Der Aktionstag in der Presse und in der FU-Blogosphäre

Das mediale Feedback auf den Aktionstag fiel recht bescheiden aus. In der Lokalpresse widmeten weder taz noch Tagesspiegel oder Berliner Zeitung dem Aktionstag einen Artikel, einzig die Berliner Morgenpost brachte einen eher minimalistisch gehaltenen Beitrag. Auch ein weiterer Artikel im Neuen Deutschland greift die Geschehnisse um den Aktionstag nur relativ kurz auf.

Einzig ein Artikel in der Online-Ausgabe der ZEIT des Kommilitonen Stefan Kesselhut beleuchtet ausführlich auch die Hintergründe des Aktionstages. Auch hier wird noch einmal die Geschichte um das Campus Management aufgewärmt, was mich als jemanden der sich bekanntlich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt hat (siehe „Überblicksseite SAP Campus Management“), schon auf der VV irritierte. Es ist als wenn man eine Zeitreise ins Jahr 2005 machen würde, die Kritik wurde seit damals nicht weiter ausgebaut (etwa durch empirisches Belegen der Auswirkungen des CM auf den Studienalltag).

Ansonsten erörtert Stefan einige der zentralen Probleme: Lenzens Führungsstil allgemein, die Defizite in der Lehre (gegenüber TU und HU), den „Studienerfolgsbericht“ und die Scharenberg-Affäre. Unterlegt werden die Passagen dabei immer wieder mit Zitaten von Prof. Funke, was untermauert, dass es nicht nur die Studierendenschaft ist die hier Bauchschmerzen hat, sondern durchaus auch ein Teil der Dozierendenschaft. Den Bibliotheksskandal hat Stefan nicht mit eingebaut, vermutlich weil er diesem vor kurzem schon einen eigenen Artikel gewidmet hatte.

Ingesamt hätte das Medienecho auf den Aktionstag sicherlich größer ausfallen können.

Etwas ausführlicher wurde der Aktionstag erwartungsgemäß in der FU-Blogosphäre rezensiert. Eine längere Kritik hat Mathias im FSI OSI-Blog publiziert. Wie sich den Kommentaren entnehmen lässt, sorgte insbesondere Mathias kritische Betrachtung des Solidarisierungsaufrufes („latent völkisch“) mit den Nokia-Beschäftigten für Furore. Tatsächlich erscheint es legitim zu hinterfragen, mit wem man sich hier solidarisieren soll. Mit Gewerkschaften und ihrer „Standort Deutschland“ Argumentation? Wohl kaum. Der Hinweis auf eine verkürzte Kapitalismuskritik ist hier schon ganz richtig. Richtig ist aber genauso der Hinweis, dass es auf diesen Solidarisierungsaufruf keine Gegenrede gab – ohne Frage ein Versäumnis.

Weniger Zustimmung findet bei mir Mathias Kritik an der Personifizieung, denn eine abstrakte Kritik, die sich immer nur gegen „das System“ richtet ohne beteiligte Akteure auch mal namentlich zu benennen, bleibt letztlich zahnlos (weil sie bedingt durch ihre Abstraktheit ins Leere zu laufen droht). Natürlich lässt sich die Misere in der sich die FU befindet nicht allein auf die Person Lenzens reduzieren (wir hatten hier in den Comments unlängst z.B. die Rolle des Senats bei der BA-Einführung), aber er war die zentrale Figur, er hat wie kein FU-Präsident vor ihm seine „Zukunftsvision“ gegen alle Widerstände vorangetrieben.

Ebenfalls kritisch, wenn auch oberflächlicher setzt sich Thomas im LHG-Blog mit dem Aktionstag auseinander. Die Unsinnigkeit des Aktionstages scheint ihm allein schon durch Prof. Schreyöggs Unterfangen belegt, den Aktionstag mit dem Karneval gleichsetzen zu wollen. Erst im zweiten Teil des Blog-Eintrags setzt er dann an, das Scheitern des Aktionstages untermauern zu wollen; mit dem Hinweis, die dezentralen Aktionen am Vormittag hätten unter geringer Resonanz gelitten, ergo sei – gemessen am materiellen und zeitlichen Aufwand – das Ziel, die Studierenden zu politisieren nicht erreicht worden.

Keine Ahnung was bei den dezentralen Aktionen los war, ich kann nur sagen, betrachtet man dann die nachmittägliche VV, trifft dies sicherlich nicht zu, denn dort war die Resonanz enorm. Dort steigerten sich die Beteiligten in eine regelrechte Protesteuphorie, die essentiell ist, um den Protest weiter auszubauen. Ein endgültiges Urteil lässt sich erst im nächsten Semester fällen, weil dann offenkundig wird, ob die durch den Aktionstag generierte Protesteuphorie angehalten hat oder nicht. Für den Augenblick aber gilt: Der Aktionstag wollte mobilisieren und er hat mobilisiert.

Und wer immer noch Zweifel am Erfolg des Aktionstages hat, der sollte mal einen Blick in den BBFB-Blog werfen, dort findet man statt eines Berichts einfach eine Reihe von Fotos veröffentlicht. Auf diesen wird ziemlich deutlich, dass sich die OrganisatorInnen sicherlich nicht über mangelnde Resonanz beklagen konnten.

