Studierende wollen FU-Zeitung rausbringen

Der Kommilitone Martin Fischer vom Silberlaube.de-Blog plant zusammen mit Autoren der OSI-Zeitung für das 60-jährige Jubiläum der FU im kommenden Semester eine FU-Zeitung. Nach diesem einmaligen Sonderheft soll die FU-Zeitung dann regelmässig erscheinen, also zu einer echten, gesamtuniversitären „Institution“ werden. Gesucht werden für dieses Projekt noch MitstreiterInnen.

Bisher sind ähnliche Projekte meist gescheitert, weil ihnen der AStA den Geldhahn zugedreht hat. Als Beispiel dafür kann zuletzt das „Polar Magazin“ gelten, das allerdings immerhin bis heute als reines Online-Magazin weiterexistiert (siehe polaronline.de). Dem AStA war „Polar“ nicht kritisch, nicht politisch genug (so meine ich mich zu erinnern war die Begründung) und der Druck dann einfach zu teuer.

Wenn der AStA aber nicht zahlt (oder die Redaktion auch bewusst nicht vom AStA abhängig sein will), müssen alternative Finanzierungsmodelle aufgebaut werden. Alle Versuche ein solches Hochschulmagazin alternativ durch Werbung oder Sponsoring zu finanzieren scheiterten bisher kläglich (oder waren auch nicht gewollt, weil man dann wieder abhängig von den Anzeigenkunden wäre).

Es dürfte jedenfalls interessant sein, wie die neue „FU-Zeitung“ sich finanzieren will. Nimmt man die aufwendigen Hochglanz-Flyer die das Projekt bewerben als Grundlage, scheinen die zukünftigen Zeitungsmacher ja schon eine recht üppige Geldquelle zu haben. Oder aber, sie zahlen den Spaß bisher aus eigener Tasche. Nur auf einer solchen Basis dürfte sich eine regelmässig erscheinende Zeitung über das Sonderheft hinaus kaum finanzieren lassen.

Das zweite zentrale Problem eines solchen Uni-Zeitungsprojekts war in der Vergangenheit immer, dass man die „Nachfolge“ nicht hinbekam. Also ein Jahrgang baute mit Elan eine solche Zeitung auf, publizierte einige Ausgaben, doch dann fehlte in den folgenden Jahrgängen auf einmal das „Personal“, um das Projekt auch über einen beschränkten Zeitraum hinaus weiter am Leben zu erhalten.

So war etwa der „agent provocateur“ über mehrere Jahre hinweg das zentrale Organ der linken OSI-Studierenenschaft, bis er dann nur noch unregelmässig erschien und inzwischen wohl ganz eingestellt wurde. Ganz einfach, weil sich niemand mehr fand, der das Projekt weiter vorantreiben wollte.

Der einzige studentische „Verleger“, der an der FU schon immer regelmässig etwas publizierte, war der AStA (nicht nur, weil er die Mittel, sondern auch das Personal hat). Zur Zeit ist es das „Out of Dahlem“, das zumindest halbwegs regelmässig erscheint und dessen Redaktion trotz politischer Anbindung oder Nähe zum AStA zentrale, aktuelle hochschulpolitische Themen und Diskussionen in Artikeln anspricht, die auch für Studierende lesenswert sind, die vielleicht sonst nicht viel mit dem AStA am Hut haben. De facto ist das „Out of Dahlem“ (OoD) zur Zeit das inoffizielle studentische Hochschulmagazin der FU.

Wer sagt, die Studierendenschaft braucht neben dem OoD auch noch etwas anderes, sollte erst einmmal auf den Punkt bringen, was ihn/sie am OoD stört. Natürlich ist das OoD links, astanah und kritisch, aber was wäre denn der Gegenentwurf? Eine eher feuilletonistisch-seichte Publikation? Homestorys mit Dozierenden, Kritiken über Berliner Szene-Studierendentreffs und vielleicht Kochrezepte für die studentische Küche? Dreiseitige Artikel über die Essens- und Getränke-Vorschriften im FB Wiwiss? Aber nun gut, man wird sehen.

Interessierte, die sich in den Bereichen Journalismus, Fotografie, Layout und/oder Akquisition auskennen, können sich jedenfalls unter fu.zeitung[at]googlemail.com melden und sollten auch mal einen Blick auf fu-zeitung.blogspot.com werfen.

40 Antworten to “Studierende wollen FU-Zeitung rausbringen”

  1. Thomas E. Says:

    Danke für die Ohrfeige, nehme sie gerne an. Im Übrigen essen und trinken wir immer noch.

    Zum Thema: Was Out of Dahlem fehlt, ist Meinungsvielfalt. Das übrigens nicht einmal im Semester, sondern laut AStA-Webseite das letzte Mal auch schon vor eineinhalb Jahren erschienen ist.

    Jedenfalls: Ich habe kein Problem mit linken Artikeln in einer Universitätszeitung. Ich habe aber ein Problem damit, wenn es nur linke Artikel gibt. Ich wünsche mir, dass verschiedene Sichtweisen zu einem Thema bearbeitet werden. Und ich wünsche mir tatsächlich auch eine Uni-Zeitung, die in Teilen auch einen Magazincharakter hat und nicht ausschließlich politisch ist, damit darüber auch solche Leute an die Hochschulpolitik geführt werden können, die damit sonst eher nichts am Hut haben.

  2. Niklas Says:

    || Jedenfalls: Ich habe kein Problem
    || mit linken Artikeln in einer
    || Universitätszeitung. Ich habe
    || aber ein Problem damit, wenn es
    || nur linke Artikel gibt.

    Die Masse der Studierenden an der FU ist aber doch nun mal „links“. Nicht so links wie der AStA vielleicht, aber links genug, die Themenauswahl im OoD als interessant und die Berichterstattung als angemessen einzuschätzen.

    Zumindest gehen die besprochenen Themen im OoD meiner Meinung nach alle Studierende etwas an, nicht nur die, die sich dem AStA nahestehend fühlen. Und ich denke bei den meisten Artikeln wird die Stoßrichtung der Autoren auch durch die Studierendenschaft geteilt (nicht nur durch den harten AStA-Kern).

    Okay, einschränkend muss man wohl einräumen, dass einige Artikel durch ihren verbiestert-kämpferischen Tonfall abschreckend wirken können, doch 1) hat sich da in den letzten Jahren m.E. durchaus eine Mäßigung breitgemacht, 2) ist dieser Tonfall angesichts der hochschulpolitischen Verhältnisse an der FU auch einfach unabdingbar.

    Ich glaube jedenfalls nicht, dass eine distanziertere, über den Dingen schwebende Schreibe, die neben „harten“ auch „leichtere“ Themen bedient, wirkliche eine Alternative ist.

    || Ich wünsche mir, dass verschiedene
    || Sichtweisen zu einem Thema bearbeitet
    || werden.

    Ja, das wäre natürlich ein denkbarer Ansatz. Meine Befürchtung ist aber, dass das im Fall der „FU Zeitung“ auf so eine Melange aus „Monopol“ und „einestages“ hinausläuft.

    Und ich bin skeptisch, ob man bisher unpolitische KommilitonInnen wirklich an die Hochschulpolitik heranführen kann, indem man neben kritisch-progressiven Artikeln auch „leichtere“ Lifestyle-Artikel in die Zeitung reinmischt. Das Konzept würde wohl kaum aufgehen.

  3. Gerrit Says:

    so what? Bleiben wir linkssektiererisch und bemitleiden unsere verschwindenden Freiräume in der OoD selbst? Ich weiß nicht, wo du deine Mehrheitsideen her bekommst, aber ich sehe (leider) keine „stumme Mehrheit“, die sich selbst als irgendwie links gerichtet beschreiben würde. Ich sehe Studierende, die unzufrieden mit bestimmten Aspekten des Studiums, vielleicht sogar mit grundsätzlichen Gegebenheiten sind. Aber sie würden es nie prekär, autoritär, neoliberal oder systemunkritisch nennen. Im Gegenteil. Die meisten Studierenden, die ich kenne (ich kenne mittlerweile erstaunlicherweise eine ganze Menge), kriegen Abwehrreflexe bei solchen Formulierungen. Nicht, weil die Inhalte sie abstoßen, sondern weil der Tenor selbstherrlich und ewig-spaßbefreit daher kommt.

    Und wenn wir diese Leute ranholen wollen, sie für Hochschulpolitik interessieren wollen, dann müssen wir Probleme nicht immer mit dem gleichen OoD-Duktus betrachten, sondern auch mal, danke Thomas, aus verschiedenen Sichtweisen. Das hat doch nichts mit Seichtheit zu tun, wenn ich Probleme kritisiere, ohne gleich das halbe Kapital mit einzuarbeiten.

    Wie, so eine Kritik wollen wir nicht? Ach nein, ich vergaß, wir sind ja sektiererisch.

  4. Niklas Says:

    || Bleiben wir linkssektiererisch und be-
    || mitleiden unsere verschwindenden Frei-
    || räume in der OoD selbst?

    Was bitte ist denn z.B. an der aktuellen OoD-Ausgabe „linkssektiererisch“? Soweit linksaußen lesen sich die Artikel doch gar nicht. Auch „Selbstmitleid“ lese ich da nicht, eher eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustands und dann eben auch berechtigte Kritik.

    Klar, ginge es in jedem zweiten Satz um die Überwindung des kapitalistischen Systems, wäre das auf Dauer recht ermüdend zu lesen, aber wie gesagt, ganz so zubetoniert liest es sich doch gar nicht.

    || Ich sehe Studierende, die unzufrieden
    || mit bestimmten Aspekten des Studiums,
    || vielleicht sogar mit grundsätzlichen
    || Gegebenheiten sind. Aber sie würden
    || es nie prekär, autoritär, neoliberal
    || oder systemunkritisch nennen.

    Und wie nennen sie es dann? Klar ist das mit aufgeladenen Kampfbegriffen immer so eine Sache, ich denke jedoch, dass „autoritär“ und „neoliberal“ durchaus Begriffe sind, mit denen man z.B. die Hochschulpolitik des Präsidiums durchaus bezeichnen kann. Man muss dann natürlich noch weiter ausführen, wie genau sich das äußert, aber das passiert ja durchaus. Und die Lebensverhältnisse in denen sich zunehmend mehr KommilitonInnen befinden, kann man mit „prekär“ ganz gut umreißen.

    || Nicht, weil die Inhalte sie abstoßen,
    || sondern weil der Tenor selbstherrlich
    || und ewig-spaßbefreit daher kommt.

    Und wenn Du dann Martins konsequent sarkastisch-süffisanten Tonfall auf silberlaube.de nimmst, wäre das Deiner Meinung nach der bessere Weg? Klar, es liest sich stilistisch wesentlich angenehmer, aber es ist eben auch nur bequemes Säuseln ohne irgendwo klar und deutlich Position zu beziehen.

    Das „Easy-Going“ auch nicht unbedingt ein Fortschritt ist, konnte man in diesem Semester sehr schön am „Campus Camp“ erkennen, das bekanntlich Dreh- und Angelpunkt des Protestsemester sein sollte. Der Protest bekam einen starken „Event-“ oder „Happening-Charakter“, bei dem die Beteiligten zweifellos viel Spaß hatten – neue Unterstützer in der Studierendenschaft konnte man damit trotzdem irgendwie nicht wirklich gewinnen.

  5. Projektgruppe FU-Zeitung Says:

    Wir bedanken uns recht freundlich für den Beitrag. Etwas seltsam fanden wir aber, dass hier ein Berichterstatter, der sich als kritisch versteht, Hochglanz-Flyer zur Grundlage seiner Recherche macht. Als seriöser gilt vielleicht das Nachfragen bei den Betroffenen.

    An Out of Dahlem stört uns dagegen nichts. Wir denken nur, dass das Heft gewisse Lücken offen lässt. Out of Dahlem ist in den letzten drei Jahren drei Mal erschienen, es beschränkt sich auf das Thema Hochschulpolitik und es repräsentiert allein die politische Position des AStA. Das ist legitim. Out of Dahlem ist die offizielle studentische Zeitschrift der FU. Wir gehen jedoch davon aus, dass es hier Studierende gibt, die gerne a) öfters und b) auch über andere Dinge als nur Hochschulpolitik etwas erfahren wollen. Hinzu kommt, dass Out of Dahlem das Organ einer politischen Organisation ist, die mit dem Heft bestimmte politische Ziele verfolgt. Auch das ist legitim. Wir denken jedoch, dass daneben einen unabhängige, journalistische Zeitung sinnvoll wäre. So wie es auch an der HU neben der politischen HUch die journalistische UnAuf gibt.

    Zum Format äussern wir uns besser nicht. Wir würden momentan hinter den hier gemachten Spekulationen weit zurück bleiben. Die Ideen werden wir aber bei der nächsten Sitzung, bei der erstmals über das Format diskutiert wird, gerne mit einbeziehen.

    Herzlichst,
    Projektgruppe FU-Zeitung

    PS: Dem Polar Magazin wurden, nach eigenen Angaben, aus dem folgenden Grund die Mittel gestrichen: «Auch bei einem kontroversen Thema wie den Studiengebühren war es für uns […] ganz selbstverständlich, verschiedene Seiten zu Wort kommen zu lassen […]. Aufgrund unserer Berichterstattung zu diesem Thema werden wir seit 2005 nicht mehr durch den Asta der FU-Berlin gefördert.» Siehe: http://www.polaronline.de/article.php3?id_article=340

  6. Niklas Says:

    Es geht also um eine Zeitung, die der StudiVZ-Generation eher genehm ist, die mehr „journalistisch“ als „politisch“ sein will. Also lag ich doch mit meiner Prognose, dass dieses neue Blatt in seiner Ausrichtung eher „feuilletonistisch-seicht“ wird, gar nicht so falsch.

    Demnach geht die ganze Diskussion um „Meinungsvielfalt“ auch an der Sache vorbei, denn Meinungsvielfalt bringt auch nicht viel, wenn es dann den Artikeln an „Durchschlagskraft“ – d.h. an einem aggressiven, die Verhältnisse systematisch analysierenden und kritisierenden Tonfall – mangelt.

    Aber gut, es lässt sich wohl kaum leugnen, dass es auch durchaus Interesse an solchen weicheren, „journalistischeren“ Campus-Magazinen gibt (mit WG-Geschichten, Auslands-Tagebuch, etc.). Denselben Status zu erreichen wie die UnAuf an der HU ist indes sicherlich ein recht ehrgeiziges Ziel; mal sehen wie das aussehen wird.

    Dass das OoD viel zu selten erscheint, ist in der Tat ein Problem. Nur wie oben ausgeführt, ist es in der Praxis grundsätzlich gar nicht so einfach, eine studentische Zeitung regelmässig (also mindestens ein, besser aber zwei Mal pro Semester) rauszubringen. Und hier lag das OoD (bzw. seine Vorläufer) in der Regel vor allen anderen Publikationen (die falls sie tatsächlich öfter erschienen, dann irgendwann eingestellt wurden).

    Meine Vermutung ist, dass die „FU Zeitung“ früher oder später dann ähnlich wie die „polar“ ein reines Online-Magazin wird, da ein Online-Magazin organisatorisch, personell und finanziell nun mal leichter am Leben zu erhalten ist, als eine Print-Publikation.

    Ohne Print-Ausgabe wird es dann allerdings schwer, wirklich breitere Massen in der Studierendenschaft zu erreichen. Der Erfolg der UnAuf wäre trotz Internet-Präsenz ohne Print-Ausgabe jedenfalls so wohl kaum vorstellbar.

  7. martin fischer - Silberlaube.de Says:

    Mich namentlich hervorzuheben ist zu viel der Ehre (oder zu viel der Denunzierung des Projekts, nimmt man das Ansehen, das ich offenbar bei dem Autor dieses Beitrags habe). Die Mehrheit der Initianden rekrutiert sich aus der OSI-Zeitung (ein Blatt, nebenbei bemerkt, das nicht gerade den Ruf eines sarkastisch-süffisanten Lifestyle-Magazins hat). Von ihnen kam auch die Idee zu einer FU-Zeitung. Ich hatte mich angeschlossen.

    Zur Silberlaube: Sie bedient lediglich ein kleines Grüppchen von Leuten, denen an der Freien Universität vor allem eines fehlt: Humor.

    Aber keine Sorge: Ich werde nicht mehr lange an der FU sein.

  8. Christian Says:

    Ich glaube hier wird ein ganz interessanter Fehlschluss vollzogen. Nur weil sich jemand nicht politisch agressiv und kritisierend (und wohl auch links) zeigen will, gehört er zur seichten StudiVZ-Generation. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich frage ob „seriöse“journalistische Tätigkeit immer auf solch hanebüchenen Verallgemeinerungen aufbaut? Ich fühle mich dabei auch ganz direkt angesprochen. Ich habe keinen StudiVZ-Account, lese weder Neon nicht Zeit-Campus oder ähnliche Publikationen, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich etwas in einer ASTA-Zeitung verloren hätte. Mir geht es vielmehr konkret darum Themen auch ohne Dogma präsentieren zu können. Ich kenne linke Publikationen wie den „Freitag“ die Themen trotz einer linken Sichtweise ausgewogen und ohne Beißreflexe präsentieren können. Was die linke Mehrheit angeht, so wage ich mir diese Behauptung außerordentlich in Frage zu stellen. Weder die letzte Vollversammlung, noch das Protest-Camp haben eine Mehrheit der Studierenden interessiert oder angesprochen. Hier wird einfach von einer Gruppe Politik betrieben, die glaubt zu wissen was die Studierenden wollen. Dem ist meiner Meinung nach nicht so.

    Der Autor dieses Artikels stellt die Grundfrage nach der Notwendigkeit einer studentischen Zeitung neben dem „Out of Dahlem.“ Diese stellt sich meiner Meinung nach nicht. Allein, sieht man nämlich von der Suggestion ab, dass jede journalisitische, kulturelle und unpolitisch-informative Berichterstattung negativ „seicht“ sei, fällt einem auf, dass außer politischer Berichterstattung und offizieller Verlautbarungen keine Printmedien an der FU verfügbar sind. Auch hier kommt wieder zum Tragen das Einzelne glauben zu wissen, welchen Bedarf es an der FU gibt. Allein, den Machern der FU-Zeitung geht es ähnlich, sie kritisieren aber nicht oder propagieren, dass es keine Zielgruppe für ein „Out of Dahlem“ gibt, sie versuchen sich einfach an einem neuen Projekt um das was ihnen fehlt auszugleichen.

    Eine weniger ideologische Berichterstattung bezüglich anderer Medien, dieses sonst sehr objektiven Blogs wäre wünschenswert.

    Zur Info: Der Autor dieses Kommentars versucht sich ins FU-Zeitungs-Projekt einzubringen.

    Viele Grüsse,

    Christian

  9. Niklas Says:

    Noch mal: Meine Befürchtung war, dass das Streben dem OoD eine Alternative mit mehr Meinungsvielfalt entgegen zu setzen darauf hinausläuft, dass man plant ein Magazin zu kreieren das wenn auch nicht ganz unpolitisch so doch zumindest etwas weniger politisch ist, als das OoD.

    Dass man – breitere Leserschichten im Auge – anfängt auch eher „boulevardeske“ Artikel mit aufzunehmen (was z.B. bei der oben angeführten „Unaufgefordert“ erkennbar ist, etwa hier). Dass man zwar z.B. auch das FU-Präsidium (oder meinetwegen den AStA) in Artikeln kritisiert, dabei aber nicht so harsch und deutlich wird, wie es die Sachlage erfordert.

    Eine Befürchtung die ich oben druch den Kommentar von „Projektgruppe FU-Zeitung“ eher bestätigt sah.

    Ein Tonfall der von „Hyperkritik“, „Bissigkeit“ und „Aggressivität“ geprägt ist, ist nicht Selbstzweck, sondern die logische und notwendige Reaktion auf eine Hochschulpolitk in deren Zuge z.B. die Bachelor-Umstellung nicht zu einer niedrigeren sondern einer höheren Abbrecherquote führt und damit – man muss es so sagen – Existenzen vernichtet.

    Und wenn mir dann in solchen Verhältnissen jemand sagt, wir machen ein Blatt das eher „journalistisch“ denn „politisch“ sein will, dass sich nicht nur mit Hochschulpolitik auseinandersetzt (was ja durchaus erstrebenswert wäre, wenn es dabei um Artikel ginge, die über den universitären Tellerrand hinausgehen und dabei kritische Gesellschaftsanalyse betreiben; was so wohl aber nicht gemeint war), dann ist das für mich keine Bereicherung.

    Dass es für andere eine Bereichung sein kann, lässt sich sicherlich kaum leugnen. Nur dass meine ich dann eben mit „StudiVZ-Generation“: Studierende die Gesellschaftstheorie als zu trocken ablehnen, die sich selbst genügen, die sich eher für die eigene Karriereplanung denn für hochschulpolitisches Engagement erwärmen können, die über „After-Shower-Partys“ philosophieren, die vielleicht auch mal Misstände in Artikeln kritisieren – aus Gründen einer vermeintlichen „Ausgewogenheit“ dann aber lieber nicht zu deutlich werden, usw.

    Und das OoD als zu ideologisiert einzustufen, nur weil es ein AStA-Blatt ist, das AStA-Positionen vertritt, und ohne an einigen Artikeln wenigstens exemplarisch deutlich machen zu können, wie genau dieses „Linkssektierertum“ eigentlich aussieht, ist halt auch sehr einfach.

  10. Gerrit Says:

    Ok, wenn es für dich keine Bereicherung ist, wenn die Menschen auch in Printmedien zum Ausdruck bringen wollen, daß sie zuweilen gerne auf diesem Planeten leben oder das Leben dort zumindest interessant finden, das ist… einfach ein wenig schade. Daß du zwischen dem AStA und der von Dir so verteufelten „StudiVZ-Generation“ auch keine Zwischenschritte erkennen kannst, finde ich seltsam. Und – gute Güte – du schreibst neuerdings von genau diesen „Massen“ Studierender, als seien sie zu verurteilen, weil sie nicht mit der Gnade der allgegenwärtigen Kritikfähigkeit ausgestattet sind, sondern ihre Sozialisierung unverschämterweise angenommen haben. Wenn man umsetzen würde, was du kritisierst, dann würden wir die „breiteren Leserschichten“ schlichtweg nicht erreichen und ihnen dann weder Kritik Light, noch Kritik+Lebensfreude noch überhaupt irgendwas kredenzen. Sondern schlichtweg nur die übliche Heulerei davon, wie schlecht das Leben im Allgemeinen und der Kapitalismus an der FU im Besonderen sind.
    nicht-politischer Journalismus besteht übrigens nicht ausschließlich aus Karriereportalen und Professor-Rankings. Damit ist erstmal gemeint, daß nicht aus einer der großen Verortungsboxen (links, liberal, konservativ, etc.) geschrieben wird. Man kann in der Tat investigativ schreiben, ohne vom AStA gemocht zu werden und es gibt auch Formen der Kritik, die ihre Daseinsberechtigung haben, ohne das System dekonstruieren zu wollen. Das kommt daher, daß es Menschen gibt, die Teile des Systems gar nicht dekonstruierenswert finden. Das mag man anders sehen, Respekt vor deren Lebenseinstellungen gehört aber dazu.
    Das ist wie mit diesem Blog hier: Kritisierst du andere Ideen, ist das vollkommen ok. Kritisierst du sie, weil sie anders als deine sind, dann haben wir ein Problem.

  11. Niklas Says:

    || Ok, wenn es für dich keine Bereicherung ist,
    || wenn die Menschen auch in Printmedien zum
    || Ausdruck bringen wollen, daß sie zuweilen
    || gerne auf diesem Planeten leben oder das
    || Leben dort zumindest interessant finden,
    || das ist… einfach ein wenig schade.

    Wie ich oben versucht habe deutlich zu machen, geht das auf die Situation zurück in der sich viele Studierende an der FU befinden (und nicht nur hier). Ich kann einfach nicht über „After-Shower-Partys“ schreiben, während zeitgleich KommiltonInnen wegen einer verkorksten Bologna Reform ihr Studium abbrechen müssen.

    Andere sind da vielleicht abgestumpfter oder verdrängen häßliche Aspekte ihrer Umwelt systematisch indem sie sich auf die schönen konzentrieren. Am Ende des Tages wird man aber feststellen müssen, dass sich so kaum etwas ändert.

    Auch die reine Kritik ändert zunächst mal nichts, sie bietet aber zumindest einen Ansatz, eine Perspektive.

    || Daß du zwischen dem AStA und der von Dir
    || so verteufelten „StudiVZ-Generation“
    || auch keine Zwischenschritte erkennen
    || kannst, finde ich seltsam.

    Nun ja, ich finde es seltsam, dass es offenbar so schwer ist zu akzeptieren, dass das OoD durchaus auch eine Linie vertritt, die breitere Zustimmung findet als der AStA als solcher.

    Man muss ja nicht zwangsläufig die Politik des AStAs gutfinden, um z.B. den Artikeln über das „Unternehmen Universität“, die Stipendien-Problematik und den Bibliotheksskandal inhaltlich zustimmen zu können.

    Auf der einen Seite die Beton-Funktionäre vom AStA (oder asta-nahestehend) die immer nur einseitig und „politisch“ schreiben, auf der anderen Seite die zukünftigen FUZ-Macher, die in ihrer Erhabenheit „journalistisch“ und vielseitig wenn nicht gleich „objektiv“ sein wollen. Das ist doch die Kategorisierung die hier immer wieder durchbricht.

    So nach dem Motto der typische OoD-Autor kann schon deshalb nicht „journalistisch“ schreiben, weil er sich den Luxus gönnt in seinen Artikel parteilich zu sein, nach Beurteilung der Sachlage also auch ein wertendes Urteil einzufügen, ja vielleicht gar einen kämpferisch klingenden Absatz.

    Diese Diskussion inwiefern in den Medien tatsächlich zwischen „Nachricht“ und „Meinung“ strikt getrennt werden kann, hatte ich schon mit Wolf, ich werde das nicht alles wiederholen. Nur so viel: Ich halte diese theoretische Trennung nach wie vor für stark konstruiert.

    Und tatsächlich kann es zwischen dem OoD-Stil und der „StudiVZ-Generation“ natürlich noch etwas anderes geben und es bleibt zu hoffen, dass die FUZ das trifft. Allein die Kommentare hier stimmen mich nicht unbedingt optimistisch.

  12. Wolf Dermann Says:

    Mensch, die DDR lebt weiter!
    Da diskutieren tatsächlich angehende Akademiker darüber, ob eine freie Presse notwendig sei, wo es doch schon das staatliche Propagandaorgan gibt.

    Fachlich gesprochen: Eine pluralistische Presse ist in der Demokratie (auch der Studierendenschaft) unverzichtar. Und da wir noch nicht mal ein binnenpluralistisches (Print-)Medium haben, brauchen wir auf jeden fall Außenpluralität. Daher: nur her mit den FU-Zeitungen, je mehr desto besser!

  13. Niklas Says:

    || Da diskutieren tatsächlich angehende Akademiker
    || darüber, ob eine freie Presse notwendig sei,
    || wo es doch schon das staatliche Propagandaorgan
    || gibt.

    Nach wie vor: Dass das was im OoD steht angeblich nur „Propaganda“ ist, müsste hier mal jemand wenigstens auszugsweise anhand von ein oder zwei Artikeln präzisieren.

    Diskutiert wurde nicht die Notwendigkeit einer „freien Presse“, sondern die Frage, ob ein alternatives Blatt zum OoD dann auch Themen enthalten sollte die nicht explizit (hochschul)politisch sind, sondern auch etwas über „studentischen Lifestyle“ berichten. Eine solches „weiches Infotainment“ ist natürlich legitim, würde aber von mir persönlich abgelehnt.

    Diskutiert wurde ferner, ob das OoD dadurch dass es eine AStA-Publikation nur Studierende anspricht, die ähnlich weit links sind wie der AStA oder ob es nicht auch für breitere, eher „links gemäßigte“ Studierendenkreise von Interesse ist, da der Tonfall gar nicht so radikal ist, wie hier offenbar manche einfach unterstellen.

    || Und da wir noch nicht mal ein binnenpluralis-
    || tisches (Print-)Medium haben, brauchen wir
    || auf jeden fall Außenpluralität. Daher: nur
    || her mit den FU-Zeitungen, je mehr desto besser!

    Tatsächlich wäre so etwas wie eine „Oppositions-Zeitung“ von der LHG als Gegenstück zum OoD ein denkbarer Weg. Die FUZ will aber offenbar verschiedene Positionen in sich vereinen, was zumindest die Gefahr birgt, dass das Blatt schwammig und beliebig wirkt. Das denkbare Problem wäre in diesem Fall also, dass es dem neuen Blatt dann an Profil fehlt.

    Unmöglich ist es nicht, in der OSI-Zeitung wurde es ja in ganz klassischer Form mit einander gegenübergestellten Pro- und Contra-Artikeln ausprobiert, dann aber wieder aufgegeben. Vermutlich weil es doch nicht so einfach ist, in einer Redaktion Leute zu vereinen, deren politische Ansichten doch relativ weit auseinanderliegen.

    Natürlich könnten theoretisch Redakteure der FAZ und der taz auch gemeinsam ein Blatt zusammen machen. Dass sie es nicht tun, kommt sicherlich nicht von ungefähr.

  14. Gerrit Says:

    Und noch einmal, Pluralität heißt nicht, daß sich nur die großen Grabenideen Liberalismus und Kommunismus (bzw. ihre Weiterentwicklungen und Abspaltungen) bekriegen. Es geht hier konkret nicht nur um die Möglichkeit, sondern auch das anzuerkennende Recht, unpolitisch oder affirmativ zu sein oder einfach aus einer grundsätzlich nicht positionierten Haltung heraus beide Seiten kritisieren zu dürfen. Die OZ hat nach wie vor Studierende aus dem „voll krass linken“ und dem liberalen Spektrum in den Redaktionssitzungen und beim Schreiben der Artikel und wir verstehen uns alle blendend. Das liegt daran, daß wir akzeptieren können, daß andere Lebensentwürfe und Ideen durchaus ihre Existenzberechtigung haben. Das Negieren dieser Existenzberechtigung hat bereits sein Zuhause in Religionskonflikten gefunden und nichts im politischen Diskurs der klassischen Großtheorien verloren. Was tut so weh daran, anderen Menschen den Wunsch nach unpolitischer Haltung oder nicht grundsätzlich kritischer Idee zumindest anzuerkennen? Du musst einen Menschen doch nicht mögen, um seinen Ideen und Lebenseinstellungen zumindest Respekt entgegen zu bringen. Selbst, wenn dieser Lebensentwurf vorsieht, nicht politisch zu sein. Zu einer pluralistischen Gesellschaft gehört auch die Möglichkeit, sich nicht an der Willens- und Entscheidungsfindung beteiligen zu wollen. Das kann ich durchaus versuchen zu verändern. Aber es als mögliche Option zu akzeptieren muss genau so drin sein, wie dir und mir unser politisches Engagement zu lassen.

  15. Niklas Says:

    || Die OZ hat nach wie vor Studierende aus
    || dem „voll krass linken“ und dem liberalen
    || Spektrum in den Redaktionssitzungen und
    || beim Schreiben der Artikel und wir ver-
    || stehen uns alle blendend.

    Wobei es dann schon auffällig ist, wie relativ wenig sich die verschiedenen Artikel voneinander abgrenzen. Der Eindruck der entsteht ist, dass man anstatt viele divergente Positionen darzustellen lieber dazu übergegangen ist, sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Und ob das dann wirklich ein Fortschritt gegenüber Publikationen wie dem OoD ist?

    || Was tut so weh daran, anderen Menschen den
    || Wunsch nach unpolitischer Haltung oder nicht
    || grundsätzlich kritischer Idee zumindest
    || anzuerkennen?

    Menschen mit einer „unpolitischen Haltung“ sind immer Teil des Problems, legitimes Ziel ist es daher sie politisieren zu wollen. Mit unpolitischen Artikeln (im Sinne von „After-Shower-Party“) in einer Studierenden-Zeitung kann dies aber kaum gelingen. Unpolitische Artikel helfen nur dabei, häßliche Entwicklungen ausblenden zu können.

    Und die These, dass das OoD so verbohrt ist, dass es auf breitere Kreise abschreckend wirkt, veranschaulicht hier ja auch keiner.

    || Du musst einen Menschen doch nicht mögen,
    || um seinen Ideen und Lebenseinstellungen
    || zumindest Respekt entgegen zu bringen.
    || Selbst, wenn dieser Lebensentwurf vorsieht,
    || nicht politisch zu sein.

    Wenn ich Missstände sehe und dann auf Leute treffe, die diese ausblenden, nicht wahr haben wollen oder relativieren, wie kann ich solchen Personen Respekt entgegenbringen? Ihre Gleichgültigkeit macht mich eher wütend.

  16. Der F Says:

    Mensch Niklas!

    Lass sie doch erstmal machen. Was da am Ende rauskommt, wirst Du doch sehen.

    So wie Du bemängelst, dass es Kommilitonen gebe, die aufgrund verkorkster Bologna-Reform ihr Studium abbrechen müssen (Belege? Wo?), wo niemand hinschauen würde (Belege? Wo?), so wie Du bemängelst, dass die OZ Einheitsbreit produzieren würde (Belege? Wo?)…
    Ja, ich bin auch kein Freund von Volleyballfeldern. Nein, ich bin auch für gute Lehre. Aber ich bin auch für Mitbestimmung, die funktioniert, die nicht dogmatisch im roten Café mit „Du bist hier falsch weil Du siehst das anders“-„Argumenten“ versucht wird zu betreiben. Ein Problem an tatsächlich journalistisch seriöser Berichterstattung wäre für die Linkskoalitionen an der FU nämlich, dass die Diskrepanz zwischen ihrem Handeln (wenig) und ihrem Reden (etwas mehr) deutlich werden könnte. Das wäre für die heutigen Oppositionsvertreter vermutlich ähnlich – aber sie sind halt Opposition.

    Wenn die tatsächlichen Positionsunterschiede zwischen Links und Rechts und Oben und Unten an der FU einfach so klein sind, dass Du die Unterschiede nicht mehr wahrnimmst, dann ist das vielleicht die Antwort auf deine Suche nach der Kritikfähigkeit.

  17. an f Says:

    Gehts noch?

    „So wie Du bemängelst, dass es Kommilitonen gebe, die aufgrund verkorkster Bologna-Reform ihr Studium abbrechen müssen (Belege? Wo?), wo niemand hinschauen würde (Belege? Wo?)“
    ——————–
    Der Artikel über die Studien, die die erhöhten Studienabbruchsquoten bestätigen, ist in der neuesten „Out Of Dahlem“ nachzulesen. Und der Beleg, dass niemand hinschaut, bist damit eindeutig du selbst.

    Viel Spaß bei dieser albernen Diskussion…

  18. Gerrit Says:

    @an f

    Hey, Genie, er hat Niklas‘ Stil parodiert.
    back to topic

  19. Niklas Says:

    || Lass sie doch erstmal machen. Was da am Ende
    || rauskommt, wirst Du doch sehen.

    Natürlich. Die Intention dieses Blogeintrags war ja auch eher „präventiver Natur“.

    || So wie Du bemängelst, dass es Kommilitonen
    || gebe, die aufgrund verkorkster Bologna-
    || Reform ihr Studium abbrechen müssen
    || (Belege? Wo?)

    Das ist nun wirklich hinreichend belegt und wurde wie der Kommilitone oben schon schrieb unter anderem auch in der aktuellen OoD-Ausgabe behandelt. Hier in FUwatch kann man dazu z.B. „Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne“ lesen.

    || wo niemand hinschauen würde (Belege? Wo?)

    Ziel sollte es sein, die LeserInnen auf wirkliche Probleme aufmerksam zu machen (Bibliothekszusammenlegung, Diplom-Abschaffung, Probleme beim Bologna Prozess, etc.), da nur so langfristig eine Chance besteht, sie gemeinsam zu lösen.

    Wenn man stattdessen (oder auch nur nebenher) Probleme beim Konsum von Bananen in der U-Bahn („polar“) oder den nackten Hintern der WGenossin („Unaufgefordert“) thematisiert, ist das diesem Ziel schlicht und ergreifend abträglich, das willst Du doch hier nicht ernsthaft in Frage stellen, oder?

    Solche Artikeln verwässern nur das Blatt, genau wie die „Panorama“-Rubrik bei Spiegel Online vielleicht mehr LeserInnen, Klicks und Werbeeinnahme bringt, aber kaum mehr Qualität und Seriösität.

    Zudem gibt es doch genügend Gazetten wie UniSpiegel oder Unicum die genau diesen Geschichten über den studentischen „Life Style“ viel Platz einräumen. _Dafür_ braucht es nun wirklich nicht noch ein Magazin in studentischer Eigenregie.

    || dass die OZ Einheitsbreit produzieren würde
    || (Belege? Wo?)…

    In der aktuellen OZ werden z.B. das Protestsemester bzw. die OrganisatorInnen kritisiert – und das zurecht. Wenn man an sich selbst jedoch den Anspruch hat, eine ausgewogene Publikation zu machen, dann müsste man doch als Kontrapunkt auch jemand etwas schreiben lassen, der das Protestsemester verteidigt und bei allen Probleme ganz gut fand (solche Leute muss es ja auch noch irgendwo geben). Selbiges gilt für die AStA-Kritik, die legitim ist, der dann aber keine Gegenposition gegenübergestellt wird.

    Einerseits ist das politische Spektrum der OZ-Redaktion also angeblich unglaublich weit, andererseits ist davon in den Ausgaben nicht so viel erkennbar. Klar kann man rauslesen, wer vielleicht etwas „weniger“ und etwas „mehr“ links ist, doch wirklich interessant wäre es, ganz klassisch zwei verschiedene AutorInnen mit unterschiedlichen Ansichten je einen Artikel zum selben Thema schreiben zu lassen. Diesen Ansatz gab es in früheren OZ-Ausgaben, er ist inzwischen aber irgendwo untergangen.

    || Aber ich bin auch für Mitbestimmung, die
    || funktioniert, die nicht dogmatisch im roten
    || Café mit „Du bist hier falsch weil Du siehst
    || das anders“-„Argumenten“ versucht wird zu
    || betreiben.

    Wohl wahr, die Frage ist allerdings immer noch, ob man diesen zurecht kritisierten Habitus so tatsächlich auch in den Artikeln des OoD wiederfindet. Und hier stelle ich nach wie vor fest: Der in einigen Kommentaren unterstellte Tunnelblick ist so einfach nicht in der OoD erkennbar.

  20. Christa Says:

    „Und die These, dass das OoD so verbohrt ist, dass es auf breitere Kreise abschreckend wirkt, veranschaulicht hier ja auch keiner.“
    Der beste Beleg, dass ein Breitenspektrum verschiedener Perspektiven wohl kaum gefördert wird, ist doch OoD selbst. Von Ausgewogenheit fehlt sowohl bei der Themensetzung („Schieflage der FU“) wie auch möglichen divergierenden Meinungsbildern jede Spur. Damit wird eine ganz bestimmte linke Zielgruppe bedient. Sei es als LeserInnen oder AutorInnen – den Anpruch, die breite Masse damit zu erreichen, sollte man daraus nicht ableiten, sonst straft einen die Realität Lügen.

    „… doch wirklich interessant wäre es, ganz klassisch zwei verschiedene AutorInnen mit unterschiedlichen Ansichten je einen Artikel zum selben Thema schreiben zu lassen. Diesen Ansatz gab es in früheren OZ-Ausgaben, er ist inzwischen aber irgendwo untergangen.“
    Der AStA, die LHG, die JuSos, du… ihr alle habt politische Ziele und v.a. Kapazitäten, um diese zu veröffentlichen. Es bedarf meiner Meinung nach keiner weiteren Werbefläche für derartige Offenbarungen. (Obwohl ich keine dieser Plattformen missen will!) Du darfst uns RedakteurInnen zutrauen, dass wir uns während der Recherche weitestgehend unvoreingenommen ein Bild der Situationen machen können, die wir beschreiben wollen. Wenn aber der AStA beispielsweise mehreren Interviewanfragen, wie bei OZ Nr. 5 und auch Nr. 6 geschehen, nicht nachkommt, ist er selbst schuld.

    Im Hinblick auf die FU-Zeitung bleibt noch zu sagen, dass es nichts Spannenderes gibt, als zu sehen, wie viele Leute sich dort gerne einbringen wollen. Warum sie das bisher zum Teil noch nicht in anderen Publikationen wie z.B. den oben genannten tun, wird sich spätestens nächstes Semester an den erwartbaren vielschichtigen Themeninhalten rund um die FU zeigen lassen. Alles weitere wurde bereits gesagt.

  21. Niklas Says:

    || Der beste Beleg, dass ein Breitenspektrum
    || verschiedener Perspektiven wohl kaum geför-
    || dert wird, ist doch OoD selbst. Von Ausge-
    || wogenheit fehlt sowohl bei der Themensetzung
    || („Schieflage der FU“) wie auch möglichen
    || divergierenden Meinungsbildern jede Spur.
    || Damit wird eine ganz bestimmte linke Ziel-
    || gruppe bedient. Sei es als LeserInnen oder
    || AutorInnen – den Anpruch, die breite Masse
    || damit zu erreichen, sollte man daraus nicht
    || ableiten, sonst straft einen die Realität Lügen.

    Die große Mehrheit der FU-Studierenden ordnet sich im politischen Spektrum als linksliberal ein. Dieses „Phänomen“ kann man an nahezu allen deutschen Unis beobachten. Dies bedeutet natürlich keineswegs, dass es eine große Massenunterstützung für die Politik des AStA gibt, der eben weiter linksaußen ist. Die Frage ist nun, ob das OoD als AStA-Blatt eine Ausrichtung hat, die ähnlich weit außen ist, wie die des AStA selbst. Was man bei nüchterner Betrachtung der Artikel verneinen muss.

    Dass die FU sich z.B. in einer „Schieflage“ befindet, sieht sicherlich nicht nur eine kleine, linke Minderheit so. Die Dinge die an der FU nicht „rund laufen“ sind in ihrer Summe einfach zu viele. Insofern ist der Ton vielleicht einseitig, läuft aber nicht unbedingt der Ansicht der Mehrheit oder zumindest auch größerer Gruppen entgegen.

    Natürlich wird es auch Studierende geben, die dieses „Schieflagen“-Gefühl nicht haben. Nur die können ihre Position ja dann in einem Oppositions-Blatt einbringen. Beide Positionen in einem Blatt zu vereinen und so dann Ausgewogengeit zu erreichen, ist dagegen schwierig (siehe unten).

    || Du darfst uns RedakteurInnen zutrauen, dass
    || wir uns während der Recherche weitestgehend
    || unvoreingenommen ein Bild der Situationen
    || machen können, die wir beschreiben wollen.

    Und eben das halte ich für einen Trugschluss und eine maßlose Selbstüberschätzung. Ich stimme Dir in Deiner Kritik am AStA z.B. zu, nehme Dir aber nicht ab, dass Du bei Deinen Recherchen unvoreingenommen warst. Die Wahrheit dürfte wohl eher lauten: Du hattest bereits vor Deinen Recherchen ein bestimmtes Bild vom AStA in Deinem Kopf, dass Du dann – oh wunder – durch Deine Recherchen bestätigt gesehen hast.

    Ich halte es für extrem problematisch wenn Redakteure oder Publikationen für sich in Anspruch nehmen „unvoreingenommen“ oder „ausgewogen“ zu sein. Tatsächlich kann man sich bestimmten Faktoren wie etwa der Sozialisation die man durchlaufen hat oder den persönlichen Erfahrungen die man gemacht hat, nur bis zu einem bestimmten Punkt entziehen. Objektivität ist ein nur schwer zu erreichendes Ideal und die meisten Personen die es sich auf die Fahne schreiben, hinken diesem selbsterklärten Standard dann hinterher.

    FUwatch ist kein ausgewogenes Blog, ebenso wenig die das vom AStA und der LHG. Dass OoD ist ebenso wenig ausgewogen wie der Spiegel, der Focus oder der oben erwähnte Freitag. Natürlich gibt es da noch qualitative Unterschiede, dadurch dass das OoD das Organ einer Institution ist, die dezidiert politische Ziele verfolgt. Und dennoch: Welches Blatt kann denn wirklich von sich behaupten, ausgewogen zu sein? Das ist doch reine Fiktion und ihr macht euch einfach selbst etwas vor, wenn ihr für euch beansprucht im Gegensatz zu den OoD-Redakteuren unvoreingenommen in die Recherche zu gehen.

  22. Wolf Dermann Says:

    Natürlich kann kein Mensch mit seinen beschränkten fünf Sinnen die objektive Welt vollständig wahrnehmen und originalgetreu wiedergeben. Natürlich existiert auch dadurch keine absolute Neutralität. Es macht aber einen riesigen Unterschied, ob man es wenigstens versucht sich dem Ideal der Neutralität so gut es geht anzunähern, oder ob man es von vornherein sein lässt und sich statt dessen dem Gegenteil, nämlich der offensiven Meinungsmache verschreibt. Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse der beiden Herangehensweisen ist durchaus inhaltsanalytisch trennbar zu erkennen!

    Christa scheint das Problem ja auch zu kennen, sonst hätte sie nicht geschrieben das sie sich „weitestgehend unvoreingenommen“ ein Bild machen würde.

    Darüber hinaus macht es natürlich auch einen Unterschied, ob die Redaktion eines Blattes eine politische Redaktionslinie hat, oder ob sie im Gegenteil etwa durch ein Redaktionsstatut vielfältige Meinungen im Blatt ermöglicht. Noch besser wird es dann, wenn man sogar aus verschiedenen Medien auswählen kann.

  23. Niklas Says:

    || Es macht aber einen riesigen Unterschied,
    || ob man es wenigstens versucht sich dem
    || Ideal der Neutralität so gut es geht
    || anzunähern, oder ob man es von vornherein
    || sein lässt und sich statt dessen dem
    || Gegenteil, nämlich der offensiven
    || Meinungsmache verschreibt.

    Wenn mit „offensiver Meinungsmache“ gemeint ist, dass etwa das „Out of Dahlem“ Missstände an der FU klar benennt, sie analysiert und kritisiert dann ist das für mich produktiver als ein alternatives Blatt, dass unter dem Deckmantel einer vermeintlich erreichbaren „Ausgewogenheit“ eine eher halbherzige Schreibe ohne die den Verhältnissen angemessene Bissigkeit präferiert.

    Anstatt daran zu arbeiten sich dem „Ideal der Neutralität“ anzunähern – was wie ausgeführt ohnehin nicht wirklich machbar ist – sollte man sich selbst als AutorIn vielleicht eingestehen, dass man immer durch die eigene politische Einstellung, Sozialisation, etc. „vorbelastet“ ist und aus dieser Erkenntnis heraus dann eine Berichterstattung betreiben, die nach dem Aufzeigen der verschiedenen Standpunkte der involvierten Akteure, klar Position gegen oder für etwas bezieht.

  24. Wolf Dermann Says:

    Wenn mit “offensiver Meinungsmache” gemeint ist, dass etwa das “Out of Dahlem” Missstände an der FU klar benennt, sie analysiert und kritisiert dann ist das für mich produktiver als ein alternatives Blatt, dass unter dem Deckmantel einer vermeintlich erreichbaren “Ausgewogenheit” eine eher halbherzige Schreibe ohne die den Verhältnissen angemessene Bissigkeit präferiert.

    Um meinen alten DDR-Vergleich wieder aufzugreifen: Was Du Dich fragst ist doch, „Was soll denn diese forderung nach Freier Presse hier bei uns in der DDR, das Neue Deutschland kritisiert den Kapitalismus im Westen doch schon doll genug!“
    Tja, wieso wollten die in der DDR denn eine freie Presse dann eigentlich? Weil sie auch mal eine andere Darstellung des Westens lesen wollten, so mit West-Musik und West-Autos? Oder vielleicht doch, weil es ihnen eigentlich nicht um die Darstellung des Westens ging, als viel mehr um andere Darstellungen der Lage im eigenen Land!?

  25. Mathias Bartelt Says:

    Liebe Leute,

    an einigen Stellen konnte ich Wolfs DDR-Vergleich nachvollziehen. Doch irgendwo ist auch mal gut.

    Vergleiche können durchaus Parallelen zu bzw. Annäherungen an andere/n Sachverhalte/n und ähnliche Mechanismen aufzeigen, doch vergleichen sie meist (scheinbare) Ähnlichkeiten und nicht Gleichheiten. Vergleichsargumente bleiben Vergleichsargumente, grundsätzlich schwach, weil nicht sach-immanent. Sprich: Sie verlassen das eigentliche Thema und die Ebene, auf der sich Wolf ja eigentlich begründen will – wie im Übrigen auch Niklas.
    Und die DDR ist ohnehin ein gern genutztes Totschlagargument. Somit jedoch noch lange kein Argument.

    Um es etwas zu versachlichen: Niklas versucht durchaus, sich zu begründen. An einigen Stellen ist seine Sorge durchaus nachvollziehbar, daß das hehre Ideal der (annähernden) Neutralität, und des dazu als bestem angenommenen Mittels der Breite, zu einer Pseudo-Neutralität führen kann, die von den sie Praktizierenden noch nicht ein Mal hinreichend selbst wahr genommen wird, weil sie im guten Glauben handeln, daß sie doch neutral seien. Weil sie – egal, wie alt und erfahren sie vielleicht sind – vielleicht noch gar nicht reflektiert haben, daß auch sie geprägt sind von verschiedenen Erfahrungen und Einstellungen. Einstellungen, die sich erst als subjektiv oder „relativ“ heraus stellen können, wenn sie auf andere Einstellungen treffen, die ihnen nicht entsprechen.

    Zum Profil der Zeitung: Ich halte es, bei aller wünschenswerten Breite, bei einer Zeitung für unpraktikabel, kein wie auch immer geartetes Profil zu haben. Eine Zeitung ohne gewisses Profil ist nichts sagend und offenbart auch Konzeptlosigkeit. Nur gibt es diese Zeitung hier noch nicht, sondern ist sie noch im Werden. Auch das Konzept ist noch im Werden.

    Jede andere Zeitung im öffentlichen Raum nun besitzt ein wie auch immer geartetes Profil. Das soll auf keinen Fall von größtmöglicher Breite und Seriösität abhalten (und um diese Seriösität insbesondere geht es). Viel mehr stellt sich die Frage, ob die Breite, die das neue Zeitungsprojekt bereits hat oder bekommen will (und die zur Unterstützung dieser Seriösität gereichen kann), überhaupt bereits an die Breite heran reicht, die selbst „profilierte“, d.h. in der Breite an ihre Grenzen gestoßene Medien bereits besitzen. Ob also ihre (unvermeidbaren) Grenzen so weit gesteckt sind, wie sie es von sich selbst denkt.

    Politisierung und empfindliche („unpolitische“) Breite der Redaktion bzw. der bisher Zugelaufenen:
    Hier halte ich die Ängste im neuen Zeitungsprojekt für nachvollziehbar. In dem Moment, wo es um Politik geht – und je konsequenter, desto mehr -, wird sich die Redaktion unweigerlich der Tatsache stellen müssen, daß eigene – bisher vielleicht noch gar nicht so deutlich hervor getretene oder selbst-reflektierte – Positionen der verschiedenen Redaktionsmitglieder (die vielleicht doch nicht auch nicht so unpolitisch sind, wie sie denken, sondern politisch wirksam oder politisch beeinflußt) ihren Niederschlag finden. Es können „Fronten“ (die nicht undurchdringlich sein müssen) sichtbar werden, die sonst nie sichtbar geworden wären. Zwischen Freunden, Kommilitonen usw.. Manche sind erstaunt, Andere wiederum nehmen dieses Phänomen eher frustriert wahr, weil Selbstverständlichkeiten, die sie (implizit) voraus gesetzt haben, sich als für Andere doch nicht so selbstverständlich heraus stellen.
    Sich deshalb aber der Politik vollständig zu enthalten (was ich hier keinem und keiner in Absolutheit unterstellen will), ist ein Anliegen, dem hehre Motive zu Grunde liegen mögen, jedoch auf mich zu einem gewissen Grad auch noch etwas naiv wirkt. Es mag mithin die Unschuld einer neuen Generation sein, die sich diesen Fragen noch nicht stellen mußte.

    Es ist letztlich auch eine Frage des Profils der Zeitung. Die Sorge, daß all zu starke Politisierung (im Sinne auch von eigenen Positionierungen oder der Aufnahme von solchen von inner- oder außerhalb der Redaktion in Artikel der Zeitung) das gerade erst gestartete Projekt belasten könnte, kann ich jedoch gut nachvollziehen.

    Zu Christa:

    „Im Hinblick auf die FU-Zeitung bleibt noch zu sagen, dass es nichts Spannenderes gibt, als zu sehen, wie viele Leute sich dort gerne einbringen wollen. […]“

    –> Hier stimme ich Christa wie auch Gerrit zu: Warten wir erst ein Mal ab. Auch ich fand es am vergangenen Donnerstag beim offenen Treffen zur allmählichen Quasi-Konstituierung einer Redaktion bzw. von Rubriken, das sehr zahlreich besucht gewesen ist (30 – 40 Studierende, wenn nicht mehr), interessant, zu beobachten, wie es sich von null auf langsam entwickelt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist noch Alles offen.

    Zum Konzept:

    Für unabdingbar halte ich es, daß gerade eine Zeitung und die an ihr Mitwirkenden so gut wie möglich über Alles im Bilde sind, denn sie wollen ja schließlich auch möglichst kompetent darüber informieren (d.h. sie richten etwas an jemanden) und nicht Selbstzweck werden. Dies bedeutet m.E. auch ernsthaft „investigativen Journalismus“, wie am Beispiel des „Studienerfolgsberichtes“. Wie es dann kommentiert wird – von inner- und außerhalb der Redaktion -, steht auf einem anderen Blatt. Daß auch abseits des gesonderten Kommentierens die Art des Informierens und des Über-welche-Details-des-Ganzen-Informierens fehleranfällig und mithin vom berichtenden Subjekt (oder einer Gruppe von Subjekten, die inhaltlich zusammen nicht zwangsläufig viel breiter sind) abhängig ist, ist – meine ich – Konsens.

    Ich halte es in jedem Falle für notwendig, eine kontinuierliche Öffentlichkeit an der FU herzustellen. Fast egal, wer es veröffentlicht und kommentiert. Wichtig ist, DASS es veröffentlicht wird. Allein dies, konsequent auf allen Ebenen umgesetzt, wäre ein Quantensprung an der FU. Mehr als genug seriöser Informationen stehen zum Teil offen, zum Teil weniger offen an vielen Stellen zur Verfügung.
    Nichts würde mehr so funktionieren, wie es dies immer noch tut. Auch autokratische Entscheidungen können im nicht mehr ganz so luftleeren Raum nicht mehr so konsequent, mithin gar nicht mehr umgesetzt werden. Daß auch ein/e Autokrat/in sich der Zeit anpassen und die Öffentlichkeit zu Nutze machen kann, kann dabei nicht verhindern, daß er an ihr nicht mehr vorbei kommt.

    Wenn viele FU-Gremien bzw. -Funktionäre vor einem Sorge haben, dann vor (kompetenter) Öffentlichkeit. Dabei ist es insbesondere auch die Seriösität dieser Öffentlichkeit, an der sie nicht vorbei kommen. Auch Professor/innen können nicht umhin, anzuerkennen – oft widerwillig zwar, hinter größtem Lächerlichmachen und hinter größter, verachtendster Arroganz zur Verteidigung ihres Statusdenkens (so erlebbar zumeist nur in den universitären Gremien) -, wenn ihr oftmaliger Anspruch auf („absolute“) Weisheit und weise Entscheidungen gegenüber allen im Status „Niedrigeren“ sich als falsch heraus stellt. Wie wenig sie das – insbesondere in institutspolitischen, hochschulpolitischen oder gar allgemeinpolitischen Entscheidungen – sind, zeigt sich Tag für Tag auf’s Neue. Damit will ich kein pauschales Feindbild allein der Professor/innen zeichnen. Doch das Gesagte gehört mit zu den größten Problemen an der FU, an der Status-Denken (zunehmend sekundiert, fort gesetzt oder verstärkt durch „Exzellenz“-Denken), die Verteidigung des Status und die Durchsetzung der gesetzlich garantierten feudalen Stimmenmehrheit zum Erhalt dieses Status mithin wichtiger ist, als die weiseste Entscheidung oder auch nur der weiseste Kompromiß.

    So weit hier erst ein Mal und

    Mit besten Grüßen

    Mathias Bartelt

  26. Christa Says:

    „Die Wahrheit dürfte wohl eher lauten: Du hattest bereits vor Deinen Recherchen ein bestimmtes Bild vom AStA in Deinem Kopf, dass Du dann – oh wunder – durch Deine Recherchen bestätigt gesehen hast.“
    Die Wahrheit ist, dass ich „den“ AStA als bestehendes Organ in seiner Arbeitsweise nicht kannte. Ich hatte mangels Kenntnis kein Bild vom AStA (höchstens Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt immer noch nicht geklärt ist), dessen Bestätigung ich unbedingt finden wollte, sondern wurde lediglich zur letzten StuPa-Sitzung eingeladen, welche die offensichtliche Grundlage meines Artikels bildet. Insofern stellt mein Artikel eine Re(!)aktion auf diesen von mir als bestehenden Missstand bezeichneten status quo dar, über den zu wenig Studierende bescheid wissen und auf den auch ich eher zufällig gestoßen bin. Wenn ich dich also richtig verstehe, ist das doch genau das, was du unter gutem, produktivem journalistischem Vorgehen einordnest: Beobachten, Beanstanden und Benachrichtigen.

    „(…) dass man immer durch die eigene politische Einstellung, Sozialisation, etc. “vorbelastet” ist (…)“
    Das leugne ich nicht. Es wäre vermessen, zu glauben, ich könne frei von Orientierungswerten welcher Art auch immer auf Dinge zugreifen. Allerdings traue ich mir zu, Unrecht zu erkennen und dieses, wenn möglich, aufzudecken. Insofern ist die Thematik zur Schieflage im aktuellen OoD legitim. Aber was ist mit dem ganzen unausgesprochenem Rest? Obwohl mehr im Argen liegt, als wir wissen, gibt es auch Dinge, die, weil positiv, hervorgehoben werden müssten; und ich spreche hier nicht von geglückten Clustern für eine mehr als scheinheilige Exzellenzinitiative! Wenn nicht die FU als Institution selbst, so ist aber die Studierendenschaft wert, dass man sich ihrer annimmt.

    Die große Mehrheit der Studierenden an der FU sei, wie an den meisten Unis, linksliberal und damit etwas moderater als der AStA, sagst du. Wir wollen uns mit der FU-Zeitung genau der Belange dieser Mehrheit annehmen und herausfinden, wie sie wirklich ist. Präziser formuliert: Eine Vielzahl Studierender aus den unterschiedlichsten Fachbereichen ist gerade dabei, diese Aufgabe selbstständig wahrzunehmen. Das Endergebnis spiegelt also im besten Fall die eigenen Interessenschwerpunkte wider und sollte respektiert werden. Wir wollen einfach die Möglichkeit schaffen, dass sich der Großteil selbst eine Stimme gibt. Wie laut, offensiv, kritisch, bissig, humoresk und ausgewogen das ganze auch wird – es hängt von den Beteiligten selbst ab. Und dass es sich dabei um nicht wenige handelt, kann man bei jedem wöchentlichen Redaktionstreffen sehen, wo sich regelmäßig mindestens so viele Studierende zusammenfinden, wie bei den VVs. Von den anderen weit über 100 Interessierten, die wegen Klausuren o.ä. verhindert sind, dafür aber in regem Emailkontakt zu uns stehen, ganz zu schweigen.

    Deine Bedenken mögen berechtigt sein und ich teile sie auch an einigen Stellen, denn ich will nicht verantwortlich sein für das nächste unsinnige „Uni-Lifestyle-Magazin“ – es wäre die ganze Mühe nicht wert. Aber zu behaupten, man könne sich gut in OoD einbringen, wenn man nicht immer nur Kritik üben will oder einen anderen ideologischen Standpunkt vertritt, ist lächerlich. Es fehlt der FU schlichtweg an einer offenen (aber deshalb nicht profillosen), inklusiven Dialogplattform, zusätzlich zu einseitigen MeinungsmacherInnen.
    Wieso muss man den Versuch, ein demokratisches Medium zu schaffen, derartig bekämpfen? Es drängt sich mir momentan der Verdacht auf, dass du deine Kritik immer willkürlicher setzt und absolut nicht einsehen willst, dass es auch sein Gutes hat, dass so viel studentische Aktivität möglich ist. Ein meiner Ansicht nach ausschließlich begrüßenswerter Prozess.

  27. Rezension der sechsten OZ-Ausgabe « FUwatch Says:

    […] Gegenposition gegenübergestellt worden ist (etwa durch ein AStA-Mitglied). Christa hat in einem FUwatch-Kommentar deutlich gemacht, dass es solche Versuche gab, der AStA aber offenbar zu keinem Interview bereit […]

  28. Niklas Says:

    Tatsächlich ist das beste Argument für die FUZ wohl, dass das OoD vermutlich keine Artikel publiziert, die sich z.B. kritisch mit dem hochschulpolitischen Engagement des AStAs auseinandersetzen.

    Wenn Studierende eine Zeitung machen wollen, die nicht auf AStA-Linie liegt, dann müssen sie zweifellos ihr eigenes Blatt machen. Die Frage ist nur, ob es dann nicht sogar sinnvoller wäre ein klares Oppositions-Blatt zu machen, anstatt den Versuch zu unternehmen, politisch recht weit auseinander liegende Autoren unter einem Dach zu vereinen. Wenn man das wirklich so machen will, dann müsste man divergente Positionen zu ein und demselben Thema stärker fokussieren, als das bisher z.B. bei der OZ passiert ist.

    Ferner habe ich hier herausgelesen, dass es nicht nur darum geht ein Blatt zu machen, dass vielseitiger ist als das OoD, nein, man möchte auch generell unvoreingenommeneren Journalismus machen als beim OoD. Dem „politischen“ Redakteur des OoD wird der zukünftige „jounalistische“ Redakteur der FUZ gegenübergestellt, dessen Berichterstattung allein schon deshalb besser ist, weil er nicht einer bestimmten politischen Linie folgt, sondern zumindest versucht „Neutralität“ zu erreichen.

    Was ich erstens für Fiktion halte, da der vermeintlich unvorgenommenere FUZler (oder OZler) in Wahrheit auch nicht „neutraler“ an seine Recherche herangeht als der OoDler. Zweitens selbst wenn es hypothetisch möglich wäre sich der Neutralität zumindest anzunähern, habe ich meine Zweifel, ob das wirklich so erstrebenswert ist. Eine Berichterstattung die wirklich „neutral“ ist und dann keinem mehr wirklich auf die Füße tritt, nirgends mehr gegen irgend etwas oder irgend wen Position bezieht, können wir hier zumindest m.E. nach nicht gebrauchen.

    Anders als das OoD muss die FUZ in der Tat nicht einen politischen Kurs im Sinne des AStA folgen, sie sollte aber schon ein gewisses Profil ausbilden, wie einige Kommentatoren ja hier auch schreiben. D.h. unter anderem auch, nach Abwägung von Pro und Kontra feststellen für welche der Parteien eher die Fakten und die Argumente sprechen und für diese Seite dann auch Partei ergreifen, anstatt sich auf (Schein)neutralität zurückzuziehen und am Ende ein Blatt zu präsentieren, dass sich stark „blutleer“ liest.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele KommilitonInnen auch auf Lifestyle-Artikel ansprechen, nur halte ich es für Verschwendung von Ressourcen, wenn es neben den nicht-studentischen Lifestyle Campus Magazinen dazu nun auch noch Beiträge in studentischen Magazinen gibt. Es gibt dafür einfach zu viel andere, wichtigere Themen.

    Es ging nicht darum die FUZ totzuschreiben noch bevor sie überhaupt das Licht der Welt erblickt hat, sondern zunächst einfach mal abzuklären, welche Defizite die OoD aufweist. Denn eine zweite OoD wäre ja sinnig, die FUZ sollte sich wenn ins Leben gerufen, dann schon von der OoD unterscheiden. Umgekehrt bedeutet dies aber auch sich anzusehen, welche Dinge man von der OoD trotzdem übernehmen kann, da sie ganz produktiv sind.

    Hier finde ich es bedauerlich, dass die OoD weiterhin nur als eine Art „Kampfblatt des AStA“ gesehen wird und von Mathias vielleicht mal abgesehen keiner der Kommentatoren hier bereit ist, sich ein etwas differenziertes Bild dieser Publikation zu machen, um dann feststellen zu können, dass die Stoßrichtung der OoD-Artikel durchaus auch im Selbstverständnis von sich links definierenden FU-Studierenden liegt, die ansonsten nicht unbedingt dem AStA anheim fallen.

  29. Christa Says:

    OoD ist einseitig, radikaler und trotzdem vollkommen in Ordnung, weil es eine feste Zielgruppe und auch -vorstellungen hat, die bedient werden wollen. Würden andere Elemente aufgenommen, wäre auch hier die von dir gelobte Bissigkeit schwer zu erhalten. Und wer will das Heft denn schon verwässern? Die bisherigen AutorInnen sicher nicht. Für neue, andersdenke RedakteurInnen lohnt sich der Widerstand gegen einhergebrachten Strukturen ggf. ebenso wenig.

    Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ersetze Neutralität durch Ausgewogenheit. Im Sinne der FUZ heißt das nicht, dass man als AutorIn keine Meinung zu bestimmten Sachverhalten hat, sondern dass divergierende Ansichten zu einem Thema Platz finden sollen. (An der OZ kritisierst du, dass Risse nicht zu Wort gekommen sei. Zum einen war das aus Zeitgründen nicht mehr möglich und andererseits hätten wir dazu eine direkte Gegenmeinung gebraucht, um keine Schlagseite zu bekommen. Die FUZ würde das wiederum direkt angehen.) Keine leichte Aufgabe – das ist wahr. Aber die Nachfrage nach Pluralität ist da.

  30. Mathias Bartelt Says:

    Liebe Leute,

    zu Niklas‘ letztem Kommentar:

    „Hier finde ich es bedauerlich, dass die OoD weiterhin nur als eine Art “Kampfblatt des AStA” gesehen wird und von Mathias vielleicht mal abgesehen keiner der Kommentatoren hier bereit ist, sich ein etwas differenziertes Bild dieser Publikation zu machen, um dann feststellen zu können, dass die Stoßrichtung der OoD-Artikel durchaus auch im Selbstverständnis von sich links definierenden FU-Studierenden liegt, die ansonsten nicht unbedingt dem AStA anheim fallen.Hier finde ich es bedauerlich, dass die OoD weiterhin nur als eine Art “Kampfblatt des AStA” gesehen wird und von Mathias vielleicht mal abgesehen keiner der Kommentatoren hier bereit ist, sich ein etwas differenziertes Bild dieser Publikation zu machen, um dann feststellen zu können, dass die Stoßrichtung der OoD-Artikel durchaus auch im Selbstverständnis von sich links definierenden FU-Studierenden liegt, die ansonsten nicht unbedingt dem AStA anheim fallen.“

    eine Präzisierung, um Mißverständnisse zu vermeiden:

    Ich versuche, mir in diesem Gesamt-Zusammenhang ein differenziertes Bild zu machen. Zum OoD selbst habe ich mich nicht geäußert. Auch nicht zu seinem Selbstverständnis, dem der Studierenden oder der großteiligen politischen Ausrichtung der FU-Studierenden.

    Ansonsten begrüße ich die (Re-) Versachlichung der letzten Kommentare. Sie hat sowohl Niklas als auch Christa die Möglichkeit gegeben, ihr Gesicht mehr zu wahren und die Debatte entsprechend gelassener zu führen.

    Schöne Grüße

    Mathias

  31. Yo Says:

    Ich hab ja nix grundlegend gegen eine autonome studi-zeitung. U.a. weil der asta natürlicherweise auch mal kritik verdient, die bisher im ood nicht vorkommt. Basisdemokratisch interessierte sollten es vorziehen, dass es öffentlichkeit über die relevanten tätigkeiten der studi-repräsentanz gibt, und zwar öffentlichkeit, die sich vom üblichen parlamentarischen gedisse abgrenzt.

    Allerdings ist mir das, was ich bisher darüber lese, nicht sympathisch. Das projekt klingt eher nach der üblichen strategie, inhalte durch abgrenzungen zu anderen meinungen und zurückhaltung zu ersetzen.

    Eine der wichtigsten proklamationen einer wichtigen – heute vom namen her sehr bekannten, von den inhalten her aber zunehmend unbekannten – sozialen bewegungen war und ist: Das private ist politisch!
    Wer beim zeitunglesen immer primär unterhalten werden will, sagt damit etwas über die eigene weltsicht und meistens auch die eigene soziale position etwas aus.

    Wem das thematisieren gewisser problematiken nicht passt, sollte nicht von ausgewogenheit reden, sondern zugeben, von jenen problematiken vielleicht einfach nicht so getroffen zu werden. Ausgewogenheit, neutralität, weniger verbissenheit – das sind in diesem fall nichtssagende forderungen, hinter denen sich ahnungslosigkeit und naivität verstecken. Entweder du hast was zu sagen, oder nicht.
    Aber darum geht es ja immer weniger, es geht um unabhängigen journalismus (als ob im ood nur asta-angehörige schreiben und als ob die dann abhängig wären)!
    Journaismus ist aber, genau wie wissenschaft, kein selbstzweck, besser gesagt: Sie sollten kein selbstzweck sein! Das vergessen heutzutage alle vorzeige-demokratischen kleingeister, die abstrakt pluralismus als das höchste proklamieren und meinen, dass sei ein politischer standpunkt.
    Hier wird von einigen leuten bewusst eine standpunktlosigkeit gefordert (doch doch, trotz aller abwiegelungen). Hauptsache, es schreiben viele leute aus vielen perspektiven. Dass das nicht stimmt, vielmehr in jeder redaktion auch ausschlüsse von themen/meinungen vorgenommen werden müssen, sollten alle zugeben, dann wird auch die kritik am asta/ ood (obwohl es bisher keine substantielle ab) hinfällig.

    Hätte ich fast vergessen: Eine erklärung der begriffe links/ weiter links usw. würde mich sehr freuen. Wer die nicht leisten kann, sollte einfach auf solche kampfbegriffe verzichten und endlich mal sachlich werden. Bisher scheint es eher so, dass bereits worte wie „kapital(ismus)“ in einem uni-bezogenen text unwillen hervorrufen.

  32. Wolf Dermann Says:

    Dann haben wir ja jetzt unsere Differenzen erfolgreich auf das eigentliche Problem runtergekocht:
    Während ich und andere von Medien erwarten, dass sie uns nur informieren und nicht agitieren, die Schlüsse und ggf. Aktivitäten also dem Leser zum selbst-herausfinden überlassen (liberaler Ansatz), erwarten Niklas, Yo und andere, dass die Medien klar Position beziehen und die Stoßrichtung vorgeben (autoritärer Ansatz).
    Finde ich übrigens spannend, denn der autoriäre Ansatz setzt ja schließlich voraus, dass die Redaktion die Position einer Meinungselite einnimmt – und selbsternannte Eliten sind doch eigentlich nicht nur aus unserer Sicht verpönt.

  33. Ralf Says:

    „klar position Beziehen“ ist also schon ein „autoritärer Ansatz“?

    Damit ist ja dann zugegeben, dass klare Positionierung nicht erwünscht ist, also unpolitisches Infotainment her soll. Wer das will, soll es machen, am besten werbefinanziert und hochglanz – ob das allerdings ne marktlücke ist, wage ich angesichts vollgemüllter Mensatische zu bezweifeln.

    Ansonsten kann ich als regelmäßiger OOD-Autor nur Niklas rechtgeben: weist doch bitte mal nach, dass die Artikel verbiestert und verbohrt sind. Das wird bisher nur mal so behauptet und mehr nicht. Faktisch ist das OOD die einzige Publikation, die FU weit das Präsidium und seine Hochschulpolitik kritisiert, eine absolute Notwendigkeit angesichts der gleichgeschalteten FU-Imagewerbung in Internet, Tagesspiegel-Beilage und diversen Broschüren…

    Im Übrigen wurde bisher noch keinmal das zweite Asta-Organ erwähnt, nämlich das AStA-Info, das ebenfalls über Hochschulpolitik an der FU informiert. Wenn nun also gesagt wird, das OOD kommt zu selten raus, dann sollte man bitte berücksichtigen, dass aus aktuellen Anlässen durchaus öfter mal ein AStA-Info erscheint. Noch öfter wär natürlich noch besser, aber

  34. Ralf Says:

    …aber noch öfter publizieren ist halt viel arbeit. Und nebenher wollen ja auch noch der Kalender, das Erstsemesterinfo etc. pp. gemacht werden…

  35. Mathias Bartelt Says:

    Lieber Wolf,

    gut formuliert, denn: „… und andere“ („… Niklas, Yo und andere…“) heißt ja nicht gleich „DIE anderen“ (und damit ALLE Anderen). ;-)

    Jetzt mußt Du nur noch erklären, wen außer Yo und Niklas Du damit meinst, warum und wie weit der oder die jeweilige Andere wie im Übrigen auch Yo und Niklas Deiner Meinung nach einen autoritären Ansatz vertritt, ob das so pauschal für jedeN EinzelneN der Genannten zutrifft.

    Ich weiß, das ist so pauschal nicht Deine Auffassung. Nur mußt Du sie dann schon mehr differenzieren. Sonst bleibt es eine (mithin intuitive) Meinung, die Du mal eben hinaus gestoßen hast.

    Im Übrigen schließe ich mich Yo in so fern an, als ich es doch begrüßen würde, wenn „Kampfbegriffe“ wie „links“ oder eben auch „autoritär“ hier so pauschal nicht zur Anwendung kämen. Pauschale Schubladen führen hier sicher nicht weiter.

    Bereits der Begriff „liberal“, ich will das Wort hier übersetzen mit „frei“, sagt nicht wirklich viel aus. Frei wovon, frei wozu usw.? „Freiheit“ für sich genommen ist äquivok (Alles und nichts bedeutend). Viele benutzen dieses Wort viel zu beliebig. „Frei“ zu sein bedeutet nicht zuletzt einen Bezugsobjekt/-subjekt zu besitzen, von dem mensch frei sein will.

    Im einen wie auch anderen Falle bleibt Deine Aussage relativ inhaltslos und führt hier nicht wesentlich weiter. Deine Kritik insgesamt hast Du hinreichend deutlich gemacht.

    Ich denke, ein wesentliches Problem in der Diskussion hier ist nicht nur, daß es abstrakt darum ginge, „die Anderen/ anderen Meinungen etc.“ (wen?) auch in einem Medium vertreten zu haben, sondern insbesondere auch die eigenen Meinungen vertreten zu haben. Angst vor Pluralismus – ich versuche hier, das Denkmuster nachzuvollziehen – mögen nicht zuletzt diejenigen haben, die besorgt sind, daß „zu viel“ Pluralismus letztlich dazu führen könnte, daß zwar alle anderen, aber nicht mehr die eigenen Meinungen vertreten sein würden. Oder daß die eigene Auffassung einer anderen „Leitauffassung“ zum Opfer fällt oder nicht hinreichend (darin) Geltung findet. Oder daß die alleinige Deutungshoheit nicht nur verloren gehen, sondern gar nicht mehr enthalten sein würde, weil von wiederum „Anderen“ als „zu extrem“ eingestuft.

    Eine weitere Frage ist, aus welcher jeweiligen „Richung“ Kritik erfolgt. Im einen Fall kritisieren die Einen, in einem als „monopolistisch“ oder „beschränkt“ gesehenen Medium nicht vertreten zu sein. Im anderen wiederum Andere. Letztlich wollen Alle vertreten sein. Wer sich nicht vertreten fühlt, wird mit Sicherheit als ErsteR „Diktatur“ schreien – oder ein eigenes Medium eröffnen ;-). Oder ein maximalmögliches Integrationskonzept verfolgen. In der einen so gesehenen „Diktatur“ wird der Eine schreien, in der anderen die Andere. Es allen, mithin „ideologischen“, Richtungen recht zu machen dürfte schwierig werden. Dies kann, wie mit der Annahme der Vorprägung jedes und jeder Schreibenden dargestellt, auch mit dem Grundsatz der „Neutralität“ nicht vollständig vermieden werden. Auch nicht mit dem der annähernden.

    Nun wäre vielleicht eine Frage, um die Diskussion zuzuspitzen: Wie weit sollte „annähernde“ Neutralität versucht werden? Und wie weit ist dies möglich?
    Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, sich irgendwo zu treffen – oder weiter jedeR seinen/ihren (subjektiven) Standpunkt vertreten, gegen einander anzureden und sich doch nicht überzeugen zu können. Vielleicht läßt sich aber auch diese auf einander prallende Pluralität produktiv nutzen. Oder negativ. Beide Richtungen sind möglich. Mindestens.

    Mit besten Grüßen

    Mathias

  36. Wolf Dermann Says:

    Was heißt denn „unpolitisch“? Eine FU-Zeitung, die nicht nur über die akademische Gremien- und Verwaltungsprobleme, sondern auch über die Probleme in der Studierendenschaft berichtet, ist ja sogar politischer als die AStA-Propaganda, die allein schon deshalb Propaganda ist, weil sie keinerlei Kritik am AStA und den ihn tragenden Gruppen zulässt, sondern nur positiv über deren Tätigkeiten berichtet. (Soviel zur eigentlich auf der Hand liegenden Propaganda-Frage.)

    Wie gesagt: Die Schlüsse aus der politischen Berichterstattung sollte der Leser dann schon selbst ziehen dürfen. Schließlich ist die Welt nun mal nicht schwarz-weiß und eine politische Berichterstattung, die diese Zwischentöne darzustellen vermag, ermöglicht dem Leser dann erst sich selbst ein politisches Bild zu machen. Politische Berichterstattung fördert also politisches Engagement, ohne dass sie Meinungen und Stoßrichtungen vorgibt. Das hat also mit unpolitisch sein nix zu tun.

  37. Out of Dahlem Nr. 7 « FUwatch Says:

    […] und sie kritisch zu beleuchten. So ideologie-geladen wie von AStA-KritikerInnen unlängst in einer FUwatch-Debatte unterstellt, wirkt die OoD gar […]

  38. Niklas Says:

    || Was heißt denn „unpolitisch“? Eine FU-Zeitung,
    || die nicht nur über die akademische Gremien-
    || und Verwaltungsprobleme, sondern auch über
    || die Probleme in der Studierendenschaft
    || berichtet

    Nun, die OoD berichtet doch dezidiert über die Probleme der Studierendenschaft.

    Mit „unpolitisch“ waren z.B. Artikel über Probleme beim Konsum von Bananen in der U-Bahn (aus „polar“, als Beispiel einer breiter angelegten Studierendenzeitung) oder den nackten Hintern der WGenossin (aus „Unaufgefordert“, als weiteres Beispiel einer nicht rein politischen Studierendenpublikation) gemeint.

    Und hier halte ich die Frage für legitim: Sollen wirklich auch solche „Probleme“ in der FUZ diskutiert werden (was ja nicht sicher ist, aber im oberen Teil der Diskussion schon so anklang)?

    || ist ja sogar politischer als die AStA-Propaganda,
    || die allein schon deshalb Propaganda ist, weil sie
    || keinerlei Kritik am AStA und den ihn tragenden
    || Gruppen zulässt, sondern nur positiv über
    || deren Tätigkeiten berichtet. (Soviel zur
    || eigentlich auf der Hand liegenden
    || Propaganda-Frage.)

    Demnach wäre also auch der SPIEGEL ein Propagandablatt, weil man dort nichts kritisches über den SPIEGEL liest? Kritik am SPIEGEL findet dann wohl eher in Konkurrenzblättern statt, insofern ist Dein Argument, dass eine Vielzahl von Publikationen positiv zu bewerten ist, ja gar nicht falsch.

    Die Frage ist dennoch, ob die Struktur der OoD, der Aufbau und die Tiefe der Artikel nicht auch Vorbild für die FUZ sein kann (mit dem Unterschied, dass es in der FUZ dann auch AStA-Kritik gibt). Klar gibt es im OoD auch Artikel, in denen sich der AStA hauüptsächlich selbst beweihräuchert, sowas kann man dann wirklich unter „Propaganda“ abtun.

    Nur die Mehrzahl der Artikel handelt eben gerade NICHT davon, wie toll der AStA ist und was er alles leistet, ist folglich auch nicht als „Propaganda“ zu charakterisieren. In diesen Artikel wird der Bogen schon deutlich weiter gespannt, es geht um Themen die alle Studierenden etwas angehen oder angehen sollten. Ich habe das versucht in meiner aktuellen Rezension der OoD7 deutlich zu machen.

  39. AStA bringt Jubiläums-Zeitung raus / FUZ heißt jetzt FURIOS « FUwatch Says:

    […] steht allerdings auch noch ein weiteres, alternatives Jubiläums-Magazin aus. Wie berichtet, soll in diesem Semester eine neue FU-Zeitung (FUZ) als unabhängiges Campus-Magazin ins Leben […]

  40. Die FURIOS - Generation Golf Reloaded « FUwatch Says:

    […] “unabhängigen” Hochschulmagazins noch vor dessen Erscheinen in Frage zu stellen (“Studierende wollen FU-Zeitung rausbringen”), teilweise auf heftige Reaktionen gestoßen war, galt die Kritik unlängst umgekehrt meinem […]

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