Verweis auf Trenkamps Tätigkeit für die FU-Pressestelle vom Netz genommen

Wie FUwatch unlängst feststellte, war der heutige SPON-Journalist und OSI-Alumnus Oliver Trenkamp nach Angaben der FU auch für die „Kommunikations- und Informationsstelle“ an der FU tätig. Erwähnenswert ist dies insofern, als dass diese Tätigkeit zum einen in Trenkamps kurzem Lebenslauf bei Spiegel Online nicht auftaucht und zum anderen, da er unlängst einen Artikel auf SPON veröffentlichte, der die Festlichkeiten zum 60. Jubiläum auch etwas kritischer sieht.

Eine aufmerksame FUwatch-Leserin hat nun festgestellt, dass der Verweis auf Trenkamps FU-Tätigkeit urplötzlich aus dem Netz verschwunden ist und sich nur noch im Google-Cache wiederfindet. Trenkamp hatte in 2005 und 2008 insgesamt drei Artikel im FU-eigenen Wissenschaftsmagazin „fundiert“ publiziert („Justitia und die Speichel-Spur“, „Stolz und Vorurteil“, „Glücksfinder“). Diese Artikel als solche sind auch noch vorhanden, nur eben nicht mehr die Angaben zu Trenkamp als Autor.

Der Hinweis auf Trenkamps Tätigkeit für die Pressestelle der FU ist sicherlich brisanter als die Tatsache, dass er in „fundiert“ veröffentlicht hat. Denn das Wirken in einer Pressestelle die als PR-Instrument das hinter ihr stehende Organ positiv dastehen lassen möchte passt nur schwer in die Vita eines Journalisten der sich als unabhängig und kritisch versteht. Hat also Trenkamp selbst die Löschung des Verweises im Webangebot der FU erbeten? Oder war es wie die erwähnte FUwatch-Leserin vermutet vielleicht die FU selbst, der es peinlich war, dass ein heute kritisch über sie berichtender Journalist früher mal in ihrer Pressestelle tätig war? Waren die Informationen am Ende gar unrichtig und wurden deshalb entfernt?

Natürlich könnte das Verschwinden der entsprechenden Einträge zum Autoreninfo (es gibt zwei, 2005 wurde Trenkamp als Mitarbeiter der Pressestelle und Journalist geführt, 2008 als Politikwissenschaftler und Journalist) durchaus auch Zufall sein. Denn die Websiten die sich mit dem Background der Autoren der fundiert-Beiträge befassen sind alle aus dem Netz genommen worden. Gut denkbar, dass es sich hier um ein normales Update des Webauftritts gehandelt hat, da sich die Vita der Autoren weiterentwickelt und keiner Lust hat die entsprechenden Websites ständig zu aktualisieren. Etwas merkwürdig bleibt der Vorgang aber dennoch…

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8 Antworten to “Verweis auf Trenkamps Tätigkeit für die FU-Pressestelle vom Netz genommen”

  1. Stefan Kesselhut Says:

    „Denn das Wirken in einer Pressestelle die als PR-Instrument das hinter ihr stehende Organ positiv dastehen lassen möchte passt nur schwer in die Vita eines Journalisten der sich als unabhängig und kritisch versteht.“

    Ich finde, das passt durchaus zusammen. Dann nämlich, wenn dieser Journalist trotz seiner früheren PR-Arbeit kritisch und ausgewogen berichtet und wenn er nicht PR und Journalismus vermischt. Oliver Trenkamp hat das getan.

  2. Niklas Says:

    || Ich finde, das passt durchaus
    || zusammen. Dann nämlich, wenn
    || dieser Journalist trotz seiner
    || früheren PR-Arbeit kritisch und
    || ausgewogen berichtet und wenn
    || er nicht PR und Journalismus
    || vermischt. Oliver Trenkamp hat
    || das getan.

    Wenn es wirklich so gut zusammenpasst, wieso findet seine FU-Tätigkeit im kurzen Lebenslauf bei SPON dann keine Erwähnung?

