Geheimoperation an der FU: Scheich Al Maktum erhält „Ehrenmedaille“

Bereits vor der Ankunft von Scheich Muhammad ibn Raschid Al Maktum, Emir von Dubai und Premierminister, Verteidigungsminister sowie Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), in Berlin im Zuge seines Staatsbesuchs, gab es Gerüchte, der Scheich würde auch an der FU eine Auszeichnung im Henry-Ford-Bau entgegennehmen.

Und tatsächlich erhielt Al Maktum dann am letzten Donnerstag (07.02.) die Ehrenmedaille der FU für „seine Verdienste als Förderer der Wissenschaft“. In seiner Laudatio betonte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die „aktive und kreative Bildungspolitik“ für die sich der Preisträger verantwortlich zeichne:

„Die mit zehn Milliarden Dollar ausgestattete Stiftung des Scheichs finanziere ‚vorbildliche Forschungsprogramme in der Region‘ sowie Stipendien für Studenten und Wissenschaftler. Dadurch sichere Maktoum ‚das Wachstum in einer Region, in der die Bodenschätze nicht ewig reichen werden‘. Deutschland sei ‚als einer der besten Forschungs- und Ausbildungsstandorte der ideale Kooperationspartner für die emiratische Bildungs- und Wissenschaftspolitik‘, sagte Glos, der das Publikum zu Beginn mit ‚Salamaleikum‘ begrüßt hatte.“ („Freund der Forschung“, Tagesspiegel, 08.02.08)

Weiterhin heißt es, „Ein- und Auszug der emiratischen Delegation wurden vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht“ (ebd.). Wäre die Auszeichnung öffentlich angekündigt worden und nicht nur für VIPs offen gewesen, wäre das mit den „stehenden Ovationen“ wohl nicht ganz so glatt gelaufen. Denn wie der AStA in einer Pressemitteilung zurecht betont, weisen die VAE erhebliche Defizite in punkto Menschenrechte und Rechtsstaat auf:

„In einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch über die Situation von ArbeitsmigrantInnen aus Bangladesch, Indien und Pakistian aus dem Jahr 2006 wird von systematischer Lohnausbeutung und tötlichen Arbeitsbedingungen gesprochen. Der Versuch einer gewerkschaflichen Organisierung für bessere Arbeitsbedingungen wird mit dem Entzug der Arbeitserlaubnis und der damit verbundenen Abschiebung bestraft.

Amnesty International erhält immer wieder Berichte über Folter und Misshandlungen von Inhaftierten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es handelt sich dabei meist um ArbeitsmigrantInnen aus den südostasiatischen Ländern. Folter und Misshandlungen finden meist in der ersten Zeit der Inhaftierung statt.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind nach wie vor Gesetze in Kraft, die Frauen diskriminieren. Dazu zählt das Staatsbürgerschaftsgesetz: Frauen – anders als Männer -, die mit einem Ausländer verheiratet sind, können ihre Staatbürgerschaft nicht auf ihre Kinder übertragen. Für die betroffenen Kinder hat diese Vorschrift zur Folge, dass sie in ihrem Aufenthaltsrecht und im Arbeitsleben sowie beim Zugang zu den Bildungseinrichtungen mit erheblichen Nachteilen konfrontiert werden.“ („Goldmedaille für Menschenrechtsverletzer“, AStA FU Presseerklärung, 08.02.08)

Zu nennen wären weitere Kritikpunkte wie etwa Zensurmaßnahmen, das Anklagen von Vergewaltigungsopfern oder allgemein eine Rechtssprechung basierend auf der Schari’a. Das alles interessiert aber offenbar nicht, da die VAE 1) als reich gelten und reiche Personen / Staaten müssen generell umgarnt werden (damit man was abkriegt) und 2) es geschafft haben nicht im Kontext von radikal-islamistischem Terrorismus genannt zu werden.

Für die FU scheinen einzig die Kooperationsmöglichkeiten zu zählen, wie z.B. beim Online-Masterstudiengang „International Relations Online“ den die FU zusammen mit dem Gulf Research Center (GRC) in Dubai anbietet. Wie berichtet handelt es sich hierbei um einen sehr exklusiven und zulassungsbeschränkten Studiengang für finanzstarke KommilitonInnen. Verantwortlich an der FU: Prof. Segbers (siehe „Segbers goes Dubai“). Gerüchten aus dem letzten Sommer zu folge, soll es um diesen Studiengang nicht allzu gut stehen, doch dazu gibt es von offizieller Seite natürlich nichts zu hören.

Erst am Wochenende ließ der Tagesspiegel in seiner berühmt berüchtigten FU-Beilage (siehe „FU Werbung im Tagesspiegel“) mal wieder den alten Frontstadtmythos aufleben: die FU als antikommunistisches Bollwerk, strikt dem Freiheitsgedanken verpflichtet. Wie Hohn wirkt dieses freiheitliche Ideal vor dem unkritischen Umgang der FU mit solchen fragwürdigen Herrschern wie Scheich Al Maktum.

