Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Rund um die Debatten zum SFB 700 wird der Tonfall am OSI immer giftiger, die Fronten scheinen zunehmend verhärtet. Während eine lose Gruppe Studierender die gegen Prof. Risse und andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete „Entbettungsaktion“ einiger SFB-KritikerInnen („Anti-SFB-Protest am OSI“) in einem offenen Brief scharf verurteilte („Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest“), es in der letzten Fachbereichsratsitzung im Vorfeld der Berufung Zürchers und Chojnackis zu einer hitzigen Diskussion kam („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“), flogen auch am Freitag vergangener Woche auf einer Diskussionsveranstaltung zur SFB-Forschung wieder die Fetzen.

Während es im „Berufungsskandal“ um eine fragwürdige Ausdehnung des Bereichs „Internationale Beziehungen“ im Kontext des SFB 700 auf Kosten der „Politischen Theorie“ als weiteren zentralen politikwissenschaftlichen Kernbereich am OSI geht, die Kritik also eine „inner-universitäre“ ist, ging es am letzten Freitag um eine kritische Beleuchtung der Außenwirkung von einigen Forschungsansätzen innerhalb des SFBs. Konkret meint dies den Vorwurf, am Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) würde auch „Kriegsforschung“ betrieben. Dazu wurde der Publizist und Rechtsanwalt Detlef Hartmann von einer Gruppe sfb-kritischer Studierender aufs Podium eingeladen.

Doch bevor die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, gab es um sie bereits die ersten Auseinandersetzungen, die hier noch einmal wiedergegeben werden sollen.

Der Eklat um die Raumvergabe

Obwohl der Raum (Ihne21, HS B) für diese Diskussionsrunde – welche am Freitag den 12.12. staffinden sollte – bereits am 26.11. beantragt wurde, und auch keine reguläre Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt in dem Hörsaal stattfand, wurde das Antragsverfahren verschleppt, wie die studentische Vorbereitungsgruppe in einer Rundmail ausführt. Weiter heißt es dort, der zunächst zuständige Angestellte habe bereits bei der ersten Anfrage gesagt, die Raumvergabe für diese Veranstaltung sei „ein heikles Thema“.

Nachdem der Antrag eine Weile ruhte, kam zu Beginn der Woche, in der die Veranstaltung stattinden sollte endlich Bewegung in die Sache. Es folgte ein kleines Hin und Her Spiel, bei dem die Raumvergabe zunächst verweigert, zwischenzeitlich wieder in Aussicht und am Donnerstagnachmittag schließlich doch noch endgültig verneint wurde.

Der besagten Rundmail der studentischen Vorbereitungsgruppe zufolge hatten „verschiedene Personen“ aus der Administration vertraulich die Information durchsickern lassen, dass über die Kritik unerfreute Professoren Druck ausgeübt hätten, um die Veranstaltung zu verhindern. Weder die InformantInnen noch die besagten Professoren wurden hier jedoch namentlich genannt.

In einem weiteren auf Mailinglisten kursierenden Dokument das die geplante Anmoderation skizziert ist die Rede davon, die Raum-Zusage sei an die Frage gekoppelt worden, wie sich die Studierenden auf der vorhergehenen FBR-Sitzung am Mittwoch verhalten (so nach dem Motto, wer am Mittwoch nicht lieb ist, kriegt am Freitag keinen Raum). Wie eingangs bereits erwähnt gab es während dieser Sitzung einige hitzige Auseinandersetzungen – nicht nur zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern auch zwischen verschiedenen Professoren („Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR“). Jedenfalls waren die KommilitonInnen der studentischen Vorbereitungsgruppe auf keinen Fall bereit, sich dieser „Maßregelungsklausel“ zu unterwerfen.

Ob es nun Professoren waren die im Hintergrund Druck ausübten oder die Studierenden auf der FBR-Sitzung am Mittwoch nicht nett genug waren oder die Verwaltung einfach Angst hatte, die ohnehin angespannte Situation könne auf solch einer Diskussionsveranstaltung endgültig eskalieren: Am Donnerstagnachmittag stand fest, dass der Raum nicht bereitgestellt würde, die Veranstaltung demnach also kurzfristig hätte ausfallen müssen.

Einige engagierte Studierende wollten sich aber nicht geschlagen geben und versuchten noch vor Beginn der Diskusssionsveranstaltung während der vorhergehenden Lehrveranstaltung in den Raum zu gelangen, offensichtlich um ihn so für die anschließend geplante Diskussionsrunde in Beschlag nehmen zu können. Die FU-Administration bekam jedoch offenbar Wind von diesem Vorhaben und schickte Sicherheitspersonal. Studierende und wissenschaftliche MitarbeiterInnen die in den Raum gelangen wollten, wurden gestoßen und an ihrer Kleidung weggezerrt, wie die FSI OSI berichtet („Das Klima am OSI wird immer giftiger“, FSI OSI, 17.12.08).

Einzig allein die Anwesenheit einiger Professoren (darunter nach FSI-Angaben Funke und Ladwig) konnte die Situation entschärfen. Die Veranstaltung fand schließlich doch noch statt – sogar im größeren Hörsaal A. Dennoch wurde natürlich dann auch hier noch einmal thematisiert, wer eigentlich hinter dem Versuch gesteckt hatte, die Veranstaltung im Vorfeld zu kippen.

