Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt „retten“

Wow, gestern lagen Aufrufe zum Protest am OSI aus – von der LHG. Das erlebt man auch nicht alle Tage und es zeigt vermutlich wie ernst die Lage im Fall des vor dem Exitus stehenden OSI-Diplom-Studiengangs ist. Wie gestern schon berichtet, plant der Akademische Senat nächste Woche am 28.05. die Abwicklung des OSI-Diploms zu beschließen (präziser geht es erst einmal „nur“ um eine angeblich zeitlich begrenzte Aussetzung für Einschreibungen, doch dazu unten mehr).

Daher ruft die LHG die Studierenden auf Flyern dazu auf, zu der besagten AS Sitzung am kommenden Mittwoch zu erscheinen, um dort gegen diese anstehende Entscheidung die Stimme zu erheben.

Inzwischen wurden auch Details über das besagte Urteil des Verwaltungsgericht bekannt, auf dessen Grundlage das PolSoz Dekanat sich zum Handeln veranlasst sah:

„Das im vorherigen Bericht erwähnte Urteil des Verwaltungsgerichts bezieht sich auf Kapazitäten: Da die Kapazitäten für BA, MA und Diplom getrennt berechnet werden, hat der Wechsel von (netto) ca. 20 Studierende vom BA in das Diplom dazu geführt, dass im BA-Studiengang auf dem Papier Kapazitäten frei geworden sind, die nun aufgefüllt werden sollen.“ („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08)

Mit anderen Worten, weil Studierende das Diplom einer BA(/MA)-Lösung vorziehen, muss das Diplom dran glauben. Wenn die Studierenden also nicht selbst drauf kommen, welche „Bereicherung“ BA und MA darstellen, muss der „Erfolg“ der neuen Studiengänge sozusagen erzwungen werden, indem man die alten beschleunigt und unter massivem Druck entsorgt.

Gut, dass mit der Etablierung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge zunehmend darauf gedrungen wird, die alten Magister- und Diplom-Studiengänge abzuwickeln kann natürlich nicht wirklich überraschen. Das OSI-Diplom stellt hier aber insofern einen Sonderfall dar, als dass man den Studiengang extra refomiert und „modularisiert“ hatte, den neuen BA/MA-Studiengänge von der Struktur her also angeglichen hat. Dass nun ein solcher Diplom-Studiengang mit einer Regelstudienzeit von 9 Semestern für viele Studierende offenbar immer noch attraktiver ist, als ein Bachelor mit nur 6 Semestern Regelstudienzeit, muss die Bologna Reformatoren natürlich wurmen.

Der Akademische Senat soll das OSI-Diplom nun aber nicht endgültig abwickeln, sondern zunächst einen Aussetzungsbeschluss fassen, der dann vorsehen würde, dass zunächst nur im kommenden Wintersemester 08/09 keine neue Studierenden für das Diplom zugelassen werden. Konkret würde das dann aber auch das Sommersemester 2009 betreffen, so dass sich Studierende frühestens erst wieder im Wintersemester 09/10 für das Diplom einschreiben könnten. Es geht hier also um ein einjähriges Moratorium, welches der AS beschließen soll.

Das Ganze wird an der FU als eine Art Verzögerungstaktik gegenüber dem Berliner Senat vermarktet. So stimmten die Dekanin des Fachbereichs PolSoz, Prof. Riedmüller, und der OSI-Institutsdirektor Prof. Massing, in der gestrigen Fachbereichsratsitzung darin überein, dass man die Zwischenzeit nutzen wolle um „empirische Daten“ über die Akzeptanz der neuen Studiengänge zu sammeln, die dann die Grundlage für bessere Begründungen für den Erhalt des Diploms bilden sollen. Fabian fasst diese fragwürdige Taktik im FSI OSI Blog wie folgt zusammen:

„Unklar blieben allerdings die Vorteile dieses Plans, denn empirische Daten über die Akzeptanz der einzelnen Studiengänge gibt es zuhauf. So sollte aus den Bewerbungszahlen für den Diplom-Studiengang und aus der Zahl derer, die in den ersten vier Semestern ihres Studiums vom Bachelor- in den Diplomstudiengang wechseln, deutlich hervorgehen, dass die Nachfrage nach dem Diplom immer noch groß ist. Und selbst wenn die Erhebung weiterer Daten sinnvoll ist: Dies könnte ebenso gut geschehen, ohne die Zulassung auszusetzen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Weder die FSI OSI noch die LHG glauben ihren Blogeinträgen zu folge daran, dass eine solche Verzögerungstaktik fruchten würde. Die LHG verweist darauf, dass „bei allen alten Studiengängen eine Heruntersetzung der Zulassungszahlen auf 0 das Auslaufen des Studiengangs“ bedeutet hat („Fortsetzung: OSI-Diplom läuft aus“, LHG Blog, 21.05.08). Und die FSI schlussfolgert:

„Nahe liegt daher die Annahme, dass es mit dem Rettungseifer von Dekanat und Institutsleitung so weit nicht her ist. Die Aussetzung der Zulassungen für ein Jahr erscheint als geeignetes Mittel, Fakten für kommende Diskussionen über die Zukunft des Diploms am OSI zu schaffen.“ („OSI-Diplom vor dem Aus? Fragwürde ‚Rettungsaktion‘ durch den Fachbereichsrat“, FSI Blog, 21.05.08)

Entsprechend haben alle studentischen VetreterInnen im Fachbereichsrat gegen diese Taktik gestimmt, unterlagen jedoch. Und sollte nun der Akademische Senat am kommenden Mittwoch (28.05.) die Sache auch noch absegnen, bedeutet das wohl auch langfristig das Aus für den Diplom-Studiengang.

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5 Antworten to “Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt „retten“”

  1. Institutsrat will OSI endgültig in ein IB-Institut transformieren « FUwatch Says:

    […] des Henry Ford-Baus aber zunächst über das Ja oder Nein zum Aus des OSI-Diploms (siehe “Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‘retten’”). Weiterhin wollen Studierende dort die Unterschriftenlisten gegen die Abschaffung der PolSoz-Bib […]

  2. Batti Says:

    Die Abschaffung des Diploms zum Wintersemester 08 hin ist seit drei bis vier Jahren beschlossene Sache, wie mir eine vormals sehr Engagierte der FSI OSI mitteilte.
    Schon damals wurde sich gegen diese Vorgabe der Senatsverwaltung erfolglos gewehrt, bzw. wurde vonseiten einiger Profs die Hoffnung auf eine schnelle Installierung des BA gesetzt, dass so die Senatsverwaltung besänftigt werde. Ganz offenbar fruchtlos.

  3. Marcel Heberlein Says:

    Der AS hat am vergangenen Mittwoch in dieser Sache nicht entschieden und wird sich auf seiner nächsten Sitzung erneut mit den Zulassungen befassen. Die studentischen Vertreter legten ein Gruppenveto ein. Da vorher ein studentischer Antrag scheiterte, über die Zulassungszahlen fürs OSI-Diplom gesondert abzustimmen, liegen momentan alle FU-Zulassungen fürs Wintersemester auf Eis.

    Ein studentisches Veto ist nur einmalig möglich. Dagegen könnte bei der nächsten Sitzung eine andere Statusgruppe ein Gruppenveto einlegen. Dies scheint realistischerweise nahezu ausgeschlossen.

  4. Akademischer Senat vertagt Entscheidung über OSI-Diplom « FUwatch Says:

    […] Senat vertagt Entscheidung über OSI-Diplom Wie der Kommilitone Marcel in einem FUwatch-Kommentar berichtet, hat der Akademische Senat (AS) in seiner Sitzung am 28.05. keine Entscheidung darüber gefällt, […]

  5. Akademischer Senat beerdigt OSI-Diplom / Online-Evaluation gestartet « FUwatch Says:

    […] im Zuge der Bologna Reform modularisierte – Diplom-Studiengang doch noch benötigt wird (siehe “Dekanat und Institutsleitung wollen Diplom mit Moratoriums-Stunt ‘retten’”). Eine fragwürdige Strategie, denn zu vermuten steht, dass ein Diplom-Studiengang wenn er erst […]

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