Dass sich der Tagesspiegel auch jenseits seiner FU-Beilage der FU-Führung innigst verbunden fühlt, macht ein Pressespiegel über die FU-Auszeichnung Al Maktums im AStA-Blog deutlich. Während nicht nur die taz sondern selbst die Berliner Morgenpost es noch schafft, in ihrer Berichterstattung auch kritisch über den politischen Hintergrund in den VAE zu berichten, ist der Tagesspiegel damit offenbar überfordert. Hier begnügt man sich mit Hofberichterstattung im Sinne des FU-Präsidiums.

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11 Antworten to “Geheimoperation an der FU: Scheich Al Maktum erhält „Ehrenmedaille“”

  1. Wolf Dermann Says:

    Als Publizistik-Student muss ich hier mal reingrätschen: Es ist zwar nett, dass Du Dich dem AStA in seinem Abgesang auf die tatsachenbetonte Stilform anschließt und jede nicht meinungsbetonte, kommentierende Stilform als „urkritisch“ brandmarken willst – das ist aber Unsinn!

    Aus meiner Sicht ist es gerade eine Fehlentwicklung in vielen Tageszeitungen, dass überall Meinungen mit reingebastelt werden. Die kann ich mir aber selber bilden und jeder andere Zeitungsleser auch (sind ja keine TV-Glotzer). Über einen Artikel, der wie der des Tagesspiegels sogar peinlichst genau alle Aussagen in den Konjunktiv setzt, um die Distanz zu wahren, freue ich mich.

    Auch wenn es natürlich gut gewesen wäre, wenn der Journalist die Einladungspraxis mitbekommen und dann thematisiert hätte.

  2. Stefan Says:

    Als Politikstudent muss ich da jetzt nachtreten: Wo sind denn in den Mainstream-Medien noch Meinungen zu finden? Und damit meine ich tatsächliche Meinungen im Sinne einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung darüber, was politisch und ökonomisch falsch und richtig ist, welche Gesellschaft wir eigentlich in 20 Jahren haben wollen?

    Vergiss es… Alles schön innerhalb des aktuellen Settings von „Wettbewerbsfähigkeit, Leistungssteigerung und Innovationskraft“. Ich habe jedenfalls aufgehört regelmäßig Spiegel zu lesen.

  3. Albert Meier Says:

    …Wolfi glaubt halt noch, dass irgendwas objektiv ist, wenn es den neoliberalen Mainstream entspricht. Das ist dann natürlich keine „Meinung“, sondern Tatsache.

    Meinungen beginnen nämlich erst da, wo jemand die herrschenden Zustände gegen den Strich bürstet, also etwas anderes als die herrschende Meinung vertritt.

    Das fällt natürlich auf im Gleichklang, das ist nicht objektiv, das stört, das wollen wir nicht!

  4. Mark Krämer Says:

    Natürlich kann ein Einfluss von Anzeigenkunden auf die Arbeit von Redaktionen nie ausgeschlossen werden. Ich glaube allerdings nicht, dass der Tagesspiegel die FU prinzipiell unkritisch behandelt. Als erster, noch vor der taz, hat er zum Beispiel über die geplanten Bibliotheksschließungen berichtet – und durchaus in kritischer Weise, wie ich finde:
    http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/OSI-Bibliothek;art304,2437476

  5. Wolf Dermann Says:

    Also nochmal für Fachfremde: Es wird im Journalismus zwischen tatsachenbetonten und meinungsbetonten Stilformen unterscheiden. Die Nachricht etwa wäre tatsachenbetont, der Kommentar meinungsbetont. Focus ist natürlich immer auf „betont“, da Extreme nie zu erreichen wären.

    Ich halte die Trennung zwischen Nachricht und Meinung (die die deutschen Medien nach dem Dritten Reich wieder aus dem englischen Journalismus übernommen hatten) für eine sinnvolle Sache, damit man als Leser zwischen dem unterscheiden kann, was wohl tatsächlich passiert ist und der Meinung, die ein Journalist, den keiner gewählt hat, dazu vertritt. Im Normalfall lese ich die Kommentare dann gar nicht, da ich mir meine eigene Meinung aus der Nachricht schon bilden kann.

    In den Mainstream-Medien finden sich fast überall Meinungen wieder, nicht nur in den entsprechenden Spalten auf der Titelseite, der Lokalseite und auf der Meinungsseite, sondern leider auch schon oft in vielen eigentlich tatsachenbetonten Berichten.

    Die Vermischungen sind die, die mich stören. Mit den politischen Richtungen hat das nichts zu tun, das geht von links nach rechts, das geht von Meinungen die das bestehende verteidigen bis zu Meinungen, die das bestehende verändern oder umwerfen wollen. Alle diese Meinungen sollten von den tatsachenbetonten Nachrichten und Berichten getrennt bleiben!

