Institutsrat lehnt Bibliothekenzusammenlegung ab

Der Institutsrat (IR) des OSIs hat sich in seiner gestrigen Sitzung gegen eine Integrierung der PolSoz-Bibs in die UB ausgesprochen, wie die FSI OSI vermeldet:

„Die eingeladenen UB-Vertreter Naumann und Kende konnten keine fachlichen Vorteile für eine Zusammenlegung vorbringen, ihre Argumente bezogen sich lediglich auf die üblichen Sachzwanglogiken (zu wenig Geld für den Unterhalt mehrer Bib-Standorte; notwendige Personaleinsparungen etc.)“ („I-Rat vorerst gegen Bibliothekenzusammenlegung“, FSI OSI Blog, 16.01.08)

Ausführlicher berichtet die Kommilitonin Therese Anders im LHG-Blog über die Sitzung und macht hier vor allem deutlich, dass es nach wie vor massive Kritik und ungeklärte Fragen gibt:

„Doch die Liste der momentanen Unklarheiten und Beanstandungspunkte ist bedeutend länger als die der Vorteile. Große Kritik formierte sich über die Informationsflüsse (die in diesem Fall wohl eher sehr gewundene, teilweise auch ausgetrocknete Flussbette sind) rund um das Umstrukturierungsvorhaben. Die Anwesenden machten sich nicht ganz zu Unrecht Sorgen, dass die Pläne des Präsidiums bereits beschlossene Sache seien. Aus mehreren Quellen wurde jedoch berichtet, es habe noch keinen offiziellen Beschluss über die Umbau- und Eingliederungspläne gegeben. („Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI“, LHG Blog, 16.01.08)

Ausschlaggebend ist allerdings ohnehin nur das Votum des Fachbereichsrats (FBR), der erst nächsten Mittwoch, den 23.01., um 9:00 Uhr im Hörsaal B der Ihnestraße 21 tagt. Auch hier sollten sich dann wieder so viele Studierende wie möglich einfinden, denn einige FBR-Mitglieder sind dem Vorhaben von UB und Präsidium offenbar keineswegs ablehnend gegenüber eingestellt.

In einem unter den FSIs am FB verbreiteten studentischen Schreiben wird hier namentlich die Dekanin Prof. Dr. Barbara Riedmüller genannt, die sich in der vergangenen Sitzung bereits positiv zu den Plänen von UB und Präsidium geäußert haben soll. Ob dies so stimmt wird sich nächsten Mittwoch herausstellen, weil sich hier vermutlich herauskristallisieren wird, wer wo steht. Auch VertreterInnen des Präsidiums werden auf dieser Sitzung wohl präsent sein, um ihr Konzept vorzustellen. Es lohnt sich also sicherlich auch für Studis, dort zu erscheinen.

Das Lenzens Front unter Umständen längst eingebrochen ist, macht der Kommilitone Stefan Kesselhut in einem Artikel für die Online-Ausgabe der ZEIT deutlich:

„Angeblich bezeichnet Präsident Lenzen das Vorhaben inzwischen nur noch als ‚Denkmodell‘, will angesichts der vielen Proteste bei Studenten und Belegschaft möglicherweise auf eine schnelle, unpopuläre Entscheidung verzichten. Bleibt der Bücherbestand der politik- und sozialwissenschaftlichen Bibliotheken damit erhalten? Das ist ungewiss.“ („Das Verschwinden der Bücher“, ZEIT Online, 15.01.08)

Zurecht formuliert er das hier vorsichtig, denn es ist alles andere als sicher, dass sich das Präsidium „innerlich“ wirklich längst dazu entschlossen hat auf die Bremse zu treten, was dieses Vorhaben angeht. Wie gut die Chancen von Präsidium und UB tatsächlich stehen ihre „Vision“ durchzudrücken, wird sich dann vermutlich erst am 23.01. in der besagten FBR-Sitzung abzeichnen.

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7 Antworten to “Institutsrat lehnt Bibliothekenzusammenlegung ab”

  1. Ronny Says:

    Frau Riedmüller hat mich Montagabend im Foyer des OSI angesprochen und meinte, sie verstehe die Aufregung nicht. Der Fachbereich habe nicht das Geld für zukünftig notwendige Modernisierung der Bibliothek. Aus den frei werdenden Räumen könnten Lehrräume werden und in der UB könnten längere Öffnungszeiten ermöglicht werden.

    Sie sei daher für die Zusammenlegung – die einzige Bedingung die sie stelle, sei, dass die neue Situation einen „Besserstellung“ darstellen müsse (was Frau Riedmüller nicht präzisierte). Auf die Aussortierung der Bücher ging sie nicht ein.

  2. pheliks Says:

    Zu den Aussortierungen der Bücher positionierte sie sich bereits im Dezember. Fr. Riedmüller hatte nach dem Fachbereichsrat, bei dem dieses Thema das erste Mal aufkam, eine kurze Diskussion mit zwei Studierenden.

    Sie sagte dazu Folgendes:
    Allgemein werden von den Aussonderungen nur Dubletten betroffen sein und das sei ja wohl kein Problem, denn warum sollten Bücher mehrmals an der FU vorhanden sein?

    Die Frage, wie dann auf mehrere Bestellungen zum gleichen Titel reagiert werden solle, beantwortete sie wie folgt: In 10 Jahren seien sowieso alle Bücher online verfügbar und man könne diese dann auch am Laptop zu hause lesen. Sie selber gab an, ebenfalls schon ganze Bücher im Internet gelesen zu haben…

  3. Stefan Says:

    Nur kurz zwei Dinge, die ich aus der IRats-Sitzung mitnehme.

    Erstens einen Hinweis auf das mittlerweile angenommene Ausmaß der Zentralisierung an der Uni am Bsp. des Anfangsstatements von Hr. Naumann. In jedem zweiten seiner Sätze tauchte das Wort „Präsident“ auf. Der Präsident hat dies entschieden, der Präsident hat das abgelehnt und wenn der Präsident nicht da war, dann konnte nichts entschieden werden. Und als Bonbon die Beantwortung einer Frage mit „Ich bin nicht der Präsident.“

    Zweitens die Luschenhaftigkeit der als „kritisch“ oder „links“ oder whatever bezeichneten Profs wie Funke oder so am Bsp. der Formulierung des Beschlussvorschlags. Gut, nun lehnt das Institut nach derzeitigem Diskussionsstand die Pläne ab, aber mehr eben auch nicht.
    Wo bleibt die Kritik am Verlauf der Diskussion, am top-down-Stil des Präsidiums? Wo bleibt der Gedanke einer Solidarität zwischen den Statusgruppen? Es war doch offensichtlich, die verschiedenen Fraktionen haben alle ein Problem mit der Entscheidung und dem Verfahren, diskutieren aber immer nach ihren eigenen Sachzwängen. Mal fehlt das Geld, mal das Personal, mal die Zuständigkeit und am Ende ist eh immer die Landesebene Schuld. Wenn das tatsächlich so sein sollte, was hindert den IRat des OSI daran, in einem Positionierungsbeschluss auch mal den Senat anzugreifen oder auf generelle Probleme aufmerksam zu machen?

    Naja.

    Kommt alle am nächsten Mittwoch zum FBR und am 31.01. zur Demo. Wenn die Mittel der Gremienpolitik versagen, muss man eben demonstrieren.

  4. David Says:

    „Die Frage, wie dann auf mehrere Bestellungen zum gleichen Titel reagiert werden solle, beantwortete [Riedmüller] wie folgt: In 10 Jahren seien sowieso alle Bücher online verfügbar und man könne diese dann auch am Laptop zu hause lesen. Sie selber gab an, ebenfalls schon ganze Bücher im Internet gelesen zu haben…“

    …was ich für glatt gelogen halte. Zeitschriftenartikel, wenn überhaupt. Der Dekanin ist einfach egal was mit den Büchern passiert, weil sie selber keine mehr liest. Warum sie sich derart devot zur Erfüllungsgehilfin der Präsidialpolitik macht ist mir allerdings schleierhaft.

  5. Augenarzt Says:

    „… beantwortete sie wie folgt: In 10 Jahren seien sowieso alle Bücher online verfügbar und man könne diese dann auch am Laptop zu hause lesen. Sie selber gab an, ebenfalls schon ganze Bücher im Internet gelesen zu haben…“

    … vielleicht sollte man mal ein gutachten eines augenarztes darüber anfordern, welche folgen es hat, wenn leute hunderte seiten pro woche vollständig am bildschirm lesen

    aber faktisch wird eh etwas anderes eintreten: da das lesen so langer texte am bildschrim auf dauer nicht nur den augen, sondern auch der konzentration schadet, werden die leute entweder die texte nicht mehr zu ende lesen, oder sie sich vollständig ausdrucken – natürlich wie üblich auf einseitig bedruckten DIN-A-blättern, die dann zum großen teil spätestens ein semester später im altpapier landen. das massenhafte kopieren ist zwar bisher auch schon üblich, betrifft bisher aber eher einzelne abschnitte aus büchern, die man vorher als ganze in der hand hatte. wenn das nicht mehr geht, weil man sie nicht in papier bekommt, sondern nur noch in digitaler form, werden sie eben vollständig ausgedruckt, weil man ja noch nicht weiß, welche seiten relevant sind und welche nicht.

    wirklich ein enormer fortschritt, eine bücher in der bibliothek, das von hunderten nacheinander benutzt werden können, durch immer wieder neues individuelles ausdrucken (und wegwerfen) zu ersetzen!

  6. FBR legt sich nicht fest, Bibliotheksstreit geht munter weiter « FUwatch Says:

    […] geht munter weiter Auch in der gestrigen Sitzung des Fachbereichsrat (FBR) konnte der Bibliotheksstreit nicht beigelegt werden. Nach wie vor geht es um die Frage, ob die neue Gesamt-Bib (OSI, Soziologie, […]

  7. Bücher wegschaffen will gelernt sein // AStA FU Berlin Blog Says:

    […] schafft die Universitätsverwaltung schon mal Fakten. Obwohl die vom Präsidium gewünschte Zusammenlegung der Bibliotheken am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften längst noch nicht beschlossen ist, werden schon Fachkräfte zum Bücherausortieren gesucht – siehe […]

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