Diskussionsveranstaltung zum SFB 700

Wie der FSI Blog berichtet (und wie es auf zahlreichen Flyern am OSI nachzulesen ist) findet am Freitag, den 12.12. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit dem Publizisten Detlef Hartmann im Hörsaal B der Ihne21 zum Thema „Who the fuck is SFB 700?“ statt. Über den SFB heißt es auf dem Flyer:

„Vier Unis, zwei weitere Forschungseinrichtungen und fünf FU-Institite sind beteiligt / Über die Hälfte aller OSI-Professuren ist involviert / Neue Profs werden auf Kompatibilität mit IHM geprüft / ER hat ein MILLION€NBUDGET von der Deutschen Forschungsgesellschaft / 30 Promovierende werden auf IHN konzentriert / Die Vollprofessur Politische Ideengeschichte wurde IHM geopfert / Die Ihnestr. 26 wurde für IHN geräumt / Räume der OSI-Bibliothek will er AUCH haben…“ (Einladungs-Flyer)

Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema „Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?“ gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner „Kriegsforschung“ ausgesetzt (siehe „Kritik am SFB 700 nimmt zu“ und „Anti-SFB-Protest am OSI“).

Der Gastredner, Detlef Hartmann, gehört dem Redaktionskollektiv „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ an und hat mit „‚Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.‘ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin“ eines der bisher zentralen Papiere zur SFB-Kritik verfasst.

Noch interessanter wäre die Veranstaltung natürlich, wenn man Hartmann auf dem Podium einen namenhaften Repräsentanten des SFB gegenüberstellt. Davon ist jedoch auf dem Flyer keine Rede, woraus sich schließen lässt, dass die InitiatorInnen entweder keine entsprechenden Anfragen gemacht haben oder aber, dass es solche Anfragen gab, niemand aus dem SFB jedoch willens war, sich der Kritik zu stellen.

Einen Besuch Wert ist die Veranstaltung aber sicherlich auch so und vielleicht erscheinen ja doch noch ein paar SFB-Verteidiger.

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7 Antworten to “Diskussionsveranstaltung zum SFB 700”

  1. Richard Sorge Says:

    Leider gab es auch zu dieser Veranstaltung wieder einmal keine Anfrage an den SFB und seine Angehörigen, sich mal mit der Kritik auseinanderzusetzen. Es werden plump Aussagen gemacht, welche nicht zutreffen („Die Ihne 26 wurde wegen dem SFB geräumt“=der SFB hat kein einziges Büro in der Ihne 26), andere Sachen als bedrohlich dargestellt („Räume in der Bib will ER auch haben“=das kann natürlich sein, aber damit will man die zusätzlich beschafften Bücher allen zugänglich machen). Andere Dinge wie „Er gibt über 20 OSI-Studenten eine gute Hilfskraft-Stelle“ oder „Er bereichert durch das freiwillige und unbezahlte Lehrangebot die OSI-Lehre“ kann man ja geflissentlich übersehen. Auch das es bei der Kritik am SFB im Wesentlichen um ein Projekt von 20 handelt, und das der Rest vielleicht so schlecht nicht sein kann.

    Detlef Hartmann schreibt über die Hälfte seines Textes auch überhaupt nicht über den SFB, sonder bezieht sich auf Kriegsforschung in den USA. Auch hat er sich nie mit den wirklichen Forschungsergebnissen des SFB (oder gar den Forschern) auseinandergesetzt, sondern er betreibt eine Exegese von Begriffen, welche er dann für eine ideologische Sichtweise umdeutet.

    Auch die Veranstaltung an der HU hat gezeigt, dass die Kritiker sich (zugegebermaßen) nicht mit dem SFB auskennen, und dann auch noch Textausschnitte von SFB-Mitglieder in einem absolut falschen Zusammenhang aufgezeigt werden. So wurde Bernd Ladwig zu einem grundsätzlichen Verfechter von Fremdherrschaft über Kolonialgebiete, was dem, der seine Texte wirklich zu Ende gelesen hat, doch eher wie das Gegenteil seiner Aussagen erscheint.

    Am meisten ärgert mich an der Kritik, dass den Wissenschaftlern am SFB keine eigene kritische Einstellung zu den bearbeiteten Themen und Begriffen zugebilligt wird. Glauben denn alle, da sitzen für sinnentleerte Erfüllungsgehilfen? Oder kann man nicht von den meisten Studierten erwarten, dass sie auch kritisch mit einer Materie umgehen können. Aber wahrscheinlich müßte man eine solche Kritik viel zu sehr differenzieren, wenn man sich mal mit den Menschen auseinandersetzen müsste.

