OSI Gruppen im StudiVZ

Nachdem StudiVZ fortlaufend negativ auffällt (siehe zuletzt „Warum StudiVZ auch diesmal unbeschadet davonkommen wird“), war es dann doch mal an der Zeit sich etwas genauer anzusehen, was eigentlich in Sachen OSI in Deutschlands führendem studentischen „Sündenpfuhl“ abläuft.

Mal abgesehen davon, dass wie nicht anders zu erwarten ganz allgemein viele der in den StudiVZ-Gruppen geführten Diskussionen ziemlich platt waren, war doch sehr auffällig, das selbst in Gruppen wie der „OSI Connection“ mit immerhin 559 Mitgliedern nicht etwa aktuelle Instituts-Themen oder auch allgemein hochschulpolitische Themen diskutiert werden, sondern eher Fragen wie „Welcher Prof ist für meine Abschlussarbeit im Nebenfach geeignet?“ oder (allen ernstes) „Warum kann die FU nicht ebenso schön sauber und grafitti-frei sein wie die Universität Birmingham?“. Es gibt immerhin auch ein Diskussions-Thema zum aktuell wieder brisant gewordenen Komplex „StudiVZ und Datenschutz“, interessiert scheinen hier allerdings nicht unbedingt viele.

Ich habe versucht diese politische Langeweile wenigstens mit Themen zur Personalpolitik am Institut etwas aufzumischen, das Feedback war freilich bisher nicht überwältigend. Als Test habe ich dann eine eigene Gruppe gegründet, die sich für ein „risse-freies OSI“ einsetzt und damit an meinen alten Traum angeknüpft, dass das ATASP aus dem OSI herausgelöst und der HSoG angegliedert wird (siehe „ATASP-Clique will Teilnehmer-Beschränkungen durchsetzen“).

Bisher haben sich allerdings noch keine weiteren MitstreiterInnen gefunden. An der fragwürdigen Ernsthaftigkeit meiner Gruppe kann es eigentlich nicht liegen, denn Kasperletheater ist der Normalfall im StudiVZ und schreckt eigentlich niemanden. Es hat wohl eher etwas damit zu tun, dass Risse in der OSI-Studierendenschaft im Gegensatz zu Dozierenden wie etwa Hesse oder Bolle immer noch einen verhältnismäßig großen Rückhalt genießt. Andererseits habe ich die Gruppe nicht beworben und innerhalb von ein paar Tagen stößt auch keiner allein drauf; vielleicht lag es daran.

Wenn man bei der Suche „OSI“ als Schlagwort angibt, bekommt man freilich noch einige andere Gruppen geliefert, wie z.B. den „Kaffee-Junkies am OSI“ bei denen darüber diskutiert wird, wo man seinen Kaffee herkriegt, natürlich aber nicht z.B. über die neuen Zielvereinbarungen zwischen OSI und Präsidium. Oder wie wäre es alternativ mit „Kacken am OSI“? Und ja, auch diese Gruppe bietet, was ihr Name verspricht.

Man findet viel was mit Partys, Freizeitgestaltung oder der allgemeinen Organisation des Studiums zu tun hat: „Wie ist Klausur X bei Dozent Y?“, „Was muss ich tun, um an der Uni A das Fach B studieren zu können?“. Die Option StudiVZ alternativ auch zur gemeinsamen Reflexion über gesellschaftspolitische Themen oder zur Mobilisierung gegen Missstände zu nutzen besteht natürlich hypothetisch, wird aber de facto kaum genutzt. Selbst Themen mit hohem Mobilisierungspotential, wie etwa der Kampf gegen Studiengebühren, spielen hier nur eine Nebenrolle gemessen an den reinen „Fun-und-Party-Topics“ und den unpolitischen „Sachthemen“.

Auffällig ist beim Durchgehen der Profile schon, wie hoch der Anteil an relativ jungen Studierenden ist, die mit 20 oder 21 gerade erst am Anfang ihres Studiums stehen (oder noch im Abi stecken). So hatte die OSI-Erstis-Gruppe vom WS 06/07 immerhin schon 43 Mitglieder, die aktuelle vom WS 07/08 hat aber bereits 121 Mitglieder.

Diese „neue Generation“, die mit sozialen Netzwerk-Portalen wie StudiVZ „aufgewachsen“ ist, wird diesen sicherlich auch nicht mit Mitte 20 auf einmal den Rücken kehren. Irgendwelche Anzeichen eines einsetzenden Reflexionsprozesses darüber was StudiVZ eigentlich ist oder repräsentiert, sucht man in den Diskussionen meist vergeblich.

Immerhin, die Anzahl von Studierenden, die aus Protest gegen die neuen AGBs von StudiVZ ihre Profile anonymisieren oder verfremden schien verhältnismäßig hoch – nur aus dem fortlaufenden Debakel die einzig vernünftige Konsequenz zu ziehen und das Portal hinter sich zu lassen, ist für die große Mehrheit der StudiVZ-NutzerInnen offenbar nach wie vor undenkbar.