  6. Albert Meier Says:

    …immer diese bösen „Vermischungen“ – witzlos. Allein die Tatsache, was berichtet wird und was nicht ist schon eine Wertung und Meinung. Allein Festlegung, welche Quellen seriös, welche Experten ernsthaft und welche Meldungen in den Agenturen kommen, ist schon politisch…

  7. Pony Says:

    Wolf, ich bitte Dich, was für einen Objektivismus machst Du denn hier auf. Was sollen den ‚Tatsachen‘ seien? Was ist denn Neutralität? Unkritisch am Tagesspiegel-Artikel ist, dass in der Auswahl der für den Artikel als relevant betrachteten Abläufe im Umfeld der Verleihung der Ehrenmedaille eben keine benannt werden, die die Verleihung infrage stellen.

    Es werden keine als allgemein unschön empfundenen ‚Tatsachen‘ genannt. Als ‚Tatsachen‘ könnten eben auch angeführt werden (sofern der Autor oder die Autorin gemäß ihrer politischen Ausrichtung infragestellende ‚Tatsachen‘ erwähnt haben möchte), dass die Veranstaltung an der Uni geheimgehalten wurde, keine Studierenden in die Verleihungsentscheidung miteinbezogen wurden und nur geladene Gäste sich im Umfeld des HFB aufhalten durften. Dass plötzlich weiße Ledersofas mit Seidenkissen im Foyer standen sowie eine mobile Minibar, wo sonst über Mittelknappheit geschimpft wird.

    Und auch die Menschenrechtsverletzungen gehören zu Tatsachenbenennungen hinzu, weil es eine Information bzgl der Ehrbarkeit des Ehrenmedaillenträgers ist. Ebenso wie es eine Zusatzinformation ist, dass die Verleihungspraxis restriktiv erfolgt, während die Uni sich offiziell der Freiheit rühmt.

    Ebenso wie zu erwähnen, dass standing ovations bei anders gearteten Veranstaltungszugangsfreiheiten so nicht stattgefunden hätten sondern wohl eher ein Pfeifkonzert, da die RepräsentantInnen der verfassten Studierendenschaft eine proteststarke Pressemitteilung verschickt haben.

    Was relevant ist oder nicht, geht durch gesellschaftlich unbewusste Filter, subjektiv unbewusste Filter, subjektive politisch gewollte Filter und auch Sachzwangfilter wie Zeichenbegrenzung, redaktionelle Einschränkungen und Loyalitäten.

    All das ist ja sogar einem Fachfremdem klar..

  8. Niklas Says:

    @Wolf:

    Ich kann mich meinen „Vorrednern“ in ihren Antworten hier nur anschließen.

    Diese Differenzierung zwischen Nachricht und Meinung ist doch nur ein Konstrukt und der Glaube an die „reine Nachricht“ naiv. Selbst bei einer dpa-Meldung wird durch Schwerpunktsetzung, durch Bevorzugung von aus Sicht des Verfassers relevanten Fakten gegenüber irrelevanten Fakten bereits eine Wertung vorgenommen. Und gerade die vermeintlich strikte Trennung zwischen „Nachricht“ und „Meinung“ ist dann die perfekte Grundlage, Objektivität zu suggerieren, wo gar keine Objektivität möglich ist.

    Die benannten rechtsstatlichen Defizite der VAE sind keine Meinung, sondern belegte Fakten. Fakten, die bei der Auszeichnung Al Maktums durch die FU durchaus eine Rolle spielen, da sie die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch der FU-Führung und ihrem realen Handeln verdeutlichen. Und wenn der Tagesspiegel diese Fakten gegenüber anderen bei seiner Berichterstattung unter den Tisch fallen lässt, dann drückt er die vermeintlich objektive Nachricht eben in eine ganz bestimmte Richtung.

    Dazu gehört dann z.B. auch, das betont wird, wie begeistert das Auditorium war ohne zu erwähnen, dass Exklusionsregeln es verunmöglicht haben, dass auch kritische Stimmen im Auditorium anwesend sein konnten.

  9. * Silberlaube.de - Inoffizielles Hauptgebäude der Freien Universität Berlin * Says:

    […] haben darüber berichtet. Der AStA FU hat festgestellt, dass die Berichte unterschiedlich sind. Auf FUwatch werden die Unterschiede diskutiert. Und Herrfischer zweifelt, ob der Scheich tatsächlich Delphine […]

  10. Walter Meier Says:

    …Die FU liegt mit der Ehrung des Scheichs voll im Trend, sind doch die VAE einer der Wichtigsten Militärpartner Deutschlands für die Polizeiausbildung im Irak (Siehe Link unten). Warum gerade in einem diktatorisch regierten Staat Polizisten zur Demokratisierung des Irak ausgebildet werden – das fragt man am Besten Herrn Glos oder Herrn Jung…

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57164

  11. Asalam alaykum, Exzellenz! Says:

    […] zu Berlin. Es ist zwar schon 2 Monate her, aber es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass eine Ehrenmedaille (wahrscheinlich eine güldene) verliehen wurde. An den Herrscher von Dubai sowie Premierminister und Vizepräsidenten der Emirate […]

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