Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert

Im letzten Semester zählte der Berufungsskandal um die Professoren Sven Chojnacki und Christoph Zürcher zu den am kontroversesten diskutierten Sachverhalten innerhalb des OSIs.

Nachdem bekannt geworden war, dass der Institutsrat den Bereich Internationale Beziehungen durch eine Berufung von Chojnacki und Zürcher stärken will, während zeitgleich die Vollprofessur Ideengeschichte dafür geopfert werden sollte (siehe „Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren“), formierte sich am Institut und auch außerhalb ein breiter Widerstand gegen diese Berufungen.

Gegenstand der Kritik war dabei nicht nur die Opferung der Vollprofessur Ideengeschichte für zwei weiteren Stellen im Bereich IB, auch die Art und Weise wie das von statten gehen sollte, sorgte für Empörung. Durch ein rechtlich höchst fragwürdiges „verschlanktes Berufungsverfahren“, bei dem die beiden einzigen Kandidaten für ihre Stelle jeweils schon feststanden, und ohne eine öffentliche Debatte am Institut, sollten Chojnacki und Zürcher die Professuren zugeschanzt werden. Beide Professoren waren bisher nur befristet an der FU beschäftigt und man hoffte, sie mit Hilfe der „verschlankten Berufungsverfahren“ halten zu können.

Das Ganze fand dann seinen vorläufigen Höhepunkt mit einer gut besuchten Diskussionsrunde zum Sachverhalt (siehe „Bonnie und Clyde gegen den Rest“) und mit einem durch den AStA in Auftrag gegebenen Rechstgutachten. Dieses stufte den neuen OSI-Strukturplan (mit den besagten Änderungen) als rechtswidrig ein (siehe „Neuer OSI-Strukturplan laut Gutachten rechtswidrig“). Ein Rechtsgutachten, auf das das Rechtsamt der FU bis heute nicht reagiert hat.

Der Skandal setzte sich in den Semesterferien fort, als man seitens des Verwaltungsapparats offenbar versuchte mit allen Tricks und Kniffen eine studentische Mitbestimmung im Fachbereichsrat (FBR) zu torpedieren. In einem offenen Brief der studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU an den Wissenschaftssenator Zöllner heißt es dazu:

„Es wurde zudem offenbar gezielt versucht, studentische Mitbestimmung zu verhindern, indem mitten in der vorlesungsfreien Zeit, obwohl Abstimmungen über Berufungsvorschläge nach den einschlägigen Ausführungsbestimmungen ausdrücklich nur in der Vorlesungszeit stattfinden sollen, vom Dekanat eine neue Vertretungsregelung für die studentischen VertreterInnen eingeführt wurde.

Bisher waren alle gewählten Listenmitglieder der studentischen VertreterInnen wahlberechtigt, ohne Vertretungsschreiben. Die neue Regelung, nach der Geschäftsordnung des Akademischen Senats, verlangt eine schriftliche oder fernmündliche Abmeldung von allen Listenmitgliedern, die eine höhere Stimmzahl haben, als die das Stimmrecht wahrnehmende Studierende.

Dass hier alle Tricks zur Verhinderung von Gegenstimmen angewendet wurden, zeigt auch die Verweigerung des Stimmrechts für ProfessorInnen, die nicht dem FBR angehören und die sich für die zweite Sitzung (in der vorlesungsfreien Zeit), die wegen des Gruppenvetos notwendig wurde, anmelden wollten. Auch sie wurden trotz vorgetragener guter Argumente für ihr Stimmrecht zurückgewiesen, obwohl sie wegen Urlaubs nicht rechtzeitig Kenntnis von der Einladung zur ersten Feriensitzung erlangt hatten.“ (Offener Brief der Studi-VertreterInnen an Zöllner)

Nicht nur Studierende, sondern auch dem Vorgang gegenüber kritisch eingestellte ProfessorInnen wurden hier also offenbar von dem Entscheidungsprozess ausgegrenzt.

Nachdem alle Einwände abgeschmettert waren, verabschiedete der FBR die Berufungslisten, welche anschließend vom Dekanat an den Wissenschaftssenator weitergereicht wurden, der die Berufungen noch bestätigen muss. Daher auch der oben schon erwähnte offene Brief an Zöllner von den studentischen VertreterInnen im FBR und des AStA FU, den man hier in ganzer Länge nachlesen kann und der einen guten Überblick über den derzeitigen Sachstand gibt.

Denkbar ist aber auch, dass der Versuch Chojnacki und Zürcher „durchzuboxen“ bereits gescheitert ist, da diese entnervt das Handtuch geworfen haben. So hat Chojnacki den Ruf an die Uni Kiel angenommen, wie man auf deren Website bei den Personalmeldungen vom August 2008 nachlesen kann. Folgerichtig finden sich im neuen OSI-KVV auch keine Lehrveranstalungen mehr von ihm.

Bei Zürcher ist der Sachverhalt nicht ganz so leicht zu klären. Sein Colloquium wird im Nachtrag (Stand: 09.10.08) als entfallen geführt, von seiner zweiten Lehrveranstaltung in diesem Semester, einem Hauptseminar zur „Einführung in die quantitativen Methoden am Beispiel der Konfliktforschung“ ist an dieser Stelle aber keine Rede. Diese LV taucht im Nachtrag nicht auf, wird demnach also vermutlich wie geplant stattfinden, womit Zürcher doch noch am Institut wäre und der Ausfall des Colloquiums andere Gründe hätte.

Selbst wenn nun nicht nur Chojnacki sondern auch Zürcher das OSI verlassen hätten, wäre eine solche Lösung des Konflikts natürlich alles andere als optimal. Denn es blieben auch in diesem Fall weiter viele Fragen offen.

Was passiert nun mit dem OSI-Strukturplan, werden die Änderungen rückgängig gemacht? Oder versucht man jetzt einfach zwei neue KandidatInnen für „verschlankte Berufungsverfahren“ zu gewinnen? Gibt es eine offene Diskussion über einen neuen Strukturplan? Erfolgt die Einsicht seitens des Dekanats PolSoz und des FBR PolSoz, dass es so wie letztes Semester einfach nicht geht? Ist die Vollprofessur Ideengeschichte gerettet oder ihre Beerdigung nur verschoben?

Update 15.10.08

Am morgigen Donnerstag (16.10.08) sind alle am Sachverhalt interessierten KommilitonInnen eingeladen um 16 Uhr ins Rote Café zu kommen. Dort soll die studentische Position zur jüngsten Entwicklung diskutiert werden und darüber hinaus das weitere Vorgehen geplant werden.

Update 16.10.08

Im aktuellen KVV-Nachtrag (15.10.) ist nachzulesen, dass Zürchers zweite Lehrveranstaltung in diesem Semester von Nora Röhner übernommen wurde. Auf Zürchers Website selbst heißt es, er sei ab Oktober „im Ausland“, seine LVs im WS 08/09 würden ausfallen. Was offen lässt, ob er für das SS 2009 nicht doch wieder ein „Comeback“ plant.

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16 Antworten to “Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert”

  1. Lisbeth Salander Says:

    prima! dann ist das osi die beiden pseudo-exzellenten, weißen wissenschaftler los – und mit ihnen für die nächsten semester auch gleich große teile der friedens- und konfliktforschung. was für eine glorreich gewonnene schlacht! ob die beiden aber wirklich „entnervt“ waren, darf angesichts der wohl attraktiveren angebote anderer unis bezweifelt werden – zumal beide zuletzt nicht den eindruck tiefer depression vermittelt haben. vielleicht klappt ja aber im ws zumindest ein ideologiefreier üebergreifender diskurs ohne irre und wirre…

  2. Gerrit Says:

    @Lisbeth
    Soll der Kommentar jetzt ironisch gemeint sein? Und was meinst du mit weiß?
    Sven ist auf jeden Fall ziemlich entnervt, weil er -Überraschung!- gerne am OSI gewesen ist.

    Für einen ideologiefreien, übergreifenden Diskurs brauchts übrigens alle Seiten ohne Ideologie, nicht nur die IB-SFB-Fraktion. Und wenn das bei denen schon unwahrscheinlich ist, dann wirds erst recht an der „anderen“ Seite scheitern.

  3. Batti Says:

    Leute, was sind denn das für zwei Kommentare hier.
    Die OSI-Dreifaltigkeit Präsidium-Dekanat-Risse versucht klar rechtswidrig zwei Dozenten ohne Ausschreibung zu Professuren zu verhelfen. Dabei soll die (eher konservative) „Internationale Beziehungen“-Clique weiter gestärkt werden und die renommierte und traditionsreiche (eher progressive) Professur Ideengeschichte gestrichen werden.
    Diese Feststellung ist keine Ideologie sondern unbestrittenes Allgemeingut. Die Dozenten sind obendrein weiß und männlich, was Gleichstellungsgrundsatz und Frauenförderungsrichtlinien widerspricht. Dagegen Stunk zu machen ist geboten, dass es auf dem Rücken zweier Dozenten ausgetragen wird, ist für die Betroffenen bedauerlich, jedoch wurden sie nicht von den Kritiker_innen in diese Position gedrängt sondern von den Befürworter_innen des rechtswidrigen „schlanken“ Berufungsverfahrens.

  4. Gerrit Says:

    Wer differenzieren kann ist klar im Vorteil. Ideologie an deiner Aussage ist es, wenn du von DER IB-Clique sprichst. Das sind eine Menge Personen, von denen man einige zurecht konservativ nennen kann, andere jedoch fernab der Risse-Börzel-Linie durchaus eigene Ideen und Vorstellungen von Forschungsinhalten und Didaktik entwickeln. Zumal die beiden Wörter konservativ und progressiv klar wertend sind und nicht „unbestrittenes Allgemeingut“. Es sei denn, deine Kommentare sind per se mit Deutungshoheitsfunktion ausgestattet, dann ziehe ich meinen Einwand natürlich zurück. Ich bin zwar auch absolut der Meinung, daß die Mauschelei um dieses kranke Berufungsverfahren eindeutig einen Schritt zu weit gegangen ist, aber das ist halt meine MEINUNG. Und damit halten wir bitte auch mal fest: es gibt nicht nur DIE KritikerInnen des Berufungsverfahrens, sondern einen bunten Haufen mit verschieden aufgestellten Argumenten. Zum Beispiel finde ich den impliziten Hinweis, daß die beiden Dozenten abzulehnen seien, weil sie weiß und männlich sind, im hohen Maße bedenklich. ‚Türlich wärs besser, wenn strukturelle Sexismen und Rassismen an der FU weniger krass durchschlagen täten, aber das berechtigt uns noch lange nicht dazu, den Umkehrschluss zu ziehen und froh zu sein, wenn Leute gekickt werden, nur weil sie weiß und männlich sind.
    Was in dieser Diskussion offenbar schwer fällt, ist, nicht die Deutungs- und Meinungshoheit für sich zu beanspruchen. Das find ich fragwürdig, liebe KommilitonInnen.

  5. Lisbeth Says:

    gerrit hat völlig recht: differenzieren wäre schon mal eine leistung! zürcher und chojnacki sind wohl offensichtlich zentrale figuren im sfb, aber nicht unbedingt standpfeiler der risse-clique. und dass sich die risse-boerzel-linie für sie eingesetzt hat, konnten sie auch kaum verhindern.

    „stunk zu machen“ ist dann im übrigen auch kein wert an sich, sondern sollte sich schon entlang nachvollziehbarer kriterien bewegen und im offenen verfahren nach mehrheiten und akzeptanz suchen. wer sagt denn, dass „schlanke berufungsverfahren“ tatsächlich rechtswidrig ist? hat jemand mal das ominöse rechtsgutachten zu gesicht bekommen? mir scheint jedenfalls, dass hier eine „story“ reproduziert wird, die für die meisten studierenden kaum noch nachvollziehbar ist.

  6. Wolf Dermann Says:

    Also um hier mal die Gerüchteküche abzulöschen: Das hier so genannte „verschlankte Berufungsverfahren“ (Berufung „ad personam“ in Fachkreisen) ist zweifelsohne rechtmäßig:

    „Ferner kann von einer Ausschreibung abgesehen werden, wenn ein Juniorprofessor oder eine Juniorprofessorin auf eine Professur in einem Beamtenverhältnis auf Lebenszeit oder einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis berufen werden soll.“
    §94, Abs.2, Satz 2 BerlHG

    „Bei Berufungen auf eine Professur können Juniorprofessoren und Juniorprofessorinnen der eigenen Hochschule nur dann berücksichtigt werden, wenn sie nach ihrer Promotion die Hochschule gewechselt hatten oder mindestens zwei Jahre außerhalb der berufenden Hochschule wissenschaftlich tätig waren. In diesem Fall ist in Abweichung von Absatz 2 eine Liste mit einem Namen ausreichend.“
    §101, Abs.5, Satz 1-2 BerlHG

    Im Gutachten des AStA ging es meiner Erinnerung nach nur um mögliche Verfahrensfehler, wie etwa die Öffentlichkeit der behandelnden FBR-Sitzungen. Das Problem ist also mal wieder der unfaire Umgang der Entscheidungsträger untereinander, nicht aber die Zulässigkeit einer solchen Berufung an sich.

  7. Wolf Dermann Says:

    Vielleicht noch ein wenig Hintergrund zum Konzept hinter der oben zitierten rechtlichen Regelung.

    Die Idee bei den Berufungsverfahren bei Juniorprofessoren ist, dass man auf dem neuen Weg zur Professur nicht zwangsweise die Leute durch zwei offene Ausschreibungsverfahren durchjagen will, sondern dass auch weiterhin ein einziges kompetitives Verfahren ausreichen kann. Wer sich also in offener Ausschreibung auf die Juniorprofessur durchsetzen konnte, hat dafür die mögliche Option ohne erneutes Ausschreibungsverfahren quasi Laufbahnartig von W1 auf W2 oder W3 aufsteigen.

    Relativ deutlich ist dieses „nur-einmal-reicht weiterhin“-System bei der Beschränkung des Hausberufungsverbots zu erkennen. Es gilt für die Berufung auf die W2/W3 Stelle nur, wenn vorher kein Hochschulwechsel bestand. Also entweder man wechselt vor der Juniorprofessur oder man muss vor der Vollprofessur wechseln. Zweimal mit der Familie in 3-6 Jahren umzuziehen wird so nicht zur Pflicht.

    Nur weil es das erste mal am OSI nun dazu kam, scheint hier sehr viel Verwirrung und falsche Empörung ob des Verfahrens gegeben zu haben. Das Verfahren halte ich nicht für das Problem. Die einseitige Aufwertung des IB-Bereichs ist aber wohl wirklich bedenklich, wie Ronny mir erklärt hat (bin Publizist dem Hauptfach nach – das OSI ist nicht für alle der Nabel der Welt)

  8. Batti Says:

    Falsch, Wolf. Diese Entfristung ist zwar möglich, aber im vorliegenden Fall haben wir es mit der Schaffung von zwei vollkommen neuen Professuren zu tun, für die das Entfristungs-Konstrukt eben nicht zieht. Es wird versucht, die Berufung von Zürcher und Chojnacki damit durchzudrücken, das geht aber nur in eng begrenztem Rahmen, um dem Prinzip der sog. „Bestenauslese“ nicht zu widersprechen. Hier gibt es also nicht „sehr viel Verwirrung“ und auch keine „falsche Empörung“ sondern eine rechtswidrige und politisch brisante Vetternwirtschaft.

  9. Batti Says:

    @gerrit
    „Zum Beispiel finde ich den impliziten Hinweis, daß die beiden Dozenten abzulehnen seien, weil sie weiß und männlich sind, im hohen Maße bedenklich. ‘Türlich wärs besser, wenn strukturelle Sexismen und Rassismen an der FU weniger krass durchschlagen täten, aber das berechtigt uns noch lange nicht dazu, den Umkehrschluss zu ziehen und froh zu sein, wenn Leute gekickt werden, nur weil sie weiß und männlich sind.“
    Nein, es ergibt auch nicht jeder Umkehrschluss eine wahre Aussage. Es ist das >obendrein<, dass sie zwei weiße Männer sind, die ohne Ausschreibung durchgedrückt werden sollen. Es heißt natürlich nicht, dass zukünftig keine weißen Männer mehr Stellen bekommen sollen, was wäre das für ein Quatsch. Aber es ist ein weiterer Kritikpunkt, der nicht zur Nebensächlichkeit erklärt werden sollte sondern seine spezifische Eigenart hat. Zur Kontrolle solcher Vorgänge wurde ja extra die Position der Frauenbeauftragten installiert, deren Rolle Du gerade hoffentlich nicht in Frage stellen willst.

    „Was in dieser Diskussion offenbar schwer fällt, ist, nicht die Deutungs- und Meinungshoheit für sich zu beanspruchen. Das find ich fragwürdig, liebe KommilitonInnen.“
    Bitte, dann differenziere Dich tot, und Du findest Gehör in einem Untersuchungsausschuss des Institutsrats. Wenn Du irgendwem darüber hinaus die Problematik begreifbar machen willst (und dieses Blog gilt uniweit), musst Du a) sinnvoll Komplexität reduzieren und b) Stellung beziehen. Hier wird keine multiperspektivische Hausarbeit über das Berufungsverfahren geschrieben sondern der Versuch zu politischer Einflussnahme unternommen.

    @lisbeth
    „“stunk zu machen” ist dann im übrigen auch kein wert an sich, sondern sollte sich schon entlang nachvollziehbarer kriterien bewegen und im offenen verfahren nach mehrheiten und akzeptanz suchen.“
    Und Gewalt ist nie eine Lösung, hast du noch vergessen. An welcher Stelle hat bitte die Initiative für eine Vollprofessur in der Ideengeschichte, die maßgeblich die Diskussionen um die Berufungsverfahren angestoßen hat, auf Offenheit, Mehrheiten und nachvollziehbare Kriterien verzichtet?
    Die zentralen Aussagen des Rechtsgutachtens sind bekannt. Veröffentlicht werden darf es meines Wissens nach nicht, aber es liegt unter anderem dem Dekanat vor. Die Initiative hat gerade in der Öffentlichkeit ihrer Arbeit Bemerkenswertes geleistet. Erlaube mir, mit „Stunk machen“ mal ganz salopp „Öffentlichkeit schaffen“ gemeint zu haben. Gibts jetzt nen Konsens?

  10. Niklas Says:

    Wer kann eigentlich von sich sagen, Zürcher in seiner Zeit am OSI irgendwo überhaupt mal zu Gesicht bekommen zu haben? Selbst wenn er in der Lehre tätig war, viel kann es nicht gewesen sein. Ich behaupte mal kühn, die Anzahl der Personen, die ihn am Institut vermissen werden, hält sich in Grenzen (mal angenommen, er ist jetzt wirklich dauerhaft weg, siehe Update vom 16.10. oben im Beitrag). Forschungsbeiträge hin oder her, sein Engagement am Institut und für das Institut selbst war doch slim-to-none.

    Bei Chojnacki ist das sicherlich etwas anderes. Ich persönlich weine ihm zwar keine Träne nach, weil er für mich wie an anderer Stelle ausgeführt das Musterbeispiel eines modernen Meritokraten ist. Doch ist diese Position am OSI sicherlich nicht mehrheitsfähig, sehr viele Studis – wenn nicht gar eine klare Mehrheit – bedauert seinen Weggang zweifellos.

    Umgekehrt wäre Chojnacki sicherlich auch gerne hier geblieben. Genau wie jetzt in Kiel hätte er auch am OSI eine feste W2-Professur bekommen. Aber das Arbeitsumfeld am SFB wäre für Forschung und Reputation vermutlich ein besseres gewesen. Außerdem fühlte er sich hier inzwischen sicherlich schon „heimisch“. Ansonsten hätte er den Ruf aus Kiel doch sofort angenommen.

    Die Vermutung, dass Chojnacki und Zürcher „entnervt“ waren, ist nicht so abwegig. Das ganze Hickhack, ob sie nun eine feste Professur am OSI erhalten würden oder nicht, hat sie sicherlich nicht besonders gefreut. Wer lebt schon gerne in so einem „Schwebezustand“.

    Inwiefern Chojnacki und Zürcher tatsächlich Bestandteil der „Risse-Börzel-Clique“ waren, hängt davon ab, wie man die Mitgliedschaft in dieser „Clique“ definiert. Festhalten kann man aber sicherlich, dass beide Bestandteil des IB/SFB-Komplexes an der FU waren und dass ihre Berufung eine weitere Stärkung des Bereichs Internationale Beziehungen bedeutet hätte – bei einem zeitgleichen, weiteren Schritt in Richtung Marginalisierung der Politischen Theorie als weitere zentrale Teildisziplin der Politikwissenschaft.

    Unabhängig von der Fragwürdigkeit des Berufungsverfahren hätte der Vorgang also auch die Dominanz der IB am OSI gegenüber anderen Gebieten weiter ausgebaut, was kritisch zu sehen ist, geht man davon aus, dass das größte PW-Institut der Republik alle zentralen Bereiche gleichermaßen abdecken können sollte.

    Und die KommilitonInnen, die sich aktiv *für* die Vollprofessur Ideengeschichte und *gegen* ein solches gemauscheltes Berufungsverfahren gestemmt haben (und weiter stemmen werden), wie hätten die sich anders verhalten sollen? Einfach nur zusehen, wenn zwei neue IB-Professuren leise durch die Hintertür reingeschoben werden, während die Ideengeschichte abgespeckt aufs Abstellgleis rollt?

  11. Wolf Dermann Says:

    @batti
    Ich glaube ich verstehe gerade, warum ihr (hinsichtlich der Verfahren) gegen die Berufungen gekämpft habt, obwohl es nur Windmühlen waren:
    Es handelt sich bei Berufungen von Juniorprofessoren (W1) auf Vollprofessuren (W2 oder W3) nicht um Entfristungen, sondern, wie der zitierte Gesetzestext zeigt, tatsächlich um ein Berufungsverfahren auf eine ggf. komplett neue Stelle, bei der wie im Gesetz steht auf eine Ausschreibung verzichtet werden kann und dem Senator eine ein-Personen-Liste vorgelegt werden kann.
    Entfristungen sind ein anderes Konstrukt, in dem jemand auf einer meist auf 5 Jahre befristeten W2-Vollprofessur(!) sitzt, die dann nicht mehr befristet werden soll. Nur hierbei ist es die gleiche Stelle auf der die Person sitzen bleibt. Beim Aufstieg von der Junior- zur Vollprofessur wird die Stelle gewechselt – und gerade hierfür erlaubt das Gesetz die Berufung „ad personam“. Ich hatte von jedem dieser Konstrukte je 10-20 Verfahren im Medizinsenat schon miterlebt und das läuft wirklich rechtmäßig so.

  12. Wolf Dermann Says:

    Damit wir jetzt nicht aneinander vorbei reden: meine Ausführungen beziehen sich auf Chojnacki, von dem ich weiß, das er Juniorprofessor ist/war. Sofern Zürcher schon eine befristete C3/W2-Stelle hatte, passen meine Ausführungen natürlich nicht auf ihn. In sofern bitte um Entschuldigung.

  13. Totalität Says:

    Sehr lustige Geschichte das ganze. Das Schnellverfahren ist vor allem vor dem Hintergrund des SFBs zu verstehen. Mit Chojnacki und Zürcher fallen Risse jetzt eine Hauptsäule des Ladens weg. Sowas kommt bei DFG und Präsidium natürlich gar nicht gut an…

  14. Dennis O. Says:

    Skandal-Berufungen am OSI müssen gestoppt werden
    Die Auseinandersetzung um die Berufungen am OSI geht in die zweite Runde:
    Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat die geplante Berufung von Sven
    Chojnacki und Christoph Zürcher mit dem Hinweis auf Verfahrensfehler
    zurückgewiesen und eine erneute Abstimmung gefordert. Im Fachbereichsrat
    (FBR) am Mittwoch sollen die Berufungen bestätigt werden, obwohl dem
    Verfahren jede Rechtsgrundlage fehlt.

    Das von Dekanin Barbara Riedmüller vorangetriebene „schlanke
    Berufungsverfahren“ war damit begründet worden, dass Chojnacki und Zürcher
    beide einen Ruf an andere Universitäten erhalten hätten, aber an der FU
    gehalten werden sollten. Mittlerweile hat jedoch Chojnacki das OSI verlassen
    und eine Professur in Kiel angenommen, so dass eine „Rufabwehr“ gar nicht
    mehr möglich ist. Im Falle Zürchers gibt es Hinweise, dass er gar keinen Ruf
    einer anderen Universität als Vollprofessor erhalten hat. Zudem gibt es
    offenbar Unregelmäßigkeiten mit der Bewerbung Zürchers am OSI: Einem
    studentischen FBR-Vertreter konnte nur ein Lebenslauf, aber kein
    Bewerbungsschreiben vorgelegt werden.

    Der Berufungsskandal hat bereits in der Vergangenheit das Ansehen des OSI
    schwer beschädigt, so dass nur eine Nichtbefassung des Tagesordnungspunkts
    „Berufungen“ weiteren Schaden verhindern kann. Wissenschaftssenator Zöllner
    kritisierte die „politische Kultur“ am OSI, auch weil im vergangenen
    Semester ProfessorInnen die Möglichkeit der Stimmabgabe im
    Berufungsverfahren verweigert wurde. Die Streichung der Vollprofessur
    „Politische Ideengeschichte“ im OSI-Strukturplan, um zwei für Chonjacki und
    Zürcher maßgeschneiderte Konfliktforschungs-Professuren zu schaffen, hatte
    in Wissenschaftlerkreisen für Aufregung gesorgt.

    Wir fordern:

    – die Ablehnung der beiden offensichtlich rechtswidrigen Berufungen

    – eine Diskussion am Institut über den Strukturplan

    – eine Vollprofessur „Politische Ideengeschichte“

    Kommt in die Sitzung des Fachbereichsrats

    Mittwoch, 10. Dezember, 9:00, Ihne 21/B

    Studentische Initiative für politische Theorie am OSI

    ———————————————————————————————-Wer mehr wissen möchte, hier der Hintergrund:Zu Beginn des Sommersemesters 2008 wurde der Strukturplan des OSI verändert,mit dem Ziel, Sven Chojnacki und Christoph Zürcher Vollprofessuren zuverschaffen und sie dadurch am OSI zu halten. Beschlossen wurde dies imsogenannten „Professorium“, einem inoffiziellen Treffen der in den Gremienstimmberechtigten ProfessorInnen. Vorangetrieben wurden diese Berufungen -mit Unterstützung des Präsidiums – vor allem vom Dekanat und von den amSonderforschungsbereich 700 maßgeblich beteiligten ProfessorInnen. Zürcherund Chojnacki waren dort zu diesem Zeitpunkt stark eingebunden.Die Schaffung von Professuren gilt als Strukturentscheidung, die eigentlichöffentlich am Fachbereich und am Institut diskutiert werden. Da in diesemFall jedoch von Anfang an die Veränderung der Struktur mit den PersonenChojnacki und Zürcher verbunden war, wurde die Entscheidung kurzerhand alsPersonalfrage deklariert und sowohl im FBR als auch im Institutsrat (IR) inden nicht-öffentlichen Teil der Sitzungen verlegt. Dadurch wurde eineEntscheidung, welche die langfristige Ausrichtung des Fachbereichs betrifft,der öffentlichen Diskussion entzogen.Die beinahe gleichlautenden Vollprofessuren „VergleichendePolitikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ und „VergleichendePolitikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ wurden am 4. Juni in einem neuenStrukturplan verankert. Ziel war es, sie noch vor Beginn des Wintersemestersdirekt an die beiden Dozenten zu vergeben. Die Finanzierung dieserProfessuren ginge auf Kosten der Vollprofessur „Politische Ideengeschichte“,die im Strukturplan zu einer Juniorprofessur degradiert wurde.Ein vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AstA) in Auftrag gegebenesunabhängiges Gutachten bewertete dieses Vorgehen als rechtswidrig: DieVerknüpfung von Struktur und Personalien, sowie die Vergabe der Professurenan die beiden weißen Männer ohne öffentliche Ausschreibung verletze dasPrinzip der „Bestenauslese“ und verstoße gegen Frauenförderungsrichtlinien,sowie das Allgemeine Gleichstellungsgesetz.In den Semesterferien wurde in der ersten der beiden Sitzungen desFachbereichsrats (FBR) ein studentisches Gruppenveto gegen die Berufungeneingelegt, das jedoch nur aufschiebende Wirkung hatte. Das Gremium beschlossam 10. September die Ein-Mann-Berufungslisten – trotz der rechtlichungeklärten Lage. Dabei wurde den ProfessorInnen, die nicht imFachbereichsrat sind, die Möglichkeit verweigert, sich an der Abstimmung zubeteiligen.Gegen die Weitergabe der Berufungslisten an Wissenschaftssenator JürgenZöllner gaben die Gruppe der Studierenden, die ausgeschlossenenProfessorInnen und die dezentrale Frauenbeauftragte jeweils einMinderheitenvotum ab, das dem Senator zusammen mit den Listen vorlag.

    Bitte um einen News Eintrag oder ähnliches.

  15. Berufung von Chojnacki und Zürcher erneut angesetzt « FUwatch Says:

    […] alle seine Lehrveranstaltungen in diesem Semester abgesagt hat und seither nicht mehr gesehen war (“Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert”), verfolgt der Fachbereichsrat (FBR) PolSoz offenbar weiterhin die mehr als umstrittene Berufung […]

  16. Mehrheit für Berufung von Chojnacki und Zürcher im FBR « FUwatch Says:

    […] Dermann hatte in einem FUwatch-Kommentar unlängst verdeutlicht, dass das Berliner Hochschulgesetz sehr wohl und ausdrücklich vorsieht, […]

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