Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung

Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der Eklat im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde („Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700“), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche gehen.

Zum Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ hatten SFB-KritikerInnen den Publizisten, Rechtsanwalt und bekannten SFB-Kritiker Detlef Hartmann eingeladen. Hartmann gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an. Mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ hat er das bisher zentralste Papier zur SFB-Kritik verfasst.

Zentral insofern, als dass seine Kritik am SFB ausführlicher und nach Meinung etlicher Beobachter insgesamt auch fundierter ist, als z.B. jene Beiträge die in Telepolis oder der jungen Welt veröffentlicht wurden. Besonders (aber nicht ausschließlich) sfb-affine KommilitonInnen und DozentInnen monieren, Hartmanns Ausführungen sein schwach bis gänzlich unbrauchbar (sfb-affin = Jemand der den SFB gegenüber seinen KritikerInnn verteidigt; der in dieser Auseinandersetzung tendenziell oder eindeutig eher auf Seiten des SFBs steht). Selbst wenn man aber zugesteht, dass Hartmanns Analyse tatsächlich Schwächen hat: Es ist die bis dato beste, die den SFB-KritikerInnen zur Verfügung steht.

Sowohl in Blog-Kommentaren als auch auf der Veranstaltung selbst haben Diskutanten kritisiert, dass die InitiatorInnen dieser Veranstaltung nicht versucht haben jemanden aus dem SFB als Counterpart aufs Podium einzuladen. Da es darauf weder in Blog-Kommentaren noch – soweit ich mich erinnere – während der Diskussion einen direkte Widerspruch gab, scheint der gegenwärtige Stand zu sein, dass eine solche Anfrage tatsächlich ausgeblieben ist.

Hartmanns Vortrag

Die Kommilitonin stöhnt auf und sagt zu ihrem Sitznachbarn: „Ich versteh’s nicht, mit sowas schießen sie sich doch nur selbst ins Knie“. Kurz darauf verlässt sie den Saal (der trotz einer nicht unbeträchtlichen Fluktuation durchgehend gut gefüllt war). Mit „sie“ meinte die Kommilitonin offenbar die OrganisatorInnen der Veranstaltung und mit „sowas“ den Vortrag von Detlef Hartmann.

Neben ein paar besonders sfb-affinen KommlitonInnen, die die Veranstaltung schon ziemlich früh empört verließen, weil Hartmann darauf bestand seinen Vortrag zu ende bringen zu dürfen, bevor der ihm ins Wort fallende Jan Koehler seinen Standpunkt klarmachen können sollte, gab es auch unter den SFB-KritkerInnen nicht wenige, die die Veranstaltung entnervt über Hartmanns Vortragsstil frühzeitig verließen.

Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.

Für schwerwiegender halte ich, dass es dem Vortrag einfach an einem stringenten Aufbau zu fehlen schien. Ähnlich wie auch schon bei seinem schriftlichen Beitrag redete Hartmann viel über Kriegsforschung allgemein und kam von dort dann auch auf den SFB. Was ja durchaus erhellend sein kann, um die Arbeit am SFB besser einordnen zu können. Dennoch hatte man beim Zuhören Probleme, durchgängig einen roten Faden erkennen zu können. Es gab im Vortrag zahlreiche „Mini-Exkurse“ und „Sprünge“, die m.E. so leicht gar nicht nachzuvollziehen waren.

Mein eigentliches Vorhaben für FUwatch eine kompakte Zusammenfassung von Hartmanns Vortrag zu Papier zu bringen, habe ich daher dann auch aufgeben müssen. Es sei aber zumindest auf den schon oft erwähnten Hartmann-Beitrag „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ verwiesen, der m.E. dieselben zentralen Aussagen enthält, wie sein Vortrag am OSI.

Nur, dass beim Vortrag zunehmend zum Problem wurde, dass während eine Mehrheit der Anwesenden im Saal sichtlich unruhiger werdend dem zweiten Teil der Veranstaltung entgegenfieberte, in dem dann endlich auch diskutiert werden sollte, Hartmann seine Ausführungen immer weiter in die Länge zog – bis schließlich auch Prof. Funke versuchte Druck zu machen und zur Diskussion zu kommen, die ja eigentlich den Hauptteil der Veranstaltung ausmachen sollte. Schließlich war es dann endlich soweit.

