versandet bzw. konnten sich nicht durchsetzen.

    Noch mal zum Nachlesen (das SSL-Zertifikat ist abgelaufen, ggf. durchklicken):
    https://wiki.spline.de/twiki/bin/view/OSIWiki/ErsterInstitutstag
    https://wiki.spline.de/twiki/bin/view/OSIWiki/ZweiterInstitutstag

    Klar gibt es auch positive Beispiele wie die neue OZ die sich als Projekt bis heute halten konnte oder die von Dir angesprochene Mitwirkung Studierender an der Neugestaltung neuer Studienordnungen (wobei hier noch zu klären wäre, inwieweit sich die studentische Beteiligung heute wirklich in den Ordnungen wiederfindet). Nur das sind doch wenige Ausnahmen. Zu wenige.

    || Der Punkt ist, dass diese Art der Bereitschaft
    || aufeinander einzugehen momentan unterbunden
    || wird. Und zwar durch die derzeitige Diskussion,
    || die fast ausschließlich aneinander vorbei
    || geführt wird.

    Aber was genau soll denn diese „Bereitschaft aufeinander einzugehen“ im Fall der Risses, Lenzens und Riedmüllers dieser Welt bringen (wie sollte das funktionieren)? Dieser Blog hier ist inzwischen voll mit „Anekdoten“, die deutlich machen, dass das nichts bringt, dass hier ein Fortschitt nur zu erreichen ist, wenn diese Personen ihrer Positionen enthoben und durch qualifiziertere EntscheidungsträgerInnen ersetzt werden (u.a., natürlich müssten Studierende darüber hinaus generell gleichberechtigt an zentralen Entscheidungen partizipieren dürfen). Das passiert aber sicherlich nicht, indem man ihnen gut zuredet.

    Es ist doch fatal zu glauben, man müsse sich nur zusammensetzen und das alles in Ruhe diskutieren, dann käme man schon weiter. Gerade der Institutstag ist für mich eher ein Beispiel dafür, dass man allein mit tollen Ideen aber ohne Druck in einem Umfeld mit asymmetrischer Machtverteilung nicht viel erreichen kann. Und „Druck machen“ meint dann im Zweifelsfall eben auch Aufmerksamkeit für die eigene Sache zu erzeugen, im Tonfall mal etwas schärfer zu werden, den politischen Widersacher verbal härter anzugehen, eine Öffentlichkeit für dessen Fehlleistungen zu erzeugen.

    Und ja, die Frage wer den ersten Stein geworfen hat ist durchaus von belang. Denn wären in den letzten Jahren nicht so viele einschneidende Entscheidungen mit negativen Auswirkungen über die Köpfe der Studierenden hinweg gefällt worden (Bologna etwa war nun mal deutlich einschneidender als vorhergehende „Reformen“), dann wären sie m.E. heute auch nicht so aggressiv in ihrer Debattenführung, dann würden in Folge auch die Dozierenden nicht so gereizt reagieren.

    || Von einer Vielzahl von
    || Studierenden habe ich in etwa die gleiche
    || Rückmeldung zur neuesten OZ und hierbei
    || konkret zum Satireartikel bekommen: Der hier
    || angeschlagene Ton sei die einzige Art wie
    || man mit der Debatte umgehen könne.

    Der in der Satire „angeschlagene Ton“ reproduziert letztlich auch nur, was ihr hier so anprangert. Die Verächtlichmachung von Positionen die von der eigenen abweichen. Hier eben jene, dass das was der SFB macht nicht einfach so hingenommen werden kann und politisch aktiv bekämpft werden muss.

