Die „Exzellenzinitiative Lehre“ – Geschichte eines Schattendaseins

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels findet sich ein Artikel, der das Schattendasein der „Exzellenzinitiative für die Lehre“ beschreibt. Ähnlich wie zuvor beim Elitewettbewerb für die Forschung soll es hier nun um einen Wettstreit um die beste Lehre gehen. Initiator ist der „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“, dessen Konzept aber offenbar nicht besonders beliebt ist. Auch ist die finanzielle Summe um die es hier geht eher nur symbolisch, wenn man sie mit den Aufwendungen aus der „ersten“ Exzellenzinitiative vergleicht:

„Klar scheint bisher allein, dass der Lehrwettbewerb nur mit einem Bruchteil des Geldes dotiert sein wird, der für die jüngst entschiedene Exzellenzinitiative für die Forschung zur Verfügung stand. Fünf Millionen Euro will der Stifterverband für die Lehre ausgeben – für die Forschung wurden dagegen von Bund und Ländern 1,9 Milliarden Euro verteilt.“ („Symbolischer Wettbewerb“, Tagesspiegel, 18.01.08)

Der Stifterverband ist zuversichtlicht, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) weitere 5 Millionen Euro draufpacken wird. Die KMK scheint hingegen nicht übermäßig begeistert von der Idee:

„Intern ist zu hören, dass jedenfalls kein Wettbewerb empfohlen werde, wie ihn der Stifterverband wolle. Das Grundproblem seien die katastrophalen Betreuungsverhältnisse von bis zu 100 Studierenden auf einen Professor. Daran könne man nur etwas ändern, wenn die Hochschulfinanzierung durch die Länder massiv aufgestockt werde. Damit sei derzeit nicht zu rechnen.

Auch Kramp-Karrenbauer [die Präsidentin des KMK, Anm. FUwatch] glaubt nicht an eine Exzellenzinitiative für die Lehre: ‚Wenn man einen solchen Wettbewerb will, muss er ordentlich ausgestattet sein.‘ Als Ministerin aus einem finanzschwachen Land werde sie ihren Kollegen sicherlich nicht vorschlagen, Millionenbeträge dafür zur Verfügung zu stellen. Sie sei allerdings gespannt auf die Vorschläge, die der Wissenschaftsrat demnächst vorlegen will – vor allem auf solche, die keine finanziellen Folgen hätten.“ („Symbolischer Wettbewerb“, Tagesspiegel, 18.01.08)

Den 1,9 Milliarden für die Forschung stünden nach dieser Idee also 5 bzw. 10 Millionen für die Lehre zur Verfügung und selbst das stößt auf Widerstand, was für ein Witz. Und selbst wenn die Summe massiv augestock würden, hätte man das alte Problem, dass jene Universitäten das Geld bekommen, die in der Lehre ohnehin schon besser als der Rest abschneiden, während andere Unis deren Lehre besonders desolat ist, gar keine Zuschüsse bekämen.

Umgekehrt kann man aber auch nicht einfach der schlechtesten Uni die meisten Mittel zuweisen, weil so die Motivation wegfällt, den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen und wieder mehr auf eine gute Lehre zu achten. Man müsste die Bezuschussung sicherlich schon an bestimmte Auflagen binden, sonst versackt das Geld ganz einfach wieder.

Sicherlich kann man bei einer „Exzellenzinitiative Lehre“ genauso wie bei einer „Exzellenzinitiative Forschung“ grundsätzlich die Spaltung der deutschen Hochschullandschaft in ein Zwei-Klassen-System monieren. Dennoch ist der Gedanke, dass es nicht reicht sich ständig nur auf die Forschung zu konzentrieren, während die Lehre vernachlässigt wird, als solcher natürlich erst einmal richtig.

Der Artikel zeigt aber deutlich auf, dass entgegen allen anders lautenden Beteuerungen niemand wirklich ein Interesse daran hat, die Lehre an den deutschen Hochschulen nachhaltig zu stärken. Dies ergibt sich allein schon aus den verhältnismäßig bescheidenen Summen, die hier diskutiert werden.

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