Der FSI Geschichte Blog greift die Zusammenfassung der VV durch FUwatch auf. Hier besonders den Hinweis, es habe der VV an der Präsenz von erfahrenen Studierenden gemangelt, die sich mit dem offiziellen „Reglement“ auskennen (wann ist eine VV „rechtskräftig“, wie genau lauten die Regeln bei Fehlen in LVs wenn man eine VV besucht, dürfen Dozierende in Blackboard kontrollieren, wer was anklickt, usw.). Das braucht es alles gar nicht findet der Autor, denn Fragen zur „Rechtskräftigkeit“ einer VV hätten in der Vergangenheit nur „weitere Ängste geschürt und die Spontanität des ganzen abgewürgt“ und bei der Anwesenheitsfrage dürfe man nicht „in einen legalistischen ‚Darf ich das überhaupt‘-Diskurs verfallen“.

Fakt ist, dass wir heute an einem Punkt stehen, an dem Studierende Dozierende darüber aufklären, wenn andere Studierende fehlen, dass Listenverschwindenlasser angefeindet werden und dass, wie der Autor schreibt, Ausgänge bewacht werden, damit niemand vorzeitig abhaut. „Solidarisch-aufmüpfiger Umgang“ wie ihn der Autor fordert, ist hier für viele inbesondere jüngere KommilitonInnen leichter gesagt als getan. Wenn die betroffenen KommilitonInnen dann wissen, es gibt da irgendwo eine Regel, die ihr Fehlen während einer VV als entschuldigt ausweist, kann ihn dies helfen Hemmungen abzubauen. Zumindest für einen ersten Schritt, wäre dies vielleicht ganz nützlich.

Und was das 5%-Anwesenheits-Quorum bei VVs angeht, so ist es sicherlich nicht die blödeste alle Ideen, dass auf einer VV die Entscheidungen im Namen der Studierendenschaft treffen will, auch ein gewisser Mindestprozentsatz der Studis vertreten ist. Und ist dies nicht der Fall, dann sollte eben in der Resolution auch nicht stehen „Die Studierendenschaft der FU fordert…“, sondern abgrenzend z.B. „Die protestierenden Studierenden der FU fordern…“. Anstatt sich die Unterstützung der systemkonformen Mehrheit der Studis herbeizufabulieren, könnte man doch mal den Schritt wagen, und sich klar von dieser lossagen. Die Idee die „Spaltung“ zu überwinden, hat in der Vergangenheit eher dazu geführt, dass man versucht hat die „Spaltung“ zu kaschieren.

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5 Antworten to “Der Aktionstag in der Presse und in der FU-Blogosphäre”

  1. Thomas E. Says:

    Dann will ich aber dies betonen: Das Lossagen hätte zur Folge, dass der AStA sich nicht länger als solcher an den Protesten beteiligen dürfte. Er ist nämlich das oberste Organ der verfassten Studierendenschaft und kann sich insofern nicht von dieser lossagen. Das käme einer Selbstauflösung gleich.

    Eine Anmerkung zu meinem Beitrag: Prof. Schreyögg hat den Aktionstag nicht bewusst und gezielt mit dem Karneval gleichsetzen wollen. Er hatte gar kein Wissen darüber, was der Aktionstag war. Sonst wäre die Komik der Situation auch gar nicht erst entstanden.

    Auf den Fotos im BBFB-Blog sehe ich ansonsten viele Menschen auch nur auf der Vollversammlung (die genannten 400 also wohl) und bei der Demo (vom Bild am Physik-Fachbereich her nicht mehr als 300). Und diverse Schmierereien, von denen einige mit Hochschule nur wenig zu tun haben.

  2. Niklas Says:

    || Dann will ich aber dies betonen: Das
    || Lossagen hätte zur Folge, dass der AStA
    || sich nicht länger als solcher an den
    || Protesten beteiligen dürfte.

    Ist es nicht Gegenstand der LHG-Kritik, dass der AStA sich angeblich ohnehin forlaufend in Dinge einmischt und an Vorgängen beteiligt, bei denen er das eigentlich nicht sollte oder dürfte? Ergo würde ja gar kein Unterschied bestehen ;-).

  3. Dottore Says:

    Ich erlaube mir einen manuellen Trackback auf einen Artikel mit thematischem Bezug:

    Gewerkschaften: die Folgen für die Menschen

    Besten Dank.

  4. kinra Says:

    hier noch mehr fotos vom aktionstag: http://photo.kinra.de/uni_at

  5. anticapitalista Says:

    tolle leistung, mit der primitiv-studentischen gewerkschaftskritik und antisolidarität habt ihr es jetzt sogar geschafft, hier kommentare direkt aus einem neoliberalen think-tank der milton-friedman- verehrer anzuziehen (vgl. „Dottore“ zwei kommentare weiter oben), die einen ganzen tag lang unkommentiert und unkritisiert bleiben

    weiter so, dann kriegt ihr in ein paar jahren gutbezahlte jobs in großunternehmen oder im bundeswirtschaftsministerium!

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