Zöllner strikes back

Wie der Tagesspiegel in seiner heutigen Ausgabe berichtet, will der Berliner Wissenschaftssenator die neue „Superstifung“ mit dem derzeitigen Namen (er ändert sich ja immer mal wieder) „Berlin International Forum for Excellence“ (Bife) innerhalb der nächsten Tage gründen – ohne die Zustimmung der Berliner Universitäten.

FU und TU hatten gemeinsam ein Junktim ausgesprochen, demnach sie ihre Zustimmung zur Superstiftung nur geben werden, wenn ihnen der Senat bei der Aushandlung der neuen Hochschulverträge entgegenkommt, da sich die Unis ab 2010 mit deutlichen Mehrausgaben konfrontiert sehen (siehe „Die Hütte brennt mal wieder“). Tatsächlich wäre es kaum vermittelbar, dass die vier Universitäten (FU, HU, TU, UdK) die 157 Millionen Euro die sie pro Jahr mehr brauchen nicht erhalten, während die neue Superstiftung in den ersten vier Jahren zunächst jeweils 35 Millionen und später 40 Millionen Euro bekommt.

HU-Präsident Markschies wollte sich dem Junktim nicht anschließen und setzte sich dafür auch über seinen eigenen Akademischen Senat hinweg. Dennoch sah es zunächst so aus, dass Zöllner seine Vision nicht hätte verwirklich können, solange sich FU und TU querstellten (siehe „Zöllners Superstiftung droht abzuschmieren“). Glaubt man dem Tagesspiegel will Zöllner nun aber Fakten schaffen und die Stiftung einfach an FU und TU vorbei ins Leben rufen. Wobei der Berliner Senat bei der Fördervergabepraxis offenbar einen starken Einfluss haben wird:

„Wie aus dem Umfeld des Berliner Senats zu hören ist, soll die Stiftung für die Berliner Spitzenforschung einen Vorstand bekommen, dem Jürgen Zöllner und Finanzsenator Thilo Sarrazin angehören sollen. Erwartet wird auch, dass weitere Plätze im Vorstand für private Sponsoren, auf deren Unterstützung Zöllner hofft, vorgehalten werden.

Der Vorstand werde im Vorfeld einer Entscheidung festsetzen, welche Gebiete überhaupt förderungswürdig sind. Welches Projekt aus einem solchen Schwerpunkt im Einzelnen Geld bekommt, berät dann eine wissenschaftliche Kommission, die ihre Empfehlung an ein Entscheidungsgremium leitet.

Sollte Zöllner tatsächlich so verfahren wollen wie jetzt zu hören ist, hätte die Forschungsförderung durch die Superstiftung einen entscheidenden Unterschied zu dem der DFG: Dort urteilen die peers über die Anträge ihrer Kollegen, ohne dabei politische Vorgaben berücksichtigen zu müssen. Vorhaben bei der Superstiftung müssten aber zunächst das grundsätzliche Gefallen der Politiker finden.“ („Zöllner erzwingt die Superstiftung“, Tagesspiegel, 17.10.08)

Ob man diese Konstruktion begrüßt oder nicht, hängt also davon ab, ob man mehr politische Vorgaben bei den Förderungsanträgen als Fortschritt oder eher als Rückschritt betrachtet. Ich tendiere eher zu letzterem. Die Vorstellung, dass durch parteipolitische Interessen geleitete Personen stärker denn je entscheiden, was in der Wissenschaft förderungswürdig ist und was nicht, ist doch eher gruselig. Und auch die „privaten Sponsoren“ werden dann wohl eher nur fördern wollen, was am Ende auch Geld bringt. Es ist abersehbar, dass dieses System geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte gegenüber technischen und naturwissenschaftlichen benachteiligen wird.

Doch noch hat sich Zöllner ja auch noch nicht endgültig durchgesetzt. Einer solche Stiftung ohne die Unterstützung von FU und TU das nötige Gewicht in der Fachwelt zu verschaffen, dürfte schwierig werden. Einer Minderheit von durch die Stiftung begünstigten Forschern stände eine Mehrheit von nicht-begünstigten Wissenschaftlern gegenüber, die dabei zusehen müssten, wie ihre Unis ab 2010 noch drastischer als je zuvor zusammengekürzt werden.

Die Akzeptanz einer solchen neuen Superstiftung wäre also im Berliner Wissenschaftsbetrieb unter diesen Konditionen nicht besonders hoch. Die Frage wäre dann, inwiefern Zöllner samt Stiftung tatsächlich auf diese Akzeptanz angewiesen ist.

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