Risses Position zur deutschen Afghanistan-Politik

Noch im Februar stellte der SFB „das Ergebnis der ersten groß angelegten sozialwissenschaftlichen Meinungsumfrage unter der afghanischen Bevölkerung vor“ (FU Pressemitteilung 020/2008, 30.01.08). Auch diese Umfrage wurde wenn auch nicht zentral auf der Diskussionsveranstaltung thematisiert.

In einem Artikel für die Süddeutsche fasste Thomas Risse das Ergebnis seiner Zeit wie folgt zusammen:

„(…) Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe? Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.“ (Risse, Thomas: „Ein Staat, der sogar hilft“, Süddeutsche Zeitung, 07.02.08)

Risse verteidigt dann darüber hinausgehend im zweiten Teil des Artikels den deutschen Bundeswehreinsatz, geht aber nicht soweit, seine Ausdehnung gen Süden zufordern:

„Deutschen Soldaten ist dort nachweisbar die öffentliche Sicherheit zu verdanken, und die deutsche Entwicklungshilfe leistet einen maßgeblichen Beitrag für den Wiederaufbau. Dies alles würde gefährdet, wenn sich der Schwerpunkt des deutschen Engagements in andere Teile Afghanistans verlagerte. Eine Ausweitung des Mandats auf den Süden kommt deshalb nicht nur aus innenpolitischen Gründen kaum in Frage. Es wäre auch in der Sache falsch.“ (ebd.)

Die Bundesregierung soll in der Öffentlichkeit klar sagen, dass die Trennung zwischen „Aufbauhilfe“ im Norden und „Kampfeinsatz“ im Süden keine reale sondern nur eine konstruierte ist. Schon jetzt sei der Bundeswehreinsatz auch ein Kampfeinsatz – was Risse auch richtig findet. Er fordert: Die Bundesregierung „muss weit mehr als bisher für die Unterstützung des deutschen Afghanistan-Engagements in der Öffentlichkeit werben“ (ebd.).

Das Ergebnis einer SFB-Umfrage unter der afghanischen Zivilbevölkerung ist hier also Ausgangspunkt für einen Appell, am Afghanistan-Einsatz festzuhalten und ihn der Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Prof. Risse bejaht also nicht nur aber auch auf Ergebnissen die am SFB zu tage gefördert werden aufbauend nachdrücklich die militärische Intervention der Bundeswehr in Afghanistan.

Das Lieblingsargument der SFB-Verteidiger: Der SFB ist heterogen

Die SFB-Verteidiger wenden hier und an anderer Stelle immer gerne ein, dass das was ein einzelner SFB-Wissenschaftler wie in diesem Fall z.B. Prof. Risse in der Süddeutschen publiziert nicht stellvertretend für den gesamten SFB gelten könne. Der SFB sei eine heterogene Instititution in der WissenschaftlerInnen mit völlig unterschiedlichen Forschungsvorhaben auch völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten würden.

Nun gibt es aber vom SFB ausgehend z.B. keine Veröffentlichung, die einer die deutsche Afghanistan-Politik bejahende Position direkt entgegensteht. Die viel gepriesene Heterogenität am SFB findet sich zumindest an diesem Punkt nicht wieder. Wo hätte z.B. einE SFB-WissenschaftlerIn den Ausführungen Risses in der Süddeutschen klar widersprochen?

Eine solche die Politik der militärischen Intervention in Afghanistan stützende Position ruft aus gutem Grund Widerstand herauf – nur eben bisher nicht aus dem SFB selbst. Was bedauerlich ist und auch ein stückweit erklärt, warum sich die Kritik immer gegen „den SFB“ richtet. Wer eine differenziertere Wahrnehmung des SFB einfordert, sollte vielleicht auch noch mehr als bisher deutlich machen, worin genau sich die Positionen der Akteure am SFB zu bestimmten Sachverhalten seiner Meinung nach eigentlich unterscheiden.