  13. Yo Says:

    Niklas! Wo sind denn die „schrillen Kampfparolen“ bei der kritik am sfb 700, wo die „Provokationen“? Du fängst doch jetzt nicht etwa mit der gedenktafel an! Ich find es echt lächerlich: Es gibt kaum eine handvoll leute, die kritik üben und organisieren, und der rest hat schon ein laber- und läster-thema.
    Nur: Worüber, über wen wird eigentlich geredet? Es gab bekanntlich zwei (einschliesslich des nur indirekt bezug nehmenden vortrags von senfo tonkam) diskussionsveranstaltungen, die an sich kaum eine positionierung von studis enthielten und sichtlich zum entfachen einer debatte dienten, also durchaus provisorischen charakter hatten, was eine ausformulierte kritik am sfb 700 betrifft. Dann gab es texte von leuten, die nix mit dem osi oder der fu zu tun haben. Und noch einen aufruf, zur koehler-veranstaltung am 15.1. zu gehen, im nachgang dann noch eine persönliche stellungnahme von dem, der auch die einzige recherche vorher gemacht hatte.
    Also – wer sind denn DIE sfb-700-„kritiker“? Auf keiner der veranstaltungen haben sich studis konkret auf den sfb 700 bezogen kritisch geäussert – im dezember bei hartmann schon eher, aber da ging es um allgemeine themen, ein paar leute sagten dann so etwas wie: „Wir müssen uns jetzt konkret(er) mit dem sfb 700 an sich beschäftigen.“
    Aber alle können über dieses phantom, die sfb-700-kritik reden, es macht ja so spass, zu kommentieren. Und das ist auch ein bisschen der stil der protagonisten der osi-zeitung: Hatte neulich zufällig die vorletzte nummer in der hand, wo gerrit auf der titelseite unter der überschrift „manöverkritik“ einen kommentar zur kritik an den plänen zur abschaffung des osi-diploms platzierte. Auch da findet sich über die kritischen studis die formulierung „erst schiessen, dann reden“. Die osi-zeitung muss aufpassen, nicht immer die linie zu verfolgen, dass beide streitenden parteien gleich recht haben bzw gleich viel blödsinn machen.

    Das scheint ein weiterer ausdruck der orientierung zur politischen so genannten mitte zu sein: pressearbeit scheint mit eigener positionslosigkeit einhergehen zu müssen (beispiel jetzt auch an der uni: die „furios“). Ähnlich jan koehler und co., die bestimmte argumente per se als „ideologisch“ etc ablehnen und noch nicht einmal inhaltlich beantworten wollen.
    Bezogen auf die osi-zeitung ist das besonders klar, da in der ganzen ausgabe, wie niklas schon moniert hat, die fraglichen papiere überhaupt nicht analysiert werden, obwohl sie z.T. schon lange zugänglich waren und ja auch schon drüber berichtet worden war.

    Aber zurück zu denen, die die kritik vorantreiben oder in teilen teilen. Es wäre falsch, sie zu vereinheitlichen oder ihnen gar eine richtung der kritik zu unterstellen. Hartmann darf schon gar nicht dafür herhalten, da er ja offensichtlich nur deshalb am osi prominent (gemacht) wurde, weil er der einzige in ganz d-land ist, der ein bisschen was kritisches über den sfb 700 verfasst hat. Wer sagt, dass auch nur 5 leute am osi seine ansichten teilen?
    Alleine deshalb – aber auch wegen des vokabulars an sich – ist es völlig panne, niklas, diesen satz zu bringen:
    <>

    Noch ein satz zu marcel. Der schrieb über die diskussion mit koehler am 15.1.:
    <>
    Das ist total falsch (und das ‚zitat‘ keine überspitzung). Der bessere veranstaltungsbericht ist der von ralf, den niklas schon mehrfach verlinkt hat.

    Noch was inhaltliches:
    Die zivil-militärische zusammenarbeit in afghanistan kommt im deutschlandfunk eher schlecht weg.
    Neulich hatten sie den langjährigen zivilen helfer – und (ex-?)bundeswehr-arzt – erös im interview. Der erzählte, dass 500000 soldaten nötig wären, um afghanistan zu befrieden. Und die KÖNNTEN gar nicht zivile projekte wirklich antossen, sind schliesslich militär. Dafür seien sie die einzigen, die nach afghanistan GEZWUNGEN werden könnten – im gegensatz zu hilfsorganisationen und sogar der deutschen polizei, von denen jeweils nur (ein paar?) hundert leute dort seien – freiwillig. Also hat das zivil-militärische konzept schlechte aussichten (naiv formuliert).

    Hier noch ein hoch interessanter beitrag, der nachgehört udn auch gelesen werden kann:
    [audio src="http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2009/02/14/dlf_20090214_1840_5668ffb4.mp3" /]
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/919774/
    Afghanistan, die Taliban und der Westen
    Gescheiterte Strategien am Hindukusch?

    Es geht um genau die themen, die auch in koehlers studie für’s ministerium behandelt wurden. U.a. begleitet der journalist deutsche soldaten, als sie in einem dorf projektantragsformulare für die militärisch-zivile hilfe verteilen wollen, aber wegen sicherheitsbedenken keine zeit für erklärungen haben und gleich wieder abhauen müssen.
    Zumindest im nachhinein werden etliche themen der studien von koehler in einem anderen licht zu sehen sein.

