Akademischer Senat in Warum-Phase eingetreten

Der Akademische Senat der FU (AS) ist mit seiner am Mittwoch veröffentlichten Erklärung zu den Plänen Zöllners eine „Einstein-Stiftung“ zu errichten (siehe „Hurra, die Einstein-Stiftung ist da“) in eine Warum-Phase eingetreten. Wie ein Kleinkind bombardierte der AS den Wissenschaftssenator mit einem halbend Dutzend Warum-Fragen (okay, eine beginnt mit „wie“), die allerdings wohl überwiegend einen rhetorischen Charakter hatten (FU-Pressemitteilung Nr. 322/2008, 22.10.08).

Kritisiert wird der starke Einfluss der Exekutive (Wissenschafts- und Finanzsenator) gegenüber den Berliner Universitäten in der „verschachtelten Stiftungskonstruktion“, die Tatsache dass Zöllner die Stiftung ohne Debatte im Abgeordnetenhaus umsetzen möchte, dass die Entscheidungen in der Stiftung in letzter Kosnequenz nicht der Wissenschaft sondern der Politik überlassen werden sollen, dass Zöllner nicht mal versucht hat den Konsens mit den Wissenschaftlern zu suchen, dass der HU-Kuratoriumsvorsitzenden eine Leitungsaufgabe inne hat, obwohl doch die FU Erfolg bei der Exellenzinitiative hatte, und dass Zöllner sich „vor einem klaren Bekenntnis zur Ausfinanzierung der Grundausstattung der Berliner Universitäten“ drückt.

Zöllner solle „in die Arena des Diskurses zurückkehren“. FU-Präsident Lenzen wird aufgefordert „sich weiterhin für eine Lösung zur Förderung der Spitzenforschung im Land Berlin einzusetzen, die den Bedürfnissen dieser Universität und zugleich den üblichen Grundsätzen einer Wissenschaftsförderung entspricht, die frei von politischer Einmischung in die Schwerpunkte und Inhalte der Forschung ist“. Die wissenschaftliche Community wird aufgefordert, die FU in ihrer Erinnerung daran „dass hervorragende Ausbildung und Spitzenforschung gleichermaßen nicht auf dem Boden politischer Zentralisierung gedeihen können“ zu unterstützen (ebd.).

Im Tagesspiegel lässt sich nachlesen, wie massiv der Widerstand gegen Zöllners Vision unter den Wissenschaftlern der FU sein muss:

„Der Erziehungswissenschaftler Gerd Hoff sagte, er sei ’sprachlos‘. Nichts, was die neue Stiftung könne, sei nicht auch ohne sie möglich: Zöllner könne durchaus auch ‚ohne Wasserkopf tätig werden‘. Offenbar brauche der Senator ein ‚verschleiertes Unternehmen‘, dessen einziger Zweck sei, ‚die, die bei Verteilungskämpfen zu kurz gekommen sein könnten, nachträglich zu befriedigen‘. Möglicherweise sei die Stiftung auch ein Geschenk der SPD an ihren Koalitionspartner, der die Planwirtschaft liebe. ‚Was hat unsere Universität von der Stiftung‘, wollte der Theologe Michael Bongardt wissen. Der Mittellateiner Wolfgang Maaz erklärte, als Vertreter des Mittelbaus könne er unmöglich einer Einrichtung zustimmen, die Partizipation ausschließe.

Der Politologe Hajo Funke warnte, Zöllners Projekt sei weder gegenüber der Wissenschaft noch gegenüber der Politik kommuniziert worden. Es werde aber der Tag kommen, da sich der Haushaltsausschuss des Parlaments damit befassen werde. Friederike Fless, Professorin für Klassische Archäologie, sagte, während man sich bemühe, die DFG immer transparenter zu gestalten, werde in Berlin ’nett von oben delegiert, was wir zu forschen haben‘. Offenbar könne sich die Wirtschaft in den Vorstand ‚einkaufen‘. ‚Wenn es ein Unternehmen der Rüstungsforschung ist, machen wir dann alle Rüstungsforschung‘, sagte Fless. Hoff ergänzte, auch ein Abfallbeseitiger, ‚der sein Geld nicht besser vorm Finanzamt verstecken kann‘, könne einen Platz im Vorstand bekommen.“ („‚Die Stiftung ist ein Monster'“, Tagesspiegel, 23.10.08)

Keine Frage, der Vorstoß Zöllners hat offenbar für viel Verärgerung gesorgt. Die Frage ist nur ob dieser Widerstand reicht, Zöllners „Einstein-Stiftung“ auszubremsen bzw. den Senator dazu zu bewegen, die Konstruktion der Stiftung noch einmal grundlegend zu ändern. Kritisiert wurde von den Wissenschaftlern auch Lenzen selbst, da er „der Stiftung in einem Gespräch mit dem Senator am Mittwoch offenbar zugestimmt hatte“ (ebd.). Und die TU, bisher treu an der Seite der FU im Widerstand gegen Zöllner, zögert ihre Kritik an den Plänen des Senators allzu offen zu formulieren, da sie im kommenden Jahr bei zwei großen Projekten zu den Begünstigten der Stiftung zu gehören hofft. Die Front gegen Zöllner bröckelt, es bleibt allein die Hoffnung, er werde früher oder später vom Abgeordnetenhaus gebremst.

Gestern reagierte dann Zöllner und ließ verlautbaren, er „bedauere die Kritk“ („Zöllner ‚bedauert die Kritik'“, Tagesspiegel, 24.10.08). Ansonsten zeigte er sich jedoch unbeirrt und widersprach dem Akademischen Senat der FU in seinen Vorwürfen. Ernsthaft überrascht kann Zöllner die Kritik allerdings auch nicht haben. Ihm muss klar gewesen sein, dass sein „Überraschungs-Coup“ zur Überwindung des Widerstandes von FU und TU gegen die ja schon länger geplante „Super-Stiftung“, nicht von allen Beteiligten einfach so hingenommen werden würde. Allerdings ist ihm vermutlich auch klar, dass eine aufgeregte Stellungnahme des AS der FU allein sein Stiftungsprojekt noch nicht gefährden kann.

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2 Antworten to “Akademischer Senat in Warum-Phase eingetreten”

  1. Mathias Bartelt Says:

    „FU-Präsident Lenzen ist für die Einstein-Stiftung – hat aber auch Kritik“: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/112570/index.php

  2. Zöllner weiter auf Werbe-Tour für “seine” Einstein-Stiftung « FUwatch Says:

    […] Zöllner weiter auf Werbe-Tour für “seine” Einstein-Stiftung Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner ist nach wie vor auf “Werbe-Tour”, um sein Lieblingsprodukt, die Einstein-Stiftung, anzupreisen und die weiterhin starken Bedenken zu zerstreuen mit denen er sich immer noch konfrontiert sieht (siehe “Akademischer Senat in Warum-Phase eingetreten”). […]

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