Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren

Der Institutsrat (IR) des Otto-Suhr-Instituts hat in einer klandestinen Operation (d.h. ohne vorhergehende, öffentliche Diskussion) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und an den Fachbereichsrat (FBR) weitergereicht.

Der geänderte Strukturplan (Download hier) sieht vor, aus der W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ (zur Zeit unbesetzt) eine W2-Professur für „Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedensforschung“ zu machen und zeitgleich eine Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ einzurichten. Weiterhin soll es eine W2-Professur „Vergleichende Politikwissenschaft und Sicherheitspolitik“ geben.

Das OSI bekommt also zwei neue IB-Professuren, „Friedensforschung“ und „Sicherheitspolitik“ und gibt dafür das Vorhaben einer Neubesetzung der Professur Ideengeschichte endgültig auf (zu diesem 2006 gescheiterten Berufungsverfahren siehe die entsprechende Seite im OSI-Wiki).

Die Professur „Friedensforschung“ wird vermutlich mit Sven Chojnacki besetzt, der bisher Juniorprofessur am OSI war und dessen Weggang nach Kiel wahrscheinlich gewesen wäre, hätte man ihm am OSI keine volle Professur in Aussicht gestellt (siehe „Laßt Sven gehen!“). Für „Sicherheitspolitik“ würde sich Christoph Zürcher anbieten, der hat zur Zeit jedoch schon den Lehrstuhl für „Governance and Empirical Conflict Research“ inne.

D.h. nicht, dass die Politische Theorie dann am OSI tot wäre, sie wäre durch zwei Juniorprofessuren repräsentiert: „Moderne politische Theorie und Wissenschaftstheorie“, die zur Zeit Bernd Ladwig inne hat, und „Politische Theorie und Ideengeschichte“, die neu ausgeschrieben werden müsste.

Dennoch wird an diesem Strukturplan deutlich, dass die ohnehin nicht gerade unterrepräsentierten Internationalen Beziehungen weiter gestärkt werden, während die Politische Theorie ein Schattenseite im Bereich Juniorprofessur fristet.

Auch dass die neue Juniorprofessur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ mit einem kritischen Geist besetzt wird, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Entsprechende Kandidaten wie z.B. Alex Demirovic oder Klaus Roth passen nicht in das Juniorprofessoren-Profil. Roth würde dann nur noch bis zur Besetzung der Juniorprofessur als „Ausputzer“ dienen. Allein die Art und Weise wie das Institut mit Roth umgeht, sagt eine Menge darüber aus, welchen Stellenwert man der Politischen Theorie hier noch zugesteht.

Die linke, engagierte Studierendenschaft am OSI ist in der Frage gespalten, die eine Fraktion ist empört, dass hier fast lautlos die Vollprofessur Ideengeschichte endgültig abgesägt wird und setzt sich für deren Erhalt ein, die andere findet den Gedanken dass es stattdessen eine Professur „Friedensforschung“ mit Sven Chojnacki geben soll eher positiv.

Mit der Überrepräsentanz des Bereichs IB/Governance ist zwar keine der Fraktionen glücklich, doch da eine Kampagne gegen die jetzige Lösung in letzter Konsequenz auch einen Abgang Chojnackis bedeuten würde, sind Chojnacki-BefürworterInnen nicht allzu eifrig beim Versuch sich dem Willen des Institutsrats entgegenzustemmen.

Natürlich müsste auch jenen OSIanerInnen die Chojnacki für ein progressives Element innerhalb der Dozierendenschaft halten eigentlich klar sein, dass es zur Schaffung eines Gegenpols zur „Governanciation“ des Instituts wichtiger wäre eine Person wie Alex Demirovic als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zu installieren. Eigentlich. Tatsächlich ist natürlich unklar, ob Alex Demirovic oder ein ähnlich kritischer Geist sich im Berufungsverfahren durchsetzen könnte, falls die alte W3-Professur „Politische Theorie und Ideengeschichte“ doch noch geretten werden könnte. Und Chojnacki ist eben zur Zeit der „Shooting Star“ am OSI.