Letztlich ist StudiVZ der ultimative empirische Beweis für die systematische Mario-Barth-isierung der deutschen Studierendenschaft. Wer sich die Zeit nimmt, mal ein wenig die Profile und die Diskussionen in den Gruppen zu durchstreifen, wird – sofern er dies nicht ohnehin schon längst getan hat – den Traum von einer breiten, emanzipatorischen Studierendenschaft, die sich gegen den Bologna Prozess, die Ökonomisierung der Hochschullandschaft, etc. irgendwann erhebt, endgültig begraben müssen.

5 Antworten to “OSI Gruppen im StudiVZ”

  1. Ronny Says:

    Soviel Pessimismus, Niklas, nur wegen einer Plattform, die doch eigentlich nur das wiedergibt, was auch außerhalb seiner technischen Mauern Realität ist?

  2. Thomas Says:

    Die Diskussion der „emanzipatorischen Studierendenschaft“ war ohnehin immer schon ein Minderheitendiskurs. Das StudiVZ, als bloße Plattform, wird da keine neuen Potenziale erzeugen. Alles andere ist Wunschdenken jener, die sich ohnehin schon ziemlich von der Wirklichkeit abgekoppelt zu haben scheinen.

    Was in letzter Zeit allerdings verstärkt zu vernehmen ist (vielleicht nicht direkt im StudiVZ aber in diversen Blogs), ist Kritik an der Arbeit des AStA und seiner Untersützer, die auch tatsächlich auf überraschend viel Resonanz zu stoßen scheint. Und das bereitet doch Hoffung *g*

  3. hochschulgruppe Says:

    Für mehr Emanzipation und ein risse-freies OSI: Die PARTEI Hochschulgruppe an der FU Berlin wählen! http://die-partei-fu-berlin.de.vu

  4. Thomas E. Says:

    Anzumerken, dass der Sinn sozialer Netzwerke durch die zunehmende Anonymisierung eigentlich flöten geht. Witz war ja gerade, reale Kontraparts zu haben. Die findet man so ja aber gar nicht mehr ohne Hinweis.

  5. Niklas Says:

    @Ronny:

    || Soviel Pessimismus, Niklas, nur wegen
    || einer Plattform, die doch eigentlich
    || nur das wiedergibt, was auch außerhalb
    || seiner technischen Mauern Realität ist?

    Natürlich gibt StudiVZ virtuell nur wieder was real ist, allerdings in sehr komprimierter Form. Wenn man sich nacheinander mal ein paar Profile und ein paar Diskussionen durchliest und sich dann vergegenwärtigt, wie die Masse der Studis so drauf ist, ist das doch sehr deprimierend.

    Es muss ja nicht immer gleich die große Revolution sein, aber dieses tiefe Verhaftet sein in Trivialitäten, im Unpolitischen ist einfach nur gruselig, gerade eben weil die Virtualität hier nur die Realität spiegelt.

    @Thomas:

    || Was in letzter Zeit allerdings verstärkt
    || zu vernehmen ist (vielleicht nicht direkt
    || im StudiVZ aber in diversen Blogs), ist
    || Kritik an der Arbeit des AStA und seiner
    || Untersützer

    Nicht wirklich, wenn Du Dir die studentische Blogosphäre an der FU ansiehst, wirst Du schnell feststellen, dass die AStA-nahen und die AStA-tragenden Gruppierungen immer noch deutlich präsenter sind, als die oppositionellen Hochschulgruppierungen. Siehe dazu auch Absatz 2 und 3 in „‚AStA Info‘ mit Blogger Special“.

    Von vielen Hochschulgruppen nimmt man nur einmal im Jahr etwas öffentlich wahr, nämlich wenn Wahlen sind. Ein Eindruck, dem die Gruppen leicht entgegentreten könnten, nicht nur aber auch indem sie in Blogs kontinuierlich transparent machen, wann sie wo hochschulpolitisch aktiv waren. Bei der LHG ist das z.B. der Fall, aber die ist eben nicht die Regel.

    @Thomas E.:

    || Anzumerken, dass der Sinn sozialer Netzwerke
    || durch die zunehmende Anonymisierung eigentlich
    || flöten geht. Witz war ja gerade, reale Kontraparts
    || zu haben. Die findet man so ja aber gar nicht
    || mehr ohne Hinweis.

    Ja, natürlich ist das ein Problem, was StudiVZ sich durch seine Geschäftspolitik aber auch selbst zuzuschreiben hat.

    Allerdings ist in einigen sozialen Netzwerken umgekehrt die Überbetonung der „Realness“ teilweise auch sehr rigide. „Networking“ in der virtuellen Sphäre bedeutet eben nicht nur, Kontakt herzustellen mit Personen die man bereits real kennt, sondern auch mit Personen die man vielleicht (noch) nicht real kennt, mit denen man aber dieselben Interessen, Anliegen, Ziele teilt.

    Gerade das aber lehnen viele ab, man will bereits real bestehende Kontakte virtuell aufrecht erhalten, aber keine neuen hinzugewinnen. Ein letztlich sehr defensiver Gedanke, der die Möglichkeiten der Kommunikation über das Internet nicht ausschöpft.

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