Hurra, die Einstein-Stiftung ist da

What are you?“ fragt Kevin Lomax (Keanu Reeves) in „The Devil’s Advocate“ und
John Milton (Al Pacino) antwortet „Oh, I have so many names…“. Ähnliches kann der Berliner Wissenschaftssenator inzwischen auch von seiner Super-Uni Schrägstrich Super-Stiftung sagen. Und nun ist ein weiterer Name hinzugekommen: Einstein-Stiftung.

„Einstein-Stiftung-Berlin“, so der nun offizielle Name der neuen Institution, deren unmittelbar bevorstehende Gründung Zöllner gestern auf einer Pressekonferenz bekannt gab (siehe z.B. Tagesspiegel). Im Vorstand dieser „Dachstiftung“ sitzen neben Zöllner auch noch Finanzsenator Thilo Sarrazin sowie Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und gleichzeitig HU-Kuratoriumsvorsitzender.

Die Dachstiftung bewilligt das Geld (neben Senatsmitteln nach Vorstellungen Zöllners auch private Spenden) einer gemeinnützigen GmbH, der „Einstein-Stiftung-Berlin gGmbH“. Hier finden sich die Präsidenten der vier Berliner Unis (FU, HU, TU und UdK) neben Vertretern der vier großen bundesrepublikanischen Forschungseinrichtungen (Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Leibniz-Gemeinschaft) und entscheiden darüber, welches Projekt gefördert wird.

Bereits ab Anfang 2009 sollen der Stiftung hierfür zunächst jeweils 35 Millionen Euro für die ersten beide Jahre, bis 2012 dann jeweils 40 Millionen pro Jahr durch den Senat zur Verfügung gestellt werden. Die Struktur sieht dabei vor, dass Spitzenforscher der Berliner Unis mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen kooperieren und auf diesem Weg schneller neue Durchbrüche in der Forschung erzielen können. Das Promotionsrecht bleibt dabei zwar bei den Universitäten, die Stiftung soll aber dennoch Doktorandenprogramme und auch einige Master-Studiengänge anbieten.

Zöllner hat mit diesem Befreiungsschlag die Präsidenten von FU und TU, Lenzen und Kutzler, kurzerhand überrannt. Insbesondere die FU als eine der Siegerunis in der Exzellenzinitiative fühlte sich stark genug, Zöllners Vorstoß zu blockieren. Und tatsächlich musste dieser dann aus seiner Super-Uni eine Super-Stiftung machen (siehe „Die ‚Berlin Research University‘ ist tot – es lebe das ‚Berlin International Forum for Excellence'“). Nun aber wollten FU und TU für eine Einwilligung zur Super-Stiftung im Gegenzug eine Garantie von Zöllner, dass der Senat für die kommenden Jahren den Berliner Unis deutlich mehr Mittel zur Verfügung stellt: 157 Euro Millionen zusätzlich pro Jahr ab 2010 brauchen die vier Berliner Unis (siehe „Die Hütte brennt mal wieder“).

Zöllner konnte oder wollte diese Garantie nicht geben. Er konnte sich mit seinem Prestige-Objekt, der Super-Stiftung, aber auch nicht länger hinhalten lassen. Zu stark hätte es ihn politisch beschädigt, wäre es ihm nicht gelungen, sich mit seiner Stiftungsidee durchzusetzen. Immerhin sollte die Stiftung bereits am Anfang kommenden Jahres das erste Geld verteilen. Also hat er gestern die Initiative ergriffen und den Spielball auf die Seite von Lenzen und Kutzler befördert. Diese müssen nun eine passende Antwort finden. In einer Pressemitteilung der FU hieß es gestern erst mal nur lapidar, die FU Berlin habe durch Zöllners Pressekonferenz die „Gesamtkonstruktion“ der Stiftung erfahren und könne diese „nun einer genauen Prüfung unterziehen“ (FU Pressemitteilung Nr. 315/2008, 17.10.08).

Selbst wenn Lenzen und Kutzler nun einknicken und brav bei Zöllners Elite-Forschungs-Vision mitmachen müssten, könnte die Geschichte für Zöllner immer noch häßlich werden. Nämlich dann, wenn die Berliner Unis tatsächlich keine zusätzlichen Mittel für ihre gestiegenen Energie- und Personalkosten bekommen und dann erneut massive Kürzungen durchführen müssten. Spätestens dann würden sich neben den Wissenschaftlern auch große Teile der Berliner Studierenden die Augen reiben wenn beim Luxus-Projekt Einstein-Stiftung die Millionen fließen, während die Lehre an den Unis noch weiter zusammengestrichen wird. Studierende wie Dozierende würden mit Nachdruck fragen, „warum Berlins Wissenschaft Kuchen braucht, wenn nicht mal genug Brot da ist“, wie Anja Kühne im Tagesspiegel treffend anmerkt.

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2 Antworten to “Hurra, die Einstein-Stiftung ist da”

  1. Akademischer Senat in Warum-Phase eingetreten « FUwatch Says:

    […] Erklärung zu den Plänem Zöllners eine “Einstein-Stiftung” zu errichten (siehe “Hurra, die Einstein-Stiftung ist da”) in eine Warum-Phase eingetreten. Wie ein Kleinkind bombardierte der AS den Wissenschaftssenator […]

  2. Zöllner weiter auf Werbe-Tour für “seine” Einstein-Stiftung « FUwatch Says:

    […] Jürgen Zöllner ist nach wie vor auf “Werbe-Tour”, um sein Lieblingsprodukt, die Einstein-Stiftung, anzupreisen und die weiterhin starken Bedenken zu zerstreuen mit denen er sich immer noch […]

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