Alte Exzellenzinitiative mit Problemen, neue wird gestartet

Wie der Tagesspiegel heute berichtet, startet die nächste Exzellenzinitiative vermutlich im Herbst 2010. Im Früjhar 2011 fällt die Entscheidung welche Projekte und Universitäten in die engere Wahl kommen, im Sommer 2012 steht dann fest welche Unis ihren Elite-Status behalten und welche neu in den exklusiven Kreis aufgenommen werden.

Der Umstand, dass hier bereits ausgezeichnete (und mit zusätzlichen Mitteln versorgte) Elite-Unis gegen solche Hochschulen antreten, die diesen Status noch nicht haben, sorgt natürlich für Probleme. Doch in einem weiteren Tagesspiegel-Artikel wird skizziert, wie die Kommission das lösen möchte. Es soll unterschiedliche Gewichtungen geben:

„Bei der Konkurrenz um den Elite-Status sollten die aktuellen Elite-Unis vor allem daran gemessen werden, ob ihr ‚Entwicklungsgradient deutlich nach oben weist‘. Das soll etwa daran festgemacht werden, ob sich die Unis bei den Drittmitteln verbessert haben oder ihre Forscher mehr Auszeichnungen als früher gewinnen. Bei neuen Bewerbern sollte dagegen das Zukunftskonzept stärker gewichtet werden. Darin müssen die Universitäten erklären, wie sie den Sprung in die internationale Spitze schaffen.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Das Budget des Wettbewerbs von derzeit 1,9 Milliarden Euro soll laut der Kommission um 30% erhöht werden um so auch alle neuen Vorhaben finanzieren zu können.

Während aber auf der einen Seite schon die nächste Exzellenzinitiative geplant wird, hat man auf der anderen Seite noch mit den Folgen der ersten zu kämpfen. Obwohl für insgesammt 4000 Forscher neue Stellen geschaffen wurden, konnten bisher nur 1500 besetzt werden. Angeblich weil es an qualifizierten BewerberInnen mangelt. Dies geht aus einem ersten Bericht der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Bewertung der Exzellenzinitiative hervor, auf den der Tagesspiegel Bezug nimmt.

„Die wenigen qualifizierten Bewerber drohen den Universitäten weggeschnappt zu werden: So können die Hochschulen oft noch immer nicht mit den Stellenangeboten aus der Industrie mithalten – die Stipendien für Doktoranden sind von der DFG auf 1500 Euro pro Monat gedeckelt.

Außeruniversitäre Institute und ausländische Hochschulen buhlen ebenfalls um die Forscher, Konkurrenten sind zudem andere im Elite-Wettbewerb erfolgreiche Projekte. Cluster und Graduiertenschulen würden sich teilweise gegenseitig Kandidaten abspenstig machen, heißt es. Der Erfolg sei für manche Unis nachgerade kontraproduktiv: Die Konkurrenz sei so erst auf ihre Forscher aufmerksam geworden.

(…) Auch im Rahmen der neuen W-Besoldung könnten Hochschulen oft keine international wettbewerbsfähigen Gehälter zahlen. Womöglich werde die Exzellenz-Initiative daher nur dazu führen, die besten inländischen Wissenschaftler an wenigen Standorten zu konzentrieren – nicht aber dazu, herausragende Persönlichkeiten aus dem Ausland nach Deutschland zu ziehen, folgern die Autoren.“ („Elite-Unis ohne Forscher“, Tagesspiegel, 21.01.09)

Na wer hätte das gedacht, der verschärfte Wettbewerb zwischen den Universitäten führt nicht automatisch ins Land von Milch und Honig. Einerseits reichen die Mittel immer noch nicht dazu aus international wirklich zu den Top-Unis aufzuschließen und dazu „Spitzenkräfte“ einkaufen zu können, andererseits konzentrieren sich aber die besten „inländischen Wissenschaftler“ an den wenigen „exzellenten“ Standorten in Deutschland. Was sich über kurz oder lang auch verheerend auf jene Universitäten auswirken dürfte, die den Elite-Status nicht zuerkannt bekommen.

Diese Erkenntnis führt nun aber nicht dazu, dass die Entscheidungsträger den Sinn und Zweck der Exzellenzinitiaive generell hinterfragen und die negativen Auswirkungen dieser Zwei-Klassen-Hochschullandschaft auf das Bildungssystem fokussieren. Wie oben ausgeführt geht man viel mehr dazu über nach altem Muster eine weitere Exzellenzinitiative ins Leben zu rufen, die dann die beschriebenen Probleme sicherlich nur noch weiter verschärfen wird.

Eine Antwort to “Alte Exzellenzinitiative mit Problemen, neue wird gestartet”

  1. Noch mehr Elite | fsi-wiwiss Says:

    […] Substanz, damit werden sich FU-Studenten wohl auch in den nächsten Jahren begnügen müssen. Auch FUwatch berichtet zum […]

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: