Master Konferenz an der FU – ab 495 Euro ist mensch dabei

Heute (17.07.) und morgen (18.07.) findet an der FU die laut Pressemitteilung „erste Master Konferenz im deutschsprachigen Europa“ statt. Unternehmen und Hochschulen wollen gemeinsam klären, wie die Master-Ausbildung am besten aussehen sollte, was an den bestehenden Verfahren vielleicht noch verbessert werden könnte:

„Ziel der Konferenz ist es, Unternehmen und Hochschulen miteinander ins Gespräch zu bringen. Unternehmen formulieren ihre Anforderungen und Erwartungen an die Master-Ausbildung – Hochschulen stellen ihr Angebot an weiterbildenden und praxisorientierten Studiengängen vor.

Geplant ist, ein Netzwerk der wichtigsten Institutionen und Entscheider zu begründen, um die Stärken der Master-Programme auszubauen, sie international wettbewerbsfähig zu machen und im Dialog mit der Wirtschaft zu verbessern.“ („Master im Praxistest“, FU-Pressemitteilung Nr. 151/2008, 28.05.08)

Soso, Unternehmen übermitteln ihre „Anforderungen und Erwartungen“ den Universitäten. Nicht, dass die Universitäten am Ende doch noch etwas anderes verfolgen, als eine Ausbildung von Studierenden wie die Wirtschaft sie sich wünscht.

Immerhin ist aber auch die Rede von „Wirtschafts- und Sozialforscher, die den Bologna-Prozess kritisch begleiten“. Wobei „kritisch“ hier vermutlich meint, die neuen Studiengänge werden dafür kritisiert, dass sie den Anforderungen der Wirtschaft noch nicht vollends genügen.

Weitere Informationen finden sich auf der Website master-konferenz.de, wo mensch z.B. nachlesen kann, dass sowohl der „Verband der Privaten Hochschulen e.V.“ als auch die „MLP Finanzdienstleistungen AG“ als neue Partner der Konferenz gewonnen werden konnten. Außerdem erfährt der/die geneigte LeserIn dass die Abendveranstaltung der Master Konferenz im „Stadtbad Steglitz“ stattfindet *rofl*.

Die eigentliche Konferenz läuft aber natürlich im Henry-Ford-Bau. Dort findet sich dann wichtige Damen und Heren aus Wissenschaft und Wirtschaft ein (inklusive der FU-Vizepräsidentin Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. sc. Christine Keitel-Kreidt), um über Themen wie „Corporate University“, „anwendungsorientierte Studiengänge“, „Assessment und Einstellung“ und „Master-Marketing“ zu referieren und zu diskutieren (das Programm findet sich hier).

Es versteht sich von selbst, dass bei einem solch gewichtigen Treffen nicht einfach jeder freien Zutritt erhält. TeilnehmerInnen „aus Hochschulen und Bildungseinrichtungen“ werden mit 495 Euro pro Person zur Kasse gebeten, TeilnehmerInnen „aus Unternehmen“ sind mit 695 Euro pro Person dabei. Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt, aber wer sich beeilt, kann vielleicht noch ein Ticket für dieses bahnbrechende Event abgreifen.

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3 Antworten to “Master Konferenz an der FU – ab 495 Euro ist mensch dabei”

  1. Sven Nagel Says:

    Sehr geehrter Herr Fichtenberg,

    Ihr Beitrag zur Master Konferenz kann natürlich nicht ohne einen Kommentar stehen bleiben, den ich Ihnen hier gern liefern möchte. Wie sie richtig zitierten, haben wir, SWOP. Medien und Konferenzen, die Tagung gemeinsam mit der Freien Universität veranstaltet, um Unternehmen und Hochschulen ins Gespräch zu bringen. Gerade, was weiterbildende, also berufs- und damit wirtschaftsorientierte Master-Studiengänge betrifft, gibt es noch vieles an Wünschen und Erwartungen zu erörtern zwischen den Anbietern praxisnaher Ausbildung und den Firmen, die gute Absolventen einstellen oder diese weiterbilden wollen.

    Anders als Sie in Ihrem Beitrag suggerieren, geht es hier nicht um grundständige oder – wie es neuerdings heißt – konsekutive Studiengänge, sondern um Master-Abschlüsse, die konzipiert wurden, um den Studierenden anwendbares Wissen für den Beruf zu vermitteln, den sie entweder schon ausüben oder ergreifen wollen.

    Ohne Frage soll und muss es weiterhin Fächer und Absolventen geben, deren Studieninhalte nichts mit Wirtschaft, Markt und “Berufsbefähigung” zu tun haben. Wer an der Hochschule oder in nicht-wirtschaftlichen Zusammenhängen forschen, lehren und arbeiten will, soll auch die entsprechenden Studiengänge absolvieren. Um die ging es bei der Master Konferenz nicht.

    Gleichwohl muss es für Absolventen, die sich für einen anspruchsvollen Job qualifizieren oder weiterbilden wollen, entsprechende Studienangebote geben. Ich habe zum Beispiel meinen Magister im Fach Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der FU gemacht. Mir war schon früh klar, dass ich nicht an der Uni, sondern in der Wirtschaft arbeiten wollte, wie ungefähr 90 Prozent meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen seinerzeit auch. Meine Professoren haben diese Tatsache konsequent ignoriert, mit dem Hinweis, man wolle kritische und intellektuelle Persönlichkeiten ausbilden. Hehrer und richtiger Anspruch, aber viel zu kurz gedacht, fand ich damals schon.

    Dass sich verschiedene Unternehmen und auch der Verband der privaten Hochschulen im Rahmen der Master Konferenz engagiert haben, geben Sie richtig wieder. Dass die Konzeption, Planung, Organisation und Durchführung einer anderthalbtägigen Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern und mehr als 20 Referenten Geld kostet, haben Sie offensichtlich nicht realisiert. Für die Master Konferenz gab es keine universitären Töpfe, keine öffentlichen Zuschüsse oder sonstigen Drittmittel.

    Das Team für eine mehrmonatige Vorbereitung, Verbreitung und schließlich die Durchführung der Konferenz, Catering, Reisen und Übernachtungen der Referenten, die Erstellung und Pflege der Website und anderer Begleitmedien, Namensschilder, Fotograf und Fotokopien bis zur Pianistin, die die Abendveranstaltung begleitet – das alles kostet Geld und zwar nicht zu knapp. Ich hoffe, Sie können daher nachvollziehen, dass wir die Konferenz nicht ohne die Unterstützung der Unternehmen und die Teilnahmegebühren hätten durchführen können. Ein Großteil der Teilnehmer hat uns übrigens zurückgemeldet, dass ihnen die Tagung und das Gespräch mit dem jeweils anderen Lager einiges gebracht hat.

    Von alldem unabhängig, finde ich gut und richtig, dass es FUwatch gibt (allein, um Kommentare wie diesen zu provozieren). Nur wäre es schön, vorm Verfassen der Beiträge vielleicht zunächst ein zweites Mal hinzuschauen, um dann ernsthafter zu hinterfragen, warum was wie in Dahlem und umzu passiert.

    Beste Grüße,

    Sven Nagel

  2. Yo Says:

    Vergiss es!

    Mit diesem konzept von weiterbildung:
    „weiterbildende, also berufs- und damit wirtschaftsorientierte Master-Studiengänge“

    sowie der behauptung, das buckeln, hauen und stechen auf dem arbeitsmarkt für die privatwirtschaft sei ein zeichen für den hohen anspruch der betreffenden („muss es für Absolventen, die sich für einen anspruchsvollen Job qualifizieren oder weiterbilden wollen, entsprechende Studienangebote geben.“) hast du nix anderes als kritik an deiner veranstaltung verdient, sven nagel!

    Anspruchsvoll ist eine person, die mit netten menschen zu tun haben will, umfassende und langfristig mögliche persönliche erfüllung bei ihrer täglichen tätigkeit haben will; die sich nicht den großteil des tages chefs und letztendlich dem kapital unterordnen will.
    Und selbst wenn du genau für solche leute eine konferenz organisiertest – bei DEM eintrittspreis wäre auch die scheiße!

  3. Niklas Says:

    || Ohne Frage soll und muss es weiterhin
    || Fächer und Absolventen geben, dere
    || Studieninhalte nichts mit Wirtschaft,
    || Markt und „Berufsbefähigung“ zu tun
    || haben. Wer an der Hochschule oder in
    || nicht-wirtschaftlichen Zusammenhängen
    || forschen, lehren und arbeiten will,
    || soll auch die entsprechenden Studien-
    || gänge absolvieren. Um die ging es bei
    || der Master Konferenz nicht.

    Ja, aber warum eigentlich nicht? Zu recht verweisen Sie darauf, dass _auch_ Studiengänge an der Uni eine Zukunft haben sollten, die sich nicht auf einen reinen Ausbildungslehrgang zur anschließenden bestmöglichen Integration der AbsolventInnen in die kapitalistische Verwertungslogik reduzieren lassen möchten.

    Das Problem ist nur, dass diese Einsicht zunehmend weniger Zeitgenossen teilen und Ihre Konferenz trägt durch ihre einseitige Ausrichtung zu diesem Misstand bedauerlicherweise bei. Denn die Message ist doch: Studiengänge ohne eine eindeutige „ökonomische Verwertbarkeit“ sind eigentlich so belanglos, dass sie auf einer Veranstaltung die sich mutig „Master Konferenz“ nennt, nicht mit einbezogen werden müssen.

    || Dass sich verschiedene Unternehmen und
    || auch der Verband der privaten Hochschulen
    || im Rahmen der Master Konferenz engagiert
    || haben, geben Sie richtig wieder. Dass
    || die Konzeption, Planung, Organisation
    || und Durchführung einer anderthalbtägigen
    || Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern
    || und mehr als 20 Referenten Geld kostet,
    || haben Sie offensichtlich nicht realisiert.
    || Für die Master Konferenz gab es keine
    || universitären Töpfe, keine öffentlichen
    || Zuschüsse oder sonstigen Drittmittel.

    Gerade die Unternehmen könnten doch aber, wenn sie sich schon selbst engagieren, dann doch auch die Kosten für eine solche Veranstaltung übernehmen, immerhin sind sie es doch, die mehr noch als die AbsolventInnen (oder Weiterzubildenden) von den Resultaten dieser Konferenz profitieren möchten.

    Eine Konferenz wie die Ihrige wirkt zwischen Champagner-Empfang, Pianistin und 500 Euro Eintrittkarten geradezu grotesk dekadent, wenn man sich die Bedingungen ansieht, unter denen viele Studierende zur Zeit an der FU studieren und in dieser Stadt leben.

    Und statt die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und eine „Master Konferenz“ dazu zu nutzen, die erheblichen Defizite die die Umsetzung der Bologna Reform aufweist kritisch zu diskutieren und Lösungsansätz herauszuarbeiten, beschränkt man sich thematisch auf einen Teilaspekt, nämlich wie die Uni den Anforderungen der Wirtschaft zukünftig noch mehr entgegenkommen kann. Dies greift einfach etwas zu kurz.

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