Vereinheitlichung der BA-Wiederholungsprüfungsregeln geplant

Einer der wichtigsten Gründe für das Ausbrechen des „Warnstreiks 2005“ waren Zentralisierungsbestrebungen des FU-Präsidiums. Also eine sukzessive „Entmachtung“ der Fachbereiche und einzelnen Dozierenden zugunsten der FU-Führung. Diese wollte z.B. FU-weit einheitliche und recht kurz bemessene Abgabefristen für Hausarbeiten („akademische Fristen“) einführen und setzte zur Durchsetzung und Kontrolle dieser „Vision“ auf das Campus Management. Die Studierenden wurden zudem mit einem an der fu-einheitlich geltenden Maluspunkte-System malträtiert, welches den zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon starken Leistungsdruck in den neuen Studiengängen noch weiter erhöht hätte.

Das Präsidium machte dann Eingeständnisse, indem es u.a. die Maluspunkte-Regelung aussetzte und die „Fristen des akademischen Kalenders“ (darunter neben Abgabefristen z.B. auch Anmeldefristen für Module) flexibilisierte (FU-Pressemitteilung 201/2005, 30.11.05). Tatsächlich werden Abgabefristen heute nicht so radikal gehandhabt wie damals ursprünglich vorgesehen und die Maluspunkte-Regelung ist bis heute ausgesetzt.

Dennoch hat Lenzen seine Vision einer „Netzwerkuniversität“ deren „Netzwerk“ so aussieht, dass das Präsidium in der Mitte des Universums liegt und von allem anderen brav umkreist wird, anscheinend nie aufgegeben. Denn auch wenn die Vorschläge im aktuellen Fall nach Recherchen des Kommilitonen Mathias Bartelt von der Studienabteilung der FU ausgingen und dann erst über das Präsidium vermittelt wurden, kann man wohl sagen, dass es Vorschläge im Sinne des Präsidiums sind.

Konkret geht es um eine Vereinheitlichung der Regelung bei Wiederholungsprüfungen in allen BA-Studiengängen. Wie das LHG-Blog berichtet, wird bereits an den Fachbereichen Chemie, PhilGeist und Physik eine entsprechend einheitliche Regelung forciert:

„Im Kern enthält besagtes Dokument zwei Modelle, zwischen denen sich die Fachbereiche offenbar entscheiden sollen. Ein Modell ist zunächst ziemlich simpel: Fällt ein Student zum dritten Mal durch eine beliebige Prüfung, ist sein Studium beendet. Diese auf den ersten Anschein sehr harte Regelung wird dann durch einzelne Ausnahmen abgefedert. Das zweite Modell gibt dem Studierenden ein Konto von Punkten, das durch das (schon erstmalige) Durchfallen durch Prüfungen aufgebraucht wird.“ („Initiative des Präsidiums zu Durchfallregelungen?“, LHG Blog, 07.02.09)

Sämtliche Fachbereichen müssten sich also auf eines der beiden Modelle festlegen und könnten keine davon abweichende, autonome Regelung mehr aufstellen. Die Fachbereichsräte müssen dieser Initiative allerdings erst noch zustimmen. Die FSI Wiwiss zitiert aus dem Dokument ergänzend zum Prüfungspunkte-Modell:

„Je Prüfungsleistung steht grundsätzlich ein Wiederholungsversuch zur Verfügung. Mit ’nicht ausreichend‘ bewertete Wiederholungsversuche führen zur Berechnung eines Prüfungspunktes. Die zulässige Höchstzahl y an Prüfungspunkten ist abhängig vom in Leistungspunkten (LP) ausgedrückten Regelstudienumfang.

Wird y überschritten, ist die Gesamtprüfung nicht bestanden.

Vorschlag:
– Studiengänge mit 180 LP: y = 9
– Studiengänge mit 120 LP: y = 6
– Studiengänge mit 60 LP: y = 3

Für Studiengänge mit abweichender Leistungspunktzahl ist eine verhältnismäßige Anpassung vorzunehmen; dabei ist auf ganze Prüfungspunkte abzurunden.“

(zitiert nach „Präsidium forciert Vereinheitlichung der BA-Ordnungen“, FSI Wiwiss Blog, 09.02.09)

Das Ziel der FU-Administration ist dabei offensichtlich mögliche Schlupflöcher zu schließen, die an manchen Fachbereichen mit einem weniger restriktiven Reglement offenbar noch bestehen:

„Auch die Annahme, es gehe darum, potentielle Schlupflöcher an manchen Fachbereichen zu schließen, konnte nachvollzogen werden. Genau das ist der Hintergrund dieses Vorgehens. Für die Studierenden dieser Fachbereiche bedeutet die Umsetzung der Vorschläge dann naturgemäß eine Verschlechterung der derzeitigen Situation.

Von Fachbereichen, deren System bereits jetzt sehr ähnlich zu den neuen Vorschlägen konstruiert ist, erfährt man dagegen, dass die Zwangsexmatrikulation durchaus nicht nur in Einzelfällen erfolgt, sondern wiederholt Studierende aufgrund zu vieler Wiederholungsversuche im Studium scheitern.“ („Was dran ist an der Initiative bezüglich Nachholklausuren“, LHG Blog, 10.02.09)

Wo ein ähnliches System bereits existiert kommt die Zwangsexmatrikulation aufgrund zu vieler Wiederholungsversuche also schon öfter vor, dem sollen sich andere Fachbereiche mit liberaleren Regeln jetzt angleichen. Die Zentralisierung schreitet also voran, die Fachbereiche machen nicht mehr „ihr eigenes Ding“, sondern das was die FU-Führung als vereinheitliche Lösung sehen will – zum Nachteil der Studierenden.

Dem ist natürlich entgegenzuhalten, dass die Fachbereichsräte (FBRs) diesem Vorschlag erst zustimmen müssen, also zunächst natürlich noch die Entscheidungsgewalt haben. Anzunehmen ist jedoch, dass eine Mehrheit in den FBRs dazu tendieren wird, dem Vorstoß von oben einmal mehr zuzustimmen. Beobachter befürchten, dass diese Initiative nicht zufällig jetzt kurz vor oder bei einer Vertagung dann in den Ferien zur Abstimmung gestellt wird. Der Verdacht: Einmal mehr soll in einer „ruhigen Minute“ ohne allzu viel Aufmerksamkeit ein zweifelhafter Beschluss durch die Gremien gepeitscht werden.

Auch gibt es die Stimmen, die die Gefahr sehen, dass mit dieser Initiative der Wiedereinstieg in die gesamte Maluspunkte-Regelung geplant ist, die wie oben beschrieben 2005/06 zwar ausgesetzt wurde aber weiterhin wie ein Damoklesschwert über der Studierendenschaft schwebt.

6 Antworten to “Vereinheitlichung der BA-Wiederholungsprüfungsregeln geplant”

  1. Mathias Bartelt Says:

    http://mella.cwc.tc/?p=51

  2. Yo Says:

    Hättest ruhig erwähnen können, dass das im fbr polsoz ja am 4.2. angesprochen wurde, niklas. Das protokoll wurde doch rumgeschickt.

    Der (alte) fbr ist (/war) jedenfalls anscheinend gegen die neue vereinheitlichende regelung. Allerdings gab es keine abstimmung dazu.

  3. Niklas Says:

    Ja stimmt, habs gerade noch mal nachgelesen, so eindeutig scheint das Nein aber dann doch nicht gewesen zu sein („(…) aufschub von zwei jahren (…); (…) dass der fbr polsoz die neue regelung eher nicht so gut findet“).

    Ich hab immer noch die Befürchtung, dass das nicht wirklich vom Tisch ist und in einer der nächsten FBR-Sitzungen wieder auftaucht. Aber okay, mal sehen wie der neue FBR die Sache angeht.

  4. Batti Says:

    hier nochmal der beitrag der fsi mathe/info zur dortigen fbr-sitzung. der fbr verabschiedete eine stellungnahme, die eine Beschränkung auf zwei Wiederholungen von Prüfungen befürwortet.
    http://fsi.spline.de/2009/02/19/fachbereichsrat-reicht-prasidium-die-hand/

  5. Bericht aus dem Akademischen Senat der FU vom 11.02.09 « die fachschaftsinitiativen Says:

    […] Weiter stellte Sarah Walz eine Anfrage zur jüngsten Initiative des FU-Präsidiums für eine Beschränkung der Wiederholungsmöglichkeiten von Prüfungen in Bachelor und Master. Ursula Lehmkuhl gab hierzu unter Verweis auf die Abwesenheit der für […]

  6. Mathias Bartelt Says:

    Zum derzeitigen Stand bezüglich der präsidialen Initiative zur Beschränkung der Wiederholungsprüfungen siehe nun auch hier.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: