Out of Dahlem Nr. 7

Schlappe eineinhalb Jahre hat sich der AStA für die aktuelle, siebente Ausgabe der Out Of Dahlem (OoD) Zeit gelassen (die sechste Ausgabe erschien Anfang 2007). Eine viel zu lange Zeit bedenkt man, dass es sich um die wichtigste Publikation des AStA handelt, die idealtypisch sicherlich einmal pro Semester erscheinen sollte.

Auch vielen der Artikel merkt man leider an, dass sie zeitlich doch relativ lange vor dem Release geschrieben worden sind. Dazu zählt z.B. der Aufruf zur uniweiten Aktionswochen im Kontext des Protestsemesters, denn besagte Aktionswoche war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der OoD 7 bereits wieder Geschichte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, stattdessen einen Rückblick auf die Aktionswoche zu lesen, eine Analyse dessen was geklappt und was eher nicht geklappt hat.

Gleiches gilt für die „Erklärung zum 40. Todestag von Benno Ohnesorg“, die auf den 02.06.07 datiert, also inzwischen auch schon wieder über ein Jahr alt ist. Nun hat sie inhaltlich dadurch vielleicht nicht unbedingt etwas an ihrer Aktualität eingebüßt, trotzdem mutet es natürlich seltsam an, zu lesen, dass am 02.06.07 auch die Auftaktdemo mit Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, an der auch FU-Studierenden teilnehmen werden (sic!).

Inzwischen haben (sic!) sie aber ja dran teilgenommen und es wäre interessant zu lesen gewesen, wie z.B. im Vorfeld die G8-Woche am OSI (die nicht zuletzt auch der Mobilisierung diente) rückwirkend gesehen wird. Eine Veranstaltung an der Uni, die von Studierenden organisiert wurde – zumindest das sollte sich doch mit dem eingeschränkten Mandat des AStA in Einklang bringen lassen.

Bester Artikel im Blatt ist sicherlich jener von Heiner Keupp zum Thema „Unternehmen Universität“, der zuvor schon in den „Blättern“ erschienen war. Der Tenor des Artikels ist nicht neu, beschrieben wird der neoliberale Umbau des deutschen Hochschulwesens und die negativen Konsequenzen aus diesem Prozess.

Was ihn so lesenswert macht ist die Fähigkeit des Autors viele Aspekte dieser Reform anzuschneiden, dabei aber dennoch präzise und auf den Punkt zuzuschreiben. Von Bologna über die neue „Exzellenz“ bis zur „Drittmittel-Wissenschaft“ deckt der Autor ziemlich viel ab. Selbst die verwendeten Zitate passen sich so gut ein, dass sie fast wie extra für den Artikel geschaffen wirken.

Gut gelungen ist ebenfalls der Artikel über den Bibliotheksskandal von David, Felix und Sebastian, sowie der von Ralf Hoffrogge über Lenzens berühmtes Freiheitsdenkmal. Inhatlich bieten diese Artikel nicht so viel neues, sie gehören aber sicherlich zu den ausführlichsten die bisher zu den beiden Themenkomplexen verfasst wurden und sind damit wirklich lesenswert.

Ein weiterer ebenfalls sehr guter und ausführlicher Artikel von Mathias Bartelt über die letzten Studien zum Thema BA an der FU wurde hier schon an anderer Stelle angeschnitten (siehe „Der Mythos vom besseren Studium“). Er eignet sich gut, um sich die Verhältnisse vor Augen zu führen, die die Bologna-Reform an der FU verursacht hat.

Einen weiteren Schwerpunkt im Blatt bildet eine ausführliche Berichterstattung über den Kampf gegen den Bologna Prozess in Spanien. Deutlich wird dabei, dass die Reform in Spanien ähnliche Defizite aufweist und einer ähnlichen Kritik unterliegt wie hier in Deutschland. Dennoch gibt es auch ein paar Unterschiede, man kann durchaus auch vom spanischen Widerstand lernen wie die Artikel von Ralf Hutter und Ralf Hoffrogge deutlich machen.

Doch so wichtig es auch erscheint, hier den Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen und z.B. auch eine europäische Vernetzung des Protests anzustreben – es hätte vielleicht ein Artikel zum Thema gereicht (stattdessen hätte man dann vielleicht noch Platz und Zeit für ein anderes Thema übrig gehabt).

Auch weitere Artikel wie über die gegenwärtige Situation in Sachen Studiengebühren, die fragliche Stipendienvergabe in Deutschland oder die Ausbeutung von PraktikantInnen sind Themen, die alle Studierenden beschäftigen oder zumindest beschäftigen sollten.

Obwohl ein vom AStA publiziertes Magazin geht es im „Out of Dahlem“ also keineswegs nur darum, die Politik des AStAs in jedem zweiten Satz zu preisen (solche etwas nervigen Eigenwerbungspassagen halten sich zum Glück in Grenzen), sondern allgemein über hochschulpolitischen Themen zu berichten und sie kritisch zu beleuchten. So ideologie-geladen wie von AStA-KritikerInnen unlängst in einer FUwatch-Debatte unterstellt, wirkt die OoD gar nicht.

Die Aussicht, dass die Einführung von Studiengebühren keineswegs unvermeidlich ist (siehe zuletzt Hessen), der Umstand das Sprachtests für ausländische Studierende in der gegenwärtigen Form an der FU abschreckend und wenig praktikabel sind oder dass die Bologna Reform ziemlich missraten ist – diese und andere in OoD-Artikeln bezogenen Positionen sind gut belegt und es sind keineswegs nur die Positionen von AStA-AnhängerInnen. Wer die OoD daher auf ein reines AStA-Propagandablatt zu reduzieren versucht, dessen Perspektive ist schlicht und ergreifend nicht ausdifferenziert genug.

Ob die neu geplante „FU-Zeitung“ (FUZ) eine brauchbare Alternative zur OoD ist, wird sich im kommenden Semster herausstellen. Denn sowohl die FUZ-Redaktion als auch der AStA planen offenbar jeweils eine Sondersusgabe zum 60. FU-Jubiläum. Falls sich die Autoren nicht doch noch zusammenschließen, wird man dann also direkt vergleichen können, welches der beiden Blätter sich kritischer und substanzvoller mit der FU-Geschichte auseinanderzusetzen vermag.

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