    Okay, da er ja wie oben von mir auch herausgestellt durchaus eine ausdifferenzierte, kritische Position zum FU-Jubiläum bezieht wird man ihm sein früheres FU-Engagement kaum ankreiden können.

    Beeindruckend ist es manchmal dennoch, wie wenig Probleme viele ausgebildete Journalisten – die ja in der Regel immer gerne auf dem hohen Roß der friedrichs’schen Leitmaxime reiten – damit haben, im Laufe ihrer Karriere zwischenzeitlich auch mal z.B. als Pressesprecher für ein Unternehmen tätig zu werden, um dort dann einseitige PR-Arbeit zu leisten. Muss sowas die Seele eines sich wahrhaft unabhängig verstehenden Journalisten nicht auch schmerzen?

  3. Stefan Kesselhut Says:

    „Beeindruckend ist es manchmal dennoch, wie wenig Probleme viele ausgebildete Journalisten – die ja in der Regel immer gerne auf dem hohen Roß der friedrichs’schen Leitmaxime reiten – damit haben, im Laufe ihrer Karriere zwischenzeitlich auch mal z.B. als Pressesprecher für ein Unternehmen tätig zu werden, um dort dann einseitige PR-Arbeit zu leisten. Muss sowas die Seele eines sich wahrhaft unabhängig verstehenden Journalisten nicht auch schmerzen?“

    Das sehe ich genauso. Wenn man nicht muss, sollte man als Journalist keine PR machen. Das Problem für viele freie Journalisten ist aber, dass sie müssen. Weil sie sonst ihre Miete nicht bezahlen könnten.

  4. Lorenzo Says:

    1. Ich frage mich, ob Niklas versucht hat, Oliver Trenkamp um eine Stellungnahme zu bitten, BEVOR er Spekulationen und Anschuldigungen in die Welt setzt. Medienethisch jedenfalls wäre dies angebracht gewesen.

    2. Hat sich Oliver Trenkamp weder in seinem Artikel noch in seinem Lebenslauf auf die friedrichs’schen Leitmaxime berufen. Hier wird an einem Einzelfalll (der meines Erachtens nicht sauber recherchiert wurde, s. Punkt 1) nun plötzlich allgemeine Journalistenschelte betrieben.

    3. Hatte Brecht wohl recht: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Natürlich ist es ehrenhaft, PR und Journalismus strikt zu trennen. Aber mein Stefan hat zu Recht geschrieben: Die Miete muss ein Freier Journalist am Monatsanfang zahlen. Ein Hajo Friedrichs hatte es da als Festangestellter bei ARD und ZDF leichter.

    4. Ich habe den Eindruck, dass Du, Niklas, hier Deine Privatfehde gegen die Freie Eliteuniversität auf dem Rücken eines „kleinen Mannes“ austrägst. Ich kenne Deinen Lebenslauf nicht, aber sicher ließe sich auch aus ihm irgendein Strick drehen, wenn man es denn unbedingt wollte.

    5. Ich finde es trotzdem gut, dass Du der Universitätsleitung kritisch auf die Hände schaust. Es geht mir nur um saubere, offene Recherche und um die Verhältnismäßigkeit.

  5. Lorenzo Says:

    Es ist natürlich nicht „mein Stefan“ – ich hatte zunächst „mein Vorredner“ geschrieben, fand dies aber im Zusammenhang ein bisschen albern….

  6. Micha Says:

    In Verteidigung des Bloggers

    Also Lorenzo.. wir wollen mal nicht Niklas ehrenwerte, ehrenamtliche Blogger-Tätigkeit mit einem bezahlten Spiegel-Journalisten über einen Kamm scheren. Was Reichweite und erwartbare Standards angeht, spielt das in zwei Ligen. Wobei FUwatch weitaus besser informiert und recherchiert arbeitet als viele Spon-Journalist_innen, die einfach Pressemitteilungen leicht umformulieren. (wohlgemerkt: nicht im Falle Herrn Trenkamps)

    Anschuldigungen und Spekulationen sehe ich nicht in die Welt gebracht, sondern Kritik geübt an Intransparenz über frühere Tätigkeiten. Das ist bei einem Artikel über einen früheren Arbeitgeber fraglos von Bedeutung.

