FBR legt sich nicht fest, Bibliotheksstreit geht munter weiter

Auch in der gestrigen Sitzung des Fachbereichsrat (FBR) konnte der Bibliotheksstreit nicht beigelegt werden. Nach wie vor geht es um die Frage, ob die neue Gesamt-Bib (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) des FB PolSoz ausgebaut wird (bzw. in ein neu zu errichtendes Gebäude zieht, denn der Platz reicht einfach nicht) oder ob die gesamte PolSoz-Bib in die Universitätsbibliothek (UB) integriert wird, was zur Folge hätte, dass der Fachbereich keine eigene Fachbibliothek mehr hätte – und mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Zum ersten Mal war mit der FU-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl eine Vetreterin des Präsidiums anwesend. Diese konnte jedoch auch nicht sagen, wie viele Bücher nun genau bei einer Aufnahme der PolSoz-Bib in die UB ausgesondert werden würden. Wie die FSI OSI in einem ausführlichen Bericht über die Sitzung darstellt, findet der „UB-Plan“ des Präsidiums offenbar zumindest in den Führungsebenen Zustimmung:

„Letztere Lösung wird vom Präsidium, der OSI- und UB-Leitung und zumindest von Teilen des Instituts- und Fachbereichsrats favorisiert. Die Gründe dafür ergeben sich ganz einfach aus den üblichen ‚Sachzwängen‘. Vor allem die chronisch knappen Kassen der Hochschulen und anstehende MÖGLICHE (nicht beschlossene) weitere Kürzungen im Jahr 2009 wurden als Begründung für die nötige ‚Bestandsbereinigung‘ (Fr. Lehmkuhl) angeführt.“ („Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung“, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Dennoch sei die Entscheidung keineswegs schon endgültig getroffen, wie Frau Lehmkuhl betonte. Denn ausschlaggebend ist für eine solche Entscheidung laut Berliner Hochschulgesetz nur der Fachbereich, was das Präsidium sicherlich auch im Hinterkopf hat. Frau Lehmkuhl kündigte daher die Einrichtung eines „Runden Tisches“ an, an welchem der Sachverhalt zwischen Präsidium und dem Dekanat des Fachbereichs verhandelt werden soll. Studierende und Bib-Angestellte sind an diesem Tisch also nicht vertreten, was unter den anwesenden Studierenden für starken Unmut sorgte. Im FSIs Blog kann man nachlesen:

„Zu offenem Unmut seitens der Studierenden führte dann ihre Vorstellung von der Zusammensetzung des ‚Runden Tisches‘ Erst nach mehrmaligem ausdrücklichen Nachfragen seitens der Studierenden wurde Frau Lehmkuhl deutlich: Studierende werden nicht an diesem ‚Runden Tisch‘ sitzen, sondern seien ja indirekt durch das Dekanat des FB PolSoz vertreten. Vorher hatte sie schon bemerkt, dass sie die Position der Studierenden ja gut kenne, da sie selbst auch mal studiert hätte.

Diese Entwicklung ist nur ein weiteres Beispiel für die Ausschließung studentischer Interessen an der Freien Universität Berlin! Im Präsidium wird anscheinend die Auffassung vertreten, man wüsste schon, was für die Studierenden gut sei.“ („Update zur Schließung der Fachbibliotheken“, FSIs Blog, 23.01.08)

Am Ende konnte dann aber zumindest erreicht werden, dass Studierende zukünftig in die bereits bestehende Bibliothekskommission aufgenommen werden:

„Der FBR beschloss letztendlich, die bestehende Bibliothekskommission um die noch nicht vertretenen Statusgruppen, d.h. vor allem Studierende, zu erweitern, und mit dieser erweiterten Bibliothekskommission die Entwicklungen und Planungen am FB PolSoz im Auge zu behalten. Der FBR soll nur auf Grundlage der Empfehlungen dieser Kommission eine Entscheidung über die Bibliotheksstruktur treffen, und – last but not least – der Fachbereich soll sich diese Entscheidung auch nicht aus der Hand nehmen lassen.“ („Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung“, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Fraglich ist, dass diese Kommission überhaupt Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann, wenn der eigentliche „Deal“ doch im Hinterzimmer („Runder Tisch“) zwischen Präsidium und einer / einem VertreterIn des Dekanats ausgehandelt wird. Der FBR soll sich offiziell an die Empfehlung der Kommission halten, ob die Entscheidungsprozesse aber nicht inoffiziell ganz anders ablaufen, wird sich zeigen.

Was aus den Berichten leider nicht hervorgeht ist, wie eigentlich das Kräfteverhältnis im FBR zwischen der Pro-UB-Plan-Fraktion und der Kontra-UB-Plan-Fraktion ist. Aber vermutlich ist das auch noch nicht klar erkennbar.

Denn wenn die Dekanin Prof. Riedmüller als Befürworterin des UB-Plans in der Minderheit ist, ständen die Chancen diese Sache noch aufhalten zu können wohl deutlich besser, als wenn sie die Position der Mehrheit in diesem Gremium vertritt.

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3 Antworten to “FBR legt sich nicht fest, Bibliotheksstreit geht munter weiter”

  1. fsiosi Says:

    hi niklas,
    aktuell ist fr. riedmüller (und die anderen befürworter, etwa thomas risse im I-Rat) in der minderheit. inwieweit sich so mancheR wackelkandidatIn, etwa. hr. massing oder fr. von oppeln, sich aber nicht doch noch überzeugen lassen, ist halt fraglich.

  2. Neues zum Bibliotheksstreit - Bericht aus der KFL vom 4. März « die fachschaftsinitiativen Says:

    […] Diese Sondersitzung war vor einem Monat eigens wegen des Themas “Bibliotheksentwicklung” angesetzt worden. Auch sollte das vor einem Monat verschobene Thema “Qualitätsoffensive Lehre des Präsidiums” erneut behandelt werden. Zu Letzterem kam es jedoch nicht. So ging es zwei Stunden lang nur um die Bibliotheksentwicklung in der FU, insbesondere am Fall und Anlaß Politik und Sozialwissenschaften. Zur Erinnerung siehe auch den Bericht auf dem Blog “FU-Watch”. […]

  3. Bibliotheksreform schreitet voran, OSI-Bücher kommen doch in den Müll… | Fachschaftsini Geschichte FU Says:

    […] neue Enthüllungen im Streit um die Bibliotheksreform an der FU ergaben sich in der letzten Sitzung der Kommission für Forschung und Lehre, von der nun […]

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