    Ich hebe die hoffnung nicht auf, dass es am osi auch ein inhaltliches interesse an diesen themen gibt und nicht nur über „die kritiker“ oder professurbesetzungsstreitigkeiten geredet wird.

  14. Gerrit Says:

    „Niklas! Wo sind denn die “schrillen Kampfparolen” bei der kritik am sfb 700, wo die “Provokationen”? Du fängst doch jetzt nicht etwa mit der gedenktafel an! Ich find es echt lächerlich: Es gibt kaum eine handvoll leute, die kritik üben und organisieren, und der rest hat schon ein laber- und läster-thema.“

    „SFB Angreifen!“ ist also keine schrille Kampfparole? Und natürlich sind auch die blutigen Kissen keine Provokation gewesen, sondern eine sachliche Aufforderung zur inhaltlichen Auseinandersetzung, klar doch. Wenn das Dein Verständnis eines konstruktiven Dialogangebots ist, bin ich amüsiert.
    Die Handvoll Leute, die da Kritik üben, schneiden ein wichtiges Thema an und setzen sich kaum überhörbar in Szene, insofern ist ihre Menge völlig irrelevant, sie drängen sich mit aller Macht in die öffentliche Wahrnehmung (ihr gutes Recht) und müssen dann aber auch damit rechnen, sich in einer Position wiederzufinden, in der sie sich Kritik ausgesetzt sehen. Wenn da Menschen im internen Dialog der Gruppe (ich weiß, ich weiß, unglaublich divers und keine feste Gruppe) Kritik nicht gewohnt sind, ist das vielleicht ein wenig ungewohnt, aber da muss man durch, das gehört zu verschiedenen Standpunkten. Nebenbei ist es schon fast ein pathologischer Reflex, der Kritik an der Kritik die Glaubwürdigkeit abzusprechen. Sofern man den SFB „angreift“ ist es also Kritik und wenn man den „Angriff“ im Stil oder Inhalt kritisiert, ist es sofort „Lästerei“ und „Laberei“ – gute Güte, und Ihr wundert Euch, warum man Euch schlechten Stil vorwirft?
    Die „kritischen“ Studis, die Du so ergreifend beschützen möchtest, demontieren ihre legitime Kritik so oft durch ihre immergleichen bitteren und entkontextualisierenden Protestformen, daß mir als Autor der OZ z.B. gar nichts anderes mehr in den Sinn kommen kann. Meine Aufgabe als Journalist ist das Hinterfragen, das mach ich mit dem SFB aber auch mit den KritikerInnen – das sollte für kritische Menschen durchaus normal sein, immerhin fordern sie doch Kritik. Aber nein, es muss immer gleich auf die private Ebene. Es muss immer gleich ein Risse im Bett liegen, es müssen immer gleich „positionslose“ JournalistInnen sein.
    Wir müssen aufpassen, nicht immer die gleiche Linie zu verfolgen, daß alle gleich viel Recht haben? Soll heißen? Wir müssen uns auf eine Seite schlagen? Die richtige vielleicht? Und Du kannst uns das verkündigen? Mit einem Thesen-Paper, mit dem Du vom Berge Sinai herniedersteigst? Ich füge zu den militaristischen Phrasen noch einen guten Schuss protoreligiöse Ideologie als Vorwurf hinzu.

  15. Mathias Bartelt Says:

    Lieber Gerrit,

    bei Allem, was ich an Deiner Kritik teile, möchte ich zum näheren Verständnis doch unter Anderem hierauf verweisen. Damit etwas deutlicher wird, was in etwa mit dem Hinweis gemeint ist, daß nicht immer eine exakte „50 : 50“-„Schuld“ anzunehmen ist, wie sie mitunter naive „Wir können doch mit einander reden und es gibt immer mindestens zwei bei einem Streit“-Studierende, die noch nicht so viel erlebt haben, an den Tag legen.

    Es kann von Seiten kritischer Studierender mitunter noch so sachlich agiert werden – und kritische Stimmen werden dennoch mit wie oben dargestellten Methoden abgetan.