    „Allgemeine Journalistenschelte“ weil von „vielen Journalisten“ gesprochen wurde? Meinetwegen. Deine Kritik, Lorenzo, finde ich im Ton aber zu drastisch. Es hätte wohl gereicht, Niklas Frage zu beantworten: „Muss sowas die Seele eines sich wahrhaft unabhängig verstehenden Journalisten nicht auch schmerzen?“ Antwort: ja. Wem eine schmerzende Seele lieber ist als Hartz IV, möge darüber aufklären.

  7. Lorenzo Says:

    Meine Kritik war nicht drastisch, sie ist präzise. Offenbar nicht präzise genug:

    Nenn es Bloggen, nenn es Ehrenamt. Es ist und bleibt eine veröffentliche, der Allgemeinheit zugängliche Meinungsäußerung. Und für die gibt es Regeln, an die sich Journalisten und Blogger gleichermaßen zu halten haben. Ob sie das im Einzelfall dann auch tun, steht auf einem anderen Blatt.

    Die Fairness gebietet es, einen Beschuldigten zu Wort kommen zu lassen; das Gebot der Sorgfaltspflicht ebenfalls, denn freie Meinungsäußerung bedeutet nicht, ungeprüfte Halbwahrheiten und Spekulatinen in die Welt setzen zu dürfen, die einer Überprüfung an der Wirklichkeit nicht standhalten können.

    Sicher, hier wurden Quellen zusammengetragen. Aber sie sind unkritisch übernommen worden, ohne ihre Entstehung zu überprüfen – vielleicht weil sie ins vorgefertigte Bild passten.

    Warum ruft niemand bei der Pressestelle an und fragt, warum die Lebensläufe von der Seite verschwunden sind? Warum nimmt Niklas keinen Kontakt zu Oliver Trenkamp auf und fragt ihn, warum er in seinem Lebenslauf die Arbeit bei der Pressestelle verschwiegen hat.

    Im übrigen wundere ich mich, dass das Geschrei immer so groß ist, wenn der Kritiker kritisiert wird – ich jedenfalls wollte den Kritiker nur zur Selbstkritik anreden.

  8. Niklas Says:

    || 1. Ich frage mich, ob Niklas versucht hat,
    || Oliver Trenkamp um eine Stellungnahme
    || zu bitten, BEVOR er Spekulationen und
    || Anschuldigungen in die Welt setzt.
    || Medienethisch jedenfalls wäre dies
    || angebracht gewesen.

    Fakt ist aber doch offenbar, dass er eine zeitlang tatsächlich für die Pressestelle der FU tätig war. Und ich habe nur deutlich gemacht, dass ich das für einen Journalisten, der sich als kritisch und unabhängig versteht für sehr bedenklich halte. Und da es nun mal Teil seiner Vita ist, könnte er doch jetzt im Nachhinein allein aus Gründen der Transparenz diese Tätigkeit auch in seinem Lebenslauf auf SPON durchblicken lassen. Was er aber nicht getan hat (bzw. nicht veranlasst hat).

    Zu schlussfolgern, ihm sei sein FU-Engagement irgendwie unangenehm, schien mir unter diesen Voraussetzungen nicht allzu verwegen. Dies wirft dann natürlich auch die Folgefrage auf, ob es nicht doch denkbar ist, dass er selbst die Löschung des besagten Eintrags auf der FU-Website veranlasst hat. Ich habe dann aber weiter deutlich gemacht, dass es diverse andere Erklärungsansätze gibt, warum die Website verschwunden ist. Ansätze die plausibler sind, als jener Trenkamp stecke nun dahinter.

    Ich habe aber auch wiederholt deutlich gemacht, dass ich diesen Jubiläums-Artikel für gelungen halte, gerade eben weil Trenkamp sich nicht darauf beschränkt, den offiziellen Hurra-Antikommunismus der FU einseitig wiederzugeben.

    || 2. Hat sich Oliver Trenkamp weder
    || in seinem Artikel noch in seinem
    || Lebenslauf auf die friedrichs’schen
    || Leitmaxime berufen. Hier wird an
    || einem Einzelfalll (der meines
    || Erachtens nicht sauber recherchiert
    || wurde, s. Punkt 1) nun plötzlich
    || allgemeine Journalistenschelte
    || betrieben.

    Die „friedrichs’sche Leitmaxime“ dernach man einen „guten Journalisten daran erkennt, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“ ist ein weit verbreiteter Konsens unter Journalisten. Wenn vielleicht auch nicht in dieser wörtlichen Form. Doch dieses Streben nach einem Beobachter-Status, der einen Sachverhalt nach Möglichkeit so neutral und ausgewogen wie nur irgend möglich darstellt ist doch etwas, was die große Mehrheit der Journalisten kennzeichnet. Warum sollte Trenkamp hier die große Ausnahme sein?

    Und die legitime Frage ist dann, inwieweit dieses Selbstverständnis in Einklang mit der Tätigkeit in einer Pressestelle zu bringen ist, deren Aufgabe es nun mal ist, die hinter ihr stehende Instanz einseitig möglichst positiv ins Licht zu rücken.

    || 3. Hatte Brecht wohl recht: „Erst kommt
    || das Fressen, dann kommt die Moral.“ Natürlich
    || ist es ehrenhaft, PR und Journalismus
    || strikt zu trennen. Aber mein Stefan hat
    || zu Recht geschrieben: Die Miete muss
    || ein Freier Journalist am Monatsanfang
    || zahlen. Ein Hajo Friedrichs hatte es da
    || als Festangestellter bei ARD und ZDF leichter.

    Jemand mit Trenkamps Qualifikation hätte sicherlich auch mit relativ wenig Mühen irgendwo anders unterkommen können. Und selbst wenn nicht, würde man mich vor die Wahl stellen, entweder von Hartz4 zu leben oder für die FU-Presstelle tätig zu werden, ich würde mich ohne zu zögern für erstere Variante entscheiden. Auch wenn klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit vom FU-Job ausgehend eine bessere Arbeit zu finden natürlich höher ist, als vom Status eines Alg2-Empfängers.

    Trenkamp hat das journalistische Ideal (siehe Antwort zu 2) zu einem bestimmten Zeitpunkt in seiner Karriere ganz offensichtlich dem Ziel beruflich weiterzukommen untergeordnet und dann eben ein wenig PR-Arbeit für die FU verrichtet. Das kann man vielleicht als legitim erachten, aber man kann nicht wirklich behaupten, er hätte keine Alternative gehabt.

    || 4. Ich habe den Eindruck, dass Du, Niklas,
    || hier Deine Privatfehde gegen die Freie
    || Eliteuniversität auf dem Rücken eines
    || „kleinen Mannes“ austrägst.

    Ich sehe mich natürlich nicht in Opposition zur FU als solcher, sondern nur zur Führungsebene dieser Uni (insbesondere zum FU-Präsidium), weil ich die Entwicklungen die sich unter Lenzen ergeben haben, für absolut fatal halte. Natürlich zielt meine Kritik dabei auch auf alle, die sich dem System Lenzen in welcher Form auch immer anbiedern. Trenkamp kann man jedoch zugute halten, dass er zumindest jetzt deutlich macht, dass seine Sichtweise auf die FU recht differenziert ist, also auch einen kritischen Blickwinkel beinhaltet.

    || 5. Ich finde es trotzdem gut, dass Du der
    || Universitätsleitung kritisch auf die Hände
    || schaust. Es geht mir nur um saubere, offene
    || Recherche und um die Verhältnismäßigkeit.

    War denn der Blogeintrag wirklich so unverhältnismäßig? Es ging doch nicht um ein „Trenkamp Bashing“, sondern darum die Auffälligkeit zu dokumentieren, dass der Hinweis auf Trenkamps FU-Tätigkeit just in dem Moment aus dem Netz verschwunden ist, als die besagte Tätigkeit hier in einem vorhergehenden Blogeintrag am Rande thematisiert wurde. Dass es dafür mehr als eine Erklärungsmöglichkeit gibt, habe ich deutlich gemacht.

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