Die Koehler/Zürcher-BMVg-Studie

Für besonders viel Aufregung sorgte die Thematisierung der so genannten „Koehler/Zürcher-BMVg-Studie“. Korrekt trägt das Papier den Titel „Quick Impact Projects in Nordostafghanistan“ und setzt sich mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in der besagten Region auseinander („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08). Die Studie wurde von den SFB-Wissenschaftlern Jan Koehler und Christoph Zürcher für das „Bundesministeriums der Verteidigung“ (BMVg) erstellt.

Allerdings betonen Koehler und Zürcher die Studie nicht in ihrer Eigenschaft als SFB-Mitarbeiter verfasst zu haben, sondern für das private Unternehmen ARC („Analysis, Research, Consulting“), welches Zürcher und Köhler zusammen mit anderen 2001 gegründet haben (ebd.). Mit dem SFB hat diese Erhebung ihrer Meinung nach nichts zu tun.

Entsprechend empört zeigte sich der auf der Diskussionsveranstaltung anwesende Jan Koehler und unterbrach wütend Detlef Hartmanns Vortrag. Er fühle sich persönlich angegriffen und Hartmanns Ausführungen könnten ja nur ihm gelten. Ralf Hutter hält dazu in der jungen Welt fest:

„[Die Studie] hat allerdings zu tun mit Publikationen dieser am SFB 700 arbeitenden Wissenschaftler: In der Fachzeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit vom März dieses Jahres erschien ein Artikel von Zürcher, Koehler u. a., der auch Erkenntnisse enthält, die im Rahmen der BMVg-Studie gewonnen wurden. Konkret handelt es sich um 52 Interviews mit ‚internationalen Stakeholdern‘ in Afghanistan (in der Originalstudie ‚internationale und afghanische Stakeholder‘) und zehn ‚Fokusgruppen-Interviews‘.

Noch mehr Quellen aus der Auftragsarbeit gingen in den neuesten Aufsatz von Jan Koehler ein, der unter dem Titel ‚Auf der Suche nach Sicherheit. Die internationale Intervention in Nordostafghanistan‘ auf der SFB-Homepage veröffentlicht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Klaus Wehrberger, stellvertretender Abteilungsleiter bei der DFG und dort für die Sonderforschungsbereiche verantwortlich, auf Anfrage sagt, daß bei Publikationen Transparenz bezüglich der Quellen erwünscht sei, wenn auch außeruniversitäre Forschung eingeht.“ („OSI und Bundeswehr“, junge Welt, 18.12.08)

Die Frage ist also, ob Zürchers und Koehlers ARC-Forschungsarbeit für das BMVg wirklich so klar von der für den SFB zu trennen ist, wenn es inhaltliche Verknüpfungspunkte zwischen den Studien gibt. Dieses Verteidigungsargument gegenüber den SFB-KriktikerInnen wirkt jedenfalls etwas schwach.

Hutter hält in der jW aber auch fest, dass die Studie zum Teil durchaus kritische Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr in Aghanistan enthält und dass es nicht nicht an Zürcher und Koehler liegt, dass sie nicht öffentlich ist:

„Neben dem Punkt, daß den Militärs Erkenntnisse zur afghanischen Bevölkerung, den Möglichkeiten ihrer Befriedung etc. zugänglich gemacht wurden, wäre an der Studie vor allem zu kritisieren, daß die (z. T. durchaus kritischen) Erkenntnisse zur Rolle der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen vor Ort nicht an die Öffentlichkeit kommen (…) Koehler und Zürcher interessieren sich zwar nicht für generelle Kritik am Einsatz der Bundeswehr (die sei nur im Rahmen des UNO-Mandats aktiv und somit eine Schutztruppe, so Koehler), würden die Studie aber gerne veröffentlichen, was sie nicht dürfen.“ (ebd.)

Die Studie ist laut BMVg nur für den „Dienstgebrauch“ bestimmt und wird daher unter Verschluss gehalten. Inzwischen tauchte sie aber bei Indymedia auf. Versuche den direkten Link zu diesem Dokument bei FUwatch als Kommentar zu hinterlassen wurden (und werden) konsequent unterdrückt (Stichwort „Heise Urteil“). Wer die Studie wirklich lesen will, braucht aber mit Sicherheit keine Verlinkung um sie zu finden.

