Anti-SFB-Protest am OSI

Am letzten Mittwoch (12.11.) gab es am OSI eine „antimilitaristische Entbettungsaktion“, um gegen den Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) zu protestieren, der wie berichtet zunehmend in der Kritik steht.

„‚Wer sich einbettet muss Federn lassen‘ stand auf einem Transparent, das im 1. Stock aus dem Fenster gehangen wurde. ‚Kriegsforschung stoppen‘ stand auf einem anderen Transpi vor dem Eingang. Mit entsprechender Symbolik wurden blutige Kissen an die Türen der Büros verantwortlicher ForscherInnen des SFB 700 genagelt.

Eine Papp-Figur mit dem Gesicht von Thomas Risse, Sprecher des SFB 700, fand zwischen tarnfarbigen Kissen eingebettet Platz im Eingangsbereich des OSI-Gebäudes – Federn lassend. Studierende und Beschäftigte wurden mit Flugis und Redebeiträgen informiert wie die ForscherInnen des SFB 700 Funktionen übernehmen für die neuen aggressiven Militärstrategien.“ („SFB 700: Söldnerintellektuelle stoppen“, Indymedia, 12.11.08)

Wer es verpasst hat, findet hier eine ausführliche Fotostrecke.

Mit Symbolik ist das immer so eine Sache. Das Blut auf dem an der Bürotür befestigten Kissen soll offenbar suggerieren, dass der jeweilige Wissenschaftler durch seine „eingebettete“ Forschungsarbeit selbst Blut an den Händen hat bzw. dass er Mitschuld am Blutvergießen trägt. Die Symbolik könnte aber auch leicht dahingehend missverstanden werden, dass es sich um das Blut des Wissenschaftlers selbst handelt, wodurch er diese „Botschaft“ dann vielleicht als eine gegen seine Person gerichtete Drohung auffassen würde. Auch wenn letzteres sicherlich nicht gemeint war, eine solche vielseitig interpretierbare Symbolik hat zumindest auch immer einen faden Beigeschmack.

Auch die Symbolik mit der Risse-Pappfigur ließ sich gar nicht so leicht dechiffrieren (klar war nur, dass es eine Anti-SFB-Message war), weil das große „Wer sich einbettet muss Federn lassen“ Transpi am späten Nachmittag zumindest nicht mehr da war. Ich dachte daher zuerst, die Szenerie würde das während eines Kriegseinsatzes verwüstete Feldbett von Risse zeigen, dieser wäre somit höchstselbst nach Afghanistan eingezogen worden, um am eigenen Leib zu erfahren, was die Akteure dort durchmachen müssen.

Allerdings ist dieses stutzig werden wohl auch intendiert. Die KommilitonInnen sollen ja stehenbleiben und überlegen, um was es hier eigentlich geht. Zudem es wie berichtet offenbar auch Flyer und Redebeiträge gab, die noch einmal untermauerten, wogegen sich der Protest richtete. Vielleicht gab es zumindest ein paar Studierende, die so auf ein Thema aufmerksam wurden, das sie bis dato noch nicht auf ihrem Radar hatten.

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4 Antworten to “Anti-SFB-Protest am OSI”

  1. Dennis O. Says:

    heute abend gab es auf uniradio einen beitrag zur aktion und auch ein kurzes interview mit thomas risse. in seinen antworten erklärt risse, dass die vorwürfe, teilprojekte des sfb 700 würden vom bundesverteidigungsministerium oder irgend einer anderen quelle außer der dfg und der volkswagenstiftung finanziert, nicht zuträfen. die nach afghanistan gesendeten forscher seien lediglich teilweise von der bundeswehr eskortiert worden. dies sei aber „verpflichtend“ für forscher als auch entwichlungshelfer unabhängig ihres autrages.

    ich hätte schon ganz gerne handfeste beweise, die den vorwurf der finanzierung von seiten eines ministeriums, des militärs oder sonst wem eindeutig belegen.

    die kritik an der sinnhaftigkeit des ansatzes der projekte am sfb bleibt für mich natürlich. allerdings ist für mich ohne echte belege die härte des protestes im nachhinein nicht ganz nachvollziehbar.

  2. Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 « FUwatch Says:

    […] Hauptsächlich wird es auf der Veranstaltung dann aber vermutlich um das Thema “Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?” gehen, wie der Untertitel auf der Ankündigung verspricht. Der Sonderforschungsbereich Governance (SFB 700) sah sich in jüngster Vergangenheit einer verstärkten Kritik wegen seiner “Kriegsforschung” ausgesetzt (siehe “Kritik am SFB 700 nimmt zu” und “Anti-SFB-Protest am OSI”). […]

  3. Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen den Anti-SFB-Protest « FUwatch Says:

    […] Aktion war zweifellos drastisch und wurde auch auf FUwatch kritisch betrachtet (“Anti-SFB-Protest am OSI”). Dem steht gegenüber, dass die Aktion bewusst Studierende aufrütteln sollte, die sich mit dem […]

  4. Eklat bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 « FUwatch Says:

    […] andere SFB-MitarbeiterInnen gerichtete “Entbettungsaktion” einiger SFB-KritikerInnen (“Anti-SFB-Protest am OSI”) in einem offenen Brief scharf verurteilte (“Offener Brief von IB-affinen Studierenden gegen […]

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