Die Mitglieder des Fachbereichsrats (FBR) hatten den neuen Strukturplan am Dienstag
(20.05.) vom IR erhalten und sollten ihn bereits tagsdarauf am Mittwoch (21.05.) absegenen – erneut nicht öffentlich, wie eine Studierendenvertreterin in einer Rundmail betont. Doch die Studierenden legten dann im FBR ihr Veto ein, woraufhin die Entscheidung über die Annahme des Strukturplans vertagt wurde.

Auf der nächsten FBR-Sitzung am übernächsten Mittwoch (04.06.) fällt die Entscheidung dann jedoch endgültig. Und bisher sieht es nicht so aus, als würde sich der FBR dem Antrag des IR entgegenstellen, womit der dunkle Schatten den der Sonderforschungsbereich (SFB) Governance auf das OSI wirft wieder ein deutliches Stück größer werden wird. Denn natürlich stehen die beiden neuen IB-Professuren in einem Kontext zum SFB, der das OSI schleichend aufzufressen scheint. Selbst wenn die Chancen die Sache noch zu kippen nicht gut stehen, sollten proetstwillige Studierende an diesem Tag ihren Weg in die FBR-Sitzung finden.

Am kommenden Mittwoch (28.05.) entscheidet der Akademische Senat um 15 Uhr im AS-Sitzungssaal des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe „Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‚retten'“). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib überreichen. Auch hier ist studentische Präsenz also dringend erfoderlich.

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6 Antworten to “Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren”

  1. Diplomand Says:

    Zur Abschaffung des Diploms: Richard Stöss hat im Diplomanden Kolloqium anklingen lassen, dass die Leute, die sich nach der Durchsetzung des Imma-Stops für das Diplom noch im Diplomstudiengang „Verbliebenen“, zu erwarten hätten, dass sie von Seiten der Uni „ermuntert“ werden in den Master-Studiengang zu wechseln.

    Allerdings stellte er gleichermaßen fest, dass dies mit einem größeren Arbeitsaufwand verbunden wäre. Denn nach dem Wechseln vom Diplom in den Master müsste man 30 Credits mehr machen, da Bachelor + Master = 10 Semester Regelstudienzeit wären und Diplom 9 Semester.

    Als „empirischer Sozialforscher“, so Stöss, könne er dies aufgrund des Mehraufwands nicht empfehlen…

  2. Treffen zur OSI-Strukturveränderung im Roten Café « FUwatch Says:

    […] Treffen zur OSI-Strukturveränderung im Roten Café Wie berichtet hat der OSI-Institutsrat (IR) eine weitreichende Änderung des OSI-Strukturplans beschlossen und dem Fachbereichsrat (FBR) vorgelegt, der darüber in der kommenden Woche am 04.06. abstimmen wird (siehe “Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren”). […]

  3. Akademischer Senat vertagt Entscheidung über OSI-Diplom « FUwatch Says:

    […] Ähnliches Problem ergibt sich im Fachbereichsrat (FBR) des FB PolSoz bezüglich der Abstimmung über die geplante Änderung des OSI-Strukturplans. Die Schaffung zweier neuer IB-Professuren auf Kosten der Vollprofessur für Ideengeschichten (die zu einer Juniorprofessur werden soll) wird von vielen Studierenden kritisch gesehen (“Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren”). […]

  4. Initiative fordert “Schluss mit Mauschelei um Professuren” « FUwatch Says:

    […] berichtet plant der OSI-Institutsrat (IR) eine weitreichende Änderung des Strukturplans, die der FBR morgen […]

  5. Fachbereichsrat bewilligt neuen Strukturplan « FUwatch Says:

    […] Fachbereichsrat bewilligt neuen Strukturplan Wie befürchtet, hat der Fachbereichsrat (FBR) des FB PolSoz gestern den neuen Strukturplan des OSI-Institutsrats abgesegnet, der unter anderem vorsieht, dass es statt einer Vollprofessur zukünftig nur noch eine Juniorprofessur Ideengeschichte geben wird, während zeitgleich zwei neue IB-Professuren entstehen (siehe im Detail: “Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren”). […]

  6. Hintertür-Berufung von Chojnacki und Zürcher offenbar gescheitert « FUwatch Says:

    […] will, während zeitgleich die Vollprofessur Ideengeschichte dafür geopfert werden sollte (siehe “Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren”), formierte sich am Institut und auch i>außerhalb ein breiter Widerstand gegen diese […]

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