    Andererseits, und da stimme ich Dir zu, ist die Haltung, die bei vielen „Kritiker/innen“ an den Tag gelegt wird, nicht immer förderlich – gelinde ausgedrückt. Und da, wo tatsächlich Konstruktivität an den Tag gelegt wird, wird das auf Grund dieser (über-) kritischen Haltung nicht immer wahr genommen – ja mitunter sogar gar nicht mehr gewollt. Nach Jahrzehnten der systematischen Entdemokratisierung an der FU (die wiederum ihre Legitimation nicht zuletzt im „akademischen Bürgerkrieg“ der Vergangenheit sucht) ist das zumindest nachvollziehbar.
    Das heißt dennoch nicht, daß Allen diese Haltung zu eigen ist. Es heißt auch nicht, daß nicht, in einer gewissen Asymmetrie, eine solche Haltung bei so ungleichen „Macht“-Verhältnissen in der FU gefördert wird. Das rechtfertigt diese Haltung nicht zwangsläufig. Es macht sie jedoch nachvollziehbar.

    Mit besten Grüßen

    MB

  16. Yo Says:

    Gerrit, deine inhaltsarmut nervt! Diesen eintrag kannst du in 1000 blogs setzen, passt zu jedem thema.
    Ausserdem vereinheitlichst du schon wieder.

    Was soll denn der scheiss mit dem berg sinai? Ich habe argumentiert, was an der „kritik“ (oder lästern) von z.B. dir nervt, und du antwortest nur: Kritik an der kritik muss ja wohl immer erlaubt sein und ich bin unahängiger journalist. Das ist doch die inhaltsleere, die ich vorher angesprochen hatte.

    Wo steht denn überhaupt die parole „SFB angreifen!“? Laut suchmaschine in der broschüre failing sciences…
    Die wurde nicht von studis gemacht!
    Das gleiche gilt übrigens von der „entbettungsaktion“ im november, mit den blutigen
    kissen. Ich war zufällig dort und hatte die leute vorher noch nie am osi gesehen! Die kannten sich auch gar nicht aus, wollten z.B. am ende in die u-bahn-station zum kaffeetrinken und wurden dann erst darauf hingewiesen, dass es auch das rote cafe gibt. Björn vom osi war nur zum fotos machen dort.

    Du schreibst:
    „Und natürlich sind auch die blutigen Kissen keine Provokation gewesen, sondern eine sachliche Aufforderung zur inhaltlichen Auseinandersetzung, klar doch. Wenn das Dein Verständnis eines konstruktiven Dialogangebots ist, bin ich amüsiert.“

    Was ist an einer provokation AN SICH schlimm und warum kann sie nicht eine sachliche aufforderung etc sein? Und warum sollten leute, die risse und co solche grossen vorwürfe machen, mit einem „konstruktiven dialogangebot“ kommen? Das passt doch nicht zusammen, d.h. wir kommen wieder zu der frage zurück, ob die kritik inhaltlich berechtigt ist.
    Das blut sollte übrigens nicht aussagen, dass risse getötet werden sollte, sondern er sollte als „eingebetteter wissenschaftler“ bei einem militäreinsatz (daher wohl das blut) dargestellt werden.

    „Aber nein, es muss immer gleich auf die private Ebene.“ Falsch, so weit ich weiss, wurde noch kein sfb-700-mitglied zu hause heimgesucht, unsachlich beleidigt o.ä. Wenn dir kritik an einzelpersonen AN SICH schon (zu) privat erscheint, dann solltest DU dein kritik-verständnis wegwerfen.

    Dann sprichst du noch von „kritischen studis“ und ihren „immergleichen bitteren und entkontextualisierenden Protestformen“.
    Wie ich schon dargelegt habe, gab es keine studentischen proteste im engeren sinne, sondern nur diskussionsveranstaltungen (also -angebote). Es gab bei der letzten koehler-veranstaltung, wie berichtet, die aktion von ein paar studis, die zugangskontrollen simulierten, in anspielung an die vorfälle mit dem wachschutz vom dezember. Aber so was meinst du wohl nicht.

    Womit wir wieder bei meinem ausgangsthema sind: Wen kritisierst du (und andere) eigentlich und was, welche protestform oder -aktion? Was z.B. soll denn „bitter“ und „entkontextualisierend“ gewesen sein??

    ____________-
    Danke für die ganze blogarbeit, niklas! Aber: Da das ja hier FUwatch heisst, kannst du das doch weiterhin und auch ohne kontakt mit dem osi betreiben – kritisches über die fu bringen verschiedene massenmedien doch immer wieder. Und der asta kriegt das nicht aufgearbeitet…

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