Auch das Webangebot von ARC (arc-berlin.com) ist nach dem der Sachverhalt auf dem so genannten „Antimilitarismus-Tag“ (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“) thematisiert wurde aus dem Netz verschwunden und kursiert nur noch als pdf-Cache auf Indymedia. Nach ARC-Angaben hat der Abgang der Website aber nur mit Wartungsarbeiten zu tun.

Fazit

Die Auseinandersetzungen und Kritikpunkte die auf der Diskussionsveranstaltung zur Sprache kamen gingen deutlich über das hinaus, was hier zusammengefasst wurde. Das hat damit zu tun, dass sowohl Hartmanns Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr ausuferten, teilweise sehr diffuse Dimensionen annahmen, und eine wirklich vollständige Zusammenfassung damit kaum noch möglich erscheint.

Es wurde deutlich, dass die Kritik am SFB auf verschiedenen Ebenen ansetzt, die KritkerInnen diverse Punkte vorzubringen hatten. Umgekehrt war auch die Replik der SFB-UnterstützerInnen durchaus vielschichtig. Nur wie so oft bei Diskussionsveranstaltungen passte die jeweilige Gegenrede nicht immer so ganz auf das Vorhergesagte. An mehreren Punkten hatte man das Gefühl, die Diskutanten reden aneinander vorbei.

Was fehlte war eine gewisse Grundstruktur in dieser insgesamt doch etwas chaotisch verlaufenden Diskussion. Auf einer für Januar angesetzten Folgeveranstaltung wird dies dann hoffentlich etwas besser. Wie der Kommilitone Mathias Bartelt in einem FUwatch-Kommentar ausführt gibt es eine Initiative, diese nächste Veranstaltung gemeinsam, d.h. „lagerübergreifend“, zu organisieren. Dies wäre sicherlich auch ein erster Schritt in eine präzisere, weniger schwammige Diskussion.

6 Antworten to “Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung”

  1. Marcel Says:

    „Einige von ihnen empfanden Hartmanns Stil vielleicht als zu polemisch, zu persönlich werdend, zu offensiv. Was ich jedoch so nicht ganz nachvollziehen kann. Zumindest wirkte Hartmann vom Auftreten her ruhiger und weniger offen aggressiv als anschließend einige seiner Gegenredner vom SFB.“

    Als die Diskussion sich dem Ende näherte, schien sich die aufheizte Stimmung ein wenig abgekühlt zu haben. Ausgesprochene SFB-Kritiker bemerkten, man wolle/solle sich erstmal intensiv in die bisherigen Publikationen einlesen, um in Zukunft informierte Kritik üben zu können. In der Diskussionsveranstaltung habe diese leider weitgehend gefehlt. So etwas wie gedankenschweres Nicken war in vielen Ecken zu beobachten. Mitglieder des SFB erklärten, dass sie keineswegs verhindern wollten, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Im Gegenteil hätten sie versucht, das Dekanat zu überzeugen, dass eine solche öffentliche Diskussionsmöglichkeit wichtig sei.

    Schließlich stellte ein Student die Frage, wie Wissenschaftler generell verhindern könnten, dass ihre Forschungsergebnisse für politische Zwecke missbraucht, fehlinterpretiert oder ausgeschlachtet werden. Sven Chojnacki und Jan Köhler versuchten sich mit Antworten. Das erste Mal an diesem Abend hatte man Gefühl, dass ein gemeinsames Erkenntnisinteresse im Mittelpunkt steht. Der ätzende Pulverdampf schien sich verzogen zu haben.

    Statt die Diskussion damit zu beenden, bekam darafhin Detlef Hartmann die Möglichkeit, das Schlusswort zu halten. Dieses begann sinngemäß mit den Worten:“Wir haben heute ja schon festgestellt, dass die heutige Situation nicht mit der Nazi-Zeit vergleichbar ist, aber…“. Seine oft lose zusammenhängenden Beobachtungen beschloss er mit einem Aufruf zur Achtsamkeit. Auch damals seien es gerade die jungen, aufstrebenden Wissenschaftler gewesen, die schlimmen Dingen zum Durchbruch verholfen hätten.