So kam in der Veranstaltung (direkt oder indirekt) der Vorwurf auf, die besagten Dozierenden kämen aus dem SFB und hätten durch eine Intervention eine ihnen unliebsame Diskussionsveranstaltung verhindern wollen. Dies wurde von Dr. Marianne Beisheim stellvertretend für den SFB entschieden zurückgewiesen. Sie könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand aus dem SFB versucht habe, diese Veranstaltung zu sabotieren. Die Antwort bestand neben Applaus auch aus teils höhnischem Gelächter der SFB-KritikerInnen, die dieser Verlautbarung offensichtlich nicht so recht glauben wollten.

Fakt ist: Es existiert soweit FUwatch bekannt nichts, was eine Verwicklung von SFB-WissenschaftlerInnen in die Affäre um die Raumvergabe belegen würde. Und auch die studentische Vorbereitungsgruppe oder andere SFB-KritikerInnen haben während der Diskussionsveranstaltung nichts vorgebracht, was die These SFBler sein in den Vorgang um die versuchte Raum-Verhinderung verstrickt untermauern würde.

Dennoch muss die Blockadehaltung was die Raumvergabe für diese Veranstaltung angeht aber natürlich irgendwo ihren Ursprung haben.

In jedem Fall verdeutlicht diese Vorgeschichte – neben anderen Entwicklungen – aber, warum es bereits vor dem Start der Veranstaltung so eine vergiftete Atmosphäre gab. Doch auch die Gegenseite zeigte sich über bestimmte Vorkommnisse empört.

Der Eklat um den Titel

Bereits der Titel „Who the fuck is SFB 700?“ qualifizierte die Veranstaltung für einige offenbar als unbrauchbar ab. Die Verwendung des F-Wortes ist vielleicht drastisch, derb, meint aber in diesem Kontext natürlich nur so viel wie „Wer zum Teufel ist eigentlich…“.

Eine vielleicht etwas provokative Wortwahl für eine aber natürlich durchaus legitime Frage. Wer oder was ist eigentlich der SFB? Was genau geschieht dort? Hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen war das Anliegen dieser Diskussionsveranstaltung.

Der Eklat um die Gedenktafel-Abbildung

Einige DiskussionsteilnehmerInnen empfanden es aber auch als skandalös, dass im Vorfeld auf einem die Veranstaltung bewerbenden Flyer im Hintergrund die Gedenktafel die am Eingang der Ihne22 angebracht ist zu sehen war. Die Gedenktafel erinnert daran, dass in dem Gebäude bis 1945 das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ untergebracht war, wo unter anderem jene menschenverachtende Rassenforschung geplant wurde, die später vom KZ-Arzt Josef Mengele in die Tat umgesetzt wurde.

Die Empörung bezieht sich also darauf, dass hier nach Ansicht der Flyer-KritikerInnen die Arbeit des SFB durch das Abbilden dieser Gedenktafel auf dem Einladungs-Flyer in die Nähe von NS-Verbrechen gerückt wurde.

Ein Vorwurf, den die InitiatorInnen von sich weisen. Es wäre ihnen nur um den letzten Satz auf der Tafel gegangen: „Wissenschaftler haben Inhalt und Folgen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu verantworten“. Und tatsächlich, sieht man sich den Flyer genau an, fällt auf, dass der letzte Satz optisch hervorgehoben wurde, sich vom Rest der Tafel abhebt. Fraglich ist jedoch, ob alle Flyer-KritikerInnen dies als Argument gelten lassen. Auch der letzte Satz auf dieser Tafel steht in einem Kontext zum Rest des Textes, wird aus diesem hergeleitet.

3 Antworten to “Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700”

  1. Richard Sorge Says:

    Lieber Niklas,

    eine kleine Ergänzung: Die Diskussion unter den Personen im Publikum war sehr kritisch, aber meiner Meinung nach einer wissenschaftlichen Diskussion würdig. Genau so eine Diskussion würde ich mir wünschen, wenn die angesprochenen Afghanistan-Forscher ihre neusten Ergebniss im Januar vorstellen. Hierzu sollte man deren Ergebnisse lesen (siehe http://www.sfb-governance.de/publikationen/sfbgov_wp/wp17/SFB-Governance_Working_Paper_Nr17.pdf).

    Was den Nazi-Vergleich angeht, so kam es vielen Leuten doch so vor (und auch mir), als wurde dieser Vergleich vom Podium wiederholt, und zwar vom Vortragenden. Um aus dem Gedächtnis zu zitieren: „Natürlich kann man die Situation heute nicht mit dem Nationalsozialismus vergleichen. Aber man darf nicht vergessen, damals waren es die jungen aufstrebendenn Wissenschaftler, die das System in Besonderem Maße unterstützt haben. Aber das kann man natürlich nicht vergleichen.“ Dadurch, dass der Vortragende explizit verneint hat, dass ein Zusammenhang besteht, hat er ihn implizit aufgemacht. Dies wurde zu Recht von einem SFB-Wissenschaftler als diktatorische Rhetorik bezeichnet.

    Wie gesagt, die Diskussion war wirklich OK, der Vortragende hat aber sowohl bei Inhalt als auch bei Stil der Veranstaltung geschadet.

  2. Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung « FUwatch Says:

    […] im Vorfeld über die Raumvergabe hier bereits in einem gesonderten Beitrag näher erörtert wurde (“Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700″), soll es in diesem zweiten Teil nun um besagte Diskussionsveranstaltung als solche […]

  3. Zwei Veranstaltungen im Roten Café « FUwatch Says:

    […] giftige Atmosphäre am OSI in Gremien, die Einschränkung der Meinungsfreiheit wie zuletzt im Vorfeld der Hartmann-Veranstaltung und die fragwürdige Schwerpunktsetzung bestimmter Bereiche der Politikwissenschaft auf Kosten […]

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