  2. Stefan Says:

    Ich kann viele Punkte meines Vorredners nachvollziehen. Die SFB-Kritik ist teilweise sehr unsauber formuliert oder übertrieben. Andererseits muss man auch das verstehen. Es ist halt das Ergebnis des Gefühls, dass dieses Institut insgesamt vom IB-Bereich geschluckt wird. Das hängt allein schon mit dem teils sehr arroganten Auftreten seiner Protagonisten in Gremien und anderswo zusammen. Aber auch das Lehrangebot spielt eine Rolle. Wenn man vom großen Lehrangebot des SFB bzw. Studienbereiches IB spricht, muss man auch sehen wie der Theoriebereich seit immer längerer Zeit am Boden ist. Außerdem wird auch immer wieder berichtet, dass die IB-Dozierenden ganz schön erschreckende Weltbilder offenbaren. Und das ist bestimmt nicht nur bei 20 Studis der Fall. Das erzählen mit auch Leute, die nicht in den Diskussionen am Institut drin sind. Insgesamt eine Gemengelage, die dann doch viel berechtigte Kritik zulässt.

    Vielleicht wäre es also auch eine Idee, mal von sich aus ein bißchen Selbstkritik zu üben, bzw. einen ersten Schritt zur Verständigung zu machen. Das tut nicht weh.

  3. Richard Sorge Says:

    Schön, diese Kritik kann ich annehmen. Vielleicht gibt es eine solche Art des hegemoialen Verhaltens des für des SFB-Verantwortlichen. Wenn man selbst nicht am OSI ist, kann man das nicht einschätzen.

    Allerdings setzt diese Kritik doch innerhalb des OSI an, und hat nichts mit den Inhalten des SFB zu tun. Dann verstehe ich nicht, warum die Kritik immer auf einen Militarismus-Vorwurf konzentriert wird, und nicht auf die doch anscheinend wichtigen Themen der internen Institutspolitik. Das OSI scheint strukturelle Problem zu haben, die Frage ist nur, inwieweit diese wirklich aufgrund des SFB vorhanden sind.

    Das der Theoriebereich in der Lehre am Boden ist, kann nun auch nicht unbedingt am SFB liegen. Denn gerade in diesem Bereich wurde und wird doch auch sehr viel Lehre doch Mitarbeiter des SFB erbracht (und das wie gesagt freiwillig). Und zwar nicht zu den SFB-Themen, sondern auch zu viel weiteren Bereichen wie Legitimität, Gender Theorien u.v.m.

    Ach ja, und die Weltbilder würden mich mal interessieren? Wie lauten die denn, und wie unterscheiden sie sich?

  4. cjs Says:

    Kurz zu Richard: Es ist tatsächlichso, dass von den vier WiMis am SFB, die im Theoriebereich arbeiten und Politikwissenschaftlerinnen sind, vier regelmäßig am OSI lehren.
    Allgemein zur Veranstaltung: Es ist schon schade, dass es offensichtlich kein echtes Interesse mit der Auseinandersetzung mit dem SFB gibt, sondern es offensichtlich lediglich darum geht, bestehende Vorteile aufrecht zu erhalten. Das wird erstens durch die Auswahl des Referenten und zweitens dadurch belegt, dass keine Vertreterin des SFB aufs Podium geladen wurde.
    Hartmanns Artikel interessiert sich nicht für eine belgbare wissenschaftliche Kritik sondern arbeitet mit Unterstellungen, Unwahrheiten und assosiativen pseudo Belegen für seine Behauptungen. Zunächst die Behauptung, dass der „SFB 700 nicht demokratisch initiiert und verantwortet, sondern als sich selbst organisierendes Cluster etabliert wurde“. Sonderforschungsbereiche werden von der DFG seit 1968 vergeben, die Mittel dazu stammen aus öffentlichen Haushalten und wurden demokratisch folglich demokratisch legitimiert. Die Auswahl der Projekte richtet sich nach wissenschaftlichen Kriterien, wie es Art. 5 GG verlangt.
    Ein fundamentaleres Missverständnis ist die Unterstellung der sage uns „eine demokratische, rechtsstaatliche Welt der Wohlfahrt aller Menschen ist out, ade, historisch kontingent, ein Episode der Geschichte, als Projekt ein historischer Ausnahmefall“. Was der SFB tut, ist vielmehr zur Kenntnis zu nehmen, dass in vielen Staaten dieser Welt die von uns allen geschätzten Güter Wohlfahrt, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit, nicht (mehr) vom Staat bereitgestellt werden (Räume begrenzter Staatlichkeit genannt). Dies ist ein empirischer Fakt. Die Gründe für dieses Scheitern von Staatlichkeit, sind ausgesprochen erforschenswert, aber nicht die selbstgestellte Aufgabe des SFBs. Ihm geht es vielmehr darum, zu erforschen, wie unter diesen Rahmenbedingungen Güter wie Sicherheit, Wohlfahrt und Rechtsstaatlichkeit trotzdem erzeugt werden, da weder der Bedarf noch der normative Anspruch auf diese Güter von der funktionalität des Staates abhängt, in dem ich das Glück oder Unglück hatte, geboren zu werden. Im Zentrum steht bei den Projekten dann jeweils die Legitimität und Effektivität der Bereitstellung, ein wichtiges Kriterium ist z.B. ob alle Anspruchsberechtigten auch tatsächlich in sog. Governancestrukturen integriert werden. Ich kann hier beim besten Willen kein Teufelszeug erkennen.
    Für diese Feinheiten interessiert sich Hartmann aber nicht, sondern er spricht von einer Totalisierung des Krieges, stellt mehrfach eine assoziative Nähe zum Nationalsozialismus her und unterstellt, die Historikerinnen am SFB wollten mit ihrer Forschung zur Kolonialherrschaftspraxis die imperiale Unterdrückung der Staaten des Südens wissenschaftlich optimieren. Das ist schlicht boshaft. Nach der gleichen Logik könnte man Michel Foucault (der der wichtigste referenztheoretiker dieser Projekte ist) vorwerfen, er habe die französischen Gefängnisse optimieren wollen.
    Insgesamt steht der Artikel für eine Kultur des Verdachts und der Unterstellung, die sich von Fakten und Argumenten belästigt fühlt und nicht an einer Auseinandersetzung, sondern lediglich an der Kohärenz des eigenen Weltbilds interessiert ist.
    Dies spiegelt sich auch im Flyer wider. Zur Ihne 26 und zur Bibliothek hat Richard schon das nötige gesagt. Hier noch kurz zu den 30 Promovierenden, die am SFB „konzentriert“ wurden. Hier wurde nichts konzentriert, sondern es wurden etwa 40 Promotionstellen öffentlich ausgeschrieben die von Nachwuchsforscherinnen aus dem In- und Ausland besetzt wurden. Diese Stellen erklären auch das „Millionbudg€t“ des SFB, die Leute werden tatsächlich bezahlt, dazu noch etwa 100 Studentische Hilfskräfte.
    Eine kritische Politikwissenschaft sollte sich nicht in erster Linie um die Geschlossenheit des eigenen Weltbilds bemühen, sondern mit Argumenten auf Missstände hinweisen. Dazu wäre es notwendig die Publikationen des SFB tatsächlich mal zu lesen (es gibt mittlerweile zwei Sammelbände) und dann kritische Rückfragen zu stellen. Da gibt es genug zu tun, wäre aber zugegebener Maßen etwas anstregender als den Bullshit von Hartmann zu beklatschen.

  5. Yo Says:

    Nur der hinweis: Ein bisschen höher als hier schlagen die wellen auf dem oben verlinkten fsi-blog.

  6. Richard Sorge Says:

    Noch ein Nachtrag: Ich finde die Art empörend, mit der die Veranstaltung beworben wird. Da ich die Veranstaltung bsiher nur aus dem Netz kannte, konnte ich damit noch einigermaßen seriös umgehen. Nun wurde ich aber gestern auf den Hintergrund des Flyers hingewiesen, der auf die Veranstaltung am Otto-Suhr-Institut hinweist. Dieser besteht aus der Plakete, welche dort auf die Forschungen von Mengele im selben Gebäude hinweisen. Das die Forschung am SFB damit in einen Zusammenhang derer von Mengele gestellt wird und damit mit Holocaust, Konzentrationslager und Nationalsozialismus, ist wirklich jenseits jeglicher Diskussionskultur. Somit kann ich auch alle verstehen, die in solchen Kreisen nicht mehr diskutieren wollen.

  7. Partielle Zusammenfassung der SFB-Diskussionsveranstaltung « FUwatch Says:

    […] Wie angekündigt fand am Freitag vergangener Woche eine Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 statt. Nachdem der […]

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