  2. Max Czollek Says:

    Leider hat der Verfasser des Artikels, Niklas, versäumt auf die merkwürdig anmutenden Gleichungen hinzuweisen, die Herr Hartmann aufstellte und bei denen die formulierte Absicht (den SFB nicht mit den Nazis zu vergleichen) in Widerspruch zu Teilen seines Vortrages standen (… aber Geopolitik haben schon die Nazis gemacht). Das erinnerte mich an eine populäre Szene aus dem Leben des Brian (einer der Besucher fragt Brians Mutter: „Ich möchte ja keien intime Frage stellen, aber sind sie noch Jungfrau?“) und ich hätte vielleicht geschmunzelt, wäre das Thema nicht so wichtig und der Vergleich nicht so sensibel gewesen.
    Zweifelsohne fehlt eine öffentliche kritische Auseinandersetzung über den SFB, aber die Veranstaltung trug m.E. nicht dazu bei, die Öffentlichkeit für eine kritische Sicht zu gewinnen. Die Chance für einen konstruktiven Dialogs wurde vertan, nicht zuletzt, weil die Veranstalter_innen Herrn Hartmann eingeladen hatten.
    Es mag sein, dass Detlef Hartmann der einzige ist, der bisher eine „fundierte“ Kritik am SFB formuliert hat. Aus meiner Sicht rechtfertigt dieser Fakt allein es noch nicht, ihn dann auch einzuladen. Eine Kritik sollte sich davor hüten, von anderen Kritikern für ihre Polemik instrumentalisiert zu werden – es diskreditiert die Sache an sich.
    Die Heterogenität des SFB ist vielleicht kleiner als von „SFB-affinen“ Personen angenommen, bzw. sollten die Normierungs- und Disziplinierungsprozesse innerhalb einer Institution thematisiert werden, trotzdem ist der SFB kein singulärer Block, der zu einem klaren Feinbild stilisiert werden könnte. (und das tut nicht nur Hartmann, es ist eine allgemeine Tendenz der Polemik gegen den SFB). So wird eine Weltsicht erzeugt, die die Attribute „Gut“ und „Böse“ einzelnen Einrichtungen oder Menschen zuweist, ohne diese Einteilung für sich schon in Frage zu stellen. Eine solche Sicht reproduziert m.E. die Struktur, die bekämpft werden soll und schafft nur neue Fronten (was sehr gut zu erkennen war in der Reaktion der Anwesenden auf den Referenten)
    Der SFB muss kritisiert werden, aber eine Kritik am SFB sollte vorsichtig differenzieren. Dabei ist es notwendig, die eigenen normativen Annahmen zu explizieren und das selbe von den Mitgliedern des SFB einzufordern, denn ob die Kritik gerechtfertigt ist, entscheidet sich nun einmal vor dem Hintergrund der eigenen Annahmen. Der Anspruch auf allgemeine Gültigkeit der eigenen Meinung ist in vielerlei Hinsicht gefährlich und sollte nicht erhoben werden, egal, wie sicher wir uns unserer Sache sind.

  3. Marcel Says:

    Die SFB-Afghanistan-Studie von Jan Köhler und Christoph Zürcher wird nächste woche noch einmal öffentlich vorgestellt und hoffentlich auch diskutiert: http://www.sfb-governance.de/media/news_links_data/Veranstaltung_Koehler_15-01-2009.pdf

  4. Koehler stellt Studie vor « FUwatch Says:

    […] Koehler stand unlängst wegen einer themenverwandten, zusammen mit Prof. Zürcher für das BMVg ausgearbeiteten Studie im Zentrum der Kritik auf der Diskussionsveranstaltung mit Detlef Hartmann (siehe Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung). […]

  5. Niklas Says:

    @Marcel: Habe jetzt einen Hinweis auf die Veranstaltung gepostet, es ist allerdings nicht die Studie, die er zusammen mit Zürcher für das BMVg erstellt hat.

  6. Marcel Says:

    Deswegen habe ich ja von der „SFB-Studie“ geschrieben. Gerade bei dieser Studie, mit ihren positiven Ergebnissen für den deutschen Truppeneinsatz, stellt sich doch aber die Frage, wie sie genau durchgeführt wurde. Bei der Aufregung um die 2. Studie ging es ja in der Kritik bisher einzig um den Fakt, dass die beiden sie fürs BMVg gemacht haben. Die Ergebnisse scheinen wenig Interesse hervorzurufen.

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